The Concept and Practice of Waldorf schools
GA 297
31 August 1919, Stuttgart
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The Concept and Practice of Waldorf schools, tr. SOL
3. Vortrag für die Eltern der Waldorfschulkinder
3. Presentation for Parents of Waldorf School Children
Dem Vortrag von Rudolf Steiner ging folgende kurze Ansprache von Emil Molt voraus:
Rudolf Steiner's lecture was preceded by the following brief address by Emil Molt:
Meine sehr verehrten Anwesenden! Nur noch acht Tage trennen uns von dem Zeitpunkt, wo wir in der glücklichen Lage sein werden, das zu verwirklichen, worauf wir uns schon seit vielen Wochen freuen, nämlich auf die Eröffnung der Waldorfschule.
Ladies and gentlemen! Only eight days remain until we are fortunate enough to bring to fruition what we have been looking forward to for many weeks now: the opening of the Waldorf School.
Sie wissen ja alle, aus welchem Geiste heraus wir uns die Absicht vorgelegt hatten, diese eigene Schule ins Leben zu rufen. Sie wissen, daß wir damit eine ernste Absicht zu verwirklichen bestrebt sind, nämlich die, es mit der Sozialisierung ernst zu meinen und die Sozialisierung wenigstens in einer Beziehung durchzuführen, nämlich zuallererst auf dem Gebiet, auf dem es am allermeisten nottut, dem Gebiet des Erziehungs- und Unterrichtswesens. Und ich fühle mich persönlich ungemein beglückt, daß es mir vergönnt war, diesen Plan in die Wirklichkeit zu übertragen.
As you all know, it was in this spirit that we set out to establish this school of our own. You know that we are striving to realize a serious goal: namely, to take socialization seriously and to implement it at least in one area—first and foremost in the field where it is most urgently needed: the field of education and instruction. And I personally feel immensely fortunate that I was granted the opportunity to bring this plan to fruition.
Indem ich dieses ausspreche, bin ich mir der ungeheuren Verantwortung wohl bewußt, die auf demjenigen liegt, der ein so kühnes Unternehmen in der heutigen Zeit wagt zu vollziehen. Und ich spreche hier offen und klar aus, daß es mir unmöglich gewesen wäre, diesen Plan zu hegen und zu verwirklichen, wenn ich nicht das Glück gehabt hätte, mich so viele Jahre hindurch durch den Geist der anthroposophischen Weltanschauung befruchten zu lassen. Und ich möchte hier gleich bemerken, damit es gar keine Mißverständnisse gibt, daß unsere Schule keinesfalls eine Weltanschauungsschule sein soll und keinesfalls das gepflegt werden soll als solches, daß aber immerhin ausgesprochen werden muß, daß es der Geist der anthroposophischen Weltauffassung war, welcher mich zu diesem Schritt bewogen hat. Und ich fühle es als meine tiefe Pflicht, an dieser Stelle gerade Herrn Dr. Steiner meinen tiefgefühlten Dank auszusprechen dafür, daß er mir seinen Rat in dieser ungemein schwierigen Angelegenheit hat zuteil werden lassen. Und ich verbinde diesen tiefen Dank mit der herzlichen Bitte, auch in Zukunft uns in diesem neuen geistigen Unternehmen seinen Rat und Hilfe angedeihen zu lassen. Denn ich persönlich bin mir wohl bewußt, daß die Aufgabe eine zu schwere ist und daß wir sie nicht lösen können, wenn wir nicht die Hilfe und den Rat von Herrn Dr. Steiner genießen dürfen.
As I say this, I am well aware of the immense responsibility that rests upon anyone who dares to undertake such a bold endeavor in this day and age. And I state here openly and clearly that it would have been impossible for me to conceive of and carry out this plan had I not been fortunate enough to be inspired by the spirit of the anthroposophical worldview for so many years. And I would like to note right away, so that there are no misunderstandings whatsoever, that our school is by no means intended to be a school based on a particular worldview, nor is it to be run as such; but it must nevertheless be stated that it was the spirit of the anthroposophical worldview that moved me to take this step. And I feel it is my profound duty at this point to express my heartfelt thanks to Dr. Steiner in particular for having offered me his counsel in this exceedingly difficult matter. And I combine this deep gratitude with a heartfelt request that he continue to grant us his advice and assistance in this new spiritual undertaking in the future as well. For I am well aware that the task is too difficult, and that we cannot accomplish it unless we are able to benefit from Dr. Steiner’s help and advice.
Meine sehr verehrten Anwesenden! Wir haben Sie heute hergebeten, um Ihnen Gelegenheit zu geben, durch Herrn Dr. Steiner selbst einiges über unsere Waldorfschule zu hören. Und ich möchte Sie bitten, falls sich irgendwelche Fragen in Ihnen einstellen, daß Sie am Schluß des Vortrages diese Fragen an uns stellen, damit nichts ungeklärt bleibt. Wie ich vorhin schon bemerkte, werden wir in acht Tagen das Fest der Einweihung haben, und ich benütze die Gelegenheit, Sie hierzu herzlichst einzuladen. Das Nähere werden Sie noch hören.
Ladies and gentlemen! We have invited you here today to give you the opportunity to hear directly from Dr. Steiner himself about our Waldorf School. And I would like to ask you, if any questions come to mind, to ask us those questions at the end of the lecture so that nothing remains unclear. As I mentioned earlier, we will be holding the dedication ceremony in eight days, and I would like to take this opportunity to cordially invite you to attend. You will hear more details soon.
Ich möchte nur noch bemerken, daß vor etwa zehn Tagen ein Kursus für die Lehrerschaft begonnen hat unter der Anleitung von Herrn Dr. Steiner und daß in demjenigen, der wie ich das Glück hat, diesen Kursus zu besuchen, das Gefühl aufsteigt, daß es mit dieser Waldorfschule eine ganz besondere Bewandtnis hat. Es ist eine tiefe Andacht und eine tiefe Weihe, die von diesem Kursus ausgeht und die sich auf die Lehrerschaft überträgt. Und ich fühle, wie sich das wiederum übertragen wird auf die Kinder und daß wir die Überzeugung haben dürfen, daß der Schulunterricht auf diese Weise für die Kinder eine Freude und ein Genuß werden wird. Und nie habe ich es so sehr bedauert wie gerade in diesen Tagen, nicht selbst wieder jung sein zu dürfen und dieser Schule angehören zu dürfen. Denn wenn man Mithörer, Miterleber dieses Kursus sein darf, dann kommt einem zum Bewußtsein, was alles an einem in der Jugend versäumt worden ist, in der Erziehung und im Unterricht, und wie schwer es ist im Alter, alle diese Lücken, all das Versäumte wieder auszufüllen, wieder nachzuholen; wie groß aber auch das Glück für einen sein mag, daß das, was an den Eltern, an den Großen versäumt wurde, nun nachgeholt werden kann an den Jungen.
I would just like to note that a course for teachers began about ten days ago under the guidance of Dr. Steiner, and that those of us who are fortunate enough to attend this course are increasingly aware that there is something very special about this Waldorf school. There is a deep sense of reverence and a profound sense of dedication that emanates from this course and is passed on to the teaching staff. And I feel how this, in turn, is passed on to the children, and that we can be confident that school lessons will thus become a joy and a delight for the children. And never have I regretted it as much as I have in these very days that I cannot be young again myself and belong to this school. For when one is allowed to listen in on and experience this course firsthand, one becomes aware of all that was neglected in one’s youth—in one’s upbringing and in one’s schooling—and how difficult it is in old age to fill in all these gaps, to make up for all that was missed; but also how great a blessing it is that what was missed with one’s parents and elders can now be made up for with the young.
Und so wissen Sie auch, daß dieser soziale Gedanke es war, der mich besonders geleitet hat: daß Sie, die Sie als Eltern nicht mehr in der Lage sind, sich all die Bildung angedeihen zu lassen, die notwendig ist, um auf höhere Stufen des Berufslebens emporzuklettern, nun wenigstens das Glück haben sollen zu sehen, wie die Jugend die Bildung sich aneignen kann, die eben notwendig ist, um höhere Stufen im Berufsleben und im sonstigen Leben erklimmen zu können. Deshalb war ich so glücklich, daß wir hier als erste — nicht nur in Stuttgart, sondern vielleicht in Deutschland - in der Lage sind, eine solche Einheitsschule ins Leben zu rufen, welche eben eine Einheitsschule im wahrsten Sinne des Wortes ist und welche das verwirklicht, wovon heute wohl überall gesprochen wird, was aber bisher noch nirgends in die Tat umgesetzt worden ist. Es wird bei uns der Fall sein, daß in dieser Schule allerdings ein merkwürdig zusammengewürfeltes Völklein sich einstellen wird: Es werden nicht nur die Kinder der Volksschule, der Mittelschule, der Realschule, sondern auch die Kinder der Gymnasien auf ein und derselben Schulbank sitzen, Knaben und Mädchen, alles bunt durcheinander geworfen. Und darin liegt, dessen sind wir uns wohl bewußt, eine ungemeine Schwierigkeit. Aber gerade angesichts der Tatsache, daß wir uns einerseits der Hilfe und des Beistandes des Herrn Dr. Steiner sicher sein dürfen, und andererseits aufgrund der Auswahl der Lehrkräfte dürfen wir hoffen und die Überzeugung hegen, daß auch diese Schwierigkeiten behoben werden. So haben wir den Mut, auch nach dieser Richtung hin der Meinung zu sein, daß diese Schwierigkeiten gelöst werden.
And so you also know that it was this social ideal that guided me in particular: that you, as parents who are no longer in a position to receive all the education necessary to climb to higher levels in your professional lives, should at least have the good fortune to see how young people can acquire the education that is precisely necessary to climb to higher levels in their professional lives and in other aspects of life. That is why I was so delighted that we here are the first—not only in Stuttgart, but perhaps in all of Germany—to be in a position to establish such a comprehensive school, one that is a comprehensive school in the truest sense of the word and that brings to life what is indeed discussed everywhere today, but which has not yet been put into practice anywhere. In our case, it will certainly be the case that a rather motley little group will gather at this school: not only the children from the elementary school, the middle school, and the secondary school, but also the children from the high schools will sit at the same desks—boys and girls, all mixed together in a colorful jumble. And therein lies—as we are well aware—an extraordinary difficulty. But precisely because, on the one hand, we can be certain of Dr. Steiner’s help and support, and on the other hand, because of the selection of our teaching staff, we may hope and remain convinced that these difficulties will also be overcome. Thus, we have the courage to believe that these difficulties will be resolved.
Allerdings, und das möchte ich betonen, können diese Schwierigkeiten in der Hauptsache überwunden werden dann, wenn die richtige Fühlung vorhanden ist zwischen Schule und Elternhaus. Und da wird es ganz besonders Ihre Aufgabe sein, sehr geehrte Anwesende und Eltern, daß Sie in der richtigen Weise zusammenwirken mit der Lehrerschaft der Waldorfschule. Dann wird das Werk, das wir heute beginnen, zum Segen und zum Heil nicht nur der Waldorf-Astoria, sondern der Allgemeinheit ausschlagen und gedeihen.
However—and I would like to emphasize this—these difficulties can, for the most part, be overcome when there is proper communication between the school and the home. And here, it will be your particular responsibility, distinguished guests and parents, to work together in the right way with the teaching staff of the Waldorf School. Then the work we are beginning today will bear fruit and flourish, bringing blessings and benefit not only to the Waldorf-Astoria but to the community at large.
Ich darf vielleicht noch bemerken, daß in dieser Schule zu einem kleinen Teil auch Kinder von unseren nächsten anthroposophischen Freunden anwesend sein werden, allerdings nur eine beschränkte Zahl. Aber wir hielten es für selbstverständlich, daß auch diese Kinder mit hineingenommen werden sollen zu den Kindern der Waldorf- -Leute, weil uns daran lag, gerade dadurch auch zum Ausdruck zu bringen, in welchem Sinne wir uns diese Sozialisierung denken, weil wir wollen, daß eben Kinder aller Schattierungen in der Waldorfschule anwesend sein werden.
I might also note that a small number of children from among our closest anthroposophical friends will also be attending this school, though only a limited number. But we considered it a matter of course that these children, too, should be included among the children of the Waldorf community, because it was important to us to express, precisely through this, the nature of the socialization we envision—since we want children of all backgrounds to be present in the Waldorf school.
