The Concept and Practice of Waldorf schools
GA 297
25 November 1919, Basel
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The Concept and Practice of Waldorf schools, tr. SOL
5. Die sozial-pädagogische Bedeutung der Anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft
5. The Social-Pedagogical Significance of Anthroposophically Oriented Spiritual Science
[ 1 ] Daß die soziale Frage zu den brennendsten öffentlichen Angelegenheiten der Gegenwart gehört, das braucht man gegenüber den laut und deutlich sprechenden Tatsachen nicht erst zu beweisen. Aber für denjenigen, der diese laut und deutlich sprechenden Tatsachen vorurteilslos zu beobachten vermag, kann es auch durchaus ersichtlich sein, wie in jene Forderungen, die sich als die sozialen heute geltend machen, nicht nur diejenigen Probleme hineinspielen, die man gewöhnlich unter dem Schlagwort der «sozialen» zusammenfaßt, sondern viel, viel tiefere Menschheitsfragen.
[ 1 ] Given the loud and clear evidence, there is no need to prove that the social question is one of the most pressing public issues of our time. But for those who are able to observe these loud and clear facts without prejudice, it may also be quite evident how the demands that are currently being made in the name of social justice involve not only the problems usually summarized under the heading of “social,” but also much, much deeper questions of humanity.
[ 2 ] Man dürfte erkennen, wie gewissermaßen herausspringen aus diesen sozialen Problemen diese tieferen Menschheitsfragen, wenn man auf die Beziehungen, auf die zunächst sich äußerlich offenbarenden Beziehungen des gegenwärtigen Geisteslebens und Geistesstrebens zu den sozialen Tatsachen sein Augenmerk wendet.
[ 2 ] One can see how these deeper questions of humanity, as it were, emerge from these social problems when one turns one’s attention to the relationships—the relationships that initially manifest themselves externally—between contemporary spiritual life and spiritual striving and social realities.
[ 3 ] Da wird am auffallendsten sein, wie in weitem Umfange unser gegenwärtiges Geistesleben gerade den brennenden sozialen Forderungen gewissermaßen ohnmächtig gegenübersteht. Ich brauche nur auf zwei Erscheinungen im Wissenschaftsleben der Gegenwart aufmerksam zu machen, um diese Ohnmacht zu beweisen. Wir wissen ja, daß sich neben anderen wissenschaftlichen Zweigen im Laufe der neueren Kulturentwicklung auch so etwas wie eine Art von akademischer Sozial- oder Nationalökonomie herausgebilder hat. Es dürfte auch bekannt sein, wie die verschiedensten Schulrichtungen sich im Laufe der letzten Jahrhunderte, insbesondere des 19. Jahrhunderts, auf dem Gebiete der Nationalökonomie geltend gemacht haben. Man weiß, daß da eine merkantilistische Schule, eine physiokratische Schule und so weiter existiert haben, daß Persönlichkeiten gewirkt haben wie Adam Smith und so fort. Und man weiß, wie diese verschiedenen Strömungen sich auf der einen Seite Mühe gegeben haben, die sozialen Tatsachen, die im sozialen Leben wirkenden Antriebe zu verstehen, sich aber auf der andern Seite auch Mühe gegeben haben, gewissermaßen herauszufinden, wie in das menschliche Wollen - zum Beispiel in die verschiedensten Staatswillen — hineingetragen werden kann, was als soziale Erkenntnis dem Menschen erblühen kann.
[ 3 ] What will be most striking is how, to a large extent, our current intellectual life stands, as it were, powerless in the face of the pressing social demands. I need only draw attention to two phenomena in contemporary academic life to demonstrate this powerlessness. We know, of course, that alongside other branches of science, a kind of academic social or political economy has emerged in the course of recent cultural development. It is also well known how a wide variety of schools of thought have asserted themselves in the field of political economy over the course of the last few centuries, particularly in the 19th century. It is well known that there existed a mercantilist school, a physiocratic school, and so on, and that figures such as Adam Smith and others were active in this field. And it is known how these various currents, on the one hand, endeavored to understand the social facts and the driving forces at work in social life, but on the other hand also endeavored, so to speak, to discover how what can blossom as social insight within human beings can be incorporated into human will—for example, into the most diverse forms of state will.
[ 4 ] Aber man mußte sehen, daß sich irgendein wirklich durchgreifend fruchtbares soziales Wollen aus den verschiedenen sozial-theoretischen Anschauungen nicht ergeben hat. Der deutlichste Beleg dafür ist ja die Gestalt, welche nach und nach die akademische Nationalökonomie angenommen hat. Sie hat sich gewissermaßen auf eine Art naturwissenschaftliche Betrachtung des sozialen und des nationalökonomischen Lebens zurückgezogen, auf eine Art Beschreibung der sozialen Tatsachen. Und gerade die neuesten Bestrebungen auf diesem Gebiete sehen wir zwar in allerlei Beschreibungen oder Beobachtungen von Statistiken und dergleichen ausmünden; aber wir sehen in alledem nirgends einen Impuls, der in das soziale Wollen wirklich übergehen kann, befruchtend für das soziale Wirken im öffentlichen Leben sein könnte.
[ 4 ] But it was clear that no truly far-reaching and fruitful social vision had emerged from the various social-theoretical perspectives. The clearest evidence of this is, after all, the form that academic economics has gradually taken. It has, so to speak, retreated into a kind of scientific observation of social and economic life—a kind of description of social facts. And while we see the most recent efforts in this field culminating in all sorts of descriptions or observations of statistics and the like, we see nowhere in all of this an impulse that can truly translate into social will or that could be fruitful for social action in public life.
[ 5 ] So hat sich gerade auf diesem Gebiete die Ohnmacht der nationalökonomischen Betrachtungen gezeigt. Auf der anderen Seite sehen wir namentlich aus dem breiten Kreise des Proletariats soziale Ideen, soziale Zivilisationsforderungen herauswachsen.
[ 5 ] It is precisely in this area that the limitations of economic analysis have become apparent. On the other hand, we see social ideas and demands for social progress emerging, particularly from the broad ranks of the proletariat.
[ 6 ] Gewiß, man hätte viel zu sprechen, wenn man über die geschichtliche Entwicklung dieser, in ihrer heutigen Gestalt ja mehr als ein halbes Jahrhundert alten, sozialen Forderungen sprechen wollte. Hier soll nur auf ein Kennzeichen, ein Charakteristikum gerade dieser sozialen Forderungen besonders hingewiesen werden.
[ 6 ] Certainly, there would be much to say if one were to discuss the historical development of these social demands, which, in their present form, are more than half a century old. Here, however, we shall focus specifically on one distinguishing feature, one characteristic of these particular social demands.
[ 7 ] Dieses Charakteristikum möchte ich so ausdrücken: Nachdem auch nach dieser Richtung hin ältere Bestrebungen waren, Bestrebungen, die sich nicht bloß auf die theoretische Betrachtung verlegt haben wie die akademische Nationalökonomie, sondern die sich schon auf Ziele des menschlichen Suchens nach einem sozialen Neuaufbau verlegt haben - man braucht nur zu erinnern an Fourier, an Saint-Simon, an Louis Blanc und so weiter -, trat allmählich ein ganz anderes Element in diesen Bestrebungen ein. Das kann man dadurch charakterisieren: In den breitesten Massen wie auch unter den Führern dieser breitesten Masse der sozialistischen Kulturkreise ist ein gewisses Mißtrauen, eine Antipathie herrschend geworden gegen alles dasjenige, was aus dem Geiste heraus, aus dem Nachsinnen, aus dem menschlichen Wollen heraus zu einer Gesundung der sozialen Verhältnisse führen soll. Der Glaube ist entstanden: das alles trägt einen utopistischen Charakter mögen auch führende Kreise, mögen auch diejenigen, die die geistigen Impulse der neueren Zeit in ihr Fühlen, in ihr Denken aufgenommen haben, noch so viel guten Willen haben, um soziale Umschwünge herbeizuführen; aus dem, was der Mensch ersinnen kann, aus dem, was aus dem guten Willen des Menschen stammen kann, ist es unmöglich, Impulse zu erzeugen, die in das praktische soziale Leben, in eine praktische soziale Neugestaltung wirklich eingreifen wollen. - Der Unglaube an den menschlichen Geist und seine sozialen Ideale, er ist in den breitesten Kreisen und in der Führerschaft dieser breitesten Kreise geradezu das Maßgebende geworden.
[ 7 ] I would like to express this characteristic as follows: Since there had already been earlier efforts in this direction—efforts that did not confine themselves merely to theoretical consideration, as in academic political economy, but had already turned toward the goals of humanity’s quest for a new social order—one need only recall Fourier, Saint-Simon, Louis Blanc, and so on—a completely different element gradually entered into these efforts. This can be characterized as follows: Among the broadest masses, as well as among the leaders of these broadest masses within socialist cultural circles, a certain mistrust, an antipathy, has come to prevail against everything that, arising from the spirit, from reflection, and from human will, is intended to lead to a restoration of social conditions. The belief has taken hold that all of this has a utopian character; no matter how much good will the leading circles—or those who have absorbed the intellectual impulses of modern times into their feelings and thoughts—may have to bring about social upheavals, it is impossible, from what human beings can conceive, from what can stem from human goodwill, to generate impulses that truly aim to intervene in practical social life or in a practical social restructuring. - Disbelief in the human spirit and its social ideals has become the very defining factor in the broadest circles and among the leadership of these broadest circles.
[ 8 ] Dafür ist etwas aufgetreten, was ein außerordentlich Schwieriges ist. Die Überzeugung ist aufgetreten, welche in diesen breitesten Kreisen geradezu als eine Selbstverständlichkeit empfunden wird, so sehr als eine Selbstverständlichkeit empfunden wird, daß ein Kampf dagegen etwas außerordentlich Schwieriges ist: Die Überzeugung ist aufgetreten, daß nur aus den ökonomischen Verhältnissen, aus den Antrieben der äußerlichen, materiellen Produktionskräfte selber die Umgestaltung kommen könne, daß der menschliche Wille gewissermaßen ohnmächtig sei, daß er zu warten habe, bis die Produktionskräfte selber [sich] so gestalten, daß sie eine andere Konfiguration des sozialen Lebens herbeiführen.
[ 8 ] Instead, something has emerged that is extraordinarily difficult. A conviction has emerged that is perceived in these broadest circles as virtually a matter of course—so much so that fighting against it is an extraordinarily difficult task: The conviction has taken hold that transformation can come only from economic conditions, from the drives of the external, material forces of production themselves; that human will is, so to speak, powerless; that it must wait until the forces of production themselves develop in such a way as to bring about a different configuration of social life.
[ 9 ] Und es ist Gewohnheit geworden, von alledem, was aus dem Geiste erzeugt wird, wie von einer Ideologie zu sprechen, von etwas, was dem Leben gegenüber ohnmächtig ist, und nur von materiellen Verhältnissen, von den materiellen Umwälzungen als von etwas Realem zu sprechen, das gleichsam das Geistige wie einen Rauch aus sich hervorbringt. Aus diesem Grunde spricht man von der materiellen Geschichtsauffassung: weil man nur in dem Materiellen, namentlich in den ökonomischen Vorgängen, das Reale sucht und dasjenige, was der menschliche Geist hervorbringt, als etwas ansieht, was wie ein Rauch aufsteigt, wie bloße Ideen sich in einer Art ideologischem Überbau ergeben aus dem, was die wirklichen, in diesem Falle die ökonomischen Vorgänge sind.
[ 9 ] And it has become customary to speak of everything produced by the mind as if it were an ideology—something powerless in the face of life—and to speak of only material conditions and material upheavals as something real that, as it were, gives rise to the spiritual like smoke. For this reason, people speak of a materialist conception of history: because they seek the real only in the material—namely, in economic processes—and regard what the human spirit produces as something that rises like smoke, as mere ideas arising in a kind of ideological superstructure from what the real processes are—in this case, the economic processes.
[ 10 ] Und wenn man nun frägt: Kann man von dem Gesichtspunkte, von dem aus auf der einen Seite, ich möchte sagen theoretische Nationalökonomie nach dem methodischen Muster der naturwissenschaftlichen Weltbetrachtung entstanden ist, oder kann man nach demjenigen, was durch solche durch und durch ehrlichen, aber aus dem Geistesleben der neueren Zeit heraus schaffenden Persönlichkeiten wie Saint Simon oder Louis Blanc und so weiter auf der anderen Seite gewollt ist - kann man aus dem, was von diesen zwei Seiten gewollt ist, wirklich so unbegreiflich finden, daß ein Unglaube an die geistigen Impulse entstanden ist?
[ 10 ] And if one were to ask: Is it possible, from the perspective from which, on the one hand, I would say theoretical political economy has emerged according to the methodological model of the natural-scientific view of the world, or is it possible, based on what is intended by such thoroughly honest figures—who nevertheless draw from the intellectual life of modern times—such as Saint-Simon or Louis Blanc and so on, on the other hand, —can one really find it so incomprehensible, based on what these two sides intended, that a lack of faith in spiritual impulses has arisen?
[ 11 ] Nein, man kann es nicht. Man kann es vor allen Dingen nicht, wenn man sich den ganzen Grundcharakter des neuzeitlichen Geisteslebens vor Augen führt.
[ 11 ] No, you can't. Above all, you can't if you consider the fundamental nature of modern intellectual life.
[ 12 ] Dieser Grundcharakter des neuzeitlichen Geisteslebens, er ist allmählich, man möchte sagen etwas rein Abstraktes geworden, etwas geworden, was der äußeren Wirklichkeit lebensfremd und lebensfern gegenübersteht.
[ 12 ] This fundamental characteristic of modern intellectual life has gradually—one might say—become something purely abstract, something that stands in contrast to external reality, alien to life and distant from it.
[ 13 ] Immer wieder muß darauf aufmerksam gemacht werden, wie neuere Weltanschauungen aus dem, was Geistesleben der letzten Jahrhunderte geworden ist, allerdings auch Ethiken erzeugt haben, moralische Anschauungen erzeugt haben. Aber diese moralischen Anschauungen, haben sie die Kraft, die äußere Wirklichkeit zu durchziehen? Haben sie die Kraft, in der äußeren Wirklichkeit zu schaffen?
[ 13 ] We must repeatedly draw attention to the fact that newer worldviews—arising from what spiritual life has become over the past few centuries—have indeed also given rise to ethical systems and moral views. But do these moral views have the power to permeate external reality? Do they have the power to shape external reality?
[ 14 ] Weder die Wissenschaft noch die moralischen Anschauungen haben vermocht, eine wirkliche Brücke zu schaffen zwischen dem, was im Geiste des Menschen lebt, und demjenigen, was äußerlich in den materiellen oder in den Naturvorgängen liegt. Wir sehen, wie auf diese Weise die Angelegenheiten der menschlichen Seele, die Angelegenheiten des menschlichen Geistes durch lange Zeiten hindurch gewissermaßen das geistige Monopol, das Kulturmonopol derjenigen Gemeinschaften geworden sind, die dieses oder jenes Glaubensbekenntnis zu dem ihrigen gemacht haben. Dadurch ist es allmählich dem wissenschaftlichen Streben ungewohnt geworden, sich mit Geist und Seele zu befassen. Man glaubt, auf der einen Seite recht frei von Vorurteilen zu sein, einer vollständig vorurteilslosen Wissenschaft zu huldigen, wenn man sagt: Die äußeren wissenschaftlichen Methoden können sich nur auf das äußerlich Sinnliche beschränken; sie überschreiten sogleich die Grenze des menschlichen Erkennens, wenn sie sich auf seelisches oder geistiges Gebiet, wenn sie sich auf das übersinnliche Gebiet begeben.
[ 14 ] Neither science nor moral views have been able to build a true bridge between what lives in the human spirit and what lies externally in material or natural processes. We see how, in this way, the affairs of the human soul—the affairs of the human spirit—have, over long periods of time, become, so to speak, the spiritual monopoly, the cultural monopoly, of those communities that have adopted this or that creed as their own. As a result, it has gradually become uncharacteristic of scientific endeavor to concern itself with the spirit and the soul. On the one hand, people believe they are quite free of prejudice—that they are upholding a completely unbiased science—when they say: External scientific methods can be limited only to the external, sensory realm; they immediately cross the boundary of human cognition when they venture into the realm of the soul or spirit, into the supersensory realm.
[ 15 ] Man glaubt vorurteilslos zu sein, und man folgt doch nur einer Kraft, die aus dem historischen Hergang sich ergeben hat. Diejenigen Bekenntnis-Gemeinschaften, welche durch die geschichtliche Entwicklung das Monopol hatten, aus alten Traditionen oder Ähnlichem heraus Dogmen aufzustellen über das Wesen von Geist und Seele, über das Wesen der menschlichen Unsterblichkeit, die die Möglichkeit hatten, der äußeren Forschung zu verwehren, sich auf diese Dinge zu erstrecken, diese Bekenntnis-Gemeinschaften hatten ihren Druck ausgeübt auf diese äußere Forschung. So daß diese äußere Forschung sich früher einfach diesem Druck, diesem Gebot der Bekenntnisse fügte. Und nach und nach glauben die Wissenschaften, daß sie ihrer eigenen Vorurteilslosigkeit, ihrer eigenen Voraussetzungslosigkeit folgen, weil ihnen nicht mehr bewußt ist, daß dasjenige, dem sie eigentlich folgen, die alten Verbote der Kirche sind. Das auf der einen Seite mit Bezug auf unser Geistesleben, das sich rein auf die äußere sinnliche Wirklichkeit beschränkt und das mit seinen gewissenhaften Methoden, mit den Methoden, die gerade in der Naturerkenntnis in der neueren Zeit so große Triumphe gefeiert haben, nicht eingreifen kann in das Gebiet von Geist und Seele. Und so ist das Gebiet von Geist und Seele etwas Lebensfremdes geworden. Das Leben, die äußere Wirklichkeit, ist mit gewissenhaften Methoden erfaßt; was aber Geist und Seele betrifft, ist nach und nach aller unmittelbar wirklich lebendigen Begriffe entkleidet. Und wer heute die gebräuchlichen, die angesehenen, die offiziellen Handbücher, Vorträge, wissenschaftlichen Betriebe der Psychologie und Ähnliches verfolgt, der wird finden, daß in alledem nichts steckt, aus dem Realität hervorsprudelt. Geistesleben ist etwas geworden, was mit dem Leben keine Verbindung hat.
