Social Ideas, Social Reality
and Social Practice I
GA 337a
30 May 1919, Stuttgart
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Social Ideas, Social Reality and Social Practice I, tr. SOL
2. Fragen zur Idee der Dreigliederung des sozialen Organismus II
2. Questions Regarding the Idea of the Threefold Social Order II
Wilhelm von Blume: Sehr verehrte Anwesende, im Namen des Bundes für Dreigliederung des sozialen Organismus heiße ich Sie auch heute wieder willkommen. Wir haben für heute angesetzt einen Abend, an dem Fragen beantwortet werden sollen, die aus der Mitte der Versammlung heraus gestellt worden sind oder etwa noch gestellt werden, und ich bitte zunächst Herrn Dr. Steiner, das Wort zu nehmen zu einigen einleitenden Bemerkungen.
Wilhelm von Blume: Distinguished guests, on behalf of the Association for the Threefold Social Order, I would like to welcome you once again today. We have scheduled this evening to address questions that have been raised from the floor or may yet be raised, and I would first like to ask Dr. Steiner to take the floor for some introductory remarks.
[ 1 ] Rudolf Steiner: Sehr verehrte Anwesende, der heutige Abend soll ja vor allen Dingen gewidmet sein der Beantwortung der Fragen, welche aus dem verehrten Zuhörerkreis hervorgegangen sind in Anknüpfung an den Impuls, der mit der Idee der sozialen Dreigliederung gegeben worden ist. Morgen werde ich dann einen der Haupteinwände zu behandeln haben in einem hier zu haltenden Vortrag, den Einwand, daß es sich bei dem Impuls des dreigliedrigen sozialen Organismus nur handle um irgendeine ausgeklügelte Idee, um irgendeine Ideologie oder Utopie, und ich werde morgen zu beweisen versuchen, daß es sich wirklich um die praktischste Angelegenheit in unserer Gegenwart handelt. Heute gestatten Sie mir nur, daß ich mit ein paar Worten die Fragenbeantwortung, die den Inhalt der heutigen Tagesordnung ausmacht, einleite.
[ 1 ] Rudolf Steiner: Distinguished guests, this evening is, above all, intended to be devoted to answering the questions that have arisen from our esteemed audience in connection with the impulse provided by the idea of social threefolding. Tomorrow I will address one of the main objections in a lecture to be held here—the objection that the impulse toward a threefold social organism is merely some elaborate idea, some ideology, or utopia—and I will attempt to demonstrate tomorrow that it is, in fact, the most practical matter of our time. Today, please allow me to begin with a few words to introduce the Q&A session, which constitutes the agenda for today.
[ 2 ] Es ist im Grunde genommen, meine sehr verehrten Anwesenden, noch wenig bemerkt worden, daß mit dem Impuls zum dreigliedrigen sozialen Organismus hingewiesen werden soll auf die allerbedeutsamste Aufgabe, weiche aus den Entwicklungsverhältnissen heraus in der neueren Zeit dieser Menschheit gestellt worden ist. Es ist wahrhaftig nicht heraus aus einem übertriebenen Pessimismus, wenn man seine Anschauung heute dahin ausspricht, daß noch allzuwenig — wahrhaftig allzuwenig — der große Ernst der Zeit, der große Ernst der Zeitforderungen in den weitesten Kreisen eingesehen wird. Wir stehen eben wirklich vor einer Aufgabe, welche schier riesengroß ist. Denn die ganze Entwicklung der neueren Menschheit spitzte sich so zu, daß sich diese Aufgabe einmal stellte, und sie ist der Menschheit gestellt worden aus den bedeutungsvollen Ereignissen dieser Weltkriegskatastrophe heraus. Begriffen aber ist die ganz außerordentliche Bedeutung dieser Aufgabe heute in weitesten Kreisen keineswegs, und man möchte glauben, daß es selbst wiederum eine Aufgabe ist, den Ernst dieser Aufgabe den Menschen der Gegenwart vollständig zum Bewußtsein zu bringen. Die Aufgabe tritt ja zunächst hervor in den Erscheinungen, in den Tatsachen der Zeit. Zu diesen Erscheinungen, zu diesen Tatsachen der Zeit nehmen die Menschen aus den verschiedensten Klassen, aus den verschiedensten Gesellschaftskreisen und auch aus den verschiedensten Parteien heraus ihre Stellung. Aus alle dem, was sich aus solchen Stellungnahmen heraus bis heute ergeben hat, tritt einem eigentlich ein Zweifaches entgegen, und dieses Zweifache möchte ich in diesen paar einleitenden Worten charakterisieren; auf alles Nähere will ich dann morgen weiter eingehen. Ich möchte dies einleitungsweise charakterisieren, weil ja, wie es auch wünschenswert ist, bei der heutigen Fragestellung mehr einzelne, konkrete, praktische Fragen zur Besprechung kommen sollen. Aber es ist heute für den Menschen einmal notwendig, auf das Große, Umfassende der Aufgabe immer wieder und wiederum hinzuschauen, schon darum, damit die Verantwortlichkeit gegenüber den großen Zeitfragen in den Menschen aufgerüttelt werde.
