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Remedial Education Course
GA 317

25 June 1924, Dornach

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Remedial Education Course, tr. SOL
  1. Curative Education, tr. Adams
  2. Heilpädagogischer Kurs

Erster Vortrag

First Lecture

[ 1 ] Nun, meine lieben Freunde, wir haben ja eine ganze Anzahl von Kindern, die aus einer unvollständig gebliebenen Entwickelung heraus erzogen werden sollen, beziehungsweise, soweit es möglich ist, geheilt werden sollen. Eine Anzahl dieser Kinder haben wir hier im KlinischTherapeutischen Institut, und eine Anzahl haben Sie im Lauenstein. Wir werden das, was wir hier zu besprechen haben, so einrichten, daß es möglichst auf die praktische Anwendung sogleich hinzielt. Wir werden dann auch in der Lage sein, dadurch daß uns Frau Dr. Wegman die hier befindlichen Kinder — wir können das ja unter uns — zur Demonstration zur Verfügung stellen wird, wir werden da auch einige Fälle unmittelbar ad oculos auseinandersetzen können.

[ 1 ] Well, my dear friends, we do indeed have a number of children who need to be raised—or, as far as possible, healed—due to their incomplete development. We have some of these children here at the Clinical-Therapeutic Institute, and you have some at Lauenstein. We will structure our discussion here so that it is immediately applicable in practice. We will also be able to examine a few cases firsthand, thanks to Dr. Wegman making the children here—we can say this among ourselves—available to us for demonstration purposes.

[ 2 ] Zunächst möchte ich aber heute von dem Wesen solcher Kinder sprechen. Es ist ja natürlich, daß vorangehen soll bei jedem, der unvollständig entwickelte Kinder erziehen will, eine Erkenntnis, eine wirklich eindringliche Erkenntnis der Erziehungspraxis für gesunde Kinder. Das ist dasjenige, was sich jeder, der solche Kinder erziehen will, aneignen müßte. Denn man muß sich ganz klar darüber sein, daß all dasjenige, was eigentlich bei unvollständig entwickelten Kindern, bei krankhaften Kindern auftreten kann, in intimerer Art auch im sogenannten normalen Seelenleben bemerkbar ist, man muß nur entsprechend das normale Seelenleben beobachten können. Man möchte sagen, irgendwo in einer Ecke sitzt bei jedem Menschen im Seelenleben zunächst eine sogenannte Unnormalität. Nur so etwas wie, sagen wir, eine kleine Gedankenflucht oder eine Unfähigkeit, die Worte beim Sprechen in die richtigen Abstände zu stellen, so daß man entweder im Sprechen sich überschlägt, oder aber daß der Zuhörer spazieren gehen kann zwischen zwei Worten, die man herausbringt, oder ähnliche Unregelmäßigkeiten, die auch im Willensleben und Gefühlsleben auftreten können, die sind, wenigstens in einer geringfügigen Anlage, bei der größten Anzahl von Menschen bemerkbar. Und man wird schon über solche Unregelmäßigkeiten dann später noch einiges zu sprechen haben, weil sie demjenigen, der namentlich auf die großen Unregelmäßigkeiten erzieherisch oder heilend eingehen will, als Symptom gelten müssen. Man muß in diesen Dingen seine Symptomstudien machen können, wie der Arzt bei Krankheitsfällen von Symptomen spricht, an denen er die Krankheiten erkennt, auch wohl von dem Symptomenkomplex spricht, an dem er das Krankhafte überschauen kann, aber niemals dasjenige verwechseln wird, was im Symptomenkomplex liegt, mit demjenigen, was eigentlich der substantielle Inhalt der Krankheit ist.

[ 2 ] First of all, however, I would like to speak today about the nature of such children. It is, of course, essential that anyone who wishes to educate children with developmental delays first gain a deep, truly profound understanding of educational practices for healthy children. This is what everyone who wishes to educate such children must acquire. For one must be perfectly clear that everything that can actually occur in children with underdeveloped development—in children with pathological conditions—is also noticeable in a more subtle way in so-called normal psychological life; one need only be able to observe normal psychological life accordingly. One might say that, somewhere in a corner of every person’s psychological life, there is initially a so-called abnormality. Just something like, let’s say, a slight flight of thought or an inability to space out words correctly when speaking—so that one either rushes through one’s speech or the listener has time to take a walk between two words one utters—or similar irregularities that can also occur in the life of the will and the life of feeling; these are noticeable, at least in a slight form, in the vast majority of people. And we will have more to say about such irregularities later on, because they must be regarded as symptoms by those who wish to address the major irregularities specifically—whether through education or therapy. One must be able to conduct studies of these symptoms, just as a doctor, when dealing with cases of illness, speaks of symptoms by which he recognizes the diseases—and indeed speaks of the complex of symptoms through which he can grasp the pathological condition—but will never confuse what lies within the complex of symptoms with what is actually the substantive content of the disease.

[ 3 ] So sollte man auch nicht beim unvollständig entwickelten Kinde das, was man am Seelenleben bemerkt, für etwas anderes als für Symptome halten. Die sogenannte Psychographie ist eigentlich nichts anderes als eine Symptomatologie. Und wenn heute die Psychiatrie nichts anderes tut, als die abnormen Seelenerscheinungen nach Denken, Fühlen und Wollen zu beschreiben, so bedeutet das nicht viel anderes, als daß sie Fortschritte gemacht hat in der genauen Beschreibung der Symptomenkomplexe, daß sie aber, da sie nicht hinausgehen kann über solche Psychographie, absolut unfähig ist, in das Substantielle der Krankheiten einzudringen. Man muß hineinkommen ins Substantielle des Krankseins. Und da wird Ihnen eine Vorstellung nützlich sein können, die ich Sie bitte festzuhalten.

[ 3 ] Similarly, in the case of a child whose psychological development is incomplete, one should not regard what one observes in the child’s inner life as anything other than symptoms. So-called psychography is, in fact, nothing more than a symptomatology. And if psychiatry today does nothing more than describe abnormal mental phenomena in terms of thinking, feeling, and willing, this means little more than that it has made progress in the precise description of symptom complexes; but since it cannot go beyond such psychography, it is absolutely incapable of penetrating to the essence of the illnesses. One must get to the heart of what it means to be ill. And here, a mental image may prove useful to you, which I ask you to keep in mind.

