Fundamental Spiritual and Soul Forces
in the Art of Education
Spiritual Values in Education and Social Life
GA 305
19 August 1922, Oxford
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Spiritual Ground of Education, tr. Harwood
4. Die Erziehung des kleinen Kindes und die Grundstimmung des Erziehers
4. Body Viewed from the Spirit
[ 1 ] Es könnte scheinen, als ob diejenige Erziehungskunst, von der hier gesprochen werden soll, aus dem Praktischen des Lebens herausführen wolle in ein abgelegenes, bloß spirituelles Gebiet, als ob die Entwickelung des Menschen zu sehr nach der spirituellen Seite hin verlegt werden sollte. Das könnte so scheinen nach den Auseinandersetzungen, die ich bisher gemacht habe, und die ja über die spirituelle Grundlage dessen handeln mußten, was der Erzieher sich als Erkenntnisgrundlage aneignen sollte. Aber das ist nur scheinbar. Denn in Wahrheit strebt gerade diejenige Erziehungskunst, welche durch die hier vertretene Weltanschauung erzielt werden soll, nach den allerpraktischsten Lebenszielen. Warum wurde zuerst hier über das Spirituelle im Menschen gesprochen? Weil bei dieser Anschauung alles Sprechen über das Spirituelle darauf abzielt, in erster Linie die Frage zu beantworten: Wie entwickelt man im kindlichen, im jugendlichen Leben den menschlichen physischen Organismus durch die bewußte richtige Behandlung aus einer spirituellen Grundlage heraus?
[ 1 ] It might perhaps appear as if the art of education described in these lectures would lead away from practical life into some remote, purely spiritual region: as though this art of education laid too much stress on the purely spiritual domain. From what I have said so far in describing the spiritual foundation of the education, this might appear to be the case. But this is only in appearance. For in reality the art of education which arises from this philosophy has the most practical objects in view. Thus it should be realised that the main object of speaking of spiritual facts here is to answer the educational question: how can we best develop the physical organism in childhood and youth?
[ 2 ] Zunächst könnte es sogar als ein starker Widerspruch erscheinen, daß eine auf das Spirituelle gerichtete Weltanschauung in bezug auf die Erziehungskunst zu allererst auf die Entwickelung des physischen Organismus den größten Wert legt. Aber man wird diesen Widerspruch in dem Grade gelöst finden, als man auf das ein Augenmerk lenken wird, was hier weiter in der Durchführung des Erziehungsthemas in den nächsten Darstellungen zu sagen sein wird. Durch diese Durchführung wird der Widerspruch leichter hinwegfallen als durch formelhafte Sätze, die hier an dieser Stelle gegeben werden könnten. Vorläufig soll nur bemerkt werden, daß man eigentlich, wenn man in der Gegenwart über Erziehungsfragen spricht, in einer sehr merkwürdigen Lage ist. Denn, findet man viel zu reformieren im Erziehungswesen, so sagt man ja doch eigentlich, daß man mit seiner eigenen Erziehung nicht recht einverstanden ist. Man behauptet im Grunde, daß man sich selbst außerordentlich schlecht erzogen finde. Und nun soll man trotz dieser schlechten Erziehung, die man sich selber zuschreibt, an der man so viel kritisiert, ganz gut wissen, wie man richtig erzieht! Das ist das erste, was gegenwärtig einen Widerspruch in alles reformatorische Sprechen über Erziehungskunst hineinträgt.
[ 2 ] That a spiritual philosophy should consider firstly the development of the physical organism may seem to be a fundamental contradiction. The treatment of my theme in the next few days, however, will do more towards dispelling this contradiction than any abstract statements I could make at the outset. To-day, I would merely like to say that when one speaks on educational questions at the present day one finds oneself in a peculiar situation. For if one sees much that needs reforming in education, it is as much as to say that one is not satisfied with one's own education. One implies that one's own education has been exceedingly bad. And yet, as a product of this very bad education, of this education in which one finds so much to criticise—for other-wise why be a reformer?—one sets up to know the right way to educate! This is the first thing that involves a contradiction.
[ 3 ] Das zweite ist etwas, was einen, wenn man über Erziehungskunst spricht, immer, möchte ich sagen, mit einem leisen Schamgefühl erfüllt. Denn man weiß sich ja, indem man spricht, gegenüber dem Auditorium. Man spricht, wie erzogen werden soll, und daß anders erzogen werden soll, als heute üblich ist. Man sagt also im Grunde immer: Ihr seid alle schlecht erzogen. Und man appelliert sogar an diejenigen, die schlecht erzogen sind, damit in ihnen die Meinung entstehe, es müsse besser erzogen werden. Man setzt also voraus, daß sowohl der Redende wie der Zuhörer eigentlich gut verstehen, wie man erziehen soll, trotzdem sie sich außerordentlich schlecht erzogen fühlen sollen.
[ 3 ] The second thing is one which gives one a slight feeling of shame in face of the audience when speaking on education,—for one realises that one is speaking of what education ought to be and how it must be different from present day practice. So that it amounts to saying: you are all badly educated. And yet one is appealing to those who are badly educated to bring about a better education. One assumes that both the speaker and the audience know very well what good education should be in spite of the fact that they have been exceedingly badly educated.
[ 4 ] Nun, das ist ein Widerspruch. Aber ein solcher, der durchaus durch das Leben selbst gegeben ist. Er kann eigentlich nur durch diejenige Ansicht über Erziehungskunst gelöst werden, die hier vertreten wird. Man kann außerordentlich gut wissen, was an der Erziehung fehlt, und was an ihr besser sein sollte, wie man wissen kann, daß ein Bild gut gemalt ist, ohne daß man jemals die Fähigkeiten in sich entwickeln könnte, selber ein so gutes Bild zu malen. Man wird sich als empfindender Mensch doch immer zuschreiben, daß man die Güte eines Raffaelschen Bildes verstehen könne; aber man wird sich, wenn man nicht Maler ist, nicht zuschreiben, daß man ein Raffaelisches Bild auch malen könne. Ja, das wäre ganz gut, wenn in der Gegenwart die Menschen so denken würden. Aber sie denken nicht so über das Wissen von der Erziehungskunst, das sie haben können; sondern sie fangen an, sogleich auch darüber zu sprechen, wie man erziehen soll. Das aber ist so, wie wenn jemand, der kein Maler ist, auch keiner sein kann, gegenüber einem schlecht gemalten Bilde anfangen wollte zu zeigen, wie man es gut malen sollte.
[ 4 ] Now this is a contradiction, but it is one which life itself presents us, and it can really only be solved by the view of education which is here being described. For one can perfectly well know what is the matter with education and in what respects it should be improved, just as one can know that a picture is well painted without possessing the faintest capacity for painting a picture oneself. You can consider yourself capable of appreciating the merits of a picture by Raphael without thinking yourself capable of painting a Raphael picture. In fact it would be a good thing to-day if people would think like this. But they are not content with merely knowing, where education is concerned, they claim straightaway to know how to educate; as though someone who is no painter and could not possibly become a painter, should set up to show how a badly painted picture should be painted well.
[ 5 ] In dieser Darstellung wird von dem Gesichtspunkte aus gesprochen, daß man nicht nur im allgemeinen zu wissen braucht, was gut erziehen heißt; sondern daß man auch das Technische, dasjenige, was im Speziellen zur Erziehungskunst gehört, als Erzieher und Lehrer so erfassen müsse, wie der Künstler in seiner Kunst. Man muß ein Gefühl davon haben, daß die praktische Handhabung des Unterrichtens und Erziehens in das Bewußtsein aufgenommen werden müsse. Deshalb habe ich in der vorangehenden Darstellung zunächst die elementare Grundlinie der Augeneinstellung für dieses Können klarzulegen versucht; und ich möchte nun in dieser Betrachtung weitergehen. Denn, was für den Maler die Beobachtung und Handhabung von Form und Farbe, das ist für den Erziehungskünstler die Kenntnis von dem spirituellen Wesen des Menschen.
[ 5 ] Now it is here contended that it is not enough to know what good education is but that one must have a grasp of the technique and detail of educational art, one must acquire practical skill. And for this, knowledge and understanding are necessary. Hence yesterday I tried to explain the elementary principles of guidance in this ability, and I will now continue this review.
[ 6 ] Man kann sehr leicht sagen: Der Mensch entwickelt sich in seinem Leben im Sinne seiner Anlagen und in Anpassung an seine Umgebung; und er entwickelt sich so, daß sukzessive in seinem Leben die veranlagten und erworbenen Kräfte zur Offenbarung kommen. Aber das genügt nicht. Aus der vorangehenden Darstellung kann ersehen werden, daß der Mensch ein dreigliedriges Wesen ist, daß sein Denken gebunden ist an das Nerven-Sinnessystem im Organismus, und zwar ganz im Sinne physischer Abhängigkeit an dieses System gebunden ist. Das Fühlen ist an das rhythmische System, vorzugsweise an das Atmungssystem und an das Zirkulationssystem gebunden; und das Willenssystem hat das Bewegungs- und Stoffwechselsystem zur Grundlage.
[ 6 ] It is easy to say man undergoes development during his lifetime, and that he develops in successive stages. But this is not enough. Yesterday we saw that man is a three-fold being: that his thinking is entirely bound up physically with the nerve-senses-system of his organism, his feeling is bound up with the rhythmic system, particularly the breathing and circulation system, and that his will is bound up with the system of movement and metabolism.
