First Science Course
Light, Color, Sound, Mass, Electricity, Magnetism
GA 320
25 December 1919, Stuttgart
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First Science Course, tr. SOL
Dritter Vortrag
Third Lecture
[ 1 ] Meine lieben Freunde!
[ 1 ] My dear friends!
[ 2 ] Es ist mir gesagt worden, dass doch dasjenige, worinnen wir die gestrige Betrachtung gipfeln lassen mussten, die Erscheinung, die durch das Prisma auftritt, dass diese Erscheinung doch Schwierigkeiten dem Verständnisse für viele geboten habe, und ich bitte Sie, darüber sich zu beruhigen. Es wird dieses Verständnis nach und nach kommen. Wir werden uns gerade mit den Licht- und Farbenerscheinungen ein wenig eingehender befassen, damit diese eigentliche piece de resistance — eine solche ist es auch für die übrige Physik —, damit diese uns eine gute Grundlage abgeben könne. Nicht wahr, Sie sehen ein, dass es sich uns zunächst darum handeln muss, dass ich Ihnen gerade einiges von demjenigen sage, was Sie nicht in Büchern finden können und was nicht Gegenstand der gewöhnlichen naturwissenschaftlichen Betrachtungen ist, was wir gewissermaßen nur hier behandeln können. Wir werden dann in den letzten Vorträgen darauf eingehen, wie dasjenige, was wir hier betrachten, auch im Unterricht zu verwerten ist.
[ 2 ] I have been told that the very topic on which we had to conclude yesterday’s discussion—the phenomenon observed through the prism—has presented difficulties for many in understanding it, and I ask you to rest assured. This understanding will come gradually. We will now examine the phenomena of light and color in a little more detail, so that this true pièce de résistance—for it is indeed one for the rest of physics as well—may provide us with a solid foundation. Don’t you agree that our immediate concern must be for me to tell you some of what you cannot find in books and what is not the subject of ordinary scientific inquiry—things that, so to speak, we can only address here. We will then discuss in the final lectures how what we are considering here can also be applied in the classroom.
[ 3 ] Sehen Sie, dasjenige, was ich versuchte gestern auseinanderzusetzen, ist ja im Wesentlichen eine besondere Art des Ineinanderwirkens von Helligkeit und Trübe. Und ich wollte zeigen, dass durch dieses verschiedenartige Zusammenwirken von Helligkeit und Trübe, das besonders auftritt beim Durchgang eines Lichtzylinders durch ein Prisma, dass da die polarisch zueinander sich verhaltenden Farbenerscheinungen entstehen. Zunächst bitte ich Sie, die bittere Pille schon in Empfang zu nehmen, dass die Schwierigkeit des Verständnisses dieser Sache darinnen liegt, dass Sie eigentlich — es geht diejenigen an, die Schwierigkeit des Verständnisses finden — dass Sie eigentlich die Licht- und Farbenlehre phoronomisch gestaltet haben möchten. Die Menschen haben sich nun schon einmal gewöhnt durch unsere sonderbare Erziehung, nur sich solchen Vorstellungen hinzugeben, die mit Bezug auf die äußere Natur mehr oder weniger phoronomisch sind, das heißt sich nur befassen mit dem Zählbaren, mit dem Räumlich-Formalen und mit dem Beweglichen. Nun sollen Sie sich bemühen, in Qualitäten zu denken, und Sie können wirklich in einem gewissen Sinne sagen: Hier stocke ich schon. — Aber schreiben Sie das durchaus zu dem unnatürlichen Gang, den die wissenschaftliche Entwicklung in der neueren Zeit genommen und den sie durchgemacht hat, den Sie sogar werden in gewisser Weise mit Ihren Schülern durchmachen — ich meine jetzt die Lehrer der Waldorfschule” und andere Lehrer. Denn es wird natürlich nicht möglich sein, sogleich gesunde Vorstellungen in die heutige Schule hineinzutragen, sondern wir werden Übergänge schaffen müssen.
[ 3 ] You see, what I was trying to explain yesterday is essentially a particular kind of interplay between brightness and darkness. And I wanted to show that through this distinct interaction of brightness and darkness—which occurs particularly when a beam of light passes through a prism—the color phenomena that are polar opposites to one another arise. First of all, I ask you to accept this bitter pill: the difficulty in understanding this matter lies in the fact that you—and this applies to those who find it difficult to understand—actually want the theory of light and color to be structured in a phoronomic way. Through our peculiar education, people have now become accustomed to indulging only in such concepts that, with regard to external nature, are more or less phoronomic—that is, concerned only with the countable, the spatial-formal, and the movable. Now you are to strive to think in terms of qualities, and you can truly say, in a certain sense: “Here I’m already stuck.” — But please attribute this entirely to the unnatural course that scientific development has taken and undergone in recent times—a course that you yourselves will, in a certain sense, go through with your students—I am referring now to the teachers at the Waldorf School and other teachers. For it will, of course, not be possible to immediately introduce sound concepts into today’s schools; rather, we will have to create transitional phases.
[ 4 ] Nun gehen wir, ich möchte sagen, einmal für die Licht- und Farbenerscheinungen von dem anderen Ende der Sache aus. Eine viel angefochtene Bemerkung Goethes möchte ich heute vorausschicken. Sie können es bei Goethe lesen”, wie er bekannt geworden ist in den Achtzigerjahren des achtzehnten Jahrhunderts mit allerlei Behauptungen über das Auftreten von Farben am Lichte, also über diejenigen Erscheinungen, von denen wir gestern begonnen haben zu sprechen. Es ist ihm gesagt worden, dass die allgemeine Anschauung der Physiker die sci, dass, wenn man farbloses Licht durch ein Prisma gehen lasse, so würde dieses farblose Licht gespalten, zerlegt. Also etwa so wurden die Erscheinungen interpretiert, es wurde gesagt: Wir fangen einen farblosen Lichtzylinder auf, so zeigt er uns zunächst ein farbloses Bild. Wir stellen diesem Lichtzylinder in den Weg das Prisma, so bekommen wir die Aufeinanderfolge der Farben Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau — Hellblau, Dunkelblau —, Violett. Nun, das ist etwas, was an Goethe herantrat, und zwar so, dass er erfuhr: Man erklärt sich diese Sache so, dass das farblose Licht eigentlich schon in sich enthält — wie, das ist ja natürlich schwer zu denken, aber das wurde gesagt — in sich enthält diese sieben Farben. Wenn man das Licht durch das Prisma gehen lässt, so tut das Prisma eigentlich nichts anderes als das, was im Licht schon drinnen ist, fächerartig auseinanderlegen, das Licht in die sieben Farben zerlegen.”
[ 4 ] Now let’s approach—I might say—the phenomena of light and color from the other end of the spectrum. I’d like to preface today’s discussion with a much-contested remark by Goethe. You can read it in Goethe’s works—as he became known in the 1780s for all sorts of assertions about the appearance of colors in light, that is, about the phenomena we began discussing yesterday. He was told that the general view among physicists was that when colorless light is passed through a prism, this colorless light is split, or decomposed. The phenomena were interpreted roughly as follows: if we capture a cylinder of colorless light, it initially presents us with a colorless image. If we place the prism in the path of this cylinder of light, we obtain the sequence of colors: red, orange, yellow, green, blue—light blue, dark blue—and violet. Now, this is something that came to Goethe’s attention, and he learned that: “This phenomenon is explained by the idea that colorless light actually already contains within itself—though this is, of course, difficult to conceive, but that is what was said—these seven colors. When light is passed through the prism, the prism does nothing other than fan out what is already present within the light, breaking the light down into the seven colors.”
