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The Occult Movement
in the Nineteenth Century
and its Relationship to World Culture
GA 254

11 October 1915, Dornach

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Zweiter Vortrag

Second Lecture

[ 1 ] Bei der heutigen Betrachtung möchte ich bitten, Persönliches mit Sachlichem untereinandergemischt geben zu dürfen, weil das, was ich an die gestrige Auseinandersetzung anzuknüpfen habe, gerade das ist, was die heutige Betrachtung notwendig machen wird und von dem ich nach sorgfältiger Erwägung glauben muß, daß es richtig ist, es heute hier genauer auseinanderzusetzen.

[ 1 ] In today’s reflection, I would like to ask permission to interweave personal remarks with factual observations, because what I have to say in connection with yesterday’s discussion is precisely what makes today’s reflection necessary—and, after careful consideration, I believe it is right to examine it in greater detail here today.

[ 2 ] Ich möchte ausgehen von einem ganz bestimmten Erlebnis, das mit unserer Bewegung zusammenhängend ist. Sie wissen ja: in äußerlicher Weise haben wir unsere Bewegung damit begonnen, daß wir anknüpften — aber eben in äußerlicher Weise anknüpften - an die sogenannte Theosophische Gesellschaft, und daß wir die sogenannte Deutsche Sektion innerhalb der Theosophischen Gesellschaft im Herbst 1902 in Berlin gegründet haben. Nun hatten wir dann im Laufe des Jahres 1904 einen Besuch in verschiedenen Städten Deutschlands von angesehenen Mitgliedern der Theosophischen Gesellschaft, der Theosophical Society. In die Zeit dieses Besuches fällt das Erlebnis, von dem ich ausgehen werde. Es war dazumal von mir bereits erschienen, im Frühling 1904, mein Buch «Theosophie», und begründet war die Zeitschrift «LuzitferGnosis». Und ich hatte in der Zeitschrift «Luzifer-Gnosis» bis zu einem gewissen Punkt die Artikel veröffentlicht, die über das Atlantisproblem, über die Beschaffenheit des atlantischen Zeitalters handelten. Es ist dann auch das, was ich in diesen Artikeln in «Luzifer-Gnosis» veröffentlicht habe, in einem Sonderabdruck erschienen mit dem Titel: «Unsere atlantischen Vorfahren.» Wenn Sie sich erinnern, so werden Sie finden, daß darinnen eine Anzahl von Mitteilungen gemacht worden sind über die Beschaffenheit der atlantischen Welt; sie wurden auch noch zurückgeführt in «Luzifer-Gnosis» auf die Beschaffenheit des sogenannten lemurischen Zeitalters. Also eine größere Anzahl von Artikeln dieser Art war erschienen, und gerade als dazumal die Mitglieder der Theosophical Society bei uns waren, war eines dieser Hefte, das bedeutungsvolle Mitteilungen zu bringen hatte, abgeschlossen und wurde an die Abonnenten verschickt. Es war dies gerade in den Tagen, als diese Theosophen da waren. Eine in der Theosophical Society sehr angesehene Persönlichkeit las in dem Hefte damals auch diese Mitteilungen über die atlantische Welt und stellte dann an mich eine Frage. Und diese Frage ist es, was ich als bemerkenswertes Erlebnis zusammen mit dem Gestrigen erwähnen will.

[ 2 ] I would like to begin with a very specific experience related to our movement. As you know, outwardly we began our movement by affiliating ourselves—but only outwardly—with the so-called Theosophical Society, and by founding the so-called German Section within the Theosophical Society in Berlin in the fall of 1902. Then, in the course of 1904, we received a visit in various cities across Germany from distinguished members of the Theosophical Society. The experience I will be discussing took place during this visit. My book *Theosophy* had already been published by that time, in the spring of 1904, and the journal *Luzifer-Gnosis* had been established . And in the journal *Luzifer-Gnosis*, I had published, up to a certain point, articles dealing with the Atlantis problem and the nature of the Atlantean era. What I published in these articles in *Luzifer-Gnosis* was subsequently released as a special offprint titled *Our Atlantean Ancestors*. If you recall, you will find that a number of reports were included therein regarding the nature of the Atlantean world; in “Luzifer-Gnosis,” these were also traced back to the nature of the so-called Lemurian Age. So a large number of articles of this kind had been published, and just as the members of the Theosophical Society were visiting us at that time, one of these issues, which contained significant reports, was completed and sent out to subscribers. This happened precisely during the days when these Theosophists were here. A figure highly regarded within the Theosophical Society read these reports on the Atlantean world in that issue at the time and then asked me a question. And it is this question that I wish to mention as a remarkable experience, along with what happened yesterday.

[ 3 ] Dieses Mitglied der Theosophical Society, das gerade in der Zeit, als die Gesellschaft durch Blavatsky gegründet worden ist, die allerwichtigsten Angelegenheiten mitgemacht hatte, das also ganz darinnen stand in dem Betriebe der Theosophical Society, das stellte, nachdem es die Mitteilungen über die atlantische Welt gelesen hatte, die Frage: Auf welche Weise sind denn diese Mitteilungen über die atlantische Welt eigentlich zustande gekommen? — Diese Frage schloß sehr viel und sehr Bedeutungsvolles ein, denn jenes Mitglied kannte bis dahin nur die Art und Weise, wie solche Mitteilungen in der Theosophical Society zustande gekommen waren. Sie waren nämlich zustande gekommen dadurch, daß man in der Theosophical Society zu einer Art mediumistischer Forschung gegriffen hatte. Man hatte sich bei den Mitteilungen, die dazumal schon in der Theosophical Society veröffentlicht waren, auf Forschungen gestützt, die in gewisser Beziehung etwas mit mediumistischen Forschungen zu tun haben. Das heißt, es wurde eine Persönlichkeit in eine Art von mediumistischen Zustand gebracht, man kann nicht sagen Trance, aber in eine Art von mediumistischen Zustand, und es wurden dann auch die Bedingungen hergestellt, die es möglich machten, daß die Persönlichkeit, die sich nicht im gewöhnlichen Bewußtsein befand, doch Mitteilungen machte über dasjenige, was man mit dem gewöhnlichen Bewußtsein nicht erreichen kann. Auf diesem Wege waren die Mitteilungen in jener Zeit zustande gekommen, und das betreffende Mitglied der Theosophical Society meinte, daß Mitteilungen über vorgeschichtliche Ereignisse nur auf diesem Wege gewonnen werden und fragte daher, welche Persönlichkeit wir unter uns hätten, die wir in dieser Weise als ein Medium für solche Forschungen benützen können.

[ 3 ] This member of the Theosophical Society, who had been involved in the most important matters at the very time the Society was founded by Blavatsky—and who was thus deeply immersed in the workings of the Theosophical Society—asked the following question after reading the reports on the Atlantean world: “How, exactly, did these communications about the Atlantean world actually come about?” — This question implied a great deal and was highly significant, for up to that point, that member had known only the manner in which such communications had come about within the Theosophical Society. They had, in fact, come about through the Theosophical Society’s use of a form of mediumistic research. The communications that had already been published in the Theosophical Society at that time had been based on research that, in a certain sense, had something to do with mediumistic research. That is to say, a person was brought into a kind of mediumistic state—one cannot call it a trance, but a kind of mediumistic state—and conditions were then created that made it possible for that person, who was not in the ordinary state of consciousness, to nevertheless convey messages about things that cannot be attained through ordinary consciousness. This was how the communications had come about at that time, and the member of the Theosophical Society in question believed that information about prehistoric events could only be obtained in this way and therefore asked which individual among us could be used as a medium for such research.

[ 4 ] Da ich ablehnen mußte, auf diesem Wege zu forschen und streng auf dem Boden des individuellen Forschens stand, und da ich dazumal schon alles lediglich durch eigenes persönliches Forschen gefunden hatte, so verstand mich die betreffende Persönlichkeit überhaupt nicht. Sie verstand nicht, um was es sich da handelte, sie verstand nicht, daß es sich um etwas anderes handelte als um das, was man in der Theosophischen Gesellschaft bisher getan hatte. Das war aber der Weg, der mir vorgeschrieben war: alles, was vorheriger Forschungsweg war, abzulehnen, und wenn auch mit Mitteln übersinnlicher Anschauungen, so doch so zu forschen, wie man forscht, wenn man sich nur desjenigen bedient, was als Offenbarung gegeben werden kann der Persönlichkeit, die zugleich die Forscherpersönlichkeit ist.

[ 4 ] Since I had to refuse to conduct research in this way and stood firmly on the ground of individual research, and since I had already discovered everything solely through my own personal research at that time, the person in question did not understand me at all. They did not understand what this was all about; they did not understand that it was something different from what had been done in the Theosophical Society up to that point. But that was the path that had been prescribed for me: to reject all previous methods of research, and—even if using the means of supersensory perceptions—to conduct research in the same way one does when relying solely on what can be given as revelation to the individual who is, at the same time, the researcher.

[ 5 ] Es ist nach alledem, wie ich in die spirituelle Bewegung einzugreifen habe, nichts anderes möglich, als in strengster Weise diese Ihnen oft geschilderte, für die moderne Welt und für die gegenwärtige Menschheit zweifellos notwendige Forschungsmethode geltend zu machen. Sie sehen: Bedeutsames trennt die ganze Forschungsmethode der Geisteswissenschaft von den Wegen, die in der Theosophical Society eingeschlagen worden sind. Denn alles, was sie an Mitteilungen aus der geistigen Welt hatten, zum Beispiel auch die in dem Buche Scott-Elliots über die Atlantis, ist durchaus auf dem vorhin geschilderten Wege zustande gekommen, weil man dies als allein maßgebend, weil allein objektiv, betrachtet hatte. In dieser Beziehung war also das Einfügen unserer geisteswissenschaftlichen Richtung von Anfang an etwas gegenüber den Methoden der Theosophical Society völlig Neues. Es war etwas, das ganz und gar mit den modernen wissenschaftlichen Methoden rechnete, die nur so weit auszubilden waren, daß damit hinaufgestiegen werden konnte in die geistigen Gebiete.

[ 5 ] In light of all this, as I must engage with the spiritual movement, there is no other option but to rigorously apply this method of research—which I have often described to you and which is undoubtedly necessary for the modern world and for humanity today. As you can see, there is a significant difference between the entire research method of Spiritual Science and the approaches adopted by the Theosophical Society. For all the communications they received from the spiritual world—including, for example, those in Scott-Elliot’s book on Atlantis—were obtained exclusively through the method described earlier, because this was regarded as the sole authoritative and objective approach. In this respect, therefore, the introduction of our Spiritual Science approach was, from the very beginning, something entirely new in comparison to the methods of the Theosophical Society. It was something that relied entirely on modern scientific methods, which had to be developed to the point where they could be used to ascend into the spiritual realms.

[ 6 ] Gerade diese Besprechung ist bedeutsam. Sie hat im Jahre 1904 stattgefunden und zeigte, daß zwischen dem, was hier in der Geisteswissenschaft getrieben wird und dem, was in der übrigen Theosophical Society getrieben wurde, ein großer Unterschied bestand; daß es das, was wir in der Geisteswissenschaft haben, damals nicht gab, sondern daß die Theosophische Gesellschaft die Methode fortsetzte, die hervorgegangen war als Kompromiß zwischen den Exoterikern und den Esoterikern. Das ist überhaupt das notwendige Ergebnis des Entwickelungsganges, den ich gestern geschildert habe. Ich sagte: Allmählich hörte das Sehertum auf, und es gab nur noch vereinzelte Fälle von Sehern, die man mediumistisch machen konnte und aus denen man etwas gewinnen konnte. So hatten sich sogenannte okkulte Orden gebildet, die zwar sehr viele Eingeweihte hatten, aber keine Seher. Die hatten sich allmählich überhaupt erst die Methoden herausbilden müssen — die schon lange gang und gäbe waren im materialistischen Zeitalter -, und sie hatten sich die Forschungsinstrumente erst verschaffen müssen dadurch, daß man nach solchen Persönlichkeiten suchte, in denen noch mediumistische Fähigkeiten, das heißt, atavistisches Hellsehen zu entwickeln war, um so aus ihnen etwas herauszubekommen. Man hatte ausgebreitete Lehren und auch Symbole. Aber wenn man wirklich forschen wollte, so war man darauf angewiesen, solche Persönlichkeiten mit atavistischem Hellsehen zu Hilfe zu nehmen. Diese Methode wurde dann in der Theosophical Society in gewisser Weise auch fortgesetzt, und der Kompromiß, von dem ich gestern gesprochen habe, bestand im wesentlichen aus nichts anderem, als daß man in den Logen, in den verschiedenen Orden solche Experimente gemacht hat, durch welche man geistige Einflüsse in die Welt hineinprojizierte; so daß man den Menschen zeigen konnte oder wollte: Es gibt Einflüsse aus der geistigen Welt auf die Menschen.

