Second Scientific Course
The warmth at the boundary between positive and negative materiality
Insights from Spiritual Science on the Development of Physics
GA 321
14 March 1920, Stuttgart
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Second Scientific Course, tr. SOL
Vierzehnter Vortrag
Fourteenth Lecture
[ 1 ] Ich werde nur durch einige Hinweise diese Betrachtungen heute vorläufig abschließen können. Es ist ja selbstverständlich, daß dasjenige, was versucht worden ist in dem vorigen und in diesem Kursus, letztlich erst so recht herauskommen kann, wenn wir in der Lage sein werden, die Betrachtungen fortzusetzen. Ich werde über diese Dinge am Ende der heutigen Stunde noch ein paar Bemerkungen zu machen haben. Zunächst möchte ich Sie aber aus der ganzen Summe desjenigen, was wir vor unserer Anschauung vorbeigeführt haben in bezug auf die Wärmeerscheinungen und damit Verwandtes, aus dem Umkreis der Vorstellungen, die Sie dadurch haben gewinnen können, heute auf einiges aufmerksam machen. Das ist zunächst dieses:
[ 1 ] I will be able to conclude these remarks for now with just a few points. It goes without saying that what we have attempted in the previous course and in this one will ultimately only come into its own when we are in a position to continue our exploration. I will have a few more remarks to make about these matters at the end of today’s session. First, however, I would like to draw your attention today to a few points from the entire body of material we have reviewed regarding thermal phenomena and related topics—specifically, from the range of mental images you have been able to gain through this process. The first of these is this:
[ 2 ] Wir haben, wenn wir dieses noch einmal uns vor Augen führen, Wirklichkeitsgebiete im Physischen unterschieden: Das feste Gebiet, das wir \(z’\) genannt haben, das flüssige Gebiet, das wir \(y’\) genannt haben, das gasige oder luftförmige Gebiet, das wir \(x’\) genannt haben. Dann haben wir dazwischen gehabt das Wärmegebiet, haben \(x\) als Lichtgebiet gehabt, \(y\) als Gebiet chemischer Effekte, \(z\) als die Lebenswirkungen.
[ 2 ] If we review this once more, we have distinguished regions of reality in the physical realm: the solid region, which we have called \(z’\); the liquid region, which we have called \(y’\); and the gaseous or air-like region, which we have called \(x’\). Then, in between, we had the realm of heat; we had \(x\) as the realm of light, \(y\) as the realm of chemical effects, and \(z\) as the realm of life forces.


[ 3 ] Nun haben wir ganz bestimmte Beziehungen gestern uns vor Augen führen müssen, die gewissermaßen bestehen über das Wärmegebiet hinüber von \(x\) zu \(x’,\) von \(y\) zu \(y’.\) Wir haben versucht, die Tatsache uns vor Augen zu stellen, welche darauf hinweist, wie chemische Effekte vorzugsweise im flüssigen Element sich verwirklichen können. Wer versucht, chemische Vorgänge zu verstehen, wird ja finden: Wo auch chemische Vorgänge vor sich gehen, in einer gewissen Weise ist alles, was an chemischen Verbindungen und chemischen Entbindungen, chemischen Zersetzungen entsteht, an das flüssige Element gebunden. Es muß das Flüssige seine besondere Art wirken zu lassen, in das Feste oder Gasförmige hinein fortsetzen, damit dort chemische Wirkungen zustande kommen. Und so können wir ein Ineinanderwirken der chemischen Effekte und des Flüssigen bei einer relativen Scheidung dieser beiden Gebiete, also ein Durchdringen und im Durchdringen sich gewissermaßen binden, ins Auge fassen, wenn wir überhaupt von unserer irdischen Chemie sprechen. Unsere irdische Chemie würde also darstellen gewissermaßen ein Beleben des flüssigen Elementes durch die chemischen Effekte.
[ 3 ] Yesterday we had to consider very specific relationships that, in a sense, extend across the thermal region from \(x\) to \(x’\), and from \(y\) to \(y’\). We have attempted to bring to light the fact that indicates how chemical effects can occur primarily in the liquid state. Anyone who attempts to understand chemical processes will find that wherever chemical processes take place, in a certain sense, everything that arises—whether chemical combinations, chemical releases, or chemical decompositions—is bound to the liquid state. The liquid must allow its particular nature to take effect and extend into the solid or gaseous states so that chemical effects can come about there. And so, when we speak of our earthly chemistry at all, we can envision an interplay between chemical effects and the liquid—with a relative separation of these two realms—that is, a permeation and, in this permeation, a binding of sorts. Our earthly chemistry would thus represent, in a sense, an enlivening of the liquid element through chemical effects.
[ 4 ] Nun werden Sie sich aber leicht vorstellen können, daß, wenn wir diese Wirklichkeitsgebiete ins Auge fassen, wir unmöglich uns denken können, daß gewissermaßen nur immer über die Wärme und das Gasige hinweg ein solches Gebiet in das andere wirkt, sondern es werden auch die anderen Gebiete aufeinander wirken. Es werden auch die anderen Gebiete gewisse Effekte hervorrufen wiederum in diesem oder jenem Wirklichkeitsfeld. So daß wir auch sagen können: Wenn auch zunächst wie durch eine innere Verwandtschaft die chemischen Effekte besonders wirken im flüssigen Medium, so müssen wir uns aber auch eine Wirkungsweise vorstellen, die von den chemischen Effekten zum Beispiel auf das \(x’,\) geht, also ein direktes Hineinwirken der chemischen Effekte in das Gasige, das Luftförmige.
[ 4 ] Now, however, you can easily form a mental image of what it would be like if we considered these realms of reality, as we cannot possibly conceive of one such realm acting upon another solely through heat and gaseous matter, so to speak; rather, the other realms will also interact with one another. The other realms will also, in turn, produce certain effects in this or that realm of reality. So we can also say: Even if, at first, as if by an inherent affinity, the chemical effects act particularly strongly in the liquid medium, we must also have in our mental image a mode of action that extends from the chemical effects, for example, to \(x’\), that is, a direct influence of the chemical effects into the gaseous, the air-like state.
[ 5 ] Sie müssen, wenn ich jetzt sage «chemische Effekte», nur ja nicht an die chemischen Vorgänge denken. Sondern Sie müssen, wenn ich sage «chemische Effekte», an dasjenige denken, was ja wie ein inneres, durchgeistigtes Element im blauvioletten Teil des Spektrums uns klar entgegentritt, wo gewissermaßen die chemischen Effekte sich uns in einer gewissen Selbständigkeit gegenüber dem materiellen Dasein zeigen, während, wenn wir von chemischen Vorgängen sprechen, wir eigentlich schon sprechen von dem Durchdringen des Materiellen durch die chemischen Effekte. Bei diesen müssen wir uns vorstellen etwas, was mit unserer ponderablen Materie zunächst nichts zu tun hat, sondern sie durchdringt, also zunächst durch eine innere Verwandtschaft, deren Charakter ich Ihnen gestern zusammengestellt habe, das flüssige Element durchdringt. Aber wenn wir die Frage aufwerfen: Wenn nun gewissermaßen sich diese chemischen Effekte das nähere Element, das Luftförmige, zu ihrem Wirken wählen, wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf, was entsteht denn dann? Dann muß - wir bleiben ja immer im Anschaulichen — im Luftförmigen etwas entstehen, was in einer gewissen Beziehung vorgestellt werden kann dadurch, daß wir es vergleichen mit dem, was im Flüssigen besteht. Im Flüssigen packt gewissermaßen das Wesen der chemischen Effekte die Materie an, bringt die Materien so durcheinander, daß diese Materien selbst in Wechselwirkungen treten. Wenn wir das flüssige Element uns vorstellen, müssen wir uns denken, daß die Materien da drinnen selbst in Wechselwirkung treten bei den chemischen Vorgängen. Nehmen wir aber an, es kommt nicht bis dahin, daß die chemischen Effekte die Materien selber anpacken, sondern nehmen wir an, sie bearbeiten diese Materien nur von außen, sie bleiben der Materie um ein Stück fremder, als sie es im flüssigen Medium sein können, dann tritt etwas ein, was sich stärker als ein Nebenhergehen der chemischen Effekte zeigen muß in dem luftförmigen Körper als in der Flüssigkeit. Dann muß eine gewisse Selbständigkeit des Imponderablen gegenüber dem materiellen Träger stattfinden. Bei den chemischen Vorgängen faßt das Imponderable die Materie scharf an. Hier werden wir auf Gebiete gewiesen, wo ein solch scharfes Anfassen nicht ist, sondern wo das Imponderable nicht drinnen bleibt in der Materie: Das ist bei dem Akustischen, bei den Tonwirkungen der Fall. Während wir in den chemisch-materiellen Wirkungen ein vollständiges Untertauchen des Imponderablen in die Materie haben, haben wir beim Ton ein Wahren, ein Sich-Bewahren des Imponderablen in der gasigen, der luftförmigen Materie. Das aber führt uns jetzt zu etwas anderem. Es führt uns dazu, daß wir uns sagen müssen: Es muß doch ein Grund da sein, warum im Flüssigen das Imponderable die Materie direkt angreift, daß aber dann, wenn Tonwirkungen im Luftförmigen auftreten, das Imponderable die Materie weniger erfassen kann.
