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Cooperation Between Doctors and Pastoral Caregivers
Pastoral Medicine Course
GA 318

9 September 1924, Dornach

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Zweiter Vortrag

Second Lecture

[ 1 ] Meine lieben Freunde! Wenn man von den gemeinsamen Angelegenheiten des Priesters und des Arztes spricht, so muß der Blick zunächst auf Erscheinungen kommen im menschlichen Leben, die in der Tat leicht ins Pathologische hinübergleiten, daher des Verständnisses des Arztes bedürfen, die aber auf der anderen Seite wiederum in einer außerordentlichen Weise in das Innere, ich möchte sagen, selbst in das Esoterische des religiösen Lebens hineinspielen. Wir müssen uns ja durchaus klar sein darüber, daß eigentlich alle Zweige der menschlichen Erkenntnis über etwas Grobes wiederum hinauskommen müssen, das in der materialistischen Epoche in sie hineingekommen ist. Wir brauchen uns nur zu erinnern, wie doch jetzt in einer gewissen Grobheit der Auffassung behandelt worden sind diejenigen Erscheinungen, die eine Zeitlang zusammengefaßt wurden unter «Genialität und Wahnsinn», grob behandelt worden sind von Lombroso und seiner Schule, aber auch von anderen. Wir können ebensogut aufmerksam machen nicht so sehr auf die Untersuchungen selbst — die haben ja ihre Verdienste —, aber auf die Anschauungsweise, die dadurch zutage trat, wir können ebenso aufmerksam machen auf dasjenige, was aufgetreten ist als Kriminalanthropologie und die Schädel untersuchte der Verbrecher. Die Gesinnungen, die dabei zutage traten, waren durchaus nicht nur grob, sondern trugen einen gewissen Stempel einer außerordentlich starken Philistrosität. Man kann schon sagen — und hier dürfen wir uns durchaus solcher Kategorien bedienen, denn es handelt sich um ein Grenzgebiet in der Pastoralmedizin —, man kann schon sagen, da taten sich im Grunde als Forscher und Denker die Philister zusammen, bildeten sich den Typus eines Normalmenschen heraus, der möglichst ein Philister war. Und was eben abliegt, das war pathologisch. Da das Genie nach der einen Seite, der Wahnsinn nach der anderen Seite abwich, so war eben beides in irgendeiner Weise pathologisch. Und da es für den Einsichtigen ganz selbstverständlich ist, daß jede pathologische Eigentümlichkeit sich auch körperlich ausdrückt, so ist es ganz selbstverständlich, daß in körperlichen Merkmalen nach der einen oder anderen Richtung hin Zeichen gefunden werden können. Es handelt sich ja darum, diese Zeichen in der richtigen Weise zu durchschauen. Gewiß ist ein Ohrläppchen unter Umständen außerordentlich charakteristisch für eine psychologische Eigentümlichkeit, weil solche psychologische Eigentümlichkeiten doch zusammenhängen mit dem Karma, das aber aus früheren Inkarnationen herüberwirkt.

[ 1 ] My dear friends! When speaking of the common concerns of the priest and the physician, one must first turn one’s attention to phenomena in human life that, in fact, easily slip into the pathological realm—and thus require the physician’s understanding—but which, on the other hand, also play an extraordinary role in the inner, I would say, even the esoteric aspects of religious life. We must be perfectly clear that, in fact, all branches of human knowledge must move beyond a certain coarseness that has crept into them during the materialistic era. We need only recall how, until recently, those phenomena that were for a time grouped under the heading “genius and madness” were treated with a certain crudeness—crudely treated by Lombroso and his school, but also by others. We might just as well draw attention not so much to the studies themselves—which certainly have their merits—but to the perspective that emerged through them; we might equally draw attention to what emerged as criminal anthropology and the examination of criminals’ skulls. The attitudes that came to light in this context were by no means merely crude; rather, they bore the distinct stamp of an extraordinarily strong philistinism. One might well say—and here we may certainly make use of such categories, for this is a borderline area in pastoral medicine—one might well say that, in essence, the philistines banded together as researchers and thinkers, developing the archetype of a “normal” person who was, as far as possible, a philistine. And what lay just beyond that was pathological. Since genius deviated in one direction and madness in the other, both were, in a certain sense, pathological. And since it is quite self-evident to the discerning observer that every pathological peculiarity also manifests itself physically, it is equally self-evident that signs can be found in physical characteristics pointing in one direction or the other. The point, of course, is to interpret these signs correctly. Certainly, an earlobe can, under certain circumstances, be extraordinarily characteristic of a psychological peculiarity, because such psychological peculiarities are connected to karma, which, however, carries over from previous incarnations.

[ 2 ] Das, was die Kräfte des Aufbaues des physischen Organismus sind, namentlich in den ersten sieben Lebensjahren, das sind dieselben Kräfte, die später zutage treten. Wir wachsen ja in den ersten sieben Lebensjahren mit den Kräften, mit denen wir später denken; und so ist es schon wichtig und bedeutsam, daß man gerade, aber nun nicht in der hergebrachten, vor kurzem hergebrachten Weise, sondern in einer wirklich sachgemäßen Art an gewisse Erscheinungen zunächst herangeht. Weniger um sie als pathologisch anzusehen - ins Pathologische werden wir schon geführt werden, gerade von diesen Erscheinungen aus —, als um von diesen Erscheinungen aus das menschliche Leben einsehen zu können.

[ 2 ] The forces that build up the physical organism—especially during the first seven years of life—are the very same forces that manifest themselves later on. After all, during the first seven years of life, we grow with the very forces we will later use to think; and so it is indeed important and significant that we approach certain phenomena in a straightforward manner—but not in the traditional way, or the way that has been practiced until recently, but rather in a truly appropriate way. Not so much to view them as pathological—we will be led to the pathological realm precisely through these phenomena—but rather to be able to understand human life through these phenomena.

