General Human Studies
as the Basis of Education
GA 293
4 September 1919, Stuttgart
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General Human Studies as the Basis of Education, tr. SOL
Dreizehnter Vortrag
Thirteenth Lecture
[ 1 ] Wir können den Menschen in seinem Verhalten zur Außenwelt begreifen und können Einblick gewinnen, wie wir uns zum Kinde bezüglich seines Verhaltens zur Außenwelt verhalten sollen, wenn wir solche Einsichten zugrunde legen, wie wir sie in diesen Vorträgen uns verschafft haben. Es handelt sich nur darum, diese Einsichten in entsprechender Weise im Leben anzuwenden. Bedenken Sie, daß wir geradezu ein zweifaches Verhalten des Menschen zur Außenwelt ins Auge fassen müssen dadurch, daß wir sprechen können von einer ganz entgegengesetzten Gestaltung des Gliedmaßenmenschen zum Kopfmenschen.
[ 1 ] We can understand human beings in terms of their behavior toward the external world and gain insight into how we should relate to children with regard to their behavior toward the external world if we base our approach on the insights we have gained in these lectures. It is simply a matter of applying these insights appropriately in life. Bear in mind that we must consider a twofold aspect of human behavior toward the external world, in that we can speak of a completely opposite configuration between the “limb-oriented human” and the “head-oriented human.”


[ 2 ] Wir müssen uns die schwierige Vorstellung aneignen, daß wir die Formen des Gliedmaßenmenschen nur begreifen, wenn wir uns vorstellen, daß die Kopfformen wie ein Handschuh oder wie ein Strumpf umgestülpt werden. Das, was damit zum Ausdruck kommt, ist von einer großen Bedeutung im ganzen Leben des Menschen. Wenn wir es schematisch hinzeichnen, so ist es so, daß wir uns sagen können: Die Kopfform wird so gebildet, daß sie gewissermaßen von innen nach außen gedrückt wird, daß sie aufgeplustert wird von innen nach außen. Wenn wir uns die Gliedmaßen des Menschen denken, so können wir uns vorstellen, daß sie von außen nach innen gedrückt werden, durch die Umstülpung - das bedeutet sehr viel im Leben des Menschen - an Ihrer Stirne. Und vergegenwärtigen Sie sich, daß Ihr inneres Menschliches hinstrebt von innen aus nach Ihrer Stirne. Besehen Sie sich Ihre innere Handfläche und besehen Sie sich Ihre innere Fußfläche: es wird auf diese fortwährend eine Art von Druck ausgeübt, der gleich ist dem Druck, der auf Ihre Stirne von innen ausgeübt wird, nur in der entgegengesetzten Richtung. Indem Sie also Ihre Handfläche der Außenwelt entgegenhalten, indem Sie Ihre Fußsohlenfläche auf den Boden aufsetzen, strömt von außen durch diese Sohle dasselbe ein, was von innen strömt gegen die Stirne zu. Das ist eine außerordentlich wichtige Tatsache. Es ist deshalb so wichtig, weil wir dadurch sehen, wie es eigentlich mit dem Geistig-Seelischen im Menschen ist. Dieses GeistigSeelische, das sehen Sie ja daraus, ist eine Strömung. Es geht eigentlich dieses Geistig-Seelische als Strömung durch den Menschen durch.
[ 2 ] We must come to terms with the difficult mental image that we can only understand the forms of the human body with limbs if we imagine that the head shapes are turned inside out like a glove or a sock. What this expresses is of great significance in the whole of human life. If we sketch it schematically, we can say: The shape of the head is formed in such a way that it is, as it were, pushed from the inside out, that it is puffed up from the inside out. When we think of the human limbs, we can create a mental image in which they are pushed from the outside in, through the turning inside out—which means a great deal in a person’s life—at your forehead. And bring to mind that your inner human essence strives from within toward your forehead. Look at the palm of your hand and look at the sole of your foot: a kind of pressure is constantly exerted on them, which is the same as the pressure exerted on your forehead from within, only in the opposite direction. So when you hold out the palm of your hand toward the outside world, when you place the sole of your foot on the ground, the same force that flows from within toward your forehead flows in from the outside through that sole. This is an extraordinarily important fact. It is so important because it allows us to see the true nature of the spiritual-soul aspect within the human being. This spiritual-soul aspect, as you can see from this, is a current. In fact, this spiritual-soul aspect flows through the human being as a current.
[ 3 ] Und was ist denn der Mensch gegenüber diesem Geistig-Seelischen ? Denken Sie sich, ein Wasserstrom fließt hin und wird durch ein Wehr aufgehalten, so daß er sich staut und in sich zurückwellt. So übersprudelt das Geistig-Seelische sich im Menschen. Der Mensch ist ein Stauapparat für das Geistig-Seelische. Es möchte eigentlich ungehindert durch den Menschen durchströmen, aber er hält es zurück und verlangsamt es. Er läßt es in sich aufstauen. Nun ist aber allerdings diese Wirkung, die ich als Strömung bezeichnet habe, eine sehr merkwürdige. Ich habe Ihnen diese Wirkung des Geistig-Seelischen, das da den Menschen durchströmt, als eine Strömung bezeichnet, aber was ist es eigentlich gegenüber der äußeren Leiblichkeit? Es ist ein fortwährendes Aufsaugen des Menschen.
