The Art of Education
GA 295
29 August 1919, Stuttgart
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Achte Seminarbesprechung
Eighth Seminar Discussion
[ 1 ] Sprechübungen:
[ 1 ] Speaking exercises:
In den unermeßlich weiten Räumen,
In den endenlosen Zeiten,
In der Menschenseele Tiefen,
In der Weltenoffenbarung:
Suche des großen Rätsels Lösung.
In the immeasurably vast expanses,
In the endless ages,
In the depths of the human soul,
In the revelation of the world:
Seek the solution to the great mystery.
[ 2 ] Rudolf Steiner: Die Sätze verhalten sich so, daß die vier ersten klingen wie eine Erwartung, und die letzte Zeile die Gesamterfüllung ist der vier ersten Zeilen.
[ 2 ] Rudolf Steiner: The lines are arranged such that the first four sound like an anticipation, and the last line is the complete fulfillment of the first four lines.
(Die Sprechübung wird gelesen.)
(The speaking exercise is read aloud.)
[ 3 ] Die ei nicht wie ai sprechen!
[ 3 ] Don't pronounce “ei” like “ai”!
[ 4 ] Jetzt gehen wir wiederum zurück zu der anderen Sprechübung:
[ 4 ] Now let's go back to the other speaking exercise:
Protzig preist
Bäder brünstig
Polternd putzig
Bieder bastelnd
Puder patzend
Bergig brüstend
Ostentatiously praising
Bathing with fervor
Noisily charming
Diligently crafting
Applying powder
Mountainously proud
[ 5 ] Daran können Sie sehr viel lernen. Jetzt wiederholen wir den Satz:
[ 5 ] You can learn a lot from this. Now let's repeat the sentence:
Daß er dir log uns darf es nicht loben
We must not condone the fact that he lied to you
[ 6 ] Nun ein Ähnliches, aber dabei kommt eine Nuance nach dem Affektiven hin. Es sind vier Zeilen, auf die ich Sie aufmerksam machen möchte. Ich werde sie Ihnen nachher diktieren. Das Affektive soll mehr in der ersten Zeile zum Ausdruck kommen:
[ 6 ] Now, something similar, but with a nuance leaning toward the affective. There are four lines I’d like to draw your attention to. I’ll dictate them to you later. The affective aspect should be more evident in the first line:
Lalle Lieder lieblich
Lipplicher Laffe
Lappiger lumpiger
Laichiger Lurch.
Sweet little songs
Lipplicher Laffe
Shabby and ragged
Laichiger Lurch.
[ 7 ] Also Sie stellen sich vor, daß sie einen grünen Frosch vor sich haben, der Sie anguckt mit offenem Mund, mit etwas aufgespannten Lippen, und den reden Sie an mit den drei letzten Zeilen. Aber Sie muten ihm in der ersten Zeile zu, er solle «liebliche Lieder lallen». Diese erste Zeile müssen Sie wie humoristisch-affektiv, wie eine Zumutung an ihn sagen.
[ 7 ] So in your mental image, you have a green frog in front of you, looking at you with its mouth open, its lips slightly parted, and you address it with the last three lines. But in the first line, you tell it to “babbble sweet songs.” You have to say this first line in a humorous yet emotional way, as if you’re making an unreasonable demand of it.
(Die Sprechübung wird gelesen.)
(The speaking exercise is read aloud.)
[ 8 ] Jetzt noch ein Prosastück, eine Fabel von Lessing:
[ 8 ] Now a piece of prose, a fable by Lessing:
Die Eiche
The Oak
Der rasende Nordwind hatte seine Stärke in einer stürmischen Nacht an einer erhabenen Eiche bewiesen. Nun lag sie gestreckt und eine Menge niedriger Sträuche lagen unter ihr zerschmettert. Ein Fuchs, der seine Grube nicht weit davon hatte, sah sie des Morgens darauf. «Was für ein Baum!» rief er. «Hätte ich doch nimmermehr gedacht, daß er so groß gewesen wäre!»
The raging north wind had demonstrated its power during a stormy night against a majestic oak tree. Now it lay sprawled on the ground, and a multitude of low shrubs lay shattered beneath it. A fox, whose den was not far away, saw it the following morning. “What a tree!” he cried. “I never would have thought it was so big!”
[ 9 ] Worin besteht denn die Fabelmoral?
[ 9 ] What, then, is the moral of the fable?
Karl Stockmeyer: Daß man erst beim Tode bemerkt, wie groß ein Mensch war.
Karl Stockmeyer: It is only upon a person's death that one realizes how great they were.
Ein Teilnehmer: Daß ein Kleiner erst merkt, wenn ein Großer gestürzt ist, was er war.
A participant: It is only when a great person has fallen that a lesser person realizes who that great person was.
[ 10 ] Rudolf Steiner: Aber warum wird gerade der Fuchs verwendet, der doch schlau ist?
[ 10 ] Rudolf Steiner: But why is the fox used, of all animals, when it is so cunning?
Derselbe Teilnehmer: Weil die Fuchsschlauheit an die Erhabenheit des Baumes nicht herankommt.
The same participant: Because the fox’s cunning cannot compare to the tree’s majesty.
[ 11 ] Rudolf Steiner: In welchem Satz würde mit Bezug auf die Fuchsschlauheit die Fabelmoral stecken? — «Hätte ich doch niemals gedacht, daß er so groß gewesen wäre!»
[ 11 ] Rudolf Steiner: In which sentence would the moral of the fable—referring to the fox’s cunning—be found? — “I never would have thought he was that big!”
[ 12 ] Er hatte eben nie hinaufgeschaut. Er hatte ihn nur immer unten angeschaut, war nur unten um ihn herumgegangen, und da hatte der Baum einen kleinen Raum eingenommen. Er hatte nur das gesehen, trotz seiner Schlauheit, was man unten von dem Umfange sieht. Ich mache Sie darauf aufmerksam: Fabeln, die an sich in ihrer besonderen Welt, in einer Fabelwelt spielen, dürfen realistisch gelesen werden, niemals aber Gedichte.
[ 12 ] He had simply never looked up at it. He had always looked at it from below, had only walked around it from below, and from that vantage point the tree had taken up very little space. Despite his cleverness, he had seen only what one sees of its circumference from below. I would like to point out: Fables, which by their very nature take place in their own special world—a fable world—may be read realistically, but poems never may.
[ 13 ] Nun kommen wir heute nach der gestrigen Aufforderung an Sie zu etwas sehr Wichtigem, nämlich dazu, uns zu unterhalten über die Maßnahmen, die wir zu treffen haben, indem wir bemerken, daß die eine Schülergruppe weniger veranlagt ist zu diesem oder jenem Gegenstand oder diesem oder jenem Teil des Lehrstoffes, die andere Schülergruppe mehr. Und ich werde Sie bitten: Wählen Sie sich für die ganze Zeit vom siebenten bis zum fünfzehnten Jahr aus, worauf Sie heute in Gedanken Ihre Hauptaufmerksamkeit wenden wollen, ob auf die Schülergruppe, die nicht imstande ist, ordentlich Lesen oder Schreiben zu lernen, oder Naturgeschichte zu lernen, oder Rechnen oder Geometrie oder Singen zu lernen, und handeln Sie dann darüber ab, wie Sie sich in der Klasse oder überhaupt in der Behandlung der Schüler und im Aufstieg in der Zeit verhalten wollen, damit Sie das, was da auftritt, möglichst ins gleiche bringen.
[ 13 ] Now, following yesterday’s request to you, we come today to something very important: namely, to discuss the measures we need to take, noting that one group of students is less inclined toward this or that subject or this or that part of the curriculum, while another group is more so. And I will ask you: For the entire period from the age of seven to fifteen, choose what you want to focus your main attention on today—whether it be the group of students who are unable to learn to read or write properly, or to learn natural history, arithmetic, geometry, or singing—and then consider how you intend to conduct yourself in the classroom, in your general treatment of the students, and as time progresses, so that you can balance out what arises as much as possible.
Mehrere Seminarteilnehmer machen dazu längere Ausführungen.
Several seminar participants provide more detailed explanations on this topic.
Johannes Geyer: Ich meine, dass der Lehrer sich in solchem Falle besonders der Wiederholung widmen muss. Er soll auch nicht, wenn gerade Faulheit die Ursache des Zurückbleibens ist, mit Strafen und Schelten vorgehen. Man sollte sich bemühen, solche Kinder in Extrastunden heranzunehmen, nur dürfen sie das nicht als Strafe empfinden. Man könnte begabtere Schüler veranlassen, sich der Unbegabten anzunehmen. Praktisch nimmt man da Schüler, die in der Nähe wohnen. Bei absolut unfähigen Schülern bleibt nichts anderes übrig als die Versetzung in eine niedrigere Klasse oder in die Hilfsschule. Man sollte so begabte und unbegabte Schüler zusammenkoppeln, weil sie lernen sollen, sich gegenseitig zu helfen.
Johannes Geyer: I believe that in such cases, the teacher must devote particular attention to review. Nor should the teacher resort to punishment or scolding if laziness is the cause of the student’s falling behind. One should make an effort to work with such children in extra lessons, but they must not perceive this as a punishment. One could encourage more gifted students to mentor the less gifted ones. In practice, this involves selecting students who live nearby. For students who are completely unable to keep up, there is no alternative but to place them in a lower grade or in a special education school. Gifted and less gifted students should be paired together so that they can learn to help one another.