Und nun möchte ich Herrn Dr. Steiner bitten, uns seine Ausführungen zu geben, und möchte schließen mit dem herzlichen Wunsche: Unser Werk, das wir heute beginnen - es möge zum Heil und zum Segen von uns allen ausschlagen!
And now I would like to ask Dr. Steiner to share his remarks with us, and I would like to conclude with this heartfelt wish: May the work we are beginning today bring healing and blessings to us all!
[ 1 ] Rudolf Steiner: Als Herr Molt daran ging, zunächst für die Angehörigen der von ihm geleiteten Fabrik eine Schule zu begründen, da lag es wohl in seiner Absicht, unserer für die Menschheit so sehr schweren Zeit durch ein Mittel zu dienen, durch das vor allen Dingen an der Wiedergesundung unserer sozialen Zustände mitgearbeitet werden kann. Es ist ja wohl in alle Ihre Seelen geschrieben, daß aus den Verhältnissen, die wir erleben und die sich seit drei bis vier Jahrhunderten in der sogenannten zivilisierten Menschheit heraufentwickelt haben, sich etwas anderes gestalten müsse. Aber es müßte auch in Ihre Seelen tief eingeschrieben sein, daß vor allen Dingen neben den anderen Verhältnissen auch eine andere Art notwendig ist, den Menschen durch Erziehung, Bildung und Unterricht in die Welt hineinzustellen, als dies aus den alten Verhältnissen heraus in den letzten drei bis vier Jahrhunderten veranlagt worden ist und heute eigentlich auf seinen Höhepunkt gediehen ist.
[ 1 ] Rudolf Steiner: When Mr. Molt set out to establish a school, initially for the families of the workers at the factory he managed, his intention was likely to serve humanity during these very difficult times through a means that, above all, could contribute to the restoration of our social conditions. It is surely written in all your souls that something different must emerge from the conditions we are experiencing—conditions that have developed over the past three to four centuries within so-called civilized humanity. But it must also be deeply inscribed in your souls that, above all else and alongside the other conditions, a different approach is necessary for introducing people into the world through upbringing, education, and instruction—one that differs from the approach rooted in the old conditions over the past three to four centuries and which has now, in fact, reached its peak.
[ 2 ] Wir erwarten eine ganz andere soziale Gestaltung unserer gesellschaftlichen Verhältnisse in der Zukunft, als sie in der Gegenwart da ist. Und wir erwarten das mit Recht. Wir sehen auf unsere Kinder, auf die nächste Generation, und man darf überzeugt sein, daß insbesondere diejenigen, die als Eltern liebend hinschauen auf ihre Kinder, oftmals den Gedanken in ihren Herzen hegen: Wie werden sich diese unsere Lieben hineinstellen in eine Ordnung, die ganz anders sein muß als die gegenwärtige? Wie werden sie auf der einen Seite dem Neuen gewachsen sein, das in die Menschheit kommen muß? Wie werden sie aber selbst heranwachsend nach und nach etwas beitragen können zu einer solchen Gestaltung der sozialen Verhältnisse, daß diejenigen, die nach uns kommen, es anders haben als wir selbst? Daß die nach uns Kommenden in einem ganz anderen Sinne in einem menschenwürdigen Dasein drinnen leben als wir selbst?
[ 2 ] We expect our social conditions in the future to be shaped in a way that is quite different from what they are today. And we have every right to expect this. We look to our children, to the next generation, and we can be certain that especially those who, as parents, look lovingly upon their children often harbor this thought in their hearts: How will our loved ones fit into an order that must be entirely different from the present one? How will they, on the one hand, be able to rise to the challenge of the new that must come to humanity? But as they themselves grow up, how will they gradually be able to contribute to shaping social conditions in such a way that those who come after us will have a different life than we ourselves have had? That those who come after us will live a life of human dignity in a completely different sense than we ourselves do?
[ 3 ] Es fühlt ja wohl ein jeder Mensch, daß die Erziehungs- und Unterrichtsfrage in ganz vorzüglichem Sinne — insbesondere in einer solchen Zeit, wie die unsrige ist, in einer Zeit des Umschwunges und der Umwandlung der gesellschaftlichen Verhältnisse - eine soziale Frage allerersten Ranges ist. Und wenn wir zurückblicken auf das Furchtbare, das die Menschheit in den letzten Jahren über das zivilisierte Europa hin erlebt hat, wenn wir auf die Ströme von Blut blicken, die geflossen sind, und wenn wir auf das große Heer der unglücklich gewordenen Menschen sehen, der am Leibe zerschlagenen, in der Seele zerrütteten Menschen sehen, die aus den unnatürlichen Verhältnissen der letzten Zeit haben hervorgehen müssen, dann quillt wohl in uns die Sehnsucht auf, uns zu fragen: Wie müssen die Menschen erzogen werden im weitesten Umfang, daß in der Zukunft solches unmöglich werde? - Aus der Not und dem Elend heraus muß auch Verständnis erwachsen für den Anteil der Erziehung an einer besseren sozialen Gestaltung der menschlichen Verhältnisse.
[ 3 ] Surely every person feels that the issue of education and instruction—in the very best sense of the term, and especially in a time such as ours, a time of upheaval and transformation in social conditions—is a social issue of the utmost importance. And when we look back on the horrors that humanity has witnessed across civilized Europe in recent years, when we look at the rivers of blood that have flowed, and when we look at the vast army of people who have become unhappy—people whose bodies have been shattered and whose souls have been shattered—who have had to emerge from the unnatural conditions of recent times, then a longing surely wells up within us to ask: How must people be educated, in the broadest sense, so that such things become impossible in the future? - Out of hardship and misery, an understanding must also grow of the role that education plays in bringing about a better social structure for human relations.
[ 4 ] Im Grunde genommen hören wir von vielen Seiten dieses ausgesprochen. Wir müssen uns aber fragen, ob, wenn das von da oder dort ausgesprochen wird, es auch immer im rechten Sinne gemeint ist. Denn heute werden über viele Dinge viele schöne Worte geredet. Aber diese vielen schönen Worte entspringen nicht immer der inneren Kraft und vor allen Dingen nicht immer der inneren Wahrheit, welche notwendig sind, um dasjenige zu verwirklichen, was in den schönen Worten enthalten ist. Und so kommen heute wohl vor allen Dingen diejenigen, die berufen waren und sind, unsere Kinder schulgemäß zu erziehen und zu unterrichten, und bieten sich mit ihren Meinungen und Anschauungen an und sagen: Wir wissen, wie unterrichtet, wie erzogen werden soll. Man soll nur eben so unterrichten und erziehen, wie wir es immer gewollt haben und wie wir es nicht gekonnt haben, dann wird schon das Rechte dabei herauskommen. — Und hinter denen, die so sprechen, hören wir dann wiederum diejenigen, die sich an den höheren Schulen berufen fühlen, die Lehrer zu erziehen und zu unterrichten. Und sie versichern: Wir haben die rechte Anschauung über die Art, wie die Lehrer werden sollen. Man folge uns nur, und wir werden die rechten Lehrer in die Welt schicken, damit alles mit der Erziehung richtig vor sich geht. - Man möchte aber, gerade wenn man tief hineinsieht in dasjenige, was aus unseren sozialen Verhältnissen geworden ist, sowohl diesen Lehrern wie auch diesen Lehrerbildnern zurufen: Ihr mögt es ja gut meinen, aber Ihr wißt eigentlich nicht, was Ihr redet. Denn nichts hilft der heutigen Erziehung auf, nichts kann diese heutige Erziehung zu einem besseren Zustand erheben, als wenn die Lehrer sich eingestehen: Wir sind herausgewachsen aus den Verhältnissen, die sich gebildet haben durch die letzten drei bis vier Jahrhunderte. Wir sind so vorbereitet worden, wie uns alles das, was die Menschheit in ein solches Unglück hineingeführt hat, eben vorbereiten konnte. - Und wiederum diejenigen, die die Lehrerbildner waren, die müßten sich gestehen: Wir haben nichts anderes verstanden, als was sich aus Industrialismus, aus Staatstum, aus Kapitalismus der letzten Jahrhunderte herausgebildet hat, auf die Lehrer zu übertragen, und wir haben allerdings die Lehrer der Gegenwart geliefert, die in diese Gegenwart passen, in die Gegenwart, die in die Zukunft hinein eben anders werden muß.
[ 4 ] Basically, we hear this expressed from many quarters. But we must ask ourselves whether, when this is said here or there, it is always meant in the right sense. For today, many fine words are spoken about many things. But these many fine words do not always spring from inner strength and, above all, not always from inner truth—which are necessary to bring to fruition what is contained in those fine words. And so today, above all, those who were and are called to educate and teach our children in a school setting step forward with their opinions and views, saying: We know how to teach and how to educate. One need only teach and educate exactly as we have always wanted and as we ourselves were unable to do, and then the right result will surely follow. — And behind those who speak this way, we in turn hear those at the higher education institutions who feel called to train and educate teachers. And they assure us: “We have the correct view of how teachers should be trained. Just follow us, and we will send the right teachers out into the world so that everything proceeds correctly in education.” - But especially when one looks deeply into what has become of our social conditions, one is tempted to call out to both these teachers and these teacher-trainers: “You may mean well, but you don’t really know what you’re talking about.” For nothing helps today’s education, nothing can elevate today’s education to a better state, than if teachers admit to themselves: We have grown out of the conditions that have developed over the last three to four centuries. We have been prepared in the way that everything which has led humanity into such misfortune could possibly prepare us. - And in turn, those who trained the teachers should admit to themselves: We understood nothing other than how to apply to teachers what had emerged from industrialism, statism, and capitalism over the past centuries, and we have indeed produced the teachers of the present—teachers who fit into this present, a present that must inevitably change as it moves into the future.
[ 5 ] Das heißt, wir müssen, geradeso wie wir einen Umschwung, eine Verwandlung für die ganze Breite der sozialen Verhältnisse der Gegenwart in die Zukunft hinein fordern, eine andere Erziehungskunst fordern, und wir müssen eine andere Grundlage für diese Erziehungskunst fordern!
[ 5 ] This means that, just as we demand a radical change—a transformation—of the entire spectrum of contemporary social conditions as we look toward the future, we must also demand a different approach to education, and we must demand a different foundation for this approach to education!
[ 6 ] In vieler Beziehung ist dasjenige, was heute Erziehungsfrage ist, eine Lehrerfrage. Man kann heute das tief Antisoziale, das in unserer Menschheit liegt, gerade dann so recht fühlen, wenn man sich oftmals mit denjenigen bespricht, die heute Erzieher, Unterrichtende sein wollen. Man redet ihnen dann davon, wie die Erziehung in der Zukunft werden soll. Da sagen sie: Ja, das habe ich ja schon längst gesagt, man soll das Kind zum tüchtigen Gegenwartsmenschen, zum brauchbaren Menschen erziehen; man soll nicht so sehr auf die Berufserziehung sehen, sondern auf die Erziehung des ganzen Menschen. - Und alle solche Dinge reden sie her. Und sie gehen von einem fort und sind der Meinung, sie denken ganz dasselbe, was man selber denkt. Sie denken gerade das Gegenteil!
[ 6 ] In many respects, what is today a question of education is a question of teachers. One can truly sense the deeply antisocial nature inherent in humanity today precisely when one frequently discusses these matters with those who aspire to be educators and teachers. One then speaks to them about what education should be like in the future. They say: “Yes, I’ve been saying that for a long time—one should raise the child to be a capable person of the present, a useful person; one should not focus so much on vocational training, but rather on the education of the whole person.”—And they spout all sorts of things like that. And they walk away thinking they share exactly the same views as you do. But they actually think the exact opposite!
