General Human Studies
as the Basis of Education
GA 293
23 August 1919, Stuttgart
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General Human Studies as the Basis of Education, tr. SOL
Dritter Vortrag
Third Lecture
[ 1 ] Der gegenwärtige Lehrer müßte im Hintergrunde von allem, was er schulmäßig unternimmt, eine umfassende Anschauung über die Gesetze des Weltenalls haben. Es ist ja selbstverständlich, daß gerade der Unterricht in den unteren Klassen, in den unteren Stufen der Schule, einen Zusammenhang der Seele des Lehrenden mit den höchsten Ideen der Menschheit fordert. Ein Krebsschaden der bisherigen Schulkonstitution besteht wohl darin, daß man den Lehrer der unteren Schulstufen in einer gewissen, ich möchte sagen Abhängigkeit gehalten hat, namentlich daß man ihn in einer Sphäre gehalten hat, wodurch seine Existenz minderwertiger schien als die Existenz der Lehrer der höheren Schulstufen. Es obliegt mir hier natürlich nicht, über diese allgemeine Frage des geistigen Gliedes des sozialen Organismus zu sprechen. Aber darauf muß doch aufmerksam gemacht werden, daß in der Zukunft alles, was zur Lehrerschaft gehört, einander ebenbürtig sein muß und daß man ein starkes Gefühl in der Öffentlichkeit dafür wird haben müssen, daß der Lehrer der unteren Schulstufen durchaus gleichwertig ist, auch in bezug auf seine geistige Konstitution, dem Lehrer höherer Schulstufen. Daher wird es Sie nicht verwundern, wenn wir heute gerade darauf hinweisen, wie im Hintergrunde allen Unterrichtens — auch auf den untersten Schulstufen — dasjenige stehen muß, was man natürlich unmittelbar den Kindern gegenüber nicht verwenden kann, was man aber als Lehrer unbedingt wissen muß, denn sonst würde der Unterricht nicht ersprießlich sein können.
[ 1 ] The modern teacher must, underlying everything he does in the classroom, possess a comprehensive understanding of the laws of the universe. It goes without saying that teaching in the lower grades—in the early stages of schooling—in particular requires the teacher’s soul to be connected to the highest ideas of humanity. A fundamental flaw in the school system to date has been that teachers in the lower grades have been kept in a certain—I would say—state of dependence; specifically, they have been confined to a sphere in which their status seemed inferior to that of teachers in the higher grades. It is not my place here, of course, to discuss this general question of the intellectual element of the social organism. But it must be pointed out that in the future, all members of the teaching profession must be on an equal footing, and that the public will need to develop a strong sense that teachers in the lower grades are entirely equal—including in terms of their spiritual constitution—to teachers in the higher grades. Therefore, it will not surprise you that we are pointing out today precisely how, in the background of all teaching—even at the lowest school levels—there must be that which, of course, cannot be used directly with the children, but which a teacher must absolutely know; otherwise, the instruction could not be fruitful.
[ 2 ] Wir bringen im Unterricht an das Kind heran auf der einen Seite die Naturwelt, auf der anderen Seite die geistige Welt. Wir sind als Menschen durchaus auf der einen Seite verwandt der Naturwelt, auf der anderen Seite verwandt der geistigen Welt, insofern wir eben Menschen hier auf der Erde, auf dem physischen Plane sind und unser Dasein zwischen Geburt und Tod vollenden.
[ 2 ] In our lessons, we introduce children to the natural world on the one hand and the spiritual world on the other. As human beings, we are indeed connected to the natural world on the one hand and to the spiritual world on the other, insofar as we are human beings here on Earth, on the physical plane, and fulfill our existence between birth and death.
[ 3 ] Nun ist eben die Psychologie-Erkenntnis durchaus etwas, was in unserer Zeit außerordentlich schwach ausgebildet ist. Namentlich leidet die psychologische Erkenntnis unter der Nachwirkung jener kirchlichen dogmatischen Feststellung, die im Jahre 869 gefallen ist und in der eine ältere, auf einer instinktiven Erkenntnis beruhende Einsicht verdunkelt worden ist: die Einsicht, daß der Mensch gegliedert ist in Leib, Seele und Geist. Sie können ja fast überall, wo Sie heute von Psychologie reden hören, von einer bloßen Zweigliederung des Menschenwesens reden hören. Sie können davon reden hören, der Mensch bestehe aus Leib und Seele oder aus Körper und Geist, wie man es dann nennen will; man betrachtet dann Körper und Leib und ebenso auch Geist und Seele als ziemlich gleichbedeutend. Fast alle Psychologien sind auf diesem Irrtum der Zweigliederung des menschlichen Wesens aufgebaut. Man kann gar nicht zu einer wirklichen Einsicht in die menschliche Wesenheit kommen, wenn man sich nur dieser Zweigliederung als einem durchgreifend Gültigen zuwendet. Daher ist im Grunde genommen fast alles, was heute als Psychologie auftaucht, durchaus dilettantisch, manchmal auch nur ein Spiel mit Worten.
[ 3 ] Psychological insight, however, is something that is exceptionally underdeveloped in our time. In particular, psychological understanding suffers from the lingering effects of that ecclesiastical dogmatic declaration issued in the year 869, which obscured an older insight based on instinctive knowledge: the insight that human beings are composed of body, soul, and spirit. Indeed, almost everywhere you hear people speaking of psychology today, you hear them speak of a mere two-part division of the human being. You hear them say that the human being consists of body and soul, or of body and spirit—whichever term one prefers to use; in this view, body and soul, as well as spirit and mind, are regarded as more or less synonymous. Almost all schools of psychology are built upon this error of the dichotomy of the human being. One cannot arrive at a true understanding of the human being at all if one turns exclusively to this dichotomy as something universally valid. Therefore, fundamentally speaking, almost everything that appears today as psychology is thoroughly amateurish, and sometimes nothing more than a play on words.
[ 4 ] Das aber beruht ja im allgemeinen auf jenem großen Irrtum, der erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts so groß geworden ist, weil mißkannt worden ist eine eigentlich große Errungenschaft, welche die physikalische Wissenschaft zu verzeichnen hatte. Sie wissen Ja, daß die braven Heilbronner dem Manne inmitten ihrer Stadt ein Denkmal aufgerichtet haben, den sie zur Zeit seines Lebens ins Irrenhaus gesperrt haben: Julius Robert Mayer. Und Sie wissen, daß diese Persönlichkeit, auf die heute selbstverständlich die Heilbronner sehr stolz sind, verknüpft ist mit dem sogenannten Gesetz von der Erhaltung der Energie oder der Kraft. Dieses Gesetz besagt ja, daß die Summe aller im Weltenall vorhandenen Energien oder Kräfte eine konstante ist, daß sich diese Kräfte nur umwandeln, so daß etwa eine Kraft einmal als Wärme, ein andermal als mechanische Kraft erscheint und dergleichen. In diese Form kleidet man aber das Gesetz von Julius Robert Mayer nur dann, wenn man ihn gründlich mißversteht! Denn ihm war es zu tun um die Aufdeckung der Metamorphose der Kräfte, nicht aber um die Aufstellung eines so abstrakten Gesetzes, wie es das von der Erhaltung der Energie ist.
[ 4 ] But this is generally based on that great error, which only became so widespread in the second half of the 19th century because a truly great achievement in the field of physics had been misunderstood. You know, of course, that the good people of Heilbronn erected a monument in the center of their city to the man whom they had confined to an asylum during his lifetime: Julius Robert Mayer. And you know that this figure, of whom the people of Heilbronn are naturally very proud today, is associated with the so-called law of conservation of energy or force. This law states that the sum of all energies or forces existing in the universe is a constant, and that these forces merely transform one into another—so that, for example, a force may appear as heat at one time and as mechanical force at another, and so on. However, one can only frame Julius Robert Mayer’s law in this way if one thoroughly misunderstands him! For his concern was with uncovering the metamorphosis of forces, not with formulating such an abstract law as the law of conservation of energy.