[ 6 ] This particular discussion is significant. It took place in 1904 and showed that there was a great difference between what was being done here in Spiritual Science and what was being done in the rest of the Theosophical Society; that what we have in Spiritual Science did not exist at that time, but that the Theosophical Society continued the method that had emerged as a compromise between the exotericists and the esotericists. This is, in fact, the inevitable result of the course of development I described yesterday. I said: Gradually, the gift of clairvoyance ceased, and there were only isolated cases of clairvoyants who could be turned into mediums and from whom something could be gained. Thus, so-called occult orders had formed, which, although they had a great many initiates, had no clairvoyants. They had first had to gradually develop the methods—which had long been common practice in the materialistic age—and they had first had to acquire the tools of research by seeking out individuals in whom mediumistic abilities, that is, atavistic clairvoyance, could still be developed, in order to extract something from them. They had extensive teachings and symbols. But if one truly wanted to conduct research, one was dependent on enlisting the help of such individuals with atavistic clairvoyance. This method was then continued in a certain way within the Theosophical Society, and the compromise I spoke of yesterday essentially consisted of nothing more than conducting such experiments in the lodges and various orders, through which spiritual influences were projected into the world; so that one could—or wanted to—show people: There are influences from the spiritual world acting upon human beings.

[ 7 ] Was man also in esoterischen Schulen getrieben hatte, das hatte man so herausgeholt. Dieser Versuch machte Fiasko. Denn während man erwartet hatte, daß durch das Medium wirklich spirituelle Gesetze herauskämen, die in der Umgebung herrschen, hat man nichts anderes erreicht, als daß die Medien fast alle dem Irrtume verfallen waren, daß das, was ihnen gegeben war, von den Toten stamme; daß sie also das Bestreben hatten, das ihnen Gegebene umzufrisieren in Mitteilungen, die ihnen von Toten zugekommen wären. Das bedingte dann eine ganz bestimmte Konsequenz. Wenn die älteren Mitglieder unter Ihnen zurückdenken an die ersten Zeiten der theosophischen Bewegung und die Literatur betrachten, die da noch unter diesem Einflusse der Theosophical Society gegeben worden ist, da werden Sie wissen, daß die astrale Welt, das heißt unmittelbar nach dem Tode, in Büchern von Frau Besant beschrieben wurde, die aber nur das wiedergaben, was in der «Geheimlehre» von der Blavatsky stand, oder was in den Büchern von Leadbeater zu lesen war. Daraus stammte auch alles das, was über das Leben der Menschen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt gegeben war.

[ 7 ] So what had been practiced in esoteric schools was brought out into the open in this way. This experiment was a fiasco. For while it had been expected that truly spiritual laws governing the surrounding environment would emerge through the medium, the only result was that almost all the mediums fell into the error of believing that what was given to them originated from the dead; that is, they were inclined to rephrase what was given to them as messages that had come to them from the dead. This then led to a very specific consequence. If the older members among you look back on the early days of the Theosophical Movement and consider the literature that was published at that time under the influence of the Theosophical Society, you will know that the astral world—that is, the realm immediately following death—was described in Mrs. Besant’s books, which, however, merely reproduced what was written in Blavatsky’s *The Secret Doctrine* or what could be read in Leadbeater’s books. This was also the source of everything that was taught about human life between death and a new birth.

[ 8 ] Wenn Sie nun damit vergleichen, was ich in meiner «Theosophie» geben mußte, was da über das Seelenland und über das Geisterland gegeben worden ist - man wollte das in der ersten Zeit immer abstreiten, aber ich glaube, es werden sich heute schon genügend Menschen finden, die objektiv darüber denken können -, dann werden Sie ganz beträchtliche Unterschiede finden, eben weil die Forschungsmethoden auch für diese Gebiete verschieden waren. Denn alle Forschungsmethoden, die die Theosophical Society hatte, führten auf jene Methoden zurück, von denen ich gesprochen habe; auch die Methoden, die angewendet wurden, um das Leben der Toten zu erforschen.

[ 8 ] If you now compare this with what I had to present in my *Theosophy*—what was written there about the realm of the soul and the realm of the spirits—people always sought to deny this in the early days, but I believe there are already enough people today who can think about it objectively—then you will find quite significant differences, precisely because the research methods for these areas were also different. For all the research methods employed by the Theosophical Society were based on the methods I have described; this includes the methods used to investigate the lives of the dead.

[ 9 ] Sie sehen also, daß dasjenige, was zunächst die Theosophical Society der Welt gab, in gewisser Beziehung eine Fortsetzung des Versuches der Okkultisten war. In welch anderer Beziehung es dies nicht war, wollen wir gleich hören. Aber im ganzen war es die Fortsetzung des Versuches, der schon von der Mitte des 19. Jahrhunderts ab durch einen Kompromiß der Exoteriker und Esoteriker zustande gekommen war; nur daß später durch die Theosophical Society die Sache etwas esoterischer gemacht worden ist. Während man vorher versucht hatte, das Medium vor die Welt hinzustellen, haben die Mitglieder der Theosophical Society es vorgezogen, das nur im inneren Kreise zu tun und dann nur die Ergebnisse mitzuteilen. Das ist ein wesentlicher Unterschied, denn man ging damit zurück auf eine Forschungsmethode, welche die verschiedenen Orden vor der Mitte des 19. Jahrhunderts als allgemeine Gepflogenheit anerkannt hatten. Ich muß das hervorheben, weil ich einmal scharf betonen muß, daß mit dem Hineinsetzen unserer geisteswissenschaftlichen Bewegung eben eine ganz neue, mit den Gesinnungen der modernen Wissenschaft absolut rechnende Methode in die okkulte Bewegung eingeführt worden ist.

[ 9 ] So you see that what the Theosophical Society initially offered the world was, in a certain sense, a continuation of the occultists’ endeavor. We will now hear in what other respects this was not the case. But on the whole, it was a continuation of the endeavor that had already come about in the mid-19th century through a compromise between the exotericists and the esotericists; only that later, through the Theosophical Society, the matter was made somewhat more esoteric. Whereas previously attempts had been made to present the medium to the world at large, the members of the Theosophical Society preferred to do so only within their inner circle and then to communicate only the results. This is a fundamental difference, for it marked a return to a method of research that the various orders had recognized as common practice prior to the mid-19th century. I must emphasize this because I need to stress once and for all that, with the emergence of our Spiritual Science movement, a completely new method—one that takes full account of the attitudes of modern science—has been introduced into the occult movement.

[ 10 ] Nun sagte ich Ihnen: der Kompromiß zwischen den Exoterikern und den Esoterikern, durch allerlei Medien die materialistische Welt zu überzeugen, daß es eine geistige Welt gibt, habe Fiasko erlitten. Man sah das Fiasko daran, daß die Medien immer von einer Welt sprachen, die ihnen unter den vorhandenen Verhältnissen gar nicht zugänglich sein konnte: von der Welt der Toten. Sie sprachen von Eingebungen, die sie aus einer Welt, in der die Toten leben, empfangen haben wollten. Nun stand die Sache so, daß die Exoteriker und die Esoteriker sahen, daß der Versuch, den sie gemacht hatten, nicht zu dem führte, was sie eigentlich gewollt hatten.

[ 10 ] Now I told you: the compromise between the exotericists and the esotericists—to convince the materialistic world, through all sorts of media, that a spiritual world exists—has ended in a fiasco. This fiasco was evident in the fact that the mediums always spoke of a world that, under the existing circumstances, could not possibly be accessible to them: the world of the dead. They spoke of inspirations they claimed to have received from a world where the dead live. The fact of the matter was that both the exotericists and the esotericists realized that the attempt they had made did not lead to what they had actually intended.

[ 11 ] Wodurch nun ist das zustande gekommen, was da vorging? Ich meine, was hat sich da eigentlich gezeigt durch diesen merkwürdigen Versuch, der durch den geschilderten Kompromiß zustande gekommen war? Es hat sich gezeigt, daß eine bestimmte Sorte von Eingeweihten gewissermaßen das Heft aus den Händen gerissen haben denjenigen, die den Kompromiß eingegangen waren. Die sehr weit nach links stehenden Eingeweihten hatten sich der Bewegung bemächtigt, die protegiert worden ist in der Art, wie ich es Ihnen geschildert habe. Sie erlangten einen großen Einfluß, weil alles, was durch die Medien zustande kam, nicht aus dem Reiche der Toten herrührte, sondern aus dem Reiche der Lebendigen, die zu gleicher Zeit die Initiatoren waren, die sich mit den Medien in Fern- oder Nahrapport setzten. Weil das alles durch diese Initiatoren und durch die Medien zustande gebracht wurde, hatte es die Färbung der Theorien derer, die sich dieser Medien bemächtigen wollten. Diejenigen unter den Exoterikern und Esoterikern, die den Kompromiß geschlossen hatten, haben den Menschen beibringen wollen: Seht, es ist noch eine geistige Welt da! — Das hat man ihnen beibringen wollen. Als aber dann denen, die glaubten das Leitseil führen zu können, das Leitseil entglitt, bemächtigten sich jene sehr weit nach links stehenden Okkultisten desselben und versuchten, ihre Theorien, ihre Anschauungen durch das Mittel der Medien, wenn ich diese Tautologie gebrauchen darf, der Welt mitzuteilen.

[ 11 ] How did what happened there come about? I mean, what did this strange experiment—which came about through the compromise described—actually reveal? It became clear that a certain type of initiate had, so to speak, snatched the reins from the hands of those who had entered into the compromise. The initiates who were very far to the left had taken control of the movement, which had been supported in the manner I have described to you. They gained great influence because everything that came about through the mediums did not originate from the realm of the dead, but from the realm of the living—who were, at the same time, the initiators who established a remote or close rapport with the mediums. Because all of this was brought about through these initiators and through the mediums, it bore the stamp of the theories of those who sought to take control of these mediums. Those among the exotericists and esotericists who had made the compromise sought to teach people: “Look, there is still a spiritual world out there!”—That is what they sought to teach them. But when the guiding rope slipped from the hands of those who believed they could hold it, those occultists who stood very far to the left seized it and attempted to communicate their theories and views to the world through the medium—if I may use this tautology—of the media.

[ 12 ] Nun war eigentlich für diejenigen, die zum Heile der Menschheit diesen Kompromiß geschlossen hatten, die Sache eine sehr fatale. Immer mehr und mehr fühlten sie: es werden im Grunde genommen immer mehr falsche Lehren über das Übersinnliche in die Welt gebracht. Das war die Lage in der Entwickelung des Okkultismus etwa in den vierziger, fünfziger Jahren, sogar noch in den sechziger Jahren des verflossenen 19. Jahrhunderts.

[ 12 ] Now, for those who had made this compromise for the sake of humanity’s salvation, the situation was actually a very dire one. They felt more and more strongly that, fundamentally, an ever-increasing number of false teachings about the supernatural were being introduced into the world. That was the state of affairs in the development of occultism in the 1840s, 1850s, and even into the 1860s of the past 19th century.

[ 13 ] Nun war man aber, während man noch nachdachte in den Kreisen der ehrlichen Okkultisten, in einer fatalen Lage. Denn je weiter die Okkultisten nach links standen, desto weniger waren sie darauf bedacht, nur das zu bringen, was man bringen kann: nämlich das Allgemein-Menschliche, «Links» ist man im Okkultismus, wenn man etwas als Endzweck erreichen will mit Hilfe dessen, was man als okkulte Lehre vertritt. «Rechts» ist man im Okkultismus, wenn man ihn nur um seiner selbst willen verbreitet. Die Mittelpartei kommt eben darauf hinaus, das Esoterische, das in unserer Zeit notwendig ist für das allgemeine Menschliche, exoterisch zu machen. Diejenigen aber, die ganz nach links stehen, sind solche, die Sonderzwecke verbinden mit dem, was sie als okkulte Lehre verbreiten. Man steht links in dem Maße, als man Sonderzwecke verfolgt, die Menschen in die geistige Welt führt, ihnen allerlei Kundgebungen aus der geistigen Welt gibt und in einer unrichtigen Weise in sie hineinpflanzt, was nur zur Realisierung von solchen Sonderzwecken dienen soll. Vor einer solchen Lage also war die Leitung der modernen Eingeweihten. Sie sahen die Sache in den Händen von Leuten, die Sonderzwecke verfolgten. Vor dieser Sachlage standen die Esoteriker und Exoteriker, die den angedeuteten Kompromiß geschlossen hatten.

[ 13 ] However, while honest occultists were still pondering these matters, they found themselves in a dire situation. For the further to the left the occultists stood, the less they were concerned with presenting only what can be presented: namely, what is universally human. One is “on the left” in occultism when one seeks to achieve a specific end through the occult teachings one espouses. One is “on the right” in occultism when one propagates it solely for its own sake. The middle ground essentially amounts to making the esoteric—which is necessary in our time for the universal human—exoteric. Those who stand entirely on the left, however, are those who combine special purposes with what they propagate as occult teachings. One is on the left to the extent that one pursues specific purposes, leading people into the spiritual world, giving them all manner of revelations from the spiritual world, and implanting within them—in an incorrect manner—what is intended solely to serve the realization of such specific purposes. This, then, was the situation facing the leadership of the modern initiates. They saw the matter in the hands of people who were pursuing specific purposes. This was the situation facing the esotericists and exotericists who had reached the compromise mentioned above.