Rudolf Treichler wendet seine Aufmerksamkeit besonders dem französischen Sprachunterricht zu: Ich würde die Kinder nach den Temperamenten zu fassen versuchen. Den Phlegmatiker würde ich möglichst fragen nach einfachen Hauptwörtern: der Stuhl, der Tisch und so weiter. Bei dem stelle ich mir vor, dass er zurückbleibt aus Faulheit. Er lernt schreiben besser, als sich zu äußern, weil er schwer aus sich herauskommt. Ich würde ihn ergänzen durch den Choleriker, indem ich ihn dann aufrufe, wenn der Phlegmatiker gesagt hat, was «Stuhl» heißt. Er müsste dann einen Satz bilden mit dem Worte «Stuhl». Bei dem Choleriker wird es daran mangeln, dass er vorwärts stürmt, ohne sich im Einzelnen ernst zu betätigen, nicht wie der Sanguiniker aus Oberflächlichkeit, sondern aus einseitiger Begabung. Choleriker werden wahrscheinlich überhaupt einseitig begabt sein, sodass etwas mit ihm anzufangen ist in einem Fach oder nicht. Den Sanguiniker würde ich immer zuerst fragen, und ihn erst sprechen lassen, ihn Sätzchen bilden lassen, aber da muss man aufs Schriftliche aufpassen. Die Sanguiniker können gewöhnlich keine Grammatik und sind flüchtig. Vom Melancholiker, der ja aus bekannten Gründen nicht mitkommt, darf man nicht zu viel verlangen. Man muss ihn das Alte möglichst wiederholen lassen, und zu den Hauptwörtern, die der Phlegmatiker gebildet hat, ihn die Eigenschaftswörter suchen lassen. Dann würde ich den deutschen Unterricht etwas hinüberspielen lassen ins Französische, vielleicht einzelne Sätzchen aus Lesestücken bringen, vielleicht auch nur Wörter oder von Begabteren den Inhalt kurz wiederholen lassen.
Rudolf Treichler focuses particularly on French language instruction: I would try to approach the children according to their temperaments. I would ask the phlegmatic child, as much as possible, about simple nouns: the chair, the table, and so on. With this child, I imagine that he falls behind out of laziness. He learns to write better than he does to express himself, because he has a hard time opening up. I would balance this with the choleric child by calling on him after the phlegmatic child has explained what “chair” means. He would then have to form a sentence using the word “chair.” The Choleric type’s shortcoming is that he charges ahead without seriously engaging with the details—not out of superficiality, like the Sanguine, but because of a one-sided talent. Choleric students are likely to be one-sided in their talents anyway, so it’s a matter of whether they can be of any use in a subject or not. I would always ask the Sanguine student first, letting him speak first and form short sentences, but one must pay close attention to his written work. Sanguine students usually lack a grasp of grammar and are flighty. One must not demand too much from the Melancholic student, who, for well-known reasons, cannot keep up. You have to have them repeat what they’ve already learned as much as possible, and have them find the adjectives that go with the nouns the phlegmatic student has formed. Then I would let the German lesson transition somewhat into French, perhaps introducing short sentences from reading passages, or maybe just words, or—for the more gifted students—having them briefly summarize the content.
Hermann Heisler: Als Gründe, warum die Schüler Zurückbleiben, denke ich mir Faulheit, Zerstreutheit [häufiges Aufrufen, überraschen], Vergesslichkeit, wirkliche Unbegabtheit, häusliche Verhältnisse, körperliches Kranksein. Auf kranke Kinder muss besonders achtgegeben werden; eventuell muss man mit den Eltern reden und den Arzt heranziehen. Wo häusliche Verhältnisse nicht gut sind, müsste man die Eltern besuchen und sie veranlassen, den Kindern Ruhe und Zeit zu lassen. Ein unbegabtes Kind muss ganz besonders berücksichtigt werden vom Lehrer. Gegen die Vergesslichkeit, besonders beim Sanguiniker, müssten vorzugsweise solche Übungen gegeben werden, oder solche Aufgaben, die zur Stärkung des Ätherleibes beitragen. Das Kind müsste viel Wiederholungen machen, besonders auch rückwärts. Zerstreutheit dürfte beim Melancholiker vorliegen, aber auch beim Sanguiniker. Die könnte beseitigt werden durch überraschendes Aufrufen, sodass das Kind niemals zur Ruhe kommt, sondern immer auf dem Sprung sein muss. Faul ist besonders der Phlegmatiker. Da nützen vielleicht strenge Ermahnungen und auch Überraschungen besonders mit solchen Dingen, die das Ich wachrufen. Zerstreutheit wird ja meist auf das Konto des Lehrers kommen. Der Unterricht muss interessant gestaltet werden.
Hermann Heisler: I believe the reasons why students fall behind include laziness, inattention [frequent calling on students, catching them off guard], forgetfulness, a genuine lack of ability, home circumstances, and physical illness. Special attention must be given to sick children; it may be necessary to speak with the parents and consult a doctor. Where home circumstances are not good, the teacher should visit the parents and encourage them to allow their children peace and time. A child who lacks talent must be given special consideration by the teacher. To counter forgetfulness—especially in the sanguine child—exercises or assignments that help strengthen the etheric body should be given preferentially. The child should practice repetition frequently, especially in reverse order. Absent-mindedness may be present in the melancholic child, but also in the sanguine child. This can be remedied by calling on the child unexpectedly, so that the child never settles down but must always be on the alert. The phlegmatic child is particularly lazy. Strict admonitions and surprises—especially those that awaken the ego—may be helpful here. Absent-mindedness is usually the teacher’s fault. Lessons must be made interesting.
[ 14 ] Rudolf Steiner: Die Dinge, die da auftreten, können sich zum Teil beziehen auf eine allgemeine Unbegabtheit. Aber sie können sich auch beziehen auf eine spezielle, eine spezifische Unbegabtheit. Man hat Zöglinge, die vielleicht für Lesen und Schreiben außerordentlich gut begabt sind, aber die, sobald man ans Rechnen kommt, sich für dieses Rechnen als unbegabt erweisen. Man hat dann Zöglinge, bei denen es noch mit dem Rechnen geht, aber in dem Augenblick, wo man beginnt, ihre Urteilskraft anzurufen, wo sie Naturwissenschaftliches richtig begreifen sollen, geht es nicht mehr weiter. Dann gibt es solche Kinder, die nicht an Geschichte heran wollen. Diese spezifischen Unbegabtheiten, die sind das Wichtige, die sollte man gut berücksichtigen.
[ 14 ] Rudolf Steiner: The issues that arise may, in part, be related to a general lack of aptitude. But they may also be related to a particular, specific lack of aptitude. There are students who may be exceptionally gifted in reading and writing, but who, as soon as arithmetic is introduced, prove to be unskilled in it. Then there are students who manage just fine with arithmetic, but the moment you begin to call upon their powers of judgment—when they are supposed to correctly grasp scientific concepts—they come to a standstill. Then there are children who simply won’t engage with history. These specific lack of aptitude—that is what is important; they should be taken into careful consideration.
[ 15 ] Darauf nehmen Sie vielleicht mit Folgendem Rücksicht: Wenn Sie bemerken, daß ein Kind im allgemeinen gleich von Anfang an auch für Lesen und Schreiben unbegabt ist, dann tun Sie unter allen Umständen schon einmal gut, sich mit den Eltern in Verbindung zu setzen und sie zu bitten, zunächst einmal dem Kinde möglichst wenig Eierspeisen zu geben und möglichst wenig Mehlspeisen. Das übrige kann im wesentlichen bleiben. Wenn die Eltern darauf eingehen, das Kind eine Zeitlang, trotzdem ihm ein Teil der Nahrung entzogen wird, gut zu ernähren, dann kann man es vielleicht sogar eine Zeitlang auf wenig Fleisch und sehr viel Gemüse und Blätter enthaltende Nahrung setzen. Man wird dann bemerken, daß das Kind durch diese Diätänderung im wesentlichen eine Erhöhung seiner Fähigkeit zeigt. Dies nütze man aus. Man beschäftige das Kind gerade sehr stark im Anfang, also wenn es anfängt, seine Diät zu ändern.
[ 15 ] In this regard, you might want to keep the following in mind: If you notice that a child generally lacks aptitude for reading and writing right from the start, then under any circumstances it is a good idea to contact the parents and ask them to, for the time being, give the child as few egg dishes and as few pastries as possible. The rest of the diet can essentially remain the same. If the parents agree to continue feeding the child well for a while—even though part of the child’s diet is being restricted—then it may even be possible to put the child on a diet consisting of little meat and a great deal of vegetables and leafy greens for a time. One will then notice that, as a result of this dietary change, the child essentially shows an increase in ability. Take advantage of this. Keep the child very busy, especially in the beginning—that is, when they start changing their diet.
