The Art of Education
GA 295
2 September 1919, Stuttgart
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Elfte Seminarbesprechung
Eleventh Seminar Discussion
[ 1 ] Rudolf Steiner: Bei der sprachlichen Übung, die wir hier vornehmen, handelt es sich ja hauptsächlich um ein Geschmeidigmachen der Sprachorgane.
[ 1 ] Rudolf Steiner: The speech exercise we are doing here is primarily about making the speech organs more supple.
[ 2 ] Sprechübungen:
[ 2 ] Speaking exercises:
Ketzer petzten jetzt kläglich
Letztlich leicht skeptisch
Heretics are now whining pitifully
Ultimately, a bit skeptical
[ 3 ] Man sollte sich gewöhnen, daß die Zunge es wie von selbst sagt.
[ 3 ] You should get used to letting your tongue say it naturally.
Zuwider zwingen zwar
Zweizweckige Zwacker zu wenig
Zwanzig Zwerge
Die sehnige Krebse
Sicher suchend schmausen
Daß schmatzende Schmachter
Schmiegsam schnellstens
Schnurrig schnalzen
Though they force themselves against their will
Dual-purpose Zwackers are too few
Twenty dwarves
The sinewy crabs
Feast, searching for safety
So that the smacking, yearning ones
Cuddle up as quickly as possible
And purr with delight
[ 4 ] Ganz vollkommen sind diese letzten Dinge nur, wenn sie auswendig gesagt werden, ebenso das vorige.
[ 4 ] These last points are only completely accurate when recited from memory, just like the previous one.
[ 5 ] Aus «Wir fanden einen Pfad» von Christian Morgenstern:
[ 5 ] From “We Found a Path” by Christian Morgenstern:
Wer vom Ziel nicht weiß,
Kann den Weg nicht haben,
Wird im selben Kreis
All sein Leben traben;
Kommt am Ende hin,
Wo er hergerückt,
Hat der Menge Sinn
Nur noch mehr zerstückt.
Whoever does not know the destination,
Cannot find the path,
Will trot in the same circle
All his life;
Arrives in the end
Where he started,
Having only further fragmented
The meaning of the whole.
Rudolf Steiner: Jetzt wollen wir zu unserer Aufgabe gehen, an der wir ja schon lange nagen.
Rudolf Steiner: Now let’s get to the task we’ve been mulling over for quite some time.
Rudolf Meyer gibt ein Verzeichnis von Seelenstimmungen und von den Pflanzen, die diesen Stimmungen zuzuteilen wären.
Rudolf Meyer provides a list of states of mind and the plants that correspond to them.
| Seelenstimmung: | Pflanze: |
|---|---|
| Meditationsstimmung fromme Hingabe Reinheit reine Liebe |
Karthäusernelke Glockenblume, Maiglöckel Heckenrose Rosa Centifolia |
| Mood of the Soul: | Plant: |
|---|---|
| Meditative mood pious devotion purity pure love |
Carthusian carnation bellflower, lily of the valley wild rose Rosa centifolia |
(So eine lange Reihe fortgesetzt.)
(Continuing such a long series.)
[ 6 ] Rudolf Steiner: Sehen Sie, alle diese vorgebrachten Dinge sind so, dass sie einen erinnern an die Zeit der Phrenologie, wo man in beliebiger Weise zusammengelesen hat menschliche Seeleneigenschaften, und dann allerlei Erhebungen am Kopfe gesucht und diese mit menschlichen Seeleneigenschaften zusammengebracht hat. Nicht wahr, so sind aber die Dinge nicht, obwohl das menschliche Haupt durchaus als Ausdruck gefasst werden kann der Seelenbildung. Man kann sagen, wenn jemand eine ganz stark vorspringende Stirn hat, so kann er ein Philosoph sein, während er mit nach hinten fliehender Stirn [Figur 2], wenn er begabt ist, ein Künstler werden kann. Man kann nicht sagen, der Künstler «sitzt» irgendwo, aber man kann mit der Empfindung unterscheiden, was in das eine oder andere hineinfließt. Nun handelt es sich darum, dass man die Seele in dieser Weise anschaut: Intellektualisch, das treibt in die Stirn hinein; was mehr künstlerisch ist, das lässt die Stirn verlaufen. - So ist es auch bei diesem Suchen unter den Pflanzen. Ich meine, man sollte nicht so äußerlich suchen, sondern man sollte mehr ins Innere eindringen und die tatsächlichen Verhältnisse schildern.
[ 6 ] Rudolf Steiner: You see, all these things that have been brought up are such that they remind one of the era of phrenology, when people arbitrarily compiled a list of human soul qualities, then looked for all sorts of protrusions on the head, and correlated these with human soul qualities. Isn’t that right? But that’s not how things are, even though the human head can certainly be understood as an expression of the soul’s development. One might say that if someone has a very prominent forehead, they might be a philosopher, whereas someone with a receding forehead [Figure 2], if they are gifted, might become an artist. One cannot say that the artist “resides” anywhere, but one can intuitively discern what flows into one or the other. The point is to view the soul in this way: the intellectual drives into the forehead; what is more artistic causes the forehead to recede. - The same is true of this search among plants. I mean, one should not search so superficially, but rather penetrate deeper into the inner nature and describe the actual conditions.




Walter Johannes Stein macht Ausführungen dazu [Sinne der Erde - Pflanzen, vor allem Fühl-Sinne].
Walter Johannes Stein discusses this topic [The Senses of the Earth—Plants, Especially the Sensory Senses].
[ 7 ] Rudolf Steiner: Nicht wahr, wenn Sie zu sehr nur nach den Sinnen sehen, werden Sie den Gesichtspunkt etwas verrücken. Die Sinne kommen insofern in Betracht, als von jedem Sinn aus etwas in unserer Seele lebt, was von diesem Sinn wahrgenommen wird. Wir verdanken zum Beispiel dem Sehsinn eine Anzahl von seelischen Erlebnissen; anderen Sinnen verdanken wir andere Erlebnisse der Seele, die von den Sinnen herkommen. Da können wir dann Erlebnisse in unserer Seele zurückdatieren zu diesen Sinnen. Dadurch kommt der Sinn in Zusammenhang mit dem Seelischen. Aber direkt sollte man nicht für die Pflanzen geltend machen, daß sie die Sinne der Erde ausdrücken. Das tun sie nicht.
