The History and Circumstances
of the Anthroposophical Movement
in relation to the Anthroposophical Society
An Impulse Towards Self-reflection
GA 258
17 June 1923, Dornach
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The History and Circumstances of the Anthroposophical Movement, tr. SOL
Achter Vortrag
Eighth Lecture
[ 1 ] Wir werden heute zu einer Art von Abschluß unserer Betrachtungen kommen müssen, und der wird, wie es eigentlich selbstverständlich ist und auch gestern schon erwähnt worden ist, davon handeln müssen, was sich nun als die notwendige Konsequenz ergibt für das Handeln der Anthroposophischen Gesellschaft in die Zukunft hinein. Machen wir uns, um dieses Handeln etwas charakterisieren zu können, doch nur einmal klar, wie Anthroposophie herausgewachsen ist aus der ganzen Zivilisation der neueren Zeit.
[ 1 ] Today we will have to bring our reflections to a sort of conclusion, and this conclusion—as is actually self-evident and was also mentioned yesterday—will have to address what now emerges as the necessary consequence for the future actions of the Anthroposophical Society. To help us characterize these actions, let us first clarify how anthroposophy has emerged from the entire civilization of modern times.
[ 2 ] Sie werden gesehen haben aus den Betrachtungen, die wir acht Tage hindurch gepflogen haben, wie gewissermaßen das Publikum für die Anthroposophie zunächst innerhalb derjenigen Kreise gesucht werden mußte, die einen starken Anstoß bekommen haben nach der Richtung zu einer geistigen Vertiefung hin. Dieser Anstoß kam von den verschiedensten Seiten her. Aber hier war es nötig zunächst nur, den hauptsächlichsten Anstoß für die heimatlosen Seelen zu suchen bei dem, was durch Blavatsky, ich möchte sagen, als Rätsel der neuesten Zeit aufgegeben worden ist.
[ 2 ] You will have seen from the reflections we have been engaging in over the past eight days how, in a sense, the audience for anthroposophy initially had to be sought within those circles that had received a strong impetus toward spiritual deepening. This impetus came from a wide variety of sources. But here it was necessary, at first, to seek the principal impetus for these homeless souls in what Blavatsky presented—I might say—as the enigma of our time.
[ 3 ] Nun, das haben wir ja betrachtet. Aber wenn wir so auch für die Anthroposophische Gesellschaft bis zu diesem Anstoß zurückgehen müssen, so muß sich uns auf der anderen Seite auch ergeben haben, wie für die Anthroposophie selbst ein solcher Anstoß oder gerade dieser Anstoß nicht das Wesentliche war. Denn Anthroposophie selbst geht zu anderen Quellen zurück. Wenn auch gerade, weil in der geschilderten Art ihr Publikum sich ergeben hat, selbst in der Ausdrucksform für das anthroposophische Weisheitsgut im Beginne Worte gebraucht worden sind, die diesen heimatlosen Seelen von jener Seite her, die mit Blavatsky zusammenhängt, geläufig waren, so waren das eben doch Ausdrucksformen. Wenn Sie in die ersten Schriften von mir selbst zurückgehen, «Das Christentum als mystische Tatsache», «Die Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens», so werden Sie sehen, daß diese Schriften eigentlich in keiner Weise zurückführen zu irgend etwas, was von Blavatskys Seite her oder überhaupt von jener Seite her gekommen ist, mit Ausnahme eben der Tatsache, daß die Ausdrucksform zunächst so gewählt worden ist, daß ein Verständnis erzielt werden konnte.
[ 3 ] Well, we have already considered that. But if we must go back to this impetus even for the Anthroposophical Society, it must also have become clear to us, on the other hand, that for anthroposophy itself, such an impetus—or precisely this impetus—was not the essential factor. For anthroposophy itself goes back to other sources. Even if—precisely because its audience came about in the manner described—words were used in the beginning to express the anthroposophical body of wisdom that were familiar to these rootless souls from the side associated with Blavatsky, these were, after all, merely forms of expression. If you go back to my own early writings, *Christianity as a Mystical Fact*, “Mysticism at the Dawn of Modern Spiritual Life,” you will see that these writings do not in any way trace back to anything that came from Blavatsky’s side or from that side in general, with the exception of the fact that the form of expression was initially chosen in such a way that understanding could be achieved.
[ 4 ] Also man muß unterscheiden zwischen demjenigen, was als eigentliche Geistessubstanz durch die anthroposophische Bewegung geflossen ist, und demjenigen, was zunächst aus den Zeitverhältnissen heraus die Ausdrucksform sein mußte. Daß auf diesem Gebiete Irrtümer entstehen können, das rührt nur davon her, daß die Menschen in der Gegenwart so wenig geneigt sind, von der äußeren Ausdrucksform aus zurückzugehen zu dem, was eigentlich das Wesen der Sache ist. Anthroposophie führt in gerader Linie zurück zu demjenigen, was, allerdings auf philosophische Art, angeschlagen ist in meiner «Philosophie der Freiheit», was angeschlagen ist in meinen Goetheschriften der achtziger Jahre. Wenn Sie das nehmen, was dort in diesen Goetheschriften und in der «Philosophie der Freiheit» als Hauptsächlichstes angeschlagen ist, so ist es dies, daß der Mensch im Innersten seines Wesens in Verbindung ist mit einer geistigen Welt, daß er also dann, wenn er nur tief genug in sein eigenes Wesen zurücksieht, auf etwas kommt in seinem Innern, zu dem die gebräuchliche, die damals und heute noch gebräuchliche Naturwissenschaft nicht vordringen kann, das nur betrachtet werden darf als unmittelbares Glied einer geistigen Weltordnung.
[ 4 ] So one must distinguish between what has flowed through the anthroposophical movement as the actual spiritual substance, and what, given the circumstances of the time, had to be its form of expression. The fact that errors can arise in this area stems solely from the fact that people today are so little inclined to trace back from the outward form of expression to what is actually the essence of the matter. Anthroposophy leads in a straight line back to what is, albeit in a philosophical manner, set forth in my *Philosophy of Freedom* and in my writings on Goethe from the 1880s. If you take what is set forth as the most essential point in those writings on Goethe and in the *Philosophy of Freedom*, it is this: that human beings, in the innermost core of their being, are connected to a spiritual world; that is to say, if they look deep enough into their own being, they encounter something within themselves that conventional natural science—as it was then and as it still is today—cannot penetrate, something that can only be regarded as a direct link to a spiritual world order.
[ 5 ] Daß gegenüber der ungeheuren, ich möchte sagen, geistigen Sprachverwirrung, die schon einmal diese neuere Zivilisation für alle Länder hervorgebracht hat, manchmal zu Ausdrücken die Zuflucht genommen werden mußte, die paradox klangen, das sollte man eigentlich als eine Notwendigkeit einsehen. So habe ich durch die Goetheschriften, ich möchte sagen, hindurchschimmern lassen, daß es nötig ist, wenn man von der Betrachtung der Welt zu der Betrachtung des Göttlich-Geistigen aufsteigt, eine Modifikation des Begriffes der Liebe vorzunehmen. Ich habe schon in den Goetheschriften angedeutet, daß die Gottheit so vorzustellen ist, daß sie in unendlicher Liebe in das Dasein ausgeflossen ist und in jedem einzelnen Wesen nun gesucht werden müsse, was etwas ganz anderes gibt als einen verschwommenen Pantheismus. Nun war gar nicht in jener Zeit die Möglichkeit vorhanden, irgendwie, sagen wir, einen philosophischen Anknüpfungspunkt zu gewinnen. Denn so leicht es gewesen wäre, dann mit einer solch spirituellen Weltanschauung durchzudringen, wenn das Zeitalter philosophische Begriffe gehabt hätte, an die hätte angeknüpft werden können, so schwer war es gegenüber dem, was dazumal mehr oder weniger als ein aufgewärmter Kantianismus in der Philosophie da war, irgendeinen Anknüpfungspunkt zu gewinnen. Daher war es notwendig, diesen Anknüpfungspunkt bei einem reicheren, intensiveren Leben zu suchen, bei einem Geistesleben, das eben innerlich, ich möchte sagen, mit spiritueller Substanz durchtränkt ist.
[ 5 ] Given the immense—I would say spiritual—confusion of language that this modern civilization has already brought about for all nations, it should actually be recognized as a necessity that one sometimes had to resort to expressions that sounded paradoxical. Thus, throughout Goethe’s writings, I have, so to speak, let it shine through that it is necessary, when one ascends from the contemplation of the world to the contemplation of the divine-spiritual, to modify the concept of love. I had already indicated in the Goethe writings that the Deity is to be conceived as having flowed into existence in infinite love, and that one must now seek the Deity in every single being—which offers something entirely different from a vague pantheism. Now, at that time, there was simply no possibility of gaining, so to speak, a philosophical point of reference. For as easy as it would have been to make inroads with such a spiritual worldview had the age possessed philosophical concepts to which one could have tied in, so difficult was it to find any point of reference in the face of what was then, more or less, a rehashed form of Kantianism in philosophy. Therefore, it was necessary to seek this point of connection in a richer, more intense life—in a spiritual life that is, so to speak, imbued with spiritual substance from within.
[ 6 ] Ein solches Geistesleben war eben dasjenige, was in der Erscheinung Goethes einem entgegentrat. Daher konnte ich, als ich die Ideen, die in Betracht kommen, zuerst zu veröffentlichen hatte, nicht etwa mit einer Erkenntnistheorie an dasjenige anknüpfen, was dazumal in der Zeitzivilisation war, sondern es mußte an die Goethesche Weltanschauung angeknüpft werden, und mit Hilfe der Goetheschen Weltanschauung konnte der erste Schritt hinein in die geistige Welt gemacht werden.
[ 6 ] Such a spiritual life was precisely what one encountered in Goethe’s persona. Therefore, when I first had to publish the ideas in question, I could not, for example, link them to the epistemology of the civilization of that time, but rather they had to be linked to Goethe’s worldview, and with the help of Goethe’s worldview, the first step into the spiritual world could be taken.
[ 7 ] Bei Goethe öffnen sich in einer gewissen Beziehung zwei Tore in die geistige Welt hinein, die, man möchte sagen, bis zu einem gewissen Grade den Zugang ergeben. Das eine Tor wird gefunden da, wo eine Betrachtung von Goethes naturwissenschaftlichen Schriften einsetzt. Denn mit dieser naturwissenschaftlichen Anschauung, die Goethe ausgearbeitet hat, hat er innerhalb der Pflanzenwelt dasjenige überwunden, woran eigentlich die ganze neuere Naturwissenschaft noch immer krankt. Ihm gelang es, bewegliche, lebendige Ideen an die Stelle der toten Ideen für die Betrachtung der Pflanzenwelt zu setzen. Wenn Goethe auch mit seiner Metamorphosenlehre dem Tierreiche gegenüber gescheitert ist, war es doch immerhin noch möglich, darauf hinzuweisen, daß eine ähnliche, nur gesteigerte, von Goethe noch nicht ausgebildete Betrachtungsweise auch für das Tierreich einsetzen könne. Ich habe in meiner «Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung» versucht zu zeigen, wie man bis zu der Geschichte, bis zum geschichtlichen Leben herauf, zunächst skizzenhaft hat dringen können mit dem, was da an lebendigmachenden Ideen entstanden ist. Das war das eine Tor.
[ 7 ] In Goethe’s work, two gates open onto the spiritual world in a certain sense; one might say that, to a certain degree, they provide access to it. One gate is found where a consideration of Goethe’s scientific writings begins. For with this scientific perspective, which Goethe developed, he overcame within the plant world that very thing from which modern science as a whole still suffers. He succeeded in replacing dead ideas with dynamic, living ideas in the study of the plant world. Even though Goethe’s theory of metamorphosis failed when applied to the animal kingdom, it was still possible to point out that a similar—albeit heightened—approach, one that Goethe had not yet fully developed, could also be applied to the animal kingdom. In my *Epistemology of the Goethean Worldview*, I have attempted to show how one can penetrate—at least in outline form—all the way up to history, to historical life itself, through the life-giving ideas that have emerged there. That was one gateway.