[ 5 ] When I say “chemical effects,” you mustn’t think of chemical processes. Instead, when I say “chemical effects,” you must think of that which clearly presents itself to us as an inner, spirit-infused element in the blue-violet part of the spectrum—where, in a sense, the chemical effects reveal themselves to us with a certain independence from material existence—whereas, when we speak of chemical processes, we are actually already speaking of the permeation of the material by these chemical effects. In this context, we must create a mental image of something that initially has nothing to do with our ponderable matter, but rather permeates it—that is, initially permeates the liquid element through an inner kinship, the nature of which I outlined for you yesterday. But if we raise the question: If, so to speak, these chemical effects choose the nearer element—the airy element—as the medium for their action, if I may use that expression, what then comes into being? Then—since we are always remaining within the realm of the concrete—something must arise within the airy element that can be conceived as a mental image by comparing it to what exists in the liquid. In the liquid element, the nature of the chemical effects, so to speak, engages with the matter, stirring it up in such a way that the materials themselves enter into interactions. When we have a mental image of the liquid element, we must conceive of the materials within it as interacting with one another during the chemical processes. But let us suppose that it does not go so far that the chemical effects directly engage the materials themselves; rather, let us suppose that they act upon these materials only from the outside, remaining somewhat more alien to the matter than they can be in the liquid medium. In that case, something occurs that must manifest itself more strongly in the gaseous body than as a mere accompaniment of the chemical effects in the liquid. Then a certain independence of the imponderable must occur in relation to the material carrier. In chemical processes, the imponderable grips the matter sharply. Here we are directed to areas where such a sharp grip does not exist, but where the imponderable does not remain within the matter: this is the case with acoustics, with sound effects. While in chemical-material effects we have a complete immersion of the imponderable into matter, with sound we have a preservation, a self-preservation of the imponderable within gaseous, air-like matter. But this now leads us to something else. It leads us to the conclusion that we must say to ourselves: There must be a reason why, in liquids, the imponderable directly affects matter, but why, when sound effects occur in air, the imponderable is less able to affect matter.
[ 6 ] Wenn wir chemische Wirkungen betrachten und einen Sinn haben für innerlich physikalisch Anschauliches, dann werden wir selbstverständlich verspüren, daß es eben einfach zum Wesen des Materiellen gehört, daß die chemischen Wirkungen gerade so vor sich gehen, wie sie vor sich gehen, das heißt, das Imponderable ist da wie etwas, was ein Merkmal an der Materie ist. Das ist nicht anders möglich als dadurch, daß in diesem Falle, wenn wir es mit einer irdischen Materie 'zu tun haben, das Erfassen des Imponderablen durch die Erde selber stattfindet. Durch die Kräfte der Erde wird gewissermaßen der chemische Effekt erfaßt und arbeitet in der flüssigen Materie drinnen. Sie sehen die Gestaltungskraft über das ganze Gebiet der Erde ausgedehnt und wirksam, indem sich diese Gestaltungskraft bemächtigt des herandringenden chemischen Effektes.
[ 6 ] If we consider chemical processes and have a sense of what is physically tangible within them, then we will naturally feel that it is simply part of the nature of matter that chemical processes occur exactly as they do—that is, the imponderable is present as a characteristic of matter. This is only possible because, in this case—when we are dealing with earthly matter—the Earth itself apprehends the imponderable. Through the forces of the Earth, the chemical effect is, so to speak, grasped and works within the liquid matter. You see the formative force extended and active across the entire surface of the Earth, as this formative force takes hold of the approaching chemical effect.
[ 7 ] Wenn wir das nur richtig verstehen, daß es hier die Kraft der Erde ist, dann müssen wir, wenn wir richtig erfassen wollen das Weben des Tones in der Luft, die umgekehrte Kraft voraussetzen. Das heißt: Wir müssen im Tone uns wirksam denken die von der Erde nach allen Richtungen des Weltraumes hinausgehende, die Kräfte der Erde überwindende Tendenz, die also das Imponderable von der Erde wegbringt. Das macht das Eigentümliche der Tonwelt aus. Das macht das Eigentümliche aus bei der Physik der Töne, der Akustik, daß wir auf der einen Seite fähig sind, die materiellen Vorgänge physikalisch zu studieren, und auf der anderen Seite im Grunde genommen gar nichts von irgendeiner Rücksicht zu nehmen brauchen auf diese Akustik, wenn wir in der Welt der Töne mit unseren Empfindungen leben. Was geht uns schließlich, als empfindender Mensch, wenn wir die Töne wahrnehmen, alle Akustik an? Diese Akustik ist schön, weil sie merkwürdige innere Regelmäßigkeiten und Geserzmäßigkeiten uns enthüllt, aber dasjenige, was sich als das subjektive Erlebnis in der Welt der Töne darlebt, das ist weit, weit entfernt von dem, was sich da als Physik der Akustik abspielt im Materiellen. Und das ist aus dem Grunde, weil das Tonelement eben seine Selbständigkeit dadurch bewahrt, daß es eigentlich uns seinem Ursprunge nach sich zeigt ebenso von der Peripherie des Weltenalls her bestimmt, wie sich uns die chemischen Vorgänge in der flüssigen Materie, als von dem Zentrum unserer Erde her bestimmt, zeigen.
[ 7 ] If we only understand correctly that what is at work here is the force of the Earth, then—if we wish to grasp correctly the weaving of sound in the air—we must assume the opposite force. That is to say: We must effectively conceive within the sound the tendency radiating outward from the Earth in all directions of space, overcoming the Earth’s forces—a tendency that thus carries the imponderable away from the Earth. This is what constitutes the distinctive nature of the world of sound. What makes the physics of sound—acoustics—so distinctive is that, on the one hand, we are able to study the material processes physically, and on the other hand, we essentially need not take this acoustics into account at all when we live in the world of sound through our sensations. After all, as sentient human beings, what does all this acoustics matter to us when we perceive sounds? This acoustics is beautiful because it reveals to us strange inner regularities and rhythms, but what unfolds as subjective experience in the world of sounds is far, far removed from what takes place in the material realm as the physics of acoustics. And this is because the element of sound preserves its independence precisely by revealing itself to us, in terms of its origin, as determined from the periphery of the universe, just as chemical processes in liquid matter reveal themselves to us as determined from the center of our Earth.
[ 8 ] Nun, der eine Zusammenhang, den wir ebensogut gestern schon beim Vortrag des Herrn Dr. Kolisko hätten erwähnen können, zeigt sich aber erst, wenn wir gewissermaßen zu einer Universalbetrachtung aufsteigen: daß wir ja die Anordnung der Elemente im periodischen System uns unter dem Bild der Oktave vorstellen können. Darin zeigt sich eine Analogie zwischen der inneren Gesetzmäßigkeit der Töne und dem ganzen Aufbau der Materie, wie sie sich vorbereitet, chemische Vorgänge zu entfalten. Dadurch rechtfertigt sich aber auch, daß wir das ganze Verbinden und Lösen des materiellen Daseins wie ein äußeres Bild auffassen einer inneren Weltenmusik und daß diese innere Weltenmusik eben nur in einem besonderen Falle sich uns enthüllt in der irdischen Musik. Diese irdische Musik darf am allerwenigsten etwa bloß so angesehen werden, daß wir sagen: Was in uns Ton ist, ist außen schwingende Luft. Das muß als geradeso unsinnig betrachtet werden, wie man etwa es als unsinnig empfinden würde, wenn man sagen würde: Was du außen als Leib bist, das bist du, von innen betrachtet, als Seele, nur für dich. — Jetzt fehlt uns das Subjekt. Also dieses Fehlen des Subjektes ist auch da, wenn wir den Ton in seinen inneren Gesetzmäßigkeiten als dasselbe, als identisch betrachten wollen mit den Verdünnungen und Verdichtungen der Luft, die äußerlich im luftförmigen Medium seine Träger sind. Nun, wenn Sie dieses sich richtig vor Augen führen, so werden Sie sehen: Wir haben. es zu tun mit einer gewissen Beziehung von \(y\) zu \(y’\) bei den chemischen Vorgängen, und wir haben es zu tun mit einer gewissen Beziehung von \(y\) zu \(x’\) bei den Tonwirkungen (siehe Schema).
