The Artistic World-Mission
GA 276
8 June 1923, Dornach
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The Artistic World-Mission, tr. SOL
Fünfter Vortrag
Fifth Lecture
[ 1 ] Ich möchte heute noch einiges zu den Betrachtungen über die Kunst, die in den Vorträgen der vorigen Woche gepflogen worden sind, hinzufügen. Öfter schon mußte ich betonen, wie die Gesamtgeistesentwickelung der Menschheit von etwas ausgegangen ist, das Wissenschaft, Kunst und Religion in einem war, so daß, wenn wir heute innerhalb unseres Geisteslebens auf der einen Seite Wissenschaft haben, Kunst auf der anderen Seite, Religion auf der anderen Seite, wir gewissermaßen in eine Zeit zurückblicken können, in der diese drei Strömungen des menschlichen Geisteslebens eine gemeinsame Mutter hatten. Es zeigt sich wohl am intensivsten, wie diese gemeinsame Mutter geartet war, wenn man zurückgeht auf dasjenige, was in uralten Zeiten der Menschheitsentwickelung, sagen wir vielleicht vor vier, fünf Jahrtausenden die Dichtung war, besser gesagt, dasjenige war, was wir heute als Dichtung bezeichnen. Wenn wir ergründen wollen, was Dichtung nicht bei den primitiven Völkern, bei denen man heute ganz unsinnigerweise diese Urkultur sucht, sondern bei den Kulturvölkern der alten Zeiten war, dann müssen wir unsere Zuflucht nehmen zu dem, was die Geistesentwickelung der Menschheit in diesen alten Zeiten durch die Mysterien geworden ist.
[ 1 ] Today I would like to add a few more thoughts to the reflections on art that were discussed in last week’s lectures. I have often had to emphasize how the overall spiritual development of humanity originated from something that was science, art, and religion all in one, so that when we look at our spiritual life today—with science on one side, art on another, and religion on yet another—we can, in a sense, look back to a time when these three currents of human spiritual life had a common mother. The nature of this common mother is perhaps most clearly revealed when we look back at what poetry was in the most ancient times of human development—say, perhaps four or five millennia ago—or, more precisely, at what we today call poetry. If we wish to fathom what poetry was—not among primitive peoples, in whom one today quite absurdly seeks this primordial culture, but among the civilized peoples of ancient times—then we must turn to what the spiritual development of humanity became in those ancient times through the mysteries.
[ 2 ] Betrachten wir diejenigen Zeiten, in denen die Menschen auf der Erde noch wenig das gesucht haben, was sie als den Inhalt ihres Geisteslebens ausdrücken wollten, in denen sie von der Erde hinweg nach dem Kosmos geschaut haben, wenn sie für die tiefsten Bedürfnisse ihres Gemütes einen Inhalt haben wollten. Betrachten wir die Zeiten, in denen die Menschen aus hellseherischen Fähigkeiten heraus die Lage der Fixsterne, die Bewegung der Planeten betrachtet haben und alles das, was auf der Erde ist, wie einen Abglanz dessen, was in der kosmischen Umgebung der Erde vor sich geht. Wir brauchen nur zu bedenken, wie die alten Ägypter dasjenige, was ihnen der Nil für ihr Leben geworden ist, nach der Erscheinung des Sirius bemessen haben, nach dem Heraufkommen eines gewissen Sternes, wie sie in dem, was ihnen der Nil aus ihrem Leben gemacht hat, das Ergebnis desjenigen gesehen haben, was sie nur ergründen konnten, wenn sie in den Kosmos hinausschauten und einen gewissen Stand eines Sternes im Verhältnis zum anderen Stern betrachten konnten. Was ein Stern mit dem anderen auszumachen hatte im Weltenraum draußen, spiegelte sich für sie auf der Erde in dem, was also zum Beispiel die Tätigkeit des Nil war. Das ist ein Beispiel für viele, denn so war einmal die Anschauung, daß auf der Erde sich nur das vollzieht, was an jedem einzelnen Orte ein Abbild ist von dem, was draußen im Kosmos an den Geheimnissen des Sternenhimmels beobachtet werden kann. Nur müssen wir uns natürlich darüber klar sein, daß in jenen alten Zeiten die Menschen am Sternenhimmel ganz andere Dinge gesehen haben als diejenigen, die heute mit der sogenannten Himmelsmechanik oder Himmelschemie errechnet oder ergründet werden. Aber es soll uns heute besonders interessieren, wie die Menschen in der Zeit, in der sie auf diese Art für ihre Seele, für ihr Gemüt den geistigen Inhalt bekamen, sich dichterisch, sagen wir ausgedrückt haben.
[ 2 ] Let us consider those times when people on Earth had not yet sought much of what they wished to express as the content of their spiritual life, when they looked beyond the Earth toward the cosmos in search of content to satisfy the deepest needs of their souls. Let us consider the times when people, drawing on their clairvoyant abilities, observed the positions of the fixed stars, the movements of the planets, and everything on Earth as a reflection of what was taking place in the cosmic environment surrounding the Earth. We need only consider how the ancient Egyptians measured what the Nile had become for their lives according to the appearance of Sirius—the rising of a certain star—and how, in what the Nile had made of their lives, as the result of what they could only fathom by looking out into the cosmos and observing the position of one star in relation to another. What one star had to do with another out there in outer space was reflected for them on Earth in what, for example, the activity of the Nile was. This is one example among many, for such was once the view that only what takes place on Earth is a reflection, in every single place, of what can be observed out there in the cosmos in the mysteries of the starry sky. Of course, we must be clear that in those ancient times, people saw entirely different things in the starry sky than what is calculated or explored today through so-called celestial mechanics or celestial chemistry. But what should be of particular interest to us today is how people, in the era when they received spiritual nourishment for their souls and minds in this way, expressed themselves poetically, so to speak.
[ 3 ] Wir weisen damit zugleich in eine Zeit zurück, in der andere Künste außer der Dichtung weniger entwickelt waren. Sie waren da, aber sie waren weniger entwickelt, weil der Mensch sich in jenen alten Zeiten bewußt war, daß er mit dem Worte, welches er aus dem innersten Geheimnis seiner Organisation schafft, etwas Übersinnliches zum Ausdruck bringen kann, so daß also das Wort am besten der Ausdruck für dasjenige werden konnte, was überirdisch durch Sternkonstellation und Sternbewegung erscheint, besser als wenn man sich eines anderen Stoffes in der Kunst bediente, der schließlich dem unmittelbaren Stoffgebiete der Erde entnommen sein mußte. Das Wort stammt aus dem Geistigen des Menschen heraus, so fühlte man in jenen alten Zeiten. Deshalb paßt es sich am intensivsten demjenigen an, was aus den kosmischen Weiten auf die Erde herunterschaut, sich herunter offenbart. Erst an der Dichtung, die in alten Zeiten ein unmittelbares Kind nicht der Phantasie allein, sondern des geistigen Schauens war, an dem Worte, an der Dichtung lernte man dann dasjenige, was auch in die anderen Künste hineingegossen worden ist. Aber das Dichterische, das durch Worte seinen Ausdruck fand, empfand man durchaus als etwas, von dem aus man sich eigentlich mit dem Außerirdischen in eine Seelengemeinschaft versetzte.