[ 3 ] And what, then, is the human being in relation to this spiritual-soul aspect? Imagine a stream of water flowing along and being held back by a weir, so that it backs up and surges back upon itself. In the same way, the spiritual-soul aspect overflows within the human being. The human being is a dam for the spiritual-soul aspect. It actually wants to flow unhindered through the human being, but the human being holds it back and slows it down. He allows it to accumulate within himself. Now, however, this effect—which I have described as a current—is a very remarkable one. I have described this effect of the spiritual-soul aspect flowing through the human being as a current, but what is it, actually, in relation to the outer physical body? It is a continuous absorption by the human being.
[ 4 ] Der Mensch steht der Außenwelt gegenüber. Das Geistig-Seelische strebt danach, ihn fortwährend aufzusaugen. Daher blättern wir außen fortwährend ab, schuppen ab. Und wenn der Geist nicht stark genug ist, müssen wir uns Stücke, wie zum Beispiel die Fingernägel, abschneiden, weil der Geist sie, von außen kommend, saugend zerstören will. Er zerstört alles, und der Leib hält diese Zerstörung des Geistes auf. Und es muß im Menschen ein Gleichgewicht geschaffen werden zwischen dem zerstörenden Geistig-Seelischen und dem fortwährenden Aufbauenden des Leibes. Es ist eingeschoben in diese Strömung das Brust-Bauchsystem. Und das Brust-Bauchsystem ist dasjenige, welches sich entgegenwirft der Zerstörung des eindringenden Geistig-Seelischen und welches von sich aus den Menschen durchdringt mit Materiellem. Daraus aber ersehen Sie, daß die Gliedmaßen des Menschen, die hinausragen über das Brust-Bauchsystem, wirklich auch das Geistigste sind, denn da in den Gliedmaßen wird noch am wenigsten der Materie erzeugende Prozeß im Menschen vorgenommen. Nur dasjenige, was vom Bauch-Brustsystem hineingeschickt wird an Stoffwechselvorgängen in die Glieder, das macht, daß unsere Glieder materiell sind. Unsere Glieder sind in hohem Grade geistig, und sie sind es, welche an unserem Leib zehren, wenn sie sich bewegen. Und der Leib ist darauf angewiesen, in sich dasjenige zu entwickeln, wozu der Mensch eigentlich veranlagt ist von seiner Geburt an. Bewegen sich die Glieder zuwenig oder bewegen sie sich nicht entsprechend, dann zehren sie nicht genug am Leibe. Das Brust-Bauchsystem ist dann in der glücklichen Lage - in der für es glücklichen Lage -, daß ihm nicht genügend weggezehrt wird von den Gliedern. Das, was es so übrig behält, verwendet es dazu, um überschüssige Materialität im Menschen zu erzeugen. Diese überschüssige Materialität durchdringt dann dasjenige, was im Menschen veranlagt ist von seiner Geburt aus, was er also eigentlich haben sollte zu der Leiblichkeit, weil er als seelisch-geistiges Wesen geboren wird. Es durchdringt das, was er haben sollte, mit etwas, was er nicht haben sollte, was er nur als irdischer Mensch hat materiell, was nicht geistig-seelisch veranlagt ist im wahren Sinne des Wortes; es durchdringt ihn immer mehr und mehr mit Fett. Wenn aber dieses Fett in abnormer Weise eingelagert wird in den Menschen, dann stellt sich ja eigentlich dem geistig-seelischen Prozeß, der als ein Saugprozeß, als ein verzehrender Prozeß eindringt, zuviel entgegen, und dann wird ihm sein Weg erschwert zum Kopfsystem hin. Daher ist es nicht richtig, wenn man den Kindern erlaubt, zuviel fetterzeugende Nahrung zu nehmen. Dadurch wird ihr Kopf abgegliedert vom Geistig-Seelischen. Denn das Fett legt sich in den Weg des Geistig-Seelischen, und der Kopf wird leer. Es handelt sich darum, daß man den Takt entwickelt, so zusammenzuwirken mit der gesamten sozialen Lage des Kindes, daß das Kind in der Tat nicht zu fett wird. Später im Leben hängt ja das Fettwerden von allerlei anderen Dingen ab, aber in der Kindheit hat man es bei nicht abnorm gebildeten, das heißt besonders schwach gebildeten Kindern, die, weil sie schwach sind, leicht fett werden, also bei normal gebildeten Kindern immerhin in der Hand, nachzuhelfen durch eine entsprechende Ernährung gegen das zu starke Fettwerden.
[ 4 ] Human beings face the external world. The spiritual-soul aspect strives to constantly absorb it. That is why we constantly shed layers on the outside. And if the spirit is not strong enough, we must cut off parts of ourselves—such as our fingernails—because the spirit, coming from the outside, seeks to destroy them by absorbing them. It destroys everything, and the body holds back this destruction wrought by the spirit. And a balance must be created within the human being between the destructive spiritual-soul aspect and the body’s constant constructive activity. Inserted into this flow is the chest-abdominal system. And the chest-abdominal system is the one that counteracts the destruction wrought by the invading spiritual-soul aspect and that, of its own accord, permeates the human being with material substance. From this, however, you can see that the human limbs, which extend beyond the chest-abdominal system, are in fact the most spiritual parts, for it is in the limbs that the process of producing matter takes place to the least extent in the human being. Only those metabolic processes sent from the chest-abdominal system into the limbs are what make our limbs material. Our limbs are highly spiritual, and it is they that draw upon our body when they move. And the body is dependent on developing within itself that which a person is actually predisposed to do from birth. If the limbs move too little or do not move appropriately, then they do not draw sufficiently upon the body. The chest-abdomen system is then in the fortunate position—in the position that is fortunate for it—that it is not sufficiently drawn upon by the limbs. It uses what it retains in this way to generate excess materiality within the human being. This excess materiality then permeates what the human being is predisposed to have from birth—that is, what he should actually possess in terms of physicality, since he is born as a soul-spiritual being. It permeates what a person ought to have with something they ought not to have—something they possess only materially as an earthly human being, something that is not spiritually-psychic in the true sense of the word; it permeates them more and more with fat. But when this fat is stored in the human being in an abnormal way, it actually presents too much resistance to the spiritual-soul process—which penetrates as a suction process, as a consuming process—and this hinders its path toward the head system. Therefore, it is not right to allow children to consume too much fat-producing food. This separates their head from the spiritual-soul realm. For the fat stands in the way of the spiritual-soul realm, and the head becomes empty. The point is to develop the sensitivity to interact with the child’s overall social situation in such a way that the child does not, in fact, become too fat. Later in life, gaining weight depends on all sorts of other factors, but in childhood—for children who are not abnormally developed, that is, particularly weakly developed children who, because they are weak, easily gain weight—and for normally developed children as well—it is still within our power to help prevent excessive weight gain through an appropriate diet.