[ 7 ] Diese drei Systeme im Menschen entwickeln sich so, daß jedes ein anderes Zeitmaß einhält, und daß der Höhepunkt dieser Entwickelung bei jedem in eine andere Lebensepoche fällt. In dem ersten Lebensalter, bis zum Zahnwechsel hin — ich habe es schon ausgesprochen -, ist das Kind in einem mehr als sinnbildlichen Sinne ganz Sinnesorgan. Es ist gewissermaßen ganz Kopf; und alle seine Entwickelung geht vom Nerven-Sinnessystem aus. Da liegen die Ursprungsstellen für die formenden Kräfte des ganzen Organismus. Das Nerven-Sinnessystem durchdringt als Hauptakteur den ganzen Organismus; und alle Eindrücke der Außenwelt wirken durch den ganzen Organismus hindurch, während sie im späteren Leben nur an der Peripherie des Sinnessystems physisch, aber weiter in den Körper hinein bloß seelisch wirken.
[ 7 ] The development of these three systems in man is not alike. Throughout the different epochs of life they develop in different ways. During the first epoch which extends to the change of teeth—as I have repeatedly stated—the child is entirely sense organ, entirely head, and all its development proceeds from the nerve-senses system. The nerve-senses system permeates the whole organism; and all impressions of the outside world affect the whole organism, work right through it, just as, later in life, light acts upon the eye.
[ 8 ] Man möchte sagen: Der reife Mensch ist so organisiert, daß das Licht mit seinen physischen Wirkungen im Auge halt macht und daß es weiter hinein in den Organismus nur die vom Gefühl durchdrungene Vorstellung vom Lichte schickt. Beim Kinde ist es so, daß gewissermaßen jedes Blutkörperchen innerlich vom Lichte physisch erregt wird. Man darf diese Wirkungen allerdings nicht so verstehen, als ob sie mit groben physischen Methoden nachweisbar seien. Das Kind ist noch ganz den Wirkungen derjenigen ätherischen Essenzen hingegeben, die im späteren Leben nur an der Oberfläche des Leibes, in den Sinnesorganen wirken, damit der Mensch innerlich etwas ganz anderes entwickeln könne. Das Kind bis zum Zahnwechsel ist durch den ganzen Organismus hindurch Sinn; der mehr erwachsene Mensch ist an seiner Oberfläche Sinn, im Inneren Seele. Man beachte das in konkreten Einzelheiten. Derjenige, der als erwachsener Mensch einem ganz jungen Kinde, einem Säugling zugesellt ist, der wird als Mensch mit seinem ganzen inneren Erleben zum Erzieher des Kindes. Angenommen, es befinde sich an der Seite des Kindes ein sorgenvoller Mensch, ein solcher, der auch Grund hat, Sorgen zu entwickeln. Beim reifen Menschen kommt nur schwach dasjenige zur Offenbarung, was als physische Wirkung dieser seelischen Sorgen in Konstitution, Mimik und Bewegung in seinem Körper ist. Wenn wir Sorge haben, so ist immer unser Mund etwas trocken. Und wenn bei gewissen Menschen die Sorge habituell wird, wenn sie dauert, dann gehen diese mit immer trockenem Munde, mit klebender Zunge, mit einem bitteren Geschmack im Munde herum; sogar mit leichter Atembeklemmung. Beim erwachsenen Menschen sind diese physischen Zustände nur leise Untertöne des Lebens.
[ 8 ] In other words, in an adult light comes to a standstill in the eye, and only sends the idea of itself, the concept of light, into the organism. In a child it is as if every little blood corpuscle were inwardly illumined, were transfused with light—to express it in a somewhat exaggerated and pictorial way. The child is as yet entirely exposed to those etheric essences, (effluvia), which in later life we arrest at the surface of our bodies, in the sense organs,—while we develop inwardly something of an entirely different nature. Thus a child is exposed to sense impressions in a far greater degree than is the adult. Observe a concrete instance of this: take a person who has charge of the nurture of a very young child, perhaps a tiny baby; a person with his own world of inner experience. Let us suppose the person m charge of the child is a heavy hearted being, one to whom life has brought sorrow. In the mature man the physical consequences of the experiences he has been through will not be obvious, but will leave only faint traces. When we are sad our mouth is always a little dry. And when sadness becomes a habitual and continuous state, the sorrowful person goes about with dry mouth, with parched tongue, with a bitter taste in the mouth and even a chronic catarrh. In the adult these physical conditions are merely faint undertones of life.
[ 9 ] Das Kind, das neben den Erwachsenen heranwächst, ist aber ein Imitator auch der schwächsten physischen Zustände des Erziehers. Es richtet sich ganz nach dem physiognomischen Ausdruck, nach dem, was es wahrnimmt, nach der Art und Weise, wie der Erwachsene sorgenvoll spricht, sorgenvoll empfindet, ein, weil es ja ganz Sinnesorgan ist. Imponderable Wechselwirkungen spielen sich ab zwischen dem Erwachsenen und dem Kinde. Hat der Erwachsene Sorge, die seelisch ist, aber sich in den physischen Folgezuständen offenbart, so nimmt das Kind als Imitator die physischen Folgen wahr und gestaltet das eigene Innere darnach, wie sich das Auge mit der Lichtwirkung durchdringt. Das Kind nimmt eine innerliche Geste, eine innerliche Mimik auf, was sich durch die klebrige Zunge, den bitteren Geschmack offenbart. Es entwickelt sich bei ihm durch den ganzen Organismus hindurch ein konstitutioneller Abdruck des physischen Erlebens beim Erwachsenen. Es nimmt das in die Länge gezogene Blaßwerden des Gesichtes an, das der sorgenvolle Erwachsene hat, aber es kann den seelischen Inhalt der Sorge nicht in sich aufnehmen; es imitiert nur die physische Folge der Sorge. Und das Ergebnis ist, daß beim Kinde sogleich seine physische Konstitution von den geistigen Formkräften, die im Sinnes-Nervensystem ihren Sitz haben, ergriffen wird. Die inneren physischen und feineren Organe bauen sich im Sinne dessen auf, was das Kind an physischem Abbild der Sorge in sich aufgenommen hat. Es bekommt einen zur Sorge disponierten Organismus, der später auch leicht Lebenseindrücke in Sorge aufnimmt, die eine andere Konstitution nicht dazu treiben.
[ 9 ] The child who is growing up in the company of the adult is an imitator; he models himself entirely on the physiognomy of the adult, on what he perceives:—on the adult's sad manner of speaking, his sad feelings. For there is a subtle interplay betwixt child and adult, an interplay of imponderables. When we have an inner sadness and all its physical consequences, the child being an imitator, takes up these physical effects through inward gestures: through an inward mimicry he takes up the parched tongue, the bitter taste in the mouth; and this—as I pointed out yesterday—flows through the whole organism. He absorbs the paleness of the long sad face of the adult. The child cannot imitate the soul content of the sorrow, but it imitates the physical effects of the sorrow. And the result is that, since the spirit is still working into the child's whole organism, his whole organism will be permeated in such a manner as to build up his organs in accordance with the physical effects which he has taken up into himself. Thus the very condition of the child's organism will make a sad being of him. In later life he will have a particular aptitude for perceiving everything that is sad or sorrowful. Such is the fine and delicate knowledge that one must have in order to educate in a proper way.
[ 10 ] Das Kind wird auf diese Art zu einem sorgenvollen Menschen durch seinen physischen Organismus erzogen. Solche Erkenntnisse von feineren Lebenswirkungen muß man haben, wenn man im richtigen Sinne Erzieher sein will. Es sind dies für Lehrer und Erzieher Vorbedingungen wie für den Maler die Beobachtungsgabe für Farbenwirkungen.
[ 10 ] Not translated
[ 11 ] In der charakterisierten Art spielt sich das Leben des Kindes bis zum Zahnwechsel ab. Es ist ein innerer Kampf, der sich da im kindlichen Menscheninnern abspielt. Man bekommt allerdings nur ein richtiges Urteil über diesen Kampf durch die Erkenntnis der spirituellen Seite der Welt und des Menschen. Es ist, mehr äußerlich angesehen, ein Kampf zwischen den vererbten Eigenschaften des Menschen und zwischen seiner Anpassung an die Welt, die ihn umgibt, während er kleines Kind ist.
[ 11 ] This is the manner of a child's life up to the changing of the teeth. It is entirely given up to what its organism has absorbed from the adults around it. And the inner conflict taking place here is only perceptible to spiritual science; this struggle which goes on can only be described as the fight between inherited characteristics and adaptation to environment.
[ 12 ] Der Mensch wird mit gewissen vererbten Eigenschaften geboren. Das kann jeder erkennen, der imstande ist, das Kind zu beobachten in seinen ersten Lebenstagen und Jahren. Darüber wird ja auch in der anerkannten Wissenschaft viel gesprochen; und man sucht die Einzelheiten des Vererbungsverhältnisses durch die äußere Beobachtung zu erforschen. Die Vererbung ist in der allerersten Lebenszeit des Kindes das Wichtigste; aber immer mehr und mehr tritt die Anpassung des Menschen an die Welt auf. Es werden die vererbten Eigenschaften allmählich so umgestaltet, daß der Mensch nicht nur das in sich trägt, was er von seinen Eltern und Voreltern vererbt hat, sondern daß er offen ist durch alle seine Sinne, durch seine Seele, durch seinen ganzen Geist, der Welt seiner Umgebung. Sonst wird er ein Mensch, der in einem weltfremden Wesen erstarrt, ein Mensch, der nur das will, was im Sinne seiner vererbten Eigenschaften liegt und einen Gegensatz zu der Welt seiner Umgebung bildet. Der Grad von Befriedung am Leben, der ihm sonst zukäme, wird herabgemindert.
