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Spiritual Science and Medicine
GA 312

23 March 1920, Dornach

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Dritter Vortrag

Third Lecture

[ 1 ] Ich werde alle die Wünsche, die mir vorgelegt worden sind, im Laufe der Vorträge selbst verarbeiten. Es ist dazu natürlich, da einiges in Wiederholung auftritt, notwendig, daß wenigstens bis zu einem gewissen Teile die Wünsche alle beisammen sind, und dann ist es auch nicht einerlei, ob man die Dinge, die hier gefragt oder angedeutet sind, bespricht, bevor man eine gewisse Grundlage geschaffen hat, oder nachher. Daher werde ich möglichst heute schon mit Berücksichtigung dessen, was ich in Ihren Wünschen bemerkt habe, noch versuchen, für alle folgenden Betrachtungen eine Grundlage zu schaffen.

[ 1 ] I will address all the requests that have been submitted to me during the course of the lectures. Since some points are repeated, it is naturally necessary that, at least to a certain extent, all the requests be gathered together; and it also matters whether the issues raised or alluded to here are discussed before a certain foundation has been laid, or afterward. Therefore, taking into account what I have noted in your requests, I will try—if possible—to lay the groundwork for all subsequent considerations as early as today.

[ 2 ] Sie haben gesehen, daß von mir versucht worden ist, für die erste Betrachtung von der Formung und inneren Wirksamkeit des Knochen- und Muskelsystems auszugehen, und daß wir gestern schon vorgedrungen sind wenigstens zunächst zur exempelartigen Betrachtung des Krankheitsprozesses und den Notwendigkeiten des Heilverfahrens und daß wir, um an einem Exempel die entsprechende Betrachtung anknüpfen zu können, von der Zirkulation in dem Herzsystem ausgehen mußten.

[ 2 ] You have seen that I have attempted to begin my initial examination with the structure and internal functioning of the skeletal and muscular systems, and that yesterday we had already progressed, at least initially, to an exemplary examination of the disease process and the necessities of the therapeutic procedure; and that, in order to be able to build upon this examination using an example, we had to begin with circulation in the cardiac system.

[ 3 ] Nun möchte ich heute einiges auch noch prinzipiell Einleitendes ausführen über eine Anschauung, die man gewinnen kann aus einer tieferen Menschheitsbetrachtung über die Möglichkeit und das Wesen des Heilens überhaupt. Auf Spezielles soll dann in den folgenden Betrachtungen eingegangen werden, aber ich möchte diese prinzipiellen Auseinandersetzungen vorausschicken.

[ 3 ] Today I would also like to offer some introductory remarks of a general nature regarding a perspective that can be gained from a deeper contemplation of humanity concerning the possibility and nature of healing in general. Specific points will be addressed in the following reflections, but I would like to begin with these general considerations.

[ 4 ] Wenn man sich vorstellt, wie eigentlich das heutige medizinische Studium geartet ist, so wird man doch wenigstens in der Hauptsache finden, daß die Therapie neben der Pathologie einhergeht, ohne daß ein klar durchschaubarer Zusammenhang zwischen den beiden besteht. Insbesondere in der Therapie ist ja die bloße empirische Methode vielfach heute das Alleinherrschende. Etwas Rationelles, etwas, worauf man im Praktischen nun wirklich mit Prinzipien aufbauen könnte, ist insbesondere in der Therapie kaum zu finden. Wir wissen, daß diese Mängel der medizinischen Denkweise im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts sogar zu der Schule des medizinischen Nihilismus geführt haben, der alles auf die Diagnose legte und eigentlich damit zufrieden war, wenn Krankheiten erkannt wurden, und sich im allgemeinen recht skeptisch gegenüber irgendeiner Ratio in der Heilung verhalten hat. Nun müßte man, wenn man rein, ich möchte sagen, vernunftgemäß Forderungen an das medizinische Wesen stellt, doch eigentlich sagen, es muß mit der Diagnose zusammen schon etwas gegeben sein, was auf die Heilung hinweist. Es darf nicht bloß ein äußerer Zusammenhang zwischen Therapie und Pathologie herrschen. Man muß gewissermaßen das Wesen der Krankheit doch schon so erkennen können, daß man aus dem Wesen der Krankheit heraus sich eine Anschauung über den Heilungsprozeß bilden kann.

[ 4 ] If one has a mental image of the nature of medical education today, one will find—at least for the most part—that therapy goes hand in hand with pathology without there being a clearly discernible connection between the two. In therapy, in particular, the purely empirical method is often the dominant approach today. Something rational—something on which one could actually build a practical foundation based on principles—is virtually nowhere to be found, particularly in therapy. We know that these shortcomings in medical thinking even led, in the course of the nineteenth century, to the school of medical nihilism, which placed all emphasis on diagnosis and was, in fact, satisfied merely with the identification of diseases, while generally maintaining a rather skeptical attitude toward any rational basis for healing. Now, if one were to, purely, I would say, rationally—one would actually have to say that, along with the diagnosis, there must already be something that points toward healing. There must not merely be an external connection between therapy and pathology. One must, so to speak, already be able to recognize the nature of the disease in such a way that, based on that nature, one can form a conception of the healing process.

[ 5 ] Das hängt natürlich zusammen mit der Frage: Inwiefern kann es überhaupt im ganzen Zusammenhang der Naturprozesse Heilmittel und Heilprozesse geben? Es wird ja sehr häufig ein ganz interessanter Spruch von Paracelsus zitiert: Der Arzt müsse durch der Natur Examen gehen. Aber man kann nicht sagen, daß die neuere Paracelsus-Literatur gerade mit einem solchen Ausspruch viel anzufangen weiß, denn sie müßte doch sonst darauf aus sein, der Natur selbst Heilungsprozesse abzulauschen. Nun gewiß, es wird das versucht, wenn Krankheitsprozesse vorliegen, gegen die sich die Natur selbst einen Rat schafft. Aber es geht doch wiederum darauf hinaus, die Natur in bezug auf ihre Heilverfahren auch nur gewissermaßen in Ausnahmefällen, wenn schon Schädigungen da sind und die Natur sich hilft, zu beobachten, während eine wirkliche Naturbeobachtung doch diejenige ist, daß man normale Prozesse beobachtet. Und die Frage müßte entstehen: Gibt es denn eine Möglichkeit, normale Prozesse in der Natur zu beobachten, gewissermaßen das, was man normale Prozesse nennt, um an ihnen irgend etwas von einer Anschauung über das Heilverfahren zu gewinnen? — Sie werden ja sogleich bemerken, daß das mit einer etwas bedenklichen Frage zusammenhängt. Man kann natürlich in der Natur nur Heilungsprozesse beobachten in normaler Weise, wenn Krankheitsprozesse in der Natur normal vorhanden sind. Und die Frage tritt vor uns auf: Sind denn in der Natur als solcher schon Krankheitsprozesse vorhanden, so daß man durch der Natur Examen gehen kann und durch sie heilen lernen kann? — Der Beantwortung dieser Frage, die sich natürlich erst im Laufe der Vorträge vollständig geben lassen wird, werden wir uns aber heute wenigstens um ein Stück zu nähern versuchen. Aber man kann dabei gleich sagen, daß eigentlich durch die naturwissenschaftliche Grundlegung der Medizin, wie sie heute üblich ist, der Weg, der hier vorgezeichnet wird, überschüttet wird. Er läßt sich bei den gegenwärtigen Voraussetzungen außerordentlich schwer gehen, denn es ist sehr merkwürdig, daß gerade die materialistische Tendenz im neunzehnten Jahrhundert dazu geführt hat, nun das nächste System, das ich hier dem Knochen-, Muskel- und Herzsystem anfügen muß, eigentlich in seinen Funktionen vollständig zu verkennen, nämlich das Nervensystem.

[ 5 ] This, of course, ties in with the question: To what extent can there even be remedies and healing processes within the broader context of natural processes? A very interesting saying by Paracelsus is often quoted: “The physician must examine nature.” But one cannot say that recent scholarship on Paracelsus has much use for such a statement, for otherwise it would surely be intent on eavesdropping on nature’s own healing processes. Certainly, attempts are made to do so when disease processes are present against which nature itself devises a remedy. But this ultimately amounts to observing nature’s healing processes only in exceptional cases, so to speak—when damage has already occurred and nature is helping itself—whereas true observation of nature consists in observing normal processes. And the question must arise: Is there a way to observe normal processes in nature—what we call normal processes, so to speak—in order to gain some insight into the healing process from them? — You will immediately notice that this is connected to a somewhat problematic question. Of course, one can only observe healing processes in nature in a normal way if disease processes are normally present in nature. And the question arises: Are disease processes already present in nature as such, so that one can study nature and learn to heal through it? — We will try today to at least come a step closer to answering this question, which, of course, can only be fully addressed in the course of these lectures. But one can say right away that the path outlined here is actually obscured by the scientific foundation of medicine as it is practiced today. Under current conditions, it is extremely difficult to follow this path, for it is very curious that the materialistic tendency of the nineteenth century has led to a complete misunderstanding of the functions of the very system I must now add here to the skeletal, muscular, and cardiac systems—namely, the nervous system.