[ 5 ] Was ist, in einem großen Zusammenhange angesehen, kulturgeschichtlich dieses Gesetz von der Erhaltung der Energie oder der Kraft? Es ist das große Hindernis, den Menschen überhaupt zu verstehen. Sobald man nämlich meint, daß niemals Kräfte wirklich neu gebildet werden, wird man nicht zu einer Erkenntnis des wahren Wesens des Menschen gelangen können. Denn dieses wahre Wesen des Menschen beruht gerade darin, daß fortwährend durch ihn neue Kräfte gebildet werden. Allerdings in dem Zusammenhange, in dem wir in der Welt leben, ist der Mensch das einzige Wesen, in welchem neue Kräfte und wie wir später noch hören werden - sogar neue Stoffe gebildet werden. Aber da die heutige Weltanschauung überhaupt nicht solche Elemente in sich aufnehmen will, durch welche auch der Mensch voll erkannt werden kann, so kommt sie dann mit diesem Gesetz von der Erhaltung der Kraft, das ja in einem gewissen Sinne nicht stört, wenn man nur die anderen Reiche der Natur - das Mineralreich, das Pflanzenreich und das Tierreich - ins Auge faßt, das aber sofort alles von wirklicher Erkenntnis auslöscht, wenn man an den Menschen herankommen will.
[ 5 ] Viewed in a broader context, what does this law of the conservation of energy or force mean in terms of cultural history? It is the great obstacle to understanding human beings at all. For as soon as one believes that new forces are never truly created, one will be unable to gain insight into the true nature of human beings. For this true nature of human beings lies precisely in the fact that new forces are continually being formed through them. Admittedly, within the context in which we live in the world, human beings are the only beings in whom new forces—and, as we shall hear later, even new substances—are formed. But since today’s worldview is completely unwilling to incorporate elements through which human beings can be fully understood, it then resorts to this law of the conservation of energy, which, in a certain sense, is not problematic if one considers only the other kingdoms of nature—the mineral, plant, and animal kingdoms—but which immediately obliterates all true knowledge when one seeks to approach human beings.
[ 6 ] Sie werden als Lehrer die Notwendigkeit haben, auf der einen Seite Ihren Schülern die Natur verständlich zu machen, auf der anderen Seite sie hinzuführen zu einer gewissen Auffassung des geistigen Lebens. Ohne mit der Natur bekannt zu sein, wenigstens in einem gewissen Grade, und ohne ein Verhältnis zum geistigen Leben zu haben, kann sich heute der Mensch auch nicht in das soziale Leben hineinstellen. Wenden wir daher zunächst einmal unseren Blick der äußeren Natur zu.
[ 6 ] As teachers, you will need, on the one hand, to help your students understand nature and, on the other hand, to guide them toward a certain understanding of spiritual life. Without being familiar with nature, at least to a certain degree, and without having a relationship to spiritual life, people today cannot fully engage in social life. Let us therefore first turn our attention to the external world of nature.
[ 7 ] Die äußere Natur wendet sich an uns so, daß gegenübersteht dieser äußeren Natur auf der einen Seite unser Vorstellungs-, Gedankenleben, das, wie Sie wissen, bildhafter Natur ist, das eine Art Spiegelung des vorgeburtlichen Lebens ist, und daß auf der anderen Seite sich der Natur zuwendet alles dasjenige, was willensartiger Natur ist, was als Keim hinweist auf unser nachtodliches Leben. In dieser Weise sind wir immer auf die Natur hingelenkt. Das scheint ja allerdings zunächst eine Hinordnung auf die Natur in zwei Gliedern zu sein, und sie hat auch hervorgerufen den Irrtum von der Zweigliederung des Menschen. Wir werden auf diese Sache noch zurückkommen.
[ 7 ] External nature presents itself to us in such a way that, on the one hand, our mental images and thoughts—which, as you know, are of a pictorial nature and are a kind of reflection of prenatal life—stand in contrast to this external nature; and on the other hand, everything that is of a volitional nature—which points, as a seed, to our life after death—turns toward nature. In this way, we are always directed toward nature. At first glance, this does indeed seem to be a twofold orientation toward nature, and it has also given rise to the misconception of the twofold division of the human being. We will return to this matter later.
[ 8 ] Wenn wir der Natur so gegenüberstehen, daß wir ihr unsere Denkseite, unsere Vorstellungsseite zuwenden, dann fassen wir eigentlich von der Natur nur das auf, was in der Natur fortwährendes Sterben ist. Es ist dies ein außerordentlich gewichtiges Gesetz. Seien Sie sich ganz klar darüber: Wenn Sie noch so schöne Naturgesetze erfahren, die mit Hilfe des Verstandes, mit Hilfe der vorstellenden Kräfte gefunden sind, so beziehen sich diese Naturgesetze immer auf das, was in der Natur abstirbt.
[ 8 ] When we approach nature in such a way that we turn our thinking and our powers of imagination toward it, we actually perceive only that aspect of nature which is a continuous process of dying. This is an extraordinarily significant law. Be absolutely clear about this: No matter how beautiful the laws of nature you may discover—laws found with the help of the intellect and the powers of mental images—these laws always refer to that which is dying in nature.
[ 9 ] Etwas ganz anderes als diese Naturgesetze, die sich auf das Tote beziehen, erfährt der lebendige Wille, der keimhaft vorhanden ist, wenn er sich auf die Natur richtet. Hier werden Sie, weil Sie ja wohl noch angefüllt sind mit mancherlei Vorstellungen, die aus der Gegenwart und den Irrtümern ihrer Wissenschaft entstammen, eine ziemliche Schwierigkeit Ihres Verständnisses finden. - Was uns zunächst in den Sinnen, ganz im Umfange der zwölf Sinne, in Beziehung bringt zur Außenwelt, das ist nicht erkenntnismäßiger, sondern willensmäßiger Natur. Dem Menschen der Gegenwart ist davon eigentlich die Einsicht ganz geschwunden. Daher betrachtet er es als etwas Kindliches, wenn er bei Plato liest, daß das Sehen eigentlich darauf beruhe, daß eine Art von Fangarmen aus den Augen ausgestreckt werde zu den Dingen hin. Diese Fangarme sind allerdings mit sinnlichen Mitteln nicht zu erkennen; aber daß Plato sich ihrer bewußt war, das beweist eben, daß er in die übersinnliche Welt eingedrungen war. Es ist in der Tat, indem wir die Dinge ansehen, nichts anderes als nur in feinerer Weise ein Vorgang vorhanden ähnlich demjenigen, der sich abspielt, wenn wir die Dinge angreifen. Wenn Sie zum Beispiel ein Stück Kreide anfassen, so ist dies ein physischer Vorgang ganz ähnlich dem geistigen Vorgange, der sich abspielt, indem Sie die Ätherkräfte aus Ihrem Auge senden, um den Gegenstand im Sehen zu erfassen. Wenn die Menschen überhaupt in der Gegenwart beobachten könnten, so würden sie aus den Naturbeobachtungen diese Tatsachen entnehmen können. Wenn Sie sich zum Beispiel die nach auswärts gestellten Pferdeaugen ansehen, dann werden Sie das Gefühl bekommen, daß einfach durch die Stellung seiner Augen das Pferd zu seiner Umgebung in eine andere Lage versetzt ist als der Mensch. Was da zugrunde liegt, kann ich Ihnen am besten dadurch klar machen, daß ich folgendes hypothetisch aufstelle. Denken Sie sich, Ihre beiden Arme wären so gestaltet, daß Sie in die Unmöglichkeit versetzt wären, die Arme nach vorn zusammenzubringen, so daß sie sich niemals übergreifen könnten. Sie müßten eurythmisch immer bei A stehenbleiben, könnten nie zum O kommen, es würde durch eine Widerstandskraft Ihnen unmöglich gemacht, durch die Vorwärtsrichtung der Arme diese vorne zusammenzubringen. Das Pferd ist nun in bezug auf die übersinnlichen Fangarme seiner Augen in dieser Lage: es kann niemals den Fangarm des linken Auges berühren lassen von dem Fangarm des rechten Auges. Der Mensch ist durch seine Augenstellung eben in der Lage, fortwährend diese zwei übersinnlichen Fangarme seiner Augen miteinander sich berühren zu lassen. Darauf beruht die Empfindung - die übersinnlicher Natur ist - von dem Ich. Würden wir überhaupt niemals in die Lage kommen, rechts und links miteinander in Berührung zu bringen, oder würde die Berührung von rechts und links eine so geringe Bedeutung haben, wie es bei den Tieren der Fall ist, die niemals so ganz richtig die Vorderpfoten, sagen wir, zum Gebet oder zu irgendeinem ähnlichen Geistigen verwenden, dann würden wir auch nicht zu einer vergeistigten Empfindung unseres Selbstes gelangen.
