Fundamental Spiritual and Soul Forces
in the Art of Education
Spiritual Values in Education and Social Life
GA 305
18 August 1922, Oxford
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Die geistig-seelischen Grundkräfte der Erziehungskunst
3. Die spirituelle Grundlage der Erziehung III
3. Die spirituelle Grundlage der Erziehung III
[ 1 ] Ich habe zu dem, was gestern über ältere Wege zur spirituellen Erkenntnis zu sagen war, heute noch hinzuzufügen als ein weiteres Beispiel den Weg, der genommen worden ist durch die Askese im weitesten Sinne des Wortes. Ich komme dabei zu der Schilderung eines Weges, den wir in unserer heutigen Zeit noch weniger gehen können als den Weg, den ich gestern geschildert habe. In unserer Zeit, in unserer Zivilisation sind auch andere Gesinnungen, andere Gewohnheiten unter den Menschen herrschend, als in denjenigen Zeiten, in denen man einmal eine höhere spirituelle Erkenntnis gesucht hat durch Askese. Und daher werden wir eben so, wie wir den Jogaweg heute durch etwas Geistigeres, Seelischeres ersetzen müssen, auch den Weg der Askese als moderne Menschen durch einen anderen zu ersetzen haben. Aber wir können uns leichter darüber verständigen, was mit dem modernen Wege in spirituelles Leben hinein gemeint ist, wenn wir unsere Begriffe heranbilden an demjenigen, was eigentlich gewollt worden ist durch eine Methode, wie die der Askese war.
[ 1 ] Ich habe zu dem, was gestern über ältere Wege zur spirituellen Erkenntnis zu sagen war, heute noch hinzuzufügen als ein weiteres Beispiel den Weg, der genommen worden ist durch die Askese im weitesten Sinne des Wortes. Ich komme dabei zu der Schilderung eines Weges, den wir in unserer heutigen Zeit noch weniger gehen können als den Weg, den ich gestern geschildert habe. In unserer Zeit, in unserer Zivilisation sind auch andere Gesinnungen, andere Gewohnheiten unter den Menschen herrschend, als in denjenigen Zeiten, in denen man einmal eine höhere spirituelle Erkenntnis gesucht hat durch Askese. Und daher werden wir eben so, wie wir den Jogaweg heute durch etwas Geistigeres, Seelischeres ersetzen müssen, auch den Weg der Askese als moderne Menschen durch einen anderen zu ersetzen haben. Aber wir können uns leichter darüber verständigen, was mit dem modernen Wege in spirituelles Leben hinein gemeint ist, wenn wir unsere Begriffe heranbilden an demjenigen, was eigentlich gewollt worden ist durch eine Methode, wie die der Askese war.
[ 2 ] Askese besteht im wesentlichen in gewissen Übungen. Diese Übungen können sich allerdings auch auf Seelisches und Geistiges erstrecken. Ich will aber jetzt vor allen Dingen Rücksicht darauf nehmen, wie solche Übungen gemacht worden sind, um den Körper in einer gewissen Weise auszuschalten für gewisse Zeiten aus dem ganzen menschlichen Erleben. Und gerade durch Ausschaltung des Körpers ist ein Erleben in der spirituellen Welt hervorzurufen. Solche Übungen bestanden darinnen, daß der Körper in einer gewissen Weise trainiert wurde, daß er fähig gemacht wurde durch Leiden, durch Schmerzen, durch Abtötung, die er durchmachte, ertragen zu lernen Schmerzen, ohne gewissermaßen in der Seele allzu erregt zu werden, daß er ertragen lernte das physische Leiden, ohne mit der ganzen Seele auch unterzutauchen in dieses physische Leiden. Durch diese Abtötung, durch dieses Anstreben einer gewissen Ertragsamkeit des menschlichen Körpers wurde darauf gerechnet, daß, wenn der Körper immer mehr und mehr gewissermaßen abgelähmt wurde, das Geistige in ihm aufstieg, sich frei machte und zu einer gewissen unmittelbaren Wahrnehmung, zu einem unmittelbaren Erleben es bringen konnte. Es ist nun einmal, trotzdem diese Methoden für heute nicht empfohlen werden, durchaus eine Erfahrung, daß in demselben Maße, in dem der menschliche Organismus als physischer abgelähmt wird, er in demselben Maße dem Menschen gestattet, das geistig-seelische Wesen in sich selber aufzunehmen. Das Geistige wird — das ist einfach eine Tatsache -— wahrnehmbar, wenn das Physische in seiner Tätigkeit unterdrückt wird.
[ 2 ] Askese besteht im wesentlichen in gewissen Übungen. Diese Übungen können sich allerdings auch auf Seelisches und Geistiges erstrecken. Ich will aber jetzt vor allen Dingen Rücksicht darauf nehmen, wie solche Übungen gemacht worden sind, um den Körper in einer gewissen Weise auszuschalten für gewisse Zeiten aus dem ganzen menschlichen Erleben. Und gerade durch Ausschaltung des Körpers ist ein Erleben in der spirituellen Welt hervorzurufen. Solche Übungen bestanden darinnen, daß der Körper in einer gewissen Weise trainiert wurde, daß er fähig gemacht wurde durch Leiden, durch Schmerzen, durch Abtötung, die er durchmachte, ertragen zu lernen Schmerzen, ohne gewissermaßen in der Seele allzu erregt zu werden, daß er ertragen lernte das physische Leiden, ohne mit der ganzen Seele auch unterzutauchen in dieses physische Leiden. Durch diese Abtötung, durch dieses Anstreben einer gewissen Ertragsamkeit des menschlichen Körpers wurde darauf gerechnet, daß, wenn der Körper immer mehr und mehr gewissermaßen abgelähmt wurde, das Geistige in ihm aufstieg, sich frei machte und zu einer gewissen unmittelbaren Wahrnehmung, zu einem unmittelbaren Erleben es bringen konnte. Es ist nun einmal, trotzdem diese Methoden für heute nicht empfohlen werden, durchaus eine Erfahrung, daß in demselben Maße, in dem der menschliche Organismus als physischer abgelähmt wird, er in demselben Maße dem Menschen gestattet, das geistig-seelische Wesen in sich selber aufzunehmen. Das Geistige wird — das ist einfach eine Tatsache -— wahrnehmbar, wenn das Physische in seiner Tätigkeit unterdrückt wird.
[ 3 ] Ich möchte durch einen Vergleich mich klarmachen über dasjenige, was ich eigentlich sagen will. Betrachten wir einmal das menschliche Auge. Dieses menschliche Auge ist da, um für den Menschen ein Vermittler zu sein für die Lichtwahrnehmung. Wodurch allein kann das menschliche Auge das Licht dem Menschen wahrnehmbar machen? Dadurch - ich will mich jetzt etwas bildlich ausdrücken -, daß es selbst für sich nichts will. In dem Augenblicke, wo das Auge innerlich selber für sich etwas will, sagen wir, in dem Augenblicke, in dem die organische Tätigkeit, die Lebenstätigkeit im Auge selbst zu lebhaft wird, wenn also zum Beispiel ein Undurchsichtigwerden, eine Verhärtung der Linse oder des Glaskörpers eintritt, wenn das Auge also aus seiner Selbstlosigkeit in die Selbstsucht hineinkommt, dann ist das Auge nicht mehr ein Diener der menschlichen Wesenheit. Das Auge muß keinen Anspruch darauf machen, für sich selbst etwas zu sein. Es ist das natürlich relativ gemeint, aber es muß ja alles, was ausgedrückt werden soll, in einer etwas absoluten Weise ausgedrückt werden. Das Leben macht es schon selbst zum Relativen. So können wir sagen: Das Auge verdankt seine Durchsichtigkeit für das Licht dem Umstande, daß es selber sich heraussondert aus der menschlichen Wesenheit, daß es selbstlos ist.
[ 3 ] Ich möchte durch einen Vergleich mich klarmachen über dasjenige, was ich eigentlich sagen will. Betrachten wir einmal das menschliche Auge. Dieses menschliche Auge ist da, um für den Menschen ein Vermittler zu sein für die Lichtwahrnehmung. Wodurch allein kann das menschliche Auge das Licht dem Menschen wahrnehmbar machen? Dadurch - ich will mich jetzt etwas bildlich ausdrücken -, daß es selbst für sich nichts will. In dem Augenblicke, wo das Auge innerlich selber für sich etwas will, sagen wir, in dem Augenblicke, in dem die organische Tätigkeit, die Lebenstätigkeit im Auge selbst zu lebhaft wird, wenn also zum Beispiel ein Undurchsichtigwerden, eine Verhärtung der Linse oder des Glaskörpers eintritt, wenn das Auge also aus seiner Selbstlosigkeit in die Selbstsucht hineinkommt, dann ist das Auge nicht mehr ein Diener der menschlichen Wesenheit. Das Auge muß keinen Anspruch darauf machen, für sich selbst etwas zu sein. Es ist das natürlich relativ gemeint, aber es muß ja alles, was ausgedrückt werden soll, in einer etwas absoluten Weise ausgedrückt werden. Das Leben macht es schon selbst zum Relativen. So können wir sagen: Das Auge verdankt seine Durchsichtigkeit für das Licht dem Umstande, daß es selber sich heraussondert aus der menschlichen Wesenheit, daß es selbstlos ist.
[ 4 ] Wenn wir in die geistige Welt, in die spirituelle Welt hineinschauen wollen — dieses Schauen ist natürlich seelisch-geistig gemeint -, dann müssen wir gewissermaßen unseren ganzen Organismus zum Auge machen. Wir müssen jetzt nicht physisch, wie es beim Auge ist, aber seelisch-geistig unseren ganzen Organismus durchsichtig machen, seelisch-geistig durchsichtig machen. Er darf nicht mehr ein Hindernis sein für unseren Verkehr mit der Welt.
[ 4 ] Wenn wir in die geistige Welt, in die spirituelle Welt hineinschauen wollen — dieses Schauen ist natürlich seelisch-geistig gemeint -, dann müssen wir gewissermaßen unseren ganzen Organismus zum Auge machen. Wir müssen jetzt nicht physisch, wie es beim Auge ist, aber seelisch-geistig unseren ganzen Organismus durchsichtig machen, seelisch-geistig durchsichtig machen. Er darf nicht mehr ein Hindernis sein für unseren Verkehr mit der Welt.
