Second Scientific Course
The warmth at the boundary between positive and negative materiality
Insights from Spiritual Science on the Development of Physics
GA 321
13 March 1920, Stuttgart
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Second Scientific Course, tr. SOL
Dreizehnter Vortrag
Thirteenth Lecture
[ 1 ] Dasjenige, was ich gestern schon beabsichtigte, kann zunächst ausgeführt werden, weil es uns doch zu einem vorläufigen Abschluß dieser unserer Betrachtungen wird führen können. Ich werde dann noch morgen versuchen, die ganze Betrachtungsreihe, die wir hier während meiner diesmaligen Anwesenheit begonnen haben, zu Ende zu führen. Wir werden uns jetzt davon überzeugen, daß in der Tat in einer ganz bedeutungsvollen Weise innerhalb desjenigen, was wir als gewöhnliches Sonnenspektrum oder Lichtspektrum bezeichnen, sich verschlingen Wärmeeffekte, Lichteffekte und chemische Effekte. Und gestern haben wir ja schon gesehen, daß in einer gewissen Beziehung sich noch verschlingen müssen mit diesen Effekten die Lebenseffekte, nur daß wir ja keine Möglichkeit haben, die Lebenseffekte in derselben Weise in unser Versuchsfeld hereinzubekommen, wie die chemischen Effekte, die Lichteffekte und die Wärmeeffekte. Denn es gibt ja zunächst nicht eine einfache Versuchsanordnung, welche das zwölfteilige Spektrum wirklich in seiner Wirksamkeit zeigen könnte. Das wird vorbehalten sein gerade jenem Forschungsinstitute, welches sich in den Kreis unserer Unternehmungen hereinstellen wird, damit, ich möchte sagen, nicht bloß gewisse Untersuchungen abgeschlossen werden, sondern damit sie auch gerundet werden.
[ 1 ] What I had already intended to do yesterday can be carried out for now, since it will allow us to bring our reflections to a provisional conclusion. Tomorrow, I will then attempt to bring to a close the entire series of reflections that we have begun here during my current visit. We will now see for ourselves that, in fact, within what we call the ordinary solar spectrum or light spectrum, thermal effects, light effects, and chemical effects are intertwined in a very significant way. And yesterday we already saw that, in a certain sense, life effects must also be intertwined with these effects—only that we have no way of incorporating the life effects into our experimental setup in the same way as the chemical effects, the light effects, and the thermal effects. For there is, after all, no simple experimental setup that could truly demonstrate the effectiveness of the twelve-part spectrum. That will be reserved precisely for the research institute that will join the circle of our endeavors—not merely so that certain investigations may be completed, but so that they may also be brought to a full conclusion.
[ 2 ] Und ich möchte Sie aufmerksam machen auf noch etwas: Wenn wir selbst, mit hypothetischer Hereinnahme der Lebenseffekte, das Ineinanderverschlingen von Lebenseffekten, Wärmeeffekten, Lichteffekten und chemischen Effekten innerhalb unserer — wenigstens gedachten — Versuchsanordnungen verfolgen, so fehlt uns darin ein wichtiges Gebiet, welches gewissermaßen sich mehr physikalisch aufdrängt, als das Gebiet der genannten Effekte, es fehlen uns die akustischen Effekte, diese akustischen Effekte, die uns zunächst vorzüglich entgegentreten durch die bewegte Luft, das heißt durch einen bewegten gas- oder luftförmigen Körper. Und da entsteht dann die wichtige, grundlegende Frage: Wie kommen wir auf der einen Seite, da sie doch angedeutet sind im Wärme-, Licht-, im chemischen Spektrum, zu den Lebenswirkungen, und wie kommen wir auf der anderen Seite zu den akustischen Wirkungen? Das ist die Frage, die sich uns einfach wiederum durch eine Umschau über die Erscheinungen darbietet und über die wir uns nur ebenso werden unterrichten können im Sinne einer Goetheschen physikalischen Weltanschauung, wie wir das bisher getan haben, und über die wir nicht hypothetisch theoretisieren sollen.
[ 2 ] And I would like to draw your attention to something else: If we ourselves—hypothetically taking into account the effects of life—trace the intertwining of life effects, thermal effects, light effects, and chemical effects within our—at least imagined—experimental setups, we find that an important area is missing, one that, in a sense, imposes itself more physically than the area of the aforementioned effects; we are missing the acoustic effects—those acoustic effects that first and foremost confront us through moving air, that is, through a moving gaseous or air-like body. And this raises the important, fundamental question: How do we arrive, on the one hand—since they are indeed indicated in the thermal, light, and chemical spectra—at the effects of life, and how do we arrive, on the other hand, at the acoustic effects? This is the question that simply presents itself to us once again through a survey of the phenomena, and about which we can only educate ourselves—in the spirit of Goethe’s physical worldview—just as we have done so far, and about which we should not theorize hypothetically.
[ 3 ] Nun wollen wir zunächst zeigen: Wenn wir in den Gang des Lichtzylinders, den wir durch ein Prisma durchleiten, um so das Spektrum entstehen zu lassen, hineinstellen eine Alaunlösung, so nehmen wir aus dem Spektrum die Wärmewirkungen heraus. Wir lassen zuerst das Thermometer steigen infolge der Wärmewirkung, die im Spektralkörper drinnen ist. Stellen wir nun den Alaun in den Gang des Spektralkörpers, so müssen wir, da der Alaun wegnimmt die Wärmewirkung, wieder ein Fallen der Thermometersäule beobachten können. (Das Thermometer, das vorher sehr schnell gestiegen war, steigt erheblich langsamer.) Der Beweis ist nun schon erbracht dadurch, daß das Thermometer langsamer steigt. Also, die Alaunlösung beseitigt die Wärmewirkung im Spektrum. Wir können den Beweis als erbracht ansehen. Der Versuch ist auch unzählige Male gemacht worden und wohlbekannt.