[ 14 ] Da hörte man — wenn ich dieses Wort spreche, ist es vielleicht nicht ganz genau, aber man kann die Worte nicht genau wählen, weil wir an die äußere Sprache gebunden sind und der Verkehr unter den Okkultisten etwas anderes ist, als es die äußere Sprache zu bezeichnen fähig ist —, daß ein bedeutsames Ereignis für die weitere Fortsetzung der Geistesentwickelung auf der Erde bevorstehen müsse, und dieses Ereignis war nichts anderes als das, was ich in der folgenden Weise schildern muß. Man hatte es bei den Forschungsmethoden der einzelnen Orden vorgezogen, bis in die späteren Zeiten hinein, so gut man eben konnte, weibliche Medien weniger zu benützen. In den strengen Orden, die auf dem richtigen Standpunkte stehen wollten, hat man überhaupt keine weiblichen Medien benutzt zu Offenbarungen aus der geistigen Welt.

[ 14 ] Then one heard—though perhaps it is not entirely accurate to use this word, but one cannot choose the words precisely, because we are bound by external language, and communication among occultists is something other than what external language is capable of describing—that a significant event for the further continuation of spiritual development on Earth must be imminent, and this event was nothing other than what I must describe as follows. In the research methods of the individual orders, it had been preferred, well into later times, to make as little use as possible of female mediums. In the strict orders that sought to maintain the correct standpoint, female mediums were not used at all for revelations from the spiritual world.

[ 15 ] Nun ist das schon so, daß der weibliche Organismus durch seine Organisation länger geeignet ist, atavistisches Hellsehen zu bewahren als der männliche Organismus. Während die männlichen Medien sehr auf dem Aussterbe-Etat standen, waren weibliche Medien immerhin noch vorhanden, und man hat sich einer großen Zahl weiblicher Medien bedient auch bei dem in Rede stehenden Kompromiß. Jetzt trat aber eine Persönlichkeit in den Gesichtskreis der Okkultisten, die im ausgesprochensten Maße medial war. Das war Frau H. P. Blavatsky, eine Persönlichkeit, die ganz besonders geeignet war, durch gewisse unterbewußte Glieder ihres Organismus viel, sehr viel aus der geistigen Welt herauszuholen. Nun machen wir uns einmal klar, was eigentlich dadurch möglich war für die Welt. Gerade in einem der wichtigsten Zeitpunkte für die okkulte Entwickelung trat eine Persönlichkeit in die Welt herein, die durch die eigentümliche Art ihres Organismus nur so gespickt war mit allen Möglichkeiten, das Mannigfaltigste aus der geistigen Welt durch ihre unterbewußten Fähigkeiten herauszuholen.

[ 15 ] It is indeed true that, due to its structure, the female organism is better suited than the male organism to preserve atavistic clairvoyance. While male mediums were on the verge of extinction, female mediums were still present, and a large number of female mediums were utilized even in the compromise in question. But now a figure entered the occultists’ field of vision who was, to the utmost degree, a medium. This was Madame H. P. Blavatsky, a figure who was particularly well-suited to draw much—indeed, a great deal—from the spiritual world through certain subconscious aspects of her constitution. Let us now consider what this actually made possible for the world. Precisely at one of the most crucial moments in occult development, a figure entered the world who, due to the unique nature of her constitution, was brimming with every possibility of drawing forth the most diverse phenomena from the spiritual world through her subconscious abilities.

[ 16 ] Der Okkultist, der dazumal seine Zeit betrachtete, mußte sich sagen: Nun erscheint im richtigen Moment eine Persönlichkeit, die uns durch die eigentümliche Beschaffenheit ihres Organismus die schärfsten Beweise geben kann für dasjenige, was uralte überlieferte Lehre ist, was bei uns nur in Symbolen existiert. — Im allerhöchsten Maße war das der Fall, daß eine Persönlichkeit da war, die einfach durch ihre Organisation die Möglichkeit bot, vieles von dem, was die Zeit schon längst nicht mehr auf andere Weise als durch Überlieferung wußte, wiederum zu beweisen. Vor diesem Faktum stand man, gerade nachdem man Fiasko gemacht hatte, nachdem man so in eine Sackgasse gekommen war. Das müssen wir durchaus festhalten: man stand Blavatsky gegenüber als einer Persönlichkeit, aus der man, wie aus einer elektrisch geladenen Leidener Flasche die elektrischen Funken, okkulte Wahrheiten herausholen konnte.

[ 16 ] The occultist who observed his time back then had to say to himself: Now, at just the right moment, a personality has appeared who, through the unique nature of his organism, can provide us with the most compelling evidence for what is an ancient, traditional teaching—one that exists among us only in symbols. — To the very highest degree, this was the case: there was a figure who, simply by virtue of her constitution, offered the possibility of once again proving much of what the age had long since ceased to know in any way other than through tradition. We were confronted with this fact precisely after we had suffered a fiasco, after we had reached such a dead end. We must certainly note this: we faced Blavatsky as a personality from whom, just as electrical sparks can be drawn from an electrically charged Leyden jar, occult truths could be extracted.

[ 17 ] Nun würde es zu weit führen, wenn ich alle Zwischenglieder erzählen wollte, aber einiges Wichtige muß ich doch angeben. Es handelte sich darum, daß ein wirklich bedeutungsvoller Moment da war, den ich etwa so schildern kann, es ist mehr symbolisch ausgedrückt, trifft aber ganz den Tatbestand. Diejenigen Okkultisten, die auf der rechten Seite standen, in Verbindung mit der Mittelpartei, also diejenigen, die den Kompromiß geschlossen hatten, konnten sich sagen: Nun ist es möglich, etwas sehr Bedeutsames herauszubekommen aus dieser Persönlichkeit. — Die aber, die auf der Seite der Linken standen, konnten sich sagen: Nun ist es möglich, in intensivster Weise etwas in der Welt zu erreichen mit Hilfe dieser Persönlichkeit! — Und jetzt entstand wirklich ein Ringen, ein wirkliches Ringen um diese Persönlichkeit, auf der einen Seite in der ehrlichen Absicht, vieles, was die Eingeweihten wußten, bestätigt zu finden, auf der anderen Seite um mächtiger Sonderzwecke willen.

[ 17 ] Now, it would take us too far afield if I were to recount all the intermediate steps, but I must mention a few important points. The point was that there was a truly significant moment, which I can describe something like this—it is expressed more symbolically, but it captures the facts perfectly. Those occultists who stood on the right, in alliance with the centrist faction—that is, those who had reached a compromise—could say to themselves: Now it is possible to draw something very significant out of this personality. — But those who stood on the left could say to themselves: Now it is possible to achieve something in the world in the most intense way with the help of this personality! — And now a real struggle arose, a genuine struggle over this personality: on the one hand, with the sincere intention of finding confirmation of much of what the initiates knew; on the other hand, for the sake of powerful special purposes.

[ 18 ] Auf die erste Periode im Leben von H. P. Blavatsky habe ich öfter hingedeutet und gezeigt, wie es wirklich so war, daß man versucht hat, zunächst aus ihr vieles herauszubekommen. Aber die Sache wurde verhältnismäßig recht bald anders, und das kam dadurch, daß H. P. Blavatsky verhältnismäßig bald in die Sphäre derjenigen kam, die gewissermaßen auf dem linken Flügel standen. Und obwohl H. P. Blavatsky sehr gut wußte, was sie selber schauen konnte - sie war dadurch auch besonders bedeutsam, daß sie nicht bloß ein passives Medium war, sondern eine ungeheuer starke Erinnerung hatte für alles, was sich ihr aus den höheren Welten kundgab -, so mußten allerdings doch gewisse Persönlichkeiten auf sie einen Einfluß haben, wenn sie Kundgebungen aus der geistigen Welt hervorrufen wollte. Deshalb beruft sie sich immer auf das, was eigentlich wegbleiben müßte, auf die Mahatmas. Die können ja dahinterstehen, darauf kommt es aber nicht an, wenn es gilt, die Menschheit zu fördern.

[ 18 ] I have often referred to the early period of H. P. Blavatsky’s life and shown how, in fact, attempts were initially made to extract a great deal from her. But the situation changed relatively quickly, and this was because H. P. Blavatsky relatively soon entered the sphere of those who, so to speak, were on the left wing. And although H. P. Blavatsky knew very well what she herself could perceive—she was also particularly significant in that she was not merely a passive medium, but possessed an extraordinarily strong memory for everything that was revealed to her from the higher worlds—certain personalities inevitably had to exert an influence on her if she wished to evoke messages from the spiritual world. That is why she always refers to what should actually be left out: the Mahatmas. They may well be behind it all, but that is not what matters when it comes to advancing humanity.

[ 19 ] H.P. Blavatsky stand also verhältnismäßig bald vor einer Entscheidung. Von einer Seite, die der Linken angehörte, bekam sie Wind davon, daß sie eine wichtige Persönlichkeit sei. Sie wußte wohl, was sie schaute, aber die ganze Bedeutung ihrer Persönlichkeit kannte sie nicht. Sie wurde ihr erst enthüllt von der linken Seite. Sie war im Innersten ihres Wesens trotzdem eine grundehrliche Natur und versuchte es zunächst, nachdem sie Wind bekommen hatte von jener Seite, die ihr anfangs kaum gefallen haben dürfte — eben weil sie eine grundehrliche Natur war -, ihrerseits eine Art Kompromiß zu schließen mit einer okkulten Brüderschaft in Europa. Es hätte etwas sehr Schönes herauskommen können, weil sie durch ihre große mediumistische Gabe wirklich phänomenal bedeutsame Bestätigungen hätte liefern können für das, was die Eingeweihten aus der Theorie und aus dem Symbolismus heraus kannten. Sie war aber nicht nur eine grundehrliche Natur, sondern auch, was man im Deutschen einen Frechdachs nennt. Das war sie schon. Sie hatte einen gewissen Grundzug im Wesen, der zum Medialen neigenden Persönlichkeiten besonders eigen ist: nämlich eine Ungleichartigkeit in ihrem äußeren Auftreten. Sie hatte also Momente, wo sie sehr frech werden konnte. Und da hatte sie in einer solchen Anwandlung von Frechdachsigkeit der okkulten Brüderschaft, die entschlossen war, das Experiment zu machen, Bedingungen gestellt, die unerfüllbar waren. Und da sie wußte, daß durch sie vieles zustande kommen konnte, entschloß sie sich, es noch mit anderen Brüderschaften aufzunehmen. So kam sie an eine amerikanische Brüderschaft. Diese amerikanische Brüderschaft ist eine solche gewesen, bei der fortwährend die Majorität zwischen rechts und links geschwankt hat, die aber jedenfalls vor der Möglichkeit stand, ungeheuer Bedeutsames über die geistigen Welten herauszubekommen.

[ 19 ] H.P. Blavatsky was thus faced with a decision relatively soon. She got wind from a source on the left that she was an important figure. She knew well enough what she was dealing with, but she did not fully grasp the significance of her own role. It was only revealed to her by the Left. Nevertheless, at the core of her being she was a fundamentally honest person, and after hearing rumors from that side—which she likely did not find appealing at first, precisely because she was fundamentally honest—she initially attempted to reach a kind of compromise with an occult brotherhood in Europe. Something very beautiful could have come of it, because through her great mediumistic gift she could truly have provided phenomenally significant confirmations of what the initiates knew from theory and symbolism. But she was not only a fundamentally honest person; she was also what Germans call a “Frechdachs” (a cheeky rascal). That’s exactly what she was. She had a certain fundamental trait in her nature that is particularly characteristic of personalities inclined toward mediumship: namely, an inconsistency in her outward demeanor. So she had moments when she could become very cheeky. And in one such fit of cheekiness, she imposed conditions on the occult brotherhood—which was determined to carry out the experiment—that were impossible to fulfill. And since she knew that much could be accomplished through her, she decided to take on other brotherhoods as well. That is how she came into contact with an American brotherhood. This American brotherhood was one in which the majority constantly wavered between the right and the left, but which, in any case, stood before the possibility of uncovering something immensely significant about the spiritual worlds.

[ 20 ] Nun fällt in diese Zeit zugleich die intensivste Anteilnahme von seiten anderer linksstehender Brüder an H. P. Blavatsky. Diese Brüder der linken Seite hatten schon dazumal ihre Sonderinteressen. Ich will mich über diese Sonderinteressen nicht besonders aussprechen. Wenn es nötig werden sollte, so könnte ich das in der Zukunft einmal sagen. Für jetzt mag es genügen, zu sagen, es waren Brüder, die Sonderinteressen hatten, vor allen Dingen starke politische Sonderinteressen, denen die Möglichkeit vorleuchtete, etwas Politisches in Amerika zu vollbringen mit Leuten, die man zuerst in okkulter Weise präpariert hatte. Die Folge davon war; daß in einem Moment, wo H. P. Blavatsky eine Unsumme von okkultem Wissen dadurch schon erobert hatte, daß sie mit jener amerikanischen Loge zusammengearbeitet hatte, also im Zusammenhang gewesen war mit der amerikanischen Loge, sie aus der betreffenden Loge herausgeworfen werden mußte, weil man entdeckte, daß da etwas Politisches nun dahintersteckte. Also es ging nicht mehr.

[ 20 ] It was also during this period that other brothers on the left showed the most intense interest in H. P. Blavatsky. These brothers on the left already had their own special interests back then. I do not wish to comment specifically on these special interests. Should it become necessary, I might speak about them at some point in the future. For now, it may suffice to say that these were brothers who had special interests—above all, strong political interests—who saw the possibility of accomplishing something political in America with people who had first been prepared through occult means. The result was that, at a time when H. P. Blavatsky had already acquired a vast amount of occult knowledge through her collaboration with that American lodge—that is, through her association with the American lodge—she had to be expelled from the lodge in question because it was discovered that there was now a political agenda behind it. So it was no longer possible.

