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Geisteswissenschaft und Medizin
GA 312

30 März 1920, Dornach

Zehnter Vortrag

[ 1 ] Es ist ja in der Natur der Sache gelegen, daß wir hier versuchen, mehr die Methode aufzufinden, durch die das medizinische Studium befruchter werden kann, als daß wir uns zu stark atomisierend in Einzelheiten verlieren würden, die ja doch im Grunde genommen immer nur eine relative Bedeutung haben können. Aber gerade das methodische Studium des Zusammenhanges des Menschen mit der außermenschlichen Natur dürfte geeignet sein, jeden einzelnen Menschen gewissermaßen auszurüsten damit, in der Natur selbst Beobachtungen anstellen zu können. Lassen Sie uns daher heute im Eingange einiges anführen, welches gewissermaßen für ein gewisses Gebiet eine Art Weg sein kann, auf dem man so manches finden kann.

[ 2 ] Es ist ja natürlich, daß die eigentlich geisteswissenschaftliche Untersuchung dadurch, daß sie Regulative abgibt, manches herausfinden kann, das dann ganz im Sinne des gestern von Dr. Stein gehaltenen Vortrags verifiziert werden kann. Aber auf der anderen Seite, geht man einmal gerade auf diese Gebiete ein, so sind sie für manches leitend. Und so möchte ich Sie auf ein paar Beispiele heute hinweisen, die aber eben signifikant sein können. Sie sehen zum Beispiel — bleiben wir zunächst im Gebiete des Pflanzlichen für eine kleine Weile stehen — wie Anis, Anisum vulgare, im allgemeinen auf den menschlichen Organismus wirkt. Wir werden finden, daß seine charakteristischesten Wirkungen die sind, daß es absonderungsfördernd auftritt, also harntreibend, die Milchabsonderung fördernd, schweißbildend auch, und wir fragen uns, womit das zusammenhängen könnte. Wir werden gerade bei dieser Pflanze finden, daß ihre Wirksamkeit zusammenhängt mit den darin vorhandenen, fein zerteilten Eisenbestandteilen oder Eisensalzbestandteilen, so daß wir deutlich wahrnehmen können, wie die Wirkung des Anis darauf beruht, daß gewissermaßen dasjenige, was sonst durch das Eisen im Blute sich abspielt, herausgenommen wird aus dem Blute und eine Weile auf die Provinz unterhalb des Blutes gedrängt wird. Wir können aber geradezu bei gewissen Pflanzen gut studieren, weil sie mit ihren Wirkungen sehr stark auf das Mittlere, also zwischen außen und innen gehen, zwischen der Oberfläche des Leibes und dem Herzen, wie sie ihre Wirkungen auf die verschiedenen Gebiete erstrecken, und können dann darinnen Leitmotive für dasjenige haben, was wir in der Heilmittellehre rationell aufsuchen können.

[ 3 ] Betrachten wir zum Beispiel eine Pflanze, die in dieser Beziehung geradezu, ich möchte sagen, ein Lehrmeister der Natur selbst ist, das Cichorium intybus. Es ist etwas, woran man, ich möchte sagen, alles mögliche über den menschlichen Organismus studieren kann, wenn man nur will. Denn wir können finden bei Cichorium intybus, daß es einerseits ein Gegenmittel gegen Verdauungsschwäche ist, also gegen dasjenige, was durch die Organe sich äußert, die unmittelbar gegen die menschliche Außenwelt selbst zu liegen, anderseits daß aber auch Cichorium intybus auf das Blut selbst wirkt, daß es das Blut verhindert, die ihm nötigen Prozesse nicht zu vollziehen, daß es das Blut verhindert, Störungsprozesse aufkommen zu lassen in der Blutflüssigkeit selber. Endlich ist bei Cichorium intybus das sehr Bedeutsame, daß es doch auch bis zu ganz peripherischen Prozessen in seiner Heilwirkung reicht, daß es eben noch eine Wirkung äußert unter Umständen auf die Kopforgane, namentlich aber auf die Hals- und Brustorgane, auf die Lungenorgane. Gerade deshalb, weil Cichorium intybus so starke Wirkungen auf alle möglichen Glieder des Menschen hat, deshalb ist es so interessant zu studieren. Man sieht gewissermaßen fächerförmig diese Wirkungen ausgebreitet. Wir fragen uns: Worauf beruht die Gegenwirkung gegen die Verdauungsschwäche? Wir finden, sie beruht auf dem im Cichorium vorhandenen, durch den stark wirkenden Geschmack sich ausdrückenden bitteren Extraktivstoff. Diese bitteren Extraktivstoffe, die also noch einen stark pflanzlichen substanzlichen Charakter haben, haben noch eine starke Verwandtschaft zu dem im Menschen, was noch nicht sehr stark von dem Menschen verarbeitet ist, was gewissermaßen noch ähnlich seinem Aussehen in der Außenwelt ist.

[ 4 ] Wir müssen uns ja klar sein darüber, daß wir die Stoffe der Außenwelt zunächst wenig verarbeitet in den Gebieten bis zum Magen hin haben, daß sie dann weiterverarbeitet werden, durch den Darm ins Blut hinein wesentlich umgearbeitet erscheinen und am stärksten umgearbeitet erscheinen in der Peripherie, im Knochensystem, Nervensystem, Muskelsystem. Und Extraktivstoffe haben eine sehr starke Verwandtschaft zu den noch unverarbeiteten äußeren Substanzen.

