Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Kunst im Lichte der Mysterienweisheit
GA 275

3 Januar 1915, Dornach

Siebenter Vortrag

[ 1 ] Wenn Sie sich erinnern an die Auseinandersetzungen, die gepflogen worden sind im Zusammenhang mit der Entwickelung der Erde über die Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit, so werden Sie wissen, daß auf jeder dieser Stufen der Evolution eine bestimmte Wesensart, die wir heute zu den Wesensarten der höheren Hierarchien rechnen müssen, gewissermaßen die Menschheitsstufe erreichte. Wir wissen, daß während der alten Saturnzeit diejenigen geistigen Wesenheiten die Menschheitsstufe erreichten, die wir nennen die Geister der Persönlichkeit, die Urbeginne, die Archai, daß während der Sonnenzeit ihre Menschheitsstufe erreichten die Archangeloi, während der Mondenzeit die Angeloi und während der Erdenzeit die Menschen.

[ 2 ] Nun ersehen Sie aber auch aus all den Betrachtungen, die im Zusammenhange mit den Evolutionen gepflogen worden sind, daß jede Stufe von Wesenheiten, die in der folgenden Zeit eine bestimmte Entwickelung erreichte, vorbereitet worden ist. Wir wissen, daß der Mensch vorbereitet worden ist durch die Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit, daß dasjenige, was wir heute als den vollkommenen physischen Menschenleib bezeichnen, eine Evolution durchgemacht hat schon seit der Saturnzeit, daß der Ätherleib eine Evolution durchgemacht hat seit der Sonnenzeit, der Astralleib seit der Mondenzeit, und daß das Ich erst hinzugekommen ist während der Erdenzeit, so daß also die Gesamtheit einer solchen Wesensart vorbereitet wird.

[ 3 ] Es kann Ihnen die Frage gewissermaßen auf dem Herzen liegen: Werden denn auch in unserer Zeit solche Wesenheiten vorbereitet, welche während der Jupiterzeit die Menschenstufe erreichen? - Nun wissen Sie aber auch, daß während der Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit — Sie brauchen nur die Darstellung in meinem Buche «Die Geheimwissenschaft» nachzusehen - an der Vorbereitung zum Menschentum die Geister der höheren Hierarchien teilgenommen haben. Es ist da dargestellt worden, wie die Angeloi, Archangeloi und Archai an dem Zustandekommen der menschlichen Wesenheiten teilgenommen haben, und so liegt es nahe, sich die Frage vorzulegen: Arbeiten vielleicht auch die Menschen durch ihr Erdensein an denjenigen Wesen vorbereitend, die während der Jupiterzeit die Menschheitsstufe erreichen werden?

[ 4 ] Das ist eine Frage, die gewiß jedes fühlende Herz - fühlend in dem Sinne, wie wir es in den vergangenen Tagen im Zusammenhang mit den Anregungen durch die Geisteswissenschaft fühlend genannt haben - als eine Lebensfrage betrachten muß. Denn es könnte sein, daß des Menschen Benehmen im ganzen während der Erdenzeit etwas fördern oder verfehlen könnte in bezug auf diejenigen Wesenheiten, welche während der Jupiterzeit die Menschheitsstufe erreichen könnten. Man möchte sagen: Was können wir denn Schlimmeres tun, als während der Erdenevolution uns in einer Weise zu benehmen, die es unmöglich macht, daß aus unseren Taten die richtigen Jupiterwesen hervorgehen? - Nun muß man allerdings einen gewissen guten Erkenntniswillen voraussetzen, wenn man über diese Dinge sprechen will, denn indem man über diese Dinge spricht, berührt man wahrhaftig schon wichtige Geheimnisse der Initiation, solche Geheimnisse der Initiation, welche der heutigen Wissenschaft selbstverständlich ein Greuel sind. Da muß man sich schon vorbereiten dutch sein Gefühl, anzusehen, wie diese heutige Wissenschaft zu den eigentlichen Lebenswahrheiten notwendigerweise stehen muß.

[ 5 ] Ich habe schon versucht, in den vorhergehenden Vorträgen einiges zu charakterisieren über das notwendige Verhältnis der heutigen Wissenschaft zum Leben. Sie kann nicht unmittelbar an die Geheimnisse des Lebens heran. Sie kann dies auch nicht wollen; sie muß sich nur nicht anmaßen, an diese Geheimnisse des Lebens herankommen zu wollen. Für diejenigen, welche gern Eier essen, wenn sie hartgesotten sind, ist es sicher gut, wenn man Eier hart siedet, und dann haben hartgesottene Eier einen guten Zweck eben für die, welche sie genießen. Aber wenn jemand hingehen wollte und sagen: Man nehme den Hühnern die Eier weg, um sie hart zu sieden und sie dann nachher von ihnen ausbrüten zu lassen -, so würde ein solcher etwas Absurdes unternehmen. Ganz dasselbe unternimmt in bezug auf den Kosmos derjenige, welcher die Geheimnisse des Kosmos enträtseln will und mit dem heutigen Wissen daran gehen will, sie zu enträtseln, was wirklich dem Verhalten desjenigen entspricht, der hartgesottene Eier ausbrüten lassen will, aus denen sich nichts mehr ausbrüten läßt.

[ 6 ] Inwiefern diese Wissenschaft als zusammenhängend mit dem ganzen heutigen Denken in vieler Beziehung gerade für die wahren Rätsel des Lebens irreführend sein muß, kann Ihnen anschaulich werden durch einen Vergleich, den ich jetzt machen möchte. Nicht wahr, wenn jemand sich auslassen will über das Förderliche oder Schädliche der Wissenschaft, so wird er zunächst versuchen, die Frage so zu stellen: Hat diese Wissenschaft da oder dort Recht? -— Und wenn er beweisen kann, daß sie da oder dort Recht hat, so wird er selbstverständlich auf sie schwören.