[ 21 ] Jetzt war die Situation erst recht eine schwierige, eine ungeheuer schwierige. Denn das, was unternommen worden war, um die Welthinzuweisen auf eine geistige Welt, das mußte in gewisser Weise, weil es Fiasko gemacht hatte, von den ernsten Okkultisten zurückgenommen werden. Es mußte gezeigt werden, daß nichts darauf zu geben sei, was der Spiritismus vorbrachte, obgleich er viele Anhänger hatte. Er war nur materialistisch und ein äußerster Dilettantismus. Nur solche Gelehrte beschäftigten sich damit, die in äußerlich materialistischer Weise Kunde von einer geistigen Welt bekommen wollten. Außerdem hatte Blavatsky die amerikanische Loge merken lassen bei ihrem Abgange, daß sie keineswegs gewillt war, über das, was sie wußte — und sie wußte viel, weil sie sich nachträglich an das, was bei ihr zustande gekommen war, erinnern konnte -, der Welt gegenüber zu schweigen. Sie hatte eine ganze Menge von Frechdachsigkeit!

[ 21 ] Now the situation was more difficult than ever—incredibly difficult. For what had been undertaken to draw the world’s attention to a spiritual realm had, in a sense, to be retracted by serious occultists because it had ended in a fiasco. It had to be shown that there was no substance to what Spiritism put forward, even though it had many followers. It was merely materialistic and the height of dilettantism. Only those scholars who sought to gain knowledge of a spiritual world through outwardly materialistic means were concerned with it. Furthermore, Blavatsky had made it clear to the American Lodge upon her departure that she was by no means willing to remain silent to the world about what she knew—and she knew a great deal, because she was able to recall afterward what had taken place with her. She had quite a bit of audacity!

[ 22 ] Nun war, wie man sagt, guter Rat teuer. Was war nun zu tun? Und jetzt kam etwas zustande, was ich auch verschiedentlich schon angedeutet habe; denn Stücke von dem, was ich heute im Zusammenhange sage, habe ich da und dort immer wieder gesagt. Es kam das zustande, was man im Okkultismus nennt: okkulte Gefangenschaft. H. P. Blavatsky wurde in okkulte Gefangenschaft gesetzt. Diese besteht darin, daß durch gewisse Dinge, die nur gemacht werden können von gewissen Brüdern — und die nur Brüderschaften machen, die sich auf eigentlich nichterlaubte Künste einlassen —, daß also durch gewisse Künste und Machenschaften erzielt wurde, H.P.Blavatsky in gewisser Zeit in einer Welt leben zu lassen, die all ihr okkultes Wissen nach innen warf.

[ 22 ] Now, as they say, good advice was hard to come by. What was to be done? And then something happened that I have already hinted at on several occasions; for I have mentioned bits and pieces of what I am saying today in this context time and again here and there. What came to pass was what is known in occultism as “occult imprisonment.” H. P. Blavatsky was placed in occult imprisonment. This consists in the fact that through certain acts—which can only be performed by certain brothers, and which are carried out only by brotherhoods that engage in arts that are strictly forbidden—that is, through certain arts and machinations, H. P. Blavatsky was made to live for a certain period of time in a world that cast all her occult knowledge inward.

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[ 23 ] Wenn Sie sich denken, das wäre - symbolisch gezeichnet - Blavatsky und in ihrer Aura wäre das okkulte Wissen, so wurde durch gewisse Vorgänge erzielt, daß für lange Zeit hindurch, was in dieser Aura lebte, in ihre Seele zurückgeworfen wurde. Also alles das, was sie an okkulterm Wissen hatte, sollte eingesperrt werden; sie sollte abgeschlossen werden in bezug auf die äußere Welt und in bezug auf ihren Okkultismus.

[ 23 ] If you imagine that this would be—symbolically speaking—Blavatsky, and that her aura contained occult knowledge, then certain events caused what lived within that aura to be cast back into her soul for a long time. So all the occult knowledge she possessed was to be locked away; she was to be cut off from the outside world and from her occultism.

[ 24 ] Das ist zustande gekommen in der Zeit, in der also H.P.B. hätte recht gefährlich werden können durch die Verbreitung der Dinge, die gerade zu den allerinteressantesten gehören am Horizonte der okkultistischen Bewegung. Nun erfuhren von dieser Sache gewisse indische Okkultisten, die ihrerseits wieder sehr der linken Seite zuneigten, die vor allen Dingen ein Interesse daran hatten, den Okkultismus, der durch H.P.B. in die Welt kommen konnte, so zu drehen, daß er im Sinne dessen, was diese indischen Okkultisten als Sonderinteressen hatten, wirken konnte in der Welt. Durch die Bemühungen dieser indischen Okkultisten, die die entsprechenden Praktiken kannten, kam es zustande, daß ihr wieder weggenommen wurde diese Einsperrung, daß sie wiederum frei wurde, so daß sie jetzt ihre geistigen Kräfte wieder richtig gebrauchen konnte, daß diese nicht mehr zurückgeworfen wurden.

[ 24 ] This came about at a time when H.P.B. could have become quite dangerous by disseminating information that was among the most fascinating developments on the horizon of the occult movement. Now, certain Indian occultists—who themselves leaned heavily toward the left and were primarily interested in shaping the occultism that H.P.B. had brought into the world in such a way that it would work in the world in accordance with their own special interests—learned of this matter. Through the efforts of these Indian occultists, who were familiar with the relevant practices, her confinement was lifted, she was set free once more, and she was now able to use her spiritual powers properly again, so that they were no longer held back.

[ 25 ] Sie sehen daraus schon, was alles in dieser Seele im Grunde genommen vorgegangen war, und aus was für Bestandstücken das zusammengesetzt war, was durch diese Persönlichkeit in die Welt kam. Aber dadurch, daß sich gewisse indische Okkultisten das Verdienst erworben hatten, sie frei zu machen von der Einsperrung, hatten sie sie auch in gewisser Beziehung in der Hand, und es war gar nicht möglich, etwas dagegen zu tun, daß diese indischen Okkulktisten die Persönlichkeit Blavatsky dazu benützten, jenen Teil des Okkultismus in die Welt zu schikken, welcher ihnen genehm war. So kam etwas ganz Merkwürdiges zustande. Es wurde gewissermaßen — wenn ich den groben Ausdruck benutzen darf — etwas arrangiert. Das, was arrangiert wurde, kann ich ungefähr in folgender Weise ausdrücken. Die indischen Okkultisten wollten gegen die Sonderbestrebungen, die die anderen hatten, ihre eigenen Sonderbestrebungen geltend machen und bedienten sich dazu Frau Blavatskys. H.P.B. war angewiesen darauf, einen Einfluß von außen her zu bekommen: die mediumistische Stimmung mußte bei ihr immer von außen erzeugt werden. Daher war es auch möglich, allerlei durch sie in die Welt zu bringen.

[ 25 ] From this you can already see what had essentially been taking place within this soul, and what elements made up what came into the world through this personality. But because certain Indian occultists had earned the merit of freeing her from her confinement, they also had her in their power in a certain sense, and there was simply no way to prevent these Indian occultists from using the personality of Blavatsky to introduce into the world that aspect of occultism which suited them. Thus, something quite remarkable came about. It was, so to speak—if I may use such a crude expression—somewhat arranged. I can describe what was arranged roughly as follows. The Indian occultists wanted to assert their own specific aims against the specific aims of the others, and to that end they made use of Madame Blavatsky. H.P.B. was dependent on receiving an influence from outside: her mediumistic state always had to be induced from outside. That is why it was also possible to bring all sorts of things into the world through her.

[ 26 ] Um diese Zeit geschah die Vereinigung von H.P.B. mit jener Persönlichkeit, die im Grunde genommen direkt theosophische Interessen von Anfang an nicht hatte, aber eine mit ausgezeichnetem Organisationstalent begabte Persönlichkeit war: nämlich mit Olcott. Ich kann es nicht bestimmt sagen, aber ich vermute, daß schon eine gewisse Verbindung in der Zeit bestanden hatte, als H.P.B. der amerikanischen Loge angehört hatte. Dann trat, gewissermaßen unter der Maske einer früheren Individualität, eine Persönlichkeit in den geistigen Gesichtskreis der H.P.B., die im wesentlichen der Träger desjenigen war, was man von Indien aus in die Welt lancieren wolite. Einige von Ihnen wissen vielleicht, daß gerade Colonel Olcott in seinem Buche «People from the other world» über diese Individualität viel geschrieben hat, die jetzt in den Gesichtskreis von H.P.B.trat unter der Maske einer früheren Individualität, die bezeichnet worden ist als Mahatma Koot Hoomi. Sie wissen vielleicht, daß Olcott über diesen Mahatma Koot Hoomi viel, viel geschrieben hat, darunter auch jenes, daß im Jahre 1874 sich dieser Mahatma Koot Hoomi darüber aussprach, welche Individualität in ihm wohne. Er gab an, eigentlich John King zu heißen und die Individualität eines im 17. Jahrhundert mächtigen Seeräubers gewesen zu sein. Das steht in dem Buche «People from the other world» von Colonel Olcott. Also hätte man es zu tun in dem Mahatma Koot Hoomi mit dem Spirit eines im 17. Jahrhundert glänzenden Seeräubers, der dann im 19. Jahrhundert das besorgt hatte, was besorgt worden ist an bedeutsamen Phänomenen mit Hilfe des Mediums H.P.B, und auch sonstiger. Er hat Teetassen gebracht von weither, er hat allerlei Dokumente aus dem Sarge des verstorbenen Vaters von H.P.B. erscheinen lassen und dergleichen mehr. Man mußte also nach des Colonel Olcotts Aussage annehmen, daß das die Tat des im 17. Jahrhundert glänzenden Seeräubers gewesen wäre.

[ 26 ] Around this time, H.P.B. became associated with a person who, strictly speaking, had no direct interest in Theosophy from the outset, but who possessed exceptional organizational talent: namely, Olcott. I cannot say for certain, but I suspect that a certain connection had already existed during the time when H.P.B. belonged to the American Lodge. Then, in a sense under the guise of a former individuality, a personality entered H.P.B.’s spiritual field of vision who was essentially the bearer of that which they wished to launch from India into the world. Some of you may know that Colonel Olcott, in his book *People from the Other World*, wrote extensively about this individual who now entered H.P.B.’s sphere of vision under the guise of a former individuality, who has been referred to as Mahatma Koot Hoomi. You may know that Olcott wrote a great deal about this Mahatma Koot Hoomi, including the fact that in 1874, Mahatma Koot Hoomi spoke about which individuality dwelt within him. He stated that his real name was John King and that he had been the individuality of a powerful pirate in the 17th century. This is recorded in Colonel Olcott’s book *People from the Other World*. Thus, Mahatma Koot Hoomi is said to be the spirit of a notorious 17th-century pirate who, in the 19th century, was responsible for the significant phenomena that occurred with the help of the medium H.P.B. and others. He brought teacups from afar; he caused all sorts of documents from the coffin of H.P.B.’s deceased father to appear, and so on. According to Colonel Olcott’s account, one would therefore have to assume that these were the deeds of the renowned 17th-century pirate.

[ 27 ] Nun sprach sich schon Colonel Olcott in merkwürdiger Weise über diesen John King aus. Er sagt, daß man es vielleicht gar nicht zu tun habe mit dem Spirit jenes Seeräubers, sondern vielleicht mit dem Geschöpfe eines Ordens, der unter den physischen Menschen als sichtbarer Orden besteht, während er in betreff seiner Resultate von Unsichtbaren abhängig ist. Es wäre also Mahatma Koot Hoomi Mitglied gewesen eines Ordens, der während seines Lebens jene Dinge trieb, wie ich sie beschrieben habe, und die auf dem Wege durch H.P.B. der Welt mitgeteilt werden sollten, aber mit allen möglichen Sonderinteressen verknüpft. Diese bestanden darinnen, daß man insbesondere eine indische Lehre zu verbreiten sich gedrängt fühlte.

[ 27 ] Colonel Olcott, for his part, made some curious remarks about this John King. He says that we may not be dealing at all with the spirit of that pirate, but perhaps with a being belonging to an order that exists among physical human beings as a visible order, while it is dependent on invisible beings for its results. Mahatma Koot Hoomi would thus have been a member of an order that, during his lifetime, engaged in the activities I have described—activities that were to be communicated to the world through H.P.B., but which were linked to all sorts of special interests. These interests consisted, in particular, of a strong urge to spread an Indian doctrine.

[ 28 ] So lag also jetzt die Sache etwa in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts. Sie sehen also sehr bedeutsame Vorgänge, die man aber im Zusammenhange betrachten muß, wenn man den ganzen Hergang der okkultistischen Bewegung ins Auge faßt. Dieser selbe John King ist derjenige, welcher auf dem Wege der Präzipitation zustande gebracht hat die Bücher von Sinnett, sowohl das erste Buch, die «Briefe über die okkulte Welt», wie auch namentlich das Buch «Esoterischer Buddhismus».

[ 28 ] This, then, was the state of affairs in the 1870s. You can see, then, that these were very significant events, but they must be viewed in context if one is to grasp the entire course of the occult movement. This same John King is the one who, through the process of precipitation, brought about Sinnett’s books—both the first book, *Letters from the Occult World*, and, in particular, the book *Esoteric Buddhism*.