[ 7 ] Es ist heute in unserem antisozialen Leben so weit gekommen, dafßß die Menschen das Entgegengesetzte mit denselben Worten aussprechen. Deshalb ist es so schwer, sich zu verständigen. So wie derjenige, der wahrhaft sozial denkt, anders denkt als viele Leute der heutigen Gegenwart, die mit den alten Verhältnissen zufrieden und einverstanden sind, so müssen wir, die wir an einem einzelnen Fall die erzieherische soziale Frage zu lösen versuchen wollen, gründlich anders denken über das Erziehen und über das Unterrichten, als diejenigen, die da glauben, aus ihrer traditionellen Erziehungskunst heraus es schon machen zu können. Man muß heute wahrhaftig gründlicher denken und empfinden, als manche glauben. Man muß sich vor allem klar sein darüber, daß man nicht aus der alten Wissenschaft heraus, nicht aus der alten Erziehungskunst heraus etwas Neues schaffen kann, daß die Erziehungskunst und die Wissenschaft selber anders werden müssen.
[ 7 ] In our antisocial world today, things have come to such a point that people use the same words to express opposite ideas. That is why it is so difficult to communicate. Just as someone who thinks in a truly social way thinks differently from many people today who are satisfied with and accept the old conditions, so too must we—who seek to resolve the educational and social question through a single case—think fundamentally differently about education and teaching than those who believe they can already accomplish this through their traditional methods of education. Today, one must truly think and feel more deeply than some people believe. Above all, one must be clear that one cannot create something new based on old science or old educational methods—that educational methods and science itself must change.
[ 8 ] Damit rechtfertigt sich, daß wir nun das Werk, das Herr Molt einleiten will für die Waldorfschule, zunächst begonnen haben mit einem Kursus für unsere Lehrerschaft. Wir haben versucht, für diese Lehrerschaft solche Persönlichkeiten auszuwählen, welche im alten Erziehungswesen wenigstens bis zu einem größeren oder kleineren Grade - bei dem einen ist das mehr, bei dem anderen weniger der Fall - eingewurzelt sind, aber wir waren auch darauf bedacht, solche Persönlichkeiten zu finden, die Sinn und Herz haben für den Neuaufbau unserer sozialen und kulturellen Ordnung; die Sinn und Herz haben dafür, was es bedeutet, die Kinder von heute zu Menschen einer neuen Ordnung von morgen zu erziehen.
[ 8 ] This justifies our decision to begin the work that Mr. Molt intends to initiate for the Waldorf School by first offering a course for our teaching staff. We have tried to select for this teaching staff individuals who are, at least to a greater or lesser degree—more so in some cases, less so in others—rooted in the old educational system; but we were also careful to find individuals who have the understanding and the heart for the rebuilding of our social and cultural order; who have a sense and a passion for what it means to educate the children of today to become people of a new order tomorrow.
[ 9 ] Aber eine andere Überzeugung müssen diese Lehrer noch in ihrer Seele tragen: die Überzeugung, daß für das Alter, das der Mensch hat, wenn er in die Schule kommt, gilt, daß heranerzogen und heranunterrichtet werden darf einzig und allein dasjenige, was uns die menschliche Wesenheit gebietet. In diesem Sinne wollen wir mit der Waldorfschule in des Wortes allerechtestem Sinn eine Einheitsschule begründen. Kennen wollen wir nichts anderes in dem heranwachsenden Kinde als den werdenden Menschen. Und fragen wollen wir den werdenden Menschen aus seiner eigenen Natur heraus, wie er sich als Mensch entwickeln will, das heißt, wie seine Natur, seine Wesenheit sich zum wahren Menschsein in ihm entwickeln soll.
[ 9 ] But these teachers must also hold another conviction deep within their souls: the conviction that, given the age at which a child enters school, the child may be raised and taught solely in accordance with what human nature itself demands. In this sense, we want to establish the Waldorf School as a “unified school” in the truest sense of the word. We want to recognize nothing else in the growing child but the human being in the making. And we want to ask the human being in the making, based on his or her own nature, how he or she wishes to develop as a human being—that is, how his or her nature, his or her essence, should develop within him or her into true humanity.
[ 10 ] Ganz das, was wir auch wollen, sagen uns die alten Lehrer oder Lehrerbildner. Wir haben ja immer danach gestrebt, Menschen auszubilden, auf die Individualitäten zum Beispiel der Menschen Rücksicht zu nehmen.
[ 10 ] That is exactly what we want as well, as our veteran teachers and teacher educators tell us. After all, we have always strived to educate people and to take into account their individuality, for example.
[ 11 ] Ja, müssen wir antworten. Ihr waret bestrebt, Menschen auszubilden, das, was Ihr Euch unter Menschen vorgestellt habt, was Ihr gemeint habt hinstellen zu sollen als Menschen in das alte Staats- und das alte Wirtschaftsleben. Mit diesem Begriff vom «Menschen» können wir nichts anfangen und wird die Zukunft der Menschheit nichts anzufangen wissen und nichts anfangen wollen. Es bedarf einer gründlichen Erneuerung.
[ 11 ] Yes, we must answer. You strove to educate people—to instill in them the mental image you had of “human beings,” what you believed should be presented as “human beings” in the old political and economic order. We cannot make sense of this concept of “human beings,” and the future of humanity will neither be able to nor want to make sense of it. A thorough renewal is needed.
[ 12 ] Es bedarf zum Erziehungswesen der Zukunft erstens einer neuen Menschenkunde. Jene Menschenkunde, die aus dem Sumpfe des Materialismus der letzten Jahrhunderte aufgequollen ist, wenn sie sich auch aufgeputzt hat bei unseren höheren Lehranstalten wie irgend etwas, was die menschliche Natur wirklich begründet, jene Menschenkunde darf in der Zukunft nicht die Grundlage der Pädagogik, der Erziehungskunst abgeben. Es bedarf einer neuen Erkenntnis der Menschennatur. Die kann nur aus einer neuen Wissenschaft herauskommen. Diese Wissenschaft, die an den heutigen Anstalten gelehrt wird und die derjenige, der lehren sollte, auch vertritt, diese Wissenschaft ist nur das Spiegelbild der alten Zeit. Wie die neue Zeit kommen soll, so muß auch eine neue Wissenschaft, eine neue Lehrerbildungskunst, eine neue Pädagogik, auf neuer menschlicher Erkenntnis gebaut, kommen. Deshalb pflegen wir jetzt in diesem Kursus, in dem die Lehrerschaft der Waldorfschule vorbereitet werden soll, vor allen Dingen wirkliche Menschenkunde. Und wir geben uns der Hoffnung hin, daß, indem der Lehrer, der künftig an der Waldorfschule lehren soll, den werdenden Menschen kennenlernt, daß er diesem werdenden Menschen für das Leben das mitgeben werde, was die Zukunft verlangen wird von dem Menschen, der in der sozial gestalteten menschlichen Gesellschaft wirken soll. Wir empfinden vieles von dem, was die alte Erziehungskunst über den Menschen gesagt hat, als bloße Phrase. Wir studieren heute, welches die wahre Wesenheit des menschlichen Denkens ist, damit das richtige Denken im Kinde ausgebildet werden könne. Wir studieren, welches die wahre Grundlage des echt menschlichen Fühlens ist, damit im richtigen sozialen Zusammenleben die Menschen aus der Menschengleichheit heraus sich Recht schaffen aufgrund wirklichen menschlichen Gefühls. Und wir studieren, was das Wesen des menschlichen Willens ist, damit dieser menschliche Wille das neugebaute Wirtschaftsleben der Zukunft in der richtigen Weise sich erarbeiten und durchdringen kann. Wir studieren nicht einseitig materialistisch die Menschen, wir studieren Leib, Seele und Geist des Menschen, damit unsere Lehrer Leib, Seele und Geist des Menschen wirklich ausbilden können. Wir reden nicht von Leib, Seele und Geist mit bloß phrasenhaften Worten. Wir versuchen zu erkennen, wie sich die verschiedenen Lebensalter des Menschen auseinander ergeben. Wir sehen sorgfältig hin, wie das Kind ist, wenn es in die Schule kommt und unsere Lehrerschaft es von den Eltern übernehmen darf.
[ 12 ] The educational system of the future requires, first and foremost, a new understanding of human nature. That understanding of human nature which has sprung from the quagmire of materialism of the past centuries—even if it has been dressed up in our higher educational institutions as something that truly grounds human nature—must not serve as the foundation of pedagogy, the art of education, in the future. A new understanding of human nature is needed. This can only emerge from a new science. The science taught at today’s institutions—and espoused by those who are supposed to teach—is merely a reflection of the old era. Just as a new era is to dawn, so too must a new science, a new art of teacher training, and a new pedagogy—built upon a new understanding of human nature—emerge. That is why, in this course—which is designed to prepare the teaching staff of the Waldorf School—we are now focusing above all on genuine human studies. And we hold out the hope that, as the teacher who is to teach at the Waldorf School in the future comes to know the developing human being, he or she will equip this developing human being for life with what the future will demand of the person who is to act within a socially structured human society. We regard much of what the old art of education has said about human beings as mere rhetoric. Today we study the true nature of human thinking so that proper thinking can be developed in the child. We study the true foundation of genuine human feeling so that, in proper social coexistence, people may establish justice based on true human feeling, arising from the equality of human beings. And we study the nature of the human will so that this human will can properly shape and permeate the newly structured economic life of the future. We do not study human beings from a one-sidedly materialistic perspective; we study the human body, soul, and spirit so that our teachers can truly develop the human body, soul, and spirit. We do not speak of body, soul, and spirit merely in empty phrases. We strive to understand how the different stages of human life unfold. We observe carefully what a child is like when they enter school and our teachers are entrusted with their care by their parents.
[ 13 ] Wie oberflächlich ist ein solcher Zeitraum im menschlichen Werden bisher von der sogenannten Erziehungswissenschaft beobachtet worden! Es gibt einen wichtigen Einschnitt im Leben des Kindes. Er liegt gegen das siebente Jahr hin, gerade gegen das Jahr, in dem das Kind in die Volksschule eintreten soll und der Lehrer von den Eltern das Kind für einen Teil des weiteren Unterrichts und der weiteren Erziehung übernimmt. Äußerlich ausgedrückt ist dieser wichtige Lebensabschnitt durch den Zahnwechsel, aber dieser Zahnwechsel ist nur ein äußeres Zeichen für etwas, was im Menschen als Wichtiges vorgeht.
[ 13 ] How superficially has this stage of human development been observed thus far by so-called educational science! There is a significant turning point in a child’s life. It occurs around the age of seven—precisely the year when the child is to enter elementary school and the teacher takes over from the parents for part of the child’s further instruction and upbringing. Externally, this important stage of life is marked by the change of teeth, but this change of teeth is only an outward sign of something significant taking place within the human being.
[ 14 ] Sie haben gewiß schon von vielem gehört, was notwendig ist, um soziale Reformen und dergleichen heute in der richtigen Weise zu verstehen und aufzufassen. Aber viele von Ihnen waren wahrscheinlich noch immer der Meinung, daß von den leitenden, führenden geistigen Persönlichkeiten aus einer gewissen Kompetenz heraus alles in der nettesten Weise getan sei für die Menschheit. Die allerwichtigsten Dinge sind nicht getan! So daß es den heutigen Menschen ganz sonderbar anmutet, wenn man ihm sagt: In dem Alter, in dem das Kind die Schule betritt, geht eine ganze innere Revolution mit der Menschenseele, mit dem ganzen Menschen vor sich, die in dem Zahnwechsel nur den äußeren Ausdruck findet. Bis zu diesem Zeitpunkte ist das Kind nachahmendes Wesen, ein Wesen, das durch die Geburt den Drang auf die Welt mitbringt, alles so zu tun wie seine Umgebung. Es gehört einfach zur Menschennatur in diesen ersten Jahren, sich nur erziehen zu lassen von dem, was man in der Umgebung sieht. Und gerade mit dem Zahnwechsel beginnt erst die Zeit, in der etwas ganz anderes in der Menschennatur auftritt. Da tritt in der Menschennatur der Drang auf, von anderen etwas zu lernen auf Autorität hin, darauf hin, daß andere das schon können. Und dieser Drang dauert bis zur Geschlechtsreife, bis zum vierzehnten, fünfzehnten Jahr. Also gerade die Zeit der Volksschule ist für die Menschennatur von diesem Drange ausgefüllt. Und man kann in der Volksschule nur ordentlich unterrichten, wenn man diese ganze Revolution, die mit dem Kinde um das siebente Jahr vor sich geht, gründlich, erziehungskunstgemäß, kennenlernt. Da gebe ich Ihnen nur eine einzelne Tatsache für dasjenige, was bei der neuen Erziehungskunst gegenüber der alten gründlich wird beobachtet werden müssen.