[ 2 ] In essence, my esteemed audience, it has so far gone largely unnoticed that the impulse toward a threefold social organism is intended to point to the most significant task that has been set before humanity in recent times as a result of the conditions of its development. It is truly not out of exaggerated pessimism when one expresses the view today that far too few—truly far too few—in the broadest circles recognize the great gravity of the times, the great gravity of the demands of the times. We are indeed facing a task that is nothing short of colossal. For the entire development of modern humanity has culminated in such a way that this task has arisen, and it has been presented to humanity as a result of the momentous events of this World War catastrophe. Yet the extraordinary significance of this task is by no means understood today in the broadest circles, and one might be led to believe that it is, in itself, yet another task: to bring the gravity of this task fully to the consciousness of the people of the present. The task, after all, first manifests itself in the phenomena, in the facts of our time. People from the most diverse classes, from the most diverse social circles, and also from the most diverse political parties take their stand in relation to these phenomena, to these facts of our time. From everything that has emerged to date as a result of such positions, two distinct aspects actually present themselves, and I would like to characterize these two aspects in these few introductory words; I will then go into greater detail tomorrow. I would like to characterize this by way of introduction because, as is indeed desirable, today’s discussion will focus more on individual, concrete, and practical questions. But today it is necessary for people to look again and again at the grand, comprehensive nature of the task, if only to awaken in them a sense of responsibility toward the great issues of our time.
[ 3 ] Ein Zweifaches, sagte ich, kann man bemerken, wenn man die Stellungnahmen der verschiedensten Kreise heute zu dieser großen Aufgabe in Betracht zieht. Man kann sagen: Die eine Art der Menschen, die Stellung nimmt, sie hat vor allen Dingen ein Interesse daran, in einer gewissen Weise dasjenige wieder herzustellen in irgendeiner Form — in einer Form, in der man es annehmbar findet -, was durch die bedeutsame Weltkriegskatastrophe zerstört worden ist. Und die andere Art von Menschen, von ganz anderer Seite herkommend, sie hat vor allen Dingen ein Interesse, alles anders zu machen, als es vor der Weltkriegskatastrophe war - zum Teil dem Ziele nachgehend, daß solch Furchtbares über die Menschheit nicht mehr hereinbrechen könne, zum Teil auch aus der Empfindung und Überzeugung heraus, daß auf Grundlage der alten Wirtschafts-, Staats- und Geistesordnung eben nicht weiterzukommen ist, daß ein Neubau ganz ernstlich in Angriff genommen werden muß. Wenn wir die eine Art von Menschen - gegenüber den ja ganz neuen Forderungen — mehr die konservativen Menschen nennen wollen, so wird unser Blick gelenkt auf alle diejenigen Kreise, welche mehr oder weniger den alten sozialen Weltanschauungen angehören, die irgendwie verquickt sind mit demjenigen, was die alten Weltanschauungen vor allen Dingen auch an wirtschaftlichen Ordnungen der Menschheit gebracht haben. Auf der anderen Seite sehen wir die vorwärtsstürmenden Parteien, welche namentlich sich zusammensetzen aus dem Proletariat heraus, und da sehen wir dasjenige, was in einer ganz anderen Weise Stellung nimmt zu der großen Aufgabe und was in einer solchen Art Stellung nimmt, daß die eine Art von Menschen die andere nicht mehr versteht. Sucht man nach den Gründen dieses Nichtverstehens - ich will sie heute nur skizzenhaft anführen -, sucht man nach den Gründen dieses Nichtverstehens, dann wird man finden, daß auf der einen Seite die Vertreter des Alten, die in irgendeiner Weise mit diesem Alten weiter zusammenhängen möchten, im Laufe der neueren Geschichte verloren haben ein eigentliches Kulturziel und behalten haben eine alte Kulturpraxis, in der sie fortgearbeitet haben. Diese Leute, sehr verehrte Anwesende, die haben eine Praxis, aber diese Praxis ist nicht mehr durchdrungen von zielvollen Impulsen. Diese Praxis, sie drückt sich immer darin aus, daß, wenn man diese Menschen fragt: Wie wollt Ihr eigentlich jetzt, wo die großen Aufgaben kommen, vorwärtsdringen? -, sie irgendwie doch mit dem antworten, was nur eine Fortsetzung des Alten bedeutet; sie antworten aber auch nicht mit irgendeinem großen Ziele; sie antworten im Grunde genommen nur mit dem, was sich ihnen aus der Routine der bisherigen Praxis ergeben hat. Sie haben eine Praxis ohne ein Ziel. Auf der anderen Seite steht das Proletariat. Das hat ein Ziel, ein Ziel, das man ja in der verschiedensten Weise zum Ausdruck bringen kann, aber es ist ein Ziel. Aber dieses Proletariat hat keine Praxis; diesem Proletariat fehlt alle praktische Möglichkeit, dasjenige, was es als seine Ziele irgendwie definiert, in die Wirklichkeit umzusetzen. So steht auf der einen Seite althergebrachte Praxis ohne Ziel, auf der anderen Seite ein neues Ziel ohne Praxis. Das Proletariat ist ferngehalten worden von der Praxis, nur hingerufen worden zur Maschine, nur eingespannt worden in die Fabrik und in den Kapitalismus. Daraus ist ihm sein Ziel erwachsen, indem es, ich möchte sagen anstürmt gegen das, was es erfahren hat, aber es ist niemals verbunden mit der Leitung, mit der Führung der Wirtschaftsformen selber. Es fordert heute neue Lebensformen; es weiß aber nichts von einer Praxis. Woher kommt diese Kluft?
