Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Art in the Light of Mystery Wisdom
GA 275

1928

Translate the original German text into any language:

Geleitwort von Marie Steiner

Introduction by Marie Steiner

zu der Schriftenreihe «Kunst im Lichte der Mysterienweisheit»

Not translated

[ 1 ] Nur diejenigen werden verstehen können, was in der Schriftenreihe «Kunst im Lichte der Mysterienweisheit» an Erneuerungsimpulsen der Menschheit gegeben wird, welche das Wesen der Geisteswissenschaft voll in sich haben aufnehmen können; so aufnehmen können, daß ihnen die Konkretheit der geistigen Welt, ihre gestaltungsreiche Wesenhaftigkeit, eine Selbstverständlichkeit geworden ist. In der vollen Wehr des wissenschaftlichen Rüstzeugs der Gegenwart und in schärfster Gedankengeschlossenheit hat Rudolf Steiner sie den Menschen seiner Zeit nahegebracht und sie darauf hingewiesen, wie der Menschheit Ich in den Brennpunkt der Bewußtseinsentwickelung gestellt ist, wie sie wissend dieses Ich ergreifen muß. Ein Weg der lebensdurchpulsten, lebenserhärteten, aber auch besonnenen und durchsonnten Ergreifung des Ich ist die Kunst. Es ist einer der gesündesten und der aufschlußreichsten, einer der geradesten, der am spätesten von seiner Ursprungsstätte, dem Tempel der Mysterienweisheit, abgebogen ist und nicht so schnell verschüttet werden konnte, wie es der Weg der Religion wurde durch die Machtsucht der Kirche, der Weg der Wissenschaft durch die Denk-Erstarrung der materialistischen Zeitströmung. Daß diese drei Wege sich wieder finden können, daß Kunst, Wissenschaft und Religion sich wieder verbinden und durchdringen mögen, dafür hat Rudolf Steiner unter uns gewirkt. Jedem dieser Wege hat er seine volle Aufmerksamkeit zugewandt; in ihrer lebendigen Synthese sah er das Heil der Menschheit. So, wie sie einst zusammenwirkten in den uralt heiligen Mysterien und von dort aus alle Kulturen der Erde ins Leben riefen, durchleuchteten und nährten, so müssen sie wieder im wissenden Erfassen ihres einheitlichen geistigen Ursprungs einander genähert und verbunden werden. Ein Wissen dieser lebensvoll wesenhaften Gemeinschaft hat heute die Menschheit in sich zu erwecken. Sie kann es in voller Freiheit auf den Wegen der prüfenden Einsicht und der Arbeitspraxis, wenn sie sich nicht selbst furchtsam verschließt vor den ihr überlegenen, noch unbekannten Kräften; wenn sie sich nicht beugt unter den Zwang priesterlicher Beeinflussung, unter die Autorität dogmatischer Wissenschaftlichkeit. Die Etappen des Weges sind ihr erschlossen in weisheitsvoller unpersönlichster Führung durch einen Wissenden, der sich nicht gewandt hat an das Unterwerfungs- und Devotionsbedürfnis der Menschheit, sondern an ihr Erkenntnisvermögen, entsprechend den Forderungen der Zeit.