[ 5 ] Nun, Goethe wollte der Sache auf den Grund gehen und lieh sich allerlei Instrumente aus, wie wir es versucht haben in diesen Tagen sie auch zusammenzutragen, um selber zu konstatieren, wie die Dinge sind. Er ließ sich diese Instrumente von dem Hofrat Büttner in Jena nach Weimar hinüberkommen, stapelte sie auf und wollte zu gelegener Zeit versuchen, wie sich die Sache verhält. Der Hofrat Büttner wurde ungeduldig und forderte die Instrumente zurück, als Goethe noch nichts gemacht hatte. Er musste die Instrumente zusammenpacken — bei manchen Dingen passiert uns ja so etwas, dass wir nicht gleich dazu kommen. Er nahm schnell noch das Prisma und sagte: Also, durch das Prisma wird das Licht zerlegt. Ich gucke es mir an an der Wand. — Und nun hat er erwartet, dass das Licht schön siebenfarbig erscheint. Es erschien aber nur da irgendetwas Farbiges, wo irgendein Rand war, wo ein Schmutzfleck war, sodass das Schmutzige, das Trübe, mit dem Hellen zusammenstieß. Da, wenn man durchguckte, sah man Farben. Aber wo gleichmäßiges Weiß war, sah man nichts. Da wurde Goethe stutzig, er wurde irre an dieser ganzen Theorie. Und nun hatte er keinen Sinn mehr für das Zurückschicken der Instrumente. Er behielt sie und verfolgte die Sache weiter. Und da stellte sich heraus, dass die Sache eigentlich gar nicht so ist, wie sie gewöhnlich dargestellt wurde, sondern dass, wenn wir Licht durchlassen durch den Raum des Zimmers, so bekommen wir auf einem Schirm einen weißen Kreis.
[ 5 ] Well, Goethe wanted to get to the bottom of the matter and borrowed all sorts of instruments—just as we have been trying to gather them together these past few days—in order to determine for himself how things really are. He had these instruments sent from Jena to Weimar by Court Councilor Büttner, stacked them up, and planned to test them at a convenient time to see how things stood. Court Councilor Büttner grew impatient and demanded the instruments back, even though Goethe hadn’t done anything yet. He had to pack up the instruments—after all, with some things, we don’t always get around to them right away. He quickly grabbed the prism and said: “So, the prism splits the light.” “I’ll take a look at it on the wall.”—And now he expected the light to appear in a beautiful spectrum of seven colors. But something colored only appeared where there was an edge or a speck of dirt, so that the dirt and the haze collided with the brightness. There, when you looked through it, you saw colors. But where there was uniform white, you saw nothing. That made Goethe suspicious; he began to doubt this whole theory. And now he saw no point in sending the instruments back. He kept them and pursued the matter further. And it turned out that things aren’t actually the way they’re usually described, but rather that when we let light pass through the space of a room, we get a white circle on a screen.


[ 6 ] Sie sehen hier einen sehr schönen Kreis, wir haben ihn sehr schön geschnitten und haben deshalb einen sehr schönen Kreis bekommen. — Nun, wenn man diesem Lichtkörper, der da durchgeht, in den Weg stellt das Prisma, so wird der Lichtzylinder abgelenkt. Aber es erscheinen zunächst durchaus nicht die sieben aufeinanderfolgenden Farben, sondern nur am unteren Rand tritt das Rötliche auf, das ins Gelbliche übergeht, und am oberen Rand das Bläuliche, das ins Grünliche übergeht. In der Mitte bleibt es weiß.
[ 6 ] Here you can see a very beautiful circle; we cut it very neatly, which is why we ended up with such a beautiful circle. — Now, if you place the prism in the path of this beam of light as it passes through, the light beam is deflected. But at first, the seven successive colors do not appear at all; instead, only a reddish hue appears at the lower edge, which transitions into a yellowish hue, and a bluish hue at the upper edge, which transitions into a greenish hue. In the middle, it remains white.


[ 7 ] Was sagte sich nun Goethe? Er sagte sich: Da kommt es also überhaupt nicht darauf an, dass irgendetwas aus dem Licht heraus sich spaltet, sondern ich bilde ja eigentlich ab ein Bild. Dieses Bild ist nur das Abbild des Ausschnittes hier. Der Ausschnitt hat Ränder und die Farben treten nicht deshalb auf, weil sie aus dem Licht herausgeholt werden, gewissermaßen, weil das Licht in sie zerspalten würde, sondern weil ich das Bild entwerfe und das Bild als solches Ränder hat, sodass ich es auch hier mit nichts anderem zu tun habe, als dass dort, wo Helligkeit und Dunkelheit zusammentreten — denn außerhalb dieses Lichtkreises hier ist Dunkelheit in der Umgebung und innen ist es hell —, da an den Rändern treten die Farben auf. Es treten zunächst überhaupt nur die Farben als Randerscheinungen auf, und wir haben, indem wir die Farben als Randerscheinungen zeigen, im Grunde das ursprüngliche Phänomen vor uns. Wir haben gar nicht vor uns das ursprüngliche Phänomen, wenn wir nun den Kreis verkleinern und ein kontinuierliches Farbenbild bekommen. Das kontinuierliche Farbenbild entsteht nur dadurch, dass, während beim großen Kreis die Randfarben eben Randfarben bleiben, setzen sich beim kleinen Kreis vom Rand herein die Farben bis zur Mitte fort, übergreifen sich in der Mitte und bilden, was man ein kontinuierliches Spektrum nennt. Also, die ursprüngliche Erscheinung ist diejenige, dass an den Rändern, wo Helligkeit und Dunkelheit zusammenströmen, Farben auftreten.
[ 7 ] So what did Goethe tell himself? He told himself: It doesn’t matter at all whether anything is split off from the light; rather, I am actually creating an image. This image is merely a representation of this section here. The section has edges, and the colors do not appear because they are, so to speak, extracted from the light—as if the light were splitting into them—but because I am creating the image, and the image as such has edges; so that here, too, I am dealing with nothing other than the fact that where light and darkness meet — for outside this circle of light here, the surroundings are dark, and inside it is light —, the colors appear at the edges. At first, the colors appear only as edge phenomena, and by showing the colors as edge phenomena, we essentially have the original phenomenon before us. We do not have the original phenomenon before us at all when we now reduce the size of the circle and obtain a continuous color image. The continuous color image arises solely because, whereas in the large circle the edge colors remain merely edge colors, in the small circle the colors extend from the edge inward toward the center, overlap in the center, and form what is called a continuous spectrum. Thus, the original phenomenon is that colors appear at the edges, where light and darkness converge.
[ 8 ] Sie sehen, es handelt sich darum, dass wir nicht mit Theorien in die Tatsachen hineinpfuschen, sondern reinlich bleiben bei einem Studium der bloßen Tatsachen, der bloßen Fakta. Nun handelt es sich darum, dass hier ja nicht nur dasjenige auftritt, was wir in den Farben sehen, sondern Sie haben gesehen: Es tritt hier auch auf eine Verschiebung des ganzen Lichtkegels, eine seitliche Ablenkung des ganzen Lichtkegels. Wenn Sie schematisch diese seitliche Ablenkung verfolgen wollen, so könnten Sie es etwa auf die folgende Weise noch verfolgen.
[ 8 ] As you can see, the point is that we should not let theories interfere with the facts, but rather remain strictly focused on studying the bare facts, the mere facts. Now, the point is that what occurs here is not only what we see in the colors, but as you have seen: there is also a shift of the entire light cone, a lateral deflection of the entire light cone. If you want to trace this lateral deflection schematically, you could do so in roughly the following way.


[ 9 ] Nehmen Sie an, Sie fügen zwei Prismen [an ihren Basisflächen] zusammen, sodass dann das untere Prisma, das aber ein Ganzes bildet mit dem oberen, so steht wie das, was ich Ihnen gestern aufgezeichnet habe. Das obere Prisma steht entgegengesetzt dem unteren. Würde ich durch dieses Doppel-Prisma einen Lichtzylinder durchgehen lassen, so würde ich natürlich müssen etwas Ähnliches bekommen wie gestern. Ich würde müssen bekommen eine Ablenkung, das eine Mal nach unten, das andere Mal nach oben.“ Ich würde, wenn ich hier ein solches Doppel-Prisma hätte, bekommen eine noch mehr in die Länge gezogene Lichtfigur, aber zu gleicher Zeit würde sich herausstellen, dass diese noch mehr in die Länge gezogene Lichtfigur sehr undeutlich ist, düster ist. Das würde mir dadurch erklärlich werden, dass ich dann, wenn ich hier die Figur mit einem Schirm auffange, so würde ich von diesem Lichtkreis hier ineinandergeschoben bekommen eine Abbildung. Aber ich könnte den Schirm auch hereinrücken. Ich würde wiederum eine Abbildung bekommen. Das heißt, es gäbe hier eine Strecke — das liegt innerhalb der Tatsachen alles —, eine Strecke, auf der ich immer die Möglichkeit, eine Abbildung zu bekommen, antreffen würde. Sie sehen daraus, dass durch das DoppelPrisma mit dem Lichte hantiert wird. Das eine, was ich immer finde, ist, nun, dass ich bekomme immer hier außen einen roten Rand, und zwar jetzt oben und unten, und in der Mitte Violett, sodass ich also jetzt ein solches Bild bekomme: In der Mitte Violett und nach außen einen roten Rand. Während ich sonst bloß bekomme das Bild vom Rot bis zum Violett, bekomme ich jetzt die äußeren Ränder rot und in der Mitte Violett und dazwischen die anderen Farben.