[ 3 ] Stellen wir uns einmal ganz ernstlich, meine lieben Freunde, auf den Standpunkt, den uns Anthroposophie über den Menschen gibt. Der Mensch tritt uns entgegen in seinem physischen Leib, der eine lange Entwickelung hinter sich hat, der als physischer Leib durch drei vorbereitende Stadien, wie ich es beschrieben habe in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» gegangen ist, bevor er der Erdenleib wurde, der zu seinem Verständnis wahrhaftig mehr braucht als dasjenige, was heute in Anatomie und Physiologie ihm entgegengebracht wird. Denn ich möchte auch hier darauf aufmerksam machen, daß ja dieser physische Leib des Menschen, so wie er heute ist, ein getreues Abbild ist des ätherischen Leibes, der in seiner dritten Epoche ist, des astralischen Leibes, der in seiner zweiten Epoche ist, und auch bis zu einem gewissen Grade der Ich-Organisation, die der Mensch erst auf der Erde aufgenommen hat, die also in ihrer ersten Epoche ist. Das alles prägt sich wie Siegelabdrücke in dem physischen Leib des Menschen aus. Das macht den physischen Leib dann außerordentlich kompliziert, so wie er uns heute entgegentritt. Er ist nur seiner rein mineralisch-physischen Beschaffenheit nach mit den Erkenntniskräften durchschaubar, mit denen man heute an ihn herantritt. Dasjenige, was der Ätherleib in ihn einprägt, das ist gar nicht mit diesen Erkenntniskräften durchschaubar. Es muß mit den Augen des plastischen Künstlers gesehen werden. Das muß gesehen werden so, daß man sich erwirbt Anschauungen, Bildgestaltungen, die aus den Kräften des Weltenalls heraus erfaßt werden und die man wiedererkennt in den Formen des ganzen Menschen, wiedererkennt in den Formen der einzelnen Organe.

[ 3 ] Let us, my dear friends, take a serious look at the perspective on humanity that anthroposophy offers us. Humanity appears before us in its physical body, a body that has undergone a long process of evolution; a body that, as I described in my *Outline of Esoteric Science*, passed through three preparatory stages before becoming the earthly body—a body that, to truly understand it, requires far more than what is currently presented in anatomy and physiology. For I would also like to point out here that this physical body of the human being, as it is today, is a faithful reflection of the etheric body, which is in its third epoch; of the astral body, which is in its second epoch; and also, to a certain extent, of the “I” organization, which the human being has only acquired on Earth and which is therefore in its first epoch. All of this is imprinted like seal impressions on the human physical body. This makes the physical body extraordinarily complex, as it appears to us today. It can be penetrated by the powers of cognition with which we approach it today only in terms of its purely mineral-physical nature. What the etheric body imprints upon it cannot be penetrated at all by these powers of cognition. It must be seen with the eyes of the sculptor. It must be seen in such a way that one acquires perceptions and visual forms that are grasped from the forces of the universe and that one recognizes in the forms of the whole human being, recognizes in the forms of the individual organs.

[ 4 ] Fernerhin ist dieser physische Mensch ein Abbild desjenigen, was in der Atmungs-Blutzirkulation ist. Die ganze Dynamik, die in der Blutzirkulation und Atmungszirkulation wirkend webt, die ist aber musikalisch orientiert, die kann man nur verstehen, wenn man sie in musikalischen Formen denkt. Man kann sie nur verstehen, wenn man zum Beispiel so denkt, daß man, sagen wir im Knochensystem sieht dasjenige, in das hineingeflossen sind die Bildekräfte, die dann im feineren in der Atmung und in der Zirkulation tätig sind, aber nach musikalischen Gestaltungskräften. Wir können geradezu wahrnehmen, wie die Oktave ausgeht rückwärts von den Schulterblättern und den Knochen entlang geht, und daß die Arme in ihrer Knochenformation nicht verstanden werden können aus einer mechanischen Dynamik heraus, sondern wenn man ihnen ein musikalisches Verständnis entgegenbringt. Da finden wir die Prim von den Schulterblättern bis zum Ansatz der Oberarmknochen, wir finden die Sekund im Oberarmknochen, die Terz vom Ellenbogen bis zum Handgelenk. Wir finden da zwei Knochen, weil es zwei Terzen gibt, eine große und eine kleine und so weiter. Kurz, wenn wir dasjenige, was in der Atmung und Blutzirkulation beherrscht ist vom astralischen Leib, im Abdruck im physischen Leibe wieder suchen, müssen wir musikalisches Verständnis entgegenbringen.

[ 4 ] Furthermore, this physical human being is a reflection of what takes place in the respiratory-circulatory system. The entire dynamic that weaves its way through the circulatory and respiratory systems is, however, musically oriented; it can only be understood when conceived in musical terms. One can only understand it if, for example, one thinks of it in such a way that—let us say—in the skeletal system one sees that into which the formative forces have flowed, forces that are then active in a more subtle way in respiration and circulation, but according to musical formative forces. We can actually perceive how the octave extends backward from the shoulder blades and runs along the bones, and that the arms, in their bone structure, cannot be understood from a mechanical dynamic perspective, but only when approached with a musical understanding. There we find the prime from the shoulder blades to the base of the humerus, we find the second in the humerus, and the third from the elbow to the wrist. We find two bones there because there are two thirds—a major and a minor—and so on. In short, when we seek in the physical body the imprint of what is governed by the astral body in breathing and blood circulation, we must approach it with a musical understanding.

[ 5 ] Noch komplizierter ist das Verständnis von der Ich-Organisation. Da ist es nötig zu begreifen, was angedeutet ist im ersten Vers des Johannes-Evangeliums: «Im Urbeginne war das Wort...» Was da als Verständnis des Wortes gemeint ist im Konkreten, nicht im Abstrakten, wie es die Evangelien-Interpreten gewöhnlich geben, das, wieder angewandt im Konkreten auf den wirklichen Menschen, gibt dann ein Verständnis von dem, wie die Ich-Organisation eingreift in den physisch-menschlichen Leib.

[ 5 ] Even more complicated is the understanding of the organization of the “I.” Here it is necessary to grasp what is implied in the first verse of the Gospel of John: “In the beginning was the Word...” What is meant here by an understanding of the Word—in concrete terms, not in abstract terms, as Gospel interpreters usually present it—when applied concretely to real human beings, provides an understanding of how the “I-organization” intervenes in the physical human body.

[ 6 ] Sie sehen, wir müßten noch mancherlei in unsere Studien aufnehmen, wenn diese Studien wirklich zum Verständnis des Menschen führen sollten. Aber da es meine Überzeugung ist, daß sowohl vom Medizin- wie vom Theologiestudium außerordentlich viel ausgelassen werden könnte, so glaube ich, daß wenn man alles Wertvolle herausnehmen würde, die Zahl der Jahre, die heute zum Beispiel ein Medizinstudent braucht, nicht verlängert, sondern gekürzt werden könnte. Aber natürlich denkt man heute, wo man materialistisch denkt: wenn man etwas Neues aufnimmt, stückelt man ein halbes Jahr an die Kurse, die ohnehin schon vorhanden sind.

[ 6 ] As you can see, we would have to include many other things in our studies if these studies were truly to lead to an understanding of human beings. But since I am convinced that an extraordinary amount could be omitted from both medical and theological studies, I believe that if one were to extract everything of value, the number of years that a medical student, for example, needs today could be shortened rather than extended. But of course, in today’s materialistic mindset, the thinking is: when something new is added, half a year is tacked onto the courses that already exist.