[ 8 ] Nun gibt es bei Goethe keine gradlinige Fortsetzung in die wirkliche geistige Welt hinein von diesem Ausgangspunkte aus, sondern man kann von diesem Ausgangspunkte aus gewissermaßen nur bis zu einem bestimmten Niveau hin arbeiten. Dann hat man während dieses Arbeitens das Gefühl: man ergreift die sinnliche Welt auf eine geistige Art. Indem man die Goethesche Methode anwender, bewegt man sich eigentlich in einem geistigen Elemente. Wenn man auch diese Methode auf die sinnliche Pflanzenwelt oder auf die sinnliche Tierwelt anwendet, man ergreift mit dieser Methode dasjenige, was als Geistiges in der Pflanze, in der Tierwelt lebt und webt.
[ 8 ] Now, in Goethe’s work, there is no straightforward progression into the true spiritual world from this starting point; rather, one can, so to speak, only work up to a certain level from this starting point. Then, while working in this way, one has the feeling of apprehending the sensory world in a spiritual way. By applying Goethe’s method, one is actually moving within a spiritual element. Even when applying this method to the sensory world of plants or animals, one apprehends through it that which lives and weaves as the spiritual within the plant and animal worlds.
[ 9 ] Aber Goethe hat auch noch ein anderes Tor in Aussicht genommen. Das trat am stärksten hervor dann, wenn man einsetzte bei etwas, was Goethe nur in der Lage war, bildhaft, man möchte sagen, halb symbolisch anzudeuten: bei seinem «Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie», durch das er darstellen wollte, wie Geistiges, Spirituelles im Werden der Welt tätig ist, wie die einzelnen Sphären des Wahren, des Schönen, des Guten zusammenwirken und wie wirkliche geistige Wesenheiten ergriffen werden müssen, nicht bloße abstrakte Begriffe, wenn man zu einer Betrachtung des wirklichen geistigen Lebens kommen wollte.
[ 9 ] But Goethe also had another goal in mind. This became most evident when one considered something that Goethe was only able to hint at figuratively—one might say, in a semi-symbolic way— in his “Fairy Tale of the Green Snake and the Beautiful Lily,” through which he sought to illustrate how the intellectual and the spiritual are at work in the becoming of the world, how the individual spheres of the True, the Beautiful, and the Good interact, and how one must grasp actual spiritual beings—not mere abstract concepts—if one wishes to arrive at a true understanding of real spiritual life.
[ 10 ] Es war also die Möglichkeit vorhanden, zunächst an diesem Punkte der Goetheschen Weltanschauung anzuknüpfen. Aber dann ergab sich erst recht eine gewisse Notwendigkeit. Denn, was ja vor allen Dingen heute dem Menschen vor Augen tritt, wenn es sich um eine Weltanschauung für die heimatlosen Seelen handelt, das ist das Moralisch-Ethische, das sittliche Leben. In jenen alten Zeiten, in denen die Menschen mit einem ursprünglichen Hellsehen zu der Anschauung des Göttlich-Geistigen sich erhoben, war es eine Selbstverständlichkeit, daß von diesem Göttlich-Geistigen, zu dessen Anschauung man sich erheben konnte, auch die sittlichen Impulse herkamen. Wenn wir in sehr alte Zeiten der Menschheitsentwickelung zurückschauen, dann stellt sich die Sache so dar, daß der Mensch in seinem ursprünglichen primitiven Hellsehen, sagen wir in der guten alten Zeit, bei seinem Aufschauen zu dem GöttlichGeistigen, zu den wesenhaften Kräften emporblickte, welche die Naturerscheinungen regeln. Und in den Naturerscheinungen, in Wind- und Wetterwirkungen, in Erdenwirkungen, in mechanischen Wirkungen konnte dieser Mensch einer ursprünglichen Zeit die Fortsetzung dessen sehen, was er an Göttlich-Geistigem wahrnahm. Aber er konnte zu gleicher Zeit von diesem Göttlich-Geistigen die Impulse für sein Handeln empfangen. Das ist ja das Eigentümliche der alten Weltanschauungen, die noch mit dem primitiven Hellsehen zusammenhingen, daß, sagen wir mit Bezug auf die altägyptische Zeit, die Menschen hinaufgesehen haben zu den Sternen, um die Erdenwirkungen zu erkennen; selbst um für ihr Bedürfnis die Überschwemmungsverhältnisse des Nils zu erkennen. Aus dem Gang der Sterne, aus der Gesetzmäßigkeit der Sterne haben sie dasjenige hergeleitet, was sie für die Erdenwelt in ihrer Naturordnung interessiert hat. Aber in derselben Weise haben diese Menschen dasjenige, wenn ich mich so ausdrücken darf, berechnet, was sittliche Impulse werden sollten. Aus der Sternenbeobachtung wurden auch die sittlichen Impulse geholt.
[ 10 ] So there was an opportunity to begin by building on this aspect of Goethe’s worldview. But then a certain necessity arose all the more. For what stands out most clearly to people today, when it comes to a worldview for homeless souls, is the moral and ethical—the moral life. In those ancient times, when people, through a primal clairvoyance, rose to a perception of the divine-spiritual, it was a matter of course that the moral impulses also came from this divine-spiritual realm, to whose perception one could ascend. When we look back to the very early stages of human development, the situation was such that, in his original, primitive clairvoyance—let us say, in the good old days—as he looked up toward the divine-spiritual, he gazed upon the essential forces that govern natural phenomena. And in natural phenomena—in the effects of wind and weather, in earthly forces, and in mechanical forces—this person of a primordial age could see the continuation of what he perceived as the divine-spiritual. But at the same time, he could receive from this divine-spiritual realm the impulses for his actions. This is indeed the distinctive feature of the ancient worldviews, which were still connected to primitive clairvoyance: that—to take the ancient Egyptian period as an example—people looked up to the stars in order to understand earthly phenomena; even to understand, for their own needs, the flood conditions of the Nile. From the course of the stars, from the laws governing the stars, they deduced what interested them regarding the natural order of the earthly world. But in the same way, these people calculated—if I may put it that way—what would become moral impulses. Moral impulses were also derived from the observation of the stars.
[ 11 ] Sehen wir dann, wie die Lage in der neueren Zeit geworden ist, so müssen wir sagen: Sternenbeobachtung wird nur noch in mathematischer Beziehung gemacht, wobei nichts anderes zustande kommt, als daß man die irdische Mathematik hinaufträgt in den Sternenhimmel. Und auf der Erde werden sogenannte Naturgesetze gesucht und gefunden. Diese Naturgesetze, die auch schon Goethe gefunden hat, die er dann in lebendige Ideen umgestaltet hat, haben, sobald es sich um Weltanschauungen handelt, eine gewisse Eigentümlichkeit, und diese Eigentümlichkeit ist diese, daß der Mensch von der Welt ausgeschaltet wird, wenn er sich an die Naturgesetze halten soll, daß der Mensch mit seinem ureigensten Wesen nicht mehr in der Welt drinnensteht.
[ 11 ] If we then look at how the situation has developed in more recent times, we must say: Stargazing is now conducted solely from a mathematical perspective, resulting in nothing more than the extension of earthly mathematics into the starry sky. And on Earth, so-called laws of nature are sought and found. These laws of nature, which Goethe had already discovered and then transformed into living ideas, have—when it comes to worldviews—a certain peculiarity, and this peculiarity is that human beings are excluded from the world when they are expected to adhere to the laws of nature; that human beings, with their very essence, no longer stand within the world.
[ 12 ] Wenn Sie sich das graphisch vorstellen, wie das in den alten Weltanschauungen war, so war auf der einen Seite das GöttlichGeistige (rot). Das Göttlich-Geistige drang in die Naturerscheinungen. Es wurden Gesetze für die Naturerscheinungen gefunden. Die aber erkannte man als etwas, was eine Art Reflex war des göttlich-geistigen Wirkens in der Natur (gelb). Außerdem war der Mensch da (hell). In den Menschen strahlte dasselbe Göttlich-Geistige hinein (rot). Da stand der Mensch innerhalb der Weltenordnung drinnen. Er bekam sozusagen seinen Substanzgehalt von dem Göttlich-Geistigen, von dem die Natur diesen Substanzgehalt bekam. Was trat ein? Man muß das, was eigentlich eingetreten ist, nur in vollem Ernst betrachten. Das trat ein, daß gewissermaßen durch die Naturwissenschaft der Zusammenhang der Natur mit dem Göttlichen gestrichen worden ist. Weg ist das Göttliche von der Natur, und in der Natur selbst werden die Reflexe des Göttlichen als Naturgesetze konstatiert, und man redet von Naturgesetzen.
[ 12 ] If you create a mental image of this graphically, as it was in the ancient worldviews, on one side was the Divine-Spiritual (red). The divine-spiritual permeated natural phenomena. Laws governing these phenomena were discovered. However, these were recognized as a kind of reflection of the divine-spiritual activity in nature (yellow). In addition, human beings were present (light). The same divine-spiritual radiated into human beings (red). There, human beings stood within the world order. They derived their substance, so to speak, from the divine-spiritual, from which nature itself derived its substance. What happened? One must simply consider in all seriousness what actually took place. What happened was that, in a sense, natural science has severed the connection between nature and the divine. The divine has been removed from nature, and within nature itself, the reflections of the divine are identified as natural laws, and people speak of natural laws.


[ 13 ] Den Alten waren diese Naturgesetze Gottesgedanken. Den Neueren sind sie noch immer Gedanken, denn man muß sie ja mit Gedanken fassen. Aber das soll sich in irgendeiner Weise aufklären in den Naturerscheinungen, die in dem darinnen liegen, was die Naturgesetze sind. Von einem Gesetz der Schwere, von Brechungsgesetzen des Lichtes, von allen solchen schönen Dingen redet man nun. Aber das hat gar keinen Boden, beziehungsweise keine Höhe, weil es nur einen Sinn hat, von all diesen Gesetzen zu ‚ reden, wenn man von ihnen reden kann als von Reflexen des göttlich-geistigen Wirkens in der Natur.
[ 13 ] To the ancients, these laws of nature were concepts of God. To modern thinkers, they are still concepts, for one must, after all, grasp them through thought. But this should be clarified in some way through the natural phenomena that lie at the heart of what the laws of nature are. People now speak of a law of gravity, of the laws of refraction of light, and of all such beautiful things. But this has no foundation—or rather, no depth—because it only makes sense to “speak” of all these laws if one can speak of them as reflections of divine-spiritual activity in nature.
[ 14 ] Das ist es, was der tiefere Mensch, die heimatlose Seele bei allem heutigen Reden über die Natur fühlt. Sie fühlt, daß diejenigen, die über die Natur reden, mit den Goetheschen Worten belegt werden müssen, oder eigentlich mit den mephistophelischen: spottet ihrer selbst und weiß nicht wie. Man redet von Naturgesetzen, aber diese Naturgesetze sind dasjenige, was von den Anschauungen der Alten übrig geblieben ist. Nur hatten die Anschauungen der Alten noch zu diesen Naturgesetzen dasjenige dazu, was diese Naturgesetze möglich machte.
[ 14 ] This is what the deeper human being—the homeless soul—feels amid all the talk about nature today. It feels that those who speak of nature must be described in Goethe’s words, or rather in Mephistophelean terms: they mock themselves without knowing how. People speak of the laws of nature, but these laws of nature are all that remains of the ancient worldviews. Only the ancient worldviews still possessed, in addition to these laws of nature, that which made these laws of nature possible.
