The Occult Movement
in the Nineteenth Century
and its Relationship to World Culture
GA 254
22 October 1915, Stuttgart
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The Occult Movement, tr. SOL
Siebenter Vortrag
Seventh Lecture
[ 1 ] Ich habe gelegentlich der Auseinandersetzungen der letzten Tage eine Bemerkung gemacht, auf die ich heute noch einmal zurückkommen will, weil sie in ihrer weiteren Konsequenz eine Art Unterlage bilden sollte für dasjenige, was ich in den nächsten Tagen zu sagen haben werde. Ich habe gesagt, daß es in einer gewissen Hinsicht notwendig war, mit unserer geisteswissenschaftlichen Bewegung einmal eine solche spirituelle Bewegung zu begründen, welche ganz mit den Anforderungen des gegenwärtigen Entwickelungszyklus der Menschheit rechnet, welche wirklich alles das in Erwägung zieht, was gerade aus der Entwickelung der Menschheit heraus sich ergibt als eine Notwendigkeit für eine geisteswissenschaftliche Bewegung in unserer Zeit. Eine Bewegung also, welche das atavistische Hellsehen und auch das Wissen, das vom atavistischen Hellsehen zurückgeblieben ist, als antiquiert, als nicht mehr für unsere Zeit brauchbar betrachtet, also in einer gewissen Beziehung nicht mehr rechnet mit demjenigen, was von atavistischer Seite herstammt.
[ 1 ] In the course of the discussions of the past few days, I made a remark to which I would like to return today, because its broader implications should serve as a kind of foundation for what I will have to say in the coming days. I said that, in a certain sense, it was necessary for our Spiritual Science movement to establish a spiritual movement that fully takes into account the demands of humanity’s current cycle of development—one that truly considers everything that arises from the development of humanity itself as a necessity for a Spiritual Science movement in our time. A movement, therefore, that regards atavistic clairvoyance—and also the knowledge that has been left behind by atavistic clairvoyance—as antiquated and no longer useful for our time; in a certain sense, it no longer takes into account that which originates from the atavistic side.
[ 2 ] Damit war gegeben, daß eine große Menge desjenigen Wissens, das in der sogenannten Theosophischen Gesellschaft gegeben wurde, so wie es dort gegeben wurde, einfach abgewiesen werden mußte, oder ignoriert wurde, und daß von gewissen Seiten her ganz neu gebaut wurde. Es war daher auch das eifrigste Bestreben von Anfang an von seiten der alten Vertreter der Theosophischen Gesellschaft, uns Widerstand entgegenzusetzen. Ich will nur ein Beispiel nennen.
[ 2 ] This meant that a large portion of the knowledge imparted in the so-called Theosophical Society—as it was presented there—simply had to be rejected or ignored, and that, from certain quarters, a completely new foundation had to be laid. It was therefore also the most earnest endeavor of the old representatives of the Theosophical Society, from the very beginning, to oppose us. I will cite just one example.
[ 3 ] Sie können das, was von mir im Jahre 1904 in der ersten Auflage meiner «Theosophie» veröffentlicht worden ist in bezug auf die Schilderung der Seelenwelt und des Geisterlandes, mit dem vergleichen, was vorher da war. Sie müssen namentlich ins Auge fassen die genaue Unterscheidung, die von mir gemacht worden ist in bezug auf die seelische Welt und in bezug auf das seelische Innere des Menschen und dann werden Sie sehen, wie da ein großer Wert darauf gelegt wurde, genau festzuhalten die Unterscheidung in Empfindungs-, Verstandes- und Bewußtseinsseele. Diese dreifache Unterscheidung war niemals in der Literatur der Theosophischen Gesellschaft gemacht worden, bei uns wurde gleich mit dieser Unterscheidung aufgetreten.
[ 3 ] You can compare what I published in 1904 in the first edition of my *Theosophy*—specifically regarding the description of the world of the soul and the realm of spirits—with what existed previously. In particular, you must take into account the precise distinction I made regarding the world of the soul and the inner soul of the human being, and then you will see how great importance was placed on clearly defining the distinction between the emotional, intellectual, and conscious soul. This threefold distinction had never been made in the literature of the Theosophical Society; we introduced this distinction right from the start.
[ 4 ] Gerade mit dieser Unterscheidung verhielt es sich so, daß von der anderen Seite das Bestreben bestand, sie zu verwischen, sie nicht aufkommen zu lassen. Ich erinnere mich noch lebhaft, wie man unseren jetzt schon verstorbenen Freund Ludwig Lindemann, der sich bemühte, unsere Sache in Italien durchzutragen, immer wieder versucht hat, davon zurückzubringen, indem man sagte: Es ist doch nur mit anderen Worten dasselbe, was in unseren Lehren auch schon gesagt ist. — Kurz, man wollte nicht aufkommen lassen, daß etwas Neues darin ist; und es war notwendig, immer wieder auf diese dreifache Unterscheidung hinzuweisen, damit die Leute sehen sollten, worauf es da ankommt. Und so war es bei sehr, sehr vielen Dingen.
[ 4 ] It was precisely with this distinction that the other side sought to blur it, to prevent it from emerging. I still vividly remember how our friend Ludwig Lindemann—who has since passed away and who strove to carry out our cause in Italy—was repeatedly pressured to back down from this, with people saying: “It’s really just the same thing, expressed in different words, that is already stated in our teachings.” — In short, they did not want to acknowledge that there was anything new in it; and it was necessary to point out this threefold distinction again and again so that people would see what was at stake. And so it was with very, very many things.
[ 5 ] So war also bei uns von Anfang an die Richtung eingeschlagen, die von unserem gegenwärtigen Zeitenzyklus gefordert wird: wirklich zu berücksichtigen und in Erwägung zu ziehen alles das, wovon ich Ihnen — wenigstens skizzenhaft — in den letzten Tagen und Wochen einiges habe sagen können. Aber um dieses strikt durchzuführen, war notwendig, sozusagen die ganze Art und Weise des Wirkens, wie sie überall in der Theosophischen Gesellschaft vorhanden war, anders zu gestalten. Und da ergab sich selbstverständlich vieles Mühsame, vieles recht Mühsame. Es ist der Ausdruck dieses Mühsamen in dem gegeben, wie ich selbst in die Literatur nur eingreifen konnte. Gewisse Dinge mußten natürlich in den ersten Jahren mit einer starken Reserve von mir dargestellt werden, einfach aus dem Grunde, weil Jahre notwendig waren, um gewisse Dinge genau nachzuprüfen, und weil ich von Anfang an mir vorgesetzt hatte, nichts anderes zu veröffentlichen und im wesentlichen auch nichts anderes zu sagen, als wofür ich in der Weise einstehen konnte, daß ich es nachgeprüft hatte.