[ 7 ] Wenn man sich ernsthaft auf den Standpunkt stellt, den wir in der Anthroposophie einnehmen müssen, so stellt der Mensch sich uns gegenüber in seinem physischen, ätherischen und astralischen Leibe und in seiner Ich-Organisation. Während des Wachens sind diese vier Glieder der menschlichen Organisation in inniger Verbindung. Während des Schlafens stellt sich auf die eine Seite der physische Leib und der Ätherleib, und entgegen auf die andere Seite die Ich-Organisation und der Astralleib. Wenn wir uns ernsthaft auf diesen Standpunkt stellen, dann werden wir uns ja sagen können, daß in der mannigfaltigsten Weise Unregelmäßigkeiten auftreten können in der Verbindung der Ich-Organisation, des astralischen Leibes mit dem ätherischen Leibe und dem physischen Leibe und so weiter. Sehen Sie, es kann zum Beispiel dieses eintreten, sagen wir, ich würde — schematisch selbstverständlich — hier den physischen Leib zeichnen, den Ätherleib, den Astralleib, die Ich-Organisation (Tafel 2, links): so kann im wachen Zustande immer die sogenannte normale Beziehung herrschen zwischen diesen vier Gliedern der menschlichen Organisation.

[ 7 ] If one seriously adopts the standpoint that we must take in anthroposophy, then the human being appears to us in his physical, etheric, and astral bodies and in his “I” organization. During wakefulness, these four members of the human organization are intimately connected. During sleep, the physical body and the etheric body are on one side, and the “I”-organization and the astral body are on the other. If we seriously adopt this perspective, then we will be able to say that irregularities can arise in the most varied ways in the connection between the “I”-organization, the astral body, the etheric body, and the physical body, and so on. You see, for example, the following can occur: let’s say I were to draw—schematically, of course—the physical body, the etheric body, the astral body, and the “I”-organization here (Plate 2, left): in the waking state, the so-called normal relationship can always prevail between these four members of the human organism.

[ 8 ] Es kann aber auch so sein, daß zunächst der physische Leib und der Ätherleib in einer Art normalem Zusammenhang sind, daß auch noch der astralische Leib verhältnismäßig drinnensitzt, daß aber die IchOrganisation in einer gewissen Weise nicht ordentlich im astralischen Leibe drinnensitzt (Tafel 2, Mitte). Wir haben dann eine Unregelmäßigkeit, die uns zunächst in der wachen Organisation entgegentreten kann. Der Mensch kommt mit seiner Ich-Organisation nicht gut in seinen astralischen Leib hinein. Dadurch ist sein Empfindungsleben durchaus gestört. Er kann sogar sehr lebhaft Gedanken bilden, denn die Gedanken überhaupt hängen von dem normalen Zusammenhang des astralischen Leibes mit den anderen Leibern ab. Aber ob mit diesen Gedanken auch die Sinnesempfindungen in der entsprechenden Weise erfaßt werden, das hängt davon ab, daß die Ich-Organisation normal mit den anderen Gliedern der menschlichen Wesenheit verbunden ist. Ist das nicht der Fall, hängt sozusagen die Ich-Organisation nicht ordentlich mit den anderen Gliedern der menschlichen Wesenheit zusammen, dann werden die Sinnesempfindungen verblassen. In demselben Maße, in dem die Sinnesempfindungen verblassen, in demselben Maße werden die Gedanken intensiver. Fast gespenstisch treten sie auf, nicht so rein, wie wir sie sonst haben. Das Seelenleben eines solchen Menschen verfließt so, daß seine Sinnesempfindungen etwas Verschwindendes, Nebelhaftes haben, dafür aber die Gedanken etwas Lebendiges, Intensiviertes, Koloriertes haben, das fast den Eindruck schwacher Sinnesempfindungen hervorruft.

[ 8 ] It may also be the case, however, that at first the physical body and the etheric body are in a sort of normal relationship, that the astral body, too, is still relatively well integrated, but that the “I” organization, in a certain sense, is not properly situated within the astral body (Plate 2, center). We then have an irregularity that may initially manifest itself in the waking state. The human being’s ego organization does not fit well into the astral body. As a result, their emotional life is thoroughly disrupted. They may even form thoughts very vividly, for thoughts in general depend on the normal connection between the astral body and the other bodies. But whether these thoughts also capture sensory perceptions in the appropriate way depends on the ego-organization being normally connected to the other members of the human being. If this is not the case—if, so to speak, the ego-organization is not properly connected to the other members of the human being—then the sensory perceptions will fade. To the same extent that sensory perceptions fade, to the same extent do thoughts become more intense. They appear almost ghostly, not as pure as we usually experience them. The soul life of such a person unfolds in such a way that their sensory perceptions have a fleeting, hazy quality, while their thoughts, on the other hand, have a vivid, intensified, and colorful quality that almost gives the impression of faint sensory perceptions.

[ 9 ] Schläft dann ein solcher Mensch, dann ist auch während des Schlafes die Sache so, daß die Ich-Organisation nicht ordentlich im astralischen Leib drinnen ist. Die Folge davon ist, daß jetzt außerordentlich starke Erlebnisse mit den Feinheiten der äußerlichen Welt auftreten. Solch ein Mensch erlebt in demjenigen Teile der Welt, wo er eben ist, mit seinem Ich und seinem astralischen Leib, wenn er außer dem physischen und ätherischen Leib ist, die Feinheiten der Pflanzen, die Feinheiten des Obstgartens um sein Haus herum. Nicht das, was man bei Tage sieht, sondern die Feinheiten des Geschmacks der Apfel und dergleichen. Das ist schon so, daß das erlebt wird. Und dazu verblaßte Gedanken, die im astralischen Leibe nachwirkende Kräfte darstellen, aus dem wachen Leben nachwirkende Kräfte darstellen.

[ 9 ] When such a person sleeps, the situation is such that even during sleep, the “I” organization is not properly situated within the astral body. The result is that extraordinarily intense experiences of the subtleties of the external world now occur. Such a person, in whatever part of the world they happen to be, experiences with their “I” and their astral body—when they are outside the physical and etheric bodies—the subtleties of the plants, the subtleties of the orchard surrounding their house. Not what one sees during the day, but the subtleties of the taste of an apple and the like. It is indeed the case that this is experienced. And in addition, there are faded thoughts that represent forces continuing to act within the astral body—forces that continue to act from waking life.

