Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

The Occult Movement
in the Nineteenth Century
and its Relationship to World Culture
GA 254

19 October 1915, Dornach

Translate the original German text into any language:

Sechster Vortrag

Sixth Lecture

[ 1 ] Wenn Sie noch einmal eine Art Gemütsrückblick — womit ich mehr einen zusammenfassenden Rückblick meine, ohne auf die Einzelheiten einzugehen -, wenn Sie also eine Art Gemütsrückblick tun auf das, was ich mir erlaubte, in den letzten Vorträgen und Betrachtungen hier vor Ihnen auseinanderzusetzen, so werden Sie sehen, daß der Gang der Entwickelung, den die geisteswissenschaftliche Weltanschauungsströmung nehmen mußte, demjenigen, der sich dieser geisteswissenschaftlichen Weltanschauung gegenüber verantwortlich fühlt, bestimmte Verantwortungen, starke Verantwortungen auferlegt. Denn Sie haben gerade aus den Betrachtungen der letzten Zeit wohl entnehmen können, daß starke Schwierigkeiten für den Menschen erwachsen — eine andere Art von Schwierigkeiten als man sie sonst im Leben hat —, um sich auszukennen und einen richtigen, geraden Gang zu gehen.

[ 1 ] If you take a moment to reflect—by which I mean more of a summary review, without going into the details—if you take a moment to reflect on what I took the liberty of discussing here before you in my recent lectures and reflections, you will see that the course of development which the Spiritual Science worldview movement has had to take imposes certain responsibilities—significant responsibilities—on those who feel a sense of responsibility toward this Spiritual Science worldview. For you have surely been able to gather from the reflections of recent times that great difficulties arise for human beings—a different kind of difficulty than one usually encounters in life—in finding their bearings and walking a true, straight path.

[ 2 ] Nicht wahr, im Leben des physischen Planes sind wir in vieler Beziehung geschützt vor Abirrungen nach der einen oder anderen Richtung. Ich habe ja auf diesen Schutz schon vor vielen Jahren aufmerksam gemacht, als ich einige Schilderungen gab über das Problem des Hüters der Schwelle, die dann im Laufe der Zeit ergänzt worden sind. Schon in den alten Aufsätzen, die dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» einverleibt worden sind, kann man sehen, wie der Mensch auf dem physischen Plane geschützt ist vor einem zu leichten Abirren nach der einen oder anderen Seite in intellektueller und moralischer Beziehung. Nicht wahr, wir kommen ins Leben so herein, daß uns im Laufe unserer Kindheit gewissermaßen Richtkräfte mitgegeben werden fürs Leben. Wir wissen genau: zu unserer freien Betätigung der Urteilskraft erwachen wir im Grunde genommen erst später im Leben.

[ 2 ] Isn’t it true that, in life on the physical plane, we are in many respects protected from straying in one direction or another? I drew attention to this protection many years ago, when I gave some descriptions of the problem of the Keeper of the Threshold, which have since been supplemented over time. Even in the early essays that have been incorporated into the book *How Does One Gain Knowledge of the Higher Worlds?*, one can see how human beings on the physical plane are protected from straying too easily in one direction or another, both intellectually and morally. Isn’t it true that we enter life in such a way that, in the course of our childhood, we are, so to speak, endowed with guiding forces for life? We know full well that, fundamentally speaking, we do not awaken to the free exercise of our power of judgment until later in life.

[ 3 ] Beobachten Sie einmal das Kind und vergleichen Sie sein Seelenleben mit dem des Erwachsenen. Dann werden Sie sehen, wie Sie in einer gewissen Beziehung doch eine Nuancierung in dem Unterschiede zwischen dem Kindesleben und dem Leben des Erwachsenen annehmen dürfen, indem Sie sich sagen können: der Mensch wächst aus einem gewissen Dämmerleben, das er während seiner Kindheit führt, in späteren Jahren zu der freien Betätigung seiner Urteilsfähigkeit heran. Es handelt sich wirklich darum, daß man diese Lebensnuance gut ins Auge faßt.

[ 3 ] Observe a child for a moment and compare its inner life with that of an adult. Then you will see that, in a certain sense, you can indeed perceive a nuance in the difference between a child’s life and that of an adult, in that you can say to yourself: a person grows from a certain twilight existence—which they lead during childhood—into the free exercise of their judgment in later years. It is truly a matter of grasping this nuance of life clearly.

[ 4 ] Wenn man zu sehr am Kinde den ganzen Verlauf des menschlichen Lebens von der Geburt bis zum Tode betrachtet, so wird man vielleicht diese Metamorphose des inneren Seelenlebens zu wenig beachten. Aber es ist wichtig, daß man sich auf sie einläßt, weil in der Zeit, in der unsere Urteilskraft noch nicht völlig erwacht ist, gerade dasjenige an uns herankommen kann, was uns dann leitet und lenkt im späteren Leben. Wir müssen gewissermaßen für die freie eigene Urteilskraft umdämmert sein in den ersten Lebensjahren, damit gewisse Richtkräfte in unseren Intellekt, in unsere moralischen Impulse hineinkommen, damit wir nicht allzufrüh die Kräfte kristallisieren, die uns mitgegeben werden fürs Leben, die einverseelt werden unserem Wesen - ich will nicht sagen einverleibt. Dadurch haben wir etwas für das ganze Leben, dadurch richten wir uns wirklich im ganzen Leben nach solchen uns einverseelten intellektuellen und moralischen Impulsen.

[ 4 ] If one focuses too much on the child as representing the entire course of human life from birth to death, one might pay too little attention to this metamorphosis of the inner life of the soul. But it is important to engage with it, because during the time when our power of judgment has not yet fully awakened, it is precisely those influences that can reach us which will then guide and direct us in later life. We must, so to speak, remain in a state of twilight regarding our own free power of judgment during the first years of life, so that certain guiding forces may enter our intellect and our moral impulses, so that we do not crystallize too early the forces that are given to us for life, that are infused into our being—I do not wish to say incorporated. In this way, we have something for our entire life; in this way, we truly orient ourselves throughout our entire life according to such intellectual and moral impulses that have been instilled in us.

[ 5 ] In einer gewissen Weise werden wir, wenn wir nun heranrücken an die Begriffe der geistigen Welten, freier gemacht. Es war oftmals die Rede davon und es muß oftmals die Rede davon sein, daß auch dieses Eintreten in die geistigen Welten wiederum eine Art Erwachen ist aus dem gewöhnlichen Lebenszustande, aus den gewöhnlichen Lebensverhältnissen heraus; also wiederum eine solche ähnliche Nuance in den Lebensmetamorphosen, wie die von der Kindheit zu der Urteilsfähigkeit des Lebens.

[ 5 ] In a certain sense, as we now draw closer to the concepts of the spiritual worlds, we become freer. It has often been said—and must often be said—that this entry into the spiritual worlds is, in turn, a kind of awakening from the ordinary state of life, from ordinary living conditions; that is, it is a nuance in the metamorphoses of life similar to that from childhood to the ability to exercise judgment.

[ 6 ] Dadurch aber sind wir in der Tat sehr leicht in die Lage versetzt, wenn wir so begriffsmäßig, wie es sein soll, die geisteswissenschaftliche Weltanschauung aufnehmen, die feste Richtung des Lebens, die wir vorher gehabt haben, ins Wanken geraten zu sehen. Es handelt sich deshalb darum, gerade den ganzen Menschen, der uns einverpflanzt ist, zusammenzunehmen, wenn wir in das Begreifen der geistigen Welten eintreten, weil wir dieses durch die Kindheit uns einverpflanzte, einverseelte Lebenskapital um so notwendiger brauchen, wenn wir an diejenigen Dinge herantreten, die uns aus der Welt jenseits der Schwelle des Lebens geoffenbart werden sollen. Und ich zeigte Ihnen, wie leicht es ist, unter selbstverständlichen Einflüssen der verschiedenen Zeitströmungen da oder dorthin abzuirren. Denn solch ein Abirren, wie es zum Beispiel in Sirnetts «Esoterischem Buddhismus» der Fall ist, kommt dadurch zustande, daß der starke Impuls des Materialismus auf die Seelen der Menschen wirken kann, ich sage: wirken kann.

[ 6 ] However, this does indeed make it very easy for us—when we take in the Spiritual Science worldview conceptually, as we should—to see the firm direction of life that we previously had begin to waver. It is therefore a matter of bringing together the whole human being that has been instilled in us as we enter into an understanding of the spiritual worlds, because we need this capital of life—instilled and animated within us through childhood—all the more when we approach those things that are to be revealed to us from the world beyond the threshold of life. And I showed you how easy it is to stray here or there under the natural influences of the various currents of the times. For such straying—as is the case, for example, in Sirnett’s *Esoteric Buddhism*—arises because the powerful impulse of materialism can act upon people’s souls; I say: can act upon them.

[ 7 ] Ebenso aber, wie dadurch, weil orientalisierende Einflüsse da waren, ein Abirren möglich war nach der Richtung, die ganze Natur des heutigen Mondes eigentlich zu verleugnen, zu verleumden, ebenso können wir auf der anderen Seite abirren, die Möglichkeit eines Abirrens sehen dadurch, daß gewisse Menschen ein Interesse haben, die Wahrheit von den wiederholten Erdenleben nicht herauskommen zu lassen. Derjenige — und das ist in diesem Falle nicht Herr Sinnett, sondern derjenige, der hinter ihm gestanden hat -, der ein Interesse daran hat, das menschliche Erdenleben so zu gestalten, daß der Materialismus gleichsam noch übermaterialisiert wird, bringt so etwas, wie die Lehre vom Monde, in ein sonst wahres System hinein und lenkt dadurch das wahre System nach einer bestimmten Richtung ab.

[ 7 ] Just as, because of the presence of Orientalizing influences, it was possible to stray in the direction of actually denying and slandering the entire nature of the present-day Moon, so too, on the other hand, we can stray and see the possibility of straying in that certain people have an interest in preventing the truth about repeated earthly lives from coming to light. The one—and in this case it is not Mr. Sinnett, but the one who stood behind him—who has an interest in shaping human life on Earth in such a way that materialism is, as it were, further materialized, introduces something like the doctrine of the Moon into an otherwise true system and thereby diverts the true system in a certain direction.