[ 15 ] Denken Sie sich einmal, Sie haben einen Rosenstrauch. Sie können immer wieder Rosen auf dem Rosenstrauch haben. Wenn die alten abdorren, wachsen neue. Wenn Sie aber die Rosen abpflücken und den Rosenstrauch zugrunde gehen lassen, können Sie nicht immer neue Rosen haben. So aber ist es mit der Naturwissenschaft geschehen. Es war ein Rosenstrauch da. Seine Wurzeln waren in der Gottheit. Die Gesetze, die man in der Natur fand, waren die einzelnen Rosen. Diese Gesetze hat man gepflückt. Die Rosen hat man geptlückt. Den Rosenstrauch hat man verdorren lassen. So haben wir jetzt in den Naturgesetzen etwas, was da ist wie die Rosen ohne Rosenstrauch. Davon haben die Menschen nichts. Sie ahnen nichts in dem Kopfe, auf den so viel in der neueren Zeit gegeben wird. Aber die Menschen, die da heimatlose Seelen sind, ahnen davon sehr viel in ihren Herzen, denn sie können mit den Naturgesetzen nichts anfangen. Sie fühlen: Diese Naturgesetze verdorren, wenn man sich als Mensch ihnen gegenüberstellen will.
[ 15 ] Just imagine you have a rosebush. You can always have roses on that rosebush. When the old ones wither, new ones grow. But if you pick the roses and let the rosebush die, you cannot keep having new roses. That is exactly what has happened with the natural sciences. There was a rosebush. Its roots were in the Divine. The laws found in nature were the individual roses. These laws were plucked. The roses were plucked. The rosebush was allowed to wither away. So now, in the laws of nature, we have something that is like roses without a rosebush. People gain nothing from this. They have no inkling of this in their minds, which have been so heavily burdened in recent times. But those who are homeless souls sense a great deal of this in their hearts, for they cannot make sense of the laws of nature. They feel: These laws of nature wither away when one, as a human being, tries to confront them.
[ 16 ] So steht die moderne Menschheit, insofern sie fühlen kann, insofern sie ein Herz im Leibe hat, unbewußt unter dem Eindrucke: Da wird uns über die Natur etwas gesagt, was uns verdorrt und was uns als Menschen sogar verdorren macht. Die Menschheit wird nun durch furchtbaren Autoritätsglauben gezwungen, dieses als die reine Wahrheit aufzunehmen. Während sie mit dem Herzen fühlt, daß die Rosen verdorren, wird sie gezwungen zu dem Glauben, daß diese Rosen die ewigen Weltwesenheiten sind. Man redet von den ewigen Weltgesetzen. Die Erscheinungen gehen vorüber, die Gesetze aber bleiben immer da. Weil dasjenige, was der Mensch aus sich selber heraus als sein Selbstbewußtsein gestalten will, Anthroposophie ist, so ist die Naturwissenschaft Anti-Anthroposophie.
[ 16 ] Thus, modern humanity—insofar as it is capable of feeling, insofar as it has a heart within its body—is unconsciously under the impression that we are being told something about nature that withers us and even causes us, as human beings, to wither. Humanity is now compelled, through a terrible belief in authority, to accept this as the pure truth. While it feels in its heart that the roses wither, it is forced to believe that these roses are the eternal beings of the world. People speak of the eternal laws of the world. Phenomena pass, but the laws remain forever. Because what human beings seek to shape from within themselves as their self-consciousness is anthroposophy, natural science is anti-anthroposophy.
[ 17 ] Sehen wir noch nach der anderen Seite, nach der ethisch-moralischen Seite hin. Aus demselben Quell der Gottheit kamen die sittlich-moralischen Impulse. Aber geradeso, wie man die Naturgesetze zu verdorrenden Rosen macht, so machte man die sittlichen Impulse zu verdorrenden Rosen. Die Wurzel war überall weg, und so schwirrten die sittlichen Impulse als Sittengebote, deren Einwurzelung man nicht kannte, in der Zivilisation umher. Den Menschen war nichts anderes möglich, als zu empfinden: die sittlichen Gebote sind da. Aber der göttliche Ursprung war nicht da, und jetzt entstand die notwendige Frage: Wohin soll es denn kommen, wenn die Sittengebote nicht befolgt werden? Es kommt zum Chaos, zur Anarchie in der menschlichen Sozietät.
[ 17 ] Let us now turn our attention to the other side, the ethical and moral side. The ethical and moral impulses sprang from the same source as divinity. But just as the laws of nature were turned into withered roses, so too were the moral impulses turned into withered roses. The root was missing everywhere, and so the moral impulses fluttered about in civilization as moral precepts whose roots were unknown. People could do nothing but feel: the moral precepts are there. But the divine origin was not there, and now the inevitable question arose: Where will this lead if the moral precepts are not followed? Chaos and anarchy ensue in human society.
[ 18 ] Aber auf der anderen Seite steht das: Wie wirken denn diese Gebote? Wo wurzeln sie? Man fühlte auch da das Verdorrende. Das wurde die große Frage, das wurde die Frage, die sich aus dem Goetheanismus ergab, aber innerhalb des Goetheanismus selber nicht beantwortet werden konnte. Goethe setzte, ich möchte sagen, zwei Ausgangspunkte hin, die sich zwar konvergierend gegeneinanderbewegten, aber nicht zusammenkamen. Dasjenige, was notwendig ist, notwendig war, das ist die Philosophie der Freiheit.
[ 18 ] But on the other hand, there is this: How do these commandments actually work? Where do they have their roots? One sensed a withering there as well. That became the great question—the question that arose from Goetheanism but could not be answered within Goetheanism itself. Goethe established, I would say, two starting points that moved toward each other in a converging manner but never came together. What is necessary—what was necessary—is the Philosophy of Freedom.
[ 19 ] Es mußte gezeigt werden, wo im Menschen selber das Göttliche lebt, in dem er sowohl die Geistigkeit der Natur wie namentlich die Geistigkeit der Moralgesetze gründen kann. Das führte zu dem Intuitismus der Philosophie der Freiheit, zu dem, was die Leute ethischen Individualismus nannten. Ethischen Individualismus aus dem Grunde, weil in jedem einzelnen menschlichen Individuum der Quell für die sittlichen Impulse in jenem Göttlichen nachgewiesen werden mußte, womit der Mensch im Innersten seines Wesens zusammenhängt. Nachdem das Zeitalter eingetreten war, wo man auf der einen Seite für die Naturgesetze, auf der anderen Seite für die Moralgebote die Lebendigkeit verloren hatte, weil man im Äußeren das Göttliche nicht mehr fand — im Zeitalter der Freiheit konnte es nicht anders sein —, war es notwendig, im Menschen — denn der Mensch tritt uns zunächst als Individualität entgegen - dieses Göttlich-Geistige zu finden. Damit war aber eine Weltanschauung gewonnen, die Sie sich nur klarmachen wollen, dann werden Sie sehen, daß in ihrer gradlinigen Fortsetzung dasjenige liegt, was wir heute Anthroposophie nennen.
[ 19 ] It had to be shown where the divine dwells within human beings themselves, in which they can ground both the spirituality of nature and, in particular, the spirituality of moral laws. This led to the intuitivism of *The Philosophy of Freedom*, to what people called ethical individualism. Ethical individualism, for the reason that within every single human individual, the source of moral impulses had to be demonstrated as lying in that divine element with which human beings are connected in the innermost core of their being. Once the age had dawned in which the vitality of both the laws of nature on the one hand and the moral precepts on the other had been lost—because the divine was no longer found in the external world—in the age of freedom, it could not be otherwise—it became necessary to find this divine-spiritual element within the human being, for the human being first appears to us as an individual. With this, however, a worldview was gained; if you only take the time to understand it clearly, you will see that its direct continuation is what we today call anthroposophy.


[ 20 ] Nehmen Sie an — es ist etwas primitiv gezeichnet, aber es mag doch gelten -—, wir haben hier Menschen. Die Menschen hängen in ihrem innersten Wesen mit einem Göttlich-Geistigen zusammen (rot). Dieses Göttlich-Geistige bildet sich zu einer göttlich-geistigen Weltordnung (gelb). Dadurch, daß das Innere aller Menschen in ihrem Zusammenwirken geschaut wird, dringt man nunmehr in das Göttlich-Geistige ein, wie man in alten Zeiten in das Göttlich-Geistige eingedrungen ist, wenn man nach außen geschaut hat und durch das primitive Hellsehen das Göttlich-Geistige in den äußeren Erscheinungen gefunden hat.
[ 20 ] Suppose—it’s a somewhat simplistic illustration, but it may still hold true—that we have human beings here. In their innermost being, human beings are connected to a divine-spiritual reality (red). This divine-spiritual reality forms a divine-spiritual world order (yellow). By observing the inner nature of all human beings in their interplay, one now penetrates into the divine-spiritual realm, just as in ancient times people penetrated into the divine-spiritual realm when they looked outward and, through primitive clairvoyance, found the divine-spiritual in external phenomena.
[ 21 ] Es handelt sich eben darum, zu dem, was sich auf der einen Seite aus der Goetheschen Weltanschauung ergab und was auf der anderen Seite einfach aus den Notwendigkeiten der menschlichen Entwickelung am Ende des 19. Jahrhunderts sich ergab, zur Spiritualität vorzudringen; nicht auf eine äußerlich materialistische Weise, sondern durch eine wirkliche Erfassung des unmittelbaren Menschenwesens.
[ 21 ] The point is precisely to advance toward spirituality—based on what emerged, on the one hand, from Goethe’s worldview and, on the other hand, simply from the necessities of human development at the end of the 19th century—not in an outwardly materialistic way, but through a genuine grasp of the immediate human being.
[ 22 ] Nun, damit war aber eigentlich, wenn man die Sache dem Leben nach betrachtet, nicht der Theorie nach, Anthroposophie begründet. Denn wenn man meinen würde, die «Philosophie der Freiheit» sei doch noch keine Anthroposophie, muß es einem geradeso vorkommen, wie wenn jemand sagte: Es gab einen Goethe, dieser Goethe hat alle möglichen Werke geschrieben; wir verstehen heute unter Goethe den Schöpfer seiner Werke. - Nun aber erwidert ein anderer: Ja, das ist eine Inkonsequenz, denn es gab 1749 in Frankfurt am Main ein kleines Kind, das war sogar schwarz geboren, und man sagte, es könne nicht leben. Wenn man alles anschaut, was um dieses Kind war, da kann man davon doch nicht logisch alle Goetheschen Werke ableiten. Das ist eine Inkonsequenz. Man muß doch Goethe bis zu seinem Ursprung zurückverfolgen. Seht an, ob ihr da den Faust findet bei dem blauschwarzen Knaben, der da 1749 in Frankfurt am Main geboren ist!
[ 22 ] Well, viewed in the light of life rather than theory, this actually laid the foundation for anthroposophy. For if one were to think that the *Philosophy of Freedom* was not yet anthroposophy, it would seem just as if someone were to say: There was a Goethe; this Goethe wrote all kinds of works; today we understand Goethe to be the creator of his works. — But then another person replies: Yes, that is an inconsistency, for in 1749 there was a small child in Frankfurt am Main who was even born with a dark complexion, and people said he could not survive. If you look at everything surrounding that child, you certainly cannot logically deduce all of Goethe’s works from it. That is an inconsistency. You have to trace Goethe back to his origins. See if you can find Faust in that blue-black-skinned boy who was born in Frankfurt am Main in 1749!
[ 23 ] Nicht wahr, es ist nicht besonders gescheit, wenn man so etwas sagt. Ebensowenig gescheit ist es aber, wenn man sagt, es sei inkonsequent, daß Anthroposophie aus der «Philosophie der Freiheit» hervorgegangen ist. Das schwarze Kind in Frankfurt lebte eben weiter, und aus seinem Leben ging dasjenige hervor, was heute als Goethe in der Weltentwickelung lebt. Die «Philosophie der Freiheit» mußte weiterleben. Dann ging die Anthroposophie aus ihr hervor.