[ 10 ] Sehen Sie, es ist jetzt schwer, wenn man einen solchen Menschen vor sich hat, und man kann ihn in irgendeiner Variante in den mannigfaltigsten Lagen des Lebens vor sich haben, man kann ihn als Arzt vor sich haben, man kann ihn als Priester vor sich haben, sogar als ganze Kirche ihn vor sich haben. Er tritt einem in irgendeiner Form, meinetwegen in einem Dorfe entgegen. Der Arzt sagt heute, namentlich wenn er ihn in irgendeinem Frühstadium des Lebens findet: Psychopathologische Minderwertigkeit. - Der Priester, namentlich wenn er ein gutgeschulter, sagen wir ein gutgeschulter Benediktiner ist — die Weltpriester in der katholischen Kirche sind zuweilen nicht so gut geschult —, aber wenn er ein gutgeschulter Benediktiner, Jesuit oder Barnabit oder dergleichen ist, dann weiß er auf esoterische Art, daß man aus den Dingen, die da erzählt werden von einem solchen Menschen — für den modernen Arzt ist es eine psychopathologische Minderwertigkeit -—, daß man aus diesen Dingen, die da erzählt werden, wenn man sie richtig interpretiert - trotzdem man einen Menschen vor sich hat, der hart an der Grenze steht zwischen Gesundheit und Krankheit, dessen Nervensystem zum Beispiel durchaus in pathologischem Sinne aufgefaßt werden kann -, wenn man einen solchen Menschen mit durchaus labilem Gleichgewicht in den zutage tretenden Seelenkräften vor sich hat, die ganz anders wirken als beim sogenannt normalen Menschen, dann weiß man, daß einem doch aus diesen Dingen, wenn man sie richtig interpretiert, echte Offenbarungen aus der geistigen Welt entgegenkommen können, wie schließlich von dem Wahnsinnigen selber - nur ist der Wahnsinnige nicht berufen dazu, sie zu interpretieren, sondern nur derjenige, der die ganze Sache durchschaut. Man kann ihn also als Arzt vor sich haben, und wir werden sehen, wie wir ihn in einem anthroposophischen Sinne ärztlich anzuschauen haben. Man kann ihn als Priester vor sich haben, man kann ihn auch als Kirche vor sich haben.

[ 10 ] You see, it’s difficult now when you have such a person before you—and you can encounter him in one form or another in the most diverse situations in life; you can encounter him as a doctor, as a priest, or even as the entire Church. He appears before you in some form or another—say, in a village. The doctor today, especially when he encounters him at some early stage of life, says: “Psychopathological inferiority.”—The priest, especially if he is a well-trained—let’s say, a well-trained Benedictine—since secular priests in the Catholic Church are sometimes not so well-trained— but if he is a well-trained Benedictine, Jesuit, Barnabite, or the like, then he knows in an esoteric way that from the things such a person recounts—for the modern doctor, it is a psychopathological inferiority — that from these things that are recounted, if one interprets them correctly—even though one is dealing with a person who stands right on the border between health and illness, whose nervous system, for example, can certainly be understood in a pathological sense—if one is dealing with such a person whose balance is thoroughly unstable in the soul forces that come to the fore, which operate quite differently than in the so-called normal person, then one knows that from these things—if interpreted correctly—genuine revelations from the spiritual world can come to us, as ultimately from the madman himself—only the madman is not called upon to interpret them, but only the one who sees through the whole matter. One can thus regard him as a physician, and we shall see how we must view him medically in an anthroposophical sense. One can regard him as a priest; one can also regard him as the church.

[ 11 ] Nun kann es aber sein, daß er sich sogar weiterentwickelt und dann kommt etwas ganz Besonderes heraus. Nehmen wir an, er entwickelt sich weiter, dieser Mensch. In einem gewissen Lebensalter ist er so, wie ich ihn gezeichnet habe. Nehmen wir an, er entwickelt sich weiter, es entsteht eine stärkere Anziehung des nicht ganz im normalen Verhältnis zu den anderen Gliedern stehenden Ichs, so daß später dieses zustande kommt (Tafel 2, rechts). Wieder ist der physische und ätherische Leib sozusagen normal in Verbindung, aber die Ich-Organisation zieht den astralischen Leib an sich, und der will jetzt auch nicht ganz drinnen sein. Jetzt ist die Ich-Organisation und der astralische Leib mehr aneinandergebunden und alle beide zusammen kommen nicht ordentlich in den physischen und den Ätherleib hinein. Bei einem solchen Menschen kann das Folgende eintreten. Wir gewahren an ihm, daß er nicht imstande ist, seinen physischen Leib und Ätherleib ordentlich zu beherrschen vom astralischen Leib und Ich aus. Er kann den Astralleib und die Ich-Organisation nicht richtig vorschieben in die äußeren Sinne. So daß alle Augenblicke ihn die Sinne verlassen, überhaupt die Sinnesempfindungen verblassen und er in eine Art Taumel-Traumzustand kommt. Aber es können dann in der mannigfaltigsten Weise gerade die moralischen Impulse mit einer besonderen Stärke auftreten. Sie können konfus auftreten, aber sie können auch in einer außerordentlich kasuistisch großartigen Weise auftreten, wenn die Organisation so ist.

[ 11 ] But it may be that he continues to develop, and then something very special emerges. Let’s assume this person continues to develop. At a certain age, he is as I have depicted him. Let’s assume he continues to develop, and a stronger attraction arises toward the “I,” which is not quite in a normal relationship with the other members, so that later this comes about (Plate 2, right). Once again, the physical and etheric bodies are, so to speak, normally connected, but the “I” organization draws the astral body toward itself, and the astral body now does not want to be fully contained within the physical body either. Now the “I” organization and the astral body are more closely bound to one another, and together they do not fit properly into the physical and etheric bodies. In such a person, the following may occur. We observe that they are unable to properly control their physical and etheric bodies from the astral body and the “I.” They cannot properly project the astral body and the “I” organization into the external senses. As a result, their senses abandon them at every moment; sensory perceptions fade altogether, and they enter a kind of dizzying, dreamlike state. But it is precisely the moral impulses that can then arise in the most varied ways with particular intensity. They may arise in a confused manner, but they can also arise in an extraordinarily casuistic and magnificent way, if the constitution is such.

[ 12 ] Und wiederum findet der Arzt da in diesem Falle, daß eigentlich wesentliche organische Veränderungen schon da sind in der Konsistenz der Sinnesorgane und der Nervensubstanz. Die beachtet er weniger; aber namentlich wird er finden, daß starke Abnormitäten in den feineren Drüsen und in der Hormonbildung da sind, in denjenigen Drüsen, die wir als Nebennieren bezeichnen, und in den Drüsen, die hier am Halse als kleine Drüsen in der Schilddrüse versteckt sind. Namentlich sind in einem solchen Fall Veränderungen der Hypophysis cerebri und Epiphysis cerebri da. Das wird schon mehr beachtet als die Veränderungen, die im Nervensystem und im ganzen Sinnessystem vorhanden sind.

