Naturalistic Observation, Experimentation, Mathematics
and the Stages of Knowledge in Spiritual Science
GA 324
17 March 1921, Stuttgart
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Anthroposophy and Science, tr. Stuber and Gardner
Zweiter Vortrag
Lecture II
[ 1 ] Ich habe schon gestern in dem einleitenden Vortrage darauf hingewiesen, wie bei der Betrachtung des Überganges menschlicher Erkenntnis von dem gewöhnlichen Erkennen der Außenwelt zum mathematischen Erkennen sich die erste Etappe jenes Weges ergibt, der dann weiter verfolgt dazu führt, auch die geisteswissenschaftliche Methode, wie sie hier gemeint ist, zu durchschauen und anzuerkennen. Es wird ja gerade in diesen Vorträgen mein Bestreben sein, die geisteswissenschaftliche Methode zu charakterisieren und zu rechtfertigen. Das kann im Grunde genommen erst als Ergebnis desjenigen zutage treten, was ich in diesen sieben Vorträgen auseinanderzusetzen habe.
[ 1 ] I pointed out yesterday in my introductory lecture that we can observe a transition from the ordinary knowledge of the world around us to mathematical knowledge, and that this is the beginning of a path of knowledge. This path when continued will lead to an understanding of the spiritual scientific method, as we mean it here, and ultimately to acceptance of it. It will be my special effort in these lectures to characterize the spiritual scientific method in such a way as to completely justify it. To accomplish this task will take the remaining seven lectures.
[ 2 ] Heute möchte ich noch einmal etwas genauer eingehen auf die erste Etappe. Ich möchte vor Sie eine Betrachtung hinstellen, wie sie heute noch in dem wissenschaftlichen Denken vielleicht da oder dort in Fragmenten wohl zutage tritt, wie sie aber zusammenfassend nicht vorhanden ist, und weil sie zusammenfassend nicht vorhanden ist, so liegt auch das vor, daß man dann nicht in der Lage ist, sich methodisch zu erheben von der Umwandlung noch mathematikfreier Wissenschaft zu mathematischer Wissenschaft, von dieser Umwandlung dann zu der anderen, die wir als ganz sachgemäß aus ihr hervorgehend erkennen werden, vom mathematischen Durchdringen der Objektivität zu einem geisteswissenschaftlichen Durchdringen des wirklichen Seins. Ich werde, wie schon angedeutet, ganz stufenweise und methodisch versuchen, diese letzte Etappe durch unsere Betrachtung zu erreichen.
[ 2 ] Today, once again, I would like to consider in greater depth the first stage. I would like to place before you today something which as normal scientific thinking appears here and there in fragments. As these fragments are not always found in the same place and are not seen as a whole, we have the situation that it is not possible to rise in a methodical way from a science that is free of mathematics to one that includes it. We will also have difficultly following in an entirely methodical way the transition from a mathematical penetration of the objective world to a spiritual-scientific penetration into reality.
[ 3 ] Dazu werden wir heute ausgehen von einer Betrachtung des Menschen, so wie er sich selber erlebt im Anschauen, im Beobachten der äußeren Welt. Es wird Ihnen aus Vorträgen, die hier gehalten worden sind, oder wenigstens aus Seminarreferaten, dann aber aus der Lektüre meines Buches «Von Seelenrätseln» bekannt sein, daß man zu einer vollständigen und zureichenden Betrachtung des Menschen doch nur dadurch kommt, daß man einsieht, wie die gesamtmenschliche Organisation sich für ihn in drei deutlich voneinander unterschiedene Glieder spaltet. Wir haben es gewiß zu tun mit dem einheitlichen Menschen. Aber dieser einheitliche Mensch wirkt gerade als der komplizierteste Organismus, der uns zunächst bekannt ist, dadurch, daß er gegliedert ist, ich möchte sagen, in drei Teilorganisationen, die eine gewisse Selbständigkeit in sich haben, die aber dann gerade dadurch, daß sie alles das, was in ihnen liegt, durch diese Selbständigkeit ausbilden und dann wiederum zu einem Ganzen zusammenwirkend gestalten, die konkrete Einheitlichkeit der menschlichen Organisation zustande bringen. Wir haben es da zu tun zunächst mit dem, was ich in meinem Buche «Von Seelenrätseln» genannt habe den Nerven-Sinnesmenschen, dasjenige Glied der menschlichen Organisation, das ja zunächst im menschlichen Haupte seinen am meisten adäquaten Ausdruck hat, das aber von da aus sich wiederum erstreckt über die ganze menschliche Organisation. Allein man darf deswegen, weil solch ein Glied der menschlichen Organisation doch wiederum die Gesamtorganisation durchdringt, nicht übersehen, daß solch ein selbständiges Glied vorhanden ist. Wir können einmal ganz genau unterscheiden von der übrigen menschlichen Organisation — und wir werden auch darüber des weiteren noch zu sprechen haben - den Nerven-Sinnesmenschen, alles dasjenige, was der Vermittler ist unseres Vorstellungslebens. Wir sind vorstellende Menschen dadurch, daß wir imstande sind, dasjenige, was vorstellendes Leben ist, uns selber zu vermitteln durch dasjenige Organ, das man zusammenfassen kann als die Sinne und das von den Sinnen nach der inneren Organisation sich hinziehende Nervensystem.
[ 3 ] I shall also, as I have already mentioned, try to reach this last phase in a methodical way. We will start today by observing the human being as he experiences himself when he looks at the outer world. You will know from my lectures, also my book Riddles of the Soul,1See The Case for Anthroposophy, Anthroposophic Press. that one cannot reach a comprehensive observation of man without splitting the entire human organization into three distinctly different members. Naturally we have eventually to deal with the complete human being. This complete man is however a most complicated organism and its members have a certain independence. Finally we will see how what is contained independently in these members combines into a whole. First we have to look at what I have named in Riddles of the Soul as the nerve-sense man: The member of the human organism that has its primary expression in the head, although from there it extends over the entire organism. Despite this extension we can clearly differentiate this member from the rest of the organism. This physical member is the mediator of our conceptual life. As human beings we make mental pictures and we are able to take the life of these mental pictures to ourselves through our sense organs. From the senses it flows toward our inner organism.