[ 7 ] Rudolf Steiner: Isn’t it true that if you rely too much on the senses alone, you will shift your perspective somewhat? The senses are relevant insofar as, from each sense, something lives within our soul that is perceived by that sense. For example, we owe a number of soul experiences to the sense of sight; we owe other soul experiences—which originate in the senses—to the other senses. We can then trace these experiences in our soul back to these senses. In this way, the sense becomes connected to the soul. But one should not directly claim that plants express the senses of the earth. They do not.
Hermann Heisler: [Efeu - Beharrlichkeit, Christrose - Alterspflanze, ...] führt Beispiele an aus den Schriften von Emil Schlegel, dem homöopathischen Arzt in Tübingen.
Hermann Heisler: [Ivy—perseverance, Christmas rose—plant of old age, ...] cites examples from the writings of Emil Schlegel, the homeopathic physician in Tübingen.
[ 8 ] Rudolf Steiner: Auch Schlegel vergleicht noch zu äußerlich. Er geht dabei zurück auf das, was bei den Mystikern zu finden ist, bei Jakob Böhme und anderen, auf die sogenannten «Signaturen». Die mittelalterlichen Mystiker kannten gewisse Beziehungen zur seelischen Welt und hatten daraus auch tiefere medizinische Gesichtspunkte. Wenn man findet: diese bestimmte Pflanzengruppe steht in Beziehung zu einer seelischen Eigenschaft — zum Beispiel Pilze stehen in besonderer Beziehung zu der seelischen Eigenschaft des viel Nachdenkens, des viel Überlegens, des So-seelisch-Lebens, daß man zu diesem seelischen Erleben nicht viel braucht aus der Außenwelt, sondern alles mehr aus sich selbst herauspumpt -, dann wird man wiederum finden, daß diese seelische Eigenschaft, die im Grunde genommen auf die Pilze hinweist, sehr intime Beziehungen zu allen kopfschmerzartigen Krankheiten hat. Daraus wird man auf Beziehungen von Pilzen zu kopfschmerzartigen Krankheiten kommen. In der Tierlehre kann man diese Vergleiche nicht so machen.
[ 8 ] Rudolf Steiner: Even Schlegel still makes comparisons that are too superficial. In doing so, he draws on what is found among the mystics—such as Jakob Böhme and others—namely the so-called “signatures.” The medieval mystics were aware of certain connections to the spiritual world and, based on this, also developed deeper medical insights. If one finds that a certain group of plants is related to a spiritual quality—for example, mushrooms have a special relationship to the spiritual quality of deep reflection, of much contemplation, of a way of living so deeply rooted in the soul that one does not need much from the external world for this spiritual experience, but rather draws everything more from within oneself— then one will in turn find that this soul quality, which essentially points to mushrooms, has very intimate connections to all headache-like ailments. From this, one will arrive at connections between mushrooms and headache-like ailments. In zoology, one cannot make such comparisons.
[ 9 ] Eine ordentliche Anordnung der Pflanzen gibt es heute noch nicht. Sie müssen versuchen, gerade durch die Beziehungen des menschlichen Seelischen zu den Pflanzen Ordnung in das Pflanzenleben selbst hineinzubekommen. Wir wollen eine Ordnung des Pflanzenreiches haben.
[ 9 ] There is still no proper order among plants today. You must try to bring order into plant life itself precisely through the relationships between the human soul and the plants. We want to have an order in the plant kingdom.
[ 10 ] Sie müssen zuerst an der Pflanze unterscheiden dasjenige, was berechtigte Teile an der Pflanze sind: Wurzel, Stengel, der zum Stamm auswachsen kann, Blätter, Blüten, Früchte. Die Pflanzen gliedern sich so in der Welt, daß bei der einen Pflanzengattung mehr die Wurzel ausgebildet ist; das andere verkümmert. Bei anderen sind mehr die Blätter ausgebildet, bei anderen mehr die Blüten; sie sind fast nur Blüte. Die Dinge müssen verhältnismäßig genommen werden. Wir bekommen eine Gliederung der Pflanzen, indem wir darauf sehen, welche Organsysteme, Wurzel, Stamm, Blatt und so weiter überwiegen, dadurch unterscheiden sich die Pflanzen in gewisser Beziehung voneinander. Wenn Sie nun alles Blütenhafte als zu einer gewissen Seeleneigenschaft gehörig erkennen, so werden Sie auch die anderen Organsysteme wiederum anderen Seeleneigenschaften zuteilen müssen. So daß es also eins und dasselbe ist, einzelne Teile zu den Seeleneigenschaften zu rechnen, und das ganze Pflanzenreich dazuzurechnen. Das ganze Pflanzenreich ist eigentlich wiederum eine einzige Pflanze.
[ 10 ] You must first distinguish the parts of the plant that are essential: the root, the stem (which can grow into a trunk), the leaves, the flowers, and the fruits. Plants are classified in such a way that in one genus, the root is more developed, while in another, it is stunted. In others, the leaves are more developed; in still others, the flowers are more prominent—they consist almost entirely of flowers. These characteristics must be considered in proportion. We arrive at a classification of plants by observing which organ systems—root, stem, leaf, and so on—predominate; this is how plants differ from one another in a certain respect. If you now recognize everything that is flower-like as belonging to a certain soul quality, then you will also have to assign the other organ systems to other soul qualities. Thus, it is one and the same thing to attribute individual parts to soul qualities and to include the entire plant kingdom in this. The entire plant kingdom is, in fact, a single plant.