[ 9 ] Suppose you join two prisms [at their base faces] so that the lower prism—which, however, forms a single unit with the upper one—stands as I sketched for you yesterday. The upper prism is positioned opposite the lower one. If I were to pass a beam of light through this double prism, I would naturally have to obtain something similar to what I showed you yesterday. I would have to observe a deflection—once downward, once upward.” If I had such a double prism here, I would obtain a light figure that is even more elongated, but at the same time it would turn out that this even more elongated light figure is very indistinct and dim. This would become clear to me because if I were to capture the figure here with a screen, I would obtain an image formed by this circle of light overlapping. But I could also move the screen closer. I would again obtain an image. That is to say, there would be a range—and this is all within the realm of fact—a range within which I would always have the possibility of obtaining an image. You can see from this that the double prism manipulates the light. One thing I always find is that I always get a red edge here on the outside—both at the top and bottom—and violet in the middle, so that I now get an image like this: violet in the middle and a red edge toward the outside. Whereas normally I just get an image ranging from red to violet, I now get red outer edges, violet in the center, and the other colors in between.
[ 10 ] Nun kann man umgehen diese Tatsache, dass hier durch eine gewisse Strecke hindurch Bilder angetroffen werden. Wenn ich den Schirm verschiebe, dann bekomme ich [unterschiedliche] Bilder. Also, ich könnte durch ein solches Doppel-Prisma die Möglichkeit schaffen, dass eine solche Figur entstünde, aber ich würde diese auch bekommen, wenn ich in diese Richtung den Schirm verschieben würde. Ich habe also eine gewisse Strecke, auf der die Möglichkeit der Entstehung eines Bildes vorhanden ist, das an den Rändern farbig ist, aber auch in der Mitte farbig ist und allerlei Übergangsfarben hat.
[ 10 ] Now, one can get around the fact that images are encountered over a certain distance here. If I move the screen, I get [different] images. So, I could use a double prism like this to create the possibility of such a figure appearing, but I would also get it if I moved the screen in that direction. So I have a certain range over which there is the possibility of an image forming that is colored at the edges, but is also colored in the center and has all kinds of transitional colors.
[ 11 ] Nun kann man [vermeiden], dass hier, wenn ich mit dem Schirm auf und ab gehe, so ein ganz weiter Raum [zu durchlaufen] ist, auf dem die Möglichkeit besteht, solche Bilder zu schaffen. Aber Sie ahnen wohl, diese [andere] Möglichkeit [Bilder zu erzeugen] könnte nur geschaffen werden, wenn ich das Prisma immer [geometrisch] ändern würde, wenn ich zum Beispiel, weil bei einem Prisma, dessen Winkel hier größer ist, an einer anderen Stelle das Bild entworfen wird; wenn ich den Winkel kleiner machen würde, würde das Bild an einer anderen Stelle entworfen werden und ich würde diese Strecke kleiner bekommen.
[ 11 ] Now, one can [avoid] the situation where, if I move the screen up and down, I have to [cover] such a wide area in which it is possible to create such images. But as you can probably guess, this [other] possibility [of creating images] could only be achieved if I were to constantly alter the prism’s [geometric] configuration—for example, because with a prism whose angle is larger here, the image is projected at a different point; if I were to make the angle smaller, the image would be projected at a different point, and I would reduce this distance.
[ 12 ] Ich kann die ganze Sache dadurch zu einer anderen machen, dass ich nun hier nicht ebene Flächen für ein Prisma habe, sondern dass ich von vornherein gekrümmte Flächen nehme. Dadurch wird dasjenige, was beim Prisma noch außerordentlich schwer zu studieren ist, wesentlich vereinfacht. Und wir bekommen dann folgende Möglichkeit: Wir lassen zunächst durchgehen durch den Raum den Lichtzylinder, und jetzt stellen wir die Linse, die also eigentlich nichts anderes ist als ein Doppel-Prisma, aber mit gekrümmten Flächen, die stellen wir in den Weg. Statt des Doppel-Prismas stellen wir die Linse in den Weg. Sie sehen, wenn ich die Linse in den Weg stelle, so bekomme ich das Bild zunächst wesentlich verkleinert. Also, was ist denn da eigentlich geschehen? Der ganze Lichtzylinder ist zusammengezogen. Dieses [auf der linken Seite] ist der ursprüngliche Durchschnitt des Zylinders. Indem ich die Linse in den Weg stelle, bekomme ich den ganzen Lichtzylinder zusammengezogen, verengt. Da haben wir eine neue Wechselwirkung zwischen dem Materiellen, dem Materiellen in der Linse, im Glaskörper, und dem durch den Raum gehenden Licht. Diese Linse wirkt so auf das Licht, dass sie den Lichtzylinder zusammenzieht.
[ 12 ] I can transform the whole thing by not using flat surfaces for a prism here, but by using curved surfaces from the outset. This greatly simplifies what is still extremely difficult to study in the case of a prism. And this gives us the following option: First, we let the light cylinder pass through space, and now we place the lens—which is essentially nothing more than a double prism, but with curved surfaces—in its path. Instead of the double prism, we place the lens in the path. You see, when I place the lens in the path, the image is initially significantly reduced in size. So, what actually happened here? The entire light cylinder has been compressed. This [on the left side] is the original cross-section of the cylinder. By placing the lens in the path, I cause the entire light cylinder to be compressed and narrowed. Here we have a new interaction between the material—the material in the lens, in the glass—and the light traveling through space. This lens acts on the light in such a way that it contracts the light cylinder.
[ 13 ] Wir wollen uns die ganze Sache einmal schematisch aufzeichnen: Wenn ich hier einen Lichtzylinder habe, von der Seite gezeichnet, ich lasse sein Licht durch die Linse gehen — wir wollen das heute noch ganz. roh behandeln —, so durch die Linse gehen, während zum Beispiel, wenn ich eine gewöhnliche Glasplatte entgegensetzen würde, würde der Lichtzylinder — oder wenn ich eine Wasserplatte entgegensetzen würde —, so würde der Lichtzylinder einfach durchgehen und es würde sich [auf] dem Schirm eben ein Abbild des Lichtzylinders ergeben. Das ist nicht der Fall, wenn ich nicht eine Glasplatte oder eine Wasserplatte habe, sondern eine Linse. Wenn ich einfach mit den Strichen nachfahre demjenigen, was geschehen ist, so muss ich sagen: Es ist eine Verkleinerung des Bildes, die sich ergeben hat. Also ist der Lichtzylinder zusammengezogen.
[ 13 ] Let’s sketch out the whole thing schematically: If I have a light cylinder here, drawn from the side, and I let its light pass through the lens—let’s treat this quite —pass through the lens, whereas, for example, if I were to place an ordinary glass plate in front of it, the light cylinder—or if I were to place a water plate in front of it—the light cylinder would simply pass through, and an image of the light cylinder would appear on the screen. That is not the case when I have not a glass plate or a water plate, but a lens. If I simply trace what has happened, I must say: What has resulted is a reduction in the size of the image. Thus, the light cylinder has been compressed.
[ 14 ] Es gibt noch eine andere Möglichkeit. Das ist diese, dass man die Anordnung nachbildet nicht einem solchen Doppel-Prisma, wie ich es dort gezeichnet habe, sondern einem Doppel-Prisma, das so im Durchschnitt gestaltet ist — oder im Querschnitt —, dass mit dieser Kante hier die Prismen aneinanderstoßen. Dann würde ich allerdings dieselbe Beschreibung, die ich gemacht habe, mit einem wesentlich vergrößerten Kreis bekommen. Wiederum würde ich, indem ich mit dem Schirm auf und ab gehe während einer gewissen Strecke, die Möglichkeit haben, das Bild — mehr oder weniger undeutlich — zu bekommen. Ich würde hier in diesem Fall oben Violett, Bläulich haben, unten auch Violett, Blau und in der Mitte würde ich Rot haben. Dort war es umgekehrt. Und dazwischen die Zwischenfarben.”
