Naturalistic Observation, Experimentation, Mathematics
and the Stages of Knowledge in Spiritual Science
GA 324
17 March 1921, Stuttgart
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Naturalistic Observation, Experimentation, Mathematics, tr. SOL
Zweiter Vortrag
Second Lecture
[ 1 ] Ich habe schon gestern in dem einleitenden Vortrage darauf hingewiesen, wie bei der Betrachtung des Überganges menschlicher Erkenntnis von dem gewöhnlichen Erkennen der Außenwelt zum mathematischen Erkennen sich die erste Etappe jenes Weges ergibt, der dann weiter verfolgt dazu führt, auch die geisteswissenschaftliche Methode, wie sie hier gemeint ist, zu durchschauen und anzuerkennen. Es wird ja gerade in diesen Vorträgen mein Bestreben sein, die geisteswissenschaftliche Methode zu charakterisieren und zu rechtfertigen. Das kann im Grunde genommen erst als Ergebnis desjenigen zutage treten, was ich in diesen sieben Vorträgen auseinanderzusetzen habe.
[ 1 ] As I pointed out yesterday in the introductory lecture, when considering the transition of human cognition from the ordinary perception of the external world to mathematical cognition, the first stage of that path emerges—a path which, when pursued further, leads to an understanding and recognition of the method of Spiritual Science as it is meant here. Indeed, my aim in these lectures will be precisely to characterize and justify the Spiritual Science method. Fundamentally, this can only come to light as a result of what I am to discuss in these seven lectures.
[ 2 ] Heute möchte ich noch einmal etwas genauer eingehen auf die erste Etappe. Ich möchte vor Sie eine Betrachtung hinstellen, wie sie heute noch in dem wissenschaftlichen Denken vielleicht da oder dort in Fragmenten wohl zutage tritt, wie sie aber zusammenfassend nicht vorhanden ist, und weil sie zusammenfassend nicht vorhanden ist, so liegt auch das vor, daß man dann nicht in der Lage ist, sich methodisch zu erheben von der Umwandlung noch mathematikfreier Wissenschaft zu mathematischer Wissenschaft, von dieser Umwandlung dann zu der anderen, die wir als ganz sachgemäß aus ihr hervorgehend erkennen werden, vom mathematischen Durchdringen der Objektivität zu einem geisteswissenschaftlichen Durchdringen des wirklichen Seins. Ich werde, wie schon angedeutet, ganz stufenweise und methodisch versuchen, diese letzte Etappe durch unsere Betrachtung zu erreichen.
[ 2 ] Today I would like to go into a bit more detail about the first stage. I would like to present to you a line of thought that, even today, perhaps surfaces here and there in fragments within scientific thinking, but which does not exist in its entirety; and because it does not exist in its entirety, it also follows that one is then unable to methodically rise from the transformation of science—still free of mathematics—into mathematical science, and from this transformation to the next, which we shall recognize as arising quite appropriately from it: from the mathematical penetration of objectivity to a Spiritual Science-based penetration of real being. As already indicated, I will attempt, step by step and methodically, to reach this final stage through our examination.
[ 3 ] Dazu werden wir heute ausgehen von einer Betrachtung des Menschen, so wie er sich selber erlebt im Anschauen, im Beobachten der äußeren Welt. Es wird Ihnen aus Vorträgen, die hier gehalten worden sind, oder wenigstens aus Seminarreferaten, dann aber aus der Lektüre meines Buches «Von Seelenrätseln» bekannt sein, daß man zu einer vollständigen und zureichenden Betrachtung des Menschen doch nur dadurch kommt, daß man einsieht, wie die gesamtmenschliche Organisation sich für ihn in drei deutlich voneinander unterschiedene Glieder spaltet. Wir haben es gewiß zu tun mit dem einheitlichen Menschen. Aber dieser einheitliche Mensch wirkt gerade als der komplizierteste Organismus, der uns zunächst bekannt ist, dadurch, daß er gegliedert ist, ich möchte sagen, in drei Teilorganisationen, die eine gewisse Selbständigkeit in sich haben, die aber dann gerade dadurch, daß sie alles das, was in ihnen liegt, durch diese Selbständigkeit ausbilden und dann wiederum zu einem Ganzen zusammenwirkend gestalten, die konkrete Einheitlichkeit der menschlichen Organisation zustande bringen. Wir haben es da zu tun zunächst mit dem, was ich in meinem Buche «Von Seelenrätseln» genannt habe den Nerven-Sinnesmenschen, dasjenige Glied der menschlichen Organisation, das ja zunächst im menschlichen Haupte seinen am meisten adäquaten Ausdruck hat, das aber von da aus sich wiederum erstreckt über die ganze menschliche Organisation. Allein man darf deswegen, weil solch ein Glied der menschlichen Organisation doch wiederum die Gesamtorganisation durchdringt, nicht übersehen, daß solch ein selbständiges Glied vorhanden ist. Wir können einmal ganz genau unterscheiden von der übrigen menschlichen Organisation — und wir werden auch darüber des weiteren noch zu sprechen haben - den Nerven-Sinnesmenschen, alles dasjenige, was der Vermittler ist unseres Vorstellungslebens. Wir sind vorstellende Menschen dadurch, daß wir imstande sind, dasjenige, was vorstellendes Leben ist, uns selber zu vermitteln durch dasjenige Organ, das man zusammenfassen kann als die Sinne und das von den Sinnen nach der inneren Organisation sich hinziehende Nervensystem.
[ 3 ] To this end, we will begin today with a consideration of the human being as he experiences himself in the act of perceiving and observing the external world. You will know from lectures that have been given here, or at least from seminar presentations, and then from reading my book On the Mysteries of the Soul, that a complete and adequate understanding of the human being can only be attained by recognizing how the entire human organism is divided into three distinct parts. We are certainly dealing with a unified human being. But this unified human being functions precisely as the most complex organism known to us, in that it is structured—I would say—into three sub-organizations that possess a certain degree of autonomy; yet it is precisely because they develop everything inherent within them through this autonomy and then, in turn, work together to form a whole that they bring about the concrete unity of the human organization. We are dealing here, first of all, with what I have called in my book On the Riddles of the Soul the “nervous-sensory human”—that part of the human organization which finds its most adequate expression, first and foremost, in the human head, but which from there extends throughout the entire human organization. However, just because such a component of human organization permeates the entire organization, we must not overlook the fact that such an independent component exists. We can make a very precise distinction—and we will have more to say about this later—between the “nervous-sensory human” and the rest of the human organization: the nervous-sensory human is the very mediator of our life of imagination. We are imaginative human beings in that we are capable of mediating to ourselves what constitutes the life of mental images through that organ which can be summarized as the senses and the nervous system extending from the senses into the inner organization.