[ 5 ] Thus, from the very beginning, we had set out on the path required by our present cycle of time: to truly take into account and consider everything that I have been able to tell you—at least in outline form—over the past few days and weeks. But in order to carry this out strictly, it was necessary, so to speak, to reshape the entire way of working as it existed throughout the Theosophical Society. And of course, this gave rise to many difficulties—many quite arduous ones. This arduousness is reflected in the way I myself was able to contribute to the literature. Naturally, in the early years I had to present certain matters with a great deal of caution, simply because it took years to verify certain things thoroughly, and because from the very beginning I had resolved to publish nothing—and, in essence, to say nothing—other than what I could vouch for having verified myself.
[ 6 ] Nun waren ja, wie Sie einsehen werden gerade nach den Bemerkungen, die ich in den letzten Tagen hier gemacht habe, Verwirrungen dadurch eingetreten, daß man die Forschung über das Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt in ein ganz falsches Fahrwasser gebracht hatte. Ich habe Ihnen das in den letzten Vorträgen geschildert. Aber es ist nicht immer ganz leicht gewesen, diese Dinge aus erster Hand nachzuprüfen. Wenn man gewissenhaft und mit voller Verantwortung vorgehen wollte, so mußte man eben wirklich genau auf alles eingehen, was sich einem an Gelegenheiten bot, um nachzuprüfen. Und diese Gelegenheiten dürfen nicht herbeigeführt werden, sondern in der Geistesforschung muß alles abgewartet werden. Sie dürfen nicht einmal im entferntesten herbeigewünscht werden.
[ 6 ] Now, as you will see—especially in light of the remarks I have made here over the past few days—confusion had arisen because research into life between death and rebirth had been steered in a completely wrong direction. I have described this to you in my recent lectures. But it has not always been easy to verify these things firsthand. If one wanted to proceed conscientiously and with full responsibility, one really had to examine in detail every opportunity that presented itself for verification. And these opportunities must not be brought about artificially; rather, in spiritual research, one must wait for them to arise naturally. They must not even be wished for in the slightest.
[ 7 ] Am meisten verbürgt durch alles, was ich Ihnen schon dargestellt habe, wie sie es sich vorgestellt haben, waren die vermeintlichen Erkenntnisse, die über das Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt da waren. Aber während man auf dem physischen Plane falsche Forschungsergebnisse einfach dadurch richtigstellt, daß man sie mit physischen Mitteln nachprüft, und dann verhältnismäßig leicht herausbekommen kann, daß sie unrichtig sind, so ist das natürlich in den geistigen Welten doch noch anders. In den geistigen Welten ist das Vorhandensein einer falschen, unrichtigen Vorstellung über einen Tatbestand für die Forschung selbst verwirrend. Wenn also Dinge herausgekommen sind auf die Weise, wie ich sie Ihnen angedeutet habe in bezug auf die Mitteilungen über das Leben nach dem Tode durch Medien, so daß es eigentlich gar keine Mitteilungen von den Toten waren, sondern durch allerlei Neigungen bestimmte Mitteilungen von Lebenden, so waren diese angeblichen Forschungsresultate doch da. Die stehen dann vor einem. Und wenn man auf diesem Gebiete prüft, so hat man diese Forschungsresultate als reale Mächte zu bekämpfen. Etwas, was auf dem physischen Plane gesagt wird, kann man zurückweisen. Da setzt man sich an den Schreibtisch und weist es zurück. Ein falsches Forschungstesultat in der geistigen Welt ist ein lebendiges Wesen. Das ist da, das muß man erst bekämpfen, das muß man erst wegschaffen.
[ 7 ] Most evident from everything I have already presented to you, as you have formed a mental image of it, were the supposed insights regarding life between death and a new birth. But while on the physical plane false research findings can be corrected simply by verifying them through physical means—and it is then relatively easy to determine that they are incorrect—the situation is, of course, different in the spiritual worlds. In the spiritual worlds, the existence of a false or incorrect mental image of a fact is itself confusing for the research. So when things have come to light in the way I have indicated to you regarding the communications about life after death through mediums—such that they were not actually communications from the dead at all, but rather communications from the living, shaped by all sorts of inclinations—these so-called research findings were nevertheless there. They stand before one. And when one investigates in this field, one must combat these research results as real forces. Something that is said on the physical plane can be rejected. One simply sits down at one’s desk and rejects it. A false research result in the spiritual world, however, is a living being. It is there; one must first combat it, one must first remove it.
[ 8 ] Gerade so, wie ich Ihnen gesagt habe, daß die Gedanken lebendige Wesen sind, so sind auch die falschen Forschungsresultate reale Mächte, die sofort da sind, wenn man die Schwelle der geistigen Welt übertritt. So daß man sagen kann, man tritt nun ein in die geistige Welt und will die Erkenntnis von dem Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt zutage fördern. Aber jetzt stehen die falschen Gedanken, die produziert worden sind, als lebendige Wesen vor einem. Die sind real; die erwecken zunächst den Anschein, daß sie real, daß sie wahr sind. Man muß sie daher erst bekämpfen, man muß erst prüfen, ob sie diejenigen Eigenschaften haben, welche unwahre Gedanken haben, oder ob sie die Eigenschaften des Wahren, das heißt, lebensfähige Eigenschaften haben.
[ 8 ] Just as I have told you that thoughts are living beings, so too are false research findings real forces that are immediately present when one crosses the threshold into the spiritual world. So one might say that one is now entering the spiritual world and wishes to bring to light the knowledge of life between death and a new birth. But now the false thoughts that have been produced stand before you as living beings. They are real; at first they give the appearance of being real, of being true. One must therefore first combat them; one must first examine whether they possess the characteristics of untrue thoughts or whether they possess the characteristics of the true—that is, characteristics capable of sustaining life.
[ 9 ] Das muß man zunächst prüfen, und das dauert zuweilen lange Zeit. Und so war es natürlich schwierig, wenn man sich diese Nachprüfung zur Aufgabe setzte, gerade über dieses Gebiet des Lebens zwischen dem Tode und einer neuen Geburt zu forschen, schwierig, weil so viele falsche Ergebnisse zutage gefördert worden waren. Deshalb war es notwendig, sich gerade in dieser Beziehung große Reserven aufzuerlegen, dahingehend, daß die Dinge nur gesagt wurden, wenn sie absolut und strikt als wahr vertreten werden konnten. Daher war vieles notwendig, bevor zum Beispiel der Vortragszyklus gehalten werden konnte, der jetzt vorliegt über das «Innere Wesen des Menschen und Leben zwischen Tod und neuer Geburt».
[ 9 ] This must first be verified, and that sometimes takes a long time. And so, naturally, it was difficult—when one set out to conduct this verification—to research precisely this realm of life between death and a new birth; difficult because so many false findings had come to light. For this reason, it was necessary to exercise great caution in this particular regard, ensuring that statements were made only when they could be presented as absolutely and strictly true. Consequently, much preparatory work was required before, for example, the lecture series now available on “The Inner Nature of the Human Being and Life Between Death and a New Birth” could be delivered.