[ 14 ] There is another possibility. It involves replicating the arrangement not with a double prism like the one I drew there, but with a double prism designed such that—on average, or in cross-section—the prisms abut each other along this edge here. In that case, however, I would end up with the same description I gave, but with a significantly enlarged circle. Again, by moving the screen up and down over a certain distance, I would be able to obtain the image—more or less indistinctly. In this case, I would have violet and bluish tones at the top, violet and blue at the bottom, and red in the middle. There, it was the other way around. And in between, the intermediate colors.”


[ 15 ] Ich kann mir wiederum an die Stelle dieses Doppel-Prismas setzen eine Linse mit folgendem Querschnitt:
[ 15 ] I can, in turn, substitute a lens with the following cross-section for this double prism:


[ 16 ] Während diese Linse [in der vorigen Anordnung] ihrem Querschnitt nach zeigt sich in der Mitte dick und an den Rändern dünn, zeigt sich diese [hier] in der Mitte dünn und an den Rändern dick. In diesem Fall bekomme ich auch durch die Linse hier ein Bild, das wesentlich größer ist, als der gewöhnliche Querschnitt wäre, der von dem Lichtzylinder entstehen würde. Ich bekomme ein vergrößertes Bild, aber auch mit dieser Farbenabstufung an den Rändern und gegen die Mitte zu. Will ich also hier die Erscheinungen verfolgen, so muss ich sagen: Der Lichtzylinder ist auseinandergeweitet worden, er ist im Wesentlichen auseinandergetrieben worden. Das ist das einfache Faktum.
[ 16 ] While this lens [in the previous arrangement] appears thick in the center and thin at the edges when viewed in cross-section, this one [here] appears thin in the center and thick at the edges. In this case, I also obtain an image through this lens that is significantly larger than the usual cross-section that would result from the light cylinder. I obtain an enlarged image, but one that also exhibits this gradation of color toward the edges and toward the center. So if I wish to analyze the phenomena here, I must say: The light cylinder has been expanded; it has essentially been driven apart. That is the simple fact.
[ 17 ] Nun, was sehen wir aus diesen Erscheinungen? Wir sehen aus diesen Erscheinungen, dass eine Beziehung herrscht zwischen dem Materiellen, das uns zunächst als durchsichtiges Materielles entgegentritt in den Linsen oder Prismen, zwischen diesem Materiellen und demjenigen, was durch das Licht zur Erscheinung kommt. Und wir sehen auch in gewissem Sinn eine gewisse Art dieser Wechselwirkung. Denn gehen wir von demjenigen aus, was wir hier durch eine solche Linse gewinnen würden, die an den Rändern dick und in der Mitte dünn ist, was müssen wir uns denn da sagen, wenn wir eine solche Linse vor uns haben? Da müssen wir sagen: Es ist auseinandergetrieben worden der ganze Lichtzylinder, er ist geweitet worden. Und wir sehen auch, wie diese Weitung möglich ist. Diese Weitung kommt ja dadurch zustande, dass das Materielle, durch das das Licht durchgegangen ist, hier [in der Mitte] dünn ist, hier [am Rande] dicker ist. Da muss das Licht durch mehr Materielles dringen als hier in der Mitte, wo es durch weniger Materielles dringt. Was geschieht nun mit dem Lichte? Nun, wir haben ja gesagt, es wird geweitet, es wird auseinandergetrieben. In der Richtung dieser zwei Pfeile wird es auseinandergetrieben. Wodurch kann es nur auseinandergetrieben werden? Nun, lediglich durch den Umstand, dass cs in der Mitte weniger Materie zu passieren hat und an den Rändern mehr. Nun überlegen Sie sich die Sache: In der Mitte hat das Licht weniger Materielles zu passieren, geht also leichter durch, hat also, wenn es durchgegangen ist, noch mehr Kraft. Also, es hat hier mehr Kraft, wo es durch weniger Materielles hindurchgeht, als hier, wo es durch mehr Materielles geht. Diese stärkere Kraft in der Mitte, die hervorgerufen wird dadurch, dass das Licht durch weniger Materielles hindurchgeht, die drückt den Lichtzylinder auseinander. Das ist etwas, was Sie sozusagen an den Fakten unmittelbar ablesen können.
[ 17 ] Now, what do we see from these phenomena? We see from these phenomena that there is a relationship between the material—which initially appears to us as transparent material in the lenses or prisms—and that which is revealed by the light. And we also see, in a certain sense, a specific kind of this interaction. For if we consider what we would observe here through such a lens—one that is thick at the edges and thin in the center—what must we conclude when we have such a lens before us? We must conclude: The entire cylinder of light has been pushed apart; it has been expanded. And we also see how this widening is possible. This widening occurs because the material through which the light has passed is thin here [in the center] and thicker here [at the edge]. Thus, the light must pass through more material here than in the center, where it passes through less material. What happens to the light now? Well, as we’ve said, it is widened; it is pushed apart. It is driven apart in the direction of these two arrows. By what means can it be driven apart? Well, simply by the fact that the light has less matter to pass through in the center and more at the edges. Now consider this: In the center, the light has less material to pass through, so it passes through more easily; therefore, once it has passed through, it still has more energy. So, it has more energy here, where it passes through less matter, than here, where it passes through more matter. This greater energy in the center—which is caused by the light passing through less matter—pushes the light cylinder apart. This is something you can, so to speak, deduce directly from the facts.
[ 18 ] Ich bitte, sich nur ganz klar darüber zu sein, dass es sich hier handelt um eine richtige Behandlung der Methode, um eine richtige Führung des Denkens. Man muss sich klar sein, wenn man das, was durch das Licht erscheint, mit Linien verfolgt, dass man da eigentlich nur etwas hinzuzeichnet, was mit dem Lichte nichts zu tun hat. Wenn ich hier die Linien zeichne, dann zeichne ich bloß die Grenzen des Lichtzylinders. Dieser Lichtzylinder wird durch diese Öffnung bewirkt. Ich zeichne also gar nichts, was mit dem Licht zu tun hat, sondern nur etwas, was hervorgerufen wird dadurch, dass das Licht durch den [kreisförmigen] Spalt durchgeht. Und wenn ich hier sage: In dieser Richtung bewegt sich das Licht, so hat das wiederum mit dem Lichte nichts zu tun; denn würde ich die Lichtquelle hinaufschieben, so würde sich eben das Licht, wenn es durch den Spalt fallen würde, so bewegen, und ich müsste diese Pfeilrichtung so zeichnen. Das alles hätte mit dem Lichte als solchem nichts zu tun. Dieses Zeichnen von Linien in das Licht hinein ist man gewohnt worden zu vollziehen und dadurch ist man allmählich darauf gekommen, von den Lichtstrahlen zu reden. Man hat es nirgends mit den Lichtstrahlen zu tun; man hat es zu tun mit einem Lichtkegel, der hervorgerufen ist durch einen [kreisförmigen] Spalt, durch den man das Licht dringen lässt. Man hat es zu tun mit einer Verbreiterung des Lichtkegels- man muss sagen: Irgendwie muss die Verbreiterung des Lichtkegels zusammenhängen mit dem geringeren Weg hier in der Mitte, den das Licht macht, als hier am Rande. Durch den geringeren Weg hier in der Mitte behält es mehr Kraft, durch den längeren Weg am Rande wird ihm mehr Kraft genommen. Das schwächere Licht am Rande wird gedrückt durch das stärkere Licht in der Mitte, und es wird der Lichtkegel verbreitert. Das ist, was Sie ablesen können.
[ 18 ] I ask that you be absolutely clear that what we are dealing with here is the correct application of the method, the correct guidance of thought. You must realize that when you trace what appears through the light with lines, you are actually just drawing something that has nothing to do with the light itself. When I draw these lines here, I am merely drawing the boundaries of the cylinder of light. This cylinder of light is created by this opening. So I am not drawing anything that has to do with the light itself, but only something that is brought about by the light passing through the [circular] slit. And when I say here, “The light moves in this direction,” that, too, has nothing to do with the light itself; for if I were to move the light source upward, the light—as it passes through the slit—would move in precisely that way, and I would have to draw this arrow in that direction. None of this has anything to do with the light as such. People have become accustomed to drawing lines into the light, and through this they have gradually come to speak of light rays. One is not dealing with light rays at all; one is dealing with a cone of light produced by a [circular] slit through which the light is allowed to pass. What we are dealing with is a widening of the cone of light—one must say: Somehow, the widening of the cone of light must be related to the shorter path the light takes here in the center than here at the edge. Because of the shorter path here in the center, it retains more energy; because of the longer path at the edge, more energy is lost. The weaker light at the edge is pushed aside by the stronger light in the center, and the light cone widens. That is what you can observe.