[ 3 ] We are thus also referring back to a time when the arts other than poetry were less developed. They existed, but they were less developed because, in those ancient times, people were aware that through the word—which they create from the innermost mystery of their being—they could express something supernatural, so that the word could best serve as the expression for that which appears supernaturally through constellations and the movement of the stars—better than if one were to make use of another medium in art, which, after all, would have to be drawn from the immediate material realm of the Earth. The word springs from the spiritual nature of the human being; that is how people felt in those ancient times. That is why it adapts most intensely to that which looks down upon the Earth from the cosmic expanses, revealing itself from above. It was only through poetry—which in ancient times was a direct offspring not of imagination alone, but of spiritual vision—that people learned, through words and through poetry, what was also poured into the other arts. But the poetic, which found its expression through words, was perceived as something through which one actually entered into a communion of souls with the otherworldly.
[ 4 ] Dieses Sich-Versetzen in eine Seelengemeinschaft mit dem Außerirdischen, mit dem Sternenhaften war im wesentlichen die dichterische Stimmung. Durch diese Seelengemeinschaft fühlte man, wie der Gedanke, den man noch nicht von den Dingen trennte, in dem menschlichen Haupte, in der firmamentähnlichen Wölbung des oberen Hauptes einen bildhaften Ausdruck gewinnt, selber ein geistiges Firmament, ein geistiges Himmelsgewölbe darstellt. Dasjenige, was man als Gedanke fühlte, fühlte man hineinversetzt in den ganzen Kosmos. Die einzelnen Gedanken waren durch die Art und Weise ausgedrückt, wie die Sterne zu einander standen, wie die Sterne über einander hinweg sich bewegten. Man dachte in jenen alten Zeiten nicht bloß aus der inneren Kraft des Menschen selbst heraus. Das tat erst der freie Mensch der späteren Zeit. Man fühlte in jeder Gedankenbewegung ein Nachbild einer Sternbewegung, in jeder Gedankenfigur, Gedankenform ein Nachbild eines Sternbildes am Himmel. Wenn man dachte, fühlte man sich in den Sternenraum versetzt. Daher empfand man als das eigentlich zur Weisheit Weisende nicht das Sonnenlicht bei Tag welches blendet gegenüber dem, was im Kosmischen draußen das eigentlich Richtende und Orientierende der Gedanken ist -, als die eigentliche Leuchte zwar das Sonnenlicht, aber so, wie es vom Monde innerhalb der Sternenwelt erstrahlt wird. Man sagte sich, und das ist durchaus alte Mysterienweisheit: Bei Tag sieht man das Licht mit dem physischen Leibe, bei Nacht aber sieht man nicht nur das Sonnenlicht, sondern das Sonnenlicht wird von dem silbernen Becher des Mondes aufgefangen. Der Mond war der silberne Becher, der das Sonnenlicht zur Nacht auffing. Und dieses Licht der Sonne, das zur Nacht durch den silbernen Mondenbecher aufgefangen wurde, trank man als den Somatrank, das trank die Seele. Durchgeistigt mit diesem Somatrank konnte die Seele jene Gedanken fassen, die eigentlich das Ergebnis, das Abbild des bestirnten Himmels waren.
[ 4 ] This immersion in a communion of souls with the extraterrestrial, with the stellar, was essentially the poetic mood. Through this communion of souls, one sensed how the thought—which one had not yet separated from things—gained a pictorial expression in the human head, in the firmament-like vault of the upper head, and itself represented a spiritual firmament, a spiritual celestial vault. What one felt as thought, one felt transported into the entire cosmos. Individual thoughts were expressed through the way the stars were positioned in relation to one another, through the way the stars moved across one another. In those ancient times, people did not think solely out of the inner power of the human being itself. Only the free human being of later times did that. In every movement of thought, one sensed a reflection of a stellar movement; in every figure or form of thought, a reflection of a constellation in the sky. When one thought, one felt transported into the realm of the stars. Therefore, what was perceived as the true guide to wisdom was not the sunlight by day—which dazzles in comparison to what in the cosmos outside is the true guiding and orienting force of thought—but rather, while the sunlight was indeed the true light, it was perceived as it shines from the moon within the world of the stars. People used to say—and this is indeed ancient mystery wisdom—that by day one sees the light with the physical body, but by night one sees not only the sunlight; rather, the sunlight is caught in the silver cup of the moon. The moon was the silver cup that caught the sunlight at night. And this light of the sun, caught at night by the silver cup of the moon, was drunk as the Soma drink; the soul drank it. Imbued with this Soma drink, the soul was able to grasp those thoughts that were in fact the result, the image, of the starry heavens.
[ 5 ] So fühlte der Mensch, indem er sich als Denkender fühlte, wie wenn die Kraft seines Denkens nicht in seinem auf der Erde wandelnden Organismus säße, sondern wie wenn diese Kraft des Denkens da wäre, wo die Sterne kreisen und sie Sternbilder bilden. Es fühlte sich der Mensch mit seiner Seele ausergossen in die ganze Welt. Und er würde nicht logische Gesetze gesucht haben, wenn er nach den Verbindungen oder Trennungen der Gedanken geforscht hätte, sondern er hätte die Wege der Sterne, die Bilder der Sterne am nächtlichen Firmamente gesucht, wenn er hätte wissen wollen, wie Gedanken sich verbinden, wie Gedanken sich trennen. Am Himmel suchte er die Gesetze und die Bilder für sein Denken.
[ 5 ] Thus, by perceiving himself as a thinking being, man felt as if the power of his thought did not reside in his physical body walking upon the earth, but rather as if this power of thought were present where the stars revolve and form constellations. Man felt his soul poured out into the entire world. And he would not have sought logical laws if he had been investigating the connections or separations of thoughts; rather, he would have sought the paths of the stars and the images of the stars in the night sky if he had wanted to know how thoughts connect and how thoughts separate. He sought the laws and images for his thinking in the heavens.
[ 6 ] Und dann, wenn er auf sein Fühlen schaute, wenn er seines Fühlens gewahr wurde, dann war das nicht jenes abstrakte Fühlen, von dem wir heute in unserer abstrakten Zeit sprechen, sondern es war jenes konkrete Fühlen, das mit dem, was wir heute abstrakt das Fühlen nennen, das innere Erlebnis des Atmens, das innere Erlebnis der Blutzirkulation, das ganze regsame Weben im Innern des menschlichen Leibes verband. Man empfand, wie mit der Verbindung von Blutzirkulation und Atem das Seelische in einem webte. Aber man fühlte sich auch da nicht bloß auf der physischen Erde, man fühlte sich da in dem Planetenraum. Man sagte nicht, Millionen von Blutkügelchen kreisen im menschlichen Organismus, sondern man sagte, Merkur und Mars kreuzen sich mit Sonne und Mond. Man fühlte sich auch in seinem Gemüte ergossen in das Weltenall, nur daß man, wenn man sich in seinen Gedanken fühlte, sich mehr bei den Fixsternen und ihren Bildern fühlte, während man im Fühlen sich mehr innerhalb der Sphäre des Planetarischen, bei den sich bewegenden Planeten fühlte. Nur mit seinem Willen fühlte man sich auf der Erde. Indem man das Irdische als Abbild des Kosmischen fühlte, sagte man sich, wenn die Kräfte des Jupiter, des Mondes, der Venus, der Sonne in die Erde einschlagen, den Erdboden durchdringen in seinem festen, in seinem flüssigen, in seinem luftförmigen Elemente, dann dringen aus diesem festen, aus diesem flüssigen, aus diesem luftförmigen Elemente in den Menschen geradeso die Willensimpulse, wie die Gedankenimpulse von den Fixsternen, die Gefühlsimpulse von den Planetenbewegungen in den Menschen dringen.