[ 9 ] The living will, which exists in embryonic form, experiences something entirely different from these laws of nature—which pertain to the inanimate—when it turns its attention to nature. Here you will encounter a considerable difficulty in understanding, since you are likely still filled with various mental images stemming from the present age and the errors of its science. — What initially connects us to the external world through the senses—in the full scope of the twelve senses—is not of a cognitive nature, but of a volitional one. People today have, in fact, completely lost this insight. That is why they regard it as childish when they read in Plato that seeing is actually based on a kind of tentacle extending from the eyes toward objects. These tentacles, of course, cannot be perceived by sensory means; but the very fact that Plato was aware of them proves that he had penetrated into the supersensible world. In fact, when we look at things, what takes place is nothing other than a process—albeit in a more subtle way—similar to the one that occurs when we touch things. If, for example, you touch a piece of chalk, this is a physical process quite similar to the mental process that takes place when you send the etheric forces from your eye to perceive the object through sight. If people were able to observe in the present moment at all, they would be able to deduce these facts from observations of nature. If, for example, you look at a horse’s eyes, which are set wide apart, you will get the feeling that simply because of the position of its eyes, the horse is placed in a different relationship to its surroundings than a human being is. I can best explain what underlies this by posing the following hypothetical scenario. Imagine that your two arms were shaped in such a way that you would be unable to bring them together in front of you, so that they could never cross over one another. You would always have to stop at “A” in eurythmy; you could never reach “O”—a resistive force would make it impossible for you to bring your arms together in front of you by moving them forward. The horse, with regard to the supersensible tentacles of its eyes, is in this very situation: it can never allow the tentacle of the left eye to touch that of the right eye. The human being, precisely because of the position of his eyes, is able to allow these two supersensible tentacles of his eyes to touch one another continuously. This is the basis for the sensation—which is of a supersensible nature—of the “I.” If we were never able to bring the right and left sides into contact with one another, or if the contact between right and left were of such minor significance as is the case with animals—which never quite use their front paws, so to speak, for prayer or any similar spiritual purpose—then we would not attain a spiritualized sense of our self.
[ 10 ] Was für die Sinnesempfindungen am Auge und Ohr überall wichtig ist, das ist nicht so sehr das Passive; es ist das Aktive, das, was wir willentlich den Dingen entgegenbringen. Die neuere Philosophie hat ja manchmal Ahnungen gehabt von etwas Richtigem und hat dann allerlei Worte erfunden, die aber in der Regel beweisen, wie weit man von der Erfassung der Sache entfernt ist. So sind in den Lokalzeichen der Lotzeschen Philosophie solche Ahnungen von Erkenntnis der Aktivität des Willens-Sinneslebens vorhanden. Aber unser Sinnesorganismus, der ja ganz deutlich in dem Tastsinn, Geschmackssinn, Geruchssinn sein Verbundensein mit dem Stoffwechsel zeigt, ist bis in die höheren Sinne mit dem Stoffwechsel verbunden, und der ist willensartiger Natur.
[ 10 ] What is important everywhere in the sensory perceptions of the eye and the ear is not so much the passive aspect; it is the active aspect—that which we deliberately bring to bear on things. Modern philosophy has, after all, sometimes had intuitions of something true and has then invented all sorts of terms, which, however, generally demonstrate how far one is from grasping the matter at hand. Thus, in the fundamental tenets of Lotze’s philosophy, such intuitions regarding the activity of the will-sensory life are present. But our sensory organism—which quite clearly demonstrates its connection to metabolism in the senses of touch, taste, and smell—is linked to metabolism all the way up to the higher senses, and this metabolism is of a volitional nature.
[ 11 ] Daher können Sie sich sagen: Der Mensch steht, indem er der Natur gegenübersteht, durch sein Verstandesmäßiges der Natur gegenüber und faßt dadurch alles das von ihr auf, was in ihr tot ist und eignet sich von diesem Toten Gesetze an. Was aber in der Natur aus dem Schoße des Toten sich erhebt, um zur Zukunft der Welt zu werden, das faßt der Mensch auf durch seinen ihm so unbestimmt erscheinenden Willen, der sich bis in die Sinne hinein erstreckt.
[ 11 ] Therefore, you can say to yourself: By standing in opposition to nature, human beings confront nature through their rational faculties and thereby grasp all that is dead within it, appropriating laws from this dead matter. But what rises in nature from the bosom of the dead to become the future of the world—that is grasped by human beings through their will, which seems so indeterminate to them and extends all the way into the senses.
[ 12 ] Denken Sie sich, wie lebendig Ihnen Ihr Verhältnis zur Natur wird, wenn Sie das eben Gesagte ordentlich ins Auge fassen. Sie werden sich dann sagen: Wenn ich in die Natur hinausgehe, so glänzt mir entgegen Licht und Farbe; indem ich das Licht und seine Farben aufnehme, vereinige ich mit mir das von der Natur, was sie in die Zukunft hinübersendet, und indem ich dann in meine Stube zurückkehre und nachdenke über die Natur, Gesetze über sie ausspinne, da beschäftige ich mich mit dem, was in der Natur fortwährend stirbt. - In der Natur ist fortwährendes Sterben und Werden miteinander verbunden. Daß wir das Sterben auffassen, rührt davon her, daß wir in uns tragen das Spiegelbild unseres vorgeburtlichen Lebens, die Verstandeswelt, die Denkwelt, wodurch wir das der Natur zugrunde liegende Tote ins Auge fassen können. Und daß wir dasjenige, was in der Zukunft von der Natur da sein wird, ins Auge fassen können, rührt davon her, daß wir nicht nur unseren Verstand, unser Denkleben der Natur entgegenstellen, sondern daß wir ihr dasjenige entgegenstellen können, was in uns selbst willensartiger Natur ist.
[ 12 ] Imagine how vivid your relationship with nature will become if you truly take what has just been said to heart. You will then say to yourself: When I go out into nature, light and color shine out toward me; by taking in the light and its colors, I unite within myself that which nature sends forth into the future, and when I then return to my room and reflect on nature, spinning out laws about it, I am engaging with that which is constantly dying in nature. - In nature, constant dying and becoming are intertwined. The fact that we perceive dying stems from the fact that we carry within us the reflection of our prenatal life—the world of the intellect, the world of thought—through which we can perceive the dead that underlies nature. And the fact that we can perceive what nature will bring into being in the future stems from the fact that we do not merely set our intellect, our life of thought, against nature, but that we can set against it that which within ourselves is of a volitional nature.
[ 13 ] Wenn der Mensch nicht etwas, was fortwährend ihm bleibt, retten könnte aus seinem vorgeburtlichen Leben durch sein Erdenleben hindurch, wenn er nicht etwas retten könnte von dem, was zuletzt während seines vorgeburtlichen Lebens zum bloßen Gedankenleben geworden ist, dann würde er niemals zur Freiheit kommen können. Denn der Mensch würde verbunden sein mit dem Toten, und er würde in dem Augenblick, wo er das, was in ihm selbst mit der toten Natur verwandt ist, zur Freiheit aufrufen wollte, ein Sterbendes zur Freiheit aufrufen wollen. Er würde, wenn er desjenigen sich bedienen wollte, was ihn als Willenswesen mit der Natur verbindet, betäubt werden; denn in dem, was ihn als Willenswesen mit der Natur verbindet, ist alles noch keimhaft. Er würde ein Naturwesen sein, aber kein freies Wesen.
[ 13 ] If a person could not preserve something from his pre-birth life—something that remains with him continuously throughout his earthly life—if he could not preserve something of what ultimately became mere mental life during his pre-birth existence, then he would never be able to attain freedom. For human beings would be bound to the dead, and at the very moment they sought to call that part of themselves—which is akin to dead nature—to freedom, they would be calling something dying to freedom. If he were to make use of that which connects him as a being of will to nature, he would be numbed; for in that which connects him as a being of will to nature, everything is still in a germinal state. He would be a natural being, but not a free being.
