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Naturalistic Observation, Experimentation, Mathematics
and the Stages of Knowledge in Spiritual Science
GA 324

22 March 1921, Stuttgart

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Sechster Vortrag

Lecture VI

[ 1 ] Ich habe bisher gesprochen von jenen übersinnlichen Erkenntnisfähigkeiten, die ich benenne mit den Ausdrücken imaginative Erkenntnis und inspirierte Erkenntnis. Ich möchte heute zunächst einiges sagen über das Erringen dieser Erkenntnisfähigkeiten. Natürlich kann ich nur Prinzipielles und Einzelnes darüber andeuten. Das Ausführliche finden Sie ja in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Aber ich werde heute gerade dasjenige hervorheben, was in dem Zusammenhange, den ich mir vorgesetzt habe in diesen Vorträgen hier zu behandeln, von Wichtigkeit ist. Dasjenige, was ich Ihnen gewissermaßen in seinem Darinnenstehen im Welterkennen als Imagination geschildert habe, das kann errungen werden dadurch, daß man, wie ich schon andeutete, den Erinnerungsvorgang auf einer anderen Stufe nachbildet. Der Erinnerungsvorgang hat sein Wesentliches darinnen, daß er dasjenige festhält, was im äußeren Erleben an den Menschen herantritt. Bildhaft hält der Erinnerungsvorgang dieses fest.

[ 1 ] In the lectures so far, I have spoken of the capacities for supersensory knowledge and I have named them Imagination and Inspiration. Today I would like to say something about acquiring these capacities. At the moment I can only mention a few details. In my book Knowledge of the Higher Worlds and Its Attainment, you will find this presented in greater depth. Today, however, I would point out what is important in the context I have chosen for the present lecture. I have indicated that what I call Imagination with regard to knowledge of the world is attained through a development modeled on the memory process, only on another level. The importance of the memory process is that it retains in picture form what the human being encounters in outer experience.

[ 2 ] Nun handelt es sich darum, daß wir uns zunächst etwas verständigen über gewisse Eigenschaften des gewöhnlichen Erinnerungsvorgangs, aus dem Ja die reine Erinnerung, dasjenige, was in wahrem Sinne des Wortes Erinnerung genannt werden kann auch im gewöhnlichen Leben, erst herausgeschält werden muß. Die Erinnerung hat schon einmal die Eigentümlichkeit, daß sie zu einer gewissen Veränderung des Erlebten drängt. Vielleicht brauche ich das nicht besonders weiter auszuführen, da ja wohl der Mehrzahl von Ihnen gut bekannt sein könnte, wie bis zur Verzweiflung getrieben man manchmal werden kann, wenn man einem Menschen irgend etwas erzählen will und man bei der Erzählung selbst gut durchhören kann, was eigentlich geworden ist aus dem, was man erlebt hat, im Durchgehen durch das Erinnerungsvermögen. Es bedarf sogar für das gewöhnliche Leben einer gewissen Selbsterziehung, wenn man sich immer mehr und mehr hindurchringen will zu einer reinen Erinnerung, zu der Fähigkeit, die Dinge im Bilde wirklich dann so zur Hand zu haben, daß das Bild eine treue Wiedergabe des Erlebten ist. Aber man wird auch wohl unterscheiden können zwischen dem, was gegenüber der Erinnerung die berechtigte und zum Künstlerischen hinarbeitende Phantasietätigkeit ist, und was das Umfälschen der Erlebnisse ist. Es genügt ja wohl, zunächst darauf hinzuweisen, daß der Unterschied zwischen dem Hinarbeiten zur Phantasietätigkeit und dem Hinarbeiten zur Verfälschung der Erinnerungen subjektives Erlebnis sein muß, wenn der Mensch überhaupt in gesunder Seelenverfassung sein will. Man muß sich durchaus bewußt sein, wie man umgestaltet in der Phantasie, und wie dasjenige, was sich nicht unter solcher Willkür vollzieht, was sich, ich möchte sagen, wie mit einer Art von innerer, selbstverständlicher Seelenähnlichkeit vollzieht, immer wahrer, immer treuer werden müsse. Aber man wird eben, ich möchte sagen, sowohl aus dem Guten einerseits, aus dem Hinneigen zur Phantasietätigkeit, wie auch aus all denjenigen Kräften, welche wirksam sind im Verfälschen, im Umgestalten der Erinnerungen, man wird aus alldem, wenn man es psychologisch studiert, erkennen können, daß schon dann, wenn in einer ordnungsgemäßen Form aufgenommen wird dasjenige, was in den Erinnerungskräften lebt, da etwas herausgestaltet werden kann, was dann nicht mehr bloße Erinnerung zu sein braucht. Man kann ja auch darauf hinweisen, daß manche Mystiken durchaus im Grunde genommen umgefälschte Erinnerungsvorstellungen sind, daß man aber aus dem Studium solcher umgefälschter Erinnerungsvorstellungen, die dann ja als ganz ernsthafteMystiken auftreten, recht viel gewinnen kann. Dasjenige, um was es sich uns in diesem Augenblick handelt, ist, daß man durch dasjenige, was ich schon angedeutet habe, erlangen kann, daß dieselbe seelische Kraft, die im Erinnern lebt, in etwas anderes metamorphosiert wird. Nur muß die Metamorphose so geschehen, daß die ursprüngliche Erinnerungskraft dadurch nicht etwa erst getrieben werde zum Umfälschen, sondern daß diese ursprüngliche Erinnerungskraft dadurch, daß man auch etwas anderes aus ihr zu machen versteht, um so mehr hingetrieben wird zur innerlichen Treue und Wahrhaftigkeit. Ich habe gesagt, wenn man sich immer wiederum bemüht, leicht überschaubare Vorstellungen, die man ebenso leicht und mit Willkür aus ihren einzelnen Teilen zusammensetzen und dann überschauen kann wie die mathematischen, wenn man solche Vorstellungen in sein Bewußtsein hereinrückt, dann sie im Bewußtsein behält, auf ihnen ruht, aber nicht so ruht, daß man etwa von ihnen fasziniert ist, sondern so, daß man in jedem Augenblick dieses Verhältnis des Ruhens mit innerer Willkür selber hervorruft, dann gelangt man allmählich dazu, den Erinnerungsvorgang in etwas anderes, das man früher nicht gekannt hat, umzugestalten. Wie gesagt, das Genauere ist in dem genannten Buch und auch in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» enthalten.

[ 2 ] Our first task will be to understand certain characteristics of the ordinary memory process, and then we must distill out what can be called pure memory in the true sense, also in ordinary life. One of the peculiarities of memory is that it tends to alter to a certain degree what has been experienced. Perhaps it is unnecessary to go into detail here, since most of you will be quite familiar with the fact that at times you can despair when you are relating something, and you hear from your own telling what has become of your experience by its passing through your memory. Even in ordinary life a certain self-education is necessary if we wish to come closer to pure memory, to the capacity to have these pictures ready at hand so that they faithfully render our experience. We can distinguish what happens with memory. On the one hand there is an activity of fantasy, quite justified, that goes on in an artistic direction. On the other hand there is a falsification of our experience. It should suffice for the moment to point out the difference between the fantasy tendency and the falsifying tendency, and that we must be able to experience this to maintain a healthy soul life. Certainly we must be aware of how memory is transformed by our fantasy, and how, when it is not subjected to such arbitrary action, when it is allowed to proceed according to a kind of natural similarity in the soul, it becomes increasingly faithful and true. In any case, both from the good tendency to artistic fantasy, as well as from the forces active in falsifying the memories—when we study it psychologically, we can recognize what is alive in the memory forces. And out of these forces, something can take form that is no longer just memory. For example, one can point to certain mystical teachings that are in fact essentially falsified memory images; and yet we can profit from studying 'such images that have taken the form of earnest mystical experience. What concerns us at this moment, however, is what I have already indicated, that we can attain a power of the soul which is alive in the memory which can be metamorphosed into something else. This must happen in such a way that the original power of memory is led in the direction of inner faithfulness and truth, and not toward falsification. As I have said, when we repeatedly evoke easily surveyable mental images, which we intentionally combine out of their separate elements and then view as a whole, just as easily as the mathematical images: when we call up such images, hold them in our consciousness and dwell upon them, not so that we are fascinated by them, but so that at each moment we continue to hold them through an inner act of will—then gradually we succeed in transforming the memory process into something different, something of which we were previously unaware. The details are contained in the book I named, and also in Occult Science, an Outline.