[ 1 ] The impulses of regeneration given to mankind in this series of lectures, Art as Seen in the Light of Mystery Wisdom,1Art as Seen in the Light of Mystery Wisdom: In the set of publications, the following eight lectures were published in six numbers: I. ‘Impulses of Transformation for the Artistic Evolution of Mankind’, 29th and 30th December 1914 (in the present volume); II. ‘The Supersensible Origin of the Artistic’, Dornach, 12th September 1920 (in Kunst und Kunsterkenntnis, Bibl. No. 271, GA 1961); III. ‘Human Utterance through Tone and Word’, Dornach, 2nd December 1922 (in Das Wesen des Musikalischen und das Tonerlebnis im Menschen, Bibl. No. 283, GA 1975); IV. ‘Truth, Beauty, and Goodness’, Dornach, 19th January 1923 (in Lebendiges Naturerkennen, Bibl. No. 220, GA 1966); V. ‘The Realisation of Tone in the Human Being’, Stuttgart 7th March 1923 and 8th March 1923 (in Bibl. No. 283, GA 1975); VI. ‘The World of the Hierarchies and the World of Tone’, Dornach, 16th March 1923 (in Bibl. No. 222, GA 1976). Numbers VII, VIII and IX followed later with Rudolf Steiner's GA291/English/RSPC1935, Rudolf Steiner Press, London 1983. will only be understood by those who are able to assimilate the nature of spiritual science fully in such a way that for them the concreteness of the spiritual world, its richness of form and being, has become a self-evident fact. Rudolf Steiner, fully equipped with the most modern scientific methods and with the utmost singleness of thought, has brought the reality of the spiritual world close to his contemporaries and has shown them how the ego of mankind is placed at the focal point of the development of consciousness and how mankind must grasp this ego with full knowledge. One path towards the grasping of the ego in the fullness of life's experience, but also in sun-filled contemplation, is the path of art. It is one of the healthiest and most revealing and most direct; it was the last to leave its source in the temple of mystery wisdom and has not been so quickly buried as has the path of religion by the passion of the church for power or the path of science by the rigidity of thought born out of the materialistic age. For these three paths once more to find each other, for art, science and religion once more to unite and intermingle—it was for this that Rudolf Steiner worked among us. He turned his fullest attention to each of these paths; in their living synthesis he saw the salvation of mankind. They worked together once in the ancient, holy mysteries, bringing into existence and filling with light and nourishment all the cultural epochs of the earth; in the same way they must again be brought together and reunited through the knowledge of their undivided spiritual origin. Man must now awaken within himself a knowledge of this living and essential union. This he can do in complete freedom through careful investigation and practice, if he does not timidly close his being in the face of superior and as yet unknown powers, if he does not bow before the restraining influence of the church, nor before the authority of dogmatic science. The stages along the path have been revealed to man under the wise and entirely impersonal guidance of one who knows it and who, in conformity with the demands of our time, has not appealed to the human craving for submission and devotion but only to men's capacity for knowledge.

[ 2 ] Die erste Etappe ist das Studium; Voraussetzung also für das Verständnis desjenigen, was in den Vorträgen dieser Schriftenreihe dargelegt wird, ist das Studium der Geisteswissenschaft. In dem Schriftenverzeichnis, das den Einzelheften beigefügt ist, werden Werke Rudolf Steiners genannt, die eine Grundlage geben können für das Eindringen in die Mysterien, die dem künstlerischen Schaffen des Menschen zugrunde liegen. Ihre vom Übersinnlichen her wirkenden Impulse sollen nun aus der Dumpfheit des Unterbewußten in die Wachheit des IchBewußtseins hinübergeführt werden. Die Kunst ist auf dem Wege zu verdorren; auch sie hat sich bereits abgeschnürt von ihrer geistigen Lebensquelle. Auf den Wegen der sinnlichen Beobachtung und der Nachahmung physischer Zufälligkeiten, auf den Wegen des Überwucherns der Persönlichkeit hat sie sich völlig entfernt von ihrem Ursprung. Die zerrissenen Fäden wieder anzuknüpfen, zurückzufinden zum Ursprungsgeist, und mit den neu errungenen Kräften der wachen Persönlichkeit, die ihren Ewigkeitswert kennt, den verlorenen Weg wieder zu betreten, in erkenntnisfroher Freiheit, das ist die Aufgabe der gegenwärtigen Menschheit. Dazu soll ihr helfen die tiefe Weisheit und Schönheit, die Kraft, die aus diesen nun der Öffentlichkeit zu übergebenden Worten Rudolf Steiners zu uns sprechen.

[ 2 ] The first stage is study; the basis for understanding what is presented in this series of lectures is the study of spiritual science. The works of Rudolf Steiner can supply this basis for penetrating the mysteries which are the foundation of man's artistic creativity. Their impulses, acting from the super-sensible sphere, must now be led from the dullness of the subconscious into the wakefulness of ego-consciousness. Art is beginning to wither; art, too, has already choked the flow from its living spiritual source. Observation through the senses, imitation of fortuitous situations on the physical plane, over-emphasis of the personality: along these paths art has moved right away from its spiritual origin. To tie the torn threads together again, to recover the original spirit, once more to tread the lost road in freedom and the joy of knowledge with the newly-acquired forces of the awakened personality: this is the task of mankind today. It is hoped that the deep wisdom, the beauty and the strength speaking out of the words of Rudolf Steiner published in this book will be a help to this end!