[ 5 ] Nun enthält aber Cichorium intybus auch alkalische Salze, Kalium. Namentlich in diesem müssen wir nun suchen dasjenige, was ins Blut hineinwirkt, so daß wir also gleichzeitig in dem Cichotium intybus sehen, wie sich die Kräfte scheiden. Die Kräfte, die in den Extraktivstoffen liegen, die ziehen sich durch ihre Verwandtschaft zu den Verdauungsorganen hin. Die Kräfte, die in den alkalischen Salzen liegen, ziehen sich in ihrer Verwandtschaft nach den Organen der Blutsverwandtschaft oder dem Blute selber hin. Dann ist da im wesentlichen Kieselsäure in sehr starkem Maße. Die Kieselsäure wirkt über das Blut hinaus in die peripherischen Organe durch das Nervensystem und Muskelsystem hindurch bis hinein ins Knochensystem. So daß also Cichorium intybus etwas ist, das uns eigentlich wirklich zeigt: ich bin da und lasse mich dreifach spalten, so daß ich eine Wirkung habe auf alle drei Gliederungen des menschlichen Organismus. Das sind die Experimente, die uns die Natur selber vormacht, und sie sind eigentlich immer viel bedeutungsvoller als die Experimente, die wir uns selber machen, weil die Natur in ihren Absichten viel reicher ist, als wir selber sein können, wenn wir an die Natur Fragen stellen mit unserem Experimente.

[ 6 ] Sehr interessant in dieser Beziehung ist nun auch das Equisetum arvense. Da haben wir wiederum starke Wirkungen gegen die Verdauungsschwäche, aber auch wiederum starke peripherische Wirkungen. Wir brauchen uns nur zu fragen: Worauf beruhen diese starken peripherischen Wirkungen beim Equisetum arvense? Wir bekommen wiederum zur Antwort: Auf dem Kieselsäuregehalt. So daß wir einfach durch ein vergleichendes Studium — und das, was ich Ihnen angegeben habe hier, das können Sie, wenn Sie wirklich medizinische Botanik studieren, sehr vermannigfaltigen — überall finden, daß all das, was noch dem Pflanzlichen ähnlich ist, als Extraktivstoff sich äußert, noch zum Verdauungstrakt seine Verwandtschaft hat und daß dasjenige, was schon nach dem Mineralreich hinübertendiert, die Kieselsäure, gewissermaßen von dem Zentrum des Menschen nach dem Peripherischen unbedingt hin will und da auch heilend wirkt.

[ 7 ] Aber, ich möchte sagen, geradezu eine Prachtpflanze ist in ihrer Wirksamkeit ein ganz einfaches Ding, aber ungeheuer lehrreich, das ist Fragaria vesca, die Walderdbeere. Es wird ihre Wirkung nur deshalb sehr wenig beobachtet, weil sie ja gegessen wird von denjenigen, die gewissermaßen durch ihre Organisation ihre Wirkung zudecken. Aber man könnte ja in einem solchen Falle, wo zumeist die Wirkung zugedeckt wird, seine Versuche machen mit Menschen, die gewissermaßen noch empfänglich, sensitiv sind, mit Menschen, die sonst nicht Erdbeeren essen. Dann würde sich geradezu die prachtvolle Bedeutung dieser Walderdbeere zeigen. Diese Walderdbeere ist nämlich auf der einen Seite ganz besonders befähigt, Normalisierung in der Blutbildung hervorzurufen. Sie tut alles, was eigentlich die Blutbildung etwas fördert, so daß man sie anwenden kann bei Menschen, die sonst nicht gegen Erdbeeren sich immun machen durch den Erdbeerengenuß, sogar bei Diarrhöebildung aus dem Grunde, weil bei der Diarrhöebildung im Unterleib unrichtig auftretende Kräfte an ihre richtige Stelle zurückverlegt werden, mehr in das Blutsystem selber.

[ 8 ] Nun hat man da auf der einen Seite eine wesentlich blutbildnerische Kraft und auf der anderen Seite haben wir in der Walderdbeere wiederum die Kieselsäure, also hintendierend dasjenige, was im Organismus ist, nach der Peripherie. Bedenken Sie nur, was eigentlich diese Walderdbeere für ein prachtvolles Ding ist. Sie hat die Tendenz, durch die Kieselsäure eine gewisse Kraftentfaltung zu entwickeln in der Peripherie des Organismus. Dann, wenn in der Peripherie des Organismus eine Kraftentfaltung geschieht, ist eine gewisse Gefahr vorhanden, daß, wenn man nun zuviel Kieselsäure hinleitet nach dieser Peripherie, die Kraft sich gewissermaßen überschnappt, und man nach dieser Peripherie nicht gleichzeitig genügend viel Nährstoffe nachschickt, daß man das Blut nicht gleichzeitig genügend fruchtbar hat, um das, was man da gewissermaßen anrichtet durch die Kieselsäure, in einer gewissen Weise wiederum mit Nährstoff zu versorgen. Die Walderdbeere ist nun dieses prächtige Exemplar, das gleichzeitig sich das Blut selber bereitet, das da nachgeschickt werden muß. Sie ist also dasjenige, was ausdrückt in einer ganz wunderbaren Form, was man tun muß, um gewissermaßen zu Hilfe zu kommen dem Prozesse, den man durch die Kieselsäureverbindungen hervorruft in den Peripherien des menschlichen Organismus. Die Natur gibt uns schon an einzelnen Exemplaren — und auch das könnte wiederum wesentlich vermehrt werden — ganz wunderbare Einsichten, wenn wir nur die Intuition haben, die Natur in den richtigen Punkten aufzusuchen.