[ 5 ] Aber man wird diesen Dingen gegenüber nicht die rechte Verantwortlichkeit haben, wenn man nicht ihre ganz große Bedeutung ermißt; wenn man nicht ermißt, daß man in dem Fall, wo man dem Kinde erlaubt, zuviel Fett ansammeln zu lassen, dem Weltenprozeß, der etwas vorhat mit dem Menschen, was er zum Ausdruck bringt dadurch, daß er sein Geistig-Seelisches durchströmen läßt durch den Menschen, daß man da diesem Weltenprozeß ins Handwerk pfuscht. Man pfuscht tatsächlich dem Weltenprozeß ins Handwerk, wenn man das Kind zu fett werden läßt.
[ 5 ] But one cannot take proper responsibility for these matters unless one appreciates their immense significance; if one does not realize that, when one allows a child to accumulate too much fat, one is interfering with the cosmic process that has a purpose for humanity—a purpose it expresses by allowing its spiritual-soul aspect to flow through human beings. One is indeed interfering with the world process when one allows the child to become too fat.
[ 6 ] Denn, sehen Sie, in diesem Haupt des Menschen, da geschieht etwas höchst Merkwürdiges: indem da sich alles staut im Menschen von dem Geistig-Seelischen, spritzt es zurück wie das Wasser, wenn es an ein Wehr kommt. Das heißt, es spritzt dasjenige, was das Geistig-Seelische von der Materie mitträgt, so wie der Mississippi den Sand, auch im Inneren des Gehirns zurück, so daß da sich überschlagende Strömungen im Gehirn sind, wo das Geistig-Seelische sich staut. Und im Zurückschlagen des Materiellen, da fällt im Gehirn fortwährend Materie in sich selbst zusammen. Und wenn Materie, die noch vom Leben durchdrungen ist, in sich selbst zusammenfällt, also so zurückschlägt, wie ich es Ihnen gezeigt habe, dann entsteht der Nerv. Der Nerv entsteht immer, wenn vom Geiste durch das Leben getriebene Materie in sich selbst zusammenfällt und im lebendigen Organismus drinnen abstirbt. Deshalb ist der Nerv im lebendigen Organismus drinnen abgestorbene Materie, so daß sich also das Leben verschiebt, sich in sich selbst staut, Materie abbröckelt, zusammenfällt. So entstehen Kanäle im Menschen, die überall hingehen, die ausgefüllt sind von erstorbener Materie: die Nerven; da kann dann das Geistig-Seelische zurücksprudeln in den Menschen. Längs der Nerven sprudelt das Geistig-Seelische durch den Menschen durch, weil das Geistig-Seelische die zerfallende Materie braucht. Es läßt die Materie an der Oberfläche des Menschen zerfallen, bringt sie zum Abschuppen. Dieses Geistig-Seelische läßt sich nur darauf ein, den Menschen zu erfüllen, wenn in ihm die Materie zuerst erstirbt. Längs der materiell erstorbenen Nervenbahnen bewegt sich im Inneren das Geistig-Seelische des Menschen.
[ 6 ] For, you see, something most remarkable happens in the human head: as everything of a spiritual-soul nature accumulates within the human being, it surges back like water when it reaches a dam. That is to say, that which the spiritual-soul elements carry along with matter—just as the Mississippi carries sand—spills back even within the brain, so that there are surging currents in the brain where the spiritual-soul elements accumulate. And as the material elements surge back, matter within the brain is constantly collapsing in on itself. And when matter that is still permeated by life collapses in on itself—that is, rebounds as I have shown you—then the nerve arises. The nerve always arises when matter driven by the spirit through life collapses in on itself and dies off within the living organism. That is why the nerve is matter that has died within the living organism, so that life shifts, becomes congested within itself, and matter crumbles and collapses. This is how channels arise within the human being that extend everywhere, filled with dead matter: the nerves; through them, the spiritual-soul aspect can then surge back into the human being. Along the nerves, the spiritual-soul aspect surges through the human being because it needs the decaying matter. It causes the matter on the surface of the human being to decay, causing it to flake off. This spiritual-soul aspect will only engage in filling the human being if the matter within him first dies. The human being’s spiritual-soul aspect moves inward along the nerve pathways from which the material has died.
[ 7 ] Auf diese Weise sieht man hinein in die Art, wie das Geistig-Seelische eigentlich im Menschen arbeitet. Man sieht es herandringen von außen, saugende, zehrende Tätigkeit entwickelnd. Man sieht es eindringen; man sieht, wie es gestaut wird, wie es zurückbrodelt, wie es die Materie ertötet. Man sieht, wie die Materie zerfällt in den Nerven und dadurch von innen heraus das Geistig-Seelische nun auch an die Haut dringen kann, indem es sich selbst Wege bereitet, durch die es durch kann. Denn durch das, was organisch lebt, geht das GeistigSeelische nicht durch.