[ 8 ] Nun wissen wir ja, daß die abendländische Kultur mit ihrem amerikanischen Nachwuchse seit den letzten Jahrhunderten unter einem starken Impulse des Christentums steht. Ich habe mich selber bemüht zu zeigen, daß mit Christentum nicht nur gemeint sein kann, wie man das Christentum heute begreifen kann. Begreifen wird man vieles erst in der Zukunft, und wir fangen selber ja erst an, manches von dem Mysterium von Golgatha zu begreifen. Aber die Impulse des Christentums sind reale Impulse, sie wirken auch dann, wenn sie die Menschen noch nicht verstehen. Nur mußten sie in den verflossenen Jahrhunderten so wirken, daß ausgeschlossen wurde ein Teil der allgemeinen Weltenwahrheiten, der ganz gut mit dem Christentum verträglich ist. Aber die Einsicht reichte nicht aus, um klar zu begreifen, daß er damit verträglich ist. Es wurde das, was sich auf die wiederholten Erdenleben bezieht, ausgeschlossen aus dem Christentum. Und so ist eine abendländische Kultur und ein amerikanischer Nachwuchs entstanden, mit einem Christentum, das gewisse Bestandteile wie dieLehre von den wiederholten Erdenleben ausgeschlossen hat.

[ 8 ] Now, we know that Western culture, along with its American offshoot, has been strongly influenced by Christianity over the past few centuries. I have endeavored to show that “Christianity” cannot be understood solely in the way it is understood today. Much will only be understood in the future, and we ourselves are only just beginning to grasp some aspects of the mystery of Golgotha. But the influences of Christianity are real; they are at work even when people do not yet understand them. However, in past centuries they had to operate in such a way that a portion of the general truths of the world—which is quite compatible with Christianity—was excluded. But people’s insight was not sufficient to clearly grasp that it is indeed compatible. That which relates to repeated earthly lives was excluded from Christianity. And thus a Western culture and a new generation in America have emerged, with a form of Christianity that has excluded certain elements, such as the doctrine of repeated earthly lives.

[ 9 ] Nun habe ich gezeigt, wie gewisse Okkultisten sich bemüht haben, ihrerseits dieses fortzuführen, wie sie einseitig alles aufbringen wollten, um diese nun einmal hergebrachte Anschauung von den christlichen Impulsen zu retten: diese Anschauung, die ausgeschlossen hat die Wahrheit von den wiederholten Erdenleben. Ich habe auf gewisse okkultistische Richtungen, die zum Beispiel in Beziehung zur Hochkirche stehen, hingewiesen. Das waren durchaus wissende Leute, um die es sich da gehandelt hat. Ja, man kann sagen, daß sie okkultistisch viel besser geschult waren als die führenden Leute der Theosophischen Gesellschaft. Aber ihnen lag alles daran, die Lehre von den wiederholten Erdenleben weiter zu eliminieren; und das hängt zusammen damit, daß sie ableugneten, daß der Mensch — so wie ich es in der «Geheimwissenschaft im Umriß» dargestellt habe - im Laufe seiner Erdenentwickelung doch ein Verhältnis mit den anderen Planeten unseres Sonnensystems eingeht.

[ 9 ] I have now shown how certain occultists have endeavored to carry this on in their own way, how they sought, in a one-sided manner, to do everything in their power to preserve this long-established view of Christian impulses—a view that has ruled out the truth of repeated earthly lives. I have pointed out certain occultist movements, such as those associated with the High Church. These were by no means uninformed people. Indeed, one can say that they were much better trained in the occult than the leaders of the Theosophical Society. But they were determined to further eliminate the doctrine of repeated earthly lives; and this is connected with the fact that they denied that human beings—as I have described in *An Outline of Esoteric Science*—do indeed enter into a relationship with the other planets of our solar system in the course of their earthly evolution.

[ 10 ] Diejenigen Kräfte, welche da in die Menschenseele verpflanzt werden, haben es hauptsächlich zu tun mit des Menschen Anteil am außerirdischen Kosmos; und über diesen Anteil der Menschenseele am außerirdischen Kosmos möchte man von dieser Seite her gerade die Menschen im unklaren lassen. Man möchte sie ablenken von dem Bewußtsein, daß die Seele nicht nur mit den irdischen Wesen und den irdischen Ereignissen einen Zusammenhang hat, sondern auch mit dem, was im Kosmos draußen ist, was uns zum Beispiel entgegenleuchter von den anderen Planeten unseres Sonnensystems.

[ 10 ] The forces that are implanted in the human soul are primarily connected to humanity’s share in the extraterrestrial cosmos; and it is precisely this aspect of the human soul’s connection to the extraterrestrial cosmos that certain quarters wish to keep people in the dark about. They wish to distract them from the awareness that the soul is connected not only to earthly beings and earthly events, but also to what lies outside in the cosmos—such as the light shining toward us from the other planets in our solar system.

[ 11 ] Hauptsächlich haben die Impulse, welche von den anderen Planeten unseres Sonnensystems ausgehen, indem sie auf den Menschen wirken, die Gewalt, die Seele als lebendige Seele dem physischen Tode zu entreißen. Damit haben sie es vorzugsweise zu tun, wie Sie es aus den Schilderungen über das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt ersehen können, die ich in den verschiedenen Zusammenhängen und von verschiedenen Gesichtspunkten aus gegeben habe.

[ 11 ] Primarily, the impulses emanating from the other planets of our solar system, by acting upon human beings, possess the power to snatch the soul—as a living soul—from physical death. This is their primary concern, as you can see from the descriptions of life between death and a new birth that I have provided in various contexts and from various perspectives.

[ 12 ] Wenn Sie aber zurückgehen in der Menschheitsentwickelung, dann werden Sie sehen, daß gerade in den Zeiten, in denen noch atavistische Erkenntnisse, hellseherische Erkenntnisse wie ein Erbteil aus alten Zeiten vorhanden waren, die Menschen ihren Blick nach den anderen Sternen unseres Sonnensystems hinlenkten; und dasjenige, was für unsere Zeit eine so fragwürdige Wissenschaft geworden ist, die Astrologie, spielte eine ungeheuer große Rolle in den alten Zeiten.

[ 12 ] But if you look back at the development of humanity, you will see that it was precisely during those times when atavistic insights—clairvoyant insights, as it were, inherited from ancient times—were still present that people turned their gaze toward the other planets in our solar system; and astrology—which has become such a questionable science in our time—played an immensely important role in ancient times.

[ 13 ] Warum, so können wir uns fragen, hat die Astrologie aufgehört, diese Rolle zu spielen? Weil, um dem Christentum Zeit zu geben, sich in das Erdentum hineinzuleben, der Blick der Seelen abgelenkt werden mußte. So wie von der imaginativen Welt der Hellseherblick abgelenkt werden mußte, so mußte abgelenkt werden der Blick von den Impulsen, die von den Planeten unseres Sonnensystems ausgehen. Was von der Astrologie geblieben ist, das sind alles alte Traditionen. Ich habe mich darüber öfter ausgesprochen. Gewissermaßen können wir sagen: das alte Hellsehen und auch der alte Blick und das Wissen von den Impulsen, die von den Planeten unseres Sonnensystems ausgehen, das alles wurde eingeschränkt. Der Mensch wurde zurückverwiesen auf unsere bloß wahrnehmbare Welt, auf seine Sinne, mit denen er nur das sehen sollte, was auf der Erde vorgeht, damit stark werden konnten die Impulse vom Mysterium von Golgatha, damit sie versenkt werden konnten in die Seelen, in die Gefühle der Gläubigen, damit die Menschen sich verinnerlichen konnten.

[ 13 ] Why, we might ask, did astrology cease to play this role? Because, in order to give Christianity time to become rooted in earthly life, the gaze of the souls had to be diverted. Just as the clairvoyant gaze had to be diverted from the imaginative world, so too did the gaze have to be diverted from the impulses emanating from the planets of our solar system. What remains of astrology consists entirely of ancient traditions. I have spoken about this on several occasions. In a sense, we can say: ancient clairvoyance, as well as the ancient perception and knowledge of the impulses emanating from the planets of our solar system—all of that was restricted. Humanity was confined to our merely perceptible world, to its senses, with which it was to see only what takes place on Earth, so that the impulses from the Mystery of Golgotha might grow strong, so that they might be imbued into the souls and feelings of the believers, so that people might internalize them.

[ 14 ] Denn das Hellsehen war in alten Zeiten doch eine äußerliche Fähigkeit. Man brauchte es nicht zu erwerben, man hatte es als Erbgut. Wie man heute Augen und Ohren hat, so hatte man damals das Hellsehen. Es kommen aber die Zeiten heran, in denen man es immer mehr und mehr wieder erwerben wird. Dazu mußte man einmal abgeschlossen werden von der geistigen Welt und beschränkt werden auf die äußere mineralische Welt, damit von innen heraus alles wieder aufgebaut werden kann. So muß von innen heraus aufgebaut werden das, was man früher von außen herein gesehen hat. Ich will es Ihnen einmal schematisch andeuten.

[ 14 ] For in ancient times, clairvoyance was, after all, an innate ability. One did not need to acquire it; one possessed it as part of one’s genetic makeup. Just as we have eyes and ears today, so did people in those days possess clairvoyance. But the time is approaching when people will increasingly have to acquire it anew. To this end, people first had to be cut off from the spiritual world and confined to the external mineral world, so that everything could be rebuilt from within. Thus, what was once perceived from the outside must now be built up from within. Let me illustrate this schematically for you.

[ 15 ] Stellen Sie sich einen Menschen vor mit dem alten hellseherischen Blick. Der richtete seinen Blick — ich will das Auge als Repräsentant für den hellseherischen Blick setzen, obgleich der hellseherische Blick nicht an das Auge gebunden ist — hinaus in die Sternensphäre und sah in dieser die verschiedenen geistigen Impulse, die von ihr herkommen (siehe Zeichnung).

[ 15 ] Create a mental image of a person with the ancient clairvoyant gaze. They directed their gaze—I will use the eye as a representative of the clairvoyant gaze, although the clairvoyant gaze is not bound to the eye—out into the stellar sphere and saw within it the various spiritual impulses emanating from it (see drawing).

AltNameAltName

[ 16 ] Dann im Verlaufe der Zeiten erlosch dieses Hellsehen, und des Menschen Blick wurde auf das irdische Leben beschränkt. An die Stelle des früheren Hellsehens mußte etwas anderes treten. Was dahin treten mußte, könnten wir jetzt so zeichnen. Wir könnten sagen: Das, was früher von außen nach innen herangekommen war, das mußte jetzt von innen nach außen gehen. Der Mensch mußte gleichsam das, was der Himmel in ihn verpflanzt hatte, wiederum lernen hinauszuprojizieren, damit er seinen Zusammenhang wiederfindet mit den Him melserscheinungen.