[ 12 ] We are born with certain inherited characteristics.—This can be seen by anybody who has the opportunity of observing a child during its first weeks or years. Science has produced an extensive teaching on this subject.—But the child has more and more to adapt itself to the world. Little by little he must transform his inherited characteristics until he is not merely the bearer of a heredity from his parents and ancestors, but is open in his senses and soul and spirit to receive what goes on at large in his environment. Otherwise he would become an egotistic man, a man who only wants what accords with his inherited characteristics.
[ 13 ] Aber man muß Menschen erziehen, die eindrucksfähig sind für alles dasjenige, was in der Welt vorgeht, die jeden Tag, wenn sie etwas Neues sehen, ihre Empfindungen, ihre Urteile nach diesem Neuen modifizieren können. Nur solche Menschen werden nicht eigensüchtig in ihr Inneres verschlossen sein, sondern frei und offen der Welt entgegentreten; und nur das macht tauglich, um mit Welt und Menschen zusammen in dem Leben wirken zu können.
[ 13 ] Now we have to educate men to be susceptible to all that goes on in the world: men who each time they see a new thing can bring their judgment and their feelings to meet this new thing. We must not educate men to be selfishly shut up within themselves, we must educate men to meet the world with a free and open mind, and to act in accordance with the demands of the world.
[ 14 ] In demjenigen Erzieher und Lehrer wird eine rechte Beobachtungsgabe für solche Dinge sein, der seine Gesinnung aus der Erkenntnis des spirituellen Menschen heraus sich bildet, in der Art, wie ich es in der vorangehenden Betrachtung angegeben habe. Man muß in allen Einzelheiten beobachten können, wie in den ersten Lebensjahren des Kindes die Vererbung in einem inneren Kampf liegt mit der Anpassung an die Welt.
[ 14 ] This attitude is the natural outcome of such a position as I described yesterday.
[ 15 ] Man versuche nur einmal, mit ganzer menschlicher erkennender Hingabe den wunderbaren Prozeß zu studieren, der sich abspielt, indem die ersten Zähne ersetzt werden durch die zweiten. Inden ersten Zähnen liegt ein Vererbtes vor. Sie sehen fast so aus, als ob sie für die Welt äußerlich unbrauchbar wären. Und über jeden vererbten Zahn stülpt sich nach und nach ein anderer darüber. Bei diesem Darüberstülpen wird die Form des ersten Zahnes benützt; aber die Form des zweiten Zahnes, der dann bleibt, wird etwas anders, wird angepaßt der Welt. Was da mit den Zähnen geschieht, das geht mit dem gesamten Organismus des Kindes in diesem Lebensalter vor sich. Der Zahnwechsel ist nur ein Symptom für andere Vorgänge, die allerdings nicht so offen vor Augen liegen. Das Kind wird zur Zeit seines Zahnwechsels aus einem Vererbungswesen ein Weltwesen. Der Mensch trägt, indem er in die Welt hineingeboren wird, einen vererbten Organismus in sich. Er stülpt im Laufe der ersten sieben Lebensjahre einen neuen Organismus darüber. Indem dieser ganze Vorgang physisch ist, ist er zugleich die Wirkung des Geistigen und Seelischen im Kinde. Und jemand, der neben dem Kinde als Erzieher wirkt, muß versuchen, dieses Geistig-Seelische so zu lenken und zu leiten, daß es nicht gegen den gesunden Organismus sich entfaltet, sondern in der Richtung dieses Organismus. Man muß also als Erzieher wissen, was geistig-seelisch vorgehen muß mit dem Kinde, damit dieses einen gesunden Organismus über den vererbten Organismus darüberstülpt. Man muß für das Geistige des Kindes das Notwendige tun und wissen, daß man gerade dadurch das Physische in der rechten Art versorgt, weil das Geistige der Bildner des Physischen dadurch wird. Wenn man den Gedanken, den ich in der Einleitung dieses Vortrages angedeutet habe, weiter verfolgt, so kommt man auch noch dazu, das Folgende einzusehen: Man geht als Lehrer, als Erzieher in eine Schulklasse hinein. Man darf sich doch wirklich nicht vorstellen, daß man einer der allergescheitesten Menschen ist. Man darf sich doch höchstens nur als relativ gescheit ansehen. Es bringt das gewiß den Lehrer dazu, eine wahrhaft gesunde Gesinnung zu haben. Indem man mit einem solchen Bewußtsein in die Schulklasse hineingeht, muß man sich sagen: Unter den Kindern, die ich zu erziehen habe, kann ein ganz gescheiter sein, einer, der viel gescheiter ist später im Leben, als ich bin. Wenn man den, der dazu veranlagt ist, einmal viel gescheiter zu sein, als man selbst ist, nur bis zu dem Grade der Gescheitheit erziehen wollte, den man selber hat, so würde man ihn so erziehen, daß er hinter dem zurückbliebe, was er hätte werden können. Das darf auf keinen Fall geschehen. Richtig ist, daß man denjenigen, der zu solcher Gescheitheit veranlagt ist, so erziehe, daß er später im Leben viel gescheiter wird, als man selbst ist. Man muß so erziehen können, daß Anlagen ausgebildet werden, die man selbst gar nicht hat. Das heißt aber: Es gibt etwas im Menschen, was man als Erzieher oder Lehrer überhaupt nicht erfassen kann. Das ist etwas, dem man mit scheuer Ehrfurcht gegenüberstehen soll; und das sich durch die Erziehungskunst entfaltet, ohne daß man es wie ein Abbild der eigenen Fähigkeiten in den Zögling von sich aus hineinbringt. Das aber führt auf die richtige Antwort auf die Frage, die soeben aufgeworfen worden ist.
[ 15 ] Thus we must observe in all its details the inner struggle which takes place during the child's early years between heredity and adaptation to environment. Try to study with the utmost human devotion the wonderful process that goes on where the first teeth are replaced by the second. The first teeth are an inherited thing. They seem almost unsuitable for the outer world. They are inherited. Gradually above each inherited tooth another tooth is formed. In the modelling of this tooth the form of the first tooth is made use of, but the form of the second tooth, which is permanent, is a thing adapted to the world. I always refer to this process of the teeth as characteristic of this particular period of life, up to the seventh year. But it is only one symptom. For what takes place in the case of the teeth conspicuously, because the teeth are hard organs, is taking place throughout the organism. When we are born into the world we bear within us an inherited organism. In the course of the first seven years of our life we model a new organism over it. The whole process is physical. But while it is physical it is the deed of the spirit and soul within the child. And we who stand at the child's side must endeavour so to guide this soul and spirit that it goes with and not against the health of the organism. We must therefore know what spiritual and psychic processes have to take place for the child to be able to model a healthy organism in the stead of the inherited organism. We must know and do a spiritual thing in order to promote a physical thing.
[ 16 ] Wenn man als erwachsener Mensch im Leben steht, weiß man oftmals außerordentlich gut, was als Richtiges zu tun ist; man kann es aber nicht ausführen. Man fühlt nicht die Kraft dazu. Es ist manchmal dasjenige recht verborgen in dem Menschen, was ihn kraftlos macht gegenüber dem, was er tun soll. Eine wahre Menschenkenntnis ergibt dann, daß es der physische Organismus ist, der irgendwo so etwas sitzen hat, wie die Imitation der Sorge, die ich charakterisiert habe. Diese Imitation hat sich dem Organismus einverleibt; es ist eine gewohnheitsmäßige Orientierung im Leben durch den physischen Organismus entstanden. Es kann aber der Fall eintreten, daß die Welt etwas von dem Menschen verlangt, das gar nicht seiner Organisation im Sinne der Sorge entspricht. Aber die ist durch den Verkehr mit dem Erzieher entstanden. Man hat die Folge der in der Kindheit durch Nachahmung erworbenen Haltung des Sorgen-Organismus zu tragen. Man muß, wenn man Erziehungskunst ausüben will, in solch feine Zusammenhänge des Lebens hineinschauen können. -— Wenn man das richtig versteht, dann sagt man sich: Der Erziehende, der Unterrichtende hat vor allen Dingen die Aufgabe, den Körper des Menschen so gesund zu gestalten, als er nur gesund gestaltet werden kann; das heißt, alles dasjenige an dem Spirituellen des Zöglings zu pflegen, wodurch der physische Organismus des Menschen im späteren Leben ein möglichst geringes Hindernis ist für dasjenige, was der Geist will. Es ist also von dem Erzieher zu fordern, daß er sich in der Ausübung seiner Kunst verhält wie der Gärtner, der eine Pflanze in den Boden setzt und pflegt. Dieser kann in die Wachstumskräfte der Pflanze nichts von seinem eigenen Wesen hineingießen. Er muß der Pflanze nur Gelegenheit geben, daß sie ihre Eigenkräfte entfalten kann. So muß die Erziehungskunst darin bestehen, daß der Erzieher die Gelegenheiten herbeiführt, durch die sich der Zögling frei entfalten kann. Sie wird dann auch die Möglichkeit bieten, daß ein Zögling frei höhere Anlagen entwickeln kann, als sie der Lehrer hat, und daß der physische Organismus des Zöglings nicht das Abbild von dem des Lehrers wird.