[ 19 ] Nun sehen Sie: Während man es eigentlich nur zu tun hat mit Bildern, redet man in der Physik von allem Möglichen, von den Lichtstrahlen und dergleichen. Diese Lichtstrahlen, die sind nun eigentlich zum Untergrund gerade für das materialistische Denken auf diesem Gebiet geworden.
[ 19 ] Now you see: While we are really only dealing with images, in physics people talk about all sorts of things—light rays and the like. These light rays have actually become the very foundation for materialistic thinking in this field.


[ 20 ] Wir wollen, um das noch etwas anschaulicher zu machen, was ich eben auseinandergesetzt habe, etwas anderes noch betrachten. Nehmen wir an, wir haben hier eine Wanne, ein kleines Gefäß. Wir haben hier in diesem kleinen Gefäß eine Flüssigkeit, sagen wir zum Beispiel Wasser, und da unten irgendeinen Gegenstand liegen, meinetwegen einen Taler oder dergleichen. Wenn ich hier ein Auge habe, so kann ich folgendes Experiment machen: Ich kann zunächst das Wasser weglassen und kann auf diesen Gegenstand sehen mit dem ‚Auge. So werde ich in dieser Richtung den Gegenstand sehen. Was ist der Tatbestand? Ich habe auf dem Boden eines Gefäßes liegen einen Gegenstand. Ich gucke hin und sehe in einer gewissen Richtung diesen Gegenstand. Das ist der einfache Tatbestand. Wenn ich anfange nun zu zeigen: Von diesem Gegenstand geht ein Lichtstrahl aus, der wird in das Auge geschickt und affiziert das Auge, dann, meine lieben Freunde, fantasiere ich schon alles Mögliche dazu.
[ 20 ] To make what I just explained a little clearer, let’s consider something else. Let’s assume we have a basin here, a small container. In this small vessel, we have a liquid—let’s say water, for example—and at the bottom lies some object, say a coin or something similar. If I have an “eye” here, I can perform the following experiment: First, I can drain the water and look at this object with the “eye.” In this way, I will see the object in that direction. What is the factual situation? I have an object lying at the bottom of a vessel. I look at it and see this object in a certain direction. That is the simple factual situation. If I now start to suggest: A ray of light emanates from this object, is directed toward the eye, and affects the eye—then, my dear friends, I am already imagining all sorts of things.


[ 21 ] Nun fülle ich bis hierher das Gefäß mit Wasser oder irgendeiner Flüssigkeit an. Nun stellt sich etwas ganz Besonderes heraus. Ich ziehe dieselbe Richtung, in der ich früher den Gegenstand habe, vom Auge zum Gegenstand hin, ich gucke, gucke nach der Richtung, in der ich früher geguckt habe.” Ich könnte erwarten, dasselbe zu sehen, tue es aber nicht, sondern etwas höchst Merkwürdiges tritt ein: Ich sehe den Gegenstand etwas gehoben. Ich sehe ihn so, dass er mit dem ganzen Boden in die Höhe gehoben wird. Wie man das feststellen, ich meine messen kann, darüber können wir ja noch sprechen. Ich will jetzt nur das Prinzipielle sagen. Worauf kann denn das nur beruhen, wenn ich mir die Frage beantworte nach dem reinen Tatbestand? Nun, ich erwarte: Wenn ich früher so gesehen habe, den Gegenstand wiederum in der Richtung zu finden. Ich richte das Auge darauf hin, aber ich sche ihn nicht in der Richtung, ich sehe ihn in der anderen Richtung. Ja, früher, als noch kein Wasser in dem Trog war, da konnte ich bis zu dem Boden direkt hinunterschauen, und zwischen meinem Auge und dem Boden war nur die Luft. Jetzt stößt meine Visierlinie hier das Wasser. Das lässt meine Sehkraft nicht so einfach durch wie die Luft, sondern stellt ihr stärkeren Widerstand entgegen, und ich muss vor dem stärkeren Widerstand zurückweichen. Von hier ab muss ich vor dem stärkeren Widerstand zurückweichen. Dieses Zurückweichen drückt sich dadurch aus, dass ich nicht bis unten sehe, sondern dass das Ganze gehoben erscheint. Ich sehe gewissermaßen schwerer durch das Wasser als durch die Luft, überwinde den Widerstand des Wassers schwerer als den Widerstand der Luft. Daher muss ich die Kraft verkürzen, ziehe also selbst den Gegenstand herauf. Ich verkürze die Kraft dadurch, dass ich den stärkeren Widerstand finde. Würde ich in der Lage sein, den Boden des Gefäßes [für das sehen] zu senken und [dementsprechend] hier ein Gas hineinzufüllen, das dünner wäre als die Luft, dann würde der Gegenstand sich hier senken, weil ich jetzt weniger Widerstand fände. Ich würde daher den Gegenstand hinunterschieben.
[ 21 ] Now I fill the vessel with water or some other liquid up to this point. Now something quite remarkable happens. I look in the same direction in which I previously looked at the object—from my eye toward the object—I look, look in the direction in which I previously looked.” I might expect to see the same thing, but I don’t; instead, something highly peculiar happens: I see the object slightly raised. I see it as if its entire base were lifted upward. We can discuss later how this can be determined—I mean, measured. I just want to state the principle here. What could this possibly be based on, if I answer the question based on the pure facts? Well, I expect that if I used to see it that way, I would find the object again in that direction. I direct my gaze toward it, but I don’t see it in that direction; I see it in the other direction. Yes, before, when there was no water in the trough, I could look straight down to the bottom, and there was only air between my eye and the bottom. Now my line of sight encounters the water here. It does not let my vision pass through as easily as air does, but offers it stronger resistance, and I must retreat in the face of this stronger resistance. From here on, I must retreat in the face of this greater resistance. This retreat is expressed by the fact that I do not see all the way to the bottom, but rather that the whole scene appears raised. In a sense, I find it harder to see through the water than through the air; I find it harder to overcome the resistance of the water than that of the air. Therefore, I must shorten the force, and so I pull the object upward myself. I reduce the force by encountering the greater resistance. If I were able to lower the bottom of the vessel [so that I could see] and [accordingly] fill it with a gas that is less dense than air, then the object would sink here because I would now encounter less resistance. I would therefore push the object downward.


[ 22 ] Der Physiker konstatiert nicht diesen Tatbestand, sondern er sagt: Nun ja, da wird ein Lichtstrahl geworfen bis zu der Oberfläche des Wassers. Dieser Lichtstrahl wird hier gebrochen, und weil ein Übergang stattfindet zwischen einem dichteren Medium und einem dünneren, wird der Lichtstrahl vom Einfallslot gebrochen, kommt hier in das Auge. Und jetzt sagt er etwas höchst Kurioses: Aber das Auge, das, nachdem es die Nachricht bekommen hat durch den Lichtstrahl, das verlängert jetzt den Weg nach außen und projiziert den Gegenstand an diese Stelle hin.
[ 22 ] The physicist does not simply state this fact, but says: Well, a beam of light is directed toward the surface of the water. This beam of light is refracted here, and because there is a transition between a denser medium and a less dense one, the beam of light is refracted from the line of incidence and enters the eye here. And now he says something highly curious: But the eye, having received the information via the beam of light, now extends the path outward and projects the object onto this spot.
[ 23 ] Das heißt: Man findet alle möglichen Begriffe, aber man rechnet nicht mit dem, was da ist, mit dem Widerstand, den die Visierkraft des Auges selber findet in dem Dichteren, in das sie eindringen muss. Man möchte gewissermaßen alles weglassen und dem Licht alles selbst zuschieben, so wie man hier beim Prisma sagt: Oh, das Prisma macht gar nichts, sondern die sieben Farben sind schon im Lichte drinnen. Das Prisma gibt nur die Veranlassung, dass sie sich hübsch nebeneinander hinstellen wie Soldaten, die sieben Farben; aber da drinnen sind schon diese sieben unartigen Buben zusammen, die gezwungen werden, auseinanderzutreten. Das Prisma macht gar nichts davon.