[ 15 ] People believe themselves to be free of prejudice, yet they are merely following a force that has emerged from the course of history. Those religious communities that, through historical development, held a monopoly on establishing dogmas—based on ancient traditions or similar factors—regarding the nature of the spirit and the soul, and the nature of human immortality, and that had the power to prevent external research from addressing these matters, exerted their influence on that external research. As a result, this external research simply submitted in the past to this pressure, to this dictate of the denominations. And little by little, the sciences come to believe that they are following their own lack of prejudice, their own lack of preconceptions, because they are no longer aware that what they are actually following are the old prohibitions of the Church. On the one hand, this pertains to our spiritual life, which is confined purely to external, sensory reality and which, with its conscientious methods—the very methods that have celebrated such great triumphs in the study of nature in recent times—cannot penetrate the realm of spirit and soul. And so the realm of spirit and soul has become something alien to life. Life—outer reality—is grasped through meticulous methods; but as far as spirit and soul are concerned, they have gradually been stripped of all immediately real and living concepts. And anyone who follows the current, respected, and official textbooks, lectures, scientific endeavors in psychology, and the like will find that there is nothing in all of this from which reality springs forth. Spiritual life has become something that has no connection to life.
[ 16 ] So aber ist das, was einzig und allein als geistige Gesinnung zugrunde liegen könnte, wenn solche Menschen wie Saint Simon, Fourier oder Louis Blanc über das Soziale nachgedacht haben, unfruchtbar geblieben, weil man das lebendige Eingreifen des menschlichen Geistes in die unmittelbare soziale Wirklichkeit nirgends erfaßte. Man redete in Abstraktionen herum.
[ 16 ] Thus, however, what could have been the sole intellectual foundation for the social reflections of men such as Saint-Simon, Fourier, or Louis Blanc remained fruitless, because nowhere was the living intervention of the human spirit in immediate social reality grasped. They merely talked in abstractions.
[ 17 ] Und so kann man sagen: man kann mit den Mitteln des gewöhnlichen Geisteslebens gar nicht widerlegen, wenn auf der einen Seite gesagt wird, man könne nur nationalökonomisch die sozialen Tatsachen beobachten und nicht in das menschliche soziale Wollen die Impulse hineinsenden, oder wenn auf der anderen Seite betont wird, aus dem geistigen Leben heraus selbst ergebe sich nichts, was zu einer wirklichen Gesundung der sozialen Verhältnisse führen könne, man müsse die Entwicklung den äußeren Produktionskräften selber überlassen. Das neuzeitliche Geistesleben ist abstrakt geworden. Das neuzeitliche Geistesleben ist gewissermaßen eine Ideologie geworden. Daher glauben weiteste sozialistisch orientierte Kreise, alles Geistesleben müsse eine Ideologie sein.
[ 17 ] And so one can say: it is impossible to refute, using the tools of ordinary intellectual life, the claim—on the one hand—that social realities can only be observed from an economic perspective and that one cannot inject impulses into human social will, or—on the other hand—the assertion that nothing arises from intellectual life itself that could lead to a genuine restoration of social conditions, that one must leave development to the external forces of production themselves. Modern spiritual life has become abstract. Modern spiritual life has, in a sense, become an ideology. Consequently, the broadest socialist-oriented circles believe that all spiritual life must be an ideology.
[ 18 ] Das ist es, was gerade demjenigen schwer auf der Seele liegt, der zu jener Geisteswissenschaft sich bekennt, von der heute hier die Rede sein soll. Denn diese Geisteswissenschaft will nicht in demselben Fahrwasser laufen, in dem Geisteswissenschaft, ausgebrannte Geisteswissenschaft, wie sie sich in der Neuzeit herausgebildet hat, läuft. Diese Geisteswissenschaft will die Menschheit wiederum zurückführen zum wirklichen Geist, zu dem Ergreifen des wirklichen geistigen Lebens, dem der Mensch ebenso angehört, wie er durch seinen Leib der äußeren physischen Wirklichkeit angehört, wie er durch seine materiellen Bedürfnisse der äußeren ökonomischen Wirklichkeit angehört.
[ 18 ] This is precisely what weighs heavily on the heart of those who profess the Spiritual Science that is to be discussed here today. For this Spiritual Science does not wish to follow the same path as spiritual science—that exhausted form of spiritual science—as it has developed in modern times. This Spiritual Science seeks to lead humanity back to the true spirit, to an experience of true spiritual life, to which human beings belong just as they belong to the outer physical reality through their bodies, and to the outer economic reality through their material needs.
[ 19 ] Aber sobald man von wirklichem Geiste heute redet, ich möchte sagen sobald man nur Miene macht, von wirklichem Geiste zu reden, dann kommt heute nicht nur Gegnerschaft, dann kommt heute Verhöhnung, jener Hohn, der alles solches geistiges Streben hinstellt als eine Zeiten-Phantasterei, wenn nicht als etwas Schlimmeres. Und wenn gar gesagt werden muß, dasjenige, was hier als Geist gemeint ist, könne nicht mit den gewöhnlichen Erkenntniskräften erkannt werden, mit jenen Erkenntniskräften, die im alltäglichen Leben und die auch in der gewöhnlichen Wissenschaft unsere Führer sind, sondern wenn betont wird, daß zum Ergreifen, zum Erfassen des Geistes Erkenntniskräfte notwendig sind, die in der menschlichen Natur sonst nur schlummern, die erst erweckt werden müssen, ebenso sehr erweckt werden müssen wie die gewöhnlichen Erkenntniskräfte in dem heranwachsenden Kinde dann begegnet man erst recht dem Unglauben der Gegenwart. Denn der Mensch der Gegenwart will nicht gelten lassen, daß es so etwas geben könne wie eine intellektuelle Bescheidenheit, daß es so etwas geben könne wie ein Weiterentwickeln des menschlichen Inneren, das zu entwickeln ist von unserer Kindheit, wo wir instinktiv, dumpf ins Leben hereintreten, um später auferweckt zu werden zum Handhaben der gewöhnlichen Erkenntniskräfte, daß fortgesetzt werden könne diese Entwicklung und daß sie nicht fortgesetzt wird, weil die neuere Geistesentwicklung sich gegen diese Fortsetzung der Entwicklung gestemmt hat.
[ 19 ] But as soon as one speaks of true spirit today—I would say, as soon as one even makes a move to speak of true spirit—then today one encounters not only opposition, but also derision, that scorn which dismisses all such spiritual striving as a fantasy of the times, if not something worse. And if it must even be said that what is meant here by “spirit” cannot be grasped by the ordinary powers of cognition—those powers that guide us in everyday life and also in ordinary science—but rather if it is emphasized that, in order to grasp to grasp the spirit, powers of cognition are necessary that otherwise lie dormant in human nature—powers that must first be awakened, just as much as the ordinary powers of cognition must be awakened in the growing child—then one encounters the disbelief of the present age all the more. For people today refuse to accept that there could be such a thing as intellectual humility, that there could be such a thing as a further development of the human inner being—a development that must begin in our childhood, when we instinctively, bluntly enter life, only to be awakened later to the use of the ordinary powers of cognition; that this development could continue; and that it is not continued because modern spiritual development has opposed this continuation of development.
[ 20 ] Nun soll hier nicht in einer unbestimmten Weise vom Geiste und seiner Wirklichkeit herumgesprochen werden. Leichter ist es heute, zu den Herzen, zu den Gemütern der Menschen zu sprechen, wenn man in allgemeinen Phrasen von Geist und Geistigkeit redet — wie das vielfach geschieht aus der geistigen Entwicklung der letzten Jahrhunderte heraus -, als in so bestimmter Art von dem Geiste zu sprechen, wie es hier geschehen soll. Wenn man vom Geist spricht, so denkt ja jeder gleich an solch ein Abstraktum von Geist, an jenes Lebensfremde, das auch bewirkt hat, daß man zum Beispiel heute sagen kann, daß ein gewisses Richten nach dem Geiste populär geworden ist, von dem man sagen möchte: ihm ist der wirkliche Geist so fremd geworden, daß er diesem Geist zumutet, er begebe sich, um sich zu offenbaren, nur zuweilen auf «Gastrollen» in das menschliche Leben herein.
[ 20 ] Now, we should not speak here in vague terms about the spirit and its reality. Today, it is easier to speak to people’s hearts and minds when one uses general phrases about the spirit and spirituality—as has often been the case as a result of the spiritual development of the past centuries—than to speak about the spirit in such a specific way as we intend to do here. When one speaks of the spirit, everyone immediately thinks of such an abstract concept of the spirit, of that which is alien to life—which has also led to the situation where, for example, one can say today that a certain kind of judgment based on the spirit has become popular, about which one might say: the true spirit has become so alien to it that it expects this spirit it should, in order to reveal itself, merely make occasional “guest appearances” in human life.
[ 21 ] Ich will Sie gewiß nicht lange mit solchen Dingen aufhalten, wie es der landläufige Spiritismus ist, dem auch neuere Gelehrte zum Opfer gefallen sind. Aber was ist schließlich dieser Spiritismus anderes als der letzte dekadente Ausfluß des Strebens nach einem abstrakten Geistesleben! Ein wirkliches, konkretes Geistesleben muß als ein solches erfaßt werden, mit dem sich der menschliche Geist verbinden kann, mit dem man eingreifen kann bei jedem Schritt des Lebens in die äußere, in die physische natürliche, in die kosmische Wirklichkeit. So hat es mit wirklichem Geistesleben nichts zu tun, wenn Menschen mit irgendwelchen theatralischen Mitteln versuchen, mit Geistern in Kontakt zu treten, wie es bei spiritistischen Sitzungen geschieht oder wie es sonst von abstrakten Mystikern auf andere Weise angestrebt wird. Von Bemühungen um solche Gastrollen des Geistes ist hier nicht die Rede, eines Geistes, der im übrigen nichts zu tun hat mit der äußeren Wirklichkeit, der nur dazu hereingerufen wird, damit der Mensch einmal - ich möchte sagen als Eckensteher des Lebens — die Überzeugung davon gewinne, es gebe einen Geist. Von einem solchen Geist kann die Geisteswissenschaft, die hier gemeint ist, nicht sprechen. Sie kann nur sprechen von dem Geiste, der in Wahrheit in jedem materiellen Wirken, in jedem materiellen Geschehen drinnensteckt und mit dem der Mensch sich verbinden kann zur Beherrschung dieser äußeren Wirklichkeit.
[ 21 ] I certainly do not wish to detain you long with such matters as popular spiritualism, to which even more recent scholars have fallen prey. But what, after all, is this spiritualism other than the final, decadent outgrowth of the striving for an abstract spiritual life! A real, concrete spiritual life must be understood as one with which the human spirit can connect, one through which one can engage with external, physical, natural, and cosmic reality at every step of life. Thus, it has nothing to do with a genuine spiritual life when people attempt, through theatrical means of any kind, to make contact with spirits—as happens in spiritualist séances or as is otherwise sought by abstract mystics in other ways. We are not speaking here of efforts to summon such “guest appearances” of the spirit—a spirit that, incidentally, has nothing to do with external reality and is called upon solely so that a person might—I would say, as a bystander in life—gain the conviction that a spirit exists. Spiritual Science, as understood here, cannot speak of such a spirit. It can speak only of the spirit that is, in truth, present in every material action, in every material event, and with which human beings can connect in order to master this external reality.
[ 22 ] Daher werde ich vor allen Dingen von derjenigen Wirksamkeit des Geistes zu sprechen haben, auf die wir zuerst unsere Aufmerksamkeit zu wenden haben, wenn wir sehen wollen, wie der Geist durch den Menschen selber im äußeren Leben wirksam gemacht werden kann. Wir werden unsere Aufmerksamkeit hinzuwenden haben auf die Art und Weise, wie der Geist allmählich sich herausentwickelt aus dem werdenden Menschen.
[ 22 ] Therefore, I will first and foremost have to speak of that aspect of the Spirit’s activity to which we must first turn our attention if we are to see how the Spirit can be made effective in external life through human beings themselves. We will have to turn our attention to the way in which the spirit gradually develops out of the human being in the making.
[ 23 ] Selbst diese Anschauung des werdenden Menschen, dieses, ich möchte sagen völligen Rätsels der Welt, das wir in der Erziehung fortwährend zu lösen haben, selbst dieses Wunderrätsel vom werdenden Menschen ist in eine gewisse abstrakte, nebulose Höhe gebracht worden in der neueren Zeit. Wir reden in der neueren Zeit viel von der Kraft, die wir in die Erziehung hineinlegen sollen. Vieles ist in der letzten Zeit entstanden an Versuchen, diese oder jene Erziehungsgrundsätze anzuwenden. Alle solchen Versuche werden scheitern. Sie werden sich als Dokumente des guten Willens ihrer Träger entpuppen, aber sie werden gegenüber den großen, gegenüber den intensiven Anforderungen unseres Lebens scheitern müssen, wenn sie nicht hervorgehen aus wahrer Erkenntnis der menschlichen Wesenheit selber.
[ 23 ] Even this view of the developing human being—this, I might say, complete enigma of the world that we must continually seek to unravel in education—even this wondrous enigma of the developing human being has been elevated to a certain abstract, nebulous height in recent times. In recent times, we speak a great deal about the energy we should invest in education. Recently, there have been many attempts to apply this or that educational principle. All such attempts will fail. They will turn out to be mere expressions of their proponents’ good intentions, but they are bound to fail in the face of the great and intense demands of our lives unless they arise from a true understanding of human nature itself.
[ 24 ] Diese menschliche Wesenheit selber aber erkennt man nicht, wenn man sie nur mit den Mitteln einer äußeren Wissenschaft oder mit den Mitteln der an der äußeren Wissenschaft gewonnenen Sinnenbeobachtung und ihrer verstandesmäßigen Verarbeitung erkennen will. Die menschliche Wesenheit enthüllt sich uns, indem wir uns die Fähigkeit aneignen, tatsächlich jenes geheimnisvolle Etwas zu erforschen, das sich, indem der Mensch hereintritt durch die Geburt oder Empfängnis ins physische Dasein, mit jedem Tage, mit jeder Woche, mit jedem Jahre enthüllt, wenn wir es nur zu beobachten verstehen. Und da müssen wir, wenn wir eben nicht in dem Geiste abstrakt bleiben wollen, sondern auf die geistig konkrete Wirksamkeit in der äußeren Wirklichkeit gehen, da müssen wir ganz bestimmte Abschnitte zunächst im Leben des jugendlichen Menschen beobachten.
[ 24 ] However, this human being itself cannot be understood if one attempts to do so solely through the methods of an external science or through sensory observation derived from external science and its intellectual processing. The human essence reveals itself to us as we acquire the ability to truly explore that mysterious something which, as the human being enters physical existence through birth or conception, reveals itself with each day, each week, and each year—if only we know how to observe it. And if we do not wish to remain in the realm of the abstract, but rather to engage with the spiritually concrete activity in external reality, we must first observe very specific phases in the life of the young person.
[ 25 ] Diese Dinge werden heute viel, viel zu wenig gewürdigt. Jener Abschnitt, der sich deutlich beobachten läßt in der Zeit, in welcher der Mensch die Zähne wechselt, so um das sechste, siebente Jahr herum, bedeutet für den Kenner der Menschenwesenheit einen tiefgehenden Umschwung der ganzen menschlichen Natur. Wenn man das Seelenleben vor diesem Abschnitt prüft, wenn man ein Organ dafür hat, wirklich empirisch solche Sachen zu prüfen, wie man heute empirisch prüft in den Laboratorien oder in den physikalischen Instituten oder der Sternwarte, dann findet man, daß der Mensch in der Zeit, die dem Zahnwechsel vorangeht, im wesentlichen ein Nachahmer ist. Was sein ganzes Wesen beherrscht bis zum siebenten Jahre, ist ein Leben in einem nachahmenden Elemente, eine Art selbstverständlicher naiver Hingabe an die Umgebung. Bis in die Bewegung, bis in die Geste, bis in den Tonfall hinein lernen wir in den ersten sieben Jahren unseres Lebens alles durch Nachahmung, durch strengste Anpassung an dasjenige, was in unserer Umgebung ist.
[ 25 ] These things are far, far too little appreciated today. That phase, which can be clearly observed during the period when a person is losing their baby teeth—around the age of six or seven—represents, for those familiar with the human being, a profound transformation of the entire human nature. If one examines the life of the soul prior to this stage—if one possesses the capacity to truly investigate such matters empirically, just as one conducts empirical investigations today in laboratories, physics institutes, or observatories—then one finds that, in the period preceding the change of teeth, the human being is essentially an imitator. What dominates their entire being up to the age of seven is a life lived within an imitative element, a kind of natural, naive devotion to their surroundings. Down to our movements, our gestures, and even our tone of voice, we learn everything in the first seven years of our lives through imitation, through the strictest adaptation to what is in our surroundings.
[ 26 ] Man kann solche Dinge in der Tat in extremen Fällen leicht beobachten. Unter den vielen Fällen, die einem dann entgegentreten, wenn man überhaupt für so etwas einen Sinn hat im Leben, will ich nur einen erwähnen. Ich könnte den einen verhundertfachen. Ich kannte ein junges Kind, das hinkte; trotzdem ihm nicht das Geringste fehlte, hinkte es, und man konnte ihm das Hinken nicht abgewöhnen. Obwohl im Bein nicht die geringste Veranlassung war zum Hinken, hinkte es. Und es hinkte aus dem Grunde, weil ein älteres Geschwisterchen wirklich durch eine Beinkrankheit alle Veranlagung zum Hinken hatte! So drückt sich in einem extremen Falle dieses Nachahmungsprinzip des Menschen aus, das bis zum Zahnwechsel in seinem Leben herrschend ist. Aber man braucht es nicht in solchen extremen Fällen zu beobachten - man wird sogar leicht irregeführt, wenn man das tut -, sondern man kann es beobachten, wenn man Anlagen hat für intime Kindeserkenntnis.
[ 26 ] In fact, such things can easily be observed in extreme cases. Among the many cases one encounters—if one has any interest in such matters at all—I will mention just one. I could multiply that one a hundredfold. I knew a young child who limped; even though there was absolutely nothing wrong with him, he limped, and it was impossible to break him of the habit. Although there was not the slightest physical cause for limping in his leg, he limped. And he limped for the reason that an older sibling, who actually suffered from a leg ailment, had a predisposition to limping! This is how, in an extreme case, this human principle of imitation—which dominates a child’s life until the teeth are replaced—manifests itself. But one need not observe it in such extreme cases—one is even easily misled if one does so—rather, one can observe it if one possesses the aptitude for an intimate understanding of children.
[ 27 ] Und dann, wenn dieser Zahnwechsel vorüber ist, dann treten für den wirklichen Beobachter ganz neue Kräfte in das seelisch-leiblich-geistige Leben des Menschen herein. Dann wird sich der Mensch nicht mehr bloß hinwenden an das, was in seiner Umgebung seine Sinne wahrnehmen, sondern dann wird er ganz besonders reif dazu, etwas in seinen Glauben, in seine Meinung hereinzunehmen, etwas, von dem er verspürt, daß es die Meinung, daß es der Glaube derjenigen ist, die ihm wegen ihres Alters, wegen ihres Auftretens in seiner Umgebung eine selbstverständliche Autorität sind.