[ 7 ] Ja, aber das ist es gerade, wovon wir abkommen müssen, daß wir diese Frage, ob das, was die Wissenschaft sagt, richtig oder nicht richtig ist, für so wichtig halten. Wir müssen dahinkommen, daß wir diese Frage nicht als die Hauptsache betrachten, wenn es sich darum handelt, die Rätsel des Lebens zu lösen. Wenn jemand einen Wagen sieht, der von Pferden gezogen ist und auf dem ein Mensch sitzt, so wird derjenige, der das sieht, ganz gewiß Recht haben, wenn er sagt: Die Pferde ziehen diesen Menschen auf dem Wagen, sie ziehen ihn nach sich. - Das ist zweifellos richtig. Und derjenige, der behaupten wollte, die Pferde ziehen nicht den Wagen und den, der auf dem Wagen sitzt, der würde selbstverständlich etwas Unrichtiges behaupten. Aber ebenso wahr ist es, daß der Mensch, der darauf sitzt, bewirkt durch die Art, wie er die Pferde dirigiert, wohin die Pferde ihn ziehen sollen, und das ist ganz gewiß das Wichtigere, das Wesentlichere, worauf es ankommt für die Erreichung dessen, was erreicht werden soll. Die heutige Wissenschaft gleicht eben der Behauptung desjenigen, der leugnet, daß der Mann auf dem Wagen die Pferde lenkt, und der nur zugeben will, daß die Pferde den Mann auf dem Wagen ziehen.

[ 8 ] Wenn Sie diesen Vergleich sich genauer ausdenken, so werden Sie sich über das Verhältnis der heutigen Wissenschaft zur heutigen Wahrheitsforschung die richtigen Ideen aneignen können. Ich muß diese Dinge immer wieder sagen aus dem Grunde, weil der auf dem Boden unserer Weltanschauung Stehende immer mehr und mehr in die Lage kommen muß, diese unsere geisteswissenschaftliche Weltanschauung gegenüber den Angriffen der heutigen Weltanschauung zu verteidigen, zu sichern. Das kann man aber nur, wenn man wirklich sich aufklärt über das Verhältnis der heutigen äußeren Wissenschaft zu der echten Wahrheitsforschung. Immer muß man mit ganz bestimmten Empfindungen, mit ganz bestimmten Gefühlsnuancen an die Fragen der Geisteswissenschaft herangehen, sonst kommt man mit ihnen nicht zurecht.

[ 9 ] Nun hängt die Frage, die wir berührt haben, die Frage nach denjenigen Wesenheiten, welche auf dem Jupiter die Menschenstufe erreichen werden, in der Tat mit den tiefsten Fragen der Erdenevolution des Menschen zusammen. Es gibt in unserer Erdenevolution etwas, demgegenüber immer philosophische Bestrebungen da waren, das ist das Verhältnis des sittlichen, des ethischen Handelns zu dem natürlichen Dasein des Menschen. Der Mensch muß ja unterscheiden als Erdenwesen, inwiefern er ein Wesen ist, das von seinen Trieben beherrscht ist, das seinen Trieben folgt, das diese Triebe befriedigen muß, das gegenüber diesen Trieben und ihrer Befriedigung nichts vermag, weil sie einfach nach Naturgesetzen befriedigt werden müssen. Das ist die eine Seite der menschlichen Natur. Ihr gegenüber sagen wir: Das, was wir tun, müssen wir tun. Wir müssen essen, wir müssen schlafen. -— Aber es gibt ein anderes Gebiet des menschlichen Verhaltens auf der Erde, das ist das Gebiet, demgegenüber wir von einem Müssen nicht reden können, das allen Sinn verlieren würde, wenn wir von einem Müssen sprechen würden. Das ist das weite Gebiet des Sollens, das Gebiet, wo wir gegenüber allen Trieben, gegenüber alldem, was auf naturgemäße Weise aus unserer Natur folgt, empfinden: Wir müssen einem rein geistigen Impulse folgen. - Das «Du sollst» ist niemals etwas, was triebartig zu uns spricht, sondern etwas, was richtunggebend auf rein geistige Art zu uns spricht. Dieses «Du sollst» umfaßt das Gebiet unserer sittlichen Pflichten.

[ 10 ] Es gibt Philosophien, die gar nicht finden können den Zusammenhang zwischen dem «Du sollst» und dem «Du mußt». Und unsere im Materialismus gerade dann schon, wenn es sich um das sittliche Leben handelt, fast versumpfende Gegenwart — sie wird noch immer mehr versumpfen -, möchte gleichsam alles «Du sollst» überhaupt in ein «Du mußt» verwandeln. In dieser Beziehung gehen wir Zeiten entgegen, in denen die Verwandlung des «Du sollst» in ein «Du mußt» mit einem gewissen Hochmut geradezu als Psychologie ausposaunt wird. Schlimme Aspekte bieten sich dar, wenn man die Anfänge desjenigen, was sich in Zukunft noch auswachsen wird, zum Beispiel als Kriminalpsychologie, ins Auge faßt. Da sehen wir schon heute, wie angefaßt wird der Mensch so, daß man nicht frägt, hat er ein «Du sollst» übertreten, sondern man sucht nachzuweisen, wie er zu dieser oder jener den Menschen schädigenden Tat durch ein Müssen seiner Natur getrieben, angespornt worden ist. Kuriose Versuche werden immer mehr und mehr angestellt, Verbrechen nur als einen besonderen Krankheitsfall in der Welt zu charakterisieren. Alle diese Dinge gehen hervor aus einer gewissen materialistischen Unklarheit unserer Zeit über die Beziehung des «Du sollst» zu dem «Du mußt».