[ 14 ] You have certainly already heard much about what is necessary to properly understand and interpret social reforms and the like today. But many of you have probably still been of the opinion that the leading intellectual figures, drawing on their expertise, have done everything in the kindest possible way for humanity. The most important things have not been done! So it seems quite strange to people today when they are told: At the age when a child enters school, a whole inner revolution takes place within the human soul—within the whole person—which finds its outward expression only in the changing of teeth. Up to this point, the child is an imitative being—a being who, from birth, brings with them the urge to do everything just as those around them do. It is simply part of human nature in these early years to be shaped solely by what one sees in one’s surroundings. And it is precisely with the change of teeth that the period begins in which something entirely different emerges in human nature. That is when the urge arises in human nature to learn from others out of respect for authority—because others are already capable of doing so. And this urge lasts until puberty, until the age of fourteen or fifteen. Thus, the period of elementary school is precisely the time when human nature is shaped by this urge. And one can only teach properly in elementary school if one thoroughly understands—in accordance with the new art of education—this entire revolution that takes place within the child around the age of seven. I will give you just one example of what must be thoroughly observed in the new art of education as opposed to the old.
[ 15 ] Dann wiederum wird man wissen müssen, daß erst um das neunte Jahr herum die Zeit beginnt, wo wieder neue, innere, leibliche und seelische Kräfte im Menschen auftreten, so daß man durch den Unterricht, wenn man dasjenige, was man im Lehrplan erst nach dem neunten Jahr einfügen soll, vorher eingefügt hat, dem Kinde für das ganze menschliche Leben Schaden zufügt statt Nutzen.
[ 15 ] Then again, one must realize that it is only around the age of nine that a new phase begins in which fresh inner, physical, and spiritual forces emerge in the human being; thus, if—through instruction—one introduces material into the curriculum before the ninth year that is intended to be taught only after that age, one causes the child harm rather than benefit for the rest of his or her life.
[ 16 ] Man braucht eine gründliche Kenntnis des menschlichen Lebens, wenn man eine gründliche, eine wahre, eine dem Menschen dienliche Erziehungskunst ausüben will. Man muß wissen, wie man als Lehrer wirken soll vor dem neunten Jahr und nach dem neunten Jahr. Man darf nicht, indem man ein alter, griesgrämiger Schulrat geworden ist, der zum Beirat eines Ministeriums berufen ist, aus irgendwelchen äußeren Rücksichten heraus Lehrpläne aufstellen: das für die erste Klasse; das für die zweite Klasse; das für die dritte Klasse und so weiter - es kommt nichts dabei heraus, was den Menschen stark ins Leben hineinstellen könnte. Die Menschennatur selber muß uns lehren, was wir in jedem einzelnen Lebensjahr des Kindes mit dem Kinde erzieherisch und unterrichtend zu vollbringen haben.
[ 16 ] One needs a thorough understanding of human life if one wishes to practice a thorough, true art of education that serves humanity. One must know how to act as a teacher before the age of nine and after the age of nine. One must not, having become an old, grumpy school superintendent appointed to a ministry’s advisory board, draw up curricula based on some external considerations: this for the first grade; that for the second grade; that for the third grade, and so on—nothing will come of it that could firmly establish a person in life. Human nature itself must teach us what we are to accomplish with the child, both educationally and in terms of instruction, in each and every year of the child’s life.
[ 17 ] Bedenken Sie nur einmal: indem Sie erwachsene Menschen sind, lernen Sie ja eigentlich immer noch vom Leben. Das Leben ist unser großer Lehrmeister. Aber diese Möglichkeit, vom Leben zu lernen, die tritt ja frühestens erst ein mit dem fünfzehnten, sechzehnten, siebzehnten Lebensjahr. Da erst stehen wir der Welt so gegenüber, daß wir von dieser Welt selbst lernen. Bis dahin ist der Lehrer, der Erzieher, der uns in der Schule entgegentritt, für uns die Welt. Ihn wollen wir verstehen, ihn wollen wir lieben, von ihm wollen wir uns belehren lassen; er soll das an uns heranbringen, was in der Welt draußen ist. Denn zwischen uns und der Welt ist zwischen dem siebenten und dem fünfzehnten Jahr ein Abgrund. Den soll uns der Lehrer überbrücken.
[ 17 ] Just think about it: even as adults, you’re actually still learning from life. Life is our great teacher. But this opportunity to learn from life doesn’t really arise until we’re fifteen, sixteen, or seventeen at the earliest. Only then do we face the world in such a way that we learn from it ourselves. Until then, the teacher, the educator we encounter in school, is the world to us. We want to understand him, we want to love him, we want to be taught by him; he is supposed to bring us closer to what lies in the world outside. For between us and the world—between the ages of seven and fifteen—there is an abyss. The teacher is supposed to bridge that gap for us.
[ 18 ] Ja, können Lehrer, die nicht von alledem ergriffen sind, was das Leben gibt, die bloß in dem versauert und verkümmert sind, was ihnen eingetrichtert worden ist — so die Grammatik, so die Naturgeschichte, so und so die anderen Fächer lehren und so weiter — die sich dann nicht um das bekümmern, was die Menschheit in unserem Zeitalter am tiefsten erschüttert, können solche Lehrer dem Kinde durch sieben bis acht Volksschuljahre hindurch das ganze Leben darstellen, offenbaren, wie sie es müßten? — Eine neue Menschenkunde, eine neue Menschenerkenntnis ist notwendig. Und aus dieser Menschenerkenntnis heraus muß der neue Enthusiasmus kommen, der sich in der Lehrerschaft entwickeln muß.
[ 18 ] Yes, can teachers who are not moved by all that life has to offer, who have merely withered away in what has been drummed into them—such as grammar, natural history, and so on with the other subjects—and who then pay no heed to what most deeply troubles humanity in our age—can such teachers present and reveal the whole of life to the child throughout seven to eight years of elementary school, as they ought to? — A new understanding of humanity, a new insight into human nature, is necessary. And from this understanding of humanity must come the new enthusiasm that must develop among the teaching staff.
[ 19 ] Das weist Sie hin ein bißchen auf das, was wir in unserem Lehrerkursus in bezug auf das Denken der Kinder vorbereitend pflegen, um den Menschen gründlich kennenzulernen, damit wir aus der Menschennatur selber heraus den Menschen ins Leben hineinstellen können.
[ 19 ] This gives you a little insight into what we do in our teacher training course to prepare for understanding children’s thinking, so that we can get to know human beings thoroughly and, based on human nature itself, help them find their place in life.
[ 20 ] Das Zweite, was entwickelt werden muß in einer Zeit, in der man nach einer sozialen Gestaltung der menschlichen Gesellschaft strebt, das ist vor allen Dingen ein soziales Verhalten des Lehrers zu den Kindern schon in der Schule; das ist eine neue Menschenliebe. Das ist ein Achten auf gewisse Kräfte, die zwischen dem Lehrer und dem Schüler spielen und die nicht spielen können, wenn der Lehrer nicht wirklich lebensvoll in die Erziehungskunst eingeführt ist.
[ 20 ] The second thing that must be developed in an age when we are striving for a social structure for human society is, above all, the teacher’s social behavior toward the children already in school; this is a new love of humanity. This involves paying attention to certain forces at work between the teacher and the student—forces that cannot come into play unless the teacher is truly and fully immersed in the art of education.
[ 21 ] Ja, daß der Maler malen lernen muß, daß der Musiker ein Musikinstrument beherrschen lernen muß und auch noch manches andere, daß der Architekt die Architekturlehre lernen muß, das gibt man zu, und man stellt gewisse Anforderungen an diese Leute, damit sie Künstler werden. Diese Anforderungen müssen wir auch an die Lehrer stellen, die wahre Menschenkünstler werden sollen. Aber wir müssen sie im Ernste stellen. Dazu müssen wir wissen, daß keine gegenwärtige Pädagogik und keine gegenwärtige Erziehungskunst dem Lehrer das gibt, was erst durch eine gründliche Menschenkunde gefunden werden muß, damit eine neue Menschenliebe im Verkehr zwischen Lehrer und Schüler auftreten kann. Daß der Lehrer auf seinem Gebiete ein wahrer Künstler werde, das muß angestrebt werden.
[ 21 ] Yes, it is acknowledged that a painter must learn to paint, that a musician must learn to master a musical instrument—and many other things as well—and that an architect must study the principles of architecture; and certain requirements are placed on these people so that they may become artists. We must also place these same requirements on teachers who are to become true artists of humanity. But we must impose them in earnest. To do so, we must recognize that no current pedagogy and no current art of education provides the teacher with what can only be discovered through a thorough study of human nature, so that a new love of humanity can emerge in the interaction between teacher and student. We must strive for the teacher to become a true artist in his or her field.
[ 22 ] Da spielt viel hinein. Der eine Lehrer betritt das Klassenzimmer: die Kinder fühlen sich das ganze Schuljahr hindurch abgestoßen; sie möchten am liebsten wieder hinaus aus dem Zimmer, weil ihnen das unangenehm ist, was der Lehrer die ganze Zeit über mit ihnen treibt. Ein anderer Lehrer braucht nur das Klassenzimmer zu betreten und bloß dadurch, daß er da ist, geht etwas durch die Schüler, was sogleich eine Brücke schafft zwischen jedem einzelnen Schüler und dem Lehrer. Wovon hängt denn so etwas ab? Der eine Lehrer, der auf die Schüler einen abstoßenden Eindruck macht, der geht nur in die Schule hinein, weil er sich nun auch, wie man sagt, sein Brot verdienen muß, weil er auch leben muß. Er hat sich angeeignet die äußeren Fähigkeiten, die Kinder zu dressieren. Er geht eigentlich ebenso ungern in die Schule hinein, wie die Kinder in die Schule hineingehen, und er ist auch froh, wenn er wieder draußen ist. Er betreibt die Sache mechanisch.
[ 22 ] There are many factors at play here. One teacher walks into the classroom: the children feel repelled throughout the entire school year; they would prefer to leave the room right away because they find it unpleasant what the teacher is doing to them the whole time. Another teacher need only enter the classroom, and simply by being there, something stirs within the students that immediately builds a bridge between each individual student and the teacher. What does something like this depend on? The teacher who makes a repulsive impression on the students goes to school only because, as they say, he has to earn a living—because he, too, has to make a living. He has acquired the external skills needed to drill the children. He is actually just as reluctant to go into school as the children are to go in, and he is also glad when he is back outside. He goes through the motions mechanically.
[ 23 ] Mich wundert es nicht, wenn die Mehrzahl der Lehrer der Gegenwart ihren Unterricht mechanisch betreiben, denn die Menschenkunde, die aus der heutigen Wissenschaft kommt, diese Wissenschaft, die aus dem industriellen, staatlichen und kapitalistischen Leben der letzten drei bis vier Jahrhunderte hervorgegangen ist, ist eine tote Wissenschaft. Sie hat auch nur eine tote Erziehungskunst hervorgebracht, höchstens ein spintisierendes Erziehen. Diejenige Menschenkunde, die wir hier anstreben, von der wir wollen, daß sie Unterrichtskunst werde durch die Waldorfschule, diese Menscheneinsicht, diese Menschenkunde, die führt so in das Wesen des Menschen hinein, daß sie selber den Enthusiasmus, die Begeisterung, die Liebe erzeugt, daß dasjenige, was da als Kunde vom Menschen in unsere Köpfe hineingeht, unser Tun und unser Fühlen durchtränkt. Wirkliche Wissenschaft ist nicht ein totes Wissen, wie es heute vielfach betrieben wird, sondern ein solches Wissen, das den Menschen mit Liebe zu seinem Gegenstand durchdringt.
[ 23 ] I am not surprised that the majority of today’s teachers conduct their lessons mechanically, for the study of human nature derived from modern science—a science that has emerged from the industrial, state, and capitalist life of the last three to four centuries—is a dead science. It has also produced nothing but a dead art of education—at best, a stultifying form of education. The understanding of human nature that we are striving for here—which we want to become the art of teaching through the Waldorf school—this insight into human nature, this understanding of human nature, penetrates so deeply into the essence of the human being that it itself generates enthusiasm, excitement, and love, so that what enters our minds as knowledge about human nature permeates our actions and our feelings. True science is not dead knowledge, as is often practiced today, but rather a kind of knowledge that permeates the human being with love for its subject.