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[ 4 ] Nehmen wir an, wir hätten hier (siehe Tafel 1, Mitte) den physischen Leib des Menschen, so wie er uns entgegentritt im Wachsen des kleinen Kindes. Wir haben dann gewissermaßen aufsteigend, herausdringend aus diesem physischen Leib des Menschen das Seelenleben. Dieses Seelenleben, das uns eben als die Äußerungen der kindlichen Seele entgegentreten kann, das kann nun normal oder abnorm sein. Wir haben ja im Grunde genommen gar kein weiteres Recht, über die Normalität oder Abnormalität des kindlichen Seelenlebens oder menschlichen Seelenlebens überhaupt zu reden, als indem wir hinschauen auf dasjenige, was durchschnittsmäßig «normal» ist. Es gibt kein anderes Kriterium als dasjenige, was allgemein üblich ist vor einer Gemeinschaft von Philistern. Und wenn diese Gemeinschaft irgend etwas für vernünftig oder gescheit ansieht, so ist alles dasjenige «abnormes» Seelenleben, was nach Ansicht dieser Philister nicht «normales» Seelenleben ist. Ein anderes Kriterium gibt es zunächst nicht. Daher sind die Urteile so außerordentlich konfus, wenn man anfängt, indem man eine Abnormität konstatieren kann, dann alles Mögliche zu treiben, und damit abzuhelfen glaubt — statt dessen treibt man ein Stück Genialität heraus. Mit solch einer Beurteilung ist überhaupt nicht viel anzufangen, und das erste, was eintreten sollte, ist, daß der Arzt und Erzieher eine solche Beurteilung ablehnt, daß er hinauskommt über die Aussage: das oder jenes ist gescheit oder vernünftig nach den Denkgewohnheiten, die man so gewöhnlich hat. Gerade auf diesem Gebiete ist es von eminentester Notwendigkeit, überhaupt keine Kritik zu üben, sondern die Sachen reinlich anzuschauen. Denn was liegt eigentlich beim Menschen vor?

[ 4 ] Let us suppose we have here (see Plate 1, center) the physical body of a human being, as it appears to us in the growth of a small child. We then have, so to speak, the life of the soul rising up and emerging from this physical body. This soul life, which we can observe precisely as the expressions of the child’s soul, can be either normal or abnormal. Fundamentally, we have no greater right to speak of the normality or abnormality of a child’s soul life—or of human soul life in general—than by looking at what is, on average, “normal.” There is no other criterion than what is generally accepted by a community of philistines. And if this community regards anything as reasonable or sensible, then all “abnormal” soul life is that which, in the view of these philistines, is not “normal” soul life. There is, for the time being, no other criterion. That is why judgments are so extraordinarily confused: when one begins by identifying an abnormality and then does all sorts of things in an attempt to remedy it—only to end up driving out a spark of genius. Such an assessment is of little use at all, and the first thing that should happen is for the doctor and educator to reject such an assessment, to go beyond the statement: this or that is sensible or reasonable according to the habits of thought that one usually has. Precisely in this area, it is of the utmost necessity to refrain from criticism altogether and instead to view matters objectively. For what is actually present in human beings?

[ 5 ] Sehen wir jetzt ganz ab von diesem Seelenleben, das ja ohnedies erst nach und nach herauskommt, an dem manchmal höchst zweifelhafte Erzieher einen Anteil haben, sehen wir ab von diesem Seelenleben, dann haben wir hinter der Körperlichkeit ein anderes Geistig-Seelisches, ein Geistig-Seelisches, das heruntersteigt zwischen Konzeption und Geburt aus den geistigen Welten. Jenes Seelenleben ist nicht dasjenige, was heruntersteigt aus den geistig-seelischen Welten, sondern es ist ein anderes Seelenleben, das zunächst für das irdische Bewußtsein nicht äußerlich sichtbar ist. Ich will es schematisch dahinterzeichnen (siehe Tafel 1, gelb). Dieses ganze Seelenleben, das da heruntersteigt, das bemächtigt sich des Körpers, der vererbungsgemäß aufgebaut wird aus der Generationenfolge heraus. Wenn also dieses Seelenleben so geartet ist, daß es eine kranke Leber konstituiert, wenn es die Lebersubstanz ergreift, oder vererbungsgemäß im physischen und Ätherleib Krankhaftes findet und daher eine Krankheitsempfindung entsteht, dann liegt eben eine Erkrankung vor. Ebenso kann jedes andere Organ oder jeder andere Organkomplex falsch eingeschaltet sein in dasjenige, was aus dem seelisch-geistigen Kosmos heruntersteigt. Und erst wenn nun diese Verbindung hier da ist, diese Verbindung zwischen dem, was heruntersteigt und dem, was vererbt ist, wenn dieses Seelisch-Körperliche sich gebildet hat, dann entsteht — mehr aber nur als Spiegelbild dasjenige, was unser Seelenleben ist und was gewöhnlich beobachtet wird als Denken, Fühlen und Wollen (violett). Dieses Denken, Fühlen und Wollen ist überhaupt nur da wie Spiegelbilder, richtig wie Spiegelbilder, löscht aus, wenn wir einschlafen. Das eigentlich dauernde Seelenleben ist dahinter, steigt herunter, das geht durch die wiederholten Erdenleben und sitzt in der Organisation des Leibes darinnen. Und wie sitzt es darinnen?

[ 5 ] If we now set aside this soul life entirely—which, in any case, only emerges gradually and in which sometimes highly dubious educators play a part—if we set this soul life aside, then we find, behind the physical body, another spiritual-soul aspect, a spiritual-soul aspect that descends from the spiritual worlds between conception and birth. That soul life is not the one that descends from the spiritual-soul worlds, but rather it is a different soul life that is initially not outwardly visible to earthly consciousness. I will sketch it schematically here (see Plate 1, yellow). This entire soul life that descends takes possession of the body, which is built up through heredity from the succession of generations. So if this soul life is of such a nature that it constitutes a diseased liver, if it takes hold of the liver tissue, or if it finds pathological conditions in the physical and etheric bodies through heredity and a sensation of illness arises as a result, then a disease is present. Likewise, any other organ or organ complex can be incorrectly linked to what descends from the soul-spiritual cosmos. And only when this connection is established—this connection between what descends and what is inherited, when this soul-physical entity has formed—does what constitutes our soul life, and what is usually observed as thinking, feeling, and willing (violet), arise—but only as a reflection. This thinking, feeling, and willing is present only as mirror images—truly like mirror images—and fades away when we fall asleep. The truly enduring soul life lies behind it, descending through repeated earthly lives and residing within the body’s organization. And how does it reside there?