[ 11 ] Wie ist es denn eigentlich mit dem Schlafen und Wachen der Erde? Jetzt schläft die Erde bei uns, aber bei den Gegenfüßlern erwacht sie. Sie trägt den Schlaf auf die andere Seite. Daran nimmt natürlich auch die Pflanzenwelt teil, und das bedingt auch Unterschiede der Vegetation. Da bekommen Sie dann die Möglichkeit, nach dieser räumlichen Verteilung von Schlafen und Wachen auf der Erde, das heißt nach Sommer und Winter, eine Gliederung, eine Einteilung der Pflanzen herauszubekommen. Es ist ja unsere Vegetation nicht dieselbe wie beim Gegenfüßler. Wir werden hier nur Rücksicht nehmen auf die schlafende und wachende Seele, wie wir sie bei uns kennen. Zu den Blättern gehört bei den Pflanzen alles; alles an ihnen ist umgewandeltes Blatt.
[ 11 ] What exactly is going on with the Earth’s sleeping and waking cycles? Right now, the Earth is sleeping here, but it is waking up for those on the opposite side of the globe. It carries sleep to the other side. Of course, the plant world also participates in this, and this also accounts for differences in vegetation. This gives you the opportunity to discern a structure, a classification of plants, based on this spatial distribution of sleep and wakefulness on Earth—that is, based on summer and winter. After all, our vegetation is not the same as that of the “opposite-footed ones.” Here we will consider only the sleeping and waking soul as we know it. In plants, everything belongs to the leaves; everything about them is a transformed leaf.
Rudolf Treichler vergleicht Pflanzengruppen mit Temperamenten.
Rudolf Treichler compares groups of plants to temperaments.
| Sanguinisch Melancholisch Phlegmatiker Cholerisch |
- Blumen, also keine Bäume. - Glockenblume, - Bäume - |
| Sanguine Melancholic Phlegmatic Choleric |
- Flowers, not trees. - Bellflower, - Trees - |
Wohl jemand anders stellt zusammen:
It seems someone else is putting this together:
| Sanguinisch Melancholisch Phlegmatiker Cholerisch |
- Kräuter - Wasserpflanzen - Krüppelpflanzen - Bäume] |
| Sanguine Melancholic Phlegmatic Choleric |
- Herbs - Aquatic plants - Dwarf plants - Trees] |
[ 12 ] Rudolf Steiner: Man kommt auf eine schiefe Ebene, wenn man die Ternperamente unmittelbar auf das Pflanzenreich bezieht.
[ 12 ] Rudolf Steiner: One ends up on a slippery slope when one applies the temperaments directly to the plant kingdom.
[ 13 ] Wir wollen einmal folgendes sagen; wir sind ja nach unserem Lehrplan, wenn wir das Pflanzenreich zu lehren anfangen, gegen das elfte Jahr der Kinder. Wir sagen: «Kinder! Ihr waret doch nicht immer so groß, als ihr jetzt seid. Ihr habt eine ganze Menge gelernt, was ihr früher nicht gekonnt habt. Ihr waret, wie euer Leben angefangen hat, klein und ungeschickt und habt das Leben noch nicht führen können. Damals konntet ihr, wie ihr noch ganz klein waret, noch nicht einmal sprechen. Ihr konntet auch noch nicht gehen. Ihr habt vieles nicht gekonnt, was ihr jetzt könnt. Besinnen wir uns einmal alle, denken wir zurück an die Eigenschaften, die ihr gehabt habt, wie ihr ganz kleine Kinder waret. Könnt ihr euch erinnern an die Eigenschaften, die ihr da gehabt habt? Könnt ihr euch erinnern? Könnt ihr euch erinnern, was ihr da getan habt?» Man fragt so fort, bis alle einsehen und «nein» sagen.
[ 13 ] Let’s put it this way: according to our curriculum, we begin teaching the plant kingdom when the children are around the age of eleven. We say: “Children! You weren’t always as big as you are now. You’ve learned a great deal that you couldn’t do before. When your lives began, you were small and clumsy and couldn’t yet manage on your own. Back then, when you were still very small, you couldn’t even speak. You couldn’t walk yet either. There were many things you couldn’t do that you can do now. Let’s all take a moment to reflect—let’s think back to the traits you had when you were very little children. Can you remember the traits you had back then? Can you remember? Can you remember what you used to do?” You keep asking questions like this until everyone realizes it and says “no.”
[ 14 ] «Ihr wißt also alle nichts über dasjenige, was ihr getan habt, wie ihr ganz kleine Pürzelchen waret. — Ja, liebe Kinder, gibt es nicht noch etwas anderes in euch, von dem ihr auch nicht wißt hinterher, was ihr getan habt?» Die Kinder denken nach. Vielleicht ist einer dabei, der darauf kommt, andernfalls führt man sie darauf hin. Es kann dann die Antwort kommen von einem: «Wie ich geschlafen habe.» - «Ja, es geht euch also da gerade so, wenn ihr klein seid, wie wenn ihr im Bett liegt und schlaft. Da schlaft ihr also als ganz kleine Sputzi, und da schlaft ihr, wenn ihr im Bett liegt.
[ 14 ] “So none of you remember anything about what you did when you were just little toddlers. — Yes, dear children, isn’t there something else inside you that you don’t remember doing afterward either?” The children think for a moment. Perhaps one of them will come up with an answer; if not, guide them toward it. One of them might then reply: “How I slept.” — “Yes, so when you’re little, it’s just like when you’re lying in bed and sleeping. You sleep then as tiny little ones, and you sleep when you’re lying in bed.
[ 15 ] Nun gehen wir in die Natur hinaus und suchen etwas, was da draußen in der Natur so schläft, wie ihr geschlafen habt, als ihr noch ein ganz kleines Sputzi waret. Ihr könnt natürlich nicht selber draufkommen, aber diejenigen, die so etwas wissen, die wissen, daß so fest, wie ihr schlaft, wenn ihr ein ganz kleines Sputzi seid, alles das schläft, was ihr im Walde als Pilze und Schwämme finder. Pilze, Schwämme, sind kindschlafende Seelen.