[ 4 ] Nicht in demselben Sinne wie durch das Vorstellungsleben hängen wir mit diesem Nervensystem zusammen durch unser Gefühlsleben. Nur die ungenaue psychologische Betrachtungsweise der neuesten Zeit läßt das übersehen. Das Gefühlsleben ist nicht unmittelbar geknüpft an das Nerven-Sinnessystem, sondern nur mittelbar. Das Gefühlsleben ist unmittelbar geknüpft an alles dasjenige, was wir in der menschlichen Organisation nennen können das rhythmische System, das sich am meisten auslebt in Atmung, in Pulsschlag und in der Blutzirkulation. Die Täuschung, daß unser Gefühlsleben als ein Teil unseres Seelenlebens auch unmittelbar zusammenhänge mit dem Nerven-Sinnessystem, kommt daher, daß wir ja alles dasjenige, was sich in uns als Menschen gefühlsmäßig abspielt, fortwährend mit Vorstellungen begleiten. Und so wie unser Gefühlsleben seelisch fortwährend von Vorstellungen begleitet ist, so ist auch organisch unser rhythmisches System, das sich ja über den ganzen Organismus erstreckt, in Verbindung mit unserem Nerven-Sinnessystem. Es ist eine ähnliche Beziehung zwischen dem rhythmischen System und dem Nerven-Sinnessystem im Körper, wie in der Seele die Beziehung ist zwischen dem Gefühlsleben und dem Vorstellungsleben. Dadurch allein aber drückt sich nun mittelbar unser Gefühlsleben auch durch das Nerven-Sinnessystem aus, daß eben erst in unserem Organismus vermittelt wird das Erleben des Fühlens, das zu seinem Werkzeug im Organismus das rhythmische System hat, daß dieses nun zurückwirkt auf das Nerven-Sinnessystem und dadurch der Schein entsteht, als ob auch unmittelbar das Gefühlsleben mit dem Nerven-Sinnessystem zusammenhinge. Ich habe in meinem Buche «Von Seelenrätseln» besonders darauf aufmerksam gemacht, daß man zum Beispiel beim Studieren desjenigen, was im Menschen beim musikalischen Auffassen vorgeht, gerade auf eine leichte Art darauf kommen kann, wie dieses eben charakterisierte Verhältnis im Menschen besteht.
[ 4 ] The way we are connected with our life of feeling is similar to the way our mental pictures are related to our nervous system. The present-day psychological approach to these things is quite inexact. Our feeling life is not directly connected to our nerve-sense system, only indirectly. It is directly connected to what we call the rhythmic system in the human organism, consisting mainly of breathing, pulse, and blood circulation. The mistaken idea that the life of feeling, as part of the soul life, is directly connected to our nervous system originates from the fact that what we experience as feeling is always accompanied by mental pictures. The physical expression of this is that the rhythmic system is connected throughout the organism with the nerve-sense system. The fact that our life of feeling is always accompanied by a mental picture of some kind is related organically to the fact that the rhythmic system works back onto the nervous system. This can give the appearance that the life of feeling is directly connected to the nerve-sense system. I have pointed out in Riddles of the Soul that if one studies what occurs in us when we listen to music, one can see the relationship correctly between feeling and the forming of mental pictures.
[ 5 ] Außer diesen beiden Systemen, dem Nerven-Sinnessystem, das das Vorstellungsleben, dem rhythmischen System, das das Gefühlsleben vermittelt, haben wir dann das Stoffwechselsystem. Und in den drei Systemen, Nerven-Sinnessystem, rhythmisches System, Stoffwechselsystem, haben wir restlos in bezug auf alles Funktionelle den menschlichen Organismus gegeben. Unmittelbar enspricht das Stoffwechselsystem dem Seelenleben des Wollens, und ein wirkliches Studium des Zusammenhangs zwischen Wollen und menschlichem Organismus wird erst zustande kommen, wenn man die Sache so verfolgen wird, daß man untersuchen wird, wie der Stoffwechselumsatz ist, wenn ein Willensakt oder auch nur ein Willensimpuls sich vollzieht. Jeder Stoffwechselumsatz ist eigentlich bewußt oder unbewußt die physische Grundlage einer Willenstatsache oder eines Willensimpulses. Es hängen zugleich mit dem Stoffwechsel zusammen unsere Bewegungen, und wegen dieser Tatsache, daß mit unserem Stoffwechsel unsere Bewegungen zusammenhängen, hängt auch unsere Beweglichkeit seelisch wiederum mit der Willensbetätigung zusammen. Man muß sich klar sein darüber, daß, indem wir eine Bewegung im Raume ausführen, dieses, ich möchte sagen, die primitivste Willensbetätigung ist. Aber — um dieses Goethesche Wort zu gebrauchen - bei einer urphänomenalen Willensbetätigung ist eben jener Stoffwechselumsatz, der einer Bewegung in uns zugrunde liegt, als solcher physischer Ausdruck für das Seelische einer Willensbetätigung. Und nur dadurch, daß wir wiederum vorstellungsgemäß unsere Willensbetätigungen verfolgen, hängen diese Willensbetätigungen nun auch mittelbar zusammen mit dem NervenSinnessystem. So können wir, ich will das zunächst vorbereitend sagen, das seelische Leben und auch das physische Leben des Menschen in einer Art von Gliederung in drei selbständige organische und seelische Glieder betrachten.
[ 5 ] Besides these two systems, the nerve-sense system which provides the mental image, and the rhythmic System which mediates the life of feeling, we have the metabolic system. Every function of the human organism is contained in these three systems. The metabolic system is the expression of the will, and the real connection between willing and the human organism will become clear only if you study how a metabolic transformative action comes about in us when there is an act of will or even an impulse of will. Every metabolic activity is consciously or unconsciously the physical basis of some act of will or impulse of will. Our capacity for movement is also connected with our will activity and therefore is connected with some kind of metabolic activity. One must be clear about the fact that when we complete a movement in space, this is a primitive activity of the will. To use a saying of Goethe, the “ur-phenomenal” activity of the will can be seen as expressed by the physical transformations that occur in the organism. And, as in the case of feeling, the will activities are indirectly connected with the nerve-sense system through our following our will activities with mental pictures. So we can say, to start with, that our soul life and also our physical life can be divided in three ways organically as well as into three soul aspects.
[ 6 ] Wir wollen nun heute einmal versuchen, wie mit Bezug auf den beobachtenden Menschen von einem gewissen Gesichtspunkt aus sich diese drei Glieder der menschlichen physischen und seelischen Organisation verhalten. Da möchte ich vor allen Dingen dasjenige betrachtend vor Sie hinstellen, was die Anschauung der Dimensionalität des Raumes ist. Wir müssen schon auf diese, ich möchte sagen, exakteren, minuziöseren Dinge eingehen, weil ja gerade diese Vorträge dazu dienen wollen, geisteswissenschaftliche Betrachtung als Fortsetzung der gewöhnlichen wissenschaftlichen Betrachtung exakt zu zeigen. Wir betrachten da zunächst dasjenige, was ich Nerven-Sinnesorganismus genannt habe. Dieser Nerven-Sinnesorganismus ist ja hauptsächlich, wie ich schon gesagt habe, in der Hauptesorganisation, in der Kopforganisation des Menschen enthalten, und von der Kopforganisation, die in der Hauptsache den Nerven-Sinnesmenschen enthält, dehnt sich dann das Nerven-Sinnesleben über den übrigen menschlichen Organismus aus, diesen gewissermaßen imprägnierend. Man könnte sagen, für eine nun nicht äußerlich genommene Betrachtung des Menschen setzt sich der Kopf durch den ganzen Menschen fort. Wenn wir zum Beispiel innerhalb der Sinnesorganisation die Wärmeperzeption über den ganzen Organismus ausgedehnt haben, so bedeutet das nichts anderes, als daß diejenige Organisationsart, die hauptsächlich im Kopfe für den wichtigsten Teil des Sinnenlebens gelegen ist, für dieses Spezielle der Wärmeempfindung sich nun über den ganzen menschlichen Organismus ausdehnt, so daß in gewisser Beziehung mit Bezug auf die Wärmeperzeption der ganze Mensch Kopf ist.