[ 9 ] Dann mache ich Sie von diesem Gesichtspunkte aus noch auf etwas anderes aufmerksam. Studieren Sie die ziemlich umfassende Wirkung, welche eine solche Pflanze hat wie zum Beispiel Lavandula. Da werden Sie finden, daß auf der einen Seite dasjenige, was Sie in der Lavandula haben, eine starke heilende Kraft hat für all das, was, ich möchte sagen, negative Seelenschwäche ist, Ohnmachten, Nervenschwäche, Lähmungen, so daß also Lavandula nach der Peripherie des menschlichen Organismus hinwirkt so, daß es den astralischen Leib heraustreibt, daß der seine Macht verliert über den physischen Leib,

[ 10 ] Nun kann man bei solchen Pflanzen, überhaupt bei solchen Substanzen, bei denen man Wirkung gegen negative Nervenzustände, wenn wir sie so nennen dürfen, bemerkt, immer auch nach den anderen gegensätzlichen negativen Nervenzuständen fragen, ob schwache Periode zum Beispiel vorhanden ist, und Sie werden immer finden, daß die Substanz nach der einen und nach der anderen Seite hin wirkt. Eine Pflanze, die nach diesen beiden Seiten besonders stark wirkt, ist zum Beispiel wiederum die Melisse, die sowohl bei Schwindel, Ohnmachten stark wirkt, aber auch periodenanfeuernd im hohen Grade wirken kann.

[ 11 ] Ich habe diese Beispiele erwähnt, um Ihnen zu zeigen, wie man den äußeren Pflanzenprozeß verfolgen kann in seiner Ähnlichkeit zu dem Prozesse, der sich im Menschen selber abspielt. Nur wird man sich klar sein müssen darüber, daß die Pflanze ja nur mit einem Teil des menschlichen Wesens wirklich verwandt ist. Das möchte ich doch alle diejenigen zu bedenken bitten, die etwa fanatisch sich bloß auf die Pflanzenheilkunde verlegen möchten, was es ja auch in unserer Zeit gibt. Der Mensch ist wirklich so, daß er alle Naturreiche in sich enthält und außer dem menschlichen Reiche, das er selbst noch ist, verwandt war in seinen Bildungsvorgängen, in seinen Entwickelungsstadien mit allen übrigen Naturreichen und in einer gewissen Weise alle übrigen Naturreiche aus sich herausgesetzt hat und aus diesen Naturreichen in gewissen Fällen dasjenige, was er herausgesetzt hat, wiederum in sich zurücknimmt. Ja, es ist ein solches In-sich-Zurücknehmen. Das ist sogar sehr wichtig, daß es ein solches In-sich-Zurücknehmen ist.

[ 12 ] Dasjenige, was wir verhältnismäßig am letzten herausgesetzt haben, das müssen wir auch wiederum am frühesten im Heilungsprozeß in uns zurücknehmen. Wenn wir vom Tierreiche absehen — wir wollen ja auf dieses noch einiges Licht werfen, aber wir wollen zunächst davon absehen —, so haben wir, später als das Pflanzenreich, das eigentliche Mineralreich aus uns herausgesetzt, und wir müssen uns klar sein darüber, daß daher ein bloßes Beziehungsuchen des Menschen zum Pflanzenreich eben eine Einseitigkeit darstellt. Aber lehrreich bleibt das Pflanzenreich aus dem Grunde doch noch, weil ja schließlich auch die Pflanze, wenn sie heilt, eben nicht nur dutch ihr Pflanzensein, sondern durch die in ihr befindliche Angehörigkeit des Mineralreiches heilt. Deshalb bleibt es lehrreich. Nur muß man sich darüber klar sein, daß die Pflanze ja schon wiederum einen Teil desjenigen neu verarbeitet, was im Mineralreich vorliegt, und daß das nun von ihr schon wiederum Verarbeitete nicht im selben hohen Grade ein Heilmittel ist wie dasjenige, was noch nicht verarbeitet ist. Also die Kieselsäure, die bereits wiederum von der Pflanze überwunden ist, in den Pflanzenprozeß einbezogen ist, ist nicht ein so starkes Heilmittel, wie die im Mineral uns entgegentretende Kieselsäure, bei der der Organismus sich wesentlich mehr anstrengen muß, um sie zu assimilieren, zur Einheit zu treiben, als wenn er es bloß mit Kieselsäure im Pflanzenreich zu tun hat.