[ 16 ] And now, if we follow up what I said to you to-day in the introduction we come to something else. Suppose that as a teacher or educator we enter a classroom. Now we must never think that we are the most intelligent of human beings, men at the summit of human intelligence—that, indeed, would mean that we were very bad teachers. We really should think ourselves only comparatively intelligent. This is a sounder state of mind than the other. Now with this state of consciousness we enter the classroom. But as we go in we must say to ourselves: there may be among the children a very intelligent being, one who in later life will be far more intelligent than we. Now if we, who are only comparatively intelligent, should bring him up to be only as intelligent as ourselves, we should be making him a copy of ourselves. That would be quite wrong. For the right thing would be so to educate this very intelligent individual that he may grow up to be far more intelligent than we are ourselves or ever could be. Now this means that there is something in a man which we may not touch, something we must regard with sensitive reverence if we are to exercise the art of education rightly. And this is part of the answer to the question I asked. Often, in earlier life, we know exceedingly well what we ought to do—only we cannot carry it out. We feel unequal to it. What it is that prevents us from doing what we ought to do is generally very obscure. It is always some condition of the physical organism,—for example, an imitated disposition to sadness such as I spoke of. The organism has incorporated this, it has become habitual. We want to do some-thing which does not suit an organism with a bent to sadness. Yet such is our organism. In us we have the effects of the parched tongue and bitter taste from our childhood, now we want to do something quite different and we feel difficulty.
[ 17 ] Inwiefern die Einsicht in die spirituelle Wesenheit des Menschen als Grundlage dienen kann bei der Pflege des physischen Organismus, lehrt auch ein Blick auf die Entwickelungsstufe, welche die naturwissenschaftliche Erkenntnis gegenwärtig erreicht hat. Man kann überhaupt sagen, daß für eine richtige Anschauung von dieser Erkenntnis sich auf vielen Gebieten zeigt, daß die hier skizzierte Wissenschaft von der geistigen Seite der Welt sich ohne Phantastik als die notwendige Fortsetzung der Naturwissenschaft ergibt. Man sieht diese Notwendigkeit nur so lange nicht, als man das naturwissenschaftliche Denken bloß mit den Ergebnissen der Sinnesbeobachtung und des mechanischen Experimentierens erfüllt. Aber mit Erkenntnissen, die sich daraus ergeben, läßt sich keine Grundlage für Menschenerziehung gewinnen. Denn im Menschen werden die natürlichen Vorgänge von den spirituellen Kräften auf eine höhere Stufe gehoben.
[ 17 ] If we realise the full import of this we shall say to our-selves: the main task of the teacher or educator is to bring up the body to be as healthy as it possibly can be; this means, to use every spiritual measure to ensure that in later life a man's body shall give the least possible hindrance to the will of his spirit. If we make this our purpose in school we can develop the powers which lead to an education for freedom. The extent to which spiritual education works healthily upon the physical organism, and thus upon man as a whole, can be seen particularly well when the great range of facts provided by our magnificent modern natural science is brought together and co-ordinated in a manner only possible to spiritual science.
[ 18 ] Man nehme eine einzelne Tatsache. Es ist außerordentlich bedeutsam, was zum Beispiel der englische Arzt Dr. Clifford Allbutt seinen Untersuchungen über den Einfluß der Sorge auf die Entwickelung innerer Organe, besonders der Nieren, entnommen hat. Menschen, die viel unter dem Einfluß der Sorge stehen, zeigen nach einiger Zeit eine Verkümmerung der Nierenfunktionen. Solch ein schönes naturwissenschaftliches Ergebnis führt auf einen Weg nach der Erforschung der geistigen Seite der Welt hin. Aber der Weg muß weitergegangen werden. Und das kann nur durch geisteswissenschaftliche Methoden geschehen. Durch sie wird der ganze Mensch als spirituelle Wesenheit anschaulich erfaßt, und es wird dadurch erst das richtige Licht auf solch eine naturwissenschaftliche Einzeltatsache geworfen.
[ 18 ] It then becomes apparent how one can work in the spirit for the healing of man. To take a single instance. The English doctor, Dr. Clifford Albert, has said a very significant thing about the influence of grieving and sadness in human beings upon the development of their digestive organs, and—in particular—upon the kidneys. People who have a lot of trouble and grief in life show signs after a time of malformation of the kidneys, deformed kidneys. This has been very finely demonstrated by the physician Dr. Clifford Albert. That is a finding of natural science.
[ 19 ] In der Erziehungskunst kann man mit solchen von der Naturwissenschaft dargebotenen Einzeltatsachen erst etwas anfangen, wenn man sie von dem Gesichtspunkte aus anschaut, von dem sich das Gesamtbild des Menschen als eines geistig-seelischen Wesens zeigt. Von diesem Gesichtspunkte aus schaut man aber auch die Wirksamkeit des physischen Organismus unter dem Einfluß des Spirituellen. Mit einer solchen Einsicht verhält man sich richtig neben dem Kinde.
[ 19 ] The important thing is that one should know how to use a scientific discovery like this in educational practice. One must know, as a teacher or educator, that if one lets the child imitate one's own sorrow and grief, then through one's sorrowful bearing one is damaging the child's digestive system to the utmost degree. In so far as we let our sorrow overflow into the child we damage its digestive system.
[ 20 ] Es ist das Tragische unserer materialistisch orientierten Zeit, daß sie äußerlich angesehen viele physische Tatsachen entdeckt, aber deren Zusammenhang nicht hat, der im Geistigen liegt. Die Erkenntnis dieser Zeit richtet alle Blicke auf das Physische; aber es fehlt ihr die Einsicht in die Bedeutung des Physischen, des Materiellen. Von der materialistisch orientierten Wissenschaft kann gerade die Bedeutung des Materiellen nicht durchschaut werden. Die Erforschung des Materiellen ohne Sinn für das Geistige, das das Materielle erst beleuchtet, ist wie das Herumtasten in einem finstern Zimmer. Die Wissenschaft vom Spirituellen wird gerade das Hereinwirken des Geistes in das Physische überall zeigen. Wenn in dieser Richtung die Erkenntnis sich betätigt, wird man nicht ein mystisch Erträumtes als Geist anbeten, sondern man wird den Geist verfolgen in alle einzelnen Betätigungen innerhalb der materiellen Welt. Denn nur, wenn man den Geist als den schöpferischen, als die Materie überall schaffenden erkennt, pflegt man wahre Erkenntnis; nicht, wenn man als Mystiker einen im Wolkenkuckucksheim thronenden abstrakten Geist anbetet und im übrigen alles Materielle in einem ungeistigen Weltensein erblickt.
[ 20 ] You see, this is the tragedy of this materialistic age, that it discovers many physical facts,—if you take the external aspect, but it lacks the connections between them;—it is this very materialistic science which fails to perceive the significance of the physical and material. What spiritual science can do is to show, on all hands, how spirit and what is spiritual work within the physical realm. Then instead of yearning in dreamy mysticism for castles in the clouds, one will be able to follow up the spirit in all its details and singular workings. For one is a spiritual being only when one recognises spirit as that which creates, as that which everywhere works upon and shapes the material:—not when one worships some abstract spirit in the clouds like a mystic, and for the rest, holds matter to be merely the concern of the material world.
[ 21 ] Man muß ganz durchschauen, wie im ganz kleinen Kinde, ungefähr bis zu seinem 7. Jahre die Nerven-Sinnestätigkeit, rhythmische, Atmungs- und Zirkulationstätigkeit, Bewegungstätigkeit und Stoffwechseltätigkeit überall ineinander wirken, aber so, daß die Nerven-Sinnestätigkeit das Beherrschende ist. Beim Kinde sind Atmungs-, Blutbewegungsrhythmus, Stoffwechseltätigkeit Vorgänge, die in ihrem Wesen nur durchschaut werden, wenn man in ihnen die Nerven-Sinnestätigkeit fortschwingend schaut.
[ 21 ] Hence it is actually a matter of coming to realise how in a young child, up to the seventh year, nerve-senses activity, rhythmic breathing and circulation activity, and the activity of movement and metabolism are everywhere interplaying:—only the nerve-senses activity predominates, it has the upper hand; and thus the nerve-senses activity in a child always affects his breathing.
[ 22 ] Schaut das Kind ein Antlitz an, das sorgenvoll durchfurcht ist, so wirkt das zunächst auf das Kind als Sinneseindruck. Aber dieser springt über auf die Art seines Atmens, von da auf seinen ganzen Bewegungs- und Stoffwechselapparat.
[ 22 ] If a child has to look at a face that is furrowed with grief, this affects his senses to begin with; but it reacts upon the manner of his breathing, and hence in turn, upon his whole movement and metabolic system.