[ 7 ] In this way, one gains insight into how the spiritual-soul aspect actually works within the human being. One sees it pressing in from the outside, developing a sucking, consuming activity. One sees it penetrating; one sees how it is dammed up, how it bubbles back up, how it kills the material substance. One sees how the material substance disintegrates in the nerves, allowing the spiritual-psychic realm to now penetrate even to the skin from within, by creating its own pathways through which it can pass. For the spiritual-psychic realm does not pass through what lives organically.
[ 8 ] Wie können Sie sich denn also das Organische, das Lebendige vorstellen? Sehen Sie, das Lebendige können Sie sich auch vorstellen wie etwas, was das Geistig-Seelische aufnimmt, was es nicht durchläßt. Das Tote, Materielle, das Mineralische können Sie sich vorstellen wie etwas, was das Geistig-Seelische durchläßt, so daß Sie eine Art Definition des Leiblich-Lebendigen und eine Definition des KnöcherigNervösen, wie überhaupt des Mineralisch-Materiellen bekommen können: Das Lebendig-Organische ist geistundurchlässig; das PhysischTote ist geistdurchlässig. - «Blut ist ein ganz besonderer Saft», denn es ist so gegenüber dem Geiste, wie undurchsichtige Materie gegenüber dem Lichte ist; es läßt den Geist nicht durch, es behält ihn in sich. Nervensubstanz ist eigentlich auch eine ganz besondere Substanz. Sie ist wie durchsichtiges Glas gegenüber dem Lichte. Wie durchsichtiges Glas das Licht durchläßt, so läßt materiell physische Materie, auch Nervenmaterie, den Geist durch.
[ 8 ] So how, then, can you create a mental image of the organic, the living? You see, you can also create a mental image of the living as something that absorbs the spiritual-soul aspect, something that does not let it pass through. You can create a mental image of the dead, the material, the mineral as something that allows the spiritual-soul aspect to pass through, so that you can arrive at a kind of definition of the physical-living and a definition of the bony-nervous, as well as of the mineral-material in general: The living-organic is impervious to the spirit; the physically dead is permeable to the spirit. - “Blood is a very special fluid,” for it relates to the spirit in the same way that opaque matter relates to light; it does not allow the spirit to pass through it; it retains it within itself. Nervous substance is, in fact, also a very special substance. It is like transparent glass in relation to light. Just as transparent glass allows light to pass through, so does physical matter—including nervous matter—allow the spirit to pass through.
[ 9 ] Sehen Sie, da haben Sie den Unterschied zwischen zwei Bestandteilen des Menschen: zwischen dem, was in ihm Mineral ist, was geistdurchlässig ist, und dem, was in ihm mehr tierisch, mehr organischlebendig ist, was den Geist aufhält in ihm, was den Geist veranlaßt, die Formen hervorzubringen, die den Organismus gestalten.
[ 9 ] You see, there lies the difference between two components of the human being: between that which is mineral within him—which is permeable to the spirit—and that which is more animal, more organically alive within him—which holds back the spirit within him and causes the spirit to bring forth the forms that shape the organism.
[ 10 ] Nun folgt aber daraus für die Behandlung des Menschen allerlei. Wenn der Mensch, sagen wir körperlich arbeitet, so bewegt er seine Glieder, das heißt, er schwimmt ganz und gar im Geiste herum. Das ist nicht der Geist, der sich in ihm schon gestaut hat; das ist der Geist, der draußen ist. Ob Sie Holz hacken, ob Sie gehen, wenn Sie nur Ihre Glieder bewegen, indem Sie Ihre Glieder zur Arbeit bewegen, zur nützlichen oder unnützlichen Arbeit bewegen, plätschern Sie fortwährend im Geiste herum, haben es fortwährend mit dem Geiste zu tun. Das ist sehr wichtig. Und wichtig ist ferner, sich zu fragen: Wenn wir nun geistig arbeiten, wenn wir denken oder lesen oder dergleichen, wie ist es dann? — Ja, da haben wir es mit dem Geistig-Seelischen zu tun, das in uns drinnen ist. Da plätschern nicht wir mit unseren Gliedern im Geiste, da arbeitet das Geistig-Seelische in uns und bedient sich fortwährend unseres Leiblichen, das heißt, es kommt ganz in uns in einem leiblich-körperlichen Prozeß zum Ausdruck. Da wird fortwährend drinnen durch dieses Stauen Materie in sich zurückgeworfen. Bei der geistigen Arbeit ist unser Leib in einer übermäßigen Tätigkeit; bei der körperlichen Arbeit ist dagegen unser Geist in einer übermäßigen Tätigkeit. Wir können nicht geistig-seelisch arbeiten, ohne daß wir fortwährend mit unserem Leib innerlich mitarbeiten. Wenn wir körperlich arbeiten, da ist höchstens, indem wir uns durch die Gedanken die Richtung zum Gehen geben, durch die Gedanken orientierend wirken, unser Geistig-Seelisches im Inneren beteiligt; aber das Geistig-Seelische von außen ist beteiligt. Wir arbeiten fortwährend in den Geist der Welt hinein. Wir verbinden uns fortwährend mit dem Geiste der Welt, indem wir körperlich arbeiten. Körperliche Arbeit ist geistig, geistige Arbeit ist leiblich, am und im Menschen. Dieses Paradoxon muß man sich aneignen und es verstehen, daß körperliche Arbeit geistig und geistige Arbeit leiblich ist im Menschen und am Menschen. Der Geist umspült uns, indem wir körperlich arbeiten. Die Materie ist bei uns tätig, rege, indem wir geistig arbeiten.