[ 13 ] Das ist dasjenige, was immer betont werden muß, daß der Mensch stärkere Kraft entwickeln muß, wenn ihm stärkere Kraft entgegensteht. Es steht ihm ganz positiv stärkere Kraft entgegen, wenn er Mineralisches in sich zu assimilieren und zu überwinden hat, als wenn er bloß Pflanzliches zu assimilieren hat. Sehen Sie, darin besteht ja auch der Unterschied — bitte, ich betone es, ich sage das nur wie in Parenthese, daß ich nicht für irgendeine Ernährungsweise hier Propaganda machen will, ich will ganz und gar nicht eintreten für irgend etwas, sondern nur die Dinge erzählen, wie sie sind —, darauf beruht ja der Unterschied zwischen der vegetarischen und der animalischen Ernährungsweise. Wenn wir uns bloß durch Pflanzliches nähren, so müssen wir selber als Menschen den ganzen Prozeß übernehmen, den uns das Tier abnimmt, indem es das Pflanzliche schon um eine Strecke weitergeführt hat. Wir können gewissermaßen sagen: Der Prozeß, den die Pflanze schon bis zu einem gewissen Punkte gebracht hat, wird vom Tiere weitergeführt, so daß der Tierbildungsprozeß, der in Betracht kommt, hier hält (siehe Zeichnung Seite 197), während er bei der Pflanze hier hält (rot, weiß). Derjenige, der nun Fleisch ißt, der verrichtet diesen Prozeß hier nicht, den Prozeß, den das Tier verrichtet; den läßt er sich eben von dem Tiere abnehmen. Er entwickelt also diese Kräfte in sich gar nicht, die entwickelt werden müssen, wenn er nur Pflanzliches aufnimmt, das er selber um diese Strecke weiterführen muß. Das heißt: der Organismus muß aus seinem Schoße, wenn er Pflanzenesser ist, ganz andere Kräfte heraufholen, als wenn er Fleischesser ist. Diese Kräfte sind aber da, die zum Überwinden des Pflanzlichen bis zum Tierischen hin gebraucht werden. Die gehen gewissermaßen durch einen Rückschlag wiederum in den Organismus zurück und arbeiten dann in ihm. Sie arbeiten dann so, daß sie auf den Menschen im wesentlichen sehr stark ermüdend und störend wirken. So daß man immerhin betonen muß, scharf betonen muß, daß doch eine Entlastung in bezug auf die Ermüdung durch die vegetarische Diät ganz wesentlich eintritt, daß der Mensch arbeitsfähiger wird dadurch, weil er gewöhnt ist, Kräfte aus seinem Inneren heraufzuholen, die er nicht heraufholt, sondern die er geradezu als die Störungskräfte des Organismus anwendet, wenn er Fleisch ißt. Aber wie gesagt, ich agitiere nicht. Ich weiß, daß mir auch homöopathische Ärzte immer wieder und wieder erwidert haben: Ja, aber man züchtet doch den Leuten die Schwindsucht an, wenn man ihnen das Fleisch abgewöhnt, und dergleichen. Ja gewiß, das kann alles sein, aber dasjenige, was ich jetzt gesagt habe als reine Tatsache, das besteht eben; da ist nichts darüber zu sagen, das besteht. Ich will aber ganz gerne zugeben selbstverständlich, daß es einfach Organismen in der Gegenwart gibt, die bloße Pflanzenkost nicht vertragen können, die durchaus Fleischkost haben müssen. Das ist dann eine Sache des individuellen Falles.

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[ 14 ] Nun, gerade wenn man darauf eingeht, diese Notwendigkeit zu betonen, daß auch ein Verhältnis zum mineralischen Reich und seinen Kräften geschaffen werde im Heilprozeß, gerade dann wird , man aber nun für diesen Heilungsprozeß auf etwas anderes geleitet. Es ist ja eine Frage, mit der man sich beschäftigt hat, aber die doch, glaube ich, eine Lösung natürlich nur finden kann in dieser Weise, aber ich meine, auch ein gewisses Verständnis finden kann, wenn man sie geisteswissenschaftlich betrachtet.

[ 15 ] Es ist auch im Heilprozesse, wie mir scheint, von einer außerordentlichen Wichtigkeit die Frage nach der zubereiteten, gekochten Kost und nach der rohen Kost. Wiederum soll nicht für das eine oder für das andere eingetreten werden — auf diesem Gebiete bitte ich schon, erst recht nicht mich für einen Agitator zu betrachten —, aber objektiv muß untersucht werden, was eigentlich hier vorliegt. Wenn der Mensch seine gewöhnliche gekochte Kost verzehrt, sich ihre Kräfte assimiliert, dann führt er äußerlich etwas aus, was in einer gewissen Weise der Organismus doch selber ausführen muß, der Rohkost verzehrt. Der Mensch läßt sich schon von dem Kochen und so weiter dasjenige abnehmen, was er im Verzehren der Rohkost selber tun müßte. Nun handelt es sich ja darum, daß wir als Menschen so gebaut sind, daß wir allerdings in unserer Peripherie gewissermaßen mit der ganzen Natur zusammenhängen, aber in unserem Zentrum, wozu vor allen Dingen auch die Verdauung gehört, uns absondern, uns individualisieren aus der Natur heraus. Wir könnten etwa, wenn wir dieses Verhältnis des Menschen zur Natur uns vergegenwärtigen wollten, sagen: Der Mensch ist durch seine Peripherie (siehe Zeichnung Seite 199, grün) in den ganzen Kosmos hineingegliedert, und er individualisiert sich heraus (rot) in seiner Verdauung bis zur Blutbildung hin, so daß dieses derjenige Trakt im Menschen wäre, wo der Mensch mehr Prozesse durchmacht, welche nicht mehr ganz entsprechen den äußeren Prozessen, wo er seine Eigenheit geltend macht gegenüber den äußeren Prozessen, mehr wenigstens als da, wo er ganz in die äußeren Prozesse eingespannt ist. Vielleicht werde ich noch verständlicher, wenn ich das Folgende noch sage.