[ 11 ] Dieses «Du sollst», was man auch den kategorischen Imperativ genannt hat, was hat es im gesamten Zusammenhang des menschlichen Daseins eigentlich zu bedeuten? Derjenige, welcher dem «Du sollst» folgt, begeht bekanntlich eine sittliche Handlung. Derjenige, der dem «Du sollst» nicht folgt, begeht eine unsittliche Handlung. Das ist ja eine recht triviale Wahrheit. Aber nun versuchen wir einmal «sittlich» und «unsittlich» nicht nur in bezug auf die äußere Maja des physischen Planes anzusehen, sondern versuchen wir sittlich und unsittlich anzusehen in bezug auf die Wahrheit und in bezug auf dasjenige, was hinter der Maja des physischen Planes eigentlich steht. Da nimmt sich das Moralische, das Ethische, das Sittliche, das, was dem «Du sollst» entspricht, für die Wissenschaft der Initiation eigentlich schon, man möchte sagen, in einem gröberen Sinne genommen als etwas in das geistige Auge Springendes aus. Der Mensch zeigt sich Ihnen - es müssen nun schon einmal auch solche für die materialistische Weltanschauung greulichen Wahrheiten ausgesprochen werden -, wenn Sie ihn bei gewissen Temperatur- und Witterungsverhältnissen betrachten — die Pferde zeigen es noch besser, aber wir reden jetzt nicht von den Pferden -, der Mensch zeigt sich Ihnen dann, wie er aushaucht, und wie der Hauch durch das Eindringen in die Luft sichtbar wird als Dunst. Selbstverständlich ist für die materialistische Wissenschaft dieser Hauch, den der Mensch von sich gibt — bei Pferden kann man es noch besser sehen, aber wir reden jetzt, wie gesagt, nicht von Pferden -, etwas, was verflattert und zerfließt und keine weitere Bedeutung hat. Aber für denjenigen, der mit der Wissenschaft der Initiation die Erscheinungen des Lebens verfolgt, ist dieser Aushauch insofern bedeutsam, als er in seiner Nuancierung genau die Spuren des sittlichen oder unsittlichen Verhaltens des Menschen trägt. Das sittliche oder unsittliche Verhalten des Menschen ist in dem wäßrigwerdenden Hauch zu erkennen, und ganz anders ist der wäßrigwerdende Hauch bei einem zur Sittlichkeit hinneigenden Menschen und anders bei einem zum Unsittlichen hinneigenden Menschen. Sie wissen, daß bei mancherlei, was in der menschlichen Natur ist, die feineren Eigentümlichkeiten der menschlichen Natur auch erst in den feineren Teilen der ätherischen und astralischen Aura beobachtet werden können. Aber dasjenige, was im gewöhnlichen Sinne des Wortes der Mensch als sittliches oder unsittliches Wesen ist, das zeigt sich schon in dem ätherisch-astralischen Einschlag, der in dem wäßrigwerdenden Hauch enthalten ist. Was physisch daran ist, zerflattert, das aber, was sich in dem Hauch verkörpert, das zerflattert nicht, denn das enthält ein dämonisches Wesen, und in dem ist enthalten, wenn der Hauch wässerig wird, ein Physisches, ein Ätherisches und ein Astralisches, nur daß das Physische nicht erdig ist, sondern eben nur wässerig. Also etwas, was in der mannigfaltigsten Weise Gestaltung hat, zeigt sich in diesem Aushauch.

[ 12 ] Bei Taten, die aus Liebe entstanden sind, zeigt sich etwas anderes als bei Taten, die zum Beispiel aus Enthusiasmus, aus schöpferischem Drang, aus Vervollkommnungsdrang entstanden sind. Aber immer hat diese Aushauchgestalt etwas, was erinnert an Wesenheiten, die es jetzt noch gar nicht gibt auf der Erde. In diesen Wesenheiten bereiten sich diejenigen vor, welche die Menschheitsstufe auf dem Jupiter erreichen werden. Das sind die ersten, voraneilenden Schattenbilder, die sich verändern und auch fernerhin verändern werden, um auf dem Jupiter dann zur Menschheitsstufe aufzusteigen.

[ 13 ] Wir verdanken auch in einer gewissen Weise dem Ausatmungsprozesse der Angeloi auf dem Monde unsere Entstehung, und es gehört wiederum zu den erschütternden Erfahrungen des geistigen Lebens, wenn man von einer solchen Erkenntnis ausgeht, daß sich in dem Aushauch die künftigen Jupitermenschen vorbereiten, daß aus dem, was heute die Menschen aushauchen, sich entwickeln werden die zukünftigen Jupitermenschen. Wenn man mit einer solchen Erkenntnis an die Bibel herangeht und liest die ersten Worte der Bibel, dann kann man sich sagen: Jetzt fängt man an zu verstehen, wie das gemeint ist, wenn da steht, daß Hauche ausgeatmet worden sind von den Elohim, und daß sie durch den Hauch, den sie den Menschen einbliesen, den Erdenmenschen formten.

[ 14 ] Ich kann Ihnen das Geständnis machen, daß ich niemals verstanden hätte dieses Einhauchen der Elohim, das Einhauchen in den Mund und die Nase der lebendigen Wesenheit des Menschen, wenn ich nicht vorher gewußt hätte, daß auch im Aushauch des Erdenmenschen die ersten Keime enthalten sind derjenigen Wesen, die auf dem Jupiter erst Menschen werden. Aber Jupitermenschen können nur werden diejenigen Aushauche, die ihr Dasein verdanken den Handlungen, die dem «Du sollst» folgen, die also sittliche Handlungen sind.