[ 3 ] Now let us first demonstrate the following: If we place a solution of alum in the path of the light beam that we pass through a prism to produce the spectrum, we eliminate the thermal effects from the spectrum. First, we allow the thermometer to rise due to the thermal effect present within the spectral body. If we now place the alum in the path of the spectral body, we must—since the alum removes the thermal effect—be able to observe the thermometer column falling again. (The thermometer, which had previously risen very quickly, now rises considerably more slowly.) The proof is already established by the fact that the thermometer rises more slowly. Thus, the alum solution eliminates the thermal effect in the spectrum. We can consider the proof established. The experiment has also been conducted countless times and is well known.
[ 4 ] Das zweite, was wir nun machen werden, ist, daß wir eine Lösung von Jod in Schwefelkohlenstoff in den Gang des Lichtkegels einschalten. Sie werden sehen, daß dadurch der mittlere Teil des Spektrums vollständig ausgelöscht wird. Der andere Teil wird wesentlich geschwächt. Nun wissen Sie ja aus den Betrachtungen, die wir im vorigen Kursus angestellt haben, daß der mittlere Teil im wesentlichen die Lichtwirkungen darstellt. Durch die Lösung von Jod in Schwefelkohlenstoff wird also das Licht ebenso aufgehalten, wie durch die ° Alaunlösung die Wärme aufgehalten wird. Jetzt steigt das Thermometer wieder schnell, weil die Wärmewirkung wieder da ist.
[ 4 ] The second thing we will do now is to introduce a solution of iodine in carbon disulfide into the path of the light cone. You will see that this completely extinguishes the central part of the spectrum. The other part is significantly weakened. Now, as you know from the considerations we made in the previous lecture, the central part essentially represents the effects of light. Thus, the solution of iodine in carbon disulfide blocks the light just as the ° alum solution blocks the heat. Now the thermometer rises rapidly again because the thermal effect has returned.
[ 5 ] Das dritte, was wir machen wollen, ist dieses, daß wir in den Gang des Lichtzylinders einschalten eine Äskulinlösung. Die hat die Eigentümlichkeit, daß sie auslöscht die chemischen Effekte, so daß also ausbleiben in den Wirkungen des Spektrums die chemischen Effekte. Wir können also das Spektrum so behandeln, daß wir wegschaffen
[ 5 ] The third thing we want to do is to introduce an esculin solution into the path of the light cylinder. This solution has the property of neutralizing the chemical effects, so that the chemical effects are absent from the spectrum. We can therefore treat the spectrum in such a way that we eliminate
durch die Alaunlösung die Wärme, den Wärmeteil;
durch die Jodlösung in Schwefelkohlenstoff den Lichtteil;
durch die Äskulinlösung den chemischen Teil.
the heat component via the alum solution;
the light component via the iodine solution in carbon disulfide;
the chemical component via the esculin solution.
[ 6 ] Bei den chemischen Wirkungen werden wir das dadurch konstatieren, daß, wenn wir den chemischen Teil da haben, die Phosphoreszenz des phosphoreszierenden Körpers eintreten wird. Sie sehen, wir haben jetzt den phosphoreszierenden Körper im Lichtkegel gehabt. Wenn Sie mit der Hand noch verdunkeln, werden Sie sehen, daß er phosphoresziert. Jetzt muß er entphosphoresziert werden durch Wärme. Nun wollen wir ihn wieder einschalten in das Spektrum, aber in den Gang des Lichtzylinders einfügen die Äskulinlösung. Die Wirkung ist eine sehr feine. Man sieht keine Phosphoreszenz.
[ 6 ] As for the chemical effects, we will observe that, once we have the chemical component in place, the phosphorescence of the phosphorescent body will occur. As you can see, we have now placed the phosphorescent body within the cone of light. If you shield it with your hand, you will see that it phosphoresces. Now it must be dephosphoresced by heat. Now let’s place it back in the spectrum, but insert the esculin solution into the path of the light cylinder. The effect is very subtle. No phosphorescence is visible.
[ 7 ] Stellen wir uns also jetzt einmal vor Augen, daß wir zunächst das Gebiet der Wärme, das Gebiet des Lichtes, das Gebiet der chemischen Effekte haben. Aus all den Betrachtungen, die wir angestellt haben, können Sie wenigstens schon mit einer teilweisen Sicherheit erschließen, daß zwischen diesen Gebieten eine ähnliche Beziehung, ein ähnliches Verhältnis doch stattfinden muß, wie zwischen dem, was ich in den verflossenen Tagen bezeichnet habe als x-Gebiet, y-Gebiet, zGebiet. Gerade darauf wollen wir aber zusteuern, daß wir diese beiden Gebietsreihen nach und nach identifizieren können.
[ 7 ] Let us now imagine that we have, first of all, the realm of heat, the realm of light, and the realm of chemical effects. From all the considerations we have made, you can at least infer with some degree of certainty that there must be a similar relationship, a similar connection, between these domains as there is between what I have referred to in recent days as the x-domain, the y-domain, and the z-domain. But this is precisely what we want to work toward: that we can gradually identify these two sets of domains.