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[ 16 ] Ich habe in diesen Tagen davon gesprochen, daß der Mensch ja eingegliedert ist in den ganzen Kosmos, daß in ihm wirken, namentlich in demjenigen Gebiete, das ich hier als grün bezeichnet habe, die Bildekräfte von Blei, Zinn, Eisen. In demjenigen Gebiete, das ich rot bezeichnet habe, da wirken die Bildekräfte von Kupfer, Merkur und Silber (siehe Zeichnung Seite 199). Den Ausgleich bewirkt das Gold, die Kräfte, die besonders im Herzen ihre Lokalisation haben. Wenn man aber so vom Menschen spricht, so spricht man doch mehr so von ihm, wie man etwa von einem Finger spricht, wenn man ihn als Glied des ganzen Organismus betrachtet. So vom Menschen zu sprechen heißt, ihn als Glied der ganzen Welt eigentlich betrachten, eingegliedert in die ganze Welt. Und hier in diesem Trakt (siehe Zeichnung Seite 199) liegt der Widerspruch, daß sich der Mensch einerseits gerade im Verdauen und allem, was damit zusammenhängt, herausgliedert, und auch im Wechselprozeß im Denken, im Sehen liegt dasjenige, wodurch er sich wiederum herausindividualisiert aus dem allgemeinen Weltenprozeß. Daher ist es schon so, daß der Mensch auch etwas gewissermaßen eigensinnig fordert für alles dasjenige, was mit dem Verdauungsprozeß zusammenhängt. Und dieses Eigensinnige kam ja in dem Instinkt des Kochens zur Offenbarung, dasjenige, was unmittelbar herausgesetzt ist aus der Natur, auch wiederum hereinzunehmen. Denn würde es so hereingenommen werden unmittelbar, so wäre der Mensch, wenigstens im Durchschnitte, viel zu schwach, um es so unmittelbar zu verarbeiten. Es müßte dann, wenn ich mich paradox ausdrücken dürfte, das Essen fortwährender Heilungsprozeß sein, wenn wir die Nahrungsmittel nicht kochen würden. Es müßte also durch die stärkere polarische Verwandtschaft mit der Umgebung das Essen ein fortwährender Heilungsprozeß sein, wenn wir die Nahrungsmittel nicht kochen würden. Daher ist auch das Genießen von Rohkost viel mehr ein Heilungsprozeß als das Genießen von gekochter Kost, das viel mehr ein bloßer Ernährungsprozeß ist. Das ist, glaube ich, ein außerordentlich wichtiger Satz, daß das GenieBen von Rohkost in viel stärkerem Sinne ein Heilungsprozeß ist als das Genießen von gekochter Kost. Es nähert sich die Rohkostdiät viel mehr dem eigentlichen Heilen als das gekochte Essen. Ich will dazu noch erwähnen, daß alles dasjenige, was gekocht ist, gewissermaßen kupiert wird in seiner Wirkung und in seiner Wirkung in dem rot schematisch angegebenen Gebiete verbleibt (siehe Zeichnung Seite 199), währenddem dasjenige, was roh in den Organismus eingeführt wird — also Obst und dergleichen —, über diesen Trakt hinaus in das Peripherische hineingreift, sich vielmehr im Peripherischen äußert, zum Beispiel das Blut veranlaßt, in das Periphetische hinein seine ernährende Kraft zu schicken.

[ 17 ] Überzeugen können Sie sich davon, wenn Sie versuchen — und solche Versuche sollten angestellt werden —, in den Fällen, wo Sie mit Silicea zu heilen versuchen, den Kranken eine Zeitlang auf Rohkost zu setzen. Dann werden Sie sehen, wie Sie die Wirkung der Kieselsäure im wesentlichen erhöhen werden, weil Sie dann in dem, was die Kieselsäure peripherisch nun will, nämlich gestaltend wirken, Deformationen ausheilen — ich rede natürlich nicht von grobklotzigen Deformationen, sondern von dem, was anatomisch nicht unmittelbar sich darstellt, sondern nur physiologisch —, in dem, was die Kieselsäure unmittelbar will, Sie sie dann unterstützen dadurch, daß ihr auch während des Heilprozesses die entsprechenden Ernährungsstoffe zugeführt werden. Diese sind es, auf die ich eben merhodologisch hinweisen möchte, weil sie so außerordentlich bedeutungsvoll sind in ihrem Verfolg und weil, wie ich glaube, viel zu wenig diese Dinge studiert werden. Sie werden schon studiert, aber zumeist nur empirisch, es wird nicht die Ratio darinnen gesucht, und daher findet man so wenig eine Möglichkeit, auch mit Befriedigung hinzuschauen auf dasjenige, was auf diesem Gebiete konstatiert werden kann.

[ 18 ] Natürlich ist bei all diesen Dingen so stark in Betracht kommend das Rücksichtnehmen auf die Individualität. Deshalb habe ich in den verflossenen Vorträgen gesagt: Man kann kaum auf diesem Gebiete irgend etwas sagen, was nun in irgendeiner gewissen Beziehung wiederum nicht wahr ist; aber man muß diese Dinge als Richtlinien wissen, wenn man sich auch zum Beispiel im einzelnen Fall sagen muß: Ja, bei diesem Kranken, da darf ich nicht auf Rohkost setzen, denn da würde ich nach seiner ganzen Konstitution dies oder jenes hervorrufen — da darf ich es tun, da darf ich es nicht tun. Aber es bleibt doch dasjenige richtig, was jetzt hier charakterisiert worden ist. Erst durch solche Dinge kann man wirklich hineinschauen in das Gesamte der menschlichen Konstitution. Denn sehen Sie, wir müssen deutlich unterscheiden zwischen dem Peripherischen, wo der Mensch wirklich mehr hineingelagert ist in den ganzen Kosmos und dem wir nur beikommen, wenn wir das dem Menschen so fernstehende Mineralische in den menschlichen Organismus einfügen, und demjenigen, was ich hier als das Rote bezeichnet habe. Dem kommen wir schon bei, allerdings durch das Pflanzliche, aber auch wenn wir dasjenige in den Organismus einführen, was zunächst durch seinen gegenwärtig salzigen Charakter wirkt, also alles, was kohlensaure Salze sind, während alles Alkalische sich auf den Ausgleich zwischen beiden bezieht (siehe Zeichnung Seite 199, gelb), kohlensaure Salze, Alkalien, kieselsaure Salze oder Kieselsäure selber.