[ 8 ] Well, the one connection—which we might just as well have mentioned yesterday during Dr. Kolisko’s lecture—only becomes apparent when we, so to speak, rise to a universal perspective: namely, that we can form a mental image of the arrangement of the elements in the periodic table in terms of the octave. This reveals an analogy between the inner laws governing tones and the entire structure of matter as it prepares to unfold chemical processes. This also justifies our view that the entire process of combining and separating in material existence is an external reflection of an inner music of the worlds—and that this inner music of the worlds reveals itself to us only in one particular instance: earthly music. This earthly music must by no means be regarded merely in such a way that we say: What is sound within us is vibrating air on the outside. This must be regarded as just as nonsensical as it would be nonsensical, for example, to say: What you are on the outside as a body, that is what you are, viewed from the inside, as a soul—but only for yourself. — Now we lack the subject. So this absence of the subject is also present when we wish to regard sound, in its inner laws, as the same—as identical—with the rarefactions and compressions of the air that externally serve as its carriers in the gaseous medium. Now, if you really bring this to mind, you will see: We are dealing with a certain relationship between \(y\) and \(y’\) in chemical processes, and we are dealing with a certain relationship between \(y\) and \(x’\) in the effects of sound (see diagram).
[ 9 ] Ich habe Sie darauf hingewiesen, daß, wenn wir innerhalb des einen oder anderen Gebietes bleiben, wir immer bei dem, was wir in der Außenwelt gewahr werden, zu Niveaudifferenzen geführt werden. Nun versuchen Sie zu verspüren das mit Niveaudifferenzen Ähnliche bei dem, was uns hier entgegentrritt, versuchen Sie einfach zu verspüren das Ähnliche, sagen wir mit einer Niveaudifferenz, wie sie einfach bei der Schwerkraft auftritt, wo ein Wasser stürzt, wo auch die treibende Kraft bei einem Rade auf der Niveaudifferenz beruht. Versuchen Sie sich klarzumachen, daß Temperaturdifferenz, Wärmedifferenz, Klangdifferenz, der Ausgleich von Elektrizität auf Niveaudifferenz beruht. Also auf Niveaudifferenz. Wir kommen immer auf Niveaudifferenzen, wenn wir Wirkungen verfolgen. Aber was haben wir denn da? (Siehe Schema, Bogen \(y - y’.\)) Wir haben da eine innere Verwandtschaft zwischen dem, was wir im Spektrum wahrnehmen, und dem Materiellen in der Flüssigkeit. Und dasjenige, was sich uns darstellt, indem wir einen chemischen Vorgang beobachten, ist selber nichts anderes als der Unterschied des Daseins zwischen den chemischen Effekten und den Kräften, die in der Flüssigkeit sind. Es ist eine Niveaudifferenz \( y - y’.\) Und dann ist da eine geringere Niveaudifferenz \(y - x’,\) welche uns in den Tonwirkungen entgegentritt. So daß wir sagen können: Mit Bezug auf die Wirklichkeitsgebiete kann uns ein chemischer Vorgang eine Niveaudifferenz sein zwischen chemischen Effekten und Flüssigkeitskräften. Und das Auftreten des Tones und Klanges in der Luft muß uns sein die Niveaudifferenz zwischen demjenigen, was in den chemischen Effekten gestaltend, durch die Welt schießend wirkt, aber peripherisch von außen, und dem Materiellen des Gases, des luftförmigen Körpers.
[ 9 ] I have pointed out to you that, if we remain within one area or another, we are always led to differences in level in what we perceive in the outside world. Now try to sense something similar to differences in level in what we encounter here; simply try to sense something similar—let’s say, a difference in level like the one that occurs with gravity, where water falls, or where the driving force of a wheel is also based on a difference in level. Try to realize that differences in temperature, heat, and sound, as well as the equalization of electricity, are based on differences in level. That is, on differences in level. We always come back to differences in level when we trace effects. But what do we have here? (See diagram, arc \(y - y’\).) There is an intrinsic connection between what we perceive in the spectrum and the material substance in the liquid. And what presents itself to us when we observe a chemical process is itself nothing other than the difference in existence between the chemical effects and the forces present in the liquid. It is a level difference \( y - y’.\) And then there is a smaller level difference \(y - x’\), which presents itself to us in the sound effects. So that we can say: With regard to the realms of reality, a chemical process can represent a level difference between chemical effects and the forces within the liquid. And the occurrence of tone and sound in the air must be for us the difference in level between that which acts formatively in the chemical effects—shooting through the world, yet peripherally from the outside—and the material nature of the gas, the air-like body.
[ 10 ] Auch dasjenige, was durch diese Wirklichkeitsgebiete selbst sich äußert, äußert sich dadurch, daß sich Niveaudifferenzen herausbilden. Ob wir in einem Element bleiben, in der Wärme oder gar im Gas oder im Wasser: Auf Niveaudifferenzen beruhen die Dinge. Aber daß wir überhaupt Unterschiede wahrnehmen zwischen diesen Gebieten, das beruht auf den Niveaudifferenzen der Effekte dieser Gebiete selber.
[ 10 ] Even that which manifests itself through these realms of reality does so by the formation of differences in level. Whether we remain within a single element—heat, or even a gas or water—things are based on differences in level. But the fact that we perceive differences between these realms at all is due to the differences in the levels of the effects of these realms themselves.


[ 11 ] Wenn Sie das alles zusammennehmen, so werden Sie auf folgendes kommen: Gehen wir bis zur Flüssigkeit und ihrer relativen Oberfläche, so müssen wir sagen: Wir haben es für die festen Körper zu tun mit Erdkräften. Inwiefern die Gestaltungskräfte — die figurativen Energien könnte man sagen, wenn man den Ausdruck der heutigen Physik anwenden wollte - verwandt sein müssen mit der Schwerkraft, ist Ihnen ja vor Augen getreten in den verflossenen Betrachtungen. Gehen wir aber von da über zu den Kräften, die sich als Schwerkraft äußern, zu demjenigen, was sich uns im gewöhnlichen Leben wegen der Größe der Erde als Niveau charakterisiert, so finden wir eine Sphäre. Natürlich, dasjenige, was die verschiedenen Niveauflächen des Wassers sind, bildet zusammen eine Sphäre. Nun werden Sie sehen, wenn man nach auswärts dringt, vom Mittelpunkt der Erde gegen diese Sphären hindringt, so ist das so, daß wir uns sagen müssen: Für irdische Verhältnisse haben wir es, wenn Kräfte wirken, die im Bereich des Festen sind, zu tun mit Umschließungskräften; wenn Kräfte wirken, die in der Flüssigkeit sind, haben wir es zu tun mit Kräften, welche eigentlich in ihrer Konfiguration erreicht werden können, etwa indem man die Tangente hier zieht, oder die Tangentialebene legen würde. Wenn wir aber noch weiter hinausgehen, wenn wir über das Gebiet der Sphären dringen, so müssen wir doch folgendes sagen: Unter diesen Sphären haben wir es mit Gestaltungskräften für unsere festen Körper zu tun, mit Gestaltungskräften, die auf der Erde selbst noch die Körperräume abschließen. Hier (die gestrichelte Sphäre) haben wir es zu tun mit einer einzigen Gestalt, die vielen Gestalten verbinden sich gewissermaßen, durchdringen sich zu der einen Gestalt, welche das flüssige Element der Erde hat. Aber wenn wir jetzt hier (außerhalb der Sphäre) hinauskommen — wie müssen wir uns denn da eine Vorstellung bilden, indem wir vorgedrungen sind heraus aus dem, was sich einzeln gestaltet, was also im Inneren bewirkt, daß der feste Körper sich zusammenschließt, daß das Ganze eine Gestalt ist -, wie müssen wir, wenn wir da hinauskommen, uns die Sache vorstellen? So müssen wir sie uns vorstellen, daß wir das Entgegengesetzte haben. Haben wir hier den festen Körper, mit Materie ausgefüllt, dann müssen wir hier uns den Raum mit negativer Materie ausgespart denken. Hier haben wir eine Raumerfüllung, hier eine Raumentleerung.