[ 3 ] Fährt man mit solchen Übungen genügend lange fort-wie lange man das nötig hat, das ist individuell —- und hat man die Möglichkeit, genügend innere Seelenenergie auf sie zu verwenden, dann kommt man eben dazu, Bilder zu erleben, welche in bezug auf das formale, innere Seelenerleben durchaus Erinnerungsvorstellungen gleichen, aber es dem Inhalt nach nicht sind. Und allmählich hat man sich angeeignet die Fähigkeit, in solchen zunächst selbstgemachten Imaginationen zu leben. Dann geht diese Fähigkeit in die andere über, daß in der Seele auftreten Imaginationen, und man kann wirklich, wenn man sich nur immer forterhält, ich möchte sagen, die mathematische Seelenstimmung, von der ich gesprochen habe, durchaus jederzeit sich klar sein darüber, ob man von irgendeiner Vorstellung genarrt ist, ob man einer Suggestion oder Autosuggestion unterliegt oder ob man eben in jener Seelenstimmung ist bei vollständiger innerer Willkür. Man gelangt dazu, Vorstellungen zu haben mit dem formalen Charakter der Erinnerungsvorstellung, nur gradweise intensiver. Ich bemerke ausdrücklich, zunächst haben diese imaginativen Vorstellungen den Charakter von Erinnerungsvorstellungen. Gesättigter, durchtränkt gewissermaßen von einem intensiveren Erleben werden sie erst durch die Inspiration. Zunächst haben sie durchaus den CharaktervonErinnerungsvorstellungen, nur so, daß man weiß, dasjenige, was sie enthalten, bezieht sich nicht auf irgendwelche Erlebnisse, die man seit seiner Geburt durchgemacht hat. Sie drücken ebenso bildhaft etwas aus, wie die Erinnerungsvorstellungen bildhaft diese persönlichen Erlebnisse ausdrücken. Sie beziehen sich auf etwas Objektives. Aber man weiß ganz genau, dieses Objektive ist durchaus nicht enthalten innerhalb der Sphäre, die man sonst durch die Erinnerungsvorstellungen überblickt. Zunächst hat man aber auch das deutliche Bewußtsein davon: in diesen Imaginationen hat man etwas, was eine starke innere Realität hat. Aber andererseits zu gleicher Zeit ist man sich völlig klar bewußt, daß man es mit Bildern, allerdings mit Bildern irgendeiner Wirklichkeit, aber eben mit Bildern zu tun hat.

[ 3 ] If we continue long enough with such exercises (how long depends on the individual) and if we are in a position to expend sufficient soul energy on them, then we come to a point where we simply begin to experience pictures. The form of these pictures in the life of the soul is like that of memories. Gradually we win the capacity to live in such imaginations of our own making, although in their content they are not of our making. The exercise of this capacity results in imaginations rising up in the soul, and if we maintain a “mathematical” attitude of soul, we can make sure at any time whether we are being fooled by a suggestion or auto-suggestion, or are really living in that attitude of soul voluntarily. We begin to have mental images with the characteristic form of memory pictures but with a greater degree of intensity. Let me emphasize: at first these imaginations have the character of memory pictures. Only through inspiration do they become permeated with a more intense experience. At first they have the character of memory pictures, but of such a kind that we know their meaning does not relate to any experiences we have lived through externally since our birth. They do, however, express something just as pictorially as memory pictures express pictorially our personal experiences. They refer to something objective, yet we know that this objective something is not contained in the sphere which is surveyed by our memory. We are conscious that these imaginations contain a strong inner reality, yet at the same time we are aware that we are dealing with just images—just pictures of the reality. It is a matter of being able to distinguish these pictures from those of memory, in order that these imaginations remain pure, so that no foreign elements slip into them.

[ 4 ] Es handelt sich darum, daß man Einblick gewinnt in dasjenige, was bei Erinnerungsvorstellungen eben, wenn sie rein sein sollen, besonders notwendig ist, daß sie nicht von irgend etwas Fremdem durchzogen werden. Ich will jetzt den Vorgang äußerlich schildern - in ein paar Vorträgen kann man nicht alles im einzelnen darstellen. Man erlangt gewissermaßen Einsicht, wie man an dem äußeren Erlebnis die Vorstellung sich bildet, wie sie in einem gewissen Sinne übergeht in den Organismus, wie sie da drinnen - ich will jetzt ganz abstrakt sagen - ihr weiteres Dasein hat und als Erinnerungsvorstellung wieder hervorgeholt werden kann. Man merkt, daß eine gewisse Abhängigkeit besteht zwischen dem, was in den Erinnerungen lebt, und den auch physischen Zuständen der menschlichen Organisation. Bis hinunter in die physischen Zustände ist man ja abhängig mit Bezug auf die Erinnerungen von der Organisation des Menschen. Man übergibt gewissermaßen dasjenige, was man erlebt hat, der eigenen Organisation, und man könnte ja jetzt im einzelnen schildern, welche Schicksale diese übergebenen Bilder der Erlebnisse in der menschlichen Organisation erfahren. Das würde aber selbst schon ein geisteswissenschaftliches Kapitel sein. Aber wie sehr auch unser Organismus beteiligt sein mag an dem Aufnehmen desjenigen, was dann als Erinnerung weiterlebt, wie sehr er beteiligt sein mag an dem Inhalt, er darf nicht soweit eben beteiligt sein, daß er irgend etwas Inhaltliches hinzugibt zu den Erinnerungen, wenn die Erinnerungen rein und treu sein sollen. Es darf in die Erinnerungen, nachdem die Vorstellungen des Erlebnisses gebildet sind, weiter nichts Inhaltliches einfließen.

[ 4 ] I will describe the outer process, but of course in just a few lectures one cannot go into any great detail. We may form a mental picture of an outer experience and we can see how in a sense the outer experience passes over into our organism, and—expressed abstractly—it then leads a further existence there, and can be drawn forth again as a memory picture. We notice that there is a certain dependence between what lives in the memory and the physical condition of the human organism. The memory is really dependent on our human organism right into the physical condition. In a way we pass on what we have experienced to our organism. It is even possible to give a detailed account of the continuation of the various pictures of our experience in the human organism. But this would be an entire spiritual-scientific chapter in itself. For our memories to remain pure and true, no matter how much our organism may participate in what lives on in the memory process, this involvement may not add anything of real content. Once mental pictures of an experience have been formed, nothing further should flow into the content of the memories.

[ 5 ] Wer sich über dieses Faktum im Erinnerungsleben ganz klar ist, der kann eben unterscheiden, weiß, was es heißt, wenn dann in seinem Bewußtsein Bilder auftreten mit dem sonstigen formalen Charakter der Erinnerungsbilder, die aber einen Inhalt haben, der sich durchaus nicht auf irgend etwas persönlich Erlebtes bezieht, und der gegenüber allem persönlich Erlebten zunächst ein vollständig veränderter ist. Aber in diesem Erleben der Imagination selbst zeigt sich, wie man nötig hat, die eigentliche seelische Kraft stark zu machen, immer mehr und mehr zu verstärken. Denn, was muß man eigentlich tun? Während sonst unsere fertige Organisation dasjenige, als was man organisiert ist, die Vorstellungen, die man sich am Leben gebildet hat, übernimmt und die Erinnerung vermittelt, während also gewissermaßen, wenn ich mich so ausdrücken kann, die am Leben gebildeten Vorstellungen nicht ins Bodenlose sinken, sondern von unserer Organisation aufgehalten werden, damit sie im gegebenen Augenblick der Erinnerung wieder zurückgestrahlt werden können, darf das gerade bei den imaginierten Vorstellungen nicht der Fall sein. Die müssen wir in der Lage sein aufzufangen durch bloß innerliche, seelische Kräfte. Dazu ist eben notwendig, daß wir uns aneignen dasjenige, was uns darin stärker macht, als wir gewöhnlich sind in bezug auf das Auffangen solcher Vorstellungen, auf das Halten solcher Vorstellungen. Nun gibt es dafür verschiedene Mittel, die ich beschrieben habe in den genannten Büchern. Aber eines will ich Ihnen angeben, und Sie werden aus dem, was ich jetzt sage, erkennen, welche Zusammenhänge bestehen zwischen mancherlei Lebensforderungen, die einfach von anthroposophischer Geisteswissenschaft ausgehen müssen, und demjenigen, was die Grundbedingungen dieser anthroposophischen Forschung sind.

[ 5 ] If we are clear about this fact of memory life, we are then in a position to ascertain what it means when pictures appear in our consciousness that have the familiar character of memory pictures, but a content which does not relate to anything in our personal experience. In the process of experiencing imagination we realize the necessity of continually increasing the power of our soul. For what is it that we must really do? Normally our organism takes over the mental pictures we have formed from life and provides memory. Thereby the mental pictures do not just sink down into an abyss, if I may so express it, but are caught and held by our organism so that they can be reflected back again at any necessary moment. With imaginative pictures, this is just what should not be the case; we must be in a position to hold them through inner soul forces alone. Therefore it is necessary for us to acquire something that will make us stronger than we are ordinarily in receiving and retaining mental images. There are of course many ways to do this; I have described them in the books already named. I wish to mention just one of them. From what I now tell you, you will be able to see the relation between various demands of life which spring from anthroposophical spiritual science and their connection with the foundation of anthroposophical research.