[ 23 ] In other words: One finds all sorts of concepts, but one does not take into account what is actually there—the resistance that the eye’s focusing power itself encounters in the denser substance it must penetrate. One would like, so to speak, to leave everything out and attribute everything to the light itself, just as one says here about the prism: “Oh, the prism doesn’t do anything at all; the seven colors are already inside the light. The prism merely provides the impetus for them to line up neatly next to one another like soldiers—the seven colors; but inside there, those seven mischievous boys are already gathered together, forced to stand apart. The prism has nothing to do with any of that.”
[ 24 ] Wir haben gesehen: Gerade dasjenige, was im Prisma entsteht, dieser getrübte Keil ist es, der die Farben verursacht. Die Farben selber haben gar nichts mit dem Lichte selber zu tun. Und Sie sehen hier wiederum, während wir hier [beim mit Wasser gefüllten Gefäß] uns klar sein müssen, dass wir eine aktive Tätigkeit ausüben, mit dem Auge hin visieren und einen stärkeren Widerstand im Wasser finden, dadurch gezwungen sind, die Visierlinie abzukürzen durch den stärkeren Widerstand. [Da] sagt der Physiker: Da werden Lichtstrahlen geworfen, die werden gebrochen und so weiter. Und dann das Allerschönste, gerade an dieser Stelle, meine lieben Freunde! Sehen Sie, der Physiker sagt, der heutige Physiker: Da wird also zunächst das Licht ins Auge auf gebrochenem Wege gelangen, dann projiziert das Auge das Bild nach außen. — Was heißt das? Zum Schlusse sagt er doch: Das Auge projiziert. Er setzt nur eine phoronomische Vorstellung, eine von allen Realitäten verlassene Vorstellung, eine reine Fantasietätigkeit anstelle dessen, was sich unmittelbar darbietet: der Widerstand des dichteren Wassers gegen die Visierkraft des Auges.
[ 24 ] We have seen that it is precisely what is created in the prism—this diffused wedge—that produces the colors. The colors themselves have absolutely nothing to do with the light itself. And here you see again—while we are here [with the vessel filled with water]—that we must be clear that we are performing an active action: we aim with our eyes and encounter greater resistance in the water, which forces us to shorten the line of sight due to that greater resistance. [Then] the physicist says: Light rays are cast there, they are refracted, and so on. And then the most beautiful part, right at this point, my dear friends! You see, the physicist—the physicist of today—says: So first the light reaches the eye via a refracted path, then the eye projects the image outward. — What does that mean? In the end, he does say: “The eye projects.” He simply substitutes a phoronomic concept—a concept abandoned by all realities, a pure act of fantasy—for what presents itself directly: the resistance of the denser water against the eye’s line-of-sight force.
[ 25 ] Gerade an solchen Punkten merken Sie am allerdeutlichsten, wie alles gerade in unserer Physik verabstrahiert ist, wie alles zur Phoronomie gemacht werden soll, wie man nicht will in die Qualitäten hineingehen. Auf der einen Seite also entkleidet man das Auge jedweder Aktivität — von den Gegenständen gehen die Lichtstrahlen aus, gelangen in das Auge —, auf der anderen Seite aber wieder projiziert das Auge dasjenige, was es als Reiz bekommt, nach außen. Dasjenige aber, was nötig ist, ist, dass man von vornherein von der Aktivität des Auges ausgeht, dass man sich klar ist: Das Auge ist ein tätiger Organismus.
[ 25 ] It is precisely at such points that you notice most clearly how everything in our physics is abstracted, how everything is to be reduced to phoronomy, and how there is a reluctance to delve into qualities. On the one hand, then, the eye is stripped of all activity—light rays emanate from objects and enter the eye—but on the other hand, the eye projects outward what it receives as a stimulus. What is necessary, however, is to start from the very beginning with the activity of the eye, to be clear that the eye is an active organism.


[ 26 ] Nun sehen Sie, hier haben wir ein Modell des Auges, und wir werden heute beginnen, uns zunächst auch ein wenig zu befassen mit dem Wesen des menschlichen Auges. Das Auge, das menschliche Auge, ist ja eine Art Kugel, nur von vorne nach hinten etwas zusammengedrückt, eine Kugel, die hier in der Knochenhöhle drinnen sitzt so, dass eine Reihe von Häuten zunächst das Innere dieses Auges umgibt. Wenn ich den Durchschnitt zeichnen will, so müsste ich da so zeichnen — ich zeichne Ihnen das Auge jetzt so auf. sehen Sie, wenn Sie das Auge so anschauen wie das Ihres Nachbarn, so sehen Sie in die Pupille; ich zeichne aber das Auge so von der Seite. Es ist übrigens gleich. Ich will den Durchschnitt zeichnen. Das, was ich jetzt zeichne, wäre das rechte Auge und es müsste da eben so gehalten werden. Das Äußerste, was man zunächst findet, wenn man das Auge etwa aus dem Schädel herauspräparieren würde, das wäre Bindegewebe, Fett. Dann aber kommt man zu der eigentlichen ersten Umhüllung des Auges, der sogenannten Sklerotika, Hornhaut. Sehnig, knochig, knorpelig ist die äußerste Umhüllung. Ich habe sie hier gezeichnet. Sie wird nach vorne durchsichtig. Sie sehen hier, sie wird nach vorne durchsichtig, sodass das Licht von hier aus in das Auge eindringen kann. Eine zweite Schichte, die den Innenraum hier auskleidet, ist die sogenannte Aderhaut. Sie enthält die Blutgefäße. Wir würden sie etwa hier haben. Und als Drittes würden wir bekommen die innerste Schichte, die sogenannte Netzhaut, die sich dann nach dem Schädel zu in dem Sehnerv fortsetzt. Hier also würde der Sehnerv nach innen gehen, würde bilden die Netzhaut. Und damit haben wir die drei Umhüllungen des Auges aufgezählt.
[ 26 ] Now, as you can see, here we have a model of the eye, and today we’ll begin by taking a brief look at the nature of the human eye. The eye—the human eye—is, after all, a kind of sphere, only slightly compressed from front to back; a sphere that sits here inside the eye socket in such a way that a series of membranes first surrounds the interior of the eye. If I want to draw a cross-section, I would have to draw it like this—I’ll sketch the eye for you now. You see, when you look at an eye like your neighbor’s, you’re looking into the pupil; but I’m drawing the eye from the side. It’s the same thing, by the way. I want to draw the cross-section. What I’m drawing now would be the right eye, and it would have to be positioned just like that. The outermost layer you’d find first if you were to dissect the eye out of the skull, for example, would be connective tissue and fat. But then you come to the eye’s actual first layer, the so-called sclera and cornea. The outermost layer is fibrous, bony, and cartilaginous. I’ve drawn it here. It becomes transparent toward the front. As you can see here, it becomes transparent toward the front, allowing light to enter the eye from this direction. A second layer lining the interior here is the so-called choroid. It contains the blood vessels. We’d find it roughly here. And third, we have the innermost layer, the so-called retina, which then continues toward the skull as the optic nerve. So here, the optic nerve would extend inward, forming the retina. And with that, we have listed the three layers of the eye.
[ 27 ] Nun aber, hinter dieser Hornhaut, eingebettet hier in den Ziliarmuskel, ist eine Art Linse. Sie wird hier durch einen Muskel, den man den Ziliarmuskel nennt, getragen. Nach vorne ist hier die durchsichtige Hornhaut, und zwischen der Linse und ihr ist dasjenige, was man die wässerige Flüssigkeit nennt, sodass, wenn das Licht in das Auge eindringt, es erst die durchsichtige Hornhaut passiert, die wässerige Flüssigkeit passiert, dann durch diese Linse geht, die in sich beweglich ist durch Muskeln. Dann aber gelangt das Licht weiter von dieser Linse aus in dasjenige, was nun ausfüllt den ganzen Augenraum und was man gewöhnlich den Glaskörper nennt. Sodass das Licht also geht durch die durchsichtige Hornhaut, die Flüssigkeit, die Linse selbst, den Glaskörper und von da dann an die Netzhaut, die eine Verzweigung ist des Sehnervs, der dann in das Gehirn geht. Das sind zunächst schematisch — wir wollen zunächst das Prinzipielle uns vor Augen stellen —, schematisch diejenigen Dinge, die uns veranschaulichen können, was dieses Auge, das da in eine Höhle der Schädelknochen eingebettet ist, für Teile hat.