[ 10 ] Dieses Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt — im allgemeinen ist es leicht zu schildern. Es beginnt damit, daß der Mensch, nachdem er jene Rückschau absolviert hat, die durch die Abtrennung des Ätherleibes vom physischen Leib gegeben ist, in dem lebt, was gewöhnlich durch die Literatur der Theosophischen Gesellschaft genannt wurde: Kamaloka. Aber vergleichen Sie das, was in jener Literatur Kamaloka genannt wurde, mit dem, was allmählich im Laufe der Jahre veröffentlicht worden ist, dann werden Sie schon den beträchtlichen Unterschied finden. Nun sage ich nicht - ich bitte, mich da nicht mißzuverstehen -, daß in der Gegenwart jeder die Aufgabe hat, alles nachzuprüfen. Es kann viel verbreitet werden aus Gründen, die man in seiner Seele hat. Die Aufgabe des einen ist eben nicht die des anderen. Ich betrachte es als meine Aufgabe, nichts zu sagen, was ich nicht als nachgeprüft vertreten kann. Das betrachte ich als meine spezielle, ganz individuelle Aufgabe.
[ 10 ] This life between death and a new birth—in general, it is easy to describe. It begins with the human being, after having completed that review of past events brought about by the separation of the etheric body from the physical body, living in what was commonly referred to in the literature of the Theosophical Society as: Kamaloka. But if you compare what was called Kamaloka in that literature with what has gradually been published over the years, you will find a considerable difference. Now, I am not saying—please do not misunderstand me here—that everyone today has the task of verifying everything. Much can be disseminated for reasons that lie within one’s own soul. One person’s task is simply not the same as another’s. I consider it my task to say nothing that I cannot substantiate as having been verified. I regard that as my specific, entirely individual task.
[ 11 ] Nun möchte ich noch einiges sagen, was wichtig ist zu berücksichtigen, wenn gerade diese ersten Jahre bezüglich des Lebens zwischen dem Tode und einer neuen Geburt zur Sprache kommen. Über diese ersten Jahre oder Jahrzehnte kann man eigentlich ein positives, gutes Bild nur gewinnen, wenn man mancherlei vergleicht. Nur durch mancherlei, was sich da ergibt durch den Vergleich, läßt sich ein gutes Bild gewinnen, läßt sich, wenn ich so sagen darf, das allgemeine Bild, das ich in der «Theosophie» gegeben habe, durch allerlei Einzelheiten ergänzen; und darauf beruht ja unsere ganze Entwickelung. In der «Theosophie» ist gewissermaßen ein großer Grundriß gegeben, und dann sollte unsere Arbeit darin bestehen, auszufüllen die einzelnen Rubriken, auszufüllen, was dem großen Plane nach gezeichnet ist. Es handelt sich also darum, manches herbeizubringen, wodurch dieses oder jenes ausgefüllt werden kann, und wenn Sie ausgehen von der Darstellung in der «Theosophie» und dann übergehen zu dem, was in den Zyklen steht, zu dem, was immer intimer und intimer gesagt worden ist, was auch dann später gedruckt worden ist, so werden Sie sehen, daß wir wirklich ein Fortschreiten hatten, ein intimeres und immer intimeres Kennenlernen.
[ 11 ] Now I would like to say a few more things that are important to consider when discussing these very first years of life between death and a new birth. One can really only gain a positive, accurate picture of these first years or decades by making various comparisons. Only through the various insights that emerge from such comparisons can a clear picture be formed; only then, if I may say so, can the general picture I have presented in *Theosophy* be supplemented with all manner of details—and our entire development is based on this. *Theosophy* provides, so to speak, a broad outline, and our task should then consist of filling in the individual sections—filling in what has been sketched out according to the grand plan. It is therefore a matter of bringing forth various elements through which this or that can be filled in, and if you start from the presentation in *Theosophy* and then move on to what is contained in the cycles—to what has been stated in ever more intimate terms, and which was later published—you will see that we have indeed made progress, gaining an ever more intimate understanding.
[ 12 ] So ist es notwendig, wenn man ein genaues Bild über die ersten Jahre oder Jahrzehnte des Lebens nach dem Tode gewinnen will, zu vergleichen, wie sich dieses Leben ausnimmt bei Menschen, die ganz jung, sagen wir, in dem jüngsten Kindesalter gestorben sind, und wie es sich ausnimmt bei Menschen, die etwas später, etwa in der Mitte des Lebens gestorben sind, und dann wieder bei Menschen, die im hohen Alter gestorben sind. Da sind die Dinge überall in hohem Maße verschieden. In Wirklichkeit ist das Leben nach dem Tode in hohem Maße verschieden, je nachdem man früh oder spät verstorben ist; und ein wirklich getreues Bild ergibt sich erst aus solchen Vergleichen der Erlebnisse von den in verschiedenen Lebensaltern verstorbenen Menschen.
[ 12 ] Thus, if one wishes to gain an accurate picture of the first years or decades of life after death, it is necessary to compare what this life is like for people who died very young—say, in early childhood—with what it is like for people who died somewhat later, around the middle of their lives, and then again for people who died at an advanced age. There are significant differences in every respect. In reality, life after death varies greatly depending on whether one died early or late; and a truly accurate picture emerges only from such comparisons of the experiences of people who died at different ages.
[ 13 ] So zum Beispiel war es eine wesentliche, eine wichtige Grundlage, um auf gewisse Dinge zu kommen, daß man sich davon überzeugte, wie es mit früh aus dem Leben geschiedenen Menschen ist, ich will sagen, mit kleinen Kindern, und dann wieder mit aus dem Leben geschiedenen Menschen von elf, zwölf, dreizehn Jahren. Es ist wirklich ein großer Unterschied zu bemerken für das Leben post mortem, für das nachtodliche Leben, ob ein Mensch vor dem achten, neunten Jahre oder vor dem sechzehnten, siebzehnten Jahre gestorben ist. Das ist deutlich zu entnehmen aus gewissen Erlebnissen, die man mit den Toten haben kann. So kann man beobachten bei ganz früh verstorbenen Menschen, bei Menschen, die im zartesten Kindesalter gestorben sind, daß sie sich nach dem Tode sehr, sehr viel beschäftigen mit den Aufgaben, die die Menschheit hat unmittelbar in der Zeit, die nach diesen Toden folgt.
[ 13 ] For example, one essential and important basis for arriving at certain conclusions was to gain a clear understanding of what happens to people who die at an early age—that is, to young children—and also to those who die at the ages of eleven, twelve, or thirteen. There really is a significant difference to be noted regarding life after death—the postmortem life—depending on whether a person died before the age of eight or nine, or before the age of sixteen or seventeen. This can be clearly seen from certain experiences one can have with the dead. For example, one can observe that people who died very young—those who died in the earliest stages of childhood—are, after death, very, very much concerned with the tasks facing humanity in the period immediately following their deaths.