[ 6 ] Betrachten wir da zunächst den Menschen nach seinen drei Gliedern: dem Nervensystem, dem rhythmischen System und dem GliedmaßenStoffwechselsystem. Sehen Sie, das Nerven-Sinnessystem, denken wir es uns also — wir werden uns verstehen -, denken wir uns dieses NervenSinnessystem, wie es der Hauptsache nach nur, aber schematisch, im Kopfe lokalisiert ist, sprechen wir vom Kopfsystem, indem wir vom Nerven-Sinnessystem sprechen; wir können das beim Kinde um so mehr, als der aufbauende Teil des Nerven-Sinnessystems vom Kopfe ausgeht und in den ganzen Organismus hineinwirkt. Dieses System, dieses Nerven-Sinnessystem ist im Kopfe, im Haupte lokalisiert. Das ist ein synthetisches System.

[ 6 ] Let us first consider the human being in terms of its three components: the nervous system, the rhythmic system, and the limb-metabolic system. You see, the nervous-sensory system—let’s imagine it this way—we’ll understand each other—let’s imagine this nervous-sensory system as being located, for the most part, though only schematically, in the head; when we speak of the nervous-sensory system, we are speaking of the head system; we can do this all the more so in the case of a child, since the formative part of the nervous-sensory system originates in the head and exerts its influence throughout the entire organism. This system—the nervous-sensory system—is located in the head. It is a synthetic system.

[ 7 ] Es ist synthetisch. Was meine ich damit? Es faßt nämlich alle Tätigkeiten des Organismus zusammen. Sehen Sie, im Kopfe ist eigentlich der ganze Mensch in einer gewissen Weise enthalten. Wenn man spricht von der Lebertätigkeit, und man sollte eigentlich nur von Lebertätigkeit sprechen — was ich als Leber sehe, ist der fixierte Leberprozeß -, so ist diese Lebertätigkeit natürlich ganz im unteren Leibe. Aber jedem solchen Funktionenzusammenhang entspricht eine Tätigkeit im menschlichen Haupte. Wenn ich das schematisch zeichne (siehe Tafel 1, rechts), so ist das so: Hier sei die Lebertätigkeit. Dieser Lebertätigkeit entspricht irgendeine Tätigkeit im menschlichen Kopfe oder Gehirne. Hier im Unterleib ist die Leber relativ abgesondert von den andern Organen, von Nieren, Magen und so weiter. Im Gehirn fließt alles ineinander, da fließt die Lebertätigkeit mit den andern Tätigkeiten zusammen, so daß der Kopf der große Zusammenfasser ist alles desjenigen, was im Organismus vor sich geht. Durch diese synthetische Tätigkeit wird ein Abbauprozeß bewirkt. Es fällt das Substantielle heraus.

[ 7 ] It is synthetic. What do I mean by that? It encompasses all the activities of the organism. You see, in a certain sense, the entire human being is actually contained within the head. When we speak of liver activity—and we should really speak only of liver activity; what I see as the liver is the fixed liver process—this liver activity is, of course, located entirely in the lower body. But every such functional connection corresponds to an activity in the human head. If I draw this schematically (see Plate 1, right), it looks like this: Here is liver activity. This liver activity corresponds to some activity in the human head or brain. Here in the lower abdomen, the liver is relatively isolated from the other organs—the kidneys, stomach, and so on. In the brain, everything flows into one another; here, liver activity merges with the other activities, so that the head serves as the great synthesizer of everything that takes place in the organism. This synthetic activity brings about a process of breakdown. The substantial element is extracted.

[ 8 ] Genauso wie wir einen synthetischen Prozeß im Haupte haben, haben wir dann im ganzen übrigen Organismus, besonders im Stoffwechsel-Gliedmaßensystem, einen analytischen Prozeß. Da wird alles auseinandergehalten, da wird im Gegensatz zum Kopfe alles auseinandergehalten. Während im Kopfe die Nierentätigkeit mit der Darmtätigkeit zusammen vor sich geht, wird im Gegensatz dazu im übrigen Organismus alles auseinandergehalten, so daß wir also sagen können, wenn wir weiter schematisch zeichnen, meinetwillen die Lebertätigkeit, Magentätigkeit, so sind sie hier voneinander abgesondert; im Kopfe fließen sie ineinander, fließt alles zusammen, da synthetisiert sich alles. Nun liegt dieses Zusammenfließen — zu gleicher Zeit mit einem fortwährenden Herausfallen der Substanz, wie wenn es regnete -, nun liegt diese synthetische Tätigkeit des Kopfes im wesentlichen aller Denktätigkeit zugrunde. Damit der Mensch denken kann, damit der Mensch herauskommt und in Tätigkeit kommt, muß dasjenige, was aus dem Geistig-Seelischen kommt, nach dem Kopfe hin die zusammenfassende Funktion erhalten, und dadurch die Erbsubstanz synthetisch gliedern. Dadurch kann dann in der synthetisch gegliederten Erbsubstanz ein Spiegel gesehen werden. Sie haben also damit folgendes: wenn im Kopfe das eintritt beim Herunterkommen, daß der Kopf organisiert synthetisch, so wird der Kopf ein Spiegel, und dadrinnen spiegelt sich die Außenwelt, und das gibt das Denken, das wir gewöhnlich beobachten. Wir müssen also unterscheiden zwischen den zwei Denk funktionen, derjenigen, die hinter dem Wahrnehmbaren liegt, die das Gehirn aufbaut — die ist das Bleibende -, und der Denkfunktion, die gar nichts Wirkliches ist, die nur gespiegelt ist und fortwährend ausgelöscht wird beim Einschlafen und vergeht, wenn man nicht nachdenkt.

[ 8 ] Just as we have a synthetic process in the head, we have an analytical process in the rest of the organism, especially in the metabolic-limb system. There, everything is kept separate; in contrast to the head, everything is kept separate there. While in the head kidney activity proceeds together with intestinal activity, in contrast, in the rest of the organism everything is kept separate, so that we can say—if we continue to draw a schematic—that, for example, liver activity and stomach activity are separated from one another here; in the head, they flow into one another, everything flows together, and everything is synthesized there. Now this merging—occurring simultaneously with a continuous shedding of substance, as if it were raining—this synthetic activity of the head essentially underlies all thought activity. In order for a human being to think, in order for a human being to emerge and become active, that which comes from the spiritual-soul realm must be given the synthesizing function directed toward the head, thereby structuring the hereditary substance synthetically. Through this, a mirror can then be seen in the synthetically structured hereditary substance. So you have the following: when, as the process descends into the head, the head begins to organize synthetically, the head becomes a mirror, and the external world is reflected within it—and this gives rise to the thinking we usually observe. We must therefore distinguish between the two functions of thought: the one that lies behind the perceptible world, which the brain constructs—that is what remains—and the function of thought that is not real at all, that is merely reflected and is continually erased when falling asleep and fades away when one is not thinking.