[ 23 ] Wenn man das Kind in dem Lebensalter nach dem Zahnwechsel zu erziehen hat, also ungefähr nach dem 7. Jahre, dann überwiegt in ihm nicht mehr das Nerven-Sinnessystem herrschend wie zuvor. Dieses sondert sich nunmehr von der anderen Körpertätigkeit relativ ab; es wendet sich mehr der Außenwelt zu. Es tritt mehr an die Oberfläche der physischen Organisation. Vom Zahnwechsel bis zur Geschlechtsreife ist im Kinde vorzugsweise das rhythmische System herrschend. Und das muß vor allen Dingen für die Elementarschule berücksichtigt werden.
[ 23 ] If we take a child after the change of teeth, that is after about the seventh year, we find the nerve-senses system no longer preponderating; this has now become more separate, more turned towards the outer world. In a child between the change of teeth and puberty it is the rhythmic system which preponderates, which has the upper hand. And it is most important that this should be borne in mind in the primary school.
[ 24 ] Man hat in der Elementarschule Kinder zwischen dem Zahnwechsel und der Geschlechtsreife. Da muß man wissen: Man wirkt mit allem Unterricht und aller Erziehung vor allen Dingen auf das rhythmische System. Jede Betätigung am Kinde ist falsch, die wirken will auf etwas anderes als dieses rhythmische System. Was aber wirkt auf das rhythmische System und in diesem? Es wirkt dasjenige, was in künstlerischen Formen und in künstlerischer Betätigung an den Menschen herantritt.
[ 24 ] For in the primary school we have children between the change of teeth and puberty. Hence we must know here: the essential thing is to work with the child's rhythmic system, and everything which works upon some-thing other than the rhythmic system is wrong. But now what is it that works upon the rhythmic system? It is art that works upon the rhythmic system, everything that is conveyed in artistic form.
[ 25 ] Man bedenke, wie mit dem rhythmischen System alles Musikalische verbunden ist. Musik lebt als Rhythmus, der sich im rhythmischen System des Menschen selber fortsetzt. Der innere Mensch selber wird Leier, wird Violine. Sein gesamtes rhythmisches System prägt in sich dasjenige aus, was die Violine, was das Klavier musikalisch entfaltet.
[ 25 ] Consider how much everything to do with music is connected with the rhythmic system. Music is nothing else but rhythm carried over into the rhythmic system of the human being himself. The inner man himself becomes a lyre, the inner man becomes a violin.
[ 26 ] Und wie mit dem Musikalischen, ist es denn auch auf eine feinere, intimere Weise mit der Plastik und mit dem Malerischen. Auch die Farbenharmonien, die Farbenmelodien werden nachgelebt im Inneren des Menschen als innere Vorgänge des rhythmischen Organsystems.
[ 26 ] His whole rhythmic system reproduces what the violin has played, what has sounded from the piano. And as in the case of music, so it is also, in a finer, more delicate way, in the case of plastic art, and of painting. Colour harmonies and colour melodies also are reproduced and revived as inner rhythmic processes in the inner man.
[ 27 ] Sollen wir in der rechten Weise neben dem Kinde als Erzieher, als Unterrichter stehen, so müssen wir wissen, daß wir für dieses Lebensalter künstlerisch den gesamten Unterrichtsstoff an das Kind heranbringen müssen. Es ist das Wesentliche für die Elementarschule, bei Kindern den ganzen Unterricht in dem Sinne zu gestalten, daß man an das rhythmische System des Kindes sich richtet. Man soll mit allem Unterricht und aller Erziehung neben dem Kinde sich so verhalten, daß dieses unter dem Eindruck unseres Verhaltens sein rhythmisches System frei und harmonisch entfaltet.
[ 27 ] If our instruction is to be truly educational we must know that throughout this period everything that the child is taught must be conveyed in an artistic form. According to Waldorf School principles the first consideration in the elementary school period is to compose all lessons in a way that appeals to the child's rhythmic system.
[ 28 ] Wie wenig man das heute berücksichtigt, das ersieht man daraus, daß naturwissenschaftlich ungeheuer wertvolle Resultate über die Wesenheit der kindlichen Organisation angestrebt werden, die ohne Rücksicht auf das Spirituelle interpretiert und dann für den Unterricht verwertet werden.
[ 28 ] How little this is regarded to-day can be seen from the number of excellent scientific observations which are continuously being accumulated and which sin directly against this appeal to the rhythmic system.
[ 29 ] Man macht Versuche in der experimentellen Psychologie. Man will wissen, wie schnell das Kind bei dieser oder jener Tätigkeit ermüdet, und man will den Unterricht nach diesen Erkenntnissen über die Ermüdung einrichten. Als naturwissenschaftliche Erkenntnisse sind die Ergebnisse dieser experimentellen Psychologie sehr gut und wertvoll. Für den Unterricht wird man sie erst anwenden dürfen, wenn man sie im Lichte einer Anschauung über die spirituelle Menschenwesenheit erkennt.
[ 29 ] Research is carried on in experimental psychology to find out how soon a child will tire in one activity or another; and the instruction must take account of this fatigue. This is all very fine, splendid, as long as one does not think spiritually. But if one thinks spiritually the matter appears in a very different light. The experiments can still be made. They are very good.
[ 30 ] Gegen die Vortrefflichkeit der naturwissenschaftlichen Experimente auf diesem Gebiete soll hier nichts eingewendet werden. Aber wenn man die ganze Sache im Lichte des spirituellen Denkens sieht, dann sagt man sich: Wenn das Kind, das zwischen dem Zahnwechsel und der Geschlechtsreife steht, in einem gewissen Grade ermüdet wird, so hast du in nicht richtiger Weise auf sein rhythmisches System, sondern auf ein anderes System eingewirkt. Denn das rhythmische System wird das ganze Leben hindurch nicht müde. Das Herz schlägt das ganze Leben hindurch Tag und Nacht. Müde wird der Mensch durch sein Intellektualistisches und durch sein Stoffwechsel- und Bewegungssystem. Wenn man weiß, daß man in dem charakterisierten Lebensalter auf das rhythmische System einwirken muß, dann durchschaut man auch, daß die Experimente über die Ermüdung zeigen, wo man unrichtig gehandelt hat, wo man nicht genug auf das rhythmische System Rücksicht genommen hat. Findet man ein zu stark ermüdetes Kind, so muß man sich sagen: Du mußt etwas machen zur Gestaltung des Unterrichtes, durch das er nicht ermüdend auf das Kind wirkt. Denkt man nicht spirituell, so wird man auf die Ermüdung durch alle möglichen anderen Mittel Rücksicht nehmen wollen, nicht aber für ihre Vermeidung durch die Gestaltung des Unterrichtes sorgen.
[ 30 ] Nothing is said here against the excellence of natural science. But one says: if the child shows a certain degree of fatigue in the period between its change of teeth and puberty, you have not been appealing, as you should do, to the rhythmic system, but to some other system. For throughout life the rhythmic system never tires. Throughout the whole of life the heart beats night and day. It is in his intellectual system and in his metabolic system that a man becomes tired. When we know that we have to appeal to his rhythmic system we know that what we have to do is to work artistically (Manuscript defective.); and the experiments on fatigue show where we have gone wrong, where we have paid too little attention to the rhythmic system. When we find a child has got overtired we must say to ourselves: How can you contrive to plan your lesson so that the child shall not get tired? It is not that one sets up to condemn the modern age and says: natural science is bad, we must oppose it. The spiritual man has no such intention. He says rather: we need the higher outlook because it is just this that makes it possible to apply the results of natural science to life.
[ 31 ] Es kommt nicht darauf an, heute aufzutreten und zu sagen: Unsere Naturwissenschaft ist schlecht; man muß sie bekämpfen. — Das fällt dem spirituell Denkenden gar nicht ein. Aber er sagt: Wir brauchen gerade die höheren Gesichtspunkte, um die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse im Leben anzuwenden. — Und das, was hier für die physische Seite des Lebens gezeigt worden ist, mehr für die eine Seite des Lebens, das waltet auch in der seelischen Seite und im moralischen Wesen des Menschen.
[ 31 ] If we now turn to the moral aspect, the question is how we can best get the child to develop moral impulses. And here we are dealing with the most important of all educational questions. Now we do not endow a child with moral impulses by giving him commands, by saying: you must do this, this has to be done, this is good,—by wanting to prove to him that a thing is good, and must be done.
