Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Art in the Light of Mystery Wisdom
GA 275

28 December 1914, Dornach

Translate the original German text into any language:

Erster Vortrag

1. Technology and Art

[ 1 ] Diese hier gehaltenen Vorträge waren bisher im wesentlichen dazu bestimmt, die Brücke zu schlagen von den geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen zu einer von unserer Gegenwart geforderten Lebensauffassung, und ich gedenke, auch in diesen Tagen gerade über dieses Thema einige Andeutungen zu machen.

[ 1 ] The main intention of these lectures is to build a bridge from spiritual-scientific knowledge to the kind of conception of life which our time demands, and I intend also giving a few indications on this theme in the coming days.

[ 2 ] Das, was wir modernes Leben nennen, tritt ja denjenigen Menschen, welche, sagen wit, durch städtisches oder damit zusammenhängendes Leben entrissen sind dem unmittelbaren Zusammenhang mit der Natur, lebendig entgegen. Und wir wissen, daß die Menschen seit dem Heraufkommen dieses modernen Lebens sich immer Gedanken gemacht haben über die Bedeutung des modernen Lebens für den ganzen sowohl materiellen wie geistigen Kulturfortschritt der Menschheit. Nun soll sich hineinstellen in dieses moderne Leben dasjenige, was wir empfinden als die Impulse, die uns aus der Geisteswissenschaft kommen. Wir werden uns allmählich das Gefühl errungen haben, daß gegenüber manchem, was uns in diesem Leben entgegentritt, die Geisteswissenschaft notwendig ist wie eine Art Ausgleich von manchem, was das moderne Leben in sich enthält an Herabstimmendem, man könnte geradezu sagen Zerstörendem für die allgemeinen geistig-göttlichen Lebenskräfte des Menschen.

[ 2 ] What we call modern life takes living hold of all those people who, through living in towns or in similar circumstances, have been torn away from a direct connection with nature. And we know that since the advent of modern life people have always thought about its significance both for the intellectual as well as the material progress of human civilisation. And now it is time that the impulses we are acquiring from spiritual science should enter into modern life. Gradually we shall have won through to the feeling that with respect to many a thing that meets us in life today we need spiritual science as a kind of compensation for those things in modern life that weaken, we might actually say destroy, something of the general divine-spiritual life forces of man.

[ 3 ] Wenn derjenige, welcher imstande ist, durch die Anfangsstadien, möchte man sagen, des Initiiertenlebens die moderne Kultur im Lebenszusammenhange auf sich wirken zu lassen, sie wirklich auf sich wirken läßt, dann macht er Erfahrungen, die ihn tiefer belehren können über die Bedeutung des modernen Lebens für das Gesamtleben des Menschen, als die äußere, nicht von der Spiritualität getragene Beobachtung dieses Lebens es vermag. Derjenige, welcher, ich will sagen, die ersten Schritte des Initiiertenlebens gemacht hat, durchlebt in anderer Art die Erfahrung, die gemacht werden kann, wenn wir in einem Eisenbahnzug oder auf einem Dampfschiffe eine Nacht zubringen, insbesondere wenn wir in dem Eisenbahnzug oder auf dem Dampfschiffe schlafen. Der Unterschied, der da vorliegt mit Bezug auf den in den Anfangsstadien des Initiiertenlebens Stehenden und demjenigen, der nicht irgendwie in Zusammenhang gekommen ist mit diesem Initiiertenleben, besteht darinnen, daß bei dem ersteren die Erlebnisse bewußt werden, daß er erkennen lernt, was da eigentlich mit ihm geschieht, wenn er eine Nacht, insbesondere schlafend, auf einem Dampfschiffe oder in einem Eisenbahnzuge fahrend zubringt. Die Einflüsse, die auf den ganzen menschlichen Organismus von einem solchen Erleben ausgehen, erfährt selbstverständlich auch derjenige, der die Dinge nicht durch Initiation kennenlernt, genauso wie der andere, der von diesen Einflüssen durch die Initiation wissen lernt. In bezug auf die Gesamtwirkung auf die menschliche Natur ist natürlich kein Unterschied.

[ 3 ] People who are able, by means of the first stages of the life of initiation, really to let modern civilisation affect them in all its aspects, will have experiences that give them deeper insight into the significance which modern life has for man's whole existence, than that obtained from an external view of life unsupported by spirituality. People who have taken the first steps in the life of initiation will pass differently through the experience of spending a night in a train or on a steamer, especially if they sleep on the journey. What is different for the person who is in these first stages of initiation and the one who has not had any connection with it is that the experiences become conscious for the former, and he finds out what is actually happening to him when he spends a night travelling on a train or a ship, especially if he goes to sleep. Of course the person who does not acquire initiation knowledge of things also undergoes the effects that an experience of that sort has on the whole human organism. With regard to the whole effect on the human being there is, of course, no difference.

[ 4 ] Wenn wir verstehen wollen, was mit diesen Andeutungen eigentlich gemeint ist, dann müssen wir uns ins Gedächtnis zurückrufen eine uns allerdings bekannte geisteswissenschaftliche Wahrheit, nämlich diese, daß, während wir schlafen, wir mit unserem Ich und unserem astralischen Leibe außerhalb unseres physischen und Ätherleibes sind. Wir sind tatsächlich zunächst wegen gewisser Beschränkungen, die uns kosmische Gesetze naturgemäß auferlegen, mit unserem Ich und unserem astralischen Leibe in einem solchen Falle vorzugsweise in unmittelbarer Nähe unseres physischen und Ätherleibes, so daß wir mit unserem Ich und Astralleibe, wenn wir in einem Eisenbahnwagen fahrend schlafen, im Grunde genommen ganz darinnen sind in alldem Gebremse, Gerolle und Getöse, das mit den Rädern und der Maschinerie des Zuges und so weiter zusammenhängt. Ebenso ist es auf dem modernen Dampfschiff. In alledem, was da um uns herum vorgeht, stecken wir darinnen. In diesen wahrhaft nicht gerade musikalischen Erfahrungen unserer Umgebung stecken wir darinnen, und man braucht nur die allerersten Schritte der Initiation durchgemacht zu haben, dann kann man beim Aufwachen merken, wie das in den physischen und Ätherleib zurückkehrende Ich mit dem astralischen Leibe noch mitbringen, was sie erlebten in dem Gepreßtwerden durch die Maschinerie, in der sie wirklich steckten und durch die sie in dem Momente vor dem Aufwachen durchgingen.

[ 4 ] If we want to understand what these indications actually mean we must recall to memory a spiritual scientific truth which you no doubt know, namely, that whilst we are asleep our ego and astral body are outside our physical and etheric body. In fact, because of certain limitations which cosmic laws impose on us in the natural order of things, our ego and astral body are very close to our physical body and etheric body in a case like this, so that if we are asleep on a train journey our ego and astral body are right inside all the rattling, rumbling and braking going on in the wheels and the engine of the train. And it is just the same on a modern steamer. We are inside everything going on around us. We are inside these not exactly musical experiences in our surroundings, and you need only have taken the very first steps in initiation to notice on waking up that when the ego returns with the astral body into the physical body and etheric body they bring with them what they experienced while they were being squeezed through the machinery, for they really were inside the moving machinery right up to the moment of waking.

[ 5 ] All das disharmonische Gepresse und Gezerre nimmt man mit in den physischen und Ätherleib, und wer jemals aufgewacht ist mit dem Nachklingen desjenigen, was ein Dampfschiff oder ein Eisenbahnzug mit ihren Maschinerien in seinem Ich, in seinem astralischen Leibe angerichtet haben, wer sich das hereingebracht hat in sein tagwaches Bewußtsein, der merkt, wie wenig zusammenstimmend das ist, was man da hereinbringt, mit dem, was im Inneren des Menschen abläuft als eine Art Erlebnis des Ich und des astralischen Leibes von der inneren Gesetzmäßigkeit des physischen und ätherischen Leibes. Man bringt tatsächlich die herbste Unordnung, das greulichste Getöse hinein, ein Gezerre, Gequietsche und Geknarre, und das wirkt auf den Ätherleib tatsächlich so, wenn man eine feinere Empfindung für die Sache hat, wie wenn man - das ist natürlich ein grober Vergleich, aber Sie werden ihn nicht mißverstehen - mit dem physischen Leib, das andere wirkt aber auf den Ätherleib, in einer Maschine zerquetscht und zerteilt würde. Dies ist eine ganz notwendige Begleiterscheinung des modernen Lebens, und ich möchte gleich von vornherein eine, ich möchte sagen, warnende Bemerkung machen, weil solche Auseinandersetzungen wie diejenigen, die ich heute zu machen gedenke, sehr leicht wachrufen dasjenige, was ich nennen möchte den verborgenen Hochmut der Theosophen, einen gewissen verborgenen Hochmut, der ja da und dort reichlich blüht.

[ 5 ] We bring all this disharmonious squeezing and tearing back into our physical and etheric body, and if you have ever woken up with all the after-effects of what the engines of a steamer or a train have done to your ego and astral body, and bring that into your waking consciousness, you will notice how little it synchronises with what is going on within you in the way of a kind of experience the ego and the astral body have of the inner harmony of the physical and etheric body. You do in fact bring back with you the wildest confusion, the most frightful din of pulling, screeching and rattling and if you are sensitive to it you will feel that the effect on the etheric body really is as though your physical body were being bruised and dismembered—which is, of course, a clumsy expression, but you will not misunderstand. This is an absolutely unavoidable side-effect of modern life, and I want to give a word of warning right at the outset, as the kind of lecture I want to give today can very easily rouse what I would call theosophists' hidden arrogance, which flourishes very well here and there.

[ 6 ] Ich sage das selbstverständlich ohne die geringste auch nur allgemeine, geschweige denn speziellere Anspielung, denn wenn man so etwas auseinandersetzt wie das, was heute auseinandergesetzt worden ist, so ruft man gleich Urteile hervor. Ich meine, bei dem angedeuteten Hochmut der Theosophen kann es leicht der Fall sein, daß man sich sagt: Da muß ich mich recht sehr hüten, mich diesen zerstörenden Mächten mit meiner eigenen Leiblichkeit auszusetzen, da muß ich mich recht sehr hüten gegenüber all den Einflüssen des modernen Lebens, da muß ich mich hübsch abschließen in ein Kämmerchen mit der richtigen Umgebung, mit den durch die Theosophie ratsamen farbigen Wandungen, so daß ja nichts mich berührt, was meine leibliche Organisation betrifft, von alledem, was das moderne Leben bringt.