[ 14 ] Über diesen zwei Elementen — der Erfassung des Toten durch den Verstand und der Erfassung des Lebendigen, des Werdenden durch den Willen — steht im Menschen etwas, was nur er, kein anderes irdisches Wesen, von der Geburt bis zum Tode in sich trägt: das ist das reine Denken, dasjenige Denken, das sich nicht auf die äußere Natur bezieht, sondern das sich nur auf dasjenige Übersinnliche bezieht, was im Menschen selber ist, was den Menschen zum autonomen Wesen macht, zu etwas, was noch über demjenigen ist, was im Untertoten und im Überlebendigen ist. Will man daher von der menschlichen Freiheit reden, so muß man auf dieses Autonome im Menschen sehen, auf das reine, sinnlichkeitsfreie Denken, in dem immer auch der Wille lebt.
[ 14 ] Above these two elements—the mind’s apprehension of the dead and the will’s apprehension of the living, of what is becoming—there is something within the human being that only he, and no other earthly being, carries within himself from birth to death: that is pure thinking—the kind of thinking that does not relate to external nature, but relates only to that which is supersensible within human beings themselves, that which makes human beings autonomous beings, something that stands even above what is found in the subhuman and the prehuman. If, therefore, one wishes to speak of human freedom, one must look to this autonomy within the human being, to pure, senseless thinking, in which the will always lives as well.
[ 15 ] Wenn Sie aber von diesem Gesichtspunkte aus die Natur selbst betrachten, werden Sie sich sagen: Ich blicke hin auf die Natur, der Strom des Sterbens ist in mir und auch der Strom des Neuwerdens: sterben wiederum geboren werden. Von diesem Zusammenhang versteht die neuere Wissenschaft sehr wenig; denn ihr ist die Natur gewissermaßen eine Einheit, und sie puddelt fortwährend durcheinander das Sterbende und das Werdende, so daß alles, was heute vielfach ausgesagt wird über die Natur und ihr Wesen, etwas ganz Konfuses ist, weil Sterben und Werden fortwährend durcheinandergemischt werden. Will man reinlich diese beiden Strömungen in der Natur auseinanderhalten, so muß man sich schon fragen: Wie stünde es denn mit der Natur, wenn der Mensch nicht in dieser Natur wäre?
[ 15 ] But if you look at nature itself from this perspective, you will say to yourself: I am looking at nature; the flow of dying is within me, and so is the flow of becoming anew: dying and being born again. Modern science understands very little of this connection; for to it, nature is, in a sense, a unity, and it constantly conflates the dying and the becoming, so that everything that is said today about nature and its essence is quite confused, because dying and becoming are constantly mixed together. If one wishes to clearly distinguish these two currents in nature, one must ask oneself: What would nature be like if human beings were not part of it?
[ 16 ] Gegenüber dieser Frage ist im Grunde genommen die neuere Naturwissenschaft mit ihrer Philosophie in einer großen Verlegenheit. Denn denken Sie einmal, Sie stellten einem richtigen neueren Naturforscher die Frage: Was wäre es mit der Natur und ihrem Wesen, wenn der Mensch nicht darin wäre? Er würde natürlich zunächst etwas schockiert sein, weil ihm die Frage sonderbar vorkommen würde. Aber er würde sich dann besinnen, welche Unterlagen zur Beantwortung dieser Frage ihm seine Wissenschaft gibt, und würde sagen: Dann wären auf der Erde Mineralien, Pflanzen und Tiere, nur der Mensch wäre nicht da, und der Erdenverlauf würde von dem Anfange an, wo die Erde noch im Kant-Laplaceschen Nebelzustande war, sich so vollzogen haben, daß alles so fortgegangen wäre, wie es gegangen ist; nur der Mensch wäre in diesem Fortgange nicht drinnen. - Eine andere Antwort könnte im Grunde genommen nicht herauskommen. Er könnte vielleicht noch hinzufügen: Der Mensch gräbt als Ackerbauer den Erdboden um und verändert so die Erdoberfläche, oder er konstruiert Maschinen und bringt dadurch Veränderungen hervor; aber das ist nicht so erheblich gegenüber den anderen Verwandlungen, welche durch die Natur selbst geschehen. Immer also würde der Naturforscher sagen: Es würden Miineralien, Pflanzen und Tiere sich entwickeln, ohne daß der Mensch dabei wäre.
[ 16 ] When faced with this question, modern science and its philosophy are, in essence, at a loss. Just imagine asking a true modern scientist: What would nature and its essence be like if humans were not part of it? He would, of course, be somewhat shocked at first, because the question would strike him as strange. But he would then reflect on the evidence his science provides for answering this question, and would say: Then there would be minerals, plants, and animals on Earth; only human beings would be absent, and the course of Earth’s history—from the very beginning, when the Earth was still in the Kant-Laplacean nebular state—would have unfolded in such a way that everything would have proceeded exactly as it has; only human beings would not have been part of that process. —Essentially, no other answer could possibly emerge. He might perhaps add: As a farmer, man tills the soil and thus alters the Earth’s surface, or he constructs machines and thereby brings about changes; but this is not so significant compared to the other transformations that occur through nature itself. Thus, the naturalist would always say: Minerals, plants, and animals would develop without the involvement of man.
[ 17 ] Das ist nicht richtig. Wäre der Mensch nämlich nicht in der Erdenevolution vorhanden, dann wären die Tiere zum großen Teile nicht da; denn ein großer Teil, namentlich die höheren Tiere, ist nur dadurch in der Erdenevolution entstanden, daß der Mensch genötigt war - ich spreche jetzt natürlich bildlich -, seine Ellenbogen zu verwenden. Er mußte auf einer bestimmten Stufe seiner Erdenentwickelung aus seinem eigenen Wesen, in dem damals noch ganz anderes war, als jetzt in ihm ist, die höheren Tiere heraussondern, mußte sie abwerfen, damit er weiterkommen konnte. Ich möchte dies Abwerfen damit vergleichen, daß ich sage: Stellen Sie sich ein Gemisch vor, worin etwas aufgelöst ist, und stellen Sie sich vor, daß dann diese aufgelöste Substanz sich aussondert und zu Boden setzt. So war der Mensch in seinen früheren Entwickelungszuständen mit der Tierwelt zusammen und hat dann später die Tierwelt wie einen Bodensatz ausgeschieden. Die Tiere wären nicht in der Erdenentwickelung diese heutigen Tiere geworden, wenn der Mensch nicht hätte so werden sollen, wie er jetzt ist. Ohne den Menschen in der Erdenentwickelung würden also die Tierformen und die Erde ganz anders ausschauen, als es heute der Fall ist.
[ 17 ] That is not correct. For if human beings were not present in Earth’s evolution, then animals would, for the most part, not exist; because a large portion of them—namely, the higher animals—came into being in Earth’s evolution only because human beings were compelled—I am speaking figuratively, of course—to use their elbows. At a certain stage of his earthly development, he had to separate the higher animals from his own being—which at that time was quite different from what it is now—and cast them off so that he could move forward. I would like to compare this shedding to the following: Imagine a mixture in which something is dissolved, and imagine that this dissolved substance then separates out and settles to the bottom. Thus, in his earlier stages of development, humanity was intertwined with the animal world and later excreted the animal world like sediment. The animals would not have become the animals we see today in the course of Earth’s evolution if humankind had not been destined to become what it is now. Without humankind in Earth’s evolution, therefore, animal forms and the Earth itself would look quite different from what they do today.
[ 18 ] Aber gehen wir nun über zur mineralischen und pflanzlichen Welt. Da sollten wir uns darüber klar sein, daß nicht nur die niederen Tierformen, sondern auch die pflanzliche und die mineralische Welt längst erstarrt wären, nicht mehr im Werden wären, wenn der Mensch nicht auf der Erde wäre. Wiederum ist es notwendig für die heutige, auf einer einseitigen Naturanschauung fußenden Weltanschauung, zu sagen: Gut, die Menschen sterben, und ihre Körper werden verbrannt oder begraben und damit der Erde übergeben; aber das hat für die Erdenentwickelung keine Bedeutung; denn wenn die Erdenentwickelung nicht Menschenkörper aufnehmen würde, könnte sie gerade so verlaufen wie jetzt, da sie Menschenkörper aufnimmt. — Das heißt aber, man ist sich gar nicht bewußt, daß das fortwährende Übergehen menschlicher Leichname in die Erde, gleichgültig ob es durch Verbrennen oder durch Begraben geschieht, ein realer Prozeß ist, der fortwirkt.