[ 3 ] Gesprochene Worte waren es, nicht für die Herausgabe bestimmte. Das eifrige Nachschreiben der Zuhörer war Rudolf Steiner nicht lieb, und der Vervielfältigung, dem Druck des gesprochenen Wortes stand er abwehrend gegenüber. Sein Stilgefühl litt darunter, da er anders empfand für das gesprochene, anders für das geschriebene Wort. Die Nachschriften schienen ihm immer mangelhaft, da es ihm bei dem Verkünden okkulter Wahrheiten auf die feinste Nuancierung, auf die subtilste Wort- und Satzwendung ankam. Auch wünschte er, daß sein Wort lebendig in den Seelen wirke und nicht im Schriftenschrank verstaube. Doch war es der rücksichtslose Wille seiner Zuhörer, der die Notwendigkeit schuf, nachzugeben. Sie entstand dadurch, daß zu viel Unberufene ihre Niederschriften vervielfältigten und verbreiteten und daß eine Korrektur dieses Übels nur dadurch entstehen konnte, daß die bestmögliche Nachschrift den andern entgegengestellt wurde und als einzig berechtigte galt. So zeitigte ein Böses zuletzt ein Gutes. Dem Geber freilich brachte es Schmerz und böswillige Deutung von seiten der erbitterten Feinde, jener Gegner esoterischer Weisheit, die wie die Fledermäuse das Licht hassen. Die Zeit aber verlangt sie. Das einzige Mittel gegenüber dem Überwuchern phantastischer, dilettantischer Okkultismen ist die mit allem Wissen der Zeit gerüstete Weisheit. Aus vielen Zuschriften von Außenstehenden geht hervor, daß ihnen das Werk Rudolf Steiners das Leben erst lebenswert machte. Wir dürfen nichts mehr verheimlichen, mit nichts zurückhalten, denn die Wahrheit allein kann Lüge und Tod besiegen.

[ 3 ] Not translated

[ 4 ] Der große Geber ist nicht mehr da, aber sein Wort wird weiter wirken. Die trägen Seelen öffnen sich allmählich; das verholzte Denken erschließt sich Schritt für Schritt der Wesenhaftigkeit geistiger Zusammenhänge und ihrer kündenden Schönheitskraft, wie sie aus seinen Worten uns entgegenleuchten. Und sollten sie verspottet und in den Staub gezerrt werden, ihm kann es nichts mehr antun. Die Menschheit hat ihm alles Leid zugefügt, das sie einem Großen zufügen kann. Er hat sie mit seiner vollen Liebe umfaßt. Sein Wort soll ihr weiter helfen.

[ 4 ] Not translated

[ 5 ] Lange genug irrten wir im Finstern. Ein Licht ist uns entzündet worden, das unsere Seelen läutern kann; noch sind wir zu sehr betäubt von dem schwelenden Dunstkreis unsrer materialistischen Zeitkrankheiten. Aber das uns gebrachte Licht ist so strahlend und lebenweckend, daß, wenn wir nur aufräumen wollen mit dem in uns aufgehäuften Schutt, wir an des Lichtes Kraft genesen müssen.

[ 5 ] Not translated

[ 6 ] In jeder Kunst wird gedarbt, auf jedem Gebiete des Lebens fühlt man die Verdorrung um sich greifen. Sieghaft schreiten vorwärts allein die Technik und die Mechanik. Die Mechanik hat sich nun auch der Kunst bemächtigt, hat sogar die geistigste Kunst, die Musik, geknebelt und sich dienstbar gemacht. Die Menschheit merkt ja kaum, was da an unterseelischem Zersetzungsgift in sie hineindringt. Der Übergang vom Geist zum Untersinnlichen geschah ja fast unmerklich: all das seelenlose, hölzerne Klaviergeklapper, das erotische Tönegetändel, die nervenzerreißenden musikalischen Psychosen wurden ziemlich willenlos hingenommen als Zeitvertreib, als Sinnenkitzel oder Nervenaufpeitschung. Die Menschheit merkte kaum, wohin sie trieb, weil ihr geistiger Sinn eingelullt war und weil über die Seelenöde hinüber die Großen der Musik noch ihre riesigen Schatten warfen: der musikalische Alltag schien daneben belanglos. Jetzt aber zeigen sich die Folgen dieser Duldung. Wir sind in den Zwang der Musikmaschine geraten; sie verfolgt uns bis in das Walten der Natur hinein. Sie treibt uns hinein in das Untersinnliche, in den Bereich der Dämonie.