[ 16 ] Then, over the course of time, this clairvoyance faded away, and human vision became limited to earthly life. Something else had to take the place of the former clairvoyance. We could now describe what had to take its place as follows. We could say: What had formerly come from the outside to the inside now had to go from the inside to the outside. Human beings had to learn, as it were, to project outward once more what heaven had implanted within them, so that they might rediscover their connection with celestial phenomena.

AltNameAltName

[ 17 ] Gerade der umgekehrte Weg mußte gemacht werden. Es ist wirklich so, daß die menschliche Natur gerade jetzt in diesem Zeitpunkte in einer Umorganisation begriffen ist. Sie ist durchgegangen, ich möchte sagen, durch den Punkt der äußersten Verfinsterung, und einer der Ausdrücke dafür ist das, was ich die Hochflut des Materialismus im 19. Jahrhundert genannt habe. Aber es bereitet sich für die Menschheit schon wieder ein Hinausleben vor. Wenn wir das okkultistisch charakterisieren wollen, so können wir sagen: die Menschen haben früher nicht nur wahrgenommen und gedacht mit ihrem physischen Leibe, sondern sie haben wahrgenommen und gedacht mit ihrem Ätherleibe. Das im Atherleibe Wahrgenommene wurde im astralischen Leibe als Astrologie bewußt; heute, in der Astronomie, wird alles errechnet. Jetzt muß der Ätherleib wieder belebt werden, und das hängt zusammen mit dem ätherischen Wiedererscheinen des Christus. Indem die Atherleiber wieder belebt werden, schauen sie den Christus. Aber Sie sehen: eine Belebung, eine Vitalisierung des Ätherleibes muß stattfinden.

[ 17 ] It was precisely the opposite path that had to be taken. It is truly the case that human nature is currently, at this very moment, undergoing a reorganization. It has passed, I would say, through the point of utter darkness, and one expression of this is what I have called the deluge of materialism in the 19th century. But a new phase of life is already taking shape for humanity. If we wish to characterize this from an occult perspective, we can say: in the past, people did not merely perceive and think with their physical body, but they perceived and thought with their etheric body. What was perceived in the etheric body became conscious in the astral body as astrology; today, in astronomy, everything is calculated. Now the etheric body must be reanimated, and this is connected with the etheric reappearance of Christ. As the etheric bodies are reanimated, they behold Christ. But you see: a reanimation, a vitalization of the etheric body must take place.

[ 18 ] Man kann da ganz merkwürdige Entdeckungen machen, wenn man auf die Dinge wirklich eingeht. Es ist das ganze Gefühl dafür verschwunden, daß der Mensch einen Ätherleib hat; dagegen ist das Gefühl aufgetaucht, als wenn der Mensch nur einen physischen Leib hätte. Aber Sie stellten sich etwas ganz Falsches vor, wenn Sie glauben würden, diese Meinung, daß der Mensch bloß einen physischen Leib habe, sei wirklich so sehr alt. Sie ist gar nicht so alt. Wenn wirklich dieses Beschränken auf den physischen Leib durch die Hochflut des Materialismus des 19. Jahrhunderts bewirkt worden ist, dann, könnten Sie sagen, müssen die Menschen vorher doch noch etwas geahnt haben von dem Atherleibe, der da untertauchte, und der jetzt wieder auftaucht. Nun, Beweise dafür, daß die Leute wirklich etwas gewußt haben von dem Ätherleibe, ein Wissen hatten, das da war und jetzt allmählich unberücksichtigt gelassen wurde, könnte ich Ihnen viele geben. Ich könnte Ihnen viele Stellen bringen aus älteren Werken. Ich will Ihnen aber nur eine Stelle vorlesen aus einem im Jahre 1827 erschienenen Buche. Darin finden Sie auf Seite 208 eine merkwürdige Stelle. Ich werde sie recht langsam vorlesen, damit Sie während des Vorlesens darauf achten können, wie anders man heute über diese Dinge schreibt, unter dem Einflusse der ganz materialistisch gewordenen Weltanschauung.

[ 18 ] You can make some very strange discoveries there if you really delve into things. The whole sense that human beings have an etheric body has disappeared; in its place has emerged the feeling that human beings have only a physical body. But you would be quite mistaken if you thought that this view—that human beings have only a physical body—is actually very old. It is not that old at all. If this restriction to the physical body was indeed brought about by the deluge of 19th-century materialism, then, you might say, people must have had some inkling beforehand of the etheric body that had gone into hiding and is now reemerging. Well, I could give you plenty of evidence that people really did know something about the etheric body—that they possessed a knowledge which existed and has now gradually been disregarded. I could cite many passages from older works. But I want to read just one passage to you from a book published in 1827. On page 208, you will find a remarkable passage. I will read it very slowly so that, as I read, you can notice how differently people write about these things today, under the influence of a worldview that has become entirely materialistic.

[ 19 ] «Man verbindet fälschlich mit der bloßen Aufnahme von Speise und Trank und deren Verarbeitung in den Dauungsorganen den Begriff der Ernährung. Nicht von Speise und Trank, sondern vom Blute wird der Organismus ernährt und das organische Leben unterhalten, und zwar auch vom Blute (dem neutralisierten irdischen und ätherischen Lebensprinzip)» — also er zeigt, daß er nicht vom physischen Blute spricht, sondern von dem, was dem Blute als ätherisches Lebensprinzip zugrunde liegt — «nicht eher, als bis es in den plastischen Häuten zum belebenden und bildenden Hauch (Aura vitalis) gesteigert und gleichsam sublimiert ist.»

[ 19 ] “People mistakenly associate the concept of nutrition with the mere intake of food and drink and their processing in the digestive organs. It is not food and drink, but blood that nourishes the organism and sustains organic life—specifically, blood (the neutralized earthly and etheric life principle)” — thus he shows that he is not speaking of physical blood, but of that which underlies the blood as the etheric life principle — “not until it has been elevated and, as it were, sublimated in the plastic membranes into the vitalizing and formative breath (Aura vitalis).”

[ 20 ] Was will der Mann damit sagen? Die äußere Ernährung, das ist eigentlich nicht die Haupterscheinung, sondern das, worauf es ankommt, ist, daß, während die äußere Ernährung sich vollzieht, die Speisen gewisse Extrakte von sich ins Blut senden, so daß ein Prozeß vorgeht in dem, was als ätherisiertes Lebensprinzip dem Blute zugrunde liegt. Im Jahre 1827 schreibt man das. Der Schreiber hat sogar eine Klammer gemacht da, wo er sagt: «... bis es in den plastischen Häuten zum belebenden und bildenden Hauch (Aura vitalis) gesteigert und gleichsam sublimiert ist.» Dieses «plastisch» ist dasselbe Wort wie «imaginativ». Ich könnte ebensogut lesen: «... als bis es in den imaginativ bildsamen Häuten zum belebenden und bildenden Hauch (Aura vitalis) gesteigert und gleichsam sublimiert ist.» In Klammern steht: «Aura vitalis.» Das können Sie nicht anders übersetzen, als: Atherleib.

[ 20 ] What is this man trying to say? External nutrition is not actually the main phenomenon; rather, what matters is that, while external nutrition takes place, the food releases certain extracts into the blood, so that a process occurs in what underlies the blood as an etherized life principle. This was written in 1827. The author even added a parenthetical note where he says: “... until it is heightened and, as it were, sublimated in the plastic membranes into the animating and formative breath (Aura vitalis).” This “plastic” is the same word as “imaginative.” I might just as well read: “... until it is elevated and, as it were, sublimated into the life-giving and formative breath (Aura vitalis) within the imaginative, malleable membranes.” In parentheses it says: “Aura vitalis.” You cannot translate this as anything other than: etheric body.

[ 21 ] Der Mann, der das geschrieben hat, war Professor der psychischen Heilkunde auf der Universität zu Leipzig und Arzt am St.Georgenhause daselbst. Es ist Dr. Johann Christian August Heinroth, von dem ich im Zusammenhange mit Goethe einmal gesprochen habe.

[ 21 ] The man who wrote this was a professor of psychiatry at the University of Leipzig and a physician at St. Georgenhaus there. It is Dr. Johann Christian August Heinroth, whom I once mentioned in connection with Goethe.

[ 22 ] Sie werden daraus ahnen können - und solch ein Beispiel könnte man nach Hunderten vermehren -, wie ganz anders der Ton war, wie in die materialistische Weltanschauung hinein versunken ist das Wissen, das vor gar nicht zu langer Zeit noch vorhanden war. Man kann sagen, es war ein Strom von Wissen da. Man könnte es schematisch so aufzeichnen:

[ 22 ] From this you can surmise—and there are hundreds of such examples—just how different the tone was, and how the knowledge that existed not so long ago has now been subsumed into the materialistic worldview. One could say there was a stream of knowledge there. One could schematically represent it as follows:

AltNameAltName

[ 23 ] Der Strom versickert da, und die materialistische Weltanschauung kommt herauf. Aber unter der Strömung, sozusagen als Unterströmung entwickelt sich in der Menschennatur das, was ich gesagt habe: von innen heraus baut sich wiederum der Zusammenhang mit dem Kosmos auf. Sie können jetzt wieder sagen: Beweise uns, daß es Menschen gegeben hat, die etwas davon ahnten, daß, während auf der einen Seite das Wissen von der alten Bedeutung des Ätherleibes, der von außen die Eindrücke bekam, versickert, es auf der anderen Seite vielleicht doch schon Menschen gegeben hat, welche gewußt haben, daß von innen heraus der Ätherleib sich wieder vitalisierte.

[ 23 ] The current seeps away there, and the materialistic worldview rises to the surface. But beneath the current—as an undercurrent, so to speak—what I have described develops within human nature: from within, the connection with the cosmos is reestablished. You may now say again: Prove to us that there were people who sensed something of this—that while, on the one hand, knowledge of the ancient significance of the etheric body, which received impressions from the outside, is fading away, on the other hand there may already have been people who knew that the etheric body was being revitalized from within.

[ 24 ] Da will ich Ihnen eine Stelle vorlesen aus einem Buche, das allerdings noch früher erschienen ist, und aus dem Sie ersehen können, daß es schon Leute gegeben hat, die darauf aufmerksam machten, wie die Menschheitsorganisation sich in der Zukunft ändern wird. Allerdings ist die Sache sehr verhüllt erzählt, aber sie ist immerhin erzählt. Es wird in diesem Buche von einer Frauengestalt erzählt. Die meisten von Ihnen werden wissen, wenn ich die Stelle vorlese, woraus sie ist.