[ 6 ] I am not making a general allusion, of course, let alone a particular allusion, for when one holds a talk on a matter like this, one immediately provokes judgments. I think that in the case of this theosophists' arrogance, it can easily happen that people imagine they must take great care not to expose themselves to these destructive forces; that they must protect themselves from all the influences of modern life; that they must closet themselves in a room containing the right surroundings, with walls of the colour indicated by theosophy, to make sure that modern life cannot reach them in any way that would be harmful to their bodily organisation.

[ 7 ] Diese Wirkung möchte ich mit meinen Auseinandersetzungen wahrhaftig nicht hervorrufen. All das Sich-Zurückziehen, das gewissermaßen Sich-bewahren-Wollen vor den Einflüssen desjenigen, was das Weltenkarma notwendigerweise über uns bringen muß, entspringt einer Schwäche. Die Anthroposophie aber kann einzig das menschliche Gemüt stärken, soll diejenige Kraft entwickeln, welche uns innerlich wappnet und stärkt gegenüber diesen Einflüssen. Daher könnte auch niemals auf dem Felde unserer geistigen Bewegung erblühen irgendwelche Anempfehlung eines Sich-Zurückziehens von dem modernen Leben, eines Bildens einer gewissen Treibhauskultur des geistigen Lebens. Darum kann es sich auf dem Boden wahrer Geisteskultur niemals handeln. Obwohl es zu begreifen ist, daß schwächere Naturen sich gern zurückziehen aus dem modernen Leben in diese oder jene Kolonien, in denen sie nicht berührt werden von dem modernen Leben, so muß doch gesagt werden, daß das nicht entspringt einer Stärke, sondern einer Schwäche der Seele. Unsere Aufgabe aber besteht darin, daß wir die Seele stark machen durch das Sich-Durchdringen mit den Impulsen, die aus der Geisteswissenschaft und Geistesforschung kommen, damit sie gewappnet ist gegen die Einflüsse des modernen Lebens, so daß die Seele es aushalten kann, wenn es auch noch so sehr um sie hämmert und klopft, daß sie dennoch imstande ist, ihren Weg in die geistig-göttlichen Gebiete zu finden durch das Hämmern und Klopfen der ahrimanischen Geister hindurch.

[ 7 ] I really do not want my lectures to have this effect. Everything of the nature of withdrawing and protecting oneself from the influences of all that we necessarily have to encounter as world karma arises out of weakness. But anthroposophy can only strengthen the human soul (Gemüt), and should develop those forces that inwardly strengthen and arm us against these influences. Therefore, never within the compass of our spiritual movement could any kind of recommendation be given to cut oneself off from modern life, or to turn spiritual life into a kind of hothouse culture. This could never apply in the realm of true spiritual culture. Although it is understandable that weaker natures prefer to withdraw from modern life and go into one or another kind of settlement where they are out of reach of it, the fact remains that this arises not from strength but from weakness of soul. Our task, however, consists in strengthening our soul life by permeating ourselves with the impulses of spiritual science and spiritual research so that we are armed against the onslaughts of modern life, and so that our souls can stand any amount of hammering and knocking and are still capable of finding their way into the divine-spiritual realms right through the hammering and knocking of the ahrimanic spirits.

[ 8 ] Eines müssen wit beachten, worauf auch schon oftmals von mir hingedeutet worden ist. Wir schlafen als Menschen nicht nur in der Nacht. Wir schlafen tatsächlich auch bei Tage, nur merkt man den Tagesschlaf weniger als den Nachtschlaf. In der Nacht ist das Gedankenleben des Menschen herabgedämmert, und weil der Mensch zunächst vorzugsweise seelisch in seinen Gedanken lebt, so merkt er naturgemäß das Herabgedämmertsein des Gedankenlebens während des Nachtschlafes mehr. Bei Tage ruht mehr das Willensleben, das merkt man weniger, weil man weniger in dem Willen lebt. Eine Folge dessen ist all das Streiten der Philosophen über die Freiheit und Unfreiheit des Willens, weil sie nicht beachten, daß sie als Tagschläfer den Willen untersuchen und daher auf seine wahre Natur nicht kommen können, so daß sie viel ungereimtes Zeug sprechen über den freien und den unfreien Willen, über Indeterminismus und Determinismus. Tatsächlich, während wir unser breites, tägliches Leben entfalten, ist unser Willensleben nur in sehr geringem Grade uns bewußt, es taucht hinunter in das Unterbewußte, in die rein dem astralischen Leibe angehörige Region.

[ 8 ] One thing must be taken into account, however, which I have often referred to. We human beings do not only sleep at night. We actually sleep in the daytime as well, only we do not notice our daytime sleep as much as our nighttime sleep. During the night our thought life is dimmed down, and because our soul lives predominantly in our thoughts we are, as a matter of course, more aware of the dimming down of our thought life during nighttime sleep. During the day our life of will is more at rest, yet we are less aware of this because we live less in our will. All the arguing the philosophers have done about the freedom and lack of freedom of the will is due to this. As they have not taken into account that they are investigating the will whilst they are daytime sleepers and therefore cannot arrive at its true nature, they talk a lot of nonsense about free will and unfree will, indeterminism and determinism. In actual fact, whilst we are open to the waking life of day, we are only conscious of our will life to a very small degree; it dips down into the subconscious, into the region that belongs purely to the astral body.

[ 9 ] So nehmen wir auch während des tagwachen Lebens teil an alledem, was das moderne Leben rings um uns herum an Gepresse und Gehämmere der modernen Technik hervorgebracht hat. Bei Nacht versenken wir uns mehr in dieses Gepresse und Gehämmere mit unserem Gefühls- und Gedankenleben, bei Tag mehr mit unserem Willens- und Gefühlsleben.

[ 9 ] Thus during our waking day, too, we are involved in all that modern life has produced around us in the way of the stress and noise of modern technology. During the night it is more our life of thought and feeling that becomes submerged in the noise and stress, during the day it is more our life of feeling and will.

[ 10 ] Nun liegt die Sache so, daß ja dasjenige, was wir so modernes Leben nennen, nicht immer vorhanden war in dem Entwickelungsgange der Menschheit. Das ist erst heraufgekommen, und zwar im wesentlichen heraufgekommen seit dem Beginne der fünften nachatlantischen Kulturepoche. Mit dem Beginne der fünften nachatlantischen Kulturepoche fällt auch zusammen der Beginn dieses modernen Lebens. Wie spricht die äußere Geisteskultur über das Heraufkommen dieses modernen Lebens? Die moderne Geisteskultur ist ja, wie wir wissen, stolz auf das, was sie sich errungen hat mit diesem modernen Leben. Sie sagt etwa so: Das ganze Altertum und das ganze Mittelalter hindurch waren die Menschen nicht fähig, eine wirkliche Naturbetrachtung zu entwickeln, die zu einer Naturwissenschaft hätte führen können. Erst in neuerer Zeit ist dies eingetreten. - Und wenn man so von der neueren Zeit spricht, so fällt das eben zusammen mit dem Beginne der fünften nachatlantischen Kulturepoche. Da hat man sich frei gemacht von dem alten Naturbeobachten und betrachtet die Natur unbefangen, rein ihrer abstrakten Gesetzmäßigkeit nach. Dadurch ist die Naturwissenschaft auch in die Lage gekommen, durch die Erfahrung der Naturgesetze in einer unerhörten Weise — man hört dieses Wort recht oft - die Beherrschung der Naturkräfte für sich möglich zu machen. Das aber ist die moderne Technik, und das, woraus die moderne Technik besteht, ist dasjenige, was dadurch entstand, daß der Mensch die Naturgesetze kennenlernte und wiederum die Materie nach diesen Naturgesetzen zu seinen Maschinen formte, mit denen er dann auf die Natur und das Leben wirkt, indem er das moderne Leben überhaupt dadurch maschinell durchzieht und sich sein technisches Milieu schafft, also dasjenige, was das moderne Leben um uns herum ist und was es schafft. So sieht man: Die neuere Zeit hat erst die wahre Naturwissenschaft begründet und damit die rechte Beherrschung der Natur und ihrer Kräfte.

[ 10 ] Now in the course of human evolution what we call modern life has not always existed. It came on the scene essentially at the beginning of the fifth post-Atlantean epoch.41413. See Rudolf Steiner's Occult Science, an Outline, chapter on ‘Future Evolution of the World and of Mankind#8217;, Rudolf Steiner Press, London 1979. The beginning of the fifth post-Atlantean epoch actually coincides with the beginning of the modern age. What does modern intellectual culture say about the beginning of the modern age? As we know, modern intellectual culture is proud of the achievements of modern life. It is expressed somewhat like this: Throughout antiquity and the Middle Ages people were incapable of developing a real observation of nature such as could have led to natural science. This did not happen until modern times. And when people talk of modern times like this they are speaking of the time which began with the fifth post-Atlantean epoch. That was when people broke away from the old way of observing nature and observed it impartially, solely according to abstract laws. And it was through this knowledge of the laws of nature that natural science came into the position of opening up the possibility of mastering the forces of nature, and mastering them in an unprecedented way, as we so often hear. Yet this is just what modern technology is. And the characteristic nature of modern technology arose as a result of man acquiring knowledge of natural laws and then proceeding to use the material world to fashion his machines according to these natural laws, machines with which he can then work back on nature and life by filling modern life with them and creating his own technological setting; that is, modern life in its essence and function. Thus we see that it is the modern age that has established real natural science and the resultant mastery over nature and its forces.

[ 11 ] So ähnlich hört man sehr häufig reden. Wenn man aber so redet, spricht man die Sprache Ahrimans, denn dies ist in der Sprache Ahrimans gesprochen. Wir wollen einmal versuchen, diese Sprache Ahrimans in jene wirkliche, wahrhaftige Sprache zu übersetzen, die wir versuchen, uns durch die Geisteswissenschaft wieder anzueignen, und durch die den Worten nicht bloß die Bedeutung gegeben wird, die ihnen gegeben werden kann aus der Betrachtung der äußeren Natur, sondern auch jene Bedeutung, die ihnen zukommt, wenn wir den Kosmos in seiner Ganzheit, das heißt gleichzeitig in seiner Natur und in seinem geistigen Leben betrachten.

[ 11 ] You often hear people speaking like this. However if we speak like this we are speaking Ahriman's language for this is using the language of Ahriman. But let us see if we can translate this language of Ahriman into the real and true language that we are trying to acquire again by means of spiritual science, a language where words not only acquire the meaning ascribed to them through observation of external nature, but also acquire the meaning ascribed to them when we look at the cosmos in its entirety, that is, both as nature and as spiritual life.