[ 6 ] Es ist nach und nach üblich geworden, dem Nervensystem sozusagen alles Seelische aufzuhalsen und alles Seelisch-Geistige, das sich im Menschen vollzieht, in Parallelvorgänge aufzulösen, die dann im Nervensystem zu finden sein sollen. Nun wissen Sie, daß ich Einspruch erheben mußte gegen diese Art von Naturbetrachtung in meinem Buche «Von Seelenrätseln», in dem ich zunächst zu zeigen versuchte — und vieles, was beizubringen ist aus der Erfahrung zur Erhärtung dieser Wahrheiten, wird sich uns gerade bei diesen Betrachtungen ergeben —, daß nur die eigentlichen Vorstellungsprozesse mit dem Nervensystem zusammenhängen, während nicht in indirekter, sondern in direkter Weise alle Gefühlsprozesse zusammenhängen mit den rhythmischen Vorgängen im Organismus. Der heutige Naturwissenschafter denkt eigentlich normalerweise so, daß Gefühlsprozesse unmittelbar nichts mit dem rhythmischen System zu tun haben, sondern nur dadurch, daß sich diese rhythmischen Prozesse auf das Nervensystem übertragen, denkt er, daß sich das Gefühlsleben auch durch das Nervensystem auslebe. Und ebenso versuchte ich zu zeigen, daß das gesamte Willensleben direkt, nicht indirekt durch das Nervensystem, zusammenhängt mit dem Stoffwechselsystem. So daß für das Nervensystem auch in bezug auf die Willensprozesse nichts übrigbleibt als die Wahrnehmung dieser Willensprozesse. Durch das Nervensystem wird nicht irgendein Wille in Szene gesetzt, sondern dasjenige, was durch den Willen geschieht in uns, wird wahrgenommen. Alles dasjenige, was da von mir geltend gemacht worden ist, kann durchaus belegt werden mit den entsprechenden Tatsachen der Biologie, währenddem die entgegengesetzte Anschauung von der alleinigen Zuordnung des Nervensystems zum Seelenleben eben gar nicht belegt werden kann. Ich möchte nur einmal sehen, wie bei völlig gesunder Vernunft die Tatsache, daß man einen sogenannten motorischen Nerv durchschneidet, einen sensitiven Nerv durchschneidet, sie dann zusammenwachsen lassen kann und daß dann daraus wiederum ein einheitlicher Nerv entsteht, in Zusammenhang gebracht werden sollte mit der anderen Annahme, daß es sensitive und motorische Nerven gebe. Die gibt es eben nicht, sondern dasjenige, was man motorische Nerven nennt, sind nichts anderes als sensitive Nerven, die die Bewegungen unserer Glieder wahrnehmen, also dasjenige, was im Stoffwechsel unserer Glieder vor sich geht, wenn wir wollen. Wir haben also auch in den motorischen Nerven in Wahrheit sensitive Nerven, die nur in uns selber wahrnehmen, während die eigentlich sensitiv genannten Nerven die Außenwelt wahrnehmen.

[ 6 ] It has gradually become common practice to attribute, so to speak, everything psychological to the nervous system and to break down all psychological and spiritual processes that take place within the human being into parallel processes that are then said to be found in the nervous system. Now you know that I had to object to this kind of view of nature in my book *The Riddles of the Soul*, in which I first attempted to show—and much of what can be learned from experience to corroborate these truths will become apparent to us precisely in these considerations—that only the actual processes of imagination are connected to the nervous system, whereas all emotional processes are connected not indirectly but directly to the rhythmic processes in the organism. Today’s natural scientist generally thinks that emotional processes have nothing to do with the rhythmic system directly; rather, he believes that the emotional life is expressed through the nervous system only because these rhythmic processes are transmitted to it. And in the same way, I sought to show that the entire life of the will is directly—not indirectly via the nervous system—connected to the metabolic system. Thus, even with regard to volitional processes, the nervous system is left with nothing but the perception of these volitional processes. The nervous system does not bring about any will; rather, it perceives what happens within us through the will. Everything I have asserted here can certainly be substantiated by the corresponding facts of biology, whereas the opposing view—that the nervous system is solely associated with the life of the soul—cannot be substantiated at all. I would just like to see how, with perfectly sound reasoning, the fact that one can sever a so-called motor nerve or a sensory nerve, allow them to grow back together, and then have a unified nerve emerge from this—how this could possibly be reconciled with the other assumption that there are sensory and motor nerves. Such nerves simply do not exist; rather, what are called motor nerves are nothing other than sensory nerves that perceive the movements of our limbs—that is, what takes place in the metabolism of our limbs when we will. Thus, even in the motor nerves, we actually have sensory nerves that perceive only within ourselves, while the nerves actually called sensory perceive the external world.

[ 7 ] In dieser Richtung liegt etwas, was für die Medizin von ungeheurer Bedeutung ist, was aber erst gewürdigt werden kann, wenn man den Tatbestand selbst ordentlich ins Auge fassen wird. Denn gerade den Krankheitserscheinungen gegenüber, von denen ich gestern zur Gewinnung des Beispiels der Tuberkulose ausgegangen bin, ist es ja schwer, mit der Teilung in sensitive und motorische Nerven auszukommen. Vernünftige Naturforscher haben daher schon angenommen, daß jeder Nerv eine Leitung habe nicht nur von der Peripherie nach innen oder umgekehrt, sondern immer auch eine Leitung von der Peripherie nach dem Zentrum, beziehungsweise von dem Zentrum nach der Peripherie. Ebenso würde dann jeder motorische Nerv zwei Leitungen haben, das heißt: wenn man vom Nervensystem aus irgend etwas erklären will, wie zum Beispiel die Hysterie, so hat man schon nötig, zwei Leitungen, die zueinander im entgegengesetzten Sinne laufen, anzunehmen. Also man hat, sobald man auf Tatsachen eingeht, durchaus schon nötig, solche Eigenschaften der Nerven anzunehmen, die eigentlich den Hypothesen über das Nervensystem vollständig widersprechen. Dadurch, daß man so über das Nervensystem denken lernte, hat man eigentlich alles das zugeschüttet, was man wissen sollte über dasjenige, was im Organismus sonst unter dem Nervensystem liegt, was zum Beispiel bei der Hysterie vorgeht. Wir haben es gestern charakterisiert durch Vorgänge im Stoffwechsel, was zum Beispiel bei der Hysterie vorgeht und was durch die Nerven bloß wahrgenommen wird. Man hätte auf das sehen müssen. Statt dessen hat man die Hysterie nur gesucht in einer Art Erschütterbarkeit und Erschütterung des Nervensystems allein und hat alles in das Nervensystem verlegt.

[ 7 ] In this regard, there is something of immense importance for medicine, but it can only be properly appreciated once the facts of the matter themselves are thoroughly examined. For it is precisely in the case of the symptoms of disease—which I took as my starting point yesterday using tuberculosis as an example—that it is difficult to make do with the division into sensory and motor nerves. Reasoning natural scientists have therefore already assumed that every nerve has a pathway not only from the periphery to the center or vice versa, but also always a pathway from the periphery to the center, or from the center to the periphery. Likewise, every motor nerve would then have two pathways; that is to say: if one wishes to explain anything based on the nervous system—such as hysteria, for example—one must assume the existence of two pathways running in opposite directions relative to one another. Thus, as soon as one examines the facts, one is already compelled to assume such properties of the nerves that actually completely contradict the hypotheses about the nervous system. By learning to think about the nervous system in this way, one has in fact obscured everything one ought to know about what lies beneath the nervous system in the organism—such as what occurs in the case of hysteria. Yesterday we characterized what occurs in cases of hysteria—for example—as metabolic processes that are merely perceived by the nerves. One should have focused on that. Instead, hysteria was sought solely in a kind of excitability and disturbance of the nervous system alone, and everything was attributed to the nervous system.

[ 8 ] Dadurch ist noch etwas anderes gekommen. Man kann ja nicht leugnen, daß unter den etwas ferneren Ursachen der Hysterie auch seelische Ursachen liegen, Kummer, auch erlittene Enttäuschungen, irgendwelche erfüllbaren oder unerfüllbaren inneren Erregungen, die dann auslaufen in hysterische Erscheinungen. Damit, daß man gewissermaßen den ganzen übrigen Organismus vom Seelenleben abgetrennt hat und nur das Nervensystem mit dem Seelenleben in einen eigentlichen direkten Zusammenhang bringt, ist man genötigt, alles auf das Nervensystem abzuladen. Dadurch kam eine Anschauung heraus, die sich erstens dann nicht im allergeringsten eigentlich mehr mit den Tatsachen deckt und die zweitens gar keine Handhabe bietet, das Seelische noch heranzubringen an den menschlichen Organismus. Man bringt es eigentlich nur heran an das Nervensystem. Man bringt es nicht heran an den ganzen menschlichen Organismus. Höchstens dadurch, daß man eben motorische Nerven erfindet, die es gar nicht gibt, und daß man von den Funktionen der motorischen Nerven dann eine Beeinflussung der Zirkulation und so weiter erwartet, die nun immer im äußersten Maße zum Hypothetischen gehört.

[ 8 ] This has led to something else as well. One cannot deny that among the somewhat more distant causes of hysteria there are also psychological causes: grief, disappointments suffered, and various inner stirrings—whether fulfillable or unfulfillable—that then manifest as hysterical symptoms. By effectively separating the rest of the organism from mental life—and linking only the nervous system directly to mental life—one is compelled to attribute everything to the nervous system. This has given rise to a view that, first of all, no longer corresponds in the slightest to the facts and, second, offers no means whatsoever of bringing the psychological realm into account within the human organism. In fact, it is brought into contact only with the nervous system. It is not brought into contact with the entire human organism. At most, this is done by inventing motor nerves that do not actually exist, and by expecting the functions of these motor nerves to influence circulation and so on—which is, of course, always an extremely hypothetical notion.