[ 4 ] Nicht in demselben Sinne wie durch das Vorstellungsleben hängen wir mit diesem Nervensystem zusammen durch unser Gefühlsleben. Nur die ungenaue psychologische Betrachtungsweise der neuesten Zeit läßt das übersehen. Das Gefühlsleben ist nicht unmittelbar geknüpft an das Nerven-Sinnessystem, sondern nur mittelbar. Das Gefühlsleben ist unmittelbar geknüpft an alles dasjenige, was wir in der menschlichen Organisation nennen können das rhythmische System, das sich am meisten auslebt in Atmung, in Pulsschlag und in der Blutzirkulation. Die Täuschung, daß unser Gefühlsleben als ein Teil unseres Seelenlebens auch unmittelbar zusammenhänge mit dem Nerven-Sinnessystem, kommt daher, daß wir ja alles dasjenige, was sich in uns als Menschen gefühlsmäßig abspielt, fortwährend mit Vorstellungen begleiten. Und so wie unser Gefühlsleben seelisch fortwährend von Vorstellungen begleitet ist, so ist auch organisch unser rhythmisches System, das sich ja über den ganzen Organismus erstreckt, in Verbindung mit unserem Nerven-Sinnessystem. Es ist eine ähnliche Beziehung zwischen dem rhythmischen System und dem Nerven-Sinnessystem im Körper, wie in der Seele die Beziehung ist zwischen dem Gefühlsleben und dem Vorstellungsleben. Dadurch allein aber drückt sich nun mittelbar unser Gefühlsleben auch durch das Nerven-Sinnessystem aus, daß eben erst in unserem Organismus vermittelt wird das Erleben des Fühlens, das zu seinem Werkzeug im Organismus das rhythmische System hat, daß dieses nun zurückwirkt auf das Nerven-Sinnessystem und dadurch der Schein entsteht, als ob auch unmittelbar das Gefühlsleben mit dem Nerven-Sinnessystem zusammenhinge. Ich habe in meinem Buche «Von Seelenrätseln» besonders darauf aufmerksam gemacht, daß man zum Beispiel beim Studieren desjenigen, was im Menschen beim musikalischen Auffassen vorgeht, gerade auf eine leichte Art darauf kommen kann, wie dieses eben charakterisierte Verhältnis im Menschen besteht.
[ 4 ] We are connected to this nervous system through our emotional life, though not in the same way as through our imaginative life. Only the imprecise psychological approach of recent times causes this to be overlooked. The emotional life is not directly linked to the nervous-sensory system, but only indirectly. Emotional life is directly linked to everything we can call the rhythmic system within the human organism, which finds its fullest expression in breathing, the pulse, and blood circulation. The misconception that our emotional life—as a part of our soul life—is also directly connected to the nervous-sensory system arises from the fact that we constantly accompany everything that takes place within us as human beings on an emotional level with mental images. And just as our emotional life is constantly accompanied by mental images in the soul, so too is our rhythmic system—which, after all, extends throughout the entire organism—organically connected to our nervous-sensory system. The relationship between the rhythmic system and the nervous-sensory system in the body is similar to the relationship in the soul between the emotional life and the life of the imagination. However, our emotional life is expressed indirectly through the nervous-sensory system solely because the experience of feeling—which has the rhythmic system as its instrument within the organism—is mediated within our organism; this rhythmic system then exerts a reciprocal effect on the nervous-sensory system, thereby creating the appearance that the emotional life is also directly connected to the nervous-sensory system. In my book On the Mysteries of the Soul, I drew particular attention to the fact that, for example, when studying what takes place in a person during musical perception, one can quite easily come to understand how this relationship, which I have just characterized, exists in human beings.
[ 5 ] Außer diesen beiden Systemen, dem Nerven-Sinnessystem, das das Vorstellungsleben, dem rhythmischen System, das das Gefühlsleben vermittelt, haben wir dann das Stoffwechselsystem. Und in den drei Systemen, Nerven-Sinnessystem, rhythmisches System, Stoffwechselsystem, haben wir restlos in bezug auf alles Funktionelle den menschlichen Organismus gegeben. Unmittelbar enspricht das Stoffwechselsystem dem Seelenleben des Wollens, und ein wirkliches Studium des Zusammenhangs zwischen Wollen und menschlichem Organismus wird erst zustande kommen, wenn man die Sache so verfolgen wird, daß man untersuchen wird, wie der Stoffwechselumsatz ist, wenn ein Willensakt oder auch nur ein Willensimpuls sich vollzieht. Jeder Stoffwechselumsatz ist eigentlich bewußt oder unbewußt die physische Grundlage einer Willenstatsache oder eines Willensimpulses. Es hängen zugleich mit dem Stoffwechsel zusammen unsere Bewegungen, und wegen dieser Tatsache, daß mit unserem Stoffwechsel unsere Bewegungen zusammenhängen, hängt auch unsere Beweglichkeit seelisch wiederum mit der Willensbetätigung zusammen. Man muß sich klar sein darüber, daß, indem wir eine Bewegung im Raume ausführen, dieses, ich möchte sagen, die primitivste Willensbetätigung ist. Aber — um dieses Goethesche Wort zu gebrauchen - bei einer urphänomenalen Willensbetätigung ist eben jener Stoffwechselumsatz, der einer Bewegung in uns zugrunde liegt, als solcher physischer Ausdruck für das Seelische einer Willensbetätigung. Und nur dadurch, daß wir wiederum vorstellungsgemäß unsere Willensbetätigungen verfolgen, hängen diese Willensbetätigungen nun auch mittelbar zusammen mit dem NervenSinnessystem. So können wir, ich will das zunächst vorbereitend sagen, das seelische Leben und auch das physische Leben des Menschen in einer Art von Gliederung in drei selbständige organische und seelische Glieder betrachten.
[ 5 ] In addition to these two systems—the nervous-sensory system, which mediates the life of the imagination, and the rhythmic system, which mediates the life of feeling—we also have the metabolic system. And in these three systems—the nervous-sensory system, the rhythmic system, and the metabolic system—we have fully accounted for all the functional aspects of the human organism. The metabolic system corresponds directly to the soul life of volition, and a true study of the connection between volition and the human organism will only come about when one approaches the matter by investigating what the metabolic process is like when an act of volition—or even just a volitional impulse—takes place. Every metabolic process is, in fact—whether consciously or unconsciously—the physical basis of an act of will or a volitional impulse. Our movements are also connected to metabolism, and because our movements are linked to our metabolism, our physical mobility is in turn connected, on a psychological level, to the exercise of the will. One must be clear about the fact that when we perform a movement in space, this is, I would say, the most primitive act of the will. But—to use this phrase of Goethe’s—in a primordial act of the will, it is precisely that metabolic process underlying a movement within us that serves, as such, as the physical expression of the psychological aspect of an act of the will. And it is only because we, in turn, trace our acts of will through imagination that these acts of will are now also indirectly connected to the nervous-sensory system. Thus, I would like to say this first by way of introduction, we can view the psychological life and also the physical life of the human being as a kind of structure divided into three independent organic and psychological components.