[ 6 ] And then, when he looked at his feelings, when he became aware of his feelings, this was not that abstract feeling we speak of today in our abstract age, but rather that concrete feeling that was connected—along with what we today abstractly call “feeling”—to the inner experience of breathing, the inner experience of blood circulation, the entire lively weaving within the human body. One sensed how, through the connection between blood circulation and breath, the soul wove itself into the whole. But even there, one did not feel merely on the physical earth; one felt oneself in planetary space. One did not say, “Millions of blood cells circulate in the human organism,” but rather, “Mercury and Mars intersect with the Sun and the Moon.” One also felt one’s mind pouring out into the universe, except that when one was lost in thought, one felt closer to the fixed stars and their images, whereas in one’s feelings one felt more within the sphere of the planetary realm, among the moving planets. It was only through one’s will that one felt oneself on Earth. By perceiving the earthly as a reflection of the cosmic, one told oneself that when the forces of Jupiter, the Moon, and Venus, the Sun strike the Earth, penetrating the soil in its solid, liquid, and gaseous elements, then impulses of will flow from these solid, liquid, and gaseous elements into the human being just as the impulses of thought flow from the fixed stars and the impulses of feeling flow from the planetary movements into the human being.
[ 7 ] Wenn man in dieser Weise fühlte, dann konnte man sich noch durch solches Gefühl in jene Zeit zurückversetzen, in der die Urkunst der Menschheit entstanden ist. Die Urkunst, was ist sie? Nichts anderes ist die Urkunst als die menschliche Sprache selber. Das fühlt man heute nur noch wenig, wie die Sprache die eigentliche Urkunst ist, denn unsere Sprache ist an das Materiell-Irdische gefesselt. Unsere Sprache zeigt nicht mehr dasjenige, was sie einmal war, als die Menschen sich in den Tierkreis versetzt fühlten und in der Empfindung der Tierkreisbilder die zwölf Konsonanten, in dem Bewegen der Planeten an den Fixsternbildern vorbei die Vokale sich einverleibten. Und wenn sie nicht ausdrücken wollten, was sie auf der Erde erlebten, sondern wenn sie durch die Sprache dasjenige ausdrücken wollten, was die Seele erlebte, welche sich von der Erde in den Kosmos hinaus entrückt fühlte, dann wurde die Sprache zu dem, was in der alten Zeit die Dichtung war. Dann entstand im Menschen durch die Sprache das Abbild dessen, was er in Seelengemeinschaft mit dem Geistkosmos erlebte. Aus diesem Erleben der Seelengemeinschaft mit dem Geistkosmos ist eigentlich alle alte Dichtung entstanden. Die letzten Überreste, die von solcher Dichtung da sind, sind dasjenige, was etwa in den Veden enthalten ist, dasjenige, was, aber schon sehr verabstrahiert, in der Edda enthalten ist. Das sind noch Nachbildungen von dem, was aber in viel größerer Glorie, in viel größerer Erhabenheit und Majestät in denjenigen Zeiten unmittelbar aus der Gestaltung der Sprachen selbst heraus entstanden ist, in denen die Menschen ihr eigenes Seelenleben zusammen in inniger Gemeinschaft mit dem kosmischen Bewegen und Erleben haben fühlen können.
[ 7 ] If one felt in this way, then through such a feeling one could still transport oneself back to that time when humanity’s primordial art came into being. What is this primordial art? It is nothing other than human language itself. Today we hardly feel anymore how language is the true primordial art, for our language is bound to the material and earthly. Our language no longer reflects what it once was, when people felt transported into the zodiac and, in their perception of the zodiac images, incorporated the twelve consonants, and in the movement of the planets past the constellations, incorporated the vowels. And when they did not seek to express what they experienced on Earth, but rather sought through language to express what the soul experienced—a soul that felt itself transported from Earth out into the cosmos—then language became what poetry was in ancient times. Then, through language, the image of what a person experienced in soul communion with the spiritual cosmos arose within them. All ancient poetry actually arose from this experience of soul communion with the spiritual cosmos. The last remnants of such poetry that remain are what is contained, for example, in the Vedas, and what is found—albeit in a highly abstracted form—in the Edda. These are still reproductions of what, however, arose in far greater glory, in far greater sublimity and majesty, directly from the very structure of language itself in those times when human beings were able to feel their own soul life in intimate communion with cosmic movement and experience.
[ 8 ] Was ist der Dichtung in der Gegenwart noch von jenen uralten Zeiten geblieben? Die Dichtung würde nicht mehr Dichtung sein — und in unserer Zeit ist ja viele Dichtung nicht mehr Dichtung —, wenn ihr nicht doch etwas von jenem gemeinsamen Leben des irdischen Menschen mit dem Kosmos verbliebe. Das, was ihr geblieben ist, ist das Hinausgehen über die Prosabedeutung des Wortes in den Rhythmus, in den Reim, in die Imagination, in die Gestaltung des Sprachlichen, die wir immer hinter der Prosabedeutung des Wortes suchen müssen. Denn eigentlich ist nur das eine wahre Dichtung, das nicht aus dem besteht, was in Worte abgefaßt ist. Da ist das Gedicht, das wir als niedergeschriebenes oder besser als rezitiertes oder deklamiertes haben, in seinem Prosawortlaut. Da muß in den Prosawortlaut Rhythmus oder Takt oder Imagination hineintönen. Da wird auf etwas verwiesen, was in dem Prosawortlaut nicht enthalten ist, auf einen Hintergrund, der bei jeder wahren Dichtung geahnt, erraten werden muß, nicht verstanden werden kann, denn man versteht, was in dem Prosagehalt der Worte liegt. Daß die Dichtung etwas hat, was nicht in den Worten liegt, wozu die Worte gewissermaßen nur das Mittel sind, daß die Dichtung einen Stimmungshintergrund, einen Hintergrund hat, der gewissermaßen ein Nachklang der Weltenharmonie und der Weltenmelodie ist und der Weltenimagination, das macht auch heute die Dichtung noch zur Dichtung. Bei Homer kann man es noch ahnen, was es für ihn bedeutet: Singe, o Muse, vom Zorn mir des Peleiden Achilleus. - Nicht seine Seele singt, diejenige Seele singt in ihm, die Gemeinschaft mit den Bewegungen des Kosmos hat. ‘In den Planeten leben die Musen. Die epische Muse lebt in einem der Planeten. Entrückt zu diesem Planeten empfindet sich Homer: Singe, o Muse, ertöne mir, Himmelsmelos des Planeten, sprich dasjenige, was Menschen auf Erden verrichtet haben, Agamemnon, Achilleus, Odysseus, Idomeneus, Menelaos, singe mir so, wie es angeschaut werden kann, wenn der Blick nicht von einem Punkt hier auf der Erde darauf gerichtet wird, sondern wenn der Blick von der Sternenwelt darauf gerichtet wird, wenn der Blick von außerhalb der Erde darauf gerichtet wird. Glaubt man denn im Ernste jemals, daß jene umfassend großartigen Bilder, die in der Iliade entworfen sind, Froschperspektive haben? Nein, sie haben nicht einmal bloß Luftperspektive, sie haben Sternenperspektive. Daher kann auch das, was von der Sternenperspektive in der Iliade erzählt wird, nicht so erzählt werden, daß da der Mensch mit Menschen zu tun hat, sondern da spielen die Götter hinein, treten fortwährend unter den handelnden Personen zu gleicher Zeit die Götterhandlungen auf. Das ist nicht die Froschperspektive der Erde, das ist die Sternenperspektive des Himmels, zu der sich hinaufschwingen wollte die Seele des dichtenden Menschen, indem er andeutete: Singe, o Muse, vom Zorn mir des Peleiden Achilleus!