[ 15 ] So sehen wir, wie wir in die ganze kosmische Ordnung eingreifen mit unserer Erdensittlichkeit. So sehen wir, daß unsere Erdensittlichkeit in der Tat eine schöpferische Macht ist, und wir sehen, daß es in der Geisteswissenschaft einen starken Antrieb gibt zu Impulsen für das sittliche Handeln, denn wir wissen, wir stellen uns entgegen der Schöpfung der Jupitermenschen, wenn wir auf der Erde nicht sittlich handeln. Sittlichkeit, die der Ausdruck ist des «Du sollst», gewinnt so in der Tat einen realen Wert, einen Existenzwert. In einer intensiven Weise formt unser menschliches Verhalten dasjenige, was wir aus der Geisteswissenschaft übernehmen können, wenn wir also real mit dem Kosmos zusammenhängende Geheimnisse erkennen.

[ 16 ] Auf ähnliche Dinge ist schon früher aufmerksam gemacht worden, indem da oder dort die Bemerkung gemacht worden ist, was wiederum die Sprache für ein Symbolum ist für das zukünftige Schaffen des Menschen selber. Darauf will ich aber heute nicht eingehen, sondern ich wollte zunächst nur zeigen, welche Bedeutung das sittliche Verhalten im Ganzen des Kosmos hat.

[ 17 ] Nun können Sie aber die Frage aufwerfen: Wie ist es nun mit dem unsittlichen Verhalten? — Auch das unsittliche Verhalten spricht sich in der inneren Gestaltung, in der Formierung des Hauches aus. Aber das unsittliche Verhalten prägt dem Hauche eine dämonische Gestalt ein. Dämonen werden geboren durch das unsittliche Verhalten des Menschen. Versuchen wir uns zunächst klarzumachen den Unterschied zwischen den Dämonen, die durch das unsittliche Verhalten entstehen, und den geistigen Wesenheiten — geistig insofern, als sie es auf Erden nur zu einem wäßtigen Dasein bringen -, den geistigen Gestalten, die durch die sittlichen Handlungen geschaffen werden.

[ 18 ] Diejenigen Wesenheiten, die bis zu einem vorübergehenden wäßtigen Dasein im Hauche kommen und die aus dem sittlichen Verhalten hervorgehen, sind Wesen, die einen astralischen, einen ätherischen und endlich einen physischen Leib haben, der bis zur Wäßrigkeit verdichtet ist, so wie wir während des Mondendaseins einen ätherischen, einen astralischen und einen physischen Leib hatten, und der physische Leib auch nur bis zu einer Art von Wäßrigkeit verdichtet war. Es war schon auch mit uns so während des Mondendaseins, wenn auch nicht genau so. Und in diesem Gebilde, das da aus den sittlichen Handlungen entsteht und das aus physischem Leib, Ätherleib und Astralleib besteht, ist die Anlage, das Ich aufzunehmen, so wie in unserem physischen, Äther- und Astralleib während der Mondenzeit die Anlage war, ein Ich aufzunehmen. Die Anlage, ein Ich aufzunehmen, ist also darinnen. Solche Wesenheiten sind zum regulär fortschreitenden Dasein im Kosmos berufen, sie gehen einen regulären Weg. Die andern Wesenheiten, die als Dämonen durch die unsittlichen Handlungen geschaffen werden, haben auch selbstverständlich astralischen Leib, ätherischen Leib und den physischen Leib bis zur Wäßrigkeit, aber sie haben nicht die Anlage, ein Ich zu entwickeln. Sie kommen gleichsam geköpft zur Welt. Statt daß sie die Anlage in sich aufnehmen, fortzuschreiten in der regulären Evolution zum Jupiterdasein, lehnen sie diese Anlage ab. Sie verurteilen sich dadurch zu dem Schicksale, aus der Evolution herauszufallen. Dadurch aber vermehren sie die Scharen der luziferischen Wesenheiten. Sie gelangen unter die Gewalt der luziferischen Wesenheiten. Sie müssen dadurch, weil sie zu keinem regelmäßig veranlagten Dasein kommen können, ein Parasitendasein führen. Alle Wesenheiten, welche ein regelmäßig veranlagtes Dasein ablehnen, müssen ein Parasitendasein führen, müssen sich, um fortzukommen, woanders ansetzen. Diejenigen Wesenheiten, die durch unsittliche Handlungen entstehen, haben insbesondere das Bestreben, ein Parasitendasein zu führen, indem sie die menschliche Evolution auf der Erde ergreifen unter der Leitung des Luzifer, dem sie sich untergeordnet haben, indem sie die Evolution beim Menschen ergreifen, bevor dieser physisch zur Welt gekommen ist. Den Menschen in der Embryonalzeit befallen sie und führen bei dem noch ungeborenen Menschen, in dem Leben des Menschen zwischen Empfängnis und Geburt, ein parasitäres Dasein. Manche Wesen, die stark genug sind, können dieses Dasein noch fortsetzen, wenn der Mensch schon zur Welt gekommen ist, und zeigen uns dann die Erscheinungen, die auftreten können bei gewissen besessenen Kindern.

[ 19 ] Dieses, was aus dem parasitären Dasein hervorgeht, das die Verbrecherdämonen bei noch ungeborenen Menschen führen, ist dasjenige, was die Generationenfolge verschlechtert, was die Menschen benagt, so daß sie nicht so gut werden können, als sie werden würden, wenn es solche Dämonen nicht gäbe. Alles dasjenige, was mit dem Niedergang der Geschlechter, Stämme, Völker und Nationen zusammenhängt, kommt aus mancherlei Ursachen, aber auch daher, daß die Verbrecherdämonen ein parasitäres Dasein führen beim Menschen in der Periode, von der ich gesprochen habe.

[ 20 ] Das sind Dinge, welche eine große Rolle spielen in der ganzen Erdenevolution, und wir berühren mit solchen Dingen, wie gesagt, wirklich tiefe Geheimnisse des menschlichen Daseins. Gewisse Vorurteile, gewisse Anschauungen prägen sich dadurch oftmals den Menschen schon ein, bevor sie noch durch die Geburt ins Dasein getreten sind. Und die Menschen werden auf diese Weise geplagt von Zweifeln, von Unsicherheiten im Leben, von allem möglichen, was damit zusammenhängt, daß solche dämonischen Wesen ein solches Dasein führen.