[ 19 ] Das sind also die Dinge, die auf die Verwandtschaft des Menschen mit der umgebenden Natur hindeuten. Sehen Sie, wir schen ja den Menschen gewissermaßen entzweigespalten, ein Mittleres in ihm, das hin und her den Pendelschlag zwischen diesem Entzweigespaltenen bewirkt. Und wir müssen uns sagen: Solch ein Hinschauen auf den peripherischen Menschen und auf den mehr zentralen, individualisierten Menschen führt uns eigentlich tief in das Wesen der ganzen Natur hinein. Der peripherische Mensch ist nämlich verwandt allem Außerirdischen — das zeigt eben gerade die Wirksamkeit des Mineralischen in ihm, das ja selbst als Mineralisches in Wirklichkeit in Abhängigkeit ist von Planeten und von Sternkonstellationen —, und er ist zentral als Individuum verwandt allem Irdischen. Durch diese Verwandtschaft mit allem Irdischen, das in seinem Verdauungssystem zum Ausdrucke kommt, ist er aber zugleich auch eben dieses Menschenwesen, das denken kann, das sich überhaupt als Mensch entwickeln kann.

[ 20 ] Nun können wir den Dualismus im Menschen sehen als einen Dualismus zwischen dem in ihm befindlichen Außerirdischen, dem Kosmischen und dem eigentlich Irdischen. Zunächst wird uns im menschlichen Organismus deutlich veranlagt vorliegen das Außerirdische und auch das Irdische, und ich habe ja schon gestern darauf hingedeutet, wie sich das Peripherische, das Außerirdische im Menschen gewissermaßen abspiegelt dadurch, daß er seine Geistorganisation, aber auch die polarisch mit ihr verwandte Verdauungsorganisation hat, auf was ich ja wiederholt hingewiesen habe. Also alles dasjenige, was mit der Absonderung nach der Verdauung hin und was mit jener Absonderung im Gehirn zusammenhängt, welche die Grundlage der geistigen Wirksamkeit ist, all das weist uns eigentlich auf den peripherischen, auf den himmlischen Menschen hin. So sonderbar und paradox das klingt, es ist so. Alles dasjenige aber, was im Menschen, sei es an flüssigen oder mehr luftförmigen Prozessen, zusarmmenhängt mit der Harn- und Schweißbildung, das weist uns nach dem irdischen Menschen hin als dem sich individualisierenden Menschen. Wir müssen schon in diesen zwei auseinanderstrebenden Polen der menschlichen Natur etwas sehr Bedeutsames sehen.

[ 21 ] Nun, man hat leider in der neueren Zeit niemals Veranlassung genommen — meines Wissens wenigstens — auf diese Dualität, auf die ich ja gerade hinweise in der menschlichen Natur, so hinzuweisen, daß es einem etwas genützt hätte für die Therapie. Denn Sie sehen ja, alle diese Dinge, die wir hier betrachten, sollen das Therapeutische und das Pathologische schon zusammenschieben. Diese Pathologie und Therapie sollen nicht zwei voneinander getrennte Gebiete sein. Das veranlaßt mich ja auch, daß ich alles dasjenige, was ich hier als Aufstellung gebe, gewissermaßen auf die Therapie hin orientiere, damit dasjenige, was man pathologisch erfaßt, einen befähigt, dann therapeutisch zu denken. Deshalb sage ich die Sache gerade so, wie ich sie eben sage, und es sind dann sehr leicht Einwände möglich, wenn man weniger Rücksicht nimmt auf diese Hinorientierung nach dem Therapeutischen.

[ 22 ] So sehen Sie, handelt es sich ja für den, der die äußere Entstehung, sagen wir zum Beispiel der Syphilis kennenlernen will, ja ganz gewiß darum, darauf hinzuschauen, inwiefern jedesmal eine Ansteckung da sein muß, wenigstens annähernd eine Ansteckung da sein muß, damit die Syphilis richtig auftrete. Wenn man das bloß konstatiert, dann wird man eben im weiteren Verlauf eines solchen Konstatierens dazu geführt, die Pathologie gewissermaßen zu emanzipieren. Denn — verzeihen Sie, wenn ich einen etwas groben Vergleich gebrauche — dieses Anstecken ist ja auch bei der Syphilis nicht eigentlich wichtiger als das, daß man jedesmal, wenn einem eine Beule in den Kopf geschlagen werden soll, von einem Stein getroffen werden muß oder von irgend etwas, daß einem ein Schlag versetzt werden muß. Es ist selbstverständlich ganz richtig: es wird nicht eine Beule entstehen, wenn man nicht einen Schlag kriegt oder wenn einem nicht ein Ziegelstein auf den Kopf fliegt, aber wenn man das besonders charakterisiert, so kommt man ja zu keiner Charakteristik, die für den Heilungsprozeß fruchtbar ist. Denn schließlich, nicht wahr, das mag sozial sehr bedeutsam sein, wie das geschieht, daß einem Steine auf den Kopf fliegen oder dergleichen, aber für die Untersuchung des Organismus, so daß man zur Heilung hinkommt, hat das nicht die allergeringste Bedeutung. Man muß den menschlichen Organismus so untersuchen, daß man die Dinge in ihm aufsucht, die dann bei der Therapeutik eine Rolle spielen. Nun, bei der Therapeutik auch der Syphilis spielen die Dinge eine große Rolle, von denen ich gesprochen habe. Der Heilungsprozeß wird eben aufgeklärt dadurch. Und die Dinge, die hier gesagt werden, werden weniger gesagt, um pathologisch vorzugehen, sondern um eben gerade die Brücke zwischen den beiden zu schlagen.