[ 10 ] But this has all sorts of implications for how a person is treated. When a person—let’s say—works physically, he moves his limbs; that is to say, he is completely adrift in his mind. This is not the mind that has already become concentrated within him; it is the mind that is outside. Whether you’re chopping wood or walking—whenever you move your limbs, whether for useful or useless work—you are constantly moving about in the spirit, constantly engaged with the spirit. This is very important. And it is also important to ask ourselves: When we engage in mental work—when we think or read or the like—what is it like then? — Yes, there we are dealing with the spiritual-soul aspect that is within us. There, it is not we who are chattering away with our limbs in the mind; rather, the spiritual-soul aspect works within us and constantly makes use of our physical body—that is, it finds its full expression within us through a physical-bodily process. There, matter is constantly thrown back into itself through this accumulation. During mental work, our body is in a state of excessive activity; during physical work, on the other hand, our mind is in a state of excessive activity. We cannot engage in mental-soul work without constantly cooperating inwardly with our body. When we perform physical labor, our spiritual-soul aspect is involved internally at most only insofar as we use our thoughts to set the direction of our movements—that is, to orient ourselves through thought—but the spiritual-soul aspect is involved from the outside. We are constantly working into the spirit of the world. We are constantly connecting with the spirit of the world through our physical labor. Physical labor is spiritual; spiritual labor is physical, in and upon the human being. We must take this paradox to heart and understand that physical labor is spiritual and spiritual labor is physical in and upon the human being. The spirit surrounds us as we perform physical labor. Matter is active and alive within us as we engage in spiritual work.
[ 11 ] Diese Dinge muß man wissen in dem Augenblick, wo man verständnisvoll denken will über Arbeit, sei es nun geistige oder leibliche Arbeit, über Erholung und Ermüdung. Man kann nicht verständig denken über Arbeit und Erholung und Ermüdung, wenn man nicht das wirklich verständig durchschaut, was wir eben besprochen haben. Denn denken Sie einmal, meine lieben Freunde, ein Mensch arbeite zuviel mit seinen Gliedern, er arbeite zuviel körperlich, was wird denn das für eine Folge haben? Das bringt ihn in eine zu große Verwandtschaft mit dem Geiste. Es umspült ihn ja der Geist fortwährend, wenn er körperlich arbeitet. Die Folge davon ist, daß der Geist über den Menschen eine zu große Gewalt gewinnt, der Geist, der von außen an den Menschen herankommt. Wir machen uns zu geistig, wenn wir zuviel körperlich arbeiten. Von außen machen wir uns zu geistig. Die Folge davon ist: wir müssen uns zu lange dem Geiste übergeben, das heißt, wir müssen zu lange schlafen. Arbeiten wir zuviel körperlich, so müssen wir zu lange schlafen. Und zu langer Schlaf fördert wiederum zu stark die leibliche Tätigkeit, die vom Brust-Bauchsystem ausgeht, die nicht vom Kopfsystem ausgeht. Sie wirkt zu stark das Leben anregend, wir werden zu fiebrig, zu heiß. Das Blut wallt zu sehr in uns, es kann nicht verarbeitet werden in seiner Tätigkeit im Leibe, wenn wir zuviel schlafen. Demnach erzeugen wir die Lust, zuviel zu schlafen, durch übermäßige körperliche Arbeit.
[ 11 ] These are things one must know the moment one wishes to think clearly about work—whether mental or physical—as well as about rest and fatigue. One cannot think sensibly about work, rest, and fatigue unless one truly understands what we have just discussed. For just consider, my dear friends: if a person works too hard with his limbs—if he works too hard physically—what will be the consequence? It brings them into too close a relationship with the spirit. After all, the spirit constantly surrounds them when they are engaged in physical labor. The consequence of this is that the spirit—the spirit that approaches the person from the outside—gains too much power over them. We make ourselves too spiritual when we engage in too much physical labor. From the outside, we make ourselves too spiritual. The consequence of this is that we must surrender ourselves to the spirit for too long—that is, we must sleep for too long. If we do too much physical work, we must sleep for too long. And sleeping too long, in turn, excessively stimulates physical activity originating from the chest-abdominal system, rather than from the head system. It stimulates life too strongly; we become too feverish, too hot. The blood surges too strongly within us; its activity in the body cannot be processed when we sleep too much. Accordingly, we create the desire to sleep too much through excessive physical labor.