[ 14 ] Die äußeren Vertreter der Religionsgemeinschaften tun gar nichts dagegen, daß sich gewisse Vorstellungen bei den Menschen festsetzen, die mit der Wahrheit nicht übereinstimmen. Sie werden es aus Ihrer eigenen Lebenspraxis wissen, daß von seiten der Vertreter der Religionsgemeinschaften nicht viel geschieht gegen die Vorstellungen, daß, wenn ein alter Mensch oder ein Kind stirbt, die Menschen es sich so vorstellen, daß dann der Alte drüben auch als Alter und das Kind drüben auch als Kind weiterlebt. Aber die Art, wie die Seelen hier leben, hat nichts zu tun mit der Art, wie sie drüben leben. Wenn ich auch als drei oder sechs Monate altes Kind sterbe, so kommen da die vielen ganzen Erdenleben in Betracht, und ich kann doch als sehr reife Seele in die geistige Welt eintreten. Es ist also total falsch, sich vorzustellen, daß das Kind als Kind fortlebt. Da findet man dann, daß solche Seelen, die früh im Kindesalter gestorben sind, Aufgaben bekommen, die zusammenhängen mit dem, was die Erde braucht, um den nötigen Geistesfond zu bekommen zum Weiterarbeiten. Ich möchte sagen, die Menschen können nicht arbeiten auf der Erde, ohne von den geistigen Welten heraus Impulse zu bekommen. Die Impulse kommen aber nicht in einer solch verwaschenen Weise, wie es sich der Pantheismus vorstellt, sondern sie kommen von wirklichen Wesen, und unter diesen findet man auch die Seelen früh verstorbener Kinder.
[ 14 ] The public representatives of religious communities do nothing to prevent certain mental images—which do not correspond to the truth—from taking root in people’s minds. You will know from your own life experience that the representatives of religious communities do little to counter the mental image that people have of an elderly person or a child dying, which is that the elderly person continues to live on as an elderly person and the child as a child in the afterlife. But the way souls live here has nothing to do with the way they live there. Even if I die as a three- or six-month-old child, all my past earthly lives are taken into account, and I can still enter the spiritual world as a very mature soul. It is therefore completely wrong to have a mental image of the child living on as a child. There one finds that such souls, who died at an early age, are given tasks related to what the Earth needs in order to obtain the necessary spiritual resources to continue its work. I would like to say that people cannot work on Earth without receiving impulses from the spiritual worlds. However, these impulses do not come in such a vague manner as pantheism has in its mental image, but rather they come from real beings, and among these one also finds the souls of children who died at an early age.
[ 15 ] Konkret gesprochen: Nehmen wir an, wir sehen Goethe heranwachsen. Natürlich hat Goethe etwas von seiner Genialität auch dadurch, daß ihm die geistige Welt zu Hilfe kommt. Aber wenn man dem nachgeht, so kommt man zu den Seelen von Kindern, die früh verstorben sind. Das Geistige, das da in der Welt lebt, hat zu tun mit den Seelen früh verstorbener Kinder. Wenn dagegen Kinder sterben, welche neun bis zehn Jahre, aber noch nicht sechzehn, siebzehn Jahre alt sind, dann findet man sie ganz bald nach dem Tode in Gesellschaft von geistigen Wesen. Aber diese geistigen Wesen sind Menschenseelen. Man findet sie viel in Gemeinschaft mit Menschenseelen, und zwar mit solchen, die bald herunterkommen müssen auf die Erde, mit solchen, die auf ihre nächste Inkarnation warten. Diejenigen Menschen, die ganz früh im Kindesalter sterben, also bis zum siebenten, achten Jahre, findet man viel beschäftigt mit Menschen, die hier unten sind. Diejenigen aber, welche im Alter von sieben, acht bis sechzehn, siebzehn Jahren sterben, findet man mit solchen Seelen beschäftigt, die bestrebt sind, sich bald zu inkarnieren. Das sind dann für diese Seelen bedeutsame Stützen und Hilfen, man könnte sagen, wichtige Boten für dasjenige, was sie brauchen, um sich vorzubereiten für ihr Erdendasein. Das ist wichtig zu wissen, wenn man nicht im Allgemeinen herumreden, sondern wirklich eindringen will in diese geistigen Welten.
[ 15 ] To be more specific: Let’s suppose we are watching Goethe grow up. Of course, part of Goethe’s genius stems from the fact that the spiritual world comes to his aid. But if one investigates this further, one arrives at the souls of children who died at an early age. The spiritual realm that lives in the world is connected to the souls of children who died young. When, on the other hand, children die who are nine or ten years old—but not yet sixteen or seventeen—one finds them very soon after death in the company of spiritual beings. But these spiritual beings are human souls. They are often found in the company of human souls—specifically those who must soon descend to Earth and those who are awaiting their next incarnation. Those who die very early in childhood—that is, up to the age of seven or eight—are often found interacting with people who are here on Earth. Those who die between the ages of seven or eight and sixteen or seventeen, however, are found interacting with souls who are striving to incarnate soon. These souls then serve as significant sources of support and assistance—one might say, important messengers—for what they need to prepare for their earthly existence. This is important to know if one does not merely wish to speak in general terms but truly wants to penetrate these spiritual worlds.
[ 16 ] Nun aber ist es nicht so ohne weiteres leicht möglich, diese Dinge zu durchschauen. Man kann darauf kommen, wie diese Sachen sind, wenn man zum Beispiel sich sagt: Wie findet man eigentlich am besten die Toten? Da stellt sich dann heraus, daß man die Toten, wenn sie vor Jahren, selbst vor Jahrzehnten gestorben sind oder in der allerletzten Zeit, dadurch findet, daß man mit dem Bewußtsein für die geistige Welt im Schlafe aufwacht.
[ 16 ] But it’s not exactly easy to figure these things out. One can come to understand how these things are, for example, by asking oneself: What is actually the best way to find the dead? It then turns out that one finds the dead—whether they died years or even decades ago, or very recently—by waking up during sleep with an awareness of the spiritual world.
[ 17 ] Ich habe Ihnen öfter geschildert: man kann auf zweierlei Arten aufwachen. Man wacht entweder mitten im Schlafe auf und weiß, jetzt schläfst du nicht, sondern du bist in der geistigen Welt darinnen — Andeutungen darüber finden Sie schon in dem Schriftchen «Ein Weg zur Selbsterkenntnis des Menschen. Acht Meditationen», das auch einmal in München erschienen ist —, oder auch man wacht mitten im Wachen auf. Aber dieses Forschen über das Leben der Toten geschieht besser, wenn man mitten im Schlafe aufwacht, weil man dann selber am verwandtesten ist in seiner Tätigkeit mit der Tätigkeit der Toten.