[ 8 ] What remains of those ancient times in contemporary poetry? Poetry would no longer be poetry—and in our time, indeed, much poetry is no longer poetry—if it did not retain at least something of that shared life between earthly human beings and the cosmos. What remains of it is the transcendence of the prose meaning of the word into rhythm, into rhyme, into imagination, into the shaping of language—which we must always seek behind the prose meaning of the word. For, in truth, the only true poetry is that which does not consist of what is put into words. There is the poem, which we have as a written text—or rather, as something recited or declaimed—in its prose wording. Rhythm, meter, or imagination must resonate within that prose wording. It points to something not contained in the prose text—to a background that, in all true poetry, must be sensed and surmised, not understood, for one understands only what lies in the prose content of the words. The fact that poetry possesses something that lies beyond the words—for which the words are, so to speak, merely the means—and that poetry has a background of mood, a background that is, so to speak, an echo of the harmony and melody of the world and of cosmic imagination—this is what still makes poetry poetry today. In Homer, one can still sense what this means to him: “Sing, O Muse, of the wrath of Achilles, son of Peleus.”—It is not his soul that sings; rather, it is the soul within him that is in communion with the movements of the cosmos. “The Muses dwell in the planets. The epic Muse dwells in one of the planets. Homer feels himself transported to this planet: ‘Sing, O Muse, resound for me, heavenly Melos of the planet; speak of what men on earth have done—Agamemnon, Achilles, Odysseus, Idomeneus, Menelaus—sing to me as it can be perceived, not when the gaze is directed at it from a single point here on Earth, but when the gaze is directed at it from the world of the stars, when the gaze is directed at it from beyond Earth. Does anyone seriously believe that those comprehensively magnificent images depicted in the Iliad are rendered from a bird’s-eye view? No, they are not even rendered from an aerial perspective; they are rendered from a stellar perspective. Therefore, what is recounted from the stellar perspective in the Iliad cannot be told as a story in which humans deal solely with other humans; rather, the gods play a role there, and the actions of the gods continually appear among the characters at the same time. This is not the frog’s-eye view of the earth; it is the star’s-eye view of the heavens, toward which the soul of the poet sought to soar by declaring: “Sing, O Muse, of the wrath of Achilles, son of Peleus!”
[ 9 ] Damit ist aber in intensiver Weise ausgesprochen, daß das irdische Mittel, dessen man sich zur Kunst bedienen kann, in diesem Falle zur Dichtung, nur ein Mittel ist, daß das eigentlich Künstlerische darinnen liegt, was in der Behandlung des Mittels geahnt werden kann von einem geistigen Hintergrunde, von geistigen Welten, in die das Wort, in die aber auch nur Farbe und Ton und die Form hineinführen können. Man muß sich etwas, wenn man die eigentlich künstlerische Stimmung in der Menschheit wiederum erwecken will, schon zurückversetzen in jene alten Zeiten, wo Dichterstimmung Himmelsstimmung in der menschlichen Seele war. Und dann, wenn man das tut, bekommt man einen gewissen Eindruck davon, wie man sich anderer Kunstmittel bedienen kann, um die Kunst so an die geistige Welt heranzutragen, wie sie herangetragen werden muß, wenn sie wirklich Kunst sein will. Sehen Sie, unser Empfinden ist heute so grob geworden, daß man dasjenige, was einmal vor verhältnismäßig gar nicht so langer Zeit die Kunst zur Kunst gemacht hat, gar nicht mehr recht empfindet.
[ 9 ] This, however, makes it abundantly clear that the earthly medium one can employ for art—in this case, poetry—is merely a means; that what is truly artistic lies in what can be sensed in the handling of that medium: a spiritual background, spiritual worlds into which the word—but also color, sound, and form—can lead. If one wishes to reawaken the truly artistic spirit within humanity, one must transport oneself back to those ancient times when the spirit of poetry was the spirit of heaven within the human soul. And when one does so, one gains a certain sense of how one can make use of other artistic means to bring art to the spiritual world in the way it must be brought if it is to be true art. You see, our sensibility has become so coarse today that we no longer truly perceive what, not so long ago, made art what it is.
[ 10 ] Wir sehen in unserer unmittelbaren physischen Umgebung eine Mutter, die ein Kind trägt, ein kleines Kind im Arm hat. Gewiß, ein ungeheuer erhebender Anblick auf der Erde. Aber wir sind gewöhnt, wenn wir die Mutter mit dem Kinde sehen, daß der unmittelbare Formeindruck, den wir empfangen, nur eine kurze Spanne Zeit, man möchte sagen einen Augenblick festgehalten wird. Wir sind gewöhnt, wenn wir in der physischen Welt stehen, daß die Kopfhaltung der Mutter im nächsten Momente eine andere ist als im vorhergehenden Momente. Wir sind gewöhnt, daß das Kind im Arm der Mutter irgendwelche Bewegungen macht, wir sind gewöhnt, daß sich in jedem Augenblicke in dem, was wir da in der physischen Welt vor uns haben, etwas ändert. Wir richten den Blick auf Raffaels Sixtinische Madonna. Wir schauen da die Mutter mit dem Kinde. Wir schauen sie jetzt, wir schauen sie in einer Stunde, wir schauen sie in einem Jahre — nichts hat sich verändert. Der Augenblick ist festgehalten, nicht das Kind bewegt sich, nicht die Mutter bewegt sich. Dasjenige, was wir gewöhnt sind, in der Erdenwelt einen Augenblick festzuhalten, das scheint, aber es scheint nur erstarrt zu sein im Augenblick. Wir empfinden heute nicht mehr, was Raffael ganz gewiß empfunden hat: Darf ich denn das? Darf ich einen einzigen Augenblick mit meinem Pinsel festhalten? Ist das nicht eine Lüge in der Welt, einen einzigen Augenblick festzuhalten? Darf ich denn so unwahr sein, nach einem Tag den Eindruck noch hervorzurufen, daß die Mutter das Kind ebenso hält, wie sie es am Tage zuvor gehalten hat? Darf ich irgend jemandem zumuten, daß er sich diesen Augenblick durch eine lange Zeit hindurch vorsetzen läßt? — Paradox, vielleicht unsinnig erscheint dem Menschen der Gegenwart diese Frage. Raffael hat sie ganz gewiß empfunden. Was entstand in Raffael gegenüber dieser Empfindung? In Raffael entstand gegenüber dieser Empfindung eine künstlerische Verpflichtung: Das, was du da sündigst gegen die Wirklichkeit, mußt du auf geistige Art sühnen. Du mußt dasjenige, was ein Augenblick hat, aus Zeit und Raum herausheben. Du darfst es nicht in Zeit und Raum lassen, denn in Zeit und Raum ist es Unwahrheit. Du mußt diesem Augenblick Ewigkeit verleihen. Du mußt durch dasjenige, was du auf die Fläche hinmalst, etwas ahnen lassen, was gar nicht auf der Fläche sein kann.