[ 18 ] But let us now turn to the mineral and plant worlds. We should be clear that not only the lower forms of life, but also the plant and mineral worlds would have long since become static—no longer in a state of becoming—if human beings were not on Earth. Again, it is necessary for today’s worldview—which is based on a one-sided view of nature—to say: Well, people die, and their bodies are cremated or buried and thus returned to the earth; but this has no significance for the earth’s development; for if the earth’s development did not absorb human bodies, it could proceed just as it does now, since it does absorb human bodies. — This means, however, that people are completely unaware that the continuous return of human corpses to the earth—whether through cremation or burial—is a real process that continues to have an effect.
[ 19 ] Die Bäuerinnen auf dem Lande sind sich noch klarer, als es die Frauen in der Stadt sind, darüber, daß die Hefe für das Brotbacken eine gewisse Bedeutung hat, trotzdem nur wenig dem Brote zugesetzt wird; sie wissen, daß das Brot nicht gedeihen könnte, wenn nicht Hefe dem Teig zugesetzt würde. Ebenso aber wäre die Erdenentwickelung längst in ihren Endzustand hineingekommen, wenn ihr nicht fortwährend die Kräfte des menschlichen Leichnams, der mit dem Tode von dem Geistig-Seelischen abgesondert ist, zugeführt würden. Durch diese Kräfte, welche die Erdenentwickelung durch die Zuführung der menschlichen Leichname fortwährend bekommt, beziehungsweise der Kräfte, die in den Leichnamen sind, dadurch wird die Evolution der Erde unterhalten. Dadurch werden Mineralien dazu veranlaßt, ihre Kristallisationskräfte noch heute zu entfalten, die sie längst nicht mehr entfalten würden ohne diese Kräfte; sie wären längst zerbröckelt, hätten sich aufgelöst. Dadurch werden Pflanzen, die längst nicht mehr wachsen würden, veranlaßt, heute noch zu wachsen. Und auch mit Bezug auf die niederen Tierformen ist es so. Der Mensch übergibt der Erde in seinem Leibe das Ferment, gleichsam die Hefe für die Weiterentwickelung.
[ 19 ] Women farmers in the countryside are even more aware than women in the city that yeast plays a certain role in baking bread, even though only a small amount is added to the dough; they know that the bread could not rise unless yeast were added to the dough. Likewise, however, the Earth’s evolution would have long since reached its final state if it were not continually supplied with the forces of the human corpse, which is separated from the spiritual-soul aspect upon death. It is through these forces—which the Earth’s evolution continually receives through the addition of human corpses, or rather, through the forces contained within the corpses—that the Earth’s evolution is sustained. As a result, minerals are prompted to continue unfolding their crystallization forces even today—forces they would have long since ceased to unfold without these contributions; they would have crumbled and dissolved long ago. This causes plants that would otherwise have long since ceased to grow to continue growing even today. And the same is true with regard to lower animal forms. Through his body, the human being imparts to the Earth the ferment—as it were, the leaven—for further development.
[ 20 ] Daher ist es nicht bedeutungslos, ob der Mensch auf der Erde lebt oder nicht. Es ist einfach nicht wahr, daß die Erdenentwickelung in bezug auf das Mineralreich, Pflanzenreich und Tierreich auch dann vorwärtsgehen würde, wenn der Mensch nicht dabei wäre! Der Naturprozeß ist ein einheitlicher, ein geschlossener, zu dem der Mensch dazugehört. Der Mensch wird nur richtig vorgestellt, wenn er selbst noch mit seinem Tode als drinnenstehend in dem kosmischen Prozeß gedacht wird.
[ 20 ] Therefore, it is not irrelevant whether humans live on Earth or not. It is simply not true that Earth’s evolution—with regard to the mineral, plant, and animal kingdoms—would continue to progress even if humans were not present! The natural process is a unified, closed system of which human beings are a part. A proper mental image of human beings can be formed only if they are conceived—even after death—as still being part of the cosmic process.
[ 21 ] Wenn Sie dies bedenken, dann werden Sie sich kaum mehr wundern, wenn ich auch noch das Folgende sage: Der Mensch bekommt, indem er aus der geistigen Welt heruntersteigt in die physische, die Umkleidung seines physischen Leibes. Aber natürlich ist der physische Leib anders, wenn man ihn als Kind bekommt, als wenn man ihn in irgendeinem Lebensalter durch den Tod ablegt. Da ist etwas geschehen mit dem physischen Leibe. Was da mit ihm geschehen ist, das kann nur dadurch geschehen, daß dieser Leib durchdrungen ist von den geistigseelischen Kräften des Menschen. Nicht wahr, schließlich essen wir alle dasselbe, was die Tiere auch essen, das heißt, wir verwandeln die äußeren Stoffe so, wie die Tiere sie verwandeln, aber wir verwandeln sie unter der Mittätigkeit von etwas, was die Tiere nicht haben, von etwas, was aus der geistigen Welt heruntersteigt, um sich mit dem physischen Menschenleib zu vereinigen. Wir machen dadurch mit den Stoffen etwas anderes, als die Tiere oder Pflanzen mit ihnen machen. Und die Stoffe, welche im menschlichen Leichnam der Erde übergeben werden, sind verwandelte Stoffe, sind etwas anderes, als was der Mensch empfangen hat, als er geboren worden ist. Daher können wir sagen: Die Stoffe, welche der Mensch empfängt, und auch die Kräfte, welche er mit der Geburt empfängt, die erneuert er während seines Lebens und gibt sie in verwandelter Form an den Erdenprozeß ab. Es sind nicht dieselben Stoffe und Kräfte, die er bei seinem Tode an den Erdenprozeß abgibt, als diejenigen waren, die er bei seiner Geburt empfangen hat. Er übergibt damit also dem Erdenprozeß etwas, was durch ihn fortwährend aus der übersinnlichen Welt in den physisch-sinnlichen Erdenprozeß einfließt. Er trägt bei seiner Geburt aus der übersinnlichen Welt etwas herunter; das bekommt dann, indem er es einverleibt hat den Stoffen und Kräften, die während seines Lebens seinen Leib zusammensetzen, mit seinem Tode die Erde. Dadurch vermittelt der Mensch fortwährend das Herunterträufeln von Übersinnlichem an Sinnliches, an Physisches. Sie können sich vorstellen, daß gleichsam fortwährend etwas herunterregnet aus dem Übersinnlichen ins Sinnliche, daß aber diese Tropfen ganz unfruchtbar blieben für die : Erde, wenn der Mensch sie nicht aufnehmen würde und sie durch sich der Erde vermitteln würde. Diese Tropfen, die der Mensch aufnimmt bei der Geburt, die er abgibt bei seinem Tode, die sind ein fortwährendes Befruchten der Erde durch übersinnliche Kräfte, und durch diese befruchtenden, übersinnlichen Kräfte wird der Evolutionsprozeß der Erde erhalten. Ohne menschliche Leichname wäre daher die Erde längst tot. Geburt Tod
[ 21 ] If you consider this, you will hardly be surprised when I go on to say the following: By descending from the spiritual world into the physical world, a human being receives the garment of his physical body. But of course, the physical body is different when one receives it as a child than when one sheds it through death at any stage of life. Something has happened to the physical body. What has happened to it can only occur because this body is permeated by the human being’s spiritual and soul forces. Isn’t that so? After all, we all eat the same things that animals eat; that is to say, we transform external substances just as animals do, but we transform them through the active participation of something that animals do not possess—something that descends from the spiritual world to unite with the physical human body. Through this, we do something different with the substances than animals or plants do with them. And the substances that are returned to the earth from the human body are transformed substances; they are something different from what the human being received at birth. Therefore, we can say: The substances that a human being receives, as well as the forces received at birth, are renewed during the course of life and returned to the earthly process in a transformed form. The substances and forces that a human being returns to the earthly process at death are not the same as those received at birth. Thus, he contributes to the earthly process something that, through him, continually flows from the supersensible world into the physical-sensory earthly process. At birth, he brings down something from the supersensible world; this, having been incorporated into the substances and forces that compose his body during his life, is then returned to the earth at his death. In this way, the human being continually mediates the trickling down of the supersensible into the sensible and the physical. You can form a mental image of something that is continually raining down from the supersensible into the sensible; yet these drops would remain entirely barren for the earth if the human being did not take them in and, through himself, convey them to the earth. These drops, which human beings absorb at birth and release at death, constitute a continuous fertilization of the earth by supersensible forces, and it is through these fertilizing, supersensible forces that the earth’s evolutionary process is sustained. Without human corpses, therefore, the earth would have been dead long ago. Birth Death


[ 22 ] Wenn wir das vorausgeschickt haben, können wir nun fragen: Was machen nun die toten Kräfte mit der menschlichen Natur? Es wirken ja in die menschliche Natur herein die todbringenden Kräfte, die draußen in der Natur vorwaltend sind; denn gäbe der Mensch der äußeren Natur nicht fortwährend Belebung, so müßte sie absterben. Wie walten also diese todbringenden Kräfte in der menschlichen Natur? Sie walten so, daß der Mensch alle diejenigen Organisationen durch sie hervorbringt, die in der Linie vom Knochensystem bis zum Nervensystem liegen. Was die Knochen und alles, was mit ihnen verwandt ist, aufbaut, das ist ganz anderer Natur als dasjenige, was die anderen Systeme aufbaut. In uns spielen die todbringenden Kräfte herein: wir lassen sie, wie sie sind, und dadurch sind wir Knochenmenschen. In uns aber spielen weiter noch die todbringenden Kräfte herein: wir schwächen sie ab, und dadurch sind wir Nervenmenschen. -— Was ist ein Nerv? Ein Nerv ist etwas, was fortwährend Knochen werden will, was nur dadurch verhindert wird, Knochen zu werden, daß es mit nicht knochenmäßigen oder nicht nervösen Elementen der Menschennatur in Zusammenhang steht. Der Nerv will fortwährend verknöchern, er ist fortwährend gedrängt abzusterben, wie der Knochen im Menschen immer etwas in hohem Grade Abgestorbenes ist. Beim tierischen Knochen liegen die Verhältnisse anders, er ist viel lebendiger als der menschliche Knochen. - So können Sie sich die eine Seite der Menschennatur vorstellen, indem Sie sagen: Die todbringende Strömung wirkt im Knochen- und Nervensystem. Das ist der eine Pol.