[ 9 ] Eine andere Partie dessen, was da aus dem Geistig-Seelischen herunterkommt, baut nun analytisch das Stoffwechsel-Gliedmaßensystem auf, baut die Organe auf, die auseinanderfallen, die deutlich unterscheidbare einzelne Konturen haben. Wenn Sie nun den ganzen Körper betrachten mit seinen deutlich unterscheidbaren einzelnen Konturen, so haben wir darinnen Leber, Lunge, Herz und so weiter, mit denen auch das Gliedmaßen-Stoffwechselsystem zusammenhängt; das rhythmische System sieht man nicht, alles, was mit physischer Substanz ausgefüllt ist, gehört zum Stoffwechsel-Gliedmaßensystem, auch was man am Gehirn sieht, ist Stoffwechsel. Nun liegt das, was diese einzelnen analytisch aufgebauten Organe sind, dem gesamten Willensleben des Menschen zugrunde, wie die synthetische Tätigkeit zugrunde liegt dem Denken. So liegt all das, was an Organen da ist, zugrunde dem Willensleben.

[ 9 ] Another aspect of what descends from the spiritual-soul realm now analytically constructs the metabolic-limb system, forming the organs, which are distinct and have clearly distinguishable individual contours. If you now look at the entire body with its clearly distinguishable individual contours, you will find within it the liver, lungs, heart, and so on, to which the metabolic-limb system is also connected; the rhythmic system is not visible; everything filled with physical substance belongs to the metabolic-limb system, and even what is visible in the brain is metabolism. Now, what these individual, analytically structured organs are lies at the foundation of the human being’s entire life of will, just as synthetic activity lies at the foundation of thinking. Thus, all that exists in terms of organs lies at the foundation of the life of will.

[ 10 ] Nun betrachten wir einmal folgendes: Denken wir uns einen schon ziemlich erwachsenen Menschen. Was ist mit diesem ziemlich erwachsenen Menschen geschehen, während er sein Erdenleben geführt hat? Er ist vielleicht sieben Jahre alt geworden, er hat die zweiten Zähne bekommen; er ist vierzehn Jahre alt geworden, hat die Geschlechtsreife bekommen; er ist einundzwanzig Jahre alt geworden und hat damit die Konsolidierung seines Seelenlebens zustande bekommen. Wir müssen nun, wenn wir überhaupt die kindliche Entwickelung verstehen wollen, genau unterscheiden zwischen dem Körper, den ein Mensch trägt, der den Zahnwechsel durchgemacht hat, und einem Körper, den ein Kind trägt, das den Zahnwechsel noch nicht durchgemacht hat. Dasjenige, was da an besonders auffälligen Beispielen gebracht wird, geschieht fortwährend. Der Körper wird nach jedem Jahr ausgewechselt. Wir stoßen fortwährend von unserem Körper nach außen ab, es ist fortwährend eine zentrifugale Strömung nach außen, die den Körper abstößt. Das führt dazu, daß der Körper tatsächlich alle sieben bis acht Jahre richtig erneuert wird.

[ 10 ] Now let us consider the following: Let us imagine a person who is already quite grown up. What has happened to this fairly grown-up person during the course of his earthly life? He may have turned seven years old; he may have gotten his permanent teeth; he may have turned fourteen and reached sexual maturity; they turned twenty-one and thereby achieved the consolidation of their soul life. If we are to understand childhood development at all, we must now make a clear distinction between the body of a person who has gone through the process of losing their baby teeth and the body of a child who has not yet gone through that process. What is illustrated here with particularly striking examples occurs continuously. The body is renewed every year. We are constantly shedding matter from our body outward; there is a continuous centrifugal flow outward that expels matter from the body. This results in the body being completely renewed every seven to eight years.

[ 11 ] Nun sehen Sie, diese Erneuerung ist ganz besonders wichtig um den Zahnwechsel herum, um das siebente Jahr herum. Warum? Nun, der Körper, den der Mensch von der Geburt bis zum Zahnwechsel trägt, er ist gewissermaßen nur ein Modell, das wir übernehmen von außen, von unseren Eltern, der enthält die Erbkräfte, daran bauen die Vorfahren mit auf. Nun stoßen wir ihn ab, diesen Körper, im Laufe der ersten sieben Jahre. Und was ist? Ein ganz neuer Körper entsteht; dasjenige, was der Mensch an sich trägt nach dem Zahnwechsel, das wird nicht mehr durch die Vererbungskräfte aufgebaut, das wird ganz allein aus dem Geistig-Seelischen aufgebaut, das heruntersteigt, so daß der Mensch seinen Erbkörper substantiell nur bis zum Zahnwechsel trägt, und während er ihn abstößt, aus seiner Individualität einen neuen aufbaut. Unseren eigenen Körper haben wir eigentlich erst seit dem Zahnwechsel. Nur geschieht die Sache so, daß der Erbkörper benutzt wird als Modell, und je nachdem das geistig-seelische Leben stark oder schwach ist, je nachdem wird dieses Geistig-Seelische leichter imstande sein, mehr individuell vorzugehen gegen das, was als Erbgestaltung da ist, oder es unterliegt der Erbgestaltung, es muß den zweiten Körper formen, wie der erste von den Eltern her geformt ist.

[ 11 ] Now, you see, this renewal is particularly important around the time of tooth replacement, around the age of seven. Why? Well, the body that a person carries from birth until tooth replacement is, in a sense, merely a model that we adopt from the outside—from our parents—and it contains the hereditary forces upon which our ancestors build. Now we shed this body over the course of the first seven years. And what happens? A completely new body emerges; what a person carries within themselves after the change of teeth is no longer built up by hereditary forces, but is built entirely from the spiritual-soul elements that descend, so that a person carries their hereditary body substantively only until the change of teeth, and while shedding it, builds a new one out of their individuality. We actually only have our own body after the change of teeth. However, what happens is that the hereditary body is used as a model, and depending on whether the spiritual-soul life is strong or weak, this spiritual-soul life will be more or less able to act more individually in relation to what exists as the hereditary form, or it will be subject to the hereditary form; it must shape the second body in the same way that the first was shaped by the parents.

[ 12 ] Das also, was gewöhnlich in der Vererbungstheorie vorgebracht wird, ist ja ein Kohl. In dem, was da gewöhnlich vorgebracht wird, setzt man einfach fort die Gesetze des Wachstums bis zum Zahnwechsel weiter hinaus ins spätere Leben. Aber es ist so, daß dasjenige, was als Vererbung zu gelten hat, nicht weiter gilt als bis zum Zahnwechsel; nun eignet es sich die Individualität an und bildet den zweiten Körper aus.