[ 6 ] Derjenige, welcher in der Art der Außenwelt gegenübersteht, daß er an sich herankommen läßt zunächst die sinnlichen Eindrücke der Außenwelt, die Phänomene, wie man wohl auch sagt, und der dann seinen Verstand dazu gebraucht, um über diese Phänomene in allerlei Weise zu spintisieren, was ja manchmal außerordentlich interessant sein kann, der wird kaum die Kraft finden zum imaginativen Vorstellen. In dieser Beziehung waren manche Vorgänge des neueren Geisteslebens geradezu dazu angetan, die imaginative Kraft zu unterdrücken. Wenn man nämlich anfängt, nicht die Phänomene der Außenwelt, die sich im mineralisch-physischen Reiche abspielen, mit dem Verstand gewissermaßen nur zu verbinden, den Verstand nur als ein Mittel zu gebrauchen, um die Phänomene miteinander zu verbinden, sondern wenn man anfängt, von den Phänomenen aus nach allerlei zu suchen, das hinter den Phänomenen stecken soll und das man konstruieren will, dann zerstört man sich eigentlich das imaginative Vermögen.

[ 6 ] Whoever uses his intellect to spin all kinds of theories about what he confronts as phenomena in the world (which of course can be extraordinarily interesting at times) will hardly find the power for imaginative activity. In this respect, certain developments in the intellectual life of the present day seem specifically suited to suppress the imaginative force. If we go further than simply taking the outer phenomena of the mineral-physical realm and connecting them with one another through the power of our intellect; if we begin to search for things that are supposed to be concealed behind the visible phenomena, with which we can make mental constructions, we will actually destroy our imaginative capacity.

[ 7 ] Ich darf vielleicht einen Vergleich gebrauchen. Sie haben ja wohl sich mehr oder weniger beschäftigt mit demjenigen, was man im Sinne der Goetheschen Weltanschauung Phänomenalismus nennen könnte. Goethe gebraucht selbst bei der Anstellung seiner Versuche, bei seinen Beobachtungen den Verstand in anderer Weise, als er oftmals gerade in der abgelaufenen Phase des neueren Denkens gebraucht worden ist. Goethe gebraucht den Verstand so, wie wir ihn etwa — jetzt kommt der Vergleich, den ich gebrauchen will - anwenden im Lesen. Wir lesen so, daß wir ein Ganzes bilden aus den einzelnen Buchstaben, und daß, wenn wir zum Beispiel eine Zeile vor uns haben und es uns gelungen ist, ein Ganzes innerlich mit dem Bewußtsein zu ergreifen durch die einzelnen Buchstaben und Worte, wir dann das Rätsel aufgelöst haben, das uns diese Zeile aufgegeben hat. Wir werden uns gar nicht einfallen lassen, etwa zu sagen: Hier ist ein B, ein r, ein 0, ein t. Ich will das B ansehen. Dieses B sagt mir ja als solches nichts Besonderes. Weil es mir nichts sagt, so muß ich forschen nach dem, was hinter diesem B eigentlich steckt, und da muß ich vielleicht darauf kommen, daß hinter diesem B irgendein geheimnisvolles Jenseitiges steckt, was auf mich einen Eindruck macht, und was mir das B vermittelt. - Das tue ich nicht, sondern ich sehe mir die Buchstaben hier an und bilde mir daraus ein Ganzes: ich lese. Goethe macht es so gegenüber den Phänomenen der Außenwelt. Er nimmt nicht irgendeine Lichterscheinung und philosophiert darüber, welche Schwingungszustände dahinterstecken können in irgendeinem Jenseitigen. Er gebraucht nicht seinen Verstand dazu, um zu spekulieren, was hinter den Phänomenen stecken könnte, sondern er gebraucht diesen Verstand gerade zu demselben, wozu wir ihn gebrauchen, wenn wir die Buchstaben zusammendenken. So gebraucht er den Verstand bloß als ein Mittel, um die Phänomene zu gruppieren, so daß sie sich gegenseitig selber wie lesen lassen in ihrer Zusammenfügung. Goethe gebraucht also den Verstand der äußeren physisch-mineralisch-phänomenologischen Welt gegenüber, ich möchte sagen, als ein kosmisches Lesemittel. Er redet gar nicht von irgendeinem Ding an sich, er redet gar nicht von irgend etwas, das hinter den Phänomenen gesucht werden müßte und das dahinter stünde. Dadurch aber kommt er auch, ausgehend von dem Urphänomen, zu einer treuen Auffassung der Phänomene, die etwa verglichen werden können mit den Buchstaben der mineralisch-physischen Welt, bis zu den komplizierteren Phänomenen, die er entweder in der Beobachtung sucht, oder die er sich durch das Experiment zusammenstellt. Er liest dasjenige, was ausgebreitet ist im Raum und in der Zeit und gebraucht den Verstand ganz vorsätzlich nicht dazu, etwas hinter den Phänomenen zu suchen, sondern dazu, die Phänomene entweder in der Beobachtung so anzuschauen, daß sie sich gegenseitig aufhellen und in einem Ganzen sich selber aussprechen, oder aber um Experimente anzustellen, Versuchsanordnungen auszudenken. Ihm soll der Verstand nichts anderes sein als erstens dasjenige, was die Versuchsanordnung macht, zweitens dasjenige, was die Einzelphänomene zusammenstellt, damit sich dann die Phänomene selber aussprechen können. Dadurch, daß man eine solche Anschauungsweise gegenüber den Phänomenen sich zu eigen macht und immer mehr und mehr zu eigen macht und in dieser Auffassung der Außenwelt eben versucht, noch über Goethe — denn er stand ja im Anfange einer solchen Denkweise — hinauszukommen, dadurch erwirbt man sich ein gewisses Zusammengehörigkeitsgefühl, ein Zusammengehörigkeitserlebnis sogar mit den Phänomenen. Man lebt sich in einer viel intensiveren Weise in die Phänomene ein, als das der Fall ist, wenn man den Verstand sogleich dazu benützt, um eigentlich die Phänomene zu durchstechen und hinter ihnen allerlei zu suchen, das dann doch ausspintisiert im Grunde genommen ist. Natürlich trifft dasjenige, was ich sage, immer nur das Ausspintisierte selber.

[ 7 ] Perhaps I may make a comparison. No doubt you have had some dealings with what could be called phenomenalism in the sense of a Goethean world view. In arranging experiments and observations, Goethe used the intellect differently from the way it is used in recent phases of modern thought. Goethe used the intellect as we use it in reading. When we read, we form a whole out of the individual letters. For instance, when we have a row of letters and succeed in inwardly grasping the whole, then we have solved a certain riddle posed by this row of individual letters. We would not think of saying: Here is a b, an r, an e, an a and a d—I will look at the b. As such, this isolated b tells me nothing in particular, so I have to penetrate further for what really lies behind the b. Then one could say: Behind this b there is concealed some mysterious “beyond,” a “beyond” that makes an impression on me and explains the b to me. Of course, I do not do this; I simply take a look at the succession of letters in front of me and out of them form a whole: I read bread. Goethe proceeds in the same way in regard to the individual phenomena of the outer world. For instance, he does not take some light phenomenon and begins to philosophize about it, wondering what states of vibration lie behind this phenomenon in some sort of “beyond.” He does not use his intellect to speculate what might be hiding behind the phenomenon; rather, he uses his intellect as we do when we “think” the letters together into a word. Similarly he uses the intellect solely as a medium in which phenomena are grouped—grouped in such a way that in their relation to one another they let themselves be “read.” So we can see that regarding the external physical-mineral phenomenological world, Goethe employs the intellect as what I would call a cosmic reading tool. He never speaks of a Kantian “thing in itself” that must be sought behind the phenomena, something Kant supposed existed there. And so Goethe comes to a true understanding of phenomena—of what might be called the “letters” in the mineral-physical world. He starts with the archetypal or “Ur”-phenomenon, and then proceeds to more complex phenomena which he seeks either in observation or in experiments which he contrives. He "reads" what is spread out in space and time, not looking behind the phenomena, but observing them in such a way that they cast light on one another, expressing themselves as a whole. His other use of the intellect is to arrange experimental situations that can be “read”—to arrange experimental situations and then see what is expressed by them. When we adopt such a way of viewing phenomena and make it more and more our own, proceeding even further than Goethe, we acquire a certain feeling of kinship with the phenomena. We experience a belonging-together with the phenomena. We enter into the phenomena with intensity, in contrast to the way the intellect is used to pierce through the phenomena and seek for all kinds of things behind them—things which fundamentally are only spun-out theories. Naturally, what I have just said is aimed only at this theoretical activity.