[ 9 ] Was ich da auseinandergesetzt habe, hat namentlich auch dahin geführt, die gescheitesten Leute auf Irrpfade zu leiten, als so etwas auftauchte wie die Suggestion und die Hypnose. Da hat man es erleben können — es liegt jetzt schon wiederum etwas zurück —, daß hysterische Damen die allergescheitesten Ärzte irregeführt haben, an der Nase herumgeführt haben, weil man einfach hereingefallen ist auf alles mögliche, was solche Leute den Ärzten vorgemacht haben, und nicht hat eingehen können auf dasjenige, was eigentlich im Organismus vorliegt. Es ist doch vielleicht nicht uninteressant, in diesem Zusammenhange darauf hinzuweisen — obwohl es sich dabei nicht um eine hysterische Dame, sondern um einen hysterischen Mann handelt -, in welchen Irrtum Schleich verfallen ist, verfallen mußte, der über solche Dinge ja eigentlich ganz gut nachzudenken gewöhnt war, als zu ihm als Arzt ein Mann kam, der sich mit der tintigen Feder in den Finger gestochen hatte und sagte, das werde ganz gewiß in der nächsten Nacht zum Tode führen, eine Blutvergiftung werde eintreten und der Arm müsse amputiert werden. Es ist selbstverständlich, daß Schleich als Chirurg die Amputation nicht vornehmen konnte. Er konnte den Mann nur beruhigen und die nötigen Dinge machen, die da gemacht werden: Aussaugung der Wunde und so weiter, aber er konnte selbstverständlich ihm den Arm nicht abschneiden auf dessen bloße Aussage hin, daß er in der nächsten Nacht eine Blutvergiftung haben werde. Der betreffende Patient ging dann noch zu einer Autorität, die ihm selbstverständlich den Arm auch nicht abschnitt. Aber Schleich wurde die Sache etwas unheimlich. Gleich am Morgen erkundigte er sich — der Patient war in der Nacht wirklich gestorben. Und Schleich konstatierte: Tod durch Suggestion.

[ 9 ] What I have discussed here has, in particular, led even the most intelligent people astray when concepts such as suggestion and hypnosis emerged. One could witness—though this was some time ago now—that hysterical women misled even the most intelligent doctors, leading them by the nose, because they simply fell for all sorts of things that such people made the doctors believe, and were unable to grasp what was actually happening within the organism. It is perhaps not uninteresting to point out in this context—although this case involves not a hysterical woman but a hysterical man—the error into which Schleich fell, or rather had to fall, even though he was actually quite accustomed to thinking clearly about such matters, when a man came to him as a doctor having pricked his finger with an ink-filled pen and said, that this would most certainly lead to death the following night, that blood poisoning would set in, and that the arm would have to be amputated. It goes without saying that Schleich, as a surgeon, could not perform the amputation. He could only calm the man down and do what needed to be done in such cases—draining the wound and so on—but he certainly could not cut off his arm based solely on the man’s assertion that he would develop blood poisoning the following night. The patient in question then went to another specialist, who, of course, did not amputate his arm either. But Schleich began to feel somewhat uneasy about the matter. First thing in the morning, he inquired—the patient had indeed died during the night. And Schleich concluded: Death by suggestion.

[ 10 ] Es liegt so nahe, es liegt so furchtbar nahe, zu konstatieren: Tod durch Suggestion. Aber bei einer Einsicht in die menschliche Wesenheit geht es einfach nicht, diesen Tod durch Suggestion in dieser Weise zu denken, sondern es handelt sich darum, daß hier, wenn man Tod durch Suggestion diagnostiziert, sofort eine gründliche Verwechslung von Ursache und Wirkung eintritt. Es trat auch keine Blutvergiftung ein — das hat die Sektion ergeben —, sondern der Betreffende starb, wie es schien, an einer Ursache, die den Ärzten nicht bekanntgeworden ist, aber für jemanden, der die Sache durchschauen kann, ganz unbedingt an einer Ursache, die tief im Organismus begründet war. Und diese Ursache, die tief im Organismus begründet war, hat diesen Menschen schon am vorhergehenden Tag etwas tapperig und unsicher gemacht, so daß er sich, was man sonst nicht tut, mit der tintigen Feder in den Finger stach. Das war schon eine Folge seiner Tapperigkeit. Aber während er äußerlich-physisch tapperig wurde, wurde sein inneres Schauvermögen etwas erhöht, und unter dem Einflusse der Krankheit hatte er eine prophetische Voraussicht seines in der Nacht eintretenden Todes. Dieser Tod hing nicht im geringsten zusammen mit dem, daß er sich mit der tintigen Feder in den Finger stach, sondern der Tod war die Ursache dessen, was er fühlte dadurch, daß er die Todesursache in sich trug, und alles, was vor sich gegangen ist, ist eben nichts anderes als etwas, was ganz äußerlich zusammenhängt mit den eigentlichen inneren Prozessen, die den Tod herbeigeführt haben. Es ist gar keine Rede davon, daß hier «Tod durch Suggestion» eingetreten ist. Denn auch der Glaube und alles das, was der Mann hatte, hatte nichts zu tun mit der Herbeiführung seines Todes, sondern hatte tiefere Ursachen. Aber er sah den Tod voraus und interpretierte alles dasjenige, was geschah, in diese Voraussicht des Todes hinein. Sie sehen an diesem Beispiel zugleich, wie ungemein vorsichtig man sein muß, wenn man über die komplizierten Vorgänge in der Natur ein sachgemäßes Urteil gewinnen will. Man kann da nicht ausgehen von dem Allereinfachsten.

[ 10 ] It is so obvious—it is all too obvious—to conclude: death by suggestion. But when one considers the nature of the human being, it is simply not possible to conceive of this death by suggestion in this way; rather, the point is that when one diagnoses death by suggestion, a fundamental confusion of cause and effect immediately arises. Nor was there any blood poisoning—as the autopsy revealed—but the person in question died, it seemed, from a cause unknown to the doctors, yet for someone who can see through the matter, undoubtedly from a cause deeply rooted in the organism. And this cause, which was deeply rooted in the organism, had already made this man somewhat unsteady and uncertain the previous day, so that he pricked his finger with an ink-stained pen—something one does not normally do. That was already a consequence of his unsteadiness. But while he became physically unsteady on the outside, his inner perception was somewhat heightened, and under the influence of the illness, he had a prophetic foresight of his death, which would occur that night. This death was not in the least connected to the fact that he pricked his finger with the ink-stained quill; rather, death was the cause of what he felt because he carried the cause of death within himself, and everything that had taken place is nothing other than something that is entirely externally related to the actual inner processes that brought about his death. There is absolutely no question of “death by suggestion” having occurred here. For even the man’s faith and everything else he possessed had nothing to do with bringing about his death; rather, there were deeper causes. But he foresaw his death and interpreted everything that happened in light of this foreknowledge of death. You can see from this example, at the same time, how extremely cautious one must be if one wishes to form a proper judgment about the complex processes in nature. One cannot proceed from the simplest assumptions.

[ 11 ] Nun wird man aber die Frage aufwerfen müssen: Gibt uns die Sinneswahrnehmung und alles, was der Sinneswahrnehmung ähnlich ist, einen Anhaltspunkt für, ich möchte sagen, die etwas anders gearteten Einflüsse, die von Heilmitteln auf den menschlichen Organismus ausgehen sollen?

[ 11 ] But now we must ask the question: Do sensory perception and everything similar to sensory perception provide us with any indication of—I would say—the somewhat different kinds of influences that remedies are said to exert on the human organism?

[ 12 ] Nicht wahr, wir haben dreierlei Einflüsse auf den menschlichen Organismus im Normalzustande: Erstens denjenigen durch die Sinneswahrnehmungen, der sich dann im Nervensystem fortsetzt. Zweitens denjenigen durch das rhythmische System, das Atmen und die Zirkulation, und drittens denjenigen durch den Stoffwechsel. Diese drei normalen Beziehungen, die müssen irgendwelche Analoga haben in den abnormen Beziehungen, die wir herstellen zwischen den Heilmitteln, die wir ja auch in irgendeiner Weise aus der äußeren Natur nehmen müssen, und dem menschlichen Organismus. Am deutlichsten tritt allerdings dasjenige, was zwischen der Außenwelt und dem menschlichen Organismus geschieht, in dem Einfluß auf das Nervensystem auf. Wir müssen uns daher fragen: Wie können wir uns rationell einen Zusammenhang denken zwischen dem Menschen selbst und dem, was außermenschliche Natur ist und was wir verwenden wollen, sei es als Vorgänge, sei es substantiell als Heilmittel, zur menschlichen Heilung? Wir müssen eine Ansicht darüber gewinnen, wie das Wechselverhältnis des Menschen zur außermenschlichen Natur ist, aus der wir unsere Heilmittel nehmen. Denn selbst wenn wir Kaltwasserkuren anwenden, so wenden wir etwas Außermenschliches an. Alles, was angewendet wird, ist angewendet vom Außermenschlichen auf die menschlichen Prozesse, und wir müssen uns eine rationelle Ansicht darüber verschaffen, wie der Zusammenhang zwischen dem Menschen und den außermenschlichen Prozessen ist.

[ 12 ] Isn’t it true that there are three kinds of influences on the human organism in its normal state: first, that which comes through sensory perceptions, which then continues in the nervous system; second, that which comes through the rhythmic system—breathing and circulation; and third, that which comes through metabolism. These three normal relationships must have some analogues in the abnormal relationships we establish between the remedies—which we must, after all, derive in some way from the external natural world—and the human organism. However, what occurs between the external world and the human organism is most clearly evident in the influence on the nervous system. We must therefore ask ourselves: How can we rationally conceive of a connection between the human being itself and that which is non-human nature—and which we wish to use, whether as processes or substantively as remedies, for human healing? We must gain an understanding of the interrelationship between the human being and non-human nature, from which we derive our remedies. For even when we use cold-water cures, we are applying something non-human. Everything that is applied is applied from the non-human realm to human processes, and we must form a rational understanding of the relationship between human beings and non-human processes.