[ 24 ] I would like to read you a passage from a book that was published even earlier, and from which you can see that there have already been people who drew attention to how the organization of humanity will change in the future. Admittedly, the story is told in a very veiled way, but it is told nonetheless. This book tells the story of a female character. Most of you will know, when I read the passage aloud, where it comes from.

[ 25 ] Diese Frau befindet sich zu unserem Sonnensystem — so wird gesagt - «in einem Verhältnis, welches man auszusprechen kaum wagen darf. In dem Geiste, der Seele, der Einbildungskraft hegt sie, schaut sie es nicht nur, sondern sie macht gleichsam einen Teil desselben: sie sieht sich in jenen himmlischen Kreisen mit fortgezogen, aber auf eine ganz eigene Art; sie wandelt seit ihrer Kindheit um die Sonne, und zwar, wie nun entdeckt ist, in einer Spirale, sich immer mehr vom Mittelpunkt entfernend und nach den äußeren Regionen hinkreisend.» Also es wird hier erzählt, daß es eine Seele im Frauenkörper gibt, die nicht mehr mit dem Erdenleben, sondern mit dem Sonnenleben geht, daß sie im Laufe des Lebens immer größere Kreise zieht, ja, daß man annehmen kann, daß die Wesen, insofern sie körperlich sind, nach dem Zentrum, und insofern sie geistig sind, nach der Peripherie streben. Es wird also eine Seele beschrieben, die mit dem Kosmos lebt:

[ 25 ] This woman is said to be in a relationship with our solar system “that one hardly dares to put into words.” In her mind, soul, and imagination, she not only contemplates it but, as it were, becomes a part of it: she sees herself drawn along in those celestial circles, but in a manner all her own; she has been orbiting the sun since childhood, and, as has now been discovered, in a spiral, moving ever farther from the center and circling toward the outer regions.” So what is being described here is that there is a soul within the woman’s body that no longer follows earthly life but rather the life of the sun; that in the course of life it traces ever-wider circles; indeed, that one may assume that beings, insofar as they are physical, strive toward the center, and insofar as they are spiritual, strive toward the periphery. Thus, a soul is described that lives in harmony with the cosmos:

[ 26 ] «Makarie befindet sich zu unserm Sonnensystem in einem Verhältnis, welches man auszusprechen kaum wagen darf. In dem Geiste, der Seele, der Einbildungskraft hegt sie, schaut sie es nicht nur, sondern sie macht gleichsam einen Teil desselben: sie sieht sich in jenen himmlischen Kreisen mit fortgezogen, aber auf eine ganz eigene Art; sie wandelt seit ihrer Kindheit um die Sonne, und zwar, wie nun entdeckt ist, in einer Spirale, sich immer mehr vom Mittelpunkt entfernend und nach den äußeren Regionen hinkreisend.

[ 26 ] “Makarie stands in a relationship to our solar system that one hardly dares to put into words. In the spirit, the soul, and the imagination in which she nurtures it, she not only beholds it but, as it were, becomes a part of it: she sees herself carried along in those celestial spheres, but in a manner all her own; since her childhood, she has been orbiting the sun—and, as has now been discovered, in a spiral, moving ever farther from the center and circling toward the outer regions.

[ 27 ] Wenn man annehmen darf, daß die Wesen, insofern sie körperlich sind, nach dem Zentrum, insofern sie geistig sind, nach der Peripherie streben, so gehört unsere Freundin zu den geistigsten; sie scheint nur geboren, um sich von dem Irdischen zu entbinden, um die nächsten und fernsten Räume des Daseins zu durchdringen. Diese Eigenschaft, so herrlich sie ist, ward ihr doch seit den frühesten Jahren als eine schwere Aufgabe verliehen. Sie erinnert sich von klein auf ihres innern Selbst als von leuchtenden Wesen durchdrungen, von einem Licht erhellt, welchem sogar das hellste Sonnenlicht nichts anhaben konnte.» — Sie trägt in sich also Lichtquellen, und das äußere Licht kann ihr nichts anhaben. — «Oft sah sie zwei Sonnen, eine innere nämlich, und eine außen am Himmel, zwei Monde, wovon der äußere in seiner Größe bei allen Phasen sich gleich blieb, der innere sich immer mehr und mehr verminderte.

[ 27 ] If we may assume that beings, insofar as they are physical, strive toward the center, and insofar as they are spiritual, toward the periphery, then our friend belongs to the most spiritual; she seems to have been born solely to free herself from the earthly realm, to penetrate the nearest and farthest realms of existence. This quality, as magnificent as it is, was nevertheless bestowed upon her from her earliest years as a heavy burden. From a very young age, she has remembered her inner self as being permeated by luminous beings, illuminated by a light that even the brightest sunlight could not dim.” — She thus carries sources of light within her, and the external light cannot harm her. — “She often saw two suns—one inner and one outside in the sky—and two moons, the outer one remaining the same size throughout all its phases, while the inner one grew smaller and smaller.

[ 28 ] Diese Gabe zog ihren Anteil ab von gewöhnlichen Dingen, aber ihre trefflichen Eltern wendeten alles auf ihre Bildung; alle Fähigkeiten wurden an ihr lebendig, alle Tätigkeiten wirksam, dergestalt, daß sie allen äußeren Verhältnissen zu genügen wußte, und indem ihr Herz, ihr Geist ganz von überirdischen Gesichten erfüllt war, doch ihr Tun und Handeln immerfort dem edelsten Sittlichen gemäß blieb. Wie sie heranwuchs, überall hilfreich, unaufhaltsam in großen und kleinen Diensten, wandelte sie wie ein Engel Gottes auf Erden, indem ihr geistiges Ganze sich zwar um die Weltsonne, aber nach dem Überweltlichen in stetig zunehmenden Kreisen bewegte.

[ 28 ] This gift set her apart from ordinary things, but her admirable parents devoted everything to her education; all her abilities came to life, all her activities became effective, so that she knew how to adapt to all external circumstances; and although her heart and spirit were entirely filled with otherworldly visions, her deeds and actions always remained in accordance with the noblest moral principles. As she grew up, helpful everywhere, tireless in deeds both great and small, she walked like an angel of God on earth, her entire spiritual being revolving around the sun of this world, yet moving in ever-widening circles toward the transcendent.

[ 29 ] Die Überfülle dieses Zustandes ward einigermaßen dadurch gemildert, daß es auch in ihr zu tagen und zu nachten schien, da sie denn bei gedämpftem inneren Licht äußere Pflichten auf das treuste zu erfüllen strebte, bei frisch aufleuchtendem Innern sich der seligsten Ruhe hingab. Ja, sie will bemerkt haben, daß eine Art von Wolken sie von Zeit zu Zeit umschwebten und ihr den Anblick der himmlichen Genossen auf eine Zeitlang umdämmerten, eine Epoche, die sie stets zu Wohl und Freude ihrer Umgebungen zu benutzen wußte.

[ 29 ] The intensity of this state was somewhat tempered by the fact that day and night seemed to coexist within her as well; for when her inner light was subdued, she strove to fulfill her external duties with the utmost faithfulness, while when her inner light shone brightly, she surrendered herself to the most blissful peace. Indeed, she claimed to have noticed that a kind of cloud would hover around her from time to time, momentarily obscuring her view of her heavenly companions—a period she always knew how to use for the benefit and joy of those around her.

[ 30 ] Solange sie die Anschauungen geheim hielt, gehörte viel dazu, sie zu ertragen. Was sie davon offenbarte, wurde nicht anerkannt oder mißdeutet; sie ließ es daher in ihrem langen Leben nach außen als Krankheit gelten, und so spricht man in der Familie noch immer davon: zuletzt aber hat ihr das gute Glück den Mann zugeführt, den Ihr bei uns seht, als Arzt, Mathematiker und Astronom gleich schätzbar, durchaus ein edler Mensch, der sich jedoch erst eigentlich aus Neugierde zu ihr heranfand. Als sie aber Vertrauen gegen ihn gewann, ihm nach und nach ihre Zustände beschrieben, das Gegenwärtige ans Vergangene angeschlossen und in die Ereignisse einen Zusammenhang gebracht hatte, ward er so von der Erscheinung eingenommen, daß er sich nicht mehr von ihr trennen konnte, sondern Tag vor Tag stets tiefer in das Geheimnis einzudringen trachtere.

[ 30 ] As long as she kept her views secret, it took a great deal of strength to endure them. What she revealed of them was either dismissed or misinterpreted; she therefore, throughout her long life, presented it to the outside world as an illness, and that is still how it is spoken of in the family: but in the end, good fortune brought her together with the man you see here with us—a physician, mathematician, and astronomer of equal merit, a truly noble man, who, however, initially approached her merely out of curiosity. But as she came to trust him, gradually describing her condition to him, linking the present to the past, and bringing coherence to the events, he became so captivated by the phenomenon that he could no longer part from her, but strove day after day to penetrate ever deeper into the mystery.

[ 31 ] Im Anfange, wie er nicht undeutlich zu verstehen gab, hielt er es für Täuschung; denn sie leugnete nicht, daß von der ersten Jugend an sie sich um die Stern- und Himmelskunde fleißig bekümmert habe, daß sie darin wohl unterrichtet worden und keine Gelegenheit versäumt, sich durch Maschinen und Bücher den Weltbau immer mehr zu versinnlichen. Deshalb er sich denn nicht ausreden ließ, es sei eingelernt, die Wirkung einer in hohem Grad geregelten Einbildungskraft, der Einfluß des Gedächtnisses sei zu vermuten, eine Mitwirkung der Urteilskraft, besonders aber eines versteckten Kalkuls.

[ 31 ] At first, as he made quite clear, he took it for a delusion; for she did not deny that, from her earliest youth, she had devoted herself diligently to the study of astronomy and celestial science, that she had been well instructed in these matters, and that she had never missed an opportunity to gain a deeper understanding of the structure of the universe through machines and books. That is why he would not be dissuaded from the view that it was a matter of acquired knowledge, that one must assume the effect of a highly disciplined imagination, the influence of memory, a contribution of the power of judgment, and, above all, a hidden calculation.

[ 32 ] Er ist ein Mathematiker und also hartnäckig, ein heller Geist und also ungläubig; er wehrte sich lange, bemerkte jedoch, was sie angab, genau, suchte der Folge verschiedener Jahre beizukommen, hielt sich besonders an die neusten mit dem gegenseitigen Stande der Himmelslichter übereintreffenden Angaben und rief endlich aus: «Nun, warum sollte Gott und die Natur nicht auch eine lebendige Armillarsphäre, ein geistiges Räderwerk erschaffen und einrichten, daß es, wie ja die Uhren es uns täglich und stündlich leisten, dem Gang der Gestirne von selbst auf eigene Weise zu folgen imstande wäre!»