[ 12 ] So what is usually put forward in the theory of heredity is, in fact, nonsense. In what is usually put forward there, one simply extends the laws of growth beyond the change of teeth into later life. But the fact is that what is considered heredity applies only up to the change of teeth; at that point, the individual appropriates it and develops the second body.

[ 13 ] Wir müssen also unterscheiden gerade beim Kinde zwischen dem Erbkörper und dem, was als Folge des Erbkörpers auftritt in dem individuellen Körper. Der bilder sich nach und nach, der individuelle Körper, den man erst den wahren Menschenpersönlichkeitskörper nennen kann. Und sehen Sie, jetzt kriegt man sozusagen im Alter zwischen dem siebenten und vierzehnten Lebensjahre das stärkste Arbeiten, dessen die Individualität fähig ist: entweder obsiegt sie den Erbkräften, dann wird der Mensch, indem er durch den Zahnwechsel hindurchgeht und dadurch bemerken läßt, daß er sich herausarbeitet aus den Vererbungskräften, oder aber — das können wir sehr deutlich bemerken und müssen es daher als Erzieher ins Auge fassen -, es unterliegt die Individualität vollständig den Erbkräften, dem, was im Modell enthalten ist. Dann setzt sich einfach diese Vererbungsähnlichkeit mit den Eltern über das siebente Jahr fort. Das hängt von der Individualität ab und nicht von den Vererbungskräften. Gerade so wenig wie man sagen kann, wenn mir als Maler jemand etwas vorlegt, um es nachzuahmen, ich aber mächtig ändere, gerade so wenig wie ich da sagen kann, meine Malerei hat der erzeugt, der mir das vorgelegt hat ebensowenig können wir sagen: Dasjenige, was wir von dem siebenten Jahre ab, was wir nach dem siebenten Jahr an uns tragen, haben wir vererbt bekommen. - Und das muß man sozusagen im geistigen Griffe haben und wissen, wie stark in dem einen oder andern Falle die Individualität wiikt.

[ 13 ] We must therefore distinguish, especially in the case of the child, between the hereditary body and that which manifests in the individual body as a consequence of the hereditary body. The individual body gradually takes shape—the body that can truly be called the human personality body. And you see, it is now, so to speak, between the ages of seven and fourteen that the individuality is capable of its most intense activity: either the individuality triumphs over the hereditary forces—in which case the person, as they go through the process of losing their baby teeth, demonstrates that they are working their way out of the hereditary forces—or else—and this we can observe very clearly and must therefore take into account as educators—the individuality succumbs completely to the hereditary forces, to what is contained in the template. Then this hereditary resemblance to the parents simply continues beyond the age of seven. This depends on the individuality and not on the hereditary forces. Just as one cannot say—if, as a painter, someone presents me with something to imitate, but I alter it significantly—just as I cannot say in that case that my painting was created by the one who presented it to me, so too can we not say: “What we carry within us from the seventh year onward, what we possess after the seventh year, we have inherited.”—And one must, so to speak, grasp this intellectually and know how strongly individuality acts in one case or another.

[ 14 ] Nun geht der Mensch zwischen dem siebenten und vierzehnten Lebensjahre durch ein Wachstum und ein Werden hindurch, das möglichst stark seine Individualität, die der Mensch heruntergebracht hat, zum Ausdruck bringt. Dadurch ist der Mensch in dieser Zeit gegenüber der Außenwelt relativ abgeschlossen. Man hat gerade in dieser Zeit Gelegenheit, die wunderbare Entfaltung der Individualkräfte ins Auge zu fassen. Und der Mensch würde später, wenn er diese Entwickelung fortsetzen würde, und wenn er nur mit dieser Entfaltung ins spätere Leben hineintreten würde, ein furchtbar abweisendes Wesen sein, er würde stumpf sein gegenüber der Außenwelt. Aber in dieser Zeit baut er sich schon seinen dritten Körper auf, der mit der Geschlechtsreife zum Vorschein kommt. Der wird wiederum unter Berücksichtigung der Kräfte in der irdischen Umgebung aufgebaut. Dasjenige, was als Beziehung der Geschlechter auftritt, ist nicht das Ganze; das Überschätzen in dieser Beziehung ist nur eine Folge unserer materialistischen Anschauungen. In Wirklichkeit sind alle Beziehungen zur Außenwelt, die mit der Geschlechtsreife auftreten, im Grunde genommen gleichgeartet. Man sollte daher im Grunde sprechen von einer Erdenreife, nicht von einer Geschlechtsreife, und sollte unter die Erdenreife stellen die Sinnenreife, Atemreife, und eine Unterabteilung sollte auch sein die Geschlechtsreife. So ist der Tatbestand wirklich. Da wird der Mensch erdenreif, da nimmt der Mensch das Fremde wieder in sich hinein, da erlangt er die Fähigkeit, nicht stumpf zu sein gegen die Umgebung. Er wird eindrucksfähig gegenüber der Umgebung. Vorher ist er nicht eindrucksfähig für das andere Geschlecht, aber auch nicht für die übrige Umgebung. Da bildet der Mensch also seinen dritten Leib aus, der wirkt bis zum Beginne der Zwanzigerjahre.

[ 14 ] Between the ages of seven and fourteen, a person undergoes a process of growth and development that expresses as strongly as possible the individuality they have brought with them. As a result, during this time, the person is relatively closed off from the outside world. It is precisely during this time that one has the opportunity to observe the marvelous unfolding of the individual powers. And if a person were to continue this development later on—and were to enter later life with only this unfolding—they would be a terribly aloof being; they would be indifferent to the outside world. But during this period, they are already building up their third body, which emerges with sexual maturity. This body, in turn, is built up in consideration of the forces in the earthly environment. What appears as the relationship between the sexes is not the whole picture; overestimating this relationship is merely a consequence of our materialistic views. In reality, all relationships with the outside world that arise with sexual maturity are, at their core, of the same nature. One should therefore speak, in essence, of “earthly maturity,” not “sexual maturity,” and should include under earthly maturity sensory maturity and respiratory maturity, with sexual maturity constituting a subcategory. This is how things truly are. This is when a person becomes earth-ripe; this is when a person once again takes the external world into themselves; this is when they attain the ability not to be insensitive to their surroundings. They become receptive to their surroundings. Before this, they are not receptive to the opposite sex, nor to the rest of their environment. This is when a person develops their third body, which remains active until the early twenties.