[ 27 ] And then, once this phase of tooth replacement is over, entirely new forces enter into the human being’s psychological, physical, and spiritual life—as perceived by the true observer. Then the person will no longer turn merely to what their senses perceive in their surroundings, but will become especially ready to incorporate something into their faith and their opinions—something they sense is the opinion and the faith of those who, because of their age and their presence in their environment, are a natural authority to them.
[ 28 ] Und diese Hingabe, diese selbstverständliche Hingabe an die Autorität, ist im Menschenleben drinnen wie ein Naturgesetz bis zu der Zeit, in der der Mensch geschlechtsreif wird. Will man in dieser Zeit auf das Menschenwesen sachgemäß wirken, dann muß man sich an dieses selbstverständliche Autoritätsprinzip wenden.
[ 28 ] And this devotion—this instinctive devotion to authority—is ingrained in human life like a law of nature until the time when a person reaches sexual maturity. If one wishes to influence the human being appropriately during this period, one must appeal to this instinctive principle of authority.
[ 29 ] Wer nicht aus Vorurteilen heraus, nicht aus irgendeinem naheliegenden Rationalismus, sondern aus den Tatsachen heraus das Leben des jugendlichen Menschen beobachtet, der weiß, was es für das ganze Leben für eine Bedeutung hat, wenn man in der Tat als Kind in der Lage ist, zu einer Autorität, die als Autorität berechtigt ist, hinzuschauen. Wie sich die Gefühle gegenüber einer solchen Autorität im Menschen wandeln, das muß man nur beobachtet haben, nur beobachtet haben, was aus diesen der Autorität zugewandten Gefühlen im späteren Leben wird! Alles, was wir in wirklich freiem, unabhängigem, demokratischem Gefühl im Zusammenleben der Menschen entwickeln, alles, was wir uns aneignen an wahrer Menschenerkenntnis und Menschenachtung, es resultiert im Grunde genommen aus der richtigen, sachgemäßen Entwicklung unter der selbstverständlichen Autorität in der Zeit der Kindesentwicklung vom Zahnwechsel bis zur Geschlechtsreife.
[ 29 ] Anyone who observes the life of a young person—not out of prejudice, not out of some superficial rationalism, but based on the facts—knows what significance it has for one’s entire life when, as a child, one is indeed able to look up to an authority that is truly worthy of that title. One need only observe how feelings toward such an authority change within a person—one need only observe what becomes of these feelings directed toward authority in later life! Everything we develop in a truly free, independent, and democratic spirit in human coexistence—everything we acquire in terms of true understanding of and respect for others—stems, fundamentally, from the proper, appropriate development under the natural authority during the period of childhood development, from the change of teeth to sexual maturity.
[ 30 ] Man sollte in diese Dinge nicht hineinpfuschen aus gewissen Programmen heraus, sondern sollte sich gerade auf diesem Gebiete einer rein empirischen Betrachtungsweise hingeben. Dann wird man empfinden, dann wird man finden, an was man zu denken hat, wenn man das Kind aus der Sorgsamkeit der Eltern - oder auch der Unsorgsamkeit, der Verziehung durch die Eltern — empfängt, die namentlich wirkte unter dem Nachahmungsprinzip, wenn man es hereinbekommt in das Schulleben, in jenes Schulleben, in dem man, wenn man wirklich sachgemäß wirken will, aus diesem Prinzip der Autorität heraus wirken muß. Aber man kann nur wirken, wenn man aus Menschenkenntnis heraus seine pädagogischen Maßnahmen, seine ganze Lehr- und Erziehungstätigkeit entwickeln kann.
[ 30 ] One should not meddle in these matters based on certain agendas, but should instead adopt a purely empirical approach in this very area. Then one will sense, then one will discover what one must consider when taking the child out of the care—or even the neglect— the parenting—which has been guided specifically by the principle of imitation—and brings the child into school life, into that school life in which, if one truly wishes to act appropriately, one must act on the basis of this principle of authority. But one can only act effectively if one is able to develop one’s pedagogical measures—one’s entire teaching and educational activity—based on a deep understanding of human nature.
[ 31 ] Nun, wenn man nicht in der Lage ist, von Jahr zu Jahr, von Woche zu Woche zu beobachten, wie [jeweils] andere Anforderungen aus dem Zentrum des Kindes sich entwickeln, an die Oberfläche dringen, denen man entgegenzukommen hat mit dem Lehrstoff und den Lehrmethoden, wird man nicht mit den Kräften der Entwicklung des Menschen wirken, man wird gegen sie wirken.
[ 31 ] Now, if one is not able to observe, year by year and week by week, how different needs arise from the child’s innermost being and come to the surface—needs that must be met through the curriculum and teaching methods—then one will not be working in harmony with the forces of human development; one will be working against them.
[ 32 ] Wenn man aber nicht weiß, wie die Autorität wirkt, wenn man nicht die intimen Wechselwirkungen kennt zwischen der Autorität und dem aufwachsenden Kinde, dann wird man gerade auf dem Gebiete der Unterrichts- und Erziehungstätigkeit nimmermehr für diese Jahre im lebenfördernden Sinne wirken können.
[ 32 ] But if one does not know how authority works, if one is unaware of the intimate interactions between authority and the growing child, then—especially in the realm of teaching and education—one will never be able to influence these years in a way that fosters life.
[ 33 ] Ich möchte wiederum einzelnes Konkrete anführen. Aus gewissen Programmen, aus gewissen Vorurteilen heraus wird heute viel gesprochen vom Anschauungsunterricht. Anschauungsunterricht: das heißt, man soll dem Kinde alles einzeln zeigen. Und darinnen liegt sehr häufig auch die Anforderung, man soll ihm nur dasjenige zeigen, was man ihm vor Augen oder wenigstens vor seinem Verstande demonstrieren kann, so daß es aus seiner kindlichen Auffassung heraus alles gleich begreifen kann.
[ 33 ] I would like to cite some specific examples again. Based on certain programs and certain preconceptions, there is a great deal of talk today about “visual instruction.” Visual instruction means that one should show the child everything individually. And very often this also implies the requirement that one should show the child only what can be demonstrated before their eyes—or at least to their understanding—so that, from their childlike perspective, they can grasp everything immediately.
[ 34 ] Man nehme nur einmal in die Hand, was heute vielfach als Handbücher zur Anleitung für solchen Anschauungsunterricht gilt. Gewiß, der Anschauungsunterricht ist in gewissen Grenzen sehr berechtigt; allein, gerade was in gewissen Grenzen berechtigt ist, führt zum Unheil, wenn es über die Grenzen hinausgeführt und angewendet wird. Dieser Anschauungsunterricht — man kann es, wie gesagt, aus den Handbüchern ersehen - führt sehr häufig zur äußersten Trivialität. Man sucht sich herunterzuschrauben zu demjenigen, was das Kind verstehen soll, zu demjenigen, wovon man glaubt, in seiner Einfalt einfach glaubt, daß es das Kind verstehen könne. Man berücksichtigt dabei aber nicht, was es im Leben des Menschen bedeutet, wenn man zum Beispiel, nun sagen wir fünfunddreißig Jahre alt geworden ist und sich plötzlich erinnert, aus irgendeinem Lebensanlasse heraus, daß einem von einer verehrten Autorität vielleicht im siebenten, achten, neunten oder zehnten Jahre in der Schule etwas beigebracht worden ist. Das, sagt man sich, hast du dazumal nicht verstanden; du blicktest voll Hingabe zu der verehrten Autorität auf; du wußtest, wenn die verehrte Autorität es spricht, wenn sie es in deine Seele hereinleitet - du wußtest das instinktiv, du machtest dir das nicht klar, aber du empfandest es dazumal -, du wußstest: das ist etwas Wertvolles. Du nahmst es hin, vielleicht nur seinem Wortlaute nach, aber es lebte in dir nach noch jahrelang. Nach Jahren erinnerst du dich, jetzt, wo du reif dazu geworden bist, rufst du dasjenige, was du einstmals aufgenommen hast, dir in die Erinnerung. Dieses Zurückgreifen von dem Standpunkte der Reife aus auf dasjenige, was man in der Zeit der Unreife aufgenommen hat, auf bloße Autorität hin aufgenommen hat, das ist nun ein Quell der Kraft. Und man weiß jetzt, was es bedeutet, daß man so etwas als Kind in der Jugend beigebracht bekam, wofür man erst in späterer Lebensreife, in der Erinnerung, das volle Verständnis finden kann: Lebendige Kräfte führen wir dadurch einem Menschen zu!
[ 34 ] One need only pick up what are today widely regarded as manuals for such visual instruction. Certainly, visual instruction is very justified within certain limits; however, precisely what is justified within certain limits leads to disaster when it is taken beyond those limits and applied. This visual instruction—as can be seen, as I said, from the manuals—very often leads to the utmost triviality. One seeks to scale things down to what the child is supposed to understand, to what one believes, in one’s naivety, that the child could understand. But in doing so, one fails to consider what it means in a person’s life when, for example, one has reached the age of, say, thirty-five and suddenly recalls—triggered by some event in life—that something was taught to one by a revered authority, perhaps in the seventh, eighth, ninth, or tenth grade. “That,” you tell yourself, “you didn’t understand back then; you looked up to that revered authority with complete devotion; you knew—when that revered authority spoke it, when they instilled it into your soul—you knew it instinctively; you didn’t fully grasp it, but you felt it back then—you knew: this is something valuable.” You accepted it—perhaps only at face value—but it continued to live within you for years afterward. Years later, you remember; now that you have matured, you recall what you once absorbed. This looking back—from the vantage point of maturity—on what one absorbed in a time of immaturity, what one accepted solely on the basis of authority, is now a source of strength. And one now knows what it means to have been taught such things as a child or in one’s youth—things for which one can find full understanding only later in life, in retrospect: through this, we impart living forces to a person!
[ 35 ] Noch etwas anderes möchte ich anführen für das intime Walten zwischen der Erzieher-Autorität und dem Kinde. Man will gewisse Dinge der Jugend beibringen, und man sagt sich: Die Jugend, sie versteht ja natürlich nicht diese Dinge, die erst für ein späteres Lebensalter sind. Also kleidet man das für die Jugend in allerlei Vergleiche, in allerlei Sinnbilder ein. Wollen wir irgendein solches Sinnbild nehmen, das vielleicht jemand ausdenken könnte: Irgend jemand bildet das Sinnbild für die Unsterblichkeit aus, indem er sie sinnlich einmal dem Kinde vorführen will. Er sagt vielleicht: Mein Kind, hier hast Du eine Schmetterlingspuppe. In dieser Schmetterlingspuppe, da ist das Tier verborgen drinnen. Das Tier wird auskriechen, der schöne Schmetterling tritt aus der Puppe hervor.
[ 35 ] I would like to mention one more thing regarding the intimate relationship between the educator’s authority and the child. We want to teach young people certain things, and we tell ourselves: Young people, of course, do not understand these things, which are meant for a later stage of life. So one presents these things to young people using all sorts of comparisons and symbols. Let’s take any such symbol that someone might come up with: Someone might illustrate the concept of immortality by trying to demonstrate it to the child in a sensory way. He might say: “My child, here is a butterfly chrysalis. Inside this butterfly chrysalis, the insect is hidden. The insect will crawl out, and the beautiful butterfly will emerge from the chrysalis.
[ 36 ] Nun geht man weiter und sagt: So wie in dieser Puppe der Schmetterling drinnen ist, so ruht in Deinem Leibe die unsterbliche Seele. Und wenn Du durch die Todespforte gehst, dann wird diese unsterbliche Seele in der geistigen Welt wie der Schmetterling erscheinen. Erinnere Dich, wie hier in der physischen Welt aus der Puppe heraus der schöne Schmetterling hervortritt.
[ 36 ] Now we go further and say: Just as the butterfly is inside this chrysalis, so the immortal soul rests within your body. And when you pass through the gate of death, this immortal soul will appear in the spiritual world just like the butterfly. Remember how, here in the physical world, the beautiful butterfly emerges from the chrysalis.
[ 37 ] Man kann solch ein Sinnbild bilden. Das Kind wird vielleicht etwas berührt davon. Allein, was durch ein solches Sinnbild erreicht werden soll, wird doch nicht erreicht, wenn man als Erzieher bloß das Bewußtsein hat: Du bist gescheit, das Kind ist noch dumm. Du kleidest dasjenige, was das Kind noch nicht verstehen kann, in ein Bild. - Es gibt Imponderabilien im menschlichen Zusammenleben, ohne daß irgend etwas zwischen dem Verstand der Autorität und dem Verstand des Kindes spielt. Im Unterbewußten wird etwas bewirkt, was ein Ergebnis der Ungläubigkeit des Lehrers gegenüber seinem Bilde und dem Glauben, der sich durch das Bild bei dem Kinde entwickeln soll, ist.
[ 37 ] One can create such a metaphor. The child might be somewhat moved by it. However, what such a metaphor is intended to achieve will not be achieved if, as an educator, one merely thinks: “I am smart; the child is still stupid.” You clothe in an image that which the child cannot yet understand. — There are intangible elements in human interaction that have nothing to do with the mind of the authority figure or the mind of the child. Something is brought about in the subconscious that is a result of the teacher’s disbelief in his own image and the belief that is supposed to develop in the child through that image.
[ 38 ] Man muß eben nur beobachtet haben, wie anders solche Dinge wirken - ich werde jetzt etwas zunächst sehr Paradoxes sagen -, wenn man nun selbst daran glauben kann, daß das Bild von der Puppe und dem Schmetterling nicht ein bloßes Bild ist, wenn man sich klar darüber ist, daß nicht ich dieses Bild mache, sondern die schöpferischen Naturkräfte selber machen dieses Bild. Dieses Bild ist von der einzig großen Künstlerin Natur, die ihr Göttliches in sich trägt, so geprägt, daß es auf einer niedrigeren Stufe dasselbe ausdrückt wie die Unsterblichkeit auf einer höheren Stufe. Wenn man, mit anderen Worten ausgedrückt, völlig an sein Bild glauben kann, wenn das nichts Ausgedachtes ist, wenn das für einen selbst innerlicher Glaube ist, dann wirkt in dem, wie man sich zu dem Kinde verhält, etwas in der Art, daß, wenn es in das Leben des Kindes in der rechten Weise eingreift, das Kind später ein echtes Bild für die Unsterblichkeit der eigenen Seele hat. Man soll nur ja nicht nach den äußeren Dingen urteilen, die man heute mit dem Autoritätsprinzip auch für dieses Lebensalter verbindet. Es ist zumindest noch ein sorgfältiges Studium von jenem Gesichtspunkte aus, den ich gleich nachher besprechen werde, notwendig, um wirklich zu durchschauen, was da im Leben des Menschen waltet und angewendet werden muß in der Erziehung zwischen dem Zahnwechsel und der Geschlechtsreife.
[ 38 ] One simply has to have observed how differently such things appear—and I am about to say something that may seem very paradoxical at first—if one can believe that the image of the caterpillar and the butterfly is not merely an image, if one is clear that it is not I who create this image, but rather the creative forces of nature themselves that create it. This image is shaped by Nature, the one and only great artist who carries her divinity within herself, in such a way that it expresses the same thing on a lower level as immortality does on a higher level. To put it another way, if one can believe fully in this image—if it is not something contrived, if it is an inner conviction for oneself—then one’s attitude toward the child is such that, if it intervenes in the child’s life in the right way, the child will later have a genuine image of the immortality of its own soul. One must certainly not judge by the external factors that are associated today with the principle of authority, even for this age group. At the very least, a careful study from the perspective I will discuss shortly is necessary to truly understand what prevails in human life and must be applied in education between the change of teeth and sexual maturity.
[ 39 ] Im Grunde genommen tritt erst nach der Geschlechtsreife in der menschlichen Natur die eigene Urteilsfähigkeit, das freie, unabhängige Verständigsein auf. Greift man früher zu diesem unabhängigen Verständigsein, appelliert man bei dem Kinde vor der Geschlechtsreife zu sehr an den Verstand, appelliert man nicht an dasjenige, was von Person zu Person durch Autorität übertragen wird, dann ertötet man vieles von dem, was sich gerade zwischen dem sechsten, siebenten und vierzehnten, fünfzehnten Lebensjahre, also während der Volksschulzeit, in dem Kinde entwickeln will.
[ 39 ] Essentially, it is only after puberty that human nature develops its own capacity for judgment—that is, free, independent reasoning. If one attempts to access this independent reasoning too early—if one appeals too heavily to the intellect of a child before puberty, or if one does not appeal to that which is transmitted from person to person through authority—then one stifles much of what is meant to develop in the child precisely between the ages of six, seven, and fourteen, fifteen, that is, during elementary school.
[ 40 ] Nun müssen wir vorher fragen: woher kommen dem Erziehenden diese Einsichten in die Kräfte, die er bei dem Kinde verwenden soll, wenn es zunächst noch ein Nachahmer ist, dann in der Zeit zwischen dem Zahnwechsel und der Geschlechtsreife und dann in dem Lebensalter nach der Geschlechtsreife? Man kann spotten, man kann heute höhnen über dasjenige, was die Geisteswissenschaft meint, wenn sie davon spricht, daß besondere Kräfte, höhere Erkenntniskräfte in der menschlichen Natur gebildet werden müssen, damit man das Geistige erkennen kann, auch wenn es als Geistiges so wirkt, wie ich es jetzt beschrieben habe für die verschiedenen Lebensalter des Menschen.
[ 40 ] Now we must first ask: Where does the educator gain these insights into the forces he is to apply to the child—first when the child is still an imitator, then during the period between the loss of baby teeth and sexual maturity, and finally in the stage of life following sexual maturity? One can scoff; one can mock today what Spiritual Science means when it speaks of the need to develop special powers—higher powers of cognition—within human nature so that one can recognize the spiritual, even when it manifests as spiritual in the ways I have just described for the various stages of human life.
[ 41 ] Ich habe in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» im einzelnen beschrieben, wie man sich diese höheren Erkenntniskräfte aneignet; desgleichen im zweiten Teil meiner «Geheimwissenschaft» und in anderen Büchern. Ich habe gezeigt, wie der Mensch, indem er gewissermaßen das gewöhnliche alltägliche Erkennen und das gewöhnliche wissenschaftliche Erkennen als einen Grund und Boden betrachtet, durch drei Stufen höherer Erkenntnisse aufsteigen kann, die ich - stoßen Sie sich nicht an Namen, man braucht eben gangbare Namen - genannt habe: die imaginative Erkenntnis, die inspirierte Erkenntnis und die intuitive Erkenntnis.