[ 13 ] Da kommt man allerdings auf ein Kapitel, wo wiederum statt eines organischen Zusammenhanges in unserem gebräuchlichen medizinischen Studium das reine Aggregat herrscht. Der Mediziner hört zwar vorbereitende Naturwissenschaft vortragen, dann wird aber auf diese vorbereitende Naturwissenschaft das allgemeine und spezielle Pathologische, das allgemeine Therapeutische aufgebaut und so weiter, und es ist nicht mehr viel zu vernehmen, wenn die eigentlichen medizinischen Vorträge anfangen, von dem, wie sich diese Prozesse, die in den eigentlich medizinischen Vorträgen besprochen werden, und namentlich wie sich die Heilmaßnahmen verhalten zu den Vorgängen in der äußeren Natur. Ich glaube, die durch die heutige medizinische Schulung gegangenen Ärzte werden dies nicht nur äußerlich verstandesmäßig als einen Mangel empfinden, sondern sie werden es gar stark in der Empfindung, die sich ihnen dann aufdrängt, wenn sie praktisch eingreifen sollen in die Krankheitsprozesse, als ein Gefühl in sich tragen, als ein gewisses Gefühl der Unsicherheit, wenn das oder jenes verwendet werden soll. Es ist doch sehr selten eine wirkliche Erkenntnis der Beziehung des zu verwendenden Heilmittels zu dem, was im Menschen vorgeht, in Wirklichkeit vorhanden. Hier handelt es sich darum, daß geradezu durch die Natur der Sache selbst auf eine ganz notwendige Reform des medizinischen Studiums hingewiesen wird.

[ 13 ] This, however, brings us to a section where, once again, a mere collection of facts prevails in our standard medical curriculum instead of an organic connection. Although medical students do hear lectures on the foundational natural sciences, general and specific pathology, general therapeutics, and so on are then built upon these foundational natural sciences, and once the actual medical lectures begin, there is little to be heard about how the processes discussed in those lectures—and, in particular, how therapeutic measures relate to the processes in the external natural world. I believe that physicians who have undergone today’s medical training will not only perceive this as a deficiency on a purely intellectual level, but they will also carry within themselves a strong sense of it—a feeling that imposes itself upon them when they are called upon to intervene practically in disease processes—as a certain sense of uncertainty regarding which remedy to use. After all, a true understanding of the relationship between the remedy to be used and what is happening within the human being is very rarely actually present. The point here is that the very nature of the matter itself points to a thoroughly necessary reform of medical education.

[ 14 ] Nun möchte ich heute zunächst davon ausgehen, an gewissen Prozessen der außermenschlichen Natur anschaulich zu machen, wie verschieden in vieler Beziehung diese Prozesse von den Prozessen der menschlichen Natur sind. Ich möchte ausgehen von den Prozessen, die wir zunächst an niederen Tieren und Pflanzen beobachten können, um von da aus dann den Weg zu jenen Prozessen zu finden, die hervorgerufen werden können durch das Außermenschliche überhaupt, das wir dem Pflanzenreich oder dem Tierreich und namentlich dem Mineralreich entnehmen. Aber wir werden uns dieser Charakteristik der reinen mineralischen Substanzen erst nähern können, wenn wir eben von ganz elementaren naturwissenschaftlichen Vorstellungen ausgehen, dann zu dem aufsteigen, was zum Beispiel geschieht, wenn wir, sagen wir, Arsen oder Zinn oder irgend etwas anderes als Heilmittel in den menschlichen Organismus einführen. Da muß zunächst darauf hingewiesen werden, daß ganz anders, als das bei der menschlichen Natur selbst der Fall ist, die Wachstumsmetamorphosen bei außermenschlichen Wesen liegen.

[ 14 ] Today, I would like to begin by using certain processes of non-human nature to illustrate how different these processes are, in many respects, from the processes of human nature. I would like to begin with the processes that we can initially observe in lower animals and plants, and from there find our way to those processes that can be brought about by the non-human realm in general—that is, the plant kingdom, the animal kingdom, and especially the mineral kingdom. But we will only be able to approach this characterization of pure mineral substances if we start from very elementary scientific concepts and then ascend to what happens, for example, when we introduce—say—arsenic or tin or something else into the human organism as a remedy. It must first be pointed out that, unlike what is the case with human nature itself, the growth metamorphoses in non-human beings are quite different.

[ 15 ] Wir werden nicht umhin können, das eigentliche Prinzip des Wachsens, des lebendigen Wachsens im Menschen irgendwie zu denken und es auch zu denken bei den außermenschlichen Wesenheiten. Aber die Differenz, die da auftritt, ist von einer grundlegenden Bedeutung. Betrachten Sie, zum Beispiel etwas sehr Naheliegendes, die gewöhnliche sogenannte falsche Akazie, die Robinia pseudacacia. Wenn Sie dieser die Blätter an den Blattstielen abschneiden, so entsteht das Interessante, daß die Blattstiele durch eine Metamorphose etwas umgewandelt werden und daß dann diese umgewandelten knolligen Blattstiele die Funktion der Blätter übernehmen. Da ist in einem hohen Maße etwas tätig, was wir zunächst hypothetisch eine Kraft nennen wollen, die in der ganzen Pflanze steckt und die sich dann äußert, wenn wir die Pflanze verhindern, ihr normal ausgebildetes Organ für bestimmte Funktionen zu verwenden. Daß, ich möchte sagen, noch ein Rest von dem vorhanden ist, was da in ganz ausgesprochenem Maße bei der einfacher wachsenden Pflanze der Fall ist, das zeigt sich daran, daß, sagen wir, bei einem Menschen, der durch irgend etwas verhindert ist, den einen Arm oder die eine Hand zu irgendwelchen Funktionen zu gebrauchen, die andere kräftiger sich ausbildet, stärker sich ausbildet und auch physisch größer wird und so weiter. Wir müssen schon solche Dinge miteinander verbinden, denn das ist der Weg, der zur Erkenntnis der Möglichkeit einer Heilweise führt.

[ 15 ] We will have no choice but to conceive, in some way, the actual principle of growth—of living growth—in human beings, and to conceive it also in non-human beings. But the difference that arises here is of fundamental importance. Consider, for example, something very familiar: the common so-called false acacia, Robinia pseudacacia. If you cut off its leaves at the petioles, something interesting happens: the petioles undergo a metamorphosis and are somewhat transformed, and these transformed, tuberous petioles then take over the function of the leaves. There is something at work here to a high degree—which we shall tentatively call a “force”—that is present throughout the entire plant and manifests itself when we prevent the plant from using its normally developed organ for certain functions. The fact that—I would say—a remnant of what is evident to a very pronounced degree in simpler plants still exists is demonstrated by the fact that, for example, in a person who is prevented by some circumstance from using one arm or one hand for certain functions, the other arm develops more vigorously, becomes stronger, and also grows physically larger, and so on. We must indeed connect such things with one another, for that is the path that leads to the recognition of the possibility of a method of healing.

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[ 16 ] Nun, bei der außermenschlichen Natur geht die Sache sehr weit. Man kann zum Beispiel folgendes beobachten: Nehmen wir an, es wachse eine Pflanze auf einem Bergabhange, so geschieht es, daß solche Pflanzen gewisse Blattstiele so entwickeln, daß sie die Blätter unausgebildet lassen; die bleiben weg. Dagegen biegt sich der Blattstiel um und wird zum Stützorgan. Die Blätter verkümmern (siehe Zeichnung Seite 63), der Blattstiel biegt sich um, wird zum Stützorgan, stützt sich auf: Pflanzen mit umgebildeten Blattstielen, bei denen die Blätter verkümmern. Das weist auf innere Bildungskräfte der Pflanze hin, die bewirken, daß die Pflanze in einer weitgehenden Weise sich an die durch ihre Umgebung bedingte Lebensweise anpassen kann. Nun, die Kräfte, die dadrinnen wirksam sind, treten uns aber namentlich bei niederen Organismen in einer ganz interessanten Art entgegen.

[ 16 ] Well, in the non-human natural world, things go very far. For example, one can observe the following: Suppose a plant grows on a mountainside; it happens that such plants develop certain leaf stalks in such a way that the leaves remain undeveloped—they are absent. Instead, the petiole bends and becomes a supporting organ. The leaves wither away (see illustration on page 63); the petiole bends, becomes a supporting organ, and provides support: plants with modified petioles in which the leaves wither away. This points to the plant’s internal formative forces, which enable the plant to adapt to a large extent to the way of life dictated by its environment. Now, the forces at work within the plant manifest themselves in a very interesting way, particularly in lower organisms.

[ 17 ] Wenn Sie zum Beispiel irgendeinen Embryo nehmen, der bis zum Gastrulastadium vorgerückt ist, so können Sie die Gastrula zerschneiden, in der Mitte auseinanderschneiden, und jedes Stück ründet sich wiederum und bildet in sich die Möglichkeit aus, die drei Stücke von Vorder-, Mittel- und Enddarm für sich auszubilden. Wir schneiden also die Gastrula auseinander und finden, daß sich jedes Stück so verhält, wie sich das unzerschnittene Ganze verhalten haben würde. Sie wissen, daß man diesen Versuch ausdehnen kann bis zu niederen Tieren, sogar Regenwürmern, und daß, wenn man gewissen niederen Tieren Stücke abschneidet, sich das wiederum ergänzt, so daß es aus seinen inneren Bildungskräften heraus wiederum dasjenige bekommt, was wir ihm abgeschnitten haben. Auf diese Bildungskräfte muß sachlich hingewiesen werden, nicht hypothetisch, indem man irgendeine Lebenskraft annimmt, sondern es muß sachlich auf diese Bildungskräfte hingewiesen werden. Denn, wenn man genauer zusieht, wenn man wirklich verfolgt, was da eigentlich vorliegt, so sieht man zum Beispiel folgendes: Man sieht, daß, wenn man, sagen wir, einem Froschorganismus in einem sehr frühen Stadium etwas abschneidet, sich der übrige Organismus, der abgeschnittene Organismus wieder ansetzt. Wer etwas materialistisch in seiner Denkweise geartet ist, der wird sagen: Nun ja, in der Wunde, da liegen Spannkräfte, und durch diese Spannkräfte in der Wunde setzt sich dasjenige, was da neuerdings wächst, an. — Aber das kann nicht so der Fall sein. Denn wäre das der Fall, daß wenn ich einen Organismus hier abschneide (siehe Zeichnung Seite 65) und sich hier an der Wunde Neues ansetzt durch die Spannkraft, die ja hier liegt — dann müßte sich doch hier das ansetzen, was das nächste Stück wäre, also dasjenige, was unmittelbar benachbart ist im vollkommenen Organismus. Das ist ja aber nicht der Fall in Wirklichkeit, sondern in der Wirklichkeit erscheinen, wenn man etwas abschneidet bei Froschlarven, Endorgane, der Schwanz oder Kopf sogar, bei anderen Tieren Fühlfäden, also diejenigen, die gar nicht hier angrenzen, sondern diejenigen, die der Organismus zunächst braucht, wachsen da heraus. Es ist also ganz unmöglich, daß durch die unmittelbar hier innewohnenden Spannkräfte sich dasjenige hier ansetzt, was sich hier ausbildet, sondern es ist notwendig, anzunehmen, daß bei diesen Ansätzen der ganze Organismus in irgendeiner Weise beteiligt ist.