[ 32 ] He is a mathematician and therefore stubborn; a brilliant mind and therefore skeptical; he resisted for a long time, but noticed that what she stated was accurate, sought to reconcile the data from various years, adhered particularly to the most recent data that corresponded with the relative positions of the celestial bodies, and finally exclaimed: “Well, why shouldn’t God and nature also create and arrange a living armillary sphere, a spiritual mechanism, so that—just as clocks do for us daily and hourly—it would be capable of following the course of the celestial bodies on its own, in its own way!”

[ 33 ] Hier aber wagen wir nicht, weiter zu gehen; denn das Unglaubliche verliert seinen Wert, wenn man es näher im einzelnen beschauen will. Doch sagen wir so viel. Dasjenige, was zur Grundlage der anzustellenden Berechnungen diente, war Folgendes: ihr, der Seherin, erschien unsere Sonne in der Vision um vieles kleiner, als sie solche bei Tage erblickte; auch gab eine ungewöhnliche Stellung dieses höheren Himmelslichtes im Tierkreise Anlaß zu Folgerungen. Dagegen entstanden Zweifel und Irrungen, weil die Schauende ein und das andere Gestirn andeutete, als gleichfalls in dem Zodiak erscheinend, von denen aber am Himmel nichts gewahr werden konnte. Es mochten die damals noch unentdeckten kleinen Planeten sein; denn aus andern Angaben ließ sich schließen, daß sie, längst über die Bahn des Mars hinaus, der Bahn des Jupiter sich nähere. Offenbar hatte sie eine Zeitlang diesen Planeten, es wäre schwer zu sagen, in welcher Entfernung, mit Staunen in seiner ungeheuren Herrlichkeit betrachtet und das Spiel seiner Monde um ihn her geschaut, hernach aber ihn auf die wunderseltsamste Weise als abnehmenden Mond gesehen, und zwar umgewendet, wie uns der wachsende Mond erscheint. Daraus wurde geschlossen, daß sie ihn von der Seite sehe und wirklich im Begriff sei, über dessen Bahn hinauszuschreiten und in dem unendlichen Raum dem Saturn entgegenzustreben. Dorthin folgt ihr keine Einbildungskraft, aber wir hoffen, daß eine solche Entelechie sich nicht ganz aus unserm Sonnensystem entfernen, sondern wenn sie an die Grenze desselben gelangt ist, sich wieder zurücksehnen werde, um zu Gunsten unserer Urenkel in das irdische Leben und Wohltun wieder einzuwirken.»

[ 33 ] Here, however, we dare not go any further; for the unbelievable loses its value when one attempts to examine it in greater detail. Yet let us say this much. What served as the basis for the calculations to be made was as follows: to her, the seer, our sun appeared in the vision to be much smaller than she saw it by day; moreover, an unusual position of this higher celestial light in the zodiac gave rise to certain conclusions. On the other hand, doubts and errors arose because the seer indicated that one celestial body or another also appeared in the zodiac, even though none of them could be perceived in the sky. These may have been the small planets that were still undiscovered at the time; for other indications suggested that they, having long since passed beyond the orbit of Mars, were approaching the orbit of Jupiter. Apparently, for some time she had gazed in wonder at this planet—it would be difficult to say at what distance—in all its immense splendor and observed the dance of its moons around it; but afterward she saw it, in the most wondrous manner, as a waning moon, and indeed inverted, just as the waxing moon appears to us. From this it was concluded that it was viewing Jupiter from the side and was indeed about to pass beyond its orbit and journey toward Saturn in infinite space. No imagination can follow it there, but we hope that such an entelechy will not depart entirely from our solar system; rather, once it has reached its boundary, it will yearn to return, so that it may once again influence earthly life and bring benefit to our great-grandchildren.”

[ 34 ] Da haben wir auf eine sehr bedeutungsvolle Art die Anschauung dargestellt, wie die Seele des Menschen wirklich werden will, wie die Seele des Menschen aus dem Inneren heraus wiederum zur Sternenwelt zurückkehren wird. Ich habe Ihnen die Schilderung Makariens vorgelesen aus «Wilhelm Meisters Wanderjahre» von Goethe, und er hat dabei ausdrücklich hinzugefügt, daß er nicht alles gesagt habe. Er deutete an, daß es eine ätherische Dichtung ist, mit den Worten: «Indem wir nun diese ätherische Dichtung, Verzeihung hoffend, hiermit beschließen, wenden wir uns wieder zu jenem terrestrischen Märchen, wovon wir oben eine vorübergehende Andeutung gegeben.»

[ 34 ] There we have presented, in a very meaningful way, the vision of how the human soul truly seeks to become, and how the human soul will return, from within, to the world of the stars. I read to you Makarien’s description from Goethe’s *Wilhelm Meister’s Journeyman Years*, and he expressly added that he had not said everything. He hinted that it is an ethereal poem, saying: “As we now conclude this ethereal poem—hoping for your forgiveness—we turn once more to that terrestrial fairy tale, of which we gave a brief hint above.”

[ 35 ] Und bevor Goethe die Schilderung Makariens gibt, sagt er: «Zu diesem Punkte aber gelangt, können wir der Versuchung nicht widerstehen, ein Blatt aus unseren Archiven» — Goethe meint geistige Archive — «mitzuteilen, welches Makarien betrifft und die besondere Eigenschaft, die ihrem Geist erteilt ward. Leider ist dieser Aufsatz erst lange Zeit, nachdem der Inhalt mitgeteilt worden, aus dem Gedächtnis geschrieben und nicht, wie es in einem so merkwürdigen Fall wünschenswert wäre, für ganz authentisch anzusehen. Dem sei aber, wie ihm wolle, so wird hier schon so viel mitgeteilt, um Nachdenken zu erregen und Aufmerksamkeit zu empfehlen, ob nicht irgendwo schon etwas ähnliches oder sich annäherndes bemerkt und verzeichnet worden.»

[ 35 ] And before Goethe gives his account of Makarien, he says: “Having reached this point, however, we cannot resist the temptation to share a document from our archives”—Goethe means intellectual archives—“which concerns Makarien and the special quality bestowed upon her spirit. Unfortunately, this essay was written from memory long after the content had been communicated and cannot, as would be desirable in such a remarkable case, be regarded as entirely authentic. Be that as it may, enough is shared here to stimulate reflection and draw attention to the question of whether something similar or even remotely comparable has already been observed and recorded somewhere.”

[ 36 ] Ich wollte Sie auf diese Episode aus «Wilhelm Meisters Wanderjahre» aufmerksam machen, weil Sie daraus ersehen, daß wir mit unserer Geisteswissenschaft wirklich den Anforderungen der Zeit entgegenkommen. Die Menschennatur ändert sich so, daß sie wieder aus sich selber heraus gebären wird, was sie verloren hat von der alten Erbschaft aus der vorirdischen Welt. Und es werden die Menschen wissen müssen, was an sie herantritt, sonst würden sie ganz verwirrt werden. So muß sich das, was Geisteswissenschaft ist, in unsere Zeit hineinstellen.

[ 36 ] I wanted to draw your attention to this episode from *Wilhelm Meister’s Journeyman Years* because it shows that, with our Spiritual Science, we are truly meeting the demands of the times. Human nature is changing in such a way that it will once again give birth from within itself to what it has lost from its ancient heritage of the pre-earthly world. And people will need to know what is coming toward them; otherwise, they would become completely confused. Thus, Spiritual Science must take its place in our time.

[ 37 ] Aber in dem Augenblicke, wo die Menschen auf dieses, worauf hier gedeutet worden ist, aufmerksam werden, kommt unweigerlich, daß sie auch auf die Reinkarnationslehre kommen müssen, weil sie sich sagen müssen, daß eine solche Entelechie aus der jenseitigen Welt, aus der Jupiter-, Saturnsphäre und so weiter doch wieder etwas zu tun haben könnte mit der Erde und zu uns zurückkehren könnte. Deshalb, sagen diejenigen Okkultisten, die die Reinkarnationslehre nicht aufkommen lassen wollen, müssen Barrikaden aufgerichtet werden gegen das Herankommen dieser Anschauung, und diese Barrikaden werden dadurch aufgerichtet, daß man die Menschen möglichst ablenkt von dem Zusammenhange mit den Weltenkörpern des Sonnensystems. So sehen wir, wie gerade von dieser Seite ein intensives Interesse vorhanden ist, gewisse Dinge nicht aufkommen zu lassen. Ich habe gestern gesagt: Ist ein Interesse für eine einseitige Richtung vorhanden, so findet sie immer eine Stütze; die Wahrheit im allgemeinen aber wird angefochten und alles mögliche geschieht, um die Wahrheit an sich gar nicht herauskommen zu lassen. Und es wird zu dem richtigen Stehen innerhalb unserer geistigen Bewegung gehören, daß wir uns voll bewußt sind, daß die Wahrheit, die gesucht wird, von vielen, vielen Seiten angefochten werden wird. Aber nichts ist notwendiger, als daß wir versuchen, um gewappnet zu sein, wirklich nach allen Seiten hin Klarheit des Denkens zu entwickeln. Sie müssen ins Auge fassen, daß dasjenige, was als gegnerisch, namentlich was als gegnerische Persönlichkeiten gegen unsere Bewegung auftritt, wirklich zum großen Teile Figuranten sind für die gegnerischen Mächte. Wir treten da in ein Wirken übersinnlicher Gewalten ein. Diese übersinnlichen Gewalten, zu denen Ahriman und Luzifer gehören, wirken selbstverständlich im Menschenleben durch Menschenseelen, die einfach ihre Werkzeuge sind.

[ 37 ] But the moment people become aware of what has been alluded to here, they will inevitably come to the doctrine of reincarnation, because they must conclude that such an entelechy from the otherworld—from the spheres of Jupiter, Saturn, and so on—might indeed have something to do with the Earth and could return to us. That is why, say those occultists who do not want the doctrine of reincarnation to gain ground, barricades must be erected against the spread of this view, and these barricades are erected by distracting people as much as possible from the connection with the celestial bodies of the solar system. Thus we see how, precisely from this quarter, there is an intense interest in preventing certain things from coming to light. I said yesterday: If there is an interest in a one-sided direction, it will always find support; but the truth in general is contested, and every possible effort is made to prevent the truth itself from coming to light at all. And it will be part of maintaining the proper stance within our spiritual movement that we are fully aware that the truth we seek will be contested from many, many sides. But nothing is more necessary than that we strive—in order to be prepared—to truly develop clarity of thought in every direction. You must realize that what appears as opposition—namely, what appears as opposing personalities standing against our movement—is in fact, for the most part, mere pawns of the opposing forces. We are entering into the sphere of action of supersensible forces. These supersensible forces, to which Ahriman and Lucifer belong, naturally work in human life through human souls, who are simply their instruments.