[ 15 ] Now let’s go out into nature and look for something out there that sleeps just the way you used to when you were a tiny little Sputzi. Of course, you can’t figure this out on your own, but those who know such things know that everything you find in the forest—like mushrooms and sponges—sleeps just as soundly as you do when you’re a tiny little Sputzi. Mushrooms and sponges are souls that sleep like children.
[ 16 ] Jetzt kam die Zeit, wo ihr sprechen und gehen gelernt habt. Ihr wißt das von euren kleinen Geschwistern, daß man zuerst sprechen und gehen lernt. Das Sprechen zuerst und dann das Gehen, oder das Gehen zuerst und dann das Sprechen. Da ist eine Eigenschaft, die eure Seele dazubekommt, die habt ihr von Anfang an nicht gehabt. Ihr habt etwas dazugelernt, ihr könnt dann mehr, wenn ihr gehen und sprechen könnt.
[ 16 ] Now came the time when you learned to speak and walk. You know from your younger siblings that you learn to speak and walk first. Speaking first and then walking, or walking first and then speaking. There is a quality that your soul acquires—one you didn’t have from the beginning. You’ve learned something new; you’re capable of more once you can walk and speak.
[ 17 ] Jetzt gehen wir in die Natur hinaus und suchen uns wiederum etwas, was auch mehr kann als die Schwämme und Pilze. «Das sind Algen» ich muß jetzt dem Kinde etwas von Algen vorführen — «das sind Moose» — ich muß dem Kinde Moose zeigen. — «Was da drinnen in Algen und Moosen ist, das kann schon viel mehr, als was in den Pilzen drinnen ist.»
[ 17 ] Now let’s go out into nature and look for something else that can do more than just sponges and mushrooms. “Those are algae”—I have to show the child something about algae now—“those are mosses”—I have to show the child some mosses.—“What’s inside algae and mosses can do much more than what’s inside mushrooms.”
[ 18 ] Dann zeige ich dem Kinde ein Farnkraut und sage: «Sieh mal, das Farnkraut, das kann noch viel mehr als die Moose. Das Farnkraut, das kann schon so viel, daß man sagen muß, es sieht so aus, wie wenn es schon Blätter hätte. Es ist schon Blattartiges daran. Ja, du erinnerst dich nicht, was du getan hast, als du sprechen und gehen gelernt hast. Da warst du immer ziemlich schlafend. Aber wenn du deine Geschwister anschaust oder andere kleine Kinder, dann weißt du, daß sie dann später nicht mehr so lang schlafen als im Anfang. Aber einmal kam der Zeitpunkt, bis zu dem ihr euch zurückerinnert, wo eure Seele aufwachte. Denkt nur daran! Der Zeitpunkt, der da in eurer Seele gewesen ist, der läßt sich vergleichen mit den Farnen. Aber immer besser könnt ihr euch an euer Seelenleben erinnern, immer besser und besser. Wir wollen uns einmal ganz klar sein darüber, wie ihr dazu gekommen seid, «Ich» zu sagen. Es ist ungefähr der Zeitpunkt, bis zu dem ihr euch erinnern könnt. Aber das «Ich» kam so nach und nach. Zuerst sagtet ihr immer «der Wilhelm», wenn ihr euch selber meintet.» Nun läßt man sich von dem Kinde so etwas erzählen, was es von seiner Kindheit weiß. Dann sagt man zu ihm: «Sieh mal, vorher war es wirklich so in deiner Seele, wie wenn alles schläft; da war es wirklich Nacht in deiner Seele. Aber nun ist sie erwacht. Jetzt ist mehr in dir erwacht als früher, sonst wärest du nicht gescheiter. Aber da mußt du doch noch immer wieder schlafen. Es ist nicht alles in dir erwacht, es schläft noch vieles. Es ist erst ein Teil erwacht.
[ 18 ] Then I show the child a fern and say, “Look, this fern can do so much more than mosses. This fern can already do so much that you have to say it looks as if it already has leaves. It already has leaf-like parts.” Yes, you don’t remember what you did when you were learning to speak and walk. Back then, you were always pretty sleepy. But when you look at your siblings or other little children, you know that later on they don’t sleep as long as they did in the beginning. But there came a point—one you can recall—when your soul awoke. Just think about it! That moment that existed within your soul can be compared to ferns. But you can remember your soul life better and better, better and better. Let’s be very clear about how you came to say “I.” It’s roughly the point in time as far back as you can remember. But the “I” came gradually. At first, you always said “Wilhelm” when you meant yourself.” Now you let the child tell you something about what he knows of his childhood. Then you say to him: “Look, before, it really was like that in your soul—as if everything were asleep; it was truly night in your soul. But now it has awakened. Now more has awakened within you than before; otherwise, you wouldn’t be any smarter. But you still have to go back to sleep again and again. Not everything within you has awakened; much of it is still asleep. Only a part has awakened.
[ 19 ] Deine seelischen Eigenschaften, wie du so vier, fünf Jahre alt geworden bist, die, ja, die kommen dem nahe, was ich dir jetzt zeige.» Wir werden dem Kind irgendwelche Pflanzen vorführen aus der Familie der Gymnospermen, der Nadelhölzer, die sich nur etwas vollkommener gestalten als die Farne, und dann werden Sie dem Kinde sagen: «Sieh einmal, dann gibt es in deinem späteren Seelenleben, wie du sechs oder sieben Jahre alt geworden bist, das, daß du hast in die Schule gehen können, und alle die Freuden, die dir die Schule gebracht hat, die gingen dann in deiner Seele auf.» - Da macht man ihm klar, indem man ihm eine Pflanze aus der Familie der Nadelhölzer, der Gymnospermen vorführt: «Sieh mal, die haben noch keine Blüten. So war es mit deiner Seele, ehe du in die Schule gekommen bist.