[ 3 ] There are two things, I said, that one can observe when considering the views of a wide variety of groups today on this great task. One could say: One type of person who takes a stand is primarily interested in restoring, in a certain way and in some form—a form deemed acceptable—what was destroyed by the catastrophic World War. And the other type of person, coming from a completely different perspective, is primarily interested in doing everything differently than it was before the catastrophe of the World War—partly with the aim of ensuring that such a terrible event could never again befall humanity, and partly out of the feeling and conviction that no progress can be made on the basis of the old economic, political, and spiritual order, and that a new structure must be seriously undertaken. If we wish to call this one type of people—in contrast to the entirely new demands—the more conservative people, then our gaze is directed toward all those circles that more or less adhere to the old social worldviews, which are somehow intertwined with what those old worldviews have brought about, above all, in terms of humanity’s economic systems. On the other hand, we see the forward-charging parties, which are composed primarily of the proletariat, and there we see a perspective that takes a completely different stance toward this great task—one that is so different that one group of people no longer understands the other. If one searches for the reasons behind this lack of understanding—I will only outline them briefly today—if one searches for the reasons behind this lack of understanding, one will find that, on the one hand, the representatives of the old order, who in some way wish to remain connected to this old order, have lost, in the course of recent history, a true cultural goal and have retained an old cultural practice within which they have continued to work. These people, ladies and gentlemen, have a practice, but this practice is no longer imbued with purposeful impulses. This practice is always expressed in the fact that, when one asks these people, “How do you actually intend to move forward now that the great tasks are upon us?”—they somehow respond with what amounts to nothing more than a continuation of the old; nor do they answer with any grand goal; they essentially respond only with what has emerged from the routine of their past practice. They have a practice without a goal. On the other side stands the proletariat. It has a goal—a goal that can, of course, be expressed in a wide variety of ways, but it is a goal. But this proletariat has no practice; this proletariat lacks any practical means of turning what it somehow defines as its goals into reality. Thus, on one side stands time-honored practice without a goal, and on the other, a new goal without practice. The proletariat has been kept away from practice, merely summoned to the machine, merely harnessed to the factory and to capitalism. From this, its goal has emerged, as it—I would say—rushes headlong against what it has experienced, yet it is never connected to the direction, to the leadership of the economic systems themselves. Today it demands new ways of life; yet it knows nothing of practice. Where does this gulf come from?
[ 4 ] Diese Kluft kommt eben davon, daß wir vor das größte Problem der neueren Zeit gestellt sind, und dieses größte Problem der neueren Zeit, es ist aufgegangen eben in dem Zeitalter, das den Industrialismus zu seiner höchsten Blüte gebracht hat. Es liegt dieses Problem zunächst auf wirtschaftlichem Gebiete verborgen, es streckt aber nach den anderen Lebensformen seine verschiedenen Zweige aus. Dieses Problem ist so bedeutsam, daß selbst ein so scharfer Kopf wie zum Beispiel Walter Rathenau höchstens ein wenig daran getippt hat, aber nicht zu irgendeiner klaren Anschauung über dieses einschneidende Problem der Gegenwart kommt, über dieses Problem, an dem wir alle kranken, über dieses Problem, das gebieterisch seine Lösung fordert. Wenigstens ins Auge fassen möchte vorurteilsfrei und lebensvoll der Impuls für die Dreigliederung des sozialen Organismus dieses Problem. Und wenn ich es mit ein paar Worten andeuten soll, gewissermaßen als Einleitung zu dem morgigen Vortrage, der es in seinen speziellen Formen behandeln soll, dann muß ich sagen: Dieses Problem, es mußte heraufziehen langsam in der Menschheit, mußte sich gewissermaßen bis zu seiner höchsten Entfaltung erheben in der Zeit des sich immer mehr ausbreitenden Industrialismus und der modernen Technik und steht heute fragend und drohend vor uns. Es besteht darinnen, daß aller Industrialismus in der Volkswirtschaft mit einem Passivum arbeitet — das ist so und nicht anders. Die Volkswirtschaft muß darauf eingestellt sein, das man weiß: Aller Industrialismus, insofern er sich durch seine Produktionsmittel immer weiter und weiter entwickelt, arbeitet gegenüber dem, was Volkswirtschaft der Menschheit ist, mit Unterbilanz. Insofern der Industrialismus mit Unterbilanz arbeitet, muß in der menschlichen Volkswirtschaft das Fehlende von anderer Seite ersetzt werden. Das ist das große Problem der Gegenwart, daß aller Industrialismus mit Unterbilanz arbeitet und daß die Frage nicht von mir oder anderen gestellt werden kann, ob diese Unterbilanz gedeckt wird, sondern das Leben ist fortwährend dazu aufgefordert, die Unterbilanz des Industrialismus zu decken. Woher wird sie denn gedeckt? Allein vom Boden wird sie gedeckt, meine sehr verehrten Anwesenden, allein durch dasjenige, was der Boden hervorbringt. In der neueren Volkswirtschaft stehen wir fortwährend in diesem Wechselprozeß [zwischen Industrie und Bodenproduktion] drinnen der durch sekundäre Vorgänge überdeckt wird -, indem die Unterbilanz der Industrie durch die Überbilanz der Bodenproduktion im weitesten Sinne gedeckt werden muß. Alles dasjenige, was als Lohnfrage, was als Kapitalfrage, was als Preisfrage innerhalb des modernen Lebens drinnen ist, das ist lediglich herrührend davon, daß hinüberwandern muß von der Bodenproduktion der Überschuß in die Unterbilanz der Industrie.