[ 12 ] Nehmen wir zunächst ganz äußerlich das, was geschieht, wenn wir die moderne Technik ausbilden. Was da geschieht, ist ja nichts anderes zunächst, als, ich möchte sagen, ein Arbeiten in zwei Etappen. Die erste Etappe besteht darin, daß wir den Zusammenhang der Natur zerstören. Wir zerklopfen die Steinbrüche, holen aus ihnen heraus die Steine, wir malträtieren die Wälder, holen aus ihnen heraus das Holz man könnte das noch weiter ausführen -—, kurz, man schafft zunächst Rohmaterialien, indem man den Naturzusammenhang zerklopft und zermürbt. Und die zweite Etappe besteht darinnen, daß das, was man so aus der Natur herausgeschlagen hat, wieder zusammengefügt wird zu einer Maschine nach den Gesetzen, die man erkannt hat als Naturgesetze. Das sind die zwei Etappen, wenn man die Sache äußerlich betrachtet.

[ 12 ] Let us start by looking quite superficially at what happens when we develop modern technology. What is happening in the first place is just work being carried out in two stages. The first stage consists of destroying the interrelationships of nature. We blast out quarries and take the stone away, maltreat the forests and take the wood away, and the list could go on—in short, we get our raw materials in the first instance by smashing and wearing down the interrelationships in nature. And the second stage consists of taking what we have extracted from nature and putting it together again as a machine according to the laws we know as natural laws. These are the two stages, if we look at the matter on the surface.

[ 13 ] Aber wie ist die Sache innerlich betrachtet? Innerlich betrachtet ist die Sache so: Wenn wir die Natur zermürben, zunächst die mineralische, so ist dies — wir wissen es aus früheren Betrachtungen - verknüpft mit einem gewissen Wohlgefühl, welches das geistige Elementarische darinnen empfindet. Das soll uns aber hier weniger bekümmern. In dem aber, was da vorgeht, ist das wichtig, daß wir aus der Natur austreiben die die Natur zusammenhaltenden Elementargeister, welche zu dem Reiche, der Sphäre der regelrecht fortschreitenden Hierarchien gehören. In allem Naturdasein sind elementare geistige Wesen. Indem wir die Natur zermürben, pressen wir in das Reich des Geistigen hinaus die Naturgeister. Das ist in der Tat dasjenige, was mit der ersten Etappe fortwährend verknüpft ist. Wir zerschlagen, zermürben die materielle Natur und lösen dadurch heraus aus dieser Natur die Naturgeister, die wir gewissermaßen aus ihrer, ihnen von den, ich möchte sagen, Jahvegöttern angewiesenen Sphäre hinausjagen in das Reich, wo sie frei flattern können und nicht mehr gebunden sind an den ihnen angewiesenen Wohnplatz. Also die erste Etappe können wir auch nennen die Austreibung der Naturgeister. Die zweite Etappe ist diese, wo wir zusammenfügen nach den von uns erkannten Naturgesetzen das, was wir aus der Natur herausgemürbt, herausgemartert haben. Ja, wenn wir nach einem Naturgesetze, das wir erkannt haben, aus Rohmaterialien eine Maschine oder einen Zusammenhang von Maschinen bilden, dann versetzen wir wiederum gewisse geistige Wesenheiten hinein in das Gebilde, das wir also formen.

[ 13 ] But what is it like if we look below the surface? Looking at it from inside, the matter is like this: When we take things from nature, mineral nature to begin with, we know from previous lectures that this is linked with a certain feeling of well-being belonging to the elemental spiritual beings that are within it. This, however, does not concern us so much now. What is important here is that we cast out of nature the elemental spirits belonging to the sphere of the regular progressive hierarchies who, in fact, are the very spirits who maintain nature. In all natural existence there are elemental spiritual beings. When we plunder nature we squeeze out the nature spirits into the sphere of the spirit. That is, in fact, what is constantly happening during the first stage. We smash and plunder material nature and thus release the nature spirits, driving them forth from the sphere allotted them by the Jehovah gods into a realm where they can fly about freely and are no longer bound to their allotted dwelling places. Thus we can call the first stage the casting out of the nature spirits. The second stage is the one where we put together what we have plundered from nature, according to our knowledge of natural laws. Now when we construct a machine or a complex of machines out of raw material according to our knowledge of natural laws, we put certain spiritual beings into the things we construct.

[ 14 ] Das Gebilde, das wir also formen, ist keineswegs ein geistloses. Indem wir es formen, schaffen wir das Bett für andere geistige Wesen, und diese geistigen Wesen, die wir jetzt aber in unsere maschinellen Gebilde hineinzaubern, sind die Wesenheiten, die zur ahrimanischen Hierarchie gehören. Also in der ersten Etappe treffen wir die Naturgeister an, die in fortlaufender Entwickelung sind, treiben sie heraus, und in der andern Etappe vereinigen wir diese ahrimanischen Geister mit dem, was wir als Mechanismen oder sonstige Werke der Technik . aufbauen. Das aber bewirkt, indem wir in diesem technischen Milieu in der neueren Zeit darinnen leben, daß wir uns für dasjenige, was wir entweder bei Nacht oder bei Tag in uns schlafend haben, durchaus eine ahrimanische Umgebung schaffen. Es ist daher kein Wunder, daß der, welcher auf der ersten Stufe der Initiation steht, wenn er beim Aufwachen dasjenige hereinbringt, was er erlebt hat draußen in dem Gebrause, Gezerre und Getöse, es als ein Zerstörendes empfindet, wenn er mit demselben in seinem Ich und seinem astralischen Leibe in den physischen und ätherischen Leib hineinkommt. Denn er bringt sich ja sozusagen die Folge eines Zusammenlebens mit den ahrimanischen Elementargeistern mit hinein in seinen eigenen Organismus. Wir können sagen: Als dritte Etappe jetzt, als Kulturetappe, haben wir das von der uns umgebenden Technik, daß wir uns mit ahrimanischen Geistern ausstopfen, so recht mit ihnen durchstopfen. — So sieht sich die Sache innerlich an.

[ 14 ] The structure we make is by no means without its spiritual beings. In constructing it we make a habitation for other spiritual beings, but these spiritual beings that we conjure into our machines are beings belonging to the ahrimanic hierarchy. Thus at the first stage we encounter nature spirits who are in progressive evolution and cast them out and at the second stage we unite these ahrimanic spirits with our mechanisms or other products of technology. This means that by living in this technological milieu of modern times we create an ahrimanic setting for everything that goes on in us in a sleeping state, by night or day. So it is no wonder that a person at the first stages of initiation, bringing back with him into his waking life all that he has experienced outside in the way of noise and confusion, feels its destructive character when he comes back into his physical and etheric body with this in his ego and his astral body. For he is bringing back into his own organism the results, as it were, of his having been in the company of the ahrimanic elemental spirits. Thus we could say that at the third stage, at the cultural level, we have technology around us, stuffed full of ahrimanic spirits which we have put there. This is what things look like from inside.

[ 15 ] Blicken wir jetzt von dem, was wir so gleichsam als die okkulte Seite des modernen Lebens kennengelernt haben, zurück auf jene Zeiten, wo der Mensch mehr so gelebt hat, daß er nur von der Natur durch die geistig leicht durchlässigen Mauerwände getrennt schlief, oder auch arbeitete bei Tag innerhalb der Natur, in der noch die rechten Geister von der Jahve-Hierarchie darinnen waren, so müssen wir sagen: Damals brachten sich die Seelen der Menschen, das Ich und der astralische Leib, in den physischen und Ätherleib hinein die Naturgeistigkeiten, welche anregend auf das innere Seelenleben wirkten. Und je weiter wir zurückgehen in der Entwickelungsgeschichte der Menschheit, um so mehr finden wir dasjenige, was heute immer seltener und seltener wird, daß die Menschen sich nicht durchstopfen mit den ahrimanischen Geistern der Technik, sondern mit den in gerader Linie sich fortlaufend entwickelnden Naturgeistern, welche, wenn wir den Ausdruck gebrauchen dürfen, die guten Geister der Hierarchien vereinigt haben mit dem, was in der Natur draußen an Tatsachen oder an Wesenheiten sich vollzieht oder vorgeht.

[ 15 ] Now if we turn our attention away from the occult side of modern life and look back at those times when people slept with only a thin partition dividing them from nature, a partition through which spirit could easily pass, and when their daytime work was within the realm of nature that still harboured regular spirits of the Jehovah hierarchy, we have to admit that in those times people's souls, their egos and astral bodies, brought back into their physical and etheric bodies the kind of nature spirits that had an enlivening effect on their inner life of soul. And the further we go back in the history of mankind's evolution the more we find what is becoming a greater and greater rarity today, namely that people did not fill themselves with the ahrimanic spirits of technology, but with nature spirits that were progressing on a straight path and which the good spirits of the hierarchies, if we may use the expression, have linked to the events and being of nature.

[ 16 ] Nun gelangt der Mensch zu jenem Zusammenhang, den er haben muß, wenn er im wahren Sinne des Wortes Mensch sein will, nur dadurch, daß er diesen Zusammenhang durch das Leben in seinem Inneren sucht, daß er in seinem inneren Erleben so weit in die Tiefen seiner Seele hinabsteigen kann, daß er in diesen Tiefen die Kräfte findet, die ihn zusammenbringen mit dem Geistigen des Kosmos, von dem er abstammt und in das er eingebettet ist, und von dem er abgetrennt werden kann, von dem er abgetrennt worden ist schon durch Sinneswahrnehmung und Verstandesdenken, jetzt aber auch dadurch, wie wir gesehen haben, daß ihn das moderne Leben mit ahrimanischen Geistern ausstopft. Nur dadurch, daß der Mensch in seines eigenen Wesens Tiefen hinuntersteigt, kommt er in Zusammenhang mit den für ihn guten und heilsamen göttlich-geistigen Wesen, mit den in geradem Schritte sich fortlaufend entwickelnden geistigen Hierarchien. Dieses Zusammenkommen mit den geistigen Hierarchien, für die wir eigentlich geistig geboren worden sind, dieses Zusammenleben mit ihnen wird dem Menschen in hohem Grade erschwert durch das immer mehr und mehr Durchsetztwerden der Welt mit dem Milieu der modernen Technik. Der Mensch wird gewissermaßen herausgerissen aus seinem geistig-kosmischen Zusammenhange, und es wird abgedämpft und abgedämmert in seinem Inneren dasjenige, was eran Kräften entwickeln soll, um mit dem Geistig-Seelischen des Kosmos in Zusammenhang zu bleiben.