[ 19 ] “Your spiritual qualities, as you were around four or five years old—yes, those are quite close to what I’m showing you now.” We will show the child some plants from the gymnosperm family—the conifers—which are only slightly more fully developed than ferns, and then you will say to the child: “Look, then there is this in your later soul life—once you’ve turned six or seven—that you were able to go to school, and all the joys that school brought you blossomed in your soul.” - You make this clear to the child by showing him a plant from the family of conifers, the gymnosperms: “Look, these don’t have any flowers yet. That’s how it was with your soul before you started school.
[ 20 ] Jetzt aber, wo du in die Schule gekommen bist, da kam in deine Seele etwas hinein, was sich nur mit der blühenden Pflanze vergleichen läßt. Aber sieh, da hast du zuerst nur wenig gelernt, wie du so acht, neun Jahre alt warst. Jetzt bis du schon ein ganz gescheites Wesen, schon elf Jahre alt, jetzt hast du schon eine ganze Menge gelernt.
[ 20 ] But now that you’ve started school, something has entered your soul that can only be compared to a blossoming plant. But look, at first you learned very little, when you were about eight or nine years old. Now you’re already quite a clever child, already eleven years old, and you’ve already learned quite a lot.
[ 21 ] Sieh einmal, da reiche ich dir eine Pflanze, die hat solche Blätter, einfach streifennervige (Zeichnung 1). Und da reiche ich dir eine Pflanze, die hat solche Blätter, kompliziertere Blätter, netznervige (Zeichnung 2). Und wenn du die Blüten anschaust, bei denen (Zeichnung 1), da sind sie anders als bei den Pflanzen, die solche Blätter haben (Zeichnung 2). Deren Blüten sind komplizierter, und alles ist komplizierter bei denen, die solche netznervigen Blätter haben (Zeichnung 2), als bei denen, die solche streifennervigen haben (Zeichnung 1).»
[ 21 ] Look, here’s a plant with leaves like this—they have simple, parallel veins (Figure 1). And here’s another plant with leaves like this—more complex leaves with reticulate veins (Figure 2). And if you look at the flowers—the ones in (Figure 1)—they’re different from those of the plants with leaves like this (Figure 2). Their flowers are more complex, and everything is more complex in the plants with reticulate leaves (Figure 2) than in those with parallel-veined leaves (Figure 1.”


[ 22 ] Jetzt weist man dem Kinde so etwas vor wie Herbstzeitlose, Monokotyledonen. Bei denen ist alles einfach. Das vergleicht man mit dem siebenten, achten, neunten Jahre.
[ 22 ] Now the child is introduced to things like autumn crocuses and monocotyledons. With them, everything is simple. This is compared to the seventh, eighth, and ninth years.
[ 23 ] Und dann geht man dazu über, zeigt dem Kinde solche Pflanzen, welche die Blüten oben einfach haben, so daß sie noch nicht ordentliche Blumenblätter haben. Man sagt: «Da hast du Pflanzen, wo du an der Blüte noch nicht unterscheiden kannst grüne Blättchen und farbige Blättchen; solche, wo du die Blättchen unten an der Blüte noch nicht unterscheiden kannst von denen, die die Blüte oben hat. Das bist du! Das bist du jetzt!
[ 23 ] And then you move on to showing the child plants whose flowers are still in their early stages, so that they do not yet have fully formed petals. You say: “Here are plants where you can’t yet tell the difference between the green petals and the colored petals on the flower; ones where you can’t yet tell the petals at the bottom of the flower from those at the top. That’s you! That’s you now!
[ 24 ] Und später, da wirst du noch älter! Wenn du zwölf, dreizehn, vierzehn Jahre alt sein wirst, da wirst du dich vergleichen können mit solchen Pflanzen, die Kelch und Blütenblätter haben. Da wirst du in deiner Seele so sein, daß du unterscheiden kannst grüne Blätter, die man den Kelch nennt, und farbige Blätter, die man die Blumenblätter nennt. Das mußt du aber erst werden»! — So läßt man die Pflanzen unterscheiden in Pflanzen mit einfacher Blütenhülle = elfjährige Kinder, und Pflanzen mit doppelter Blütenhülle = dreizehn- bis vierzehnjährige Kinder. «Das wirst du erst!»
[ 24 ] And later, you’ll get even older! When you’re twelve, thirteen, or fourteen years old, you’ll be able to compare yourself to plants that have sepals and petals. Then, in your soul, you’ll be able to distinguish between green leaves—called sepals—and colored leaves—called petals. But you have to become that first!” — This is how plants are distinguished: those with a simple perianth = eleven-year-old children, and those with a double perianth = thirteen- to fourteen-year-old children. “You’ll become that someday!”
[ 25 ] Und nun können Sie wunderschön dem Kinde irgend zwei, drei Exemplare Moose, Farne, Gymnospermen, Monokotyledonen, Dikotyledonen vorführen. Nun können Sie wunderschön sich ergehen darinnen, daß das Kind sich erinnern soll. Und Sie lassen erzählen vom kleinen vierjährigen Wilhelm, führen das Farnkraut vor, lassen erzählen vom siebenjährigen Fritz und führen da vor die entsprechende Pflanze, lassen erzählen den elfjährigen Ernst und führen die andere Pflanze vor. Sie bringen das Kind dahin, daß es sich besinnt auf die Seeleneigenschaften des werdenden Kindes. Und dann übertragen Sie das ganze Wachstum der werdenden Seele auf die Pflanze, nehmen das zu Hilfe, was ich gestern gesagt habe vom Baum, da bekommen Sie die Seeleneigenschaften parallelisiert mit den entsprechenden Pflanzen.
[ 25 ] And now you can delightfully show the child two or three specimens of mosses, ferns, gymnosperms, monocots, and dicots. Now you can delight in helping the child remember. You can have the child tell the story of little four-year-old Wilhelm, show the fern, have the child tell the story of seven-year-old Fritz and show the corresponding plant, have the child tell the story of eleven-year-old Ernst and show the other plant. You guide the child to reflect on the soul qualities of the child-to-be. And then you transfer the entire growth of the developing soul to the plant, drawing on what I said yesterday about the tree; in this way, you establish a parallel between the qualities of the soul and the corresponding plants.