[ 23 ] Isn’t it true that it isn’t particularly wise to say something like that? But it is no less wise to say that it is inconsistent for anthroposophy to have emerged from the *Philosophy of Freedom*. The black child in Frankfurt simply continued to live, and from his life emerged that which lives today as Goethe in the evolution of the world. The *Philosophy of Freedom* had to live on. Then anthroposophy emerged from it.
[ 24 ] Denken Sie sich einmal, wenn an Stelle des Lebens ein philosophischer Logiker tritt und sagt, es muß auf logische Weise abgeleitet werden aus dem blauschwarzen Knaben von 1749 dasjenige, was in «Faust», in «Wilhelm Meister» und so weiter ist —, glauben Sie, er würde auf logische Weise etwas ableiten? Nein, er würde Widersprüche konstatieren, ungeheure Widersprüche. Er wird sagen: Das bringe ich nicht in Einklang, was da irgendeiner einmal als «Faust» geschrieben hat, mit dem, was da der blauschwarze Knabe in Frankfurt am Main war, das folgt nicht logisch daraus.
[ 24 ] Just imagine, if a philosophical logician were to step in place of life and say that what is found in *Faust*, in *Wilhelm Meister*, and so on must be logically deduced from the blue-black boy of 1749—do you think he would be deducing anything logically? No, he would point out contradictions—enormous contradictions. He would say: I cannot reconcile what someone once wrote as “Faust” with what the blue-black boy in Frankfurt am Main actually was; that does not follow logically from it.
[ 25 ] So sagen diejenigen, die nicht mit dem Leben zu tun haben, sondern mit Schulstaub-Logik: Aus der «Philosophie der Freiheit» folgt logisch nicht die Anthroposophie.
[ 25 ] This is what those who deal not with life but with textbook logic say: Anthroposophy does not logically follow from the *Philosophy of Freedom*.
[ 26 ] Wenn es logisch folgen würde, dann hätten Sie nur sehen sollen, wie all die Schulmeister im Jahre 1894 aus der «Philosophie der Freiheit» heraus die Anthroposophie deduziert hätten! Das haben sie hübsch bleiben lassen. Aber hinterher gestehen sie ein, sie können es nicht deduzieren, sie bringen das nicht zusammen, machen das zu einem Widerspruch zwischen dem Späteren und dem Früheren. Man hat eben in der heutigen Zeit gar nicht die Fähigkeit, da, wo man sogenannte Logik, Philosophie und so weiter entwickelt, auf das Leben einzugehen, auf dasjenige, was sprießt und sproßt, was mehr ist, als logischer Pedantismus in ihm sehen kann.
[ 26 ] If it were a logical consequence, then you would have seen how all those schoolmasters in 1894 would have deduced anthroposophy from *The Philosophy of Freedom*! They conveniently left that out. But in hindsight, they admit they cannot deduce it; they cannot reconcile the two, turning it into a contradiction between the later and the earlier. In this day and age, people simply lack the ability—even as they develop so-called logic, philosophy, and so on—to engage with life, with that which sprouts and grows, which is more than what logical pedantry can perceive in it.
[ 27 ] Nun handelte es sich darum, des weiteren zunächst sich auseinanderzusetzen mit demjenigen, was aus dem unmittelbaren Leben der Gegenwart heraus gewissermaßen nach einer Fortentwickelung der menschlichen Zivilisation aufstrebte.
[ 27 ] The task at hand was, furthermore, to first examine what was, in a sense, emerging from the immediate reality of the present as a further development of human civilization.
[ 28 ] Sie wissen, ich habe versucht, zwei bedeutende Erscheinungen herauszuheben, um mich mit denen auseinanderzusetzen. Die erste war Nietzsche. Warum das der Fall sein mußte, das werden Sie aus den bisherigen Betrachtungen gesehen haben, denn in Nietzsche trat eine Persönlichkeit an die Oberfläche der neueren Zivilisationsentwickelung, die hineinwuchs in die Weltanschauungsentwickelung der Gegenwart und die im Gegensatz zu den anderen ehrlich war.
[ 28 ] As you know, I have tried to highlight two significant figures in order to examine them. The first was Nietzsche. You will have seen from the preceding remarks why this had to be the case, for in Nietzsche a personality emerged at the surface of modern civilization’s development who grew into the worldview of the present and who, unlike the others, was honest.
[ 29 ] Was sagten die anderen? Was fand man als allgemeines Urteil, möchte man sagen, in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts? Im allgemeinen Urteil fand man dieses: Die Naturwissenschaft hat selbstverständlich recht. Die Naturwissenschaft, wie sie besteht, ist die große Autorität. Wir stellen uns auf den Boden der Naturwissenschaft, gucken in die Sterne hinauf. Nun, da war ja schon vorliegend das Gespräch zwischen Napoleon und dem großen Astronomen Laplace. Napoleon konnte nicht begreifen, wie man, wenn man mit Teleskopen nach den Sternen sieht, Gott finden könne. Der Astronom sagte ihm: Ich brauche diese Hypothese nicht. Er brauchte die Hypothese natürlich nicht zum Anblicke des Sternenhimmels mit dem Teleskop. Aber er brauchte sie in demselben Momente, wo er Mensch sein wollte. Aber der Anblick des Sternenhimmels mit dem Teleskop gab eben dem Menschtum nichts, nichts gab er ihm. Der Himmel war voller Sterne, aber voller Sinnensterne, und im übrigen leer.
[ 29 ] What did the others say? What, one might ask, was the general consensus in the 1890s? The general consensus was this: Natural science is, of course, right. Natural science, as it stands, is the supreme authority. We stand on the ground of natural science and look up at the stars. Well, there was, of course, the well-known conversation between Napoleon and the great astronomer Laplace. Napoleon could not understand how, when looking at the stars through a telescope, one could find God. The astronomer told him: “I have no need of that hypothesis.” Of course, he did not need the hypothesis to gaze at the starry sky through a telescope. But he needed it at the very moment he wanted to be human. Yet the sight of the starry sky through a telescope gave nothing to his humanity—it gave him nothing. The sky was full of stars, but full of sensory stars, and otherwise empty.
[ 30 ] Man sah durch die Mikroskope, so weit als man nur sehen kann, bis in die kleinsten Lebewesen, bis in die kleinsten Teile eines Lebewesens und so weiter hinein. Man machte die Mikroskope immer vollkommener und vollkommener. Aber die Seele fand man nicht. Man konnte noch so lange hineingucken ins Mikroskop, von Seele war es leer. Nichts war da von Seele oder Geist. Nicht in den Sternen war etwas da von Seele oder Geist, nicht unter dem Mikroskop war Seele oder Geist zu finden. Und so ging es weiter. Dem sah sich Nietzsche gegenüber. Die anderen, was sagten sie? Man blickt durch das Teleskop in die Sterne, man erblickt dann Sinneswelten, sonst nichts. Aber wir haben ein religiöses Leben, eine Religion, die sagt uns, daß es doch einen Geist gibt. David Friedrich Strauß hat lang gut reden, wenn er die Konsequenz zieht: Wo ist jetzt dieser Geist auf wissenschaftlichem Wege zu finden? Wir bleiben dabei stehen, daß uns in den Schriften, die uns überliefert sind, doch vom Geist gesprochen wird. Wir finden ihn zwar nirgends, aber wir bekennen uns zu ihm, Nirgends findet diesen Geist die Wissenschaft, an die wir verpflichtet sind zu glauben, die deshalb so ist, wie sie ist, weil sie Realität haben will. Wäre sie anders, so hätte sie keine Realität. Also alles, was anders forscht, findet keine Realität! Also wissen wir von der Realität und glauben an dasjenige, was zwar nicht als Realität gefunden wird, wovon uns aber die alten Zeiten erzählen, daß es Realität sein soll.
[ 30 ] People looked through microscopes as far as the eye could see—into the tiniest living beings, into the smallest parts of a living being, and so on. Microscopes were made more and more perfect. But the soul was not found. No matter how long one peered into the microscope, it was empty of soul. There was nothing there of soul or spirit. There was nothing of soul or spirit in the stars, nor could soul or spirit be found under the microscope. And so it went on. This was what Nietzsche was confronted with. What did the others say? One looks through a telescope at the stars and sees only sensory worlds, nothing else. But we have a religious life, a religion that tells us there is, after all, a spirit. David Friedrich Strauss has a point when he draws the logical conclusion: Where, then, can this spirit be found by scientific means? We stand by the fact that the writings handed down to us do indeed speak of the Spirit. We may not find it anywhere, but we profess our faith in it. Science—which we are obligated to believe in, and which is what it is precisely because it demands reality—cannot find this Spirit anywhere. Were it otherwise, it would have no reality. Therefore, any research that proceeds differently finds no reality! Thus, we know of reality and believe in that which, although not found to be reality, is described by the ancients as being reality.
[ 31 ] Das war es, was eine solche Seele wie die Nietzschesche, die doch ehrlich war, geradezu auseinandertrieb. Nietzsche sagte eines Tages: Da muß ein Strich gemacht werden. Wie machte er das? Er machte das so, daß er sagte: Also nun haben wir die Realität. Die Realität wird erforscht von der Naturwissenschaft. Das andere ist nichts. Das Christentum hat gelehrt, daß der Christus nicht gesucht werden muß in der Realität, die man aufsucht mit Teleskop, Mikroskop. Aber eine andere Realität gibt es nicht. Also gibt es auch keine Berechtigung für das Christentum. Also, sagte Nietzsche, schreibe ich den « Antichrist».
[ 31 ] That was precisely what drove a soul like Nietzsche’s—which was, after all, honest—to the brink. Nietzsche said one day: “A line must be drawn here.” How did he do that? He did it by saying: “So now we have reality.” Reality is explored by the natural sciences. The rest is nothing. Christianity has taught that Christ is not to be sought in the reality one investigates with a telescope or a microscope. But there is no other reality. Therefore, there is no justification for Christianity. So, said Nietzsche, I will write *The Antichrist*.
[ 32 ] Wenn man durch Mikroskop und Teleskop schaut, findet man keine sittlichen Impulse. Die Leute nehmen aber die alten sittlichen Impulse als Gebote an, die herumschwirren oder die von den Behörden befohlen werden. Sie sind aber nicht zu finden, wenn man wissenschaftlich forscht. Also wollte Nietzsche sein zweites Buch, nach dem «Antichrist», der das erste Buch sein sollte, in seiner «Umwertung aller Werte» schreiben: als zweites Buch, wo er zeigte, daß alle Ideale eigentlich im Nichts sind, denn in der Realität werden sie nicht gefunden, und daß man sie fahren lassen müsse.
[ 32 ] If one looks through a microscope or a telescope, one finds no moral impulses. Yet people accept the old moral impulses as commandments—whether they are floating about or decreed by the authorities. But they cannot be found through scientific inquiry. So Nietzsche wanted to write his second book—after *The Antichrist*, which was supposed to be the first—as part of his *Revaluation of All Values*: a second book in which he showed that all ideals are actually nothing, since they cannot be found in reality, and that one must let them go.
[ 33 ] Und er wollte sein drittes Buch schreiben. Der Moralismus schöpft gewiß nicht aus dem Teleskop und Mikroskop: also begründe ich, sagte Nietzsche, den Immoralismus. Daher hätten die drei ersten Bücher heißen sollen: Umwertung aller Werte, der Antichrist, erstes Buch; der Nihilismus oder die Aufhebung aller Ideale, zweites Buch; der Immoralismus oder Aufhebung der gesamten sittlichen Weltordnung, drittes Buch.