[ 6 ] Let us try today to look at man from a certain point of view so that we may see how these three members of our physical organism and our soul organization relate to one another. We must also go into some detail to achieve our task of showing that spiritual science is a continuation of the familiar scientific way of considering things. First of all, let us consider what I have named the nerve-sense organism. This nerve-sense organism is contained mainly in the head, as I have already mentioned, but from there it extends over the rest of the organism, in a certain way impregnating it. This is not obvious if one looks at just the outer form of a human being, but it does in fact extend inwardly through the whole organism. Take the sense of warmth as an example, which extends over the entire organism. This can be seen as a part of our nerve-sense organization that for the most part is concentrated in the head, in the life of the senses, and yet is extended over the whole organism, making the whole human being into a kind of head in regard to this particular sense of warmth.
[ 7 ] Sehen Sie, diese Auseinandersetzung werden einem heutzutage außerordentlich übelgenommen. Denn man hat sich so sehr an äußerliche Betrachtungsweisen gewöhnt, daß man meint, man müsse, wenn von drei Gliedern des menschlichen Organismus geredet wird, diese so ganz räumlich gesondert nebeneinanderstellen können, und ein Professor der Anatomie, der nach solcher räumlichen Sonderung strebte, hat dann den Geschmack gehabt, zu sagen, es würde geteilt durch Anthroposophie der Mensch in ein Kopfsystem, in ein Brustsystem und in ein Bauchsystem. Nun ja, mit solchen Dingen kann man unsachlich Anthroposophie treffen. Aber darum handelt es sich ja gewiß nicht, sondern es handelt sich darum, sachgemäß auf diese Dinge wirklich einzugehen und wissen zu lernen, daß in der Wirklichkeit die Dinge nicht so räumlich gesondert sind, wie man es sich heute vielfach dilettantisch vorstellt, sondern daß sie ineinandergreifen, ineinanderfließen — was ja insbesondere auch beachtet werden muß, wenn man richtig verstehen will das Ineinanderwirken der drei Glieder des dreigliedrigen sozialen Organismus.
[ 7 ] For most people it is distasteful nowadays to try to understand this kind of problem. Because we have become so used to an outer way of considering things, the three members of the human organism are considered spatially, as separate from one another. There is a professor of anatomy who takes this view, who has asserted that anthroposophy separates the human organism spatially into head system, chest system, and abdominal system. This is clearly erroneous. It is of course not what we have said; we wish to approach these things precisely, not in dilettante fashion. One must know these things correctly, especially if one also wants to understand how three elements flow into one another and compose the threefold social organism.
[ 8 ] Nun, die Kopforganisation ist ja ganz gewiß diejenige Organisation, die, zunächst ergibt das der rein empirische Tatbestand, am meisten mit dem Erkennen, wenigstens mit dem mathematischen Erkennen, das zunächst in der äußeren Welt an den Menschen herantritt, zu tun hat. Bei dieser Kopforganisation können wir nun rein empirisch konstatieren, daß dasjenige, was wir Dimensionalität nennen können, uns, ich möchte sagen, zunächst nur in einem Anflug entgegentritt. Wir werden das, um was es sich hier handelt, am besten einsehen, wenn wir drei Betätigungsweisen des Menschen ins Auge fassen; die erste diejenige, die ich nennen möchte den totalen Sehakt, das Sehen, das Beobachten der Welt mit den Augen. Aber, wie Sie gleich sehen werden, es handelt sich um den totalen Sehakt, nämlich um das Beobachten der äußeren Objekte mit unseren zwei Augen. Zweitens haben die Arme und Hände des Menschen, obzwar sie am Rumpfe befestigt sind, und obzwar sie in einer gewissen Beziehung durchaus zum Gliedmaßensystem gehören, doch auch wiederum eine innige Beziehung zum rhythmischen System. Sie sind durch ihr besonderes Ansetzen in der Nähe des rhythmischen Systems gewissermaßen durch das Leben, durch das Funktionelle am Menschen umgestaltet. Sie sind angepaßt als Gliedmaßen demjenigen Leben, das wir das rhythmische Leben nennen können, und weil sie nach außen gelegen sind, die Arme und die Hände, so können wir uns an ihnen manches verdeutlichen, was wir uns zunächst an den inneren Gliedern des rhythmischen Systems nicht so leicht dürften verdeutlichen können. Also wohlgemerkt, es handelt sich darum, daß wir in Armen und Händen wohl Gliedmaßen haben, daß aber diese Gliedmaßen wegen ihrer besonderen Stellung am menschlichen Organismus, ich möchte sagen, durch das Leben, durch das Funtionelle angepaßt sind dem Rhythmischen. Sie können dieses Rhythmische in den Armen, in den Händen verfolgen, wenn Sie sich sagen, wie stark dasjenige, was wir im Gefühl haben, also in demjenigen, was mit dem rhythmischen System zusammenhängt, in der Gebärde, in der freien Beweglichkeit der Arme und der Hände zum Ausdruck kommt. Es sind eben im Menschenleben diese Gliedmaßen ganz und gar, möchte ich sagen, um eine Stufe des Erlebens heraufgehoben. . Sie sind veranlagt als Gliedmaßen, sind aber durchaus nicht so wie beim Tiere in den Dienst gestellt, in dem eben die Gliedmaßen stehen, sondern sind befreit von dem Dienst des Gliedmaßenlebens und werden, ich möchte sagen, wie in einer unsichtbaren Sprache zu einem Ausdruck des menschlichen Gefühlslebens, sind also angepaßt dem rhythmischen System. Als dritte Funktion möchte ich dann vor Sie hinstellen dasjenige, was wir als das Gehen betrachten können, also eine im eminentesten Sinne durch das Gliedmaßensystem des Menschen vor sich gehende Betätigung.