[ 6 ] Wir wollen nun heute einmal versuchen, wie mit Bezug auf den beobachtenden Menschen von einem gewissen Gesichtspunkt aus sich diese drei Glieder der menschlichen physischen und seelischen Organisation verhalten. Da möchte ich vor allen Dingen dasjenige betrachtend vor Sie hinstellen, was die Anschauung der Dimensionalität des Raumes ist. Wir müssen schon auf diese, ich möchte sagen, exakteren, minuziöseren Dinge eingehen, weil ja gerade diese Vorträge dazu dienen wollen, geisteswissenschaftliche Betrachtung als Fortsetzung der gewöhnlichen wissenschaftlichen Betrachtung exakt zu zeigen. Wir betrachten da zunächst dasjenige, was ich Nerven-Sinnesorganismus genannt habe. Dieser Nerven-Sinnesorganismus ist ja hauptsächlich, wie ich schon gesagt habe, in der Hauptesorganisation, in der Kopforganisation des Menschen enthalten, und von der Kopforganisation, die in der Hauptsache den Nerven-Sinnesmenschen enthält, dehnt sich dann das Nerven-Sinnesleben über den übrigen menschlichen Organismus aus, diesen gewissermaßen imprägnierend. Man könnte sagen, für eine nun nicht äußerlich genommene Betrachtung des Menschen setzt sich der Kopf durch den ganzen Menschen fort. Wenn wir zum Beispiel innerhalb der Sinnesorganisation die Wärmeperzeption über den ganzen Organismus ausgedehnt haben, so bedeutet das nichts anderes, als daß diejenige Organisationsart, die hauptsächlich im Kopfe für den wichtigsten Teil des Sinnenlebens gelegen ist, für dieses Spezielle der Wärmeempfindung sich nun über den ganzen menschlichen Organismus ausdehnt, so daß in gewisser Beziehung mit Bezug auf die Wärmeperzeption der ganze Mensch Kopf ist.
[ 6 ] Today we will try to examine, from a certain point of view and with reference to the observing human being, how these three aspects of the human physical and psychological organization relate to one another. Above all, I would like to present to you the concept of the dimensionality of space. We must delve into these—I would say—more precise, more meticulous matters, because these lectures are intended precisely to demonstrate how Spiritual Science observation is a continuation of ordinary scientific observation. We will first consider what I have called the nervous-sensory organism. This nervous-sensory organism is, as I have already said, contained primarily in the head organization of the human being, and from the head organization—which essentially contains the nervous-sensory human being—the nervous-sensory life then extends throughout the rest of the human organism, permeating it, so to speak. One could say that, from a perspective that does not take the human being from the outside, the head extends throughout the entire human being. If, for example, we have extended the perception of warmth throughout the entire organism within the sensory organization, this means nothing other than that the type of organization which is located mainly in the head for the most important part of sensory life now extends throughout the entire human organism for this specific aspect of the sensation of warmth, so that, in a certain sense with regard to the perception of warmth, the whole human being is head.
[ 7 ] Sehen Sie, diese Auseinandersetzung werden einem heutzutage außerordentlich übelgenommen. Denn man hat sich so sehr an äußerliche Betrachtungsweisen gewöhnt, daß man meint, man müsse, wenn von drei Gliedern des menschlichen Organismus geredet wird, diese so ganz räumlich gesondert nebeneinanderstellen können, und ein Professor der Anatomie, der nach solcher räumlichen Sonderung strebte, hat dann den Geschmack gehabt, zu sagen, es würde geteilt durch Anthroposophie der Mensch in ein Kopfsystem, in ein Brustsystem und in ein Bauchsystem. Nun ja, mit solchen Dingen kann man unsachlich Anthroposophie treffen. Aber darum handelt es sich ja gewiß nicht, sondern es handelt sich darum, sachgemäß auf diese Dinge wirklich einzugehen und wissen zu lernen, daß in der Wirklichkeit die Dinge nicht so räumlich gesondert sind, wie man es sich heute vielfach dilettantisch vorstellt, sondern daß sie ineinandergreifen, ineinanderfließen — was ja insbesondere auch beachtet werden muß, wenn man richtig verstehen will das Ineinanderwirken der drei Glieder des dreigliedrigen sozialen Organismus.
[ 7 ] You see, people today take this line of reasoning extremely badly. For they have become so accustomed to external perspectives that they believe when speaking of the three members of the human organism, one must be able to place them side by side in a completely spatially separate manner; and a professor of anatomy who strove for such spatial separation even went so far as to say that, according to anthroposophy, the human being is divided into a head system, a chest system, and an abdominal system. Well, yes, one can attack anthroposophy in an unobjective way with such arguments. But that is certainly not the point; rather, the point is to address these matters properly and to come to understand that, in reality, things are not as spatially separate as is often the case in an amateurish mental image, but that they interlock and and flow into one another—which must be taken into account in particular if one wishes to correctly understand the interplay of the three members of the threefold social organism.
[ 8 ] Nun, die Kopforganisation ist ja ganz gewiß diejenige Organisation, die, zunächst ergibt das der rein empirische Tatbestand, am meisten mit dem Erkennen, wenigstens mit dem mathematischen Erkennen, das zunächst in der äußeren Welt an den Menschen herantritt, zu tun hat. Bei dieser Kopforganisation können wir nun rein empirisch konstatieren, daß dasjenige, was wir Dimensionalität nennen können, uns, ich möchte sagen, zunächst nur in einem Anflug entgegentritt. Wir werden das, um was es sich hier handelt, am besten einsehen, wenn wir drei Betätigungsweisen des Menschen ins Auge fassen; die erste diejenige, die ich nennen möchte den totalen Sehakt, das Sehen, das Beobachten der Welt mit den Augen. Aber, wie Sie gleich sehen werden, es handelt sich um den totalen Sehakt, nämlich um das Beobachten der äußeren Objekte mit unseren zwei Augen. Zweitens haben die Arme und Hände des Menschen, obzwar sie am Rumpfe befestigt sind, und obzwar sie in einer gewissen Beziehung durchaus zum Gliedmaßensystem gehören, doch auch wiederum eine innige Beziehung zum rhythmischen System. Sie sind durch ihr besonderes Ansetzen in der Nähe des rhythmischen Systems gewissermaßen durch das Leben, durch das Funktionelle am Menschen umgestaltet. Sie sind angepaßt als Gliedmaßen demjenigen Leben, das wir das rhythmische Leben nennen können, und weil sie nach außen gelegen sind, die Arme und die Hände, so können wir uns an ihnen manches verdeutlichen, was wir uns zunächst an den inneren Gliedern des rhythmischen Systems nicht so leicht dürften verdeutlichen können. Also wohlgemerkt, es handelt sich darum, daß wir in Armen und Händen wohl Gliedmaßen haben, daß aber diese Gliedmaßen wegen ihrer besonderen Stellung am menschlichen Organismus, ich möchte sagen, durch das Leben, durch das Funtionelle angepaßt sind dem Rhythmischen. Sie können dieses Rhythmische in den Armen, in den Händen verfolgen, wenn Sie sich sagen, wie stark dasjenige, was wir im Gefühl haben, also in demjenigen, was mit dem rhythmischen System zusammenhängt, in der Gebärde, in der freien Beweglichkeit der Arme und der Hände zum Ausdruck kommt. Es sind eben im Menschenleben diese Gliedmaßen ganz und gar, möchte ich sagen, um eine Stufe des Erlebens heraufgehoben. . Sie sind veranlagt als Gliedmaßen, sind aber durchaus nicht so wie beim Tiere in den Dienst gestellt, in dem eben die Gliedmaßen stehen, sondern sind befreit von dem Dienst des Gliedmaßenlebens und werden, ich möchte sagen, wie in einer unsichtbaren Sprache zu einem Ausdruck des menschlichen Gefühlslebens, sind also angepaßt dem rhythmischen System. Als dritte Funktion möchte ich dann vor Sie hinstellen dasjenige, was wir als das Gehen betrachten können, also eine im eminentesten Sinne durch das Gliedmaßensystem des Menschen vor sich gehende Betätigung.