[ 16 ] Wenn man bemerkt, daß diese bloße Diätänderung nicht viel nützt, dann versuche man, das Kind einen ganz kurzen Zeitraum hindurch — ich will sagen, acht Tage lang —, nachdem man sich mit den Eltern in Verbindung gesetzt hat, überhaupt bis zum Ablauf der Vormittagsschule oder wenigstens der ersten Stunden der Vormittagsschule, wo ihm Lesen und Schreiben beigebracht werden soll, nichts essen zu lassen, sondern es lernen zu lassen auf nüchternen Magen, oder wenigstens es nur ein Minimum essen zu lassen. Man setze diese Prozedur nicht allzulange fort, sondern lasse sie abwechseln mit normalem Ernährtwerden. Aber man nütze die Zeit, die Ihnen ganz gewiß das Kind mit bloßgelegten Fähigkeiten zeigen wird — mit stärkeren Fähigkeiten und mehr aufnahmefähig -, gut aus. Wiederholt man eine solche Diätkur mehrmals im Laufe eines Jahres, so wird man sehen, daß in etwas sich die Begabung eines mehr oder weniger jungen Kindes - das gilt also für die ersten Schuljahre - ändert. Das bitte ich Sie doch sehr zu berücksichtigen.
[ 16 ] If you notice that this simple change in diet isn’t helping much, then try—for a very short period of time—I’d say eight days— after consulting with the parents, to have the child eat nothing at all until the end of the morning school session—or at least until the first few hours of the morning school session, when he is to be taught reading and writing—but rather let him learn on an empty stomach, or at least let him eat only a minimal amount. Do not continue this procedure for too long, but alternate it with normal meals. But make good use of the time during which the child will undoubtedly demonstrate his or her latent abilities—with greater aptitude and greater receptivity. If such a dietary regimen is repeated several times over the course of a year, you will see that the aptitude of a more or less young child—that is, during the early school years—will change in some respect. I urge you to take this into serious consideration.
[ 17 ] Und ich bitte Sie überhaupt zu berücksichtigen, daß die unsinnige Ernährungsweise in den ersten Kinderjahren, zu der manche Eltern hinneigen, namentlich bei phlegmatischen und sanguinischen Kindern, viel beiträgt zur Herabstimmung der Fähigkeiten. Das ewige Überernähren der Kinder - jetzt ist es ja etwas anders, aber man muß die Dinge doch wissen -, das Vollstopfen der Kinder mit Eierspeisen und Mehlspeisen, mit Mehlpampf, das ist etwas, was die Kinder ganz unlustig und unfähig zum Lernen macht in den ersten Jahren des Schulbesuches.
[ 17 ] And I ask you to bear in mind that the nonsensical dietary habits during a child’s early years—which some parents tend to adopt, particularly with phlegmatic and sanguine children—contribute significantly to a decline in cognitive abilities. The constant overfeeding of children—things are a bit different now, of course, but it’s important to be aware of these things—stuffing children full of egg dishes and pastries, and flour-based porridge, is something that makes children quite listless and unable to learn during their first years of school.
Es wird gefragt, wie es mit Kakao sei?
The question is: What about cocoa?
[ 18 ] Rudolf Steiner: Warum sollen denn die Kinder überhaupt Kakao trinken? Es ist ja gar nicht notwendig, wenn man nicht Kakao braucht, um ihre Verdauung zu regulieren. Man braucht ja manchmal solche Dinge, um die Verdauung zu regulieren. Bei Kindern, die eine zu rasche Verdauung haben, ist es besser, Kakao zu verwenden als andere Heilmittel; aber wenn das nicht nötig ist, dann braucht ein Kind überhaupt nicht solche Dinge zu haben. Die Kinder bekommen heute viel, was nichts taugt für sie.
[ 18 ] Rudolf Steiner: Why should children drink cocoa at all? It’s not necessary at all if they don’t need cocoa to regulate their digestion. Sometimes you do need such things to regulate digestion. For children whose digestion is too rapid, it is better to use cocoa than other remedies; but if that isn’t necessary, then a child doesn’t need such things at all. Children today are given a lot of things that aren’t good for them.
[ 19 ] Man kann da merkwürdige Beobachtungen machen. Als ich Erzieher war in den achtziger Jahren, da war ein junges Kind da; das Kind konnte von mir nicht erzogen werden, ich hatte nur die größeren. Es war ein kleiner Cousin. Es war eigentlich ein nettes, liebes Kind mit guten Einfällen. Es hätte einmal ein gutbegabtes Schulkind werden können. Ich war oftmals anwesend und konnte Zeuge sein, wie das Kind witzig und begabt war. Er war noch ein kleiner Kerl, noch kaum an das zweite Jahr herangekommen, als er einmal bei Tisch folgendes sagte. Er hatte zwei kleine Klößchen, zwei Knödelchen, und war schon so gescheit, daß, als man sagte: «Hans, jetzt hast du schon zwei Knödelchen», er antwortete: «Und das dritte folgt sogleich.» Das sagte der kleine Knirps.
[ 19 ] You can make some strange observations there. When I was a preschool teacher in the 1980s, there was a young child there; I couldn’t teach that child—I only had the older ones. He was a little cousin. He was actually a nice, sweet child with good ideas. He could have become a gifted schoolchild one day. I was often there and witnessed how witty and talented he was. He was still a little guy, barely two years old, when he once said the following at the dinner table. He had two little dumplings, and was already so clever that when someone said, “Hans, you’ve already had two dumplings,” he replied, “And the third will follow right away.” That’s what the little rascal said.
[ 20 ] Dann schimpfte er auch sehr gern. Ich fand nicht, daß es schadet, wenn ein Kind in diesem Alter sich ausschimpft. Das legt sich später. Daher hatte er sich angeeignet, gerade mich ganz besonders zu beschimpfen. Einmal, als ich zur Türe hereinkam - da war er schon etwas älter -, stellt er sich breit auf. Da fiel ihm kein Schimpfwort ein, das ihm groß genug war, da sagte er: «Da kommen zwei Esel!» Er war also sehr geistreich, nicht wahr?
[ 20 ] He also really enjoyed scolding people. I didn’t think it did any harm for a child that age to vent his frustration. That would pass later. That’s why he’d taken it upon himself to scold me in particular. Once, when I walked in the door—he was a bit older by then—he stood there with his arms spread wide. He couldn’t think of a swear word big enough, so he said, “Here come two donkeys!” He was quite witty, wasn’t he?
[ 21 ] Aber der Knabe war ein Blaßling, hatte schlechten Appetit und war etwas mager. Auf den Rat eines sonst ausgezeichneten Arztes bekam deshalb dieses Kind zu jeder Mahlzeit ein kleines Gläschen Rotwein. Ich hatte ja keine Verantwortung noch Einfluß auf diese sonderbare hygienische Erziehungsmethode, aber ich hatte so meine Sorge. Dann sah ich dieses Individuum wieder in seinem zweiunddreißigsten, dreiunddreißigsten Jahre - ein furchtbar nervöser Mensch! Ich frug, als er nicht dabei war, wie er denn als Schulkind gewesen sei. Ja, dieser zappelige Mensch, der in den Dreißigerjahren schon ganz nervös war, zeigte, wieviel Jammervolles das kleine Gläschen Rotwein bei den Mahlzeiten angerichtet hatte. Es war ein begabtes Kind, denn ein Kind ist begabt, das sagt: «Da kommen zwei Esel!»
[ 21 ] But the boy was pale, had a poor appetite, and was somewhat thin. On the advice of an otherwise excellent doctor, this child was therefore given a small glass of red wine with every meal. I had neither responsibility for nor any influence over this peculiar hygienic upbringing, but I did have my concerns. Then I saw this person again when he was thirty-two or thirty-three years old—a terribly nervous man! When he wasn’t around, I asked what he had been like as a schoolchild. Indeed, this fidgety man, who was already quite nervous in his thirties, demonstrated just how much harm that little glass of red wine at mealtimes had caused. He was a gifted child—for a child is gifted who says, “Here come two donkeys!”
«Frech war er», ruft Frau Dr. Steiner dazwischen.
“He was cheeky,” Dr. Steiner interjects.
[ 22 ] Rudolf Steiner: Von der Frechheit können wir ja dabei absehen. Was geht da voraus? Es ist erstaunlich. Er findet kein Schimpfwort, was groß genug ist, da nimmt er die Zahl zu Hilfe. Das ist eine außerordentlich große Begabung. Nun, er war ein schwacher Schüler geworden und wollte nicht ordentlich lernen. Er war also durch diese Erziehungsmethode, durch den Wein, bereits im siebenten Jahre vollständig verdorben.
[ 22 ] Rudolf Steiner: We can, of course, set aside the impudence for now. What lies behind it? It’s astonishing. He can’t find a swear word big enough, so he turns to numbers for help. That is an extraordinarily great gift. Well, he had become a poor student and didn’t want to study properly. So, through this method of upbringing—through the wine—he was already completely spoiled by the age of seven.
[ 23 ] Das ist etwas, was ich im Anfang unserer heutigen Besprechung Ihnen nahelegen möchte, daß es bei Begabungen nicht so unwesentlich ist, darauf zu sehen, wie man die Diät des Kindes einrichtet. Namentlich aber bitte ich Sie, darauf zu achten, daß die Verdauung des Kindes nicht leidet. Daher müssen Sie auf irgendeinem taktvollen Wege, wenn Ihnen an der Befähigung des Kindes etwas auffällt, sich durch die Eltern erkundigen, ob das Kind einen ordentlichen Verdauungsprozeß hat. Versuchen Sie darauf hinzuwirken, daß derselbe reguliert wird.