[ 5 ] Nun werde ich ganz gewiß nicht sagen, daß unser physischer Organismus, so wie wir im Leben dastehen, etwa krank wäre, wie das Auge krank wäre, wenn es für sich selbst ein Leben beanspruchte. So wie wir im gewöhnlichen Leben drinnenstehen, so ist unser ganzer Organismus schon recht, so ist es schon ganz normal. Er muß undurchsichtig sein. Wir werden noch sehen in den weiteren Vorträgen, wie unser Organismus im gewöhnlichen Leben kein Auge sein kann, wie er undurchsichtig sein muß. Wir ruhen mit unserem gewöhnlichen Seelenleben in unserem Organismus dadurch, daß er undurchsichtig ist, daß wir nicht immer, wenn wir herumschauen, die ganze geistige Welt des Kosmos vor uns haben. Also für das gewöhnliche Leben ist es schon richtig, ist es schon normal, daß unser Organismus undurchsichtig ist. Aber die geistige Welt kann man damit nicht erkennen, so wie man durch ein starkrankes Auge das Licht nicht erkennen kann, Und dadurch, daß unser Organismus abgetötet wird durch Leiden, durch Schmerzen, durch Überwindungen, über die er hinauskommt, wird er durchsichtig. Und dadurch eröffnet sich in der Tat die Möglichkeit, so wie für das Auge, wenn es in sich ganz durchhellt, sich die Möglichkeit eröffnet, die Lichtwelt um sich wahrzunehmen, so für den ganzen Organismus die Möglichkeit, die Geistwelt um sich herum wahrzunehmen, wenn wir den Organismus auf diese Weise durchsichtig machen.
[ 5 ] Nun werde ich ganz gewiß nicht sagen, daß unser physischer Organismus, so wie wir im Leben dastehen, etwa krank wäre, wie das Auge krank wäre, wenn es für sich selbst ein Leben beanspruchte. So wie wir im gewöhnlichen Leben drinnenstehen, so ist unser ganzer Organismus schon recht, so ist es schon ganz normal. Er muß undurchsichtig sein. Wir werden noch sehen in den weiteren Vorträgen, wie unser Organismus im gewöhnlichen Leben kein Auge sein kann, wie er undurchsichtig sein muß. Wir ruhen mit unserem gewöhnlichen Seelenleben in unserem Organismus dadurch, daß er undurchsichtig ist, daß wir nicht immer, wenn wir herumschauen, die ganze geistige Welt des Kosmos vor uns haben. Also für das gewöhnliche Leben ist es schon richtig, ist es schon normal, daß unser Organismus undurchsichtig ist. Aber die geistige Welt kann man damit nicht erkennen, so wie man durch ein starkrankes Auge das Licht nicht erkennen kann, Und dadurch, daß unser Organismus abgetötet wird durch Leiden, durch Schmerzen, durch Überwindungen, über die er hinauskommt, wird er durchsichtig. Und dadurch eröffnet sich in der Tat die Möglichkeit, so wie für das Auge, wenn es in sich ganz durchhellt, sich die Möglichkeit eröffnet, die Lichtwelt um sich wahrzunehmen, so für den ganzen Organismus die Möglichkeit, die Geistwelt um sich herum wahrzunehmen, wenn wir den Organismus auf diese Weise durchsichtig machen.
[ 6 ] Was ich eben geschildert habe, das ist dasjenige, was in älteren Zeiten, aus denen ja die wichtigsten religiösen Anschauungen stammen, die durch Traditionen in unsere Zeit gekommen sind, nicht durch eigenes Finden der gegenwärtigen Menschheit, zu jener körperlichen Askese geführt hat, die ich eben auch versuchte anschaulich zu machen.
[ 6 ] Was ich eben geschildert habe, das ist dasjenige, was in älteren Zeiten, aus denen ja die wichtigsten religiösen Anschauungen stammen, die durch Traditionen in unsere Zeit gekommen sind, nicht durch eigenes Finden der gegenwärtigen Menschheit, zu jener körperlichen Askese geführt hat, die ich eben auch versuchte anschaulich zu machen.
[ 7 ] Wir können heute diese Askese nicht nachmachen. In älteren Zeiten war es eine allgemeine Gesinnung der Menschen, wenn man nach Erkenntnis strebte, wenn man hören wollte, wie es in übersinnlichen, in spirituellen Welten zuging, daß man sich wandte an einsame Menschen, an solche, die sich absonderten im Leben. Das war allgemeiner Glaube, daß man nichts erfahren kann von den Menschen, die im Leben drinnenstehen, daß dasjenige, was gewußt werden soll von den geistigen Welten, nur in der Einsamkeit erworben werden kann, daß der Mensch ein anderer werden muß als der gewöhnliche Mensch, der Wissen, der Erkenntnis haben soll.
[ 7 ] Wir können heute diese Askese nicht nachmachen. In älteren Zeiten war es eine allgemeine Gesinnung der Menschen, wenn man nach Erkenntnis strebte, wenn man hören wollte, wie es in übersinnlichen, in spirituellen Welten zuging, daß man sich wandte an einsame Menschen, an solche, die sich absonderten im Leben. Das war allgemeiner Glaube, daß man nichts erfahren kann von den Menschen, die im Leben drinnenstehen, daß dasjenige, was gewußt werden soll von den geistigen Welten, nur in der Einsamkeit erworben werden kann, daß der Mensch ein anderer werden muß als der gewöhnliche Mensch, der Wissen, der Erkenntnis haben soll.
[ 8 ] Wir würden heute nach unserer Lebensanschauung nicht mehr so denken können. Wir streben an, nur an denjenigen Menschen zu glauben, der im Leben auf seinen zwei Beinen stehen kann, seine Arme rühren kann für die anderen Menschen, der im Leben etwas wert ist, der arbeiten, der handeln kann, der weiß, wie es im Leben zugeht. Jene Einsamkeit, die in älteren Zeiten als die Vorbedingung des höheren Wissens angesehen wurde, die gilt uns heute nicht mehr als Anschauung. Wir brauchen heute, wenn wir an den Menschen glauben wollen, den tätigen Menschen vor uns, den Menschen, der sich nicht aus dem Leben heraus begibt, sondern der sich gerade in das Leben hinein begibt. Daher können wir auch unmöglich dieselbe Gesinnung entwickeln gegenüber der Erkenntnis, die einstmals zu dem Asketen gegangen ist, um von ihm zu erfahren, wie es in der göttlich-geistigen Welt zugeht.
[ 8 ] Wir würden heute nach unserer Lebensanschauung nicht mehr so denken können. Wir streben an, nur an denjenigen Menschen zu glauben, der im Leben auf seinen zwei Beinen stehen kann, seine Arme rühren kann für die anderen Menschen, der im Leben etwas wert ist, der arbeiten, der handeln kann, der weiß, wie es im Leben zugeht. Jene Einsamkeit, die in älteren Zeiten als die Vorbedingung des höheren Wissens angesehen wurde, die gilt uns heute nicht mehr als Anschauung. Wir brauchen heute, wenn wir an den Menschen glauben wollen, den tätigen Menschen vor uns, den Menschen, der sich nicht aus dem Leben heraus begibt, sondern der sich gerade in das Leben hinein begibt. Daher können wir auch unmöglich dieselbe Gesinnung entwickeln gegenüber der Erkenntnis, die einstmals zu dem Asketen gegangen ist, um von ihm zu erfahren, wie es in der göttlich-geistigen Welt zugeht.
[ 9 ] Nun, aus diesen Gründen heraus müssen wir heute, ohne unseren Körper äußerlich durch Askese untauglich zu machen zur Tatkraft, aus dem Seelisch-Geistigen selbst heraus die Durchsichtigkeit anstreben. Das können wir. Wir können es dadurch, daß wir scharfe Begriffe, scharfe Ideen bekommen haben durch unsere jahrhundertealte naturwissenschaftliche Entwickelung. Wir können unser Denken heranschulen an dieser naturwissenschaftlichen Entwickelung. Dasjenige, was ich hier ausspreche, ist nicht gegen das Intellektuelle gerichtet. Das Intellektuelle soll überall die Basis sein, das scharfe Denken soll die Grundlage sein. Aber aufgebaut werden soll auf dieser Intellektualität, auf diesem scharfen Denken, dasjenige, was dann in die spirituelle Welt hineinführt.
[ 9 ] Nun, aus diesen Gründen heraus müssen wir heute, ohne unseren Körper äußerlich durch Askese untauglich zu machen zur Tatkraft, aus dem Seelisch-Geistigen selbst heraus die Durchsichtigkeit anstreben. Das können wir. Wir können es dadurch, daß wir scharfe Begriffe, scharfe Ideen bekommen haben durch unsere jahrhundertealte naturwissenschaftliche Entwickelung. Wir können unser Denken heranschulen an dieser naturwissenschaftlichen Entwickelung. Dasjenige, was ich hier ausspreche, ist nicht gegen das Intellektuelle gerichtet. Das Intellektuelle soll überall die Basis sein, das scharfe Denken soll die Grundlage sein. Aber aufgebaut werden soll auf dieser Intellektualität, auf diesem scharfen Denken, dasjenige, was dann in die spirituelle Welt hineinführt.
[ 10 ] Es ist heute außerordentlich leicht, zu verlangen, daß der Mensch klares Denken haben soll. Ich wende nichts ein gegen das klare Denken. Klares Denken ist in dem Zeitalter, das Jahrhunderte hinter sich hat seit der Tat des Kopernikus, des Galilei, klares Denken ist, ich möchte sagen, heute eine Selbstverständlichkeit. Schade nur, daß es nicht auch eine Selbstverständlichkeit für die weitesten Kreise schon geworden ist. Aber es ist im Grunde genommen leicht, klares Denken zu haben, wenn das Denken dies erreicht auf Kosten der Erfülltheit, des Inhaltsvollen des Denkens. Leere Gedanken können leicht klar sein. Aber es müssen unserer ganzen Entwickelung zugrunde gelegt werden, erfüllte klare Gedanken, inhaltsvolle klare Gedanken.
[ 10 ] Es ist heute außerordentlich leicht, zu verlangen, daß der Mensch klares Denken haben soll. Ich wende nichts ein gegen das klare Denken. Klares Denken ist in dem Zeitalter, das Jahrhunderte hinter sich hat seit der Tat des Kopernikus, des Galilei, klares Denken ist, ich möchte sagen, heute eine Selbstverständlichkeit. Schade nur, daß es nicht auch eine Selbstverständlichkeit für die weitesten Kreise schon geworden ist. Aber es ist im Grunde genommen leicht, klares Denken zu haben, wenn das Denken dies erreicht auf Kosten der Erfülltheit, des Inhaltsvollen des Denkens. Leere Gedanken können leicht klar sein. Aber es müssen unserer ganzen Entwickelung zugrunde gelegt werden, erfüllte klare Gedanken, inhaltsvolle klare Gedanken.