[ 8 ] Well, the mental organization is certainly the one that—as the purely empirical facts show—has the most to do with cognition, at least with mathematical cognition, which first approaches human beings in the external world. With regard to this mental organization, we can now state purely empirically that what we might call dimensionality presents itself to us—I would say—at first only as a fleeting impression. We will best understand what is at stake here if we consider three modes of human activity; the first is what I would like to call the total act of seeing—that is, seeing and observing the world with the eyes. But, as you will soon see, this refers to the total act of seeing, namely, the observation of external objects with our two eyes. Second, although the human arms and hands are attached to the torso and, in a certain sense, are certainly part of the limb system, they also have an intimate relationship with the rhythmic system. Due to their specific attachment near the rhythmic system, they are, so to speak, transformed by life, by the functional aspects of the human being. As limbs, they are adapted to that life which we might call the rhythmic life, and because the arms and hands are located on the outside, we can use them to clarify many things that we might not be able to clarify so easily by looking at the inner parts of the rhythmic system. So, to be clear: the point is that while our arms and hands are indeed limbs, these limbs—because of their specific position within the human organism—are, I would say, adapted to the rhythmic through life itself, through their functional nature. You can trace this rhythmic quality in the arms and hands if you consider how strongly what we feel—that is, what is connected to the rhythmic system—is expressed in gesture and in the free mobility of the arms and hands. In human life, these limbs are, I would say, elevated by an entire level of experience. . They are constituted as limbs, but are by no means put to the same service as in animals—where the limbs simply serve a function—but are liberated from the service of limb life and become, I would say, as if in an invisible language, an expression of human emotional life; they are thus adapted to the rhythmic system. As a third function, I would like to present to you what we can regard as walking—that is, an activity carried out, in the most eminent sense, by the human limb system.
[ 9 ] Sehen, Armbewegung und Gehen, wir wollen sie einmal nun wirklich wissenschaftlich vor die Seele führen. Das Sehen mit den zwei Augen: Wenn man es betrachtet in seiner TIotalität, so kommt man darauf, daß zunächst, völlig von aller Verstandestätigkeit unabhängig, das Gesehene sich uns darstellt in zwei Dimensionen. Ich kann, wenn ich das Gesehene Ihnen darstellen will seiner Dimensionalität nach, einfach die zwei Dimensionen hier auf die Tafel zeichnen (siehe Zeichnung) als zwei aufeinander senkrecht stehende Koordinaten. Ich möchte es so zeichnen, daß das mit späteren Ableitungen stimmt, indem ich die beiden Linien nur punktiere. Ich möchte in dieser Tatsache, daß ich die beiden Linien nur punktiere, zum Ausdruck bringen, daß eigentlich in unser Verstandesbewußtsein dieses Zweidimensionale gar nicht aufgenommen wird, wenn wir sehen.
[ 9 ] Seeing, arm movement, and walking—let us now examine them in a truly scientific manner. Seeing with both eyes: When considered in its totality, one realizes that, at first—completely independent of any mental activity—what we see presents itself to us in two dimensions. If I want to illustrate the dimensionality of what we see, I can simply draw the two dimensions here on the board (see drawing) as two perpendicular coordinate axes. I would like to draw them in such a way that they correspond to later derivations, by drawing the two lines as dotted lines. By drawing the two lines as dotted lines, I wish to express that, in fact, this two-dimensionality is not actually taken up by our conscious mind when we see.


[ 10 ] Dagegen liegt es anders mit der dritten Dimension. Die dritte Dimension, wir können sie nennen die Tiefendimension, also die Tiefe von unseren Augen aus gesehen, diejenige Dimension, die in der Richtung von rückwärts nach vorne liegt, steht nicht in gleichem Sinne fertig vor unserer Seele, ganz unabhängig etwa von unserem Verstand. Sie steht vor uns als dasjenige, was wir als innere Verstandesoperation vollziehen, wenn wir die sonst flächenhaft gesehenen Dinge zum Körperhaften ergänzen durch die Tiefendimension. Was wir da ausführen, entzieht sich in einer gröberen Weise allerdings unserer bewußten Tätigkeit. Allein, wenn man in feinerer Art auf die bewußte Tätigkeit eingeht, so wird man durchaus darauf kommen, daß man diese Tiefendimension in einer anderen Weise erlebt als die beiden anderen, die ich nennen will die Höhen- und die Breitendimension. Man kann schon gewahr werden, wie man in einer gewissen Weise abschätzt in bezug auf diese Tiefendimension, wie weit irgend etwas von uns entfernt ist. Es kommt zu der gewöhnlichen Anschauung, zu der Augenanschauung etwas hinzu, wenn wir die Flächendimensionalität ergänzen im Bewußtsein zur körperhaften Dimensionalität, so daß wir sagen können: Solange wir innerhalb unseres Bewußtseins stehenbleiben, können wir nicht sagen, wie dasjenige zustande kommt, was Höhendimension ist und Breitendimension. Wir müssen Höhendimension und Breitendimension einfach hinnehmen. Sie sind in der Sehanschauung einfach gegeben. Nicht so die Tiefendimension, also die dritte Dimension. Ich zeichne sie deshalb hier perspektivisch als Vollinie ein, womit ich andeuten will, daß diese Vollinie als Tiefendimension schon auf einer ins Bewußtsein wenigstens leise hereinspielenden Betätigung, auf einer bewußten, sagen wir, halbbewußten Betätigung beruht, so daß wir sagen können: Wenn wir den Sehakt ins Auge fassen, so sind uns zunächst rein gedanklich, nämlich erst wenn wir den Sehakt gedanklich durchdringen, die Höhen- und die Breitendimensionen gegeben. Die Tiefendimension beruht schon auf einer Betätigung des Bewußtseins, auf einer Betätigung der halbbewußten Verstandesoperation. Daher muß auch, wie Sie ja vielleicht schon gehört haben, die anatomisch-physiologische Ausdeutung des totalen Sehaktes so verfahren, daß sie dem Sehen eigentlich nur zuschreibt — also demjenigen, was Sehen ist noch ohne Verstandestätigkeit — das Zustandekommen der gesehenen Flächenausdehnung. Dagegen muß sie zuschreiben schon der Großhirntätigkeit, also nicht mehr der Vierhügeltätigkeit, diesem Organ im menschlichen Körper, von welchem die veranschaulichende Augenbetätigung abhängt, das körperliche Verhalten beim Sehen, sondern es muß bezüglich der Tiefendimension dem Großhirn, dem Vermittler auch der willensmäßigen Verstandesoperationen, das Anatomisch-Physiologische zugeschrieben werden. Wir können schon in einer gewissen Weise, wenn auch, ich möchte sagen, leise vom Bewußtsein erfaßt, die Tiefendimension synthetisch und analytisch behandeln. Sie gehört in den Bereich desjenigen, was ich nennen möchte die bewußte Betätigung durch das menschliche Haupt.