[ 8 ] Es handelt sich darum, sich zu erziehen in Phänomenologie, sich zu erziehen in einem reinen Zusammenwachsen mit den Phänomenen der Außenwelt so, daß man nach und nach eigentlich ein ganz bestimmtes Gefühl bekommt über dieses Zusammengewachsensein. Wenn man, nachdem man sich in dieser Art angeeignet hat das Zusammengewachsensein mit den Phänomenen als solchen, dann sich an solche Phänomene der Außenwelt erinnert, dann tritt einem vor allen Dingen ein vollgesättigtes Bild in der Erinnerung auf, während man ja deutlich merkt, daß die Erinnerungsvorstellungen der meisten Leute unserer heutigen Kultur außerordentlich stark an die Wortvorstellungen gebunden sind. Indem man die Möglichkeit gewinnt, nicht an Wortvorstellungen sich zu halten, die doch im Grunde genommen die Erinnerung nur so gestalten, daß sie aus uns heraus den letzten Zusammenhang wie aus dem Unterbewußten in das Bewußtsein herein drängen, je mehr man dazu gelangt, bildhaft schon die Erinnerung zu haben, je mehr man zum Beispiel dazu gelangt - sagen wir, wenn man als bubiger Nichtsnutz dieses oder jenes Spiel getrieben hat, diese oder jene Neckerei ausgeführt hat-, daß man sich wirklich sieht im Bild, wie man das tut, wie man den anderen zupft — man sieht sich selber, wie man den anderen am Ohrläppchen nimmt, wie man ihm eine herunterhaut und so weiter —, wenn da nicht bloß verblaßte Erinnerungen auftreten, sondern tatsächlich scharf konturierte Bilder, denen gegenüber man aber die innere Freiheit so erhält, wie sonst den gewöhnlichen Erinnerungsvorstellungen gegenüber, und wenn man merkt, wie an solchem Erinnern die Interessiertheit an der Außenwelt wächst, wie, ich möchte sagen, das intime Zusammenleben mit allerlei kleinen Details der Außenwelt in diesen Bildern hereindringt in unser Bewußtsein, wenn wir, nicht deshalb, weil das unsere Erinnerungen sind, sondern weil sie auftreten, ich möchte sagen, so objektiv wie sonst ein Erlebnis — nicht wahr, Sie werden mich verstehen, wenn ich solche Ausdrücke gebrauche. Es geschieht aus dem Grunde, weil unsere Sprache heute eben noch nicht allgemein brauchbare Worte hergibt, und weil man durch allerlei groteske Worte versucht, gerade scharf hinzuweisen auf das, um was es sich hier handelt -: wenn wir in der Lage sind, das Gefühl zu haben, solche Erinnerungen streicheln zu können oder solche Erinnerungen furchtbar ärgern zu können, wenn überhaupt das Seelenleben so lebendig wird in solchen Bilderinnerungen, wie es werden kann, wenn das Erleben der Außenwelt selbst da ist, dann hat man die Kraft verstärkt, welche man braucht, um nun das, was imaginative Vorstellungen sind, in der richtigen Weise im Bewußtsein festzuhalten.

[ 8 ] We need to educate ourselves in phenomenology, to reach a “growing together with” the phenomena of the world around us. Next in importance is to acquire the ability to recall a fully detailed picture of the phenomena. In our present culture, most people's memories consist of verbal images. There comes a moment when we should not be dependent on verbal images: these only fill the memory so that the last memory connection is pushed up out of the subconscious into consciousness. We should progress toward a remembering that is really pictorial. We can remember, for instance, that as young rascals we were up to some prank or other—we can have a vivid picture of ourselves giving another fellow punches, taking him by the ear, cuffing him, and so on. When these pictures arise not just as faded memories, but in sharp outline, then we have strengthened the power we need to hold the imaginations firmly in our consciousness. We are related to these pictures in inner freedom just as we are to our ordinary memories. With this strengthened remembering, we grow increasingly interested in the outer world, and as a result the ultimate "living together with" all the various details of the outer world penetrates into our consciousness. Our memories take on the quality of being really objective, as any outer experience is, and we have the feeling that we could affectionately stroke them. Or one could say: These memory pictures become so lively that they could even make us angry. Please bear with me as I describe these things to you! It is the only thing I can do with our present language.

[ 9 ] Und dann kann man daran gehen, immer wieder und wiederum die Übung zu machen, solche Imaginationen fortzuschaffen, so daß man gewissermaßen in das leere Bewußtsein immer wieder und wiederum untertaucht. Es ist eine Übung, die außerdem in einem stark das Gefühl der inneren Freiheit lebendig macht, wenn man durch Willkür solche Vorstellungen im Bewußtsein präsent macht, dann wiederum herausschafft und auf diese Weise eine Art inneren Rhythmus im Meditieren, im Konzentrieren, im Aufstellen von Vorstellungen und Fortschaffen von Vorstellungen hervorruft. Man ruft dadurch eine starke innere Beweglichkeit der Seele hervor, das gerade Gegenteil jener Seelenverfassung, die bei Psychopathen jeglicher Art vorhanden ist. Es ist wirklich das genaue Gegenteil, und diejenigen, welche das, was ich hier eben beschreibe, mit irgendwelchen psychopathischen Zuständen vergleichen, zeigen nur, daß sie eben keine Vorstellung von der Sache haben.

[ 9 ] Then comes the next step: we must practice again and again eliminating these imaginations so that we can dive down again and again into an empty consciousness. If we bring such pictures into our consciousness at will and then eliminate them again in a kind of inner rhythm—meditating, concentrating, creating images, and then freeing ourselves of them—this will quicken powerfully the feeling of inner freedom in us. In this way we develop a great inner mobility of soul—exactly the opposite of the condition prevailing in psychopaths of various kinds. It really: is the exact opposite, and those who parallel what I have just described here with any kind of psychopathic state show that they simply have no idea of what I am talking about.

[ 10 ] Wenn man dann dazu kommt, auf diese Weise das Vergessen auch zu verstärken, wenn man also dieselbe Tätigkeit, die sonst unwillkürlich im Vergessen ausgeübt wird, wenn man diese, sagen wir, negative Tätigkeit nun auch wirklich durch Willkür geregelt innerlich auszuüben vermag, dann erst merkt man, wie das, wovon man vorher wußte, es ist Bild der Wirklichkeit, es ist Imagination, jetzt erfüllt wird von dem, was uns zeigt: dasjenige, was da im Bilde auftritt, ist Realität, geistige Realität. Man ist gekommen bis zu jenem Abgrunde, der einem gewissermaßen von der anderen Seite des Daseins entgegenleuchten läßt die geistige Realität, die aller äußeren physisch-sinnlichen Realität eben doch mit eingegliedert ist. So sehen Sie, daß es eigentlich zunächst nötig ist, sich in klarer Art an der Außenwelt den Sinn anzueignen, den man haben muß, um ein richtiges Verhalten zu diesen Imaginationen zu haben. Wer über Phänomene nur spekulieren will, gewissermaßen sie durchstechen will und dahinter dasjenige, was erst die reale Wirklichkeit sein soll, erspekulieren will, der wird geschwächt in der Kraft des Festhaltens von Imaginationen und auch des Behandelns von Imaginationen.

[ 10 ] When we finally succeed in strengthening our forgetting—the activity which normally is a kind of involuntary activity—when now we control this activity with our will, we notice that what we knew before as an image of reality, as imagination, fills with content. This content shows us that what appears there in pictorial form is indeed reality, spiritual reality. At this point we have come to the edge of an abyss where, in a certain sense, spiritual reality shines across to us from the other side of existence. This spiritual reality is present in all physical sense reality. It is essential to develop a proper sense for the external world in order to have a correct relationship to these imaginations. Whoever wishes just to speculate about phenomena, to pierce them through, as it were, hoping to see what is behind them as some kind of ultimate reality—whoever does this, weakens his power to retain and deal with imaginations.

[ 11 ] Wenn man nunmehr dazu gelangt, überzugehen zu dem inspirierten Leben, das heißt, die Realität der geistigen Welt ebenso zu erleben, wie man sonst durch seine äußeren Sinne die physische Welt erlebt, dann tritt jenes Eigentümliche auf, durch das man sich sagt: Ja, eigentlich verstehst du jetzt erst dasjenige, was Erinnerung bedeutet. Erinnerung bedeutet eigentlich, daß deine an den Erlebnissen gewonnenen Vorstellungen in deinem Organismus untertauchen und da im Organismus tatsächlich — das ist vergleichsweise gesprochen, aber der Vergleich ist eine Art von Terminus, er ist mehr als ein Vergleich, er bezeichnet in gewisser Weise durchaus den Inhalt der Tatsache — wirken wie ein Spiegel in bezug auf die vor dem Spiegel befindlichen Gegenstände.

[ 11 ] When we have attained a life of inspiration—that is, experiencing the reality of the spiritual world just as ordinarily we experience the physical world through our external senses—then we can say: now I finally understand what the process of remembering means. Remembering means (I will make a kind of comparison) that the mental images we have gained from our experiences sink down into our organism and act there as a mirror.