[ 33 ] And he wanted to write his third book. Moralism certainly does not draw its inspiration from the telescope and the microscope: “Therefore,” said Nietzsche, “I establish immoralism.” Hence, the first three books should have been titled: *The Revaluation of All Values*, *The Antichrist*, Book One; *Nihilism, or the Abolition of All Ideals*, Book Two; *Immoralism, or the Abolition of the Entire Moral World Order*, Book Three.
[ 34 ] Das war selbstverständlich etwas Furchtbares, aber es war die letzte ehrliche Konsequenz dessen, was die anderen eigentlich begründet haben. Man muß die Dinge so vor die Seele hinstellen, damit man die inneren Nerven der modernen Zivilisation durchschaut. Damit mußte man sich auseinandersetzen. Es mußte gezeigt werden, in welch ungeheurem Irrtum Nietzsche befangen ist und wie er richtiggestellt werden muß, so daß man überall seinen Ausgangspunkt aufnimmt und zeigt, wie diese Ausgangspunkte in der Tat so gefaßt werden müssen, daß sie nicht ins Nichts, sondern in die Spiritualität hineinführen. Es war also eine notwendige Auseinandersetzung mit Nietzsche da.
[ 34 ] That was, of course, a terrible thing, but it was the ultimate, honest consequence of what the others had actually set in motion. One must present things in this way to the mind in order to see through the inner workings of modern civilization. This was something one had to grapple with. It had to be shown just how profoundly mistaken Nietzsche was and how he must be corrected, so that one takes up his starting points everywhere and demonstrates how these starting points must in fact be formulated in such a way that they lead not into nothingness but into spirituality. It was, therefore, a necessary engagement with Nietzsche.
[ 35 ] Und ebenso mußte mit dem Haeckelismus eine notwendige Auseinandersetzung gepflogen werden. Dieser Haeckelismus hatte mit einer gewissen Konsequenz verfolgt, was die Naturwissenschaft aus der Entwickelung der Sinneswesen machen kann. Da mußte eben in der Weise angeknüpft werden, wie ich es Ihnen gleich in den allerersten Betrachtungen dargestellt habe. Ich habe es in den ersten anthroposophischen Vorträgen, die ich überhaupt gehalten habe, mit Hilfe des Buches von Topinard getan. Wenn so vorgegangen wurde, dann ergab sich eben im lebendigen Fortschreiten das Hineinkommen in die konkrete spirituelle Welt. Dann ergaben sich die Einzelheiten eben einfach durch weiteres Forschen, durch weiteres Leben mit der spirituellen Welt.
[ 35 ] And likewise, a necessary engagement with Haeckelism had to be undertaken. This Haeckelism had, with a certain consistency, explored what natural science can make of the evolution of sentient beings. It was therefore necessary to proceed in the manner I described to you right at the very beginning of my reflections. I did this in the very first anthroposophical lectures I ever gave, with the help of Topinard’s book. When this approach was taken, entry into the concrete spiritual world arose naturally in the course of living progress. Then the details simply emerged through further research, through further living in the spiritual world.
[ 36 ] Ich habe dies alles aus dem Grunde gesagt, um das Folgende zu zeigen: Es muß also, wenn Anthroposophie zurückverfolgt wird, zu Bildern unseres neueren Zivilisationslebens zurückgegangen werden. Wenn man die Anthroposophische Gesellschaft verfolgt, muß sie zurückverfolgt werden mit der Frage: Wo waren die Menschen, die zunächst eine gewisse Anregung gehabt hatten, um Spirituelles zu verstehen? Das waren eben diejenigen Menschen, die diese Anregungen nach dem Wesen ihrer besonderen heimatlosen Seelen von der Blavatsky-Seite her bekommen hatten.
[ 36 ] I have said all this for the purpose of illustrating the following: If we trace the origins of anthroposophy, we must go back to images of our modern civilized life. When tracing the history of the Anthroposophical Society, one must ask: Where were the people who initially had a certain inclination toward understanding spiritual matters? These were precisely the people who had received these inspirations from the Blavatsky camp, in accordance with the nature of their particularly rootless souls.
[ 37 ] Dies, was da einfach durch die Zeitverhältnisse im Beginne des 20. Jahrhunderts nebeneinandergegangen ist, Theosophische Gesellschaft und Anthroposophie, das war in der dritten Epoche, die eben ungefähr mit dem Jahre 1914, wie ich es dargestellt habe, begonnen hat, vollständig überwunden. Da war überhaupt nichts mehr von dem da, was eigentlich an die alten Theosophenzeiten erinnerte. Bis in die Ausdrucksformen hinein war eigentlich nichts mehr da. Während ohnedies gleich im Beginne des anthroposophischen Wirkens die Tendenz auftreten mußte, die spirituelle Betrachtung bis zum Mysterium von Golgatha hinzuführen, bis zu der Durchdringung des Christentums, mußte auf der anderen Seite auch die Tendenz auftreten, nun mit den spirituellen Mitteln die Naturwissenschaft zu ergreifen. Nur, ich möchte sagen, die Eroberung jener spirituellen Mittel, durch die man das wahre Christentum vor die Zeit wiederum hinstellen konnte, fällt eben in eine frühere Zeit. Es beginnt schon in der ersten Periode und wird besonders in der zweiten Periode gepflegt.
[ 37 ] What had simply coexisted at the beginning of the 20th century due to the circumstances of the time—the Theosophical Society and Anthroposophy—was completely overcome in the third epoch, which, as I have described, began around the year 1914. There was absolutely nothing left of what actually recalled the old theosophical era. Not even in the forms of expression was there really anything left. While, in any case, right at the beginning of anthroposophical work, the tendency had to arise to lead spiritual contemplation up to the Mystery of Golgotha, to the permeation of Christianity, on the other hand the tendency also had to arise to now apply spiritual means to the natural sciences. However, I would like to say that the mastery of those spiritual means through which true Christianity could once again be restored to its rightful place dates back to an earlier time. It begins as early as the first period and is particularly cultivated in the second period.
[ 38 ] Dasjenige, was nach den verschiedenen anderen Seiten wirken sollte, das kam eigentlich gemäß der Darstellung, die ich in den letzten Tagen gegeben habe, erst in der dritten Epoche heraus. Da fanden sich innerhalb der anthroposophischen Bewegung wissenschaftlich Strebende ein. Für diese wissenschaftlich Strebenden ist, damit nicht immer neue und neue Mißverständnisse in die anthroposophische Bewegung hineingebracht werden, eben nötig, gerade für die wissenschaftlich Strebenden ist im eminentesten Sinne nötig, sich ganz und gar mit dem zu durchdringen, was ich gestern und schon heute vormittag hier genannt habe: das Wirken aus dem Zentralen der Anthroposophie heraus. Da ist es wirklich notwendig, daß man sich über diese Dinge klar ist.
[ 38 ] What was meant to have an effect in various other ways actually emerged, in accordance with the description I have given over the past few days, only in the third epoch. It was then that those striving for scientific knowledge began to join the anthroposophical movement. For these scientifically minded individuals—so that ever new misunderstandings are not introduced into the anthroposophical movement—it is precisely necessary, indeed it is necessary in the most eminent sense, for them to thoroughly immerse themselves in what I mentioned here yesterday and again this morning: the working that emanates from the very heart of anthroposophy. It is truly necessary, therefore, to be clear about these matters.
[ 39 ] Ich glaube, es war 1908, da habe ich in Nürnberg einmal folgendes gesagt, um eine ganz bestimmte Tatsache zu charakterisieren: Wir haben eine starke wissenschaftliche Entwickelung gegeben durch Experimente, die in der neueren Zeit gemacht worden sind. Die Untersuchungen mit Hilfe der Experimente haben außerordentlich viel zutage gefördert. Die sind überall gut, denn in dem Experimentieren drinnen arbeitet Spiritualität in Form von geistigen Wesenheiten. Meistens, sagte ich dazumal, liegt die Sache so, daß der Gelehrte an den Laboratoriumstisch geht und eigentlich herumhantiert, so wie es schon einmal die Handhabung ergibt, so wie die Methoden es einmechanisiert haben. Dann aber arbeitet außer ihm eine ganze Schar, möchte ich sagen, von geistigen Wesenheiten, die machen die Sache eigentlich, denn derjenige, der am Laboratoriumstisch arbeitet, der liefert nur die Gelegenheiten, daß die Dinge nach und nach herauskommen. Wenn das nämlich nicht der Fall wäre, so wäre die Sache in der neueren Zeit nicht so sonderbar gegangen.
[ 39 ] I believe it was in 1908 when I once said the following in Nuremberg to describe a very specific fact: We have witnessed significant scientific progress through experiments conducted in recent times. Research conducted through experimentation has brought an extraordinary amount to light. These experiments are beneficial in every respect, for within the process of experimentation, spirituality works in the form of spiritual beings. Most of the time, as I said back then, the situation is such that the scholar goes to the laboratory table and essentially fiddles around, just as the procedure dictates, just as the methods have mechanized it. But then, apart from him, a whole host—I might say—of spiritual beings is at work; they are the ones actually doing the work, for the one working at the laboratory bench merely provides the opportunities for things to gradually come to light. For if that were not the case, things would not have unfolded in such a peculiar way in recent times.
[ 40 ] Denn sehen Sie, wenn irgend jemand auf etwas gestoßen ist, wie zum Beispiel Julius Robert Mayer auf seiner Reise, so hat er das zunächst in außerordentlich abstrakte Formeln gekleidet. Die anderen haben aber nicht einmal das verstanden. Als im Laufe der Zeit Philipp Reis zum Telephon getrieben worden ist, da haben die anderen es wieder nicht verstanden. Es ist eigentlich ein riesiger Abgrund zwischen dem, was heute die Menschen verstehen, und dem, was eigentlich immerfort erexperimentiert wird: weil dem Menschen die spirituellen Impulse gar nicht zur Verfügung stehen.
[ 40 ] You see, whenever anyone stumbled upon something—such as Julius Robert Mayer did on his journey—he first expressed it in extremely abstract formulas. But the others didn’t even understand that. When, over time, Philipp Reis was driven to invent the telephone, the others still didn’t understand it. There is actually a huge chasm between what people understand today and what is actually being experimented with all the time: because people do not have access to spiritual impulses at all.
[ 41 ] Die Sache ist so. Knüpfen wir noch einmal an jenen ausgezeichneten Menschen, den Julius Robert Mayer an, der — heute ist er ja, wie gesagt, ein großer anerkannter Naturforscher -, als er noch das Gymnasium besuchte, immer der letzte war. Als er die Universität Tübingen besuchte, sollte er den Rat erhalten, vor dem Absolvieren abzugehen. Mit Ach und Krach wurde er doch Arzt, ließ sich dann als Schiffsarzt anwerben, machte eine Reise nach Indien mit. Es war ein stürmisches Meer auf dieser Reise, die Schiffsleute wurden krank, und er mußte nach der Ankunft viel zur Ader lassen.
[ 41 ] Here’s the story. Let’s return once more to that remarkable man, Julius Robert Mayer, who—as I mentioned, he is now a highly respected naturalist—was always at the bottom of his class when he was still in high school. When he attended the University of Tübingen, he was advised to drop out before graduating. He managed, with great difficulty, to become a doctor after all, then enlisted as a ship’s doctor and went on a voyage to India. The sea was stormy on that voyage; the crew fell ill, and upon arrival, he had to perform many bloodlettings.