[ 8 ] To begin with it is empirically evident that it is the head organization that has most to do with cognition, at least mathematical cognition, as it approaches man in the outer world. In relation to this head organizatiion we can now empirically establish that what we can call “dimensionality” confronts us initially as a kind of intimation. You will see best what I mean if we consider the three modes of human activity. The first of these I would like to call the total act of seeing, observation of the world with our own two eyes. Secondly, I would mention man's arms and hands. Even though they are attached to man's trunk and are therefore in a certain way connected with the metabolic system, they also have an inner relationship to the rhythmic system. Through their attachment near the rhythmic system, they are influenced by the life and functioning of this system. The fact that they are located beside the rhythmic system, which is more hidden, allows them to reveal the nature of what would normally be hidden. Please listen carefully; I repeat: The arms and hands, because of their specific location on the human body and through their life functions, can be seen as belonging to the rhythmic system. The most obvious demonstration of this connection is the way they are used freely in gestures to express feelings. When they are used in this way, they are lifted to a higher function than serving merely the body. In the case of animals, the corresponding members, the legs, are used only to serve the body, but in human beings the arms are freed for a higher function. Through the fact that they are used for gestures in connection with speech, they have the higher function of making the invisible aspects of speech visible.
[ 9 ] Sehen, Armbewegung und Gehen, wir wollen sie einmal nun wirklich wissenschaftlich vor die Seele führen. Das Sehen mit den zwei Augen: Wenn man es betrachtet in seiner TIotalität, so kommt man darauf, daß zunächst, völlig von aller Verstandestätigkeit unabhängig, das Gesehene sich uns darstellt in zwei Dimensionen. Ich kann, wenn ich das Gesehene Ihnen darstellen will seiner Dimensionalität nach, einfach die zwei Dimensionen hier auf die Tafel zeichnen (siehe Zeichnung) als zwei aufeinander senkrecht stehende Koordinaten. Ich möchte es so zeichnen, daß das mit späteren Ableitungen stimmt, indem ich die beiden Linien nur punktiere. Ich möchte in dieser Tatsache, daß ich die beiden Linien nur punktiere, zum Ausdruck bringen, daß eigentlich in unser Verstandesbewußtsein dieses Zweidimensionale gar nicht aufgenommen wird, wenn wir sehen.
[ 9 ] The third mode is the activity of walking, an activity primarily of the limb system. Let us consider the activities of seeing, arm movement, and walking from a scientific point of view. In general, what you see with both eyes presents itself to you in two dimensions and these dimensions are independent of any mental activity. I can represent these two dimensions by these perpendicular coordinates. I will draw these as dotted lines for the purpose of later references I wish to make. With these dotted lines representing two dimensions, I want to express the fact that our mental activity of comprehension is not really involved when we look only at these two dimensions.

[ 10 ] Dagegen liegt es anders mit der dritten Dimension. Die dritte Dimension, wir können sie nennen die Tiefendimension, also die Tiefe von unseren Augen aus gesehen, diejenige Dimension, die in der Richtung von rückwärts nach vorne liegt, steht nicht in gleichem Sinne fertig vor unserer Seele, ganz unabhängig etwa von unserem Verstand. Sie steht vor uns als dasjenige, was wir als innere Verstandesoperation vollziehen, wenn wir die sonst flächenhaft gesehenen Dinge zum Körperhaften ergänzen durch die Tiefendimension. Was wir da ausführen, entzieht sich in einer gröberen Weise allerdings unserer bewußten Tätigkeit. Allein, wenn man in feinerer Art auf die bewußte Tätigkeit eingeht, so wird man durchaus darauf kommen, daß man diese Tiefendimension in einer anderen Weise erlebt als die beiden anderen, die ich nennen will die Höhen- und die Breitendimension. Man kann schon gewahr werden, wie man in einer gewissen Weise abschätzt in bezug auf diese Tiefendimension, wie weit irgend etwas von uns entfernt ist. Es kommt zu der gewöhnlichen Anschauung, zu der Augenanschauung etwas hinzu, wenn wir die Flächendimensionalität ergänzen im Bewußtsein zur körperhaften Dimensionalität, so daß wir sagen können: Solange wir innerhalb unseres Bewußtseins stehenbleiben, können wir nicht sagen, wie dasjenige zustande kommt, was Höhendimension ist und Breitendimension. Wir müssen Höhendimension und Breitendimension einfach hinnehmen. Sie sind in der Sehanschauung einfach gegeben. Nicht so die Tiefendimension, also die dritte Dimension. Ich zeichne sie deshalb hier perspektivisch als Vollinie ein, womit ich andeuten will, daß diese Vollinie als Tiefendimension schon auf einer ins Bewußtsein wenigstens leise hereinspielenden Betätigung, auf einer bewußten, sagen wir, halbbewußten Betätigung beruht, so daß wir sagen können: Wenn wir den Sehakt ins Auge fassen, so sind uns zunächst rein gedanklich, nämlich erst wenn wir den Sehakt gedanklich durchdringen, die Höhen- und die Breitendimensionen gegeben. Die Tiefendimension beruht schon auf einer Betätigung des Bewußtseins, auf einer Betätigung der halbbewußten Verstandesoperation. Daher muß auch, wie Sie ja vielleicht schon gehört haben, die anatomisch-physiologische Ausdeutung des totalen Sehaktes so verfahren, daß sie dem Sehen eigentlich nur zuschreibt — also demjenigen, was Sehen ist noch ohne Verstandestätigkeit — das Zustandekommen der gesehenen Flächenausdehnung. Dagegen muß sie zuschreiben schon der Großhirntätigkeit, also nicht mehr der Vierhügeltätigkeit, diesem Organ im menschlichen Körper, von welchem die veranschaulichende Augenbetätigung abhängt, das körperliche Verhalten beim Sehen, sondern es muß bezüglich der Tiefendimension dem Großhirn, dem Vermittler auch der willensmäßigen Verstandesoperationen, das Anatomisch-Physiologische zugeschrieben werden. Wir können schon in einer gewissen Weise, wenn auch, ich möchte sagen, leise vom Bewußtsein erfaßt, die Tiefendimension synthetisch und analytisch behandeln. Sie gehört in den Bereich desjenigen, was ich nennen möchte die bewußte Betätigung durch das menschliche Haupt.
[ 10 ] The third dimension is in sharp contrast to this. The third dimension of depth does not stand ready-made before our soul independent of any mental activity. It confronts us as something we undergo as an inner operation of the mind when we supplement what we normally see as the surface of things with the depth dimension and thus obtain a three-dimensional body. Roughly speaking, what we actually do in this case is not brought to consciousness. But when we enter into the activity more precisely, we see that one experiences the depth dimension in a different way from width and height dimensions. We can become aware, for instance, how we are able to guess how distant something is from us. In ordinary observation something is added to the mere observation of the eyes when we progress from a surface-picture consciousness to a full-bodied three-dimensional consciousness. So long as we remain within our consciousness, we cannot say how height perception and width perception are achieved. We simply have to accept the height and width dimensions; for the activity of seeing they are simply given. This is not true of the depth dimension. For this reason I will draw it in perspective; I will draw a solid line to represent the difference. In this third dimension of depth, we are able to have the act of perceiving enter our consciousness in a slightly conscious way. Thus we recognize when we examine the act of seeing, that the height and width dimensions are given to us purely in thought; that is, if we penetrate the act of seeing with our thoughts. The depth dimension, however, is based an an activation of consciousness, a kind of half-conscious mental operation. Therefore, what you may already have heard as the physiological and anatomical interpretation of the total act of seeing must be accepted only in reference to the physical components of the act of seeing, to that aspect which does not involve an operation of the mind; only the perception of surface can be attributed to the act of seeing. In contrast, when considering the depth dimension, it is not sufficient to merely consider the activity of the corpora quadrigemina, the organ in the human body upon which the visualizing activity of the eyes depends, the bodily aspect of seeing—here the cerebrum must serve a mediating function, the cerebrum being that part of the brain to which are attributed the anatomical-physiological aspects of the volitional operation of the intellect. Thus we can grasp this depth dimension when we examine it carefully, using both analytical and synthetic means. The matter of depth perception belongs into the realm of what I would like to call “conscious activation through the human head.”