[ 23 ] This is something I would like to emphasize at the beginning of our discussion today: when it comes to gifted children, it is quite important to pay attention to how the child’s diet is structured. In particular, however, I ask you to ensure that the child’s digestion does not suffer. Therefore, if you notice anything regarding the child’s abilities, you must, in a tactful manner, ask the parents whether the child has a healthy digestive system. Try to ensure that it is regulated.
Karl Stockmeyer spricht über die für das Rechnen unbegabten Kinder: Ich konnte mich noch nicht so viel mit der Frage beschäftigen. Für den Rechenunterricht würde ich auch die Schwachbegabten Schüler unter den Schutz der besonders begabten stellen. Man sollte vielleicht ein melancholisches Kind, das zurückbleibt, unter den Schutz eines sanguinischen Kindes stellen, dessen ganz andere Art, sich zu den Dingen zu stellen, ihm nützlich werden könnte. Gerade beim Rechenunterricht stellt sich das melancholische Kind die Sache zu schwer vor. Es wäre gut, wenn es dann sähe, wie das sanguinische Kind einfach tut, was von ihm verlangt wird. Es würde vielleicht nachmachen und dann auch besser begreifen. Das gilt besonders für ein ziemlich jugendliches Alter, wo es noch sehr darauf ankommt, sozusagen von der Hand zu lernen.
Karl Stockmeyer speaks about children who lack a talent for arithmetic: I haven’t yet had the chance to give this issue much thought. When it comes to arithmetic instruction, I would also place the less gifted students under the guidance of the particularly gifted ones. Perhaps a melancholic child who is falling behind should be placed under the wing of a sanguine child, whose entirely different approach to things could be beneficial to him. Especially in math class, the melancholic child creates a mental image of the task as too difficult. It would be good if the child could then see how the sanguine child simply does what is asked of him. The child might imitate him and then understand better as well. This is especially true at a fairly young age, when it is still very important to learn by example, so to speak.
[ 24 ] Rudolf Steiner: Wenn Sie besonders schwache Begabungen zum Rechnen entdecken, so tun Sie gut, folgendes zu machen: die anderen Kinder werden in der Regel in der Woche zwei Turnstunden, das heißt eine Eurythmiestunde und eine Turnstunde haben. Diese Kinder, die nicht gut rechnen, spannen Sie zusammen, und lassen Sie ihnen eine Eurythmie- oder Turnstunde oder eine halbe Stunde anknüpfen. Sie brauchen sich dadurch nicht mehr zu belasten; nehmen Sie sie mit anderen zusammen, wo gerade solche Übungen gemacht werden. Man muß sorgen, daß solche Kinder gerade durch das Turnen und die Eurythmie in ihren Fähigkeiten gehoben werden.
[ 24 ] Rudolf Steiner: If you notice that some children have particularly weak mathematical abilities, you would do well to do the following: The other children will generally have two physical education classes per week—that is, one eurythmy class and one physical education class. Group together the children who are not good at arithmetic, and have them follow up with a eurythmy or physical education class—or half an hour of it. This way, you don’t have to take on any extra burden; simply place them with the other children who are doing those very exercises. Care must be taken to ensure that such children’s abilities are enhanced precisely through physical education and eurythmy.
[ 25 ] Sie lassen solche Kinder zunächst Stabübungen machen. Den Stab in der Hand: nach vorne 1, 2, 3; nach hinten 1, 2, 3, 4. Also das Kind muß immer den Stab nach vorne und nach rückwärts nehmen. Es muß sich anstrengen, den Stab auf irgendeine Weise bei 3 nach rückwärts zu kriegen. - Dann muß auch Laufen darankommen: 3 Schritte vor, 5 Schritte zurück; 3 Schritte vor, 4 Schritte zurück; 5 Schritte vor, 3 Schritte zurück und so weiter. -— Versuchen Sie, turnend und auch vielleicht eurythmisch in die Bewegungen des Kindes die Zahl hineinzumischen, so daß es genötigt ist, sich selbst bewegend, zu zählen. Sie werden sehen, daß das einen Erfolg hat. Ich habe das bei Schülern wiederholt gemacht.
[ 25 ] They first have these children do staff exercises. Holding the staff in their hand: forward 1, 2, 3; backward 1, 2, 3, 4. So the child must always move the staff forward and backward. They have to make an effort to get the stick to move backward in some way on the count of 3. — Then running must be incorporated: 3 steps forward, 5 steps back; 3 steps forward, 4 steps back; 5 steps forward, 3 steps back, and so on. — Try to incorporate the number into the child’s movements through gymnastics and perhaps eurythmy as well, so that the child is compelled to count while moving. You will see that this is successful. I have done this repeatedly with students.
[ 26 ] Und ich frage Sie nun: Warum hat das einen Erfolg? Nach dem, was Sie schon gelernt haben, können Sie sich darüber Vorstellungen bilden.
[ 26 ] And now I ask you: Why is this successful? Based on what you've already learned, you can form your own mental images of it.
Karl Stockmeyer: Ich habe es neulich schon einmal ausgesprochen, nachdem ich Eurythmie gesehen hatte, dass diese eurythmischen Bewegungen ein gutes Mittel sein müssten für den Geometrieunterricht.
Karl Stockmeyer: I mentioned this the other day, after seeing a eurythmy performance, that these eurythmic movements must be a good tool for teaching geometry.
[ 27 ] Rudolf Steiner: Den Geometrieunterricht meinte ich aber nicht. Was ich sagte, bezog sich auf das Rechnen, weil ja dem Rechnen willentliches Sich-Bewegen zugrunde liegt, der Bewegungssinn. Wenn man den in dieser Weise in Wirksamkeit bringt, so wirkt man anfeuernd auf diese Fähigkeit. Man holt etwas aus dem Unterbewußtsein herauf, was bei einem solchen Kinde nicht herauf will. Überhaupt sollte man durch Bewegungsübungen die mangelnden Fähigkeiten des Rechnens und auch der Geometrie anregen. Für Geometrie wird man viel tun können durch geistreiche Eurythmieübungen. Auch durch Stabübungen.
[ 27 ] Rudolf Steiner: But I wasn’t referring to geometry lessons. What I said pertained to arithmetic, because arithmetic is based on voluntary movement—the sense of movement. When you activate this in this way, you stimulate this ability. One draws something out of the subconscious that does not readily come to the surface in such a child. In general, one should stimulate the lacking abilities in arithmetic and also in geometry through movement exercises. For geometry, one will be able to do a great deal through imaginative eurythmy exercises. Also through staff exercises.
Herbert Hahn: Ich hatte mir zwei Fälle vorgestellt, zunächst Sprachunterricht in einer Klasse, wo ich auch Klassenlehrer wäre und die Möglichkeit hätte, durch den Gesamtunterricht einzuwirken auf einzelne Kinder. Was Herr Dr. Treichler sagte über die Berücksichtigung der Temperamente, hatte ich ähnlich gedacht. Ich wollte auch bei dem phlegmatischen Kinde hauptsächlich einzelne Worte verlangen; Wortabwandlungen würde ich treiben mit phlegmatischen Kindern; bei sanguinischen Kindern würde ich Wortableitungen nehmen oder verlangen, dass sie neue Worte bilden. Das cholerische Temperament ließe sich gut ausnützen bei Frage und Antwort, beim Eingliedern von Worten in Sätze. Das ist aber nicht die Hauptfrage. Ich würde auch die begabteren Kinder heranziehen zum Unterricht der Unbegabten. Ich würde kleine Gruppen zusammenstellen. Dann würde ich den Nebenunterricht stets im Auge behalten. Aber ich würde auch vor allen Dingen andere Unterrichtsgegenstände heranziehen zur bestärkenden Wirkung. Bei Schwierigkeiten in der Aussprache muss man Bedacht nehmen auf den Zusammenhang des Sprachlichen mit der Musik. Diese Schüler wären im Musikunterricht zu berücksichtigen, vielleicht müssten sie Gesangunterricht haben.
Herbert Hahn: I had created two mental images: first, language instruction in a classroom where I would also serve as the homeroom teacher and have the opportunity to influence individual children through my overall teaching. I had thought along similar lines to what Dr. Treichler said about taking temperaments into account. I also wanted to focus primarily on individual words with phlegmatic children; I would focus on word variations with phlegmatic children; with sanguine children, I would use word derivations or ask them to form new words. The choleric temperament could be put to good use in question-and-answer exercises and in incorporating words into sentences. But that is not the main point. I would also enlist the more gifted children to help teach the less gifted ones. I would form small groups. Then I would always keep an eye on supplementary instruction. But above all, I would also incorporate other subjects into the curriculum to reinforce learning. When there are difficulties with pronunciation, one must take into account the connection between language and music. These students should be considered in music classes; perhaps they should have singing lessons.
[ 28 ] Rudolf Steiner: Die meisten Fälle einer schlechten Aussprache würden darauf beruhen, auf schlechtem Hören.
[ 28 ] Rudolf Steiner: Most cases of poor pronunciation are said to be due to poor hearing.