[ 26 ] Da ist Prinzip darin! Da wird nicht in beliebiger Weise das eine mit dem anderen parallelisiert, wie man es gerade aufliest. Da ist Prinzip darinnen, Gestaltung! Das muß darin sein! Sie bekommen das ganze Pflanzenreich heraus, mit Ausnahme desjenigen, was in der Pflanze entsteht, wenn die Blüte Frucht bringt. Sie machen das Kind aufmerksam, daß aber die höheren Pflanzen aus ihren Blüten Früchte hervorbringen: «Das kann man mit eurer Seele erst vergleichen, wenn ihr aus der Schule herausgekommen seid.» — Alles, was bis zur Blüte geht, kann man nur vergleichen mit dem, was bis zur Geschlechtsreife geht. Den Befruchtungsvorgang, den läßt man draußen für Kinder, den kann man darin nicht haben.
[ 26 ] There is a principle at work here! It’s not a matter of arbitrarily drawing parallels between one thing and another, just as one might happen to come across them. There is a principle in it, a structure! That must be in it! You can derive the entire plant kingdom from it, with the exception of what arises within the plant when the flower bears fruit. You point out to the child that the higher plants, however, produce fruit from their flowers: “You can only compare that to your soul once you have left school.” — Everything up to the point of flowering can only be compared to what happens up to sexual maturity. The process of fertilization—that’s left out for children; it cannot be included here.
[ 27 ] Nun sage ich noch etwa: «Seht, liebe Kinder, wie ihr ganz klein waret, da habt ihr doch eigentlich nur so etwas wie eine schlafende Seele gehabt.» - Nun, je nachdem es ist, erinnert man das Kind daran: «Nun, sieh mal, woran hast du denn deine Hauptfreude gehabt als kleines Kind? Du hast es jetzt vergessen, weil du es verschlafen hast, aber du siehst es jetzt beim Annchen oder Mariechen, bei deinem kleinen Schwesterchen. Woran hat denn das die größte Freude? Zuerst am Schnuller oder der Milchflasche. Nicht wahr, da hat auch die Seele noch die größte Freude am Schnuller oder an der Milchflasche. Dann kommt erst die Zeit bei dem größeren Brüderchen oder Schwesterchen, wo man nicht bloß Freude an der Milchflasche hat, wo man Freude hat, wenn man spielen darf. — Ja, sieh, da habe ich dir zuerst gesprochen von den Pilzen, von den Algen, von den Moosen. Die haben fast alles, was sie haben, von der Erde. Wir müssen in den Wald gehen, wenn wir sie kennenlernen wollen. Da wachsen sie, wo es feucht ist, wo es schattig ist. Die getrauen sich nicht recht heraus in die Sonne. Das ist so, wie deine Seele war, als du dich noch nicht herausgetrautest zum Spielen, sondern mit Milch und Saugflasche dich vergnügtest. Bei dem, was die andere Pflanzenwelt ist, da ist es so, daß Blätter und Blüten sich entwickeln, wenn die Pflanze nun nicht mehr bloß das hat, was sie von der Erde, vom schattigen Wald hat, sondern wenn sie an die Sonne, an Luft und Licht herauskommt. Das sind die seelischen Eigenschaften, die an Licht und Luft’gedeihen.» — So zeige man dem Kinde den Unterschied zwischen dem, was unten wie der Pilz oder wie Wurzeln lebt und das braucht, was unten Wässeriges, Erde und Schatten ist, und dem, was Luft und Licht braucht wie Blüten und Blätter. - «Daher sind auch diejenigen Pflanzen, die Blüten und Blätter tragen, weil sie Luft und Licht lieben, die sogenannten «höheren» Pflanzen, wie du, wenn du fünf oder sechs Jahre alt bist, das höhere Alter hast als damals mit dem Schnuller.»
[ 27 ] Now I might say something like: “Look, dear children, when you were very small, you really only had something like a sleeping soul.” - Well, depending on the situation, you remind the child: “Now, look—what was your greatest joy as a little child? You’ve forgotten it now because you’ve slept through it, but you can see it now in Annchen or Mariechen, in your little sister. What brings her the greatest joy? First, the pacifier or the bottle. Isn’t that right? Even the soul still finds its greatest joy in the pacifier or the bottle. Then comes the time with the older little brother or sister, when one doesn’t just find joy in the bottle, but finds joy in being allowed to play. — Yes, see, that’s why I first spoke to you about the mushrooms, the algae, and the mosses. They get almost everything they have from the earth. We have to go into the forest if we want to get to know them. They grow where it’s damp, where it’s shady. They don’t really dare to venture out into the sun. That’s just like your soul was when you didn’t yet dare to go out and play, but were content with milk and a bottle. As for the rest of the plant world, leaves and flowers develop not when the plant has only what it gets from the earth and the shady forest, but when it emerges into the sun, air, and light. These are the spiritual qualities that thrive on light and air.” — Thus, one should show the child the difference between what lives below—like mushrooms or roots—and needs what is below: water, earth, and shade; and what needs air and light, such as blossoms and leaves. - “That is why the plants that bear flowers and leaves—because they love air and light—are the so-called ‘higher’ plants, just as you, when you are five or six years old, are at a higher stage of life than you were back when you had a pacifier.”