[ 10 ] The situation is different, however, with the third dimension. The third dimension—which we can call the depth dimension, that is, depth as seen from our eyes, the dimension that extends from back to front—does not stand ready before our soul in the same sense, entirely independent of our intellect, for example. It stands before us as that which we accomplish as an inner mental operation when we supplement things—which are otherwise perceived as two-dimensional—with physicality through the depth dimension. What we carry out there, however, eludes our conscious activity in a rather crude way. However, if one examines conscious activity in a more subtle way, one will certainly come to realize that one experiences this depth dimension differently from the other two—which I shall call the height and width dimensions. One can already become aware of how, in a certain way, one estimates—with regard to this depth dimension—how far something is from us. Something is added to ordinary perception—to visual perception—when we supplement the two-dimensionality of the plane in our consciousness with three-dimensionality, so that we can say: As long as we remain within our consciousness, we cannot say how the dimensions of height and width come about. We must simply accept the dimensions of height and width. They are simply given in visual perception. This is not the case with the dimension of depth—that is, the third dimension. I therefore draw it here in perspective as a solid line, by which I wish to indicate that this solid line, as the depth dimension, is already based on an activity that at least faintly enters into consciousness—on a conscious, or let us say, semi-conscious activity—so that we can say: When we consider the act of seeing, the dimensions of height and width are initially given to us purely intellectually—that is, only when we intellectually penetrate the act of seeing. The dimension of depth, however, is already based on an activity of consciousness, on a semi-conscious mental operation. Therefore, as you may have already heard, the anatomical-physiological interpretation of the total act of seeing must proceed in such a way that it actually attributes to seeing alone—that is, to what seeing is even without intellectual activity—the emergence of the perceived spatial extent. In contrast, it must attribute to the activity of the cerebrum—that is, no longer to the activity of the four hills, that organ in the human body on which the visual activity of the eyes depends, nor to the physical behavior involved in seeing—the physical aspects of vision; rather, with regard to the depth dimension, the anatomical-physiological aspects must be attributed to the cerebrum, which also mediates volitional mental operations. We can already, in a certain sense—albeit, I would say, only faintly grasped by consciousness—treat the depth dimension synthetically and analytically. It belongs to the realm of what I would like to call conscious activity through the human head.
[ 11 ] Wenn wir nun vom Sehakt übergehen zu demjenigen Akt, der entsteht durch die Betätigung in der Arme- und Händebewegung, dann handelt es sich darum, daß wir eintauchen in ein allerdings noch schwer mit dem Bewußtsein zu ergreifendes Element. Aber wir können schon immerhin auf dasjenige, was sich vollzieht, indem wir verfolgen unser Gefühlsleben jetzt in freier Betätigung unserer Arme und Hände und der Gebärden, wir können schon ebenso hier auf dasjenige, was eigentlich der Mensch tut, aufmerksam werden, wie wir aufmerksam werden auf die Betätigung in bezug auf die Tiefendimension durch die zwei menschlichen Augen. Was ist es denn eigentlich, was uns diese Tiefendimension vermittelt? Es ist die Einstellung des linken und des rechten Auges. Es ist die Übereinanderkreuzung der linken und der rechten Augenachse. Ob diese Übereinanderkreuzung in größerer oder geringerer Entfernung von uns selber sich vollzieht, davon hängt die hauptverstandesmäßige Beurteilung der Tiefendimension ab. Es ist wenig äußerlich anschaulich diejenige Betätigung, die der Beurteilung dieser Tiefendimension eigentlich zugrunde liegt.
[ 11 ] When we now move from the act of seeing to the act that arises from the activity involved in the movement of the arms and hands, we are entering into an element that is, admittedly, still difficult to grasp with our consciousness. But we can at least become aware of what is taking place by observing our emotional life as it unfolds through the free movement of our arms and hands and our gestures; here, too, we can become aware of what a human being actually does, just as we become aware of the activity related to the dimension of depth through the two human eyes. What, then, is it that this dimension of depth actually conveys to us? It is the alignment of the left and right eyes. It is the crossing of the left and right visual axes. Whether this crossing takes place at a greater or lesser distance from ourselves determines our intellectual assessment of depth. The process that actually underlies the perception of this depth dimension is not readily apparent from the outside.
[ 12 ] Wenn wir nun davon übergehen auf die Betätigung der menschlichen Arme und Hände, dann finden wir, daß wir allerdings in deutlicher Weise schon unterscheiden können auch nur bei einer einigermaßen stattfindenden Anstrengung unseres Bewußtseins, daß wir allerdings, indem wir die Arme in horizontalem Kreise bewegen, deutlich unterscheiden können, wie sich diese Armbewegung bewußt abspielt in der Dimension des Rechts-Links, also in der Dimension, die ich als die Breitendimension bezeichnen möchte. Wer das menschliche Leben genauer zu analysieren imstande ist, der wird wissen, daß alles dasjenige, was der Mensch beurteilt in bezug auf diese Breitendimension, ja in der Tat zusammenhängt mit demjenigen Fühlen, das wir haben, indem wir uns wissen als ein Mensch, der die volle Breitendimension durchmißt mit einem linken und mit einem rechten Arme. Wir haben ein gefühlsmäßiges Erleben desjenigen, was wir Symmetrie nennen, welches Erleben vorzugsweise ja in der Breitendimension sich abspielt. Wir haben ein solches Erleben vor allen Dingen durch das Gefühl, das wir vermittelt bekommen durch unseren linken und rechten Arm. Allerdings übersetzt sich nun dieses Fühlen unserer eigenen Symmetrie vorzugsweise durch die entsprechenden Bewegungen des linken und rechten Armes, die wir fühlen, so daß wir das Symmetriesein in diesem zusammengehörigen Bewegen des linken und rechten Armes fühlen. Es übersetzt sich uns das gefühlsmäßige Erfassen der Breitendimension vorzugsweise durch die Symmetrie in ein Vorstellungsleben, und wir beurteilen dann die Symmetrie auch im Vorstellungsleben. Allein Sie werden nicht übersehen können, daß dieses Beurteilen der Symmetrien der Breitendimension im Grunde genommen etwas Sekundäres ist, und derjenige, der nur anschauen könnte das Symmetrische und nicht ein Gefühl haben würde beim Symmetrischen, beim Entsprechen des symmetrischen Links dem symmetrischen Rechts, der würde die Symmetrie doch blaß und trocken und nüchtern und verstandesmäßig bloß erleben. Derjenige lebt richtig in allem drinnen, was uns Symmetrie sagen kann, der symmetrisch auch erfühlen kann. Aber erfühlen können wir das Symmetrische als Menschen nur dadurch, daß wir uns in einer leisen Weise immer bewußt werden der Zusammengehörigkeit der Bewegungen des linken und des rechten Armes, beziehungsweise der linken und der rechten Hand. Auf das, was wir da gefühlsmäßig erleben, stützt sich eigentlich alles dasjenige, was wir mit Bezug auf die Breitendimension erleben können.
[ 12 ] If we now turn to the movement of the human arms and hands, we find that we can indeed already distinguish quite clearly—even with only a moderate effort of our consciousness—that when we move our arms in a horizontal circle, we can clearly distinguish how this arm movement consciously unfolds in the right-left dimension, that is, in the dimension I would like to call the width dimension. Anyone capable of analyzing human life more closely will know that everything a person judges in relation to this width dimension is, in fact, connected to the feeling we have when we recognize ourselves as a human being who spans the full width dimension with a left and a right arm. We have an emotional experience of what we call symmetry, an experience that takes place primarily in the breadth dimension. We have such an experience above all through the sensation conveyed to us by our left and right arms. However, this sense of our own symmetry is primarily expressed through the corresponding movements of the left and right arms that we feel, so that we experience symmetry in this coordinated movement of the left and right arms. Our sensory perception of the horizontal dimension—primarily through symmetry—translates into our imaginative life, and we then assess symmetry within that imaginative life as well. Yet you cannot fail to see that this evaluation of the symmetries of the horizontal dimension is, in essence, something secondary; and anyone who could merely look at what is symmetrical without feeling anything in the symmetry—in the correspondence of the symmetrical left to the symmetrical right—would experience symmetry as something pale, dry, sober, and purely intellectual. The person who can truly feel symmetry is the one who lives fully within all that symmetry has to say to us. But as human beings, we can only feel symmetry by quietly becoming aware of the interconnectedness of the movements of the left and right arms, or the left and right hands. Everything we can experience in relation to the horizontal dimension is actually based on what we experience there on an emotional level.