[ 27 ] Now, behind this cornea, embedded here in the ciliary muscle, is a kind of lens. It is held in place here by a muscle called the ciliary muscle. Toward the front is the transparent cornea, and between the lens and the cornea is what is called the aqueous humor, so that when light enters the eye, it first passes through the transparent cornea, then through the aqueous humor, and then through this lens, which is movable by muscles. But then the light travels further from this lens into what now fills the entire eye cavity and is commonly called the vitreous humor. So the light passes through the transparent cornea, the aqueous humor, the lens itself, the vitreous humor, and from there to the retina, which is a branch of the optic nerve that then extends into the brain. These are, for now, a schematic representation—we want to focus first on the fundamental principles—a schematic illustration of the parts that make up this eye, which is embedded in a cavity of the skull.
[ 28 ] Aber dieses Auge zeigt außerordentlich große Merkwürdigkeiten. Zunächst, wenn wir studieren die Flüssigkeit, die da ist zwischen dieser Linse und der Hornhaut, durch die das Licht durchgehen muss, so ist diese Flüssigkeit ihrem Gehalte nach fast eine richtige Flüssigkeit, fast eine äußere Flüssigkeit. An der Stelle, wo der Mensch seine Augenflüssigkeit hat, zwischen der Linse und der äußeren Hornhaut, ist der Mensch seiner Leiblichkeit nach ganz so, gewissermaßen, wie ein Stück Außenwelt. Es ist fast so, dass diese Flüssigkeit, die da ist in der äußersten Peripherie des Auges, kaum sich unterscheidet von einer Flüssigkeit, die ich mir hier auf die Hand schütten würde. Und das, was hier die Linse ist, diese Linse, das ist auch noch etwas sehr, sehr Objektives, sehr, sehr Unlebendiges. Gehe ich dagegen an den Glaskörper über, der das Innere des Auges ausfüllt und an die Nervenhaut grenzt, so kann ich diesen Glaskörper keineswegs so betrachten, dass ich sage: Das ist auch etwas, was fast wie eine äußere Flüssigkeit oder ein äußerer Körper ist. Da drinnen ist schon Vitalität, da drinnen ist Leben, sodass, je weiter wir zurückgehen im Auge, desto mehr dringen wir heran an das Leben. Hier haben wir eine Flüssigkeit, die fast ganz objektiv äußerlich ist, die Linse ist auch noch äußerlich; aber beim Glaskörper stehen wir schon innerhalb eines Gebildes, das in sich Vitalität hat.
[ 28 ] But this eye exhibits extraordinarily remarkable features. First of all, when we examine the fluid that lies between the lens and the cornea—through which light must pass—we find that, in terms of its composition, this fluid is almost a true fluid, almost an external fluid. In the area where a person has their ocular fluid—between the lens and the outer cornea—the human body is, in a sense, just like a part of the external world. It is almost as if this fluid, located at the outermost periphery of the eye, hardly differs from a liquid that I might pour onto my hand here. And what is the lens here—this lens—is also something very, very objective, very, very lifeless. If, on the other hand, I turn to the vitreous body, which fills the interior of the eye and borders the retina, I cannot in any way regard this vitreous body as something that is almost like an external fluid or an external body. There is vitality in there, there is life in there, so that the further back we go into the eye, the closer we come to life. Here we have a fluid that is almost entirely objectively external; the lens is also external; but with the vitreous body, we are already within a structure that possesses vitality in itself.
[ 29 ] Dieser Unterschied zwischen all dem, was da draußen ist, und dem, was da drinnen ist, der zeigt sich auch noch in etwas anderem. Auch das könnte man schon heute naturwissenschaftlich studieren. Wenn man nämlich die Bildung des Auges komparativ von der niederen Tierreihe aus verfolgt, so findet man, dass dasjenige, was äußerer Flüssigkeitskörper ist und Linse, dass das nicht von innen herauswächst, sondern dass sich das ansetzt, indem sich [an] die umliegenden Zellen Zellen ansetzen. Also, ich müsste mir die Bildung der Linse so vorstellen, dass das Linsengewebe, und dass auch die vordere Augenflüssigkeit entsteht aus den benachbarten Organen und nicht von innen heraus, während beim Inneren das so ist, dass der Glaskörper [dem Äußeren] entgegenwächst. sehen Sie, da haben wir das Merkwürdige: Hier wirkt die Natur des äußeren Lichtes und bewirkt jene Umwandlung, die Flüssigkeit und Linse hervorbringt. Auf das reagiert das Wesen von innen und schiebt ihm ein Lebendigeres, ein Vitaleres entgegen, den Glaskörper. Gerade im Auge treffen sich die Bildungen, die von außen angeregt werden, und diejenigen, die von innen aus angeregt werden, in einer ganz merkwürdigen Weise. Das ist die nächste Eigentümlichkeit des Auges.
[ 29 ] This difference between everything that is out there and what is inside is also evident in something else. This, too, could already be studied scientifically today. For if one traces the development of the eye comparatively, starting from the lower animal kingdom, one finds that the outer aqueous humor and the lens do not grow from the inside out, but rather form as cells attach themselves to the surrounding cells. So, I would have to imagine the formation of the lens in such a way that the lens tissue—and also the anterior chamber fluid—arises from the neighboring organs and not from within, whereas in the interior, the vitreous body grows toward the exterior. You see, here lies the curious aspect: the nature of external light acts here and brings about that transformation which produces the aqueous humor and the lens. The being reacts to this from within and responds with something more alive, more vital—the vitreous body. It is precisely in the eye that the formations stimulated from the outside and those stimulated from within come together in a most remarkable way. This is the next peculiarity of the eye.
[ 30 ] Es gibt noch eine andere. Es gibt die Eigentümlichkeit des Auges, die darinnen besteht, dass diese sich ausbreitende Netzhaut eigentlich der sich ausbreitende Sehnerv ist. Nun besteht gerade just die Eigentümlichkeit — ich werde morgen versuchen ein Experiment zu zeigen, das diese bekräftigt —, die Eigentümlichkeit, dass hier, wo der Sehnerv eintritt, das Auge unempfindlich ist. Da ist es blind. Es breitet sich dann der Sehnerv aus, und an einer Stelle, die also hier für das rechte Auge etwas rechts liegt von der Eintrittsstelle, ist die Netzhaut am empfindlichsten. Man kann nun sagen: Der Nerv ist dasjenige, was das Licht empfindet. Aber er empfindet das Licht just nicht da, wo er eintritt. Man sollte glauben, wenn der Nerv wirklich das wäre, was das Licht empfindet, dann müsste er am stärksten es empfinden da, wo er eintritt. Das tut er aber nicht. Das bitte ich im Auge zunächst zu behalten.
[ 30 ] There is another one. There is a peculiarity of the eye, which consists in the fact that this spreading retina is actually the spreading optic nerve. Now, the peculiarity is precisely this—I will try to demonstrate an experiment tomorrow that confirms this—the peculiarity that here, where the optic nerve enters, the eye is insensitive. It is blind there. The optic nerve then extends, and at a point that, for the right eye, lies slightly to the right of the point of entry, the retina is most sensitive. One might say: The nerve is what perceives light. But it does not perceive light precisely where it enters. One might think that if the nerve were truly what perceives light, it would perceive it most strongly right where it enters. But it does not. Please keep that in mind for now.
[ 31 ] Nun, dass diese Einrichtung des Auges eine außerordentlich, ich möchte sagen, von Weisheit der Natur erfüllte ist, das können Sie etwa aus dem Folgenden entnehmen: Wenn Sie so des Tags über die Gegenstände um sich herum beschauen, ja, dann finden Sie, dass die Gegenstände Ihnen, soweit Ihre Augen gesund sind, erscheinen mehr oder weniger scharf, aber so, dass die Schärfe, die Deutlichkeit für Ihre Orientierung genügt. Wenn Sie aber des Morgens aufwachen, da sehen Sie manchmal sehr undeutlich die Ränder der Gegenstände, da sehen Sie diese so wie mit einem kleinen Nebel umgeben. Wenn das ein Kreis ist, sehen Sie da etwas herum wie etwas Undeutliches, wenn Sie des Morgens gerade aufgewacht sind. Worauf beruht denn das? Das beruht darauf, dass wir dreierlei in unserem Auge haben, zunächst den Glaskörper — wir wollen sogar nur auf zweierlei Rücksicht nehmen —, den Glaskörper und die Linse. Sie haben, wie wir gesehen haben, ganz verschiedenen Ursprung. Die Linse ist mehr von außen gebildet, der Glaskörper mehr von innen, die Linse ist mehr unlebendig, der Glaskörper von Vitalität durchzogen. In dem Augenblick, wo wir aufwachen, sind beide einander noch nicht angepasst. Der Glaskörper will uns noch die Gegenstände so abbilden, wie er es kann, und die Linse so, wie sie es kann. Und wir müssen erst warten, bis sie sich gegenseitig eingestellt haben. Daraus ersehen Sie, wie innerlich beweglich das Organische ist und wie die Wirkung des Organischen darauf beruht, dass zunächst differenziert wird in Linse und Glaskörper die Tätigkeit und dann die Tätigkeit wiederum aus dem Differenzierten zusammengesetzt wird. Da muss sich dann das eine an das andere anpassen.