[ 29 ] Dieses Buch «Der Esoterische Buddhismus» fiel mir in die Hand, eigentlich sehr kurze Zeit nachdem es erschienen war, nur einige Wochen danach, und ich konnte dazumal aus diesem Buche ersehen, wie man im Grunde genommen bemüht war, namentlich von einer gewissen Seite her, der spirituellen Lehre eine ganz materialistische Form zu geben. Denn wenn Sie sich mit all dem Rüstzeug, das Sie im Laufe der Zeit nun gewonnen haben, über den «Esoterischen Buddhismus» hermachten, so würden Sie erstaunt sein über die materialistischen Formen, in denen die Dinge da mitgeteilt werden. Man hat es zu tun mit einer der schlimmsten Formen des Materialismus. Es wird da die geistige Welt geradezu materialistisch dargestellt. Keiner, der nur das Buch «Esoteriischer Buddhismus» in die Hand bekommt, kann sich aus dem Materialismus erheben. Der Stoff wird da wohl recht sehr verfeinert, aber man kommt bei dem Buche von Sinnett aus dem Materiellen gar nicht heraus, wenn man auch noch so hoch hinaufklettert. So daß also nicht nur das der Fall war, daß jene, die jetzt die geistigen Brotgeber —- verzeihen Sie das materialistische Gleichnis - von H.P.B. waren, nicht nur im indischen Sinne Sonderinteressen hatten, sondern auch die schärfsten Konzessionen an den materialistischen Zeitgeist machten. Und wie richtig sie spekulierten, konnte man an dem Einflusse sehen, den das Buch von Sinnett auf sehr viele Menschen hatte. Ich habe Naturforscher kennengelernt, die entzückt waren von dem Buche von Sinnett, weil alles in ihren Kram hineinpaßte und sie dabei dennoch eine geistige Welt denken konnten. Das Buch kam allen Bedürfnissen des Materialiismus entgegen und gab doch die Möglichkeit, den Bedürfnissen nach der geistigen Welt zu genügen, eine geistige Welt zuzugestehen.

[ 29 ] This book, *Esoteric Buddhism*, came into my hands—actually very shortly after it was published, just a few weeks later—and at the time I could see from it how, essentially, there was an effort, particularly from a certain quarter, to give the spiritual teaching a thoroughly materialistic form. For if you were to tackle *Esoteric Buddhism* with all the tools you have now acquired over time, you would be astonished by the materialistic forms in which the ideas are presented there. We are dealing with one of the worst forms of materialism. The spiritual world is portrayed there in a downright materialistic manner. No one who merely picks up the book *Esoteric Buddhism* can rise above this materialism. The material is indeed presented in a highly refined manner, but in Sinnett’s book, one cannot escape the material realm at all, no matter how high one climbs. So it was not only the case that those who were now H.P.B.’s spiritual breadwinners—forgive the materialistic analogy—had special interests in the Indian sense, but they also made the most sweeping concessions to the materialistic spirit of the age. And just how right they were in their speculation could be seen in the influence that Sinnett’s book had on a great many people. I have met natural scientists who were delighted by Sinnett’s book because everything fit right into their worldview, and yet they could still conceive of a spiritual world. The book catered to all the demands of materialism and yet offered the possibility of satisfying the need for a spiritual world, of acknowledging a spiritual world.

[ 30 ] Nun wissen Sie, daß gerade unter der weiteren Entwickelung dieser Vorgänge H.P.B. - es war Ende der achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts - ihre «Geheimlehre» geschrieben hat und dann im Jahre 1891 gestorben ist. Diese «Geheimlehre» ist ganz in dem Stile gehalten wie der «Esoterische Buddhismus», nur daß ganz grobe Fehler, die jeder Okkultist sogleich korrigieren konnte, in der «Geheimlehre» richtiggestellt worden sind. Ich habe öfter gesprochen über die Eigentümlichkeiten der Blavatskyschen «Secret Doctrine». Das brauche ich also in diesem Zusammenhang nicht zu wiederholen. Dann ist auf Grundlage dessen, was auf diese Art zustande gekommen ist, die Theosophical Society gegründet worden und hat im Grunde genommen ihren indischen Charakter beibehalten, wenn auch in einer nicht mehr so intensiven Weise, wie es noch unter dem Einflusse des John King war; aber der indische Einfluß, die indische Färbung blieb die ganze Zeit über. Es war also dieses, was ich Ihnen jetzt geschildert habe, gewissermaßen ein neuer Weg, der stark mit dem Materialismus des Zeitalters rechnete, aber geeignet sein sollte, die Menschheit darauf hinzuweisen, daß man es mit einer geistigen Welt und nicht nur mit der äußeren materiellen Welt zu tun hat.

[ 30 ] Now you know that it was precisely in the context of the further development of these events that H.P.B.—it was at the end of the 1880s—wrote her *Secret Doctrine* and then died in 1891. This “Secret Doctrine” is written entirely in the style of “Esoteric Buddhism,” except that some very gross errors—which any occultist could have corrected immediately—have been rectified in the “Secret Doctrine.” I have spoken often about the peculiarities of Blavatsky’s “Secret Doctrine.” So I need not repeat that in this context. Then, on the basis of what had come about in this way, the Theosophical Society was founded and, in essence, retained its Indian character, albeit in a less intense manner than it had been under the influence of John King; but the Indian influence, the Indian flavor, remained throughout. So what I have just described to you was, in a sense, a new path that took the materialism of the age seriously but was intended to point out to humanity that we are dealing with a spiritual world and not merely with the outer material world.

[ 31 ] Nun würden sich viele Einzelheiten - aber wir haben dazu nicht die Zeit - an das anschließen müssen, was ich jetzt erzählt habe. Aber ich will gleich darauf kommen, Ihnen zu zeigen, wie sich unsere geisteswissenschaftliche Bewegung, wie wir sie nennen, hineinstellen mußte in die Bewegung, die nun einmal da war.

[ 31 ] Now, many details—but we don’t have time for them—would have to follow what I have just described. But I want to get right to the point to show you how our Spiritual Science movement, as we call it, had to position itself within the movement that was already in place.

[ 32 ] Sie wissen, daß wir im Oktober 1902 die Deutsche Sektion der Theosophical Society begründet haben. Nun hatte ich bereits seit dem Winter 1900, auch im Winter 1901, in Berlin Vorträge gehalten, die man eben theosophische Vorträge nennen kann, denn siewaren auch in dem Kreise der Berliner Theosophen gehalten, das heißt derjenigen Theosophen, die mich eingeladen hatten, diese Vorträge zu halten. Die ersten Vorträge waren die, welche zu dem Buche geworden sind «Die Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens». Diese waren in einem Kreise von Mitgliedern der Theosophischen Gesellschaft gehalten, deren Mitglied ich damals nicht war. Wir wollen zunächst festhalten, daß man es zu tun hatte mit einer ausgebreiteten Lehre, einer Lehre, die die Menschen dafür gewonnen hatte, eine Hinlenkung auf die geistige Welt zu haben. Es gab also gewissermaßen in der ganzen Welt präparierte Leute, die etwas von der geistigen Welt wissen wollten. Von dem, was ich Ihnen heute erzählt habe, wußten diese Menschen nichts, sie hatten keine Ahnung davon. Sie hatten eine ehrliche Sehnsucht nach der geistigen Welt und hatten sich aus dieser Sehnsucht heraus derjenigen Bewegung angeschlossen, in der eine solche Sehnsucht gestillt werden konnte. Man fand also in dieser Bewegung diejenigen Herzen, die sich sehnten nach einer Erkenntnis der geistigen Welt.

[ 32 ] As you know, we founded the German Section of the Theosophical Society in October 1902. Now, I had already been giving lectures in Berlin since the winter of 1900—and also in the winter of 1901—which can indeed be called theosophical lectures, since they were given within the circle of Berlin theosophists, that is, those theosophists who had invited me to give these lectures. The first lectures were those that became the book *Mysticism at the Dawn of Modern Spiritual Life*. These were given to a group of members of the Theosophical Society, of which I was not a member at the time. Let us first note that we were dealing with a widespread teaching—a teaching that had inspired people to turn their attention toward the spiritual world. So, in a sense, there were people all over the world who were primed to learn about the spiritual world. These people knew nothing of what I have told you today; they had no idea about it. They had a sincere longing for the spiritual world and, out of this longing, had joined the movement in which such a longing could be satisfied. Thus, within this movement, one found those hearts that yearned for an understanding of the spiritual world.

[ 33 ] Nun wissen Sie, daß mir in einer grotesk komischen Weise vorgeworfen wird, daß ich eine plötzliche Schwenkung gemacht hätte aus einer ganz anderen Weltanschauung heraus, die zuletzt in meinem Buche «Welt- und Lebensanschauungen im 19. Jahrhundert» ausgesprochen worden ist. Der erste Teil erschien im Februar 1900 und der zweite Teil erschien im Oktober 1900. Es wird mir vorgeworfen, daß ich eine Schwenkung gemacht hätte zur theosophischen Richtung hin. Ich habe Ihnen oftmals erzählt, daß nicht nur das der Fall war, daß mir zum Beispiel das Buch von Sinnett gleich nach seinem Erscheinen in die Hand gefallen war, sondern daß ich auch intime Beziehungen gehabt hatte mit der ganz jungen Wiener Theosophischen Gesellschaft. Sie müssen die Zeitverhältnisse heute zusammenfassen; und ich möchte noch in Kürze Ihnen eine Möglichkeit geben, auf diese, ich möchte sagen, Vorgeschichte der Deutschen Sektion in offener, objektiver Weise hinzuschauen. Es gab darinnen Menschen, die Sehnsucht hatten nach der geistigen Welt, und in ihrem Kreise hatte ich die Vorträge gehalten. Das waren die Vorträge, die ich in dem kleinen Raume bei Graf Brockdorff gehalten habe über die Mystik und über die Mystiker. Ich selber war dazumal nicht Mitglied. Die Vorrede zu dem Drucke dieser Vorträge ist datiert: September 1901. Ich habe also das, was dazumal im Winter 1900/1901 an Vorträgen gehalten worden ist, im Sommer 1901 zusammengestellt, und das Buch ist dann unter dem Titel «Die Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens» im September erschienen.

[ 33 ] Now you know that I am being accused, in a grotesquely comical way, of having made a sudden shift from an entirely different worldview, one that was most recently articulated in my book *Worldviews and Philosophies of Life in the 19th Century*. The first part was published in February 1900, and the second part in October 1900. I am accused of having shifted toward theosophy. I have often told you that not only was it the case that, for example, Sinnett’s book had fallen into my hands immediately after its publication, but that I had also had close ties with the very young Vienna Theosophical Society. You must summarize the circumstances of that time; and I would like to briefly give you an opportunity to look at this—I would say—background of the German Section in an open, objective manner. There were people there who yearned for the spiritual world, and it was in their circle that I had given the lectures. These were the lectures I gave in the small room at Count Brockdorff’s on mysticism and the mystics. I myself was not a member at that time. The preface to the printed edition of these lectures is dated September 1901. So I compiled the lectures that had been given during the winter of 1900–1901 in the summer of 1901, and the book was then published in September under the title *Mysticism at the Dawn of Modern Spiritual Life*.

[ 34 ] Sie müssen nun die ersten Worte des Vorwortes dieses Buches nehmen. Ich will sie Ihnen vorlesen:

[ 34 ] You must now take the first words of this book's preface. I will read them to you:

[ 35 ] «Was ich in dieser Schrift darstelle, bildete vorher den Inhalt von Vorträgen, die ich im verflossenen Winter in der theosophischen Bibliothek zu Berlin gehalten habe. Ich wurde von Gräfin und Graf Brockdorff aufgefordert, über die Mystik vor einer Zuhörerschaft zu sprechen, der die Dinge eine wichtige Lebensfrage sind, um die es sich dabei handelt. - Vor zehn Jahren hätte ich es noch nicht wagen dürfen, einen solchen Wunsch zu erfüllen. Nicht als ob damals die Ideenwelt, die ich heute zum Ausdruck bringe, noch nicht in mir gelebt hätte. Diese Ideenwelt ist schon ganz in meiner «Philosophie der Freiheit» (Berlin 1894, Emil Felber) enthalten. Um aber diese Ideenwelt so auszusprechen, wie ich es heute tue, und sie so zur Grundlage einer Betrachtung zu machen, wie es in dieser Schrift geschieht, dazu gehört noch etwas ganz anderes, als von ihrer gedanklichen Wahrheit felsenfest überzeugt sein. Dazu gehört ein intimer Umgang mit dieser Ideenwelt, wie ihn nur viele Jahre des Lebens bringen können. Erst jetzt, nachdem ich diesen Umgang genossen habe, wage ich, so zu sprechen, wie man es in dieser Schrift wahrnehmen wird.»

[ 35 ] “What I present in this work was previously the subject of lectures I gave last winter at the Theosophical Library in Berlin. I was invited by Countess and Count Brockdorff to speak on mysticism before an audience for whom the matters at hand are a vital question of life. — Ten years ago, I would not yet have dared to fulfill such a request. Not that the world of ideas I express today had not already been alive within me at that time. This world of ideas is already fully contained in my *Philosophy of Freedom* (Berlin 1894, Emil Felber). But to articulate this world of ideas as I do today, and to make it the foundation of a line of thought as it is done in this work, requires something quite different from being rock-solidly convinced of its intellectual truth. It requires an intimate engagement with this world of ideas, the kind that only many years of life can bring. Only now, having enjoyed this engagement, do I dare to speak as one will perceive in this work.”