[ 11 ] If you take all of this together, you will arrive at the following conclusion: If we consider liquids and their relative surfaces, we must say that, in the case of solid bodies, we are dealing with terrestrial forces. The extent to which the formative forces—one might call them “figurative energies,” if one were to use the terminology of modern physics—must be related to gravity has already become clear to you in our previous considerations. But if we move from there to the forces that manifest as gravity—to what, in ordinary life, is characterized as a level surface due to the size of the Earth—we find a sphere. Of course, the various levels of the water’s surface together form a sphere. Now you will see that as one moves outward—from the center of the Earth toward these spheres—we must conclude that: In earthly terms, when forces act within the realm of solids, we are dealing with enclosing forces; when forces act within a liquid, we are dealing with forces whose configuration can actually be determined—for example, by drawing a tangent here or establishing a tangential plane. But if we go even further out, if we venture beyond the realm of the spheres, we must say the following: Among these spheres, we are dealing with formative forces for our solid bodies—formative forces that, even on Earth itself, still enclose the spaces of the bodies. Here (the dashed sphere) we are dealing with a single form; the many forms, so to speak, unite and interpenetrate to form the one form that the liquid element of the Earth possesses. But when we now emerge from here (outside the sphere)—how are we to form a mental image of it, having advanced beyond what takes shape individually, what thus brings about within the solid body its cohesion, so that the whole is a single form—how are we to conceive of the matter when we emerge from there? We must create a mental image of it in such a way that we have the opposite. If we have here the solid body, filled with matter, then we must conceive of space here as being hollowed out with negative matter. Here we have a filling of space; here, an emptying of space.
[ 12 ] Das muß eine Vorstellung der Menschen werden, daß eine Raumentleerung möglich ist. Und indem ja wahrhaftig dasjenige, was auf der Erde geschieht - ich will es heute nur so sagen, später wird es uns noch eingehender beschäftigen —, durchaus nicht nur etwa sich zeigt als von einer Seite her beeinflußt, sonst müßten die Vorgänge auf der Erde ganz andere sein, zeigt sich die Erde von allen Seiten in differenzierter Weise beeinflußt. Es würde zum Beispiel ja nicht möglich sein, daß Unterschiede in den Kontinenten und in der Wasserverteilung zwischen Nordpol und Südpol auftreten, wenn im Umkreis nur ein solcher Hohlraum irgendwo im Raume wäre. Es müssen von verschiedenen Seiten her diese Raumaussparungen wirken. Suchen wir sie, so finden wir sie in dem, was man in den alten kosmischen Systemen die Planeten genannt hat, zu denen man noch die Sonne selbst gerechnet hat.
[ 12 ] People must develop a mental image of what it would be like to empty space. And since what happens on Earth—I’ll just put it this way today; we’ll examine it in greater detail later—is by no means influenced from just one direction—otherwise the processes on Earth would be entirely different—it becomes clear that the Earth is influenced in varied ways from all directions. For example, it would not be possible for differences to arise in the continents and in the distribution of water between the North Pole and the South Pole if there were only one such void somewhere in space. These spatial voids must be acting from various directions. If we seek them, we find them in what were called “planets” in the ancient cosmological systems—a category that also included the Sun itself.
[ 13 ] Wir werden also hinausgetrieben über das Gebiet der Erde in das Gebiet des Kosmos und wir müssen den Übergang finden von der einen Seite des Raumes zu der anderen Seite des Raumes, wir müssen den Übergang finden von Raumerfüllung zu Raumentleerung. Und diese Raumentleerung müssen wir uns für unsere Erdenwirkung lokalisiert denken in den Planeten, die die Erde umgeben. Es werden daher auf unserer Erde — weil immer dasjenige, was durch die Raumentleerung hereinwirkt, gewissermaßen als Saugwirkung, und dasjenige, was hier wirkt durch die Gestaltungskräfte, als Druckwirkung erscheint —, es werden in jedem Punkte, wo Erdengeschehen stattfinden kann, Wechselwirkungen stattfinden zwischen Irdischem und Kosmischem. Diese Wechselwirkungen treten uns entgegen in denjenigen Konfigurationen des Erdengeschehens, die man gewöhnlich in Molekularkräften, Molekularanziehungen sucht, während wir es wirklich so machen müßten, wie man aus anderen Erkenntnisvoraussetzungen es in früheren Zeiten gemacht hat. Statt daß man, wenn man etwas vor sich hat wie eine Materienwirkung, bei der ja immer Imponderables beteiligt ist, den ganzen Kosmos sich ausdrücken läßt in seiner Wirkung, verlegt man dasjenige, was geschieht, in phantastisch ausgedachte innere Konfigurationen. Dasjenige, was die Sterne machen, was Riesen wirken, wenn sie in ihren gegenseitigen Beziehungen sich darstellen in den Vorgängen der Erde, das sollen die Zwerge der Atome und Moleküle zustande bringen. Das ist eben das, was wir nötig haben: daß wir wissen, wenn wir irgend etwas hineinzeichnen oder hineinrechnen in einen materiellen Prozeß unserer Erde, daß das nichts anderes ist als das Abbild von außerterrestrischen, von kosmischen Wechselwirkungen.
[ 13 ] We are thus driven out beyond the realm of the Earth into the realm of the cosmos, and we must find the transition from one side of space to the other; we must find the transition from the fullness of space to the emptiness of space. And we must conceive of this emptiness of space, in terms of its effect on Earth, as localized in the planets that surround the Earth. Therefore, on our Earth—because whatever acts upon it through the emptiness of space appears, so to speak, as a suction effect, and whatever acts here through the formative forces appears as a pressure effect— interactions will take place at every point where earthly events can occur, between the earthly and the cosmic. These interactions present themselves to us in those configurations of earthly events that are usually sought in molecular forces and molecular attractions, whereas we really ought to approach them as was done in earlier times based on different epistemological premises. Instead of allowing the entire cosmos to express itself in its effects—as is always the case with material phenomena, in which imponderables are always involved—we attribute what happens to fantastically imagined internal configurations. What the stars do, what giants accomplish when they manifest themselves in their mutual relationships through the processes on Earth—that is supposed to be brought about by the dwarfs of atoms and molecules. That is precisely what we need: to know that when we introduce anything—whether by drawing it in or calculating it into a material process on our Earth—it is nothing other than the reflection of extraterrestrial, cosmic interactions.


[ 14 ] Aber nun sehen Sie, wir haben hier die Kraft, den Raum mit Materiellem zu erfüllen (siehe Zeichnung, links). Hier haben wir noch immer die Kraft, den Raum mit Materiellem zu erfüllen, nur hat sich diese Kraft ausgedehnt, und sie muß irgendwo einmal ankommen auf der anderen Seite, sie muß zur Entleerung des Raumes kommen. Es muß da eine Region dazwischen sein, wo gewissermaßen, wenn ich mich so ausdrücken darf, der Raum zerreißt. Wir müssen uns sagen: Unser Raum, der uns um uns herum erscheint und der gewissermaßen das Gefäß ist für unsere physikalische Wirkung, der muß innig verbunden sein mit unseren physikalischen Wirkungen. Er muß etwas darstellen, was in diesen physikalischen Wirkungen drinnen ist. Aber indem wir vom Ponderablen ins Imponderable übergehen, zerreißt der Raum, und wenn er zerreißt, dann kommt durch den Riß herüber dasjenige, was nicht da ist, bevor er zerrissen ist. Nehmen wir an, wir reißen den dreidimensionalen Raum auf, und wir fragen: Was kommt denn da heraus aus dem Riß? — Wenn ich hier in meinen Finger schneide, kommt Blut heraus, das bleibt im dreidimensionalen Raum. Wenn ich aber den Raum selber zerschneide, kommt das heraus, was schon im Unräumlichen ist.