[ 38 ] Daher ist es notwendig, genau zu wissen, um was es sich in dem einen und in dem anderen Falle handelt; aber das Allernotwendigste ist, niemals zu versäumen, sich ein ganz klares, exaktes Denken anzueignen — so gut man eben kann. Sie wissen ja, das Leben selbst hat seine Widersprüche, und Hegel hat seine ganze Philosophie aufgebaut auf die Aufdeckung der Widersprüche im Dasein. Darum handelt es sich nicht, die Widersprüche zu vermeiden im Leben, denn die sind da. Aber darum handelt es sich, den Widerspruch zu erkennen und ins Auge zu fassen.

[ 38 ] Therefore, it is necessary to know exactly what is at stake in each case; but what is most essential is never to fail to cultivate a very clear and precise way of thinking—as best one can. As you know, life itself has its contradictions, and Hegel built his entire philosophy on the revelation of the contradictions in existence. The point is not to avoid contradictions in life, for they are there. But the point is to recognize the contradiction and face it head-on.

[ 39 ] Ahriman und Luzifer können nur etwas machen, wenn ein Widerspruch unbemerkt bleibt, wenn wir nicht die Kraft und den Willen haben, den Widerspruch aufzudecken. Überall da, wo wir uns in einen Widerspruch verwickeln, den wir nicht als Widerspruch erkennen, sondern einfach gelten lassen als einen lebenswahren Inhalt, überall da haben Luzifer und Ahriman die Möglichkeit, sich unserer Seele zu bemächtigen.

[ 39 ] Ahriman and Lucifer can only act when a contradiction goes unnoticed, when we lack the strength and the will to uncover it. Wherever we become entangled in a contradiction that we do not recognize as such—but simply accept as a truth of life—there Lucifer and Ahriman have the opportunity to take possession of our soul.

[ 40 ] Nehmen wir einmal einen merkwürdigen Widerspruch, der uns in den letzten Wochen hier entgegengetreten ist. Ich habe, gedrängt durch die Tatsachen, Ihnen eine Stelle aus einem Briefe einer Dame vorlesen müssen, der die Worte enthielt, daß gewollt wurde von jener Seite her nicht die Lehre und nicht der Lehrer, sondern der Mensch. Also nicht die Lehre und nicht der Lehrer, sondern der Mensch wurde gesucht. Die Lehre wurde gewissermaßen als etwas wie eine Beigabe hingenommen und hingestellt, auf den Menschen wurde der Hauptwert gelegt. So wurde die Sache dargestellt. Dann kam etwas anderes, dann kam just die Umkehr. Der Mensch wurde in intensiver Weise abgelehnt und von der Lehre wurde behauptet, daß man sie als eine richtige anerkennen müsse. Denken Sie: auf der einen Seite wird behauptet, man suche nicht die Lehre und nicht den Lehrer, sondern den Menschen, und auf der anderen Seite wird behauptet: Den Menschen hasse ich, den Menschen lehne ich ab, der verspricht und hält nicht, was er verspricht; aber die Lehre ist gut, die Lehre nehme ich an.

[ 40 ] Let us consider a curious contradiction that we have encountered here in recent weeks. Pressed by the facts, I had to read to you a passage from a letter written by a lady, which contained the words that what was sought from that side was not the teaching and not the teacher, but the human being. So it was not the teaching and not the teacher, but the human being who was sought. The teaching was, so to speak, accepted and treated as something of an afterthought, while the primary value was placed on the person. That is how the matter was presented. Then something else happened—the exact opposite occurred. The person was vehemently rejected, and it was asserted that the teaching must be recognized as correct. Just think: on the one hand, it is claimed that one seeks not the teaching nor the teacher, but the human being; and on the other hand, it is claimed: “I hate the human being; I reject the human being, who makes promises and does not keep them; but the teaching is good—I accept the teaching.”

[ 41 ] Was heißt das eigentlich? Das heißt: Ich stand eine Zeitlang in einer gewissen Beziehung zu einem Menschen; der interessierte mich, die Lehre wenig. Dann wende ich mich von dem Menschen ab, und da betone ich das, was mich eigentlich gar nicht interessiert hat. Was ich vorher abgelehnt habe, das betone ich; ich habe die Lehre gar nicht aufgenommen und sage dann: sie sei gut. — Es ist doch klar, ich spreche über ein Nichts, indem ich so mich ausdrücke. Ich sage: ich behalte das, was ich gar nicht aufnehmen wollte, was ich gar nicht haben kann, weil ich vorher abgelehnt habe, es aufzunehmen.

[ 41 ] What does that actually mean? It means: For a while, I had a certain relationship with a person; that person interested me, but the doctrine did not. Then I turn away from that person, and in doing so, I emphasize what actually didn’t interest me at all. I emphasize what I had previously rejected; I hadn’t taken in the teaching at all, and then I say: it is good. — It’s clear, after all, that I’m talking about nothing when I express myself this way. I say: I retain what I didn’t want to take in at all, what I cannot possibly have, because I had previously refused to take it in.

[ 42 ] Da haben Sie so ein lebendiges Beispiel von einem in der Welt existierenden Widerspruch. Wie können Sie denn zweifeln, daß da, wo solch ein Widerspruch sich geltend macht, noch irgendeine wirkliche innere Beziehung zu unserer geisteswissenschaftlichen Bewegung vorhanden sein kann! Da ist ja gar keine innere Verwandtschaft vorhanden zu dem, was unsere geisteswissenschaftliche Bewegung ist. Es ist wichtig, sich solch einen wirklichen Widerspruch vor Augen zu führen. Denn wenn wir solche Dinge unter uns nicht bemerken, dann werden wir den geraden Weg in die Erkenntnisse der geistigen Welt niemals finden. Selbstverständlich kann uns vieles entgehen, aber wir müssen den guten Willen haben, solche Lebenswidersprüche wirklich zu bemerken.

[ 42 ] There you have a vivid example of a contradiction that exists in the world. How can you possibly doubt that, where such a contradiction makes itself felt, there can still be any real inner connection to our Spiritual Science movement! There is simply no inner connection whatsoever to what our Spiritual Science movement is. It is important to keep such a real contradiction in mind. For if we do not notice such things among ourselves, we will never find the straight path to knowledge of the spiritual world. Of course, much may escape our notice, but we must have the good will to truly notice such contradictions in life.

[ 43 ] Aber auf der anderen Seite werden solche Widersprüche benützt, gerade um die Wahrheit gewissermaßen aus den Angeln zu heben. Denken Sie zum Beispiel, jemand würde sagen: Ein Mensch bringt eine Lehre, aber der Mensch ist voller Widersprüche, sogar voller Immoralitäten, sogar von der Kraft des Bösen beherrscht; die Lehre aber und verschiedenes andere, was mit der Lehre zusammenhängt, sei gut: das nehme man durchaus an. — Ja, wenn aber die Lehre, um die es sich handelt, gerade darin besteht, daß derjenige, der die Lehre und die Bewegung für diese Lehre vertritt, durch diese Lehre seine Beziehungen zu den anderen herstellt — daß er also das Verhältnis zwischen sich und den anderen gerade durch die Lehre herstellt -, wenn er überhaupt nichts anderes sein will als der Träger der Lehre: dann verlangt man aus solcher Einstellung heraus, daß er etwas anderes sein soll! Und während man allerlei von dem Menschen verlangt und doch im Grunde genommen dasjenige ablehnt, was die Lehre gibt, sagt man: Die Lehre ist gut, jedoch der Mensch ist schlecht!

[ 43 ] But on the other hand, such contradictions are used precisely to, so to speak, upend the truth. Consider, for example, if someone were to say: A person puts forward a doctrine, but that person is full of contradictions, even full of immorality, even dominated by the power of evil; yet the doctrine itself and various other things connected with it are good—let us fully accept that. — Yes, but if the teaching in question consists precisely in the fact that the person who advocates the teaching and the movement for that teaching establishes his relationships with others through this teaching—that is, that he establishes the relationship between himself and others precisely through the teaching—if he wants to be nothing other than the bearer of the teaching: then, based on such an attitude, one demands that he be something else! And while one demands all sorts of things from the person and yet, at the very core, rejects what the doctrine offers, one says: The doctrine is good, but the person is bad!

[ 44 ] Wahrhaftig, man kann auf eine solche Art, wenn man sich zu schwach fühlt, die Lehre irgendwie anzugreifen, schon etwas ausrichten gegen die Lehre bei denen, bei welchen man Glauben findet. Es ist der beste Weg, eine Lehre, die man nicht widerlegen kann, auf diese Art in Grund und Boden zu bohren, denn man liefert sie den luziferisch-ahrimanischen Mächten aus, wie ich gestern schon angedeutet habe.

[ 44 ] Truly, if one feels too weak to directly challenge the teaching in this way, one can still undermine it to some extent among those who share one’s beliefs. This is the best way to completely undermine a teaching that one cannot refute, for one thereby delivers it into the hands of the Luciferic-Ahrimanic forces, as I already indicated yesterday.

[ 45 ] Wie oft ist gerade in unserer Bewegung gesagt worden, unsere Lehre soll nicht bloß Theorie sein, sondern soll unmittelbares Leben sein. Indem man sie zur bloßen Theorie macht, tötet man sie; man übergibt sie Ahriman, dem Gotte des Todes. Es ist die beste Methode, Ahriman dasjenige zu übergeben, was gelehrt wird, und es in ordnungsmäßiger Art aus der Welt zu schaffen, und es ist eine Methode, die sehr ähnlich ist, wie Sie sehen, dem, was gewisse Individualitäten getan haben, die, sagen wir, hinter Mr. Sinnett standen. Sie haben ihm eine bestimmte Direktion eingegeben, die nicht richtig war, um ihn nach einer gewissen falschen Richtung hinzuleiten. Diese Direktion bestand darin, daß man gerade das Richtige verleumdete. Der Mond, der eigentlich als physischer Mond eine Paralysierung ist gegenüber der achten Sphäre, wird zur achten Sphäre erklärt. Die achte Sphäre wird dadurch gerade verdeckt, wird weggewischt. Und später wird das von H. P. Blavatsky dadurch korrigiert, daß gesagt wird — während Jahve im Monde ein Heilmittel geschaffen hat gegenüber der achten Sphäre -, daß er nur die niedere Lebenssphäre, die Sinnessphäre des Menschen geschaffen habe. Es besteht also diese Methode darin, daß man einen Dunst des Verächtlichmachens über irgend etwas verbreitet, und es damit in ein falsches Licht stellt. Wenn Sie genau eingehen auf die Dinge, so werden Sie sehen, daß das, was hier bei uns passiert ist, in der Hauptsache von demselben Schnitte ist, nur in kleinerem Maßstabe. Es ist ein Versuch, das, was als Wahrheit in die Welt treten will, zu verleumden. Man fühlt sich zu schwach, die Lehre zu widerlegen, also klagt man denjenigen an, der die Lehre zu vertreten hat. Damit ist verknüpft, daß man selber zu schwach ist, die Lehre zu durchdringen.