[ 10 ] In our immediate physical surroundings, we see a mother carrying a child, holding a small child in her arms. Certainly, an immensely uplifting sight on Earth. But we are accustomed to the fact that when we see the mother with the child, the immediate impression of form that we receive is held for only a brief span of time—one might say, for a single moment. We are accustomed to the fact that, when we are in the physical world, the mother’s head posture in the next moment is different from what it was in the previous moment. We are accustomed to the child making some sort of movement in the mother’s arms; we are accustomed to something changing at every moment in what we see before us in the physical world. We turn our gaze to Raphael’s Sistine Madonna. We see the mother with the child there. We look at her now, we look at her in an hour, we look at her in a year—nothing has changed. The moment is captured; neither the child nor the mother moves. What we are accustomed to capturing as a moment in the earthly world seems—but it only seems—to be frozen in that moment. Today we no longer feel what Raphael most certainly felt: “Am I allowed to do this? Am I allowed to capture a single moment with my brush?” Isn’t it a lie to capture a single moment? Am I allowed to be so untruthful as to evoke, a day later, the impression that the mother is holding the child just as she held it the day before? Am I allowed to expect anyone to have this moment set before them for a long time to come? — To people of the present, this question seems paradoxical, perhaps even nonsensical. Raphael certainly felt it. What arose in Raphael in response to this feeling? In Raphael, this feeling gave rise to an artistic obligation: whatever sin you commit against reality, you must atone for it in a spiritual way. You must lift that which belongs to a single moment out of time and space. You must not leave it in time and space, for in time and space it is untruth. You must bestow eternity upon this moment. Through what you paint onto the surface, you must allow the viewer to sense something that cannot possibly be on the surface.
[ 11 ] Sehen Sie, das ist es, was man heute abstrakt Raffaels idealistisches Malen nennt. Dieses Raffaelische idealistische Malen ist seine Rechtfertigung, daß er den Augenblick festhält. Was er durch die Tiefe seiner Farbengebung, seiner Farbenharmonik erreicht, ist dadurch erreicht, daß auf der Fläche von vorneherein für die Malerei die dritte Raumdimension ausgeschlossen, aber vergeistigt ist, so daß er dasjenige, was man sonst materialistisch in der dritten Dimension sieht, durch die Farbengebung ins Geistige heraufgehoben hat. Also das, was nicht auf der Fläche ist, was hinter der Fläche ist durch die blaue Farbe, vor der Fläche ist durch die rote Farbe, was heraustritt aus der Fläche auf geistige Art, während die dritte Raumdimension sonst in der Welt auf materielle Art heraustritt, das ist dasjenige, was dem Augenblick Ewigkeit gibt. Und dem Augenblicke muß Ewigkeit gegeben werden. Das Ewige muß wirken aus der Kunst heraus, sonst ist die Kunst keine Kunst. Ich habe Menschen kennengelernt in meinem Leben, die Raffael gehaßt haben, Künstler namentlich kennengelernt, die Raffael gehaßt haben. Warum? Weil sie durchaus das nicht verstehen konnten, weil sie stehen bleiben wollten in dem unmittelbaren Imitieren dessen, was der Augenblick darbietet, aber im nächsten Augenblicke nicht mehr da ist. Ich habe einen solchen Raffaelhasser kennengelernt, der den größten Fortschritt seiner eigenen Malerei darinnen gesehen hat, daß er es, wie er sagte, als der erste gewagt hat, an dem nackten Menschen alle Haarstellen auch behaart zu malen, um ja nichts gegen die Natur zu sündigen. Man kann begreifen, wie ein Mensch, der das als den großen Fortschritt darstellt, ein Raffaelhasser werden konnte. Aber es bezeugt dieses, wie stark unsere Zeit von dem eigentlich geisttragenden Elemente in der Kunst verlassen ist, von demjenigen geisttragenden Elemente, das zum Beispiel in der Malerei weiß, warum man in der Fläche die Grundlage, die erste Grundlage für das Malen sehen muß. Und die Raumperspektive muß man verstehen. Das ist in unserer freiheitbegabten Zeit einmal notwendig gewesen, daß man in der fünften nachatlantischen Zeit die Raumperspektive, die eigentlich das Plastische auf die Fläche hinzaubern möchte, nicht das Malerische, versteht. Aber das Wirkliche ist die Farbenperspektive, die nicht durch Verkürzungen und dergleichen und durch Fernpunkte die dritte Dimension überwindet, sondern durch das geistig-seelische Verhältnis zwischen Blau und Rot oder zwischen Blau und Gelb überwindet. Die Farbenperspektive, die den Raum auf geistige Weise überwindet, muß gerade in der Malerei erobert werden. Durch solche Dinge kommt man im Künstlerischen wiederum zu dem, was dieses Künstlerische einmal war, etwas, was die Menschheit unmittelbar an die geistigen Welten heranbrachte.
[ 11 ] You see, that is what is today called Raphael’s idealistic painting in the abstract sense. This Raphael-like idealistic painting is his justification for capturing the moment. What he achieves through the depth of his color application and color harmony is accomplished by the fact that, from the outset, the third spatial dimension is excluded from the painting’s surface but is spiritualized, so that he has elevated what is otherwise seen materialistically in the third dimension into the spiritual realm through his use of color. Thus, what is not on the surface—what lies behind the surface through the blue color, what lies in front of the surface through the red color, and what emerges from the surface in a spiritual way, whereas the third spatial dimension otherwise emerges in the world in a material way—that is what gives the moment eternity. And eternity must be given to the moment. The eternal must emanate from art; otherwise, art is not art. I have met people in my life who hated Raphael—specifically, artists who hated Raphael. Why? Because they could not understand this at all; because they wanted to remain stuck in the immediate imitation of what the moment presents, but which is no longer there in the next moment. I met one such Raphael-hater who saw the greatest progress in his own painting in the fact that, as he put it, he was the first to dare to paint all the hairy areas on the nude figure, so as not to sin against nature in any way. One can understand how a person who presents this as great progress could become a hater of Raphael. But this testifies to how far our age has strayed from the truly spirit-bearing element in art—that spirit-bearing element which, in painting for example, knows why one must see in the surface the foundation, the very foundation of painting. And one must understand spatial perspective. In our age endowed with freedom, it was once necessary—in the fifth post-Atlantean epoch—to understand spatial perspective, which actually seeks to conjure up the plastic into the plane, not the painterly. But what is real is color perspective, which overcomes the third dimension not through foreshortening and the like, nor through vanishing points, but through the spiritual-psychic relationship between blue and red or between blue and yellow. Color perspective, which transcends space in a spiritual way, must be mastered precisely in painting. Through such means, one returns in the artistic realm to what art once was—something that brought humanity into direct contact with the spiritual worlds.