[ 14 ] But now you see, here we have the force to fill space with matter (see drawing, left). Here we still have the force to fill space with matter, only this force has expanded, and it must eventually reach the other side somewhere; it must lead to the emptying of space. There must be a region in between where, so to speak—if I may put it that way—space tears apart. We must realize: Our space, which appears around us and which, so to speak, is the vessel for our physical effects, must be intimately connected with our physical effects. It must represent something that is contained within these physical effects. But as we transition from the ponderable to the imponderable, space tears apart, and when it tears apart, what was not there before it tore apart comes through the tear. Let’s suppose we tear open three-dimensional space and ask: What comes out of the tear? — If I cut my finger here, blood comes out, and that remains within three-dimensional space. But if I cut open space itself, what emerges is that which is already in the non-spatial.
[ 15 ] Sehen Sie, hier liegt einer der Punkte, wo sich recht anschaulich zeigt, auf welchen Holzwegen die heutige physikalische Anschauungsweise ist. Nicht wahr, wenn wir elektrische Versuche im Schulzimmer machen, dann müssen wir unsere elektrischen Apparate sorgfältig abtrocknen, wir müssen sie zu schlechten Elektrizitätsleitern machen, sonst kriegen wir nichts fertig. Wenn sie feucht sind, kriegen wir nichts fertig. Aber es findet sich tatsächlich die Anschauung — ich habe das oftmals erwähnt -, als ob durch die Reibung der Wolken, die doch ganz gewiß feucht sind, nach Anschauung der Physiker die Elektrizität sich entwickelt und in Blitz und Donner zum Vorschein kommt. Das ist natürlich eine der unmöglichsten Vorstellungen, die nur überhaupt zu denken ist.
[ 15 ] You see, this is one of the points that quite clearly illustrates how far off track today’s approach to physics has gone. Isn’t it true that when we conduct electrical experiments in the classroom, we have to carefully dry our electrical apparatus; we have to make them poor conductors of electricity, otherwise we can’t get anything to work. If they’re damp, we can’t get anything to work. But there is indeed a view—I have mentioned this many times—that electricity develops through the friction of the clouds, which are certainly damp, and manifests itself in lightning and thunder, according to physicists. This is, of course, one of the most impossible mental images one could possibly conceive.
[ 16 ] Dagegen findet derjenige, der nun, um zu einem wirklichkeitsgemäßen Begriff zu kommen, alles das zusammenträgt, was wir hier versuchen, in unseren physikalischen Betrachtungen zusammenzutragen, daß in dem Augenblick, wo der Blitz erscheint, der Raum zerreißt, und dasjenige, was den Raum intensiv undimensional erfüllt, das tritt heraus, wie, wenn ich mich schneide, das Blut herausdringt. Das ist aber der Fall jedesmal, wenn Licht in Begleitung von Wärme erscheint: Der Raum zerreißt, der Raum enthüllt uns dasjenige, was in seinem Inneren ist, während er uns in seinen gewöhnlichen drei Dimensionen, die wir vor uns haben, nur seine Außenseite zeigt. Der Raum führt uns in sein Inneres.
[ 16 ] On the other hand, anyone who—in order to arrive at a concept that corresponds to reality—brings together everything we are attempting to bring together here in our physical considerations will find that, at the moment the flash of lightning appears, space tears apart, and that which intensely and one-dimensionally fills space bursts forth, just as blood gushes out when I cut myself. But this is the case every time light appears accompanied by heat: Space tears apart; space reveals to us what lies within it, whereas in its usual three dimensions—which we see before us—it shows us only its exterior. Space leads us into its interior.
[ 17 ] Wir dürfen sagen: Indem wir weiter aufsteigen vom Ponderablen ins Imponderable und gerade durch das Gebiet der Wärme gehen müssen, finden wir, daß die Wärme überall da herausquillt, wo wir aus den Druckwirkungen der ponderablen Materie in die Saugwirkungen des Imponderablen hineinkommen. Es quillt die Wärme überall heraus. Wenn Sie sich nun vorstellen, daß wir es zu tun haben mit dem Vorgange, den wir vor ein paar Tagen hier als Wärmeleitung bezeichneten, so müssen Sie daran die andere Vorstellung knüpfen, daß diese Wärmeleitung ja an die ponderable Materie gebunden ist, im Gegensatz zu dem, was wir ja auch aufgezeigt haben als die sich ausbreitende Wärme selbst. Die sich ausbreitende Wärme selbst finden wir ja jetzt als dasjenige, was da herausquillt, wenn der Raum zerreißt. Wie will denn diese Wärme wirken? Sie will aus der Intensität des Raumes in die Extensivität hineinwirken. Sie will gewissermaßen aus dem Inneren des Raumes in sein Außenwerk hineinwirken. Wenn sie in Wechselwirkung tritt mit einem materiellen Körper, so sehen wir die Erscheinung auftreten, die darin besteht, daß die Eigentendenz der Wärme aufgehalten wird, ihr Saugeffekt in einen Druckeffekt umgewandelt wird, daß sich der Weltentendenz der Wärme entgegenstellt die individualisierende Tendenz des Materiellen, die im festen Körper dann die gestaltende Kraft wird. Wir haben also in der Wärme, in dem Erscheinen der Wärme, sofern dieses Erscheinen zur Wärmeleitung führt, zu suchen eine jetzt nicht in Strahlen, sondern nach allen Seiten sich bildende Ausbreitungstendenz, wir haben zu suchen ein Spiegeln der imponderablen Materie an der ponderablen Materie, oder des Imponderablen an der ponderablen Materie. Der Körper, welcher uns die Wärme leitet, der bringt ja eigentlich fortwährend Wärme zum Vorschein, indem er im Grunde intensiv zurückstößt — nicht extensiv, wie beim Licht, das aber nur in seinen Bildern uns entgegentritt — die auf sein Materielles aufstoßende imponderable Wärme.
[ 17 ] We may say: As we continue to ascend from the ponderable to the imponderable and must pass precisely through the realm of heat, we find that heat emanates wherever we move from the compressive forces of ponderable matter into the suction forces of the imponderable. Heat emanates everywhere. If you now imagine that we are dealing with the process we referred to here a few days ago as heat conduction, you must link this to the other mental image that this heat conduction is, in fact, bound to ponderable matter—in contrast to what we have also pointed out as heat itself as it propagates. We now find the spreading heat itself to be that which wells up when space tears apart. How, then, does this heat act? It seeks to act from the intensity of space into its extensiveness. It seeks, so to speak, to act from the interior of space into its exterior. When it interacts with a material body, we observe the phenomenon whereby the inherent tendency of heat is held back, its suction effect is transformed into a pressure effect, and the universal tendency of heat is countered by the individualizing tendency of matter, which then becomes the formative force within the solid body. Thus, in heat—in the phenomenon of heat, insofar as this phenomenon leads to heat conduction—we must seek a tendency to propagate that now forms not in rays but in all directions; we must seek a reflection of imponderable matter upon ponderable matter, or of the imponderable upon ponderable matter. The body that conducts heat to us actually continually brings heat to light by, in essence, repelling it intensely—not extensively, as with light, which, however, confronts us only in its images—the imponderable heat that collides with its material substance.
[ 18 ] Nun möchte ich Sie aber bitten, solche Vorstellungen, wie wir sie ja gewohnt sind zu fassen, wirklich allmählich so zu verarbeiten, daß Sie in diesem Verarbeiten wirklich merken, wie wir es zu tun haben gewissermaßen mit wirklichkeitsgesättigten Vorstellungen. Und wie solche wirklichkeitsgesättigte Vorstellungen uns hineinführen in ein lebendiges Erfassen des Weltendaseins, das möge Ihnen noch ein Schlußbild veranschaulichen.
[ 18 ] Now, however, I would like to ask you to gradually process such mental images—as we are accustomed to conceiving them—in such a way that, in the course of this processing, you truly come to realize how we are, so to speak, dealing with mental images saturated with reality. And let a final image illustrate how such reality-saturated mental images lead us into a living grasp of our existence in the world.