[ 41 ] In my book *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?*, I have described in detail how one acquires these higher powers of knowledge; likewise in the second part of my *Secret Science* and in other books. I have shown how a person, by regarding ordinary everyday cognition and ordinary scientific cognition, so to speak, as a foundation, can ascend through three stages of higher cognition, which I have called—please do not take offense at the names; one simply needs common terms—imaginative cognition, inspired cognition, and intuitive cognition.
[ 42 ] Die imaginative Erkenntnis eignen wir uns an, wenn wir ganz besondere Meditationen machen, systematisch, so wie ich es in den genannten Büchern beschrieben habe, indem wir das Denken über jenen Grad hinaus schulen, den es für das gewöhnliche Leben und für die gewöhnliche Wissenschaft erreicht. Diese imaginative Erkenntnis gibt uns zunächst die Möglichkeit, in unserem Seelenleben Bilder zu entwickeln, aber Bilder, die nicht Raumesbilder, die nicht Phantasiebilder sind, sondern Bilder, welche die Repräsentanten sind einer geistigen Wirklichkeit.
[ 42 ] We acquire imaginative insight when we engage in very specific meditations—systematically, as I have described in the books mentioned—by training our thinking beyond the level it reaches in ordinary life and in ordinary science. This imaginative insight first gives us the ability to develop images in our inner life—but not spatial images, not images of the imagination, rather images that are representations of a spiritual reality.
[ 43 ] Man lernt erkennen, daß schließlich alles dasjenige, was der Mensch für das gewöhnliche Leben und für die gewöhnliche Wissenschaft an Ideen, an Vorstellungen, an Übermittlung von Sinneswahrnehmungen entwickelt, allerdings gebunden ist an die menschliche Leiblichkeit. Aber man lernt, indem man immer mehr und mehr dazu übergeht, das Denken, die Denkkraft in einer meditativen Tätigkeit in sich zu steigern, allmählich das Seelenleben von dem bloßen Leibesleben loszulösen. Und man steigt zunächst auf zu einer imaginativen Erkenntnis, die nur in Bildern besteht, die uns aber Realität vorführt in dem Momente, in dem wir uns so weiterentwickeln, wie ich es in den genannten Büchern beschrieben habe. Wenn das inspirierende Element aus den geistigen Welten, die ebenso um uns herum sind wie die physische Welt, hereinspricht, dann erfüllen sich diese Bilder, für deren Auffassungsfähigkeit wir uns zuerst geeignet gemacht haben, für uns mit Wirkungen aus der geistigen Welt.
[ 43 ] One comes to recognize that, ultimately, everything a person develops—in terms of ideas, mental images, and the communication of sensory perceptions—for ordinary life and for ordinary science is, in fact, bound to human physicality. But by increasingly turning inward to cultivate thinking and the power of thought through meditative activity, one gradually learns to detach the life of the soul from mere physical life. And one first ascends to an imaginative insight that consists solely of images, yet which reveals reality to us the moment we develop further in the way I have described in the books mentioned. When the inspiring element from the spiritual worlds—which surround us just as much as the physical world—speaks to us, these images, for which we have first made ourselves receptive, are filled for us with effects from the spiritual world.
[ 44 ] Und steigen wir auf zur intuitiven Erkenntnis, so treten wir den geistigen Wesenheiten so gegenüber, wie wir hier in der physischen Welt physischen Wesenheiten gegenübertreten. Ich kann das heute nur andeuten, muß auf die Bücher verweisen, die ich angeführt habe, sowie auf zahlreiche Vorträge, welche ich auch hier in Basel gehalten habe und wobei ich diese Dinge im einzelnen beschrieben habe. Wenn der Mensch wirklich aufsteigen kann zu dem, was ich hier nenne imaginative, inspirierte und intuitive Erkenntnis, so ist das keine Phantasterei, Träumerei — so spricht die Geistlosigkeit unserer Zeitgenossen noch, wenn man ihnen von diesen Erkenntnisstufen spricht; höchstens, wenn sie guten Willens sind, sagen sie: «Nun ja, Auswüchse einer krankhaften Phantasie!» Aber man braucht nur auf die wirklichen Grundlagen dieser höheren Erkenntnis hinzuweisen, und das will ich heute tun. Indem ich mich beziehe auf die Charakteristik, die ich sonst gegeben habe, möchte ich hinweisen auf die eigentliche Quelle dieser höheren Erkenntnisse. Wo liegen in der menschlichen Natur diese Kräfte, die entwickelt werden müssen im Leben, damit der Mensch in die geistige Welt hineinsehen kann?
[ 44 ] And when we ascend to intuitive knowledge, we encounter spiritual beings just as we encounter physical beings here in the physical world. I can only hint at this today; I must refer you to the books I have cited, as well as to numerous lectures I have given here in Basel, in which I have described these things in detail. If a person can truly ascend to what I call here imaginative, inspired, and intuitive knowledge, this is no fantasy or daydreaming—that is still how the spiritless among our contemporaries speak when one tells them about these levels of knowledge; at most, if they are of good will, they say: “Well, the excesses of a morbid imagination!” But one need only point to the real foundations of this higher knowledge, and that is what I intend to do today. Referring to the characterization I have given elsewhere, I would like to point out the actual source of this higher knowledge. Where in human nature do these forces lie that must be developed in life so that a person can look into the spiritual world?
[ 45 ] Bedenken Sie nur: bis zum Zahnwechsel hat der Mensch gewisse Kräfte in sich, die ihn zu einem nachahmenden Wesen machen, Kräfte, die später gewissermaßen sich rückbilden. In unserem heutigen gewöhnlichen und sozialen Leben finden diese Kräfte, möchte ich sagen, keine Verwendungen. Sie werden rückgebildet. Aber sie bleiben mit der menschlichen Natur verbunden.
[ 45 ] Just consider this: until a person’s baby teeth fall out, they possess certain powers that make them imitative beings—powers that, in a sense, recede later on. In our ordinary, social life today, these powers, I would say, find no use. They recede. But they remain connected to human nature.
[ 46 ] Und wiederum die Kräfte, die zwischen dem Zahnwechsel und der Geschlechtsreife wirken, die da aus dem Seelisch-Leiblichen heraus jene Hinneigung zum Autoritätsprinzip bewirken, diese Kräfte, die ich Ihnen charakterisiert habe in dem Wirken im Sinne von Imponderabilien zwischen dem Erzieher und dem zu Erziehenden, diese Kräfte sind reale Kräfte des Kindesalters; sie werden später zurückgebildet. Und noch von der Geschlechtsreife bis in die Zwanzigerjahre hinein haben wir als Menschen solche Kräfte, welche später zurücktreten.
[ 46 ] And again, the forces that are at work between the change of teeth and sexual maturity—those that, arising from the soul-body complex, bring about that inclination toward the principle of authority—these forces, which I have described to you as acting in the sense of imponderables between the educator and the child being educated, are real forces of childhood; they are later reduced. And even from sexual maturity into one’s twenties, we as human beings possess such forces, which later recede.
[ 47 ] Es ist ja heute allerdings schon eine seltenere Erscheinung, was wir den Idealismus der Jugend nennen, was wir diejenigen Antriebe der Jugend nennen, die Ideale hinstellen, lebensvolle Ideale, so wie sonst nur für den späteren Menschen das äußere reale Leben empfunden wird. Aber dieselben Kräfte sind es, die erst nach der Geschlechtsreife unsere eigentliche Urteilsfähigkeit begründen, diese Kräfte sind es, die zur besonderen Ausbildung gebracht werden müssen, wenn der Mensch geschlechtsreif geworden ist. Diese Kräfte werden nach dem zwanzigsten, einundzwanzigsten, zweiundzwanzigsten Jahre wiederum zurückgebildet.
[ 47 ] Today, however, what we call the idealism of youth—those youthful impulses that set forth ideals, vibrant ideals, just as external, real life is otherwise experienced only by adults—is indeed a rarer phenomenon. But it is these very forces that, only after sexual maturity, form the basis of our true capacity for judgment; it is these forces that must be given special training once a person has reached sexual maturity. These forces begin to diminish again after the ages of twenty, twenty-one, and twenty-two.
[ 48 ] So wie in den letzten Jahrhunderten das menschliche Leben sich einzig und allein zur Entwicklung der intellektuellen Fähigkeiten, der äußeren wissenschaftlichen Fähigkeiten, der äußeren Naturbeobachtung und sozialen Beobachtung entwickelt hat, so werden zunächst diese Kräfte, die in den drei ersten Lebensaltern des Menschen wirken, zurückgebildet. Sie können wieder heraufgeholt werden. Und nichts anderes ist es, was heraufgeholt wird nach Anleitung meines Buches «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» aus den Tiefen der Menschennatur für das imaginative Erkennen, als jene Seelenkräfte, jenes Geisteswirken, die nach der Geschlechtsreife bis in die Zwanzigerjahre hinein den Menschen eigentlich als solchen geistig-leiblich bilden. Was zurücktritt, wird wieder hervorgeholt von dem Geistesforscher. Es wird wieder hervorgeholt, damit es ins Bewußtsein herauftritt, während es sonst zurückgetreten ist. Da entwickelt es dann die imaginative Erkenntnis.
[ 48 ] Just as human life in recent centuries has developed solely toward the cultivation of intellectual faculties, external scientific abilities, and the external observation of nature and society, so too will these forces—which are active during the first three stages of human life—initially be reduced. They can be brought back to the surface. And it is nothing other than these soul forces—this spiritual activity—that are brought up from the depths of human nature for imaginative cognition, as guided by my book *How to Attain Knowledge of the Higher Worlds*; these are the very forces that, from puberty through one’s twenties, actually shape the human being as such, both spiritually and physically. What recedes is brought forth again by the spiritual researcher. It is brought forth again so that it may rise into consciousness, whereas otherwise it would have receded. There it then develops imaginative insight.
[ 49 ] Schwieriger ist schon, dasjenige hervorzuholen, was im Menschenleben vom Zahnwechsel bis zur Geschlechtsreife gewirkt hat, die Kräfte, die wiederum zurückgetreten sind im späteren Leben, die, ich möchte sagen tiefer drinnenstecken in dem Organsystem. Auch sie können durch solche Übungen, wie ich sie beschrieben habe in den genannten Büchern, heraufgeholt werden in das Bewußtsein. Dann erweisen sich diese Kräfte als identisch mit unbekannten, durch keine äußere Wissenschaft aufstellbaren Naturkräften, die gerade im Menschen aber wirken. Dann lernen wir diese Kräfte beherrschen. Dann bringen sie uns gewisse Geistgeheimnisse der Umgebung durch eine inspirierte Wissenschaft in unser Bewußtsein herein. Nicht erfundene Kräfte, nicht irgend etwas, was im Leben nicht vorhanden ist, sondern gerade, was sich in wichtigsten Entwicklungsjahren des Menschen als wirksam erweist, das wird durch die Geistesforschung wiederum heraufgeholt, um zur Grundlage für Einsichten in die geistige Welt zu werden.
[ 49 ] It is more difficult, however, to bring to the surface what has been at work in human life from the change of teeth to sexual maturity—the forces that have receded in later life, those that, I would say, lie deeper within the organ system. These, too, can be brought up into consciousness through exercises such as those I have described in the books mentioned. Then these forces prove to be identical with unknown natural forces—forces that no external science can establish—yet which are at work precisely within the human being. Then we learn to master these forces. They then bring certain spiritual mysteries of our surroundings into our consciousness through an inspired science. Not invented forces, not something that does not exist in life, but precisely what proves to be effective during the most important years of human development—this is brought to the surface again through spiritual research to become the foundation for insights into the spiritual world.
[ 50 ] Am schwierigsten hervorzuholen - weil sie eigentlich schon für die Beobachtung verborgen bleiben - sind diejenigen Kräfte, die tätig sind in der menschlichen Natur und später ganz verschwinden. Es sind dies die Kräfte, die in der menschlichen Natur zwischen der Geburt oder sagen wir sogar der Empfängnis und dem Zahnwechsel tätig sind und im Heraustreiben der bleibenden Zähne sozusagen ihren Abschluß, ihren Schlußpunkt finden. Diese Kräfte ziehen sich ganz in das organische System des Menschen zurück, können aber ebenfalls herausgeholt werden, nachdem wir die anderen Kräfte herausgeholt haben.
[ 50 ] The most difficult to bring to light—because they are, in fact, already hidden from observation—are those forces that are at work in human nature and later disappear entirely. These are the forces that are active in human nature between birth—or, let us say, even conception—and the change of teeth, and which, so to speak, find their conclusion, their culmination, in the eruption of the permanent teeth. These forces withdraw completely into the human organic system, but they can also be brought to the surface after we have brought the other forces to the surface.
[ 51 ] Dann sehen wir, daß - indem wir diese Kräfte erfassen - wir uns mit unserer Wesenheit, die uns eigentlich den Lebensanstoß gegeben hat, nun verbinden. Wir rollen gewissermaßen das Leben nach dem siebenten Lebensjahre nurmehr ab. Den eigentlichen Anstoß aus der tiefsten Seele heraus, die wir als Geist erkennen, wenn wir sie heraufholen, den empfangen wir in dem ersten Lebensabschnitt; wenn wir das aus unserem Bewußtsein heraufbringen, was sonst zurückgetreten ist, dann empfangen wir die intuitive Erkenntnis. Dann verbinden wir uns nicht nur mit unserem eigenen Wesen, sondern dann verbinden wir uns mit etwas, wogegen allerdings unsere gewöhnlichen Gedanken Absurditäten sind, wir verbinden uns mit etwas, was einerlei ist mit dem Wesen der Welt. Dann erkennen wir den Geist in uns im Zusammenhange mit der Geistigkeit der Welt.
[ 51 ] Then we see that—by grasping these forces—we now connect with our true self, which actually gave us the impetus for life. In a sense, after the age of seven, we are merely unfolding life. The actual impulse from the deepest soul—which we recognize as spirit when we bring it to the surface—is received during the first stage of life; when we bring to the surface from our consciousness what has otherwise receded, then we receive intuitive knowledge. Then we connect not only with our own being, but with something in comparison to which our ordinary thoughts are absurdities; we connect with something that is one and the same with the essence of the world. Then we recognize the spirit within us in connection with the spirituality of the world.
[ 52 ] Der Erzieher, welcher im Sinne der Geisteswissenschaft sich Menschenkenntnis erwirbt, er blickt, indem er den werdenden Menschen vor sich hat, auf dasjenige hin, was aus dem Geiste heraus diesen werdenden Menschen bildet. Er kommt mit seinen Bildungsmitteln diesem werdenden Menschen entgegen. Der im Sinne der Geisteswissenschaft wirkende Pädagoge hat nicht eine Pädagogik im Auge, die, wie es heute normal ist, nach abstrakten Regeln einen Zögling heranbilden soll; für ihn ist der einzelne Zögling ein Rätsel. Für ihn ist dasjenige, was im einzelnen Zögling sich auslebt, etwas, das mit jedem Tag, mit jeder Stunde lebendig gelöst werden muß. Aber indem sich der Erzieher die Anschauung dieses lebendig wirkenden Geistes im lebendig sich entwickelnden Menschen aneignet, nimmt er in sich eine Wirklichkeits-Erkenntnis auf, die nicht in Begriffen, nicht in abstrakten Gewohnheiten bleibt, sondern die seinen Willen mit Geistigkeit durchdringt. Er wird wirklich eine Erkenntniskraft entwickeln können, er wird ein Erkenntnisweiser, und er wird daraus eine Pädagogik entwickeln, die unmittelbar Leben ist, weil sie aus Menschenkenntnis, aus der Erkenntnis des vollen, ganzen Menschen hervorgeht.
[ 52 ] The educator who acquires knowledge of human nature in the spirit of Spiritual Science, when faced with a developing human being, looks toward that which, emerging from the spirit, shapes this developing human being. He meets this developing human being with his educational methods. The educator working in the spirit of Spiritual Science does not have in mind a pedagogy that, as is common today, aims to shape a student according to abstract rules; for him, the individual student is a mystery. For him, what unfolds in the individual student is something that must be resolved in a living way with each passing day, with each passing hour. But as the educator internalizes this vision of the living, active spirit within the living, developing human being, he absorbs a knowledge of reality that does not remain in concepts or abstract habits, but rather permeates his will with spirituality. He will truly be able to develop a power of insight; he will become a sage of knowledge, and from this he will develop a pedagogy that is life itself, because it arises from knowledge of human nature, from the understanding of the full, whole human being.
[ 53 ] Geisteswissenschaft, anthroposophisch orientiert, wie sie hier gemeint ist, sie ist nichts anderes, als was aus den Kräften geschöpft wird, die in den geistigen Entwicklungsstadien des Menschen die eigentlich wirksamen sind. Nicht aus irgendeiner Phantastik heraus, nicht aus irgend etwas heraus, was in einem Menschen auftreten kann oder nicht auftreten kann, wird der Quell für die Entwicklung der höheren Geisteskräfte geholt, sondern aus dem bewußten Aufnehmen dessen, was gerade in den gesündesten Wachstums- und Lebenskräften in den drei ersten Lebensaltern des Menschen wirkt. Indem wir Geistesforscher werden, erheben wir ins Bewußtsein zu unserer Erkenntnis der Welt und des Menschen herauf, was unser Wachstum, unsere Menschwerdung eigentlich bewirkt.
[ 53 ] Spiritual Science, as understood here in an anthroposophical sense, is nothing other than that which is drawn from the forces that are actually at work in the spiritual stages of human development. The source for the development of the higher spiritual powers is not drawn from some fantasy, nor from anything that may or may not occur within a human being, but rather from the conscious absorption of what is actually at work in the healthiest forces of growth and life during the first three stages of human life. By becoming spiritual researchers, we raise into consciousness—for our understanding of the world and of humanity—that which actually brings about our growth and our becoming human.
[ 54 ] So verwandt ist Geisteswissenschaft mit dem geistig-seelischen Werk- und Rüstzeug des Erkennens. Deshalb ist Geisteswissenschaft nicht etwas, was bloß von unserem Verstande aufgenommen wird. Weil es hervorgeholt ist aus den Wesens- und Wachstumskräften unseres ganzen Menschen, durchdringt es unseren ganzen Menschen, unser Gemüt und unseren Willen. Es wird elementare Menschenkraft in uns. Denn Unreife, Unbewußtheit sind Begriffe, welche vor diesem Walten des Geistes im Menschen ihre Berechtigung verlieren. Man darf nicht sagen, der Mensch verliere seine instinktive, elementarische Kraft, wenn er den Geist bewußt entwickelt — nein, die Naivität geht mit, und gerade dieselbe elementare Kraft, die sonst nur im instinktiven Wirken vorhanden ist, ist auch vorhanden, wenn man in dieser Weise vom Geiste wirklich durchdrungen ist. Da geht Geistiges über, wirklich über in die Wesenheit des Lehrenden, in die Wirksamkeit des Lehrenden, desjenigen, der unter der Jugend sozial-pädagogische Kraft zu entwickeln hat. Denn was Geisteswissenschaft ist, stammt aus demselben Quell, aus dem der Mensch selber herauswächst. Und Sich-Entwickeln ist nur die Umwandlung unserer Wachstumskräfte.