[ 4 ] This divide stems precisely from the fact that we are faced with the greatest problem of modern times, and this greatest problem of modern times has arisen precisely in the era that brought industrialism to its highest peak. This problem is initially hidden in the economic sphere, but its various branches extend into other aspects of life. This problem is so significant that even a sharp mind such as Walter Rathenau, for example, has at most touched upon it briefly, but has not arrived at any clear understanding of this pivotal problem of the present—this problem from which we all suffer, this problem that imperatively demands a solution. I would at least like to consider, without prejudice and with a lively spirit, the impulse for the threefold structure of the social organism in relation to this problem. And if I am to hint at it in a few words—as a sort of introduction to tomorrow’s lecture, which will address it in its specific forms—then I must say: This problem had to emerge slowly within humanity; it had to rise, as it were, to its highest expression during the era of ever-expanding industrialism and modern technology, and today it stands before us, both questioning and threatening. It consists in the fact that all industrialism in the national economy operates at a deficit—that is simply the way it is. The national economy must be prepared for the fact that, as is well known, all industrialism—insofar as it continues to develop further and further through its means of production—operates at a deficit relative to the national economy of humanity. To the extent that industrialism operates at a deficit, the shortfall must be made up from elsewhere within the human economy. This is the great problem of our time: that all industrialism operates at a deficit, and that the question of whether this deficit will be covered cannot be posed by me or by others—rather, life itself is constantly called upon to cover the deficit of industrialism. From where, then, is it covered? It is covered solely by the land, ladies and gentlemen, solely by what the land produces. In modern economics, we are constantly caught up in this process of exchange [between industry and agricultural production]—which is masked by secondary processes—in which the deficit of industry must be covered by the surplus of agricultural production in the broadest sense. Everything that constitutes the wage question, the capital question, and the price question within modern life stems solely from the fact that the surplus from land production must be transferred to cover the deficit in industry.
[ 5 ] Das aber, sehr verehrte Anwesende, ist mit etwas anderem verknüpft. Es ist damit verknüpft, daß auf der einen Seite alles dasjenige, was im Menschen mit dem Boden zusammenhängt, hinneigt zu einem gewissen Konservativismus. Diese Sache läßt sich streng beweisen, doch ich will sie heute nur einleitungsweise andeuten. Wäre nur der Boden mit seinen Produkten vorhanden, so würden wir mehr oder weniger in bezug auf die Kultur in Urzuständen der Menschheit verbleiben müssen. Der Fortschritt der Menschheit rührt her davon, daß das Industrielle mit seiner weitgehenden Arbeitsteilung diesen Fortschritt begünstigt. Damit aber wird das Industrielle zu gleicher Zeit auf den verschiedensten Gebieten zum Träger des Fortschritts, zuerst des Liberalismus, dann des Sozialismus. Es überträgt sich also dasjenige, was ausgesprochen ist in dem bedeutsamen, ich möchte sagen buchmäßigen Gegensatz zwischen Boden und industriellen Produktionsmitteln, auf menschliche Gesinnung. Und indem menschliche Gesinnungen miteinander streiten im Leben, ist dieser Streit innig zusammenhängend mit demjenigen, was darunter ist: die gegensätzlichen wirtschaftlichen Interessen des Bodens und der industriellen Produktionsmittel. Aber noch auf eine andere Weise hat in der neueren Zeit sich dieses ganze Problem zugespitzt. Nicht nur, daß in den Parlamenten Liberales und Sozialistisches dem Konservativen gegenübersitzt herrührend einfach aus den Aktiven und Passiven der gesamten Weltwirtschaft -, nicht nur, daß sich in der neueren Zeit hineingeschlichen hat das konservative und progressistische Element in die Volksvertretungen der Menschheit, sondern es haben sich hineingeschlichen die wirtschaftlichen Interessen, indem auf der einen Seite alles dasjenige, was mit dem Boden zusammenhängt, für das Stehenbleibende wirkt, auf der andern Seite alles dasjenige, was mit der Industrie zusammenhängt, für das Fortschreitende wirkt. Und so ist man dazu gekommen, daß auf der einen Seite des Menschen Geistesfortschritt, auf der andern Seite des Menschen wirtschaftliche Interessen chaotisch zusammengewürfelt sind in der neueren Zeit in unserer Einheitsstaatsordnung.