[ 31 ] Well, you can gather from the following that this structure of the eye is an extraordinary one—I would say, one imbued with the wisdom of nature: When you look at the objects around you during the day, you’ll find that—provided your eyes are healthy—they appear more or less sharp, but in such a way that the sharpness and clarity are sufficient for your orientation. But when you wake up in the morning, you sometimes see the edges of objects very blurrily; they appear as if shrouded in a light mist. If it is a circle, you see something blurry around it when you have just woken up in the morning. What is the reason for this? It is because we have three components in our eye: first, the vitreous humor—though let’s consider just two for now—the vitreous humor and the lens. As we have seen, they have very different origins. The lens is formed more from the outside, the vitreous body more from the inside; the lens is more inanimate, while the vitreous body is permeated with vitality. The moment we wake up, the two have not yet adjusted to one another. The vitreous body still wants to project objects as best it can, and the lens in its own way. And we must first wait until they have adjusted to one another. From this you can see how internally flexible the organic is, and how the functioning of the organic is based on the fact that activity is first differentiated into the lens and the vitreous body, and then the activity is in turn recomposed from these differentiated parts. One must then adapt to the other.
[ 32 ] Wir wollen aus allen diesen Dingen versuchen, nach und nach darauf zu kommen, wie sich aus dem Wechselverhältnis des Auges und der Außenwelt die farbenbunte Welt ergibt. Zu diesem Zweck, um dann morgen daran anknüpfen zu können Betrachtungen über diese Beziehung des Auges zur Außenwelt, wollen wir uns noch folgendes Experiment vor Augen führen.
[ 32 ] Based on all these points, we will try to gradually arrive at an understanding of how the colorful world arises from the interaction between the eye and the external world. To this end—so that we can continue tomorrow with reflections on this relationship between the eye and the external world—let us consider the following experiment.
[ 33 ] Sehen Sie, ich habe hier eine Scheibe so bestrichen, dass ich sie bestrichen habe mit den Farben, die uns vorhin als Regenbogenfarben Violett, Indigo, Blau, Grün, Gelb, Orange, Rot vor Augen getreten sind. Wenn Sie dieses Rad hier anschauen, so sehen Sie diese sieben Farben — ich habe es so gut gemacht, als es eben geht mit diesen Farben. Nun werden wir zuerst die Scheibe drehen. Sie sehen noch immer, nur eben in Bewegung, die sieben Farben und ich kann ziemlich stark drehen und Sie sehen in Bewegung die sieben Farben. Nun werde ich aber recht schnell die Scheibe zur Rotierung bringen. Sie sehen, wenn die Sache stark genug rotiert, so sehen Sie nicht mehr die Farben, sondern Sie sehen, ich glaube, ein einfarbiges Grau. Nicht wahr? Oder haben Sie etwas anderes gesehen? («Lila», «Rötlich».) Ja, das ist nur aus dem Grunde, weil das Rot etwas zu stark ist gegenüber den anderen Farben. Ich habe zwar versucht, die Stärke durch den Raum auszugleichen,“ aber Sie würden, wenn die Anordnung ganz richtig wäre, eigentlich ein einfarbiges Grau sehen. Wir müssen uns dann fragen: Warum erscheinen uns diese sieben Farben in einfarbigem Grau? Diese Frage wollen wir morgen beantworten. Heute wollen wir nur noch hinstellen, was die moderne Physik sagt. Sie sagt — hat auch schon zu Goethes Zeiten gesagt: Da habe ich die Regenbogenfarben Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Indigo, Violett. Jetzt bringe ich die Scheibe in Rotierung. Dadurch kommt der Lichteindruck nicht zur Geltung im Auge, sondern wenn ich hier das Rot eben gesehen habe, dann ist durch die rasche Rotierung schon das Orange da, und wenn ich das Orange gesehen habe, schon das Gelb und so weiter. Und dann, während ich noch die übrigen Farben habe, ist schon wieder das Rot da. Dadurch habe ich alle Farben zu gleicher Zeit. Es ist der Eindruck vom Rot noch nicht vorüber, wenn das Violett kommt. Dadurch setzt man für das Auge die sieben Farben zusammen und das muss wiederum Weiß geben.
[ 33 ] Look, I’ve painted this disc here using the colors we just saw as the colors of the rainbow: violet, indigo, blue, green, yellow, orange, and red. If you look at this wheel here, you’ll see these seven colors—I’ve done the best job possible with these colors. Now we’ll start by spinning the disc. You can still see the seven colors, just in motion, and I can spin it pretty fast, and you’ll see the seven colors as it moves. But now I’m going to make the disc spin quite quickly. You’ll see that when it spins fast enough, you no longer see the colors; instead, you see—I believe—a uniform gray. Isn’t that right? Or did you see something else? (“Purple,” “Reddish.”) Yes, that’s only because the red is a bit too strong compared to the other colors. I did try to balance out the intensity across the space,” but if the arrangement were completely correct, you would actually see a solid gray. We must then ask ourselves: Why do these seven colors appear to us as a solid gray? We’ll answer that question tomorrow. Today, we’ll just note what modern physics says. It says—and this was already said in Goethe’s time: Here I have the colors of the rainbow: red, orange, yellow, green, blue, indigo, and violet. Now I set the disc in rotation. As a result, the impression of light does not come into full effect in the eye; rather, just as I have seen the red here, the rapid rotation means that the orange is already there, and once I have seen the orange, the yellow is already there, and so on. And then, while I still perceive the remaining colors, the red is already back. As a result, I perceive all the colors at the same time. The impression of red has not yet faded when violet appears. This combines the seven colors for the eye, and that, in turn, must result in white.
[ 34 ] Dieses war auch die Lehre zu Zeiten Goethes. Goethe hat das als Lehre empfangen: Wenn man den Farbenkreisel macht, ihn rasch rotieren lässt, dann werden die sieben Farben, die so artig gewesen sind, auseinanderzutreten aus dem Lichtzylinder, die werden sich wieder vereinigen im Auge selbst. Aber Goethe hat niemals ein Weiß gesehen, sondern er hat gesagt: Es kommt niemals etwas anderes zustande als ein Grau." Allerdings, die neueren Physikbücher finden auch, dass nur ein Grau zustande kommt. Aber damit die Geschichte doch weiß wird, so raten sie, man soll in der Mitte einen schwarzen Kontrastkreis machen, dann wird das Grau im Kontrast weiß erscheinen. Also, Sie sehen, in einer netten Weise wird das gemacht. Manche Leute machen es mit «fortune», die Physiker machen es mit «nature». So wird die Natur korrigiert. Das findet überhaupt bei einer Anzahl der fundamentalsten Tatsachen statt, dass die Natur korrigiert wird.
[ 34 ] This was also the prevailing theory in Goethe’s time. Goethe accepted this as a scientific principle: If you make a color wheel and spin it rapidly, the seven colors—which have been so well-behaved as to separate from the cylinder of light—will reunite within the eye itself. But Goethe never saw white; instead, he said, “Nothing other than gray ever results.” Admittedly, more recent physics textbooks also conclude that only gray results. But to make the story “white” after all, they advise placing a black contrast circle in the center, so that the gray will appear white by contrast. So, as you can see, this is done in a clever way. Some people do it with “fortune”; physicists do it with “nature.” That’s how nature is corrected. This happens with a number of the most fundamental facts—that nature is corrected.
[ 35 ] Sie sehen, ich suche so vorzugehen, dass die Basis geschaffen wird. Wir werden gerade, wenn wir eine richtige Basis schaffen, für alle anderen Gebiete die Möglichkeit bekommen, vorwärtszukommen.
[ 35 ] As you can see, I’m trying to proceed in a way that lays the groundwork. It is precisely by establishing a solid foundation that we will be able to make progress in all other areas.