[ 17 ] For example, if you take any embryo that has progressed to the gastrula stage, you can cut the gastrula in half, and each piece will round out again and develop within itself the potential to form the three sections of the foregut, midgut, and hindgut. So we cut the gastrula apart and find that each piece behaves just as the uncut whole would have behaved. You know that this experiment can be extended to lower animals, even earthworms, and that when pieces are cut off from certain lower animals, they regenerate, so that through their inner formative powers they once again produce what we have cut off. These formative powers must be pointed out objectively, not hypothetically by assuming some kind of life force, but they must be pointed out objectively. For if one looks more closely, if one truly observes what is actually taking place, one sees, for example, the following: One sees that if, say, one cuts off a part of a frog’s organism at a very early stage, the remaining organism—the part that was cut off—reattaches itself. Anyone with a somewhat materialistic way of thinking will say: Well, there are tensile forces in the wound, and through these tensile forces in the wound, the new growth attaches itself. — But that cannot be the case. For if it were the case that when I cut off a part of an organism here (see drawing on page 65) and something new reattaches itself here at the wound due to the tensile force present here—then what would reattach here would have to be the next segment, that is, the part immediately adjacent to it in the complete organism. But that is not the case in reality; rather, in reality, when one cuts something off—in frog larvae, terminal organs, even the tail or head; in other animals, sensory filaments—what grows back are not the parts that are immediately adjacent here, but rather those that the organism needs first. It is therefore entirely impossible that the tensile forces inherent immediately here cause what is forming here to take root; rather, it is necessary to assume that the entire organism is involved in some way in these processes.

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[ 18 ] So kann man wirklich dasjenige verfolgen, was in niederen Organismen vor sich geht. Sie können nun, da ich Ihnen den Weg angegeben habe, wie man so etwas verfolgt, wenn Sie das ausdehnen über all die Erfahrungen, die bis heute in der Literatur verzeichnet sind, überall sehen, wie man nur auf diesem Wege überhaupt zu einer Anschauung über diese Sache kommt. Sie werden kaum einen anderen Gedanken hegen können als den: Beim Menschen ist das nun eben nicht so. — Es wäre ja sehr niedlich, wenn man ihm einen Finger oder Arm abschneiden könnte und er den Finger oder Arm wieder ersetzen würde. Er tut es eben nicht. Es ist die Frage: Ja, wie ist es denn mit den Kräften, die nun ein Tafel 5 mal Wachstumsbildungskräfte sind und die sich hier ganz deutlich zeigen, wie ist es denn mit diesen Kräften im menschlichen Organismus? Sind sie da verlorengegangen, sind sie da gar nicht vorhanden?

[ 18 ] In this way, one can truly trace what is happening in lower organisms. Now that I have shown you how to go about this, if you apply this approach to all the findings recorded in the literature to date, you will see everywhere that this is the only way to gain any insight into this matter at all. You will hardly be able to entertain any other thought than this: In humans, it simply isn’t like that. — It would be quite amusing, after all, if one could cut off a person’s finger or arm and they would regrow it. But they simply don’t. The question is: Well, what about the forces—which are, as shown in Table 5, growth-forming forces and which are quite clearly evident here—what about these forces in the human organism? Have they been lost there, or are they not present at all?

[ 19 ] Wer sachgemäß die Natur zu beobachten versteht, der weiß, daß man nur auf diesem Wege überhaupt zu einer naturgemäßen Anschauung über den Zusammenhang des Geistigen und Physischen beim Menschen kommen kann. Beim Menschen sind nämlich diese Kräfte, die wir hier, ich möchte sagen, als plastische kennenlernen, die hier unmittelbar Formen aus der Substanz heraus ausbilden, einfach herausgehoben aus den Organen und sind nur in dem, was bei ihm seelisch-geistig ist, vorhanden. Da sind sie nämlich vorhanden. Dadurch, daß sie aus den Organen herausgehoben sind, daß sie nicht Bildungskräfte der Organe geblieben sind, hat sie der Mensch extra. Er hat sie in seinen geistig-seelischen Funktionen. Wenn ich denke oder fühle, so denke ich und fühle ich mit denselben Kräften, die da in dem niederen Tier oder in der Pflanzenwelt plastisch tätig sind. Ich könnte eben nicht denken, wenn ich nicht mit denselben Kräften, die ich aus der Materie herausgezogen habe, das Denken und das Fühlen und das Wollen vollziehen würde. Schaue ich also auf die niederen Organismen hinaus, so muß ich mir sagen: Das, was da drinnen steckt, was die plastischen Kräfte sind, das ist dasselbe, was ich auch in mir trage. Aber ich habe es aus meinen Organen herausgenommen, habe es für sich und denke und fühle und will mit denselben Kräften, die da draußen in der niederen Organismenwelt plastisch tätig sind.

[ 19 ] Anyone who knows how to observe nature properly understands that this is the only way to arrive at a natural understanding of the connection between the spiritual and the physical in human beings. For in human beings, these forces—which we come to know here, I might say, as formative forces, that is, forces that directly shape forms out of substance—are simply lifted out of the organs and are present only in what is soul-spiritual in the human being. That is where they are found. Because they have been lifted out of the organs—because they have not remained as the formative forces of the organs—human beings possess them separately. He possesses them in his spiritual-soul functions. When I think or feel, I think and feel with the very same forces that are plastically active in the lower animal kingdom or in the plant world. I simply could not think if I did not carry out thinking, feeling, and willing with the very same forces that I have drawn out of matter. So when I look out at the lower organisms, I must tell myself: What lies within them—those formative forces—is the very same thing I carry within myself. But I have extracted it from my own organs, set it apart, and now think, feel, and will with the very same forces that are actively at work out there in the world of lower organisms.

[ 20 ] Wer nun ein Psychologe werden will mit Substanz in seinen psychologischen Aufstellungen, nicht mit bloßen Worten, wie man heute Psychologie konstruiert, der müßte eigentlich die Denk- und Fühl- und Willensprozesse so verfolgen, daß er in ihnen aufzeigt, nur eben geistig-seelisch verlaufend, dieselben Vorgänge, die da unten in den plastischen Gestaltungen erscheinen. Sehen Sie nur einmal nach, wie wir innerlich in unserem seelischen Prozeß tatsächlich das ausführen können, was wir im Organismus nicht mehr ausführen können: Gedankenreihen, die uns verlorengegangen sind, aus anderen heraus zu ergänzen, und wie wir da so ähnlich verfahren, wie ich das hier gesagt habe, daß nicht das unmittelbar Angrenzende, sondern das weit davon Abliegende erscheint.

[ 20 ] Anyone who wishes to become a psychologist with substance in their psychological constellations—not merely with words, as psychology is constructed today—would actually have to trace the processes of thought, feeling, and will in such a way as to demonstrate within them—albeit unfolding on a spiritual-psychic level—the very same processes that appear down below in the plastic formations. Just consider how, inwardly in our psychological process, we can actually carry out what we can no longer carry out in the organism: supplementing trains of thought that we have lost by drawing on those of others, and how we proceed in a manner similar to what I have described here, so that it is not what is immediately adjacent but what lies far removed that appears.

[ 21 ] Es besteht ein vollständiger Parallelismus zwischen dem, was wir innerlich-seelisch erleben, und dem, was in der äußeren Welt gestaltende Naturkräfte, gestaltende Naturprinzipien sind. Ein vollständiger Parallelismus besteht da. Auf diesen Parallelismus muß man hinweisen und zeigen, daß der Mensch in der Außenwelt im Grunde genommen als Gestaltungsprinzipien das hat, was er innerlich als sein seelisch-geistiges Leben aus seinem eigenen Organismus herausgenommen hat, was daher bei seinem eigenen Organismus nicht mehr der Materie, der Substanz zugrunde liegt. Aber nun, wir haben es nicht aus allen Teilen des Organismus gleich stark herausgenommen, wir haben es in verschiedener Weise herausgenommen. Und erst, wenn man gewissermaßen ausgerüstet ist mit solch einer Vorkenntnis, wie wir sie jetzt entwickelt haben, kann man an den menschlichen Organismus in entsprechender Weise herantreten. Denn betrachten Sie all dasjenige, was unser Nervensystem zusammensetzt, Sie werden das Eigentümliche finden: gerade was man gewöhnlich als Nervenzellen und dasjenige, was man als Nervengewebe und so weiter bezeichnet, das sind eigentlich Gebilde, verhältnismäßig auf frühen Entwickelungsstadien zurückgeblieben, nicht sehr vorgeschrittene Zellgebilde sind das, so daß man sagen könnte: man müßte eigentlich erwarten, daß gerade diese sogenannten Nervenzellen den Charakter früherer primitiver Zellbildungen zeigen. Das tun sie in anderer Beziehung wiederum ganz und gar nicht, denn sie sind zum Beispiel nicht fortpflanzungsfähig. Nervenzellen, ebenso wie Blutzellen, sind unteilbar, wenn sie ausgebildet sind, sie sind nicht fortpflanzungsfähig. Es ist ihnen also in einem verhältnismäßig frühen Stadium eine Fähigkeit, die den außermenschlichen Zellen zukommt, entzogen; die ist ihnen entzogen. Sie bleiben auf einer frühen Entwickelungsstufe stehen, werden gewissermaßen auf dieser Entwikkelungsstufe abgelähmt. Das, was in ihnen abgelähmt wird, das sondert sich ab als Seelisch-Geistiges. So daß wir in der Tat mit unserem seelisch-geistigen Prozesse zurückkehren zu dem, was einmal in der organischen Substanz sich gebildet hat, das wir aber nur dadurch erreichen, daß wir in uns die Nervensubstanz tragen, die wir in einem verhältnismäßig frühen Stadium abtöten, ablähmen wenigstens.