[ 19 ] Ich habe Sie ja schon aufmerksam gemacht, worauf das Wahrnehmen, das subjektive Wahrnehmen, das Empfinden einer Temperatur beruht. Wir nehmen eigentlich die Temperaturdifferenz zwischen unserem eigenen Organismus und der Außenwelt wahr, was ja auch das Thermometer tut, ich habe Sie darauf aufmerksam gemacht. Nun beruht aber überhaupt alles Wahrnehmen darauf, daß wir innerhalb eines gewissen Gebietes etwas sind, und dasjenige, was außerhalb dieses Gebietes liegt, wird unsere Wahrnehmung. Wir können nicht etwas zugleich sein und es wahrnehmen, sondern wir müssen immer etwas anderes sein als dasjenige, was wir wahrnehmen. Nehmen wir also Töne wahr, so können wir, insofern wir Töne wahrnehmen, nicht selbst Töne sein. Und wenn wir unbefangen die Frage beantworten: Was sind wir, indem wir Töne wahrnehmen? - so können wir zu dem Schlusse kommen: Dann sind wir eben gerade dasjenige, was nun der andere Niveauunterschied ist. Diesen Niveauunterschied ( \(y-x’\) im Schema) nehmen wir wahr; \(y-y’\) nehmen wir nicht wahr, der sind wir während dieser Zeit; jene unsere Tonwahrnehmungen begleitenden, ebenso regelmäßig verlaufenden chemischen inneren Vorgänge in unserem Flüssigkeitsorganismus, die sind wir. Dasjenige, was die chemischen Effekte in uns bewirken, das zeichnet in die Welt hinein etwas sehr Regelmäßiges. Es ist keineswegs uninteressant, das folgende Bild zu betrachten. Sie wissen ja, der menschliche Körper besteht nur zu sehr geringen Teilen aus festen Bestandteilen, zu mehr als neunzig Prozent ist er eine Flüssigkeitssäule. Das, was da — und zwar an chemischen Vorgängen, die nur sehr feiner Art sind — in unserem Organismus sich abspielt während wir eine Symphonie anhören, das ist ein ganz innerer, fortwährend phosphoreszierender Wunderbau. Da sind wir, was die Chemie eines 'Tongemäldes ist. Und dadurch nehmen wir die Tonwelt wahr, daß wir gewissermaßen chemisch das werden, was die Tonwelt in dem Sinne ist, wie ich das hier dargestellt habe.
[ 19 ] I have already pointed out to you what perception—subjective perception, the sensation of temperature—is based on. We actually perceive the temperature difference between our own organism and the outside world—which is, after all, what a thermometer does, as I have pointed out to you. Now, however, all perception is based on the fact that we are something within a certain realm, and that which lies outside this realm becomes our perception. We cannot be something and perceive it at the same time; rather, we must always be something other than what we perceive. So when we perceive sounds, insofar as we perceive sounds, we cannot ourselves be sounds. And if we answer the question impartially: What are we when we perceive sounds?—then we can come to the conclusion: We are precisely that which constitutes the other difference in level. We perceive this difference in level ( \(y-x’\) in the diagram); we do not perceive \(y-y’\); that is what we are during this time; those internal chemical processes in our fluid organism—which accompany our perceptions of sounds and proceed just as regularly—that is what we are. That which the chemical effects bring about within us imprints something very regular onto the world. It is by no means uninteresting to consider the following image. As you know, the human body consists only of a very small proportion of solid components; more than ninety percent of it is a column of fluid. What takes place there—namely, chemical processes of a very subtle nature—within our organism while we listen to a symphony is an entirely inner, continuously phosphorescent marvel of construction. There we are, in terms of the chemistry of a “sound painting.” And we perceive the world of sound precisely because we, in a sense, chemically become what the world of sound is, in the sense that I have described here.
[ 20 ] Sie sehen, das Verständnis des Menschen wird wesentlich gefördert dadurch, daß man das physikalische Verständnis an den Menschen heranbringt. Nun aber handelt es sich, um so etwas zu erreichen, immer darum, daß wir nicht jene abstrakten Vorstellungen uns bilden, die insbesondere in der heutigen Physik beliebt sind, sondern daß wir zu Vorstellungen vordringen, die nun wirklich mit der Welt, der objektiven Welt verwoben sind. Es ist im Grunde genommen alles das, was Geisteswissenschaft als Erkenntnisstreben, aber auch als Gesinnungsstreben will, darauf hingehend, solches wirklichkeitsgemäßes Denken in der menschlichen Entwickelung wiederum heraufzubringen. Und es ist notwendig, daß das heraufkommt. Deshalb wäre es so sehr notwendig, daß gerade solche schönen Bestrebungen, wie sie jetzt während dieser letzten vierzehn Tage hier hervorgetreten sind, fortgesetzt würden. Sie können ja überall sehen, wie in der Gegenwart ein Altes abstirbt. Kann man es denn nicht an den physikalischen Vorstellungen, mit denen nichts anzufangen ist, wirklich sehen, wie ein Altes abstirbt? Und indem wir hier noch ganz unvollkommen -— denn es können ja nur immer Andeutungen ganz unvollkommener Art sein — versuchen, das physikalische Anschauen auch aufzubauen, zeigt sich denn darin nicht, wie sehr wir heute an einem Wendepunkte der menschlichen Entwickelung stehen?
[ 20 ] As you can see, our understanding of human beings is greatly enhanced by bringing our understanding of physics closer to human beings. But in order to achieve this, it is always a matter of not forming those abstract mental images that are particularly popular in modern physics, but rather of advancing to mental images that are truly interwoven with the world—the objective world. Essentially, everything that Spiritual Science seeks—both as a quest for knowledge and as a quest for a new mindset—is aimed at bringing this kind of reality-based thinking back into human development. And it is necessary for this to emerge. That is why it would be so very necessary for precisely such beautiful endeavors as those that have come to the fore here over the past fourteen days to be continued. You can see everywhere how something old is dying away in the present. Can we not truly see, in the mental images that are of no use to us, how something old is dying away? And as we attempt here—albeit still quite imperfectly, for these can only ever be very imperfect hints—to develop a physical perspective as well, does this not reveal just how much we are standing today at a turning point in human development?
[ 21 ] Sehen Sie, meine lieben Freunde, so etwas muß uns immer darauf aufmerksam machen: Wir sollen diese Dinge fortsetzen, die jetzt eingetreten sind dadurch, daß Herr Dr. von Baravalle, Herr Dr. Blümel, Herr Strakosch, Herr Dr. Kolisko hier auf den verschiedensten Gebieten angeregt haben, dasjenige, was die Entwickelung der Menschheit bis jetzt gegeben hat, mit einem neuen Einschlag zu versehen. Dadurch liefern wir erst die Grundlage für ein Weiterkommen. Denn sehen Sie, draußen in der Welt reden die Leute davon, es müsse aufgebaut werden. Volkshochschulen müßten begründet werden. Ja, aber, was heißt denn das heute draußen in der Welt: Man fordert Volkshochschulen? Die dänische Volkshochschulbewegung wird uns vorgewiesen. Was heißt denn das alles, was da Volkshochschulen fordert? Man trägt dasjenige, was an den alten Hochschulen getrieben worden ist, in die Volkshochschulen hinein. Dadurch wird nichts Neues geschaffen. Dadurch wird nur von demjenigen, von dem bis jetzt nur unsere gelehrte Bildung angesteckt war, das ganze Volk angesteckt. Es gibt kaum etwas Trostloseres als den Zukunftsgedanken, daß nun dasjenige, was die Köpfe unserer Gelehrten und Gebildeten in dieser Weise verwüstet hat, wie wir es gesehen haben, nun auch noch auf dem Wege des Volkshochschulwesens die ganze gebildete Bevölkerung der Erde ebenso erstarren machen soll. Will man Volkshochschulen errichten, dann hat man vor allen Dingen dafür zu sorgen, daß dort etwas gelehrt werden kann, was selber in seiner inneren Konfiguration ein Aufbau ist. Wir brauchen ja erst die Wissenschaft, die an den Volkshochschulen getrieben werden kann. Man möchte immer an der Oberfläche bleiben, man möchte immer nur das nehmen, was da ist. Geradeso wie die Menschen im Politischen nicht das Neue möchten, sondern immer wiederum probieren möchten mit dem Alten; wie selbst die Sozialdemokraten nicht etwas Neues aufbauen, sondern es mit dem alten Staat versuchen wollen, nur dort ihren Senf hineintragen wollen, so willman auch in der geistigen Kulturbewegung nicht radikal nach einer Erneuerung unserer Erkenntnisart streben, sondern das Alte, das Untergehende nun in das Volk tragen. Gerade an den physikalischen Betrachtungen ist das ja am tiefsten und bedeutungsvollsten einzusehen.