[ 13 ] Aber auch dasjenige, was wir vorher in bezug auf den Sehakt die Tiefendimension genannt haben, wird uns in einer gewissen Weise doch bewußt durch etwas, was ja auch mit unseren Armen zustande kommt. Wie wir die Sehlinien, die Visierlinien kreuzen, so kreuzen wir ja auch die Arme, und es ist, ich möchte sagen, die gröbere Übersetzung des Sehaktes, wenn wir die Arme irgendwo kreuzen. Wir können gerade durch das Aufeinanderfolgen der Punkte, die wir bekommen, wenn wir die Arme kreuzen, uns hineinleben in dasjenige, was Tiefendimension ist, so daß wir, wenn wir vollständig erleben dasjenige, was wir in unserer Armorganisation haben, nun durchaus nicht fertig vor uns haben die zweite Dimension, die Breitendimension, wie wir sie beim Sehakt fertig vor uns haben, sondern wenn wir symbolisch ausdrücken wollen dasjenige, was nun in bezug auf die Dimensionalität beim Arme- und Händeorganismus entsteht, so müßte ich so zeichnen: die Breitendimension, die Tiefendimension (voll ausgezogene Linien). Und nur die Höhendimension, die ist fertig für dasjenige, was ich erlebe durch meine Armorganisation (punktierte Linie). Wir lassen, indem wir unsere Gebärden ausführen, indem wir gewissermaßen mit unseren Gebärden bewußt durchsetzen diejenige Fläche, welche sich zusammensetzt aus der Tiefen- und aus der Breitendimension, vollständig im Unbewußten liegen die Höhendimension, die dritte Dimension. Wann tritt diese dritte Dimension eigentlich erst in das deutliche Bewußtsein? Sie tritt in das deutliche Bewußtsein erst beim Gehakt. Wenn wir uns vom Ort bewegen, da wird die Linie, welche in dieser dritten Dimension, in der Höhendimension liegt, fortwährend eine andere, und wenn auch wiederum das Verstandesbewußtsein von dieser dritten Dimension beim Gehen ein außerordentlich leises ist, so können wir doch nicht übersehen, daß es in der Tat halbbewußt innerhalb der Verstandesoperation liegt, diese dritte Dimension in Erwägung zu ziehen. Gewiß, im groben äußeren Bewußtsein rechnen wir nicht mit der Veränderung dieser Linie in der Höhendimension. Aber indem wir überhaupt gehen und das Gehen als einen Willensakt entwickeln, verändern wir fortwährend diese Linie in der Höhendimension, und wir müssen uns sagen: Es ist ebenso leise bewußt dasjenige, was in dieser dritten Dimension vorgeht, für das Gehen, wie leise bewußt ist für den Sehakt dasjenige, was in der Tiefendimension vorgeht. Wenn wir also die Dimensionalität jetzt zeichnen wollen für dasjenige, was mit Hilfe des eigentlichen Gliedmaßenorgans geschieht, das nicht an irgend etwas anderes als an die Gliedmaßenbetätigung angepaßt ist, wenn wir die Dimensionalität studieren am Gehakt, der an die Beine und Füße gebunden ist, dann werden wir sagen können: da drinnen, bei diesem Gehakt, fühlen wir verstandesgemäß eine Betätigung innerhalb aller drei Dimensionen, so daß ich den Gehakt dann zu zeichnen habe mit drei Vollinien.
[ 13 ] But even what we previously referred to as the “depth dimension” in relation to the act of seeing becomes, in a certain sense, conscious to us through something that also comes about through our arms. Just as we cross our lines of sight, we also cross our arms, and I would say that crossing our arms is, in a sense, a more tangible expression of the act of seeing. It is precisely through the succession of points we perceive when we cross our arms that we can immerse ourselves in what the depth dimension is, so that when we fully experience what we have in the arrangement of our arms, we certainly do not have the second dimension—the width dimension—fully before us, as we do in the act of seeing; rather, if we wish to symbolically express what arises in terms of dimensionality within the arm and hand organism, I would have to draw it like this: the width dimension, the depth dimension (fully extended lines). And only the height dimension is fully present for what I experience through my arm system (dotted line). As we perform our gestures—as we, so to speak, consciously traverse with our gestures the plane composed of the depth and width dimensions—the height dimension, the third dimension, remains entirely in the unconscious. When does this third dimension actually enter clear consciousness? It enters clear consciousness only when we walk. When we move from one place to another, the line that lies in this third dimension—the height dimension—is constantly changing; and even though intellectual consciousness of this third dimension is exceptionally faint while walking, we cannot overlook the fact that taking this third dimension into account is, in fact, a semi-conscious part of the intellectual process. Certainly, in our coarse, external consciousness, we do not take into account the change in this line in the vertical dimension. But by walking at all and developing walking as an act of will, we are constantly altering this line in the height dimension, and we must tell ourselves: What takes place in this third dimension for walking is just as faintly conscious as what takes place in the depth dimension is for the act of seeing. So if we now want to depict the dimensionality of what happens with the aid of the actual limb organ—which is adapted to nothing other than limb activity—if we study the dimensionality of the act of walking, which is tied to the legs and feet, then we will be able to say: in there, with this joint, we intellectually perceive an activity within all three dimensions, so that I must then draw the joint with three solid lines.


[ 14 ] Wir erleben also — wenn Sie rückblicken auf dasjenige, was ich gesagt habe, werden Sie ein deutliches Bewußtsein davon bekommen im Sehakt, der in ganz ausgesprochenem Maße angehört der Hauptes- oder Kopforganisation, eine fertige Zweidimensionalität und eine Betätigung zur Herstellung der dritten Dimension, der Tiefe. Wir erleben in demjenigen, was wir als den Ausdruck gebrauchten für das rhythmische System, in der Arme- und Händebewegung, die Dimensionalität so, daß wir in unserem eigenen Akt zwei Dimensionen voll erleben und die dritte Dimension noch ebenso fertig im Bewußtsein dasteht wie sonst die zwei zur Fläche sich bildenden Dimensionen für die Kopforganisation im Sehakt. Erst im eigentlichen Gliedmaßenorganismus, der also zum dritten System, zum Stoffwechselsystem des Menschen gehört — den erkennen wir nur, wenn wir die das Gehen begleitenden Stoffumsetzungen studieren -, in diesem dritten System enthüllt sich uns alles dasjenige, was den Raum durchmißt nach seinen drei Dimensionen.
[ 14 ] So we experience—if you look back at what I have said, you will gain a clear awareness of this in the act of seeing, which belongs to a very marked degree to the organization of the head—a fully developed two-dimensionality and an activity aimed at creating the third dimension, depth. In what we have termed the rhythmic system—the movement of the arms and hands—we experience dimensionality in such a way that, in our own action, we fully experience two dimensions, while the third dimension stands just as fully formed in our consciousness as the two dimensions that form a surface do for the head organization in the act of seeing. It is only in the actual limb organism—which thus belongs to the third system, the human metabolic system (which we recognize only when we study the metabolic processes accompanying walking)—that everything which traverses space in its three dimensions is revealed to us.