[ 5 ] But this, ladies and gentlemen, is linked to something else. It is linked to the fact that, on the one hand, everything in human beings that is connected to the soil tends toward a certain conservatism. This can be rigorously proven, but today I will merely hint at it by way of introduction. If only the land and its products were available, we would, more or less, have to remain in the primitive stages of human civilization with regard to culture. Human progress stems from the fact that the industrial sector, with its extensive division of labor, fosters this progress. At the same time, however, the industrial sector becomes the vehicle of progress in a wide variety of fields—first liberalism, then socialism. Thus, what is expressed in the significant—I would say textbook—contrast between land and industrial means of production is transferred to human attitudes. And as human attitudes clash with one another in life, this conflict is intimately connected to what lies beneath it: the opposing economic interests of land and industrial means of production. But in recent times, this entire problem has come to a head in yet another way. Not only do liberal and socialist forces sit opposite conservative ones in parliaments—a situation arising simply from the assets and liabilities of the global economy as a whole— not only have conservative and progressive elements crept into the representative assemblies of humanity in recent times, but economic interests have also crept in, such that, on the one hand, everything connected with land works toward the status quo, while on the other hand, everything connected with industry works toward progress. And so we have reached a point where, in our modern unitary state system, spiritual progress on the one hand and economic interests on the other are chaotically jumbled together.
[ 6 ] Das ist das große Problem, das heute vor den Menschen steht, riesengroß möchte ich sagen. An diesem Problem doktern herum die links- und die rechtsstehenden Leute. Weil es so riesengroß ist, deshalb ist auch die Verständigung so schwer. Die Menschen auf der einen Seite wollen sich heute nur an das Allernächste halten und nur das praktisch nennen, während die Zeit uns die Aufgabe stellt, den großen buchmäßigen Gegensatz zwischen Bodenprodukten und Industrieprodukten, von denen beiden die Menschheit sich nährt, kleidet und andere Bedürfnisse befriedigt, in der neueren Menschheitsentwicklung zu irgendeiner Lösung zu bringen. Alles dasjenige, was aufgetreten ist, das ist zuletzt, ich möchte sagen fast zahlenmäßig zurückzuführen auf das angeführte buchmäßige Ergebnis. Aber man braucht wirklich guten Willen, sich auf die Grundkraft des wirklich praktischen Lebens einzulassen, wenn man die Aufgabe auch nur sehen will. Wir sind heute auf dem Boden, daß wir diese Aufgabe sehen müssen, daß wieder auseinandergetrieben werden muß in der rechten Weise dasjenige, was chaotisch durcheinanderwirbelt. Diese Aufgabe will sich der Impuls zum dreigliedrigen sozialen Organismus stellen, der in der richtigen Weise einen gesunden sozialen Organismus auf seine gesunden drei Beine stellen will, auf das Geistige, das Rechtliche und das Wirtschaftliche. Einfach aus dem, was in dieser Entwicklung der neueren Zeit drinnenliegt, ist dieses Problem entstanden. Und mögen die Menschen meinetwillen die nächsten Resultate, zu denen der Impuls für den dreigliedrigen sozialen Organismus gekommen ist, noch anfechtbar finden, man kommt, ohne nach diesen drei Lebensgebieten so zu fragen, daß für ihre sachgemäße Organisierung in der Zukunft eine Form gesucht wird, man kommt dem größten Problem, das uns gestellt ist, nicht näher; man kommt dem nicht näher, was allein herausführen kann aus dem drohenden Chaos und der drohenden Wirrnis.
[ 6 ] That is the great problem facing people today—a huge one, I would say. People on both the left and the right are tinkering with this problem. Because it is so enormous, reaching an understanding is so difficult. People on one side today want to focus only on the immediate and call only that practical, while the times demand that we find some solution—in the context of recent human development—to the great theoretical contrast between agricultural products and industrial products, both of which provide humanity with food, clothing, and the means to satisfy other needs. Everything that has come to pass can ultimately—I would say almost numerically—be traced back to the theoretical result mentioned above. But it truly takes good will to engage with the fundamental force of genuinely practical life, even if one merely wishes to see the task at hand. We have now reached the point where we must recognize this task: that what is chaotically swirling together must once again be separated in the proper way. The impulse toward a threefold social organism seeks to take on this task, aiming to establish a healthy social organism on its three healthy pillars—the spiritual, the legal, and the economic. This problem has arisen simply from what lies at the heart of recent developments. And even if people, for my sake, still find the most recent results to which the impulse for the threefold social organism has led to be open to question, one cannot come any closer to the greatest problem facing us without examining these three spheres of life in such a way as to seek a form for their proper organization in the future; one does not come any closer to what alone can lead us out of the looming chaos and confusion.
[ 7 ] Das wollte ich nur einleitungsweise sagen aus dem einfachen Grunde, weil auf der einen Seite gesehen werden soll, wie der Impuls zum dreigliedrigen sozialen Organismus wirklich an das Höchste anknüpft, was der Menschheit als eine große geschichtliche Entwicklungsaufgabe gestellt ist, und weil auf der anderen Seite die Beantwortung der Frage wird zeigen können, wie viel man heute schon aus einer wirklichen Lebensbeobachtung heraus über dasjenige sagen kann, was sich im einzelnen praktisch aus den heute gestellten Fragen ergeben kann.
[ 7 ] I just wanted to say this by way of introduction for the simple reason that, on the one hand, we need to see how the impulse toward the threefold social organism truly ties in with the highest task that has been set before humanity as a great historical mission, and because, on the other hand, the answer to this question will be able to show just how much can already be said today—based on genuine observation of life—about what may practically result in specific details from the questions posed today.