[ 21 ] You see, my dear friends, something like this must always remind us: We must continue the work that has now begun—work that Dr. von Baravalle, Dr. Blümel, Mr. Strakosch, and Dr. Kolisko have inspired here in a wide variety of fields—to give a new direction to what human development has achieved thus far. Only in this way can we lay the foundation for further progress. For you see, out in the world, people are talking about the need to build things up. Adult education centers must be established. Yes, but what does that actually mean today out in the world: that people are calling for adult education centers? The Danish adult education movement is held up as an example to us. What does all this calling for adult education centers actually mean? What has been practiced at the traditional universities is being carried over into the adult education centers. This creates nothing new. It merely infects the entire population with the very same mindset that has, until now, only infected our scholarly education. There is hardly anything more disheartening than the prospect that what has devastated the minds of our scholars and the educated in the way we have seen will now, through the adult education system, cause the entire educated population of the earth to become equally rigid. If one wishes to establish adult education centers, one must first and foremost ensure that something can be taught there that is, in its very structure, a constructive endeavor. After all, we first need the kind of scholarship that can be pursued at these centers. People always want to remain on the surface; they always want to take only what is already there. Just as people in politics do not want the new, but always want to try again with the old; just as even the Social Democrats do not want to build something new, but want to try it with the old state, merely wanting to throw in their two cents there—so, too, in the intellectual cultural movement, people do not want to strive radically for a renewal of our way of knowing, but rather to carry the old, the dying, into the people. It is precisely in the field of physics that this can be seen most deeply and meaningfully.
[ 22 ] Gewiß, Sie werden Unbefriedigendes genug da oder dort in dieser Vortragsfolge finden, weil die Vorträge nur aphoristisch sein konnten, aber das eine wird sich Ihnen in dieser Vortragsfolge zeigen: daß es einfach notwendig ist, unsere gesamte physikalische, chemische, physiologische und biologische Vorstellungswelt neu aufzubauen, gründlich neu aufzubauen. Darin kommen wir natürlich nur weiter, wenn wir nicht nur das Schulwesen, sondern auch das Wissenschaftswesen selbst weiterbilden. Und wenn so etwas entstehen könnte hier an unserer Waldorfschule, daß wir ausbauen erstens die Unterrichtsklassen nach oben und zweitens ausbauen zu gleicher Zeit mit dem Schulwesen das Akademiewesen, zu dem wir einen wirklichen Keim in diesen. Tagen gelegt haben — denn es war so etwas wie der Keim zu einem neuen Akademiewesen —, dann würden wir eigentlich erst das erreichen, was im Grunde genommen erreicht werden soll und muß, wenn die europäische Zivilisation nicht zugrunde gehen soll auf geistigem Gebiet.
[ 22 ] Certainly, you will find plenty that is unsatisfactory here and there in this series of lectures, because the lectures could only be aphoristic, but one thing will become clear to you in this series: that it is simply necessary to rebuild our entire conceptual world of physics, chemistry, physiology, and biology—to rebuild it thoroughly. Of course, we can only make progress in this regard if we develop not only the school system but also the academic world itself. And if something like this could emerge here at our Waldorf School—where we expand, first, the upper grades and, second, simultaneously develop the academic world alongside the school system, for which we have planted a real seed in these —for it was something like the seed of a new academic system—then we would actually be achieving what, in essence, must be achieved if European civilization is not to perish in the spiritual realm.
[ 23 ] Nehmen Sie nur einmal das schreckliche Treiben in den Akademien der Welt heute: Dieses von allem wirklichen Leben ausgesogene sich gegenseitige Anlesen mit langgeschriebenen Abhandlungen in den Akademien, wo die Leute in schönen Sälen sitzen und sich ihre langgeschriebenen Vorlesungen vorlesen und keiner dem anderen zuhört. Denn das Merkwürdige ist doch das, daß der eine Spezialist auf dem Gebiete ist, der andere auf jenem. Da hört der Mediziner dem Mathematiker nicht zu, aber der Mathematiker liest. Und wenn der Mediziner liest, beschäftigt sich in seinen Gedanken der Mathematiker mit etwas ganz anderem. Außerdem ist das ganze nur ein äußerliches traditionelles Zeichen. Da muß die Erneuerung einsetzen. Im Zentrum des geistigen Strebens muß die Erneuerung einsetzen. Das muß durchschaut werden. Daher kann man schon sagen: Wenn man es noch dahin bringen könnte, daß hier in Verbindung mit dem Streben nach einer neuen Art von Wirklichkeit ein Ausbau dieses unseres Schulgedankens geschehen könnte, dann würden wir erst das erreichen, was erreicht werden soll.
[ 23 ] Just consider for a moment the dreadful goings-on in the world’s academic institutions today: this mutual recitation of lengthy treatises—devoid of any real life—in academic settings, where people sit in beautiful halls and read their lengthy lectures aloud to one another, yet no one listens to the others. For the strange thing is that one is a specialist in this field, the other in that. The physician does not listen to the mathematician, but the mathematician reads. And when the physician reads, the mathematician’s thoughts are occupied with something entirely different. Moreover, the whole thing is merely an external, traditional formality. This is where renewal must begin. Renewal must begin at the very center of spiritual striving. This must be understood. Therefore, one can already say: If we could bring it to the point where, in connection with the striving for a new kind of reality, an expansion of our school concept could take place, then we would finally achieve what is to be achieved.
[ 24 ] Sie sehen, es ist viel zu tun. Aber man lernt auch nur erst richtig erkennen, wieviel zu tun ist, wenn man auf die Einzelheiten eingeht. Deshalb ist es ja so unendlich bedauernswert, daß jetzt Leute, die nur die alten Erkenntnisvorurteile der Menschheit — dazu sind sie geworden, denn ihre Zeit haben sie gehabt - in Phrasen umsetzen, heute tatsächlich große Kapitalien zusammenbekommen, um ihre Akademien und dergleichen in die Welt setzen zu können. Uns wird es vorzugsweise aus dem Grunde schwer, weil wir von der Erkenntnis durchdrungen sein müssen: Ein wirkliches Neuland ist notwendig. Wir können uns nicht der Illusion hingeben: Macht Volkshochschulen! Denn wir müssen in der Wirklichkeit leben und uns sagen, wir müssen erst etwas haben, was wir an diesen Volkshochschulen lehren sollen. Ebenso aber wie, ich möchte sagen, sogar zwischen den Zeilen der bisherigen Wissenschaft, sich eine fruchtbare Technik entwickelt hat, so wird sich erst recht eine noch fruchtbarere Technik entwickeln, wenn jene Wissenschaft populär werden wird, die wir hier zum Beispiel gerade im physikalischen Gebiet anstreben. Sie sehen ja, überall versucht man, aus dem alten Theoretischen herauszukommen und ins Wirkliche hineinzukommen, so daß schon die Vorstellungen mit Wirklichkeit gesättigt sind. Das muß auch eine Technik geben, die in ganz anderer Weise verläuft als die bisherige Technik. Praxis und Erkenntnis, sie hängen doch innerlich zusammen. Und wenn man an irgendeinem Punkte anfaßt dasjenige, was heute des Reformierens bedarf wie die Physik, so merkt man gleich, was eigentlich zu geschehen hat. Wenn es daher jetzt an der Zeit ist, daß wir wieder auseinandergehen, so möchte ich Sie doch darauf verweisen, daß Sie in dem, was hier nur aphoristisch vorgetragen worden ist, etwas sehen, das Sie selber anregen soll, diese Dinge weiter auszubauen. Sie werden sie ausbauen können. Unsere mathematischen Physiker, die wir ja unter uns haben, werden in der Lage sein, die alten Formeln zu revidieren, und sie werden finden, daß, wenn sie hineinarbeiten in die alten Formeln die Erkenntnisse, die sich gewinnen lassen aus den aphoristischen Andeutungen, die ich gegeben habe, diese Formeln auch gewiß Transformationen erfahren, die aber eigentlich Metamorphosen sind, und aus denen wird mancherlei heraussprießen, was technisch von ungeheurer Bedeutung für die Fortentwickelung der Menschheit sein wird. Das ist ja etwas, was man nicht einmal andeuten kann, sondern worauf man zunächst nur hinzuweisen hat.