[ 8 ] Wir wollen vor allen Dingen das Folgende betrachten: Es ist uns klar, wenn wir hier das Wärmegebiet haben und hier unsere \(x\_-, \(y\)-, \(z\)-Gebiete, so haben wir hier das Gasgebiet, das Gebiet der Flüssigkeiten, das Gebiet der festen Körper, und hier unser \(U\)-Gebiet, von dem wir gesprochen haben (siehe Schema). Nun brauchen Sie nur, indem Sie rein im Gebiet der Erscheinungen bleiben, sich vor Augen zu führen, daß wir ein gewisses sehr loses Wechselverhältnis haben beobachten können zwischen den Wärmeeffekten und dem, was in irgendeiner Gasmasse vorgeht. Wir haben beobachten können, daß in gewisser Beziehung das Gas mitmacht in seinen materiellen Gestaltungen dasjenige, was die Wärme tut. Wir können geradezu in dem, was das Gas tut, den materiellen Ausdruck für dasjenige finden, was die Wärme tut. Wenn wir das, was da geschieht im Wechselverhältnis zwischen Wärme und Gas, uns mit einem genügend realen Gedanken vor Augen führen, daß wir also wirklich einen anschaulichen Gedanken haben für dieses Miteinandergehen der Wärmewirkungen und der materiellen Wirkungen des Gasgebietes, dann werden wir in der Anschauung auch den Unterschied finden können zwischen dem Gebiet von \(x\) und dem Gebiet des Gases. Wir brauchen uns nur darauf zu besinnen, was wir ja unzählige Male im Leben sehen: Daß dasjenige, was wir als Licht bezeichnen, nicht in derselben Weise sich zum Gas verhält wie die Wärme. Das Gas macht nicht mit dasjenige, was das Licht macht. Wenn das Licht sich ausbreitet, geht das Gas nicht nach und nimmt eine größere Spannkraft an und dergleichen.
[ 8 ] First and foremost, let us consider the following: It is clear to us that if we have the heat region here and our \(x\_-, \(y\)-, \(z\)-regions here, then we have the gas region, the region of liquids, the region of solids, and here our \(U\)-region, which we have discussed (see diagram). Now, simply by remaining within the realm of phenomena, you need only bear in mind that we have been able to observe a certain very loose correlation between thermal effects and what occurs within any given mass of gas. We have been able to observe that, in a certain sense, the gas, in its material forms, participates in what heat does. We can, in fact, find in what the gas does the material expression of what heat does. If we visualize what is happening in the interaction between heat and gas with a sufficiently concrete concept—that is, if we truly have a vivid mental image of this interplay between the effects of heat and the material effects of the gaseous realm—then we will also be able to discern, in this visualization, the difference between the realm of \(x\) and the realm of the gas. We need only reflect on what we see countless times in life: that what we call light does not relate to the gas in the same way as heat does. The gas does not participate in what the light does. When light propagates, the gas does not follow suit and take on greater tensile force or the like.


[ 9 ] Also, wenn Licht im Gas lebt, dann ist das eine andere Beziehung, als wenn Wärme im Gas lebt. Und wie wir sagen konnten in den verflossenen Betrachtungen: Flüssigkeit ist zwischen Gas und Festem, Wärme ist zwischen \(x\)- und Gasgebiet; und ebenso: das feste Gebiet gibt die Bilder des flüssigen Gebietes, das flüssige Gebiet die Bilder des Gasgebietes, das Gasgebiet die Bilder des Wärmegebietes, so können wir nun sagen: Unser \(x\) kann abgebildet werden in der Wärme, die Wärme wiederum wird abgebildet im Gasgebiet. Wir haben also gewissermaßen im Gasgebiet Bilder von Bildern des \(x\)-Gebietes. Überlegen Sie sich, daß diese Bilder von Bildern tatsächlich da sind beim Durchgang des Lichtes durch die Luft. In der Art, wie sich die Luft mit ihren verschiedenen Erscheinungen gegenüber dem Lichte verhält, hat man es zu tun nicht mit einem direkten Abbild, sondern tatsächlich mit einem selbständigen Verhalten des Lichtes in der Luft, im Gase, mit einem solch selbständigen Verhalten, daß wir es wirklich vergleichen können mit dem Folgenden: Wir wollen etwa eine Landschaft auf ein Bild malen, hängen das Bild ins Zimmer und photographieren dann das Zimmer. Wenn ich nun das Zimmer photographiere, so werde ich dadurch, daß.ich irgend etwas im Zimmer verändere, die ganze Konfiguration des Zimmers zu etwas anderem machen. Wenn ich gewohnt wäre, bei diesen Vorträgen mich immer auf diesen Stuhl zu setzen, und mir während des Vortrages irgendein Übelwollender diesen Stuhl wegnähme, ohne daß ich es bemerke, so würde ich dasjenige, was ja manchmal im Leben passiert, tun: mich auf den Erdboden setzen. Die Beziehung der Dinge zueinander im Zimmer erfährt eine reale Veränderung dadurch, daß ich irgend etwas im Zimmer verändere. Wenn ich das Bild von einer Stelle zur anderen hänge, so werden die Verhältnisse zwischen den Gestalten, die auf dem Bilde gemalt sind, sich nicht zueinander verändern. Dasjenige, was als Verhältnis figuriert im Bilde, ist unabhängig von den Veränderungen, die im Zimmer geschehen. So werden unabhängig meine Versuche mit dem Lichte in irgendeinem Raum, der mit Luft erfüllt ist. Meine Wärmeversuche werden nicht unabhängig in dem Raum, davon konnten Sie sich geradezu überzeugen, als soeben darauf aufmerksam gemacht wurde, daß das ganze Zimmer warm wurde. Aber meine Lichtversuche kann ich in ihrer eigenen Wesenheit darstellen, kann ich abheben davon, so daß ich in der Tat, gerade wenn ich im lufterfüllten Raum mit x experimentiere, dieselben Beziehungen herauskriege, wie wenn ich mit dem Licht experimentiere. Ich kann das \(x\) mit Licht identifizieren. Und wenn Sie den Gedankengang fortsetzen, werden Sie \(y\) mit chemischen Wirkungen identifizieren. Das \(z\) werden wir zu identifizieren haben mit den Lebenswirkungen. Dann aber gibt es, wie Sie sehen, Beziehungen von einer gewissen Unabhängigkeit zwischen dem Lichtgebiet und dem Gasgebiet. Diese selbe Beziehung findet man, wenn man den Gedankengang fortsetzt — Sie können es selber tun, es würde uns heute zu weit führen —, wenn man die chemischen Effekte sucht im Flüssigen. Wir brauchen ja in der Tat, um chemische Wirkungen hervorzurufen, immer Lösungen. Da drinnen verhalten sich die chemischen Wirkungen gerade so, wie das Licht in der Luft. Wir würden das \(z\) eben mit dem Festen zu identifizieren haben, das heißt, bezeichne ich dieses Gebiet mit \(z\), dieses mit \(y\), dieses mit \(x\), habe ich da die Wärme als Mittelzustand und bezeichne ich das Gasgebiet mit \(x’\), das Flüssigkeitsgebiet mit \(y’\), das feste Gebiet mit \(z’\), so habe ich jetzt mir vor Augen gestellt:
[ 9 ] So, if light exists in a gas, then that is a different relationship than if heat exists in a gas. And as we were able to say in our previous considerations: a liquid lies between a gas and a solid; heat lies between the \(x\)-region and the gas region; and likewise: the solid region yields images of the liquid region, the liquid region yields images of the gas region, and the gas region yields images of the heat region; so we can now say: Our \(x\) can be mapped onto the heat region, and the heat region, in turn, is mapped onto the gas region. Thus, in a sense, we have images of images of the \(x\)-region within the gas region. Consider that these images of images are actually present when light passes through the air. In the way the air, with its various phenomena, behaves in relation to light, we are not dealing with a direct image, but rather with an independent behavior of light in the air—in the gas—a behavior so independent that we can truly compare it to the following: Suppose we paint a landscape on a picture, hang the picture in the room, and then photograph the room. Now, when I photograph the room, the mere fact that I change something in the room will alter the entire configuration of the room into something else. If I were in the habit of always sitting in this chair during these lectures, and some ill-wisher were to take this chair away from me during the lecture without my noticing it, I would do what sometimes happens in life: sit on the floor. The relationship of things to one another in the room undergoes a real change simply because I alter something in the room. If I hang the painting from one spot to another, the relationships between the figures depicted in the painting will not change in relation to one another. What appears as a relationship in the painting is independent of the changes that occur in the room. So, my experiments with light in any room filled with air are independent. My experiments with heat are not independent within the room—you were able to see this for yourselves just now when it was pointed out that the entire room became warm. But I can present my experiments with light in their own essence; I can isolate them from their surroundings, so that in fact, precisely when I experiment with \(x\) in the air-filled room, I obtain the same relationships as when I experiment with light. I can identify \(x\) with light. And if you follow this line of thought, you will identify \(y\) with chemical effects. We will have to identify \(z\) with the effects of life. But then, as you can see, there are relationships of a certain independence between the realm of light and the realm of gas. This same relationship can be found if you continue this line of thought—you can do it yourself; it would take us too far afield today—when you look for chemical effects in liquids. After all, to produce chemical effects, we always need solutions. Within them, the chemical effects behave exactly like light in air. We would have to identify \(z\) with the solid state; that is, if I designate this region as \(z\), this one as \(y\), and this one as \(x\), then I have heat as the intermediate state, and if I designate the gas region as \(x’\), the liquid region as \(y’\), and the solid region as \(z’\), then I have now visualized the following:
$$z \quad y \quad x \quad Wärme \quad x’ \quad y’ \quad z’$$
$$z \quad y \quad x \quad heat \quad x’ \quad y’ \quad z’$$
\(x\) \(x’ \ \) wie Licht in Gas,
\(x\) \(x’ \ \) like light in gas,
\(y\) \(y’ \ \) wie chemische Effekte in Flüssigkeiten,
\(y\) \(y’ \ \) such as chemical effects in liquids,
\(z\) \(z’ \ \) nun zunächst wie die \(z\)-Effekte in den festen Körpern. Wir haben sie bis jetzt nur als Gestaltungen kennengelernt.
\(z\) \(z’ \ \) Now, first, let’s consider the \(z\)-effects in solids. So far, we have only encountered them as configurations.
So bekommen wir gewissermaßen Ineinanderfügungen, die aber nichts anderes sind, als der vorgestellte Ausdruck für Dinge, die ja sehr real im Leben sind:
In a sense, this results in interconnections, which are, however, nothing more than a conceptual expression of things that are, in fact, very real in life:
\(x\) \(x’ \ \) ist einfach das lichterfüllte Gas,
\(x\) \(x’ \ \) is simply the gas filled with light,
\(y\) \(y’ \ \) ist die Flüssigkeit, in der chemische Prozesse vor sich gehen.
\(y\) \(y’ \ \) is the liquid in which chemical processes take place.
\(z\) \(z’ \ \):
\(z\) \(z’ \ \):
[ 10 ] Nach der gestrigen Betrachtung werden Sie kaum mehr zweifeln können, daß wir ebenso, wie wir von der Wärme aufsteigend das Licht finden, vom Licht aufsteigend die chemischen Effekte finden, wir von den chemischen Effekten kommen müssen zu den Lebenseffekten. Davon haben wir ja gestern wenigstens präliminarisch gesprochen. So daß wir also sagen können:
[ 10 ] After yesterday’s discussion, you can hardly doubt that just as we find light by ascending from heat, and find chemical effects by ascending from light, we must proceed from chemical effects to the effects of life. We did, after all, discuss this at least preliminarily yesterday. So we can say:
\(z\) \(z’ \ \) Lebenseffekte in festen Körpern.
\(z\) \(z’ \ \) Life effects in solids.
[ 11 ] Lebenseffekte in festen Körpern sind aber nicht da. Wir wissen, daß zum irdischen Leben notwendig ist wenigstens ein gewisser Grad des Flüssigen. Lebenseffekte im bloß Festen sind im irdischen Leben nicht da. Aber dieses irdische Leben zwingt uns, in einer gewissen Weise anzunehmen, daß so etwas doch nicht außer dem Bereich jeder Wirklichkeit liegt, denn der Gedanke ergibt sich uns ja zugleich damit, daß wir das \(y\) in \(y’\), das \(x\) in \(x’\) bilden.