[ 22 ] Having established this, we can now ask: What do these deadly forces do to human nature? The deadly forces that prevail in the external natural world do indeed influence human nature; for if human beings did not continually breathe life into the external natural world, it would wither away. How, then, do these life-destroying forces operate within human nature? They operate in such a way that human beings, through them, bring forth all those systems that lie along the line from the skeletal system to the nervous system. What builds up the bones and everything related to them is of a completely different nature than what builds up the other systems. The life-destroying forces are at work within us: we leave them as they are, and thereby we are “bone people.” But the life-destroying forces are also at work within us in another way: we weaken them, and thereby we are “nerve people.” — What is a nerve? A nerve is something that constantly strives to become bone, but is prevented from doing so only because it is connected to non-bony or non-nervous elements of human nature. The nerve constantly strives to ossify; it is constantly driven to wither away, just as the bone in humans is always something that is, to a high degree, dead. The situation is different with animal bones; they are much more alive than human bones. — So you can create a mental image of human nature by saying: The death-bringing current is at work in the skeletal and nervous systems. That is one pole.
[ 23 ] Die fortwährend Leben gebenden Kräfte, die andere Strömung, wirkt im Muskel- und Blutsystem und in allem, was dazugehört. Nerven sind nur deshalb überhaupt keine Knochen, weil sie mit dem Blutund Muskelsystem so im Zusammenhang stehen, daß der Drang in ihnen, Knochen zu werden, den in Blut und Muskel wirkenden Kräften entgegensteht. Der Nerv wird nur dadurch nicht Knochen, weil ihm Blut- und Muskelsystem entgegensteht und sein Knochenwerden verhindert. Besteht im Wachstum eine falsche Verbindung zwischen Knochen einerseits und Blut und Muskeln andererseits, so kommt die Rachitis zustande, die ein Verhindern des richtigen Absterbens des Knochens durch die Muskel-Blutnatur ist. Es ist daher außerordentlich wichtig, daß im Menschen die richtige Wechselwirkung zustande kommt zwischen dem Muskel-Blutsystem auf der einen Seite und dem Knochen-Nervensystem auf der anderen Seite. Indem in unser Auge das Knochen-Nervensystem etwas hereinragt, in der Umhüllung das Knochensystem sich zurückzieht und nur seine Abschwächung, den Nerv, hineinschickt, kommt im Auge die Möglichkeit zustande, die willensartige Wesenheit, die in Muskel und Blut lebt, mit der vorstellungsmäßigen Tätigkeit, die im Knochen-Nervensystem liegt, zu verbinden. Da kommen wir wieder auf etwas, was in der älteren Wissenschaft eine große Rolle gespielt hat, was aber von der heutigen Wissenschaft als kindliche Vorstellung verlacht wird. Doch die neuere Wissenschaft wird schon wieder darauf zurückkommen, nur in anderer Form.
[ 23 ] The constantly life-giving forces—the other current—are at work in the muscular and circulatory systems and in everything associated with them. Nerves are not bones at all simply because they are connected to the blood and muscular systems in such a way that the impulse within them to become bone is counteracted by the forces acting in the blood and muscles. The nerve does not become bone only because the blood and muscular systems oppose it and prevent it from becoming bone. If, during growth, there is an incorrect connection between bone on the one hand and blood and muscles on the other, rickets results—which is the prevention of the proper resorption of bone by the muscle-blood nature. It is therefore extremely important that the correct interaction take place in humans between the muscle-blood system on the one hand and the bone-nerve system on the other. Because the bone-nerve system extends slightly into our eye, while the bone system withdraws into the eye’s lining and sends in only its attenuated form—the nerve—the eye is able to connect the will-like entity that lives in muscle and blood with the imaginative activity inherent in the bone-nerve system. This brings us back to something that played a major role in older science but is now derided by modern science as a childish mental image. Yet modern science will return to it once again, albeit in a different form.
[ 24 ] Die Alten haben in ihrem Wissen immer eine Verwandtschaft gefühlt zwischen dem Nervenmark, der Nervensubstanz und dem Knochenmark oder der Knochensubstanz, und sie sind der Meinung gewesen, daß man mit dem Knochenteil ebenso denkt wie mit dem Nerventeil. Das ist auch die Wahrheit. Wir verdanken alles, was wir an abstrakter Wissenschaft haben, der Fähigkeit unseres Knochensystems. Warum kann der Mensch zum Beispiel Geometrie ausbilden? Die höheren Tiere haben keine Geometrie; das sieht man ihrer Lebensweise an. Es ist nur ein Unsinn, wenn manche Leute sagen: Vielleicht haben die höheren Tiere auch Geometrie, man merkt es vielleicht nur nicht. — Der Mensch also bildet Geometrie aus. Wodurch aber bildet er zum Beispiel die Vorstellung eines Dreiecks aus? Wer wirklich über diese Tatsache nachdenkt, daß der Mensch die Vorstellung des Dreiecks ausbildet, der muß etwas Wunderbares darin finden, daß der Mensch das Dreieck, das abstrakte Dreieck, das im konkreten Leben nirgends vorhanden ist, rein aus seiner geometrisch-mathematischen Phantasie heraus ausbildet. Es liegt vieles Unbekannte zugrunde den Geschehnissen der Welt, die offenbar sind. Denken Sie sich zum Beispiel an einem bestimmten Platze dieses Zimmers stehend. Sie führen zu gewissen Zeiten als übersinnliches Menschenwesen merkwürdige Bewegungen aus, von denen Sie für gewöhnlich nichts wissen, ungefähr in der Art: Sie gehen ein Stückchen nach der einen Seite, dann gehen Sie ein Stückchen zurück, und dann kommen Sie wieder an Ihrem Platze an. Eine unbewußt bleibende Linie im Raume, die Sie beschreiben, verläuft tatsächlich als eine Dreiecksbewegung. Solche Bewegungen sind tatsächlich vorhanden, Sie nehmen sie nur nicht wahr, aber dadurch, daß Ihr Rückgrat in die Vertikale gerückt ist, sind Sie in der Ebene drinnen, in der diese Bewegungen verlaufen. Das Tier ist nicht in dieser Ebene drinnen, es hat sein Rückenmark anders liegen; da werden diese Bewegungen nicht vollführt. Indem der Mensch sein Rückenmark vertikal stehen hat, ist er in der Ebene, wo diese Bewegung ausgeführt wird. Zum Bewußtsein bringt er es sich nicht, daß er sich sagte: Ich tanze da fortwährend in einem Dreieck. — Aber er zeichnet ein Dreieck und sagt: Das ist ein Dreieck! - In Wahrheit ist das eine unbewußt ausgeführte Bewegung, die er im Kosmos vollführt.