[ 42 ] Nun weiß natürlich der Arzt, daß es zweierlei Adern gibt, Venen und Arterien. Das Arterienblut spritzt rot heraus, das Venenblut spritzt bläulich heraus. Wenn man zur Ader läßt, in die Vene hineinsticht, muß also bläuliches Blut herauskommen. Julius Robert Mayer mußte viel zur Ader lassen. Aber bei allen Schiffsleuten, die da mitgefahren waren, die diese krankmachenden Aufregungen zur See mitgemacht hatten, geschah etwas Sonderbares, wenn er da hineinstach. Donnerwetter, sagte er sich, jetzt habe ich daneben gestochen, denn da spritzt ja rotes Blut aus der Vene heraus, also habe ich eine Arterie getroffen. Jetzt machte er es beim Nächsten wiederum. Er wurde ganz irre an sich selber, denn er glaubte immer, daß er daneben gestochen habe, da sich das immer wiederholt hat. Endlich kam er darauf, daß er doch ganz richtig gestochen habe, nur war unter dem Eindrucke der krankmachenden See aus den Leuten etwas geworden, wodurch das Venenblut allmählich rötlich statt bläulich, also wenigstens annähernd rötlich, annähernd der Farbe des Arterienblutes, herausspritzte.
[ 42 ] Of course, the doctor knows that there are two kinds of blood vessels: veins and arteries. Arterial blood spurts out red, while venous blood spurts out bluish. So when you perform a bloodletting—that is, when you pierce a vein—bluish blood must come out. Julius Robert Mayer had to perform many bloodlettings. But with all the sailors who had been on that voyage—who had endured those sickening upheavals at sea—something strange happened whenever he pierced them. “Good heavens,” he said to himself, “now I’ve missed the mark, because red blood is spurting out of the vein—so I must have hit an artery.” Then he tried again with the next person. He became completely confused, because he kept thinking he’d missed the mark, since this kept happening over and over. Finally, he realized that he had, in fact, made the puncture correctly; it was just that, under the influence of the sickening seas, something had happened to the people, causing the venous blood to gradually spurt out reddish rather than bluish—that is, at least approximately reddish, approximately the color of arterial blood.
[ 43 ] So entdeckte unversehens beim Aderlassen der moderne Mensch, der gar keine Anleitung hatte, von Spirituellem aus irgendwelche geistige Zusammenhänge zu suchen, eine gewaltige Tatsache. Aber was sagte er? Der moderne Gelehrte sagte: Jetzt muß ich nachdenken, was da eigentlich geschieht. Da wird Kraft in Wärme und Wärme in Kraft umgewandelt. Das ist dann wie bei der Dampfmaschine. Man heizt, und Bewegung wird hervorgebracht: Arbeit, Arbeit aus Wärme, so auch im Menschen. Und weil der Mensch in eine andere Wärme in der Tropenzone, wohin das Schiff gefahren war, hineingestellt ist, so hat er nicht nötig, jene Umwandelung in blaues Blut vorzunehmen. Es geschieht nach dem Umwandelungsgesetz der Naturkräfte eben die Sache anders. Es sind andere Wärmeverhältnisse im menschlichen Organismus: das Blut wird nicht so blau, sondern es bleibt rot in den Venen.
[ 43 ] Thus, quite unexpectedly, during bloodletting, modern man—who had no guidance whatsoever to seek spiritual connections from a spiritual perspective—discovered a tremendous fact. But what did he say? The modern scholar said: “Now I must think about what is actually happening here.” Here, force is converted into heat and heat into force. It is just like with a steam engine. You apply heat, and motion is produced: work, work from heat—and so it is in the human being as well. And because the human being is placed in a different thermal environment in the tropical zone, where the ship had sailed, there is no need to carry out that conversion into blue blood. According to the law of transformation of natural forces, the process simply unfolds differently. The thermal conditions within the human organism are different: the blood does not turn blue, but remains red in the veins.
[ 44 ] Das Gesetz, das heute anerkannt wird, von der Umwandelung der Stoffe, Kräfte, das wird abgeleitet von dieser Beobachtung.
[ 44 ] The law that is recognized today—the law of the transformation of matter and energy—is derived from this observation.
[ 45 ] Denken wir uns einmal, ein ähnliches wäre einem Arzt passiert, sagen wir, nicht im 19. Jahrhundert, sondern, wenn wir die Verhältnisse ungeändert denken würden, meinetwillen im 11. oder 12. Jahrhundert. Dem wäre niemals eingefallen, das mechanische Wärmeäquivalent von dieser konstatierten Tatsache abzuleiten. Er wäre gar nicht darauf gekommen, so etwas Abstraktes an eine solche Erscheinung anzuknüpfen. Sie können sogar noch an spätere Zeiten denken, denn dem Paracelsus wäre das sicher nicht eingefallen, nicht im Schlafe, obwohl Paracelsus im Schlafe natürlich noch viel gescheiter war als manche andere beim Wachen, aber es wäre ihm ganz sicher nicht eingefallen. Der Arzt, der etwa so wie der Paracelsus gewesen wäre — und für das 19. Jahrhundert war Julius Robert Mayer dasselbe, was Paracelsus für sein Zeitalter -, ein hypothetischer Arzt, der, ich nehme jetzt an, meinetwillen im 10., 11., 12. Jahrhundert gewesen wäre, was hätte der gesagt?
[ 45 ] Let’s imagine for a moment that something similar had happened to a doctor—not in the 19th century, but, assuming conditions remained unchanged, say, in the 11th or 12th century. It would never have occurred to him to derive the mechanical heat equivalent from this observed fact. It would never have occurred to him to link something so abstract to such a phenomenon. You can even think of later times, for it certainly would not have occurred to Paracelsus—not even in his sleep—although Paracelsus was, of course, much wiser in his sleep than many others are when awake, but it would most certainly not have occurred to him. A physician who was something like Paracelsus—and for the 19th century, Julius Robert Mayer was to his era what Paracelsus was to his—a hypothetical physician who, let’s say for my sake, would have lived in the 10th, 11th, or 12th century—what would he have said?
[ 46 ] Nun, noch van Helmont redet vom Archäus, von dem, was wir heute den zusammenwirkenden Äther- und Astralleib nennen. Wir müssen es durch Anthroposophie wiederfinden, nachdem diese Ausdrücke vergessen waren. Der Arzt des 12. Jahrhunderts würde gesagt haben: Da haben wir in der gemäßigten Zone innerhalb des Menschen stark ineinanderwirkend rotes und blaues Blut. Kommen wir mit dem Menschen in die heiße Zone, da unterscheidet sich das Venenblut vom Arterienblut nicht mehr so kräftig, da ist das blaue Venenblut gerötet und das rote Arterienblut mehr gebläut. Da unterscheiden sie sich kaum mehr voneinander. Woher rührt denn das? Der Arzt des 11., 12. Jahrhunderts würde gesagt haben - er hätte es dazumal Archäus oder dergleichen genannt, was wir heute astralischen Leib nennen -: Bei dem Menschen der heißen Zone senkt sich der Archäus weniger tief hinein in den physischen Leib als bei dem Menschen der gemäßigten Zone. Der Mensch der gemäßigten Zone wird mehr von seinem astralischen Leibe durchtränkt, dichter durchsetzt, bei dem Menschen der heißen Zone bleibt der astralische Leib mehr draußen, selbst wenn er wacht. Die Folge davon ist, daß diese Differenzierung, die im Blute vom astralischen Leib bewirkt wird, stärker bewirkt wird bei dem Menschen der gemäRigten Zone, weniger stark bewirkt wird bei dem Menschen der heißen Zone. Der Mensch der heißen Zone hat daher seinen Astralleib freier. Das zeigt uns sein undicklicheres Blut. Er lebt also instinktiv in seinem astralischen Leib, weil der freier ist. Er wird also nicht ein mechanistisch denkender Europäer, er wird ein spirituell denkender Inder, der in seiner Zivilisationshochblüte - nicht jetzt, wo die Dekadenz da ist, sondern in seiner Zivilisationshochblüte eine andere, eine spirituelle Zivilisation, eine Veden-Zivilisation haben muß, während der Europäer eine Comtesche oder eine John Stuart Millsche oder Darwinistische Zivilisation haben muß.
[ 46 ] Well, even van Helmont speaks of the “Archäus,” what we today call the interacting etheric and astral bodies. We must rediscover it through anthroposophy, now that these terms have been forgotten. A 12th-century physician would have said: In the temperate zone within the human being, we find red and blue blood interacting strongly with one another. When we move with the human being into the hot zone, the venous blood no longer differs so markedly from the arterial blood; there, the blue venous blood takes on a reddish hue, and the red arterial blood becomes more bluish. There, they hardly differ from one another at all. Where does this come from? A physician of the 11th or 12th century would have said—he would have called it “Archäus” or something similar back then, what we today call the astral body—that in a person from the hot zone, the Archäus penetrates less deeply into the physical body than in a person from the temperate zone. People in the temperate zone are more thoroughly permeated by their astral body, more densely interwoven with it; for people in the hot zone, the astral body remains more on the outside, even when they are awake. The consequence of this is that this differentiation, which is brought about in the blood by the astral body, is more strongly manifested in people from the temperate zone and less strongly manifested in people from the hot zone. People from the hot zone therefore have a freer astral body. This is evident from their thinner blood. They thus live instinctively within their astral body because it is freer. Thus, he does not become a mechanistically minded European; he becomes a spiritually minded Indian who, at the height of his civilization—not now, when decadence prevails, but at the height of his civilization—must have a different, spiritual civilization, a Vedic civilization, whereas the European must have a Comtean, John Stuart Millian, or Darwinian civilization.
[ 47 ] Von dem Aderlaß her wäre der Arzt des 11., 12. Jahrhunderts zu einer solchen Betrachtung des Anthropos gekommen. Er wäre noch hineingesegelt in die Anthroposophie. Er hätte noch den Weg gefunden ins Geistige, ins lebendig Geistige. Julius Robert Mayer, der Paracelsus meinetwillen des 19. Jahrhunderts, fand noch das Gesetz: Aus Nichts wird nichts, also wandeln sich die Kräfte um -, eine abstrakte Formel.
[ 47 ] Based on the practice of bloodletting, a physician of the 11th or 12th century would have arrived at such a view of the human being. He would have sailed right into anthroposophy. He would still have found his way into the spiritual, into the living spiritual. Julius Robert Mayer—the 19th-century equivalent of Paracelsus, in my view—still discovered the law: “Nothing comes from nothing; thus, forces are transformed”—an abstract formula.
[ 48 ] Dasjenige, was gefunden werden kann wiederum mit der Anthroposophie, das Geistige im Menschen, führt nun auch wiederum zur Moralität hin. Der Zusammenschluß mit der Aufsuchung der moralischen Prinzipien in der «Philosophie der Freiheit» ist gegeben. Dem Menschen wird dadurch wieder eine Geistigkeit eröffnet, wodurch er nicht mehr einen Abgrund hat zwischen Natur und Geist, Natur und Moral, sondern wo er die unmittelbare Verbindung hat.
[ 48 ] That which can be discovered through anthroposophy—the spiritual aspect of the human being—in turn leads back to morality. This connects with the search for moral principles in *The Philosophy of Freedom*. Through this, a spiritual dimension is once again opened up to the human being, so that there is no longer an abyss between nature and spirit, nature and morality, but rather a direct connection.
[ 49 ] Aber Sie sehen aus dem, was ich Ihnen dargestellt habe, das Folgende: Die Koryphäen der neueren Wissenschaft kommen zu den abstrakten Formeln. Diese abstrakten Formeln schwirren natürlich durch den Kopf derjenigen, die heute eine wissenschaftliche Ausbildung gehabt haben. Diejenigen, die diese wissenschaftliche Ausbildung geben, betrachten dieses Gestrüppe von abstrakten Formeln als etwas, woran der heutige Mensch glauben muß. Sie sehen es als den reinsten Wahnsinn an, wenn man nun erzählt, man könne da von der Beschaffenheit des roten und blauen Blutes bis zum Geistigen des Menschen hinaufsteigen.