[ 11 ] However, there are no signs of life in solid bodies. We know that earthly life requires at least a certain degree of fluidity. Signs of life in purely solid matter do not exist in earthly life. But this earthly life compels us, in a certain sense, to assume that such a thing does not lie entirely outside the realm of reality, for the idea occurs to us at the same time that we form \(y\) from \(y’\) and \(x\) from \(x’\).
[ 12 ] Wir finden feste Körper, wir finden flüssige Körper, wir finden Gas. Wir finden feste Körper ohne die Lebenseffekte. Die Lebenseffekte finden wir in der irdischen Sphäre nur neben den festen Körpern sich entfalten und mit den festen Körpern in eine Beziehung treten und so weiter. Aber im irdischen Bereich finden wir nicht ein unmittelbares Zusammenkoppeln der Lebenseffekte mit dem, was wir im irdischen Bereich das Feste nennen. Da werden wir gerade durch dieses letzte Glied \(z\) in \(z’\), Leben im Festen, geführt in einer gewissen Weise zu dem, was bei \(y\) in \(y’\), \(x\) in \(x’\) der Fall sein muß: Wenn ich einen flüssigen Körper auf der Erde habe, so muß dieser, wenn auch abgeschwächt, zu dem Chemischen in demselben Verhältnis stehen, wie der feste Körper zum Leben steht. Und wenn ich Gas im irdischen Bereich habe, muß das in demselben Verhältnis stehen zum Licht, wie der feste Körper zum Leben. Da werde ich darauf geführt, anzuerkennen, daß Festes, Flüssiges, Gasförmiges im irdischen Bereich in einer gewissen Weise mir durch ihre nachträglichen Beziehungen zu Licht, Chemie, Leben etwas Erstorbenes darstellen.
[ 12 ] We find solid bodies, we find liquid bodies, we find gas. We find solid bodies without the effects of life. In the earthly sphere, we find the effects of life unfolding only alongside the solid bodies, entering into a relationship with them, and so on. But in the earthly realm, we do not find a direct coupling of the effects of life with what we call the solid in the earthly realm. It is precisely through this last link, \(z\) becoming \(z’\)—life in the solid—that we are led, in a certain way, to what must be the case with \(y\) becoming \(y’\) and \(x\) becoming \(x’\): If I have a liquid body on Earth, it must—albeit in a weakened form—stand in the same relationship to the chemical as the solid body does to life. And if I have a gas in the earthly realm, it must stand in the same relationship to light as the solid body does to life. This leads me to recognize that solids, liquids, and gases in the earthly realm, in a certain sense, represent to me something that has already died, through their subsequent relationships to light, chemistry, and life.
[ 13 ] Man kann diesen Gedanken ja nicht so handgreiflich machen, wie es heute sehr beliebt ist in der Forderung des sogenannten Anschaulichen. Sie müssen schon innerlich selbst mitarbeiten, wenn Sie diese Erwägungen als wirklichkeitsgemäße Erwägungen einsehen wollen. Und da werden Sie, wenn Sie diesen Gedankengang fortsetzen, finden, daß eine Verwandtschaft besteht zwischen dem Festen und dem Lebendigen, dem Flüssigen und dem Chemischen, dem Gasförmigen und dem Lichte, daß die Wärme in einer gewissen Weise für sich dasteht, aber daß diese Beziehung im Bereich des Irdischen nicht unmittelbar sich ausdrückt. Es weist nämlich diese Beziehung, die im Irdischen eintreten kann, auf eine solche hin, die irgendeinmal da war, die jetzt nicht mehr da ist. Wir werden durch innere Verhältnisse in den Dingen in die Zeitvorstellung hineingedrängt. Wenn Sie einen Leichnam sich anschauen, so werden Sie in die Zeitvorstellung hineingedrängt. Der Leichnam ist da. Sie müssen alles dasjenige betrachten, was überhaupt möglich macht, daß der Leichnam da ist, daß er so aussieht, wie er ist, Siemüssen das Seelisch-Geistige betrachten, denn der Leichnam hat keine Möglichkeit des Bestehens in sich. Es würde doch niemals ein menschlich geformter Körper entstehen, ohne daß das Geistig-Seelische da ist. Dasjenige, was also der Leichnam Ihnen darbietet, das zwingt Sie zu sagen: Der ist so, wie er da ist, von etwas verlassen worden. Das ist nichts anderes, als wenn Sie sagen: Das Irdisch-Feste ist vom Leben, das Irdisch-Flüssige von den Emanationen chemischer Effekte, das Irdisch-Gasförmige von den emanenten Lichteffekten verlassen worden. — Und wie wir vom Leichnam zurückblicken auf das Leben, wo der Leichnam mit dem Seelisch-Geistigen verbunden war, so blicken wir von den festen Körpern der Erde zurück, indem wir diese festen Körper zurückführen auf frühere Zustände physischer Art, wo das Feste mit dem Leben verbunden war, wo die ganze Erde nicht ein Festes in unserem jetzigen Zustande war, geradesowenig wie der Leichnam vor fünf Tagen ein Leichnam war, wo das Feste nicht überall im Irdischen war, wo das Feste nur gebunden an das Leben auftreten kann; wo Flüssiges nur auftreten kann gebunden an chemische Effekte; wo Gasförmiges nur auftreten kann gebunden an die Lichteffekte. Wo, mit anderen Worten, kein Gas war, das nicht innerlich erglänzt, innerlich leuchtet, das nicht gleichzeitig durch seine Verdichtungen und Verdünnungen innerlich leuchtet, verdunkelt, wellenartig phosphoresziert; wo nicht nur Flüssigkeit war, sondern ein lebendiges, fortwährendes chemisches Wirken; wo dem allem zugrunde lag Leben, das sich verfestigte, wie sich Leben verfestigt zum Beispiel in der Hornbildung der Rinder, wo es sich wiederum verflüchtigte, verflüssigte und so weiter — kurz, wir werden hier durch die Physik selber aus unserer Zeit herausgetrieben in eine Vorzeit, wo die Erde andere solcher Gebiete gehabt hat, wo dasjenige, was jetzt auseinandergerissen ist: das Gebiet des Gasförmigen, des Flüssigen und des Festen auf der einen Seite und das Gebiet des Lichtes, der chemischen Effekte, des Lebens auf der anderen Seite, ineinander war, nur eben