[ 21 ] There is a complete parallelism between what we experience inwardly and spiritually and what, in the outer world, are the formative forces of nature and the formative principles of nature. A complete parallelism exists there. One must point out this parallelism and show that what the human being essentially has in the external world as formative principles is what he has extracted from his own organism as his inner soul-spiritual life—and which therefore no longer underlies the matter, the substance, of his own organism. But now, we have not extracted it with equal intensity from all parts of the organism; we have extracted it in various ways. And only when one is, so to speak, equipped with the kind of prior knowledge we have now developed can one approach the human organism in an appropriate manner. For if you consider all the elements that make up our nervous system, you will find something peculiar: precisely what is usually referred to as nerve cells and what is called nervous tissue and so on—these are actually structures that have remained at relatively early stages of development; they are not very advanced cellular structures, so that one might say: one would actually expect these so-called nerve cells to exhibit the characteristics of earlier, primitive cellular structures. Yet in other respects, they do not do so at all; for example, they are incapable of reproduction. Nerve cells, just like blood cells, are indivisible once they are fully formed; they are incapable of reproduction. Thus, at a relatively early stage, they are deprived of a capacity that is characteristic of non-human cells; this capacity is taken from them. They remain at an early stage of development, becoming, so to speak, stunted at this stage. That which is stunted within them separates off as the soul-spiritual. Thus, through our soul-spiritual processes, we do in fact return to what was once formed in organic substance—but we achieve this only because we carry within us the nervous substance that we kill off, or at least paralyze, at a relatively early stage.

[ 22 ] Auf diese Weise kann man sich dem eigentlichen Wesen der Nervensubstanz nähern. Man bekommt dann heraus, warum diese Nervensubstanz diese Eigentümlichkeit an sich trägt, daß sie auf der einen Seite eigentlich ziemlich den primitiven Bildungen ähnlich sieht, sogar in dem, was sie weiter ausbildet, den primitiven Bildungen ähnlich sieht, und doch dem dient, was man gewöhnlich beim Menschen das Höchste nennt, der geistigen Tätigkeit.

[ 22 ] In this way, one can approach the true nature of nervous tissue. One then discovers why this nervous substance possesses the peculiarity that, on the one hand, it actually resembles primitive formations quite closely—even in its further development, it resembles primitive formations—and yet serves what is commonly called the highest faculty in humans: mental activity.

[ 23 ] Ich glaube — das ist nur ein Einschiebsel, das soll nicht zur eigentlichen Betrachtung gehören —, daß schon die oberflächliche Betrachtung des menschlichen Hauptes, in dem der Mensch seine verschiedenen Nervenzellen umschließt, in diesem Umschlossensein von Zellen durch einen festen Panzer, eher erinnert an niedere Tiere als an hochentwickelte Tiere. Gerade unser Kopf erinnert eigentlich, ich möchte sogar sagen, an vorweltliche Tiere. Er erscheint nur umgebildet. Und wenn wir von niederen Tieren sprechen, so sagen wir gewöhnlich: Die haben ein Außenskelett, während die höheren Tiere und der Mensch ein Innenskelett haben; aber nur unser Kopf, da, wo wir am höchsten entwickelt sind, hat ein Außenskelett. Das ist immerhin etwas, was wenigstens eine Art Leitmotiv sein könnte für das, was eben angeführt worden ist.

[ 23 ] I believe—and this is just a digression, not part of the main discussion—that even a superficial examination of the human head, in which a person’s various nerve cells are enclosed within a solid shell, is more reminiscent of lower animals than of highly developed ones. Our head, in particular, actually reminds us—I would even say—of prehistoric animals. It merely appears to have been transformed. And when we speak of lower animals, we usually say: They have an exoskeleton, whereas higher animals and humans have an endoskeleton; but only our head—precisely where we are most highly developed—has an exoskeleton. That is, after all, something that could at least serve as a kind of leitmotif for what has just been stated.

[ 24 ] Nun denken Sie sich nur, wenn wir dasjenige, was wir so unserem Organismus entzogen haben, durch irgend etwas, das wir eine Krankheit nennen — ich werde noch genauer darauf zu sprechen kommen — veranlaßt, ihm zuführen — also denken Sie, diese Bildungskräfte, die in der außermenschlichen Natur vorhanden sind, die wir unserem Organismus entzogen haben, weil wir sie für das Geistig-Seelische verwenden, wenn wir diese dadurch, daß wir eine Pflanze oder so etwas verwenden, als Heilmittel dem Organismus wieder zuführen, so verbinden wir den Organismus mit dem, was ihm zunächst fehl. Wir kommen ihm zu Hilfe, indem wir ihm das zusetzen, was wir ihm erst dadurch, daß wir Mensch geworden sind, genommen haben.

[ 24 ] Now just imagine: if we were to have something—which we call a disease—cause our organism to take back what we have thus deprived it of—I will come back to this in more detail — then imagine: these formative forces that exist in nature outside of humanity, which we have deprived our organism of because we use them for the spiritual and soul life—if we return these to the organism as a remedy by using a plant or something similar, we are connecting the organism with what it initially lacks. We come to its aid by supplying it with what we had first taken from it simply by becoming human.

[ 25 ] Sie sehen hier schon zunächst etwas aufdämmern, was man als Heilprozeß bezeichnen kann: das Zuhilfenehmen derjenigen Kräfte in der Natur draußen, die wir als normaler Mensch nicht haben, wenn wir sie gebrauchen, damit irgend etwas in uns stärker wird, als es beim normalen Menschen ist. Nehmen wir also, um einmal konkret zu sprechen, aber nur beispielsweise, irgendeines unserer Organe, sagen wir meinetwillen unsere Lunge oder so etwas; es würde sich auch bei solchen Organen herausstellen, daß wir ihnen Bildungsprinzipien entnommen haben, um sie für das GeistigSeelische zu haben. Kommen wir nun gerade im Pflanzenteich auf diejenigen Kräfte, die wir da aus der Lunge herausgenommen haben, und führen sie bei irgendeiner Störung des Lungensystems dem Menschen zu, so kommen wir seiner Lungentätigkeit zu Hilfe. Sie sehen, es würde die Frage entstehen: Welche Kräfte in der außermenschlichen Natur sind den Kräften ähnlich, die den menschlichen Organen zugrunde liegen, die aber zur geistig-seelischen Tätigkeit herausgezogen sind? — Sie sehen hier einen Weg, von der bloßen Probiermethode der Therapie zu einer Art Ratio in der Therapie zu kommen.

[ 25 ] Here you can already see the beginnings of what might be called a healing process: drawing upon those forces in the natural world that we, as ordinary human beings, do not possess when we need them, so that something within us becomes stronger than it is in an ordinary person. So, to speak concretely—but only by way of example—let’s take any of our organs, say, for the sake of argument, our lungs or something similar; it would turn out that even with such organs, we have drawn upon formative principles to make them available for the spiritual-soul aspect. Now, if we take the forces we have extracted from the lungs and introduce them into a person’s body—specifically in the plant pond—in the event of any disturbance in the pulmonary system, we are aiding the functioning of their lungs. You see, the question would arise: Which forces in nature outside of the human being are similar to the forces underlying the human organs, but which have been extracted for spiritual-soul activity? — You can see here a path from the mere trial-and-error method of therapy to a kind of rational approach in therapy.

[ 26 ] Nun liegt aber neben den Irrtümern, denen man sich hingegeben hat in bezug auf das Nervensystem, die Irrtümer in bezug auf das Innermenschliche sind, ein sehr beträchtlicher Irrtum vor in bezug auf die außermenschliche Natur, den ich heute nur andeuten, später aber noch näher ausführen will. Man ist allmählich dazu gekommen im materialistischen Zeitalter, eine Art Evolution der äußeren Wesen zu denken von dem sogenannten Einfachsten bis zu dem Kompliziertesten hin. Man hat dann, nachdem man zuerst seine Betrachtung ausgedehnt hat über die niederen Organismen, die Umwandelung der Formen studiert bis zu den kompliziertesten Organismen, dann auch ins Auge gefaßt das, was nicht Organismen sind, zum Beispiel das mineralische Reich. Das mineralische Reich hat man so ins Auge gefaßt, daß man sich gesagt hat: Das mineralische Reich ist eben einfacher als das Pflanzenreich. — Das hat schließlich dazu geführt, all die sonderbaren Fragen aufkommen zu lassen über die Entstehung des Lebens aus dem mineralischen Reich, über irgendein einmal vorhandenes Bedingtsein des Zusammenkommens der Substanzen aus ihrem bloßen unorganischen Agieren zu einem organischen Agieren. Die Generatio aequivoca ist dasjenige, was viele Diskussionen hervorgerufen hat.