[ 54 ] Spiritual Science is so closely connected to the spiritual and soul-based tools and resources of cognition. That is why Spiritual Science is not something that is merely absorbed by our intellect. Because it is drawn from the essential and developmental forces of our whole being, it permeates our entire being—our feelings and our will. It becomes an elemental human force within us. For immaturity and unconsciousness are concepts that lose their validity in the face of this activity of the spirit within the human being. One must not say that a person loses their instinctive, elemental power when they consciously develop the spirit—no, naivety remains, and precisely the same elemental power that is otherwise present only in instinctive activity is also present when one is truly permeated by the spirit in this way. There, the spiritual truly passes into the very being of the teacher, into the teacher’s effectiveness—into the one who is called upon to develop social-pedagogical strength among the youth. For Spiritual Science stems from the very same source from which human beings themselves grow. And self-development is nothing other than the transformation of our forces of growth.
[ 55 ] Das sind Dinge, denen die Menschheit heute vielfach so gegenübersteht, wenigstens ihrem eigenen tieferen Prinzipe nach so gegenübersteht, wie sie etwa der modernen Naturwissenschaft gegenübergestanden hat zu der Zeit, als Kopernikus und Galilei sie inauguriert haben. Aber ebenso sicher, wie dasjenige, was dazumal als eine Absurdität von den weitesten Kreisen angesehen worden ist und heute für diese zu einer Selbstverständlichkeit geworden ist, so sicher wird die Erkenntnis von den drei vorhergehenden Lebensaltern und ihren Grundkräften und der Umwandlung zu Imagination, Inspiration und Intuition in der Geisteswissenschaft eine Selbstverständlichkeit werden.
[ 55 ] These are matters that humanity today often faces—at least in terms of their deeper principles—in much the same way as it faced modern natural science at the time when Copernicus and Galileo pioneered it. But just as surely as what was once regarded as an absurdity by the broadest circles has today become a matter of course for them, so surely will the understanding of the three preceding stages of life and their fundamental forces—and the transformation into imagination, inspiration, and intuition—become a matter of course in Spiritual Science.
[ 56 ] Unser Zeitalter aber, das bemerken kann, wie das neuere Geistesleben - ich habe das an zwei Beispielen ausgeführt - ohnmächtig geworden ist gegenüber dem sozialen Leben und sozialen Wollen, unser Zeitalter sollte Sympathie und Interesse entwickeln, wenn gezeigt werden kann, daß es nicht nur die abstrakte, lebensfremde und lebensferne Geisteswissenschaft gibt, die sich in den letzten Jahrhunderten heraufentwickelt hat, sondern eine Geisteswissenschaft, die aus der Umwandlung der Wachstumskräfte selber hervorgeht, die den lebendigen Geist ergreift, der nicht bloß Gastrollen gibt im Leben, sondern der im Leben auftritt, im Leben wirkt und mit dem sich der menschliche eigene Geist so verbinden kann, daß er ihn entwickeln kann als sozial-pädagogische Kraft.
[ 56 ] But our age—which can perceive how modern intellectual life, as I have illustrated with two examples, has become powerless in the face of social life and social will—our age should develop sympathy and interest if it can be shown that there is not only the abstract, unworldly, and detached Spiritual Science which has developed over the last few centuries, but also a Spiritual Science that arises from the transformation of the forces of growth themselves, that seizes the living spirit—a spirit that does not merely play a supporting role in life, but appears in life, acts in life, and with which the human spirit itself can connect in such a way that it can develop it as a socio-pedagogical force.
[ 57 ] Warum - legen wir uns diese Frage noch einmal vor -, warum findet denn diese neuere Zeit so wenig die Möglichkeit, dasjenige, was sie an Ideen aufnimmt, was sie an Ideen entwickelt, in soziales Wollen umzuwandeln? Warum ist es denn gekommen, daß ein solcher Unglaube eingetreten ist gegenüber der Macht des Geistes, daß man nur von Ideologie spricht?
[ 57 ] Why—let us ask ourselves this question once again—why does this modern era find it so difficult to transform the ideas it absorbs and develops into social will? Why has such a lack of faith in the power of the spirit taken hold that people speak only of ideology?
[ 58 ] Nun, die Zeit, die wir eben hinter uns haben, ist die Zeit, in der die großen Triumphe der Naturwissenschaft eingeleitet werden sollten. Diese großen Triumphe der Naturwissenschaft konnten nur dadurch eingeleitet werden, daß der Mensch zunächst absah von dem, was in ihm selber ist, und sich dem Wirken und Weben der äußeren Natur mit allem seinem Methodischen hingab. Gerade derjenige, der Geistesforscher ist, wird die Gewissenhaftigkeit, die Exaktheit der naturwissenschaftlichen Methode der neueren Zeit und auch die Fruchtbarkeit des Wirkens dieser Methode auf ihren Gebieten anerkennen. Er wird sich durchaus nicht in einer bloßen unverständigen Kritik über das begrenzte und eingeschränkte Naturwissen ergehen. Aber eine Erfahrungstatsache muß geltend gemacht werden, die heute deshalb nicht beobachtet wird, weil man von der einen Seite aus vollberechtigt die Aufmerksamkeit darauf wendet, wie sehr die naturwissenschaftlichen Methoden geeignet sind, ein richtiges Bild des äußeren Naturwirkens oder wenigstens ein Bild des äußeren Wirkens der Natur zu geben; da ist man dann nicht geneigt, zu fragen: Ja, wie wirkt denn aber dieses Bild, das auf solche Art entsteht, nun auf das ganze Wesen des Menschen ein?
[ 58 ] Well, the era we have just left behind is the era in which the great triumphs of natural science were to begin. These great triumphs of natural science could only be ushered in by humanity first turning away from what lies within itself and devoting itself, with all its methodological rigor, to the workings and interplay of external nature. It is precisely the spiritual researcher who will recognize the conscientiousness and precision of the modern scientific method, as well as the fruitfulness of this method’s application in its respective fields. He will by no means indulge in mere uninformed criticism of the limited and restricted knowledge of nature. But an empirical fact must be brought to light—one that goes unobserved today precisely because, on the one hand, attention is rightly focused on how well the methods of natural science are suited to providing an accurate picture of the external workings of nature, or at least a picture of nature’s external activity; and so one is not inclined to ask: But how, then, does this picture—which is formed in this way—actually affect the whole being of the human person?
[ 59 ] Der Mensch ist in der Naturbeobachtung und in der Erkenntnis der Naturgesetze an das nur hingegeben, was seine Sinne glauben und was sein Verstand bearbeitet. Da schließt er bewußt alles das aus, was aus seinem Gemüts- und Willensleben kommt. Dafür aber greift dasjenige, was er als Naturwissen sich aneignet, auch nicht auf sein Willensleben und auf sein Gemütsleben über. Daher kommt es, daß mit einem gewissen Rechte manche Menschen, die sich vorurteilslos die ganze Sachlage ansehen, anders reden über die Naturwissenschaft und ihre Wirkung als diejenigen, die eben — wie gesagt, von der einen Seite ist das durchaus berechtigt - sich nur an die Betrachtung der großen Triumphe der Naturwissenschaft hingeben.
[ 59 ] In observing nature and understanding the laws of nature, human beings are limited to what their senses perceive and what their intellect processes. In doing so, they consciously exclude everything that arises from their emotional and volitional life. In return, however, what they acquire as knowledge of nature does not spill over into their volitional or emotional life. This is why, with a certain justification, some people who view the entire situation without prejudice speak differently about natural science and its effects than those who—as I said, from one perspective this is entirely justified—devote themselves solely to contemplating the great triumphs of natural science.
[ 60 ] Was wir als Naturbild durch die naturwissenschaftliche Methode gewinnen, hat etwas Schicksalhaftes, gerade, wenn wir unseren Blick auf die menschliche Wesenheit selber lenken; es ist etwas, was nur unseren Verstand erfüllt, was nicht unseren Willen ergreift. Wenden wir daher die naturwissenschaftliche Methode auch nur in populärem Denken oder in wissenschaftlichem Denken auf das soziale Leben an, flutet uns gewissermaßen das soziale Leben heraus, es fällt heraus. Wie irgend etwas, das kleinkörnig ist, durch ein Sieb fällt, so fällt uns das wirkliche soziale Leben aus unserer Betrachtung heraus, wenn wir nur mit naturwissenschaftlicher Methode daran gehen. Wir brauchen doch nur zu sehen, wie strenges, kausales naturwissenschaftliches Denken durchaus in dem Augenblicke versagt - ich will Ihnen ein empirisches Beispiel dafür anführen -, in dem es sich auf das soziale oder überhaupt auf das äußerliche gesellschaftliche Gebiet begibt. Es gibt vielleicht kein Buch, das auf einem viel angefochtenen Gebiete exaktes naturwissenschaftliches Denken so schön entwickelt wie das Buch des bekannten Biologen Oskar Hertwig «Das Werden der Organismen, eine Widerlegung der Darwinschen Zufallstheorie». Man kann nur im höchsten Sinne loben, was da mit diesem Buche an Charakteristik naturwissenschaftlicher Einsichten in das Entwicklungsgebiet versucht worden ist.
[ 60 ] What we gain as a picture of nature through the scientific method has something fateful about it, especially when we turn our gaze to human nature itself; it is something that fills only our intellect, something that does not seize our will. Therefore, if we apply the scientific method—even in popular or scholarly thought—to social life, social life, as it were, floods out of our view; it falls away. Just as something fine-grained falls through a sieve, so real social life falls out of our consideration when we approach it solely with the scientific method. We need only see how rigorous, causal scientific thinking fails completely—I will give you an empirical example of this—the moment it ventures into the social realm or, indeed, into the external social sphere. There is perhaps no book that so beautifully develops precise scientific thinking in such a hotly contested field as the book by the well-known biologist Oskar Hertwig, *The Development of Organisms: A Refutation of Darwin’s Theory of Chance*. One can only praise in the highest sense what this book attempts to achieve in terms of characterizing scientific insights into the field of development.
[ 61 ] Kurze Zeit, nachdem dieses Buch von Oskar Hertwig erschienen ist, ließ Oskar Hertwig auch eine Schrift erscheinen über soziale, rechtliche und Staatsfragen, Gesellschaftsfragen überhaupt. Man kann sich etwas Dilettantischeres und Unzulänglicheres nicht denken als diesen Spaziergang eines ausgezeichneten Biologen in das Gebiet, welches wir mit dem Begriff des sozialen Lebens umspannen!
[ 61 ] Shortly after this book by Oskar Hertwig was published, Oskar Hertwig also published a treatise on social, legal, and political issues—on social issues in general. One cannot imagine anything more amateurish and inadequate than this foray by an outstanding biologist into the realm we encompass with the concept of social life!
[ 62 ] Solche Beispiele ließen sich verhundertfachen, vertausendfachen. Sie alle zeigen, was man aber auch unmittelbar beobachten kann: daß gerade die beste Hingabe an naturwissenschaftliche Erkenntnisse bewirkt, daß wir unser Bewußtsein mit Ideen erfüllen, die wirklich der Inhalt einer Ideologie sind, die nicht wirklich unser Gemüt und unseren Willen durchpulsen können. Gemüts- und willensunfruchtbar bleiben diese Ideen.
[ 62 ] Such examples could be multiplied a hundredfold, a thousandfold. They all demonstrate what can also be observed directly: that it is precisely the utmost devotion to scientific knowledge that causes us to fill our consciousness with ideas that are in fact the content of an ideology—one that cannot truly permeate our minds and our wills. These ideas remain barren of feeling and will.
[ 63 ] Nun möchte ich ausdrücklich betonen, daß ich in der Betrachtung solcher Dinge nicht den verkehrten Weg zu gehen beabsichtige. Ich möchte durchaus nicht behaupten, daß die allgemeine populäre Denkweise der weitaus größten Menge der heutigen Menschen etwa ein Einfluß naturwissenschaftlicher Denkweise ist. O nein, im Gegenteil, die letzten Jahrhunderte haben eine gewisse populäre Denkweise heraufgebracht - wer Geschichte wirklich studiert, nicht nach dem, was bloß eine «fable convenue» ist, sondern sie wirklich studiert, kann sehen, wie seit drei bis vier Jahrhunderten sich das Leben der Menschen, namentlich das soziale Leben der Menschen bis in die bäuerlichsten Kreise hinauf gewandelt hat. Und dasjenige, was als naturwissenschaftliches Denken hervorgetreten ist, das ist nur, ich möchte sagen der äußere Exponent, der äußere Ausdruck dessen, was das menschliche Seelenleben überhaupt ergriffen hat. Ich möchte das Leben der Menschen, das Denk- und Empfindungsleben der Menschen nicht etwa einen Ausfluß nennen naturwissenschaftlicher Gesinnung und Wissensbereiche, sondern umgekehrt: ich möchte in der naturwissenschaftlichen Gesinnung und Wissensrichtung nur das äußere Zeichen, die Offenbarung für das sehen, was allgemeine Gesinnung des Menschen ist, allgemeine Stimmung dem Leben und der äußeren Wirklichkeit gegenüber.
[ 63 ] Now I would like to emphasize explicitly that I do not intend to take the wrong approach when considering such matters. I certainly do not wish to claim that the general popular way of thinking among the vast majority of people today is, for example, influenced by scientific thinking. Oh no, on the contrary, the last few centuries have given rise to a certain popular way of thinking—anyone who truly studies history, not merely what is a “fable convenue,” but who truly studies it, can see how, over the past three to four centuries, people’s lives—particularly their social lives—have changed, even down to the most rural communities. And what has emerged as scientific thinking is merely—I would say—the outward manifestation, the outward expression of what has taken hold of human spiritual life as a whole. I do not wish to call human life—the life of human thought and feeling—an outgrowth of the scientific mindset and fields of knowledge, but rather the reverse: I wish to see in the scientific mindset and direction of knowledge only the outward sign, the manifestation of what constitutes the general human mindset, the general attitude toward life and external reality.
[ 64 ] Was sich so herausgebilder hat, das ist eben gerade die Grundlage für ein lebensfremdes Geistesleben. Nimmt man dagegen auf, was die Grundlage für die hier gemeinte anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft ist - ich habe ja gezeigt, wie diese Geisteswissenschaft nur die Umwandlung gerade der Wachstums- und Bildekräfte des Menschen ist -, nimmt man das auf, kann man sich dazu erheben, in diesen Dingen eine wirkliche Welt zu sehen, dann geht dasjenige, was wir so aufnehmen mit dem Wissen vom Geistigen, wiederum über in unsere Gemüts-, in unsere Willenskräfte. Und dieses ist der einzige Weg zu einem wirklichen sozialen Wollen, den es als einen gesunden für die Menschheit der Gegenwart und der nächsten Zukunft geben kann: Dieses soziale Wollen durchpulsen mit der Erkenntnis, die aus dem Geistigen heraus kommen kann. Man sage nur ja nicht: Jeder Mensch kann ohne weiteres irgendwie das erlangen, was da gemeint ist, was die Entwicklung höherer Geisteskräfte ist; das soll hier auch gar nicht behauptet werden. Gewiß, es ist so, nur wenige Menschen werden dazu kommen, die Geheimnisse des geistigen Lebens durch das unmittelbare Anschauen der höchsten geistigen Tatsachen oder hoher geistiger Tatsachen selbst zu erkennen. Denn dieses Erkennen, das ist erstens verbunden oder gebunden an eine gewisse innere Mutigkeit, an eine gewisse innere Tapferkeit. Man muß den menschlichen Willen, die menschlichen Denkkräfte, alle menschlichen Seelenkräfte so entwickeln, daß sie über das Maß der gewöhnlichen Stärke hinausgehen, damit diese Seelenkräfte etwas ergreifen können, was vor dem gewöhnlichen Erfassen der Menschen ganz vorbeihuscht, was er nicht wahrnimmt: die geistige Welt. Man muß gewissermaßen das Feinste ergreifen unter Aufwendung der allertätigsten Kräfte. Der Geist tritt einem zunächst nicht so entgegen, wie einem eine äußere Wirklichkeit entgegentritt. Der Geist tritt einem entgegen, wie man sich mit ihm verbindet, wie man in seinem eigenen Schmerz und wie man Lust und Leid empfindet. Das ist dasjenige, was durch die eigene Seele flutet, aber etwas sehr Reales ist. So empfindet man, erlebt man und erkennt man das Geistige im Durchfluten durch die eigene Seele; nur weiß man, daß es nicht etwas bloß Subjektives ist wie Lust und Leid. Es ist so intim an die Seele gebunden wie Lust und Leid und Freude und Schmerz, aber es ist etwas, was als ein Fremdes, Geistgemäßes in unsere Seele hereinströmt. Dem ist man zunächst nicht angepaßt. Der Mensch ist angepaßt an ganz anderes, äußeres Leben. Daher muß er, indem er ein Leben in sich aufnimmt und um sich herum wahrnimmt, an das er nicht angepaßt ist, dieses Leben in Leid und Schmerzen aufnehmen. Niemand kommt in die geistige Welt hinein, der sich diesen Eingang nicht erkämpft, Schritt für Schritt durch Leiden und Schmerzen. Das bezieht sich aber zunächst nur auf die Erforschung der geistigen Welt.
[ 64 ] What has thus taken shape is precisely the foundation for a spiritual life that is alien to life itself. If, on the other hand, one embraces what serves as the foundation for the anthroposophically oriented Spiritual Science referred to here —I have, after all, shown how the Spiritual Science is nothing other than the transformation of the very forces of growth and formation within the human being—if one takes this in, one can rise to the point of seeing a real world in these things; then what we take in in this way, together with knowledge of the spiritual, flows back into our emotional and volitional powers. And this is the only path to a genuine social will that can be considered healthy for humanity in the present and the near future: to infuse this social will with the insight that can arise from the spiritual realm. Let us not say, however, that every human being can readily attain what is meant here—namely, the development of higher spiritual powers; that is not at all what is being claimed here. Certainly, it is true that only a few people will come to recognize the mysteries of spiritual life through the direct contemplation of the highest spiritual realities or of high spiritual realities themselves. For this recognition is, first of all, connected to—or bound by—a certain inner courage, a certain inner bravery. One must develop the human will, the human powers of thought, and all the powers of the human soul in such a way that they transcend the measure of ordinary strength, so that these powers of the soul can grasp something that entirely eludes the ordinary perception of human beings—something they do not perceive: the spiritual world. One must, so to speak, grasp the most subtle realities by exerting the most active forces. At first, the spirit does not present itself to us in the same way that an external reality does. The spirit presents itself to us in the way we connect with it, in the way we experience our own pain, and in the way we feel pleasure and suffering. This is what flows through one’s own soul, yet it is something very real. Thus one feels, experiences, and recognizes the spiritual as it flows through one’s own soul; yet one knows that it is not merely something subjective, like pleasure and suffering. It is as intimately bound to the soul as pleasure, suffering, joy, and pain, but it is something that flows into our soul as something foreign, something spiritual. At first, one is not attuned to this. Human beings are adapted to a completely different, external life. Therefore, as they take in a life within themselves and perceive it around them—a life to which they are not adapted—they must accept this life in suffering and pain. No one enters the spiritual world who does not fight their way into it, step by step, through suffering and pain. However, this initially applies only to the exploration of the spiritual world.