[ 15 ] Nun brauchen Sie nur noch die folgende Erwägung anzustellen, so werden Sie auf außerordentlich Wichtiges kommen. Alles dasjenige, was in unserem Vorstellungsleben enthalten ist, ist im Grunde genommen der einzige Inhalt unseres vollen wachenden Bewußtseins. Dasjenige aber, was in unserem Gefühlsleben enthalten ist, kommt nicht mit derselben Deutlichkeit, mit derselben lichten Klarheit in unser Bewußtsein herein. Wir werden im weiteren Verlauf dieser Betrachtungen noch sehen, wie die eigentlichen Gefühle keine stärkere Intensität im Bewußtsein haben als die Träume und genauso wie die Träume dann vom Tagesleben, vom voll erwachten Vorstellungsleben reproduziert werden, dadurch deutliche Vorstellungen werden, also ins klare Bewußtsein hereintreten, so werden fortwährend auch beim wachen Tagesleben die Gefühle begleitet von den sie ausdrückenden Vorstellungen. Dadurch werden unsere Gefühle, die sonst nur mit der Intensität des Traumlebens auftreten, in das deutliche, helle Bewußtsein eben des Vorstellungslebens hereingezogen.
[ 15 ] Now all you need to do is consider the following, and you will arrive at something extraordinarily important. Everything contained in our imaginative life is, in essence, the sole content of our full waking consciousness. But what is contained in our emotional life does not enter our consciousness with the same distinctness, with the same luminous clarity. As we proceed with these reflections, we will see how actual feelings have no greater intensity in consciousness than dreams do; and just as dreams are then reproduced by daily life—by the fully awakened life of imagination—thereby becoming clear mental images and thus entering into clear consciousness, so too are feelings in waking daily life continually accompanied by the images that express them. As a result, our feelings—which otherwise occur only with the intensity of dream life—are drawn into the clear, bright consciousness of the life of the imagination.
[ 16 ] Vollständig im Unterbewußtsein bleiben ja die eigentlichen Willensbewegungen ihrer Wesenheit nach. Wodurch wissen wir eigentlich etwas vom Willen? Im Grunde genommen wissen wir von dem Willen selbst seiner Wesenhaftigkeit nach im gewöhnlichen Erkennen ja nichts, und das findet sich, ich möchte sagen, auch dokumentiert, ausgesprochen in einer solchen Psychologie wie der von Theodor Ziehen, der ja im Grunde genommen in seiner «Physiologischen Psychologie» nur vom Vorstellungsleben spricht. Die Tatsache, die er aber nicht kennt, die ich Ihnen eben jetzt vorgeführt habe, daß das Gefühlsleben eigentlich an den rhythmischen Organismus gebunden ist und nur aufstrahlt in das Vorstellungsleben, die bringt Theodor Ziehen abstrakt so zum Ausdruck, daß er sagt: Eigentlich können wir als Psychologen nur das Vorstellungsleben verfolgen und finden gewisse Vorstellungen gefühlsbetont. — Also gewissermaßen wären die Gefühle nur Eigenschaften des Vorstellungslebens. Das alles beruht eben darauf, daß von einem solchen Psychologen die eigentliche menschliche Organisation nicht durchschaut wird, die sich eben durchaus so verhält, wie ich jetzt zum Ausdruck gebracht habe. Die Gefühle bleiben, weil sie an den rhythmischen Organismus gebunden sind, im halbbewußten Zustand des Traumes, und völlig im Unbewußten bleibt das eigentliche Wesen der Willensakte. Daher werden sie von den gewöhnlichen Psychologen überhaupt nicht mehr beschrieben. Lesen Sie die sonderbaren Ausführungen gerade Theodor Ziehens über die Willensbetätigung, so werden Sie sehen, daß dem Beobachtungsvermögen dieser Psychologen die innere Betätigung des Willens- wir werden darauf zu sprechen kommen, wie sie ist- durchaus aus der Hand fällt. In der äußeren Beobachtung haben wir eben nichts anderes gegeben als das, was wir anschauen können, das Ergebnis eines Willensaktes. Wir wissen nicht das Innere, was sich vollzogen hat, wenn ein Willensimpuls unseren Arm bewegt. Wir sehen nur den Arm sich bewegen, also die äußere Tatsache beobachten wir hinterher. Wir begleiten dadurch die Offenbarungen unseres Willens mit Vorstellungen und dadurch betrachten wir sie, die sonst durchaus nur organisch durch das Stoffwechselsystem und das mit dem in Verbindung stehende Gliedmaßensystem vermittelt sind, auch als zusammenhängend mit dem Vorstellungswesen.
[ 16 ] The actual movements of the will, by their very nature, remain entirely in the subconscious. How do we actually know anything about the will? Strictly speaking, we know nothing about the will itself—in terms of its essential nature—in ordinary cognition, and this is, I would say, also documented and explicitly stated in a psychology such as that of Theodor Ziehen, who, in his Physiological Psychology, essentially speaks only of the life of the imagination. However, the fact that he is unaware of—the one I have just demonstrated to you—namely, that the emotional life is actually bound to the rhythmic organism and merely radiates into the life of imagination—Theodor Ziehen expresses this abstractly by saying: “Actually, as psychologists, we can only observe the life of imagination and find certain mental images to be emotionally charged.” — So, in a sense, emotions would be merely properties of the life of the imagination. All of this stems precisely from the fact that such a psychologist fails to grasp the actual human organization, which behaves exactly as I have just described. Because they are bound to the rhythmic organism, emotions remain in the semi-conscious state of dreaming, while the true nature of acts of will remains entirely in the unconscious. For this reason, they are no longer described at all by ordinary psychologists. If you read Theodor Zieh’s peculiar remarks on volitional activity, you will see that the inner workings of the will—we will come to discuss what they are like—completely elude the observational capacity of these psychologists. In external observation, we have nothing other than what we can see: the result of an act of will. We do not know the inner process that has taken place when a volitional impulse moves our arm. We only see the arm moving; thus, we observe the external fact after the fact. In this way, we accompany the manifestations of our will with mental images, and thereby we regard them—which are otherwise mediated purely organically through the metabolic system and the associated limb system—as also connected to the realm of mental imagery.
[ 17 ] Aber erst in diesem Gliede des menschlichen Organismus, in dem Stoffwechselsystem, das also körperlich entspricht dem Seelischen des Willensaktes, enthüllt sich uns die Dreidimensionalität, die daher innig zusammenhängt mit einem menschlichen System, dessen Betätigung sich im wesentlichen unbewußt abspielt. Diese Dreidimensionalität kann uns ihrer Wirklichkeit nach also eigentlich nicht für die gewöhnliche Erkenntnis vorliegen. Sie kann erst enthüllt werden, wie wir sehen werden, wenn wir ebenso mit lichter Klarheit hinschauen in unser Willensleben wie sonst in unser Vorstellungsleben. Das kann mit dem gewöhnlichen Erkennen nicht geschehen, sondern, wie wir sehen werden, erst mit dem geisteswissenschaftlichen Erkennen. Darauf aber, auf der Gesamtbetätigung des Menschen, auf alldem, was in seinem Gliedmaßen- und Stoffwechselsystem lebt, ruht die Dreidimensionalität als Erleben im Unterbewußtsein. Und was geschieht? Aus dem Unterbewußtsein wird sie heraufgehoben zunächst von der Willens-Gliedmaßensphäre in die rhythmische Sphäre. Da wird sie dann nur noch erlebt als Zweidimensionaliität, und die dritte Dimension, die noch im Willenswirken unmittelbar erlebt wird in ihrer Realität, diese dritte Dimension, die Höhendimension, ist bereits abstrakt geworden.