[ 26 ] However, in addition to the errors that have been committed regarding the nervous system and those regarding the inner workings of the human being, there is a very significant error concerning nature outside of humanity, which I will only hint at today but intend to elaborate on in greater detail later. In this materialistic age, people have gradually come to conceive of a kind of evolution of external beings, ranging from the so-called simplest to the most complex. After first extending one’s observations to include lower organisms and studying the transformation of forms up to the most complex organisms, one then turned one’s attention to what are not organisms—for example, the mineral kingdom. The mineral kingdom was viewed in such a way that people said to themselves: The mineral kingdom is simply simpler than the plant kingdom. — This ultimately led to the emergence of all those peculiar questions regarding the origin of life from the mineral kingdom, regarding some once-existing condition under which substances came together, transitioning from their mere inorganic activity to organic activity. The *generatio aequivoca* is what has sparked so much discussion.

[ 27 ] Nun, einer unbefangenen Betrachtungsweise ergibt sich aber durchaus nicht das Richtige dieser Anschauung, sondern man muß sich sagen: In einer gewissen Weise läßt sich überhaupt ebenso, wie sich eine Art Evolution denken läßt von den Pflanzen hin durch die Tiere zum Menschen, wiederum eine Art Evolution denken von den Organismen, also von den Pflanzen hin zu den Mineralien, indem ihnen das Leben genommen wird. — Wie gesagt, ich will das heute nur andeuten, es wird in den folgenden Betrachtungen deutlicher herauskommen. Man kommt nur zurecht, wenn man die Evolution gar nicht so denkt, daß man vom Mineral heraufgeht über das Pflanzliche durch das Tierische zum Menschen, sondern wenn man den Ausgangspunkt in der Mitte nimmt und irgendwo eine Evolution denkt, die vom Pflanzlichen heraufgeht durch das Tierische zum Menschen, und eine andere Evolution, die hinuntergeht zum Mineralischen, wenn man also den Anfang nicht im Mineral setzt, sondern wenn man ihn mitten in die Natur hineinsetzt, so daß das eine entsteht durch eine aufsteigende, das andere durch eine niedersteigende Evolution. Dadurch aber wird man dazu kommen, einzusehen, daß, indem man von der Pflanze zum Mineral hinuntergeht und namentlich, wie wir sehen werden, zu dem ganz besonders bedeutsamen Mineral, dem Metall, daß da in der niedergehenden Evolution Kräfte auftreten können, die nun in einem ganz besonderen Verhältnisse zu dem Spiegelbild, der aufgehenden Evolution, stehen.

[ 27 ] Well, an unbiased examination does not at all confirm the validity of this view; rather, one must conclude: In a certain sense, just as one can conceive of a kind of evolution from plants through animals to humans, one can also conceive of a kind of evolution from organisms—that is, from plants—toward minerals, by depriving them of life. — As I said, I only want to hint at this today; it will become clearer in the following reflections. One can only make sense of this if one does not conceive of evolution as moving upward from the mineral realm through the plant and animal realms to human beings, but rather if one takes the starting point in the middle and conceives of one evolution that moves upward from the plant realm through the animal realm to human beings, and another evolution that descends toward the mineral realm—in other words, if one does not place the beginning in the mineral realm, but rather places it in the very center of nature, so that one arises through an ascending evolution and the other through a descending one. Through this, however, one will come to realize that, as one descends from the plant to the mineral—and especially, as we shall see, to that particularly significant mineral, the metal—forces can arise in the descending evolution that stand in a very special relationship to its mirror image, the ascending evolution.

[ 28 ] Kurz, die Frage stellt sich uns vor die Seele: Was sind in den Mineralien für ganz besondere Kräfte vorhanden, die wir nur studieren können, wenn wir hier diese Bildungskräfte, die wir an den niederen Organismen studiert haben, studieren? — Bei den Mineralien sehen wir sie auftreten in der Kristallisation. Die Kristallisation zeigt uns ganz entschieden etwas, was auftritt, wenn wir die niedergehende Evolution betrachten, was irgendwie nur im Zusammenhang stehen kann, aber nicht das gleiche ist, mit dem, was auftritt an Gestaltungskräften, wenn wir die aufsteigende Evolution betrachten. Führen wir daher dem Organismus dasjenige zu, was als Kräfte in den Mineralien ist, so entsteht eine neue Frage. Wir haben antworten können auf eine ähnliche Frage: Wenn wir die bildenden Kräfte, die wir durch das Geistig-Seelische unserer Organisation weggenommen haben, dem menschlichen Organismus aus dem pflanzlichen, tierischen Reiche zuführen, so helfen wir dem Organismus. Was aber tritt ein, wenn wir die andersartigen Kräfte, die in der absteigenden Evolution, also im Mineralreich liegen, nun dem menschlichen Organismus zuführen würden? Das ist die Frage, die ich heute hinstellen will und die sich uns im Laufe der Betrachtungen eingehend beantworten soll.

[ 28 ] In short, the question arises deep within us: What are these very special forces present in minerals that we can study only by examining here the formative forces we have studied in lower organisms? — In minerals, we see them manifest in crystallization. Crystallization clearly shows us something that occurs when we consider descending evolution—something that can only be related to, but is not the same as, the formative forces that arise when we consider ascending evolution. If, therefore, we introduce into the organism what exists as forces in the minerals, a new question arises. We have been able to answer a similar question: When we supply the human organism with the formative forces—which we have removed from our own spiritual-soul structure—from the plant and animal kingdoms, we help the organism. But what happens if we were now to supply the human organism with the different forces that lie in descending evolution—that is, in the mineral kingdom? That is the question I wish to pose today, and one that we shall answer in depth in the course of our reflections.

[ 29 ] Nun aber, bei alledem sind wir ja noch nicht dahin gekommen, irgend etwas beitragen zu können im rechten Sinne zu der Frage, die wir heute an die Spitze der Betrachtung gestellt haben: ob wir der Natur nun selber einen Heilungsprozeß ablauschen können. Bei einer solchen Frage handelt es sich immer darum, daß man mit den richtigen Einsichten — und wir haben ja versucht, solche Einsichten wenigstens skizzenhaft uns zu verschaffen über solche Dinge — an die Natur herangeht, daß sich dann gewisse Vorgänge in ihrer Wesenheit erst enthüllen. Darauf kommt es an.

[ 29 ] But even with all this, we have not yet reached the point where we can contribute anything in the true sense to the question we have placed at the forefront of our discussion today: whether we can actually discern a healing process in nature itself. Such a question always involves approaching nature with the right insights—and we have, after all, tried to gain at least a rough outline of such insights regarding these matters—so that certain processes may then reveal their true nature. That is what matters.

[ 30 ] Nun, sehen Sie, gibt es im menschlichen Organismus zwei Prozesse — es gibt sie auch im Tierischen, aber das kann uns jetzt weniger interessieren —, die sich in gewissem Sinne, wenn wir sie ausgerüstet mit den Ideen, die wir jetzt gewonnen haben, betrachten, als entgegengesetzte Prozesse darstellen. Diese beiden entgegengesetzten Prozesse sind nicht ganz — ich betone das ausdrücklich und bitte das zu beachten, damit dies, was ich jetzt ausführe, nicht mißverstanden werden könne -—, aber bis zu einem hohen Grade polarische Prozesse. Und diese Prozesse sind: die Blurbildung und die Milchbildung, wie sie im menschlichen Organismus auftreten. Blutbildung und Milchbildung — schon äußerlich unterscheiden sich die Blut- und Milchbildung in ganz wesentlicher Weise. Die Blurbildung ist, ich möchte sagen, sehr stark in die verborgene Seite des menschlichen Organismus zurückverlegt. Die Milchbildung ist etwas, was zuletzt mehr nach der Oberfläche tendiert. Aber der wesentlichste Unterschied zwischen der Blutbildung und der Milchbildung ist doch der, daß die Blutbildung sehr stark die Fähigkeit in sich trägt, selbst Bildungskräfte zu bilden, wenn wir den Menschen selbst betrachten. Das Blut ist ja dasjenige, dem wir bildende Kräfte zuschreiben müssen im ganzen Haushalt des menschlichen Organismus, wenn wir den philiströsen Ausdruck gebrauchen dürfen. Das Blut hat also in einer gewissen Beziehung noch die Bildungskräfte, die wir hier in dem niederen Organismus wahrnehmen; die hat das Blut in sich. Aber gerade die neuere Wissenschaft könnte sich hier auf etwas sehr Wichtiges stützen, wenn sie das Blut betrachtet, tut es aber bis heute nicht eigentlich in einem wirklich vernünftigen Sinn. Sie könnte sich darauf stützen, daß der Hauptbestandteil des Blutes die roten Blutkörperchen sind, die wiederum nicht vermehrungsfähig sind, die wiederum die Eigentümlichkeit haben, daß sie nicht vermehrungsfähig sind. Das haben sie mit den Nervenzellen gemeinschaftlich. Aber wenn man eine solche gemeinsame Eigenschaft hervorhebt, so kommt es immer darauf an, ob der Grund, warum das ist, in beiden Fällen derselbe ist. Der Grund kann nicht derselbe sein, denn aus dem Blute haben wir nicht in demselben Maße herausgenommen die Bildefähigkeit, wie wir sie aus der Nervensubstanz herausgenommen haben. Die Nervensubstanz, die ja gerade dem Vorstellungsleben zugrunde liegt, entbehrt in einem hohen Grade die innere Bildungsfähigkeit. Die Nervensubstanz wird beim Menschen noch während seines Lebens nach der Geburt weit hinaus von den äußeren Eindrücken abhängig nachgebildet. Also die innere Bildungsfähigkeit weicht da zurück gegenüber der Fähigkeit, sich den äußeren Einflüssen einfach anzupassen. Beim Blute ist das anders. Das Blut hat sich in hohem Grade die innere Bildungsfähigkeit bewahrt. Diese innere Bildungsfähigkeit, sie ist ja, wie Sie aus den Tatsachen des Lebens wissen, auch in einem gewissen Sinne bei der Milch vorhanden. Denn wäre sie bei der Milch nicht vorhanden, so würden wir nicht die Milch gerade als gesundes Nahrungsmittel den Säuglingen geben können. Dasjenige, was die Säuglinge brauchen, ist die Milch. Es ist in ihr eine ähnliche Bildefähigkeit wie im Blute. So daß also mit Bezug auf die Bildefähigkeit eine gewisse Ähnlichkeit besteht zwischen dem Blute und der Milch.