[ 16 ] Now man will only attain the kind of connection he needs in order to be truly human if he seeks it in his inner life, if he delves so far down into the depths of his soul that he reaches the forces that connect him with the spirit of the cosmos, out of which he was born and in which he is embedded, but from which he can be separated. A separation has already taken place in his sense perception and intellect, and now again through his being filled with ahrimanic beings in the course of modern life, as we have seen. Only by penetrating into the depths of his own being will man find the connection with divine spiritual beings that he needs for his salvation, the spiritual hierarchies that are progressing on a straight path. This connection with the spiritual hierarchies for which we were actually born, in the spirit, this living connection with them, is made difficult to the highest degree by the saturation of the world by modern technology. Man is being, as it were, torn away from his spiritual-cosmic connections, and the forces which he should be developing within him to maintain his link with the spiritual-soul being of the cosmos are being weakened.

[ 17 ] Derjenige, der die ersten Schritte der Initiation schon durchgemacht hat, merkt daher, daß alles das, was an Maschinellem das moderne Leben durchdringt, so in die geistig-seelische Menschlichkeit eindringt, daß es vieles in ihr ertötet, zerstört. Und ein solcher merkt, daß durch diese Zerstörung es ihm besonders schwierig gemacht wird, die inneren Kräfte nun wirklich zu entwickeln, die den Menschen in Zusammenhang bringen mit den rechtmäßigen — mißverstehen Sie das Wort nicht - geistigen Wesenheiten der Hierarchien. Wenn der, welcher so.die ersten Schritte der Initiation gemacht hat, in einem modernen Eisenbahnwagen oder auf einem modernen Dampfschiffe meditierend sich einleben will in die geistige Welt, so gibt er sich natürlich Mühe, in sich diejenige Schau- und Seherkraft zu entwickeln, welche ihn hinaufträgt in die geistige Welt, aber er merkt, wie die ahrimanische Welt ihn ausstopft mit allem, was widerstrebt dieser Hingabe an die geistige Welt, und der Kampf ist dann ein ungeheurer. Man kann sagen, es ist ein innerer, im Ätherleibe zu erlebender, zermürbender und zerquetschender Kampf. Diesen Kampf machen natürlich auch die andern dutch, die nicht die ersten Schritte der Initiation durchgemacht haben, und der Unterschied ist nur der, daß ihn derjenige, der die ersten Schritte der Initiation durchgemacht hat, bewußt erkennt. Durchmachen muß ihn jeder, in seinen Wirkungen erlebt ihn jeder.

[ 17 ] A person who has already taken the first steps in initiation will therefore notice how the mechanical things of modern life penetrate into man's spiritual-soul nature to such an extent that a great deal of it is smothered and destroyed. He will also notice that the destruction of these forces makes it particularly difficult for him really to develop those inner forces which unite the human being with the ‘rightful’ spiritual beings of the hierarchies—please do not misunderstand the word. When a person who has taken the first steps in initiation tries to meditate in a modern railway carriage or on a modern steamer, he makes a great effort, of course, to activate the necessary forces of vision to lift him into the spiritual world, yet he notices the ahrimanic world filling him with the kind of thing that opposes this devotion to the spiritual world, and the struggle is enormous. You could call it an inner struggle experienced in the etheric body, a struggle that wears you out and crushes you. Other people who have not taken the first steps in initiation also go through this struggle of course, and the only difference is that the student of initiation experiences it consciously. Everyone has to go through it; the effects of this are experienced by everyone.

[ 18 ] Es wäre das Allerfalscheste, wenn man nun etwa sagen würde, da müsse man sich sträuben gegen das, was nun einmal die Technik uns in dem modernen Leben gebracht hat, man müsse sich hüten vor dem Ahriman, man müsse sich eben zurückziehen von diesem modernen Leben. Das würde in gewissem Sinne eine spirituelle Feigheit bedeuten. Das wahre Heilmittel besteht darinnen, nicht die Kräfte der modernen Seele schwächen zu lassen und sich zurückzuziehen von dem modernen Leben, sondern die Kräfte der Seele stark zu machen, damit das moderne Leben ertragen werden kann. Ein tapferes SichVerhalten zum modernen Leben ist dasjenige, was notwendig ist nach dem Weltenkarma, und deshalb hat die wahre Geisteswissenschaft diesen eigentümlichen Charakter, daß sie von vornherein Anstrengungen, mehr oder weniger sogar intensive Anstrengungen von der menschlichen Seele fordert.

[ 18 ] It would be the worst possible mistake to say that we should resist what technology has brought into modern life, that we should protect ourselves from Ahriman by cutting ourselves off from modern life. In a certain sense this would be spiritual cowardice. The real remedy for this is not to let the forces of the modern soul weaken and cut themselves off from modern life, but to make the forces of the soul strong so that they can stand up to modern life. A courageous approach to modern life is necessitated by world karma, and that is why true spiritual science possesses the characteristic of requiring an effort of the soul, a really hard effort.

[ 19 ] Man hört so oft: Ja die Bücher, die uns zur Verfügung stehen von der modernen Geisteswissenschaft, sind schwierig geschrieben, sie fordern, daß man sich so recht anstrengt, daß man aktiv wird in der Entwickelung seiner Seelenkräfte, um sich so ganz in diese Geisteswissenschaft hineinzuleben. - «Wohlwollende» Menschen - ich sage das in Gänsefüßchen gesetzt - kommen daher immer wieder mit dem Ansinnen, daß sie an schwierigen Stellen ihren Mitmenschen die Sache etwas erleichtern wollen und möglichst - das sage ich jetzt nicht unter Gänsefüßchen - vertrivialisieren wollen dasjenige, was in einem etwas schwierigen Stil geschrieben ist. Aber es gehört zum Wesen der Geisteswissenschaft, daß sie Anforderungen stellt an die Aktivität des Seelenlebens, daß man gewissermaßen nicht leicht zu der Anerkennung des Geisteswissenschaftlichen kommt, denn es handelt sich innerhalb dieser Geisteswissenschaft nicht etwa bloß darum, daß man dieses oder jenes aufnimmt, was die Geisteswissenschaft über diese oder jene Dinge zu sagen hat, sondern es handelt sich darum, »ze man es aufnehmen kann, daß man es mit Anstrengung, mit Aktivität der Seele aufnimmt, daß man gleichsam, verzeihen Sie den weniger höflichen Ausdruck, im Schweiße seiner Seele sich erarbeiten muß das geisteswissenschaftliche Gut. Das gehört, verzeihen Sie den mechanischen Ausdruck, zum geisteswissenschaftlichen Betriebe.

[ 19 ] You so often hear people saying “These books of modern spiritual science are difficult; they make you exert yourself in order to develop your soul forces and really penetrate into spiritual science.” This is why ‘well-meaning’ people—and I am saying this in inverted commas—keep on coming to me and saying that they want to smooth out difficult passages for their fellow men and change what is written in rather a difficult style into something as trivial as can be—and these last words are not said in inverted commas. However, it belongs to the essence of spiritual science that it makes demands on soul activity, that you do not accept spiritual-scientific truths lightly, as it were, for it is not just a matter of taking in what spiritual science says about one thing and another, but of how you take it in. You should take it in by dint of effort and soul activity. To make spiritual science your own you must work at it in the sweat of your soul—please forgive me for not being very polite. That belongs to the business of spiritual science, if you will excuse the mundane expression.

[ 20 ] Es zeigt noch ein Mißverständnis des eigentlichen Nervs der Geisteswissenschaft, wenn man gewissermaßen flieht dasjenige, was die Geisteswissenschaft gibt an schwierigen Ideen und Begriffsbildungen. Und wie viele Menschen das fliehen, wir wissen es ja, wie viele Menschen viel lieber träumen — der Herr gibt’s den Seinen im Schlafe! — und sich viel lieber in allerlei Traumbildern der geistigen Welt von Anfang an Dinge vorzaubern lassen wollen, als durch Aktivität, durch Anstrengung des inneren, seelischen Lebens Erkenntnisse zu gewinnen. Wir wissen es, wie vielen es lieber ist, wenn sie dieses oder jenes Gesicht erleben, als daß sie sich hinsetzen und ein schwierige geisteswissenschaftliche Materien behandelndes Buch studieren, das allerdings geeignet ist, zu denjenigen Kräften der menschlichen Seele zu sprechen, welche im gewöhnlichen Tagesleben schlafen, das also doch anregt das, was sonst unbewußt im Menschen ist und dadurch den Menschen lebendig hineinversetzt in die geistige Welt. Der richtige Gang ist nicht der, daß man das bewußte Tagesleben stumpf entgegennimmt und im trüben schwebt, sondern der, daß man sich anstrengt, hindurchzukommen in der Aktivität seiner Seele durch dasjenige, was an Gedanken- und Ideenentwickelung gegeben ist. Denn wenn man sich einlebt in diese Gedanken- und Ideenentwickelungen, wenn man sich anstrengt, tapfer sich einlebt, dann kommt man durch dieses tapfere, dieses aktive Sich-Einleben zu der Stufe, wo übergeht das bloße Theoretisieren, das bloße Denken, das bloße Fürwahrhalten desjenigen, was so gegeben wird, in ein Schauen, in ein wirkliches Darinnenstehen in der geistigen Welt. Dasjenige aber, was sich für uns gerade als eine moderne Lebensauffassung aus diesen Betrachtungen ergibt, das ist, daß wir durch das technische Milieu hineinsteigen in eine Art ahrimanischer Sphäre und uns durchdringen lassen mit ahrimanischer Geistigkeit.

[ 20 ] It shows a further misunderstanding of the actual nerve of spiritual science if people shy away from the difficult ideas and conceptual structures of spiritual science. And don't we know how many people shy away from it, how many people would prefer to dream—the Lord gives it to His Own in sleep! They would far rather have things conjured up before them in all kinds of visions of the spiritual world than acquire knowledge through the activity of exerting their inner life of soul. We know how many people there are who prefer having visions rather than sitting down and studying a difficult book of spiritual science, even though it is capable of speaking to the human soul forces that are asleep during ordinary daily life, for spiritual science really does activate the part of man that is otherwise unconscious and transport him into the life of the spiritual world. The right approach is not to receive conscious daily life apathetically and to grope in the dark, but to make an effort out of soul activity to get through what is given for the development of thoughts and ideas. For when you make an effort and have the courage to make yourself at home in this development of thoughts and ideas, this brave and active effort will bring you to the stage where mere theorising on what is given and mere acceptance in thought passes over into seeing and really being in the spiritual world. However, the really modern conception of life that arises for us from these considerations is that, because of our technological surroundings, we descend into a kind of ahrimanic sphere and become filled with ahrimanic spirituality.