Herbert Hahn: Schlechte Aussprache kommt meistens vom Gehör. - Dann würde ich Rezitationsübungen berücksichtigen, und zwar Gedichte mit feinen lyrischen Stimmungen, wo auf die Feinheit der einzelnen Laute zu achten ist. Vielleicht könnte man sogar das Malen heranziehen. Bei Schwierigkeit im Einprägen und Ab wandeln der Wörter müsste man auf Erweckung einer lebendigen Formempfindung drängen. Ich würde mir dies wohl denken können durch einen Naturunterricht, wie er uns gestern geschildert worden ist. Bei Schwierigkeit, Sätze zusammenzufassen, käme vielleicht das Zeichnen von beweglichen, stark gegliederten Ornamenten in Betracht. Von architektonischen Dingen würde ich mir auf höheren Stufen viel versprechen für den Satzbau. Bei größeren Kindern wird durch die Beleuchtung gewisser kulturgeschichtlicher Zusammenhänge eine Empfindung geweckt werden für die Eigenart eines Volkes, indem das Kind schon etwas empfindet von dem Genius der Sprache. Auch die Satzbildung wird dadurch beleuchtet. Für den Klassenunterricht hatte ich mir gewählt als Fach die Geografie. Da wird der Klassenlehrer bei zurückgebliebenen Kindern täglich die Möglichkeit haben, in jeder Unterrichtsstunde etwas ausnützen zu können für den betreffenden Schüler, der in einem Fach schwach ist. Man müsste da immer ausgehen von der starken Seite und von da die Linie nehmen auf die schwächere. Beim Geografieunterricht wird der sanguinische Schüler nicht recht mitkommen; er hat verschwommene Vorstellungen. Da würde ich Zeichenunterricht befürworten, Motive aus der Landkarte. Bei Unsicherheit und Ungenauigkeit handelt es sich häufig um Verschärfung der mathematischen Vorstellungskraft. Bei Mathematik würden vielleicht Taktübungen und musikalisches Zusammenspiel helfen, vielleicht in einem Orchester. Bei zerflatterndem Interesse würde ich bei Naturgeschichte und Geschichtsunterricht Anknüpfungspunkte zur Erweckung des Interesses suchen. Beim Sprachlichen hatte ich noch gedacht, bei mangelnder Fähigkeit im Satzbau eurythmische Gruppen zu verwenden.
Herbert Hahn: Poor pronunciation usually stems from the ear. — In that case, I would incorporate recitation exercises, specifically poems with subtle lyrical moods, where attention must be paid to the subtlety of individual sounds. Perhaps one could even draw on painting. If there are difficulties in memorizing and varying the words, one should strive to awaken a vivid sense of form. I could well imagine this being achieved through nature studies, as described to us yesterday. If there are difficulties summarizing sentences, drawing dynamic, strongly structured ornaments might be worth considering. At higher levels, I would expect architectural elements to be very beneficial for sentence structure. For older children, shedding light on certain cultural-historical contexts will awaken a sense of a people’s distinctive character, as the child begins to sense something of the spirit of the language. This also sheds light on sentence structure. For classroom instruction, I had chosen geography as the subject. There, the classroom teacher will have the daily opportunity, with children who are falling behind, to make use of something in every lesson for the particular student who is weak in a subject. One should always start from the student’s strengths and use them as a bridge to the weaker areas. In geography class, the sanguine student will struggle to keep up; his mental images are vague. In such cases, I would advocate drawing lessons based on motifs from the map. Uncertainty and imprecision often stem from a need to sharpen mathematical imagination. In mathematics, rhythm exercises and musical ensemble playing might help—perhaps in an orchestra. If interest is waning, I would look for points of connection in natural history and history lessons to rekindle that interest. Regarding language skills, I had also considered using eurythmy groups to address deficiencies in sentence structure.
[ 29 ] Rudolf Steiner: Wenn man den Geographieunterricht recht anschaulich gestalten würde, wenn man namentlich die Länder, die Verteilung der Vegetation in den Ländern, die Verteilung der Bodenprodukte in den Ländern, durch graphische Darstellungen zeigt, in dieser Weise also den Unterricht recht anschaulich gestaltet, wird man gerade da bemerken, daß man nicht leicht eine allgemeine Stumpfigkeit des Schülermaterials findet. Dadurch kann man leicht gegen eine allgemeine Stumpfheit ankämpfen. Wenn man das auch noch dadurch belebt, daß man gerade beim Geographieunterricht versucht, das Land zuerst zu beschreiben, es dann aufzeichnet, es aufzeichnen läßt auf die Tafel, hineinzeichnet Flüsse, Gebirge, Verteilung von Vegetation, von Wald und Wiese, und dann Reisebeschreibungen mit den Schülern liest, dann wird man sehen, daß man meistens sehr wenig für Geographie unbegabte Schüler findet, ja, daß man die Geographie benützen kann, um Schüler zur Lebhaftigkeit zu bewegen und zum Herauskitzeln anderer Fähigkeiten. Man wird geradezu bemerken, wenn man die Geographie als solche interessant machen kann, wie in den Schülern andere Fähigkeiten aufgeweckt werden.
[ 29 ] Rudolf Steiner: If geography lessons were made truly vivid—specifically by using graphic representations to show the countries, the distribution of vegetation within them, and the distribution of agricultural products—and if lessons were structured in this way to be truly vivid, one would notice precisely there that there is not easily a general dullness among the students. In this way, one can easily combat a general dullness. If one further enlivens the lesson by, specifically in geography class, first attempting to describe the country, then map it out—having the students draw it on the blackboard, sketching in rivers, mountains, and the distribution of vegetation, forests, and meadows—and then read travelogues with the students, one will see that there are usually very few students who are truly un gifted in geography; indeed, one can use geography to stimulate students’ liveliness and to bring out other abilities. One will clearly notice how, when geography is made interesting in and of itself, other abilities are awakened in the students.
Hannah Lang: Ich dachte an die erste bis dritte Klasse. Bei Faulheit würde ich mit Strenge vorgehen und den Ehrgeiz zu wecken suchen. Bei Geistesträgheit würde ich die Kinder Blumen pflegen lassen. Bei Interesselosigkeit würde ich versuchen, den Unterricht interessanter zu gestalten. Vom Interessanten würde ich überleiten versuchen auf das Uninteressante. Dann würde ich mit den Eltern sprechen über die häuslichen Verhältnisse. Nach meiner Erfahrung wird der Sanguiniker zu sehr vom Spieltrieb beherrscht. Er befindet sich noch zu sehr im unbewusst-kindlichen Traumleben. Da würde ich die Eltern veranlassen, das Kind noch herauszunehmen. Wenn das unmöglich ist, muss man das Kind darauf hinweisen, dass es eventuell die Klasse wiederholen muss. Da muss man eben auch Eifer und Ehrgeiz wecken.
Hannah Lang: I was thinking of first through third grade. If a child were lazy, I would take a strict approach and try to spark their ambition. If a child were mentally sluggish, I would have them tend to flowers. If a child showed no interest, I would try to make the lessons more interesting. I would try to transition from the interesting to the uninteresting. Then I would speak with the parents about the home environment. In my experience, the sanguine child is too dominated by a playful instinct. They are still too immersed in an unconscious, childlike dream world. In such cases, I would encourage the parents to take the child out of school for a while. If that’s not possible, you have to point out to the child that they might have to repeat the grade. That’s when you really need to spark their enthusiasm and ambition.
[ 30 ] Rudolf Steiner: Auf den Ehrgeiz zu rechnen, würde ich nicht so sehr empfehlen. Der Ehrgeiz sollte nicht so sehr geweckt werden. In den ersten Unterrichtsjahren kann man solche Dinge, wie Sie sie vorschlagen, sehr gut brauchen, doch ohne zu starkes Betonen des Ehrgeizes, sonst muß man diesen Ehrgeiz später ja wieder wegerziehen, den man anerzogen hat. Man wird aber berücksichtigen müssen, das muß ich immer wiederum sagen, die Diät und Ernährung.
[ 30 ] Rudolf Steiner: I wouldn’t recommend relying too much on ambition. Ambition shouldn’t be encouraged too much. In the early years of schooling, things like what you suggest can be very useful, but without placing too much emphasis on ambition—otherwise, you’ll have to work to eliminate that very ambition later on, since you’ve instilled it in the first place. However, you’ll have to take into account—and I must say this again and again—diet and nutrition.
[ 31 ] Vielleicht werden die Freunde, die jetzt diese Dinge noch behandeln werden, darauf Rücksicht nehmen, daß es doch zahlreiche Kinder gibt, die im späteren Leben keinen Sinn dafür haben, Naturobjekte ordentlich aufzufassen und sich zu merken. Es kann den Lehrer zur Verzweiflung bringen bei einzelnen Zöglingen, daß sie sich niemals merken können, was unter den Mineralien ein Malachit ist oder eine Pechblende oder selbst ein Smaragd; die also überhaupt keinen Sinn dafür haben, die Naturobjekte aufzufassen und sie wiederzuerkennen. Auch bei Pflanzen, sogar bei Tieren ist das der Fall. Das bitte ich auch zu berücksichtigen.
[ 31 ] Perhaps the teachers who will now be covering these topics will take into account that there are, after all, many children who, later in life, have no aptitude for properly understanding and remembering natural objects. It can drive a teacher to despair when certain students are simply unable to remember which of the minerals is malachite, which is pitchblende, or even which is an emerald—that is, when they have absolutely no aptitude for understanding and recognizing natural objects. This is also the case with plants and even animals. I ask that you please take this into account as well.