[ 65 ] Dagegen muß man sagen, daß die Fähigkeiten, zu begreifen, was der Geistesforscher mitteilt, nur an den gewöhnlichen, gesunden Menschenverstand gebunden sind. Der Geistesforscher ist nicht darauf angewiesen, daß er den Leuten bloß die Versicherung gibt, er sei ein wahrheitsliebender Mensch und sehe und schaue dasjenige, wovon er als dem Geistigen spricht, sondern der Geistestorscher kann so sprechen, daß der Mensch aus dem gesunden Menschenverstand heraus die Art und Weise verfolgen kann, wie er seine Gedankengänge aufbaut, die er allerdings aus der geistigen Anschauung heraus aufbaut, denen man es aber anmerken kann, daß sie dieselbe innere Logik haben, die wir an der äußeren sinnlichen Wirklichkeit erlernen. Daher kann der gesunde Menschenverstand, wenn er nur nicht eingeengt ist durch die entgegengesetzten Vorurteile, darüber urteilen, ob der Geistesforscher Unsinn spricht oder ob der Geistesforscher durch die Art und Weise, wie er spricht, erkennen läßt, daß ihm die geistige Welt wirklich offen ist, daß er in sie hineinschaut.
[ 65 ] On the other hand, it must be said that the ability to understand what the spiritual researcher communicates is limited only by ordinary, sound common sense. The spiritual researcher is not dependent on merely assuring people that he is a truth-loving person who sees and perceives the spiritual realm of which he speaks; rather, the spiritual researcher can speak in such a way that people, drawing on their common sense, can follow the manner in which he constructs his lines of thought—which he does, admittedly, from a spiritual perspective, but which clearly possess the same inner logic that we learn from external sensory reality. Therefore, provided it is not restricted by opposing prejudices, common sense can judge whether the spiritual researcher is speaking nonsense or whether, through the way he speaks, he reveals that the spiritual world is truly open to him, that he looks into it.
[ 66 ] Damit aber ist das, was durch den einzelnen Geistesforscher in das soziale Leben hineingebracht wird, selbst eine sozial-pädagogische Kraft.
[ 66 ] Thus, what the individual researcher of the spirit brings into social life is itself a socio-educational force.
[ 67 ] Bequemen sich die Menschen dazu, sich Verständnis anzueignen, jene Gabe des gewöhnlichen gesunden Menschenverstandes, durch die man die überzeugende Kraft von dem empfindet, was die Geisteswissenschaft als die wahre Wirklichkeit des Menschen zu enthüllen versteht, so entwickeln sie ganz andere soziale Kräfte. Kräfte, welche die Menschen zueinander führen und in die Struktur des sozialen Organismus hineinbringen würden, was auf eine andere Art nicht hineinzubringen ist, so, wie sie in der Vergangenheit der drei bis vier, fünf letzten Jahrhunderte und in der Gegenwart geworden ist. Kräfte, welche ein intimeres Erkennen zwischen Mensch und Mensch bilden würden, ein Eingehenkönnen auf den anderen Menschen, ein Aufkeimen wirklicher sozialer Impulse. Das ist es, was gerade durch jenen Verkehr der Menschen angewandt werden kann, der sich auf der Grundlage der wirklichen geistigen Erkenntnis und alles dessen, was damit zusammenhängt, entwickelt. Die Menschen werden fühlen, was an sozial-pädagogischer Kraft in das soziale Wollen übergehen kann, wenn sie dazu kommen, dasjenige, was zunächst den Wachstums- und Werdebedingungen des Menschen entnommen ist, nun auf den lebendigen sozialen Organismus auszudehnen. Dann erst wird man verstehen, daß soziale Organismen zum Wesen des Menschen gehören. Man wird hineintragen können in das Volksleben, in den sozialen Organismus, was man erst als die Erkenntnis des im natürlichen Organismus wirksamen Geistes gefunden hat.
[ 67 ] If people are willing to cultivate understanding—that gift of ordinary common sense through which one senses the persuasive power of what Spiritual Science seeks to reveal as the true reality of the human being—then they will develop entirely different social forces. Forces that would bring people together and introduce into the structure of the social organism what cannot be introduced in any other way—as it has come to be in the past three, four, or five centuries and in the present. Forces that would foster a deeper understanding between one person and another, an ability to empathize with others, and the emergence of genuine social impulses. This is precisely what can be achieved through that kind of human interaction that develops on the basis of genuine spiritual knowledge and all that is connected with it. People will sense what social-pedagogical power can flow into social will when they come to extend to the living social organism that which is initially derived from the conditions of human growth and development. Only then will people understand that social organisms are part of the essence of the human being. It will be possible to bring into national life, into the social organism, what has first been discovered as the knowledge of the spirit at work in the natural organism.
[ 68 ] Nicht eher wird man zu einer wirklichen sozial-pädagogischen Kraft kommen, bis man in der Lage sein wird, seine sozial-pädagogische Kraft aus den Antrieben, aus den Impulsen der geistigen Erkenntnis heraus zu schöpfen!
[ 68 ] We will not achieve true socio-pedagogical power until we are able to draw our socio-pedagogical power from the drives and impulses of spiritual insight!
[ 69 ] Woraus kommt es aber denn, was der Mensch verstehen wird, indem er die geisteswissenschaftlichen Erkenntnisse verstehen wird? Es kommt doch aus dem, was den Menschen vom kleinen Kinde leiblich und geistig zum erwachsenen Menschen gemacht hat und was sich nur rückgebildet hat. Der Mensch braucht das nicht brach liegen lassen, er braucht es nur anzuwenden; er braucht seine eigentliche Menschenwirksamkeit nur auch in der äußeren sozialen Ordnung wirklich anzuwenden, dann entwickelt sich auf der einen Seite, wie ich gezeigt habe, eine wirkliche sozial-pädagogische Kraft in der Jugenderziehung. Dann aber entwickelt sich auch in dem Umgang zwischen Mensch und Mensch jenes unaussprechbare, aber sehr real vorhandene Walten eines Erziehungsmomentes, das im menschlichen Verkehre, im menschlichen Umgange selbst liegt. Wenn wir verstehen werden, was aus der Persönlichkeit uns entgegentritt, von der wir heute glauben, es sei der ganze Mensch, wenn wir verstehen werden, was Geheimnisvolles in jedem Menschen liegt, was in jedem Menschen so liegt, daß er über sich selber hinauswächst mit seinem Unter- und Überbewußten, dann wird in dem menschlichen Verkehre selbst eine sozial-pädagogische Kraft liegen. Dann werden die Menschen so miteinander in Verkehr treten, daß das Dasein des einen durch das Dasein des anderen erhöht und getragen werden kann. Kurz, nicht bloß für die Jugenderziehung, für das ganze Menschenleben erfließt aus der Erkenntnis des Geistes heraus sozial-pädagogische Kraft.
[ 69 ] But where does what a person will come to understand by grasping the insights of the Spiritual Science actually come from? It comes, after all, from what has physically and spiritually transformed a person from a small child into an adult—and what has merely become dormant. A person need not leave this lying fallow; they need only apply it; they need only truly apply their inherent human agency within the external social order as well; then, on the one hand, as I have shown, a genuine socio-pedagogical force will develop in the education of youth. But then, in human interaction as well, that ineffable yet very real presence of an educational moment will develop—one that lies within human intercourse and human interaction itself. When we come to understand what emerges from the personality—which we today believe to be the whole human being—when we come to understand what mystery lies within every human being, what lies within every human being in such a way that they transcend themselves through their subconscious and superconscious, then a socio-pedagogical force will lie within human interaction itself. Then people will interact with one another in such a way that the existence of one can be elevated and sustained by the existence of the other. In short, a social-pedagogical force flows from the knowledge of the spirit—not merely for the education of youth, but for the whole of human life.
[ 70 ] Sehen Sie, die Idee des dreigliedrigen sozialen Organismus ist wahrhaftig nicht aus irgendeinem Programm heraus entstanden wie so viele soziale Ideen. Bei meinem letzten Vortrage, den ich hier in Basel über die soziale Frage halten durfte, habe ich das bereits erwähnt. Die Idee des dreigliedrigen Organismus ist aus einer neuen Geistesrichtung heraus entstanden, aus einer Geistesrichtung, die auf der einen Seite der gegenwärtigen Menschheit noch sehr wenig sympathisch ist, nach der sie sich aber, ich möchte sagen mit allen ihren unterbewußten Sehnsüchten und Trieben gerade sehnt und danach lechzt. Denn viel mehr, als die Menschen das in ihrem Bewußtsein glauben, haben sie in ihrem Unterbewußten die Sehnsucht nach dem Geistigen. Wir sehen heute, wie in allen möglichen Formeln und Formen und Forderungen sich dasjenige kleidet, was die Menschen sozial wollen. Wenn man dasjenige angreifen will, was die Menschen uns aus gutgemeinten Willenskräften heraus, aus richtigen, berechtigten Bedürfnissen heraus als soziale Forderungen entgegentragen, so kann man es in der Regel doch nicht erfassen, nicht so erfassen, daß daraus eine wirklich aufbauende Arbeit entstehen könnte.
[ 70 ] You see, the idea of the threefold social organism truly did not arise from some kind of program, as so many social ideas have. I already mentioned this in my last lecture, which I had the privilege of giving here in Basel on the social question. The idea of the threefold social organism arose from a new spiritual orientation—one that, on the one hand, is still very unappealing to contemporary humanity, but which, I would say, it actually yearns for and craves with all its subconscious longings and impulses. For far more than people realize in their conscious minds, they harbor a longing for the spiritual in their subconscious. We see today how what people want socially takes on all manner of formulas, forms, and demands. If one wishes to address what people present to us as social demands—arising from well-intentioned willpower and from genuine, legitimate needs—one generally cannot grasp it, at least not in a way that would give rise to truly constructive work.
[ 71 ] Das ist geradezu charakteristisch, und es ist sehr merkwürdig, wie auch diejenigen Menschen, die jahrzehntelang an Ideen, an Programmen gearbeitet haben für einen sozialen Aufbau, wie diese all ihr Denken, all dasjenige, was sie aus ihrem Geistesleben heraus gearbeitet haben, heute versagend finden.
[ 71 ] This is downright characteristic, and it is very strange how even those people who have spent decades working on ideas and programs for social reconstruction now find that all their thinking—everything they have developed from their intellectual life—has failed.
[ 72 ] Es ging neulich durch die Zeitungen ein Brief eines bekannten Sozialrevolutionärs, der es durch Jahrzehnte war, Kropotkin, ein Brief an Georg Brandes, worinnen er die trostlosen Verhältnisse des europäischen Ostens darlegt, worin er in seiner Art die ganze europäische Situation schildert und worinnen er zuletzt schreibt: Ja, das einzige, auf das wir hoffen können, ist, daß man uns Brot und Werkzeuge gibt, um Brot zu erzeugen.
[ 72 ] A letter from a well-known Social Revolutionary—one who had been active for decades, Kropotkin—recently appeared in the newspapers. It was a letter to Georg Brandes in which he describes the bleak conditions in Eastern Europe, in which he portrays the entire European situation in his own way, and in which he concludes by writing: “Yes, the only thing we can hope for is that we will be given bread and tools to produce bread.”
[ 73 ] Dahin ist nun ein Sozialrevolutionär gekommen, der Jahrzehnte hindurch nachdenkt, nachzudenken versuchte, wie die Welt zu gestalten ist, damit die Werkzeuge in der richtigen Weise herbeigeschafft werden können, die Brot erzeugen sollen, damit das Brot so erzeugt wird, daß die Menschheit wirklich ernährt werden kann. Zuletzt ist der abstrakte Schrei nach Brot und Werkzeugen entstanden! - Unglaube an die abstrakte Geistigkeit, an seine eigene bisherige Geistigkeit!
[ 73 ] Now a social revolutionary has arrived who, for decades, has been thinking—or at least trying to think—about how the world should be shaped so that the tools needed to produce bread can be procured in the right way, and so that bread is produced in such a way that humanity can truly be fed. Finally, the abstract cry for bread and tools has arisen!—Disbelief in abstract spirituality, in one’s own spirituality up to this point!
[ 74 ] Man wird durchschauen müssen, daß das moderne Leben in dem Schrei nach Brot ja auch nichts anderes hat als den Schrei nach Geistigkeit; denn nur aus einem Ergreifen des wirklichen Geistes können diejenigen sozialen Wollenskräfte kommen, welche in der richtigen Weise Werkzeuge und Broterzeugung in das Leben hineinstellen.
[ 74 ] One must realize that, in the cry for bread, modern life is in fact nothing other than a cry for spirituality; for it is only through a grasp of the true spirit that those social forces of will can arise which properly integrate tools and bread production into life.
[ 75 ] Es handelt sich nicht darum, heute nach Programmen zu schreien, sondern es handelt sich darum, in der richtigen Weise sich an die menschlichen Anlagen, an die menschliche Berätigungskraft zu wenden. Das heißt aber, den Menschen in der richtigen Weise zu erkennen, damit er an den richtigen Ort im Leben gestellt werde und in der fruchtbarsten Weise für Ernährung der Familie, für das ganze Leben seiner Mitmenschen wirken könne.
[ 75 ] The point today is not to clamor for programs, but rather to appeal in the right way to human potential and to human initiative. But that means recognizing people in the right way, so that they may be placed in the right position in life and be able to contribute in the most fruitful way to providing for their families and to the lives of their fellow human beings.
[ 76 ] Zu einer Menschheitsfrage im umfassendsten Sinne müssen wir die soziale Frage machen. Eher wird in ihr kein Heil sein. Erst, wenn wir erkennen, daß wir die soziale Frage nur dann ganz haben, wenn wir aus ihr den Geist heraus empfinden, erst dann kann für diese soziale Frage Heil kommen. Aus einer neuen Geistesrichtung ist dasjenige entstanden, was wir insbesondere für die Dreigliederung des sozialen Organismus anstreben aus der Erkenntnis heraus. Die Forderungen, die uns heute, trotzdem sie berechtigt sind, so nebulos entgegentreten, sie haben unterbewußt eine Berechtigung, denn in diesen Forderungen lebt unbewußt auch schon die Sehnsucht nach dieser neuen Geistigkeit. Und in alledem, was man als dekadente Erscheinungen kennt in dem Streben nach Geist, drückt sich nur das, ich möchte sagen noch ungeschickte Hinstreben der Menschen nach dem Geiste aus. Gewiß, es ist eine der dekadentesten Erscheinungen das Anschauen des Geistes auf die Weise, wie es zum Beispiel im Spiritismus oder in falschen mystischen Richtungen gepflogen wird. Denn diese dekadenten Richtungen sind hervorgegangen aus einer jahrhunderte-, ja man könnte in diesem Falle sagen jahrtausendealten Erziehung, durch die der Mensch nicht gelernt hat, in der Wirklichkeit selber den Geist zu suchen, in der Wirklichkeit, der er angehört. In abstrakte Höhen ist das Streben nach dem Geiste dadurch hinaufgetragen worden, daß nur dogmatische Monopole sich dieses geistigen Strebens bemächtigen wollen.
[ 76 ] We must make the social question a matter of humanity in the broadest sense. Otherwise, there will be no solution to it. Only when we recognize that we can fully grasp the social question by perceiving the spirit within it—only then can a solution to this social question be found. What we are striving for—particularly the threefold social order—has emerged from a new spiritual orientation based on this insight. The demands that confront us today—though they are justified—appear so nebulous; yet they are subconsciously justified, for the longing for this new spirituality already lives unconsciously within these demands. And in all that is known as decadent phenomena in the striving for the spirit, what is expressed is merely—I would say—humanity’s still clumsy striving toward the spirit. Certainly, one of the most decadent phenomena is the way the spirit is viewed, as is customary, for example, in spiritualism or in false mystical movements. For these decadent movements have emerged from an education spanning centuries—indeed, one might say millennia in this case—through which human beings have not learned to seek the spirit within reality itself, within the reality to which they belong. The quest for the spirit has thus been carried up into abstract heights because only dogmatic monopolies seek to seize control of this spiritual quest.
[ 77 ] Die hier gemeinte Geisteswissenschaft will geltend machen, daß dieselben Kräfte, die äußerlich die Natur ergreifen können, auch in das geistige Leben eindringen können, wenn sie sich weiter entwikkeln, so wie ich es heute wieder geschildert habe. Dann wird man nicht nach einem abstrakten Geiste streben, nach einem Geiste, der, ich möchte sagen nur zur Befriedigung des menschlichen Bewußtseins in Gastrollen erfaßt werden soll, sondern nach einem solchen Geiste, der in der Wirklichkeit drinnen ist, der mit dem materiellen Leben eines ist. Denn nicht dadurch erkennen wir den Geist, daß wir die Materie als bloße Materie anschauen und sagen: «Aber das ist Ja bloße Materie, der Geist ist irgendwo anders.» — Nein, denn wer den Geist sucht durch abstrakte Formulierungen und meint, er sei nur auf dem Wege des Spiritismus zu suchen, ich möchte sagen in den Ecken des Lebens, der hat noch keine richtige menschliche Beziehung zu dem Geiste hergestellt.
[ 77 ] The Spiritual Science referred to here seeks to demonstrate that the same forces that can externally influence nature can also penetrate spiritual life as they continue to develop, just as I have described again today. Then one will not strive for an abstract spirit—a spirit that, I might say, is to be grasped only in passing roles for the sake of satisfying human consciousness—but rather for a spirit that is present in reality, that is one with material life. For we do not recognize the spirit by viewing matter as mere matter and saying, “But that is indeed mere matter; the spirit is somewhere else.”—No, for whoever seeks the spirit through abstract formulations and believes it can be found only through spiritualism—I would say, in the corners of life—has not yet established a true human relationship with the spirit.