[ 17 ] I have often described to you that there are two ways to wake up. Either you wake up in the middle of sleep and realize, “You are not sleeping now, but you are in the spiritual world”—you can find hints about this in the booklet *A Path to Self-Knowledge for Human Beings. Eight Meditations,” which was also published once in Munich—or one can awaken in the midst of being awake. But this exploration of the life of the dead is best undertaken when one awakens in the midst of sleep, because then one’s own activity is most closely aligned with that of the dead.
[ 18 ] Man macht dann eine ganz merkwürdige Entdeckung. Nicht wahr, hier im physischen Leben ist es so, daß der Mensch vom Aufwachen bis zum Einschlafen sich immer erinnert an das frühere Leben vom Aufwachen bis zum Einschlafen. Wie lebt eigentlich der Mensch? Nicht wahr, so: Aufwachen, Tagesleben, Einschlafen; Aufwachen, Tagesleben, Einschlafen und so weiter. Während des Tageslebens erinnert er sich immer an das, was zurückliegt in einem früheren Tagesleben. Eigentlich besteht das Tagesleben, wenn es alltäglich verläuft, darin, daß man sich so erinnert. Anders ist es, wenn unser Ich [durch den Schlaf] unterbrochen wird, wenn wir uns nicht so erinnern. Das Kuriose ist aber dann, daß wir uns während des Schlafes immer nur erinnern an die vorangegangenen Schlafzustände. Nur ist das dem Menschen unbewußt. In den meisten Fällen erinnert er sich nicht an die zurückliegenden Schlafzustände. Es ist aber eine unterbewußte Erinnerung während des ganzen Lebens im Schlafe vorhanden.
[ 18 ] One then makes a very strange discovery. Isn’t it true that here in physical life, from the moment one wakes up until one falls asleep, one always remembers the previous life from waking up until falling asleep? How does a person actually live? Isn’t it like this: waking up, daily life, falling asleep; waking up, daily life, falling asleep, and so on. During daily life, one always remembers what lies behind in a previous day’s life. Actually, daily life—when it proceeds as usual—consists of remembering in this way. It is different when our “I” is interrupted [by sleep], when we do not remember in this way. The curious thing, however, is that during sleep we always remember only the preceding states of sleep. Only, this is unconscious to the person. In most cases, they do not remember the past states of sleep. Yet a subconscious memory of these states is present throughout one’s entire life during sleep.
[ 19 ] Betrachten wir das Leben, welches umfaßt Einschlafen, Nacht, Aufwachen; Einschlafen, Nacht, Aufwachen. Das geht gerade so fort, daß durch das Tagleben das Nachtleben so unterbrochen wird, aber es ist eine kontinuierliche Lebensströmung doch da. Das Merkwürdige dabei ist, daß, während wir bei der Tagerinnerung passiv sind — die Dinge der Erinnerung sind da, sie tauchen auf in der Erinnerung und nur in Ausnahmefällen müssen wir uns anstrengen, um uns auf etwas Vergangenes zu besinnen -, ist es im Schlafe so, daß wir, wenn wir uns zu irgendeinem Zwecke an etwas erinnern wollen, Anstrengungen machen müssen. Diese Anstrengung im Schlafe ist die Regel. Aber der Mensch hat gewöhnlich nicht die Kraft, dieser Aktivität sich bewußt zu werden, daher erinnert er sich nicht während des Schlafes. Aber der Mensch ist während des Schlafes in der Regel viel regsamer, viel tätiger in der Seele als während des Wachens. Das ist immer so. Da kommt kein Träumen. Das Träumen entspricht dem, was wir im Wachen dann haben, wenn wir uns recht anstrengen, um uns zu erinnern. Aber wenn wir uns in der Nacht leicht anstrengen, so entspricht das dem gewöhnlichen Erinnern am Tage, wo wir uns nicht anstrengen, wo wir uns erinnern, weil die Erinnerungen von selber kommen. Die Erinnerung, die wir an das Tagleben haben, wird nach dem Tode in dem Rückblick auf das beendete Erdenleben rasch abgebraucht. Die Erinnerung aber an das, was der Mensch während der Nacht erlebt hat, wird rückwärts durchlaufen. Der Mensch durchläuft alle Erlebnisse der Nächte rückwärts in der Kamalokazeit.
[ 19 ] Let us consider life, which consists of falling asleep, night, waking up; falling asleep, night, waking up. This cycle continues in such a way that daytime life interrupts nighttime life, yet there is still a continuous flow of life. The curious thing about this is that, while we are passive in our daytime recollections—the objects of memory are there, they surface in our memory, and only in exceptional cases do we have to make an effort to recall something from the past—during sleep, if we want to remember something for any purpose, we must make an effort. This effort during sleep is the norm. But people usually lack the strength to become aware of this activity, which is why they do not remember during sleep. Yet people are generally much more active, much more mentally engaged during sleep than while awake. This is always the case. There is no dreaming involved. Dreaming corresponds to what we experience while awake when we make a real effort to remember. But when we make a slight effort at night, this corresponds to ordinary remembering during the day, when we do not exert ourselves, when we remember because the memories come of their own accord. The memories we have of our daily life are quickly exhausted after death as we look back on our completed earthly life. The memories, however, of what a person has experienced during the night are retraced in reverse. During the Kamaloka period, a person retraces all the experiences of their nights in reverse.
[ 20 ] Nicht wahr, hier im Leben sind wir wirklich mit dem beschäftigt, was uns der Tag zu geben hatte, und weiter mit dem, was wir während der Nacht durchlebt haben, aber ohne daß wir es wissen. Nach dem Tode kommt uns aber alles das zum Bewußtsein, was wir während der Nacht durchlebt haben. Nacht für Nacht kommt uns zurück. Und das ist wichtig, daß man darauf kommt, daß der Tote eigentlich zunächst seine Nächte durchlebt. Man kommt erst nach und nach darauf, und es ist gar nicht so leicht, darauf zu kommen, daß der Tote eigentlich seine Nächte durchlebt. Natürlich durchlebt er sein Leben, aber er erlebt es auf dem Umwege seiner Erlebnisse durch die Nächte hindurch.
[ 20 ] Isn’t it true that here in life we are truly preoccupied with what the day had to offer, and also with what we experienced during the night—but without realizing it? After death, however, we become aware of everything we experienced during the night. Night after night, it comes back to us. And it is important to realize that the dead person actually relives their nights first. One only comes to realize this gradually, and it is not at all easy to grasp that the dead person actually relives their nights. Of course, they relive their life, but they experience it through the detour of their experiences throughout the nights.
[ 21 ] Ich habe öfter gesagt: es ist ungefähr ein Drittel der Lebenszeit, die man in Kamaloka durchlebt. Wenn Sie nun bedenken, daß ein Mensch, der nicht als Kind stirbt, ungefähr ein Drittel des Lebens verschläft, dann werden Sie begreifen, warum die Kamalokazeit ungefähr ein Drittel der Erdenlebenszeit beansprucht. Die Kamalokazeit dauert so lange, wie die Nachtschlafenszeit dauerte, die ungefähr ein Drittel der gesamten Erdenlebenszeit ausmacht.