[ 24 ] Deshalb soll es so sein, daß bei dem Seminarkursus, den die Lehrer durchmachen, um sich darauf vorzubereiten, Ihre Kinder zu erziehen und zu unterrichten, eine solche Menschenkunde an die Lehrer herankommt, die sie selber so durchdringt, daß zu der Menschenkunde, zu dem Verstehen des werdenden Kindes, Menschenliebe im Unterricht hinzukommt. Und aus der Liebe, die der Lehrer und die Lehrerin bei den Schülern entfalten werden, wird in den Schülern dasjenige entspringen, dasjenige erquellen, was ihnen Kraft geben wird, leichter den Lehrstoff aufzunehmen. Denn aus der rechten Liebe — nicht aus der äffigen Liebe -, sondern aus der echten Liebe, die dasjenige durchdringt, was wir im Schulzimmer oder sonst beim Lehren und Unterrichten und Erziehen machen, aus dieser echten Liebe kommt es, ob der Unterricht dem Kinde leicht oder schwer wird, ob das Erziehen für das Kind gut oder schlecht ist.
[ 24 ] Therefore, the seminar course that teachers take to prepare themselves to educate and instruct your children should impart such an understanding of human nature to the teachers that it permeates them so deeply that, in addition to this understanding of human nature and of the developing child, love for humanity is incorporated into their teaching. And from the love that the teachers will cultivate in their students, something will spring forth within the students—a wellspring that will give them the strength to absorb the material more easily. For it is from true love—not from superficial love, but from the genuine love that permeates everything we do in the classroom or elsewhere in our teaching, instruction, and upbringing—that it depends whether the lesson comes easily or with difficulty to the child, and whether the upbringing is good or bad for the child.
[ 25 ] Und was wir drittens an dem Kinde heranerziehen wollen und wofür wir unsere Lehrerschaft vorbereiten, damit sie verstehe, es in der richtigen Weise an die Kinder heranzubringen, das ist die Willenskraft. Diese Willenskraft wollen wir so pflegen, daß wir die Kinder schon in verhältnismäßig früher Kindheit anfangen lassen, etwas Künstlerisches zu treiben. Denn dieses Geheimnis kennen die meisten Menschen gar nicht, wie es mit dem Willen zusammenhängt, sich einmal in der Kindheit in der richtigen Weise mit Zeichnerischem, Malerischem, Musik und sonstigem Künstlerischem befaßt zu haben. Man tut dem Kinde etwas ungeheuer Gutes, wenn man solches an die Kinder heranbringt.
[ 25 ] And thirdly, what we want to cultivate in the child—and what we prepare our teachers for so that they understand how to convey it to the children in the right way—is willpower. We want to cultivate this willpower by having children begin to engage in artistic activities at a relatively early age. For most people are completely unaware of this secret—how it is connected to the will—that of having engaged in drawing, painting, music, and other artistic pursuits in the right way during childhood. One does the child an immense favor by introducing such activities to them.
[ 26 ] Unsere Kinder werden selbst Schreiben und Lesen aus dem Leben heraus lernen. So ist es beabsichtigt. Sie werden nicht pedantisch angehalten werden, Buchstaben schreiben zu lernen, die zunächst für jedes Kind, wenn es so abstrakt die Sache lernen soll, ja im Grunde genommen dasselbe sind, was die Buchstaben für die nordamerikanischen Indianer waren, als die europäischen «besseren» Menschen hinkamen. Ja, nicht wahr, der europäische «bessere» Mensch hat ja diesen nordamerikanischen Indianer mit Stumpf und Stiel ausgerottet. Uns ist die Erzählung von einem der letzten Häuptlinge dieser von den Europäern ausgerotteten Indianer Nordamerikas erhalten geblieben, der eine schöne Rede hielt: Der weiße Mensch, der bleiche Mensch kam, um den dunklen Menschen unter die Erde zu bringen in allen seinen Gliedern. Aber der dunkle Mensch hat auch Vorzüge gegenüber dem bleichen Menschen, so sagte dazumal dieser Häuptling, er hat nicht die kleinen Teufelchen, die ihr auf dem Papier habt. - Man möchte schon sagen: Als solche kleinen Teufelchen fühlen die Kinder heute auch zumeist, was ihnen die Lehrer mit aller Pedanterie und Philistrosität auf die Tafel oder aufs Papier hinmalen, damit sie auch lernen, es auf Papier hinzumalen. Alle solchen Dinge können aber aus dem Leben herausgeholt werden. Und wenn es uns gelingt, das auch anzuwenden, was wir versuchen wollen, werden die Kinder schneller lesen und schreiben lernen, weil alles aus dem Leben herausgeholt ist, weil das Schreiben aus dem Zeichnen und nicht aus der Willkür herauskommt. Dadurch werden wir es zu gleicher Zeit erreichen, die Kinder zu willenskräftigen Menschen zu machen, so daß sie später im Leben ihren Mann oder ihre Frau stellen können.
[ 26 ] Our children will learn to read and write on their own, through real-life experiences. That is the intention. They will not be pedantically required to learn to write letters, which—at first, when a child is expected to learn such an abstract concept—are essentially the same thing to every child as the letters were to the North American Indians when the “superior” Europeans arrived. Yes, isn’t that right? The “superior” European did, after all, wipe out those North American Indians root and branch. We have preserved the account of one of the last chiefs of these North American Indians—who were exterminated by the Europeans—who gave a beautiful speech: “The white man, the pale man, came to bury the dark man, limb by limb.” But the dark-skinned man also has advantages over the pale man, as this chief said back then: he doesn’t have those little devils that you have on paper. - One might even say: Today, children mostly perceive what their teachers draw on the blackboard or on paper with all their pedantry and philistinism—so that the children, too, will learn to draw it on paper—as such little devils. But all such things can be drawn from life. And if we succeed in applying what we intend to try, the children will learn to read and write more quickly, because everything is drawn from life, because writing arises from drawing and not from arbitrariness. In this way, we will simultaneously succeed in making the children strong-willed individuals, so that they can hold their own later in life.
[ 27 ] So werden wir nicht einfach oberflächlich sagen: Wir wollen Menschen erziehen, sondern wir fragen uns bescheiden und ehrlich mit einer tiefgründigen Wissenschaft zuerst: Was ist denn das Wesen des Menschen und wie offenbart es sich im werdenden Menschen? Wir gehen nicht und fragen zuerst bei den vorhandenen Ständen: Wozu sollen wir den Menschen erziehen und unterrichten, damit er seinem Stande genügt? Wir fragen auch nicht: Was schreibt diese oder jene Staatsgemeinschaft vor, wie wir den Menschen erziehen sollen, damit er dasjenige erfüllt, was sie von ihm verlangt? Nein, wir wenden uns an die einheitliche Menschennatur und ihre Anforderungen mit unseren Fragen. — Ja, sehen Sie, in dieser Beziehung stößt ja das, was die Menschen heute vielfach aus den alten sozialen Verhältnissen heraus haben, zusammen mit dem, was für eine sozialer gestaltete Menschenzukunft notwendig ist.
[ 27 ] Thus, we do not simply say superficially, “We want to educate people,” but rather, with humility and honesty, and drawing on profound scholarship, we first ask ourselves: What is the essence of the human being, and how does it manifest itself in the developing human being? We do not begin by asking the existing social classes: “For what purpose should we educate and instruct people so that they may fulfill the requirements of their station?” Nor do we ask: “What does this or that political community prescribe regarding how we should educate people so that they may fulfill what it demands of them?” No, we direct our questions toward human nature as a whole and its requirements. — Yes, you see, in this regard, what people today have inherited from old social conditions often clashes with what is necessary for a more socially structured future for humanity.
[ 28 ] Heute übernimmt Ja der Staat von den Eltern den werdenden Menschen, das Kind, in einem bestimmten Lebensalter. Er würde es ja früher übernehmen, aber da ist es ihm noch nicht reinlich genug; da überläßt er vorläufig die Erziehung und was mit dem Kinde zu tun ist den Eltern. Aber wenn es soweit gediehen ist, daß es nicht mehr zu schmutzig ist, übernimmt es der Staat, und er ordnet dasjenige an, was in das Kind hineingetrichtert werden soll. Selbstverständlich läßt er in das Kind dasjenige hineintrichtern, was er braucht, um seine Stellen zu besetzen, und dasjenige mit dem Menschen zu machen, was er will. Die Menschen sind dann auch, wenn sie herangewachsen sind, oftmals recht zufrieden. Denn es wird ihnen ja gesagt: Ihr bekommt eine sichere Lebensstellung, und wenn ihr nicht mehr arbeiten könnt, werdet ihr pensioniert. — Diese Pensionierung ist etwas, was als ein Ideal gewisser führender Kreise von Leuten vorschwebt. Das erwarten sie in bezug auf Erziehung vom Staate. Und dann erwarten sie vom Staate auch noch, daß er ihre Seelen durch den Religionslehrer in die Hand nehme, damit diese Seelen nicht selbst zu arbeiten brauchen, sondern die Kirche diese Arbeit für die Seele übernimmt und diese Kirche sie dann pensioniert in bezug auf ihre Seelen nach dem Tode. So möchte man sich heute alles abnehmen lassen. Das ist das Ergebnis einer ganz falschen Erziehung.
[ 28 ] Today, the state takes the unborn human being—the child—from the parents at a certain age. It would take the child over earlier, but at that stage the child is not yet “clean” enough for the state; so, for the time being, it leaves the child’s upbringing and care to the parents. But once the child has developed to the point where it is no longer “too dirty,” the state takes it over and dictates what is to be drummed into the child. Naturally, it has the child indoctrinated with whatever it needs to fill its positions and to do with the person whatever it wants. People are then, once they have grown up, often quite content. For they are told: You will have a secure livelihood, and when you can no longer work, you will retire. — This retirement is something that certain leading circles of people envision as an ideal. This is what they expect from the state in terms of education. And then they also expect the state to take charge of their souls through the religion teacher, so that these souls do not have to work on their own, but rather the church takes over this work for the soul, and this church then “retires” them in regard to their souls after death. That is how people today want to have everything done for them. This is the result of a completely flawed education.
[ 29 ] Eine wirkliche Erziehung sorgt dafür, daß Leib, Seele und Geist des Menschen innerlich frei und selbständig werden. Und eine wirkliche Erziehung sorgt dafür, daß der Mensch auch ins Leben hineingestellt wird. Glauben Sie nicht, wenn wir so die Menschen selber befragen - das heißt, des Menschen Natur und Wesenheit befragen -, wie wir sie erziehen sollen, daß wir unpraktische Menschen machten! Nein, im Gegenteil! Wir erziehen diejenigen Menschen, die sich dann wahrhaft kräftig in das Leben hineinstellen können. Wir erziehen volksschulmäßig diejenigen Menschen, welche im späteren Lebensalter das kennenlernen, was mehr für das äußere, praktische Leben notwendig ist; aber die Leute haben gelernt zu denken; die Leute haben gelernt richtig zu fühlen; und die Leute haben gelernt, ihren Willen richtig anzuwenden. Das alles wollen wir so einrichten, daß Wahrheit und Kraft darin walten, nicht daß in der Erziehungskunde und Erziehungskunst sich nur geltend macht die Phrase: man soll den Menschen richtig erziehen; man solle aus ihm einen wahren Menschen machen.
[ 29 ] True education ensures that a person’s body, soul, and spirit become inwardly free and independent. And true education ensures that a person is also prepared for life. Do not think that when we ask people themselves—that is, when we inquire into human nature and essence—how we should educate them, we are creating impractical people! No, on the contrary! We are educating people who will then be able to engage with life with true strength. We are educating people in the elementary school tradition so that, in later life, they will learn what is necessary for external, practical life; but these people have learned to think; they have learned to feel correctly; and they have learned to apply their will correctly. We want to organize all of this in such a way that truth and strength prevail within it, rather than allowing the educational theory and art to be dominated solely by the cliché: “One should educate people correctly; one should make them into true human beings.”