[ 8 ] Ich werde nun zuerst in die Beantwortung von Fragen eintreten, die mir übergeben worden sind.
[ 8 ] I will now begin by answering the questions that have been submitted to me.
Wilhelm von Blume: Wir treten also nunmehr an die Beantwortung der zunächst schriftlich gestellten Fragen heran.
Wilhelm von Blume: We will now proceed to answer the questions that were initially submitted in writing.
[ 9 ] Rudolf Steiner: Sehr verehrte Anwesende, ich werde versuchen, die Fragen, die mir schriftlich übergeben worden sind, in einer nicht allzu langen Form zu beantworten, aus dem einfachen Grunde, weil ich glaube, daß vielleicht nachher auch noch zahlreiche Fragen aus der verehrten Zuhörerschaft mündlich oder schriftlich gestellt werden dürften.
[ 9 ] Rudolf Steiner: Ladies and gentlemen, I will try to answer the questions that have been submitted to me in writing as briefly as possible, for the simple reason that I believe there may well be numerous additional questions from the distinguished audience later on, whether asked verbally or in writing.
[ 10 ] Das erste Fragebündel, das mir vorliegt, trägt die Überschrift «Zur Dreigliederung». Die erste Frage:
[ 10 ] The first set of questions I have before me is titled “On the Threefold Social Order.” The first question:
In welcher Weise werden Einzelpersonen, Assoziationen und Betriebe den drei verschiedenen Organisationen unterstellt? Einzelne Grenzfälle sind beispielsweise der Zeitungsverleger, Anstalten der öffentlichen Gesundheitspflege, Theater und Kinounternehmungen.
In what ways are individuals, associations, and businesses subject to the three different organizations? Examples of specific borderline cases include newspaper publishers, public health institutions, theaters, and movie theater companies.
[ 11 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, ich will herausheben aus dieser ersten Frage vor allen Dingen das Zeitungsgewerbe. Denn gerade an so etwas wie dem Zeitungsgewerbe wird man ersehen können, wie auf der einen Seite tatsächlich die Dreigliederung des sozialen Organismus zu einer vollständigen Umgestaltung der gegenwärtigen Verhältnisse führen kann, aber in organischer Weise, und wie auf der anderen Seite sich daraus ergeben kann, daß die Einheit des Lebens gar nicht gestört wird. Im Grunde genommen wird es sich dabei auch zeigen können, daß dasjenige, was die Menschen über das Unverständliche des dreigeteilten sozialen Organismus sagen, eigentlich darauf beruht, daß man sich eben aus den alten Denkgewohnheiten heraus in der Gegenwart noch nicht einlassen will auf das, was eben notwendig ist. Aber man wird sich entschließen müssen, zu diesem Notwendigen sich zu bequemen.
[ 11 ] Well, ladies and gentlemen, I would like to highlight, above all else, the newspaper industry in connection with this first question. For it is precisely in something like the newspaper industry that one will be able to see, on the one hand, how the threefold structure of the social organism can indeed lead to a complete transformation of present-day conditions—but in an organic way—and, on the other hand, how it can result in the unity of life not being disrupted at all. Ultimately, it will also become apparent that what people say about the incomprehensibility of the threefold social organism is actually based on the fact that, out of old habits of thought, they are still unwilling in the present to engage with what is in fact necessary. But they will have to resolve to adapt to this necessity.
[ 12 ] Sie sehen, sehr verehrte Anwesende, im Zeitungsgewerbe fließen im Grunde genommen alle drei Betätigungsweisen des menschlichen Lebens zusammen. Im Zeitungsgewerbe haben wir auf der einen Seite den Verleger, denjenigen, der dafür zu sorgen hat, daß die Zeitung gedruckt wird, daß sie in der entsprechenden Weise vertrieben wird und so weiter — das ist eine rein wirtschaftliche Aufgabe. Auf der anderen Seite haben wir diejenigen, welche die Zeitung schreiben. Ich glaube, daß heute doch schon viele Menschen aus unseren merkwürdigen Verhältnissen heraus sich zu der Ansicht bequemen, daß die Zeitungen anders geschrieben werden sollten, als sie vielfach geschrieben werden. Denn, sehen Sie, irgend etwas der Menschheit Heilsames kann ja bei dem Zeitungsschreiben nur herauskommen, wenn dasjenige, was geschrieben wird, lediglich hervorgeht aus den Interessen und Bedürfnissen des geistigen Lebens der Menschheit und aus den Bedürfnissen, die sich dadurch ergeben, daß das geistige Leben auch die verschiedenen anderen Lebenszweige anschaut. Der Zeitungsschreiber und alles dasjenige, was zum Redaktionstab gehört, gehört dem geistigen Leben an. Und da man es beiderseits, sowohl im wirtschaftlichen Teile des Zeitungsgewerbes wie im geistigen Teile des Zeitungsgewerbes, zu tun hat mit Menschen, die ihrerseits wieder als Menschen in Beziehungen stehen, nicht etwa bloß zu ihren Abonnenten, sondern auch zu der ganzen breiten Öffentlichkeit, so hat man es dabei zu tun mit Verhältnissen, die von Mensch zu Mensch spielen, das heißt mit Rechtsverhältnissen. Dasjenige, um was es sich handelt, sehr verehrte Anwesende, das ist, daß gerade bei einem solchen Gewerbe wie dem Zeitungsgewerbe in der Zukunft nicht ineinanderspielt zum Unheile der Menschheit das eine in das andere, das Wirtschaftliche, das Rechtliche und das Geistige, Kulturelle, sonst kommen wir am Ende in der Kulmination des Unheils zu solchen Dingen, wie wir sie zum Beispiel in der