[ 17 ] But it is only in this part of the human organism—the metabolic system, which thus physically corresponds to the psychological aspect of the act of will—that three-dimensionality reveals itself to us; it is therefore intimately connected with a human system whose activity takes place essentially unconsciously. This three-dimensionality, in its true reality, cannot actually be accessible to ordinary cognition. As we shall see, it can only be revealed when we look into our life of the will with the same luminous clarity as we otherwise look into our life of imagination. This cannot be achieved through ordinary cognition, but, as we shall see, only through Spiritual Science cognition. Yet it is upon this—upon the total activity of the human being, upon everything that lives in his limb and metabolic systems—that three-dimensionality rests as an experience in the subconscious. And what happens? It is lifted up from the subconscious, first from the sphere of will and limbs into the rhythmic sphere. There it is then experienced only as two-dimensionality, and the third dimension—which is still directly experienced in its reality within the activity of the will—this third dimension, the dimension of height, has already become abstract.
[ 18 ] Sie sehen hier in der menschlichen Organisation das Abstraktwerden der Realität durch die Betätigung des Menschen selbst. Sie erleben im Unterbewußtsein diese Höhendimension. Durch die menschliche Organisation wird diese Höhendimension schon abstrakt zur bloßen gezogenen Linie, zum bloßen Gedanken in der rhythmischen Organisation. Und in der Nerven-Sinnesorganisation, was tritt da ein? Die beiden Dimensionen werden abstrakt. Sie werden nicht mehr erlebt. Sie können nur noch gedacht werden mit dem hinterher an die Sache herankommenden Verstand, so daß wir in dem Organ unserer eigentlichen gewöhnlichen Erkenntnis, in dem Kopfe, nur die Möglichkeit haben, die zwei Dimensionen abstrakt verstandesmäßig zum Ausdruck zu bringen. Nur von der dritten, der Tiefendimension, haben wir, ich möchte sagen, ein leises Bewußtsein auch noch in unserem Haupte. Sie sehen also, dadurch, daß wir dieses leise Bewußtsein von der Tiefendimension in unserem Haupte haben, sind wir in der Lage, überhaupt noch etwas zu wissen im gewöhnlichen Bewußtsein von der Realität der Dimensionen. Würde durch unsere Organisation diese Tiefendimension, die wir eigentlich nur am Sehakt ordentlich studieren können, ebenso abstrakt, dann würden wir überhaupt nur drei abstrakte Linien haben. Wir würden gar nicht darauf kommen, Realitäten für diese drei abstrakten Linien zu suchen.
[ 18 ] Here, in human organization, you see reality becoming abstract through human activity itself. You experience this higher dimension in the subconscious. Through human organization, this higher dimension already becomes abstract—a mere drawn line, a mere thought within the rhythmic organization. And in the nervous-sensory organization, what happens there? The two dimensions become abstract. They are no longer experienced. They can only be thought of by the intellect, which approaches the matter after the fact, so that in the organ of our actual, ordinary cognition—the head—we have only the possibility of expressing the two dimensions abstractly through the intellect. Only of the third—the dimension of depth—do we, I would say, still have a faint awareness even in our heads. So you see, because we have this faint awareness of the dimension of depth in our heads, we are still able to know anything at all in ordinary consciousness about the reality of the dimensions. If, due to our organization, this dimension of depth—which we can actually study properly only through the act of seeing—were treated just as abstractly, then we would have only three abstract lines. We would not even think to seek realities for these three abstract lines.
[ 19 ] Damit habe ich Sie auf die Realität, auf die Wirklichkeit gewiesen für dasjenige, was im Kantianismus in einer unwirklichkeitsgemäßen Weise zutage tritt. Da wird gesagt, der Raum sei mit seinen drei Dimensionen a priori in der menschlichen Organisation enthalten, und die menschliche Organisation versetze eigentlich ihre subjektiven Erlebnisse in den Raum hinein. Warum kam Kant zu dieser Einseitigkeit? Er kam dazu, weil er nicht wußte, daß dasjenige, was wir nur in der leisen Andeutung der Tiefendimension durch die Nerven-Sinnesorganisation, aber sonst abstrakt erleben, im Unterbewußten in der Realität erlebt wird, dann heraufgetrieben wird in das Bewußtsein und dadurch zur Abstraktion gebracht wird bis zu diesem kleinen Rest in der Tiefendimension. Die Dreidimensionalität erleben wir durch unsere eigene menschliche Organisation. Sie ist in ihrer Realität vorhanden in dem Willenssystem und physiologisch-physisch in dem Stoffwechsel-Gliedmaßensystem. Sie ist zunächst unbewußt für das gewöhnliche Bewußtsein und wird diesem gewöhnlichen Bewußtsein nur bewußt in der Abstraktheit des mathematisch-geometrischen Raumes.
[ 19 ] With this, I have drawn your attention to reality—to the actual state of affairs—regarding what emerges in Kantianism in a manner that is at odds with reality. It is claimed there that space, with its three dimensions, is contained a priori in the human constitution, and that the human constitution actually projects its subjective experiences into space. Why did Kant arrive at this one-sided view? He did so because he did not know that what we experience only as a faint hint of the depth dimension through the nervous-sensory system—but otherwise experience abstractly—is actually experienced in reality within the subconscious, then brought up into consciousness, and thereby reduced to abstraction until only this small remnant of the depth dimension remains. We experience three-dimensionality through our own human constitution. It exists in reality within the system of the will and, physiologically and physically, within the metabolic-limb system. It is initially unconscious to ordinary consciousness and becomes conscious to this ordinary consciousness only in the abstract nature of mathematical-geometric space.
[ 20 ] Ich wollte Ihnen damit ein Beispiel zunächst geben von der Art und Weise, wie Geisteswissenschaft auf die menschliche Betätigung eingehen kann, wie sie eben nicht bei Abstraktionen stehen bleibt wie das Apriori im Kantischen Sinn von Raum und Zeit, sondern wie sie wirklich konkret eingeht auf die Wirklichkeit des Menschen und dadurch darauf kommt, wie sich die Dinge eigentlich im Menschen verhalten. Ich wollte Ihnen gerade dieses Beispiel geben, weil uns dieses Beispiel der eigentlichen Bedeutung des Raumes, wie ich noch weiter ausführen werde, nun hineinführt in eine genauere Erkenntnis des Wesens des Mathematischen nach allen Seiten hin.
[ 20 ] I wanted to give you an example, first of all, of the way in which Spiritual Science can address human activity—how it does not remain at the level of abstractions, such as the a priori concepts of space and time in the Kantian sense, but rather how it truly and concretely engages with human reality and thereby arrives at an understanding of how things actually relate within the human being. I wanted to give you this particular example because, as I will explain further, this example of the true meaning of space now leads us to a more precise understanding of the nature of mathematics in all its aspects.
[ 21 ] Davon dann morgen weiter.
[ 21 ] More on that tomorrow.