[ 21 ] Es würde das furchtbarste Unglück geschehen sein in der Erdenentwickelung, wenn nicht vorgesorgt worden wäre in früheren Zeiten für dasjenige, was nach dem Weltenkarma die moderne Menschheit unter dieser ahrimanischen Geistigkeit erleben muß. Das Leben verläuft und kann nicht anders verlaufen als, ich möchte sagen, immer im Pendelschlag. Nach der einen oder andern Seite wird das Leben wie durch Pendelschläge ausschlagend erlebt. Man kann nicht etwa sagen: Man hüte sich vor Ahriman! - denn es gibt kein Mittel, wodurch man sich vor Ahriman hüten könnte. Und wenn jemand etsehnt, etwa sich ständig in ein Kämmerchen mit möglichst ihm zuträglicher Farbigkeit zurückzuziehen, wo möglichst keine Fabriken sind und keine Eisenbahn vorübergeht, um sich so ganz von dem modernen Leben zurückzuziehen, so gibt es doch noch viele, viele andere Wege, um die ahrimanische Geistigkeit in seine Seele hineinzuführen. Er entzieht sich dem modernen Leben, aber die moderne Geistigkeit findet schon den Zugang zu ihm.

[ 21 ] The most terrible calamity would have come about in earth evolution if, in earlier ages, provision had not been made for these experiences of ahrimanic spirituality that world karma is bringing to modern mankind. Life always progresses like the swing of a pendulum. It is experienced like a pendulum swinging in one direction or the other. You cannot say “Beware of Ahriman!” for nothing can protect you from him. And if someone longs to shut himself up in a room surrounded by the colour that suits him best, where he has no factories near him or trains passing by if he can possibly help it, but is completely cut off from modern life, there are many, many ways in which ahrimanic spirituality can get into his soul. Even though he withdraws from modern life, modern spirituality will still reach him.

[ 22 ] Das, was gewissermaßen das Unglück abgehalten hat von der menschlichen Entwickelung, ist die Tatsache, daß eingetreten ist etwas, was ich vor längerer Zeit schon angedeutet habe in einem Münchner Zyklus. Man muß alle diese Dinge zusammennehmen, das gehört auch zu dem aktiven Erleben der modernen Geisteswissenschaft. Dem Menschen ist gewissermaßen gegeben worden die Kunst, die Kunst, welche auch ihr Rohmaterial entnimmt der Natur, indem sie die Natur zermürbt und zerkeilt und dieses Rohmaterial in der zweiten Etappe wieder zusammenfügt zu einem neuen Etwas und ihm ein gewisses, wenn auch nur bildhaftes Leben einhaucht. Dieses Leben, das durch die Kunstimpulse der Vergangenheit gegeben wurde, ist, wie ich damals in München angegeben habe, dazu geeignet, das Materielle zu durchziehen mit mehr luziferischer Geistigkeit. Luziferische Geistigkeit, der schöne Schein, alles das, was in der Kunst auf den Menschen wirkt, ist ein Hinwegführen des Menschen aus dem Materiellen in das Geistige, aber durch das materielle Leben. Luzifer ist der Geist, der immer dem Materiellen entfliehen und den Menschen auf unberechtigte Weise in das geistige Leben hineintragen will. Das ist der andere Pendelausschlag. Nur dadurch, daß wir in der jetzigen Inkarnation hindurchgehen müssen durch das technische Milieu, wird es möglich, mit dem Ahrimanischen in Zusammenhang zu kommen, in Zusammenhang zu kommen mit etwas, was in früheren Inkarnationen in ein mehr Künstlerisches untertauchen konnte. Dadurch setzen wir entgegen gewissen luziferischen Kräften die heutigen ahrimanischen Kräfte, die ein Gleichgewicht bilden, während vorher nach der einen und jetzt nach der andern Seite das Lebenspendel ausschlägt.

[ 22 ] Now something entered into human evolution that, as it were, held off the calamity, and I gave an indication of this a long time ago in a lecture cycle in Munich.3Secrets of the Threshold, lecture VI, Anthroposophical Publishing Co., London 1928. We must take all these things together, for that is also part of the active experiencing of modern spiritual science. Man has been given art; art, which also takes its raw material from nature by reducing and wearing it down, and at the second stage puts it together again to make something new, with a breath of life in it, although it is only of a pictorial nature. The life of the artistic impulses given us in the past has the capacity, as I said in Munich, to imbue its material with a more luciferic spirituality. Luciferic spirituality, beauty as an illusion, in fact everything that has an effect on man through the medium of art, leads man away from matter into the spirit, yet it does so through the life in the material. Lucifer is the spirit who constantly wants to flee from matter and bear man into the life of the spirit in an unjustified way. That is the other swing of the pendulum. It is only because we have to go through a technological atmosphere in the present incarnation that it is possible for us to come into connection with Ahriman, whereas in earlier incarnations we were more connected with a quality that could be steeped in art. Thus we are countering certain luciferic forces by means of the present-day ahrimanic forces, which together form a balance, whilst the pendulum of life swung one way in the past and swings the other way now.

[ 23 ] Was nun die Geisteswissenschaft insbesondere zu wollen hat, das ist, daß der Mensch nicht schlafend und träumend hindurchgehe durch das, was das Weltenkarma über ihn verhängt. Aber schlafend und träumend gehen die Menschen, die nichts wissen wollen von der Geisteswissenschaft, durch alle die Einflüsse des ahrimanischen und luziferischen Lebens hindurch. Sie sind diesen Einflüssen und Wirkungen ausgesetzt, auch wenn sie selber nichts davon wissen. So läßt sich aber nicht weiterleben, denn weiterleben läßt es sich nur bewußt, und dazu ist die Geisteswissenschaft da, daß die Menschen nicht schlafend und träumend durch die Welt gehen, sondern erkennen, in welcher Umgebung sie leben. Dazu aber gehört, daß wir uns wirklich auf die Intimitäten, möchte ich sagen, des geisteswissenschaftlichen Betriebes — verzeihen Sie das Wort — einlassen. Solche Intimitäten werden oftmals nicht beachtet, und ich kann dies finden, wenn ich Nachschriften lese von Vorträgen, die ich gehalten habe. Ich kann da finden, daß das, was mir oftmals wichtig sein muß, in den -Nachschriften nicht erscheint. Nehmen Sie nur zwei Dinge von dem, was ich eben gesagt habe. Ich habe vorhin einen Satz gebraucht und gesagt, daß die Geisteswissenschaft nicht etwas will, sondern wollen soll oder zu wollen hat. Das ist eine gewisse Redewendung, die sich auf ganz natürlich-naive Weise dem ergibt, der aus dem Geiste der Geisteswissenschaft heraus redet, denn die Geisteswissenschaft führt ganz selbstverständlich zu einem unpersönlicheren Ergreifen der Wahrheiten des geistigen Lebens als die andern Wissenschaften. Im Stile der andern Wissenschaften gesprochen, würde man sagen: Die Geisteswissenschaft will etwas. — Sie sagt aber: Wie sie wollen soll oder wollen muß. — Und ich sage: Wie ich mich ausdrücken muß und nicht: Wie ich mich ausdrücke.

[ 23 ] What spiritual science quite specifically has to want at the present time is that human beings do not sleep and dream through what world karma is imposing on them. Yet people who wish to know nothing about spiritual science do sleep and dream through all the influences of Ahriman and Lucifer. They are exposed to these influences even if they themselves know nothing about them. But ‘life cannot go on like this; life has to be lived consciously from now on, and that is what spiritual science is for, so that people do not go through the world sleeping and dreaming, but understand what is around them. For this to happen, however, we must really get down to the subtleties of our spiritual-scientific business—if you will forgive the word. Such subtleties often go unnoticed, and this is the sort of thing I find when I read through transcripts of lectures I have given. Often what is of essential importance to me does not appear at all in the transcript. Just look at two examples of this. I used a certain sentence a little while ago and did not say that spiritual science wants something, but that spiritual science should want it, or has to want it. That is a particular expression which comes quite naturally to a person who is speaking out of the spirit of spiritual science, for spiritual science leads as a matter of course to a more impersonal grasp of the truths of spiritual life than other sciences do. Speaking in the manner of other sciences we would say “Spiritual science wants something”. But spiritual science says “what it should want or must want” And I say “The way I must express myself” and not “The way express myself”.

[ 24 ] Gerade auf solche Intimitäten kommt vieles an; die darf man nicht überhören. Wir müssen vielmehr beginnen, daran zu glauben, daß es darauf ankommt, daß die Geisteswissenschaft bis in das Innerste die menschlichen Seelenkräfte ergreift und sie auch umzuformen in der Lage ist, und daher geht es nicht an, daß man mit derselben Art zu denken auch an die Geisteswissenschaft herangeht, die man in der Gewohnheit hat vom äußeren Leben her. Man hat wirklich noch wenig Bewußtsein von den Dingen, die ich hiermit meine. Das kann man an gewissen, ich möchte sagen, groben Symptomen der äußeren wissenschaftlichen Entwickelung bemerken, sozusagen spüren.

[ 24 ] A great deal depends on such subtleties; we must not pass them by. On the contrary we must begin to believe that everything depends on spiritual science taking hold of man's innermost soul forces, and that it is capable of transforming them. Therefore it will not do to approach spiritual science with the kind of thinking one is in the habit of using in ordinary life. People are still largely unaware of what I mean by this. This can be seen, actually sensed, so to speak, in certain crude symptoms in the evolution of ordinary science.

[ 25 ] Ein Beispiel aus vielen sei herausgegriffen. Die moderne Religionswissenschaft, die irreligiöse Religionswissenschaft hat es sich besonders zugute getan, daß sie herausbekommen hat gewisse Erkenntnisse über den Zusammenhang, sagen wir von den neutestamentlichen Aussprüchen und Geboten mit den alttestamentlichen und mit heidnischen Aussprüchen und Geboten. Man hat zum Beispiel das Vaterunser nach der Herkunft jedes einzelnen Satzes verfolgt und gesagt: Dieser einzelne Satz findet sich schon da, jener schon dort vor. Wenn man dies so hört, möchte es leidlich scheinen. Aber in dem Augenblicke, wo man in der weltgeschichtlichen Betrachtung, in spiritueller weltgeschichtlicher Betrachtung an das Mysterium von Golgatha herantritt, merkt man, daß alle diese Dinge in einem neuen Zusammenhang erscheinen und daß es nicht darauf ankommt, zu entdecken, daß alle diese Sätze schon in früherer Zeit da waren, sondern darauf, immer die Umgebung dieser Sätze sich anzuschauen, durch die sie eine neue Nuance erhalten. Und diese ist immer eine andere im Alten und im Neuen Testamente. Dadurch wird das, was durch das Mysterium von Golgatha gekommen ist, in ganz intime Dinge hereingeführt. Die Worte bleiben oftmals dieselben und die Wortzusammenhänge auch, aber die Art und Weise, wie die Zusammenhänge schattiert und nuanciert sind, ist anders, und darauf kommt es gerade an.