[ 36 ] Nun können Sie sich denken, warum ich das, was ich in den verschiedensten Kreisen als Vorträge gehalten habe, habe einlaufen lassen in eine okkulte Bewegung. Schon im ersten Bande meiner «Welt- und Lebensanschauungen» steht in dem Kapitel über Schelling folgendes. Ich zitiere nach der ersten Auflage, die Ernst Haeckel gewidmet war und im Februar 1900 erschienen ist. Daraus werde ich einige Stellen vorlesen, die also in einem Buche geschrieben sind, von dem gesagt wird, daß es aus einer ganz anderen Weltanschauung entsprungen sei als dasjenige, was in der «Mystik» steht:

[ 36 ] Now you can imagine why I incorporated what I had presented as lectures in a wide variety of circles into an occult movement. Already in the first volume of my *Welt- und Lebensanschauungen* (Worldviews and Philosophies of Life), the chapter on Schelling contains the following. I am quoting from the first edition, which was dedicated to Ernst Haeckel and published in February 1900. I will read aloud a few passages from it—passages that appear in a book said to have sprung from a worldview entirely different from that found in *Mysticism*:

[ 37 ] Seite 80: «Nun gibt es zwei Möglichkeiten, das eine Wesen, das Geist und Natur zugleich ist, zu beschreiben. Die eine ist: ich zeige die Naturgesetze auf, die in Wirklichkeit tätig sind. Oder ich zeige, wie der Geist es macht, um zu diesen Gesetzen zu kommen. Beide Male leitet mich eines und dasselbe. Das eine Mal zeigt mir die Gesetzmäßigkeit, wie sie in der Natur wirksam ist; das andere Mal zeigt mir der Geist, was er beginnt, um sich dieselbe Gesetzmäßigkeit vorzustellen. In dem einen Falle treibe ich Natur-, in dem anderen Geisteswissenschaft. Wie diese beiden zusammengehören, beschreibt Schelling in anziehender Weise: «Die notwendige Tendenz aller Naturwissenschaft ist, von der Natur aufs Intelligente zu kommen. Dies und nichts anderes liegt dem Bestreben zugrunde, in die Naturerscheinungen Theorie zu bringen. Die höchste Vervollkommnung der Naturwissenschaft wäre die vollkommene Vergeistigung aller Naturgesetze zu Gesetzen des Anschauens und des Denkens. Die Phänomene (das Materielle) müssen völlig verschwinden und nur die Gesetze (das Formelle) bleiben. Daher kommt es, daß, je mehr in der Natur selbst das Gesetzmäßige hervorbricht, desto mehr die Hülle verschwindet, die Phänomene selbst geistiger werden und zuletzt völlig aufhören. Die optischen Phänomene sind nichts anderes als eine Geometrie, deren Linien durch das Licht gezogen werden, und dieses Licht selbst ist schon zweideutiger Materialität. In den Erscheinungen des Magnetismus verschwindet schon alle materielle Spur, und von den Phänomenen der Schwerkraft, welche selbst Naturforscher nur als unmittelbar geistige Einwirkung — Wirkung in die Ferne — «begreifen zu können glaubten, bleibt nichts zurück als ihr Gesetz, dessen Ausführung im Großen der Mechanismus der Himmelsbewegungen ist. Die vollendete Theorie der Natur würde diejenige sein, kraft welcher die ganze Natur sich in eine Intelligenz auflöste. Die toten und bewußtlosen Produkte der Natur sind nur mißlungene Versuche der Natur, sich selbst zu reflektieren, die sogenannte tote Natur aber überhaupt eine unreife Intelligenz, daher in ihren Phänomenen noch bewußtlos schon der intelligente Charakter durchblickt. Das höchste Ziel, sich selbst ganz Objekt zu werden, erreicht die Natur erst durch die höchste und letzte Reflexion, welche nichts anderes als der Mensch, oder allgemeiner das ist, was wir Vernunft nennen, durch welche zuerst die Natur vollständig in sich selbst zurückkehrt, und wodurch offenbar wird, daß die Natur ursprünglich identisch ist mit dem, was in uns als Intelligentes und Bewußtes erkannt wird.>»

[ 37 ] Page 80: “Now there are two ways to describe the one being that is both spirit and nature. One is: I point out the laws of nature that are actually at work. Or I show how the mind proceeds to arrive at these laws. In both cases, I am guided by one and the same thing. In one case, the regularity of nature, as it operates in nature, reveals itself to me; in the other, the mind shows me what it does to create a mental image of that same regularity. In one case, I pursue natural science; in the other, Spiritual Science. Schelling describes how these two belong together in a compelling way: “The necessary tendency of all natural science is to move from nature toward the intelligent. This, and nothing else, underlies the endeavor to develop a theory of natural phenomena. The highest perfection of natural science would be the complete spiritualization of all natural laws into laws of intuition and thought. The phenomena (the material) must disappear entirely, and only the laws (the formal) remain. Hence, the more the law-like nature of nature itself comes to the fore, the more the shell disappears, the phenomena themselves become more spiritual, and ultimately cease entirely. Optical phenomena are nothing other than a geometry whose lines are drawn by light, and this light itself is already of an ambiguous materiality. In the phenomena of magnetism, every trace of materiality has already vanished, and of the phenomena of gravity—which even natural scientists “believed they could comprehend” only as an immediately spiritual influence—an action at a distance—nothing remains but its law, the large-scale manifestation of which is the mechanism of celestial motions. The perfect theory of nature would be the one by virtue of which the whole of nature dissolves into an intelligence. The dead and unconscious products of nature are merely nature’s failed attempts to reflect upon itself; so-called “dead nature,” however, is an immature intelligence, and thus, even in its unconscious phenomena, its intelligent character is already discernible. Nature achieves its highest goal—to become an object entirely in itself—only through the highest and final reflection, which is nothing other than man, or more generally, what we call reason; through this, nature first returns completely to itself, and thereby it becomes evident that nature is originally identical with that which is recognized in us as intelligent and conscious.>»

[ 38 ] Und in weiterer Anknüpfung an Schelling sage ich dann Seite 85:

[ 38 ] And, continuing in the vein of Schelling, I then say on page 85:

[ 39 ] «Mit seinem fortschreitenden Denken wurde für Schelling die Weltbetrachtung zur Gottesbetrachtung oder Theosophie. Vollständig stand er schon auf dem Boden einer solchen Gottesbetrachtung, als er 1809 seine «Philosophischen Untersuchungen über das Wesen der menschlichen Freiheit und die damit zusammenhängenden Gegenstände herausgab. Alle Weltanschauungsfragen rückten sich ihm jetzt in ein neues Licht. Wenn alle Dinge göttlich sind: wie kommt es, daß es Böses in der Welt gibt, da Gott doch nur die vollkommene Güte sein kann? Wenn die Seele des Menschen in Gott ist: wie kommt es, daß sie doch ihre selbstsüchtigen Interessen verfolgt? Und wenn Gott es ist, der in mir handelt: wie kann ich, der ich also gar nicht als selbständiges Wesen handle, dennoch frei genannt werden?»

[ 39 ] “As his thinking progressed, Schelling’s view of the world became a contemplation of God, or theosophy. He was already fully grounded in such a contemplation of God when he published his *Philosophical Investigations into the Nature of Human Freedom and Related Subjects* in 1809. All questions of worldview now appeared to him in a new light. If all things are divine: how is it that there is evil in the world, since God can be nothing but perfect goodness? If the human soul is in God: how is it that it nevertheless pursues its own selfish interests? And if it is God who acts within me: how can I—who therefore do not act as an independent being at all—nevertheless be called free?”

[ 40 ] Diese Weltanschauung wird nicht abgelehnt. —- Und weiter sage ich Seite 90:

[ 40 ] This worldview is not rejected. —- And further on, on page 90, I say:

[ 41 ] «Mit solchen Anschauungen hat Schelling sich als den kühnsten und mutigsten derjenigen Philosophen erwiesen, die sich von Kant zu einer idealistischen Weltanschauung haben anregen lassen. Das Philosophieren über Dinge, die jenseits dessen liegen, was die menschlichen Sinne beobachten, und was das Denken über die Beobachtungen aussagt, hat man, unter dem Einflusse dieser Anregung, aufgegeben. Man suchte sich mit dem zu bescheiden, was innerhalb Beobachtung und Denken liegt. Während aber Kant aus der Notwendigkeit solchen Bescheidens geschlossen hat, man könne über jenseitige Dinge nichts wissen, erklärten die Nach-Kantianer: da Beobachtung und Denken auf kein jenseitiges Göttliches hindeuten, sind sie selbst das Göttliche. Und von denen, die solches erklärten, war Schelling der energischste. Fichte hat alles in die Ichheit hereingenommen; Schelling hat die Ichheit über alles ausgebreitet. Er wollte nicht wie jener zeigen, daß die Ichheit alles, sondern umgekehrt, daß alles Ichheit sei. Und Schelling hatte den Mut, nicht nur den Ideengehalt des Ich für göttlich zu erklären, sondern die ganze menschliche Geistpersönlichkeit. Er machte nicht nur die menschliche Vernunft zu einer göttlichen, sondern den menschlichen Lebensinhalt zu der göttlichen, persönlichen Wesenheit. Man nennt eine Welterklärung Anthropomorphismus, die vom Menschen ausgeht und sich vorstellt, daß dem Weltenlauf im ganzen eine Wesenheit zugrunde liegt, die ihn so lenkt, wie der Mensch seine eigenen Handlungen lenkt. Auch derjenige erklärt die Welt anthropomorphisch, der den Ereignissen eine allgemeine Weltvernunft zugrunde legt. Denn diese allgemeine Weltvernunft ist nichts anderes als die menschliche Vernunft, die zur allgemeinen gemacht wird. Wenn Goethe sagt: «Der Mensch begreift niemals, wie anthropomorphisch er ist, so denkt er daran, daß in den einfachsten Aussprüchen, die wir über die Natur tun, versteckte Anthropomorphismen enthalten sind. Wenn wir sagen, ein Körper rollt weiter, weil ihn ein anderer gestoßen hat, so bilden wir eine solche Vorstellung von unserem Ich aus. Wir stoßen einen Körper, und er rollt weiter. Wenn wir nun sehen, daß eine Kugel sich gegen eine andere bewegt, und diese dann weiterrollt, so stellen wir uns vor, die erste habe die zweite gestoßen, analog der stoßenden Wirkung, die wir selbst ausüben. Ernst Haeckel findet, das anthropomorphische Dogma «vergleicht die Weltschöpfung und Weltregierung Gottes mit den Kunstschöpfungen eines sinnreichen 'Technikers oder Maschinen-Ingenieurs und mit der Staatsregierung eines weisen Herrschers. Gott der Herr als Schöpfer, Erhalter und Regierer der Welt wird dabei in seinem Denken und Handeln durchaus menschenähnlich vorgestellt.» Schelling hat den Mut zu dem konsequentesten Anthropomorphismus gehabt. Er erklärte zuletzt den Menschen mit seinem ganzen Lebensinhalt zur Gottheit. Und da zu diesem Lebensinhalt nicht allein das Vernünftige gehört, sondern auch das Unvernünftige, so hatte er die Möglichkeit, auch das Unvernünftige innerhalb der Welt zu erklären. Er mußte zu diesem Ende allerdings die Vernunftansicht durch eine andere ergänzen, die ihre Quelle nicht im Denken hat. Diese, nach seiner Meinung, höhere Ansicht, nannte er «positive Philosophie». Sie «st die eigentliche freie Philosophie; wer sie nicht will, mag sie lassen, ich stelle es jedem frei, ich sage nur, daß, wenn einer zum Beispiel den wirklichen Hergang, wenn er eine freie Weltschöpfung und so weiter will, er dieses alles nur auf dem Wege einer solchen Philosophie haben kann. Ist ihm die rationale Philosophie genug, und verlangt er außer dieser nichts, so mag er bei dieser bleiben, nur muß er aufgeben, mit der rationalen Philosophie und in ihr haben zu wollen, was diese in sich schlechterdings nicht haben kann, nämlich den wirklichen Gott und den wirklichen Hergang und ein freies Verhältnis Gottes zur Welt». Die negative Philosophie wird «vorzugsweise die Philosophie für die Schule bleiben, die positive die für das Leben. Durch beide zusammen wird erst die vollständige Weihe gegeben sein, die man von der Philosophie zu verlangen hat. Bekanntlich wurden bei den eleusinischen Weihen die kleinen und die großen Mysterien unterschieden, die kleinen galten als eine Vorstufe der großen... Die positive Philosophie ist die notwendige Folge der recht verstandenen negativen, und so kann man wohl sagen: in der negativen Philosophie werden die kleinen, in der positiven die großen Mysterien der Philosophie gefeiert.»