[ 12 ] Damals, als das so empfunden wurde, konnte man schon jene Harmonie zwischen Wissenschaft, Religion und Kunst auch empfinden. Diese Empfindung muß der Menschheit wiederum werden. Es war wirklich etwas von einem Nachklang dieser Empfindung in Goethe. Und das war das Große an Goethe, daß etwas von einem Nachklang dieser Empfindung in ihm war. Gewiß, der Mensch in seiner Freiheit mußte die drei Kinder getrennt erleben: Wissenschaft, Kunst und Religion. Aber dadurch ist ihm die Tiefe aller drei verloren gegangen, vor allen Dingen ist ihm das Gemeinschaftsleben mit dem Kosmos verloren gegangen. Man braucht sich nur einmal die heutige Beziehung zwischen Kunst und Wissenschaft, Dichtung und Wissenschaft im Extrem anzusehen. Sie werden vielleicht sagen, ich brauchte nicht so ins Extrem zu gehen, um die heutige Beziehung, das heutige sozusagen mißverwandtschaftliche Verhältnis von Dichtung, also Kunst und Wissenschaft Ihnen darzustellen. Aber in diesen radikalen, extremen Ausgestaltungen zeigt sich das ganze mißverwandtschaftliche Verhältnis.
[ 12 ] Back then, when people felt that way, they could also sense that harmony between science, religion, and art. Humanity must regain that sense. There was truly something of an echo of this feeling in Goethe. And that was the greatness of Goethe—that there was something of an echo of this feeling within him. Certainly, human beings, in their freedom, had to experience these three children separately: science, art, and religion. But as a result, they have lost the depth of all three; above all, they have lost their sense of communion with the cosmos. One need only look once at today’s relationship between art and science, poetry and science, taken to the extreme. You might say that I need not go to such extremes to illustrate to you today’s relationship—the current, so to speak, incongruous relationship between poetry, that is, art, and science. But it is in these radical, extreme manifestations that the entire incongruous relationship becomes apparent.
[ 13 ] Sehen Sie, da war einmal in einer Stadt eine Naturforscher-Versammlung. Bei dieser Naturforscher-Versammlung haben die Leute von den großen materialistischen Problemen der Wissenschaft sehr seriös geredet. Sie wissen ja, mit welchem ungeheuren Ernst auf solchen Versammlungen von den wissenschaftlichen Problemen gesprochen wird, mit solch einem Ernst, daß ihn der Mensch meistens so groß empfindet, daß er ihn gar nicht mit seiner Persönlichkeit erreichen kann, daß er sich gar nicht mit seiner unmittelbaren Persönlichkeit an diesen Ernst heranwagt. Daher stellt er ein Pult vor sich hin; da legt er sich das Manuskript darauf, und da liest er dann, oder eigentlich lesen dann, wenn es sich um eine Versammlung handelt, die Leute der Reihe nach diese ernste Wissenschaft sich vor. Das Persönliche wird nicht objektiv. Der Ernst wirkt so stark, daß man ihn aus der Persönlichkeit heraus wirft und auf die Pulte hinlegt, ungeheuer ernst. Und diesen Ernst sieht man auf allen Gesichtern in solchen Versammlungen. Nur allerdings kommen einem die Gesichter wie die Spiegelbilder der Pulte vor, aber die sind recht ernst. Nun, bei dieser Naturforscher-Versammlung, von der ich spreche, wandte sich nun auch, ich weiß schon nicht wer, wahrscheinlich der amtierende Sekretär an ein Dichterkollegium der Zeitgenossenschaft. Die sollten dann aus ihrer dichterischen Kunst heraus die Dichtungen formen, die man während des Festmales dieser Naturforscher-Versammlung so zwischen den einzelnen Gängen loslassen wollte. Nun waren die Herren, vielleicht waren auch schon Damen dabei, von ihrer ernsten NaturforscherVersammlung weggegangen, und später zwischen den einzelnen Gängen wurde nun die ganze Geschichte vorgebracht, lauter Spottgedichte immer jedes einzelnen auf eine einzelne Wissenschaft! Sehen Sie, das war die mißverwandtschaftliche Beziehung zwischen Wissenschaft und Kunst. Die Herren nahmen erst erkenntnismäßig die Stellung der Zange des Maikäfers mit ungeheurer Seriosität durch oder die Chromosomen der Maikäfersamen, und dann kam zwischen Fleisch und — was weiß ich — ein Spottgedicht auf solche Forschung. Zunächst ergingen sich die Herren in ungeheurem Ernst, nachher lachten sie. Ja, man kann nicht sagen, daß ein inneres Verhältnis da ist. Gewiß, Sie können sagen, ich sollte nicht solche Extreme aus unserer Zivilisation anführen. Aber ich kann es doch anführen, denn es ist charakteristisch. Es tritt nur in radikal extremer Weise hervor, was heute überhaupt als Beziehung zwischen dem Erkenntnismäßigen und Künstlerischen ist, nämlich gar keine. Die Herrschaften, welche die Lieder für das Tischmahl gedichtet haben, haben natürlich nichts verstanden von dem, was sich die Herren während der Naturforscher-Versammlung vorgelesen haben. Das Umgekehrte ist vielleicht nicht ganz möglich zu sagen, daß auch die werten Naturforscher nichts von den Dichtungen verstanden haben. Das werden zwar die Dichter angenommen haben. Ich glaube es ganz bestimmt, weil sie sie für sehr tief gehalten haben. Aber an solchen Dichtungen ist meistens nicht viel zu verstehen, und so kann man voraussetzen, daß selbst diese erlauchte Versammlung diese Dichtungen meist verstanden haben wird, wenigstens bis zu einem gewissen Grade!
[ 13 ] You see, once upon a time there was a gathering of naturalists in a city. At this gathering of natural scientists, people spoke very seriously about the major materialistic problems of science. You know, of course, with what immense seriousness scientific problems are discussed at such gatherings—with such seriousness that people usually perceive it as so vast that they cannot even grasp it with their own personalities, that they do not even dare to approach this seriousness with their immediate personalities. That is why they place a lectern in front of them; they lay their manuscript on it, and then they read—or rather, in the case of a conference, the speakers take turns reading this serious scientific material aloud. The personal aspect is set aside. The gravity is so powerful that it is cast out of one’s personality and laid upon the lecterns, with immense gravity. And one sees this solemnity on every face at such gatherings. Admittedly, the faces seem like mirror images of the lecterns, but they are quite solemn. Now, at this gathering of natural scientists I am speaking of, someone—I don’t even know who, probably the acting secretary—turned to a group of contemporary poets. They were then to use their poetic art to craft the poems that were to be recited between the courses during the banquet of this naturalists’ gathering. Now these gentlemen—perhaps there were ladies present as well—had stepped away from their serious naturalists’ gathering, and later, between the courses, the whole affair was presented: nothing but satirical poems, each one targeting a single scientific discipline! You see, that was the incongruous relationship between science and art. The gentlemen first examined, with immense seriousness, the structure of the cockchafer’s mandibles or the chromosomes of cockchafer eggs, and then—between courses of meat and—what do I know—a satirical poem about such research was recited. At first, the gentlemen engaged in this with immense seriousness; afterward, they laughed. Yes, one cannot say that there is an intrinsic relationship there. Certainly, you might say I shouldn’t cite such extremes from our civilization. But I can cite them nonetheless, for they are characteristic. It merely stands out in a radically extreme way what today constitutes the relationship between the cognitive and the artistic—namely, none at all. The gentlemen who composed the songs for the banquet naturally understood nothing of what the gentlemen read aloud to one another during the naturalists’ meeting. It is perhaps not entirely possible to say the reverse—that the esteemed naturalists, too, understood nothing of the poems. The poets would certainly have assumed as much. I am quite certain of it, because they considered them to be very profound. But there is usually not much to understand in such poems, and so one can assume that even this illustrious assembly will have understood most of these poems, at least to a certain extent!