[ 49 ] But from what I have presented to you, you can see the following: The leading figures in modern science arrive at abstract formulas. These abstract formulas naturally swirl through the minds of those who have received a scientific education today. Those who provide this scientific education regard this tangle of abstract formulas as something that people today must believe in. They consider it sheer madness to suggest that one can ascend from the nature of red and blue blood all the way up to the spiritual realm of the human being.
[ 50 ] Daraus aber ersehen Sie, was dazugehört, wenn nun wirkliche Wissenschafter in die Anthroposophie sich hereinfinden wollen. Da gehört noch etwas anderes dazu als der bloße gute Wille. Es gehört dazu wirklich eine ungeheure Hingabe an eine Vertiefung, wie man sie heute eben nicht gewöhnt ist, gerade am wenigsten gewöhnt ist, wenn man eine wissenschaftliche Bildung hinter sich hat. Was da gebraucht wird, das ist insbesondere Mut, Mut und wieder Mut. Damit aber haben wir das Element angeschlagen, das wir vor allen Dingen brauchen für unsere Seele, wenn wir mit den Lebensbedingungen der Anthroposophischen Gesellschaft rechnen wollen. Sie steht heute in gewisser Beziehung geradezu diametral demjenigen entgegen, was in der Welt beliebt ist. Sie kann also nicht, wenn sie sich beliebt machen will, irgendwelche Aussicht haben. Wir dürfen daher gerade dann, wenn wir die Anthroposophie in die verschiedenen Zweige des Lebens verbreiten wollen, wie das ja seit dem Jahr 1919 unternommen worden ist, nicht die Tendenz einschlagen, uns beliebt machen zu wollen, sondern wir müssen eben aus dem Zentrum des Wesens heraus den Weg gehen, der aus der Geistigkeit selber sich heraus ergibt, wie ich das in Anwendung auf das Goetheanum am heutigen Morgen hier in diesem besonderen Fall entwickelt habe.
[ 50 ] But from this you can see what is required if genuine scientists wish to find their way into anthroposophy. It takes more than mere good will. It truly requires an immense dedication to deep study—the kind to which people today are simply not accustomed, and to which those with a scientific education are least of all accustomed. What is needed here, above all, is courage, courage, and more courage. But with that, we have touched upon the element we need most of all for our souls if we are to come to terms with the conditions of life in the Anthroposophical Society. Today, in a certain sense, it stands in direct opposition to what is popular in the world. Therefore, if it seeks to make itself popular, it has no prospect of success. We must therefore, especially when we wish to spread anthroposophy into the various spheres of life—as has been undertaken since 1919— we must not succumb to the temptation to seek popularity; rather, we must follow the path that arises from spirituality itself, proceeding from the very core of our being—as I elaborated this morning here in this particular case in relation to the Goetheanum.
[ 51 ] Aber so müssen wir überall denken lernen, sonst gleiten wir so ab, daß die Leute mit einem gewissen Recht uns immerfort mit anderen Bewegungen verwechseln und von außen her beurteilen. Geben wir uns energisch selbst eine Struktur, dann gehen wir den Weg, der in der Richtung der Lebensbedingungen der anthroposophischen Bewegung liegt. Aber wir müssen uns jenen Ernst dazu aneignen, der uns dann eben den Mut bringt.
[ 51 ] But we must learn to think this way in every situation; otherwise, we will drift to the point where people—with some justification—will constantly confuse us with other movements and judge us from the outside. If we energetically establish a structure for ourselves, then we will follow the path that leads toward the conditions necessary for the anthroposophical movement. But we must cultivate the seriousness required for this, which will then give us the courage.
[ 52 ] Und wir dürfen nicht übersehen, was nun einmal eben notwendig ist durch den Umstand, daß wir heute als Anthroposophen ein kleines Häuflein sind. Dieses kleine Häuflein will hoffen, daß dasjenige, was heute unter ihm verbreitet wird, unter einer immer größeren und größeren Zahl von Menschen verbreitet werde. Dann wird es unter diesen Menschen eine gewisse Erkenntnisrichtung, eine gewisse sittliche Richtung, künstlerische Richtung, religiöse Richtung geben.
[ 52 ] And we must not overlook what is simply necessary given the fact that we, as anthroposophists, are a small group today. This small group hopes that what is being spread among them today will be spread among an ever-increasing number of people. Then there will be among these people a certain orientation toward knowledge, a certain moral orientation, an artistic orientation, and a religious orientation.
[ 53 ] Aber das alles, was dann vorhanden sein wird durch die Impulse der Anthroposophie und was dann als selbstverständlich angesehen wird, das muß in einem viel höheren Maße bei denjenigen vorhanden sein, die heute ein kleines Häuflein sind. Die müssen sich fühlen als den größtmöglichen Verpflichtungen unterliegend gegenüber der geistigen Welt. Man muß nur verstehen, daß dies instinktiv eigentlich im Urteile der Umgebung zum Ausdrucke kommt.
[ 53 ] But everything that will then come into being through the impulses of anthroposophy—and everything that will then be taken for granted—must be present to a much greater degree in those who today are but a small handful. They must feel that they are subject to the greatest possible obligations toward the spiritual world. One need only understand that this is actually expressed instinctively in the judgment of those around them.
[ 54 ] Durch nichts kann sich die Anthroposophische Gesellschaft mehr schaden, intensiv schaden, als wenn diese Anthroposophische Gesellschaft sich nicht jene Konfiguration gibt in ihren Mitgliedern, durch welche die Leute draußen aufmerksam werden: Im strengsten Sinne des Wortes wollen die Anthroposophen dies oder jenes. So daß sie sie von allen anderen sektiererischen oder sonstigen Bewegungen unterscheiden können.
[ 54 ] Nothing can harm the Anthroposophical Society more—harm it intensely—than if this Anthroposophical Society fails to establish among its members that configuration through which people on the outside take notice: in the strictest sense of the word, the Anthroposophists want this or that. So that people can distinguish them from all other sectarian or other movements.
[ 55 ] Solange aber dies nicht der Fall ist, wird eben das Urteil der Umgebung so herausgefordert, wie es heute herausgefordert wird. Man weiß eigentlich nicht recht, was diese Anthroposophische Gesellschaft will, und wird dann bekannt mit einzelnen Menschen: an denen sieht man von Anthroposophie nichts. Nicht wahr, wenn, sagen wir, sich die Anthroposophen kundgeben würden durch ein so fein ausgeprägtes Gefühl für Wahrheit und Tatsächlichkeit, daß man daran merkt: Das ist ein Anthroposoph, es fällt einem auf, daß er ein so feines Gefühl hat, ja überall nicht weiterzugehen in seinen Behauptungen, als der Realität entspricht, - ja, das gäbe einen Eindruck! Aber ich will heute eben nicht Kritik üben, sondern nur das Positive hervorheben. Tritt das ein? Das muß eben die Frage sein.
[ 55 ] But as long as this is not the case, the judgment of those around us will continue to be challenged, just as it is today. People don’t really know what this Anthroposophical Society wants, and then they get to know individual people: in them, they see nothing of anthroposophy. Wouldn’t it be true that if, let’s say, the anthroposophists were to reveal themselves through such a finely developed sense of truth and reality that one could tell: “That is an anthroposophist”—one would notice that they have such a refined sense, indeed, that they never go beyond what reality allows in their assertions—well, that would certainly make an impression! But I don’t want to offer criticism today; I simply want to highlight the positive aspects. Does this happen? That must be the question.
[ 56 ] Oder wiederum könnte man sagen: Ja, das sind Anthroposophen, sie gestatten sich nicht Geschmacklosigkeiten, sie haben einen gewissen künstlerischen Sinn. Das Goetheanum in Dornach muß doch gewirkt haben. Wiederum würde man wissen: Ja, etwas Geschmackvolles gibt die Anthroposophie ihren Mitgliedern. Man kann sie daran unterscheiden von anderen Leuten.
[ 56 ] Or, on the other hand, one could say: Yes, these are anthroposophists; they do not indulge in bad taste; they have a certain artistic sensibility. The Goetheanum in Dornach must have had an effect. Once again, one would recognize: Yes, anthroposophy gives its members a sense of good taste. That is how one can distinguish them from other people.
[ 57 ] Solche Dinge, sehen Sie, nicht dasjenige, was sich in scharf konturierten Begriffen geben läßt, sondern solche Dinge gehören zu dem, was in der Anthroposophischen Gesellschaft sich entwickeln muß, wenn sie ihre Lebensbedingungen erfüllen will.
[ 57 ] Such things, you see, are not what can be expressed in sharply defined terms; rather, they are part of what must develop within the Anthroposophical Society if it is to fulfill its purpose.
[ 58 ] Oh, es wurde viel von solchen Dingen gesprochen! Aber die Frage mufS immer wieder aufgeworfen werden — und darinnen sollte gerade von dem viel bestehen, was unter Anthroposophen verhandelt wird —, wie man der Anthroposophischen Gesellschaft ein ganz bestimmtes Gepräge gibt, wodurch die Menschen wissen: Das ist etwas, was sie schon so von den anderen unterscheidet, daß man sie nicht mehr mit anderen verwechseln kann.
[ 58 ] Oh, there has been a lot of talk about such things! But the question must be raised again and again—and this should be a major focus of what is discussed among anthroposophists—namely, how to give the Anthroposophical Society a very distinct character, so that people know: This is something that sets them apart from others to such an extent that they can no longer be confused with anyone else.
[ 59 ] Man muß diese Dinge eben gefühlsmäßig andeuten. Denn da, wo Leben herrschen muß, da können nicht Programme gegeben werden. Aber fragen Sie einmal, ob innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft das schon ganz überwunden ist: Man macht es so, man tut das so, man muß sich nach dem oder jenem richten —- und ob der Impuls stark ist, überall zu fragen: Was sagt Anthroposophie selber? Es braucht nicht in einem Vortrage zu stehen: aber dasjenige, was in Vorträgen steht oder gesagt worden ist, dringt in die Herzen, und das gibt gewisse Richtungen.
[ 59 ] One simply has to hint at these things intuitively. For where life must reign, there can be no set programs. But ask yourself whether this has already been fully overcome within the Anthroposophical Society: ‘This is how it’s done,’ ‘that’s how you do it,’ ‘you must follow this or that’—and whether there is a strong impulse to ask everywhere: ‘What does anthroposophy itself say?’ It need not be stated in a lecture; but what is written in lectures or has been said penetrates into people’s hearts, and that provides certain directions.
[ 60 ] Ehe nicht, meine lieben Freunde - ich muß das auch hier sagen -, Anthroposophie genommen wird wie ein lebendiges Wesen, das unsichtbar unter uns herumwandelt und demgegenüber man sich verantwortlich fühlt, eher kann das kleine Häuflein Anthroposophen nicht als ein Musterhäuflein voranschreiten. Und voranschreiten als ein Musterhäuflein müßte das kleine Häuflein Anthroposophen.
[ 60 ] Not until—my dear friends, I must say this here as well—anthroposophy is regarded as a living being that walks invisibly among us and toward which we feel a sense of responsibility, will the small group of anthroposophists be able to move forward as a model group. And this small group of anthroposophists ought to move forward as an exemplary group.
[ 61 ] Wenn man in irgendeine der theosophischen Gesellschaften gekommen ist — es gab ihrer viele —, so hatten die ja die bekannten drei Grundsätze, Ich habe schon gestern darüber gesprochen, wie wir sie ansehen sollen. Der erste Grundsatz war: Begründung allgemeiner menschlicher Brüderlichkeit ohne Unterschied von Rasse, Volk und so weiter. Ich machte gestern darauf aufmerksam, daß darüber ja nachgedacht werden soll, ob das wie ein Dogma hingestellt werden soll.
[ 61 ] If one joined any of the theosophical societies—and there were many of them—they all adhered to the well-known three principles. I already spoke yesterday about how we should view them. The first principle was: the establishment of universal human brotherhood without distinction of race, nationality, and so on. Yesterday I pointed out that we should consider whether this should be presented as a dogma.