[ 12 ] And once again, the physician finds in this case that significant organic changes are already present in the consistency of the sensory organs and the nervous tissue. He pays less attention to these; but in particular, he will find that there are significant abnormalities in the finer glands and in hormone production—in those glands we call the adrenal glands, and in the glands hidden here in the neck as small glands within the thyroid. In particular, in such a case, there are changes in the pituitary gland and the pineal gland. These are already given more attention than the changes present in the nervous system and the entire sensory system.

[ 13 ] Der Priester kommt an einen solchen Menschen heran; dieser Mensch erzählt ihm von dem, was er unter einer solchen Konstitution erlebt. Er erlebt unter einer solchen Konstitution etwa ein besonders starkes Sündengefühl, ein verstärktes Sündengefühl, als sonst Menschen haben. Der Priester kann Mannigfaltiges lernen, und katholische Priester tun das. Sie lernen gerade von solchen Menschen die extreme Ausbildung dieses bei den anderen schwach entwickelten Sündengefühls. Die Nächstenliebe kann bei einem solchen Menschen bis zu ungeheurer Intensität anwachsen, so daß ein solcher Mensch gerade durch seine Nächstenliebe in mannigfaltige Nöte kommt, die er dem Priester dann beichtet.

[ 13 ] The priest approaches such a person; this person tells him about what he experiences with such a disposition. With such a disposition, he experiences, for example, a particularly strong sense of sin, a heightened sense of sin, compared to what other people feel. The priest can learn many things, and Catholic priests do just that. It is precisely from such people that they learn about the extreme development of this sense of sin, which is only weakly developed in others. Love for one’s neighbor can grow to tremendous intensity in such a person, so that, precisely because of their love for their neighbor, they find themselves in various difficulties, which they then confess to the priest.

[ 14 ] Aber es kann noch weitergehen. Es kann jetzt dazu kommen, daß der physische Leib verhältnismäßig vereinsamt bleibt, daß der Ätherleib dauernd oder zeitweise nicht ganz hineingeht in den physischen Leib, daß dann der astralische Leib, der Ätherleib und die Ich-Organisation nahe miteinander verbunden sind und die physische Organisation draußen ist (Tafel 3). Man wird, wenn man sich heutiger materialistischer Ausdrücke bedient — aber wir werden aus diesen herauswachsen im Laufe der Stunde -, einen solchen Menschen in den häufigsten Fällen empfinden als einen hochgradig schwachsinnigen Menschen, der nach keiner Richtung hin, auch nicht nach der Willensrichtung vom Geistig-Seelischen aus, seine physischen Glieder beherrschen kann. Solch ein Mensch zieht gewissermaßen die physische Organisation nach. Ist von vornherein der Mensch so organisiert, dann empfindet man ihn auch wirklich als schwachsinnig, weil der Mensch im gegenwärtigen Stadium der Erdentwickelung, wenn das alles, die Ich-Organisation, die astralische Organisation und der Ätherleib, so isoliert ist, und einsam der physische Leib nachgeschleppt wird, dann nicht wahrnehmen kann, nicht tätig sein kann, sich nicht erleuchten kann an IchOrganisation, astralischem Leib und Ätherleib; so bleibt das dunkel, was er erlebt, und er geht wie betäubt in seinem physischen Leib herum. Es ist in hohem Grade Schwachsinn vorhanden, und man muß nachdenken, in diesem Stadium, wie man in die physische Organisation die anderen Leiber hineinbringen kann. Da kann es sich um pädagogische Maßregeln, aber auch durchaus um äußerlich therapeutische Maßnahmen handeln. Der Priester aber kann in den Fall kommen, daß er ganz überrascht sein kann von dem, was ihm gerade ein solcher Mensch beichtet. Der Priester kann sich sehr gescheit fühlen, aber durchgebildete Priester — es gibt solche wirklich im Katholizismus; man muß den Katholizismus nicht kleinlich beurteilen -, die passen schon auf, wenn ein solcher sogenannter Kranker zu ihnen kommt und zu ihnen sagt: Was du von der Kanzel verkündest, es will doch nicht viel besagen. Das alles macht nichts aus, das reicht eigentlich nicht bis zur Wohnung Gottes, das hat alles nur äußerlichen Wert. In Gott muß man wirklich mit seinem ganzen Menschen ruhen. — Das sagen solche Leute. In allem übrigen Leben benehmen sie sich so, daß man sie für hochgradig schwachsinnig halten kann, in der Unterredung mit den Priestern kommen sie zuweilen mit solchen Dingen. Sie prätendieren, das innere religiöse Leben intimer zu kennen als die, die berufsmäßig davon reden. Sie haben eine Verachtung für den, der berufsmäßig davon redet und sie nennen das, was sie erleben, die «Ruhe in Gott». Und sehen Sie, wieder muß es sich für den Priester darum handeln, Mittel und Wege zu finden, anzuknüpfen an dasjenige, was eigentlich ein solcher, man kann sagen Patient, man kann aber auch anders sagen, was ein solcher Mensch innerlich erlebt.

[ 14 ] But it can go even further. It may now happen that the physical body remains relatively isolated, that the etheric body does not fully enter the physical body—either permanently or at times—and that the astral body, the etheric body, and the “I” organization are closely connected with one another, while the physical organization remains outside (Plate 3). If one uses today’s materialistic terminology—though we will move beyond these terms as the lecture progresses—such a person will, in most cases, be perceived as someone with severe mental retardation who is unable to control his physical limbs in any direction, not even through the will arising from the spiritual-soul realm. Such a person, so to speak, drags the physical organization along behind them. If a person is organized in this way from the outset, then one truly perceives them as mentally deficient, because at the present stage of Earth’s development, when all of these—the I-organization, the astral body, and the etheric body—are so isolated, and the physical body is dragged along in isolation, they cannot perceive, cannot act, and cannot gain insight through the ego-organization, the astral body, and the etheric body; thus, what they experience remains obscure, and they walk about in their physical body as if in a daze. There is a high degree of mental deficiency present, and one must consider, at this stage, how to integrate the other bodies into the physical constitution. This may involve educational measures, but it may also certainly involve external therapeutic interventions. The priest, however, may find himself in a situation where he is completely taken aback by what such a person confesses to him. The priest may feel very clever, but well-educated priests—and there really are such priests in Catholicism; one shouldn’t judge Catholicism too harshly—are already on their guard when such a so-called “sick” person comes to them and says: “What you preach from the pulpit doesn’t really mean much.” None of that matters; it doesn’t really reach the dwelling place of God; it all has only external value. In God, one must truly rest with one’s whole being.—That is what such people say. In every other aspect of their lives, they behave in a way that makes one think they are severely mentally deficient; in conversation with priests, they sometimes bring up such things. They claim to know the inner religious life more intimately than those who speak of it professionally. They look down on those who speak about it professionally, and they call what they experience “rest in God.” And you see, once again, it must be the priest’s task to find ways and means to connect with what such a person—one might call a “patient,” though one could also describe it differently—actually experiences inwardly.