[ 25 ] Let us take one example out of many. Modern science of religion—irreligious science of religion—is especially proud of the fact that it has found a connection between New Testament utterances and commandments and Old Testament and heathen utterances and commandments. People have followed up the origin of every phrase in the Lord's Prayer, for instance, and said “This particular phrase comes from here and that one from there”. If you hear it like this it can sound credible. Yet the moment you approach the Mystery of Golgotha in a spiritual world-historical light you notice that all these things appear in a new context, and that the important thing is not the discovering that all these expressions were there in earlier times but looking at them in the context which gives them a new shade of meaning. In this respect the Old and the New Testament differ entirely. Subtle things like this convey the essence of the Mystery of Golgotha. The words and even the word connections often stay the same but their shade and colouring is different, and that makes all the difference.

[ 26 ] Ein Ungeheueres zum Beispiel liegt darin, daß der Begriff, die Vorstellung des Ich in dem ganzen Entwickelungssystem der Sprache, je weiter man zurückgeht in die vorchristlichen Zeiten, ganz anders organisiert ist als nachher, wenn man fortschreitet von dem Mysterium von Golgatha in die Zukunft hinein. Die Art, wie man über das Ich spricht, wird anders, und das kann man schon in der Konfiguration der Sprache sehen. Wenn das Ich zum Beispiel in vielen Sprachen in das Zeitwort hineingeheimnißt wird, so bedeutet das ganz etwas anderes, als wenn es abgesondert von dem Zeitworte hingestellt und ausgesprochen wird und so weiter.

[ 26 ] There is something tremendous behind the fact, for instance, that the conception of the ego in the whole evolutionary system of language is quite differently constructed the further back we go in pre-Christian times, than it is later on when we go forwards from the Mystery of Golgotha. The way people spoke about the ‘I’ changed, and this can be seen in the configuration of language. When the ‘I’ becomes part of the word for the verb, as is the case in many languages, it signifies something entirely different from when it is separated from the verb and spoken as a separate word, and so on.

[ 27 ] Also darauf kommt es an, daß wir durch die Geisteswissenschaft uns zu einer Lebensauffassung durcharbeiten, daß wir dazu kommen, bewußt das anzuschauen, was an Einflüssen auf unseren geistig-seelisch-leiblichen Menschenorganismus ausgeübt wird. Die Art, wie ich das Verhältnis des Menschen zu seiner technischen Umgebung geschildert habe, ist natürlich erst im Anfange der Entwickelung. Etwa vier Jahrhunderte ist es her, seitdem die Sache angefangen hat in solchem Umfange, wie das heute der Fall ist. Und das auf sich so stolze 19. Jahrhundert hat einen mächtigen Schritt vorwärts getan in dieser Verahrimanisierung des menschlichen Lebens. Aber es werden wichtige Schritte hinein in die Zukunft der menschlichen Entwickelung auf diese Verahrimanisierung hin gemacht werden. Vier Jahrhunderte etwa stehen wir darinnen. Langsam und allmählich kommt es herauf. Heute hat es schon einen gewissen Höhepunkt für alle diejenigen erreicht, die es ja zahlreich gibt unter unseren Mitmenschen, die durch die Absonderung im Städteleben kaum noch einen Zusammenhang mit den wahren Naturgeistern haben. Ich habe einmal, ich möchte sagen, symbolisch ausgesprochen, daß es wesentlich für den Menschen ist, wesentlich für seine Entwickelung ist, daß er den Hafer von der Gerste unterscheiden kann. Aber wirklich, wie viele Menschen finden wir denn schon in städtischer Umgebung, die nicht mehr Hafer von Gerste zu unterscheiden vermögen! Die Pflanzen können sie vielleicht noch unterscheiden, weil das bei Hafer und Gerste verhältnismäßig leicht ist, aber besonders die Kerne, den einen Kern vom andern können sie nicht mehr unterscheiden. Wenn sie in der Stadt gelebt haben, oder gar in der Stadt geboren sind, so können sie dies gewöhnlich nicht voneinander unterscheiden.

[ 27 ] The important thing is to work our way with the help of spiritual science to an approach to life which looks consciously at the things which influence our human organism of spirit, soul and body. The way I have described man's relationship to his technological surroundings is, of course, only in its beginning stages. It was about four centuries ago that things began to get like they are today. Then the nineteenth century that was so proud of itself took a tremendous leap forward in the ahrimanisation of human life. Yet a great deal more will take place in future human evolution in the direction of this ahrimanisation. We have been in it for about four hundred years. It is coming slowly and gradually. It has already reached a certain climax among the vast numbers of our fellowmen who, because of the isolation caused by living in towns, hardly have any connection any more with real nature spirits. I once said, symbolically, that it is important for man's development to be able to distinguish oats from barley. Yet really, how many people are there in a town environment today who cannot tell the difference any more between oats and barley! Perhaps they can distinguish the plants, as that is comparatively easy in the case of oats and barley, but where the grains are concerned they can no longer tell the one from the other. If they have lived in a town or were actually born there, they usually cannot tell the difference.

[ 28 ] Nun ist die Entwickelung der Menschheit aber so, daß immer, wenn eine Etappe weitergeschritten wird, dieses Weiterschreiten einer Etappe verknüpft ist mit einem andern Erleben gleichsam auf einer andern Etappe, welche in einer parallelen Strömung liegt. Und so ist es auch geschehen. Indem der moderne Mensch auf die Art, wie ich es geschildert habe, dem Ahriman entgegengeschritten ist durch das technische Leben, ist er noch auf eine andere Weise dem Ahriman entgegengeschritten. Wenn an die Stelle der groben Geschichtsbetrachtung, wie sie der Materialismus heute erzeugt hat, eine spirituelle Geschichtsbetrachtung treten wird, so wird man schon einsehen, was die Geisteswissenschaft jetzt andeuten muß.

[ 28 ] Now it happens like this in the evolution of mankind, that when human beings have progressed a stage, this progress is always bound up with another experience that is at another stage, as it were, in a parallel stream. And this has happened. Whilst technological life has been drawing modern man closer to Ahriman in the way I have described, he has also been getting closer to him in another way. When a spiritual view of history replaces the crude way of viewing history introduced by materialism, people will understand what spiritual science has to say on this matter.

[ 29 ] Wenn man in die Zeiten zurückblickt, die vorangegangen sind denen, welche die letzten vier Jahrhunderte ausmachen, so stand vor allen Dingen der Mensch nicht nur zu seinem Milieu, zu seiner Umwelt in einer andern Beziehung als heute, sondern er stand auch zu etwas in einer andern Beziehung, in einer ganz andern Beziehung, was in ihm selbst zur Erscheinung kommt, wirklich in ihm selbst zur Erscheinung kommt: er stand in einer andern Beziehung zu seiner Sprache, zu seinem Sprechen. In der Sprache haben wir wirklich nicht bloß das gegeben, was die moderne materialistische Wissenschaft glaubt, sondern wir haben in der Sprache etwas gegeben, was vielfach zusammenhängt mit dem nicht vollbewußten menschlichen Erleben, was sich vielfach ereignet in den unterbewußten menschlichen Regionen, was daher auch durchdrungen ist von geistigen Wesenheiten. Geistige Wesenheiten leben in der Sprache des Menschen darinnen, wirken darinnen, und indem der Mensch Worte formt, Worte bildet, drängen sich in seine Worte hinein elementarische geistige Wesenheiten. Auf den Flügeln der Worte fliegen geistige Wesenheiten durch die Räume, in welchen sich die Menschen miteinander unterhalten. Daher ist es so wichtig, daß man achtet auf gewisse Intimitäten der Sprache, und daß man sich nicht einfach der Willkür des Leidenschaftslebens überläßt, wenn man spricht.

[ 29 ] If we go back to the time that preceded the last four centuries, man not only had a different relationship to his environment than he has today, but he had, above all, an entirely different relationship to something that comes to expression in himself, really comes to expression in himself; he had a different connection with his speech, to the way he spoke. Speech does not only contain what modern materialistic science believes it does; there is something in speech which in many ways is connected with man's not fully-conscious experiences, which often occur in the subconscious realms of his being, and which are therefore interpenetrated by spiritual beings. Spiritual beings live and are active in man's speech, and when man forms words, elemental spiritual beings pour into these words. During human conversations spiritual beings fly about the room on the wings of the words. This is why it is so important that we pay attention to certain subtleties of speech, and do not simply let uncontrolled feelings get the better of us when we speak.

[ 30 ] Nun stand der Mensch, man könnte sagen, bis ins 15., 16. Jahrhundert zu seiner Sprache so, daß er noch etwas hatte von dem lebendigen Erleben der elementarischen Geistigkeit, die in der Sprache vorhanden ist. Er hatte noch etwas von diesem Erleben der elementarischen Geistigkeit der Sprache. Es wirkte in ihm noch das, was in der Sprache an Geistigkeit ist, denn die Sprache ist gewissermaßen genialer, geistiger in mancher Beziehung als das einzelne menschliche Individuum. Man merkt heute nur manchmal, wie der Mensch sozusagen aus der materialistischen Gesinnung zurückfällt in eine Empfindung der genialischen Geistigkeit der Sprache.

[ 30 ] Right into the fifteenth and sixteenth centuries we could say that man still possessed the remnant of a living experience of the elemental spirituality contained in language. The spirituality of language was still active within him, for language is in a certain respect more inspired and spiritual in many ways than an individual human being. It is only occasionally nowadays that we notice a person reverting from a materialistic way of thinking to a feeling for the inspired spirituality of language.

[ 31 ] Ich habe einmal in einem sehr deutlichen, wenn auch trivialen Beispiele an diesem Orte darauf hingewiesen, wie man besonders sozusagen herausfallen kann durch seine Gesinnung aus der materialistischen Rolle der Gegenwart. Es tun es im Grunde noch viele Menschen, aber sie sind sich dessen nicht gleich bewußt. Wenn jemand zum Beispiel, indem er den Rhein entlang fährt, spricht von dem «alten Rhein», was meint er denn damit? Zweifellos empfindet er dann etwas. Aber was ist das, was er meint? Ich glaube nicht, daß die Menschen, wenn sie vom «alten Rhein» sprechen, das Flußbett meinen, die Einhöhlung in der Erde. Das wäre ja das einzig Bleibende. Aber was sonst der «alte Rhein» sein soll, das kann man gar nicht entdecken, denn das Wasser ist gewiß ganz neu, das fließt immer weiter, und wenn Sie versuchen, irgend etwas Altes zu finden außer dem ausgehöhlten Flußbett, dann können Sie es nicht entdecken. Der alte Rhein! Die Sprache ist genialischer als der Mensch, denn selbstverständlich ist gemeint von der Sprache, wenn es auch dem Menschen nicht zum Bewußtsein kommt, der Flußgott des Rheins. Die elementarische Wesenheit, die zu ihm gehört, die bezeichnet man ganz adäquat, wenn man sagt: Der alte Rhein.