[ 6 ] Not translated

[ 7 ] Eine Erneuerung der Kunst wird nicht stattfinden können durch Liebäugeln mit moderner Dekadenz und durch Kompromisse; nur durch die Wiederkehr zu den geistigen Quellen des Lebens. Wer an diesen Quellen getrunken hat, wie dürfte der es verantworten, die Menschheit darben zu sehen und ihr nicht das Heil zuzuführen, an dem sie gesunden kann?

[ 7 ] A renewal of art will never be brought about by dallying with modern decadence or by compromise, but only by a return to the spiritual founts of life. How great is the responsibility of anyone who has drunk at these springs. Surely he cannot see mankind thirsting without pointing out the remedy which could restore health?

[ 8 ] Jenes Heil liegt in der Erschließung der Mysterienweisheit, die in einer der gegenwärtigen Menschheit zugänglichen Form ihr wiedergegeben werden muß. Die neue Initiationswissenschaft muß an der Menschheit Denkkräfte appellieren, an ihr Kunst- und Stilgefühl und ihren ewigen Wesenskern, indem sie auf jedem dieser Gebiete zur Bewußtseinswachheit aufruft.

[ 8 ] The remedy lies in unlocking the wisdom of the mysteries and presenting it to humanity in a form adapted to contemporary demands. The new initiation science must call upon man's power of thought, his sense of art and style, and also the eternal essence of his being, by summoning him to conscious alertness in all these domains.

[ 9 ] Durch Wort und Bild und Tat wurde Rudolf Steiner ein Rufer zur Wachheit auf jedem dieser Gebiete. Er schuf Richtunggebendes in der Kunst. Er löste sie aus der Starrheit und brachte sie in die Bewegung; er gab dem Ertöteten wieder Leben. Vielleicht hätte die Fülle der Aufgaben auf anderen Gebieten ihm nie die Gelegenheit geboten, alle Bereiche der Kunst befruchtend zu durchschreiten, wenn nicht die Errichtung des Goetheanums diese Aufgabe von ihm gefordert hätte, der Weltkrieg aber durch die Unterbindung eines Teiles seiner Tätigkeit die Zeitmöglichkeit geschaffen hätte.

[ 9 ] Through words, pictures and deeds Rudolf Steiner summoned human beings to wakefulness in each of these three spheres. He has created works that give art a new orientation. He has delivered it from rigidity and brought movement into it; he has restored life to what had been strangled. Perhaps his manifold obligations in other domains would never have given him the chance to revive all the realms of art as he did, if the erection of the Goetheanum2The first Goetheanum, destroyed by fire on New Year's night, 1922–3. had not demanded it of him and if the World War, by curtailing some of his other activities, had not given him the time.

[ 10 ] Im Goetheanum konnte Rudolf Steiner den in ihm lebenden architektonischen Gedanken verwirklichen. Er durfte ihn dem lebendigsten Baumaterial, dem Holz, anvertrauen. Es entstand ein Werk unsagbarer Schönheit, erschütternd durch die Weckekraft, die seinen Formen, deren Umbildung in organischer Entwickelungsfolge, die dem gegenseitigen Verhältnis der Richtungen, Hebungen, Senkungen und ihren Proportionen entsprang. Zahl, Maß und Gewicht siegten in ihrem schwingenden, hebenden, richtenden Dreiklang. Der Bau stand da als Mensch, der Mensch als Bau. Das Werden der Welten, das Werden und Wirken des Menschen, die Taten der Götter waren in ihn hineingeschrieben, waren offenbart in den Farbenflutungen der Kuppel, in dem organischen Wachstum der Saulen- und Architravmotive, in den Fensterlichtgebilden. Skulptur und Malerei gingen über sich hinaus, überwanden die Linie und gingen in die Bewegung über. Die Farbe schuf von innen heraus die Gestaltung, aus ihrer eigenen schöpferischen Beseeltheit. In der neu aufblühenden Kunst, der Eurythmie, waren Ton und Sprache Bewegung geworden und in die Sichtbarkeit getreten durch das Instrument des menschlichen Körpers. Die also sichtbar gewordenen schöpferischen Kräfte der Sprache wirkten wiederum belebend zurück auf die anderen Künste, entzündeten geistiges Schaffensfeuer. Der ihm innewohnende innere Ton konnte den lufterzeugten Ton ergreifen, ihn durchgeistigen und in höhere Sphären heben. Das «Haus der Sprache» hatte Rudolf Steiner seinen Bau genannt. Alle Künste hatten dort eine Heimstätte gefunden und Wissenschaft und Mysterienweisheit. Die Synthese von Kunst, Wissenschaft und Religion war wieder vollzogen.