[ 11 ] Nun, wir erreichen dasselbe zunächst, was der alte Asket durch Abtötung, Ablähmung des physischen Organismus erreicht hat, dadurch, daß wir unsere eigene seelische Entwickelung gewissermaßen in die Hand nehmen, daß wir zum Beispiel in einem bestimmten Zeitpunkte unseres Lebens uns fragen: Welche Gewohnheiten hast du? Welches sind deine besonderen Eigentümlichkeiten? Was hast du für Unarten? Was hast du für Sympathien, Antipathien? - Und nachdem man sich dies alles vollständig klar vor die Seele geschrieben hat, versucht man, zunächst in einem einfachen, vielleicht in einem sehr einfachen Punkte sich vorzustellen, wie man wäre, wenn man eine andere Art von Antipathie, eine andere Art von Sympathie, ein anderes Ingredienz des seelischen Lebens entwickeln würde.
[ 11 ] Nun, wir erreichen dasselbe zunächst, was der alte Asket durch Abtötung, Ablähmung des physischen Organismus erreicht hat, dadurch, daß wir unsere eigene seelische Entwickelung gewissermaßen in die Hand nehmen, daß wir zum Beispiel in einem bestimmten Zeitpunkte unseres Lebens uns fragen: Welche Gewohnheiten hast du? Welches sind deine besonderen Eigentümlichkeiten? Was hast du für Unarten? Was hast du für Sympathien, Antipathien? - Und nachdem man sich dies alles vollständig klar vor die Seele geschrieben hat, versucht man, zunächst in einem einfachen, vielleicht in einem sehr einfachen Punkte sich vorzustellen, wie man wäre, wenn man eine andere Art von Antipathie, eine andere Art von Sympathie, ein anderes Ingredienz des seelischen Lebens entwickeln würde.
[ 12 ] Man darf solche Dinge nicht leicht nehmen, denn es gehören manchmal viele Jahre dazu, um so von innen heraus dasjenige zu tun, was sonst das Leben tut. Betrachten wir uns einmal ganz ehrlich. Wir werden uns sagen: So wie wir heute sind, waren wir vor 10 Jahren noch nicht. Der innere Gehalt der Seele, auch die innere Formation der Seele, sie sind ganz anders geworden. Aber was hat gemacht, daß es so ist? Das Leben. Ganz unbewußt haben wir uns dem Leben hingegeben. Wir haben uns hineingeworfen in den Strom des Lebens. Können wir nun einmal dasjenige, was sonst das Leben tut, selber machen, können wir hinschauen, möchte ich sagen, auf dasjenige, was wir in 10 Jahren werden sollen, und das vornehmen, vorsetzen, und dann mit eisernem Willen daran arbeiten, es wirklich dahin zu bringen. Fassen wir also das ganze Leben, das sonst groß ist, das an uns arbeitet, in die Kleinheit des eigenen Ichs zusammen, verstärken wir die Kraft so, die sonst ausgebreitet ist wie in einem Lebensmeere, in dem Willen des eigenen Ich, bringen wir uns selber weiter, machen wir selber etwas aus uns, dann wird dasjenige von innen geleistet, was der alte Asket von außen leistete. Er machte den Körper schwach, damit der Wille und die Erkenntnis stark aus dem schwachen Körper aufsteigen und der schwache Körper durchsichtig wurde für die geistige Welt. Wir müssen den Willen stark machen, stark machen die Denkkraft, damit sie stärker werden als der Körper, der seine Dinge weitermacht; dann zwingen wir den Körper, daß er für die Welt des Geistes durchsichtig wird. Wir machen gerade das Entgegengesetzte von demjenigen, was der alte Asket machte.
[ 12 ] Man darf solche Dinge nicht leicht nehmen, denn es gehören manchmal viele Jahre dazu, um so von innen heraus dasjenige zu tun, was sonst das Leben tut. Betrachten wir uns einmal ganz ehrlich. Wir werden uns sagen: So wie wir heute sind, waren wir vor 10 Jahren noch nicht. Der innere Gehalt der Seele, auch die innere Formation der Seele, sie sind ganz anders geworden. Aber was hat gemacht, daß es so ist? Das Leben. Ganz unbewußt haben wir uns dem Leben hingegeben. Wir haben uns hineingeworfen in den Strom des Lebens. Können wir nun einmal dasjenige, was sonst das Leben tut, selber machen, können wir hinschauen, möchte ich sagen, auf dasjenige, was wir in 10 Jahren werden sollen, und das vornehmen, vorsetzen, und dann mit eisernem Willen daran arbeiten, es wirklich dahin zu bringen. Fassen wir also das ganze Leben, das sonst groß ist, das an uns arbeitet, in die Kleinheit des eigenen Ichs zusammen, verstärken wir die Kraft so, die sonst ausgebreitet ist wie in einem Lebensmeere, in dem Willen des eigenen Ich, bringen wir uns selber weiter, machen wir selber etwas aus uns, dann wird dasjenige von innen geleistet, was der alte Asket von außen leistete. Er machte den Körper schwach, damit der Wille und die Erkenntnis stark aus dem schwachen Körper aufsteigen und der schwache Körper durchsichtig wurde für die geistige Welt. Wir müssen den Willen stark machen, stark machen die Denkkraft, damit sie stärker werden als der Körper, der seine Dinge weitermacht; dann zwingen wir den Körper, daß er für die Welt des Geistes durchsichtig wird. Wir machen gerade das Entgegengesetzte von demjenigen, was der alte Asket machte.
[ 13 ] Sehen Sie, diese Dinge habe ich in meinem Buch «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» dargestellt. Man hat vielfach dasjenige, was etwas ganz anderes war, angesehen als alte Askese, so angesehen, als ob es eine alte Askese in einer neuen Form wäre. Wer genau liest, wird finden: Alles ist etwas ganz anderes, als diese alte Askese war. Aber man kann diese neue Askese, durch die man sich nicht aus dem Leben herauszieht und in die Einsiedelei versetzt, sondern durch die man gerade im vollen Leben stehenbleibt, nicht ausführen, ohne daß man über den Augenblick hinaus in die Zeit hineinschaut.
[ 13 ] Sehen Sie, diese Dinge habe ich in meinem Buch «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» dargestellt. Man hat vielfach dasjenige, was etwas ganz anderes war, angesehen als alte Askese, so angesehen, als ob es eine alte Askese in einer neuen Form wäre. Wer genau liest, wird finden: Alles ist etwas ganz anderes, als diese alte Askese war. Aber man kann diese neue Askese, durch die man sich nicht aus dem Leben herauszieht und in die Einsiedelei versetzt, sondern durch die man gerade im vollen Leben stehenbleibt, nicht ausführen, ohne daß man über den Augenblick hinaus in die Zeit hineinschaut.
[ 14 ] Bedenken Sie doch nur, man muß sich denken, wie man vielleicht sein will in 10 Jahren. Man muß also den ganzen Menschen in Betracht ziehen zwischen Geburt und Tod. Der Mensch lebt leicht nur im Augenblicke. Dasjenige, um was es sich handelt, ist: Leben lernen in der Zeit, in dem ganzen Lebenslauf. Dann wird die Welt des Geistes für uns durchsichtig, und wir sehen in der Tat, wenn unser Leib in dieser Weise durchsichtig wird, eine geistige Welt um uns herum.
[ 14 ] Bedenken Sie doch nur, man muß sich denken, wie man vielleicht sein will in 10 Jahren. Man muß also den ganzen Menschen in Betracht ziehen zwischen Geburt und Tod. Der Mensch lebt leicht nur im Augenblicke. Dasjenige, um was es sich handelt, ist: Leben lernen in der Zeit, in dem ganzen Lebenslauf. Dann wird die Welt des Geistes für uns durchsichtig, und wir sehen in der Tat, wenn unser Leib in dieser Weise durchsichtig wird, eine geistige Welt um uns herum.
[ 15 ] Alles dasjenige, was zum Beispiel in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» steht, ist nur auf Grund solcher Erkenntnis geschildert, innerhalb welcher der menschliche Leib so durchsichtig ist, wie sonst das Auge durchsichtig ist für das Licht.
[ 15 ] Alles dasjenige, was zum Beispiel in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» steht, ist nur auf Grund solcher Erkenntnis geschildert, innerhalb welcher der menschliche Leib so durchsichtig ist, wie sonst das Auge durchsichtig ist für das Licht.
[ 16 ] Nun werden Sie wieder sagen: Ja, aber man kann doch nicht jedem Lehrer zumuten, daß er nun zu solcher spirituellen Erkenntnis erst kommt, bevor er Erzieher, bevor er Unterrichter wird. Wiederum muß ich wie gestern in bezug auf die Joga sagen: Das ist gar nicht nötig. Das ist ja gerade all das, was uns das Kind im Physischen entgegenbringt als eine Botschaft aus der geistigen Welt heraus, was wir für die höhere Erkenntnis erst suchen müssen. So daß der Lehrer, wenn er die richtigen Instinkte hat, hineinwächst in eine spirituelle Behandlung des Kindes. Aber unser intellektuelles Zeitalter ist vielfach abgekommen von einer solchen spirituellen Behandlung, und behandelt alles intellektuell. Und so sind wir heute dazu gekommen, in der Erziehung uns zu sagen: Du sollst so erziehen, daß das Kind auf seiner Stufe alles gleich versteht. — Ja, da kommen wir sehr leicht zur Trivialität, die im Augenblicke der Erziehung außerordentlich bequem sein kann. Wir erreichen im Augenblicke sehr viel, wenn wir dem Kinde möglichst alles trivial beibringen, so daß es für sein Verständnis zugerichtet ist. Aber derjenige, der so denkt aus der Intellektualität heraus, der rechnet nicht mit dem ganzen Lebenslauf des Menschen, der rechnet nicht damit, was aus einer Empfindung wird, zu der ich das Kind anrege, wenn das Kind ein älterer Mann, eine ältere Frau oder ein Greis geworden ist. Der rechnet nicht mit dem Leben, der rechnet zum Beispiel mit folgendem nicht.
[ 16 ] Nun werden Sie wieder sagen: Ja, aber man kann doch nicht jedem Lehrer zumuten, daß er nun zu solcher spirituellen Erkenntnis erst kommt, bevor er Erzieher, bevor er Unterrichter wird. Wiederum muß ich wie gestern in bezug auf die Joga sagen: Das ist gar nicht nötig. Das ist ja gerade all das, was uns das Kind im Physischen entgegenbringt als eine Botschaft aus der geistigen Welt heraus, was wir für die höhere Erkenntnis erst suchen müssen. So daß der Lehrer, wenn er die richtigen Instinkte hat, hineinwächst in eine spirituelle Behandlung des Kindes. Aber unser intellektuelles Zeitalter ist vielfach abgekommen von einer solchen spirituellen Behandlung, und behandelt alles intellektuell. Und so sind wir heute dazu gekommen, in der Erziehung uns zu sagen: Du sollst so erziehen, daß das Kind auf seiner Stufe alles gleich versteht. — Ja, da kommen wir sehr leicht zur Trivialität, die im Augenblicke der Erziehung außerordentlich bequem sein kann. Wir erreichen im Augenblicke sehr viel, wenn wir dem Kinde möglichst alles trivial beibringen, so daß es für sein Verständnis zugerichtet ist. Aber derjenige, der so denkt aus der Intellektualität heraus, der rechnet nicht mit dem ganzen Lebenslauf des Menschen, der rechnet nicht damit, was aus einer Empfindung wird, zu der ich das Kind anrege, wenn das Kind ein älterer Mann, eine ältere Frau oder ein Greis geworden ist. Der rechnet nicht mit dem Leben, der rechnet zum Beispiel mit folgendem nicht.