[ 21 ] Mit dem, was der Mensch in sich von dem Momente an entwickelt, wo sein Ich auftritt, können diese Wesenheiten nicht mehr viel machen, aber um so mehr können sie ihr parasitäres Dasein entwickeln in der Zeit, bevor der Mensch geboren ist oder noch in den ersten Kindheitsjahren. So sehen wir, daß auch die bösen Handlungen ihre bedeutsame kosmische Wirkung haben, daß sie schöpferisch sind, aber so schöpferisch sind, daß sie sich hinwenden, ich möchte sagen, zum alten Mondendasein. Denn das, was der Mensch in der Zeit durchmacht, von der eben gesprochen worden ist, wo diese dämonischen Wesen ein parasitäres Dasein führen können, ist im wesentlichen die Erbschaft der alten Mondenzeit, die in allerlei unterbewußtem, instinktivem Verhalten zum Vorschein kommt. Es ist etwas, das aus früheren, besseren Zeiten her selbst die physische Wissenschaft noch unter ihren Instinkten bewahrt hat, indem sie die Embryonalzeit des Menschen auf der Erde nicht nach den gewöhnlichen Monaten, sondern nach den Mondmonaten berechnet und daher von zehn Mondmonaten spricht und manches andere noch weiß von einem Zusammenhang dieser Entwickelung mit dem Verlaufe der Mondenphasen.

[ 22 ] So sehen wit, daß in unserer Erdenentwickelung ein Zweifaches enthalten ist: in den guten Handlungen die Tendenz, an der Schöpfung des Irdischen weiterzuarbeiten nach dem Jupiterdasein hin, damit auf dem Jupiter das entstehen könne, was dem Menschen nachfolgen muß als der nächste Mensch. Aber es ist durch die bösen Handlungen zugleich unserer Evolution die Tendenz eingeprägt, die Erde wiederum zurückzubringen in die alte Mondenzeit, sie abhängig zu machen von alledem, was mit den unterbewußten Impulsen zusammenhängt. Wenn Sie nachdenken, so werden Sie vieles, vieles finden, was mit solchen unterbewußten Impulsen zusammenhängt, und viel mehr als in den Zeiten, in denen die Menschen noch nicht so materialistisch waren, ist von solchen Impulsen vorhanden in der materialistisch gewordenen Menschheit der neueren Zeit.

[ 23 ] Ich glaube, gerade an Beispielen einer solchen Erkenntnis, wie sie heute wiederum gegeben worden sind, zeigt es sich, daß man fühlen kann, wie tief eingreifend die Geisteswissenschaft in die menschliche Lebensauffassung sein kann, daß sie wahrhaftig nicht nur etwas sein wird, was dem Menschen Theoretisches gibt, sondern daß sie etwas sein wird, was das Leben des Menschen neu zu regeln imstande sein wird. Zeiten werden kommen, in denen dieses Leben ganz chaotisch werden wird, wenn die Menschen nicht die Möglichkeit ergreifen werden, es aus den geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen heraus zu regeln. Hinaus muß der Mensch mit seinen Erkenntnissen aus der Eingeschlossenheit der Erkenntnis, die nur an die physische Leiblichkeit gebunden ist. Unsere materialistische Zeit will keine andern Erkenntnisse als diejenigen, die nur an die physische Leiblichkeit gebunden sind. Aber der Mensch muß hinaus mit seinen Erkenntnissen aus dieser physischen Leiblichkeit. Und dasjenige, was wir heute anerkennen als die ersten Übungen, die erwähnt worden sind in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten ?», wird dem Menschen nach und nach — das «nach und nach» wird allerdings noch eine längere Zeit dauern — etwas Natürliches werden, etwas, was der Mensch mit Selbstverständlichkeit zu seinem Leben rechnen wird. Namentlich dasjenige, was wir als Gedankenkonzentration bezeichnen, wird dem Menschen etwas Natürliches werden.

[ 24 ] Der Mensch wird immer mehr und mehr die Notwendigkeit anerkennen, sich wirklich gedankenmäßig zu konzentrieren, zu richten sein ganzes Seelenleben auf scharf umrissene Gedanken, die er sich hinstellt vor sein Bewußtsein. Während er sonst seine Sinne schweifen lassen würde von Ding zu Ding, von Tatsache zu Tatsache, wird er immer mehr und mehr, wenn auch nur für kurze Zeit, das Gedankenleben richten auf bestimmte Dinge, die er sich auswählt, auf einen bestimmten Gedanken wird er sich konzentrieren, um das ganze Seelenleben in diesem Gedanken zusammenzuhalten. Dabei wird der Mensch eine Erfahrung machen, eine Erfahrung, die viele von Ihnen hier schon ganz gut kennen. Im Verlaufe der Konzentration ergibt sich für alle eine bestimmte Erfahrung. Wenn wir einen Gedanken in den Mittelpunkt des Bewußtseins rücken und unser ganzes Seelenleben auf ihn lenken, auf ihn uns konzentrieren, so merken wir, der Gedanke wird immer stärker und stärker. Gewiß. Aber dann kommt ein Punkt, wo er nicht mehr stärker wird, sondern wo er schwächer wird und verblaßt. Das ist eine Erfahrung, die viele von Ihnen kennen. Er muß so verblassen, der Gedanke, er muß gleichsam innerlich ersterben. Denn so, wie wir den Gedanken zunächst haben, wie wir zunächst denken, so denken wir durch das Werkzeug des physischen Leibes, und die Art, wie wir durch das Werkzeug des physischen Leibes denken, die konzentrieren wir, aber erst in dem Momente schlüpfen wir heraus aus dem physischen Leibe, wo der Gedanke, der konzentriert ist, erstirbt.