Elfriede Herrmann: Ich hatte mir gedacht bei den Kleinsten, dass Gruppen im Rechnen Zurückbleiben. Da kann man sich auf andere Schüler nicht verlassen, sondern muss sich mit diesen Kindern selbst besonders abgeben. Ich würde vielleicht, während die anderen schriftlich beschäftigt werden, diese Kinder vornehmen. Am liebsten mache ich alles anschaulich an den Fingern, an Papierstückchen, an Kugeln oder Knöpfen. Jede richtige Lösung mit Freude begrüßen, um Mut und Vertrauen zu stärken. Wettrechnen veranstalten. Die Pausen würde ich nicht brauchen zur Arbeit, sie sind zur Erholung nötig. Wir haben in unserer Schule einen sogenannten Abteilungsunterricht eingeführt; ohne dass die Kinder es wissen, sind sie in zwei Gruppen eingeteilt, Begabte und Schwache. Man nimmt dann die Schwachen besonders vor, damit die Begabten nicht durch sie Zurückbleiben.
Elfriede Herrmann: I had thought that, with the youngest children, some groups might fall behind in math. In those cases, you can’t rely on the other students; instead, you have to give these children special attention yourself. Perhaps I would work with these children while the others are busy with written assignments. I prefer to make everything concrete—using my fingers, small pieces of paper, marbles, or buttons. Celebrate every correct answer with joy to build their confidence and self-esteem. Organize math competitions. I wouldn’t use recess for work—it’s necessary for rest. We have introduced what is known as “departmental instruction” at our school; without the children knowing it, they are divided into two groups: the gifted and the struggling. We then focus special attention on the struggling students so that the gifted ones are not held back by them.
[ 32 ] Rudolf Steiner: Newton, Helmholtz, Julius Robert Mayer würden in einem solchen Falle immer unter den Schwachen gesessen haben.
[ 32 ] Rudolf Steiner: In such a case, Newton, Helmholtz, and Julius Robert Mayer would always have been among the weakest.
Elfriede Herrmann: Das schadet ja nichts.
Elfriede Herrmann: It doesn't hurt.
[ 33 ] Rudolf Steiner: Gewiß, das schadet nichts. Sogar Schiller würde unter den Schwachen gesessen haben. Nach dem Lehrbefähigungszeugnis für Robert Hamerling war er verhältnismäßig überall mit guten Zensuren bedacht, nur nicht im deutschen Aufsatz. Da hatte er als Zensur eigentlich unter normal.
[ 33 ] Rudolf Steiner: Certainly, that doesn’t hurt. Even Schiller would have been among the weaker students. According to Robert Hamerling’s teaching certification, he received good grades in almost every subject—except for the German essay. In that subject, his grade was actually below average.
[ 34 ] Fräulein F. wird uns jetzt sagen — wie man durch Eurythmie helfen kann, das haben wir gehört -, aber wie sie glaubt, wie der Eurythmie geholfen werden könnte, wenn sich Kinder widerspenstig zeigen. Es sollte die Eurythmie auch widerspenstigen Kindern beigebracht werden.
[ 34 ] Miss F. will now tell us—we’ve already heard how eurythmy can help—but she’ll also share her thoughts on how eurythmy might be used to help children who are unruly. Eurythmy should also be taught to unruly children.
Elisabeth Dollfus: Ich hatte mir gedacht, daß melancholische Kinder wenig Interesse haben werden für rhythmische Übungen, Stabübungen, Taktieren, also alle Übungen, die erfordern, daß man mit Unbefangenheit des Wesens sich hinstellt. Sie schauen lieber in sich hinein, und sie ermüden leicht bei ihrer körperlichen Beschaffenheit. Vielleicht könnte man, wenn die anderen Stabübungen machen, diese Kinder singend begleiten lassen, oder Gedichte taktierend sagen lassen. So werden sie in den Rhythmus gezogen ohne körperliche Anstrengung. — Es ist aber auch möglich, daß Kinder diesen Übungen abgeneigt sind, weil sie die Tendenz haben, sich nie ganz in die Dinge hineinzustellen, sondern einen Teil ihres Wesens in sich zurückzuhalten. Da müßte man sie Töne springen lassen, weil die eigentlich den ganzen Menschen in Anspruch nehmen. Zu gleicher Zeit sind sie objektiv.
Elisabeth Dollfus: I had thought that melancholic children would have little interest in rhythmic exercises, staff exercises, or marching in time—in other words, all exercises that require one to stand with a natural, uninhibited demeanor. They prefer to look inward, and given their physical constitution, they tire easily. Perhaps, while the others are doing the staff exercises, these children could be allowed to sing along or recite poems in time with the beat. That way, they’ll be drawn into the rhythm without physical exertion. — It is also possible, however, that children are averse to these exercises because they tend never to fully immerse themselves in activities, but rather to hold back a part of their being. In that case, one should have them jump to different notes, because that actually engages the whole person. At the same time, these exercises are objective.
Der Lehrer darf nicht in sich das Gefühl haben, das Kind könne etwas nicht. Man muß denken, daß die ganze vollkommene Eurythmie im Kinde liegt. Die eigene Sicherheit würde sich auch auf das Kind übertragen.
The teacher must not feel that the child is incapable of doing something. One must believe that the child possesses the full potential for eurythmy. The teacher’s own confidence would then be passed on to the child.
[ 35 ] Rudolf Steiner: Alle diese Maßnahmen sind sehr gut. — Es würde sich noch empfehlen, bei Kindern, die nicht heran wollen an die Eurythmie, eine besondere Freude an der Eurythmie dadurch hervorzurufen, daß man sie nicht nur bei anderen das Eurythmisieren viel von außen anschauen läßt, sondern daß man auch versucht, verschiedene Stellungsaufnahmen zu machen, Photographien. Diese müßte man vereinfachen, so daß die Kinder Augenbilder bekommen von den eurythmischen Formen und Bewegungen, die der Mensch selbst macht. Solche Augenbilder vom Eurythmischen, die werden eingeprägt und werden befeuernd auf die eurythmischen Fähigkeiten wirken. Deshalb hatte ich Fräulein W. gebeten, solche Augenbilder zu machen, womit ich nicht meine bloße Wiedergaben von eurythmischen Stellungen, sondern diese umgesetzt in einfache schematische Bewegungsformen, die künstlerisch wirkend sind. Diese könnte man dann verwenden, um den Kiindern die Schönheit der Linie zu zeigen. Sie werden dann finden — was eine psychologisch außerordentlich interessante Tatsache ist —, daß das Kind wahrnehmen darf die Schönheit der Linie, die es selbst hervorbringt in der Eurythmie, ohne eitel und kokett zu werden. Während es sonst, wenn es aufmerksam wird auf das, was es selber macht, leicht eitel wird, wird das gerade bei der Eurythmie vermieden. Daher ist auch in der Eurythmie ein Parallelismus mit der Anschauung der eurythmischen Linie zu suchen, die zur Hebung des Selbstgefühls ohne Erweckung von Eitelkeit und von Koketterie benützt werden kann.
[ 35 ] Rudolf Steiner: All of these measures are very good. — It would also be advisable, for children who are reluctant to engage with eurythmy, to awaken a special joy in eurythmy by not only having them observe others performing eurythmy from the outside, but also by attempting to take various posed photographs. These should be simplified so that the children form mental images of the eurythmic forms and movements that the human being performs. Such mental images of eurythmy will be imprinted on their minds and will have a stimulating effect on their eurythmic abilities. That is why I asked Miss W. to create such visual images—by which I do not mean mere reproductions of eurythmic poses, but rather these transformed into simple, schematic forms of movement that have an artistic effect. These could then be used to show the children the beauty of the line. You will then find—and this is a psychologically fascinating fact—that the child is able to perceive the beauty of the line that he or she creates in eurythmy without becoming vain or coquettish. Whereas otherwise, when the child becomes attentive to what he or she is doing, he or she easily becomes vain, this is precisely what is avoided in eurythmy. Therefore, a parallel can also be drawn in eurythmy with the perception of the eurythmic line, which can be used to elevate self-esteem without arousing vanity or coquetry.
Rudolf Meyer erzählt, wie er Kindern die Dynamomaschine erklären würde. Er würde trachten, überall das hervortreten zu lassen, woraus sich das Grundphänomen ergebe.
Rudolf Meyer explains how he would explain the dynamo to children. He would strive to highlight, in every aspect, what gives rise to the fundamental phenomenon.
[ 36 ] Rudolf Steiner: Das ist ein sehr wichtiges Prinzip, das ist in anderen Gegenständen auch anwendbar. Es ist ein gutes Unterrichtsprinzip, aber gewissermaßen für alle Schüler gut im physikalischen Unterricht. Es ist nicht direkt auf die Frage bezüglich: Was macht man mit den schwachen Schülern? Denn in der Physik schwache Schüler werden Ihnen auch bei einem solchen Vorgang einigen Widerstand entgegensetzen, besonders Mädchen.
[ 36 ] Rudolf Steiner: This is a very important principle that can also be applied to other subjects. It is a good teaching principle, but in a sense, it is beneficial for all students in physics class. It doesn’t directly address the question of what to do with struggling students. Because in physics, even struggling students—especially girls—will put up some resistance to such an approach.