[ 10 ] In the Goetheanum, Rudolf Steiner was able to realise his living thoughts about architecture. He could entrust them to wood, the most alive of all building materials. A work of inexpressible beauty came into being, deeply affecting to the beholder by reason of the stirring force which went forth from its forms in their succession of organic developments and from the counterbalancing relations of direction—the proportions of upward movement and downward movement. Number, dimension and weight were triumphant in a triad of sweep, elevation and direction. The building stood as man, and man as building. The genesis of worlds, the genesis and deeds of mankind, the deeds of the gods were all inscribed in it; they were revealed in the waves of colour in the dome, in the organic growth of motifs in columns and architraves, in the luminous creation of the windows. Sculpture and painting passed beyond their own sphere, conquered line and were transformed into movement. Colour created form from within by virtue of its own creative soul quality. In the newly-blossoming art of eurythmy, tone and speech became movement and were made visible through the instrument of the human body. The creative forces of speech thus made visible were reflected back to the other forms of art, reviving them and kindling the fire of spiritual creativity. The inner tone of creativity was able to grasp the physical tone that moulds the air, filling it with spiritual substance and elevating it to higher spheres. Rudolf Steiner called his building the House of Speech. All forms of art, together with science and mystery wisdom, had found a home there. The synthesis of art, science and religion was once more accomplished.

[ 11 ] Ein solcher Bau kann nicht wieder entstehen. Es sei denn, daf3 die Menschen, die als ausführende Künstler an ihm gearbeitet haben, wieder in die Lage versetzt werden, ihr Erlerntes, ihr Erlebtes in ein gleiches Werk umzusetzen.

[ 11 ] Such a building cannot rise again, unless perchance it shall be granted to the individuals who executed the artistic work to transform what they have learned and experienced into another structure like it.

[ 12 ] Sonst sinkt als Erinnerung in die Vergangenheit zurück, jedoch als geistiger Keim einer neuen Zukunft entgegen ein Werk, das machtvoll die Menschheit schon heute hätte fördern können auf ihrem Entwickelungswege zum Geiste hin. Mit den Flammen der Silvesternacht von 1922/23 ist ein ungeheurer Fortschrittsimpuls für die Menschheit zunächst vernichtet worden.

[ 12 ] Otherwise a work that even by this time might have been an immense help for the spiritual development of mankind will sink back as a memory into the past, yet bearing within it a spiritual germ for a new future. The flames on the eve of the New Year 1923 have for the present destroyed a mighty impulse for progress.

[ 13 ] Die retardierenden Mächte haben es so gewollt. Sie haben den Pöbel gegen Rudolf Steiner gehetzt und versuchen auch jetzt, sein Gedächtnis zu schwärzen. Aber das nachhallende Gekläff kann sein geistiges Werk nicht mehr zerstören. Dazu ist es zu tief verankert in der Bodenständigkeit geistiger Wesenhaftigkeit und in den seelischen Bedürfnissen unserer Zeit.

[ 13 ] The retarding powers have willed it so. They incited the mob against Rudolf Steiner and are still at work trying to blacken his memory. But the resounding clamour is impotent to destroy his spiritual work. For it is rooted too firmly in the soil of spiritual reality and in the needs of contemporary souls.

[ 14 ] Der neue Bau ist in dem starrsten Material errichtet: dem Beton. Burgartig ragt er empor, aber nicht sich abschließend zu Trutz und Wehr. Wie eine Arbeitsstätte des Geistes, willkommen heißend alle, die ringen wollen um das edelste Gut der Welt- und Menschenerkenntnis, strahlt er hinaus in die Landschaft.

[ 14 ] For the new building,3The second Goetheanum, now the centre of the General Anthroposophical Society. the most rigid material has been employed: concrete. Like a fortress it stands, but not withdrawn in defiance. An abode for spiritual striving, it radiates over the landscape, welcoming all who desire to strive for that noblest of treasures, the knowledge of the world and of man.