[ 45 ] How often has it been said, especially within our movement, that our teaching should not be mere theory, but should be immediate life. By reducing it to mere theory, one kills it; one hands it over to Ahriman, the god of death. The best way to hand over to Ahriman what is taught is to systematically eliminate it from the world, and this method, as you can see, is very similar to what certain individuals—who, let us say, stood behind Mr. Sinnett—have done. They gave him a specific direction that was incorrect, in order to lead him down a certain wrong path. This direction consisted in slandering precisely what was right. The Moon, which as a physical Moon is actually a paralysis in relation to the eighth sphere, is declared to be the eighth sphere. The eighth sphere is thereby obscured, wiped away. And later, H. P. Blavatsky corrects this by stating—while Yahweh created a remedy in the moon against the eighth sphere—that he had created only the lower sphere of life, the human sensory sphere. This method, then, consists of spreading a haze of disparagement over something and thereby casting it in a false light. If you examine the matters closely, you will see that what has happened here among us is essentially of the same nature, only on a smaller scale. It is an attempt to slander what is seeking to emerge into the world as truth. One feels too weak to refute the teaching, so one accuses the one who is supposed to represent it. Linked to this is the fact that one is oneself too weak to grasp the teaching.

[ 46 ] Es ist ein ungeheuer bemerkenswertes Problem für denjenigen, der mit Ernst und Würde in unseren Reihen steht, denn diese Dinge müssen wir von einem höheren Gesichtspunkte aus durchschauen. Ich will noch ein Beispiel geben. Ich führe diese Beispiele an, weil sie naheliegen und weil sie uns zeigen, wohin wir den Blick richten müssen und wie sie dazu dienen können, die nächsten Dinge von einem höheren Gesichtspunkte aus zu beurteilen. Es muß in unserer Bewegung aufs schärfste betont werden — und es geschah die ganzen Jahre hindurch, seitdem unsere Bewegung von mir vertreten wird —, daß das atavistische Hellsehen in das richtige Licht gestellt werde, daß man niemals sich täusche über das alte atavistische Hellsehen. Was man erfand, um das, was wir tun oder wollen, in der allerschärfsten Weise zu entstellen, dafür ist ein Beispiel, daß man sagte: Man kann sehen, da ist eine Bewegung, die sich darauf verlegt, das Hellsehen zu pflegen -, und daß man sich bemühte, die Sache so zu wenden, als ob in dieser Bewegung alle Menschen veranlaßt würden, das Hellsehen zu pflegen. Wenn so etwas getan wird, dann breitet man über diese Bewegung einen Nebel aus. Die Wahrheit wird geradezu umgekehrt, wenn es auch ganz begründet ist, daß wir das Hellsehen pflegen müssen. Aber man hat da ein gutes Mittel, um die Menschen haßerfüllt zu machen gegen die Bewegung.

[ 46 ] This is an immensely significant problem for anyone who stands among our ranks with seriousness and dignity, for we must view these matters from a higher perspective. I would like to give one more example. I cite these examples because they are obvious and because they show us where we must direct our gaze and how they can help us assess the matters at hand from a higher perspective. It must be emphasized most strongly in our movement—and this has been the case throughout all the years since I have represented our movement—that atavistic clairvoyance be placed in the proper light, that one never be misled by the old atavistic clairvoyance. An example of what was invented to distort what we do or intend to do in the most extreme way is the claim that “there is a movement dedicated to cultivating clairvoyance”—and the effort to present the matter as if everyone in this movement were encouraged to cultivate clairvoyance. When something like this is done, a fog is cast over this movement. The truth is virtually turned on its head, even though it is entirely justified that we must cultivate clairvoyance. But this provides a good means of filling people with hatred toward the movement.

[ 47 ] Man kann ja sagen, wenn eine Bewegung heute auftritt, muß sie so auftreten, daß sie nicht mehr das alte atavistische Hellsehen pflegt. Wenn man aber anhängt: Das aber tut diese Bewegung - so heißt das, man sagt dasselbe, was die Bewegung auch sagt, dann aber hängt man gerade der Bewegung den Tadel an, der mit diesen Worten ausgesprochen wird. Man dreht also die Richtung des Pfeiles um. Das tritt uns zum Beispiel in unserer Nähe entgegen. In unserer Nähe wird gepredigt, vorgetragen, daß insbesondere von mir diejenigen, die hier in Dornach versammelt sind, zum Hellsehen angehalten würden. Dabei läßt man durchblicken, daß das ein krankhaft atavistisches Hellsehen sei.

[ 47 ] One could say that if a movement emerges today, it must do so in such a way that it no longer cultivates the old, atavistic form of clairvoyance. But if one insists, “That is precisely what this movement does”—in other words, if one says the very same thing that the movement itself says—then one is attributing to the movement the very criticism expressed by those words. One thus reverses the direction of the arrow. We encounter this, for example, in our own midst. In our midst, it is preached and proclaimed that I, in particular, am encouraging those gathered here in Dornach to practice clairvoyance. In doing so, it is implied that this is a pathological, atavistic form of clairvoyance.

[ 48 ] Selbstverständlich hat derjenige, der das sagt, keine Ahnung, was er eigentlich sagt. Er ist selbstverständlich ein Figurant. Aber wir müssen tiefer hineinschauen in die Zusammenhänge. Wir müssen uns klar sein darüber, daß wir in einer Zeit leben, wo solche Impulse gegen uns geltend gemacht werden. Und besonders grotesk würde uns das dann entgegentreten können, wenn unsere Lehre selber als Waffe gegen uns genommen würde, und wir von unserer Lehre aus widerlegt würden. Auch das ist sogar schon geschehen. Sie wissen, in einer der Gegenschriften der letzten Woche ist mit Zitaten der «Mysteriendramen» und der «Geheimwissenschaft» ein Angriff geformt worden gegen das, was von mir vertreten wird. Sie haben also überall die Mächte am Werke, die die Wahrheit nicht aufkommen lassen wollen.

[ 48 ] Of course, whoever says that has no idea what they’re actually saying. They are, of course, just a pawn. But we must look more deeply into the bigger picture. We must be clear that we live in a time when such forces are being directed against us. And this could present itself to us in a particularly grotesque way if our own teaching were taken up as a weapon against us, and we were refuted on the basis of our own teaching. That, too, has in fact already happened. As you know, in one of last week’s counter-pamphlets, an attack was mounted against what I advocate, using quotations from the “Mystery Dramas” and “The Secret Science.” So everywhere, the forces are at work that do not want the truth to come to light.

[ 49 ] Über die Wahrheit selbst brauchen wir uns keine Sorge zu machen, insbesondere dann nicht, wenn wir wahrnehmen, daß wir mit unseren eigenen Wahrheiten sogar angegriffen werden, daß man also das, was wir selber sagen, gegen uns wendet. Also nicht um eine Widerlegung, sondern um das, was wir eigentlich tun, handelt es sich. Wir haben daher nicht nötig gehabt, solange wir nicht angegriffen wurden, irgendwie auf Polemiken uns einzulassen. Daher auch unsere Ablehnung der Polemik, wie oft früher betont wurde. Die Wahrheit darf in die Welt gehen, indem sie nur das Positive betont. Aber in dem Augenblicke, wo Behauptungen in die Welt gehen, die die Wahrheit gar nicht berühren, da müssen wir gewappnet sein und erkennen, von welchem Gesichtspunkte aus solche Dinge zu beurteilen sind. Wir dürfen uns nicht nur auf den Standpunkt stellen, daß wir nachdenken über das, was in den Büchern steht, sondern wir müssen das ins Leben umsetzen, was als Lebensprinzip in unserer Lehre ist. Das heißt aber, daß wir das Leben nach den Prinzipien unserer Lehre beurteilen, daß wir also nicht über irgendwelche äußeren Angriffe so denken, wie wir nur denken müßten, wenn wir unsere Lehre wie eine Theorie aufgenommen hätten. Die Notwendigkeit der Polemik beginnt erst, wenn wir angegriffen werden. Dann aber müssen wir wissen, daß wir eine Lehre haben, die sehr leicht in ihr Gegenteil verkehrt werden kann, die wir daher zu hüten und zu bewachen haben. Insbesondere müssen wir uns vor allen Einseitigkeiten bewahren. |

[ 49 ] We need not worry about the truth itself, especially when we realize that we are even being attacked with our own truths—that is, that what we ourselves say is being turned against us. So the issue is not one of refutation, but of what we actually do. Therefore, as long as we were not under attack, we had no need to engage in polemics of any kind. Hence our rejection of polemics, as has often been emphasized in the past. The truth may go out into the world by emphasizing only the positive. But the moment claims are put forth that do not touch upon the truth at all, we must be prepared and recognize from which perspective such things are to be judged. We must not merely adopt the standpoint of reflecting on what is written in books; rather, we must put into practice what serves as a guiding principle in our teaching. This means, however, that we judge life according to the principles of our teaching—that is, we do not respond to external attacks in the way we would if we had merely accepted our teaching as a theory. The need for polemics arises only when we are attacked. But then we must realize that we have a doctrine that can very easily be turned into its opposite, and which we must therefore guard and protect. In particular, we must guard against all forms of one-sidedness. |

[ 50 ] Es konnte zum Beispiel dieser oder jener Unterton gehört werden in dem, was da oder dort gesprochen worden ist: Untertöne, die von etwas kommen, was sehr leicht in das Extreme verfällt. Und da ist man recht leicht widerlegbar. Denken Sie doch nur einmal, daß wir genötigt waren, manches Wort über allerlei Einbildungen mit Bezug auf diese oder jene Inkarnationen zu sprechen. Wenn wir das bis zu dem Extrem treiben würden, daß wir jede solche Sache verlachen, dann würden unsere Gegner sagen können: Die lehren da etwas! Aber wenn sie irgendwie nur daran tippen sollen, dann machen sie sich selber darüber lustig.