[ 15 ] Man muß da ein feines Verständnis dafür haben, wie das Pathologische herüberspielt in allerlei Regionen, die den Menschen zunächst unfähig machen, in der physisch-sinnlichen Welt die rechten Wege zu finden, die ihn unfähig machen in einer Weise, wie es das äußere Leben von uns allen fordert, zu sein; und wir sind in einem gewissen Grade - es muß so sein — alle für das äußere Leben Philister. Aber solche Menschen sind nicht veranlagt dazu, auf Philisterwegen zu gedeihen, sie gehen immer andere Wege. Man muß als Priester anknüpfen können mit demjenigen, was man selber zu geben hat, an das, was der andere da erlebt; sehr häufig sind es «die da». Das ist schon dasjenige, was erfordert ein Verständnis für den feinen Übergang vom Kranken ins Geistige.

[ 15 ] One must have a subtle understanding of how the pathological manifests itself in all sorts of areas, rendering people initially incapable of finding the right paths in the physical-sensory world—rendering them incapable of being in the way that external life demands of us all; and to a certain degree—it must be so—we are all philistines when it comes to external life. But such people are not predisposed to thrive in a philistine way; they always take different paths. As a priest, one must be able to connect what one has to offer with what the other person is experiencing; very often, it is “those people.” This is precisely what requires an understanding of the subtle transition from the physical to the spiritual.

[ 16 ] Aber die Sache kann viel weitergehen. Denken wir uns nun einmal folgendes: ein Mensch macht diesen ganzen Entwickelungsgang in verschiedenen Lebensaltern durch. In einem bestimmten Lebensalter ist er in diesem Zustand (Tafel 2, Mitte),wo die Ich-Organisation sich nur losgelöst hat von den anderen. In einem weiteren Lebensalter rückt er zu diesem Zustand vor (Tafel 2, rechts), in einem weiteren zu diesem (Tafel 3). Er macht so etwas nur durch, wenn schon der erste Zustand, der noch der normale ist, vielleicht während der Kindheit schon Anlagen zeigt, in ein labiles statt in ein stabiles Gleichgewicht der Glieder hineinzukommen. Wenn der Arzt nun über einen solchen Menschen kommt, der dazu berufen ist, diese ganzen vier Stadien durchzumachen - das erste hier etwas abnorm, die anderen aber in dem Sinne, wie ich sie schematisch aufgezeichnet habe -, wenn der Arzt über einen solchen Menschen kommt, wird er finden: da ist ein außerordentlich labiles Gleichgewicht vorhanden, da muß man etwas befestigen. Es läßt sich in der Regel nichts befestigen. Manchmal ist der Weg in einer außerordentlich intensiven Weise vorgezeichnet; es läßt sich nichts befestigen. Vielleicht, wenn der Arzt dann später wieder an denselben Menschen herankommt, findet er, daß sich der erste labile Zustand verwandelt hat in den anderen, wie ich ihn beschrieben habe mit dem Nebuloswerden der Sinnesempfindungen, den stark kolorierten Gedanken. Später findet er ein außerordentlich starkes Sündenbewußtsein wieder, wovon der Arzt natürlich, weil jetzt die Sache beginnt, stark ins Seelische hinüberzuspielen, nicht gerne Notiz nimmt. Jetzt geht dann in der Regel das Leben einer solchen Persönlichkeit erst recht an den Priester über, und namentlich, wenn es zum vierten Stadium kommt.

[ 16 ] But this process can go much further. Let’s imagine the following: a person goes through this entire developmental process at different stages of life. At a certain stage of life, he is in this state (Plate 2, center), where the ego organization has only just become detached from the others. At a later stage of life, they progress to this state (Plate 2, right), and at yet another stage to this one (Plate 3). They go through this process only if the first state—which is still the normal one—already shows signs, perhaps during childhood, of moving toward a labile rather than a stable equilibrium among the components. Now, if the physician encounters such a person—one who is destined to go through all four of these stages—the first of which is somewhat abnormal here, but the others in the sense that I have schematically depicted them—if the physician encounters such a person, he will find that there is an extraordinarily unstable equilibrium present, and that something must be stabilized. As a rule, nothing can be stabilized. Sometimes the path is laid out in an extraordinarily intense way; nothing can be stabilized. Perhaps, if the doctor later encounters the same person again, he will find that the first unstable state has transformed into the other one, as I described it—with the clouding of sensory perceptions and the highly colored thoughts. Later, the doctor encounters an extraordinarily strong sense of guilt, which he is naturally reluctant to acknowledge, since the matter is now beginning to spill over strongly into the psychological realm. At this point, the life of such a personality typically shifts even more decisively toward the priest, especially when the fourth stage is reached.

[ 17 ] Nun haben solche Menschen, die diese Stadien durchmachen — was mit ihrem Karma, mit ihren wiederholten Erdenleben zusammenhängt -, rein innerlich intuitiv ausgebildet eine wunderbare Terminologie. Sie können reden — namentlich wenn sie die Stadien hintereinander durchmachen, so daß das erste Stadium nahezu normal war -, sie können reden in einer wunderbaren Weise über das, was sie erleben. Sie sagen zum Beispiel als ganz junger Mensch, wenn das labile Stadium mit siebzehn oder neunzehn Jahren auftritt: Der Mensch muß sich selbst erkennen. — Und mit Intensität fordern sie nach allen Richtungen von sich selbst die Selbsterkenntnis. Hier, wo die Ich-Organisation heraustritt, kommen sie von selbst auf das aktive meditative Leben. Sie nennen es sehr häufig «das tätige Gebet», was ein aktives Meditieren ist, und sind sehr dankbar, wenn ihnen irgendein geschulter Priester Vorschriften gibt über das Gebet. Sie gehen dann ganz auf in dem Gebet, erleben aber zu gleicher Zeit in diesem Gebet dasjenige, was sie jetzt anfangen, mit einer wunderbaren Terminologie zu belegen. Sie blicken zurück auf ihr erstes Stadium und nennen das, was sie wahrnehmen: die erste Wohnung Gottes, weil sie dadurch, daß sie mit ihrem Ich nicht ganz untertauchen in die übrigen Glieder, sich gewissermaßen auch von innen beschauen, nicht bloß von außen. Das vergrößert sich, wenn man von innen beschaut, das wird wie ein weiter Raum: die erste Wohnung Gottes.