[ 78 ] Eine richtige menschliche Beziehung zu dem geistigen Leben haben wir nur dann hergestellt, wenn wir nach einem solchen Geiste gehen, der in dem, was wir um uns herum in der Natur und insbesondere im Menschenleben selbst - in der Jugend, im späteren sozialen Zusammenhang, in alle dem, was da äußerlich, sogar im ökonomischen Leben um uns herum ist — erblicken, den Geist walten wissen, aber so suchen, daß wir uns mit dem Geisteswalten verbinden. Eine richtige Geistessuche wird nur das sein, wo der Mensch den Geist ergreifen will, indem er den in ihm selbst waltenden Geist liebt und eine Brücke schlägt zwischen der geistigen Wirklichkeit in sich und der geistigen Wirklichkeit in der Welt. Nur durch einen solchen Geist und nur durch das Wissen eines solchen Geistes kann jene sozial-pädagogische Kraft entwickelt werden, die wir wirklich für das Menschenleben schon der Gegenwart, insbesondere aber auch für dasjenige der nächsten Zukunft brauchen.
[ 78 ] We have established a true human relationship to spiritual life only when we seek a spirit such that, in what we perceive around us in nature and especially in human life itself—in youth, in later social contexts, in all that exists externally, even in the economic life around us—we recognize that the spirit is at work, but seek it in such a way that we connect with the spirit’s activity. A true search for the spirit will be only that in which a person seeks to grasp the spirit by loving the spirit active within themselves and by building a bridge between the spiritual reality within themselves and the spiritual reality in the world. Only through such a spirit and only through the knowledge of such a spirit can that socio-pedagogical force be developed which we truly need for human life in the present, but especially for that of the near future.
[ 79 ] Daher kann man immer wiederum nur sagen: Mögen die dunkeln unterbewußten Sehnsüchte, die in menschlichen Herzen, in menschlichen Gemütern leben, hell auflodern im bewußten Leben der Seelen, damit die Menschheit finde gerade in dem Zeitalter, in dem die soziale Frage so brennend geworden ist, die wirkliche geistige Kraft der Welt, mit der sich die geistige Kraft im Innern des Menschen verbinden kann. Denn aus diesem Bunde zwischen Weltengeist und Menschheitsgeist wird die beste Quelle der sozialpädagogischen Kraft für das menschliche Leben erfließen.
[ 79 ] Therefore, one can only say, time and again: May the dark, subconscious longings that dwell in human hearts and minds blaze brightly in the conscious life of the soul, so that humanity may find—precisely in this age in which the social question has become so pressing—the true spiritual power of the world, with which the spiritual power within the human being can unite. For from this union between the spirit of the world and the spirit of humanity will flow the best source of socio-educational power for human life.
[ 80 ] Kurze Diskussion mit Fragenbeantwortung
[ 80 ] Brief discussion with Q&A
[ 81 ] Herr Wachter: [...] Wie es mir scheint, hatte Herr Dr. Steiner ganz richtig erwähnt, daß in unserer [Zeit] Naturwissenschaft, Philosophie, Religion und man darf sogar auch sagen die modernen Künste, vollständig versagt haben. (...] Warum haben diese versagt? [...] - Und da glaube ich, daß der Hauptgrund des Versagens darinnen liegt, weil man eben die Naturwissenschaft, die Religion und die Künste in Abstraktum behandelt. Man hat die Religion wegen der Religion behandelt; man hat die Naturwissenschaft der Naturwissenschaft zuliebe getrieben; man hat Pädagogik betrieben, nicht um die Kinder zu erziehen, nein, man hat die Kinder gequält der Pädagogik zuliebe. Hat man die Künste getrieben, um den Menschen das Leben zu verschönen? Nein, man hat die Künste getrieben gewissermaßen als kuriose Gedankenspiele, einfach der Kunst zuliebe. Und darinnen liegt, glaube ich, der Denkfehler, der beseitigt werden muß. Man müßte Religion ins Leben tragen, Naturwissenschaft anwenden im Leben und darinnen den Zweck der Naturwissenschaft sehen, daß man sie im Leben eben verwendet; den Schwerpunkt gerade darauf richtet, daß man die Kunst im Leben drinnen sieht, nicht vom Leben loslöst. Aber es ist deshalb absolut nicht notwendig, daß man diese Sachen alle wegschmeißt und sagt: «Sie bedeuten an sich nichts...». Denn eine falsche Anwendung der Sache beweist noch lange nicht, daß die Sache nichts wert ist. [...] Und ich glaube, daß gerade die Geisteswissenschaft, wie sie Herr Dr. Steiner in seinem Vortrag gebracht hat, dazu beitragen und in dieser Richtung sehr Gutes wirken kann, indem sie den Menschen zeigt: Ihr müßt Leben in die Sachen hineinbringen, und die Sachen nicht abstrakt bringen.
[ 81 ] Mr. Wachter: [...] It seems to me that Dr. Steiner quite correctly pointed out that in our [time] the natural sciences, philosophy, religion, and—one might even say—the modern arts have completely failed. (...] Why have they failed? [...] — And I believe that the main reason for this failure lies in the fact that natural science, religion, and the arts have been treated as abstractions. Religion has been treated for religion’s sake; natural science has been pursued for the sake of natural science; pedagogy has been practiced not to educate children—no—but to torment children for the sake of pedagogy. Have the arts been pursued to beautify people’s lives? No, the arts have been pursued, so to speak, as curious intellectual games, simply for the sake of art. And therein, I believe, lies the error in thinking that must be corrected. We should bring religion into life, apply natural science to life, and see the purpose of natural science precisely in its application to life; we should focus specifically on seeing art as an integral part of life, not as something detached from it. But that does not in the least mean we must throw all these things away and say, “They mean nothing in and of themselves…” For a wrong application of something is by no means proof that the thing itself is worthless. [...] And I believe that Spiritual Science in particular, as Dr. Steiner presented it in his lecture, can contribute to this and have a very positive effect in this direction by showing people: You must bring life into things, and not treat them abstractly.
[ 82 ] Rudolf Steiner: Was der verehrte Vorredner gesagt hat, erfordert ja von meiner Seite aus nicht ein weiteres Eingehen, denn das war ja nur der Hinweis auf einen besonderen Punkt, und zwar in einem Sinne, mit dem ich durchaus einverstanden sein kann.
[ 82 ] Rudolf Steiner: What the esteemed speaker before me said does not require any further comment on my part, for it was merely a reference to a specific point—and one with which I can certainly agree.
[ 83 ] Selbstverständlich wird gerade derjenige, der im Sinne der von mir hier gemeinten Geisteswissenschaft spricht, nicht der Ansicht sein, daß man dasjenige, was in der neueren Zeit hervorgetreten ist als Naturwissenschaft, als Philosophie, oder - ich bin vollständig einverstanden mit dem, was Herr Wachter gesagt hat — auch in bezug auf die Künste, daß man das wegzuschmeißen habe aus dem Grunde, weil es in der Tat zu jenem Abwege geführt hat, von dem Herr Wachter gesprochen hat. Aber das soll gerade das Wesen der hier gemeinten Geisteswissenschaft sein, daß alle diese, durch gewisse naturwissenschaftlich notwendigen Voraussetzungen des Lebens der letzten Jahrhunderte einseitig gewordenen menschlichen Betätigungen ihre Finseitigkeit aufgeben und in eine allgemeine Strömung des umfassenden Lebens einmünden.
[ 83 ] Of course, precisely those who speak in the sense of the Spiritual Science I am referring to here will not hold the view that what has emerged in recent times as natural science, philosophy, or —and I fully agree with what Mr. Wachter has said—even with regard to the arts—that one must discard it on the grounds that it has indeed led to the aberration of which Mr. Wachter spoke. But that is precisely what constitutes the essence of the Spiritual Science I am referring to here: that all these human activities—which have become one-sided due to certain scientific necessities of life in recent centuries—should abandon their one-sidedness and flow into a general current of comprehensive life.
[ 84 ] Sie werden ja, wenn Sie verfolgen, wie ich nicht nur geisteswissenschaftliche Bücher geschrieben habe, sondern zum Beispiel den Werdegang der Philosophie in meinem Buch «Die Rätsel der Philosophie» beschrieben habe, wie ich versucht habe, das Wesen der Künste zu deuten, und was ich versuche jetzt in Dornach draußen in dem Bau, der als Goetheanum, als Hochschule für Geisteswissenschaft, auch in bezug auf seine äußere Ausgestaltung ein Repräsentant der hier gemeinten Geisteswissenschaft sein soll wenn Sie das verfolgen, werden Sie nicht von mir voraussetzen, daß ich irgendwie gegen dasjenige bin, was in Naturwissenschaft, in Philosophie, in den Künsten in der neueren Zeit hervorgetreten ist, sofern man es in seinen berechtigten Grenzen auftreten lassen will. Ja, ich möchte sagen, mir erscheint sogar die Einseitigkeit, die auf diesen Gebieten zutage getreten ist, wie etwas Notwendiges. Das Leben entwickelt sich in Gegensätzen. Und so können wir, wenn wir Geschichte innerlich betrachten, sehen, wie immer solche Perioden, in denen gewisse Betätigungen einseitige werden, abwechseln mit denjenigen Perioden, in denen diese Betätigungen wiederum einmünden in eine gewisse universelle, dem Leben entsprechende, dem Leben gerecht werdende Betätigung.
[ 84 ] If you follow my work—how I have not only written books on the humanities but, for example, described the development of philosophy in my book *The Riddles of Philosophy*, how I have attempted to interpret the essence of the arts, and what I am now attempting out in Dornach in the building known as the Goetheanum, the School of Spiritual Science, is intended to be a representative of the Spiritual Science as understood here—even in terms of its external design—if you have been following this, you will not assume that I am in any way opposed to what has emerged in the natural sciences, in philosophy, and in the arts in recent times, provided that one allows it to develop within its legitimate bounds. Indeed, I would say that the one-sidedness that has become apparent in these fields even strikes me as something necessary. Life develops through opposites. And so, when we look deeply at history, we can see how periods in which certain activities become one-sided always alternate with periods in which these activities in turn flow into a certain universal activity that corresponds to life and does justice to it.
[ 85 ] Also gerade das Fruchtbarmachen naturwissenschaftlicher Anschauungen, das Fruchtbarmachen philosophischer Erwägungen und das Fruchtbarmachen dessen, was in den neueren Kunstrichtungen liegt, das ist dasjenige, was in der Geisteswissenschaft besonders zur Geltung kommen soll.
[ 85 ] It is precisely the enrichment of scientific views, the enrichment of philosophical considerations, and the enrichment of what lies at the heart of modern artistic movements—these are the elements that should be particularly emphasized in Spiritual Science.
[ 86 ] Nehmen wir zum Beispiel - um etwas, was im Vortrage weniger berührt werden konnte, herauszugreifen - manche neuere Kunstrichtungen. Gewiß, man kann über solche neueren Kunstrichtungen leicht spotten. Aber so unvollkommen gewisse Dinge, wie zum Beispiel die, die man heute expressionistische Kunstprodukte nennt, vor unsere Seele treten, so muß man doch sagen: sie sind im Grunde genommen nur die Antwort, nur die noch sehr anfänglichen, manchmal täppischen Versuche, zu etwas zu kommen, das dem Leben wirklich gerecht wird. Wir sind in dem letzten Jahrhundert in eine Art Intellektualität verfallen. Die Intellektualität ist unfruchtbar. Und im sozialen Leben und auch in der Kunst - was ist die Folge gewesen? Die notwendige Folge ist gewesen, daß, weil man sich doch hat künstlerisch betätigen wollen, man in den Naturalismus, in die bloße Nachahmung der Natur verfallen ist.
[ 86 ] Let us take, for example—to highlight something that may not have been addressed in sufficient detail in the lecture—certain recent art movements. Certainly, it is easy to mock such recent art movements. But as imperfect as certain things—such as what are today called Expressionist works of art—may appear to us, one must still say: they are, at heart, merely a response, merely very tentative, sometimes clumsy attempts to arrive at something that truly does justice to life. In the last century, we have fallen into a kind of intellectualism. This intellectualism is barren. And in social life as well as in art—what has been the consequence? The inevitable consequence has been that, because people still wanted to engage in artistic activity, they have fallen into naturalism, into the mere imitation of nature.
[ 87 ] Ja, die bloße Nachahmung der Natur im absoluten Sinne kann niemals Kunst sein, weil, wenn jemand noch so stark nachahmt, was er äußerlich in der Natur sieht, er doch die Natur nie erreichen wird. Es wird, wenn man einen Sinn dafür hat, einem die Natur immer noch besser gefallen, als dasjenige, was die Natur nachahmt.
[ 87 ] Yes, the mere imitation of nature in the absolute sense can never be art, because no matter how closely someone imitates what they see outwardly in nature, they will never match nature itself. If one has an eye for it, nature will always be more pleasing than that which imitates it.
[ 88 ] Und es ist nun wirklich der Ausdruck - erlauben Sie, daß ich diese triviale Sache anführe — eines empörend schlechten Geschmacks, wenn einem Leute einen Apfel vorführen - ja, es kommt vor, ich habe es schon erlebt - und wenn er ihnen nun besonders in die Augen sticht, schön glänzt und so weiter, daß sie sagen: wie aus Wachs gemacht! Man kann sich nicht etwas empörend Täppischeres denken, als wenn jemand dasjenige, was ihm aus der Natur entgegentritt, mit irgendeinem Kunstprodukte, und sei es einem noch so guten Kunstprodukt vergleicht! Also schon aus dem Grunde, weil die wirkliche Natur doch nicht erreicht werden kann in der Kunst, muß der absolute Naturalismus abgewiesen werden.
[ 88 ] And it really is—if I may mention this trivial matter—a sign of outrageously bad taste when people show you an apple—yes, it does happen—I’ve seen it myself—and when it particularly catches their eye, gleaming beautifully and so on, that they say: “It looks like it’s made of wax!” One cannot imagine anything more outrageously clumsy than when someone compares something that nature presents to them with some artificial product—no matter how good that product may be! So, for the very reason that true nature cannot be achieved in art, absolute naturalism must be rejected.
[ 89 ] Etwas ganz anderes ist es, wenn in expressionistischer Weise verkörpert werden will, was der Mensch über das bloße Naturgemäße hinaus erlebt, und sei es auch zunächst nur ungeschickt verkörpert. Aber um zu erkennen, wie ungeschickte Keime weder überschätzt werden sollen noch auch unterschätzt werden sollen, muß man in der Tat einen offenen Sinn haben für dasjenige, was man heute durch ein Schlagwort vielfach ausdrückt, was aber doch namentlich mit Bezug auf das menschliche Leben nicht richtig verstanden wird.
[ 89 ] It is quite another matter when one seeks to embody, in an expressionist manner, what human beings experience beyond the merely natural—even if this embodiment is, at first, only clumsy. But in order to recognize that such clumsy beginnings should neither be overestimated nor underestimated, one must indeed have an open mind toward what is often expressed today by a buzzword, yet is not properly understood—especially with regard to human life.
[ 90 ] Es mag Ihnen wieder paradox klingen: ich gehöre gewiß zu denjenigen, die Raffael auf das Allerhöchste bewundern. Aber ich möchte behaupten aus meiner Weltauffassung heraus: Heute hat nur der ein Recht, Raffael wirklich zu bewundern, der davon überzeugt ist, daß, wenn heute einer so malen würde wie Raffael, genauso malen würde, wie Raffael gemalt hat, das unzeitgemäß und unmöglich sein würde. Es würde keine Kunst sein, zu der wir uns heute als zeitgenössische Kunst bekennen könnten. Es mag paradox klingen. Aber was im Laufe der Menschheitsentwicklung erscheint, gehört zu der betreffenden Phase der Menschheitsentwicklung hinzu. Man muß es mit der Entwicklung wirklich ernst meinen. Und so ist dasjenige, was sich namentlich seit der Mitte des 15. Jahrhunderts an Naturwissenschaft, Philosophie, an Künsten entwickelt hat, es ist als, ich möchte sagen Erziehungsimpuls der sich entwickelnden Menschheit vollberechtigt gewesen, aber es ist heute in einem Stadium angelangt, in dem der andere Pol angestrebt werden muß. Wir mußten als Menschheit eine Weile durch die einseitige Naturwissenschaft gehen, damit wir, indem wir die Gedanken dieser Naturwissenschaft aufnehmen, in uns zu der Seelenstimmung kommen, die gerade dadurch hervorgerufen wird, daß man die Ohnmacht dieser bloßen naturwissenschaftlichen Gedanken bemerkt.
[ 90 ] It may sound paradoxical to you once again: I am certainly among those who admire Raphael to the very highest degree. But based on my worldview, I would like to assert the following: Today, the only person who has the right to truly admire Raphael is someone who is convinced that if someone were to paint today the way Raphael did—exactly as Raphael painted—it would be anachronistic and impossible. It would not be art that we could recognize today as contemporary art. It may sound paradoxical. But what emerges in the course of human development belongs to the respective phase of that development. One must take this development truly seriously. And so what has developed—particularly since the mid-15th century—in the natural sciences, philosophy, and the arts has been fully justified as, I would say, an educational impulse for evolving humanity; but today it has reached a stage at which the opposite pole must be sought. As humanity, we had to pass through a period of one-sided natural science so that, by taking in the ideas of this natural science, we might arrive within ourselves at the spiritual disposition that is brought about precisely by recognizing the powerlessness of these mere scientific ideas.
[ 91 ] Diese Ohnmacht, die ruft im lebendigen Seelenleben die Gegenkraft hervor: die Gegenkraft nach Geisteserkenntnis, nach Geistesanschauung.
[ 91 ] This powerlessness gives rise to a counterforce in the living soul life: the counterforce toward spiritual knowledge and spiritual insight.
[ 92 ] Wenn man es mit dem Lessingschen Gedanken ernst nimmt, daß die Geschichte eine Erziehung des Menschengeschlechtes ist, dann kommt man gerade mit solchen Dingen am besten zurecht. Und so möchte ich in einem Schlußworte darauf hinweisen, daß man ja in der Tat heute noch bestimmte Gebiete hat, in denen es einem die Vorurteile des Menschen gestatten, wirklich dasjenige, was Geisteswissenschaft bietet, überzuführen in unmittelbares Sozial-Pädagogisches, das heißt überhaupt in äußere Wirklichkeitsanschauung.
[ 92 ] If one takes Lessing’s idea seriously—that history is the education of the human race—then it is precisely such matters that one can best come to terms with. And so, in closing, I would like to point out that there are indeed still certain areas today in which human prejudices allow us to truly translate what Spiritual Science offers into immediate social-pedagogical practice—that is, into an external view of reality.
