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The Rudolf Steiner Archive

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Konferenzen mit den Lehrern der Freien Waldorfschule
GA 300a

8 September 1919, Stuttgart

Erste Konferenz

Am 6. September war der Vorbereitungskurs für die angehenden Lehrer der Waldorfschule zu Ende gegangen (enthalten in GA 293, 294, 295).

Rudolf Steiner hatte nach dem letzten Seminarkurs eine «entscheidende Konferenz im engsten Kreis» angesetzt (GA 295, 1984, S. 184, bzw. 2019, S. 226). Am 7. September fand die feierliche Eröffnung der Schule statt. Am nächsten Morgen kamen die Lehrer dann zur ersten Konferenz zusammen.

Der Unterricht konnte nach dieser Konferenz aber noch nicht gleich beginnen, da die Schulmöbel erst allmählich geliefert wurden. Am 10. September reiste Steiner nach Berlin ab. Nach einer kleinen Feier und einer Ansprache des Schulgründers Emil Molt begann der Unterricht am 16. September 1919. Als Schulverwalter fungierte, neben seiner Lehrtätigkeit, E. A. Karl Stockmeyer.

Themen: Klassenlehrer-Einteilung. Stundenplan. Fremdsprachen.

Bemerkungen: Von Anfang an versuchte Steiner, einen «hygienischen Stundenplan durchzuführen, so wie er es in den Vorträgen «Die Erziehungsfrage als soziale Frage» angegeben hatte (GA 296): am Morgen alles Lernen und Übende, nachmittags alles Künstlerische, Religion und Eurythmic.

In diesem ersten Entwurf waren alle Fachstunden auf eine volle Zeitstunde veranlagt.

Steiner wies darauf hin, dass die Konferenzen «freie republikanische Unterredungen» seien, «jeder ist darin ein Souverän». Er empfahl den Lehrern, ein kurzes Tagebuch zu führen.


RUDOLF STEINER: [Wir werden den] Schulanfang [um] 8 Uhr [haben. Für die Zeit] vom 15. November bis zum 15. Februar [kann] ½9 Uhr in Aussicht [genommen werden. Klassenlehrer werden sein]:

1. Klasse Leonie von Mirbach
2. Klasse Pastor Johannes Geyer
3. Klasse Hannah Lang
4. Klasse Hertha Koegel
5. Klasse Caroline von Heydebrand
6. Klasse Friedrich] Oehlschlegel
7. Klasse Rudolf Treichler und Karl Stockmeyer.
8. Klasse Rudolf Treichler und Karl Stockmeyer.

[Außerdem werden als Lehrer tätig sein: Herr Dr. Stein, Herr Hahn, Frau Baumann, Herr Baumann.]

Der Religionsunterricht [ist auf den] Nachmittag zu verlegen. [Ebenso auch das] Singen und der musikalische Unterricht; das wird von 14-15.30 Uhr liegen. [Auch die] Eurythmie [sollte] nachmittags [sein].

[Wir werden also am Nachmittag haben:]

von 14-15.30 Uhr Musikalisches (eine halbe Stunde Pause zur Erholung)
von 16-17 Uhr Religion
von 17-18 Uhr Eurythmie und Turnen
um 18 Uhr [werden] die Kinder entlassen.
[Der] Mittwoch- und Samstagnachmittag [ist] frei.
[Die Stunden werden sich in folgender Weise auf die Wochentage verteilen:]

14-15.30 Uhr 16-17 Uhr 17-18 Uhr
Singen und Musikalisches Religion Eurythmie
Montag 7./8. Klasse 7./8. Klasse 1./2. Klasse
Dienstag 5./6. Klasse 5./6. Klasse 3./4. Klasse
Mittwoch — — —
Donnerstag 4./3. Klasse 4./3. Klasse 5./6. Klasse
Freitag 2./1. Klasse 2./1. Klasse 7./8. Klasse
Samstag — — —

Die Stundenzahl ist [den Lehrern] überlassen. [Der Religionsunterricht ist] in absteigender Linie zu unterrichten. Es ist gut für den Lehrer, den Sonntag nach den Kleinsten zu haben. [Am] Donnerstag [und] Freitag [haben wir also] in [den] vier niederen Klassen ab 16 Uhr den Religionslehrer.
In der 1,2., 3. Klasse [haben wir] nur Eurythmie, in der 4., 5., 6, 7., 8. Klasse auch Turnen. Die Turner [sollte man] bei der Eurythmie, die Eurythmisten beim Turnen zuschauen lassen.
[Dann der] Stundenplan [für den] Vormittag:

1. Klasse Montag Mittwoch Freitag 8-10 Hauptunterricht
Dienstag Donnerstag Samstag 10¼-12¼ Hauptunterricht
2. Klasse Dienstag Donnerstag Samstag 10¼-12¼ Hauptunterricht
Montag Mittwoch Freitag 8-10 Hauptunterricht

[Es sollte] in den ersten dreiviertel Jahren alles möglichst im Zusammenhang durchgenommen werden, [also die] Fächer ein Vierteljahr hintereinander, nach Wahl. Im letzten Vierteljahr [kann man dann] die Gegenstände [Fächer] trennen [und sie] abwechselnd [nehmen] zur Wiederholung. Nur bei [der] Wiederholung trennt man [die] Gegenstände, sonst nimmt man immer eine Zeit lang [nur] einen Gegenstand, [also etwa] Märchenerzählen [und] dann Schreiben.