[ 12 ] Es wird aufgehalten dasjenige, was vorgestellt wird, von dem Organismus, während der Spiegel im Unterschied davon daran gebunden ist, das immer zurückzustrahlen, was vor ihm ist. So besteht für den Menschen die Möglichkeit, die Spiegelung in eine willkürliche zu verwandeln, das heißt, aus dem ganzen Organismus herausspiegeln zu lassen, vor allem aus dem Nervenorganismus heraus dasjenige, was er seiner Erinnerung anvertraut hat. Dadurch, können wir sagen, wird dasjenige, was als Vorstellungen aufgenommen ist von dem Organismus, festgehalten so, daß man nicht dahintersehen kann, wie man ja hinter den Spiegel auch nicht sehen kann. Man bekommt in der Tat den Eindruck: Indem du hinschaust innerlich auf deine Erinnerungen, mußt du dir sagen, der Umstand, daß du ein Erinnerungsvermögen hast, verhindert dich, dich in dich selbst hineinschauend zu versenken. Du kommst nicht in dein Inneres herein, wie du nicht hinter den Spiegel kommst mit deinem Sehen der gespiegelten Gegenstände.

[ 12 ] The pictures we form in our minds are retained by the organism, in contrast to a mirror which just has to reflect, give back again what is before it. Thus we have the possibility of transforming a strictly reflective process into a voluntary process—in other words, what we have entrusted to memory can be reflected back from the entire organism and particularly from the nervous system. Through this process, what has been taken up by the organism in the form of mental pictures is held in such a way that we too cannot see “behind the mirror.” Looking inward upon our memories, we must admit that having the faculty of memory prevents us from having an inner view of ourself. We cannot get into our interior any more than we can get behind the reflective surface of a mirror.

[ 13 ] Es ist dasjenige, was ich Ihnen sage, natürlich durch Vergleiche ausgesprochen. Aber die Vergleiche stellen eben wirklich auch den 'Tatbestand dar, und das, sehen Sie, merkt man daran, daß in dem Augenblicke, wo jetzt durch die Inspiration die Imaginationen sich einem als Bilder einer geistigen Realität zeigen, für diese Imaginationen der Spiegel wegfällt. Jetzt beginnt, wenn das imaginative Vorstellen zum inspirierten sich erhebt, die Möglichkeit, sich zu durchschauen, und da erst tritt einem das menschliche Innere entgegen in demjenigen, was eigentlich sein geistiger Aspekt ist. Aber was lernt man da kennen? Nun, man bekommt oftmals, und zwar von einem gewissen Gesichtspunkt aus durchaus mit Recht, wenn man solche Mystiker liest, sagen wir wie die Heilige Therese, wie Mechthild von Magdeburg und so weiter, außerordentlich schöne Vorstellungen, denen gegenüber man in eine wahrhaft devotionelle Stimmung kommen kann. Für den, der nun anfängt, das zu durchschauen, von dem ich eben jetzt hier gesprochen habe, hören gerade solche mystische Schauungen auf, dasjenige zu sein, was sie für den nebulosen Mystiker sehr häufig sind. Denn derjenige, der nicht durch ja auch im Grunde genommen abnorme Zustände, wie sie bei solchen Mystikern vorhanden sind, sondern durch Ausbildung seines Erkenntnisvermögens, wie ich es geschildert habe, zu dieser Innenschau kommt, der lernt nicht nur dasjenige so schildern, was er im Augenblick bekommt, wie es die Mechthild von Magdeburg oder die Heilige Therese und so weiter tun, sondern er lernt dasjenige erkennen, was das Innere der menschlichen Organisation ist. Mag das den nebulosen Mystikern noch so nüchtern erscheinen, was ich jetzt an Stelle ihrer mystischen Nebelbilder setze, das ist doch die Wahrheit, der man eigentlich zustreben muß, wenn man wirkliche Erkenntnis haben will, und nicht Berauschung in innerer Mystik. Man lernt jetzt erkennen, weil der Spiegel weg ist, man lernt innerlich anschauen Lunge, Zwerchfell, Leber, Magen. Man lernt die menschliche Organisation innerlich erkennen, und man lernt da auch erkennen, wie im Grunde genommen solche Mystiker wie Mechthild von Magdeburg oder wie die Heilige Therese auch, aber jetzt durch gewisse abnorme Zustände, das Innere schauten, nur daß sich ihnen dieses Innere im Schauen umgab mit allerlei Nebeln. Den Nebel schildern sie dann, durch den der wahre Geistesforscher durchdringen muß.

[ 13 ] Of course what I am telling you is expressed by way of comparisons, but these comparisons do portray the fact of the matter. We realize this when inspiration reveals these imaginations to us as pictures of a spiritual reality. At this moment the mirror falls away with regard to the imaginations. When this happens we have the possibility of true insight into ourselves, and our inner being appears to us for the first time in what is actually its spiritual aspect. But what do we really learn here? By reading such mystics as Saint Theresa or Mechtild of Magdeburg, beautiful images are evoked, and from a certain point of view this is justified. One can enter into a truly devotional mood before these images. For someone who begins to understand what I have just described to you, precisely this kind of mystical visions cease to be what they very often are for the nebulous types of mystic: When someone comes to real inner vision, not in an abnormal way (as is the case with such mystics) but by the development of his cognitive faculty as I have described it, then he learns not only to describe a momentary aspect as Mechtild of Magdeburg, Saint Theresa and others do, but he learns to recognize what the real interior of the human organization is. If one wants to have real knowledge and not mystical intoxication, one must strive toward the truth and put it in place of their mist-shrouded images. (Of course, this may seem prosaic to the nebulous mystic.) When this is accomplished, the mirror drops away and one gains a knowledge, an inner vision of the lungs, diaphragm, liver, and stomach. One learns to experience the human organization inwardly. It is clear that Mechtild of Magdeburg and Saint Theresa also viewed the interior, but in their case this happened through certain abnormal conditions and their vision of the human interior was shrouded in all manner of mists. What they describe is the fog which the true spiritual investigator penetrates.

[ 14 ] Es ist ja natürlich für den Menschen, der auf solche Dinge nicht eingehen kann, etwas, ich möchte sagen, Schockierendes, wenn irgend jemandem — wir wollen das als Hypothese annehmen - vorgelesen würde ein erhabenes Kapitel aus der Mechthild von Magdeburg, und es würde ihm dann der wahre Geistesforscher sagen: Ja, das sieht man wirklich, wenn man darauf kommt, seine Leber oder seine Niere innerlich anzuschauen. — Aber es nützt nichts, es ist so. Ich sage für denjenigen, der die Sache anders haben möchte: Es nimmt sich die Sache so aus. — Aber für den, der die ganze Sache durchschaut, beginnt dann erst recht das richtige Verhältnis zu den eigentlichen Weltengeheimnissen. Denn er lernt jetzt erkennen, aus welchen tiefen Untergründen des Daseins gerade dasjenige hervorgegangen ist, was diese menschliche Organisation ist, und er lernt erkennen, wie wenig man weiß von menschlicher Leber, von menschlicher Niere, von anderen Organen ganz zu schweigen, wenn man bloß den Leichnam aufschneidet oder meinetwegen auch bei Operationen den lebendigen Menschen aufschneidet und von der einen Seite diese menschliche Organisation anschaut. Es ist eben durchaus die Möglichkeit vorhanden, nicht nur von dieser äußeren materiellen Seite die menschliche Organisation zu durchschauen, sondern sie innerlich zu durchschauen. Nur hat man dann geistige Entitäten im Bewußtsein, und man hat sogar solche geistige Entitäten im Bewußtsein, die einem zeigen, daß der Mensch, wie er da mit seiner Organisation steht, eben durchaus nicht ein so in der Welt alleinstehendes Wesen ist, das man umfassen kann, wenn man es eingeschlossen denkt in seiner Haut. Sondern im Grunde genommen ist, wenn auch in einem etwas anderen Sinne, die Sache so, daß man jetzt durch eine solche Erkenntnisart die Entdeckung macht, daß geradeso wie der Sauerstoff, den ich jetzt in mir habe, vorhin noch draußen war und jetzt in mir arbeitet, so ist, wenn auch ausgedehnt auf lange Zeiträume, dasjenige, was in mir als innere Organisation, als Leber, als Niere und so weiter arbeitet, aus dem Kosmos herausgestaltet, hängt zusammen mit dem Kosmos. Ich muß auf den Kosmos und seine Konstitution hinsehen, wenn ich verstehen will, was in Leber, Niere, Magen und so weiter lebt, wie ich auf den Kosmos hinsehen muß mit seiner Luft, wenn ich verstehen will, was eigentlich das ist als Substanz, was da in meiner Lunge arbeitet, dann in meine Blutzirkulation weiter allerlei trägt und so weiter. Man lernt eben nicht nur kennen, wenn man so durch wahre Geistesforschung vorrückt, etwa irgendwelche engbegrenzten Bilder der einzelnen menschlichen Organe, sondern man lernt Zusammenhänge erkennen, man schaut Zusammenhänge der menschlichen Organisation mit dem Kosmos.