[ 12 ] Aber die Trägen, die schlafen doch so gerne und schlafen so viel; woher kommt denn das? Ja, das kommt davon her, daß der Mensch eigentlich gar nicht die Arbeit unterlassen kann. Er kann sie gar nicht unterlassen. Der Träge hat seinen Schlaf nicht davon, weil er zuwenig arbeitet, denn der Träge muß ja auch den ganzen Tag seine Beine bewegen, und irgendwie fuchtelt er doch mit seinen Armen herum. Fr tut auch etwas, der Träge; er tut eigentlich, äußerlich angeschaut, gar nicht weniger als der Fleißige, aber er tut es sinnlos. Der Fleißige wendet sich an die Außenwelt; er verbindet mit seinen Tätigkeiten einen Sinn. Und das ist der Unterschied. Sinnloses Sich-Betätigen, wie es der Träge tut, das ist dasjenige, was mehr zum Schlaf verleitet, als sinnvolles Sich-Betätigen. Denn sinnvolles Sich-Betätigen läßt uns nicht nur im Geiste herumplätschern, sondern indem wir uns sinnvoll bewegen mit unserer Arbeit, ziehen wir den Geist auch allmählich hinein. Indem wir die Hand ausstrecken zu sinnvoller Arbeit, verbinden wir uns mit dem Geiste, und der Geist braucht wiederum nicht zuviel unbewußt arbeiten im Schlafe, weil wir bewußt mit ihm arbeiten. Also nicht darauf kommt es an, daß der Mensch tätig ist, denn das ist auch der Träge, sondern darauf kommt es an, inwiefern der Mensch sinnvoll tätig ist. Sinnvoll tätig — diese Worte müssen uns auch schon durchdringen, indem wir Erzieher des Kindes werden. Wann ist der Mensch sinnlos tätig? Sinnlos tätig ist er, wenn er nur so tätig ist, wie es sein Leib erfordert. Sinnvoll tätig ist er, wenn er so tätig ist, wie es seine Umgebung erfordert, wie es nicht bloß sein eigener Leib erfordert. Darauf müssen wir beim Kinde Rücksicht nehmen. Wir können auf der einen Seite die äußere Leibestätigkeit des Kindes immer mehr und mehr überführen zu dem, was bloß nach dem Leiblichen hin liegt, nach dem physiologischen Turnen, wo wir bloß den Leib fragen: Welche Bewegungen sollen wir ausführen lassen? - Und wir können die äußere Bewegung des Kindes hinführen zu sinnvollen Bewegungen, zu sinndurchdrungenen Bewegungen, so daß es mit seinen Bewegungen nicht plätschert im Geiste, sondern dem Geiste in seinen Richtungen folgt. Dann entwickeln wir die Leibesbewegungen hinüber nach der Eurythmie. Je mehr wir bloß leiblich turnen lassen, desto mehr verleiten wir das Kind dazu, eine übermäßige Schlafsucht zu entfalten, eine übermäßige Tendenz nach der Verfettung zu entfalten. Je mehr wir abwechseln lassen dieses Hinüberschwingen nach dem Leiblichen - was wir natürlich nicht ganz vernachlässigen dürfen, weil der Mensch im Rhythmus leben muß -, je mehr wir dieses Hinüberschwingen nach dem Leibe wiederum zurückschwingen lassen nach dem sinnvollen Durchdrungensein der Bewegungen wie in der Eurythmie, wo jede Bewegung einen Laut ausdrückt, wo jede Bewegung einen Sinn hat: je mehr wir abwechseln lassen das Turnen mit der Eurythmie, desto mehr rufen wir Einklang hervor zwischen dem Schlaf- und Wachbedürfnis; desto normaler erhalten wir von der Willensseite her, von der Außenseite her das Leben auch des Kindes. Daß wir allmählich auch das Turnen bloß sinnlos gemacht haben, zu einer Tätigkeit, die bloß dem Leibe folgt, das war eine Begleiterscheinung des materialistischen Zeitalters. Daß wir es gar erhöhen wollen zum Sport, wo wir nicht bloß sinnlose Bewegungen, bedeutungslose, bloß vom Leibe hergenommene Bewegungen sich auswirken lassen, sondern auch noch den Widersinn, den Gegensinn hineinlegen - das entspricht dem Bestreben, den Menschen nicht nur bis zum materiell denkenden Menschen, sondern ihn herunterzuziehen bis zum viehisch empfindenden Menschen. Übertriebene Sporttätigkeit ist praktischer Darwinismus. Theoretischer Darwinismus heißt behaupten, der Mensch stamme vom Tier ab. Praktischer Darwinismus ist Sport und heißt, die Ethik aufstellen, den Menschen wiederum zum Tiere zurückzuführen.
[ 12 ] But the lazy ones—they love to sleep so much and sleep so much; where does that come from? Well, it comes from the fact that people actually can’t help but work. They simply can’t help it. The lazy person doesn’t get his sleep because he works too little, for the lazy person must, after all, move his legs all day long, and somehow he does wave his arms about. The lazy person does something, too; outwardly speaking, he actually does no less than the diligent person, but he does it pointlessly. The diligent person turns toward the outside world; he imbues his activities with meaning. And that is the difference. Meaningless activity, as practiced by the lazy person, is what leads to sleep more than meaningful activity. For meaningful activity does not merely let our minds drift aimlessly; rather, as we engage meaningfully in our work, we gradually draw the spirit into it as well. By reaching out to meaningful work, we connect with the spirit, and the spirit, in turn, does not need to work too much unconsciously during sleep, because we are working with it consciously. So what matters is not that a person is active—for even the idle person is active—but rather the extent to which a person is meaningfully active. “Meaningfully active”—these words must already permeate us as we become the child’s educators. When is a person acting without purpose? A person acts without purpose when they act only as their body requires. A person acts meaningfully when they act in a way that their environment requires—not merely what their own body requires. We must take this into account with the child. On the one hand, we can increasingly direct the child’s external physical activity toward what is purely physical—toward physiological gymnastics—where we ask only the body: What movements should we have the child perform? - And we can guide the child’s external movement toward meaningful movements, toward movements imbued with meaning, so that the child’s movements do not merely splash about in the spirit, but follow the spirit in its directions. Then we develop the physical movements into eurythmy. The more we limit ourselves to purely physical exercise, the more we lead the child to develop an excessive need for sleep and an excessive tendency toward obesity. The more we alternate this swing toward the physical—which, of course, we must not neglect entirely, because human beings must live in rhythm—the more we allow this swing toward the body to swing back again toward the meaningful imbued nature of movements, as in eurythmy, where every movement expresses a sound, where every movement has a meaning: the more we alternate gymnastics with eurythmy, the more we bring about harmony between the need for sleep and the need for wakefulness; the more we maintain a normal life for the child as well, from the perspective of the will and from the external side. The fact that we have gradually reduced gymnastics to a meaningless activity, one that merely follows the body, was a side effect of the materialistic age. That we even want to elevate it to the level of sport—where we not only allow senseless, meaningless movements, derived solely from the body, to take effect, but also introduce absurdity and contradiction into them—corresponds to the endeavor not only to reduce the human being to a materially thinking being, but to drag him down to a being with animal-like sensibilities. Excessive sporting activity is practical Darwinism. Theoretical Darwinism means claiming that humans are descended from animals. Practical Darwinism is sport and means establishing an ethic that reduces humans back to animals.