[ 32 ] Man möchte sagen: Gerade daß man das Kind allmählich dahin bringen kann, moralische Impulse in sich in der richtigen Weise zu entfalten, das ist die größte, die bedeutsamste Erziehungsfrage. Aber moralische Impulse bringen wir nicht in das Kind hinein, wenn wir ihm Gebote geben, wenn wir ihm sagen: Das sollst du tun; das soll so geschehen, das ist gut - und ihm mit dem Appell an seinen Intellekt beweisen wollen, daß irgend etwas sein soll und gut ist. Oder indem wir ihm sagen: Das ist schlecht, das ist böse, das sollst du nicht tun — und wir ihm beweisen wollen, daß das schlecht ist. Das, wie sich der Mensch intellektuell zu dem Guten und Bösen stellt, zu der ganzen moralischen Weltordnung, das soll erst erwachen. Und es erwacht erst, wenn mit der Geschlechtsreife das rhythmische System im wesentlichen seine Dienste in der ganzen menschlichen Entwickelung getan hat, und das Intellektuelle dann reif wird zur vollständigen Entfaltung. Es treten nur dann die richtigen moralischen Impulse im Menschen mit der notwendigen Kraft auf, wenn er im rechten Reifezustande die innerliche Befriedigung erlebt, an dem Dasein selbst sich ein moralisches Urteil bilden zu können. Nicht darum handelt es sich, moralische Urteile zu überliefern, sondern darum, die Keime zum Bilden von eigenen Moralkräften zu pflegen. Das moralische Urteil soll man dem Kinde nicht einimpfen. Man soll es so vorbereiten, daß das Kind, wenn es mit der Geschlechtsreife zur vollen Urteilsfähigkeit erwacht, an der Beobachtung des Lebens sich selber das moralische Urteil bilden kann. Das erreicht man am wenigsten, wenn man das fertige Gebot dem Kinde übermittelt. Man erreicht es aber, wenn man durch das Vorbild oder das Vor-Augen-Stellen von Vorbildern wirkt. Man gebe dem Kinde durch die Schilderung solcher Menschen, die gut gewesen sind oder gut sind, oder durch phantasiegemäß ausgestaltete gute Menschen Bilder für das Gute. Dadurch lebt im Kinde das rhythmische System in seiner Erfassung des Guten mit. Das Kind erlebt im Auf- und Abwogen von Gefühlen, die in feiner Weise in dem rhythmischen System fortvibrieren. Und dadurch, daß das rhythmische System in dieser Lebensepoche beim Kinde besonders wirksam ist, kann sich entwickeln das Gefallen oder Mißfallen über das Gute und Böse. Es wird nicht an den Intellekt appelliert, sondern an die Sympathie mit dem Guten, das im Bilde dem Kinde vor die Seele tritt, und an die Antipathie gegenüber dem Bösen. Dadurch wird die Seele so vorbereitet, daß das Gefühlsurteil später zum intellektuellen Urteil im rechten Alter ausreifen kann. Nicht auf die Vermittlung des «Du sollst» kommt es an, sondern darauf, daß man in dem Kinde ein ästhetisches Urteil hervorruft, so daß ihm das Gute gefällt, es mit ihm Sympathie hat, und daß es Mißfallen, Antipathie gegenüber dem Bösen hat, wenn sein Empfinden den moralischen Tatsachen gegenübersteht.
[ 32 ] Or by saying: That is bad, that is wicked, you must not do that,—and by wanting to prove that a certain thing is bad. A child has not as yet the intellectual attitude of an adult towards good and evil, towards the whole world of morality,—he has to grow up to it. And this he will only do on reaching puberty, when the rhythmic system has accomplished its essential task and the intellectual powers are ripe for complete development. Then the human being may experience the satisfaction of forming moral judgment in contact with life itself. We must not engraft moral judgment onto the child. We must so lay the foundation for moral judgment that when the child awakens at puberty he can form his own moral judgment from observation of life. The last way to attain this is to give finite commands to a child. We can achieve it however if we work by examples, or by presenting pictures to the child's imagination: for instance through biographies or descriptions of good men or bad men; or by inventing circumstances which present a picture, an imagination of goodness to the child's mind. For, since the rhythmic system is particularly active in the child during this period, pleasure and displeasure can arise in him, not judgment as to good and evil,—but sympathy with the good which the child beholds presented in an image,—or antipathy to the evil which he beholds so presented. It is not a case of appealing to the child's intellect, of saying ‘Thou shalt’ or ‘Thou shalt not,’ but of fostering aesthetic judgment, so that the child shall begin to take pleasure in goodness, shall feel sympathy when he sees goodness, and feel dislike and antipathy when he beholds evil. This is a very different thing from working on the intellect, by way of precepts formulated by the intellect. For the child will only be awake for such precepts when it is no longer our business to educate him, namely, when he is a man and learns from life itself. And we should not rob the child of the satis-faction of awakening to morality of his own accord. And we shall not do this if we give him the right preparation during the rhythmic period of his life; if we train him to take an aesthetic pleasure in goodness, an aesthetic dislike of evil; that is, if also here, we work through imagery.
[ 33 ] Es ist ein großer Unterschied, ob man so verfährt oder ob man auf die Intellektualität wirkt durch die intellektualistisch formulierten Gebote, für die das Kind erst später erwachen soll, wenn es bereits der Erziehung entwachsen ist, wenn es schon ein Mensch sein soll, der vom Leben erzogen wird. Man verkümmert in der menschlichen Organisation etwas, wenn man den Menschen nicht so vorbereitet, daß er zur rechten Zeit die innere Befriedigung erlebt, zur moralischen Kraft zu erwachen. Verfährt man anders, als dargestellt worden ist, so wird er zum Moralischen nicht erwachen, sondern im entsprechenden Alter nur eine abstrakte Erinnerung daran haben können, was als Moralgebot bei anderen Geltung hat. Man gibt dem Kinde die rechte Vorbereitung während seiner rhythmischen Lebenszeit, wenn man es zum ästhetischen Gefallen an dem Guten und ästhetischen Mißfallen an dem Bösen bringt, denn im ästhetischen Empfinden liegt der Keim, aus dem das Intellektuelle sich entfalten soll. Ein direkt entwickeltes intellektuelles Urteil ist wie eine Blume, die von ihrem Stamme und ihrer Wurzel abgeschnitten ist.
[ 33 ] Not translated
[ 34 ] Das Kind fühlt sich, wenn es erwacht nach der Geschlechtsreife, und nur die Erinnerungen an fertige moralisch-intellektuelle Urteile hat, innerlich versklavt. Es sagt sich vielleicht nicht, daß es innerlich versklavt ist, aber es fehlt ihm für das ganze spätere Leben jene ungeheuer wichtige Erfahrung für das Leben, die sich in dem dunklen Gefühl ausspricht: das Moralische ist in mir an dem Leben selbst erwacht; das moralische Urteil habe ich mir selbst entfaltet; es ist das meinige.
[ 34 ] Otherwise, when the child awakens after puberty he will feel an inward bondage, He will not perhaps realise this bondage consciously, but throughout his subsequent life he will lack the important experience: morality has awakened within me, moral judgment has developed. We cannot attain this inner satisfaction by means of abstract moral instruction, it must be rightly prepared by working in this manner for the child's morality.
[ 35 ] Daß diese innere Befriedigung im späteren Leben erfahren werden kann, das wird nicht durch einen abstrakten Moralunterricht erreicht, das muß in der richtigen Weise vorbereitet werden.
[ 35 ] Not translated
[ 36 ] So kommt es überall in der Erziehung und im Unterrichten auf das «Wie» an. Und man kann sowohl für das Leben, das mehr auf die Außenwelt hingewendet ist, wie auch für das nach der moralischen Welt hingewendete Leben sagen, daß nur dann richtig erzogen und unterrichtet wird, wenn der Erzieher aus der Einsicht in das Spirituelle beobachten kann, was sich durch die Lebensalter hindurch im SinnesNervensystem, im rhythmischen, im Atmungs-, im Zirkulationssystem, und im Stoffwechsel- und Bewegungssystem im einzelnen und im Zusammenwirken dieser Systeme abspielt. Man muß vom Geiste aus unterzutauchen verstehen in die Physis, und beobachten können, wie der Geist fortwährend wellt und webt im Physischen.
[ 36 ] Thus it is everywhere a case of ‘how’ a thing is done. And we can see this both in that part of life which is concerned with the external world and that part of life concerned with morality: both when we study the realm of nature in the best way, and when we know how best morals can be laid down in, the rhythmic system—in the system of breathing and blood circulation. If we know how to enter with the spirit into what is physical, and if we can come to observe how spirit weaves continuously in the physical, we shall be able to educate in the right way.
[ 37 ] Wenn die Erkenntnis vom Wesen des Menschen zunächst gesucht werden muß für die Unterrichts- und Erziehungskunst, so handelt es sich für das praktische Leben doch darum, welche Gesinnung, welche Seelenverfassung in dem Lehrer, in dem Erziehenden vorhanden ist gerade dadurch, daß er eine solche Weltanschauung hat, die im spirituellen Leben wurzelt. Eine solche Weltanschauung bleibt nämlich, wenn sie ehrlich erworben ist, nicht bloß ein Gedankensystem, sondern ist von einer Gesinnungsrichtung begleitet. Und welche Gesinnung da hervorgerufen wird in dem Menschen, kann man am besten ersehen, wenn man auf viele unserer Mitmenschen in der gegenwärtigen Zeit hinsieht.
[ 37 ] While a knowledge of man is sought in the erst instance for the art of education and instruction, yet in practice the effect of such a spiritual outlook on the teacher's or educator's state of mind is of the greatest importance. And what this is can best be shown in relation to the attitude of many of our contemporaries.