nicht direkt ineinander geschoben, sondern umgeklappt (siehe die Pfeile im Schema). Und die Wärme ist dazwischen. Die nimmt scheinbar nicht teil an diesem Zusammengehörigsein von etwas mehr Materiellem, etwas mehr Ätherischem. Aber da sie dazwischen drinnen ist, so ergibt sich mit einer Selbstverständlichkeit, die nicht größer sein könnte, daß sie teilnimmt an beiden Naturen. Bezeichnen wir die oberen Gebiete als die Äthergebiete, die unteren als die ponderablen Gebiete, so ist es selbstverständlich, daß wir die Wärme auffassen als dasjenige, was nun besteht schon in seiner Wesenheit als Gleichgewichtszustand zwischen beiden, und wir haben in der Wärme gefunden dasjenige, was der Gleichgewichtszustand zwischen Ätherischem und Ponderabel-Materiellem ist, was also Äther ist und zu gleicher Zeit Materie, was von vorneherein deshalb, weil es ein Duales ist, auf das hinweist, was wir überall in der Wärme finden: die Niveauunterschiede, ohne die wir überhaupt im Gebiete der Wärmeerscheinungen nichts machen können, gar nichts betrachten können.
[ 13 ] One cannot make this idea as tangible as is very popular today in the demand for so-called “concrete” understanding. You must actively engage with it internally if you wish to recognize these considerations as true to reality. And as you continue this line of thought, you will find that there is a relationship between the solid and the living, the liquid and the chemical, the gaseous and the light; that heat, in a certain sense, stands on its own, but that this relationship is not directly expressed in the earthly realm. For this relationship, which can occur in the earthly realm, points to one that once existed but is no longer present. We are compelled into the concept of time by the inner relationships within things. When you look at a corpse, you are compelled into the concept of time. The corpse is there. You must consider everything that makes it possible for the corpse to be there at all, for it to look the way it does; you must consider the soul-spiritual, for the corpse has no possibility of existence in and of itself. After all, a humanly formed body would never come into being without the presence of the soul-spiritual. What the corpse thus presents to you compels you to say: It is as it is because it has been forsaken by something. This is nothing other than saying: The earthly-solid has been forsaken by life, the earthly-liquid by the emanations of chemical effects, and the earthly-gaseous by the emanating light effects. — And just as we look back from the corpse to the life in which the corpse was connected to the soul-spiritual, so do we look back from the solid bodies of the Earth, tracing these solid bodies back to earlier states of a physical nature, when the solid was connected to life, when the entire Earth was not a solid in our present state, any more than the corpse was a corpse five days ago, when the solid was not present everywhere in the earthly realm, where the solid can only exist in connection with life; where the liquid can only exist in connection with chemical effects; where the gaseous can only exist in connection with light effects. Where, in other words, there was no gas that did not glow from within, that did not simultaneously, through its condensations and rarefactions, glow from within, darken, and phosphoresce in waves; where there was not merely a liquid, but a living, continuous chemical process; where underlying it all was life that solidified, just as life solidifies, for example, in the formation of horns in cattle, where it in turn volatilized, liquefied, and so on—in short, here we are driven out of our own time by physics itself into a prehistoric era, when the Earth had other such regions, where that which is now torn apart—the realm of the gaseous, the liquid, and the solid on the one hand, and the realm of light, chemical effects, and life on the other—was intertwined, only not directly interlocked, but folded over (see the arrows in the diagram). And heat is in between. It does not appear to participate in this unity of something more material and something more ethereal. But since it is situated in between, it follows with a self-evidence that could not be greater that it participates in both natures. If we designate the upper regions as the ethereal regions and the lower ones as the ponderable regions, it goes without saying that we conceive of heat as that which, by its very nature, constitutes a state of equilibrium between the two, and in heat we have found that which is the state of equilibrium between the ethereal and the ponderable-material—that which is therefore both ether and matter at the same time, and which, precisely because it is dual in nature, points from the outset to what we find everywhere in heat: the differences in level, without which we cannot do anything at all in the realm of thermal phenomena, nor can we observe anything at all.
[ 14 ] Wenn Sie diesen Gedankengang aufnehmen, so werden Sie auf ein viel Wesentlicheres und Wichtigeres geführt, als Ihnen der sogenannte zweite Hauptsatz der mechanischen Wärmetheorie: Ein Perpetuum mobile der zweiten Art ist unmöglich — jemals geben kann. Denn er reißt wirklich ein Gebiet der Erscheinungen heraus, das mit anderen Erscheinungen verbunden ist und das-in seiner Eigenart durch diese anderen Erscheinungen ganz selbstverständlich modifiziert wird.
[ 14 ] If you follow this line of thought, you will be led to something far more fundamental and important than the so-called second law of thermodynamics—that a perpetual motion machine of the second kind is impossible—could ever provide. For it effectively isolates a realm of phenomena that is connected to other phenomena and that—by its very nature—is quite naturally modified by these other phenomena.