[ 13 ] Man muß diese Dinge heute in dieser Radikalität sagen, weil der heutige Erzieher sie verstehen muß, weil er sich nicht bloß zum Erzieher der ihm anvertrauten Kinder machen muß, sondern weil er auch sozial wirken soll, weil er zurückwirken soll auf die ganze Menschheit, damit nicht solche Dinge mehr und mehr aufkommen, welche eigentlich auf die Menschheit nach und nach wirklich vertierend wirken müssen. Das ist nicht falsche Askese, das ist etwas, was aus dem Objektiven der wirklichen Einsicht herausgeholt ist und was durchaus so wahr ist wie irgendeine andere naturwissenschaftliche Erkenntnis.
[ 13 ] One must speak of these things today in such radical terms because today’s educator must understand them—not merely because he must become an educator of the children entrusted to him, but also because he is to have a social impact, because he is to exert a influence on all of humanity, so that such things—which, in fact, must gradually have a truly brutalizing effect on humanity—do not arise more and more. This is not false asceticism; it is something derived from the objective reality of true insight, and it is just as true as any other scientific finding.
[ 14 ] Wie ist es denn mit der geistigen Arbeit? Mit der geistigen Arbeit, also mit Denken, Lesen und so weiter ist es so, daß sie fortwährend begleitet ist von leiblich-körperlicher Tätigkeit, von fortwährendem innerem Zerfall der organischen Materie, von Totwerden der organischen Materie. Wir haben daher, indem wir uns zuviel geistig-seelisch beschäftigen, zerfallende organische Materie in uns. Verbringen wir unseren Tag restlos nur in gelehrter Tätigkeit, so haben wir am Abend zuviel zerfallene Materie in uns, zerfallene organische Materie. Die wirkt in uns. Die stört uns den ruhigen Schlaf. Übertriebene geistig-seelische Arbeit zerstört ebenso den Schlaf, wie übertriebene körperliche Arbeit einen schlaftrunken macht. Aber wenn wir uns zu stark geistig-seelisch anstrengen, wenn wir Schwieriges lesen, so daß wir beim Lesen auch denken müssen — was ja bei den heutigen Menschen nicht gerade beliebt ist -, wenn wir also zuviel denkend lesen wollen, schlafen wir darüber ein. Oder wenn wir nicht dem wasserklaren Geschwafle der Volksredner oder anderer Leute zuhören, die nur das sagen, was man schon weiß, sondern wenn wir zuhören denjenigen Leuten, deren Worten man mit seinem Denken folgen muß, weil sie einem etwas sagen, was man noch nicht weiß, dann wird man müde und schlaftrunken. Es ist ja eine bekannte Erscheinung, daß die Menschen, wenn sie, weil es «sich so gehört», in Vorträge, in Konzerte gehen und nicht gewohnt sind, wirklich denkend und empfindend das zu erfassen, was ihnen geboten wird, beim ersten Ton oder beim ersten Wort einschlafen. Sie verschlummern oft den ganzen Vortrag oder das ganze Konzert, dem sie pflichtgemäß oder standesgemäß beigewohnt haben.
[ 14 ] What about mental work? Mental work—that is, thinking, reading, and so on—is constantly accompanied by physical activity, by the continuous internal decay of organic matter, by the death of organic matter. Therefore, when we engage in too much mental and emotional activity, we have decaying organic matter within us. If we spend our entire day solely in scholarly pursuits, by evening we have too much decayed matter within us—decayed organic matter. This affects us; it disturbs our peaceful sleep. Excessive mental and emotional work disrupts sleep just as much as excessive physical labor makes one drowsy. But if we exert ourselves too much mentally and emotionally, if we read difficult material that requires us to think while reading—which is not exactly popular among people today—if, in other words, we try to read while thinking too much, we fall asleep in the process. Or if we do not listen to the crystal-clear drivel of popular orators or other people who merely say what we already know, but instead listen to those whose words we must follow with our thinking because they tell us something we do not yet know, then we become tired and drowsy. It is, after all, a well-known phenomenon that when people—because “that’s the done thing”—attend lectures or concerts and are not accustomed to truly grasping, through thought and feeling, what is being presented to them, they fall asleep at the very first note or the very first word. They often doze through the entire lecture or concert that they attended out of a sense of duty or social obligation.