[ 17 ] Nehmen wir an: ich habe klar in mir die Erkenntnis, daß zwischen dem Zahnwechsel und der Geschlechtsreife des Kindes vorzugsweise auf Autorität hin zu bauen ist, daß es Beispiele braucht, damit es an das Beispiel glaubt; dann bringe ich dem Kinde etwas bei, das es mir glaubt, weil ich für es der Vermittler der göttlich-geistigen Welt bin. Es glaubt mir. Es nimmt die Sache auf, versteht es noch nicht. Wir verstehen ja so vieles nicht, was wir unbewußt im kindlichen Lebensalter aufnahmen. Wenn wir bloß das aufnehmen würden im kindlichen Lebensalter, was wir verstehen, wir würden sehr wenig für das spätere Leben haben. Und Jean Paul, der deutsche Dichter und Denker, hätte nicht sagen können, daß man in den drei ersten Lebensjahren mehr erwirbt in bezug auf das menschliche Leben, als in den drei akademischen Jahren.
[ 17 ] Nehmen wir an: ich habe klar in mir die Erkenntnis, daß zwischen dem Zahnwechsel und der Geschlechtsreife des Kindes vorzugsweise auf Autorität hin zu bauen ist, daß es Beispiele braucht, damit es an das Beispiel glaubt; dann bringe ich dem Kinde etwas bei, das es mir glaubt, weil ich für es der Vermittler der göttlich-geistigen Welt bin. Es glaubt mir. Es nimmt die Sache auf, versteht es noch nicht. Wir verstehen ja so vieles nicht, was wir unbewußt im kindlichen Lebensalter aufnahmen. Wenn wir bloß das aufnehmen würden im kindlichen Lebensalter, was wir verstehen, wir würden sehr wenig für das spätere Leben haben. Und Jean Paul, der deutsche Dichter und Denker, hätte nicht sagen können, daß man in den drei ersten Lebensjahren mehr erwirbt in bezug auf das menschliche Leben, als in den drei akademischen Jahren.
[ 18 ] Aber man sehe einmal hin, was es heißt, wenn ich, sagen wir, in meinem 35. Jahre aus irgendeiner Lebenssituation heraus das Gefühl bekomme: jetzt steigt in dir etwas auf, das hast du von deinem Erzieher früher gehört. Du warst vielleicht erst 8, 9 Jahre alt; verstanden hast du nichts davon. Aber er war dir eine verehrungswürdige Persönlichkeit. Du hast ihm geglaubt. Es hat sich einverleibt deiner Seele, deinem Gedächtnisse. Jetzt steigt es auf. Dem Leben gegenüber gewinnt es jetzt Verständnis. Du siehst das ein.
[ 18 ] Aber man sehe einmal hin, was es heißt, wenn ich, sagen wir, in meinem 35. Jahre aus irgendeiner Lebenssituation heraus das Gefühl bekomme: jetzt steigt in dir etwas auf, das hast du von deinem Erzieher früher gehört. Du warst vielleicht erst 8, 9 Jahre alt; verstanden hast du nichts davon. Aber er war dir eine verehrungswürdige Persönlichkeit. Du hast ihm geglaubt. Es hat sich einverleibt deiner Seele, deinem Gedächtnisse. Jetzt steigt es auf. Dem Leben gegenüber gewinnt es jetzt Verständnis. Du siehst das ein.
[ 19 ] Wer so aus dem ganzen tiefen Schoße seines Seelenlebens im späteren Leben etwas heraufholen kann, was er erst dann versteht, für den ist das ein Quell von Lebenskraft. Das durchrieselt ihn immer mit Lebenskraft. Wenn man also etwas heraufkommen spürt in der Seele, das man früher aufgenommen hat aus Verehrung, aus Autorität, und jetzt erst versteht, so sind das diejenigen Dinge, die durchaus uns darauf aufmerksam machen, daß, wenn wir richtig erziehen wollen, wir nicht mit dem Augenblicke rechnen sollen, sondern mit dem ganzen Leben. Und darauf haben wir abzuzielen mit alledem, was wir dem Kinde beizubringen haben.
[ 19 ] Wer so aus dem ganzen tiefen Schoße seines Seelenlebens im späteren Leben etwas heraufholen kann, was er erst dann versteht, für den ist das ein Quell von Lebenskraft. Das durchrieselt ihn immer mit Lebenskraft. Wenn man also etwas heraufkommen spürt in der Seele, das man früher aufgenommen hat aus Verehrung, aus Autorität, und jetzt erst versteht, so sind das diejenigen Dinge, die durchaus uns darauf aufmerksam machen, daß, wenn wir richtig erziehen wollen, wir nicht mit dem Augenblicke rechnen sollen, sondern mit dem ganzen Leben. Und darauf haben wir abzuzielen mit alledem, was wir dem Kinde beizubringen haben.
[ 20 ] Es ist mir gerade gesagt worden, daß gestern Anstoß genommen worden ist an dem Bilde, um dem Kind beizubringen einen Begriff dafür, wie der Mensch der Unsterblichkeit teilhaftig werden kann. Ich habe nicht gesagt der «Ewigkeit», sondern der «Unsterblichkeit» teilhaftig werden kann. Ich sagte: es ergibt sich für die unmittelbare Anschauung das Bild des aus der Puppe ausfliegenden Schmetterlings. Dieses Bild sollte nicht mehr veranschaulichen als dasjenige, was dann hinterher nachgefügt worden ist als das Herauskommen der Seele aus dem physischen Leibe,
[ 20 ] Es ist mir gerade gesagt worden, daß gestern Anstoß genommen worden ist an dem Bilde, um dem Kind beizubringen einen Begriff dafür, wie der Mensch der Unsterblichkeit teilhaftig werden kann. Ich habe nicht gesagt der «Ewigkeit», sondern der «Unsterblichkeit» teilhaftig werden kann. Ich sagte: es ergibt sich für die unmittelbare Anschauung das Bild des aus der Puppe ausfliegenden Schmetterlings. Dieses Bild sollte nicht mehr veranschaulichen als dasjenige, was dann hinterher nachgefügt worden ist als das Herauskommen der Seele aus dem physischen Leibe,
[ 21 ] Ein Einwand dagegen ist dasjenige, was mit diesem Bilde schon aus der Welt geschafft ist; denn dieses Bild ist eben gerade gesagt worden, um jenem Einwand zu begegnen, daß das Auskriechen des Schmetterlings nicht ein richtiger Begriff von der Unsterblichkeit ist, Es ist natürlich im logischen Sinne kein richtiger Begriff. Aber es handelt sich eben darum, was für einen Begriff wir dem Kinde beibringen sollen, was für ein Bild wir in die kindliche Seele versetzen wollen, um es nicht zu früh zur Logik zu bringen. Aus dem, was da als Bild, sagen wir, vom 8., 9. Jahre — denn von diesem Jahre haben wir gesprochen, nicht etwa, daß man auf diese Weise dem Philosophen etwas beibringt -, an das Kind herangebracht wird, daraus wächst zunächst dasjenige, was eben der richtige Begriff für Unsterblichkeit ist.
[ 21 ] Ein Einwand dagegen ist dasjenige, was mit diesem Bilde schon aus der Welt geschafft ist; denn dieses Bild ist eben gerade gesagt worden, um jenem Einwand zu begegnen, daß das Auskriechen des Schmetterlings nicht ein richtiger Begriff von der Unsterblichkeit ist, Es ist natürlich im logischen Sinne kein richtiger Begriff. Aber es handelt sich eben darum, was für einen Begriff wir dem Kinde beibringen sollen, was für ein Bild wir in die kindliche Seele versetzen wollen, um es nicht zu früh zur Logik zu bringen. Aus dem, was da als Bild, sagen wir, vom 8., 9. Jahre — denn von diesem Jahre haben wir gesprochen, nicht etwa, daß man auf diese Weise dem Philosophen etwas beibringt -, an das Kind herangebracht wird, daraus wächst zunächst dasjenige, was eben der richtige Begriff für Unsterblichkeit ist.
[ 22 ] Also auf das Was kommt es dabei an, auf das lebensvolle Erfassen des Daseins. Das ist dasjenige, was in unserer intellektualistischen Zeit so ungeheuer schwer zu begreifen ist. Es ist ja ganz selbstverständlich, daß wir dem Kinde anderes beibringen müssen als dasjenige, was dann im späteren Lebensalter daraus wird, sonst wäre es unrichtig, das Kind als ungeschickt, als zappelig zu charakterisieren, was es doch ist, wenn wir nur charakterisieren wollten den erwachsenen Menschen. Für denjenigen, der auf das Leben schaut, gibt es nicht nur kleine und erwachsene Kinder, sondern kindliche und erwachsene Vorstellungen und Begriffe. Und auf dieses Leben, nicht auf dieses schon Erwachsensein, muß man eben hinschauen, wenn man ein wirklicher Erzieher und Unterrichter sein und werden will.
[ 22 ] Also auf das Was kommt es dabei an, auf das lebensvolle Erfassen des Daseins. Das ist dasjenige, was in unserer intellektualistischen Zeit so ungeheuer schwer zu begreifen ist. Es ist ja ganz selbstverständlich, daß wir dem Kinde anderes beibringen müssen als dasjenige, was dann im späteren Lebensalter daraus wird, sonst wäre es unrichtig, das Kind als ungeschickt, als zappelig zu charakterisieren, was es doch ist, wenn wir nur charakterisieren wollten den erwachsenen Menschen. Für denjenigen, der auf das Leben schaut, gibt es nicht nur kleine und erwachsene Kinder, sondern kindliche und erwachsene Vorstellungen und Begriffe. Und auf dieses Leben, nicht auf dieses schon Erwachsensein, muß man eben hinschauen, wenn man ein wirklicher Erzieher und Unterrichter sein und werden will.