[ 28 ] Wenn man immer mehr und mehr herüber- und hinüberlenkt die Gedanken von den seelischen Eigenschaften, wie sie sich entwickeln im kindlichen Alter, zu den Pflanzen, dann bekommt man die Möglichkeit, alles in entsprechender Weise einzuteilen. Daher kann man sagen:
[ 28 ] If one increasingly shifts one’s thoughts from the psychological qualities that develop in childhood to plants, one gains the ability to classify everything accordingly. Therefore, one can say:
| Säuglings-Seelenfreuden | Pilze, Schwämme |
| Erste kindliche Seelenfreuden, Seelenschmerzen und Affekte: | Algen, Moose |
| Erlebnisse an der Entstehung des Selbstbewußtseins: | Farne |
| Erlebnisse im späteren Zeitalter bis zur Schule, mit vier bis fünf Jahren: | Gymnospermen, Nadelhölzer |
| Erste Schulerlebnisse, siebentes, achtes, neuntes Jahr bis zum elften Jahr hin: | Streifennervige Pflanzen, Monokotyledonen; Pflanzen mit einfacher Blütenhülle |
| Erlebnisse der Elfjährigen: | Einfache Dikotyledonen |
| Schulerlebnisse vom zwölften bis fünfzehnten Jahr: | Netznervige Pflanzen, Dikotyledonen; Pflanzen, die einen grünen Kelch und farbige Blumenblätter haben, |
| Infantile Joys of the Soul | Mushrooms, Sponges |
| A child’s first joys, sorrows, and emotions: | Algae, mosses |
| Experiences during the development of self-awareness: | Ferns |
| Experiences in later childhood up to school age, from four to five years old: | Gymnosperms, conifers |
| Early school experiences, from the seventh, eighth, and ninth years through the eleventh year: | Plants with parallel veins, monocots; plants with a simple perianth |
| Experiences of eleven-year-olds: | Simple dicots |
| School experiences from the twelfth to the fifteenth year: | Plants with reticulate venation, dicotyledons; plants that have a green calyx and colored petals, |
[ 29 ] «also Erlebnisse an dem, wofür ihr jetzt noch zu dumm seid, was ihr jetzt noch nicht wißt, was ihr erst werdet mit dem dreizehnten, vierzehnten Jahr: an dem, wo ein grüner Kelch ist und eine farbige Blüte. Freut euch! Ihr werdet einmal so reich in eurer Seele sein, daß ihr gleicht der Rose mit farbigem Blumenblatt und grünem Kelchblatt. Das ist etwas, was erst wird, aber freut euch! Das ist schön, wenn man sich freuen kann auf das, was man erst wird.» — Freude machen auf die Zukunft! Daß man Freude damit macht, darauf kommt es an.
[ 29 ] “So, experiences of what you’re still too young to understand, what you don’t yet know, what you’ll only come to know when you’re thirteen or fourteen: of what has a green calyx and a colorful blossom. Rejoice! One day you will be so rich in spirit that you will be like the rose with its colorful petals and green calyx. This is something that is yet to come, but rejoice! It is beautiful to be able to look forward to what you will one day become.” — Finding joy in the future! What matters is that it brings you joy.
[ 30 ] Also die aufeinanderfolgenden seelischen Eigenschaften bis zur Geschlechtsreife hin kann man mit dem Pflanzenreiche vergleichen. Dann geht der Vergleich nicht mehr weiter, weil da das Kind den Astralleib entwickelt, den die Pflanze nicht mehr hat. Aber wenn die Pflanze über sich selbst hinaustreibt bis in die Befruchtung hinein, so kann man das mit seelischen Eigenschaften des sechzehnten, siebzehnten Jahres vergleichen. Man braucht aber gar nicht auf den Befruchtungsvorgang aufmerksam zu machen, sondern auf den Wachstumsvorgang, weil das der Realität entspricht. Dem Befruchtungsvorgang bringen die Kinder kein Verständnis entgegen, aber dem Wachstumsvorgang, weil er sich vergleichen läßt mit dem Wachstumsvorgang der Seele. So wie die Seele des Kindes sich unterscheidet in den verschiedenen Lebensjahren, so unterscheiden sich die Pflanzen von den Pilzen bis zum Hahnenfuß, der gewöhnlich zu den Höchstentwickelten, zu den Ranunkulazeen, gerechnet wird. Es ist wirklich so, wenn die gelben Hahnenfüße im Frühling herauskommen auf den saftigen Wiesen, so erinnert das an die seelische Verfassung, an die seelische Stimmung vierzehn-, fünfzehnjähriger Knaben und Mädchen.
[ 30 ] So the successive psychological characteristics leading up to sexual maturity can be compared to the plant kingdom. Beyond that point, the comparison breaks down, because the child develops the astral body, which the plant no longer possesses. But when the plant grows beyond itself into the process of fertilization, this can be compared to the psychological characteristics of the sixteenth and seventeenth years. However, there is no need to draw attention to the process of fertilization itself, but rather to the process of growth, because that corresponds to reality. Children have no understanding of the process of fertilization, but they do of the process of growth, because it can be compared to the growth process of the soul. Just as the child’s soul differs in the various years of life, so do plants differ—from fungi all the way to the buttercup, which is usually counted among the most highly developed, the Ranunculaceae. It is truly the case that when the yellow buttercups emerge in the spring on the lush meadows, it is reminiscent of the spiritual state, the spiritual mood, of fourteen- and fifteen-year-old boys and girls.
[ 31 ] Wird einmal ein wirklich systematisierender Botaniker so vorgehen, so wird er auch ein Pflanzensystem herausbekommen, das den Tatsachen entspricht. Aber den Kindern kann man wirklich die ganze äußere Pflanzenwelt als ein Bild der sich entwickelnden Kinderseele vorführen. Da kann man ungeheuer viel tun.
[ 31 ] If a truly systematic botanist were to proceed in this way, he would also arrive at a plant classification system that corresponds to the facts. But for children, one can truly present the entire external plant world as a reflection of the developing child’s soul. There is an immense amount that can be done in this regard.
[ 32 ] Man soll nicht in dieser vereinzelnden Art, wie die alten Phrenologen es haben, unterscheiden, sondern man soll einen Gesichtspunkt, der durchführbar ist, drinnen haben. Da werden Sie finden, daß es nicht ganz richtig ist, einfach ohne weiteres alles Wurzelhafte mit dem Denken in eins zu beziehen. Beim Kinde ist ja das Geistige im Kopfe noch schlafend. Also nicht das Denken im Allgemeinen, sondern das kindlich Denkende, das noch schläft, ist nach dem Wurzelhaften hin zu orientieren. So bekommen Sie von dem schlafenden Denken in den Pilzen sowohl wie in dem Kinde ein Bild, wie das kindlich Denkerische, das noch schläft, mehr nach dem Wurzelhaften hin gerichtet ist.