3. Klasse Montag bis Samstag 8-10 Uhr für den Klassenlehrer.

Zwölf Stunden ist genügend für den Lehrer. [Das ist ein] achtstündiger Arbeitstag mit der Vorbereitung.

4. Klasse wie bei Klasse 3

5. Klasse Montag Mittwoch Freitag 8-10
Dienstag Donnerstag Samstag 10¼-12¼
6. Klasse Dienstag Donnerstag Samstag 10¼-12¼
Montag Mittwoch Freitag 8-10

In der 7. und 8. Klasse wechseln die beiden Klassenlehrer miteinander.

7. Klasse 1.Lehrer Montag Mittwoch Freitag 8-10
2. Lehrer Dienstag Donnerstag Samstag 8-10
8. Klasse 1.Lehrer Dienstag Donnerstag Samstag 8-10
2. Lehrer Montag Mittwoch Freitag 8-10

[Sprachunterricht:]

[Die] 1. Klasse [hat täglich, je nachdem ob der Hauptunterricht um] 8 [oder um] 10¼ [beginnt], vorher oder nachher [eine Stunde] Englisch und Französisch. [Das ist] eventuell auf den Nachmittag [zu] verlegen, [aber] womöglich [sollte es] am Vormittag [sein].

[Die] 2. Klasse ebenso.

[Die] 3. Klasse [hat auch täglich] eine Stunde Englisch [oder] Französisch.

[Die] 4. Klasse ebenso. [Aber die haben] dazu außerdem täglich nachmittags zwei Stunden Lateinisch, außer Mittwoch und Samstag, also acht Stunden [in der Woche]. Aber alles womöglich am Vormittag.

Später wurde das von Rudolf Steiner dahin abgeändert, dass sowohl mit dem Lateinischen wie mit dem Griechischen in der 5. Klasse begonnen werden sollte. Siehe auch «Seminarbesprechungen», GA 295, 1984, S. 182, bzw. 2019, S. 223.

[Die 5. Klasse ebenso.]

In der] 6. [und] 7. Klasse [kommt] Griechisch [hinzu]. Dafür fallen wöchentlich vom 6. Schuljahr ab drei englisch/französische Stunden weg. [Stattdessen haben sie] 1½ Stunden Latein [und] 1½ Stunden Griechisch.

Aller Sprachunterricht sollte zwischen Pausen gemacht werden. [Das] Englisch [in der] 1. [und] 2. Klasse [übernimmt] Dr. von Heydebrand; [alles] übrige Englisch Oehlschlegel.

[Im] Französischen [übernimmt] Hahn [die] 1. bis 3. Klasse, [also] neun Stunden; [das] übrige, [die] 4. bis 8. Klasse Dr. Treichler.
Lateinisch: 4. (und 5.?) Klasse Pastor Geyer, 6. Klasse Dr. Treichler.
Griechisch: Dr. Treichler.

Dr. Stein vertritt Fräulein von Mirbach für die Zeit ihrer Abwesenheit. Vielleicht kann Dr. Stein [im] Latein Dr. Treichler helfen, drei bis vier Wochen, bis Mitte Oktober.

Handarbeit [kann] zum Teil im Hauptunterricht [gegeben werden]. [Oder man kann es] nachmittags irgendwo einfügen.

[Der] anthroposophische Unterricht, [der] freie Religionsunterricht, [kann] durch die Klassenlehrer [gegeben werden]. [Aber damit soll man] pausieren bis [zum] 23. September.
[Vom] 18. bis zum 21. [September bin ich] in Dresden, am 23. [werde ich wieder] hier sein. Da wird vieles zu besprechen sein. [Da können Sie] vieles fragen. Am 26. muss ich wieder weg.

Es wird gefragt nach Apparaten für die Physik.

RUDOLF STEINER: Lehrmittel [muss man] anschaffen, wenn sie gebraucht werden. [Aber man sollte es] vier Wochen vorher sagen.

Es wird eine Frage gestellt nach dem Physikunterricht.

RUDOLF STEINER: [Man muss unterscheiden]: geschlagene, gerissene, gestrichene Töne. [Am] Monochord.

RUDOLF STEINER weist für den lateinischen und griechischen Unterricht auf in Österreich gebräuchliche Lehrbücher hin:
Schmidt, «Lateinische Schulgrammatik», ed. Hofmann,
Schenkl, «Griechisches Elementarbuch» und «Griechisches Übungsbuch».

Wahrscheinlich wurden folgende Themen noch besprochen:

Märchen, Sagen, Erzählungen. Geschichte [Lehrerbibliothek). Verein Freie Waldorfschule. Einheitliche Volks- und höhere Schule.

RUDOLF STEINER: Konferenzen sind freie republikanische Unterredungen. Jeder ist [darin ein] Souverän.

Jeder Lehrer sollte ein kurzes Tagebuch führen.