[ 25 ] Wir würden nun überhaupt in das Unbewußte gehen, wenn wir nicht, parallel mit dieser Konzentration, etwas anderes versuchen würden, wodurch wir, wenn wir hinausschlüpfen aus unserem physischen Leibe, uns doch bewußt draußen erhalten. Wir nennen dasjenige, was wir tun müssen, um uns draußen bewußt zu erhalten, ein gelassenes Leben haben, gelassen die Dinge der Welt hinnehmen. Wir können noch mehr tun, als gelassen die Dinge hinnehmen. Wir können es mit dem, was uns ja als Theorie so geläufig ist, wir können es mit der Karma-Idee völlig ernst nehmen. Was heißt das?

[ 26 ] Zunächst ist im Leben der Mensch ganz und gar nicht geneigt, es mit der Karma-Idee völlig ernst zu nehmen. Wenn er nur eine kleine Fährlichkeit hat im Leben, die ihn verletzt, oder wenn irgend etwas sonst ihm begegnet, so kann er manchmal wütend werden, es ist ihm jedenfalls antipathisch. Demjenigen, was wir unser Schicksal nennen, stehen wir mit Sympathie oder Antipathie gegenüber. Im gewöhnlichen Leben kann es auch gar nicht anders sein, da ist es ganz notwendig, daß wir gewissen Ereignissen, die wir zum Schicksal rechnen, sympathisch, und daß wir andern derartigen Ereignissen antipathisch gegenüberstehen. Das Schicksal ist für uns etwas, was von außen an uns herankommt.

[ 27 ] Wenn wir es ernst nehmen mit der Karma-Idee, dann müssen wir unser Ich in unserem Schicksale wirklich erkennen, wir müssen uns klar sein, daß wir in dem, was uns im Schicksal zustößt, selber tätig sind, daß wir selber die eigentlichen Akteure sind. Es wird uns gewiß schwierig, wenn uns jemand beleidigt, daran zu glauben, daß in dem Beleidiger wir selber darinnenstecken. Denn im physischen Leben kann es nötig sein, die Beleidigung zu ahnden. Aber wir müssen immer ein Kämmerchen in unserem Inneren haben, in dem wir uns doch gestehen: Selbst wenn dich jemand’ beleidigt, so bist du es selbst, der dich beleidigt, wenn dich jemand schlägt, bist du es selbst, der dich schlägt, wenn dich mißliche Schicksalsschläge treffen, so bist du es selbst, der diese Schicksalsschläge an dich heranbringt. - Wir vergessen, daß wir nicht bloß in unserer Haut sind, sondern in unserem Schicksal darinnen sind, wir vergessen, daß wir in allen den sogenannten Zufällen unseres Schicksals darinnen sind.

[ 28 ] Es ist sehr schwierig, wirklich die Empfindung zu entwickeln, daß man sein Schicksal mit dem eigenen Ich heranträgt. Wahr ist es aber: wir tragen unser Schicksal mit unserem eigenen Ich heran, und die Impulse bekommen wir nach Maßgabe unserer früheren Inkarnationen in dem Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, so daß wir da unser Schicksal selber an uns herantragen. Und wir müssen danach streben, zusammenzuwachsen mit unserem Schicksal, müssen immer mehr und mehr, statt antipathisch einen schweren Schicksalsschlag abzuwehren, uns sagen: Dadurch, daß dieser Schicksalsschlag dich trifft, das heißt, daß du dich triffst mit dem Schicksalsschlag, dadurch machst du dich in gewisser Beziehung stärker, kräftiger, kraftvoller. - Es ist schwieriger, so mit seinem Schicksal zusammenzuwachsen, als uns dagegen zu wehren, aber das, was wir verlieren, wenn unser Gedanke erstirbt, das können wir nur wiedergewinnen, wenn wir auf diese Weise das, was außer uns ist, in uns hineinziehen. In dem, wasin unserer Haut ist, können wir nicht bleiben, wenn der Gedanke bei der Konzentration in uns erstirbt, aber hinaustragen wird er uns, wenn wir unser Karma, unser Schicksal im wahren Sinne erfaßt haben. Da wecken wir uns wieder auf. Der Gedanke erstirbt, aber das, was wir als Identifizierung erfaßt haben zwischen unserem Ich und unserem Schicksal, das tragen wir hinaus, das trägt uns draußen in der Welt herum.

[ 29 ] Diese Gelassenheit gegenüber unserem Schicksal, das wahrhaftige Hinnehmen unseres Schicksals, das ist es, was uns mit Existenz beschenkt, wenn wir außerhalb unseres Leibes sind. Das braucht selbstverständlich unser Leben auf dem physischen Plane nicht zu ändern. Das können wir nicht immer. Aber die Gesinnung, die wir in einem Kämmerchen unserer Seele entwickeln müssen, die muß da sein für die Augenblicke, wo wir wirklich außerhalb unseres Leibes die Möglichkeit finden wollen, bewußt zu leben. Zwei Sätze können Leitsätze für uns sein, können uns außerordentlich wichtig sein. Der erste dieser Sätze, den wir uns so recht tief einschreiben sollten, ist dieser:

Erstrebe des Gedankens Ersterben im All.

[ 30 ] Denn nur, wenn der Gedanke erstirbt im All, dann wird er draußen eine lebendige Kraft. Aber wir können uns mit dieser lebendigen Kraft nicht verbinden, wenn wir uns nicht um den Inhalt des zweiten Satzes bemühen:

Erstrebe des Schicksals Auferstehung im Ich.

[ 31 ] Wenn du das vollbringst, dann vereinigst du das im Gedanken wiedergeborene mit dem außer dir auferstandenen Ich.