[ 31 ] On one occasion4On 3rd October 1914, towards the end of the first lecture on Occult Reading and Occult Hearing, Rudolf Steiner Press, London 1975. here I gave a very clear if trivial example showing in what way a person's mind can revert from the materialistic role of today. On the whole it still happens to many people, but they are not immediately aware of it. If someone is travelling down the Rhine and he speaks for instance of the ‘old Rhine’, what does he mean? No doubt he feels something. But what is he referring to? When people speak of the ‘old Rhine’ I do not think they mean the riverbed, the hollow in the ground. That would be the only permanent part, of course. But we cannot discover what else the ‘old Rhine’ is supposed to be, for the water is certainly absolutely new; it keeps flowing on, and if you try and find anything old except the hollowed out riverbed, it cannot be done. The old Rhine! Language is more inspired than man, because the language obviously means the River God, even if people are not conscious of it. One is describing the elemental being that belongs to it very suitably when one says the ‘old Rhine’.

[ 32 ] Das ist ein grobes Beispiel. Die Sprache ist überall durchzogen von solcher Spiritualität, von einem solchen Glauben an die Geistigkeit. Und ein Gefühl wenigstens für diesen Zusammenhang mit der Geistigkeit durch die Sprache lag in der Natur der menschlichen Seele wirklich noch während des Ablaufs der vierten nachatlantischen Kulturperiode bis in die neuere Zeit, bis ins 15., 16. Jahrhundert hinein bei allen Völkern Europas. Wenn man nämlich dieses nicht merkt, dann hat man auch nicht das richtige Gefühl für den Beginn des JohannesEvangeliums. Denn daß im Beginne des Johannes-Evangeliums der Satz steht: «Im Urbeginne war das Wort», dazu hat wirklich noch das Bewußtsein geführt, daß in dem, was das Wort ist in der ganzen menschlichen Organisation und im menschlichen Leben, ein Zusammenhang des Menschen, zunächst durch die elementarische Geistigkeit, mit der ganzen Welt, die hinter der Sinnenwelt liegt, gegeben ist.

[ 32 ] That is a rough example. This spirituality, this belief in spirituality exists throughout language. And a feeling, at least, for this connection with spirituality in language still really existed in the disposition of soul of all the peoples of Europe, during the course of the fourth post-Atlantean epoch and right up to modern times as far as the fifteenth and sixteenth century. If you are not aware of this fact you cannot have the right feeling for the beginning of the St. John's Gospel. For the opening words of the St. John's Gospel, “In the beginning was the Word”, arose, in fact, out of a consciousness that the part the word plays within the whole human organism and human life, provides the connection for man, by way of elemental spirituality in the first place, to the whole of the world lying behind the world of the senses.

[ 33 ] Wenn wir mit den Mitteln der Geisteswissenschaft das Leben der Menschen betrachten, wie es abgelaufen ist in den Jahrhunderten des Mittelalters bis in die neuere Zeit hinein, so finden wir, wenn wir in die Seelen hineinschauen können, in der Tat, daß das Verhältnis des Menschen zu seiner Sprache noch ein anderes war im Verlaufe der vierten nachatlantischen Kulturperiode, ja selbst noch in der letzten Phase bis in das 14., 15. Jahrhundert. Die Menschen hörten gleichsam bei allem, was sie sprachen, noch Untertöne, richtige Untertöne mit. Man glaubt das nicht mehr, weil heute der Mensch wirklich nur materiell in dem Sprachlaute lebt. Etwas Geistiges klang mit, gleichsam wie ein Erklingen derselben Dinge in einer unteren Oktave. So klang mit, wenn man sprach, oder sprechen hörte, etwas, was nicht mehr differenziert war in dieser oder jener Sprache, sondern was etwas Allgemein-Menschliches war. Man kann wirklich sagen: Wenn sich auslebt das menschliche Erleben gleichsam in der Blüte der einzelnen Sprachen, so erlebt heute die Menschheit diese Blüte gleichsam als Erzittern der Töne im Ohr, und sie erlebt diese Töne wie etwas, das etwas bedeutet. Dagegen erlebte man früher ein Eintauchen des ganzen Sprachelementes in etwas, was mitklang und was nicht differenziert war in verschiedene Sprachen. Die Grenze zwischen dem einen und dem andern Erleben ist mit dem 15. und 16. Jahrhundert gegeben. Die Menschheit ist herausgerissen worden aus den Genien der Sprache.

[ 33 ] If, with the means that spiritual science puts at our disposal, we observe the way human life has run its course from the Middle Ages up to modern times, and are able to look right into the soul, we shall in fact find that man's relationship to speech was altogether different in the fourth post-Atlantean epoch, even in the last phase of it that lasted up till the fourteenth and fifteenth century. Whenever they spoke people heard undertones, genuine undertones. People no longer believe this, because nowadays human beings really only live in the material aspect of the sounds of speech. A spiritual element joined with the sound as though it sounded again an octave lower. Thus when people spoke, or heard people speaking, something resounded in the words that was not differentiated according to one or another language, but was of a universal human character. One can really say that when human experience comes to expression, as it were, in the flowering of the separate languages, mankind today experiences the flowering as a vibrating of sounds in the ear, and experiences the sounds as something that have a meaning. Whereas in earlier times they experienced a steeping of the whole element of speech in something that joined with it and was not differentiated into the various languages. The dividing line between the one experience and the other fell in the fifteenth and sixteenth century. Mankind was torn away from the genius of language.

[ 34 ] Niemand kann den eigentlichen Ruck verstehen, der in der Zeit des 15., 16., 17. Jahrhunderts der Menschheit gegeben worden ist, der nicht eingeht auf dieses eigentümliche Abgedämpftwerden der Untertöne des sprachlichen Erlebens. Da ist den Menschen etwas verlorengegangen; innerhalb der Zeitereignisse tritt dies zutage, sei es an Kämpfen, sei es an Werken des Friedens. Die Menschenseele erlebte es vor dem genannten Zeitpunkte. In alledem lebte in der Menschenseele dieses Erklingen solcher Untertöne des sprachlichen Erlebens noch mit. Daher hat die ganze Geschichte vor diesem Zeitraume ein ganz anderes Gepräge als nach diesem Zeitraume. Man muß sich, indem man sich in die Geisteswissenschaft einläßt, ich möchte sagen, ein geistiges Ohr anerziehen für dieses ganz andere Erklingen der Ereignisse noch im Mittelalter, als es heute der Fall ist, weil die Menschenseelen ganz anders miterlebten das, was dazumal erlebt werden konnte.

[ 34 ] Nobody can understand the actual jolt mankind was given in the fifteenth, sixteenth and seventeenth centuries, unless he studies the special character of this damping down of undertones in the experiencing of speech. Something was lost to mankind, and this comes to light in the happenings of the times, whether they be battles or peacetime creations. Before the point of time mentioned the human soul still experienced it. Whenever people spoke, this resounding of undertones in the experiencing of speech still lived in human souls. That is why the whole of history has an entirely different quality before this turning point, than afterwards. Through spiritual science we must develop a spiritual ear, as I would like to call it, for the completely different tone that events had in the Middle Ages than they have today, as human souls were connected to their experiences in quite a different way in those times.

[ 35 ] Ich will zum Beispiel herausgreifen die Kreuzzüge als Menschheitserlebnis, als Seelenerlebnis. Sie sind nur denkbar, so wie sie im Mittelalter sich ausgelebt haben, wenn man weiß, daß dieses Miterleben solcher Untertöne, geistig-spiritueller Untertöne des sprachlichen Erlebens vorhanden war. Die heutigen Menschen Mittel- und Westeuropas würde das Wort der Synode von Clermont: Gott will es Dieu le veut — wahrhaft nicht so berühren als die Menschen des Mittelalters. Aber die Gründe dafür sind nur zu erkennen, wenn man eingeht auf das, was eben gesagt worden ist.

[ 35 ] I will choose the Crusades as an example of a general human soul-experience. They are only conceivable in the way they came about in the Middle Ages if we know of the existence of these spiritual undertones in the experiencing of language. The present-day peoples of Middle and Western Europe would most certainly not be so affected by the words of Clermont's synod:5convened by Pope Urban II in 1095. Here the decision was taken for the First Crusade. God wills it—Dieu le vent—as the peoples of the Middle Ages were. The reasons for this, however, can only be recognised if we take into account what has just been said.

[ 36 ] Mit alledem hängt aber auch zusammen eine wichtige Erscheinung in dem ganzen modernen Geistesleben. Es hängt damit zusammen die ganze Formation des neueren geschichtlichen Lebens. Versuchen Sie einmal in Ihre geschichtliche Auffassung hineinströmen zu lassen diese Intimität der sprachlichen Untertöne, dann werden Sie verstehen, warum in dem Zeitpunkte, der angedeutet worden ist, sich in sich gruppieren die europäischen Nationalitäten, welche vorher in ganz andern Verhältnissen zueinander standen, von ganz andern Impulsen in ihren Verhältnissen zueinander beherrscht waren. Wie sich in den einzelnen Territorien Europas die Nationalitäten zusammenschließen, sich formen bis zum heutigen Tage, das hängt mit Impulsen zusammen, die man ganz falsch interpretiert, wenn man, von heute zurückgehend, die Entstehung der Nationen im Mittelalter oder im Altertume sucht und nicht berücksichtigt, wie eine so wichtige Etappe überschritten werden mußte für das Seelenleben.

[ 36 ] An important phenomenon in all modern intellectual life is also connected with this. The whole formation of modern history has to do with this. If you once envisage history with these subtle language undertones in mind, you will understand why, at the point of time I have indicated, the various European nationalities grouped themselves together, those nationalities who before that time had quite different relationships with one another; who were governed by quite different impulses in their relationships to one another. The way the different nationalities group themselves in the various parts of Europe, right up to the present day, has to do with impulses that we interpret quite falsely if we go back from the present to the Middle Ages to look for the origins of nations, without bearing in mind the tremendously important rubicon that had to be crossed in the life of the soul.