[ 24 ] The ancients, in their understanding, always sensed a connection between the nervous marrow, the nervous substance, and the bone marrow or bone substance, and they believed that one thinks with the bone just as one does with the nerves. This is indeed the truth. We owe everything we have in the realm of abstract science to the capacity of our skeletal system. Why, for example, is a human being able to develop an understanding of geometry? Higher animals have no geometry; this is evident from their way of life. It is sheer nonsense when some people say: Perhaps higher animals also have geometry; we just don’t notice it. — So it is the human being who develops an understanding of geometry. But how, for example, do they form the mental image of a triangle? Anyone who truly reflects on this fact—that human beings form the mental image of a triangle—must find it marvelous that human beings create the triangle, the abstract triangle, which exists nowhere in concrete life, purely out of their geometric-mathematical imagination. There is much that is unknown underlying the events of the world that are apparent. Imagine, for example, standing in a certain spot in this room. At certain times, as a supersensible human being, you perform strange movements of which you are usually unaware, something like this: you take a small step to one side, then you take a small step back, and then you return to your spot. The line in space that you describe—which remains unconscious to you—actually follows a triangular path. Such movements do indeed exist; you simply do not perceive them. However, because your spine is aligned vertically, you are situated within the plane in which these movements occur. The animal is not within this plane; its spinal cord is oriented differently, so these movements are not performed there. Because the human being has a vertically aligned spinal cord, he is within the plane where this movement takes place. He does not bring this to conscious awareness by saying to himself, “I am constantly dancing in a triangle.” — But he draws a triangle and says, “That’s a triangle!” — In truth, this is an unconsciously performed movement that he carries out in the cosmos.


[ 25 ] Diese Bewegungen, die Sie in der Geometrie fixieren, indem Sie geometrische Figuren zeichnen, führen Sie mit der Erde aus. Die Erde hat nicht nur die Bewegung, welche sie nach der Kopernikanischen Weltansicht hat: sie hat noch ganz andere, künstlerische Bewegungen, die werden da fortwährend ausgeführt. Und noch viel kompliziertere Bewegungen werden ausgeführt, solche Bewegungen zum Beispiel, die in den Linien liegen, welche die geometrischen Körper haben: der Würfel, das Oktaeder, das Dodekaeder, das Ikosaeder und so weiter. Diese Körper sind nicht erfunden, sie sind Wirklichkeit, nur unbewußte Wirklichkeit. Es liegen in diesen und in noch anderen Körperformen merkwürdige Anklänge an dieses für die Menschen unterbewußte Wissen. Das wird dadurch herbeigeführt, daß unser Knochensystem eine wesentliche Erkenntnis hat; aber Sie reichen nicht mit Ihrem Bewußtsein bis zum Knochensystem hinunter. Das Bewußtsein davon erstirbt, es wird nur reflektiert in den Bildern der Geometrie, die der Mensch da als Bilder ausführt. Der Mensch ist recht sehr eingeschaltet in den Kosmos. Indem er die Geometrie ausbildet, bildet er etwas nach, was er selbst im Kosmos tut.
[ 25 ] These movements, which you capture in geometry by drawing geometric figures, are performed by the Earth. The Earth does not merely undergo the motion described by the Copernican worldview; it also performs entirely different, artistic movements that are carried out there continuously. And even more complex movements are carried out—such as those found in the lines that define geometric solids: the cube, the octahedron, the dodecahedron, the icosahedron, and so on. These solids are not inventions; they are reality—albeit an unconscious reality. In these and other geometric forms, there are strange echoes of this knowledge that lies in the human subconscious. This is brought about by the fact that our skeletal system possesses an essential insight; but your consciousness does not extend down to the skeletal system. Awareness of this fades away; it is reflected only in the images of geometry that human beings create as such. Human beings are very deeply connected to the cosmos. By developing geometry, they recreate something that they themselves do within the cosmos.
[ 26 ] Da blicken wir auf der einen Seite in eine Welt hinein, die uns mitumfaßt und die fortwährend im Absterben ist. Auf der anderen Seite blicken wir in alles das hinein, was in die Kräfte unseres Blut-Muskelsystems hereinragt: das ist in fortwährender Bewegeng, in fortwährendem Fluktuieren, in fortwährendem Werden und Entstehen; das ist ganz keimhaft, da ist nichts Totes. Wir halten in uns den Sterbeprozeß auf, und nur wir als Menschen können ihn aufhalten und bringen in das Sterbende Werden hinein. Wäre der Mensch nicht hier auf der Erde, so würde eben längst das Sterben sich ausgebreitet haben über den Erdenprozeß, und die Erde wäre als Ganzes in eine große Kristallisation übergegangen. Nicht erhalten aber hätten sich die einzelnen Kristalle. Wir entreißen die einzelnen Kristalle der großen Kristallisation und erhalten sie, solange wir sie für unsere Menschenevolution brauchen. Wir erhalten aber damit auch das Leben der Erde rege. Wir Menschen sind es also, die das Leben der Erde rege halten, die nicht ausgeschaltet werden können vom Leben der Erde. Daher war es schon ein realer Gedanke von Eduard von Hartmann, der aus seinem Pessimismus heraus wollte, daß die Menschheit einmal eines Tages so reif wäre, daß alle Menschen sich selbst mordeten. Man braucht auch gar nicht das noch hinzuzufügen, was Hartmann aus der Beschränktheit der naturwissenschaftlichen Weltanschauung wollte: weil ihm nämlich das nicht genügt hätte, daß alle Menschen sich eines Tages selbst mordeten, wollte er auch noch die Erde durch eine großangelegte Unternehmung in die Luft sprengen. Das hätte er nicht gebraucht. Er hätte nur den Tag des großen Selbstmordens anordnen brauchen, und die Erde wäre von selbst langsam in die Luft gegangen! Denn ohne das, was vom Menschen in die Erde verpflanzt wird, kann die Erdenentwickelung nicht weitergehen. Von dieser Erkenntnis aus müssen wir uns wieder gefühlsmäßig durchdringen. Es ist notwendig, daß in der Gegenwart diese Dinge verstanden werden.
[ 26 ] On the one hand, we look into a world that encompasses us and is constantly dying. On the other hand, we look into everything that extends into the forces of our blood-muscle system: this is in constant motion, in constant fluctuation, in constant becoming and emerging; it is entirely germinal—there is nothing dead there. We hold back the process of dying within ourselves, and only we as human beings can halt it and bring it into the dying process of becoming. If human beings were not here on Earth, the process of dying would long since have spread throughout the Earth’s process, and the Earth as a whole would have undergone a great crystallization. But the individual crystals would not have been preserved. We snatch the individual crystals from the great crystallization and preserve them as long as we need them for our human evolution. But in doing so, we also keep the life of the Earth active. It is therefore we humans who keep the Earth’s life active, who cannot be excluded from the Earth’s life. That is why it was already a genuine thought on the part of Eduard von Hartmann—who, out of his pessimism, wanted humanity to one day become so mature that all people would kill themselves. There is no need to add what Hartmann sought to achieve out of the narrowness of the scientific worldview: for it would not have been enough for him that all people would one day kill themselves; he also wanted to blow up the Earth through a large-scale undertaking. He wouldn’t have needed to do that. He would only have had to decree the day of the great suicide, and the Earth would have slowly blown itself up all on its own! For without what is transplanted into the Earth by human beings, the Earth’s evolution cannot continue. We must once again let this insight sink into our hearts. It is essential that these things be understood in the present.