[ 93 ] Uns ist es möglich geworden, in dem Dornacher Bau äußerlich künstlerisch zur Anschauung zu bringen, in Formen auszudrücken, was uns innerlich belebt. Und es konnte - ich darf das ja wohl hier erwähnen - in der allerletzten Zeit wirklich der Versuch auf pädagogischem Gebiete gemacht werden, eine Schule zu begründen. In Stuttgart hat sich unser Freund Emil Molt gefunden, der — auch darüber haben sich die Leute ja in Hohn ergossen - an ein modernes Industrieunternehmen, an die Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik in Stuttgart, die Begründung der Waldorfschule angegliedert, angeknüpft hat, eine Einheitsvolksschule, die nun ganz auf dasjenige aufgebaut sein soll, was für die pädagogische Entwicklung aus der Erfassung der Geistesanschauung, wie sie hier gemeint ist, erfolgen kann. Und ich muß sagen, es gehört zu dem Schönsten, was ich mir als Aufgabe setzen durfte, daß ich den pädagogischen Kurs für die Lehrerschaft dieser Waldorfschule halten konnte. In diesem Kurs konnte eine Pädagogik begründet werden, die nun auch wirklich seit dem 7. September, seitdem diese Schule begründet ist, von diesen Menschen unmittelbar im Schulleben angewendet wird, eine Pädagogik, die nicht dazu da sein will, Normen zu verwirklichen, von denen man sich vorstellt, daß sie den Menschen dressieren sollen, sondern eine Pädagogik, die aus einer wirklichen Erkenntnis des ganzen Menschen, das heißt des leiblichen, seelischen und geistigen Menschen, hervorgegangen ist, so daß es der Lehrer auf der anderen Seite tatsächlich schwerer hat als mit einer bloßen Normpädagogik.
[ 93 ] In the Dornach building, we have been able to artistically convey outwardly—to express in forms—what animates us inwardly. And—I think I can mention this here—very recently, an attempt has indeed been made in the field of education to establish a school. In Stuttgart, our friend Emil Molt has joined us; he—and people have, of course, poured scorn on this as well—has linked himself to a modern industrial enterprise, the Waldorf-Astoria cigarette factory in Stuttgart, linked the founding of the Waldorf School to a unified elementary school, which is now to be built entirely upon what can result for educational development from an understanding of the spiritual perspective, as it is meant here. And I must say, it is among the most wonderful things I have had the privilege of undertaking that I was able to lead the pedagogical training course for the teaching staff of this Waldorf School. In this course, a pedagogy was established that has now, since September 7—the date the school was founded—been directly applied by these people in school life; a pedagogy that does not seek to implement standards that are intended to “train” people, but rather a pedagogy that has emerged from a genuine understanding of the whole human being—that is, the physical, soul, and spiritual aspects of the human being—so that, on the other hand, the teacher actually faces greater challenges than with a mere standard-based pedagogy.
[ 94 ] Wer einer Normpädagogik anhängt, Programme prägt, die gewisse Erziehungsgrundsätze geben, nun, der weiß, wie man unterrichtet. Derjenige aber, der aus dem unmittelbaren Leben heraus unterrichten soll, der kann, ich möchte sagen nur die Impulse bekommen, um zu beobachten, was sich von Jahr zu Jahr, von Woche zu Woche, von Monat zu Monat in dem werdenden Menschen wirklich ergibt. Da muß man fortwährend, wenn es auch eine noch so große Klasse wäre, in lebendigem Verkehre sein, da muß man Verständnis dafür haben, was es heißt, nicht aus dem Gedächtnis heraus eine eingelernte Pädagogik zu üben, sondern in jedem Momente dem lebendigen Menschen gegenüber die individuelle Methode neu zu erfinden, die man gerade diesem lebendigen Menschen gegenüber anzuwenden hat.
[ 94 ] Anyone who adheres to a standardized approach to education—who designs curricula that lay out certain educational principles—well, that person knows how to teach. But the one who is to teach from the immediacy of life—that person can, I would say, only receive the impulses to observe what truly unfolds in the developing human being from year to year, from week to week, from month to month. There, one must constantly—no matter how large the class may be—be in lively interaction; one must understand what it means not to practice a memorized pedagogy, but to reinvent, in every moment, the individual method to be applied to the living human being standing before one.
[ 95 ] Dasjenige, was im Leben wirken soll, darf nicht auf dem Gedächtnis, nicht auf der Gewohnheit beruhen. Was uns ins Gedächtnis eingeht und was wir gedächtnismäßig üben in unserer menschlichen Betätigung, was wir aus der Gewohnheit heraus üben, das wird unter allen Umständen zu etwas wie einer strohernen Schablone. Dasjenige, was aus dem Geistesleben hervorgeht, das kann niemals zu einer strohernen Schablone werden!
[ 95 ] That which is meant to have an effect in life must not be based on memory or on habit. Whatever enters our memory and whatever we practice by rote in our human activities, whatever we do out of habit, becomes—under all circumstances—something like a straw template. That which springs from spiritual life can never become a straw template!
[ 96 ] Es hat Zeiten gegeben, gibt es bestimmt noch, in denen ich dasselbe Thema Woche für Woche hindurch vorgetragen habe. Ich glaube nicht, daß man mir nachsagen kann, daß ich einen einzigen Vortrag zweimal gehalten habe, daß ich jemals über dasselbe Thema zweimal hintereinander genau gleich gesprochen habe, weil es sich, wenn es sich um das Sprechen aus dem Geiste heraus handelt, um das unmittelbar augenblickliche Produzieren handelt, weil es gar nicht möglich ist, dasjenige, was aus dem Geiste heraus produziert wird, im gewöhnlichen Sinne dem Gedächtnismäßigen anzuvertrauen, weil das in unmittelbarem Leben sich fortwährend entwickeln muß. Wer aus dem Geist heraus wirkt, dem ist das bloße gedächtnismäßige Aufbewahren irgendeines geistigen Wissens ungefähr so, wie wenn einer sagen würde: Ich esse heute nicht, denn ich habe ja vorgestern gegessen. Warum soll ich heute wieder essen? Mein Leib wird sich schon auf Grund dessen aufbauen, was ich vorgestern gegessen habe. — Ja, unser physischer Organismus ist in der fortwährenden Lage, daß er sich immer erneuert. Dem muß auch der Geist Rechnung tragen. In diesem lebendigen Leben muß auch der Geist drinnenstehen. Der wirkliche Geist muß jederzeit ein Schaffendes sein. So muß auch eine vom Geiste getragene Pädagogik eine fortwährend schaffende Kunst sein.
[ 96 ] There have been times—and I’m sure there still are—when I’ve given a lecture on the same topic week after week. I do not believe anyone can accuse me of having given a single lecture twice, or of ever having spoken on the same topic twice in a row in exactly the same way, because when it comes to speaking from the spirit, it is a matter of immediate, spontaneous production; it is simply not possible to entrust what is produced from the spirit entrusted to memory in the ordinary sense, since it must continually develop in immediate life. For those who act from the spirit, the mere memorization of any spiritual knowledge is roughly equivalent to someone saying, “I won’t eat today, because I ate the day before yesterday.” Why should I eat again today? My body will build itself up based on what I ate the day before yesterday.” — Yes, our physical organism is in a constant state of renewal. The spirit must also take this into account. The spirit, too, must be present within this living reality. The true spirit must always be a creative force. Thus, a pedagogy guided by the spirit must also be a constantly creative art.
[ 97 ] Nicht eher wird Segen namentlich in das Volksschulwesen hineinkommen, aber auch in das andere Schulwesen Heil hineinkommen, bis die Pädagogik eine fortwährend lebendig schaffende Kunst wird, die von wirklicher Liebe und von jenen Imponderabilien getragen wird, von denen ich heute morgen gesprochen habe.
[ 97 ] Blessings will not come to the elementary school system in particular—nor will healing come to the other school systems—until pedagogy becomes a constantly creative art, sustained by true love and by those intangible qualities I spoke of this morning.
[ 98 ] Und so könnten wiir auf allen Gebieten sehen, wenn wir die Zeit dazu hätten, wie notwendig es ist angesichts der unbewußten und unterbewußten Forderungen der Menschheit in der heutigen Gegenwart -, und in der nächsten Zukunft wird es noch notwendiger sein aus demjenigen, was man zu einem bequemen ProgrammWirken im Geiste machen möchte, überzugehen zu einem wirklichen, produktiven Erleben des Geistigen.
[ 98 ] And so, if we had the time, we could see in all areas how necessary it is—in light of humanity’s unconscious and subconscious needs in the present day—and in the near future it will be even more necessary to move from what one might call a “convenient program” of spiritual activity to a genuine, productive experience of the spiritual.
[ 99 ] Das wird weniger bequem zu erlangen sein als manches, was man heute Geistesleben nennt. Aber das wird eine sozial-pädagogische Kraft sein, wie wir sie brauchen.
[ 99 ] This will be harder to achieve than many of the things we call “spiritual life” today. But it will be the kind of social and educational force we need.
[ 100 ] Und wenn es auf der einen Seite auch wahr ist, daß heute die Menschheit, nachdem sie sich so lange Jahre naturwissenschaftlicher Denkweise hingegeben hat, direkt aus ihren innersten Seelenbedürfnissen heraus verlangt nach einer unmittelbaren Geisterkenntnis, so ist es auf der anderen Seite wahr, daß die sozialen Forderungen nach einer geistigen Vertiefung schreien und daß, was den Gegenstand meines heutigen Themas bildete - «Geisteswissenschaft als sozial-pädagogische Kraft» -, nicht etwas ist, was in einer willkürlichen Weise als Vortragsthema gedacht ist, sondern was abgelauscht ist dem, was die menschliche Entwicklung eigentlich aus der Gegenwart heraus sagt.
[ 100 ] And while it is true, on the one hand, that humanity today—after having devoted itself for so many years to a scientific way of thinking—is calling, directly from the deepest needs of its soul, for an immediate spiritual understanding, it is also true, on the other hand, that social demands are crying out for spiritual deepening and that the subject of my talk today— “Spiritual Science as a Social-Pedagogical Force”—is not something arbitrarily chosen as a lecture topic, but rather something drawn from what human development itself is actually revealing in the present.
[ 101 ] Aber man muß sich dazu auch erst heranerziehen und heranbändigen. Ich möchte da zum Schlusse doch noch auf etwas hinweisen, was der Gegenwart ganz besonders notwendig ist, weil heute jeder meint, aus den subjektivistischen Willensmeinungen heraus könne irgendein fruchtbares philosophisches Leben entstehen; ich möchte an einem Beispiele hinweisen auf die Art und Weise, wie heute Fragen erfaßt werden müssen.
[ 101 ] But one must first train oneself and bring oneself under control to do so. In closing, I would like to point out something that is particularly necessary in the present day, because today everyone believes that some kind of fruitful philosophical life can arise from subjectivist notions of the will; I would like to use an example to illustrate the way in which questions must be approached today.
[ 102 ] In einer süddeutschen Stadt - heute ist sie keine deutsche Stadt mehr - habe ich vor vielen Jahren einen Vortrag gehalten, in dem ich gesprochen habe über die «Weisheitslehren des Christentums». Da waren auch zwei Geistliche drinnen im Vortrag. Weil gerade in jenem Vortrage nichts vorgekommen ist, wogegen sie sich inhaltlich wenden konnten, so traten sie nach dem Vortrag an mich heran und sagten: Gegen den Inhalt desjenigen, was Sie heute gesagt haben, haben wir gar nichts einzuwenden; aber daß Sie für Leute sprechen, die sich in diese Vorstellungsart hineinfinden, aus der heraus Sie sprachen, während wir für alle Menschen sprechen, das hätten wir doch zu der Sache zu sagen. - So sagten sie. - Ich sprach sie natürlich mit dem ihnen gebührenden Titel an. Artig muß man immer sein. Ich sagte: Sehen Sie, daß Sie glauben, Hochwürden, Sie sprechen für alle Menschen, das finde ich natürlich und selbstverständlich, denn das liegt subjektiv nahe. Aber ob Sie glauben, sch spreche [nicht] für alle Menschen, das entscheidet gar nichts, insbesondere in der Gegenwart nicht, wo so sehr das einzelne Menschenleben drinnensteht in der sozialen Gesamtheit. Heute müssen wir lernen, uns unsere Aufgaben nicht durch unsere subjektive Willkür stellen zu lassen, sondern sie individuell aus der Objektivität und den objektiven Tatsachen zu entwickeln. Und da frage ich Sie, Hochwürden, wenn Sie nun auch meinen, für alle Menschen zu sprechen, beobachten Sie die Tatsache: Gehen alle Menschen noch zu Ihnen in die Predigt? - Da konnten sie nicht «Ja» sagen! - Ja, sehen Sie, so sprechen die Tatsachen! Ich sagte ihnen, daß das nicht richtig ist, denn: für diejenigen, die nicht zu Ihnen in die Predigt gehen, für die spreche ich, für die, die heute nicht mehr zu Ihnen in die Predigt gehen. — Das ist dasjenige, was heute die Tatsachen lehren.
[ 102 ] Many years ago, in a city in southern Germany—which is no longer a German city—I gave a lecture in which I spoke about the “wisdom teachings of Christianity.” Two clergymen were also in the audience. Since there was nothing in that particular lecture that they could object to in terms of content, they approached me after the lecture and said: “We have absolutely no objection to the content of what you said today; but the fact that you speak to people who identify with the way of thinking from which you spoke, whereas we speak to all people—that is what we would like to say about the matter.” —That’s what they said.—I addressed them, of course, with the title they deserved. One must always be polite. I said: “You see, Reverend, that you believe you speak for all people—I find that natural and self-evident, for it is subjectively obvious. But whether you believe I [do not] speak for all people makes no difference at all, especially not today, when the life of the individual is so deeply embedded in the social whole.” Today we must learn not to let our tasks be dictated by our subjective whims, but to develop them individually based on objectivity and objective facts. And so I ask you, Reverend, if you now also believe you speak for all people, observe this fact: Do all people still come to hear your sermons? - They couldn’t say “Yes” to that! - Yes, you see, that’s what the facts say! I told you that this isn’t right, because: I speak for those who don’t attend your sermons—for those who no longer attend your sermons today. — That is what the facts teach us today.
[ 103 ] Nicht nur auf einen Einwand hin lehren einen die Dinge, sondern man muß die Tatsachen sehen, wie sie den Einwand machen. Das ist ganz natürlich, daß man sich einbildet, man spreche für alle Menschen. Es handelt sich aber heute darum, daß — während noch aus dem Bewußtsein heraus die große Mehrzahl der Menschen dem widerstrebt, was gemeint ist mit eigentlichen geisteswissenschaftlichen Impulsen - man doch weiß, daß im Unterbewußten sich ankündigt, was wie ein Schrei wirkt auf den, der die Ankündigung verstehen kann: O machet dasjenige, was sich vereinzelt hat nach Philosophie, Naturwissenschaft, nach den Künsten, nach der Religion, nach anderen Kulturzweigen, namentlich nach dem Sozialen, machet das wiederum zu einem Ganzen!
[ 103 ] Things do not teach us merely in response to an objection; rather, one must see the facts as they give rise to the objection. It is quite natural to imagine that one is speaking on behalf of all people. But the issue today is that—while the vast majority of people still consciously resist what is meant by genuine impulses of Spiritual Science—one nevertheless knows that something is emerging in the subconscious that acts like a cry to those who can understand the message: O, take that which has become fragmented into philosophy, the natural sciences, the arts, religion, and other branches of culture—namely, the social sphere—and make it whole again!
[ 104 ] Aber ein Ganzes kann es nur werden, wenn wir es seinem Geiste nach verfolgen. Dann erst spricht uns aus allen Dingen nicht eine abstrakte, sondern eine konkrete Einheit an von dem wirklichen Geist, den wir in allen einzelnen Erscheinungen finden, wirklicher Geist, der eins ist in allem. Aber weil das Einheitliche ein konkretes Lebendiges ist, kann es nicht erfaßt werden, wenn wir es bloß mit abstrakten Begriffen, mit einer Ideologie umspannen wollen. Wir müssen uns entschließen, den lebendigen Geist zu suchen. Den können wir nur suchen, wenn wir mit einer gewissen intellektuellen Bescheidenheit die Brücke finden zwischen den im menschlichen Inneren schlummernden Kräften, die geistiger Art sind, und dem Geiste, der in der Natur, der im Menschenleben, der im ganzen übrigen Kosmos außer uns lebt. Deshalb möchte ich auch in unserem Schlußwort noch einmal betonen: Dem muß Rechnung getragen werden, daß heute in den Tiefen der Menschenseele die Sehnsucht lebt, den Geist im Menschen mit dem Geist der Welt zu verbinden. Und in diesem Bündnisse zwischen Menschengeist und Weltengeist wird die Lösung von vielem liegen, was die Menschheit heute als brennendes Rätsel empfindet.
[ 104 ] But it can only become a whole if we trace it according to its spirit. Only then does a concrete unity—not an abstract one—speak to us from all things, a unity of the true spirit that we find in all individual phenomena, a true spirit that is one in all. But because this unity is a concrete, living reality, it cannot be grasped if we merely try to encompass it with abstract concepts or an ideology. We must resolve to seek the living spirit. We can seek it only if, with a certain intellectual humility, we find the bridge between the spiritual forces slumbering within the human soul and the spirit that lives in nature, in human life, and in the entire rest of the cosmos outside of us. That is why I would like to emphasize once more in our closing remarks: We must take into account that today, deep within the human soul, there lives a longing to unite the spirit within the human being with the spirit of the world. And in this alliance between the human spirit and the spirit of the world will lie the solution to much of what humanity today perceives as a burning mystery.
[ 105 ] Ich will nicht etwa den Glauben erwecken, daß man jedes Rätsel lösen kann. Aber die Menschheit ist auf dem Wege, Rätsel, die ihr immer aufgegeben werden, teilweise zu lösen. Und gerade in diesem Teilweise-Lösen liegt der wahre Menschheitsfortschritt, indem man erkennt, wie Geist in allen Dingen lebt, wie dieser Geist uns leuchten kann, wenn wir den Geist in uns selbst erwecken. In dieser Erkenntnis leben die größten, leben auch die bedeutsamsten sozialen Aufgaben der Gegenwart, und es wird heilsam sein, wenn die Erkenntnis davon sich in immer weitere und weitere Kreise verbreitet.
[ 105 ] I do not mean to give the impression that every mystery can be solved. But humanity is on the path to partially solving the mysteries that are constantly presented to it. And it is precisely in this partial solving that true human progress lies—in recognizing how Spirit lives in all things, and how this Spirit can enlighten us when we awaken the Spirit within ourselves. This insight is the foundation of the greatest and most significant social tasks of our time, and it will be beneficial if this understanding spreads to ever wider and wider circles.