[ 21 ] I have often said: one spends about one-third of one’s lifetime in Kamaloka. If you now consider that a person who does not die as a child spends about one-third of their life sleeping, then you will understand why the time spent in Kamaloka accounts for about one-third of one’s earthly lifetime. The time spent in Kamaloka lasts as long as the time spent sleeping at night, which accounts for about one-third of one’s entire earthly life.
[ 22 ] Sehen Sie, so fügen sich die Dinge zusammen. Es ist durchaus notwendig, daß man nach und nach die konkreten Erkenntnisse sorgfältig zusammenhält. Daher ist es so, wie soll ich sagen, so schockierend — das Wort gibt allerdings nicht vollständig wieder, was ich meine, aber ich will es doch gebrauchen -, wenn man mit voller Verantwortung über die geistige Welt reden will, und man nach den Vorträgen von jedem Beliebigen gefragt wird über dieses oder jenes. Die Leute möchten gern alles wissen, aber andererseits möchte man nur sagen, was man unmittelbar durchdacht hat. Man ist also gezwungen, dann über eine Menge Dinge zu sprechen, über die man noch nicht Gelegenheit hatte, eine sorgfältige Nachprüfung anzustellen. Man kann ja sprechen, denn die Wissenschaft des Okkultismus ist da; aber wenn man sich zum Grundsatz gesetzt hat, nur das zu sagen, was man nachgeprüft hat, so ist dieses Sprechen etwas, was man eigentlich nicht so tun möchte.
[ 22 ] You see, this is how things come together. It is absolutely necessary to carefully piece together concrete insights step by step. That is why it is—how shall I put it?—so shocking—though the word does not fully capture what I mean, I will use it anyway—when one wants to speak about the spiritual world with full responsibility, and after the lectures, just anyone asks about this or that. People would like to know everything, but on the other hand, one wants to say only what one has thought through directly. So one is then forced to speak about a great many things that one has not yet had the opportunity to examine carefully. One can, of course, speak, for the science of occultism exists; but if one has made it a principle to say only what one has verified, then speaking in this way is something one would actually prefer not to do.
[ 23 ] Nun erinnern Sie sich, daß ich gesagt habe: Wenn man so über die Schwelle der geistigen Welt tritt, findet man einen Menschen, der im elften, zwölften, dreizehnten, vierzehnten Jahre gestorben ist, verhältnismäßig bald nach seinem Tode unter denjenigen Menschen, die bald wieder auf die Erde kommen wollen und Aufgaben verrichten wollen auf der Erde. Er hilft nun mit, daß sie die rechten Wege finden in die Verkörperung hinein. Es sieht sonderbar aus, wenn man das sagt, aber es ist doch so.
[ 23 ] Now, remember that I said: When one crosses the threshold into the spiritual world in this way, one finds a person who died at the age of eleven, twelve, thirteen, or fourteen—relatively soon after their death—among those who wish to return to Earth soon and carry out tasks there. This person now helps them find the right paths into incarnation. It sounds strange when you put it that way, but it is indeed so.
[ 24 ] Diese Dinge hängen nun aber wiederum mit gewissen Geheimnissen des Lebens, mit ganz bestimmten Geheimnissen des Lebens zusammen. Die Sache liegt so, daß man eigentlich auf bestimmte Dinge in der richtigen Weise erst dann kommt, wenn man die richtige Frage stellen kann. Nicht jede Frage, die man stellt, ist richtig gestellt, sondern man muß erst abwarten, bis man gewissermaßen gewürdigt wird, die richtige Frage zu stellen.
[ 24 ] These things, however, are in turn connected to certain mysteries of life—to very specific mysteries of life. The fact is that one can only truly arrive at certain things in the right way once one is able to ask the right question. Not every question one asks is asked correctly; rather, one must first wait until one is, so to speak, deemed worthy of asking the right question.
[ 25 ] Nun werde ich Ihnen etwas sagen, was Sie vielleicht ganz merkwürdig berühren wird, was aber doch richtig ist. Sehen Sie, da tritt einmal die Frage auf, die sich durch das Folgende ergibt: Nicht wahr, der Mensch bekommt zweimal Zähne. Zunächst bekommt er diejenigen Zähne, die herausfallen gegen das siebente Jahr zu, und dann bekommt er ein zweites Mal Zähne. Das ist eine Tatsache. Ich glaube nicht, daß sehr viele Menschen sich die Frage vorlegen: Wie verhält es sich eigentlich mit diesem zweimaligen Zähnebekommen? Denn ich habe immer gefunden, daß, wenn über dieses zweimalige Zähnebekommen unter Fachleuten die Rede gewesen ist, sie so redeten, als ob das ein und dieselbe Sache wäre, das erste Zähnebekommen und das zweite Zähnebekommen. Wenn man sich die Sache aber als Okkultist vorlegt, so sind das ganz verschiedene Dinge, das erste und das zweite Zähnebekommen. So mußte ich einmal jemandem, der mir als ärztlicher Fachmann die Frage stellte, eine ganz groteske Antwort geben, die aber vom Standpunkte des Okkultismus richtig ist, obwohl sie ihm spaßig vorkam. Er sagte, man müßte die Kinder mit Milchzähnen möglichst bald an das Beißen gewöhnen, denn dazu haben ja die Menschen die Zähne, und daher muß man sie daran gewöhnen, daß sie beißen. Dieser Gedankengang ist aber nicht richtig, vom okkulten Standpunkte wenigstens nur halb richtig. Er muß jedenfalls schärfer ins Auge gefaßt werden. Von den zweiten Zähnen ist es ganz ohne Frage, daß man sie zum Beißen hat. Von den ersten Zähnen aber ist es eine Frage. Die hat man nämlich durch Vererbung. Man hat sie, weil sie die Eltern und die Voreltern gehabt haben; sie sind etwas Vererbtes. Erst wenn man diese abgestoßen hat, entwickelt man die zweiten Zähne, Die sind dann erst eine individuelle Errungenschaft. Die ersten hat man ererbt. Das ist ein Unterschied. Das ist etwas, was nur dann in Betracht kommt, wenn man auf feine Unterschiede acht gibt. Es ist keine besonders wichtige Sache, es können nicht besonders große Fehler gemacht werden, wenn man diese Frage nicht aufwirft. Aber wichtig ist, daß man weiß, daß die ersten Zähne zum Vererbungsimpulse in ganz anderer Beziehung stehen als die zweiten. Die zweiten Zähne wird man in Zusammenhang finden mit der gesamten Gesundheit, mit der ganzen Organisation des Menschen, während die ersten Zähne, namentlich in ihrem Gesundheitswert, viel mehr in Zusammenhang stehen mit der Gesundheit der Eltern und Voreltern. Insofern ist schon ein Unterschied da, den man auf empirischem Felde weiterverfolgen kann. Das sind feine Unterschiede. Aber wenn man in dieser Weise einmal hingelenkt ist auf die Zähnegeschichte, dann stellt sich etwas anderes heraus, und da kommt nun das, was Sie vielleicht sonderbar berühren wird, was aber doch eben wahr ist.