[ 14 ] To a person who is incapable of accepting such things, it would naturally be a shock if, let's say hypothetically, a lofty chapter out of Mechtild were read and the spiritual researcher then told him: Yes, that is really what one sees when one comes to an inner vision of the liver or the kidneys. It is really so. For anyone who would rather it were otherwise, I can only say: That is the way it happens to be. On the other hand, for someone who has gained insight into the whole matter, this is for him the beginning of a true relation to the secrets of world existence. For now he learns the origin of what constitutes our human organization and at what depths they are to be recognized. He clearly recognizes how little we know of the human liver, the human kidneys, not to speak of other organs, when we merely cut open a corpse—or for that matter, when we cut open the living human organism in an operation—and get just the one-sided view of our organism. There is the possibility not just to understand the human organism from the external, material side, but to see and understand it from the inside. We then have spiritual entities in our consciousness, and such entities show us that a human being is not so isolated as we might think—not just shut up inside his skin. On the contrary! Just as the oxygen I have in me now was first outside and is now working within me, in the same way—though extended over a long period of time—what is now working in me as my inner organization (liver, kidneys, and so on) is formed out of the cosmos. It is connected with the cosmos. I must look toward the cosmos and how it is constituted if I want to understand what is living in the liver, kidneys, stomach, and so on; just as I must look toward the cosmos and the make-up of the air if I want to understand what the substance is that is now working in my lungs, that continues to work on in the blood stream. You see, in true spiritual research we are not limited to separate pictures of separate organs but we come to know the connections between the human organism and the whole cosmos.

[ 15 ] Jetzt ist es von ganz besonderer Wichtigkeit, daß man eines nicht übersieht, daß man zu einem Erlebnisse kommt, das ich Ihnen nur, ich möchte sagen, in seiner schlicht-symbolischen Weise hier im Bilde vorführen kann. Wenn wir dasjenige zusammennehmen, was wir in diesen Tagen und Stunden betrachtet haben, so können wir folgende Vorstellungen uns bilden. Unsere Sinne sind in gewisser Beziehung, wie ich gesagt habe, Golfe, durch welche die Außenwelt mit ihren Geschehnissen in uns hineinfließt. Dann setzen sich aber diese Sinne fort nach unserem Inneren, und ich habe Ihnen beschrieben, wie der Mensch dazu kommt, allmählich diese Tätigkeit, die ja mit Bezug auf das mehr gegenüber den Sinnen innen Gelegene vorhanden ist, subjektiv zu sehen — diese Tätigkeit, die gewirkt hat seit der Geburt auf das Nervensystem, dieses Formende, dieses Bildende -, wie er sie subjektiv als die Rückschau auf das Leben hat, als Lebenspanorama, wie er da entdeckt in der Konfiguration des Nervensystems, daß dieses Nervensystem selbst die äußerlich realisierten, physisch-sinnlich realisierten Bilder desjenigen darstellt, was eigentlich seelisch-geistig ist, so daß man sagen kann, man erlebt die Imagination und man erlebt dann, wie die Imagination sich auslebt im Formen der Nervensubstanz. Natürlich ist das nicht so im groben Sinne zu nehmen, weil ja die Nervensubstanz auch schon bearbeitet wurde vor der Geburt. Ich werde darauf morgen noch zu sprechen kommen. Aber im wesentlichen gilt doch das, was ich sage. So daß wir also sagen können: Ja, da hinein setzt sich also die Tätigkeit fort, man merkt ganz genau, wie sich da die Tätigkeit fortsetzt. Es ist diejenige Tätigkeit, die sich gewissermaßen eingräbt in das Nervensystem. Für diejenigen Teile des Nervensystems, die fertig ausgebildet sind, ist dieses Eingraben ein Durchlaufen der Nervenbahnen, für dasjenige, was namentlich im Kindesalter noch plastisch ist, ist es ein wirkliches Ausplastizieren, ein noch aus den Imaginationen heraus erfolgendes Bilden. Dem steht dann gegenüber das übrige der menschlichen Organisation, von dem ich noch sprechen werde, dasjenige, was Träger ist der Muskeln, Träger der Knochen und so weiter oder andere Träger desjenigen, was das Nervensystem ist, das Ganze des organischen Gewebes. Dann aber kann man folgendes erleben, und um Ihnen noch klarer zu machen, wie dieses Erlebnis ist, möchte ich Ihnen von folgendem sprechen.

[ 15 ] Not to be overlooked is the simple symbolic picture which we have already mentioned of the senses. We can in a way visualize our senses as “gulfs,” through which the outer world and its happenings flow into us. At the same time our senses continue inward as I have described them. Little by little we can see this activity from an inner point of view—the forming and molding activity that has worked on our nervous system since our birth. I have described the subjective experience of this activity as a life review, a life panorama, and we discover in the configuration of the nervous system an external pictorial form of what is really soul-spiritual. It can also be said that first we experience imaginations and then we see how these imaginations work in the formation of nerve substance. Of course this should not be taken in too broad a sense, since, as we know, nerve substance is also worked on before birth. I shall come back to this tomorrow. But essentially what I have said holds true. We can say: here is where the activity continues toward the inside; you can see exactly how it goes farther. It is the same activity, in a certain sense, that "engraves" itself into the nervous system. For the parts of the nervous system that are formed completely, this "engraving" activity can be seen streaming through the nerve paths. In childhood, however, for the parts that are still in the-process of being formed, this “engraving” acts as a real modeling force, a structuring proceeding out of imaginations. This leaves the rest of the human organism, about which we will speak shortly—what underlies the muscles, bones, and so on, also the physical basis of the nervous system—in fact, all of the organic tissue. At this point I should relate to you a certain experience I had; it will make this all a bit clearer.

[ 16 ] Ich habe einmal vorgetragen für die Anthroposophische Gesellschaft dasjenige, was ich genannt habe in den Vorträgen «Anthroposophie». Ich habe damals soviel vorgetragen von dieser Anthroposophie, als sich eben meiner Geistesforschung ergeben hatte. Es wurden dann diese Vorträge gedruckt verlangt, und ich ging daran, die Sache niederzuschreiben. Im Niederschreiben wurde wiederum etwas anderes daraus. Nicht daß irgend etwas in dem, was zuerst gegeben war, verändert worden wäre, sondern es wurde nur notwendig, einiges hinzuzufügen, was weitere Erklärungen abgab. Aber es wurde auch nötig, die Sache noch genauer zu formulieren. Das nahm ein Jahr in Anspruch. Nun kam wiederum eine Gelegenheit. Es wurde wiederum die Generalversammlung in der Gesellschaft abgehalten. Da sagten denn die Leute, bei der Generalversammlung sollten nun doch die «anthroposophischen» Vorträge verkauft werden, also müßten sie fertig werden. Ich hatte dann angekündigt für diese nächste Generalversammlung einen anderen Vortragszyklus, und verschickte die ersten Bogen dieser «Anthroposophie» an die Druckerei. Sie wurden auch sofort gedruckt. Ich dachte, ich würde nun weiterschreiben können. Ich schrieb auch eine Zeitlang weiter. Aber es ergab sich immer mehr und mehr die Notwendigkeit, weiteres hinzuzufügen zu den genaueren Erklärungen. Das ganze endete dann damit, daß eine ganze Anzahl von Bogen gedruckt waren. Bis dahin hatte ich geschrieben. Ein Bogen kam dann so, daß die sechzehn Seiten nicht mehr voll wurden, sondern nur noch, ich glaube, dreizehn oder vierzehn voll waren. Die anderen waren weiß, und ich sollte weiterschreiben. Mittlerweile hatte sich mir ergeben — es gab auch andere Gründe für das ganze, aber ich will jetzt einen der Gründe, die das Ereignis hervorgerufen haben, eben jetzt mit Bezug auf das, um was es sich hier handelt, Ihnen anführen — es kam die Zeit, in der ich mir sagte: Um die Sache nun wirklich so, wie ich sie jetzt nach einem Jahre haben müßte und haben will, zu Ende zu führen, dazu ist es notwendig, nun im genaueren auszubilden eine gewisse Vorstellungsweise, eine besondere Ausarbeitung des imaginativen, inspirierten Erkennens, und gerade mit Bezug auf diese anthroposophischen Fragen diese Erkenntnisart anzuwenden. Da ging ich denn daran, erst etwas Negatives zu machen: die ganze «Anthroposophie» liegen zu lassen. Sie liegt heute noch so, wie sie dazumal, viele Bogen schon, gedruckt war, und ich dachte daran, zunächst eben die Fortsetzung nun auch wirklich zu erforschen. Da machte ich dann gründlich Bekanntschaft mit etwas, was ich Ihnen jetzt schildern möchte. Ich kann es Ihnen nur schematisch schildern. Aber dasjenige, was ich Ihnen schematisch schildere, ist eine große Summe von inneren Erlebnissen, die eigentlich Erkenntnismethoden in der Erforschung des Menschen sind.