[ 30 ] Viel muß in der äußeren Welt geschehen, damit bessere soziale Verhältnisse herbeigeführt werden. Viel muß aber gerade auf dem Gebiete geschehen, auf dem die Waldorfschule einen Stein zu einem großen Gebäude aufrichten will. Es wird ein Schönes sein, wenn Sie mit vollem, herzlichem Sinn dabei sind, sich zu sagen: Pioniere wollen wir sein für ein zukünftiges Erziehungswesen; Pioniere in dem Sinn, daß wir die ersten sein wollen, die ihre Kinder einer solchen, in ein neues soziales Leben hineinwirkenden Zukunftserziehung anvertrauen. Pioniere wollen wir sein in dem Sinne, daß wir nicht nur glauben, ein paar äußere Einrichtungen werden zur Sozialisierung führen, sondern daß wir glauben, bis in das Innerste von Wissenschaft und Kunst und Erziehung müsse Wandel eintreten, wenn wünschenswerte Zustände der Menschheit herbeigeführt werden sollen.
[ 30 ] Much must happen in the outside world to bring about better social conditions. But much must also happen precisely in the area where the Waldorf School aims to lay a foundation stone for a great edifice. It will be a wonderful thing if you join in with wholehearted commitment, saying to yourselves: Let us be pioneers for a future system of education; pioneers in the sense that we want to be the first to entrust our children to such a future-oriented education that shapes a new social life. We want to be pioneers in the sense that we do not merely believe a few external institutions will lead to socialization, but that we believe change must take place right at the very heart of science, art, and education if desirable conditions for humanity are to be brought about.
[ 31 ] Wie stellen sich heute die Menschen oftmals vor, was eigentlich geschehen soll? Sozialisiert soll werden, aber die meisten Menschen, welche selbst ganz ehrlich reden von Sozialisierung, die denken: Nun ja, aber irgendwo da stehen die Universitäten, die haben schon alles recht gemacht. Zwar die äußere Stellung der Universitätsprofessoren, die muß vielleicht etwas geändert werden, aber die Wissenschaft selber, da dürfen wir nicht irgendwie daran rütteln. Mittelschule, Gymnasium, Realschule - die Leute denken gar nicht einmal daran, daß das, was im äußeren Leben ist, hervorgegangen ist aus diesen Schulen. Denn die Menschen, die in diesen Schulen erzogen werden, die haben das äußere Leben gemacht! Man denkt höchstens daran, man müsse das Volksschulwesen etwas anders gestalten, als es bisher war. Man gibt sich da recht sonderbaren Anschauungen hin, indem man sagt: Der Unterricht muß unentgeltlich erteilt werden. - Ich möchte wissen, wie das in Wirklichkeit gemacht werden soll. Man streut sich ja nur Sand in die Augen, denn der Unterricht muß bezahlt werden; er kann nicht unentgeltlich sein; es geht nur auf dem Umweg durch die Besteuerung oder dergleichen. Aber man erfindet solche Phrasen, die gar keiner Wirklichkeit entsprechen.
[ 31 ] What mental image do people today often have of what is actually supposed to happen? Socialization is supposed to take place, but most people who speak quite honestly about socialization think: Well, yes, but somewhere out there are the universities, and they’ve already done everything right. True, the external status of university professors may need to be adjusted somewhat, but as for science itself—we mustn’t tamper with that in any way. Middle school, high school, secondary school—people don’t even consider that what exists in the outer world has emerged from these schools. For the people educated in these schools are the ones who have shaped the outer world! At most, people think that the elementary school system needs to be organized somewhat differently than it has been so far. They indulge in rather strange notions, saying: “Education must be provided free of charge.”—I’d like to know how that’s actually supposed to be done. People are just pulling the wool over their own eyes, because education must be paid for; it cannot be free; it can only be funded indirectly through taxation or similar means. But people come up with such slogans that have no basis in reality.
[ 32 ] Die Menschen denken, das oder jenes soll ein bißchen an den Einrichtungen geändert werden. Daß alles gründlich von oben bis unten dem Wandel unterworfen werden müsse, daß wir eine andere Lehrerbildung brauchen, einen anderen Geist in der Schule, sogar eine andere Liebe, als sie jetzt durch die verbildete Lehrerschaft in die Schule hineingetragen wird, daran denken leider allzuwenig Menschen. Und Sie werden sich gegenüber der ganzen Menschheit ein großes Verdienst erwerben, wenn Sie in dieser Beziehung Pioniere sind; wenn Sie zum Heile der allgemeinen Menschheit daran denken, daß das Schulwesen erneuert werden muß, und wenn Sie mit herzlichem Interesse und herzlichem Sinn an dieser Erneuerung des Schulwesens teilnehmen. Je besser Sie daran denken, daran teilzunehmen, sich für dasjenige zu interessieren, was in dieser Waldorfschule geschehen soll, desto besser wird es auch der Lehrerschaft gelingen, mit Ihnen im Einklang zu wirken zum Heil und Segen Ihrer Kinder und damit der ganzen zukünftigen Menschheit — wenigstens in den Grenzen, an die wir zunächst denken können.
[ 32 ] People think that one thing or another needs to be changed a bit in the schools. That everything must undergo a thorough transformation from top to bottom, that we need a different kind of teacher training, a different spirit in the school, and even a different kind of love than what is currently being brought into the school by the misguided teaching staff—unfortunately, far too few people give this any thought. And you will earn great merit in the eyes of all humanity if you are pioneers in this regard; if, for the good of humanity as a whole, you recognize that the school system must be renewed, and if you participate in this renewal of the school system with heartfelt interest and sincerity. The more you keep this in mind—participating in and taking an interest in what is to take place at this Waldorf School—the better the teaching staff will be able to work in harmony with you for the benefit and blessing of your children and, thereby, of all future humanity—at least within the limits we can currently envision.
[ 33 ] Es kann der Mensch Ideale ausgestalten in der Einsamkeit. Die Ideale können schön sein. Er kann sie niederschreiben. Sie können diesem oder jenem Menschen gefallen. Gut, im Abstrakt-Idealen kann man einsam denken. Mit solchen Ideen, die sich auf Praktisches beziehen, mit Idealen, die verwirklicht werden sollen, wie das Ideal unseres neuen Schulwesens, ist man darauf angewiesen, Verständnis bei der Mitwelt zu finden. Verständnis möchte man dem Ideal der Waldorfschule wünschen, und zuerst bei den Eltern der Kinder, die der Waldorfschule anvertraut werden.
[ 33 ] A person can develop ideals in solitude. These ideals can be beautiful. He can write them down. They may appeal to this or that person. True, one can think in isolation when dealing with abstract ideals. But with ideas that relate to practical matters—with ideals meant to be realized, such as the ideal of our new school system—one is dependent on finding understanding among those around us. One would wish for such understanding for the ideal of the Waldorf school, and first and foremost from the parents of the children entrusted to the Waldorf school.
[ 34 ] Herr Molt hat gesprochen von der Verantwortung, die ihn trifft. Er hat recht. Diese Verantwortung ist aber eine noch viel weitergehende Sache. Dieser Verantwortung sind wir uns alle, indem wir für die Waldorfschule vorarbeiten, bewußt und werden uns immer bewußt bleiben. Denn eine solche Verantwortung liegt immer vor, wenn man in einer so radikalen Weise einem Ideal zustrebt, wie es durch die Waldorfschule geschehen soll, und wenn man genötigt ist, durch die Inangriffnahme dieses Ideals zu brechen mit dem, was Vorurteile in den weitesten Kreisen sind. Es wird heute wahrhaftig nicht leicht, alles dasjenige herauszufinden, was getan werden muß, damit die Kinder richtig erzogen werden, gerade volksschulmäßig. Denn die Phrase hat da zu große Verheerungen angerichtet.
[ 34 ] Mr. Molt spoke of the responsibility that falls upon him. He is right. But this responsibility is something that goes much further. We are all aware of this responsibility as we work to lay the groundwork for the Waldorf School, and we will always remain aware of it. For such a responsibility always exists when one strives toward an ideal in such a radical way as is intended by the Waldorf School, and when one is compelled, by taking on this ideal, to break with what are widely held prejudices. It is truly not easy today to determine everything that must be done to ensure that children are properly educated, especially in elementary school. For empty rhetoric has wreaked too much havoc in this regard.
[ 35 ] Die Kinder sollen spielend unterrichtet werden — das war ja insbesondere auch das Ideal bürgerlicher Mütter, die in einer gewissen Liebe, man nennt das Affenliebe, den Kindern zugetan sind und die sich dasjenige, was man von der einen Seite mit einem gewissen Recht betonen kann - der Unterricht solle dem Kinde nicht zum Ekel werden -, so umsetzen, daß sie sagen, der Unterricht solle spielend vollzogen werden. - Wir sind uns alle ganz klar darüber: in den Unterricht muß in der richtigen Weise das Spiel wie auch die für das Leben vorbereitende Arbeit eingereiht werden, aber wir sind uns auch dessen bewußt, daß ein Spiel, zu dem die Kinder dressiert werden, kein Spiel mehr ist. Jenes Spielen, das heute in unseren Schulen vielfach gepflegt wird, zu dem die Kinder eben hindressiert werden, wie sie früher pedantisch zum Lernen dressiert wurden, das ist kein Spiel mehr. Spielen kann nur in Freiheit vollzogen werden. Aber es muß auch das Spiel abwechseln mit anderer Art, sich zu betätigen, so daß das Kind den Ernst der Arbeit kennenlernt, damit es im Leben dem Ernst der Arbeit gewachsen ist. Und so werden wir nach keiner Seite hin mit der Phrase arbeiten; wir werden der Arbeit ihre Zeit anweisen und dem Spiel seine Zeit anweisen, und werden alles nach den Offenbarungen der Wesenheit des werdenden Menschen, das heißt des Kindes, beurteilen.
[ 35 ] Children should be taught through play—that was, in particular, the ideal of bourgeois mothers who are devoted to their children with a certain kind of love, what is called “monkey love,” and who implement what can, with some justification, be emphasized from one perspective—that instruction should not become a source of disgust for the child—in such a way that they say instruction should be carried out through play. - We are all quite clear on this: play, as well as work that prepares children for life, must be properly integrated into instruction; but we are also aware that a form of play to which children are trained is no longer play. The kind of play that is widely practiced in our schools today—the kind to which children are trained, just as they were once pedantically trained to study—is no longer play. Play can only take place in freedom. But play must also alternate with other forms of activity, so that the child learns the seriousness of work and is thus able to cope with the seriousness of work in life. And so we will not resort to empty phrases on either side; we will assign a time for work and a time for play, and we will judge everything according to the revelations of the essence of the developing human being—that is, the child.
[ 36 ] Denn so, wie wir uns einleben sollen in wahre Menschenkunde, schwebt es uns vor, daß wir allmählich die Schule dahin bringen, daß die Kinder gerne in diese Schule hineingehen, daß sie sich freuen, in diese Schule hineinzugehen. Wir werden nichts Unnatürliches erziehen. Es wäre selbstverständlich unnatürlich, zu glauben, daß Kinder, die wieder einmal Ferien haben sollten, nicht lieber im Freien herumtollen, statt zur Schule zu gehen. Wir werden auch nicht so unverständig sein, zu glauben, daß Kinder, nachdem sie wochenlang herumgetollt haben, in der ersten Stunde hübsch brav sitzen sollen. Wir werden unsere Kinder verstehen. Aber wir werden es doch dahin bringen, daß nach einiger Zeit durch die Art, wie wir uns zu den Schülern verhalten, diese Schüler das, was in der Schulzeit geschieht, gerade so gerne tun wie das Herumtollen während der Ferien. Und das wird ein Ideal sein für die Waldorfschule, daß die Kinder wirklich aus innerem Antrieb dasjenige tun, was sie tun sollen. Nicht werden wir unser Ziel darin sehen, den Kindern bloß zu befehlen, sondern wir werden unser Ziel darin sehen, uns zu den Kindern so zu verhalten, daß die Kinder an unserem Verhalten empfinden: Das tue ich gerne, das mache ich gerne durch mit dem, der mir als Lehrerautorität vorgesetzt ist.