[ 24 ] As you can see, there is a lot to do. But one only truly begins to realize just how much there is to do when one delves into the details. That is why it is so infinitely regrettable that people today—who merely translate humanity’s old intellectual prejudices into platitudes (for that is what they have become, having had their time)—are actually amassing vast fortunes to establish their academies and the like. It is particularly difficult for us because we must be imbued with the realization that truly new ground must be broken. We cannot succumb to the illusion of simply saying, “Let’s establish adult education centers!” For we must live in reality and acknowledge that we first need to have something to teach at these centers. But just as—I would say—even between the lines of existing science a fruitful methodology has developed, so an even more fruitful methodology will develop once that science becomes popular—the kind we are striving for here, for example, in the field of physics. You see, everywhere people are trying to move beyond the old theoretical framework and into the real world, so that even our mental images are now imbued with reality. There must also be a methodology that proceeds in a completely different way than the methodology used so far. Practice and knowledge are, after all, intrinsically linked. And when one tackles, at any given point, that which today requires reform—such as physics—one immediately realizes what actually needs to happen. Therefore, since it is now time for us to part ways again, I would like to point out to you that in what has been presented here only in aphoristic form, you should see something that will inspire you to develop these ideas further. You will be able to develop them. Our mathematical physicists, whom we have among us, will be in a position to revise the old formulas, and they will find that, as they incorporate into the old formulas the insights that can be gleaned from the aphoristic hints I have given, these formulas will certainly undergo transformations—which are, in fact, metamorphoses—and from these will spring forth all manner of things that will be of immense technical significance for the further development of humanity. This is something that one cannot even hint at, but which one must initially merely point out.
[ 25 ] Aber wir müssen diese Betrachtungen jetzt abschließen, deren Fortsetzung in Ihrer eigenen selbständigen Arbeit liegen muß, und die ist es, die ich Ihnen besonders ans Herz legen möchte. Denn die Sachen sind jetzt außerordentlich dringlich, die sich beziehen auf den Fortschritt der Menschen auf allen drei Gebieten. Die Dinge sind heute erstens dringlich: Wir haben wirklich keine Zeit zu verlieren, weil das Chaos ja vor der Türe steht. Das zweite aber ist: Richtiges ist doch nur zu erreichen durch eine geregelte menschliche Zusammenarbeit. Also müssen wir versuchen, dasjenige, was angeregt ist, in uns selber weiter zu verarbeiten. Und Sie werden auf der anderen Seite gerade hier in der Waldorfschule finden: In dem Augenblick, wo Sie sich bemühen, gewisse rektifizierte Begriffe, die wir hier gewonnen haben, auf den Unterricht anzuwenden, geht es gleich. Sie werden aber auch ‚ finden, insofern Sie genötigt sind, diese Dinge im Betriebe des Lebens anzuwenden, geht es auch. Und es wäre schon zu wünschen, daß man heute mit der Naturwissenschaft nicht immer nur zu einem Publikum zu sprechen hat, das ja eigentlich schon manches aufnimmt, das aber immer sich ausgesetzt sieht — ich habe das ja schon im Verlaufe des Kursus bemerkt — dem Urteil der «richtigen Wissenschafter», der «Autoritäten». Diese Autoritäten haben keine Ahnung davon, daß ja in alles, was wir betrachten, im Grunde genommen alles andere fortwährend hineinspielt. An der Sprache könnte man es merken.
[ 25 ] But we must now conclude these reflections, the continuation of which must lie in your own independent work—and it is this that I would particularly like to urge you to pursue. For the matters relating to human progress in all three areas are now extraordinarily urgent. First, matters are urgent today: We truly have no time to lose, for chaos is, after all, right at our doorstep. But the second point is this: What is right can only be achieved through orderly human cooperation. So we must try to further process within ourselves what has been inspired. And you will find, on the other hand, right here at the Waldorf School: the moment you make an effort to apply certain refined concepts we have gained here to your teaching, it works immediately. But you will also find that, insofar as you are compelled to apply these things in the practical affairs of life, it works just as well. And it would certainly be desirable that, when it comes to the natural sciences today, we not always have to address an audience that, while it does take in quite a bit, is constantly confronted—as I have already noted in the course of this series—with the judgment of the “real scientists,” the “authorities.” These authorities have no idea that, in everything we observe, everything else is constantly at play. You can see this in language.
[ 26 ] Sehen Sie, in der Sprache lassen wir alles in gegenseitiger Wechselbeziehung sein. Wir sprechen von einem Stoß. Nur deshalb, weil wir etwas, was ursprünglich der Stoß war, den wir selbst vollführt haben, mit dem entsprechenden Wort bezeichnen, sprechen wir von einem Stoß auch in einem menschenentblößten Raum. Und wiederum umgekehrt, wir sprechen dasjenige, was in uns geschieht, mit Worten aus, die von der Außenwelt her genommen sind. Aber wir wissen nicht, daß wir in die Außenwelt schauen sollen, zum Beispiel in den planetarischen Kosmos, wenn wir die Konstitution des irdischen Körpers verstehen wollen. Und wir werden daher, wenn wir das nicht wissen, auch nicht dasjenige lernen können, worauf es ankommt. Wir können zwar ganz interessantes Kleinzeug entdecken, wenn wir das Mikroskop auf irgendeinen Pflanzenkeim oder Tierembryo richten, auf irgendeine Zelle, die mikroskopisch klein ist; da entdecken wir allerlei wirklich Interessantes. Aber dasjenige, worauf es ankommt, was wir ahnen, das würden wir entdecken, wenn wir dieselben Vorgänge, die im Mikroskop drinnen sind, überhaupt nur erst einmal sehen würden, wenn sie sich makrokosmisch abspielen. Wenn wir erst sehen würden, wie sich fortwährend im Wechselspiel der äußeren Natur Befruchtungen und Entfruchtungen vollziehen; wenn wir studieren würden, wie die Planeten als Ausgangspunkte für die imponderablen physikalischen Wirkungen zu erfassen sind; wenn wir erfassen würden den Kosmos in seinen Ausgangspunkten für das Pflanzenkeimen, für das Tierkeimen; wenn wir das alles betrachten würden im Großen, was wir heute versuchen zu sehen, wenn wir das Mikroskop auf die Zelle richten im Kleinen, wo es gar nicht ist; wenn wir versuchen könnten, überhaupt erst anzuschauen, was uns umgibt — dann würden wir weiterkommen. Der Weg ist heute schon klar vorgezeichnet. Durch die Vorurteile der Menschen ist er sehr, sehr verlegt. Diese Vorurteile der Menschen werden sich schwer überwinden lassen. An uns aber ist es, alles zu tun, was diese Vorurteile überwinden kann.
[ 26 ] You see, in language we allow everything to exist in mutual interrelation. We speak of a push. It is only because we use the corresponding word to describe something that was originally the push we ourselves performed that we speak of a push even in a space devoid of human presence. And conversely, we express what happens within us using words taken from the external world. But we do not realize that we must look to the external world—for example, to the planetary cosmos—if we want to understand the constitution of the earthly body. And therefore, if we do not realize this, we will not be able to learn what really matters. We can certainly discover some very interesting little things when we focus a microscope on a plant seed or an animal embryo, on any cell that is microscopically small; there we discover all sorts of truly interesting things. But what really matters—what we sense—we would discover if we could only see, for the very first time, the same processes that take place under the microscope as they unfold on a macrocosmic scale. If only we could see how fertilization and defertilization constantly take place in the interplay of external nature; if we were to study how the planets can be understood as the starting points for the imponderable physical effects; if we were to grasp the cosmos in its origins for plant germination and animal germination; if we were to observe all of this on a grand scale—what we are trying to see today when we focus the microscope on the cell on a microscopic scale, where it does not even exist; if we could even begin to look at what surrounds us—then we would make progress. The path is already clearly mapped out today. But it is very, very obscured by people’s prejudices. These prejudices will be difficult to overcome. Yet it is up to us to do everything we can to overcome them.
Hoffentlich können wir diese Betrachtungen einmal wieder fortsetzen.
Hopefully, we'll be able to continue these reflections at some point.