[ 23 ] Ich sage dieses aus dem Grunde, weil ich damit charakterisieren möchte, daß aus einem gewissen Geist heraus — und das wird mit jedem Tage mehr hervortreten — diese Auseinandersetzungen hier gepflogen werden. Und weil heute die Tendenz besteht, die Pathologie immer mehr und mehr zu emanzipieren und nicht nach der Therapie hin zu lenken, deshalb wird auch das Denken abgeführt von fruchtbaren Dingen, die, wenn sie in der richtigen Weise verfolgt werden, ungeheuer bedeutungsvoll sind für das Aufsuchen von Heilungsprozessen. So die Frage: Was hat das im menschlichen Organismus überhaupt für eine Bedeutung, daß diese Zweiheit besteht zwischen dem gewissermaßen kosmisch peripherischen Menschen und zwischen dem irdisch, dem tellurisch zentralen Menschen? Beide Menschenglieder sind ja Kräftesysteme, die sich in verschiedener Weise äußern. Alles Peripherische äußert sich als ein Gestaltendes. Und die letzte Tat, ich möchte sagen, des Peripherischen ist dasjenige, was sich ganz in der Peripherie des Menschen äußert und ihm eben seine Menschengestalt gibt.

[ 24 ] Man kann geradezu sagen: Man studiere einmal in dem Verhalten der Haare zur Kieselsäure, wie an der Peripherie des Menschen zusammenwirkt das Bildende in dem Menschen selbst mit dem Bildenden in dem Kiesel. Sie können das Maß dessen, wie der Mensch auf sich eingreifen läßt oder sich widersetzt diesem Eingreifen, geradezu daran studieren, welche Macht die Kieselsäure auf die menschliche Hauptesbildung behält oder nicht behält. Natürlich, man muß den Menschen immer zusammenschauen mit seiner übrigen Statur. Aber wenn man heute über die Straße geht und die Glatzköpfe zusammenschauen kann, sieht man, inwiefern die Menschen geneigt sind, den Kieselsäure-Gestaltungsprozeß in sich aufzunehmen oder sich ihm zu widersetzen. Das gibt die unmittelbare Anschauung dann, die man sich auch erwerben kann ohne wirkliches Hellsehen, aber die man sich nur erwerben kann, wenn man sich darauf einläßt, auf die Wirksamkeit der Natur selber einzugehen. Das sind vorzugsweise Gestaltungskräfte, die da auftreten, und zwar nicht Zellgestaltungskräfte, sondern Totalgestaltungskräfte, die ihren letzten Ausdruck in der Gestalt des Menschen selber haben, wobei ich natürlich zu der Gestalt die ganze Hautkonfiguration rechne, ob sie mehr oder weniger mit Haaren bedeckt ist und dergleichen. Dagegen liegt in dem, was mehr zentralisiert ist, was mehr mit dem Kohlenstoff und der Kohlensäure zusammenhängt, das Auflösende der Gestalt, da drinnen wirkt das Vernichten, Auflösen. Wir leben ja davon, daß wir in uns fortwährend die Gestalt vernichten, auflösen wollen und die Gestalt sich fortwährend wiederum aus dem Kosmos herstellen will. Wir leben als Menschen davon, daß wir uns fortwährend selber mit Bezug auf die Gestalt deformieren wollen und diese Deformationen immer wieder ausgeglichen werden vom Kosmos herein. Das ist eine Zweiheit, die im Menschen liegt, dieses Gestalten und dieses Deformieren. Sie wirkt in der menschlichen Organisation zusammen. Und nun stellen Sie sich vor, Sie haben auf der einen Seite die peripherischen, kosmischen Gestaltungskräfte (siehe Zeichnung Seite 206, Pfeile von oben), die hereinwirken in den Menschen. Sie begegnen sich im Herzen mit den irdischen Kräften. Das habe ich Ihnen auseinandergesetzt, wie da ein Ausgleich durch das Herz geschaffen wird. Aber nun nehmen Sie an, diese peripherischen Kräfte, die da im Menschen wirken, die eigentlich ihre letzte Tendenz haben, hin zum Herzen zu gehen, die sacken sich vorher aus, die stauen sich noch, bevor sie zur Stauung des Herzens hinkommen (siehe Zeichnung, Pfeile von rechts), in der Organisation des Herzens selber. Nehmen wir an, sie sacken sich aus, sie stauen sich, bevor sie zu der großen Stauung im Herzen hinkommen, wie gewissermaßen eine Vorstauung, so daß wir im Menschen dann etwas hätten, was in geringem Maße aber doch zeigt, wie der kosmische, der außerirdische Gestaltungsprozeß im Menschen sich abspielt. Nehmen wir an, auch diese Kräfte hier, welche entgegenwirken, die auch durch die Verdauung und durch die Umwandelung des Verdauungsprozesses zum Herzen hinwirken, die würden sich vorher, bevor sie zum Herzen hinkommen, aussacken, so daß also das Irdische sich aussacken würde hier (siehe Zeichnung Seite 206, rechts). Dann hätten wir hier ein Aussacken alles desjenigen und ein Konzentrieren alles desjenigen, was im Menschen geistig physisch gestaltend ist, was zusammenhängt mit allen Absonderungen im Haupte, im Darm, was aber sich nicht die Herztätigkeit direkt entgegenstellt, sondern vorher eine Art Nebenherztätigkeit schafft. Und hier haben Sie eine Art Nebenverdauung, indem dasjenige, was von der Erde und ihren Mitteln ausgeht, als Deformierendes im Menschen, als die Gestalt Auflösendes im Menschen sich vorher aussackt. Da haben wir diese Dualität im Menschen organisch festgehalten, und wir haben in dem einen Falle gegeben die weiblichen Geschlechtsorgane, das weibliche Geschlechtliche, und hier das männliche Geschlechtliche (siehe Zeichnung Seite 206).

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[ 25 ] Es gibt eine Möglichkeit, zu studieren das weibliche Geschlechtliche, wenn wir es in seiner Dependenz betrachten von den kosmisch-peripherischen, gestaltenden Kräften. Und es gibt eine Möglichkeit, das männliche Geschlechtliche zu betrachten bis in seine einzelnen Formen hinein, wenn wir es betrachten in seiner Abhängigkeit von den tellurischen Auflösungskräften.