[ 37 ] Ich kann, wenn Themen angeschlagen werden, die eigentlich viele Betrachtungen erfordern, Ihnen nur Andeutungen geben. Das Allerwichtigste über diese Dinge muß Ihrer eigenen Meditation überlassen werden, die das finden wird, was sich ergeben kann auf solche Anregungen hin. Was ich durch diese Anregung gern erreichen möchte, ist eben, eine Vorstellung zu geben, wie die Brücke geschlagen sein kann von der Geisteswissenschaft zu Lebensanschauung und Lebensauffassung, wie die Geisteswissenschaft führen kann zu einem sich bewußten Hineinstellen in dasjenige, worin wir in Wirklichkeit leben.

[ 37 ] I can only give you indications of these themes whereas they would actually require a whole series of lectures. The most important part of all this must be left to your meditation, which will discover what can be found as a result of these indications. What I would hope to have achieved is to have given you a picture of how to build a bridge between spiritual science and knowledge of life, and shown you how spiritual science can lead to a conscious approach to the reality in which we live.

[ 38 ] Naturgemäß muß es dann erscheinen, wenn man die wahrhaften Untergründe solcher Andeutungen erwähnt, daß diese unsere neuere Zeit vieles notwendig macht, was gegenüber dem Alten wiederum Erneuerung sein muß. Wenn wir durch das Weltenkarma in ein ganz besonders ahrimanisch wirkendes Milieu hineingestellt werden heute und unsere Seelenkraft stark machen müssen, um durch alle die Hindernisse, die uns von der ahrimanischen Geistigkeit kommen, dennoch den Weg in die geistigen Sphären zu finden, so braucht die menschliche Seele heute andere Unterstützungsmittel, als sie früher gebraucht hat. Und das hängt damit zusammen, daß auch die Kunst andere Wege einschlagen muß auf allen Gebieten.

[ 38 ] Having spoken of the real foundations on which these indications are based, it would appear quite natural that this modern age of ours makes a renewal of many things necessary, compared to the past. Through being placed today by world karma in a setting that functions in an especially ahrimanic way, and through having to make our soul forces strong enough to find our way into spiritual spheres, despite all the hindrances that come to us from ahrimanic spirituality, our souls are in need of different kinds of sustenance than before. For the same reason art must also adopt new paths in all its branches.

[ 39 ] Die Kunst mußte selbstverständlich anders sprechen zu einer Seele, die weniger den ahrimanischen Einflüssen ausgesetzt war, als sie sprechen muß zu den heutigen Seelen, die diesen Einflüssen viel mehr ausgesetzt sind. Die allerersten Schritte zu einer solchen Kunst, wirklich die allerersten Schritte, nichts Vollkommenes, sollten mit unserem Bau gemacht werden. Wie versucht worden ist, in diesem Bau wirklich eine Kunst zu schaffen, die appelliert an die Aktivität der Seele: im Zusammenhang mit der ganzen Auffassung vom modernen Leben, aber mit der spirituellen Auffassung vom modernen Leben. Erinnern Sie sich noch einmal an den ganz schmählich trivialen Vergleich, den ich in bezug auf den Bau vor einigen Wochen gegeben habe. Ich habe gesagt: Wie verhält sich das, was unser Bau werden soll, zu dem, wie ein älterer Bau, überhaupt ein altes Kunstwerk wirkte?

[ 39 ] Art obviously had to speak differently to the souls that were less exposed to the attacks of Ahriman than we are today. Art has to speak in a new way to souls today, and our Goetheanum building6Laying of foundation stone 20th September 1913. Burning of the Goetheanum, 31st December 1922. is meant to be the very first step, really and truly the very first step towards art of this kind, and not anything perfect. It is an attempt actually to create the kind of art that calls on the soul to be active, on the lines of the whole conception of modern life, yet a spiritual conception of modern life. Let us remember the frightfully trivial comparison I made regarding the Goetheanum building a few weeks ago. I asked, “How does the effect our Goetheanum building is intended to have, compare with that of an older building, or an older work of art in general?

[ 40 ] Fin altes Kunstwerk wirkte durch das, was in seinen Formen und Farben war. Die Formen und Farben machten Eindruck. Schematisch gezeichnet also, wenn dies die Form war, so wirkte auf das Auge diese Form (es wird gezeichnet). Dasjenige, was indem Raum darinnen war, den die Form ausfüllte, das wirkte. Und ebenso ist es mit den Farben. Die Farbe, die an der Wand war, die wirkte.

[ 40 ] A work of art from the past made an impression by means of its forms and colours. Its forms and colours made an impression. If we make a diagram of it and the form is like this, this form had an effect on the eye (he did a drawing). What was in space and what the form was filled out with, was what made the impression. And it is the same with the colours. The colours on the walls made the impression.

[ 41 ] Ich habe gesagt, so ist es nicht gemeint mit unserem Bau, sondern unser Bau ist gemeint — und das ist eben der schmählich triviale Vergleich - wie ein Gugelhupftopf, wie ein Napfkuchentopf, der nicht da ist um seinetwillen, sondern für den Napfkuchen. Darauf kommt es an, daß das, was darinnen ist, die Form bekommt, und wenn er leer ist, so zeigt er eigentlich, daß er zu etwas da ist, der Napfkuchentopf. Was er aus dem Napfkuchen macht, darauf kommt es an. Und bei unserem Bau kommt es darauf an, was die Seele in ihren tiefsten Gründen, indem sie sich darinnen aufhält in diesem Bau, erlebt, wenn sie bis an die Grenzen der Formen dieses Baues kommt. Also das Kunstwerk wird eigentlich nur angeregt durch das, was an Formen da ist. Das Kunstwerk ist dasjenige, was die Seele erlebt, indem sie den Formen entlang erlebt. Das Kunstwerk ist der Napfkuchen. Das, was gebaut worden ist, ist der Napfkuchentopf, und daher mußte auch versucht werden, nach einem ganz neuen Prinzip hier zu verfahren.

[ 41 ] I said that our building is not intended to be like that; our building is meant to be—and this is the terribly trivial comparison—like a jelly mould that does not exist for its own sake but for the sake of the jelly. Its function is to give a form to what is put into it, and when it is empty you can see what it is for. What it does to the jelly is the important thing. And the important thing with our building is what a person who goes inside it experiences in the innermost depths of his soul, when he feels the contours of the forms. All that the forms do is set the process going that creates the work of art. The work of art is what the soul experiences when it feels the shape of the forms. The work of art is the jelly. What has been built is the jelly mould, and that is why we had to try and proceed on an entirely new principle.

[ 42 ] Auch das, was malerisch zu finden sein wird in unserem Bau, ist nicht da, um durch sich als solches zu wirken, wie es bei der alten Kunst der Fall war, sondern um die Seele, indem sie an das stößt, was da ist, erleben zu lassen dasjenige, was ihr Erleben zu einem Kunstwerke. macht. Dadurch allerdings geschieht eine Umformung ich kann das alles nur andeuten - eines alten künstlerischen Prinzips in ein neues, welches so bezeichnet werden kann, daß man sagt: Das plastische, das bildhafte Element wird, indem es weitergeführt wird um eine Etappe, hineingeführt in ein gewisses musikalisches Erleben. Es gibt auch den umgekehrten Weg, aus dem Musikalischen zurück in das Plastisch-Bildhafte.

[ 42 ] Likewise what you will find in the way of paintings in our Goetheanum building will not be there for their direct effect, as used to be the case with art in the past, but will be there for the soul to encounter, so that the experience resulting from this encounter will be a work of art. This of course involves a metamorphosis—I can only give indications of all this—the metamorphosis of an old artistic principle into a new one, which we can depict by saying that when the sculptural, the pictorial element is taken a stage further, it is led over into a kind of musical experience. There is also the opposite step, from the musical element back into the sculptural-pictorial.

[ 43 ] Das sind Dinge, die nicht willkürlich erzeugt werden von der Menschenseele, sondern die zusammenhängen mit den innersten Impulsen, die wir durchzumachen haben, indem wir im ersten Drittel der fünften nachatlantischen Kulturepoche stehen. Das wird uns gleichsam vorgeschrieben von den geistigen Wesenheiten, die diese Entwickelung leiten.

[ 43 ] These are things which are not created arbitrarily by the human soul, but have to do with the innermost impulses we have to go through, because we are in the first third of the fifth post-Atlantean epoch. It has been, as it were, ordained by the spiritual beings that guide this evolution.

[ 44 ] Überall muß ein Anfang gemacht werden. Wenn nun Menschen finden werden, daß manches unvollkommen ist an unserem Bau, dann dürfen sie versichert sein, daß diejenigen, die an diesem Bau beteiligt sind, noch viel, viel mehr unvollkommene Dinge finden werden als diejenigen, die kritisieren, wirklich viel mehr. Es sind Dinge auszusetzen daran, auf welche die, welche ihn bloß anschauen, gar nicht kommen. Aber darauf kommt es nicht an, sondern worauf es ankommt, das ist, daß mit allen Dingen, die geschehen müssen, ein Anfang gemacht wird. Nicht auf die Vollkommenheit, in der wir ausführen können das, was gewollt werden muß, kommt es an, sondern darauf, daß das, was hier ins Leben treten muß, wenn es auch noch so unvollkommen ins Leben treten muß, einmal getan wird, daß ein Anfang gemacht wird. Denn alles, was als ein Neues in die Welt eintritt, ist unvollkommen gegenüber dem, was als Altes fortbesteht. Das Alte lebt als höchste Stufe und das Neue ist noch in den Kinderschuhen. Das ist ganz selbstverständlich.

[ 44 ] A start has to be made in every realm. If people find things about our building that are imperfect they may be assured that the people who are actually engaged in building it will find far more imperfections than the people who criticise it—far, far more. There are faults to be found in it which people who just look at it would not think of. But that is not the point. The point is that a start is being made, for there are so many things that have to happen. The important thing is not the perfection we achieve in what we must will to happen, but that a start is made on what has to come to life here, however imperfect it has to be. For everything new that comes into the world is imperfect compared with old things that have stood the test of time. Things that are old have reached their highest level, whereas new creations are still in their infancy. That is quite obvious.

[ 45 ] Von diesen zuletzt gemachten Bemerkungen über eine Erneuerung der künstlerischen Weltanschauung und den Zusammenhang der künstlerischen Weltanschauung mit dem ganzen Kulturleben der Gegenwart werde ich dann in den morgigen Betrachtungen ausgehen.

[ 45 ] I will begin tomorrow where we have stopped today, and consider the renewal of an artistic conception of the world and the connection this has with the whole cultural life of today.