[ 23 ] Es erscheint mir als ein günstiges Schicksal, daß mir die Leitung der von Emil Molt in Stuttgart begründeten Waldorfschule erst im Jahre 1919, als diese Schule begründet worden ist, zufiel. Denn, obwohl ich mich vorher viel mit Erziehung und Unterricht beruflich abgegeben hatte, hätte ich doch meinen müssen, daß eine so große erzieherische und unterrichtliche Aufgabe, wie sie mir durch die Waldorfschule geworden ist, vorher sich hineingestellt hätte in ein Leben, das nicht in gleicher Weise zu bewältigen gewesen wäre, wie ich glaube - natürlich relativ ist das gemeint, bis zu einem gewissen Grade -, daß wir als Lehrerkollegium der Stuttgarter Waldorfschule diese Aufgabe bewältigen können. Und dies aus dem Grunde, weil ich ja vorher nicht würde gewagt haben, ein Lehrerkollegium so heranzubilden, daß es in dem Grade hätte aus Menschenkennern, das heißt dann aber auch Kindeskennern, bestehen können, wie das in diesen Jahren dann der Fall war. Denn alle wirkliche Pädagogik, alle wirkliche Didaktik muß eben, wie ich schon sagte, auf Menschenkenntnis beruhen. Dazu muß man sich aber erst die Möglichkeit verschaffen, in das Wesen des Menschen sachgemäß einzudringen. Und in bezug auf dieses Eindringen in das Wesen des Menschen gingen mir — wenn ich jetzt von diesem Persönlichen nur andeutungsweise sprechen darf — die ersten Anschauungen auf vor etwa 35 Jahren.
[ 23 ] Es erscheint mir als ein günstiges Schicksal, daß mir die Leitung der von Emil Molt in Stuttgart begründeten Waldorfschule erst im Jahre 1919, als diese Schule begründet worden ist, zufiel. Denn, obwohl ich mich vorher viel mit Erziehung und Unterricht beruflich abgegeben hatte, hätte ich doch meinen müssen, daß eine so große erzieherische und unterrichtliche Aufgabe, wie sie mir durch die Waldorfschule geworden ist, vorher sich hineingestellt hätte in ein Leben, das nicht in gleicher Weise zu bewältigen gewesen wäre, wie ich glaube - natürlich relativ ist das gemeint, bis zu einem gewissen Grade -, daß wir als Lehrerkollegium der Stuttgarter Waldorfschule diese Aufgabe bewältigen können. Und dies aus dem Grunde, weil ich ja vorher nicht würde gewagt haben, ein Lehrerkollegium so heranzubilden, daß es in dem Grade hätte aus Menschenkennern, das heißt dann aber auch Kindeskennern, bestehen können, wie das in diesen Jahren dann der Fall war. Denn alle wirkliche Pädagogik, alle wirkliche Didaktik muß eben, wie ich schon sagte, auf Menschenkenntnis beruhen. Dazu muß man sich aber erst die Möglichkeit verschaffen, in das Wesen des Menschen sachgemäß einzudringen. Und in bezug auf dieses Eindringen in das Wesen des Menschen gingen mir — wenn ich jetzt von diesem Persönlichen nur andeutungsweise sprechen darf — die ersten Anschauungen auf vor etwa 35 Jahren.
[ 24 ] Es waren spirituelle Anschauungen über das Wesen des Menschen, über die Entwickelung des Menschen. Spirituelle Anschauungen, sage ich, nicht intellektualistische. Aber mit spirituellen Wahrheiten verhält es sich anders im Leben, als mit intellektualistischen. Was man intellektualistisch durchschaut, wie man sagt, «bewiesen» hat, das kann man auch Menschen mitteilen, denn die Sache ist fertig, wenn die Logik fertig ist. Spirituelle Wahrheiten sind nicht fertig, wenn die Logik fertig ist. Spirituelle Wahrheiten sind solche, die mit den Menschen erst durch das Leben gehen müssen, um voll ausgebildet zu werden. Und so würde ich denn auch nie gewagt haben, gewisse Wahrheiten über das Wesen des Menschen, wie sie mir geworden sind vor 35 Jahren, auszusprechen. Ich habe erst gewagt, diese Dinge auszusprechen in meinem Buche «Von Seelenrätseln» vor wenigen Jahren. Mehr als 30 Jahre lagen zwischen der ersten Konzeption und dem Aussprechen der Dinge vor der Welt. Warum? Aus dem Grunde, weil man solche Wahrheiten erst in verschiedenen Lebensaltern angeschaut haben muß, weil sie mit einem erst durch die verschiedenen Lebensalter hindurchgegangen sein müssen. Was man als ein junger Mensch mit 23 oder 24 Jahren konzipiert an spirituellen Wahrheiten, das erlebt sich wiederum ganz anders mit 35 bis 36 Jahren, mit 45, 46 Jahren. Und ich erwähne eben nur eine Tatsache — ich wagte dasjenige, was Richtlinien sind über Menschenerkenntnis, erst, als ich die Fünfzigerjahre überschritten hatte, in einem Buche vor der Welt auszusprechen. Das aber auch konnte ich jetzt erst einem Lehrerkollegium gegenüber aussprechen, damit es das Elementare ist, das die Lehrer dann innehaben können, um es an jedem einzelnen Kinde anzuwenden.
[ 24 ] Es waren spirituelle Anschauungen über das Wesen des Menschen, über die Entwickelung des Menschen. Spirituelle Anschauungen, sage ich, nicht intellektualistische. Aber mit spirituellen Wahrheiten verhält es sich anders im Leben, als mit intellektualistischen. Was man intellektualistisch durchschaut, wie man sagt, «bewiesen» hat, das kann man auch Menschen mitteilen, denn die Sache ist fertig, wenn die Logik fertig ist. Spirituelle Wahrheiten sind nicht fertig, wenn die Logik fertig ist. Spirituelle Wahrheiten sind solche, die mit den Menschen erst durch das Leben gehen müssen, um voll ausgebildet zu werden. Und so würde ich denn auch nie gewagt haben, gewisse Wahrheiten über das Wesen des Menschen, wie sie mir geworden sind vor 35 Jahren, auszusprechen. Ich habe erst gewagt, diese Dinge auszusprechen in meinem Buche «Von Seelenrätseln» vor wenigen Jahren. Mehr als 30 Jahre lagen zwischen der ersten Konzeption und dem Aussprechen der Dinge vor der Welt. Warum? Aus dem Grunde, weil man solche Wahrheiten erst in verschiedenen Lebensaltern angeschaut haben muß, weil sie mit einem erst durch die verschiedenen Lebensalter hindurchgegangen sein müssen. Was man als ein junger Mensch mit 23 oder 24 Jahren konzipiert an spirituellen Wahrheiten, das erlebt sich wiederum ganz anders mit 35 bis 36 Jahren, mit 45, 46 Jahren. Und ich erwähne eben nur eine Tatsache — ich wagte dasjenige, was Richtlinien sind über Menschenerkenntnis, erst, als ich die Fünfzigerjahre überschritten hatte, in einem Buche vor der Welt auszusprechen. Das aber auch konnte ich jetzt erst einem Lehrerkollegium gegenüber aussprechen, damit es das Elementare ist, das die Lehrer dann innehaben können, um es an jedem einzelnen Kinde anzuwenden.
[ 25 ] Und so darf ich sagen, daß, als mein kleines Büchelchen erschien: «Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft», da glaubte ich eben auch so zu sprechen über Erziehung, wie derjenige spricht, der eben mit manchem in dem heutigen Erziehungswesen nicht einverstanden ist, der das oder jenes vertieft wissen will und so weiter. Aber ich hätte damals, als ich dieses Büchelchen schrieb, noch nicht übernehmen können so etwas wie die Aufgabe der Leitung der Waldorfschule, denn dazu war vor allen Dingen ein Lehrerkollegium nötig mit Menschenerkenntnis, die angeregt ist aus der spirituellen Welt heraus. Diese Menschenerkenntnis, sie ist heute außerordentlich schwer zu erringen. Wir erringen heute verhältnismäßig leicht Naturerkenntnis; wir verschaffen uns verhältnismäßig leicht eine Anschauung davon, welches das Schlußglied der organischen Entwickelung ist. Wir fangen unten an bei den einfachsten Lebewesen, machen uns klar, wie sich das entwickelt hat bis herauf zum Menschen. Da steht der Mensch als Schlußglied da. Aber wir wissen nur, wie der Mensch als Schlußglied der organischen Schöpfung dasteht. Wir schauen nicht in den Menschen selber hinein. Wir schauen nicht in sein Wesen hinein. Wir wissen nur, inwiefern der Mensch das höchste Tier ist, aber wir wissen nicht, was der Mensch eigentlich ist, wenn wir uns Naturerkenntnis erwerben, die so große Vollkommenheit erreicht hat, und gegen die hier nicht das Geringste eingewendet werden soll, die im Gegenteil voll bewundert werden soll. Aber unser Leben ist von dieser Naturerkenntnis durchdrungen. Zum Erziehen aber braucht man Menschenerkenntnis, und zwar praktische Menschenerkenntnis. Menschenerkenntnis, die gegenüber jedem einzelnen Kinde individuell wirkt. Dazu muß man vor allen Dingen Menschenerkenntnis im allgemeinen haben.
[ 25 ] Und so darf ich sagen, daß, als mein kleines Büchelchen erschien: «Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft», da glaubte ich eben auch so zu sprechen über Erziehung, wie derjenige spricht, der eben mit manchem in dem heutigen Erziehungswesen nicht einverstanden ist, der das oder jenes vertieft wissen will und so weiter. Aber ich hätte damals, als ich dieses Büchelchen schrieb, noch nicht übernehmen können so etwas wie die Aufgabe der Leitung der Waldorfschule, denn dazu war vor allen Dingen ein Lehrerkollegium nötig mit Menschenerkenntnis, die angeregt ist aus der spirituellen Welt heraus. Diese Menschenerkenntnis, sie ist heute außerordentlich schwer zu erringen. Wir erringen heute verhältnismäßig leicht Naturerkenntnis; wir verschaffen uns verhältnismäßig leicht eine Anschauung davon, welches das Schlußglied der organischen Entwickelung ist. Wir fangen unten an bei den einfachsten Lebewesen, machen uns klar, wie sich das entwickelt hat bis herauf zum Menschen. Da steht der Mensch als Schlußglied da. Aber wir wissen nur, wie der Mensch als Schlußglied der organischen Schöpfung dasteht. Wir schauen nicht in den Menschen selber hinein. Wir schauen nicht in sein Wesen hinein. Wir wissen nur, inwiefern der Mensch das höchste Tier ist, aber wir wissen nicht, was der Mensch eigentlich ist, wenn wir uns Naturerkenntnis erwerben, die so große Vollkommenheit erreicht hat, und gegen die hier nicht das Geringste eingewendet werden soll, die im Gegenteil voll bewundert werden soll. Aber unser Leben ist von dieser Naturerkenntnis durchdrungen. Zum Erziehen aber braucht man Menschenerkenntnis, und zwar praktische Menschenerkenntnis. Menschenerkenntnis, die gegenüber jedem einzelnen Kinde individuell wirkt. Dazu muß man vor allen Dingen Menschenerkenntnis im allgemeinen haben.