[ 62 ] Aber bedeutsam ist es doch, daß man so etwas trifft. Nur muß es real werden, Es muß tatsächlich nach und nach eine Realität werden. Das wird es aber, wenn die Anthroposophie selbst wie ein lebendes, übersinnliches, unsichtbares Wesen wandelnd unter den Anthroposophen angesehen wird. Dann wird vielleicht weniger von Bruderschaft geredet werden, weniger von allgemeiner Menschenliebe geredet werden, aber sie wird mehr in den Herzen leben, und man wird schon an dem Ton, mit dem die Menschen dasjenige aussprechen, was sie mit der Anthroposophie verbindet, man wird schon an dem Ton merken, mit dem einer dem anderen dies oder jenes sagt, daß es für ihn etwas bedeutet, daß der auch einer ist, der, wie er, der unsichtbaren Wesenheit Anthroposophie anhängt.
[ 62 ] But it is significant, after all, that one encounters something like this. It just has to become real; it must gradually become a reality. And it will become so when anthroposophy itself is regarded by anthroposophists as a living, supersensible, invisible being walking among them. Then perhaps there will be less talk of brotherhood, less talk of universal love for humanity, but it will live more deeply in people’s hearts, and one will already notice—from the tone with which people express what connects them to anthroposophy— one will already notice from the tone with which one person says this or that to another that it means something to him, that the other is also someone who, like him, is devoted to the invisible entity of anthroposophy.
[ 63 ] Wir können ja auch einen anderen Weg wählen. Wir können den Weg wählen, lauter Cliquen zu bilden, uns so zu verhalten, wie es nun einmal in der Welt geworden ist, bei Five o’clock teas oder zu sonstigen Teegesellschaften oder dergleichen zusammenzukommen, sich untereinander zu verständigen und allenfalls sich noch zusammenzusetzen zu Vorträgen. Wir können es auch so machen. Wir können auch kleine Cliquen, kleine Kreise bilden. Aber eine anthroposophische Bewegung kann selbstverständlich nicht in einer solchen Gesellschaft leben. Eine anthroposophische Bewegung kann nur in einer Anthroposophischen Gesellschaft leben, die eine Realität ist. Da müssen dann aber die Dinge mit wirklich großem Ernste genommen werden. Da muß man in jedem Augenblicke seines Lebens fühlen, daß man mit der unsichtbaren Wesenheit der Anthroposophie verbündet ist.
[ 63 ] We could, of course, choose a different path. We could choose to form all sorts of cliques, to behave as is now customary in the world—gathering for five o’clock teas or other tea parties or the like, communicating among ourselves, and perhaps even coming together for lectures. We can do it that way, too. We can also form small cliques, small circles. But an anthroposophical movement, of course, cannot thrive in such a society. An anthroposophical movement can only exist within an Anthroposophical Society that is a reality. But then things must be taken with truly great seriousness. One must feel, at every moment of one’s life, that one is allied with the invisible essence of anthroposophy.
[ 64 ] Wenn das Gesinnung würde, Gesinnungswirklichkeit, wenn auch nicht von heute auf morgen, so aber in längeren Zeiträumen, dann würde innerhalb von, sagen wir einundzwanzig Jahren, ganz gewiß ein Impuls entstehen. In dem Momente, wo man so etwas hört, wie ich es zum Beispiel gestern wiederum von den Gegnern vorgebracht habe, würde in den Herzen der nötige Impuls leben. Ich sage gar nicht, daß daraus gleich eine reale Tat hervorgehen muß, aber der nötige Impuls würde in den Herzen leben: dann würden schon die Taten auch entstehen.
[ 64 ] If this were to become a mindset—a reality of mindset—even if not overnight, but over a longer period of time, then within, say, twenty-one years, an impulse would most certainly arise. The moment people hear something like what I heard again yesterday from our opponents, for example, the necessary impulse would take root in their hearts. I’m not saying that this must immediately result in concrete action, but the necessary impulse would take root in their hearts: then the actions would follow on their own.
[ 65 ] Wo die Taten nicht entstehen, sondern wo nur die Gegner Taten verrichten und sich organisieren, da muß eben der rechte Impuls nicht vorhanden sein, da muß es einem noch lieber sein, nun ja, so richtig ‚bequem weiterzuleben und eben auch im Auditorium zu sein, wenn von Anthroposophie geredet wird. Aber das genügt jedenfalls nicht, wenn die Anthroposophische Gesellschaft gedeihen soll. Soll sie gedeihen, dann muß in der Anthroposophischen Gesellschaft Anthroposophie wirklich drinnen leben. Und ist das der Fall, dann kann auch schon im Laufe von einundzwanzig Jahren etwas Bedeutsames geschehen, auch in einer noch kürzeren Zeit. Ich rechne nach: Einundzwanzig Jahre besteht aber die Gesellschaft schon!
[ 65 ] Where actions do not arise, but where only opponents take action and organize themselves, the right impulse must simply be absent; in such cases, one must prefer—well, to continue living comfortably and simply be present in the auditorium when anthroposophy is being discussed. But that is certainly not enough if the Anthroposophical Society is to flourish. If it is to flourish, then anthroposophy must truly be alive within the Anthroposophical Society. And if that is the case, then something significant can happen even within twenty-one years—or in an even shorter time. Let me do the math: The Society has already existed for twenty-one years!
[ 66 ] Nun, da ich nicht Kritik üben will, möchte ich Sie nur auffordern, nun die Selbstbesinnung so weit zu treiben, zu fragen: Ist nun wirklich von jedem einzelnen an jedem einzelnen Platze überall dasjenige getan worden, was aus dem Zentrum des Anthroposophischen heraus empfunden ist?
[ 66 ] Well, since I do not wish to offer criticism, I would simply like to urge you to take your self-reflection a step further and ask: Has everyone, in every single place, truly done what is felt to be right from the heart of anthroposophy?
[ 67 ] Wenn Sie etwa darauf kommen sollten, daß der eine oder der andere das bis heute nicht so empfunden hat, dann bitte ich Sie, fangen Sie morgen an, oder noch heute abend, denn es würde nicht gut sein, wenn die Anthroposophische Gesellschaft zerfallen würde. Aber zerfallen wird sie ganz sicher, wenn sie, da sie jetzt zu alledem, was sie schon hat an äußeren Begründungen, auch noch das Goetheanum wieder aufbaut, wenn nicht jenes Bewußtsein entsteht, von dem ich in diesen Vorträgen gesprochen habe, wenn diese Selbstbesinnung nicht da ist. Dann aber, wenn sie zerfällt, wird sie sehr rasch zerfallen. Aber das hängt ganz von dem Willen derer ab, die innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft sind.
[ 67 ] If, for example, it should occur to you that one person or another has not felt this way until now, then I ask you to begin tomorrow, or even tonight, because it would not be good if the Anthroposophical Society were to fall apart. But it will certainly fall apart if, now that it is rebuilding the Goetheanum on top of all the external justifications it already has, that consciousness I have spoken of in these lectures does not arise, if that self-reflection is not present. But then, if it does fall apart, it will fall apart very quickly. But that depends entirely on the will of those who are within the Anthroposophical Society.
[ 68 ] Anthroposophie wird sicher nicht aus der Welt geschafft. Aber sie könnte für Jahrzehnte und länger, ich möchte sagen, in einen latenten Zustand zurücksinken und dann später wieder aufgenommen werden. Es wäre aber Ungeheures verloren für die Entwickelung der Menschheit. Das muß bedacht werden, wenn man im Ernste an die Selbstbesinnung herantreten will, die ich eigentlich gemeint habe mit diesen Vorträgen. Aber ich habe ganz sicher nicht gemeint, daß man wiederum große Worte machen soll, da oder dort wiederum Programme aufsetzen soll, erklären soll: Wenn es sich um das oder jenes handelt, stellen wir uns ganz zur Verfügung. Das haben wir ja immer getan. Sondern dasjenige, um was es sich handelt, ist, daß wir in uns das innere Zentrum unseres Wesens finden. Wenn wir dieses Suchen nach dem inneren Zentrum unseres Wesens mit dem in dem anthroposophischen Weisheitsgut enthaltenen Geiste tun, dann finden wir auch den anthroposophischen Impuls, den die Anthroposophische Gesellschaft als ihre Lebensbedingung braucht.
[ 68 ] Anthroposophy will certainly not be wiped out. But it could sink back into a latent state for decades or longer—I would say—and then be taken up again later. But an immense loss would result for the development of humanity. This must be borne in mind if one wishes to approach self-reflection in earnest—which is what I actually meant by these lectures. But I certainly did not mean that one should once again make grand statements, draw up programs here and there, or declare: “When it comes to this or that, we are entirely at your disposal.” After all, we have always done that. Rather, what is at stake is that we find within ourselves the inner center of our being. If we undertake this search for the inner center of our being with the spirit contained in the anthroposophical body of wisdom, then we will also find the anthroposophical impulse that the Anthroposophical Society needs as its condition for life.
[ 69 ] Ich habe gerade in diesen Vorträgen weniger Kritik üben wollen. Die ist ja in der letzten Zeit viel geübt worden, vieles ist bei dieser oder jener Gelegenheit gesagt worden. Ich wollte jetzt mehr durch einen historischen Überblick über einiges — wollte ich alles sagen, würden diese Vorträge eben nicht ausgereicht haben -, durch die Betrachtung der anthroposophischen Sache die Handhabung des Rechten eigentlich nur anregen. Und ich denke, gerade diese Vorträge könnten Veranlassung dazu sein, daß über sie nachgedacht würde, daß sie sozusagen besonnen würden. Dazu hat man immer Zeit, denn das kann zwischen den Zeilen des Lebens, zwischen den Zeilen jenes Lebens, das mit den Forderungen der Außenwelt kommt, getan werden.
[ 69 ] I have deliberately sought to offer less criticism in these lectures. There has been plenty of criticism lately, and much has been said on this or that occasion. I wanted instead, through a historical overview of certain matters—if I were to say everything, these lectures simply would not have been sufficient—and through a consideration of the anthroposophical cause, to merely encourage a proper approach to these matters. And I think these lectures in particular could serve as an occasion for reflection on them—for them to be, so to speak, pondered. There is always time for this, for it can be done between the lines of life—between the lines of that life which comes with the demands of the outside world.
[ 70 ] Das wollte ich Ihnen gerade durch diese Vorträge wie in einer Art von Selbstbesinnung für die Anthroposophische Gesellschaft recht ans Herz legen. Wir brauchen heute durchaus eine solche Selbstbesinnung. Wir sollten nicht vergessen, daß wenn wir zu den Quellen des anthroposophischen Lebens gehen, vie] mit ihnen gewirkt werden kann. Tun wir es nicht, dann verlassen wir eben die Wege, auf denen gewirkt werden kann.
[ 70 ] That is precisely what I wanted to impress upon you through these lectures—as a kind of self-reflection for the Anthroposophical Society. We certainly need such self-reflection today. We should not forget that when we return to the sources of anthroposophical life, much can be accomplished through them. If we do not do so, then we simply stray from the paths along which work can be done.
[ 71 ] Wir stehen vor so großen Aufgaben wie vor dem Wiederaufbau des Goetheanum. Da können unsere Herzenserwägungen wahrhaftig nur von wirklich großen Impulsen ausgehen, da dürfen wir nicht von Kleinlichem ausgehen. Das sagte ich heute morgen zu denen, die da waren, das wollte ich auch heute abend von einem gewissen Gesichtspunkte wiederum vor Sie hinstellen.
[ 71 ] We are facing tasks as immense as the reconstruction of the Goetheanum. In this context, our heartfelt considerations can truly stem only from truly great impulses; we must not proceed from a petty perspective. I said this this morning to those who were present, and I wanted to present it to you again this evening from a certain point of view.