[ 11 ] Wenn wir nun vom Sehakt übergehen zu demjenigen Akt, der entsteht durch die Betätigung in der Arme- und Händebewegung, dann handelt es sich darum, daß wir eintauchen in ein allerdings noch schwer mit dem Bewußtsein zu ergreifendes Element. Aber wir können schon immerhin auf dasjenige, was sich vollzieht, indem wir verfolgen unser Gefühlsleben jetzt in freier Betätigung unserer Arme und Hände und der Gebärden, wir können schon ebenso hier auf dasjenige, was eigentlich der Mensch tut, aufmerksam werden, wie wir aufmerksam werden auf die Betätigung in bezug auf die Tiefendimension durch die zwei menschlichen Augen. Was ist es denn eigentlich, was uns diese Tiefendimension vermittelt? Es ist die Einstellung des linken und des rechten Auges. Es ist die Übereinanderkreuzung der linken und der rechten Augenachse. Ob diese Übereinanderkreuzung in größerer oder geringerer Entfernung von uns selber sich vollzieht, davon hängt die hauptverstandesmäßige Beurteilung der Tiefendimension ab. Es ist wenig äußerlich anschaulich diejenige Betätigung, die der Beurteilung dieser Tiefendimension eigentlich zugrunde liegt.
[ 11 ] When we turn our attention from the act of seeing to that activity which may be seen externally through the movement of the arms and hands, we immerse ourselves in an element that is very difficult to grasp consciously. Even so, we can follow what takes place in our life of feeling when we gesture with our arms and hands, which are free for this kind of activity, and we can become aware of the way this action is related to depth perception with our two eyes. What is it really that depth perception mediates to us? It is the exact position of the left and the right eye. It is the convergence of the left axis and right axis of sight. The mental judgment of the distance of some object from us depends upon the distance at which the lines of sight cross each other. Very little of this convergence activity of the eyes lying at the basis of the judgment of depth is outwardly perceptible.
[ 12 ] Wenn wir nun davon übergehen auf die Betätigung der menschlichen Arme und Hände, dann finden wir, daß wir allerdings in deutlicher Weise schon unterscheiden können auch nur bei einer einigermaßen stattfindenden Anstrengung unseres Bewußtseins, daß wir allerdings, indem wir die Arme in horizontalem Kreise bewegen, deutlich unterscheiden können, wie sich diese Armbewegung bewußt abspielt in der Dimension des Rechts-Links, also in der Dimension, die ich als die Breitendimension bezeichnen möchte. Wer das menschliche Leben genauer zu analysieren imstande ist, der wird wissen, daß alles dasjenige, was der Mensch beurteilt in bezug auf diese Breitendimension, ja in der Tat zusammenhängt mit demjenigen Fühlen, das wir haben, indem wir uns wissen als ein Mensch, der die volle Breitendimension durchmißt mit einem linken und mit einem rechten Arme. Wir haben ein gefühlsmäßiges Erleben desjenigen, was wir Symmetrie nennen, welches Erleben vorzugsweise ja in der Breitendimension sich abspielt. Wir haben ein solches Erleben vor allen Dingen durch das Gefühl, das wir vermittelt bekommen durch unseren linken und rechten Arm. Allerdings übersetzt sich nun dieses Fühlen unserer eigenen Symmetrie vorzugsweise durch die entsprechenden Bewegungen des linken und rechten Armes, die wir fühlen, so daß wir das Symmetriesein in diesem zusammengehörigen Bewegen des linken und rechten Armes fühlen. Es übersetzt sich uns das gefühlsmäßige Erfassen der Breitendimension vorzugsweise durch die Symmetrie in ein Vorstellungsleben, und wir beurteilen dann die Symmetrie auch im Vorstellungsleben. Allein Sie werden nicht übersehen können, daß dieses Beurteilen der Symmetrien der Breitendimension im Grunde genommen etwas Sekundäres ist, und derjenige, der nur anschauen könnte das Symmetrische und nicht ein Gefühl haben würde beim Symmetrischen, beim Entsprechen des symmetrischen Links dem symmetrischen Rechts, der würde die Symmetrie doch blaß und trocken und nüchtern und verstandesmäßig bloß erleben. Derjenige lebt richtig in allem drinnen, was uns Symmetrie sagen kann, der symmetrisch auch erfühlen kann. Aber erfühlen können wir das Symmetrische als Menschen nur dadurch, daß wir uns in einer leisen Weise immer bewußt werden der Zusammengehörigkeit der Bewegungen des linken und des rechten Armes, beziehungsweise der linken und der rechten Hand. Auf das, was wir da gefühlsmäßig erleben, stützt sich eigentlich alles dasjenige, was wir mit Bezug auf die Breitendimension erleben können.
[ 12 ] When we turn to the activity of our arms and hands, we find we are able to distinguish more exactly, with little effort of consciousness, what is happening inwardly when we move our arms in the horizontal plane, in the dimension of right-left, in the width dimension. If we look carefully, our judgment in relation to the width dimension is connected with the feeling we have when we consciously move our arms in a horizontal gesture expressing how wide something is. We have a feeling experience of what we call symmetry. This experience takes place particularly in the width dimension, through the feeling that is mediated to us through our left and right arm movements. Through the corresponding movements of our left and right arms we can actually feel our own symmetry. Our grasping in feeling of the width dimension is translated for us chiefly through the medium of symmetry into mental pictures, and we then also evaluate symmetry in our mental life. But we must not overlook the fact that this judging of the symmetry of the width dimension is something secondary: If we only looked at the symmetry without having the accompanying feelings that correspond to the symmetrical aspects of left and right, our experience would be pale, dry and wanting in its full reality. You can understand all that symmetry shows us if you can feel the symmetry. But you can really only feel the symmetry through the delicate process of becoming conscious of the fact that the movements of the left and right arms belong together, and in the same way the movements of the hands belong together. What we experience in feeling thus supports everything we can experience in relation to the width dimension.