[ 15 ] Das, was heruntergestiegen ist aus der geistigen Welt, hat schon ein Ende gefunden durch den Zahnwechsel, hat in den ersten sieben Jahren, bis zum Zahnwechsel, und bis zum zwanzigsten Jahre seine Wirkung getan. Es hat bereits sich gestaltet in den Organen, die dann da sind, und es hat den Menschen individuell reif und erdenreif gemacht. Wenn da nun irgendeine Abnormität im Seelenleben, die sich gemäß des Aufbaues der Organe spiegelt, auftritt, die bedingt ist durch die ganze Entwickelung hindurch, dann ist natürlich eine seelische Abnormität wirklich da. Wenn aber, nachdem der Mensch das einundzwanzigste Jahr durchgemacht hat, eine Abnormität in der Leber oder einem andern Organe auftritt, so ist dieses Organ schon so weit verselbständigt und abgelöst, daß sich das Seelische des Willens unabhängig davon erhalten kann. Das kann um so weniger der Fall sein, je weiter man beim Kinde zurückgeht in seinem Lebensalter. Beim erwachsenen Menschen wird das Seelenleben, weil die Organe schon eine bestimmte Richtung haben, verhältnismäßig selbständig, und eine Organerkrankung wirkt nicht so stark auf das Seelenleben und kann als Organerkrankung behandelt werden. Beim Kinde wirkt noch alles zusammen; ein krankes Organ wirkt noch hinein bis in das Seelenleben, ganz wirksam.

[ 15 ] That which has descended from the spiritual world has already come to an end with the change of teeth; it has exerted its influence during the first seven years, up to the change of teeth, and up to the age of twenty. It has already taken shape in the organs that are present at that time, and it has brought the individual to maturity and made them ready for life on earth. If, however, any abnormality in the soul life—one that is reflected in the structure of the organs and is conditioned by the entire course of development—occurs, then a soul abnormality is indeed present. But if, after a person has passed the age of twenty-one, an abnormality occurs in the liver or another organ, that organ has already become so independent and separate that the soul aspect of the will can remain independent of it. The further back one goes in a child’s age, the less likely this is to be the case. In adults, because the organs already have a certain direction, the soul life becomes relatively independent, and an organ disease does not affect the soul life as strongly and can be treated as an organ disease. In children, everything still works together; a diseased organ still exerts a very effective influence right down into the soul life.

[ 16 ] Sehen Sie, die heutigen Krankheiten, welche man gewöhnlich in unserer heutigen Pathologie diagnostiziert, sind die gröberen Krankheiten. Die feineren Krankheiten sind der Histologie nicht eigentlich zugänglich, liegen in dem flüssigen Teile, der ein Organ, zum Beispiel die Leber, durchzieht, in der Bewegung der Flüssigkeit oder sogar in der Bewegung des Gasförmigen, das die Leber durchzieht. Auch die Durchwärmung eines solchen Organs ist von ganz besonderer Bedeutung für das Seelenleben.

[ 16 ] You see, the diseases of today—those commonly diagnosed in modern pathology—are the more gross diseases. The more subtle diseases are not actually accessible to histology; they lie in the fluid that permeates an organ—such as the liver—in the movement of that fluid, or even in the movement of the gaseous substance that permeates the liver. The warming of such an organ is also of very special significance for the life of the soul.

[ 17 ] Im kindlichen Organismus hat man also, wenn es sich um einen Willensdefekt handelt, vor allem zu fragen: Mit welchem Organe, mit welcher Organentartung, mit welcher Organerkrankung steht ein solcher Willensdefekt in Zusammenhang? - Das ist die wichtigere Frage.

[ 17 ] In the child's organism, therefore, when dealing with a defect of the will, the primary question to ask is: To which organ, which organ degeneration, or which organ disease is such a defect of the will related? — That is the more important question.

[ 18 ] Von so ungeheurer Wichtigkeit ist nicht der Denkdefekt. Die meisten Defekte sind eigentlich Willensdefekte; denn auch wenn Sie im Denken einen Defekt haben, müssen Sie sorgfältig hinschauen, inwieferne der Denkdefekt ein Willensdefekt ist. Denn, wenn Sie zu schnell oder zu langsam denken, so können die Gedanken ganz richtig sein, es handelt sich nur darum, daß der Wille, der wirkt in der Ineinandersetzung, einen Defekt hat. Man muß hinschauen, bis zu welchem Grade der Wille darinnen steckt. Eigentlich einen Denkdefekt können Sie nur konstatieren, wenn unabhängig vom Willen Deformationen der Gedanken auftreten, Sinnestäuschungen. Bei der Einstellung zur äußeren Welt treten sie im ganz Unbewußten auf, da wird das Vorstellungsbild selber unregelmäßig. Oder aber wir haben etwas wie Zwangsvorstellungen, und daß sie Zwangsvorstellungen sind, hebt sie aus dem Willen heraus. Aber auf das muß man vor allem aufmerksam sein, ob man es mit einem Willensdefekt oder Denkdefekt zu tun hat. Die Denkdefekte fallen zumeist schon in das Gebiet des abgesonderten Heilens. Mit den Willensdefekten hat man es meistens zu tun in der Erziehung von unvollständig entwickelten Kindern.

[ 18 ] It is not the defect in thinking that is of such immense importance. Most defects are actually defects of the will; for even if you have a defect in thinking, you must examine carefully to what extent that defect in thinking is a defect of the will. For if you think too quickly or too slowly, your thoughts may be entirely correct; the issue is simply that the will, which is at work in the interplay of thoughts, has a defect. One must examine to what degree the will is involved in this. You can actually only identify a defect in thinking if distortions of thought—sensory illusions—occur independently of the will. In one’s attitude toward the external world, they occur entirely unconsciously; there, the mental image itself becomes distorted. Or we may have something like obsessive thoughts, and the very fact that they are obsessive thoughts removes them from the realm of the will. But one must be particularly attentive to whether one is dealing with a defect of the will or a defect of thought. Defects of thought usually fall within the realm of specialized therapy. Defects of will are most commonly encountered in the education of children with incomplete development.