[ 30 ] Well, you see, there are two processes in the human organism—they also exist in the animal kingdom, but that is of less interest to us at the moment—which, in a certain sense, when we view them through the lens of the ideas we have now gained, appear to be opposing processes. These two opposing processes are not entirely—I emphasize this explicitly and ask that you take note of it so that what I am about to explain cannot be misunderstood—but to a high degree, they are polar processes. And these processes are: blood formation and milk formation, as they occur in the human organism. Blood formation and milk formation—even outwardly, blood formation and milk formation differ in a very fundamental way. Blood formation, I would say, is very strongly situated in the hidden side of the human organism. Milk formation is something that ultimately tends more toward the surface. But the most essential difference between blood formation and milk formation is that blood formation possesses, to a very great extent, the capacity to form formative forces itself, when we consider the human being as such. Blood is, after all, the substance to which we must attribute formative forces throughout the entire system of the human organism, if we may use that somewhat pedantic expression. Blood thus still possesses, in a certain sense, the formative forces that we perceive here in the lower organism; blood has these within itself. But modern science, in particular, could base itself on something very important here when it considers the blood; yet to this day it has not actually done so in a truly rational sense. It could base itself on the fact that the main component of the blood is the red blood cells, which in turn are incapable of reproduction—they have the distinctive characteristic of being incapable of reproduction. This is something they share with nerve cells. But when one emphasizes such a shared characteristic, it always comes down to whether the reason for this is the same in both cases. The reason cannot be the same, for we have not stripped the blood of its formative capacity to the same extent as we have stripped the nervous substance of it. Nerve tissue, which is, after all, the very foundation of the life of the imagination, is to a high degree devoid of inner formative capacity. In humans, nerve tissue continues to be shaped—even after birth—to a great extent by external impressions. Thus, the inner formative capacity takes a back seat to the ability to simply adapt to external influences. With blood, it is different. Blood has retained its inner formative capacity to a high degree. This inner formative capacity—as you know from the facts of life—is also present, in a certain sense, in milk. For if it were not present in milk, we would not be able to give milk to infants as a healthy food. What infants need is milk. It possesses a formative capacity similar to that of blood. Thus, with regard to this formative capacity, there is a certain similarity between blood and milk.

[ 31 ] Nun ist aber ein sehr beträchtlicher Unterschied. Die Milch, sie hat diese Bildefähigkeit. Sie hat aber etwas nicht, was das Blut zu seinem Bestande im höchsten Maße braucht, wenigstens hat sie das nur in sehr geringem Maße, in verschwindend geringem Maße: Eisen, das einzige Metall im Grunde genommen im menschlichen Organismus, das in seinen Verbindungen im Menschen, im menschlichen Organismus selbst ordentliche Kristallisationsfähigkeit zeigt. Also wenn die Milch auch andere Metalle in geringen Mengen hat, so ist der Unterschied jedenfalls da, daß das Blut zu seinem Bestande das Eisen braucht, ein ausgesprochenes Metall. Die Milch, die die Bildungsfähigkeit auch hat, braucht dieses Eisen nicht. Nun entsteht die Frage: Warum braucht das Blut das Eisen?

[ 31 ] But there is a very significant difference. Milk possesses this ability to form. However, it lacks something that blood needs to the highest degree for its composition—or at least it has it only in very small amounts, in vanishingly small amounts: iron, which is essentially the only metal in the human organism that, in its compounds within the human body, exhibits a proper ability to crystallize. So even though milk contains other metals in small quantities, the difference is certainly this: blood needs iron—a distinct metal—for its composition. Milk, which also has this ability to form, does not need this iron. This raises the question: Why does blood need iron?

[ 32 ] Das ist eigentlich eine Kardinalfrage der ganzen medizinischen Wissenschaft. Das Blut braucht das Eisen nämlich. Wir werden die Materialien schon herbeitragen zu diesen Tatsachen, die ich heute hingeworfen habe; ich will zunächst erhärten, wie das Blut diejenige Substanz im menschlichen Organismus ist, die einfach durch ihre eigene Wesenheit krank ist und fortwährend durch das Eisen geheilt werden muß. Das ist bei der Milch nicht der Fall. Wäre die Milch in demselben Sinne krank wie das Blut, so würde die Milch in solcher Art, wie es geschieht, nicht ein Bildemittel sein können für den Menschen selber, ein äußerlich ihm zugefügtes Bildemittel sein können.

[ 32 ] This is actually a fundamental question for the entire field of medical science. For the blood needs iron. We will provide the evidence to support these facts that I have raised today; first, I want to establish how the blood is the substance in the human organism that is inherently diseased by its very nature and must be continually healed by iron. This is not the case with milk. If milk were “sick” in the same sense as blood, then milk could not, as is the case, serve as a formative agent for human beings themselves—a formative agent applied to them from the outside.

[ 33 ] Betrachtet man das Blut, so betrachtet man dasjenige, welches im Menschen einfach um der menschlichen Konstitution willen, um der Organisation willen fortwährend etwas Krankes ist. Das Blut ist einfach durch seine eigene Wesenheit krank und muß fortwährend kuriert werden durch den Eisenzusatz. Das heißt, wir haben in dem Prozesse, der in unserem Blute sich vollzieht, einen fortwährenden Heilungsprozeß in uns. Will der Arzt durch der Natur Examen gehen, so muß er vor allen Dingen nicht einen schon abnormen Prozeß der Natur betrachten, sondern einen normalen Prozeß. Und der Blutprozeß ist sicher ein normaler, aber er ist zu gleicher Zeit ein solcher, wo fortwährend die Natur selbst heilen muß, wo fortwährend die Natur durch das zugesetzte Mineral, durch das Eisen heilen muß. So daß wir, wenn wir uns dasjenige graphisch darstellen wollten, was mit dem Blute geschieht, sagen müssen: Dasjenige, was das Blut durch seine eigene Konstitution ohne das Eisen hat, ist eine Kurve oder eine Linie, die abwärts führt und die ankommen würde zuletzt bei der vollständigen Auflösung des Blutes (siehe Zeichnung Seite 74, rot), während dasjenige, was das Eisen im Blute bewirkt, es fortwährend aufwärts führt, es fortwährend heilt (gelbe Linie).

[ 33 ] When we consider blood, we are considering that which, in human beings, is constantly somewhat diseased simply because of the human constitution, because of the body’s organization. The blood is inherently diseased simply by its very nature and must be continually treated with iron supplements. This means that the process taking place in our blood is, in fact, a continuous healing process within us. If the physician wishes to examine nature, he must, above all, observe not an already abnormal natural process, but a normal one. And the blood process is certainly a normal one, but it is at the same time one in which nature itself must constantly heal, in which nature must constantly heal through the added mineral—through iron. So that if we were to represent graphically what happens to the blood, we must say: What the blood exhibits by its own constitution, without iron, is a curve or line that slopes downward and would ultimately lead to the complete dissolution of the blood (see diagram on page 74, red), whereas what the iron does in the blood continuously leads it upward, continuously healing it (yellow line).

[ 34 ] Wir haben in der Tat da einen Prozeß, der ein normaler ist und der zu gleicher Zeit ein solcher ist, der nachgebildet werden muß, wenn wir überhaupt an Heilungsprozesse denken wollen. Da können wir wirklich durch der Natur Examen gehen, denn da sehen wir, wie die Natur Prozesse vollführt, indem sie dasjenige, was außermenschlich ist, das Metall mit seinen Kräften, dem Menschlichen zuführt. Und wir sehen zu gleicher Zeit, wie dasjenige, was im Organismus unbedingt bleiben will, wie das Blut, geheilt werden muß, und wie das, was aus dem Organismus herausstrebt, wie die Milch, nicht geheilt zu werden braucht, wie sie, wenn sie Bildekräfte enthält, in gesunder Weise Bildekräfte in den anderen Organismus überführen kann. Das ist eine gewisse Polarität, und ich sage: eine gewisse, nicht eine ganze Polarität zwischen dem Blute und der Milch, die aber ins Auge gefaßt werden muß, denn man kann daran eben sehr viel studieren. Da wollen wir dann morgen fortsetzen.

[ 34 ] We do indeed have a process here that is a normal one and, at the same time, one that must be emulated if we are to consider healing processes at all. Here we can truly examine nature, for here we see how nature carries out processes by bringing that which is non-human—the metal with its forces—into the human realm. And at the same time, we see how that which absolutely wants to remain within the organism—such as blood—must be healed, and how that which strives to leave the organism—such as milk—does not need to be healed; rather, if it contains formative forces, it can transfer those forces in a healthy way to another organism. This is a certain polarity—and I say: a certain, not a complete, polarity between blood and milk—but one that must be taken into account, for there is much to be studied in it. Let us continue tomorrow.

[ 35 ] Ich mußte dieses alles vorausschicken, weil ich an den Fragen gesehen habe, daß sie sich in ganz anderer Weise beantworten werden, wenn man eben die Begriffe, die Grundlagen für die Beantwortung hat.

[ 35 ] I had to preface all of this because I saw from the questions that they can be answered in a completely different way once one has the concepts—the foundations—for answering them.