[ 25 ] Now I’m going to tell you something that might strike you as quite strange, but which is nevertheless true. You see, there is a question that arises from the following: Isn’t it true that humans get teeth twice? First, they get the teeth that fall out around the age of seven, and then they get teeth a second time. That is a fact. I don’t think very many people ask themselves: What is actually the story behind this getting of teeth twice? For I have always found that when experts have discussed this process of getting teeth twice, they spoke as if the first set of teeth and the second set were one and the same thing. But when one considers the matter from an occultist’s perspective, the first and second sets of teeth are entirely different things. So once I had to give a rather grotesque answer to someone—a medical professional—who asked me this question; yet from the occult perspective, it is correct, even though it struck him as amusing. He said that children with baby teeth should be accustomed to biting as soon as possible, since that is, after all, what human teeth are for, and therefore they must be accustomed to biting. However, this line of reasoning is not correct—or, from an occult standpoint, at least only half correct. In any case, it must be examined more closely. There is no question whatsoever that the second set of teeth is meant for biting. But with the first set of teeth, it is a matter of debate. These are, in fact, inherited. We have them because our parents and ancestors had them; they are something inherited. Only after we have shed these do we develop our permanent teeth, which are then an individual achievement. The primary teeth are inherited. That is a difference. It is something that comes into consideration only when one pays attention to subtle distinctions. It is not a particularly important matter; one cannot make particularly serious mistakes by not raising this question. But it is important to know that the first teeth have a completely different relationship to hereditary influences than the second set. The second set of teeth is connected to overall health and the entire human constitution, whereas the first teeth—particularly in terms of their health significance—are much more closely linked to the health of one’s parents and ancestors. In this respect, there is already a difference that can be further explored empirically. These are subtle differences. But once one’s attention is drawn in this way to the history of the teeth, something else becomes apparent—and here comes what may strike you as strange, but which is nonetheless true.
[ 26 ] Nehmen Sie an, ein Kind stirbt, bevor es vollständig die zweiten Zähne bekommen hat, oder kurz danach. Da ist merkwürdig, weil es sich für die okkulte Forschung herausstellt, daß sich in der geistigen Welt realisiert, ob das Kind die zweiten Zähne noch nicht oder seit einiger Zeit schon bekommen hat. Angenommen, das Kind sei acht, neun Jahre alt gewesen und dann gestorben. Da entdeckt man, daß da etwas wirkt von den Impulsen, die sonst in die physische Welt hineingehen. Da macht man die Entdeckung, daß das die Kräfte sind, die in die Zähne hätten hineingehen sollen, jetzt aber dem Kinde zur Verfügung stehen. Insbesondere aber merkt man es bei dem Kinde, das früh verstorben ist, das die ersten Zähne verloren, aber die zweiten Zähne noch nicht bekommen hat, oder die zweiten eben erst bekommen hat. Da stellt sich merkwürdigerweise heraus, daß das Kind gewisse Kräfte hat, und daß diese Kräfte von ganz derselben Art sind wie diejenigen, womit auf dem physischen Plane die Zähne befördert werden in ihrem Herauswachsen aus dem ganzen Organismus.
[ 26 ] Suppose a child dies before having fully grown its permanent teeth, or shortly thereafter. This is curious because, as occult research has shown, it becomes apparent in the spiritual world whether the child has not yet grown its permanent teeth or has had them for some time. Suppose the child was eight or nine years old when they died. In such cases, one discovers that certain impulses—which would otherwise enter the physical world—are still at work. One then realizes that these are the forces that should have gone into the teeth but are now available to the child. One notices this particularly in a child who died at an early age, who had lost their first set of teeth but had not yet received their second set, or who had just received them. Strangely enough, it turns out that the child possesses certain powers, and that these powers are of exactly the same nature as those by which, on the physical plane, the teeth are guided as they grow out of the entire organism.
[ 27 ] Also, nicht wahr, wenn man hier in der physischen Welt steht, muß man gewisse physische Kräfte entwickeln, um die Zähne herauszuentwickeln aus dem Organismus. Wenn man diese Zähne noch nicht oder erst kaum entwickelt hat und vorher stirbt, so hat man diese Kräfte frei in der geistigen Welt, um mit ihnen hereinzuwirken in diese irdische Welt. Wenn man in der physischen Welt ist, wachsen diese Kräfte in die Zähne hinein, mit denen man dann in der physischen Welt wirkt.
[ 27 ] So, isn’t it true that when one is here in the physical world, one must develop certain physical forces in order to bring the teeth into being within the organism? If one has not yet developed these teeth—or has developed them only to a very limited extent—and dies before doing so, then one has these forces freely available in the spiritual world to use them to influence this earthly world. When one is in the physical world, these forces grow into the teeth, through which one then acts in the physical world.
[ 28 ] Da sieht man wirklich in diesen wunderbaren Zusammenhang mit dem Kosmos hinein und erkennt das tief Wahre dessen, was in der ersten Szene der «Prüfung der Seele», im zweiten Mysteriendrama geschildert ist: wie die geistigen Welten mit ihren Wesen darauf hinarbeiten, den Menschen zustande zu bringen und das so dargestellt ist, daß, wenn Capesius dies zu Kopfe steigt, wie der Mensch das Ziel alles Götterwirkens ist, es ihn hochmütig machen könnte. Dieses so Grandiose wird aber kaum beachtet.
[ 28 ] There one truly glimpses this wonderful connection with the cosmos and recognizes the profound truth of what is described in the first scene of *The Trial of the Soul*, in the second Mystery Play: how the spiritual worlds, with their beings, work toward bringing forth the human being—and this is portrayed in such a way that, when Capesius comes to realize that the human being is the goal of all divine activity, it could make him arrogant. Yet this grandeur is scarcely noticed.
[ 29 ] Ich habe ferner gesagt, daß die Menschenseelen, die zwischen dem achten, neunten und sechzehnten, siebzehnten Jahre sterben, unter denjenigen Seelen sind, die sich bald verkörpern wollen. Die haben wiederum besondere Seelenkräfte, die auch das Resultat einer Umwandlung sind. Der Mensch wird im vierzehnten, fünfzehnten, sechzehnten Jahre geschlechtsreif. Die Kräfte, die zur Geschlechtsreife führen, wandeln sich, wenn die Geschlechtsreife noch nicht zum Ausdruck gekommen oder eben vorbei ist, in der geistigen Welt um zu solchen Kräften, mit denen man unter denjenigen Seelen wirken kann, die ihre nächste Erdeninkarnation erwarten, um ihnen zu helfen, ihre nächste Erdeninkarnation vorzubereiten.