[ 16 ] I spoke once before the Theosophical Society about a subject I called “anthroposophy.” I simply set forth at that time as much of this anthroposophy as had revealed itself to my spiritual research. There was a request for these lectures to be printed and I set about doing this. In the process of writing them down, they turned into something different. Not that anything that had first been said was changed, but it became necessary to add to what was said by way of further explanation. It was also necessary to state the facts more precisely. This task would require a whole year. Now came another opportunity. There was again a general meeting of the Society and there was a request that the lectures should be ready for sale. So they had to get finished. I sent the first signature (16 pages) of the book Anthroposophy to the printer. The printing was rapidly done and I thought I would be able to continue writing. I did continue writing but more and more it became necessary to explain things more accurately. So a whole number of pages were printed. Then it happened that one signature was only filled up to page thirteen or fourteen and I had to continue writing to fill up all sixteen pages. In the meantime I became aware that in order to get this matter done the way I wanted to would require a more accurate, detailed development of certain mental processes, a very specific working out of imaginative, of inspirational cognition and then to apply these modes of cognition to these anthroposophical issues. And so I had to take a negative step, I dropped the whole idea of writing on Anthroposophy. It is still lying there today as it lay then—many pages.1Published in German as Anthroposophie—Ein Fragment, Bibl. Nr. 45; English translation in preparation by Mercury Press. For my intention was to make further investigations. Thus I became thoroughly acquainted with what I want to describe to you now. I can only describe it schematically at this time, but it is a sum total of many inner experiences that are really a cognitive method of investigating the human being.

[ 17 ] Es zeigte sich nämlich immer klarer und klarer, daß man eine Anthroposophie, wie sie dazumal intendiert war, erst dann vollenden kann, wenn man innerlich anschauend darauf kommt zu sehen, wie man dasjenige, was man da wirklich in innerer Schau als geistig-seelische Tätigkeit arbeitend im Nervensystem erblickt, so weit fortsetzen kann, bis man innerlich hier an einen Punkt kommt - der Punkt ist eigentlich eine Linie, die in vertikaler Richtung liegt, aber ich will hier die Sache nur schematisch geben, der Punkt liegt für gewisse Erscheinungen weiter oben, dann weiter tiefer und so weiter, das im einzelnen zu schildern wird vielleicht bei diesen Vorträgen nicht möglich sein, ich will nur gewissermaßen einen Querschnitt durch das ganze führen -, bis man zu diesem Punkt kommt, wo man dann deutlich merkt, die ganze von außen nach innen vorrückende geistig-seelische Tätigkeit, die man erfaßt im Imaginieren und Inspirieren, die kreuzt sich. Aber indem sie sich kreuzt, ist man dann nicht mehr frei in der Ausübung dieser Tätigkeit. Man ist ja vorher auch nicht ganz frei, wie ich geschildert habe. Jetzt wird man noch unfreier. Man merkt, daß das ganze eine Veränderung erfährt. Man läuft ein in ein stärkeres Festgehaltenwerden im imaginativ-inspirierten Vorstellen. Konkret gesprochen, wenn man dasjenige, was Sinneswahrnehmung und deren verstandesmäßige Fortsetzung für das Auge ist, im imaginativ-inspirierten Vorstellen auffaßt und dadurch zu der Imagination des Sehorgans kommt, wenn man also dazu kommt, durch Imagination, die durchinspiriert ist, das Sehorgan aufzufassen, dann setzt sich diese Tätigkeit nach dem Inneren fort, dann tritt hier eine Kreuzung ein, und dann umfaßt man mit der Tätigkeit, mit der man erst hier das Auge umfaßt hat, ein anderes Organ. Es ist im wesentlichen die Niere.

[ 17 ] It became increasingly clear to me that before one could finish the book called “Anthroposophy,” in the form intended at that time, one must have certain experiences of inner vision. One must first be able to take what one perceives as soul-spiritual activity working in the nervous system and carry it further inward, until one comes to the point where one sees the entire soul-spiritual activity—which one grasps in imagination and inspiration—crossing itself. This crossing point is really a line, in a vertical direction if looked at schematically. For certain phenomena the point lies farther up, for others farther down. In these lectures I can't describe this in detail, I just wanted to make a kind of cross section through the whole of it. Now because of this crossing, one is no longer free in exercising this activity. In fact, one was not altogether free before, as I have shown; now one is even less free. The whole situation undergoes a change. One is now being held strongly in an imaginative-inspired state. Expressed concretely, if one comes to an imagination of the eye by taking hold of visual sense-perception and the continuation into mental processes with imaginative-inspired cognition, then this activity proceeds inwardly and one comes to a kind of crossing, and with the activity first encompassing the eye another organ is encompassed, and that is the kidney.

[ 18 ] Und so für die anderen Organe. Man findet immer, wenn man diese imaginativ-inspirierte Tätigkeit nach dem Inneren des Menschen fortsetzt, daß man dasjenige, was eben schon fertige Organe sind - in ihrer Anlage wenigstens vollständig fertig, wenn der Mensch geboren ist —, gewissermaßen umgreift mit dieser inspirierten Imagination und so zur wirklichen Innenschau des menschlichen Organismus vorrückt. Es ist eine ganz besondere Schwierigkeit, und da ich dazumal nun nicht bloß das Buch fertigschreiben sollte, sondern nun noch einen anderen Vortragszyklus, der wiederum Forschungen nötig hatte, halten sollte, so können Sie sich denken, daß es nicht leicht war, mit dieser damals ausgebildeten Methode - es ist jetzt viele Jahre her — dazumal fertig zu werden.

[ 18 ] The same applies to the other organs. In each case, when one carries one's imaginative-inspired activity into the body, one finds various relatively complete organs—complete at least in their basic form from birth—and one comes to a real inner view of the human organism. This kind of research is very demanding; and as I was not obliged at that moment to finish the book, and had to give another lecture cycle, which also demanded research efforts, you can imagine that it was not easy to continue to work out the method which I had developed at that time—of course, it was quite a few years ago that this occurred.

[ 19 ] Ich muß nur noch erwähnen, die Schwierigkeit besteht nämlich darin, daß man zunächst immerfort zurückgeworfen wird. Dieses wirkliche Fortsetzen ist etwas, wo man schon die innere Kraft sehr zusammenhalten muß, wenn man es zuwege bringen soll. Man muß tatsächlich sich immer wieder und wiederum vornehmen, ich möchte sagen, die Kraft des Vorstellens, des inneren Arbeitens in der Seele an der Liebe zur äußeren Natur zu verstärken, intensiver zu machen. Sonst wird man immer leicht einfach zurückgeschlagen. Man merkt, man geht in sich hinein, aber man wird immer wieder zurückgestoßen, und man bekommt eigentlich statt etwas, was ich mit dieser Innenschau bezeichnen möchte, dieses, was nicht richtig ist. Man muß das überwinden, was sich da als ein Zurückschlagen entwickelt.

[ 19 ] I mention this only to show you some of the difficulties—how one is continually held back by various demands. To continue in this, one must hold one's inner forces firmly together if one is to accomplish it. One must, in fact, repeatedly resolve to intensify one's thinking ability, the force of one's inner soul work—to strengthen it through love of external nature. Otherwise one simply cannot proceed. One goes consciously into oneself, but again and again one is thrown back, and instead of what I would call an inner view, one gets something not right. One must overcome the inward counterblow that develops.