[ 26 ] Nun möchte ich heute nur auf ein paar Richtlinien hinweisen, die sich mir ergeben haben vor mehr als 30 Jahren, und die zur Grundlage gemacht worden sind für das eigene Studium der Waldorf-Lehrerschaft. Da handelt es sich doch darum, daß wir gerade in dem Lebensalter, in dem wir die Kinder in die Volksschule hereinbekommen, das seelische Leben der Kinder vor uns haben. Ich werde in den nächsten Tagen auch über die Erziehung ganz kleiner Kinder zu sprechen haben. Aber so viel Schmerz es mir verursacht, daß wir noch keine Kleinkinderschule haben können, die der Waldorfschule vorausgeht, daß wir die Kinder nehmen müssen im 6., 7. Jahre — wir können es eben nicht, weil wir dazu kein Geld haben. Aber das Ideal ist natürlich, die Kinder so früh als möglich in die Erziehung hereinzubekommen.
[ 26 ] Nun möchte ich heute nur auf ein paar Richtlinien hinweisen, die sich mir ergeben haben vor mehr als 30 Jahren, und die zur Grundlage gemacht worden sind für das eigene Studium der Waldorf-Lehrerschaft. Da handelt es sich doch darum, daß wir gerade in dem Lebensalter, in dem wir die Kinder in die Volksschule hereinbekommen, das seelische Leben der Kinder vor uns haben. Ich werde in den nächsten Tagen auch über die Erziehung ganz kleiner Kinder zu sprechen haben. Aber so viel Schmerz es mir verursacht, daß wir noch keine Kleinkinderschule haben können, die der Waldorfschule vorausgeht, daß wir die Kinder nehmen müssen im 6., 7. Jahre — wir können es eben nicht, weil wir dazu kein Geld haben. Aber das Ideal ist natürlich, die Kinder so früh als möglich in die Erziehung hereinzubekommen.
[ 27 ] Wenn wir die Kinder in die Volksschule, in die Elementarschule hinein bekommen, haben wir sie als Seelen vor uns, das heißt, das Wesentlichste ihrer physischen Erziehung ist bis zum Zahnwechsel geleistet oder auch nicht geleistet, je nachdem die Instinkte der Eltern und Erzieher das verstanden haben. So daß wir also sagen können: das Wesentlichste der physischen Erziehung, die ja später fortgesetzt werden wird — wir werden es schon sehen, indem ich die einzelnen Phasen der Erziehung schildern werde -, das Wesentlichste aber, die Grundlage, ist bis zum Zahnwechsel gegeben. Dann haben wir es mit dem Kinde als Seele zu tun, und wir haben seine Seelenentwickelung so zu leiten, daß die physische Entwickelung daran stark, kräftig wird.
[ 27 ] Wenn wir die Kinder in die Volksschule, in die Elementarschule hinein bekommen, haben wir sie als Seelen vor uns, das heißt, das Wesentlichste ihrer physischen Erziehung ist bis zum Zahnwechsel geleistet oder auch nicht geleistet, je nachdem die Instinkte der Eltern und Erzieher das verstanden haben. So daß wir also sagen können: das Wesentlichste der physischen Erziehung, die ja später fortgesetzt werden wird — wir werden es schon sehen, indem ich die einzelnen Phasen der Erziehung schildern werde -, das Wesentlichste aber, die Grundlage, ist bis zum Zahnwechsel gegeben. Dann haben wir es mit dem Kinde als Seele zu tun, und wir haben seine Seelenentwickelung so zu leiten, daß die physische Entwickelung daran stark, kräftig wird.
[ 28 ] Und wenn das Kind über die Geschlechtsreife schreitet, dann schreitet es in das Zeitalter hinein, wo man nicht mehr sagen darf, «Kind», wo also die jungen Herren und die jungen Damen nun zur freien Handhabe ihres Geistes kommen. So schreitet der Mensch vom Leiblichen durch das Seelische in das Geistige hinein.
[ 28 ] Und wenn das Kind über die Geschlechtsreife schreitet, dann schreitet es in das Zeitalter hinein, wo man nicht mehr sagen darf, «Kind», wo also die jungen Herren und die jungen Damen nun zur freien Handhabe ihres Geistes kommen. So schreitet der Mensch vom Leiblichen durch das Seelische in das Geistige hinein.
[ 29 ] Aber das Geistige, wir werden sehen, kann man eigentlich nicht erziehen. Das muß man in Freiheit in die Welt hinaus entlassen. Geistiges kann der Mensch nur vom Leben lernen. Bei dem Kinde der Elementarschule haben wir es zu tun mit der Seele des Kindes. Aber Seele, seelischer Inhalt äußert sich, ich möchte sagen, in groben Linien im Denken, im Fühlen, im Wollen. Und versteht man aus dem Fundamente heraus, wie in dem ganzen Menschen Denken, Fühlen und Wollen als Seelenleben drinnen ist, so bildet das die Grundlage für die ganze Menschenerziehung.
[ 29 ] Aber das Geistige, wir werden sehen, kann man eigentlich nicht erziehen. Das muß man in Freiheit in die Welt hinaus entlassen. Geistiges kann der Mensch nur vom Leben lernen. Bei dem Kinde der Elementarschule haben wir es zu tun mit der Seele des Kindes. Aber Seele, seelischer Inhalt äußert sich, ich möchte sagen, in groben Linien im Denken, im Fühlen, im Wollen. Und versteht man aus dem Fundamente heraus, wie in dem ganzen Menschen Denken, Fühlen und Wollen als Seelenleben drinnen ist, so bildet das die Grundlage für die ganze Menschenerziehung.
[ 30 ] Gewiß, das Einmaleins ist noch nicht die Mathematik, aber man muß das Einmaleins zuerst kennen, dann kann man hinaufkommen zu der Differential- und Integralrechnung. In der Erziehung ist es ein anderes — ich sage nicht, daß ich mit demjenigen, was ich nun auseinandersetzen werde, eine ungeheuer hohe Wissenschaft charakterisiere, sondern die Grundlage charakterisiere ich. Die hohe Wissenschaft, die kann nun nicht so aufgebaut werden, wie die Differential- und Integralrechnung aus der elementaren Mathematik, sondern die muß aufgebaut werden aus der praktischen Handhabung dessen, was der Lehrer oder Erzieher in der Schule mit diesen einfachen elementaren Richtlinien tut.
[ 30 ] Gewiß, das Einmaleins ist noch nicht die Mathematik, aber man muß das Einmaleins zuerst kennen, dann kann man hinaufkommen zu der Differential- und Integralrechnung. In der Erziehung ist es ein anderes — ich sage nicht, daß ich mit demjenigen, was ich nun auseinandersetzen werde, eine ungeheuer hohe Wissenschaft charakterisiere, sondern die Grundlage charakterisiere ich. Die hohe Wissenschaft, die kann nun nicht so aufgebaut werden, wie die Differential- und Integralrechnung aus der elementaren Mathematik, sondern die muß aufgebaut werden aus der praktischen Handhabung dessen, was der Lehrer oder Erzieher in der Schule mit diesen einfachen elementaren Richtlinien tut.
[ 31 ] Wenn man gewöhnlich vom menschlichen Seelenleben spricht, so sagt man sich heute in diesem materialistischen Zeitalter, wenn man überhaupt eine Seele zugibt - man hat ja auch schon gesprochen von einer Psychologie, einer Seelenkunde ohne Seele —, aber wenn man überhaupt eine Seele noch zugibt, so sagt man: Nun, die Seele ist eben etwas, was man innerlich seelisch erfährt, und das hängt — auf Philosophisches will ich jetzt nicht eingehen — mit dem ganzen menschlichen Leibe in irgendeiner Weise zusammen. Ja, wenn man dann in unserer so ausgezeichnet ausgebildeten Psychologie sich umsieht, so findet man, daß vor allen Dingen das seelische Leben, Denken, Fühlen, Wollen, bezogen wird heute auf das Nervensystem des Menschen in weitestem Umfange. Nervenleben ist dasjenige, was körperlich das Seelenleben zur Offenbarung bringt, was als Körperliches zusammenhängt mit dem seelischen Leben.
[ 31 ] Wenn man gewöhnlich vom menschlichen Seelenleben spricht, so sagt man sich heute in diesem materialistischen Zeitalter, wenn man überhaupt eine Seele zugibt - man hat ja auch schon gesprochen von einer Psychologie, einer Seelenkunde ohne Seele —, aber wenn man überhaupt eine Seele noch zugibt, so sagt man: Nun, die Seele ist eben etwas, was man innerlich seelisch erfährt, und das hängt — auf Philosophisches will ich jetzt nicht eingehen — mit dem ganzen menschlichen Leibe in irgendeiner Weise zusammen. Ja, wenn man dann in unserer so ausgezeichnet ausgebildeten Psychologie sich umsieht, so findet man, daß vor allen Dingen das seelische Leben, Denken, Fühlen, Wollen, bezogen wird heute auf das Nervensystem des Menschen in weitestem Umfange. Nervenleben ist dasjenige, was körperlich das Seelenleben zur Offenbarung bringt, was als Körperliches zusammenhängt mit dem seelischen Leben.
[ 32 ] Das ist es eben, was sich mir vor 35 Jahren als unrichtig ergeben hat, als unrichtig insofern, als von unserem seelischen Leben des erwachsenen Menschen - ich betone das ausdrücklich, denn ich werde das Kind nicht betrachten können, ohne daß wir erst den erwachsenen Menschen verstehen -, als von unserem Seelenleben beim erwachsenen Menschen nur das Denken, das Vorstellen mit dem Nervensystem unmittelbar zusammenhängt. Das Nervenleben hat nur zu tun mit der Vorstellung.
[ 32 ] Das ist es eben, was sich mir vor 35 Jahren als unrichtig ergeben hat, als unrichtig insofern, als von unserem seelischen Leben des erwachsenen Menschen - ich betone das ausdrücklich, denn ich werde das Kind nicht betrachten können, ohne daß wir erst den erwachsenen Menschen verstehen -, als von unserem Seelenleben beim erwachsenen Menschen nur das Denken, das Vorstellen mit dem Nervensystem unmittelbar zusammenhängt. Das Nervenleben hat nur zu tun mit der Vorstellung.