[ 19 ] Nun denken Sie sich aber, wie das ganze Wesen des Menschen hineinspielt in seine Entwickelung. Sie können es ermessen aus dem, was angeführt ist für diese Entwickelung des Menschen. Man nehme nur die ersten sieben Lebensjahre, da können Vererbungsdefekte vorliegen, dafür kommen wesentlich die Vererbungsdefekte in Betracht. Nun, einen solchen Vererbungsdefekt, den darf man auch nicht in der schauderhaften Weise ansehen, wie ihn die heutige Wissenschaft ansieht; der fällt uns ja nicht als Zufall zu, sondern er fällt uns als karmische Notwendigkeit zu. Wir wählen den Körper, der nach der Generationsfolge defekt ist, aus unserer Unkenntnis heraus allerdings in der geistigen Welt. Wo also defekte Vererbungskräfte vorliegen, da lag vor der Konzeption eine Unkenntnis der menschlichen Organisation vor. Man muß nämlich, bevor man auf die Erde heruntersteigt, den menschlichen Organismus ganz genau kennen, sonst kann man nicht recht hineinsteigen in den ersten sieben Jahren und ihn nicht recht umwandeln. Und was man also erwirbt an Wissen in bezug auf die innere Organisation zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, das ist etwas ganz Unermeßliches gegenüber dem bissel von Wissen, das heute die Physiologie oder Histologie von außen her erwerben. Das letztere ist ja nichts. Aber dieses Wissen, das wir da haben, das dann untertaucht in den Körper und daher vergessen wird, weil es untertaucht, das wendet sich nicht durch die Sinne nach der Außenwelt. Dieses Wissen, das ist etwas unermeßlich Großes. Dieses Wissen wird aber beeinträchtigt, wenn wir in einem Erdenleben für unsere Umgebung kein Interesse entwickeln, oder an diesem Interesse verhindert worden sind. Denken Sie, irgendein Zivilisationszeitalter sperre die Menschen ein in Räumen, halte sie darinnen vom Morgen bis zum Abend so, daß sie kein Interesse haben können für die Außenwelt. Wie wirkt eine solche Zivilisation? Sie schließt die Erkenntnis des Menschen von der Außenwelt ab. Und wenn ein Mensch mit diesem Abgeschlossensein durch den Tod geht und in die geistige Welt wenig Vorbedingung hineinbringt, um in dieser geistigen Welt, in der alles enthalten ist, den menschlichen Organismus kennenzulernen, aufzunehmen, so kommt ein solcher Mensch, wenn er heruntersteigt auf die Erde, mit einer geringeren Kenntnis herunter als einer, der sich einen freien Blick für seine Umgebung erworben hat.

[ 19 ] Now, however, consider how the entire nature of the human being plays a role in his or her development. You can gauge this from what has been stated regarding human development. Take, for example, the first seven years of life: hereditary defects may be present, and these hereditary defects are a significant factor to consider. Well, such a hereditary defect should not be viewed in the horrifying way that modern science views it; after all, it does not befall us by chance, but rather as a karmic necessity. We choose the body that is defective according to the generational sequence—albeit out of ignorance—in the spiritual world. Where defective hereditary forces are present, there was a lack of knowledge regarding the human organism prior to conception. For one must know the human organism very precisely before descending to Earth; otherwise, one cannot properly enter into it during the first seven years nor properly transform it. And so the knowledge one acquires regarding the inner organization between death and a new birth is something utterly immeasurable compared to the mere scrap of knowledge that physiology or histology acquires today from the outside. The latter is, after all, nothing. But this knowledge that we possess—which then sinks into the body and is therefore forgotten because it sinks in—does not turn toward the outer world through the senses. This knowledge is something immeasurably great. However, this knowledge is impaired if, during an earthly life, we fail to develop an interest in our surroundings, or if we have been prevented from doing so. Imagine if some age of civilization were to lock people away in rooms, keeping them there from morning to night in such a way that they could have no interest in the outside world. What effect would such a civilization have? It would cut people off from knowledge of the outside world. And if a person passes through death in this state of isolation and brings few prerequisites into the spiritual world—prerequisites necessary to come to know and assimilate the human organism in this spiritual world, where everything is contained—then such a person, when descending to Earth, comes down with less knowledge than one who has acquired a free view of their surroundings.

[ 20 ] Das andere Geheimnis ist dieses: Sie gehen durch die Welt. Jetzt glauben Sie, wenn Sie so durch die Welt gehen, zum Beispiel einen Tag, jetzt meinen Sie, das ist etwas Geringes: es ist auch etwas Geringes für das gewöhnliche Bewußtsein, es ist aber nichts Geringes für dasjenige, was im gewöhnlichen Bewußtsein das Unterbewußtsein bildet. Denn wenn Sie nur einen Tag durch die Welt gehen und sie genauer anschauen, so ist das schon die Vorbedingung für die Erkenntnis des Inneren des Menschen. Außenwelt im Erdenleben ist geistige Innenwelt im außerirdischen Leben. Und wir werden davon sprechen, was unsere Zivilisation bewirkt und warum deshalb minderwertige Kinder auftreten. Diejenigen Menschen, die heute abgeschlossen leben von der Welt, die werden alle einstmals herunterkommen mit Unkenntnis des menschlichen Organismus, und sie werden sich wählen die Vorfahren, die sonst unfruchtbar bleiben würden. Gerade die Menschen, die sonst schlechte Körper liefern würden, werden dann gewählt, während diejenigen, die gute Körper liefern würden, steril bleiben. Es hängt tatsächlich von der ganzen Entwickelung eines Zeitalters ab, wie sich beim Heruntersteigen wieder ein Geschlecht aufbaut. Und wenn wir ein Kind ansehen, müssen wir sehen, was da in dem Kinde von dem vorigen Erdenleben lebt. Man muß es verstehen, warum es sich wählt Organe, die nach den Vererbungskräften krankhaft sind, warum es sich wiederum durch eine unvollständig entwickelte Individualität in diesen Körper hineinarbeitet.

[ 20 ] The other secret is this: You walk through the world. Now you believe that when you walk through the world like this—for example, for a day—you think it is something trivial: it is indeed a trivial matter for ordinary consciousness, but it is by no means trivial for that which, within ordinary consciousness, constitutes the subconscious. For if you simply walk through the world for a single day and observe it more closely, that alone is already the prerequisite for understanding the inner life of the human being. The outer world in earthly life is the spiritual inner world in extraterrestrial life. And we will speak of what our civilization brings about and why, as a result, inferior children are born. Those people who today live in isolation from the world will all one day descend with a lack of knowledge about the human organism, and they will choose as their ancestors those who would otherwise remain infertile. It is precisely those people who would otherwise produce poor bodies who will then be chosen, while those who would produce good bodies will remain sterile. How a lineage rebuilds itself during the descent actually depends on the entire development of an age. And when we look at a child, we must see what from the previous earthly life still lives within that child. One must understand why it chooses organs that are pathological according to hereditary forces, and why it works its way into this body through an incompletely developed individuality.