[ 32 ] One should not make distinctions in this isolated manner, as the old phrenologists did, but rather one should have a practical perspective in mind. You will find that it is not entirely correct to simply and automatically equate everything rooted with thinking. In a child, the spiritual aspect of the mind is still dormant. So it is not thinking in general, but rather the childlike thinking—which is still dormant—that should be oriented toward the root-like. In this way, you gain a picture from the dormant thinking in both the mushrooms and the child of how the childlike thinking, which is still dormant, is directed more toward the root-like.
[Caroline von Heydebrand, Hannah Lang, Paul Baumann und Rudolf Treichler werden gebeten, dies morgen kompendiös wiederzugeben.]
[Caroline von Heydebrand, Hannah Lang, Paul Baumann, and Rudolf Treichler are asked to summarize this tomorrow.]
Rudolf Treichler spricht über die gegebene Aufgabe: Das Verhalten des Lehrers beim Zurückbleiben eines Schülers in einem Fache.
Rudolf Treichler discusses the task at hand: how a teacher should respond when a student falls behind in a subject.
[Wie hat sich der Lehrer zu verhalten, wenn in einer Klasse eine Anzahl Schüler im Alter von sieben bis zehn Jahren im Unterrichte zurückbleibt?
[How should a teacher respond when a number of students aged seven to ten fall behind in class?
Die Frage gliedert sich in den verschiedenen Antworten in die zwei Fragen:
The question is broken down into two separate questions in the various answers:
I. Was ist als Ursache des Zurückbleibens im Allgemeinen anzusehen und wie wird sie zu beheben sein?
I. What is generally considered to be the cause of falling behind, and how can it be remedied?
II. Wie wird sich die Behandlung im Besonderen, oder beim Zurückbleiben in einzelnen Fächern ergeben?
II. How will this affect treatment in particular, or in cases where a student falls behind in individual subjects?
Zu Frage I äußern sich die Teilnehmer folgendermaßen: Im Hinblick auf die verschiedenen Temperamente der Schüler kann ein Zurückbleiben sich herleiten aus Faulheit und Stumpfheit (beim Phlegmatiker), aus falschem Ehrgeiz und Vorwärtsdrängen (beim Choleriker), aus Oberflächlichkeit und Unaufmerksamkeit (beim Sanguiniker) und aus einem Übermaß an Ich-Sucht (beim Melancholiker). Als weitere allgemeine Ursachen werden genannt: Zerstreutheit, Vergesslichkeit, wirkliche Unbegabtheit, häusliche Verhältnisse, körperliche Krankheit, ungenügende oder falsche Ernährung, allgemein mangelndes Interesse und endlich wird die Schuld bei der mangelhaften, unlebendigen Unterrichtsart des Lehrers gesucht.] [...]
The participants commented on Question I as follows: With regard to the different temperaments of students, falling behind can be attributed to laziness and dullness (in the phlegmatic), to misguided ambition and impulsiveness (in the choleric), to superficiality and inattention (in the sanguine), and to an excess of self-absorption (in the melancholic). Other general causes mentioned include: absent-mindedness, forgetfulness, a genuine lack of talent, family circumstances, physical illness, inadequate or improper nutrition, a general lack of interest, and, finally, the teacher’s inadequate, lifeless teaching style.] [...]
[Man spricht weiter über Versetzung/Nichtversetzung; Mineralien.]
[The discussion continues on displacement/non-displacement; minerals.]
Rudolf Steiner stellt dann folgende Aufgaben:
Rudolf Steiner then sets the following tasks:
[ 33 ] Erstens: Caroline von Heydebrand, Hannah Lang, Paul Baumann, Rudolf Treichler sollen sich eine zusammenfassende Gestaltung der bisherigen Pflanzengeschichte zurechtlegen und kompendiös dies morgen wiedergeben.
[ 33 ] First: Caroline von Heydebrand, Hannah Lang, Paul Baumann, and Rudolf Treichler are to prepare a summary of the history of plants to date and present it in a concise form tomorrow.
[ 34 ] Zweitens: Rudolf Meyer, Leonie von Mirbach, Elfriede Hermann sollen zu behandeln versuchen die Rheingegend, [etwa von der Lahn an], (Lahn, Sieg, Ruhr, Lippe) in der Art, wie ich heute über den Geografieunterricht gesprochen habe: [Gebirge, Flüsse, Städte, Kulturelles, Wirtschaftliches].
[ 34 ] Second: Rudolf Meyer, Leonie von Mirbach, and Elfriede Hermann should try to cover the Rhine region [starting roughly at the Lahn] (Lahn, Sieg, Ruhr, Lippe) in the manner I discussed today regarding geography lessons: [mountains, rivers, cities, culture, and the economy].
[ 35 ] Drittens: Dasselbe soll Friedrich Oehlschlegel für die Gegend des Mississippi ausarbeiten.
[ 35 ] Third: Friedrich Oehlschlegel is to prepare the same for the Mississippi region.
[ 36 ] Viertens: Hermann Heisler, Karl Stockmeyer, Herbert Hahn, Johannes Geyer und Hertha Koegel sollen sich mit der Frage beschäftigen: Wie unterrichtet man am besten über Flächenberechnung und Umfangberechnung von Flächen?
[ 36 ] Fourth: Hermann Heisler, Karl Stockmeyer, Herbert Hahn, Johannes Geyer, and Hertha Koegel are to address the following question: What is the best way to teach how to calculate the area and perimeter of shapes?
[ 37 ] Ferner soll Leonie von Mirbach ihre Arbeit mitbringen.
[ 37 ] In addition, Leonie von Mirbach is to bring her work with her.
[ 38 ] Auch die anderen Kursteilnehmer sollen die Notizen über die Temperamente ergänzen.
[ 38 ] The other course participants should also add to the notes on the temperaments.