[ 33 ] Das Fühlen hängt nicht unmittelbar mit dem Nervensystem zusammen, sondern mit dem, was man nennen kann das rhythmische System des Menschen, Rhythmus, Atmungsrhythmus, Blutzirkulationsrhythmus in ihrer wunderbaren Relation. Natürlich sind die Zahlen nur approximativ; sie sind so, daß sie sich bei jedem Menschen individualisieren, aber im ganzen ist beim erwachsenen Menschen die Sache so, daß er viermal so viele Pulsschläge hat als Atemzüge. Dieses innerlich aufeinander Bezogensein von Atmungsrhythmus und Pulsrhythmus, und dieses wiederum auf das weiter ausgedehnte rhythmische Leben des Menschen Bezogensein, das macht das Rhythmische im Menschen aus, die zweite Natur gegenüber der des Hauptes, der Nervennatur. Das rhythmische System, es dehnt sich auch aus über jenen Rhythmus, den wir erleben, indem wir schlafen und wachen. Das ist auch ein Lebensrhythmus, den wir sehr oftmals im heutigen Leben zu einem Unrhythmus machen, aber es ist auch ein Rhythmus. Und viele solche Rhythmen sind noch da im menschlichen Leben. Das menschliche Leben ist nicht nur auf dasjenige aufgebaut, was Nervenleben ist, es ist auch auf dieses rhythmische Leben aufgebaut. Und unmittelbar so, wie mit dem Nervenleben das Denkvermögen, die Denkkraft, zusammenhängt, so hängt unmittelbar mit diesem rhythmischen System das Fühlen zusammen.
[ 33 ] Das Fühlen hängt nicht unmittelbar mit dem Nervensystem zusammen, sondern mit dem, was man nennen kann das rhythmische System des Menschen, Rhythmus, Atmungsrhythmus, Blutzirkulationsrhythmus in ihrer wunderbaren Relation. Natürlich sind die Zahlen nur approximativ; sie sind so, daß sie sich bei jedem Menschen individualisieren, aber im ganzen ist beim erwachsenen Menschen die Sache so, daß er viermal so viele Pulsschläge hat als Atemzüge. Dieses innerlich aufeinander Bezogensein von Atmungsrhythmus und Pulsrhythmus, und dieses wiederum auf das weiter ausgedehnte rhythmische Leben des Menschen Bezogensein, das macht das Rhythmische im Menschen aus, die zweite Natur gegenüber der des Hauptes, der Nervennatur. Das rhythmische System, es dehnt sich auch aus über jenen Rhythmus, den wir erleben, indem wir schlafen und wachen. Das ist auch ein Lebensrhythmus, den wir sehr oftmals im heutigen Leben zu einem Unrhythmus machen, aber es ist auch ein Rhythmus. Und viele solche Rhythmen sind noch da im menschlichen Leben. Das menschliche Leben ist nicht nur auf dasjenige aufgebaut, was Nervenleben ist, es ist auch auf dieses rhythmische Leben aufgebaut. Und unmittelbar so, wie mit dem Nervenleben das Denkvermögen, die Denkkraft, zusammenhängt, so hängt unmittelbar mit diesem rhythmischen System das Fühlen zusammen.
[ 34 ] Es ist nicht so, daß das Fühlen sich auch direkt im Nervenleben auslebt, sondern das Fühlen lebt sich direkt im rhythmischen System aus. Und wenn wir anfangen vorzustellen unser eigenes rhythmisches System, wenn wir vorstellen unsere Gefühle, dann nehmen wir als Vorstellungen durch die Nerven unsere Gefühle wahr, wie wir äußerlich das Licht, die Farben wahrnehmen. Es ist also indirekt, daß das Fühlen mit dem Nervenleben zusammenhängt. Direkt hängt es mit dem rhythmischen Leben zusammen, und man versteht einfach den Menschen nicht, wenn man nicht weiß, wie der Mensch atmet, wie die Atmung im Verhältnis steht zur Blutzirkulation, und wie sich dieser ganze Rhythmus ausdrückt im Menschen, wenn er als Kind leicht errötet, leicht blaß ist, was alles mit dem rhythmischen Leben zusammenhängt, was sich wiederum absetzt in den kindlichen Leidenschaften, in den kindlichen Empfindungen und Liebegefühlen. Wenn man das nicht weiß, was da unmittelbar in dem rhythmischen Leben lebt, und was nur hinaufprojiziert wird ins Nervenleben und so zur Vorstellung wird, dann versteht man den Menschen nicht. Man versteht den Menschen nicht, wenn man sagt: Seelenleben hängt zusammen mit Nervenleben; denn vom Seelenleben hängt nur das Denkleben mit dem Nervenleben zusammen.
[ 34 ] Es ist nicht so, daß das Fühlen sich auch direkt im Nervenleben auslebt, sondern das Fühlen lebt sich direkt im rhythmischen System aus. Und wenn wir anfangen vorzustellen unser eigenes rhythmisches System, wenn wir vorstellen unsere Gefühle, dann nehmen wir als Vorstellungen durch die Nerven unsere Gefühle wahr, wie wir äußerlich das Licht, die Farben wahrnehmen. Es ist also indirekt, daß das Fühlen mit dem Nervenleben zusammenhängt. Direkt hängt es mit dem rhythmischen Leben zusammen, und man versteht einfach den Menschen nicht, wenn man nicht weiß, wie der Mensch atmet, wie die Atmung im Verhältnis steht zur Blutzirkulation, und wie sich dieser ganze Rhythmus ausdrückt im Menschen, wenn er als Kind leicht errötet, leicht blaß ist, was alles mit dem rhythmischen Leben zusammenhängt, was sich wiederum absetzt in den kindlichen Leidenschaften, in den kindlichen Empfindungen und Liebegefühlen. Wenn man das nicht weiß, was da unmittelbar in dem rhythmischen Leben lebt, und was nur hinaufprojiziert wird ins Nervenleben und so zur Vorstellung wird, dann versteht man den Menschen nicht. Man versteht den Menschen nicht, wenn man sagt: Seelenleben hängt zusammen mit Nervenleben; denn vom Seelenleben hängt nur das Denkleben mit dem Nervenleben zusammen.
[ 35 ] Dasjenige, was ich hier sage, sage ich aus der unmittelbaren Anschauung, wie sie sich ergibt für die geistige Wahrnehmung. Für diese geistige Anschauung gibt es nicht in demselben Sinne Beweise, wie für das rein intellektualistische Denken. Aber jeder, der unbefangen aufnimmt die Anschauung, kann sie auch nachprüfen mit seinem gesunden Menschenverstand, und vor allen Dingen mit demjenigen, was die äußere Wissenschaft über diese Dinge sagt.
[ 35 ] Dasjenige, was ich hier sage, sage ich aus der unmittelbaren Anschauung, wie sie sich ergibt für die geistige Wahrnehmung. Für diese geistige Anschauung gibt es nicht in demselben Sinne Beweise, wie für das rein intellektualistische Denken. Aber jeder, der unbefangen aufnimmt die Anschauung, kann sie auch nachprüfen mit seinem gesunden Menschenverstand, und vor allen Dingen mit demjenigen, was die äußere Wissenschaft über diese Dinge sagt.
[ 36 ] Ich kann durchaus hinzufügen zu dem, was ich schon gesagt habe: ein großer Teil der Arbeit, der mir oblag in den 35 Jahren, in denen ich zu verifizieren hatte die ursprüngliche Konzeption über diese Gliederung der Menschennatur, wie ich sie jetzt vortrage, ein großer Teil der Zeit war Arbeit, nachzusehen auf allen Gebieten der Physiologie, der Naturwissenschaft sonst, der Biologie, ob die Dinge auch äußerlich naturwissenschaftlich verifiziert werden können. Ich würde das heute nicht vortragen, wenn ich diese Handhabe nicht hätte. Und es kann durchaus darauf hingewiesen werden, daß manches von dem, was ich sage, auch naturwissenschaftlich mit den heutigen Dingen schon nachzuweisen ist.
[ 36 ] Ich kann durchaus hinzufügen zu dem, was ich schon gesagt habe: ein großer Teil der Arbeit, der mir oblag in den 35 Jahren, in denen ich zu verifizieren hatte die ursprüngliche Konzeption über diese Gliederung der Menschennatur, wie ich sie jetzt vortrage, ein großer Teil der Zeit war Arbeit, nachzusehen auf allen Gebieten der Physiologie, der Naturwissenschaft sonst, der Biologie, ob die Dinge auch äußerlich naturwissenschaftlich verifiziert werden können. Ich würde das heute nicht vortragen, wenn ich diese Handhabe nicht hätte. Und es kann durchaus darauf hingewiesen werden, daß manches von dem, was ich sage, auch naturwissenschaftlich mit den heutigen Dingen schon nachzuweisen ist.
[ 37 ] Dann haben wir als drittes dem Denkleben und dem Gefühlsleben gegenüber das Willensleben. Und dieses Willensleben hängt wiederum nicht direkt mit dem Nervensystem zusammen, sondern dieses Willensleben hängt direkt mit dem menschlichen Stoffwechsel und mit den menschlichen Bewegungen zusammen. Stoffwechsel ist sehr innig gebunden an die Bewegung. Beachten Sie all das, was aus dem Stoffwechsel eines Menschen wird, der sich nicht richtig bewegt für sein Gliedmaßensystem. Das Bewegungssystem und das Stoffwechselsystem führe ich an als das dritte Glied der menschlichen Organisation. Damit hängt unmittelbar das Willensleben zusammen.
[ 37 ] Dann haben wir als drittes dem Denkleben und dem Gefühlsleben gegenüber das Willensleben. Und dieses Willensleben hängt wiederum nicht direkt mit dem Nervensystem zusammen, sondern dieses Willensleben hängt direkt mit dem menschlichen Stoffwechsel und mit den menschlichen Bewegungen zusammen. Stoffwechsel ist sehr innig gebunden an die Bewegung. Beachten Sie all das, was aus dem Stoffwechsel eines Menschen wird, der sich nicht richtig bewegt für sein Gliedmaßensystem. Das Bewegungssystem und das Stoffwechselsystem führe ich an als das dritte Glied der menschlichen Organisation. Damit hängt unmittelbar das Willensleben zusammen.
[ 38 ] Jede Willensentfaltung im Menschen ist begleitet von einer besonderen Form der Stoffwechselvorgänge. Es ist viel unmittelbarer an den Stoffwechsel der Wille gebunden als etwa das Denken. Natürlich muß der Mensch einen gesunden Stoffwechsel haben, wenn er gesund denken soll. Aber unmittelbar ist das Denken an eine ganz andere Tätigkeit im Nervensystem gebunden, als die Stoffwechseltätigkeit ist, während der Wille des Menschen unmittelbar an den Stoffwechsel gebunden ist. Und dieses Gebundensein an den Stoffwechsel, das ist wiederum dasjenige, was man kennen muß. Wenn wir nun Vorstellungen von unserem eigenen Willen aufnehmen, wenn wir denken über den Willen, dann projiziert sich die Stoffwechseltätigkeit ins Nervensystem hinein. Erst mittelbar, indirekt, wirkt Wille im Nervensystem. Zur Wahrnehmung unserer eigenen Willenstätigkeit ist dasjenige, was sich im Nervensystem in bezug auf den Willen entwickelt.