[ 13 ] Aber auch dasjenige, was wir vorher in bezug auf den Sehakt die Tiefendimension genannt haben, wird uns in einer gewissen Weise doch bewußt durch etwas, was ja auch mit unseren Armen zustande kommt. Wie wir die Sehlinien, die Visierlinien kreuzen, so kreuzen wir ja auch die Arme, und es ist, ich möchte sagen, die gröbere Übersetzung des Sehaktes, wenn wir die Arme irgendwo kreuzen. Wir können gerade durch das Aufeinanderfolgen der Punkte, die wir bekommen, wenn wir die Arme kreuzen, uns hineinleben in dasjenige, was Tiefendimension ist, so daß wir, wenn wir vollständig erleben dasjenige, was wir in unserer Armorganisation haben, nun durchaus nicht fertig vor uns haben die zweite Dimension, die Breitendimension, wie wir sie beim Sehakt fertig vor uns haben, sondern wenn wir symbolisch ausdrücken wollen dasjenige, was nun in bezug auf die Dimensionalität beim Arme- und Händeorganismus entsteht, so müßte ich so zeichnen: die Breitendimension, die Tiefendimension (voll ausgezogene Linien). Und nur die Höhendimension, die ist fertig für dasjenige, was ich erlebe durch meine Armorganisation (punktierte Linie). Wir lassen, indem wir unsere Gebärden ausführen, indem wir gewissermaßen mit unseren Gebärden bewußt durchsetzen diejenige Fläche, welche sich zusammensetzt aus der Tiefen- und aus der Breitendimension, vollständig im Unbewußten liegen die Höhendimension, die dritte Dimension. Wann tritt diese dritte Dimension eigentlich erst in das deutliche Bewußtsein? Sie tritt in das deutliche Bewußtsein erst beim Gehakt. Wenn wir uns vom Ort bewegen, da wird die Linie, welche in dieser dritten Dimension, in der Höhendimension liegt, fortwährend eine andere, und wenn auch wiederum das Verstandesbewußtsein von dieser dritten Dimension beim Gehen ein außerordentlich leises ist, so können wir doch nicht übersehen, daß es in der Tat halbbewußt innerhalb der Verstandesoperation liegt, diese dritte Dimension in Erwägung zu ziehen. Gewiß, im groben äußeren Bewußtsein rechnen wir nicht mit der Veränderung dieser Linie in der Höhendimension. Aber indem wir überhaupt gehen und das Gehen als einen Willensakt entwickeln, verändern wir fortwährend diese Linie in der Höhendimension, und wir müssen uns sagen: Es ist ebenso leise bewußt dasjenige, was in dieser dritten Dimension vorgeht, für das Gehen, wie leise bewußt ist für den Sehakt dasjenige, was in der Tiefendimension vorgeht. Wenn wir also die Dimensionalität jetzt zeichnen wollen für dasjenige, was mit Hilfe des eigentlichen Gliedmaßenorgans geschieht, das nicht an irgend etwas anderes als an die Gliedmaßenbetätigung angepaßt ist, wenn wir die Dimensionalität studieren am Gehakt, der an die Beine und Füße gebunden ist, dann werden wir sagen können: da drinnen, bei diesem Gehakt, fühlen wir verstandesgemäß eine Betätigung innerhalb aller drei Dimensionen, so daß ich den Gehakt dann zu zeichnen habe mit drei Vollinien.
[ 13 ] But also what we have called the depth dimension in relation to the act of seeing enters our consciousness through something to be found in the activity of our arms. The way the axes of our vision intersect is similar to the way our arms can intersect. When our arms intersect, we have a certain equivalent to the act of seeing. When we cross our arms, first close to us and then farther away, if we follow the points of intersection we can get a sense of depth dimension by trying to experience what is going on in our arms. In these moments we don't experience the width dimension as fully as we do—with no effort on our part—in the act of seeing. But if I would represent symbolically what is expressed in relation to the dimensions by the arms and hands, I would have to sketch the width dimension and the depth dimension as full lines and the height dimension as a dotted line. That is all that I can experience through my arms. The height dimension remains unconscious to us when we make gestures, because we connect our gestures consciously with a surface which is made up of depth and width dimensions. When does the third dimension show itself in a distinct, conscious way? Actually, it only appears to our consciousness in the act of walking. When we move from one place to another, then the line which is this third, vertical dimension changes continually, and although our consciousness of this third dimension while we walk is almost imperceptible, we must not overlook it. In fact, the half-conscious intellectual awareness we can experience is related to this height dimension. Certainly in our casual outer consciousness we don't take into account the changes in position of this line representing the height dimension. But in general when we walk and exercise this walking as an act of will, we continually reestablish the line. We have to say: The delicate consciousness of what is happening in the third dimension when we walk is similar in kind to the delicate consciousness of depth in our act of seeing. If I want now to draw the dimensional aspect of what happens in the activity of the body through the legs and feet, we can say: In the act of walking we can experience an intellectual awareness of activity going on in all three dimensions. So I have to draw the act of walking with three full lines.

[ 14 ] Wir erleben also — wenn Sie rückblicken auf dasjenige, was ich gesagt habe, werden Sie ein deutliches Bewußtsein davon bekommen im Sehakt, der in ganz ausgesprochenem Maße angehört der Hauptes- oder Kopforganisation, eine fertige Zweidimensionalität und eine Betätigung zur Herstellung der dritten Dimension, der Tiefe. Wir erleben in demjenigen, was wir als den Ausdruck gebrauchten für das rhythmische System, in der Arme- und Händebewegung, die Dimensionalität so, daß wir in unserem eigenen Akt zwei Dimensionen voll erleben und die dritte Dimension noch ebenso fertig im Bewußtsein dasteht wie sonst die zwei zur Fläche sich bildenden Dimensionen für die Kopforganisation im Sehakt. Erst im eigentlichen Gliedmaßenorganismus, der also zum dritten System, zum Stoffwechselsystem des Menschen gehört — den erkennen wir nur, wenn wir die das Gehen begleitenden Stoffumsetzungen studieren -, in diesem dritten System enthüllt sich uns alles dasjenige, was den Raum durchmißt nach seinen drei Dimensionen.
[ 14 ] Therefore, when we examine the act of seeing, which obviously belongs to the head organization, we realize that in the act of seeing there is given ready-made a two-dimensional activity, and in addition we must establish an activity that creates the third dimension—depth. In the action which we have described as representative of the rhythmic system, namely, the free movement of the arms and hands, we can have an inner experience of two spatial dimensions. The third spatial dimension—height—is given to our consciousness in the same way that width and breadth are given for the head organization in the act of seeing. Only in the metabolic-limb system (the connection between these two is only recognized when we study the metabolic activity in the act of walking) is everything open to our consciousness that gives us the full measure of three dimensions.