Friedrich Oehlschlegel: Ich habe mir fünf Ursachen notiert, die schuld daran sind, dass die Kinder Zurückbleiben: die Schwärmerei für den Lehrer, von der wir gestern sprachen; ein ausgesprochenes Temperament, wo der physische Leib oder andere Leiber zu sehr dominieren, sodass das betreffende Temperament an Schwachsinn oder Wahnsinn grenzt; dann körperliche Ursachen wie Hypertrophie von Mandeln oder ungenügende Ernährung; dann Ablenkung durch Spiel; vielleicht Untugenden, die die Knaben sich angewöhnt haben. - Wenn ein Kind sich nicht begeistern kann für die Natur, das heißt für die verschiedenen Gesteine, würde ich vielleicht dem Kinde von den verschiedenen Bodenarten sprechen, auf denen der Apfel besser oder schlechter gedeiht, und daran anknüpfen von den verschiedenen Gesteinen. Da die Ernährung eine sehr wichtige Rolle spielt, würde ich Herrn Dr. bitten, uns doch noch etwas zu sagen über die Wirkung der verschiedenen Nahrungsmittel auf den Körper.
Friedrich Oehlschlegel: I have noted five causes that are to blame for children falling behind: the infatuation with the teacher that we discussed yesterday; a pronounced temperament in which the physical body or other bodily aspects dominate to such an extent that the temperament in question borders on mental deficiency or insanity; then physical causes such as enlarged tonsils or inadequate nutrition; then distraction caused by play; and perhaps bad habits that the boys have picked up. - If a child cannot get excited about nature—that is, about the various types of rock—I might perhaps talk to the child about the different types of soil in which apples thrive better or worse, and then tie that in with the various types of rock. Since nutrition plays a very important role, I would ask Dr. [Name] to tell us a little more about the effects of various foods on the body.
[ 37 ] Rudolf Steiner: Zum Teil habe ich ja schon vorhin einiges gesagt, zum Teil können Sie auch manches an den verschiedenen Stellen meiner Vorträge finden. Es würde vielleicht heute zu weit führen, alle Einzelheiten nach dieser Richtung zu sagen. Namentlich aber sollte man vermeiden, bei Kindern solche Dinge wie Tee und Kaffee zu bieten.
[ 37 ] Rudolf Steiner: I’ve already said a few things about this earlier, and you can also find some information on this topic in various parts of my lectures. It might take us too far afield today to go into all the details on this subject. In particular, however, one should avoid offering children things like tea and coffee.
[ 38 ] Tee macht die Gedanken so, daß sie nicht beieinander bleiben wollen, daß sie sich fliehen. Daher ist Tee ganz gut für die Diplomaten, die immer schwätzen sollen, und die nicht einen Gedanken logisch aus dem anderen herausentwickeln wollen. Man sollte vermeiden, daß Kinder zu dieser Gedankenflucht veranlaßt werden durch den Teegenuß.
[ 38 ] Tea makes one's thoughts so scattered that they refuse to stay together; they flee from one another. That is why tea is quite good for diplomats, who are always expected to chatter and who do not wish to develop one thought logically from another. One should avoid allowing children to be led into this flight of thought by drinking tea.
[ 39 ] Aber auch Kaffee ist nicht gut für die Kinder, weil sie dadurch die Anlage in sich aufnehmen, zu pedantisch zu werden. Kaffee ist ja ein gewohntes Mittel der Journalisten, wodurch sie einen Gedanken aus dem anderen heraussaugen können. Das sollte man bei Kindern nicht kultivieren. Da sollte sich in der Gedankenentwickelung auf naturgemäße Weise immer eines aus dem anderen ergeben. Kaffee und Tee, das sind Dinge, die zu denen gehören, die man vermeiden soll.
[ 39 ] But coffee isn’t good for children either, because it instills in them a tendency to become too pedantic. Coffee is, after all, a common tool of journalists, allowing them to extract one thought from another. This should not be encouraged in children. In their mental development, one thought should always arise naturally from the next. Coffee and tea are among the things that should be avoided.
[ 40 ] Dinge, die man [als] besonders wichtig für Kinder ansehen kann, sind insbesondere alles dasjenige, was an der Pflanze grün ist; auch Milch. Womöglich wenig schwarzes Fleisch; nur helles Fleisch sollte man geben. Wenn Sie schon durchaus diese Dinge wissen wollen, die sich auf die Ernährung beziehen.
[ 40 ] Things that can be considered particularly important for children include, in particular, everything green on a plant; milk, too. Perhaps very little dark meat; only light meat should be given. If you really want to know these things related to nutrition.
Paul Baumann: Ich glaube, dass einem Mangel an physikalischer Interessefähigkeit vielleicht abgeholfen werden könnte dadurch, dass man das Kind auf Musik, besonders auf Harmonie und auf die Verhältnisse der Töne untereinander, hinlenkt. Hier könnte also in ähnlicher Weise abgeholfen werden, wie es vorhin von Herrn Dr. erwähnt wurde, in Bezug auf Zahlenmäßiges, auf Mathematik und Turnen. Nun möchte ich nur noch im Allgemeinen zusammenfassend mit einem musikalischen Ausdruck sagen, dass ich versuchen würde, in den Kindern zu erwecken das Gefühl für Rhythmus oder Harmonie innerhalb des ganzen Zusammenhanges dessen, was sie wissen und sind. Ich würde in vielen Fällen vielleicht dadurch etwas erreichen, dass ich ein Kind, das unbegabt ist, einmal dahin bringe, dass es den richtigen Zusammenhang oder Rhythmus desjenigen, was es lernen soll, begreift. Es ist ja in den meisten Fällen so, dass die Kinder nicht ganz unbegabt sind; so wenig wie es ganz blinde oder ganz taube Kinder gibt. Man muss das Kind hineinzuführen versuchen in den Geist der Wissenschaft, die ihm nahegebracht werden soll. Es ist gut, mit kleinen Dingen, gewissermaßen mit kleinen Rhythmen anzufangen, um dem Kind zu zeigen, wie sich der große Zusammenhang aufbaut.
Paul Baumann: I believe that a lack of interest in physics could perhaps be remedied by directing the child’s attention to music—especially to harmony and the relationships between sounds. Here, then, a remedy could be found in a similar way to what Dr. [Name] mentioned earlier regarding numerical concepts, mathematics, and physical education. Now, to summarize in general terms using a musical expression, I would say that I would try to awaken in children a sense of rhythm or harmony within the overall context of what they know and are. In many cases, I might achieve something by helping a child who lacks natural talent to grasp the proper context or rhythm of what they are supposed to learn. After all, in most cases, children are not entirely ungifted—just as there are no children who are completely blind or completely deaf. One must try to introduce the child to the spirit of the subject that is to be taught. It is good to begin with small things—with small rhythms, so to speak—to show the child how the larger context is structured.
Caroline von Heydebrand: Ich habe nicht mehr viel Neues. Wenn die Kleinen nicht schreiben lernen können, kann es sich darum handeln, dass entweder die Hände ungeschickt sind oder das Kind schwer begreift, was man ihm vormalt. In ersterem Falle viel mit dem Kind üben und den Turnlehrer oder Eurythmielehrer veranlassen, Übungen für Hände und Finger zu geben. Wenn das Kind schwer begreift, [sich] viel mit ihm abgeben und auch sehen, ob es in anderen Lehrfächern mitkommt. Auch sonst prüfen, was es begreift. Wenn man sich nun mit unbegabten Kindern zu viel abgibt, würde die Schwierigkeit entstehen, dass die andern Kinder in der Zeit nicht beschäftigt werden. Ich dachte auch an kleine Gruppen, wo die Kinder sich selbst unterrichten gegenseitig.
Caroline von Heydebrand: I don’t have much new to add. If the little ones can’t learn to write, it may be because either their hands are clumsy or the child has difficulty understanding what is being demonstrated to them. In the former case, practice a lot with the child and ask the physical education or eurythmy teacher to provide exercises for the hands and fingers. If the child has difficulty understanding, spend a lot of time with them and also see if they’re keeping up in other subjects. Check in other ways as well to see what they do understand. However, if you spend too much time with children who lack aptitude, the problem arises that the other children won’t be engaged during that time. I’ve also thought about small groups where the children teach one another.
[ 41 ] Rudolf Steiner: Ich bitte, das durchaus nicht zu überschätzen, was die übrigen Kinder dadurch verlieren, daß man sich mit etwas schwächer begabten abgibt. Es ist in der Regel gar nicht so furchtbar viel verloren, wenn man es nur dahin bringt, daß die begabten Kinder auf dasjenige, wofür einzelne unbegabter sind, auch Aufmerksamkeit verwenden, wenn man es in der Weise vorbringt, wie man es für unbegabte Kinder vorbringen soll. Es ist damit wirklich nicht so furchtbar viel verloren für die begabteren Kinder. Findet man den richtigen Takt, um den schwächeren Kindern die Dinge vorzuführen, so profitieren aus irgendeiner Ecke heraus auch die begabteren Kinder dadurch.
[ 41 ] Rudolf Steiner: I would ask that you not overestimate what the other children lose by spending time with those who are somewhat less gifted. As a rule, not all that much is lost if one can simply get the gifted children to pay attention to the areas in which some children are less gifted—provided one presents it in the way one should present it to less gifted children. So really, the more gifted children don’t lose all that much. If you find the right approach to presenting things to the less gifted children, the more gifted children will also benefit from it in one way or another.