[ 14 ] Aber das ist gerade das Allerwichtigste für unsere Zeit, daß man beachtet, wie das einheitliche menschliche Geistesleben gespalten worden ist in eine Dreiheit, und wie diese Dreiheit sogar heute auseinandergefallen ist. Es ist eben die allerdringendste Notwendigkeit vorhanden, wiederum zu der Einheit hinzuschauen. Wenn heute ein Philosoph über Einheit und Zweiheit, Monismus und Dualismus spekuliert, da wird, möchte man sagen, mit einem ziemlich neutralen Gemüte diskutiert. Man bringt abstrakte Begriffe, mit denen man das eine behauptet, das andere behauptet. Man kann beides mit ganz gleichem Rechte beweisen. Wenn in jenen Zeiten, von denen ich Ihnen heute als so zur Kunst stehend sprach, wie ich es Ihnen skizziert habe, von Einheit und Zweiheit zum Beispiel, wie es ein Wortlaut ist in jener Zeit, oder von dem einen ohne ein zweites, und von dem einen mit einem zweiten gesprochen worden ist, da gingen alle Seelenkräfte auf. Jener alte Streit, ob die Welt einer einheitlichen Gestaltung verdankt ist, oder ob Gutes und Böses zwei prinzipiell von einander geschiedene Mächte sind, jener Streit zwischen Monismus und Dualismus war in alten Zeiten eine künstlerisch-religiöse Angelegenheit, die alle Kräfte der Menschenseele durcheinanderwühlte, an denen der Mensch sein Heil und seine Seligkeit hängen fühlte. An dasjenige, worüber heute der Mensch ganz gleichgültig spricht, fühlte er einstmals sein Heil und seine Seligkeit geknüpft. Aber ohne daß in unsere Zeit wiederum ein Hauch von jener künstlerisch-religiös-erkenntnismäßigen Seelenstimmung hereinkommt, die einmal vorhanden war, erreichen wir nicht einen wirklichen Impuls zum Künstlerischen hin, nicht zum wahrhaft großen Künstlerischen hin!
[ 14 ] But this is precisely what is most important for our time: to recognize how the unified human spiritual life has been divided into a trinity, and how this trinity has even fallen apart today. There is, in fact, the most urgent need to turn our gaze back toward unity. When a philosopher today speculates about unity and duality, monism and dualism, one might say the discussion takes place with a rather neutral mindset. Abstract concepts are put forward to support one position or the other. One can prove both with equal justification. In those times—of which I spoke to you today as being so closely connected to art, as I have outlined—when people spoke of unity and duality, for example, as was the terminology of that era, or of the one without a second, and of the one with a second, all the powers of the soul were stirred. That ancient dispute—whether the world owes its existence to a unified design, or whether good and evil are two powers fundamentally distinct from one another—that dispute between monism and dualism was, in ancient times, an artistic-religious matter that stirred up all the powers of the human soul, upon which people felt their salvation and bliss depended. What people today discuss with complete indifference was once what they felt their salvation and bliss were tied to. But unless a breath of that artistic, religious, and intellectual mood of the soul—which once existed—returns to our time, we will not achieve a genuine impulse toward the artistic, toward the truly great artistic!
[ 15 ] Aber noch etwas fühlten jene Zeiten. Sehen Sie, man sprach vom Somatrank, von demjenigen, was man als das Sonnenlicht wußte, das von dem silbernen Mondenbecher aufgefangen wird, mit dem der Mensch sich seelisch durchdringt, um die Geheimnisse des Kosmos durch den Somatrank zu verstehen. Man sprach von diesem Somatrank, und man wußte, da hat man eine unmittelbare Seelengemeinschaft mit dem Kosmos. Das erlebt die Seele auf der Erde, aber sie lebt zu gleicher Zeit im Kosmos, ist zu gleicher Zeit im Kosmos darinnen, wenn sie solches erlebt. Und deshalb fühlte man: Ja, die Götter offenbaren sich durch die Sterne, durch die Fixsterne, die in Ruhe verharren, durch die Planeten, die sich bewegen. Durch die Abbilder, die auf der Erde von Fixsterngestaltungen und Planetenbewegungen sich bilden, erlebt die Seele ein Kosmisches. Wenn sie den Somatrank trinkt, das Opfer kultischkünstlerisch-erkenntnismäßig verrichtet, gibt die Seele den Göttern mit dem hinaufströmenden Opferrauch, dem sie das religiös-künstlerisch-dichterische Wort anvertraut, wieder zurück, was die Götter brauchen, um die Welt weiterzugestalten. Denn der Mensch ist von den Göttern nicht umsonst geschaffen, sondern er ist da auf der Erde, damit dasjenige, was nur in ihm fertig bereitet werden kann, wiederum von den Göttern zur weiteren Weltenbildung zurückgenommen werden kann. Ja, der Mensch ist auf der Erde, weil die Götter den Menschen brauchen, daß in ihm gedacht, gefühlt, gewollt werde, was im Kosmos lebt. Dann, wenn der Mensch in der richtigen Weise denkt, fühlt und will dasjenige, was im Kosmos lebt, nehmen das die Götter wiederum hinauf und pflanzen es weiter der Weltengestaltung ein, so daß der Mensch an dem ganzen Kosmos mitbaut, wenn er im Opfer und in der Kunst wiederum zurückgibt, was die Götter ihm sich offenbarend durch Sternenwelten bieten. So steht der Mensch in Beziehung zum Weltengange, indem er seelenverwandtschaftlich diesen Weltengang erlebt.
[ 15 ] But there was something else that those times sensed. You see, people spoke of the Soma drink—that which was known as the sunlight caught in the silver moon cup, with which a person permeates their soul in order to understand the mysteries of the cosmos through the Soma drink. People spoke of this Soma drink, and they knew that through it they had a direct spiritual communion with the cosmos. The soul experiences this on Earth, but at the same time it lives in the cosmos; it is simultaneously within the cosmos when it experiences such things. And that is why people felt: Yes, the gods reveal themselves through the stars—through the fixed stars that remain at rest, and through the planets that move. Through the images formed on Earth by the configurations of the fixed stars and the movements of the planets, the soul experiences something cosmic. When the soul drinks the soma drink and performs the sacrifice in a ritual, artistic, and cognitive manner, it gives back to the gods—along with the rising sacrificial smoke, to which it entrusts the religious, artistic, and poetic word—what the gods need to continue shaping the world. For human beings were not created by the gods in vain; rather, they are here on Earth so that what can only be fully prepared within them may in turn be taken back by the gods for the further shaping of the world. Indeed, human beings are on Earth because the gods need them to think, feel, and will within themselves what lives in the cosmos. Then, when human beings think, feel, and will in the right way what lives in the cosmos, the gods take this back up and plant it further into the shaping of the world, so that human beings help build the entire cosmos when, through sacrifice and art, they give back what the gods offer them by revealing themselves through the starry worlds. Thus, human beings stand in relation to the course of the world by experiencing this course through a kinship of the soul.