[ 15 ] Nun brauchen Sie nur noch die folgende Erwägung anzustellen, so werden Sie auf außerordentlich Wichtiges kommen. Alles dasjenige, was in unserem Vorstellungsleben enthalten ist, ist im Grunde genommen der einzige Inhalt unseres vollen wachenden Bewußtseins. Dasjenige aber, was in unserem Gefühlsleben enthalten ist, kommt nicht mit derselben Deutlichkeit, mit derselben lichten Klarheit in unser Bewußtsein herein. Wir werden im weiteren Verlauf dieser Betrachtungen noch sehen, wie die eigentlichen Gefühle keine stärkere Intensität im Bewußtsein haben als die Träume und genauso wie die Träume dann vom Tagesleben, vom voll erwachten Vorstellungsleben reproduziert werden, dadurch deutliche Vorstellungen werden, also ins klare Bewußtsein hereintreten, so werden fortwährend auch beim wachen Tagesleben die Gefühle begleitet von den sie ausdrückenden Vorstellungen. Dadurch werden unsere Gefühle, die sonst nur mit der Intensität des Traumlebens auftreten, in das deutliche, helle Bewußtsein eben des Vorstellungslebens hereingezogen.
[ 15 ] If you consider the following, you will have something extraordinarily important. The only content of our fully alert consciousness is the life of mental pictures. In contrast to this, our life of feeling does not come into our consciousness with the same clarity. As we shall see later, our feelings by themselves have no greater intensity in our consciousness than our dreams. Dreams are rendered from the clear content of daily life, from the fully alert life of mental pictures; in this way they become distinct mental pictures in our consciousness. In the same way, our feelings in daily life are continually accompanied by the mental pictures representing them during our waking hours. In this way our feelings, which otherwise only possess the intensity of dream life, are brought to the distinct, fully conscious life of mental pictures.
[ 16 ] Vollständig im Unterbewußtsein bleiben ja die eigentlichen Willensbewegungen ihrer Wesenheit nach. Wodurch wissen wir eigentlich etwas vom Willen? Im Grunde genommen wissen wir von dem Willen selbst seiner Wesenhaftigkeit nach im gewöhnlichen Erkennen ja nichts, und das findet sich, ich möchte sagen, auch dokumentiert, ausgesprochen in einer solchen Psychologie wie der von Theodor Ziehen, der ja im Grunde genommen in seiner «Physiologischen Psychologie» nur vom Vorstellungsleben spricht. Die Tatsache, die er aber nicht kennt, die ich Ihnen eben jetzt vorgeführt habe, daß das Gefühlsleben eigentlich an den rhythmischen Organismus gebunden ist und nur aufstrahlt in das Vorstellungsleben, die bringt Theodor Ziehen abstrakt so zum Ausdruck, daß er sagt: Eigentlich können wir als Psychologen nur das Vorstellungsleben verfolgen und finden gewisse Vorstellungen gefühlsbetont. — Also gewissermaßen wären die Gefühle nur Eigenschaften des Vorstellungslebens. Das alles beruht eben darauf, daß von einem solchen Psychologen die eigentliche menschliche Organisation nicht durchschaut wird, die sich eben durchaus so verhält, wie ich jetzt zum Ausdruck gebracht habe. Die Gefühle bleiben, weil sie an den rhythmischen Organismus gebunden sind, im halbbewußten Zustand des Traumes, und völlig im Unbewußten bleibt das eigentliche Wesen der Willensakte. Daher werden sie von den gewöhnlichen Psychologen überhaupt nicht mehr beschrieben. Lesen Sie die sonderbaren Ausführungen gerade Theodor Ziehens über die Willensbetätigung, so werden Sie sehen, daß dem Beobachtungsvermögen dieser Psychologen die innere Betätigung des Willens- wir werden darauf zu sprechen kommen, wie sie ist- durchaus aus der Hand fällt. In der äußeren Beobachtung haben wir eben nichts anderes gegeben als das, was wir anschauen können, das Ergebnis eines Willensaktes. Wir wissen nicht das Innere, was sich vollzogen hat, wenn ein Willensimpuls unseren Arm bewegt. Wir sehen nur den Arm sich bewegen, also die äußere Tatsache beobachten wir hinterher. Wir begleiten dadurch die Offenbarungen unseres Willens mit Vorstellungen und dadurch betrachten wir sie, die sonst durchaus nur organisch durch das Stoffwechselsystem und das mit dem in Verbindung stehende Gliedmaßensystem vermittelt sind, auch als zusammenhängend mit dem Vorstellungswesen.
[ 16 ] The will-movements remain completely in the subconscious. How do we know anything of the will? Basically, in our everyday consciousness we know nothing of the real nature of the will. This is made clear in the psychology of Theodor Ziehen, for instance, who in his Physiological Psychology speaks only of the life of mental pictures or the representational life of the mind. He says: As psychologists we can only follow the life of mental images, but we find certain mental images to be tinged with feeling. The fact that the life of feeling, as I explained to you just now, is bound up with the rhythmic system and only shines up into the life of mental pictures, this is unknown to Theodor Ziehen. In his view, feelings are only an aspect of the life of mental pictures. This psychologist simply has no insight into the actual organization of the human being, which I have now to describe to you. Because feelings are bound up with the rhythmic system, they remain in the half-conscious realm of dreaming. And the will activity remains completely unconscious. That's the reason why the average psychologist does not write about it. Just read Theodor Ziehen's strange explanations concerning the activity of the will, and you will see that its real nature is completely missed by such psychologists. When we observe the result of an act of will, this is only something we are able to look at externally. We do not know what has happened inwardly when a will impulse moves our arm. We only see the arm move; that is, we observe the outer happening afterward.
[ 17 ] Aber erst in diesem Gliede des menschlichen Organismus, in dem Stoffwechselsystem, das also körperlich entspricht dem Seelischen des Willensaktes, enthüllt sich uns die Dreidimensionalität, die daher innig zusammenhängt mit einem menschlichen System, dessen Betätigung sich im wesentlichen unbewußt abspielt. Diese Dreidimensionalität kann uns ihrer Wirklichkeit nach also eigentlich nicht für die gewöhnliche Erkenntnis vorliegen. Sie kann erst enthüllt werden, wie wir sehen werden, wenn wir ebenso mit lichter Klarheit hinschauen in unser Willensleben wie sonst in unser Vorstellungsleben. Das kann mit dem gewöhnlichen Erkennen nicht geschehen, sondern, wie wir sehen werden, erst mit dem geisteswissenschaftlichen Erkennen. Darauf aber, auf der Gesamtbetätigung des Menschen, auf alldem, was in seinem Gliedmaßen- und Stoffwechselsystem lebt, ruht die Dreidimensionalität als Erleben im Unterbewußtsein. Und was geschieht? Aus dem Unterbewußtsein wird sie heraufgehoben zunächst von der Willens-Gliedmaßensphäre in die rhythmische Sphäre. Da wird sie dann nur noch erlebt als Zweidimensionaliität, und die dritte Dimension, die noch im Willenswirken unmittelbar erlebt wird in ihrer Realität, diese dritte Dimension, die Höhendimension, ist bereits abstrakt geworden.