[ 15 ] Wenn Sie sich klar sind darüber, daß das Gasgebiet und das Lichtgebiet einmal eins waren, daß das Flüssigkeitsgebiet und die chemischen Effekte einmal eins waren und so weiter, so werden Sie die zwei polarischen Gegensätze des Wärmegebietes: das Athergebiet und das ponderable materielle Gebiet, auch in einer ursprünglichen Einheit zu denken haben. Das heißt: Sie werden die Wärme ganz anders zu denken haben in Vorzeiten, als Sie sie jetzt zu denken haben. Da aber kommen Sie darauf, sich sagen zu müssen: Dasjenige, was wir heute als physikalische Erscheinungen bezeichnen, was also doch nur der Ausdruck ist der physischen Entitäten, der physischen Wesenheiten, die da sind, das hat nur eine zeitbegrenzte Bedeutung. Die Physik ist nicht ewig. Sie hat keine Gültigkeit mehr für ganz andere Arten von Wirklichkeiten. Denn natürlich ist eine Wirklichkeit, wo das Gas unmittelbar innerlich leuchtend ist, eine ganz andere Wirklichkeit als diejenige, wo das Gas und das Licht relativ selbständig gegeneinander sind.
[ 15 ] If you realize that the realm of gas and the realm of light were once one, that the realm of liquid and chemical effects were once one, and so on, then you will also have to conceive of the two polar opposites of the realm of heat—the etheric realm and the realm of ponderable matter—as having once been a single, original unity. This means: You will have to conceive of heat in ancient times quite differently than you do now. But then you will come to realize that you must say to yourself: What we today call physical phenomena—which are, after all, merely the expression of the physical entities, the physical essences that exist—has only a temporary significance. Physics is not eternal. It no longer applies to entirely different kinds of realities. For, of course, a reality in which the gas is directly luminous from within is an entirely different reality than one in which the gas and the light are relatively independent of one another.
[ 16 ] Wir kommen also dahin, auf die Zeit zurückzublicken, wo es eine andere Physik gab und auf eine Zukunft zu blicken, wo es eine andere Physik geben wird. Und unsere Physik kann nur dasjenige sein, was uns wiedergibt die jetzige Erscheinung, das, was in unserer unmittelbaren Umgebung ist. Das muß aus der Physik selbst heraus gewonnen werden, damit man nicht das Paradoxe, ja nicht nur Paradoxe, sondern Unsinnige begeht, die physikalischen Erscheinungen unseres Erdengebietes zu studieren, über sie Hypothesen zu machen, und dann diese Hypothesen auf die ganze Welt anzuwenden. Wir wenden unsere irdischen Hypothesen auf die ganze Welt an und vergessen, daß dasjenige, was wir an Physikalischem kennen, eben auf das Erdengebiet zeitlich begrenzt ist. Und daß es räumlich begrenzt ist, das haben wir schon gesehen. Denn in dem Augenblick, wo wir hinauskommen zu der Sphäre, wo die Schwerkraft aufhört und alles nach außen strömt, in dem Augenblick hört unser ganzes physikalisches Weltbild auf.
[ 16 ] We thus find ourselves looking back on a time when there was a different physics and looking toward a future when there will be a different physics. And our physics can only be that which reflects the current phenomena to us—that which exists in our immediate surroundings. This must be derived from physics itself, so that we do not commit the paradox—indeed, not just paradoxes, but absurdities—of studying the physical phenomena of our earthly realm, formulating hypotheses about them, and then applying these hypotheses to the entire world. We apply our terrestrial hypotheses to the entire world and forget that what we know about physics is, in fact, limited in time to the Earth’s sphere. And we have already seen that it is spatially limited. For the moment we venture out into the sphere where gravity ceases and everything flows outward, at that very moment our entire physical worldview comes to an end.


[ 17 ] Wir haben also zu sagen: Unsere Erde ist nicht etwa nur räumlich, sondern als physische Qualität räumlich begrenzt, und es ist ein Unsinn, sich zu denken, daß über die Nullsphäre (siehe Zeichnung) hinausgehend irgendwo da draußen etwas sich finden müsse, worauf dieselben physikalischen Gesetze anwendbar sind. Ebensowenig ist eine Möglichkeit, dieselben physikalischen Gesetze in einer bestimmten Vorzeit und nach einer bestimmten Zeit der Entwickelung als anwendbar zu denken. Das ist der Wahnsinn der Kant-Laplaceschen Theorie, daß man glaubt, man kann dasjenige, was man abstrahiert hat von den gegenwärtigen physischen Erscheinungen der Erde, in beliebiger Weise nach rückwärts anwenden. Aber es ist auch der Wahnsinn der gegenwärtigen Astrophysik, daß man glaubt, was man von irdisch-physischen Wirkungen abstrahiert hat, könne man zum Beispiel jetzt für die Konstitution der Sonne anwenden, man könne auf Grund der physikalischen Gesetze der Erde auch über die Sonne reden.
[ 17 ] We must therefore say: Our Earth is not merely spatially limited, but spatially limited as a physical entity, and it is nonsense to imagine that beyond the sphere of zero (see diagram) there must be something out there to which the same physical laws apply. Nor is it possible to conceive of the same physical laws as applicable at a specific point in the past or after a specific period of development. This is the folly of the Kant-Laplace theory—the belief that one can apply, in any arbitrary manner, what has been abstracted from the present physical phenomena of Earth retroactively. But it is also the folly of contemporary astrophysics to believe that what has been abstracted from terrestrial physical effects can, for example, now be applied to the constitution of the Sun—that one can speak about the Sun on the basis of the physical laws of the Earth.