[ 36 ] For just as we are to immerse ourselves in true anthropology, it is our vision that we gradually transform the school so that children enjoy going to this school, so that they are happy to attend it. We will not instill anything unnatural. It would, of course, be unnatural to believe that children, when they are on vacation once again, would not rather run around outdoors than go to school. Nor will we be so foolish as to believe that children, after romping around for weeks on end, should sit nicely and quietly during the very first lesson. We will understand our children. But we will nevertheless ensure that, after some time—through the way we relate to the students—these students will come to enjoy what happens during school hours just as much as they enjoy romping around during the holidays. And that will be an ideal for the Waldorf school: that the children truly do what they are supposed to do out of an inner impulse. We will not see our goal as merely giving orders to the children, but rather we will see our goal as behaving toward the children in such a way that they sense from our behavior: “I am happy to do this; I am happy to go through with this together with the person who is set before me as a teacherly authority.”
[ 37 ] Und dann werden Ihre Kinder nach dem Unterricht nach Hause kommen, und wir möchten gerne, daß Sie dann Freude haben, wenn die Kinder Ihnen vorplaudern von dem, was ihnen in der Schule freudigen Genuß bereitet hat. Wir möchten gerne, daß Sie sich erfreuen an den sich freuenden Gesichtern der Kinder, wenn sie aus der Schule nach Hause kommen. Nicht deshalb, weil wir das ganze Leben zu einer Unterhaltung machen möchten, wahrhaftig nicht! - sondern weil wir wissen, wieviel von dem, was heute so furchtbare soziale Zustände sind, davon kommt, daß die Sache anders war. Und weil wir wissen, daß noch Schlimmeres in die Menschheit kommen würde, wenn nicht in der Erziehungsfrage sorgfältig angefangen würde, neuen sozialen Zuständen zuzustreben. Nicht um dem Kinde Freude zu machen, sondern weil wir wissen, was die Freude dem Kinde für eine Kraft gibt, wollen wir alles daransetzen, in dem ernsten Sinn den Unterricht und die Erziehung so zu gestalten, wie ich mir erlaubte, es Ihnen zu schildern.
[ 37 ] And then your children will come home after school, and we would like you to feel joy when they tell you about the things that brought them joy at school. We would like you to take pleasure in the children’s happy faces when they come home from school. Not because we want to turn life into one big entertainment, truly not!—but because we know how much of what are today such terrible social conditions stems from the fact that things used to be different. And because we know that even worse things would befall humanity if we did not begin, in the matter of education, to carefully strive toward new social conditions. Not to bring joy to the child, but because we know what strength joy gives the child, we want to do everything in our power to shape instruction and education in the serious sense that I took the liberty of describing to you.
[ 38 ] Wir möchten diese neue Schule schaffen wie ein Beispiel; diese Schule, nach der sich eigentlich ahnungsvoll viele Menschen sehnen, die man aber nicht den Mut hat, wirklich ins Auge zu fassen. Glauben wird man müssen, verstehen wird man müssen, daß dasjenige, was man soziale Frage nennt, durchaus auch an der so charakterisierten Schulfrage hängt; daß dasjenige, was man soziale Umwandlung nennt, sich nicht zuletzt in der Weise wird vollziehen müssen, wie das bei der Waldorfschule versucht wird. Es würde ein ungeheurer Schaden sein, wenn gerade der soziale Impuls verkannt würde, welcher der Begründung der Waldorfschule zugrunde liegt. Möge er erkannt werden zuallererst bei denjenigen, die ihre Kinder dieser Waldorfschule anvertrauen. Der Verantwortung sind wir uns voll bewußt: etwas in die Welt zu setzen, dem Sie anvertrauen sollen Wohl und Wehe, Entwicklung und Zukunft Ihrer Kinder. Aber wir haben uns zu dem, was geschehen soll unter dieser Verantwortung, wahrhaftig nicht aus irgendeiner Willkür hingewendet. Wir haben uns zu dem aus der Erkenntnis heraus hingewendet, daß unsere Zeit solche Aufgaben notwendig macht; aus der Erkenntnis heraus, wie es besonders jetzt notwendig ist, mit dem Besten, was der Mensch verstehen kann, an den werdenden Menschen, an das Kind heranzutreten.
[ 38 ] We would like to create this new school as a model—a school that many people actually intuitively long for, but do not have the courage to truly envision. People will have to believe, will have to understand, that what is called the “social question” is indeed closely linked to the “school question” as characterized here; that what is called “social transformation” will have to take place, not least, in the way that is being attempted at the Waldorf School. It would be a tremendous loss if the very social impulse underlying the founding of the Waldorf School were to be misunderstood. May it be recognized first and foremost by those who entrust their children to this Waldorf School. We are fully aware of our responsibility: to bring into the world something to which you are to entrust the welfare and well-being, the development and the future of your children. But we have truly not turned to what is to be accomplished under this responsibility out of any whim. We have turned to this out of the realization that our times necessitate such tasks; out of the realization of how necessary it is, especially now, to approach the developing human being—the child—with the best that humanity can comprehend.
[ 39 ] Ich weiß nicht, ob Sie das Gefühl genau kennen, [das man haben konnte,] wenn man während dieser furchtbaren Kriegsjahre, den letzten vier bis fünf Jahren, so durch die Welt gegangen ist und die Kinder gesehen hat, wie sie aufgewachsen sind, die Sechs-, Sieben-, Neunjährigen oder noch Kleineren. Dann konnte man zuweilen recht tiefen Schmerz empfinden, wenn man nicht ahnungslos und gedankenlos in der Welt lebte, sondern wenn man ein Bewußtsein hatte von dem, was bevorsteht, wenn nicht an Abhilfe gedacht wird für dasjenige, was die Menschheit in solch furchtbare Lage hineingebracht hat. Da wurde es einem schwer im Herzen, die heranwachsenden Kinder in der letzten Zeit zu sehen. Man konnte sie eigentlich nicht sehen ohne tiefsten Herzschmerz, wenn man nicht zu gleicher Zeit, soweit man selbst dazu in der Lage ist, den Entschluß faßte, eine andere Art des Kindesaufwachsens herbeizuführen, als diejenige war, durch die viele Menschen der Gegenwart gehen mußten, wodurch aber auch Unglück und Not der Gegenwart so vielfach herbeigerufen worden ist. Mit der Erziehung schaffen wir im eminentesten Sinne ein Stück Menschenzukunft. Aber man muß sich klar sein darüber, daß man umlernen, umdenken muß mit Bezug auf viele Dinge, denn man erfährt gerade heute bei hohen und niedrigen Erziehern sonderbare Dinge.
[ 39 ] I don’t know if you’re familiar with the exact feeling [one might have had] when, during those terrible years of war—the last four or five years—you went about the world like that and saw the children growing up: the six-, seven-, and nine-year-olds, or even younger ones. At times, one could feel quite deep pain—not if one lived in the world oblivious and thoughtless, but if one was aware of what lies ahead unless a remedy is found for what has brought humanity into such a terrible situation. It weighed heavily on one’s heart to see these growing children in recent times. One could not really look at them without the deepest heartache unless, at the same time—to the extent that one is capable of doing so—one resolved to bring about a different kind of upbringing for children than the one through which so many people of the present have had to pass—a process that has also so often brought about the misfortune and hardship of the present. Through education, we shape a piece of humanity’s future in the most profound sense. But one must be clear that one must relearn and rethink many things, for even today, among educators both high and low, one encounters strange things.
[ 40 ] Sehen Sie, ich habe in einer Stadt hier in der Nachbarschaft, die eine Hochschule hat, vor einiger Zeit darüber gesprochen, daß es zur sozialen Frage unter anderem auch gehöre, daß der Mensch sich, gedrückt durch die Gestaltung der Lebensfragen, wie es in der Gegenwart ist, nicht in einem menschenunwürdigen Dasein befinde. Ich charakterisierte dann das des weiteren. Da trat nachher man sollte es wahrhaftig nicht glauben, daß es so etwas gibt in der Gegenwart - ein Universitätsprofessor auf und sagte: er könne nicht fassen, warum ein menschenunwürdiges Dasein sich mit dem Lohnverhältnis des heutigen Proletariats verknüpfe. Er sehe eigentlich keinerlei Unterschied, wenn zum Beispiel der Caruso singe, und für den Abend dreißig- bis vierzigtausend Mark bekomme als Entlohnung, das sei doch geradeso, wie wenn der proletarische Arbeiter seine Entlohnung bekomme und wie er als Professor seine Entlohnung bekomme. Er sehe keinen Unterschied. Daher sei der Lohn nicht als das Menschendasein entwürdigend anzusehen. Der Caruso bekomme eben nur mehr für einen Abend. Es sei nur ein Unterschied in der Größe der Entlohnung, aber kein prinzipieller Unterschied, Lohn sei alles.
[ 40 ] You see, some time ago I spoke in a town here in the neighborhood—one that has a college—about how part of the social question is, among other things, ensuring that people, weighed down by the circumstances of their lives as they are today, do not find themselves living in conditions unworthy of human dignity. I went on to elaborate on this further. Then—and you really wouldn’t believe that such a thing exists today—a university professor stood up and said he couldn’t understand why an inhuman existence should be linked to the wage conditions of today’s proletariat. He actually saw no difference whatsoever, for example, when Caruso sang and received thirty to forty thousand marks as payment for the evening; that was just the same as when a proletarian worker received his wages or when he, as a professor, received his salary. He saw no difference. Therefore, wages should not be regarded as degrading to human dignity. Caruso simply receives more for a single evening. There is only a difference in the amount of the remuneration, but no difference in principle; wages are everything.
[ 41 ] Das bekommt man heute als Antwort von einem hochgebildeten Lehrer der Jugend. Mancherlei Antworten bekommt man auch von an weniger hohen Schulen Lehrenden. Das weist gar sehr hin auf die Notwendigkeit einer Erneuerung unseres Unterrichts- und Erziehungswesens. Man kann sagen: Wahrhaftig, wenn man heute in die Nähe so mancher Schulen, höherer Schulen kommt, und gerade von dieser Seite hört, was gesagt wird gegenüber der Neugestaltung unserer sozialen Verhältnisse, was gesagt wird auch gegenüber der Notwendigkeit, die Schulen neu zu gestalten, so ist das der lebendigste Beweis, daß diese Schulen neu gestaltet werden müssen. Denn was diese Leute sagen, können sie wahrhaftig nur dadurch sagen, daß diese Schule bisher eine Gestalt hatte, die anders werden muß.
[ 41 ] That is the kind of answer one gets today from a highly educated teacher of young people. One also hears all sorts of answers from teachers at schools of a lower level. This points very clearly to the need for a renewal of our educational system. One might say: Truly, when one goes near many schools today—especially secondary schools—and hears from this very quarter what is being said about the restructuring of our social conditions, and what is being said about the need to restructure the schools themselves, this is the most vivid proof that these schools must be restructured. For what these people say, they can truly say only because these schools have, until now, taken a form that must change.
[ 42 ] Nun, zweierlei könnte eintreten. Herr Molt hat sich das Ideal vorgesetzt, die Schule zu begründen, welche heute über acht Tage feierlich eröffnet werden soll. Es könnte sein, daß durch eigentümliche Verhältnisse in unserer Zeit die Absicht verkannt würde, daß Widerstände sich auftun würden, so daß dieses Ideal nicht verwirklicht werden könnte; daß man es aus der Welt schafft, nachdem es kurze Zeit gewirkt hat und dergleichen. Dann wird man einmal sagen: Nun ja, Herr Molt hat etwas sehr Ideales gewollt, aber es war eine Utopie. So etwas läßt sich eben nicht so ohne weiteres verwirklichen. - Warum ist es eine Utopie gewesen? Weil man es nicht verstanden hat oder weil man Widerstände entgegengesetzt hat!
[ 42 ] Well, two things could happen. Mr. Molt has set himself the goal of founding the school, which is to be officially opened in eight days’ time. It could be that, due to the peculiar circumstances of our time, his intention would be misunderstood, that resistance would arise, so that this ideal could not be realized; that it would be done away with after having been in effect for only a short time, and the like. Then people will say one day: Well, Mr. Molt wanted something very idealistic, but it was a utopia. Something like that simply cannot be realized just like that. — Why was it a utopia? Because people didn’t understand it, or because they put up resistance!