Gegenwart erfahren. Neulich ist eine merkwürdige Annonce durch den sogenannten Blätterwald gegangen. Da wird aufgefordert, daß sich insbesondere die Welt der Großindustriellen und die Welt der Kapitalisten zusammentun zu einer neuen Zeitung. Es wird also geworben für eine neue Zeitung insbesondere bei Kapitalisten und Großindustriellen. Die Aufgabe dieser Zeitung soll sein, mit allen geistigen Mitteln zu kämpfen gegen die Sozialisierung der Produktionsmittel. Also, sehr verehrte Anwesende, das Interesse von Kapitalisten und Großindustriellen soll alles dasjenige versklaven, was eigentlich aus dem Urteil, das aus Impulse der geistigen Welt kommt, die Menschheit aufklären sollte. Diejenigen, die etwas Erfahrung haben im Leben, werden wissen, wie gerade im Zeitungsgewerbe diese Dinge in der neueren Zeit immer ineinander gegangen sind und sich unter den Verhältnissen der Gegenwart in einer ganz besonders grotesken Weise ausgebildet haben.
[ 12 ] As you can see, distinguished guests, the newspaper industry essentially brings together all three aspects of human activity. In the newspaper industry, on the one hand, we have the publisher—the person responsible for ensuring that the newspaper is printed, distributed appropriately, and so on—which is a purely economic task. On the other hand, we have those who write the newspaper. I believe that today, given our peculiar circumstances, many people have come to the conclusion that newspapers should be written differently than they often are. For, you see, anything truly beneficial to humanity can only emerge from newspaper writing if what is written stems solely from the interests and needs of humanity’s spiritual life and from the needs that arise because spiritual life also takes into account the various other aspects of life. The newspaper writer and everyone who is part of the editorial staff belong to the realm of spiritual life. And since, on both sides—in the economic aspect of the newspaper industry as well as in its spiritual aspect—we are dealing with people who, in turn, as human beings, are in relationships not only with their subscribers but also with the general public, we are dealing with relationships that play out from person to person—that is, with legal relationships. What is at stake here, ladies and gentlemen, is that—precisely in an industry such as the newspaper industry—the economic, the legal, and the intellectual and cultural aspects must not intertwine in the future to the detriment of humanity; otherwise, we will ultimately reach the culmination of this calamity in the form of events such as those we are currently experiencing. Recently, a curious advertisement made its way through the so-called press. It calls for the world of big industrialists and the world of capitalists, in particular, to join forces to create a new newspaper. Thus, a new newspaper is being promoted specifically among capitalists and big industrialists. The mission of this newspaper is to fight, with all spiritual means, against the socialization of the means of production. So, ladies and gentlemen, the interests of capitalists and major industrialists are intended to enslave everything that should actually enlighten humanity through the judgment arising from impulses of the spiritual world. Those who have some experience in life will know how, particularly in the newspaper industry, these things have always been intertwined in recent times and have developed in a particularly grotesque way under present-day conditions.
[ 13 ] In der Zukunft muß angestrebt werden, daß der Zeitungsverleger, der Drucker, ein bloßer Wirtschafter ist und der Verwaltung des wirtschaftlichen Teils des sozialen Organismus untersteht. Er wird mit alle dem, was er an Interessen entwickeln kann innerhalb seines Zeitungsgewerbes, drinnenstehen in dem wirtschaftlichen Organismus. Nicht wird in dem wirtschaftlichen Organismus drinnenstehen der Redaktionsstab, sondern der Redaktionsstab wird ganz und gar der Selbstverwaltung des geistigen Lebens — mit den anderen Zweigen des geistigen Lebens - unterliegen. Der Redaktionsstab wird eine Einheit bilden mit alle dem, was Unterrichts-, Kunstwesen oder dergleichen ist, was sonstige Zweige des geistigen Lebens sind. Wie ein bestimmter Zeitungsverleger zu einem bestimmten Redakteur wird kommen können, hängt von dem Vertrag ab, welcher abgeschlossen werden kann zwischen dem Zeitungsverleger und dem Redakteur, wobei der Redakteur, weil er der Selbstverwaltung des geistigen Organismus zugehört, mit Bezug auf sein ganzes materielles Leben unabhängig ist von der Zeitungsverlegerschaft. Der Redakteur wird bloß ein Interesse daran haben, überhaupt seinen Beruf ausüben zu können. Ginge er diesem Interesse nicht nach, seinen Beruf auszuüben, so würde er ja brotlos sein. Aber in dem Augenblicke, wo es ihm gelingt, einen Vertrag abzuschließen mit irgendeiner Administration, wird er nicht die Entschädigung für diesen Beruf aus den Interessen dieser Administration heraus erhalten, sondern aus den Interessen des sich selbstverwaltenden Geisteslebens. Wenn irgendwelche Dinge vorliegen, durch die der eine oder andere Teil der Zeitung das Recht verletzt, wird diese Rechtsverletzung den Gesetzen des Rechtsstaates unterstehen. Für einen solchen Produktionszweig wird also in der Zukunft anzustreben sein, daß in ihn hineinspielen die drei großen Verwaltungszweige des geistigen, rechtlichen und wirtschaftlichen Lebens. In den