[ 41 ] “With such views, Schelling has proven himself to be the boldest and most courageous of those philosophers who were inspired by Kant to adopt an idealistic worldview. Under the influence of this inspiration, people abandoned philosophizing about things that lie beyond what the human senses can observe and what thought says about those observations. People sought to be content with what lies within the realm of observation and thought. But while Kant concluded from the necessity of such modesty that one could know nothing about things beyond this world, the post-Kantians declared: since observation and thought point to no divine reality beyond this world, they themselves are the divine. And of those who made such a declaration, Schelling was the most forceful. Fichte incorporated everything into the “I”; Schelling extended the “I” over everything. Unlike Fichte, he did not seek to show that the “I” is everything, but rather, conversely, that everything is the “I.” And Schelling had the courage not only to declare the conceptual content of the “I” to be divine, but also the entire human spiritual personality. He made not only human reason divine, but also the very substance of human life into the divine, personal essence. An explanation of the world is called anthropomorphism when it proceeds from human beings and creates a mental image of a being that guides the course of the world as a whole just as human beings guide their own actions. Even those who attribute a general world reason to events are explaining the world anthropomorphically. For this general world reason is nothing other than human reason made universal. When Goethe says, “Man never realizes how anthropomorphic he is,” he is reminding us that even the simplest statements we make about nature contain hidden anthropomorphisms. When we say that a body continues to roll because another has pushed it, we form such a mental image based on our own “I.” We push a body, and it continues to roll. When we see a sphere moving toward another, and the latter then rolls on, we imagine that the first has pushed the second, analogous to the pushing force that we ourselves exert. Ernst Haeckel maintains that the anthropomorphic dogma “compares God’s creation and governance of the world to the artistic creations of an ingenious ‘technician’ or ‘mechanical engineer’ and to the governance of a wise ruler. God the Lord, as the Creator, Sustainer, and Ruler of the world, is thereby depicted in His thinking and actions as having a thoroughly human-like mental image.” Schelling had the courage to embrace the most consistent form of anthropomorphism. Ultimately, he declared humanity—with its entire substance of life—to be a deity. And since this substance of life includes not only the rational but also the irrational, he was able to account for the irrational within the world as well. To this end, however, he had to supplement the rational perspective with another that does not have its source in thought. This view, which he considered superior, he called “positive philosophy.” It “is the true free philosophy; whoever does not want it may disregard it—I leave it up to each individual—I only say that if, for example, one desires the true course of events, if one desires a free creation of the world and so on, one can attain all this only through such a philosophy. If rational philosophy is enough for him, and he demands nothing beyond it, then he may stick with it; he must simply give up the idea of wanting, through rational philosophy and within it, what it simply cannot possess—namely, the real God, the real course of events, and a free relationship between God and the world.” Negative philosophy will “remain primarily the philosophy for the school, while positive philosophy will be that for life. Only through both together will the complete initiation be granted that one must demand from philosophy. As is well known, in the Eleusinian initiations a distinction was made between the Lesser and the Greater Mysteries; the Lesser were regarded as a preliminary stage to the Greater... Positive philosophy is the necessary consequence of negative philosophy properly understood, and so one may well say: in negative philosophy the lesser mysteries of philosophy are celebrated, and in positive philosophy the greater ones.”

[ 42 ] Geschlossen wird dieses Kapitel in den «Welt- und Lebensanschauungen» mit den Worten:

[ 42 ] This chapter in *Worldviews and Philosophies of Life* concludes with the following words:

[ 43 ] «Wird das Innenleben als das Göttliche erklärt, dann erscheint es inkonsequent, bei einem Teil dieses Innenlebens stehen zu bleiben. Schelling hat diese Inkonsequenz nicht begangen. In dem Augenblicke, in dem er sagte: die Natur erklären, heiße die Natur schaffen, hat er seiner ganzen Lebensanschauung die Richtung gegeben. Ist das denkende Betrachten der Natur eine Wiederholung ihres Schaffens, so muß auch der Grundcharakter dieses Schaffens dem des menschlichen Tuns entsprechen; er muß ein Akt der Freiheit, nicht ein solcher geometrischer Notwendigkeit sein. Ein freies Schaffen können wir aber auch nicht durch Gesetze der Vernunft erkennen; es muß sich durch ein anderes Mittel offenbaren.»

[ 43 ] “If inner life is declared to be the divine, then it seems inconsistent to stop at only a part of that inner life. Schelling did not commit this inconsistency. The moment he said that ‘to explain nature is to create nature,’ he set the direction for his entire worldview. If the thoughtful contemplation of nature is a repetition of its creation, then the fundamental character of this creation must also correspond to that of human action; it must be an act of freedom, not one of geometric necessity. However, we cannot recognize free creation through the laws of reason; it must reveal itself through some other means.”

[ 44 ] Ich hatte eine Geschichte der Weltanschauungen im 19. Jahrhundert zu schreiben. Weiter konnte ich nicht gehen; denn, was dazumal in der fortschreitenden Entwickelung lebte, das waren lauter dilettantische Versuche, das hatte auf den Fortgang des Forschens in philosophischer Beziehung keinen Einfluß. Das konnte kein Kapitel bilden in diesem Buche. Aber die Theosophie, insofern sie in das ernste Denken aufgenommen worden ist, finden Sie da drinnen in dem Kapitel über Schelling.

[ 44 ] I had to write a history of worldviews in the 19th century. I could not go any further; for what was then taking shape in the course of progressive development consisted entirely of amateurish attempts that had no influence on the advancement of philosophical research. That could not form a chapter in this book. But theosophy, insofar as it has been incorporated into serious thought, can be found there in the chapter on Schelling.

[ 45 ] Nun bitte ich Sie, dieses Buch trägt in seinem zweiten Teile, der erst Hegel behandelt, das Datum: Oktober 1900. Da habe ich erst angefangen, jene Vorträge zu halten, und im September 1901 ist die «Mystik» bereits erschienen. Wirklich nicht um etwas Persönliches vorzubringen, sondern um Ihnen ein unbefangenes Urteil zu ermöglichen, möchte ich Sie hinweisen auf eine Besprechung, die über das Buch «Welt- und Lebensanschauungen im 19. Jahrhundert» erschienen ist am 15. Dezember 1901 in dem Organe des deutschen Freidenkerbundes «Der Freidenker». Darin wird nach einer Einleitung, und nachdem man gesagt hat, es werde vermißt eine lesbare Darstellung der Weltanschauungsentwickelung im 19. Jahrhundert, gesagt:

[ 45 ] Now, please note that the second part of this book—which deals exclusively with Hegel—bears the date October 1900. That was when I first began giving those lectures, and by September 1901, *Mysticism* had already been published. Truly not to make a personal point, but to enable you to form an unbiased judgment, I would like to draw your attention to a review of the book *Worldviews and Lifestyles in the 19th Century* that appeared on December 15, 1901, in *Der Freidenker*, the journal of the German Freethinkers’ League. In it, following an introduction and a statement that a readable account of the development of worldviews in the 19th century is lacking, the reviewer writes:

[ 46 ] «Namentlich auf dem Gebiete der Philosophie, wo «sich mit Worten trefflich streiten, mit Worten ein System bereiten läßt, ist in populären Schriften viel gesündigt worden. Den Zionswächtern und Ordnungsschülern jedweder Facon und ihrem gelehrten Klüngel, dem leider so mancher Hochschullehrer angehört, ist viel aufs Kerbholz zu schreiben.»

[ 46 ] “Particularly in the field of philosophy, where ‘one can argue admirably with words and construct a system with words,’ many sins have been committed in popular writings. The ‘Guardians of Zion’ and ‘disciples of order’ of every stripe, along with their scholarly clique—to which, unfortunately, many a university professor belongs—have much to answer for.”

[ 47 ] Durch den folgenden Absatz soll nur auf die wohlwollende Art hingewiesen werden, wie damals das Buch aufgenommen worden ist:

[ 47 ] The following paragraph is intended merely to highlight the favorable reception the book received at the time:

[ 48 ] «Um so freudiger muß es daher begrüßt werden, wenn Dr. Steiner, ein als moderner Denker und Kämpfer bekannter Schriftsteller, es unternommen hat, dem deutschen Publikum eine objektive Darstellung der geistigen Kämpfe um die Weltanschauung, die in Deutschland im 19. Jahrhundert ausgefochten wurden, zu geben.»

[ 48 ] “It is therefore all the more cause for celebration that Dr. Steiner, a writer known as a modern thinker and activist, has undertaken to provide the German public with an objective account of the intellectual struggles over worldview that took place in Germany in the 19th century.”

[ 49 ] Dann gibt er einen Auszug aus dem Buche. Dann ist aber etwas Merkwürdiges gesagt, und um dessentwillen muß ich Ihnen das alles mitteilen. Derjenige, der diese Kritik geschrieben hat, vermißt in dem Buche etwas, und das spricht er in folgender Weise aus:

[ 49 ] Then he quotes an excerpt from the book. But then something strange is said, and that is why I must share all of this with you. The person who wrote this review feels that something is missing from the book, and he expresses this as follows:

[ 50 ] «Wenn auch der Spiritismus Du Prels und das anachoretische Urchristentum Tolstojs für eine auf dem Entwickelungsgedanken fußende Kulturtätigkeit unbrauchbar geworden sind, so ist doch ihr symptomatischer Wert nicht zu verkennen. Desgleichen hätte der Neu-Buddhismus (Theosophie), der eine eigene Phraseologie, eine Art ‹mystisches Rotwelsch› ausgebildet hat, einen Platz finden können. Eine Psychologie des modernen Geisterglaubens von einem so geistreichen Manne wie Steiner wäre uns sicherlich willkommen gewesen. Die Sprache des Werkes ist leicht faßlich. Keine schulphilosophischen, ellenlangen Perioden stören dem Leser den Genuß.»

[ 50 ] “Even if Du Prel’s spiritualism and Tolstoy’s anchoritic early Christianity have become useless for cultural activity based on the idea of evolution, their symptomatic value cannot be overlooked. Likewise, Neo-Buddhism (Theosophy), which has developed its own jargon—a sort of ‘mystical gibberish’—could have found a place here. A psychology of modern belief in spirits by a man as witty as Steiner would certainly have been welcome. The language of the work is easy to understand. No lengthy, academic philosophical sentences interfere with the reader’s enjoyment.”

[ 51 ] Das ist geschrieben im Dezember 1901, kurz nachdem ich angefangen hatte, die theosophischen Vorträge in Berlin zu halten. Man kann sagen: objektiv ist dazumal verlangt worden, öffentlich ist es gefordert worden, daß ich mich ausspreche über das, was die Theosophie will. Es war nicht eine Willkür, es war ein deutlicher Wink des Karma, wie man sagt.

[ 51 ] This was written in December 1901, shortly after I had begun giving theosophical lectures in Berlin. One could say: objectively, it was required at that time; publicly, it was demanded that I speak out about what Theosophy stands for. It was not a matter of whim; it was a clear sign from karma, as they say.

[ 52 ] Nun hatte ich im Winter 1900/1901 die Vorträge über die Mystik gehalten und im Winter 1901/1902 diejenigen, die als Vorträge etwas ausführlicher das griechische und auch das ägyptische Mysterienwesen behandelten, und die dann in dem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache», im Sommer 1902 erschienen sind. Ein großer Teil der «Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens» wurde sogleich ins Englische übersetzt, und zwar noch bevor ich Mitglied der Theosophica! Society war. Nun könnte ich vieles erzählen — aber dazu reicht die Zeit nicht aus —, was wichtig ist, was aber ein anderes Mal erzählt werden kann. Das eine muß ich aber dennoch erzählen.

[ 52 ] I had given the lectures on mysticism in the winter of 1900–1901, and in the winter of 1901–1902 I gave those that dealt in somewhat greater detail with the Greek and Egyptian mystery traditions; these were then published in the book *Christianity as a Mystical Fact* in the summer of 1902. A large portion of “Mysticism at the Dawn of Modern Spiritual Life” was immediately translated into English, even before I became a member of the Theosophical Society. Now, I could tell you many things—but there isn’t enough time for that—things that are important, but which can be told another time. There is one thing, however, that I must tell you.

[ 53 ] Sie sehen, wie nirgendwo die kontinuierliche Entwickelung irgendwie einen Sprung oder dergleichen hat, wie alles auf ganz selbstverständliche Weise gekommen ist. Allerdings hatte ich schon im Beginne des Vortragszyklus, den ich über das griechische und ägyptische Mysterienwesen gehalten habe — wieder in der Bibliothek zu Berlin im Brockdorffschen Hause -, also schon beim zweiten Vortragszyklus hatte ich ein wenig Gelegenheit, etwas ans Ohr herandringen zu hören von dem, was damals nicht so schlimm war, was aber in weiterer konsequenter Ausführung führen kann zu den Dingen, die hier unter dem Titel «Mystische Verschrobenheiten» behandelt worden sind. Den Titel hat, wie ich glaube, Herr Bauer geprägt.

[ 53 ] You can see how, unlike anywhere else, this continuous development shows no sudden leaps or anything of the sort, and how everything has come about in a completely natural way. However, even at the beginning of the lecture series I gave on the Greek and Egyptian mystery traditions—again at the library in Berlin in the Brockdorff House— that is, already during the second lecture series, I had a little opportunity to catch a glimpse of what was not so bad at the time, but which, if carried out further and more consistently, can lead to the things that have been discussed here under the title “Mystical Eccentrities.” I believe Mr. Bauer coined that title.