[ 38 ] Verflossene Zeitalter haben gewiß ihre großen Schattenseiten gehabt; und man sollte vieles durchaus nicht wiederum herbeiwünschen, was in verflossenen Zeiten an Menschenideen und Menschengesinnung vorhanden war; aber derjenige, der mit einer gewissen Intuition in das geschichtliche Leben der Menschheit hineinblickt, wird dennoch sehen können: wie wenig innere Freudigkeit in die Menschen aus ihrem damaligen Geistesleben kam, und wie bei vielen Menschen der Gegenwart nur aus dem Mangel eines solchen Geisteslebens sich schwere Rätselfragen über alle mögliche Lebensfreudigkeit und Lebenssicherheit verbreiten. Die gegenwärtige Menschheit weiß sich nur in geringem Maße eine Antwort zu geben auf die inneren Schicksalsfragen, die in der Seele quälend sich entwickeln beim Betrachten der Welt. Wenn man in sich selber recht unglücklich ist, berechtigterweise unglücklich, so gibt es doch immer noch die Möglichkeit, hinzuschauen auf irgend etwas im Kosmos, um einen Ausgleich für das innere Unglück zu finden. Es hängt dieses aber davon ab, daß der Mensch im rechten Augenblicke in seiner Seele etwas finden kann, das diesen Ausgleich herbeiführt. Ein inneres Verhältnis zur geistigen Welt kann immer so etwas finden lassen. Eine Weltanschauung, die bloß auf die Sinneswelt gerichtet ist, nicht. Aber der Mensch der Gegenwart ist nicht stark genug, um dann, wenn er durch Persönliches niedergeschlagen ist, sich Trost in der Anschauung des Kosmos zu suchen. Warum? Weil der Mensch heute wenig Gelegenheit findet, in seiner Erziehung, in seiner Entwickelung dasjenige in sich auszubilden, was man nennen möchte: Gefühl der Dankbarkeit dafür, was der Geist des Kosmos dem Menschen gegeben hat.
[ 38 ] Every age has its shadow side, no doubt, and there is much in past ages we have no wish to revive; nevertheless anyone who can look upon the historical life of man with certain intuitive sense will perceive that in this our own age many men have very little inner joy, on the contrary they are beset by heavy doubts and questions as to destiny. This age has less capacity than any other for deriving answers to its problems from out of the universe, the world at large. Though I may be very unhappy in myself, and with good reason, yet there is always a possibility of finding something in the universe which can counterbalance my unhappiness. But modern man has not the strength to find consolation in a view of the universe when his personal situation makes him downcast. Why is this? Because in his education and development modern man has little opportunity to acquire a feeling of gratitude: gratitude namely that we should be alive at all as human beings within this universe. Rightly speaking all our feelings should take their rise from a fundamental feeling of gratitude that the cosmic world has given us birth and given us a place within itself. A philosophy which concludes with abstract observations and does not flow out in gratitude towards the universe is no complete philosophy.
[ 39 ] Eigentlich müßten alle unsere höheren Empfindungen beginnen können mit der Grundempfindung des Dankes dafür, daß uns die kosmische Welt aus sich herausgeboren und in sich hineingestellt hat. Eine Weltanschauung, eine Philosophie, die auf abstrakte Anschauungen sich beschränkt, und nicht ausströmt in Dankbarkeit des Empfindungslebens gegenüber dem Kosmos, ist keine vollständige Philosophie. Sie ist eine Philosophie für die Kopfbetätigung, nicht für das Erleben des ganzen menschlichen Organismus. Eine Kopfbetätigung, die aber den übrigen Organismus nicht erwärmen kann, macht nicht glücklich, sondern unglücklich. Denn sie entwickelt sich wie ein Fremdkörper, wie eine seelische Geschwulst. Das Schlußkapitel einer jeden Philosophie sollte in diesem Gefühle der Dankbarkeit gegenüber den kosmischen Mächten auslaufen. Und wenn der Autor dies auch nicht unmittelbar sagt, so sollte es doch im Leser angeregt werden. Diese Dankbarkeit aber muß vor allen Dingen der Lehrer, der Erzieher haben. Es muß sie auch instinktiv jeder Mensch haben, dem ein Kind zur Erziehung anvertraut ist. Es ist auch das erste Bedeutungsvolle, das durch eine spirituelle Erkenntnis erreicht wird, daß man die Dankbarkeit schöpft für die Tatsache, daß man ein Kind zur Erziehung erhalten hat. Ehrfurcht vor dem geheimnisvollen Wesen des Kindes - Ehrfurcht und Dankbarkeit sind in diesem Punkte nicht zu trennen — muß der Anfang der Gesinnung sein, mit welcher der Erzieher an seine Aufgabe geht. Es gibt nur eine Stimmung gegenüber dem Kinde, welche die richtigen Impulse zum Erziehen und Unterrichten gibt; und das ist gerade dem Kinde gegenüber die religiöse Stimmung.
[ 39 ] The final chapter of every philosophy, in its effect on human feeling at all events, should be gratitude towards the cosmic powers. This feeling is essential in a teacher and educator, and it should be instinctive in every person who has the nurture of a child entrusted to him. Therefore the first thing of importance to be striven for in spiritual knowledge is the acquiring of thankfulness that a child has been given into our keeping by the universe. In this respect reverence for the child, reverence and thankfulness, are not to be sundered. There is only one attitude towards a child which can give us the right impulse in education and nurture and that is the religious attitude, neither more nor less. We feel religious in regard to many things. A flower in the meadow can make us feel religious when we can take it as the creation of the divine spiritual order of the world. In face of lightning lashes in the clouds we feel religious if we see them in relation to the divine spiritual order of the world. And above all we must feel religious towards the child, for it comes to us from the depths of the universe as the highest manifestation of the nature of the universe, a bringer of tidings as to what the world is. In this mood lies one of the most important impulses of educational technique. Educational technique is of a different nature from the technique devoted to un-spiritual things. Educational technique essentially involves a religious moral impulse in the teacher or educator.
[ 40 ] Man empfindet vielem gegenüber religiös. Man empfindet der Blume auf dem Felde gegenüber religiös, wenn wir sie als ein Geschöpf der göttlich-geistigen Weltordnung auf uns wirken lassen. Man empfindet so dem Blitze gegenüber, wenn er in den Wolken zuckt, und wenn man empfinden kann, wie er in der göttlich-geistigen Weltordnung drinnensteht. Man muß so vor allen Dingen empfinden, wenn aus dem tiefen Schoße der Weltenordnung heraus uns die höchstmögliche Offenbarung, durch die gesagt wird, was die Welt ist, einem in dem Kinde entgegentritt. In dieser Stimmung liegt einer der wichtigsten Impulse der Erziehungstechnik.
[ 40 ] Not translated
[ 41 ] Erziehungstechnik ist andere Technik als diejenige, die angewendet wird auf Undurchgeistigtes. Erziehungstechnik setzt überall voraus, daß der Erzieher alles, was er tut, aus religiös-moralischen Impulsen heraus tut. Man kann so empfinden auch einem schlecht veranlagten Kinde gegenüber. Man wird dann nicht mit Antipathie ihm gegenübertreten, sondern mit Tragik.
[ 41 ] Not translated
[ 42 ] Nun wird man vielleicht sagen: in unserer heutigen Zeit, wo man manches, auf das es vielleicht weniger ankommt, so schrecklich objektiv nimmt, gibt es doch noch Leute, welche es als unangemessen empfinden, wenn sie religiös empfinden sollten einem Kinde gegenüber, das sich vielleicht als ein rechter Nichtsnutz auslebt. Man sagt vielleicht: was soll ich tragisch empfinden einem Kinde gegenüber, das sich als ein Nichtsnutz auslebt? In unserer so schrecklich objektiv gesinnten Zeit gestehen sich ja selbst manche Eltern, daß ihre Kinder Nichtsnutze sind, während in früherer Zeit das nicht üblich war; da war jedes Kind für die Eltern «brav». Das war eine bessere Stimmung sogar als die heutige.
[ 42 ] Now you will perhaps say: nowadays, although people are so terribly objective in regard to many things—things possibly of less vital importance—nowadays we shall yet find some who will think it a tragic thing that they should have a religious feeling for a child who may turn out to be a ne'er-do-well. But why must I regard it as a tragedy to have a child who turns out a ne'er-do-well?—To-day, as we said before, there are many parents, even in this terribly objective age, who will own that their children are ne'er-do-wells whereas this was not the case in former times; then every child was good in its parents' eyes. At all events this was a better attitude than the modern one.
[ 43 ] Aber es kann doch eine tragische Stimmung hervorbringen, wenn man als ein Geschenk der göttlich-geistigen Weltordnung, ja als einen Fall von deren höchster Offenbarung ein schwer zu erziehendes Kind bekommt. Wenn man diese Tragik erleben kann, dann führt sie gerade über die Klippen der Erziehungskunst hinweg.
[ 43 ] Nevertheless we do get a feeling of tragedy if we receive as a gift from spiritual worlds, and as a manifestation of the highest, a difficult child. But we must live through this feeling of tragedy. For this very feeling of tragedy will help us over the rocks and crags of education.
[ 44 ] Kann man in Dankbarkeit auch ein ungeartetes Kind empfangen und kann man Tragik darüber empfinden, und kann man gerade aus dieser Tragik den Impuls zur Tat entwickeln, dann empfindet man erst die rechte Dankbarkeit gegenüber der göttlichen Weltenordnung, indem wir auch das Schlimme als ein Göttliches noch begreifen können, wenn auch das Begreifen etwas sehr Kompliziertes ist.
[ 44 ] If we can feel thankfulness even for a naughty child, and feel the tragedy of it, and can rouse ourselves to overcome this feeling of tragedy we shall then be in a position to feel a right gratitude to the divine world; for we must learn to perceive how what is bad can also be a divine thing,—though this is a very complicated matter.