[ 17 ] Now, such people who go through these stages—which are connected to their karma and their repeated earthly lives—have developed a wonderful terminology purely through inner intuition. They can speak—especially when they go through the stages one after another, so that the first stage was nearly normal—they can speak in a wonderful way about what they are experiencing. For example, as very young people, when the unstable stage occurs at seventeen or nineteen, they say: “A person must come to know themselves.” — And with intensity, they demand self-knowledge from themselves in every direction. Here, where the “I” organization emerges, they naturally turn to an active meditative life. They very often call it “active prayer,” which is active meditation, and are very grateful when a trained priest gives them instructions on prayer. They then become completely absorbed in prayer, yet at the same time experience within that prayer what they are now beginning to describe with a marvelous terminology. They look back on their first stage and call what they perceive “the first dwelling of God,” because, by not fully submerging their ego into the other members, they observe themselves, as it were, from within as well as from without. This expands when viewed from within; it becomes like a vast space: the first dwelling of God.

[ 18 ] Das, was dann auftritt, was ich von einem gewissen Gesichtspunkte beschrieben habe, das wird reicher, es wird innerlich gegliedert; der Mensch sieht viel mehr von seinem Inneren: die zweite Wohnung Gottes. Wenn das dritte Stadium eintritt, ist die innere Schau von einer außerordentlichen Schönheit, und solche Menschen sagen sich: Ich sehe die dritte Wohnung Gottes mit ungeheuren Herrlichkeiten, mit den darin wandelnden geistigen Wesenheiten. — Es ist Innenschau, aber es ist eine mächtige, grandiose Anschauung einer geistwebenden Welt. Die dritte Wohnung Gottes oder das Haus Gottes. Das ist in der Sprache verschieden. Kommen sie bei dem vierten Stadium an, dann wollen sie nicht mehr aufnehmen irgendwelche Ratschläge in bezug auf aktive Meditation, sondern sie bekommen gewöhnlich die Ansicht, alles muß ihnen durch Gnade selber gegeben werden. Sie müssen warten. Sie sprechen vom passiven Gebet, von der passiven Meditation, die man nicht unternehmen darf, die eintreten muß, wenn sie einem Gott geben will. Da muß der Priester einen feinen Spürsinn dafür haben, wenn das eine Stadium in das andere übergeht. Dann reden diese Menschen von dem «Ruhegebet», wobei der Mensch gar nichts mehr tut, wobei er Gott in sich walten läßt. So erlebt er es in der vierten Wohnung Gottes.

[ 18 ] What then occurs—what I have described from a certain perspective—becomes richer and more internally structured; the person sees much more of his or her inner self: the second dwelling place of God. When the third stage begins, the inner vision is one of extraordinary beauty, and such people say to themselves: I see the third dwelling place of God with immense glories, with the spiritual beings walking within it. — It is an inner vision, but it is a powerful, magnificent vision of a world woven by the spirit. The third dwelling place of God, or the house of God. The terminology varies. When they reach the fourth stage, they no longer wish to accept any advice regarding active meditation; rather, they usually come to believe that everything must be given to them by grace alone. They must wait. They speak of passive prayer, of passive meditation—which one must not undertake, but which must occur when God chooses to grant it. Here, the priest must have a keen sense of when one stage transitions into the next. Then these people speak of the “prayer of stillness,” in which the person does nothing at all, allowing God to reign within them. This is how they experience it in the fourth dwelling place of God.

[ 19 ] Der Priester kann unter Umständen aus den Beschreibungen, die nun gegeben werden, aus dem, was nun, wenn wir ärztlich reden, so ein «Patient» spricht, tatsächlich außerordentlich viel Esoterisch-Theologisches lernen. Und ist er ein guter Interpret, so wird ihm das Theologische ungeheuer konkret, wenn er hinhorcht auf dasjenige, was ihm solche «Patienten» sagen — ich sage das unter Gänsefüßchen -, zu sagen wissen. Vieles von dem, was namentlich in der katholischen Theologie gelehrt wird, in der pastoralen Theologie, es rührt her von dem Verkehr von aufgeklärten, geschulten Beichtvätern mit Beichtkindern, die sich in dieser Richtung entwickeln.

[ 19 ] Under certain circumstances, the priest can actually learn an extraordinary amount of esoteric-theological insight from the descriptions that are now given—from what, to use medical terminology, such a “patient” says. And if he is a good interpreter, the theological becomes immensely concrete for him when he listens to what such “patients”—I say this in quotation marks—are able to express. Much of what is taught, particularly in Catholic theology and pastoral theology, stems from the interaction between enlightened, trained confessors and penitents who are developing in this direction.

[ 20 ] Die gewöhnlichen Begriffe, die man hat über Gesundsein und Kranksein, hören auf, ihre Geltung, ihre Bedeutung zu haben. Steckt man eine Persönlichkeit wie diese in ein Büro, oder macht man sie zur gewöhnlichen Ehefrau, wo sie das Kochen beaufsichtigen muß oder sonst etwas im bürgerlichen Leben, so wird sie richtig wahnsinnig, und führt sich eben so auf, äußerlich, daß sie gar nicht anders aufgefaßt werden kann als wahnsinnig. Bemerkt der Priester im rechten Moment, wohin der Weg geht, dirigiert er sie ins Nonnenhafte hinein; läßt er sie im entsprechenden Milieu leben, entwickeln sich die vier Stadien hintereinander, so daß in der Tat der geschulte Beichtvater durch eine solche Patientin in einer ähnlichen Weise im modernen Stil hineinschauen kann in die geistigen Welten wie der griechische Priester durch die Pythien, die ihm durch den Rauch, den Dunst der Erde allerlei über die geistige Welt kundgegeben haben, sich über die geistige Welt unterrichten ließen. Was hilft es viel, wenn heute einer eine Dissertation schreibt über das Pathologische der griechischen Pythien! Das kann man ganz gut, das wird richtig sein, auch exakt sein, aber es ist nichts damit getan in einem höheren Sinne. Denn im Grunde genommen ist doch ungeheuer vieles von dem, was aus der griechischen Theologie im eminenten Sinne hineingeflossen ist in das ganze griechische Kulturleben, entstanden unter den Offenbarungen der Pythien. Die Pythien waren in der Regel Persönlichkeiten, die entweder bis zu diesem dritten Stadium oder gar bis zum vierten Stadium gekommen sind. Aber denken wir uns in einer späteren Zeit, eine Persönlichkeit mache gerade unter der klugen Führung von Beichtvätern diese Stadien so durch, daß sie sich ungehindert hingeben kann ihren inneren Anschauungen, dann wird etwas außerordentlich Wunderbares aus ihr, das deshalb doch in einem gewissen Grade pathologisch bleibt. Dann hat es nicht nur der Arzt, nicht nur der Priester, dann hat es die ganze Kirche damit zu tun und beschäftigt sich damit, daß sie diese Persönlichkeit nach dem Tode heilig spricht; und das ist die heilige Theresia, die hat ungefähr diesen Weg durchgemacht.