[ 38 ] Jede Willensentfaltung im Menschen ist begleitet von einer besonderen Form der Stoffwechselvorgänge. Es ist viel unmittelbarer an den Stoffwechsel der Wille gebunden als etwa das Denken. Natürlich muß der Mensch einen gesunden Stoffwechsel haben, wenn er gesund denken soll. Aber unmittelbar ist das Denken an eine ganz andere Tätigkeit im Nervensystem gebunden, als die Stoffwechseltätigkeit ist, während der Wille des Menschen unmittelbar an den Stoffwechsel gebunden ist. Und dieses Gebundensein an den Stoffwechsel, das ist wiederum dasjenige, was man kennen muß. Wenn wir nun Vorstellungen von unserem eigenen Willen aufnehmen, wenn wir denken über den Willen, dann projiziert sich die Stoffwechseltätigkeit ins Nervensystem hinein. Erst mittelbar, indirekt, wirkt Wille im Nervensystem. Zur Wahrnehmung unserer eigenen Willenstätigkeit ist dasjenige, was sich im Nervensystem in bezug auf den Willen entwickelt.
[ 39 ] Und so bekommen wir, wenn wir den Menschen wirklich durchschauen, die Beziehungen zwischen dem Seelischen und dem Physischen des Menschen. Denktätigkeit im Seelischen offenbart sich im Physischen als Nerventätigkeit; Fühlenswesen in der Seele offenbart sich im Physischen im Rhythmus des Atmungssystems, des Blutsystems, und zwar direkt, nicht indirekt auf dem Umwege des Nervensystems, durch das Nervensystem. Willenstätigkeit offenbart sich in der physischen Menschennatur in einem feinen Stoffwechsel. Es ist wesentlich, die feinen Stoffwechselprozesse zu kennen, die immer vor sich gehen als eine Art von Verbrennungsprozeß im Menschen, wenn Willenstätigkeit sich entwickelt.
[ 39 ] Und so bekommen wir, wenn wir den Menschen wirklich durchschauen, die Beziehungen zwischen dem Seelischen und dem Physischen des Menschen. Denktätigkeit im Seelischen offenbart sich im Physischen als Nerventätigkeit; Fühlenswesen in der Seele offenbart sich im Physischen im Rhythmus des Atmungssystems, des Blutsystems, und zwar direkt, nicht indirekt auf dem Umwege des Nervensystems, durch das Nervensystem. Willenstätigkeit offenbart sich in der physischen Menschennatur in einem feinen Stoffwechsel. Es ist wesentlich, die feinen Stoffwechselprozesse zu kennen, die immer vor sich gehen als eine Art von Verbrennungsprozeß im Menschen, wenn Willenstätigkeit sich entwickelt.
[ 40 ] Hat man diese Begriffe, die ich jetzt nur in einigen Richtlinien andeuten konnte — sie werden durch ihre Anwendung, die sich uns in den nächsten Tagen ergeben wird, in allen Einzelheiten klar werden -, hat man diese elementaren Richtlinien, dann öffnet sich einem das Auge für alles dasjenige, was einem auch in der kindlichen Natur entgegentritt. Denn in der kindlichen Natur ist es noch nicht so. Zum Beispiel, das Kind ist ganz Sinnesorgan, eigentlich ganz Kopf, wie ich schon auseinandergesetzt habe.
[ 40 ] Hat man diese Begriffe, die ich jetzt nur in einigen Richtlinien andeuten konnte — sie werden durch ihre Anwendung, die sich uns in den nächsten Tagen ergeben wird, in allen Einzelheiten klar werden -, hat man diese elementaren Richtlinien, dann öffnet sich einem das Auge für alles dasjenige, was einem auch in der kindlichen Natur entgegentritt. Denn in der kindlichen Natur ist es noch nicht so. Zum Beispiel, das Kind ist ganz Sinnesorgan, eigentlich ganz Kopf, wie ich schon auseinandergesetzt habe.
[ 41 ] Insbesondere ist es für eine Anschauung der spirituellen Erkenntnis interessant zu sehen, wie das Kind anders schmeckt als der Erwachsene. Der Erwachsene, indem er das Schmecken schon in die Vorstellung einbezogen hat, er schmeckt auf der Zunge und gibt sich dann Aufschluß darüber, wie der Geschmack ist. Das Kind - in den allerersten Lebenswochen namentlich — schmeckt mit dem ganzen Körper. Das Geschmacksorgan geht durch den ganzen Organismus. Es schmeckt mit dem Magen, es schmeckt noch, wenn der Nahrungssaft von den Lymphgefäßen aufgenommen wird und in den ganzen Organismus übergeht. Das Kind ist ganz durchdrungen von Schmecken, wenn es an der Mutterbrust liegt. Das ist dasjenige, was uns darauf hinweist, wie, ich möchte sagen, das Kind durchleuchtet und durchglänzt wird von dem Schmecken, von einem Seelischen, das wir später nicht mehr im ganzen Leibe noch haben, das wir später nur im Kopfe noch haben.
[ 41 ] Insbesondere ist es für eine Anschauung der spirituellen Erkenntnis interessant zu sehen, wie das Kind anders schmeckt als der Erwachsene. Der Erwachsene, indem er das Schmecken schon in die Vorstellung einbezogen hat, er schmeckt auf der Zunge und gibt sich dann Aufschluß darüber, wie der Geschmack ist. Das Kind - in den allerersten Lebenswochen namentlich — schmeckt mit dem ganzen Körper. Das Geschmacksorgan geht durch den ganzen Organismus. Es schmeckt mit dem Magen, es schmeckt noch, wenn der Nahrungssaft von den Lymphgefäßen aufgenommen wird und in den ganzen Organismus übergeht. Das Kind ist ganz durchdrungen von Schmecken, wenn es an der Mutterbrust liegt. Das ist dasjenige, was uns darauf hinweist, wie, ich möchte sagen, das Kind durchleuchtet und durchglänzt wird von dem Schmecken, von einem Seelischen, das wir später nicht mehr im ganzen Leibe noch haben, das wir später nur im Kopfe noch haben.
[ 42 ] Und so lernen wir das kleine Kind, so lernen wir auch das größere Kind anschauen, wenn wir wissen, das eine Kind errötet leichter bei dem oder jenem, das andere wird blaß bei dem oder jenem, das eine Kind gerät leicht in eine gewisse Emotion hinein, bewegt seine Glieder leicht; das eine tritt stark auf, das andre trippelt fast nur und so weiter. Wenn wir diese Grundlinien haben, daß wir wissen können, wo irgend etwas sitzt, ob im Stoffwechselsystem, indem es seelisch im Wollen zum Ausdrucke kommt, ob im rhythmischen System, indem es seelisch im Fühlen zum Ausdrucke kommt, oder im Nervensystem, indem es seelisch im Denken zum Ausdrucke kommt, dann lernen wir das Kind beobachten, dann wissen wir erst, wohin wir die Augen zu richten haben.
[ 42 ] Und so lernen wir das kleine Kind, so lernen wir auch das größere Kind anschauen, wenn wir wissen, das eine Kind errötet leichter bei dem oder jenem, das andere wird blaß bei dem oder jenem, das eine Kind gerät leicht in eine gewisse Emotion hinein, bewegt seine Glieder leicht; das eine tritt stark auf, das andre trippelt fast nur und so weiter. Wenn wir diese Grundlinien haben, daß wir wissen können, wo irgend etwas sitzt, ob im Stoffwechselsystem, indem es seelisch im Wollen zum Ausdrucke kommt, ob im rhythmischen System, indem es seelisch im Fühlen zum Ausdrucke kommt, oder im Nervensystem, indem es seelisch im Denken zum Ausdrucke kommt, dann lernen wir das Kind beobachten, dann wissen wir erst, wohin wir die Augen zu richten haben.
[ 43 ] Sie werden es alle wissen, daß es Leute gibt, die untersuchen gewisse Dinge mit dem Mikroskop. Sie sehen wunderbare Dinge unter dem Mikroskop; aber es gibt auch andere Leute, die noch nicht verstehen, durch das Mikroskop zu schauen; die schauen hinein, wenn sie es auch richten, sie sehen gar nichts. Man muß erst lernen zu sehen, indem man erst das Instrument handhaben muß, durch das man sieht. Dann, wenn man gelernt hat durch das Mikroskop zu sehen, dann sieht man auch das Entsprechende. Man sieht nichts an dem Menschen, wenn man nicht gelernt hat, richtig die geistigen, die seelischen Augen einzustellen nach demjenigen, das dem Denken, nach demjenigen, das dem Fühlen, nach demjenigen, das dem Wollen entspricht. Augenorientierung, das ist es, was auf diese Weise hervorgerufen werden sollte bei der Lehrerschaft der Waldorfschule. Denn erst müssen die Lehrer wissen, wie es sich mit den Kindern verhält, dann können sie die richtige Gesinnung entwickeln, und aus der richtigen Gesinnung heraus, kann dann erst dasjenige kommen, was richtiger Unterricht ist. — Ich mußte dieses von der Dreigliederung des Menschen vorausschicken, damit wir uns eben über die einzelnen tatsächlichen Erziehungsmaßnahmen und Erziehungsmethoden besser verständigen können.
[ 43 ] Sie werden es alle wissen, daß es Leute gibt, die untersuchen gewisse Dinge mit dem Mikroskop. Sie sehen wunderbare Dinge unter dem Mikroskop; aber es gibt auch andere Leute, die noch nicht verstehen, durch das Mikroskop zu schauen; die schauen hinein, wenn sie es auch richten, sie sehen gar nichts. Man muß erst lernen zu sehen, indem man erst das Instrument handhaben muß, durch das man sieht. Dann, wenn man gelernt hat durch das Mikroskop zu sehen, dann sieht man auch das Entsprechende. Man sieht nichts an dem Menschen, wenn man nicht gelernt hat, richtig die geistigen, die seelischen Augen einzustellen nach demjenigen, das dem Denken, nach demjenigen, das dem Fühlen, nach demjenigen, das dem Wollen entspricht. Augenorientierung, das ist es, was auf diese Weise hervorgerufen werden sollte bei der Lehrerschaft der Waldorfschule. Denn erst müssen die Lehrer wissen, wie es sich mit den Kindern verhält, dann können sie die richtige Gesinnung entwickeln, und aus der richtigen Gesinnung heraus, kann dann erst dasjenige kommen, was richtiger Unterricht ist. — Ich mußte dieses von der Dreigliederung des Menschen vorausschicken, damit wir uns eben über die einzelnen tatsächlichen Erziehungsmaßnahmen und Erziehungsmethoden besser verständigen können.