[ 54 ] Ich habe also im Jahre 1901/1902 über das griechische und ägyptische Mysterienwesen gesprochen, und bei diesen Vorträgen war auch die jetzige Frau Dr. Steiner anwesend, die auch den Vortrag gehört hatte, welchen ich in der Theosophischen Gesellschaft über Gustav Theodor Fechner im Winter 1900 gehalten habe. Es war ein besonderer Vortrag, der nicht zu dem anderen Zyklus gehörte. Also schon im Winter 1900 war die jetzige Frau Dr. Steiner bei einem Teile der Vorträge, die ich damals gehalten habe, anwesend. Es wäre interessant, einige kleine Details über diese Anwesenheit zu erzählen. Sie können aber auch unterbleiben, sie würden die Sache nur etwas kolorieren. Das kann ein anderes Mal geschehen, wenn es notwendig sein sollte.

[ 54 ] So in 1901–1902 I spoke about the Greek and Egyptian mystery traditions, and Dr. Steiner’s wife was present at these lectures; she had also attended the lecture I gave at the Theosophical Society on Gustav Theodor Fechner in the winter of 1900. It was a special lecture that did not belong to the other series. So as early as the winter of 1900, Dr. Steiner’s wife was present at some of the lectures I gave at that time. It would be interesting to share a few small details about her attendance. But they can also be omitted; they would only add a bit of color to the story. That can happen another time, if necessary.

[ 55 ] Nachdem dann Frau Dr. Steiner eine Zeitlang von Berlin abwesend gewesen war, kam sie im Herbst aus Rußland wieder nach Berlin zurück und hörte dann mit einer Bekannten der Gräfin Brockdorff die ersten Vorträge des zweiten Zyklus im Winter 1901/1902. Dazumal kam jene Bekannte nach einem der Vorträge, die ich über die griechischen Mysterien gehalten habe, zu mir und sagte, — nun, eben etwas von der Art, wie ich es vorhin charakterisiert habe. Diese Dame ist dann eine immer fanatischere und fanatischere Anhängerin der Theosophischen Gesellschaft geworden und hat später sich auch eine hohe Stellung erworben in dem Orden, der begründet worden ist für die Neugeburt des Christus. Diese Dame war dazumal auch anwesend und kam nach einem Vortrage, den ich über die griechischen Mysterien gehalten hatte, auf mich zu, nahm die Miene einer Eingeweihten der Theosophical Society an, die Miene einer recht tief Eingeweihten, die zunächst ihre Einweihung damit bezeugte, daß sie sagte: Ja, Sie sprechen jetzt von Mysterien, aber solche gibt es auch heute noch. Es gibt auch jetzt noch ganz geheime Gesellschaften. Wissen Sie denn das auch?

[ 55 ] After Dr. Steiner had been away from Berlin for a while, she returned to Berlin from Russia in the fall and then attended the first lectures of the second cycle in the winter of 1901–1902 with an acquaintance of Countess Brockdorff. At that time, after one of the lectures I had given on the Greek mysteries, that acquaintance came up to me and said—well, something along the lines of what I described earlier. This lady then became an increasingly fanatical follower of the Theosophical Society and later also attained a high position in the Order that was founded for the rebirth of Christ. This lady was also present at that time and approached me after a lecture I had given on the Greek mysteries; she assumed the demeanor of an initiate of the Theosophical Society—the demeanor of a deeply initiated person—who first attested to her initiation by saying: “Yes, you are speaking now of mysteries, but such things still exist today.” There are still very secret societies today. Did you know that, too?

[ 56 ] Nach einem nächsten Vortrage, wiederum über die griechischen Mysterien, kam sie wieder an mich heran und sagte: Man sieht, Sie erinnern sich noch gut an dasjenige, was, als Sie noch in den griechischen Mysterien waren, gelehrt worden ist! — Das ist dasjenige, was in weiterer Ausbildung schon herangrenzt an das Kapitel «mystische Verschrobenheit».

[ 56 ] After the next lecture—again on the Greek mysteries—she approached me once more and said, “It’s clear that you still remember well what was taught when you were still involved in the Greek mysteries!” — That is what, in further training, already borders on the chapter ‘mystical eccentricity.’

[ 57 ] Im Zusammenhange damit darf ich wohl erwähnen, daß im Herbste 1901 jene Bekannte der Gräfin Brockdorff einen Tee-Abend veranstaltete. Er wird immer von Frau Dr. Steiner «der Chrysanthemen-Tee» genannt, weil viele solche Blumen da waren. Die Einladung ging von jener Bekannten aus, und nachträglich habe ich mir so manchmal die Idee gebildet: Diese Dame wollte - nun, ich weiß nicht was. Es war der Tag der Begründung der Theosophical Society gewählt worden, ein besonders wichtiger Tag für diese Dame. Sie wollte vielleicht versuchen, mich zum überzeugten Mitarbeiter in ihrem Sinne zu machen, tastete so herum, war manchmal dringlich. Aber es ist sonst nichts Bedeutungsvolles dabei herausgekommen. Doch ein Gespräch aus dem Herbst 1901 möchte ich jetzt erwähnen, das stattfand zwischen der jetzigen Frau Dr. Steiner und mir bei jenem Chrysanthemen-Tee, und in welchem diese die Frage stellte, ob es nicht doch sehr notwendig sei, eine geistige Bewegung in Europa ins Leben zu rufen. Im Verlaufe des Gespräches sagte ich klar die Worte: Gewiß, notwendig ist es, eine geisteswissenschaftliche Bewegung ins Leben zu rufen; ich werde mich aber nur finden lassen für eine solche Bewegung, die an den abendländischen Okkultismus und ausschließlich an diesen anknüpft und diesen fortentwickelt. - Und ich sagte in dieser Beziehung, daß angeknüpft werden müsse an Plato, an Goethe und so weiter. Ich wies hin auf das ganze Programm, das dann auch ausgeführt worden ist.

[ 57 ] In this connection, I might mention that in the fall of 1901, that acquaintance of Countess Brockdorff hosted a tea party. Dr. Steiner always refers to it as “the chrysanthemum tea” because there were so many of those flowers there. The invitation came from that acquaintance, and in retrospect I have sometimes formed the impression that this lady wanted—well, I don’t know what. The date chosen was the anniversary of the founding of the Theosophical Society, a particularly important day for this lady. Perhaps she wanted to try to turn me into a committed collaborator in her cause; she felt her way around, and at times was quite insistent. But nothing else of significance came of it. However, I would now like to mention a conversation from the fall of 1901 that took place between the current Dr. Steiner and me at that “Chrysanthemum Tea,” during which she asked whether it might not, after all, be very necessary to launch a spiritual movement in Europe. In the course of the conversation, I clearly stated the following: Certainly, it is necessary to launch a movement in the field of Spiritual Science; but I will only support a movement that builds upon Western occultism—and exclusively upon it—and develops it further. —And I said in this regard that we must build upon Plato, Goethe, and so on. I pointed to the entire program, which was then also carried out.

[ 58 ] In diesem Programm hatte eben ein ungesundes Treiben wirklich keinen Platz, aber es kamen selbstverständlich vielfach auch Personen mit solchen Neigungen heran, weil man es mit Persönlichkeiten zu tun hatte, die von allen Seiten beeinflußt waren von der Bewegung, von der ich Ihnen erzählt habe. Wie aber mit diesem Programm notwendigerweise verbunden war eine völlige Abkehr von allem Mediumismus und Atavismus, das sehen Sie an dem Gespräch, das ich mit einem Mitglied der englischen Gesellschaft hatte, und das ich im Anfang dieses Vortrages angeführt habe.

[ 58 ] There was truly no place for unhealthy activities in this program, but of course many people with such inclinations did approach us, because we were dealing with individuals who were influenced from all sides by the movement I have told you about. However, as this program necessarily entailed a complete rejection of all forms of mediumship and atavism, you can see this from the conversation I had with a member of the English society, which I cited at the beginning of this lecture.

[ 59 ] Sie sehen, daß mit Bewußtsein der Weg eingeschlagen worden ist, der uns die langen Jahre hindurch geführt hat. Wenn auch auf diesem Wege viele Elemente herangekommen sind mit allerlei mediumistischem und atavistischem Hellsehen, von diesem Wege ist nicht abgewichen worden, und er hat uns zu dem geführt, zu dem wir gebracht worden sind.

[ 59 ] You can see that, with full awareness, we have set out on the path that has guided us through these long years. Even though many elements have emerged along this path—including all manner of mediumistic and atavistic clairvoyance—we have not strayed from this path, and it has led us to where we are today.

[ 60 ] Dadurch allerdings war ich darauf angewiesen, innerhalb der theosophischen Bewegung diejenigen Menschen zu finden, welche Herz und Sinn hatten für eine solche durchaus gesunde Methode. Alle diejenigen, die eine solche gesunde und doch streng wissenschaftliche und unter streng wissenschaftlicher Verantwortlichkeit vor sich gehende Bewegung nicht wollten, haben immer das, was wir getrieben haben, so behandelt, daß sie zunächst das, was bei uns geleistet worden ist, in ihrer Art verdreht haben, wie Sie es an dem Beispiele sehen, das Ihnen jetzt soviel Kopfzerbrechen macht - vielleicht auch nicht! — und was dann soviel Feindschaft gebracht hat, wie Sie es wiederum an diesem Beispiele sehen. Das aber kann Ihnen wieder aus einer geschichtlichen Betrachtung hervorgehen, daß sich durch all das Wirken durchzieht kein Zurückweichen vor dem Eintreten in die höchsten geistigen Welten, soweit sie sich der Menschheit jetzt gnadenvoll aus der höheren Welt heraus eröffnen können; daß aber auf der anderen Seite streng dasjenige zurückgewiesen wird, was nicht auf gesundem Wege, nicht durch die Methoden für das richtige Eintreten in die geistigen Welten hat gewonnen werden können. Wer das erkennen kann, bewertet und geschichtlich verfolgt, braucht es nicht nur als eine bloße Versicherung hinzunehmen, sondern er sieht es an der ganzen Art des Wirkens, wie es durch die Jahre hindurch geübt worden ist. Wir haben die Möglichkeit gehabt, viel, viel weiter zu gehen in der wirklichen Erforschung der geistigen Welt, als jemals die Theosophische Gesellschaft hat gehen können. Aber wir wandeln nicht auf unsicheren Wegen, sondern wir wandeln die sicheren Wege. Das darf frank und frei gesagt werden.

[ 60 ] As a result, however, I was dependent on finding people within the Theosophical Movement who had the heart and mind for such a thoroughly sound method. All those who did not want such a sound—yet strictly scientific—movement, conducted under strict scientific accountability, have always treated what we have been doing in such a way that they first distorted our achievements in their own way, as you can see from the example that is now causing you so much of a headache—or perhaps not! — and which has then brought about so much hostility, as you can again see from this example. But what can become clear to you once more from a historical perspective is that running through all this work is a refusal to shy away from entering the highest spiritual worlds, insofar as they can now graciously open up to humanity from the higher world; but that, on the other hand, anything that could not be attained through sound means—not through the methods for the proper entry into the spiritual worlds—is strictly rejected. Anyone who can recognize, evaluate, and trace this historically need not accept it merely as an assurance; rather, they see it in the very nature of the work as it has been carried out over the years. We have had the opportunity to go much, much further in the actual exploration of the spiritual world than the Theosophical Society has ever been able to go. But we do not walk on uncertain paths; rather, we walk on sure paths. This may be said frankly and freely.

[ 61 ] Daher habe ich es stets abgelehnt, mit irgendwelchem antiquierten Okkultismus, mit irgendwelchen Brüderschaften oder Gemeinschaften dieser Art auf dem Gebiete der Esoterik irgendwie etwas zu tun haben zu wollen. Und nur unter Wahrung der vollsten Selbständigkeit arbeitete ich eine Zeitlang in gewisser äußerlicher Verbindung mit der Theosophical Society und ihren esoterischen Einrichtungen, nicht aber in ihrer Richtung. Schon im Jahre 1907 ist alles Esoterische vollständig abgetrennt worden von der Theosophical Society, und was dann weiter geschehen ist, wissen Sie hinlänglich. Auch das ist geschehen, daß okkultistische Brüderschaften mir diese oder jene Vorschläge machten; und namentlich als eine ganz angesehene okkultistische Brüderschaft mir den Vorschlag machte, mich zu beteiligen an der Ausbreitung eines sich auch rosenkreuzerisch nennenden Okkultismus, ließ ich ihn unbeantwortet, trotzdem er von einer ganz angesehenen okkultistischen Bewegung kam. Ich muß das sagen, um zu zeigen, daß bei uns ein selbständiger, der Gegenwart angemessener Weg verfolgt wird, und daß ungesunde Elemente uns auf das unangenehmste berühren müssen.

[ 61 ] That is why I have always refused to have anything to do with any kind of antiquated occultism or with any brotherhoods or communities of this sort in the field of esotericism. And only while maintaining complete independence did I work for a time in a certain outward connection with the Theosophical Society and its esoteric institutions, though not in accordance with their direction. As early as 1907, everything esoteric had been completely separated from the Theosophical Society, and you know full well what happened afterward. It also happened that occult brotherhoods made various proposals to me; and specifically, when a highly respected occult brotherhood proposed that I participate in the spread of an occultism that also called itself Rosicrucian, I left the proposal unanswered, even though it came from a highly respected occult movement. I must say this to show that we are pursuing an independent path appropriate to the present time, and that unhealthy elements must affect us in the most unpleasant way.