[ 45 ] Dankbarkeit ist vor allen Dingen die Grundstimmung, die den Lehrenden, den Erziehenden durchziehen soll, wenn er in der ersten Lebensepoche bis zum Zahnwechsel der kindlichen Entwickelung gegenübersteht.
[ 45 ] Gratitude must permeate teachers and educators of children throughout the period up to the change of teeth, it must be their fundamental mood.
[ 46 ] Ein neues Element tritt auf in der zweiten Lebensepoche. Diejenige Entwickelung des Kindes, die vor allen Dingen auf das rhythmische System gebaut ist, erfordert, daß alle Tätigkeit des Erziehers einen künstlerischen Charakter hat. Man wird niemals das zustande bringen, was in der Umgebung des Kindes wirken soll, wenn man nicht durchtränken kann die religiöse Stimmung gegenüber dem Kinde, die fortdauern muß, mit einer intensiven Liebe zu unseren Erziehungstaten, unserer Erziehungsaktivität. Denn in dieser Liebe waltet diejenige Kraft, welche den Erzieher zu einer Betätigung führt, welche von dem Kinde ästhetisch-liebend empfunden wird.
[ 46 ] Then we come to that part of a child's development which is based principally on the rhythmic system, in which, as we have seen, we must work artistically in education. This we shall never achieve unless we can join to the religious attitude we have towards the child a love of our educational activity; we must saturate our educational practice with love.
[ 47 ] Vom Zahnwechsel bis zur Geschlechtsreife ist nichts in das Kind hinein wirksam, das nicht beim Erziehenden getragen ist von der Liebe zur Erziehungstat selber. Was man in Liebe als Erzieher ausführt, das wird von dem Kinde in diesem Lebensalter als etwas empfunden, das es sich aneignen muß, um ein Mensch zu sein.
[ 47 ] Between the Change of Teeth and Puberty nothing that is not born of Love for the Educational Deed itself has any effect on the child. We must say to ourselves with regard to the child: clever a teacher or educator may be, the child reveals to us in his life infinitely significant spiritual and divine things. But we, on our part, must surround with love the spiritual deed we do for the child in education.
[ 48 ] Von dem Intellekt allein kann keine Erziehungskunst kommen; sondern allein von dem, was die charakterisierte Dankbarkeit und Liebe für das Erziehen offenbaren.
[ 48 ] Hence there must be no pedagogy and didactics of a purely intellectual kind, but only such guidance as can help the teacher to carry out his education with loving enthusiasm.
[ 49 ] In der Erziehungskunst, welche in der Stuttgarter Waldorfschule versucht wird, sieht man viel mehr darauf, wie der Lehrer ist, als was er intellektualistisch an technischer Handhabung abstrakter Unterrichtsmethoden sich erworben hat. Der Lehrer soll nicht nur das Kind lieben können, sondern er soll seine Methode lieben können, weil im Wirken dieser Methode sich das Kind entwickelt. Auf das letztere kommt es an. In eine Methode verliebt sein, weil sie die eigene ist, taugt nicht für den Erzieher. Er soll an dem, was das Kind wird, seine Methode liebhaben. Kinder liebhaben genügt allein auch nicht für den Lehrer; sondern das Lehren liebhaben, das Erziehen liebhaben, und es liebhaben mit derjenigen Objektivität, die am Kinde sich offenbart, das eignet man sich an, wenn man von einer spirituellen Grundlage für die physische, seelische und moralische Erziehung aus an seine Aufgabe geht. Und wenn man diese rechte Liebe für das Erziehen, für das Unterrichten als Gesinnung hat, dann wird man auch das Kind heranbilden bis zur Geschlechtsreife so, daß man wirklich es der Freiheit, dem freien Gebrauche seiner Intellektualität im weiteren Leben überliefern kann.
[ 49 ] In the Waldorf School what a teacher is is far more important than any technical ability he may have acquired in an intellectual way. The important thing is that the teacher should not only be able to love the child but to love the method he uses, to love his whole procedure. Only to love the children does not suffice for a teacher. To love teaching, to love educating, and love it with objectivity—this constitutes the spiritual foundation of spiritual, moral and physical education. And if we can acquire this right love for education, for teaching, we shall be able so to develop the child up to the age of puberty that by that time we can really hand him over to freedom, to the free use of his own intelligence.
[ 50 ] Hat man das Kind in religiöser Ehrfurcht empfangen, hat man es in Liebe zu den Erziehungstaten bis zur Geschlechtsreife erzogen, dann kann man auch das rechte Erlebnis dem werdenden Menschen gegenüber haben: ihn in Freiheit als unseresgleichen neben sich zu haben. Ist man dann in der Lage, noch weiter erzieherisch auf den Menschen wirken zu können, so wird man dem frei gewordenen Wesen gegenüber von Intellekt zu Intellekt wirken können. Indem man so erzieht, wie das angedeutet worden ist, indem man vorher nicht antastet, was sich frei entwickeln soll, sondern den Geist stufenweise wach werden läßt durch das, was man als Erzieher tut, wird der Mensch, wenn er geschlechtsreif geworden ist, sein eigenes Wesen als ein erwachendes erleben; und dieser Moment des Erwachens wird der Quell einer Kraft sein, die im ganzen folgenden Leben nachwirkt.
[ 50 ] If we have received the child in religious reverence, if we have educated him in love up to the time of puberty, then our proper course after this will be to leave the youth's spirit free, and to hold intercourse with him on terms of equality. We aim,—that is not to touch the spirit but to let it be awakened. When the child reaches puberty we shall best attain our aim of giving the child over to free use of his intellectual and spiritual powers if we respect the spirit and say to ourselves: you can remove hindrances from the spirit, physical hindrances and also, up to a point, hindrances of the soul. What the spirit has to learn it learns because you have removed the impediments. If we remove impediments the spirit will develop in contact with life itself even in very early youth. Our rightful place as educators is to be removers of hindrances.
[ 51 ] Man soll sich nicht sagen: du sollst dies oder jenes in die Kinderseele hineingießen, sondern du sollst Ehrfurcht vor seinem Geiste haben. Diesen Geist kannst du nicht entwickeln, er entwickelt sich selber. Dir obliegt es, ihm die Hindernisse seiner Entwickelung hinwegzuräumen, und das an ihn heranzubringen, das ihn veranlaßt, sich zu entwickeln. Du kannst dem Geist die Hindernisse wegräumen im Physischen und auch noch ein wenig im Seelischen. Was der Geist lernen soll, das lernt er dadurch, daß du ihm diese Hindernisse wegnimmst. Der Geist entwickelt sich auch in allerfrühester Jugend schon am Leben. Aber sein Leben ist dasjenige, das man als Erzieher in seiner Umgebung entfaltet. Die allergrößte Selbstverleugnung ist Aufgabe des Erziehers. Er muß in der Umgebung des Kindes so leben, daß der Kindesgeist in Sympathie das eigene Leben an dem Leben des Erziehers entfalten kann. Man darf niemals die Kinder zu einem Abbild von sich selbst machen wollen. Es soll in ihnen nicht fortleben in Zwang, in Tyrannei dasjenige, was in dem Erzieher selbst war, noch in derjenigen Zeit, in denen sie hinausgewachsen sind über Schule und Erziehung. Man muß so erziehen können, daß man für dasjenige, was aus einer göttlichen Weltordnung neu in jedem Zeitalter in den Kindern in die Welt hereintritt, die physischen und seelischen Hindernisse wegräumt, und dem Zögling eine Umgebung schafft, durch die sein Geist in voller Freiheit in das Leben eintreten kann.
[ 51 ] Hence we must see to it that we do not make the children into copies of ourselves, that we do not seek forcibly and tyrannically to perpetuate what was in ourselves in those who in the natural course of things develop beyond us. Each child in every age brings something new into the world from divine regions, and it is our task as educators to remove bodily and psychical obstacles out of its way; to remove hindrances so that his spirit may enter in full freedom into life. These then must be regarded as the three golden rules of the art of education, rules which must imbue the teacher's whole attitude and all the impulse of his work. The golden rules which must be embraced by the teacher's whole being, not held as theory, are: reverent gratitude to the world in the person of the child which we contemplate every day, for the child presents a problem set us by divine worlds: Thankfulness to the universe. Love for what we have to do with the child. Respect for the freedom of the child—a freedom we must not endanger; for it is to this freedom we educate the child, that he may stand in freedom in the world at our side.
[ 52 ] Die drei goldenen Regeln der Erziehungs- und Unterrichtskunst, die in jedem Lehrer, jedem Erzieher, ganz Gesinnung, ganz Impuls der Arbeit sein müssen, die nicht bloß intellektualistisch gefaßt werden dürfen, sondern die von dem ganzen Menschen erfaßt werden müssen, die müssen sein:
[ 52 ] Not translated
[ 53 ] Religiöse Dankbarkeit gegenüber der Welt, die sich in dem Kinde offenbart, vereinigt mit dem Bewußtsein, daß das Kind ein göttliches Rätsel darstellt, das man mit seiner Erziehungskunst lösen soll.
[ 53 ] Not translated
[ 54 ] In Liebe geübte Erziehungsmethode, durch die das Kind sich instinktiv an uns selbst erzieht, so daß man dem Kinde die Freiheit nicht gefährdet, die auch da geachtet werden soll, wo sie das unbewußte Element der organischen Wachstumskraft ist.
[ 54 ] Not translated