[ 18 ] Aber ein außerordentlich Wichtiges bietet sich uns, wenn wir die Umschau über die Erscheinungen, die wir gewonnen haben, zusammenhalten mit dem, was sich uns sonst noch ergeben hat, wenn wir also eine Erscheinungsreihe mit der anderen zusammenbringen. Wir haben ja aufmerksam darauf gemacht, daß die Physiker zu der Anschauung gekommen sind, die Eduard von Hartmann mit dem schönen Ausdruck festgehalten hat — dem zweiten Hauptsatz der mechanischen Wärmetheorie, nämlich, daß immer, wenn man Wärme in mechanische Arbeit verwandelt, Wärme übrigbleibt, also zuletzt alles in Wärme übergehen muß und der Wärmetod eintreten muß -, diese Anschauung, die Eduard von Hartmann bezeichnet damit, daß er sagt: «Der Weltprozeß hat die Tendenz auszubummeln.» Nun schön, nehmen wir an, solch ein Ausbummeln des Weltenprozesses finde nach dieser Richtung statt, was sehen wir denn auftreten? Wir sehen, wenn wir Versuche anstellen, die gerade den zweiten Hauptsatz der mechanischen Wärmetheorie veranschaulichen sollen, Wärme auftreten. Wir sehen die mechanischen Wirkungen verschwinden und sehen Wärme auftreten. Was wir da auftreten sehen, erfährt seinen Weitergang. Wir würden ebenso, wenn wir aus der Wärme Licht erzeugen, zeigen können, daß alles dasjenige, was als Wärme dem Licht entspricht, nicht anders ihm entsprechen kann als die Wärme dem mechanischen Prozefß im Sinne des zweiten Hauptsatzes der mechanischen Wärmetheorie, nur umgekehrt. Und so wiederum das Verhältnis zwischen den Lichterscheinungen und den chemischen Erscheinungen.
[ 18 ] But something extraordinarily important becomes apparent to us when we bring together the observations we have gathered with what else has emerged—that is, when we combine one series of phenomena with another. We have, after all, pointed out that physicists have arrived at the view that Eduard von Hartmann captured with the beautiful expression—the second law of mechanical thermodynamics—namely, that whenever heat is converted into mechanical work, heat remains; thus, ultimately, everything must be transformed into heat, and heat death must occur—this view, which Eduard von Hartmann describes by saying: “The world-process has a tendency to ‘loiter.’” Well then, let us assume that such a “slacking off” of the world process takes place in this direction; what do we see happening? We see, when we conduct experiments intended precisely to illustrate the second law of mechanical thermodynamics, that heat arises. We see the mechanical effects disappear and heat arise. What we see happening there continues to unfold. Similarly, if we were to generate light from heat, we could demonstrate that everything in heat that corresponds to light cannot correspond to it in any other way than heat corresponds to the mechanical process in the sense of the second law of mechanical thermodynamics—only in reverse. And so, in turn, the relationship between light phenomena and chemical phenomena.
[ 19 ] Das aber hat uns dazu geführt, zu sagen, daß wir das ganze Weltspektrum so vorzustellen haben, daß es sich im Kreise abschließt. Also, wenn es wirklich wahr wäre, was ja nur die Zusammenfassung einer gewissen Erscheinungsreihe ist, daß die Entropie unseres Weltalls einem Maximum zustrebt, daß der Weltenprozeß ausbummelt, so wäre dafür gesorgt, daß immer einer nachläuft. Da bummelt er aus (es wurde gezeichnet), von der anderen Seite läuft er nach, denn wir müssen ihn als einen Kreis darstellen. Würde also tatsächlich der Wärmetod auf der einen Seite eintreten, so würde auf der anderen Seite ankommen dasjenige, was ihn ausgleicht, was wiederum gegenüber dem Weltentod Weltenschöpfung ist. Das folgt aus der nüchternen Beobachtung der Erscheinungen selber.
[ 19 ] But this has led us to say that we must create a mental image of the entire spectrum of the universe that forms a closed circle. So, if it were really true—which is, after all, merely a summary of a certain series of phenomena—that the entropy of our universe is tending toward a maximum, that the cosmic process is winding down, then it would be ensured that there is always someone following behind. As it winds down on one side (as illustrated), it continues from the other side, because we must represent it as a circle. So if heat death were to actually occur on one side, what counterbalances it—which, in turn, is the creation of a new universe as opposed to the death of the universe—would arrive on the other side. This follows from a sober observation of the phenomena themselves.
[ 20 ] Das rechtfertigt auch, in der Physik schon von Betrachtungen auszugehen, die den Weltenprozeß nicht so betrachten, wie wir gewöhnlich das Sonnenspektrum betrachten, indem wir ihn eben nach der einen Seite, nach der Vergangenheit, ins Unendliche laufen lassen, wie wir das Rot verfolgen ins Unendliche, indem wir ihn nach der anderen Seite in die Zukunft verlaufen lassen, wie wir das Blau verfolgen ins Unendliche, sondern wir müssen den Weltprozeß uns durch einen Kreis symbolisieren. Nur dann kommen wir dem Weltprozeß näher, wenn wir das tun.
[ 20 ] This also justifies starting out in physics with considerations that do not view the process of the universe in the same way we usually view the solar spectrum—by letting it extend in one direction, toward the past, into infinity—just as we trace the red end into infinity—and in the other direction, toward the future, into infinity—just as we trace the blue end into infinity—but rather, we must symbolize the world process as a circle. Only then do we come closer to understanding the world process.
[ 21 ] Nun aber, wenn wir uns den Weltprozeß durch einen Kreis symbolisieren, dann haben wir drinnen dasjenige, was eben in unseren Gebieten gelegen ist. Aber in diesen Gebieten haben wir keine Veranlassung gehabt, akustische Effekte drinnen zu haben. Die liegen gewissermaßen nicht auf der Ebene. Da haben wir wiederum etwas anderes. Von dem wollen wir dann morgen weiter sprechen.
[ 21 ] Now, if we symbolize the world process with a circle, then inside it we have what is located in our regions. But in these regions, we have had no reason to include acoustic effects. In a sense, they do not lie on the plane. There, we have something else entirely. We’ll talk more about that tomorrow.