[ 21 ] Denken Sie sich, was da für Möglichkeiten gegeben sind bis zum Zahnwechsel hin für das Kind, weil ja nicht immer vollständig adäquat ist das, was herunterkommt, dem, was vorliegt. Da ist die Möglichkeit vorhanden, daß zum Beispiel ein Kind ein gutes Modell hat, das in der Leber gut ausgebildet ist. Weil aber die Individualität unfähig ist, das zu verstehen, was da drinnen liegt, so wird es in der zweiten Lebensepoche unvollständig nachgebildet, und dann entsteht ein sehr bedeutsamer Willensdefekt. Gerade wenn das Beispiel vorliegt, daß die Leber in dieser Weise nach dem Lebermodell unvollständig nachgebildet wird, dann entsteht ein Willensdefekt, der sich äußert dadurch, daß das Kind will, aber es geht nicht über zum Ausführen des Willens, es bleibt das Wollen im Gedanken stecken. Das Kind fängt auch gleich an, etwas anderes zu wollen, wenn es etwas angefangen hat, und es stockt das Wollen, es spießt sich das Wollen. Denn die Crux ist, daß die Leber nicht bloß das Organ ist beim Menschen, das die heutige Physiologie beschreibt, sie ist im eminentesten Sinne dasjenige Organ, das dem Menschen die Courage gibt, eine ausgedachte Tat in eine wirklich ausgeführte umzusetzen. Also wenn es geschieht, daß ich so organisiert bin als Mensch, daß da ein Tram wegfährt, ich weiß, ich soll nach Basel fahren - es gibt solche Menschen - ich bin schon da: im letzten Moment kann ich nicht aufsteigen, es will mich etwas zurückhalten, ich komme nicht dazu, aufzusteigen! — Sehen Sie, so etwas enthüllt sich manchmal auf eine merkwürdige Weise, wenn eine Stockung des Willens auftritt. Wenn aber so etwas auftritt, dann liegt immer ein feiner Leberdefekt vor. Die Leber vermittelt immer das Umsetzen der vorgenommenen Ideen in die durch die Gliedmaßen durchgeführten Handlungen. So ist jedes Organ dazu da, irgend etwas zu vermitteln.

[ 21 ] Just imagine the possibilities that exist for the child up until the time of tooth replacement, because what comes down isn’t always entirely adequate for what is actually present. There is the possibility, for example, that a child has a good model that is well-formed in the liver. But because the individual is unable to understand what lies within it, it is incompletely reproduced in the second stage of life, and this results in a very significant defect of the will. Precisely when we have the example of the liver being incompletely replicated in this way according to the liver model, a defect of the will arises that manifests itself in the fact that the child wants something, but does not proceed to carry out that will; the desire remains stuck in thought. The child also immediately begins to want something else once it has started something, and the act of willing stalls; the will gets stuck. For the crux of the matter is that the liver is not merely the organ in humans described by modern physiology; it is, in the most eminent sense, the organ that gives a person the courage to transform a conceived action into one that is actually carried out. So if it happens that I’m the kind of person who, when a tram pulls away, knows I’m supposed to go to Basel—there are people like that—I’m already there: at the last moment, I can’t get on; something is holding me back; I just can’t bring myself to get on! — You see, something like this sometimes reveals itself in a strange way when a stagnation of the will occurs. But when something like this happens, there is always a subtle liver dysfunction. The liver always mediates the transformation of conceived ideas into actions carried out by the limbs. Thus, every organ is there to mediate something.

[ 22 ] Sehen Sie, mir wurde mitgeteilt, daß ein gewisser junger Mann diese Krankheit wirklich hatte, daß wenn er in der Nähe eines Tramwagens stand, daß er plötzlich stehenblieb und nicht einstieg. Kein Mensch wußte, warum er nicht einstieg. Er wußte auch nicht, warum. Er blieb stehen. Der Wille stockt. Nun, was lag da vor? Eine sehr komplizierte Sache. Der Vater des Betreffenden war Philosoph, hat in einer merkwürdigen Weise die Seelenfähigkeiten eingeteilt in Vorstellen, Urteilen und in die Kräfte der Sympathie und Antipathie, und rechnete unter die Seelenkräfte nicht den Willen. Der- Wille fiel heraus aus der Aufzählung der Seelenkräfte. Er zählte nie den Willen auf, wenn er die Seelenkräfte aufzählte. Er wollte aber ehrlich sein. Er wollte nur das geben, was sich im Bewußtsein darstellte. Nun hatte er es so weit gebracht, daß das ihm ganz Natur war, keine Vorstellung vom Willen zu haben. Nun kriegte er in verhältnismäßig spätem Alter einen Sohn. Er, der Vater, hatte durch ewiges Nicht-Denken des Willens der Leber die Anlage eingepflanzt, die subjektiven Intentionen nicht umzusetzen in die Tat. Beim Sohne trat das als Erkrankung auf. Und da können Sie sehen, warum auch dieses Sohnes Individualität gerade diesen Vater gewählt hat: weil sie nichts anzufangen wußte mit der inneren Organisation der Leber. Da hatte sie sich eine Konstitution gewählt, bei der sie sich nicht bemühen mußte um die Leber. Denn die Leber war eben ohne diese Funktion, die der Betreffende nicht mit heruntergebracht hatte. Sie sehen also: in einer ganz merkwürdigen Weise muß man hineinschauen auch in das Karma, wenn man das Kind verstehen will.

[ 22 ] You see, I was told that a certain young man actually had this illness—that when he was standing near a streetcar, he would suddenly stop and not get on. No one knew why he didn’t get on. He didn’t know why either. He just stopped. His will faltered. Well, what was going on there? A very complicated matter. The young man’s father was a philosopher who, in a peculiar way, classified the faculties of the soul into mental images, judgment, and the powers of sympathy and antipathy—and did not count the will among the powers of the soul. The will was left out of the list of powers of the soul. He never included the will when he enumerated the powers of the soul. But he wanted to be honest. He wanted to present only what appeared in his consciousness. By then, he had reached the point where it was entirely natural for him not to have any mental image of the will. Then, at a relatively late age, he had a son. He, the father, had—by perpetually failing to think of the will of the liver—implanted the predisposition not to translate subjective intentions into action. In the son, this manifested as an illness. And there you can see why this son’s individuality chose precisely this father: because it did not know what to do with the inner organization of the liver. So it had chosen a constitution in which it did not have to exert itself regarding the liver. For the liver was precisely without this function, which the individual in question had not brought with him. So you see: in a very peculiar way, one must also look into karma if one wants to understand the child.

[ 23 ] Das wollte ich zunächst heute einmal sagen, und wir wollen dann morgen um dieselbe Stunde weiterfahren.

[ 23 ] That's what I wanted to say for now today, and we'll continue tomorrow at the same time.