[ 32 ] Es ist aber vieles in der menschlichen Natur, was es schwierig macht, eine Evolution zu suchen im Sinne dieser Sätze. Es ist schwierig, denn das Verhältnis des Inneren zum Äußeren in der richtigen Weise anzuschauen, wird den Menschen ganz besonders schwer. Je mehr wir in dieser Beziehung Ethisches lernen können anhand der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung, desto besser ist es. Ethisches können wir insofern lernen anhand der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung, als gewisse ethische Begriffe erst Blut und inneres Leben erhalten durch das, was aus der Geisteswissenschaft ihnen zuströmen kann.

[ 33 ] So zum Beispiel gibt es Menschen, welche fortwährend über andere Menschen klagen, sich darüber beklagen, daß ihnen andere Menschen dieses oder jenes tun. Bis dahin geht es, daß sie davon sprechen, daß andere Menschen sie verfolgen. Alle solchen Dinge hängen immer zusammen mit dem andern Pol der Menschennatur, man muß nur in der richtigen Weise das Leben betrachten, das heißt in der Weise, die gerade die wirklich verstandene Geisteswissenschaft gibt. Wer durch das Leben geht und sich das Auge etwas hellsichtig hat machen lassen durch die Geisteswissenschaft, der wird immer finden — selbstverständlich gibt es Gründe, um über Lieblosigkeit zu klagen, aber dessen ungeachtet wird man finden -, daß am meisten über Lieblosigkeit geklagt wird von denen, die eigentlich Egoisten sind, und der Glaube, daß alle Menschen ihnen schaden oder Böses zufügen wollen, wird am meisten bei egoistischen Naturen entstehen, während Naturen, die an sich liebevoll und liebefähig sind, nicht leicht zu dem Glauben kommen, daß sie verfolgt werden, daß man ihnen alles mögliche Böse antun wolle und so weiter.

[ 34 ] Ja, indem so etwas ausgesprochen wird, ist man leicht geneigt, das theoretisch zuzugeben. Ich bin sogar überzeugt davon, die meisten Menschen werden das theoretisch schon zugeben, nachdem sie ein wenig nachgedacht haben. Es ins Leben einzuführen, das ist es aber, worauf es ankommt.

[ 35 ] Nun kann die Frage entstehen: Welches ist der Weg, um diese Dinge in das Leben einzuführen? -— Da muß dann die Antwort wieder gegeben werden: Wirklich mitleben da, wo die Geisteswissenschaft wirklich gesucht wird, mitleben, soviel als man kann. — Das ist dasjenige, um was es sich handelt. Dabei wird die Geisteswissenschaft nicht in Kompendien oder kurzen Abrissen gegeben, sondern es wird versucht, die Geisteswissenschaft zu einer lebendigen Strömung zu machen, in der wir darinnen leben können, so daß wir durch sie fortwährend uns warm erhaltend Anregungen haben können.

[ 36 ] Das hat auch im Grunde genommen dazu geführt, für dieses lebendige Streben der Geisteswissenschaft eine Art Mittelpunkt zu suchen in unserem Bau, der so, wie er ist, ich habe es gestern erwähnt, durch seine Formen, durch die Art, in der er durchgeführt ist, das LeiblichSeelisch-Geistige im Sinne unserer Geisteswissenschaft gibt. Er ist selbst ein Wahrzeichen dafür, daß wir suchen, gemäß den Impulsen, die wir aus der geistigen Welt heraus erkennen können, solches der Menschheitsevolution einzufügen, was gerade für die heutige Zeit so notwendig ist, damit die nächste Zukunft sich daraus in wirklich regelrechter Art entwickeln kann. Gerade dadurch, daß der Bau in seinen Formen das enthält, woran man das Wesen der Geisteswissenschaft empfinden kann, wird bewirkt, daß dieser Bau wirklich etwas sein kann wie eine Art Zentrum, wie eine Art Konzentrationspunkt, um den sich herumkristallisiert dasjenige, was als geisteswissenschaftliches Streben notwendig werden soll in der Menschheitsevolution.

[ 37 ] Da mag man oftmals sagen: Trübe sind unsere Zeiten, manches lebt in unserer Zeit, was in recht grellem Widerspruch steht mit dem, was eine geisteswissenschaftliche Weltanschauung der Menschheit sein kann. — Auf der andern Seite aber hat unser Karma uns dazugebracht, so weit zu kommen, daß wir gewissermaßen überwinden dürfen in dem Materiale, das unserem Bau dient, dieses Materielle so, daß er auch in den äußeren Formen als Wahrzeichen unserer Geisteswissenschaft dasteht.

[ 38 ] Jeder von uns kann sich das sagen, woran ich selber oftmals denken muß, besonders im Angesichte unserer schwierigen Zeit, unter den starken Anfeindungen, die insbesondere das Geisteswissenschaftliche in unserer Zeit erfährt. Mancher kann sich fragen, wie weit wir eigentlich mit unserem eigenen Persönlichen kommen in der Mitwirkung an dem, was sich um unseren Bau herum konzentrieren soll. Selbst für den Fall, daß der eine oder andere nicht mehr physisch dabei sein kann bei dem, was im physischen Leben weiter um unseren Bau herum sich konzentriert: daß der Bau da ist, daß uns unser Karma diesen Bau gebracht hat, das ist ein wichtiger Schritt vorwärts. Und wenn wir bedenken, wie Geisteswissenschaft so tief Verstehende, wie zum Beispiel unser Christian Morgenstern, auch nach dem physischen Tode vereint bleiben mit dem, was unser physischer Bau soll, dann erkennen wir in unserem Bau zugleich ein Wahrzeichen in unserer Zeit des Wirkens innerhalb unserer spirituellen Bewegung, für welches die Grenzen zwischen dem, was man gewöhnlich Leben und Tod nennt, gar nicht in Betracht kommen.