[ 50 ] For example, one could detect this or that undertone in what was said here or there: undertones that stem from something that very easily veers into extremes. And in such cases, one can be refuted quite easily. Just consider for a moment that we were compelled to say a few words about all sorts of delusions regarding this or that incarnation. If we were to take this to the extreme of ridiculing every such thing, then our opponents could say: “They’re teaching something there!” But if they are to even hint at it in any way, then they make fools of themselves.

[ 51 ] Wir haben selbstverständlich keinen Grund, seelische, hellseherische Erlebnisse abzulehnen; wir haben nur die Pflicht, ihnen auf den Grund zu gehen, wenn es sich darum handelt, daß im Dienste der persönlichen Eitelkeit solche seelischen Erlebnisse entstellt werden, oder gar, wenn der äußere Gang der Ereignisse zeigt, daß diese seelischen Erlebnisse nicht richtig sind. Wir dürfen also, wenn ich das trivial sagen darf, das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. In eine wissenschaftliche Theorie darf sich unsere Gesellschaft gewiß nicht umwandeln.

[ 51 ] Of course, we have no reason to reject psychic or clairvoyant experiences; we simply have a duty to get to the bottom of them when such spiritual experiences are being distorted in the service of personal vanity, or even when the outward course of events shows that these spiritual experiences are not accurate. So, if I may put it simply, we must not throw the baby out with the bathwater. Our society certainly must not transform itself into a scientific theory.

[ 52 ] Und auch da sehen Sie, daß diese Gefahr sehr leicht kommen kann. Ich habe erwähnt, daß eine gewisse Schrift, die uns in den letzten Tagen zugesandt worden ist, geschickt geschrieben ist. Sie ist wirklich geschickt geschrieben, denn man kann in keiner glaubhafteren Weise unsere Bewegung angreifen, als wenn man sagt: Die benehmen sich so, als ob sie jede Beziehung der sinnlichen Welt auf die geistige Welt ablehnen würden, als wenn sie überall dies alles leugnen würden. -— Das steht aber in jener Schrift. In einer beigelegten Schrift wird sonderbarerweise ausgeführt: Warum sollte denn nicht die Mutter Gottes sich auch noch wiederverkörpern? — Gewiß, kann man sagen, warum sollte sie es nicht? Es ist kein Grund da, daß es nicht sein kann. Aber Sie können gewiß sein, daß das exoterische Leben dieser Mutter Gottes dann anders gewesen wäre, daß die Wiederverkörperung nicht in solcher Weise aufgetreten wäre, wie sie da aufgetreten ist nicht als Persönlichkeit, sondern in der Art der Vertretung.

[ 52 ] And here, too, you can see that this danger can arise very easily. I mentioned that a certain pamphlet sent to us in recent days is skillfully written. It is indeed skillfully written, for there is no more credible way to attack our movement than by saying: “They behave as if they reject any connection between the physical world and the spiritual world, as if they deny all of this everywhere.” — But that is what is written in that text. Strangely enough, an enclosed text goes on to ask: “Why shouldn’t the Mother of God also reincarnate?” — Certainly, one might say, why shouldn’t she? There is no reason why it cannot be so. But you can be certain that the exoteric life of this Mother of God would then have been different, that the reincarnation would not have occurred in the way it did—not as a personality, but in the manner of a representation.

[ 53 ] Wirklich, in diesen Dingen handelt es sich um etwas, was ich seit vielen Jahren betone, so betone, daß ich für notwendig gefunden habe, es einzufügen meiner philosophischen Grundschrift. Versuchen Sie die anderen Philosophien zu lesen. Sie werden in der Theorie, in den Ausdrucksformen auch in früheren Schriften manches finden, was in meiner «Philosophie der Freiheit» wiederkehrt. Aber eines ist da drinnen — wenigstens in der Art, wie es damit verwoben ist als ein ethisches Prinzip, als moralischer Impuls -, was, so wie es dort ausgedrückt ist, wirklich original ist: Es ist zum erstenmal eingefügt der moralische Takt als etwas, was nicht durch bloße Urteilskraft erfaßt werden kann, sondern wasnurerfaßt werden kann durch die Gänze des Gemüts; daß man.nicht, wenn irgend etwas leicht berührt werden soll, gleich ins Extrem verfällt und eine Sünde mit der anderen auskehren will, das ist moralischer Takt. Ich habe ihn so klar wie möglich zu definieren versucht gerade in der «Philosophie der Freiheit». Heute ist es wirklich notwendig zu betonen, daß wir der Gefahr entgehen müssen, in das andere Extrem zu verfallen, deshalb, weil wir eine fatale Sache zu behandeln haben.

[ 53 ] Truly, these matters concern something I have been emphasizing for many years—so strongly, in fact, that I felt it necessary to include it in my foundational philosophical work. Try reading the other philosophies. You will find in their theory, in their modes of expression, and even in earlier writings, many things that recur in my *Philosophy of Freedom*. But there is one thing in there—at least in the way it is woven into the text as an ethical principle, as a moral impulse—that, as expressed there, is truly original: For the first time, moral tact is introduced as something that cannot be grasped by mere reason alone, but can only be grasped by the totality of the mind; that one does not, when something is to be dealt with lightly, immediately fall into the extreme and seek to sweep one sin out with another—that is moral tact. I have tried to define it as clearly as possible, particularly in *The Philosophy of Freedom*. Today it is truly necessary to emphasize that we must avoid the danger of falling into the other extreme, precisely because we are dealing with a fateful matter.

[ 54 ] Ich habe gestern auf die verschiedenen Gefahren hingewiesen. Aber gerade dabei habe ich die Notwendigkeit empfunden, heute noch etwas hinzuzufügen, weil ich das Augenmerk darauf lenken wollte, daß man nicht etwa in die anderen Extreme verfallen darf. Unser ganzes Wirken und das ganze Wesen unserer Bewegung muß darauf beruhen, die geistige Welt geltend zu machen, muß darauf beruhen, unser eigenes Leben mit der geistigen Welt im Zusammenhang zu empfinden und zu erleben.

[ 54 ] Yesterday I pointed out the various dangers. But precisely in doing so, I felt the need to add something today, because I wanted to draw attention to the fact that we must not fall into the other extreme. All our work and the very essence of our movement must be based on affirming the spiritual world; it must be based on perceiving and experiencing our own lives in connection with the spiritual world.

[ 55 ] Dann aber, wenn uns das heilig ist, müssen wir in taktvoller Weise es ablehnen, daß das unmittelbar persönliche Leben, das subjektiv persönliche Leben in die Dinge hineingezogen werde. Das ist wiederum nicht damit verknüpft, daß wir nicht forschen sollten, inwiefern wir selber die Wiederverkörperung von irgend jemand sind. Aber nun handelt es sich nicht darum, von einer Person aus die andere Persönlichkeit zu suchen. Das wäre ein bequemer Weg. Sondern es ist in einer solchen Weise zu suchen, wie ich es selber in einem Vortrage angedeutet habe. Es ist so zu suchen, daß wir zuerst darauf kommen, ich möchte sagen, gewisse Geheimnisse unseres Lebens zu durchschauen. Dann werden wir schon weiterkommen. Wir stehen in dieser Beziehung wirklich an einem unendlich bedeutungsvollen Punkte: daß wir wissen und beachten müssen das triviale Sprichwort: Man soll das Kind nicht mit dem Bade ausgießen. Aber auf der anderen Seite muß man mit aller Strenge zu Werke gehen, damit nicht das eintritt, was einer okkultistischen Bewegung im eminentesten Sinne schädlich wäre, nämlich das allmähliche Sich-Hineinleben in eine Dunstsphäre, in eine Sphäre der Unklarheit. Und was ist das für eine unglaubliche Unklarheit, wenn man sagen kann: Nicht die Lehre und nicht der Lehrer, sondern der Mensch wird gesucht — und dann wieder: Ach, der Mensch ist vom Bösen, die Lehre ist aber gut -, die Lehre, die man zuerst eben abgelehnt hat. Das ist ein Hineinleben in eine nebulose Sphäre; aber um Klarheit, Genauigkeit handelt es sich. Von diesem Gesichtspunkte aus müssen wir im Dienste unserer Bewegung die Sache betrachten. Es kann praktische Gesichtspunkte geben, die eine gewisse Härtigkeit in der Behandlungsweise notwendig machen. Das ist eine andere Sache. Aber wir müssen in unserem Inneren immer im Auge behalten, auf welchem Boden wir stehen, wir müssen im Auge behalten, daß wir auf dem Boden einer ernsten, würdigen Geistesbewegung stehen.

[ 55 ] But then, if this is sacred to us, we must tactfully reject the idea that our immediate personal life—our subjective personal life—should be drawn into these matters. This, in turn, does not mean that we should not investigate to what extent we ourselves are the reincarnation of someone else. But the point here is not to search for one personality based on another person. That would be the easy way out. Rather, we must search in the manner I myself hinted at in a lecture. We must search in such a way that we first come to—I would say—gain insight into certain mysteries of our own lives. Then we will make progress. In this regard, we truly stand at an infinitely significant point: we must know and heed the common saying, “Don’t throw the baby out with the bathwater.” But on the other hand, we must proceed with the utmost rigor so that what would be eminently harmful to an occult movement does not occur—namely, the gradual sinking into a hazy sphere, a sphere of obscurity. And what incredible obscurity is this, when one can say: “It is not the teaching nor the teacher, but the human being who is sought”—and then again: “Ah, the human being is of the evil one, but the teaching is good”—the very teaching that one had just rejected. This is a slipping into a nebulous sphere; but what is at stake here is clarity and precision. From this point of view, we must consider the matter in the service of our movement. There may be practical considerations that necessitate a certain firmness in our approach. That is another matter. But we must always keep in mind, deep within ourselves, the ground on which we stand; we must keep in mind that we stand on the ground of a serious, dignified spiritual movement.

[ 56 ] Das sind so manche Gesichtspunkte, die uns zu einer Erkenntnis führen können, welches die Lebensbedingungen für unsere Bewegung sind. Wenn man davon spricht, daß die äußere Wirklichkeit Maja ist, so muß man auch wirklich diese Maja studieren. Man darf nicht nur den theoretischen Satz betonen: Die äußere Wirklichkeit ist Maja -, und dann den Satz so behandeln, als ob sie das Allerwichtigste wäre, wenn sie einem im Konkreten in der Welt begegnet.

[ 56 ] These are some of the perspectives that can lead us to an understanding of the conditions under which our movement operates. When we speak of external reality as maya, we must truly study this maya. One must not merely emphasize the theoretical statement—“External reality is maya”—and then treat that statement as if it were the most important thing when one encounters it concretely in the world.