[ 20 ] The ordinary concepts people have about being healthy and being sick cease to have any validity or meaning. If you put a personality like this in an office, or make her an ordinary housewife who has to supervise the cooking or do some other task of bourgeois life, she will truly go mad, and her outward behavior will be such that she cannot be perceived as anything other than insane. If the priest notices at the right moment where things are headed, he steers her toward a nun-like existence; if he allows her to live in the appropriate milieu, the four stages develop in succession, so that, in fact, the trained confessor can, through such a patient, gain insight into the spiritual worlds in a similar modern style as the Greek priest did through the Pythias, who, through the smoke and the mist of the earth, revealed all manner of things about the spiritual world to him and instructed him about it. What good does it do today if someone writes a dissertation on the pathological aspects of the Greek Pythias! One can do that quite well; it will be correct, even precise, but it accomplishes nothing in a higher sense. For, when all is said and done, an immense amount of what flowed from Greek theology—in the highest sense—into the entire Greek cultural life arose from the revelations of the Pythias. The Pythias were generally individuals who had reached either this third stage or even the fourth stage. But let us imagine, in a later era, a person who, under the wise guidance of spiritual directors, passes through these stages in such a way that she can surrender herself unhindered to her inner visions; then something extraordinarily wondrous emerges from her, which nevertheless remains, to a certain degree, pathological. Then it is not only the doctor, not only the priest—but the entire Church that must deal with this and is concerned with canonizing this individual after death; and that is Saint Teresa, who went through roughly this path.

[ 21 ] Sehen Sie, meine lieben Freunde, an diesen Dingen muß man sich heranschulen, wenn man dasjenige, was in der Verständigung von Medizin und Theologie zur Einsicht in die menschliche Wesenheit führen muß, wenn man in dem wirken will. Dann muß man dazu kommen, über die gewöhnlichen Begriffskategorien hinauszukommen, die da ihren Sinn verlieren, denn sonst kann man nicht mehr einen Heiligen von einem Narren, einen Wahnsinnigen von einem Genie unterscheiden, und gar nichts mehr unterscheiden, als wenn einer ein normaler Durchschnittsbürger ist, von all den anderen.

[ 21 ] You see, my dear friends, one must train oneself in these matters if one wishes to grasp what, in the understanding of medicine and theology, must lead to insight into the human essence, and if one wishes to work within that realm. Then one must learn to go beyond the usual categories of thought, which lose their meaning here; otherwise, one can no longer distinguish a saint from a fool, a madman from a genius, or even tell the difference between someone who is a normal, average citizen and all the others.

[ 22 ] Das ist die Anschauung der menschlichen Wesenheit, die nun zunächst mit Verständnis verfolgt werden muß, die wirklich ins gründlich Esoterische hineinführen kann, die aber ungeheuer aufklärend ist nicht nur über psychologische Abnormitäten, sondern die aufklärend wirken kann auch über physische Abnormitäten, über physisches Kranksein. Denn damit solche Stadien eintreten, meine lieben Freunde, sind ja gewisse Voraussetzungen nötig, Voraussetzungen, die in einer gewissen Konsistenz eines solchen Ichs, das nicht ganz hineingeht, und eines solchen Astralleibs liegen. Ist aber die Konsistenz nicht fein wie bei der heiligen Theresia, sondern grob, dann bildet sich folgendes. Bei der heiligen Theresia bildeten sich durch die Feinheit ihrer Ich-Organisation und die Feinheit ihres Astralleibes plastisch gewisse physische Organe, namentlich Unterleibsorgane, sehr an die Ich-Organisation und an den astralischen Leib.

[ 22 ] This is the view of the human being that must first be examined with understanding—a view that can truly lead into the depths of esotericism, but which is immensely enlightening not only regarding psychological abnormalities, but can also shed light on physical abnormalities and physical illness. For such stages to occur, my dear friends, certain prerequisites are necessary—prerequisites that lie in a certain consistency of such an “I” that does not fully enter, and of such an astral body. But if the consistency is not fine, as in the case of Saint Teresa, but coarse, then the following occurs. In the case of Saint Teresa, due to the fineness of her “I” organization and the fineness of her astral body, certain physical organs—namely, the abdominal organs—were formed in a way that was closely attuned to the “I” organization and the astral body.

[ 23 ] Aber es kann so eintreten, daß die Ich-Organisation und der astralische Leib recht grob sind und dennoch diese Eigentümlichkeit haben. Dann tritt noch immer die Möglichkeit auf, weil die Ich-Organisation und der Astralleib grob sind, daß eine solche Persönlichkeit ziemlich normal sein kann. Aber dann können die physischen Korrelate auftreten, und es ist nur eine physische Erkrankung da. Man möchte sagen: man kann die Konstitution haben der heiligen Theresia mit all dem Poetischen ihrer Offenbarungen auf der einen Seite und das physische Gegenbild in kranken Unterleibsorganen, die sich dann nicht zeigen in ihrem Ausleben in der Ich-Organisation und astralischen Organisation.

[ 23 ] But it can happen that the ego-organization and the astral body are quite coarse and yet still possess this characteristic. In that case, because the ego-organization and the astral body are coarse, there is still the possibility that such a personality could be quite normal. But then the physical correlates may appear, and there is only a physical illness present. One might say: one can have the constitution of Saint Teresa, with all the poetic quality of her revelations on the one hand, and the physical counterpart in diseased abdominal organs, which then do not manifest in their full expression within the ego-organization and astral organization.

[ 24 ] Von all diesen Dingen muß gesprochen werden. Alle diese Dinge müssen durchschaut werden, denn sie treten demjenigen, der Arztaufgaben hat, und auch demjenigen, der Priesteraufgaben hat, durchaus entgegen, und er muß ihnen gewachsen sein. Erst dann beginnt Theologisch-Religiöses wirksam zu sein, wenn der Theologe solchen Erscheinungen gewachsen ist. Erst dann wird der Arzt zum Heiler der Menschen, wenn er auch solchen Erscheinungen gewachsen ist.

[ 24 ] All these things must be discussed. All these things must be understood, for they certainly stand in the way of those who have the duties of a physician, as well as those who have the duties of a priest, and they must be able to cope with them. Only when the theologian is able to cope with such phenomena does theology and religion begin to be effective. Only when the physician is also able to cope with such phenomena does he become a healer of people.