[ 27 ] Ich weiß nicht, ob Sie sich erinnern, daß in meinen allerersten Schriften immer ein. Gedanke wiederkehrt, durch den ich die Erkenntnis auf eine andere Basis stellen wollte, als sie heute steht. In der äußeren Philosophie, die auf anglo-amerikanisches Denken zurückgeht, ist der Mensch eigentlich ein bloßer Zuschauer der Welt; er ist mit seinem inneren Seelenprozeß ein bloßer Zuschauer der Welt. Wenn der Mensch nicht da wäre, so meint man, wenn er nicht in der Seele wieder erlebte, was in der Welt draußen vor sich geht, so wäre doch alles so, wie es ist. Das gilt für die Naturwissenschaft in bezug auf jene Tatsachenentwickelung, die ich angeführt habe, es gilt aber auch für die Philosophie. Der heutige Philosoph fühlt sich sehr wohl als Zuschauer der Welt, das heißt, in dem bloß ertötenden Element des Erkennens. Aus diesem ertötenden Element wollte ich die Erkenntnis herausführen. Daher habe ich immer wiederholt: Der Mensch ist nicht bloß ein Zuschauer der Welt, sondern er ist Schauplatz der Welt, auf dem sich die großen kosmischen Ereignisse immer wieder und wieder abspielen. Ich habe immer wieder gesagt: Der Mensch ist mit seinem Seelenleben der Schauplatz, auf dem sich Weltgeschehen abspielt. So kann man das auch in philosophisch-abstrakte Form kleiden. Und besonders, wenn Sie das Schlußkapitel über Freiheit in meiner Schrift «Wahrheit und Wissenschaft» lesen, werden Sie finden, daß dieser Gedanke scharf betont ist: daß dasjenige, was sich im Menschen vollzieht, nicht etwas ist, was der übrigen Natur gleich ist, sondern daß die übrige Natur hereinragt in den Menschen und daß dasjenige, was im Menschen sich vollzieht, zugleich ein kosmischer Vorgang ist, so daß die menschliche Seele ein Schauplatz ist, auf dem sich ein kosmischer Vorgang abspielt, nicht bloß ein menschlicher. Damit wird man natürlich in gewissen Kreisen heute noch schwer verstanden. Aber ohne daß man sich mit solchen Anschauungen durchdringt, kann man unmöglich ein richtiger Erzieher werden.
[ 27 ] I do not know if you recall that a certain thought recurs throughout my very earliest writings—a thought through which I sought to place knowledge on a different foundation than it stands on today. In external philosophy, which stems from Anglo-American thought, human beings are essentially mere spectators of the world; with his inner soul processes, he is a mere spectator of the world. It is believed that even if human beings did not exist—even if they did not relive in their souls what is happening in the outside world—everything would still be as it is. This applies to the natural sciences with regard to the development of facts that I have cited, but it also applies to philosophy. Today’s philosopher feels quite at home as a spectator of the world—that is, within the merely deadened element of cognition. I wanted to lead cognition out of this deadened element. That is why I have repeatedly said: Human beings are not merely spectators of the world, but they are the stage upon which the great cosmic events play out again and again. I have said time and again: Through his inner life, the human being is the stage upon which world events unfold. This can also be expressed in a philosophical-abstract form. And especially if you read the concluding chapter on freedom in my work *Truth and Science*, you will find that this idea is strongly emphasized: that what takes place within the human being is not something equivalent to the rest of nature, but rather that the rest of nature extends into the human being, and that what takes place within the human being is at the same time a cosmic process—so that the human soul is a stage upon which a cosmic process unfolds, not merely a human one. Naturally, this is still difficult for certain circles to understand today. But without imbuing oneself with such views, it is impossible to become a true educator.
[ 28 ] Was geschieht denn tatsächlich in der menschlichen Wesenheit? Auf der einen Seite steht die Knochen-Nervennatur, auf der anderen Seite die Blut-Muskelnatur. Durch das Zusammenwirken beider werden fortwährend Stoffe und Kräfte neu geschaffen. Die Erde wird vor dem Tode dadurch bewahrt, daß im Menschen selber Stoffe und Kräfte neu geschaffen werden. Jetzt können Sie das, was ich eben gesagt habe: daß das Blut durch seine Berührung mit den Nerven Neuschöpfung von Stoffen und Kräften bewirkt, zusammenbringen mit dem, was ich im vorigen Vortrage sagte: daß das Blut fortwährend auf dem Wege zur Geistigkeit ist und dabei aufgehalten wird. Diese Gedanken, die wir in diesen zwei Vorträgen gewonnen haben, werden wir miteinander verbinden und dann weiter darauf aufbauen. Aber Sie sehen schon, wie irrtümlich der Gedanke der Erhaltung von Kraft und Stoff ist, wie er gewöhnlich vorgebracht wird: denn durch das, was im Inneren der Menschennatur geschieht, wird er widerlegt, und für eine wirkliche Auffassung der Menschenwesenheit ist er nur ein Hindernis. Erst wenn man wieder den synthetischen Gedanken bekommen wird, daß tatsächlich zwar nicht aus Nichts etwas hervorgehen kann, daß aber das eine so umgewandelt werden kann, daß es vergeht und das andere entsteht — erst wenn man diesen Gedanken an die Stelle des Gedankens von der Erhaltung der Kraft und des Stoffes gestellt haben wird, wird man etwas Gedeihliches für die Wissenschaft erhalten können.
[ 28 ] What actually happens within the human being? On the one hand, there is the bone-nerve nature; on the other, the blood-muscle nature. Through the interaction of both, substances and forces are continually being created anew. The Earth is preserved from death by the fact that substances and forces are created anew within the human being itself. Now you can connect what I have just said—that the blood, through its contact with the nerves, brings about the creation of new substances and forces—with what I said in the previous lecture: that the blood is constantly on the path toward spirituality and is held back in the process. We will combine these ideas, which we have gained in these two lectures, and then build upon them further. But you can already see how erroneous the idea of the conservation of force and matter is, as it is usually presented: for it is refuted by what takes place within human nature, and for a true understanding of the human being, it is merely an obstacle. Only when we regain the synthetic idea that, while it is true that nothing can arise from nothing, one thing can be transformed in such a way that it ceases to exist and another comes into being—only when we have replaced the idea of the conservation of energy and matter with this idea—will we be able to achieve something fruitful for science.
[ 29 ] Sie sehen, in welcher Richtung manches, was in unserem Denken lebt, verkehrt ist. Wir stellen etwas auf, wie zum Beispiel das Gesetz von der Erhaltung der Kraft und des Stoffes, und proklamieren es als ein Weltgesetz. Dem liegt zugrunde ein gewisser Hang unseres Vorstellungslebens, unseres Seelenlebens überhaupt, in einseitiger Weise zu beschreiben, während wir nur Postulate aufstellen sollten aus dem, was wir in unserem Vorstellen entwickeln. So finden Sie zum Beispiel in unseren Physikbüchern das Gesetz von der Undurchdringlichkeit der Körper als ein Axiom aufgestellt: An der Stelle im Raume, wo ein Körper steht, kann zu gleicher Zeit kein anderer sein. - Das wird als allgemeine Eigenschaft der Körper hingestellt. Man sollte aber nur sagen: Diejenigen Körperlichkeiten oder Wesenheiten, welche so sind, daß an der Stelle des Raumes, wo sie sind, zu gleicher Zeit kein anderes Wesen gleicher Natur sein kann, die sind undurchdringlich. - Man sollte bloß die Begriffe dazu verwenden, um ein gewisses Gebiet von einem anderen abzugliedern, man sollte bloß Postulate aufstellen, sollte keine Definitionen geben, die den Anspruch erheben, universell zu sein. So sollte man auch kein Gesetz von der Erhaltung der Kraft und des Stoffes aufstellen, sondern man sollte aufsuchen, für welche Wesenheiten dieses Gesetz eine Bedeutung hat. Das war gerade ein Bestreben im 19. Jahrhundert, daß man ein Gesetz aufstellte und sagte: Das gilt für alles — statt daß wir unser Seelenleben dazu verwenden, um an die Dinge heranzukommen und zu beobachten, was wir an ihnen erleben.
[ 29 ] You can see in what ways some of the ideas that live in our thinking are mistaken. We formulate something—such as the law of conservation of energy and matter—and proclaim it as a universal law. Underlying this is a certain tendency in our mental images, indeed in our spiritual life as a whole, to describe things in a one-sided manner, whereas we should only formulate postulates based on what we develop in our imagination. For example, in our physics textbooks you will find the law of the impenetrability of bodies set forth as an axiom: At the point in space where a body is located, no other body can be present at the same time. — This is presented as a general property of bodies. But one should only say: Those physical entities or beings that are such that, at the point in space where they are located, no other being of the same nature can exist at the same time—these are impenetrable. —One should merely use these concepts to distinguish one domain from another; one should merely formulate postulates and should not provide definitions that claim to be universal. Likewise, one should not formulate a law of the conservation of energy and matter, but rather seek to determine for which entities this law holds significance. It was precisely an endeavor of the 19th century to formulate a law and declare: “This applies to everything”—instead of using our spiritual life to approach things and observe what we experience in them.