[ 43 ] Oder das Zweite kann eintreten: Verständnis kann sich ergeben für dasjenige, was selber aus einem echten sozialen Verständnis herausgeboren ist, Verständnis für das wirklich Praktische dieses idealen Wollens. Dann wird sich dasjenige, was da gewollt wird, einleben. Es wird sich so einleben, daß Sie zuerst und andere nachher sagen werden: Da hat einmal ein Mensch praktischer gesehen als die anderen, welche sich ganz mit Praxis angefüllt glaubten. Dann wird man nicht sagen: Eine Utopie hat gewaltet -— dann wird man sagen: Etwas richtig Praktisches ist in die Welt gesetzt worden!
[ 43 ] Or the second possibility may occur: understanding may arise for that which itself is born of genuine social understanding—an understanding of the truly practical aspect of this ideal will. Then what is willed there will take root. It will take root in such a way that you will say first, and others will say afterward: There was once a person who saw things more practically than the others, who believed themselves to be entirely filled with practicality. Then people will not say: A utopia has prevailed—then they will say: Something truly practical has been brought into the world!
[ 44 ] Möge von diesen beiden Möglichkeiten die letztere eintreten! Für denjenigen, der Herz und Sinn hat für die soziale Entwicklung der Menschheit in der Gegenwart und in die Zukunft hinein, erscheint es wahrhaftig als eine Notwendigkeit, daß diese zweite Möglichkeit eintritt. Darum werden wir mit innigster Befriedigung auf die Tatsache blicken dürfen, die dann eintreten würde, wenn Sie als die ersten, die ihre Kinder in die Waldorfschule schicken werden, verständnisvoll den Lehrern, die dort wirken, an die Seite treten, mit Interesse an die Seite treten werden. Das wird der Anfang sein davon, daß das, was mit dieser Schule gedeihen soll, auch wirklich gedeihen kann.
[ 44 ] May the latter of these two possibilities come to pass! For anyone who cares deeply about the social development of humanity—both now and in the future—it truly seems essential that this second possibility be realized. That is why we will be able to look with the deepest satisfaction upon the reality that would then come to pass if you—as the first to send your children to the Waldorf School—were to stand by the teachers working there with understanding and interest. That will be the beginning of ensuring that what is meant to flourish through this school can truly flourish.
[ 45 ] Möge es gedeihen! Möge es so gedeihen, daß diejenigen, die dieses Gedeihen kennenlernen, recht bald an den verschiedensten Orten den Entschluß fassen, dergleichen zu tun. Denn selbstverständlich wird nur dasjenige hervorgehen können aus der Waldorfschule, was aus ihr hervorgehen soll, wenn möglichst bald an recht vielen Orten ein Gleiches aus gleichem Geiste heraus gebildet wird. Dann werden sehr bald sehr viele nachfolgen. Dann wird der Geist frei walten und sich ein freies soziales Unterrichts- und Erziehungswesen über die zivilisierte Erde verbreiten. Dann wird dieser Geist und dieser Sinn in die zivilisierte Erde einträufeln und wird dort drinnen eine wichtige Kraft sein für alles das, was uns helfen soll, zu einem besseren, menschenwürdigeren Dasein zu kommen in der sozialen Gestaltung.
[ 45 ] May it flourish! May it flourish in such a way that those who come to know this flourishing will very soon resolve, in a wide variety of places, to do the same. For, of course, the Waldorf School will only be able to produce what it is meant to produce if, as soon as possible, similar schools are established in many places, all born of the same spirit. Then, very soon, many will follow. Then the spirit will reign freely, and a free social system of teaching and education will spread across the civilized world. Then this spirit and this purpose will permeate the civilized world and will be an important force there for everything that is meant to help us achieve a better, more humane existence in our social structure.
[ 46 ] Möge man begreifen, daß die soziale Frage eine vielgestaltige ist, und daß eine der allerwichtigsten Gestaltungen die Schul- und Erziehungsfrage ist. Möge es geschehen, daß in den Herzen recht vieler gegenwärtiger Menschen Verständnis und Einsicht dahingehend erstehe, in den Kindern Kräfte des Denkens, Fühlens und Wollens zu entwickeln, so daß diese Kinder, wenn sie erwachsen sein werden, dankbar auf ihre Eltern zurückblicken, die da gestanden haben und zuerst die soziale Frage gesehen haben, aber noch gelitten haben unter demjenigen, was ihnen versagt wurde, aus dem Grunde, weil sie noch nicht die neue, sozial gestaltete Erziehung haben durchmachen können. Zu diesen Eltern aber, denen der Keimgedanke zu solcher Erziehung verständlich geworden ist, werden die Kinder dankbar zurückblicken, die in eine neue Zeit neben manchem anderen auch die Kraft hineintragen werden, die ihnen in einer wahrhaft menschenrichtigen Erziehung und in einem menschenrichtigen Unterricht geworden ist.
[ 46 ] May people come to understand that the social question is multifaceted, and that one of its most important aspects is the issue of schooling and education. May understanding and insight arise in the hearts of many people today regarding the need to develop in children the powers of thought, feeling, and will, so that when these children become adults, they will look back with gratitude on their parents, who stood firm and were the first to recognize the social question, but who still suffered from what was denied to them, simply because they had not yet been able to undergo the new, socially oriented education. But the children will look back with gratitude upon those parents for whom the seed of such an education has become understandable; these children will carry into a new era—along with many other things—the strength they have gained through an education and instruction that are truly in keeping with human nature.
[ 47 ] Brauchbar wollen vielfach die Menschen den Menschen machen für das Leben. Das haben sie auch in der alten Unterrichtslehre gesagt. Menschenwürdig wollen wir durch die neue Erziehungslehre und Unterrichtskunst den Menschen ins Leben hineinstellen, dann wird durch Menschen, die so erzogen werden, dieses Leben selber so gestaltet werden, daß es menschenwürdig an den Menschenwürde recht verstehenden Menschen herantritt. - Möge solcher Geist walten bei der Begründung des Werkes, das Herr Molt einem Teil der Menschen in seiner Waldorfschule geben will.
[ 47 ] People often want to make human beings fit for life. This was also stated in the old pedagogical doctrine. Through the new educational philosophy and the art of teaching, we want to help people enter life in a way that is worthy of human dignity; then, through people educated in this way, life itself will be shaped in such a way that it approaches those who truly understand human dignity in a manner worthy of human dignity. — May such a spirit prevail in the founding of the work that Mr. Molt intends to offer to a portion of humanity in his Waldorf School.
[ 48 ] Frage: In welcher Weise wird in der Waldorfschule der Religionsunterricht erteilt? - Und in welcher Weise wird auf die Gefühle der Kinder, die aus anderen Schulen kommen, Rücksicht genommen?
[ 48 ] Question: How are religious education classes taught at Waldorf schools? — And how are the feelings of children coming from other schools taken into consideration?
[ 49 ] Rudolf Steiner: Es soll im strengsten Sinne zunächst das festgehalten werden, daß die Waldorfschule nicht eine Weltanschauungsschule ist. Dasjenige, was aus der Weltanschauung genommen wird, die wir hier seit Jahrzehnten vertreten, das soll nicht dogmatisch an die Kinder herangebracht werden. Das soll nur dazu verwendet werden — weil es verwendet werden kann -, die Unterrichtsmethodik, die ganze Behandlungsweise des Unterrichts zu verbessern, zu reformieren.
[ 49 ] Rudolf Steiner: First and foremost, it must be clearly stated that the Waldorf School is not a school based on a particular worldview. The elements drawn from the worldview that we have been advocating here for decades should not be presented to the children in a dogmatic manner. They should be used solely—because they can be used—to improve and reform teaching methods and the entire approach to instruction.
[ 50 ] Dagegen müssen wir, das fordert unsere heutige Zeit, ganz absehen davon, dem Inhalte nach die Weltanschauung den Kindern zu überliefern. Das katholische Kind soll vom katholischen Religionslehrer in der katholischen Lehre unterrichtet werden; es sollen seine religiösen Übungen vom katholischen Religionslehrer geleitet werden. Ebenso das evangelische Kind. Wir wollen nicht in der Verbreitung irgendeiner Weltanschauung dasjenige suchen, was mit der Waldorfschule geleistet werden soll, sondern wir wollen, daß eine neue Unterrichtsmethode, Unterrichtsbehandlung, eine neue Erziehungsmethode und Erziehungsbehandlung aus dem herausquelle, was wir hinstellen können.
[ 50 ] On the other hand, as our times demand, we must completely refrain from imparting a worldview—in terms of its content—to the children. The Catholic child should be taught Catholic doctrine by a Catholic religion teacher; his or her religious practices should be guided by a Catholic religion teacher. The same applies to the Protestant child. We do not seek to achieve the mission of the Waldorf School through the propagation of any particular worldview; rather, we want a new teaching method, a new approach to instruction, a new educational method, and a new educational approach to spring forth from what we are able to provide.
[ 51 ] Was mit den Kindern geschieht, die von anderen Schulen übernommen werden, ist eine sehr wichtige Frage, namentlich für die Kinder im vorgeschrittenen Alter. Wir werden nicht etwa mit der ersten Klasse beginnen und Klassen daraufsetzen, sondern wir werden gleich eine ganze Volksschule bis hinauf begründen. Da bekommen wir Kinder aller möglichen Altersstufen. Wir werden selbstverständlich durch die Methode, die wir jetzt in unserem Seminar besprechen, später manches anders machen können, wenn wir vom ersten Schuljahr an nur Kinder haben, die von uns unterrichtet werden, aber wir werden jetzt alle Rücksicht nehmen auf das, was die Kinder [bereits an anderen Schulen] in sich aufgenommen haben. Wir werden bei jeder Jahresklasse durchaus an das anknüpfen, was die Kinder vorher aufgenommen haben, und es nur in dem Sinne durchführen, wie wir es eben unserer Methode gemäß durchgeführt denken müssen. - Wir werden, was wir den Kindern angedeihen lassen wollen an Vorteilen, nur darin suchen, daß wir mit dem Unterricht ökonomisch verfahren. Der Laie weiß nicht, was auf diesem Gebiet alles geleistet werden kann. Wenn man so ökonomisch verfahren kann, kann man manches, was heute in zwei Stunden gelehrt wird, in einer Viertelstunde lehren. Das ist eine Sache der Methode, nur muß man die Methode kennen. Da ist es ungeheuer wichtig, daß etwas, was in einer Viertelstunde beigebracht werden kann, nicht in zwei Stunden beigebracht wird durch eine falsche Methode. Indem wir die richtige Methode, das heißt die der Menschennatur entsprechende Methode anwenden, werden wir ökonomisch im Unterricht verfahren können und dadurch manches leisten, was andere Schulen nicht leisten können, und dennoch überall die Lehrziele erreichen. So daß, solange unsere gegenwärtige Ordnung besteht, die Schüler, wenn sie bei uns die Schule absolviert haben, in andere Lehranstalten übertreten können, daß sie keine Zeit verlieren und dergleichen. Diese Dinge werden wir uns auch angelegen sein lassen.
[ 51 ] What happens to the children who are transferred from other schools is a very important question, especially for older children. We will not start with first grade and build up from there; rather, we will establish an entire elementary school right from the start. This means we will have children of all ages. Of course, thanks to the method we are now discussing in our seminar, we will be able to do some things differently later on, once we have only children whom we teach from the very first school year onward; but for now, we will take full account of what the children have already absorbed [at other schools]. In each grade level, we will definitely build upon what the children have previously learned and implement it only in the manner required by our method. — We will seek to provide the children with benefits solely by teaching in an efficient manner. The layperson does not know what can be achieved in this field. If one can proceed so efficiently, one can teach much of what is currently taught in two hours in just a quarter of an hour. This is a matter of method; one simply must know the method. It is therefore immensely important that something which can be taught in a quarter of an hour is not taught in two hours due to an incorrect method. By applying the correct method—that is, the method in accordance with human nature—we will be able to conduct our instruction efficiently and thereby achieve many things that other schools cannot, while still meeting all educational objectives. So that, as long as our current system remains in place, students who have completed their schooling with us can transfer to other educational institutions without losing any time or facing similar issues. We will also make it a priority to ensure these things.