[ 15 ] Das neue Goetheanum erhebt nicht den Anspruch, in seiner Ausgestaltung und Wirkung auch nur ein wenig mit dem in Flammen untergegangenen zu konkurrieren. Wohl ragt seine äußere Form mächtig empor in kühner, harmonischer Schönheit, ein letztes Geschenk des dahingeschiedenen Meisters der Schönheitsimpulse. Als er diese Form geschaffen hatte, legte er Hammer, Kelle und Richtmaß nieder und schuf noch eine Weile still am Wort, bevor er uns verließ. Das Werk am Bau setzen nun seine Schüler fort in dem Maß der ihnen gegebenen Kräfte.

[ 15 ] The new Goetheanum does not claim to compete in form or effect in any way with its predecessor which was destroyed by fire. Nevertheless, its external form strives impressively upwards with a bold and harmonious beauty, a final gift left to us by the deceased master of the impulses of beauty. When he had created this form he laid down hammer, trowel and plumb-line and worked at the word in stillness for a little while before leaving us. The work upon the building is now being carried on by his pupils according to their gifts.

[ 16 ] Es war des Meisters letztes Vermächtnis. Sie aber waren an den harten Zwang der Knappheit finanzieller Mittel gebunden; sie mußten ihre Intentionen, ja oft die vom Meister hinterlassenen, von ihm noch angegebenen Richtlinien opfern unter dem starren Gebot des Geldmangels. Unwillkürlich taucht der Gedanke auf: Wie anders hätte es sein können, wenn die äußeren Mittel gereicht hätten, um auch im Innern des Baus dasjenige auszuführen, was die in der Esoterik wurzelnde Kraft der Mysterienimpulse verlangte. Unwillkürlich drängt sich immer wieder der Gedanke auf: Wann und wo wird der Bau geschaffen werden können, in welchem Lande, zu welcher Zeit, der diese unendlichen Impulse wird in sich konzentrieren und ausströmen lassen können, die jedes Detail im verbrannten Goetheanum zusammenfügten zu einem weltumspannenden Ganzen, Mensch und Welt, den Mikrokosmos und den Makrokosmos in ihren Kräften zum Ausdruck bringend und so geistschöpferisch und seelengestaltend waltend?

[ 16 ] It was the master's last bequest. But they have been restricted by the hard constraint of inadequate funds; at the stubborn behest of financial insufficiency they have had to sacrifice their own intentions and often even specific directions given by the master. Involuntarily the thought arises: How different it might have been had there been sufficient funds to carry out also inside the building what would be required by the force of mystery impulses rooted in esoteric wisdom. Involuntarily again and again the thought forces it way into our minds: When and where, in what country and at what time will it be possible to erect a building to concentrate within itself and to radiate out again these eternal impulses that united every detail of the burnt Goetheanum into one world-embracing whole, bringing to expression in their forces man and the universe, microcosm and macrocosm, thus working with spiritual creativity and soul-fashioning force?

[ 17 ] Rudolf Steiner gab den ausführenden Künstlern, als er ihnen die Motive zu den Radierungen für die Arbeit im Fensterglase überreichte, Worte, die den Gang des Einzuweihenden durch die verschiedenen Stufen der Initiation andeuten. Sie sollen dieser Schriftenreihe über «Kunst im Lichte der Mysterienweisheit» als leitende Richtworte mit auf den Weg gegeben werden. Wahre Kunst führt zur Mysterienweisheit. Ihn, der zu ihrem Lichte strebt, erfaßt die Kraft der Worte:

[ 17 ] Not translated

Ich schaue
Es offenbart
Es hat geoffenbart

Die Welt erwirkt den Willen
Es gebiert sich der Wille
Es ist der Wille geboren

Die Liebe der Welt wirkt
Und Menschenliebe entsteht
Und Menschenliebe ergreift ihn

Die Welt gibt ihm das Sehen
Und er sieht
Und er macht sich sehend

Die Außenwelt im Entschluß
Sich entschließend
Er hat gewollt

Es ist gewesen
Es war geworden
Es war

Es entsteht
Es wird sein
Es ist

Die Welt weht Frommsein
So wird er fromm
Die Frommheit wirkt

Die Welt baut
Ich schaue den Bau
Und der Bau wird Mensch

Not translated