[ 26 ] Hier liegt der Weg, auch bis zu diesen Punkten hinein die menschliche Organisation wirklich wissenschaftlich zu durchdringen. Hier liegt auch der Weg, auf dem gefunden werden kann, wie, sagen wir, Pflanzliches, welches die Gestaltungskräfte in sich trägt, auch bei gelähmten Gestaltungskräften im Uterus wiederum aufbauend wirkt. Wenn Sie so studieren die Bildungskräfte im menschlichen Organismus, dann kommen Sie darauf, auch die Bildungskräfte im Pflanzen- und Mineralreich wirklich zu finden. Ich werde das im einzelnen betrachten, aber ich muß auf die ganzen großen Zusammenhänge hier natürlich zuerst hinweisen. Sehen Sie, wenn solche Dinge einmal gesehen werden, dann werden wir erst wirklich eine Embryologie haben. Wir haben ja heute keine, denn wie stark im Beginne der embryologischen Entwickelung das Kosmische hereinwirkt, wie das Kosmische ebenso der Befruchter des weiblichen Organismus ist wie der männliche Same, das wird überhaupt gar nicht beachtet. Die ersten Stadien der menschlichen embryologischen Entwickelung müssen durchaus aus dem Zusammenhang des Menschen mit dem Kosmos betrachtet werden. Dasjenige, was durch den männlichen Samen eingeimpft wird, das tritt ja erst im Laufe der Zeit auf, indem die Gestaltungskräfte, die der Kosmos da hineinversetzen will in den weiblichen Organismus, so deformiert werden, daß durch den männlichen Samen dasjenige, was er ausbilden will zur Gesamtgestalt, spezialisiert wird nach den einzelnen Organen hin. Der Anteil der weiblichen Organisation liegt in der Gesamtorganisation des Menschen, der Anteil der männlichen Organisation, der Anteil der Kräfte des männlichen Samens liegt in der Spezialisierung, Differenzierung nach den einzelnen Organen hin, im Herausschälen der einzelnen Organe also, im Deformieren der ganzen einheitlichen Gestalt. Man möchte sagen: durch die weiblichen Kräfte strebt die menschliche Organisation zu der Kugelbildung hin, durch den männlichen Samen strebt die menschliche Organisation hin, sich diese Kugel zu spezialisieren in Herz, Nieren, Magen und so weiter. Im Weiblichen und Männlichen treten uns direkt entgegen diese Polaritäten der Erde und des Kosmos. Das ist wiederum einer der Punkte, wo man wiederum anfängt, den großen Respekt zu bekommen vor der Urweisheit der Menschen, wo man anfängt, mit ganz anderen Gefühlen hinzuhorchen, wenn einem erzählt wird: Der Uranus befruchtet die Gäa oder der Kronos befruchtet die Rhea und so weiter. Das braucht eben wirklich nicht eine bloße mystische verschwommene Empfindung zu sein, wenn man die große Verehrung diesen alten bedeutungsvollen Intuitionen entgegenbringt. Es überrascht einen zunächst, wenn Leute, die anfangen in solche Dinge hineinzuschauen, zu einem Ausspruche sich verstehen wie dem, den ich öfter gehört habe, daß die Mythologien mehr Physiologie enthalten als die moderne Naturwissenschaft. Es schockiert einen zunächst. Ich kann das begreifen, aber es ist ungeheuer viel Wahres darinnen.

[ 27 ] Es ist so, daß man immer mehr und mehr zu einem solchen Bekenntnis kommt, je weiter man eigentlich vorrückt, daß man immer mehr und mehr zu dem Bekenntnis auch kommt, wie wenig diese heutige Methode, die ja nichts mehr sieht von solchen Zusammenhängen, geeignet ist, in die menschliche Organisation wirklich hineinzuführen.

[ 28 ] Ich möchte bei dieser Gelegenheit auch wieder nicht versäumen, zu erwähnen, daß ja schon nichts etwa durch das Studium von alten Dingen gewonnen ist für dasjenige, was ich hier sage. Was ich hier sage, ist wirklich ganz allein aus den Tatsachen selber hervorgeholt. Nur weise ich manchmal auf die Übereinstimmung mit der Urweisheit hin. Aber es ist nicht aus der Urweisheit herausgeholt das, was ich Ihnen hier vortrage. Daher werden, wenn man diese Vorgänge verfolgt, die ich Ihnen hier charakterisiere, erst die Anschauungen herauskommen, die uns dann auf manches in der Urweisheit wiederum führen. Ich selber zum Beispiel würde niemals es als meinen Beruf darstellen, sagen wir, durch das Studium des Paracelsus auf irgend etwas zu kommen, sondern ich habe manchmal stark das Bedürfnis, nachzuschlagen bei Paracelsus, wie sich etwas ausnimmt, was ich selber gefunden habe. Also ich bitte, in diesem Sinne aufzufassen, was ich versuche, zu geben. Aber es ist schon das als eine Tatsache zu konstatieren, daß wir, wenn wir tiefer hineinschauen in die menschliche Organisation, vom geisteswissenschaftlichen Standpunkte zu einer großen Verehrung der Urweisheit kommen. Das ist aber eine Frage, die natürlich auf anderem Wissensgebiete behandelt werden muß als hier.

[ 29 ] Davon wollen wir dann morgen sprechen, nachdem ich Sie habe verdauen lassen dasjenige, was ich Ihnen hier gesagt habe über das Herausgehen des Weiblichen und Männlichen aus den beiden Dualitäten, was ja auf tiefere Zusammenhänge, wie wir morgen sehen werden, hinweist.