Leonie von Mirbach: Ich möchte in Bezug auf einzelne Temperamente noch etwas sagen. Bei mangelndem Interesse würde ich immer künstlerische Eindrücke zu Hilfe nehmen. Bei mangelnder Fähigkeit, Steine zu behalten, ist mir ein Fall bekannt, bei dem das zusammengeht mit einer Schwierigkeit im Behalten von Formen überhaupt. Solche Kinder behalten auch Melodien nicht.
Leonie von Mirbach: I’d like to add something regarding individual temperaments. In cases of a lack of interest, I would always turn to artistic impressions for help. In cases where a child has difficulty retaining stones, I know of one instance where this goes hand in hand with a general difficulty in retaining shapes. Such children also have trouble retaining melodies.
Melancholische Kinder kommen einfach nicht mit, weil sie mit eigenen Angelegenheiten zu viel beschäftigt sind. Da würde ich nicht scheuen, die Kinder vorzunehmen und zu versuchen, an ihre besonderen Gedankengänge und Interessen anzuknüpfen. Das Nachhausekommenlassen würde ich zu vermeiden suchen. Ich würde auch nicht gegen den Abschluss des Jahres einzelne begabte Schüler beauftragen, den Unbegabten zu helfen, denn gewöhnlich springt mehr dabei für die Helfenden heraus als für die, die Hilfe brauchen. Vielleicht könnte man die Einrichtung treffen, innerhalb der Temperamente Begabte und Unbegabte zusammenzusetzen, sodass sie sich von selber im Unterricht helfen. Von Zeit zu Zeit würde ich Gruppen bestimmen, in denen man die Temperamente ordnen könnte, eine Aufgabe gemeinsam zu machen. Und die Einzelnen wären verantwortlich, dass jedes Kind die gestellte Aufgabe leisten kann.
Melancholic children simply can’t keep up because they’re too preoccupied with their own thoughts. In that case, I wouldn’t hesitate to take the children aside and try to connect with their unique ways of thinking and interests. I would try to avoid sending them home. Nor would I, at the end of the year, assign gifted students to help the less gifted, because usually those who help benefit more than those who need help. Perhaps we could arrange for gifted and less gifted students to be grouped together according to their temperaments, so that they help each other naturally during class. From time to time, I would assign groups in which students of different temperaments could be organized to work on a task together. And the individual students would be responsible for ensuring that every child is able to complete the assigned task.
[ 42 ] Rudolf Steiner: Sie haben besonders die Schwierigkeit herausgefunden, die da besteht mit Bezug auf solche Kinder, die keine Auffassung und kein Behaltvermögen für Formen haben. Nun muß man da unterscheiden, Formen, die mit dem Organischen in Verbindung stehen, und Formen, die mit Mineralischem in Verbindung stehen, denen wirklich parallelgehen Melodieformen. Nun handelt es sich darum, daß man es da doch zu tun hat mit einem sehr, sehr radikalen Fehler, einem großen Fehler in der Entwickelung des Menschen, und daß man schon darauf bedacht sein muß, diesen Fehler gründlich zu heilen.
[ 42 ] Rudolf Steiner: You have particularly identified the difficulty that exists with regard to children who lack the ability to perceive and retain forms. Now one must distinguish between forms connected with the organic realm and forms connected with the mineral realm, which truly correspond to melodic forms. The point is that we are dealing here with a very, very radical error—a major error in human development—and that we must be determined to thoroughly remedy this error.
[ 43 ] Nun wird man sehr viel erreichen für das Behalten von organischen Naturformen, von Tier- und Pflanzenformen, wenn man versucht, die charakteristischen Dinge karikiert in der Zeichnung hervorzuheben, wenn man geradezu bei Tier- und Pflanzenformen - nicht geschmacklos, sondern geschmackvoll, aber doch auffällig - die Kinder Karikaturen behalten läßt, so daß sie auf diesem Umweg, Karikaturen zu behalten, das andere dann auch behalten. Also so könnte man eine Maus behalten lassen. Vielleicht noch die Zähne und die Schnurrhaare.
[ ] Now, one can achieve a great deal in preserving organic natural forms—animal and plant forms—by trying to emphasize their characteristic features through caricature in drawings; by allowing children to keep caricatures of animal and plant forms—not in a tasteless way, but tastefully, yet strikingly—so that, through this roundabout way, by drawing caricatures, they also retain the other features. So this is how one could help them remember a mouse. Perhaps even the teeth and the whiskers.


[ 44 ] Dann gibt es noch eine Möglichkeit für das Formauffassen; Man lasse das, was die Kinder von außen nicht begreifen können, von innen begreifen. Sagen wir zum Beispiel, ein Kind kann ein Parallelepipedon, ein von sechs Parallelogrammen begrenzter Körper, nicht von außen verstehen. Es behält das nicht. Man sagt dem Kind: «Stelle dich dir einmal als einen ganz kleinen Zwerg vor, daß du da hereinkommst. Dann ständest du da drinnen wie in einem Zimmer.» Man läßt es von innen auffassen, was es von außen nicht auffassen kann. Das kann es. Aber das muß man furchtbar oft mit dem Kinde wiederholen.
[ 43 ] There is also another way to approach the concept of shape: let the children grasp from the inside what they cannot grasp from the outside. Let’s say, for example, that a child cannot understand a parallelepiped—a solid bounded by six parallelograms—from the outside. The child does not retain that concept. You tell the child: “Imagine for a moment that you’re a tiny little dwarf stepping inside it. Then you’d be standing in there as if in a room.” You let the child grasp from the inside what it cannot grasp from the outside. It can do that. But you have to repeat this with the child an awful lot of times.
[ 45 ] Bei solchen Formen, die auch im Mineral auftreten, ist das verhältnismäßig leicht zu erreichen. Schwieriger ist es schon, wenn es sich um das Auffassen des Farbigen oder sonstiger Eigenschaften des Minerals handelt. Da kommt man dem Verständnis einfach dadurch bei, daß man das Kleine von dem Kind recht groß vorstellen läßt. Also irgendeinen kleinen gelben Kristall läßt man wie einen riesigen kristallisierten Körper oftmals vorstellen.
[ 44 ] With such shapes, which also occur in minerals, this is relatively easy to achieve. It is more difficult, however, when it comes to grasping the color or other properties of the mineral. Here, one can facilitate understanding simply by having the child create a mental image of the small object as quite large. For example, one often has the child create a mental image of a small yellow crystal as a gigantic crystallized body.
[ 46 ] Wenn es sich aber nun um Zeitliches handelt, um die Musik, da ist die Sache nicht so leicht. Wenn Sie da karikierend eingreifen wollen, da können Sie nur dadurch etwas erreichen — wenn noch gar nichts erreicht wird dadurch, daß Sie die räumliche Formauffassung verbessern —, daß Sie es geradezu rechnerisch dahin bringen, die Intervalle furchtbar zu vergrößern, die Töne recht lang wirken zu lassen, und durch die zeitliche Vergrößerung der Verhältnisse zwischen den Tönen eben auch die Melodie recht groß, als eine große, mächtige Wirkung vorzuführen. Dann können Sie etwas erreichen. Sonst werden Sie da überhaupt nicht viel verbessernd einwirken können.
[ 45 ] But when it comes to something temporal, such as music, the matter is not so simple. If you want to intervene in a caricatured way here, you can only achieve something—even if nothing is achieved simply by improving the spatial conception of form—by taking a downright mathematical approach: greatly enlarging the intervals, making the notes seem quite long, and, through the temporal expansion of the relationships between the notes, presenting the melody as something truly grand, with a powerful impact. Then you can achieve something. Otherwise, you won’t be able to have much of a positive impact at all.
[ 47 ] Nun bitte ich Sie, folgende Fragen für morgen aufzuschreiben. Erstens: Wie kann ich die höheren Pflanzen naturgeschichtlich behandeln aus demselben Geiste heraus, wie ich das gestern für Tiere gezeigt habe, für Tintenfisch, Maus, Mensch?
[ 46 ] Now I ask you to write down the following questions for tomorrow. First: How can I approach the study of higher plants from a natural history perspective in the same spirit as I demonstrated yesterday for animals—for the octopus, the mouse, and humans?
[ 48 ] Zweitens: Wie kann ich Moose, Schwämme, Flechten in diesen Unterricht einfügen? Es werden sich diese beiden Fragen wahrscheinlich zusammen ergeben.
[ 47 ] Second: How can I incorporate mosses, sponges, and lichens into this lesson? These two questions will likely come up together.
[ 49 ] Also die Pflanzen behandeln von demselben Gesichtspunkte aus, den ich gestern angeführt habe, darüber bitte ich Sie nachzudenken. Also nicht um anschaulichen Unterricht handelt es sich, sondern um Uhnterricht nach dem neunten Jahr, wo der Naturunterricht eingreift.
[ 48 ] So, please consider treating plants from the same perspective I mentioned yesterday. This is not about visual instruction, but rather about instruction after the ninth grade, when natural science comes into play.
[Rudolf Treichler wird gebeten, die Zusammenfassung des Besprochenen zu übernehmen.]
[Rudolf Treichler is asked to summarize the discussion.]