[ 39 ] Mit diesem Bau können wir wirklich verwachsen uns fühlen, und er kann so die ernstesten Gedanken anregen, die Gedanken anregen, die ganz natürlich sind in einer solchen Zeit, wie die unsrige es ist, die den Materialismus auf die höchste Spitze bringt. Selbst für den Fall, daß dieser Bau diesen oder jenen nur als geistiges Wesen mitwirkend finden sollte, wird der Bau für den Fortgang unserer Bewegung wichtig sein, wobei wir selbstverständlich dieses nur aussprechen - Sie werden mich verstehen -, um den ganzen, über Tod und Leben hinausgehenden Ernst unserer Bewegung ins Auge zu fassen.

[ 40 ] Dieser Ernst tritt uns gerade in diesen Tagen ganz besonders entgegen. Und wenn das eine geschieht, warum sollte nicht auch demnächst manches andere geschehen können? Es ist so außerordentlich schwierig, dasjenige zu erreichen, wovon ich öfter gesprochen habe, auch wiederum gesprochen habe im Verlaufe dieser Vorträge. Ich habe darauf aufmerksam gemacht, wie versucht wird in der strengsten Weise, Worte zu wägen, Worte zu prägen, sie in genauer, streng genauer Weise auszusprechen unter der vollsten Verantwortlichkeit gegenüber den geistigen Welten. So ist es aber auch wünschenswert, daß sie gehört werden, diese Worte, so ist es wünschenswert, daß sie aufgenommen werden.

[ 41 ] Es werden gewiß Zeiten kommen, in denen, ich möchte sagen, eine größere Leichtlebigkeit möglich sein wird in bezug auf die Strömung der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung. Aber heute, wo wir im Anfange derselben stehen, müssen wir uns angewöhnen, die Dinge als sehr, sehr ernst zu nehmen. Ich habe vor einiger Zeit hier mancherlei von okkulten Forschungen und auch anderes gegeben, wovon ich geglaubt habe, daß es manchem nützlich sein könnte. Es wurden im wesentlichen Charakteristiken von Tatsachen gegeben. Man könnte glauben, daß es manchem nützlich sein könnte zum Verständnisse unserer gegenwärtigen, schwierigen Zeit. Gerade dieses aber, was aus diesem Impulse heraus gegeben worden ist, ist nicht in der Weise überall - selbstverständlich berühre ich dabei diese oder jene Ausnahme, aber es ist richtig, was ich sage — mit der nötigen Vorsicht, mit der nötigen Pietät behandelt worden, und es ist da oder dort wieder gesagt worden und, wie sich herausgestellt hat, in einer Form, die geradezu das Gegenteil davon darstellte, was hier gesagt worden ist.

[ 42 ] Wenn ich bloß daran denke, was aus dem gemacht worden ist, was eigentlich gar nicht mißzuverstehen ist, weil es schon in einem Zyklus vorliegt, was gemacht worden ist aus der Gliederung der europäischen Menschheit mit Bezug auf die Empfindungsseele, Verstandes- oder Gemütsseele, Bewußtseinsseele und das Ich, was wahrhaftig nicht gegeben worden ist, um eine Superiorität auszudrücken, wenn ich bedenke, was für Sätze in die Welt hinausgegangen sind und was diese Sätze für Oppositionen und Emotionen hervorgerufen haben, so ist wirklich zu ersehen daraus, daß gerade das Prinzip, die Dinge ganz genau zu nehmen, selbst in so schwierigen Fällen, nicht voll beachtet worden ist. Wenn ich jemals zum Beispiel gesagt hätte: Das, was unter der Ich-Wirkung in bezug auf die europäische Bevölkerung vorhanden ist, sollte organisierend wirken innerhalb der europäischen Bevölkerung -, so hätte ich einen Nonsens gesagt. Dennoch ist zum Beispiel dieses hinausgetragen worden in die Welt und es erfährt die schlimmsten Mißverständnisse, ruft die stärksten Emotionen hervor.

[ 43 ] Um nun nach dieser Richtung hin meine Pflicht zu erfüllen, ist es mir auferlegt worden für die Zeit, die jetzt kommen wird, gar nichts mehr in meinen Vorträgen in Anknüpfung an diese Dinge zu berühren. Ich muß absehen von jeder Berührung dieser Dinge, so daß also das, was jedem andern zusteht, nämlich, etwas sagen zu dürfen über dieses oder jenes, durch die Art und Weise, wie die Dinge genommen werden, mir zur Unmöglichkeit gemacht wird.

[ 44 ] Alle diese Dinge zeigen uns, daß wir wohl in unsere Seele schauen sollen, inwiefern es uns gelingen kann, diese geisteswissenschaftliche Bewegung in ihrem vollen Ernst zu betrachten. Denn wir sind manchmal durchaus nicht aufmerksam darauf, welche Verantwortung, wenn es sich um wirkliche, wahrhaft rechte Geistesforschung und ihre Mitteilungen handelt, gegenüber jedem Satze vorliegt, wenn die Sache ernst genommen wird. Um Emotionen hervorzurufen, dazu ist wirklich die Geisteswissenschaft nicht da, auch nicht, um Emotionen zu bekämpfen oder abzuwenden. Und wenn jemand gesagt hat, diese Dinge werden mitgeteilt, um jemanden zu bekämpfen, so sollte er sich fragen, ob da von solchen Dingen der richtige Gebrauch gemacht worden ist, ob nicht vielmehr ein Mißbrauch vorliegt dieser Dinge, deren Mitteilung in voller Objektivität, in keuscher Wahrheitsliebe gemacht worden ist. Das sind Dinge, die mir zu meinen okkulten Erfahrungen, die ohnehin schon schmerzlich genug sind, einen weiteren Schmerz hinzufügen. Wenn auch Wichtiges dadurch nicht berührt werden kann, wenn auch vieles wegfallen muß von dem, wovon ich glaubte, daß es in der nächsten Zeit betrachtet werden dürfte, so bleibt doch noch Wichtiges und Wesentliches für unsere Zeit zu besprechen.