[ 20 ] Nun, ich wollte Ihnen die Geschichte erzählen aus dem Grunde, damit Sie sehen, daß der Geistesforscher schon hinweisen kann auf diejenigen Momente, wo er mit gewissen Problemen der Geistesforschung ringt. Leider ist ja in den Jahren, die dann auf das Ereignis gefolgt sind, das ich erzählt habe, meine Zeit durch alles mögliche insbesondere in den letzten Jahren so ausgefüllt worden, daß dasjenige, was ich als eine besonders notwendige, eigentlich unerläßliche Tätigkeit bezeichnen müßte, das Zuendeschreiben dieser «Anthroposophie», nicht hat zustande kommen können. Denn jedesmal, wenn sich ein bißchen die Aussicht bietet, daß die «Anthroposophie» weiter gefördert werden soll, dann werde ich zu dem oder jenem geholt, dann ist das oder jenes notwendig, dann muß in diesem oder jenem Gebiet unserer jetzigen Tätigkeit diese oder jene Sitzung gehalten werden. Das sind alles Dinge, die durchaus selbstverständlich auch notwendig sind. Aber einiges wäre schon zu tun, wenn die Anzahl der Persönlichkeiten immer größer und größer würde, welche mit uns an den anthroposophischen und sozialen Aufgaben arbeiten würden, damit die wenigen Persönlichkeiten, die heute im Zentrum wirklich eigentlich Kräfte aufwenden müssen, die sie gar nicht haben, erstens in fruchtbarer Arbeit sich entfalten könnten, und dann auch, damit sie ein wenig — was sie sehr nötig haben! — entlastet würden. Wir haben es gar sehr notwendig, daß namentlich all das Unsachliche, dasjenige, was sich in solchen Dingen abspielt, wie Sie sie gerade während Ihrer jetzigen Anwesenheit beobachten können, was zutage tritt bei solchen Schmutzlingen, wie sie sich jetzt als Verleumder ringsherum geltend machen, was aber doch eben eine Abwehr notwendig macht in unserer jetzigen Zeit, wo die Menschen, die frei sein wollen, so suggestiv beeinflußbar sind durch solche Negationen des Lebens, es wäre schon notwendig, daß wir Unterstützung erhielten in demjenigen, was zur Herausarbeitung anthroposophischer Weltanschauung und zum Hineinfließenlassen anthroposophischen Denkens in das soziale Leben notwendig ist. Sehen Sie, wenn Sie sich vorstellen, wie auf diese Weise im Grunde genommen hier oben dasjenige erschaut wird in einer, ich möchte sagen, mehr in der Abstraktheit festgehaltenen Form, was unten in ein Organ, in die Umklammerung eines Organs, das schon konkret da ist, sich einspinnt, dann werden Sie auch ermessen können, daß tatsächlich in einem solchen Durchschauen des menschlichen Organismus etwas liegt, was die Brücke schlagen kann auch zu den praktischen Betätigungen, die in dem Betrachten des Menschen und seines Verhältnisses zur Welt ihre Grundlage haben müssen. Ich habe Sie in anderem Zusammenhange schon darauf aufmerksam gemacht, wie man erkennen lernt, indem man einfach die Imagination in sich ausbildet, nicht nur die Sinnessphäre und ihre Fortsetzung in das Nervensystem hinein, sondern auch die Pflanzenwelt. Indem man zur Inspiration vorschreitet und dann ein solches Geistesforschen entfalten kann, lernt man zunächst die ganzen in der Tierwelt wirkenden Kräfte kennen. Man lernt aber auch manchen andere kennen, was in der Tierwelt nur seinen äußeren physisch-sinnlichen Ausdruck hat. Man lernt erkennen die Natur des Atmungssystems, begreift die äußere Gestalt dieses Atmungssystems aus diesen Verhältnissen heraus. Diese äußere Gestalt des Atmung- sund Zirkulationssystems ist nicht in unmittelbarer Weise ähnlich in ihrer äußeren Konfiguration dem Vorstellungsleben wie das Nervensystem, von dem ich Ihnen gestern hier zeigte, daß es so ähnlich ist, daß? zwei auf verschiedenen Standpunkten stehende Leute ähnliche Bilder hinzeichnen konnten. Indem man so kennenlernt, parallel laufend die äußere Welt in ihren verschiedenen Reichen und den Menschen innerlich - und ich will morgen hinzufügen, was alles dieses innerliche Erkennen gibt für das weitere Durchschauen der ganzen menschlichen Wesenheit und Natur — und wenn man so den Menschen kennenlernt in seinem Zusammenhang mit seiner Umgebung, eröffnet sich eben sehr vieles, was an Beziehungen vorhanden ist vom Menschen zu seiner Umgebung. Es eröffnet sich zum Beispiel vor allen Dingen die Möglichkeit, die Wesenheit eines Organs, den Zusammenhang dieses Organs mit dem, was draußen im Reiche der Natur ist, auf diese Weise zu durchschauen, und dadurch auf rationelle Weise den Übergang zu finden von einer vergeistigten Physiologie zu einer wirklichen Therapie. Da gibt sich die Möglichkeit, dasjenige wieder auszubilden, was einstmals durch ein instinktives innerliches Anschauen gewonnen worden ist. Ich habe gesprochen vom Jogasystem, und ich könnte andere, ältere Systeme anführen, durch die auf instinktive, kindliche Art der Zusammenhang des Menschen mit der Umgebung geschaut worden ist. Im Grunde genommen rühren aus dieser Zeit noch therapeutische Anweisungen her, die vielleicht heute etwas verändert, aber noch immer zu dem Fruchtbarsten in der Therapie gehören. Die Therapie auszugestalten in einer Weise, wie wir sie brauchen, wird nur auf geisteswissenschaftlichem Wege möglich sein, und es wird durch das Durchschauen des Zusammenhangs der menschlichen Organe mit dem Kosmos wirklich dasjenige herauskommen, was eine nun nicht bloß aufäußerliches Experimentieren, sondern aufinnerliches Anschauen gegründete Medizin ist.

[ 20 ] I wanted to tell you all this so that you could see that the spiritual investigator has moments when he must wrestle with certain problems of spiritual research. Unfortunately, in the years that followed the event I have just described to you, my time was so filled with everything imaginable, particularly in recent years, that the needful—indeed, indispensable—activity for finishing my Anthroposophy could not take place. You see, something that is inwardly understood, something we spoke of above rather abstractly, is in fact what is spun into an enveloping form of an organ, something quite concrete. If you picture this to yourselves, you will realize that such an insight into the human being can also build a bridge to practical activities. These activities must of course be founded on a vision of the human being and his relation to the world. I have already indicated in another connection how through developing imagination we gain knowledge not only of the sensory realm and its continuation into the nervous system, but also of the plant world. When we advance to inspiration, we become acquainted with the whole realm of forces that are at work in the animal world. At the same time we become aware of other things of which the animal world is only the outer expression. We now recognize the nature of the respiratory system, we can understand the external forms of the respiratory system through this relationship. The external form of the respiratory and circulatory system is not directly similar in its outer shape to its inner counterpart, as is the case with the outer form of the nervous system and the inner mental life. I showed this yesterday—how in the case of the nervous system two people, representing very different points of view, were able to draw similar pictures. In a parallel manner we become acquainted with the outer world and its kingdoms and the inner aspect of the human being. Tomorrow I will consider what this inwardly experienced knowledge adds to our insight into the nature of the human being and his relation to his environment. Naturally, a great deal is revealed to us about specific relationships between the human being and his environment. It is possible to perceive the nature of a specific human organ and its connection to what exists in the outer natural realm. Thereby we discover in a rational way the transition from a spiritualized physiology to a true therapy. What once was won through instinctive inner vision is now possible to be renewed. I have mentioned yoga, and I could name even older systems which made it possible to perceive in an instinctive, childlike way the connection between the human being and the world around him. Many of today's therapeutic measures come from this older time—perhaps in somewhat different form, but they are still among the most fruitful today. Only on this spiritual path can therapy be developed that is suited to meet the real needs of today. Through insight into the connection of the human organs with the cosmos, a medicine will be developed based an inner perceptions, not just external experiment.

[ 21 ] Das wollte ich Ihnen nur als Beispiel dafür anführen, wie Geisteswissenschaft befruchtend in die einzelnen Wissenschaften hineinwirken muß. Wie dies heute nötig ist, das zeigt sich daran, wie auf der anderen Seite durch die äußerliche, empirische Forschung, die ja wirklich nicht müßig war, sondern ihrerseits das, was eben auf ihrem Boden möglich war, in großartiger Weise geleistet hat, überall Fragen aufgeworfen werden. Man nehme nur die äußere Physiologie, die äußere Pathologie und so weiter, die Fragen sind überall da. Derjenige, der mit hellen Sinnen die Sachen heute studiert, weiß, die Fragen sind da. Sie heischen Antwort, wie es schießlich auch auf dem Felde des äußeren Lebens ist. Die großen Fragen sind da. Sie heischen Antwort. Nun wohl, Geisteswissenschaft will nicht übersehen dasjenige, was Großes, Triumphales in den anderen Wissenschaften vorliegt. Sie will aber auch ihrerseits studieren, was für Fragen sich daraus ergeben, und sie will ihrerseits so exakt, wie das in den anderen Wissenschaften gelehrt werden kann, auf den Weg sich begeben zur Lösung desjenigen, was, auch für die sinnlich-empirische Forschung, doch nur durch geistige Forschung gefunden werden kann! Davon dann morgen weiter.

[ 21 ] I set this before you just as an example of how spiritual science must fructify the various specialized branches of science. That this is needed is obvious when one looks at external research efforts, which have been very active and are magnificent in their own way—but which abound with questions. Take, for example, outer physiology or outer pathology: questions are everywhere. Whoever studies these things today and is fully awake will find the questions there—questions that beg for answers. In the last analysis, spiritual science recognizes there are great questions in outer life, and that they require answers. It does not overlook what is great and triumphant in the other sciences. At the same time, it wishes to study what questions result from this; it wishes to find a way to solutions to these questions in just as exact a manner as can be taught in the other sciences. In the end, the questions can be found (even for sense-bound empirical investigation) only through spiritual investigation. We will speak more about this tomorrow.