[ 15 ] Nun, da ist wiederum ein Zweifaches vorhanden. Wie ein Unterschied ist zwischen der sinnvollen äußeren Tätigkeit und der sinnlosen äußeren Geschäftigkeit, so ist auch ein Unterschied zwischen der mechanisch verlaufenden inneren Denk- und Anschauungstätigkeit und zwischen der fortwährend mit Gefühlen begleiteten inneren Denk- und Anschauungstätigkeit. Wird unsere geistig-seelische Arbeit so getrieben, daß wir fortwährendes Interesse mit ihr verbinden, dann belebt das Interesse, belebt die Aufmerksamkeit unsere Brusttätigkeit und läßt die Nerven nicht im Übermaße absterben. Je mehr Sie bloß dahinlesen, je weniger Sie sich bemühen, das Gelesene in sich mit tiefgehendem Interesse aufzunehmen, desto mehr fördern Sie das Absterben Ihrer inneren Materie. Je mehr Sie mit Interesse, mit Wärme alles verfolgen, desto mehr fördern Sie die Bluttätigkeit, das Lebendigerhaltenwerden der Materie, desto mehr verhindern Sie auch, daß Ihnen die geistige Tätigkeit den Schlaf stört. Wenn man dem Examen entgegenbüffeln muß — man kann auch ochsen sagen, je nach dem Klima -, nimmt man eben viel auf gegen das Interesse. Denn würde man nur nach seinem Interesse aufnehmen, dann würde man - nach den heutigen Zeitverhältnissen mindestens — durchfallen. Die Folge ist, daß einem das Büffeln oder Ochsen zum Examen den Schlaf zerstört, daß es in unser normales Menschendasein Unordnung hineinbringt. Das muß insbesondere bei Kindern beachtet werden. Daher ist es bei Kindern am allerbesten, und es wird dem Ideal der Erziehung am meisten entsprechen, wenn wir überhaupt das sich aufstauende Lernen, das immer vor dem Examen getrieben wird, ganz weglassen, das heißt, die Examina ganz weglassen; wenn das Ende des Schuljahres geradeso verläuft wie der Anfang. Wenn wir uns als Lehrer die Verpflichtung auferlegen, uns zu sagen: Wozu soll denn das Kind geprüft werden? Ich habe das Kind ja immer vor Augen gehabt und weiß ganz gut, was es weiß oder nicht weiß. - Natürlich kann das unter den heutigen Verhältnissen vorläufig bloß ein Ideal sein, wie ich Sie überhaupt bitte, nicht Ihre Rebellennatur zu stark nach außen zu kehren. Kehren Sie zunächst dasjenige, was Sie vorzubringen haben gegen unsere gegenwärtige Kultur, wie Stacheln nach innen, damit Sie langsam dahin wirken — denn auf diesem Gebiet können wir nur langsam wirken -, daß die Menschen anders denken lernen, dann werden auch die äußeren sozialen Verhältnisse in andere Formen eintreten, als sie jetzt sind.
[ 15 ] Well, here again there are two aspects. Just as there is a difference between meaningful external activity and meaningless external busyness, so too is there a difference between internal thought and perception that proceeds mechanically and internal thought and perception that is continually accompanied by feelings. If our mental and spiritual work is carried out in such a way that we combine it with sustained interest, then that interest—that attention—enlivens our heart activity and prevents our nerves from withering away excessively. The more you simply skim through what you read, the less you make an effort to absorb what you read with deep interest, the more you contribute to the withering away of your inner substance. The more you follow everything with interest and warmth, the more you promote blood circulation and keep your physical substance alive, and the more you also prevent your mental activity from disturbing your sleep. When you have to cram for an exam—or “plow through” it, depending on the context—you end up absorbing a lot against your interests. For if you were to absorb information solely based on your interests, you would—at least under today’s circumstances—fail. The result is that cramming or “plowing through” for an exam disrupts your sleep and brings disorder into your normal human existence. This must be taken into account especially with children. Therefore, it is best for children—and it will most closely correspond to the ideal of education—if we completely eliminate the cramming that always takes place before exams, that is, if we eliminate exams altogether; if the end of the school year proceeds just as the beginning does. If we, as teachers, impose upon ourselves the obligation to ask: Why should the child be tested at all? I have always had the child before my eyes and know quite well what he or she knows or does not know. — Of course, under today’s circumstances, this can only be an ideal for the time being; I ask you, in general, not to project your rebellious nature too strongly outward. For now, direct whatever objections you have to our current culture inward, like thorns, so that you can gradually work toward—for in this area we can only work slowly—helping people learn to think differently; then external social conditions will also take on forms different from what they are now.
[ 16 ] Aber man muß alles im Zusammenhang denken. Man muß wissen, daß Eurythmie von Sinn durchzogene äußere Tätigkeit, Vergeistigen der körperlichen Arbeit und Interessantmachen des Unterrichts in nicht banaler Weise, Beleben - wörtlich genommen -, Beleben, Durchbluten der intellektuellen Arbeit ist.
[ 16 ] But one must consider everything in context. One must understand that eurythmy is an outward activity imbued with meaning, the spiritualization of physical work, and a way to make lessons engaging in a non-trivial way—it is, literally speaking, a means of enlivening and invigorating intellectual work.
[ 17 ] Wir müssen die Arbeit nach außen vergeistigen, wir müssen die Arbeit nach innen, die intellektuelle Arbeit, durchbluten! Denken Sie über diese zwei Sätze nach, dann werden Sie sehen, daß der erstere eine bedeutsame erzieherische und auch eine bedeutsame soziale Seite hat; daß der letztere eine bedeutsame erzieherische und auch eine bedeutsame hygienische Seite hat.
[ 17 ] We must infuse our external work with a spiritual dimension; we must breathe life into our internal work—our intellectual work! If you reflect on these two sentences, you will see that the former has a significant educational aspect as well as a significant social aspect; that the latter has a significant educational aspect as well as a significant health-related aspect.