[ 29 ] I have also said that human souls who die between the ages of eight, nine, sixteen, and seventeen are among those souls who wish to incarnate soon. They, in turn, possess special soul powers that are also the result of a transformation. A person reaches sexual maturity at the ages of fourteen, fifteen, and sixteen. The forces that lead to sexual maturity are transformed in the spiritual world—if sexual maturity has not yet manifested or has already passed—into forces with which one can work among those souls awaiting their next earthly incarnation, in order to help them prepare for it.
[ 30 ] Denken Sie, welch unendlich tiefer Zusammenhang da besteht: die Produktionskräfte werden in der geistigen Welt umgewandelt zu Hilfskräften für die Seelen, die demnächst herabsteigen wollen in die physische Welt. Das sind wirklich Zusammenhänge, die uns zeigen, wie das Geistige, das jenseits der Schwelle wirkt, hier im Einzelnen, im Konkreten weiterwirkt. Wir lernen auch die physische Welt wirklich erst richtig erkennen, wenn wir die Sache so verfolgen und uns sagen: Wir beachten in der Regel gar nicht, daß Kraftentfaltungen da sind dadurch, daß der Mensch die Zähne abstößt und andere entwickelt. — Das sind Kraftentfaltungen. Und wiederum: daß er geschlechtsreif wird, das bedeutet Kraftentfaltungen. Wenn der Mensch reif ist, so sind die Kräfte etwas ganz anderes.
[ 30 ] Consider what an infinitely profound connection exists here: the forces of production are transformed in the spiritual world into forces that assist the souls who are about to descend into the physical world. These are truly connections that show us how the spiritual realm, which acts beyond the threshold, continues to exert its influence here in specific, concrete ways. We also only truly begin to recognize the physical world when we examine the matter in this way and say to ourselves: We generally do not even notice that forces are at work when a person loses their baby teeth and develops new ones. — These are manifestations of force. And again: the fact that a person reaches sexual maturity signifies the unfolding of forces. When a person is mature, these forces are something entirely different.
[ 31 ] Das alles führt dazu, sich einmal die Frage vorzulegen: Was eigentlich ist die Veranlassung, den Menschen in seinem normalen Leben nicht hineinschauen zu lassen in die geistige Welt? Nach zwei Richtungen hin ist diese geistige Welt versperrt. Einmal durch die äußere Natur. Wir nehmen die äußere Natur gleichsam als eine Hülle desjenigen wahr, was dahinter liegt. Kann man durch die Hülle durchdringen, dann ist man in der geistigen Welt darinnen. Die materialistische Weltanschauung sucht auf alle Weise, die Menschen nicht dahin kommen zu lassen, zu erkennen, daß da Geist dahinter ist. Ich habe öfter schon auch in öffentlichen Vorträgen auseinandergesetzt, daß da eine unbewußte Furcht vorliegt. Aber ebenso ist es im Inneren. Der Mensch nimmt sein Denken, Fühlen und Wollen wahr. Aber hinter dem liegt etwas anderes: dahinter liegt die ganze seelische Natur, die von Inkarnation zu Inkarnation geht. Und da wollen die jetzigen Religionsgemeinschaften nicht dahinter kommen lassen, daß hinter dem Denken, Fühlen und Wollen noch das andere liegt.
[ 31 ] All of this leads us to ask ourselves: What, in fact, is the reason for not allowing people, in their everyday lives, to glimpse into the spiritual world? This spiritual world is blocked in two ways. First, by external nature. We perceive external nature, as it were, as a shell covering what lies beyond it. If one can penetrate this shell, one finds oneself within the spiritual world. The materialistic worldview does everything in its power to prevent people from realizing that there is spirit behind it. I have often explained in public lectures that there is an unconscious fear at work here. But it is the same on the inner level. A person perceives their thinking, feeling, and willing. But behind that lies something else: behind it lies the entire soul nature, which passes from incarnation to incarnation. And the current religious communities do not want people to realize that behind thinking, feeling, and willing lies something else.
[ 32 ] Daher wird das Buch «Die Rätsel der Philosophie», weil ich das im letzten Kapitel dargestellt habe, den Leuten ganz unbequem sein. Nach zwei Seiten hin ist der Weg zur Geisteswelt versperrt, möchte man sagen. Während die Naturforscher auf der einen Seite bemüht sind, ja nichts zu produzieren, was hineinführen könnte in die Welt, die hinter der Natur ist, sind wiederum die Vertreter der Religionsgemeinschaften bemüht, nur ja nichts an die Seelen herankommen zu lassen, was sie aufklären kann über dasjenige, was über den Tod hinaus und dann bis zum nächsten Leben geht.
[ 32 ] For this reason—as I explained in the last chapter—the book *The Riddles of Philosophy* will be quite unsettling to people. One might say that, after just two pages, the path to the spiritual world is blocked. While natural scientists, on the one hand, strive to produce nothing that might lead into the world that lies beyond nature, the representatives of religious communities, on the other hand, strive to ensure that nothing reaches the souls that might enlighten them about what lies beyond death and on into the next life.
[ 33 ] Warum verhindern auf der einen Seite die Naturforscher, daß man hinter die Natur kommt, und auf der anderen Seite die Priester, daß man hinter die Seelengeheimnisse kommt? Diese Frage ist wichtig und wert, sie sich vorzulegen. Denn Sie werden finden, daß immer mehr und mehr sich die Dinge zuspitzen werden. Diejenigen, die sich aus der Naturwissenschaft heraus eine Weltanschauung formen, werden unsere Gegner sein, weil sie nicht durchkommen lassen wollen die geistige Welt, die hinter der Natur ist. Und die Priester werden unsere Gegner sein, weil sie nicht durchkommen lassen wollen dasjenige, was hinter dem Denken, Fühlen und Wollen liegt, was von Inkarnation zu Inkarnation geht. Auf der einen Seite sagt der Naturforscher durch die Naturwissenschaft: Hier sind die Grenzen der Erkenntnis -, auf der anderen Seite sagen die Religionsvertreter: Weitergehen zu wollen, ist eine Sünde, ist eine Vermessenheit des Menschen. - Worin diese zwei Arten der Gegnerschaft ihren Grund haben, diese Frage werden wir uns morgen vorlegen und von der Beantwortung dieser Frage zu weiterem übergehen.
[ 33 ] Why do natural scientists, on the one hand, prevent people from looking beyond nature, and priests, on the other hand, prevent people from looking beyond the mysteries of the soul? This question is important and worth considering. For you will find that things will become increasingly acute. Those who form a worldview based on natural science will be our opponents, because they do not want to allow the spiritual world that lies behind nature to come through. And the priests will be our opponents, because they do not want to allow that which lies behind thinking, feeling, and willing—that which passes from incarnation to incarnation—to come through. On the one hand, the natural scientist says through natural science: “Here are the limits of knowledge”; on the other hand, the representatives of religion say: “To want to go further is a sin; it is human presumption.” We will address the question of what lies at the root of these two forms of opposition tomorrow, and from the answer to this question we will move on to further considerations.