[ 16 ] Durchdringt man sich mit dieser Anschauung des Menschen von der Seelenverwandtschaft des Menschen mit dem göttlich-geistigphysischen Weltengange, dann kann man allerdings diese Anschauung auch auf die Gegenwart anwenden. Ja, dann schauen wir uns die heutige Erkenntnis 'an, welche nur dasjenige ergründen will, was auf der Erde ist, und selbst die Himmelschemie nur nach der Erde richtet, die Berechnungen der Sterne bloß nach den Rechnungsoperationen anstellt, die man auf der Erde erkennen gelernt hat. Diese Erkenntnis, die heute als die wahrhaft wissenschaftliche gilt, ist wertvoll nur für den Gang der Erde selber. Sie hört auf, eine Bedeutung zu haben in dem Maße, als sich die Erde weiter zu Jupiter, Venus und Vulkan hinüberbilden soll. Was man heute Wissenschaft nennt, hat nur eine irdische Bedeutung, ist nur da, damit der Mensch auf der Erde frei werden könne, aber die Götter können es nicht zur kosmischen Weiterbildung der Welt brauchen.
[ 16 ] If one immerses oneself in this view of humanity—the kinship of the human soul with the divine-spiritual-physical course of the world—then one can indeed apply this view to the present as well. Indeed, let us then examine today’s understanding, which seeks only to fathom what is on Earth, and even applies celestial chemistry solely to the Earth, performing calculations of the stars merely through the mathematical operations that have been learned on Earth. This understanding, which is regarded today as truly scientific, is valuable only for the course of the Earth itself. It ceases to have any significance to the extent that the Earth is to evolve further toward Jupiter, Venus, and Vulcan. What is called science today has only an earthly significance; it exists only so that human beings on Earth may become free, but the gods have no use for it in the cosmic evolution of the world.
[ 17 ] Wir sind bei der äußersten Abstraktion, bei dem Leichnam der Geisteswelt in unseren abstrakten Gedanken angekommen. Dasjenige, was wissenschaftlich ausgeführt wird, hat nur für die Erde Bedeutung, wirkt auf die Erde als Gedankenmäßiges, wird zertrümmert, begraben, lebt nicht weiter. Und man muß sagen, wenn die Großmutter des Dichters Adalbert Stifter, Ursula Kary, zu dem jungen Stifter etwas über die Abendröte gesagt hat, so gehörte das intensiver zu dem Kosmos als das, was heute erkenntnismäßig über die Abendröte in Büchern wissenschaftlicher Art gelesen werden kann. Nehmen Sie all das zusammen, was in wissenschaftlichen Büchern heute von den Strahlen der Sonne gesagt wird, die sich so und so in den Wolken benehmen sollen, um die Abendröte hervorzubringen, nehmen Sie all das, was da an Naturgesetzen beschrieben wird, zusammen, so hat es nur eine irdische Bedeutung. Die Götter schöpfen es nicht wieder von der Erde, um es im Kosmos zu verwenden. Adalbert Stifters Großmutter sagte zu dem Knaben: Kind, was ist die Abendröte? Kind, wenn die Abendröte erscheint, dann hängt die Gottesmutter ihre Kleider heraus, denn sie hat viele solche Kleider, um sie allabendlich auszuhängen am Himmelsgewölbe.
[ 17 ] We have arrived at the utmost abstraction, at the corpse of the spiritual world within our abstract thoughts. That which is carried out scientifically has significance only for the Earth; it acts upon the Earth as a mental phenomenon, is shattered, buried, and does not live on. And it must be said that when the grandmother of the poet Adalbert Stifter, Ursula Kary, spoke to the young Stifter about the evening glow, her words were more intimately connected to the cosmos than anything that can be read today in scientific books about the evening glow. Take everything that is said in scientific books today about the sun’s rays—which are supposed to behave in such and such a way in the clouds to produce the sunset—and take all the laws of nature described there; taken together, they have only an earthly significance. The gods do not take it back from the earth to use it in the cosmos. Adalbert Stifter’s grandmother said to the boy: “Child, what is the sunset? Child, when the sunset appears, the Mother of God hangs out her clothes, for she has many such clothes to hang out every evening on the vault of heaven.”
[ 18 ] Die Großmutter Adalbert Stifters unterrichtete den Knaben davon, daß die ausgehängten Kleider der Gottesmutter die Abendröte sind. Das ist eine Rede, aus der Götter für die weitere Fortbildung der Welt schöpfen können. Die heutige Wissenschaft sucht so genau wie möglich dasjenige in Begriffe zu fassen, was jetzt ist. Aber das soll niemals Zukunft werden, das ist Gegenwart. Adalbert Stifters Großmutter, die noch viel von dem bewahrte, was in den alten Seelen lebte, sagte etwas, worüber selbstverständlich der Wissenschafter der Gegenwart nur ein Lächeln hat. Er wird es vielleicht schön finden, aber er weiß nichts davon, daß es für den Kosmos eine größere Bedeutung hat als alle seine Wissenschaft, wenn die Großmutter von Adalbert Stifter das Kind so unterwies, daß die Abendröte die ausgehängten Kleider der Gottesmutter sind. Denn das schöpfen die geistig-göttlichen Mächte, um damit die Gegenwart des Kosmos in die Zukunft hinein weiterzubilden. Und aus dem, was in dieser Weise brauchbar ist, was nicht aus Zeit und Raum heraus Vorstellungen schafft, sondern was ewig-tätige Vorstellungen schafft, ist alle wirkliche Kunst entstanden. Geradeso, wie sich zur trockenen materialistischen Anschauung diese Aussage von Adalbert Stifters Großmutter verhält, die ihn zum Dichter gemacht hat, geradeso verhält sich das, was Raffael in der Sixtinischen Madonna über den Augenblick hinaus geschaffen hat, indem er den Augenblick als Ewiges erfaßt hat, zu dem, was wir sehen, wenn wir auf dem physischen Erdenrund die Mutter mit dem Kinde dasitzen sehen.
[ 18 ] Adalbert Stifter’s grandmother taught the boy that the clothes hung out to dry by the Mother of God are the evening glow. This is a statement from which gods can draw inspiration for the world’s continued development. Modern science seeks to define as precisely as possible what exists in the present. But this will never become the future; it is the present. Adalbert Stifter’s grandmother, who still preserved much of what lived in the souls of old, said something that, of course, only elicits a smile from today’s scientists. He may find it beautiful, but he knows nothing of the fact that it holds greater significance for the cosmos than all his science—that Adalbert Stifter’s grandmother taught the child that the evening glow is the Mother of God’s clothes hanging out to dry. For this is what the spiritual-divine powers draw upon to shape the present of the cosmos into the future. And from what is useful in this way—what does not create mental images derived from time and space, but rather creates eternally active mental images—all true art has arisen. Just as just as this statement by Adalbert Stifter’s grandmother—which made him a poet—stands in contrast to dry, materialistic thinking, so too does what Raphael created in the Sistine Madonna beyond the moment—by capturing the moment as something eternal—stand in contrast to what we see when we observe the mother and child sitting together on this physical earth.
[ 19 ] Das wollte ich Ihnen noch sagen, um zu den vorigen Betrachtungen hinzuzufügen, was diese Betrachtung vielleicht noch ein wenig vertiefen konnte.
[ 19 ] I wanted to mention this to you as a supplement to my previous remarks, in the hope that it might help to deepen your understanding of them a little.