[ 17 ] Thus we accompany the manifestations of our will with mental images; they are mediated organically through the metabolic system and the limb system related to it. So it is only in part of the human organism, in the metabolic system—which is the bodily aspect of the soul's will activity—that we experience the reality of all three dimensions of space. In our ordinary process of knowing the reality of the three dimensions cannot be grasped. It cannot be grasped, as we will see, until we are able to look with the same clarity into our will activity as we normally do into our mental activity. It cannot come about in our ordinary way of knowing but only with spiritual-scientific knowledge. It is through the activation of the entire man, of the entire limb-and-metabolic system, that our subconscious experience of the three dimensions comes about. What happens is that what is contained in the metabolic-limb system is lifted into the rhythmic system. There it is experienced in its two-dimensional aspect, not in its total reality. When experienced in two dimensions, the height dimension has already become abstract. Only in the subconscious do we normally experience the height dimension.
[ 18 ] Sie sehen hier in der menschlichen Organisation das Abstraktwerden der Realität durch die Betätigung des Menschen selbst. Sie erleben im Unterbewußtsein diese Höhendimension. Durch die menschliche Organisation wird diese Höhendimension schon abstrakt zur bloßen gezogenen Linie, zum bloßen Gedanken in der rhythmischen Organisation. Und in der Nerven-Sinnesorganisation, was tritt da ein? Die beiden Dimensionen werden abstrakt. Sie werden nicht mehr erlebt. Sie können nur noch gedacht werden mit dem hinterher an die Sache herankommenden Verstand, so daß wir in dem Organ unserer eigentlichen gewöhnlichen Erkenntnis, in dem Kopfe, nur die Möglichkeit haben, die zwei Dimensionen abstrakt verstandesmäßig zum Ausdruck zu bringen. Nur von der dritten, der Tiefendimension, haben wir, ich möchte sagen, ein leises Bewußtsein auch noch in unserem Haupte. Sie sehen also, dadurch, daß wir dieses leise Bewußtsein von der Tiefendimension in unserem Haupte haben, sind wir in der Lage, überhaupt noch etwas zu wissen im gewöhnlichen Bewußtsein von der Realität der Dimensionen. Würde durch unsere Organisation diese Tiefendimension, die wir eigentlich nur am Sehakt ordentlich studieren können, ebenso abstrakt, dann würden wir überhaupt nur drei abstrakte Linien haben. Wir würden gar nicht darauf kommen, Realitäten für diese drei abstrakten Linien zu suchen.
[ 18 ] You can see how reality becomes an abstraction in the human organization through the human activity itself. In the working of the human organization, the height or vertical dimension already becomes an abstraction, appearing as a mere line, a mere thought in the region of the rhythmic system. Following this up into the nerve-sense system, what occurs? Both height and width become abstraction. We can no longer experience them; they can only be thought by the intellect as we approach the subject afterward. So in the head, the region of our ordinary knowledge, we only have the possibility of expressing the two dimensions abstractly. It is only the depth dimension for which we still have a faint consciousness in the head. So you can see, it is only due to a delicate perception of the depth dimension that we are able to know anything at all in our normal consciousness of the spatial dimensions. Please now consider: With our present constitution, what if depth perception should become equally abstract? Then we would be left with just three abstract lines—and it would never even occur to us to search for the realities represented by those abstract lines.
[ 19 ] Damit habe ich Sie auf die Realität, auf die Wirklichkeit gewiesen für dasjenige, was im Kantianismus in einer unwirklichkeitsgemäßen Weise zutage tritt. Da wird gesagt, der Raum sei mit seinen drei Dimensionen a priori in der menschlichen Organisation enthalten, und die menschliche Organisation versetze eigentlich ihre subjektiven Erlebnisse in den Raum hinein. Warum kam Kant zu dieser Einseitigkeit? Er kam dazu, weil er nicht wußte, daß dasjenige, was wir nur in der leisen Andeutung der Tiefendimension durch die Nerven-Sinnesorganisation, aber sonst abstrakt erleben, im Unterbewußten in der Realität erlebt wird, dann heraufgetrieben wird in das Bewußtsein und dadurch zur Abstraktion gebracht wird bis zu diesem kleinen Rest in der Tiefendimension. Die Dreidimensionalität erleben wir durch unsere eigene menschliche Organisation. Sie ist in ihrer Realität vorhanden in dem Willenssystem und physiologisch-physisch in dem Stoffwechsel-Gliedmaßensystem. Sie ist zunächst unbewußt für das gewöhnliche Bewußtsein und wird diesem gewöhnlichen Bewußtsein nur bewußt in der Abstraktheit des mathematisch-geometrischen Raumes.
[ 19 ] In this way I have pointed you toward reality. In Kantianism this reality appears in an unreal form. Kantianism speaks of the three dimensions being contained a priori in the human organization, and of the human organization transposing its subjective experience out into space. How is it that Kant came to this one-sided view? He arrived at this because he did not know that what is brought into consciousness in the delicate experience of the depth dimension, and otherwise abstractly, is experienced in its reality in our subconscious. As it is pushed up into consciousness, it is made into an abstraction, with only a small remainder in the case of depth dimension. We experience the reality of the three dimensions through our individual human organization. The reality is present in actuality in the realm of the will, and physiologically in the metabolic-limb system. Initially in this system we are unconscious of reality in our ordinary mind, but we become conscious of it, at first in the thought abstractions of mathematical-geometrical space.
[ 20 ] Ich wollte Ihnen damit ein Beispiel zunächst geben von der Art und Weise, wie Geisteswissenschaft auf die menschliche Betätigung eingehen kann, wie sie eben nicht bei Abstraktionen stehen bleibt wie das Apriori im Kantischen Sinn von Raum und Zeit, sondern wie sie wirklich konkret eingeht auf die Wirklichkeit des Menschen und dadurch darauf kommt, wie sich die Dinge eigentlich im Menschen verhalten. Ich wollte Ihnen gerade dieses Beispiel geben, weil uns dieses Beispiel der eigentlichen Bedeutung des Raumes, wie ich noch weiter ausführen werde, nun hineinführt in eine genauere Erkenntnis des Wesens des Mathematischen nach allen Seiten hin.
[ 20 ] With this subject of the three dimensions I wished to give an example of the ways and means by which spiritual science can penetrate human activity. We don't have to remain on the abstract level—where, for example, Kant regards space and time as a priori—but we can progress to a discovery of the concrete aspects of the reality of the human being. I wanted to use this particular example of the actual meaning of space because it will be useful in the future in leading us to an exact understanding of the mathematical facts from all sides.
[ 21 ] Davon dann morgen weiter.
[ 21 ] We will speak further of this tomorrow.