mannigfachsten Produktionszweigen werden zusammenfließen diejenigen Interessen, die von den verschiedensten Richtungen her verwaltet werden. Und das wird sich ergeben in dem Zusammenwirken der Menschen, daß diese Interessen - die sich sonst, wenn sie konfundiert werden, wenn sie zusammengeschmolzen werden in einen Knäuel, nur gegenseitig stören -, daß sich diese Interessen gerade gegenseitig moralisieren, ethisieren, stützen werden. Derjenige, der wirklich praktischen Sinn hat, der wird sich sagen: Es unterliegt gar keinem Zweifel, daß wirklich praktisch eine solche Gliederung eines einzelnen Gewerbes vorgenommen werden kann. Und durch diese Gliederung des ganzen sozialen Organismus, die in die einzelnen Verhältnisse hineingreift, haben wir dann die Gesundung des gesamten sozialen Lebens. Nur ist es den Menschen heute noch ungewohnt, gerade dasjenige zu denken, was zu einer solchen Gesundung führt. Es ist ihnen auch aus dem Grunde ungewohnt, weil sie von manchem lassen müssen, was sie aus gewissen alten Lebensgepflogenheiten heraus für fast unerläßlich halten. Für unerläßlich betrachtet man heute, daß derjenige, der das wirtschaftliche Risiko für eine Zeitung übernimmt, auch denjenigen, der an der Zeitung im Redaktionsstabe angestellt ist, zu seinem Schreiber macht. Das wird er in der Zukunft nicht tun können. Daraus wird eine großartige Unabhängigkeit des Schreibenden gegenüber den wirtschaftlichen Interessen des Zeitungsverlegers im Zeitungsgewerbe entstehen, und gerade in diesem Zweige wird eine Gesundung eintreten, die wir wahrhaftig brauchen und von der wir zugeben müssen, daß wir sie brauchen, wenn wir auf die Lebensbedingungen des gesunden sozialen Organismus eingehen wollen.
[ 13 ] In the future, the goal must be for the newspaper publisher and the printer to be mere managers, subject to the administration of the economic sector of the social organism. With all the interests they may develop within the newspaper industry, they will be part of the economic organism. The editorial staff will not be part of the economic organism; rather, the editorial staff will be entirely subject to the self-administration of intellectual life—along with the other branches of intellectual life. The editorial staff will form a unity with everything pertaining to education, the arts, and the like—that is, with the other branches of intellectual life. How a particular newspaper publisher might come to engage a particular editor depends on the contract that can be concluded between the publisher and the editor, whereby the editor—because he belongs to the self-governance of the intellectual organism—is independent of the newspaper publishing industry with regard to his entire material life. The editor will have only one interest: to be able to practice his profession at all. If he did not pursue this interest in practicing his profession, he would, after all, be without a livelihood. But the moment he succeeds in concluding a contract with any administration, he will not receive compensation for this profession based on the interests of that administration, but rather on the interests of self-governing intellectual life. If there are any instances in which one or another part of the newspaper violates the law, this violation will be subject to the laws of the constitutional state. For such a branch of production, therefore, the goal for the future will be to ensure that the three major branches of administration—intellectual, legal, and economic life—play a role within it. In the most diverse branches of production, interests managed from a wide variety of directions will converge. And this will result, through human cooperation, in these interests—which otherwise, when confused or fused into a tangled mass, only interfere with one another—actually moralizing, ethicizing, and supporting one another. Anyone with a truly practical mind will say to themselves: There is no doubt whatsoever that such a structuring of a single trade can indeed be carried out in a practical sense. And through this structuring of the entire social organism—which extends into the individual relationships—we will then achieve the revitalization of social life as a whole. It is just that people today are still unaccustomed to thinking precisely what leads to such a revitalization. It is also unfamiliar to them because they must give up certain things that, based on certain old customs, they consider almost indispensable. Today, it is considered indispensable that the person who assumes the financial risk for a newspaper also makes the person employed on the editorial staff a writer for that newspaper. He will not be able to do that in the future. This will give rise to a remarkable independence of the writer from the economic interests of the newspaper publisher in the newspaper industry, and it is precisely in this sector that a revitalization will take place—one that we truly need and must admit we need if we are to address the living conditions of a healthy social organism.
[ 14 ] Als zweite Frage ist mir vorgelegt:
[ 14 ] The second question put to me is:
Wird die Gemeindeverwaltung mit ihren die Dreigliederung durchbrechenden Betrieben auf dem Gebiete der drei Organisationen — also beispielsweise Schulen, Gaswerken, Gerichtsbarkeit — aufrechterhalten?
Will the municipal administration, with its enterprises that violate the threefold social order, be maintained in the areas of the three organizations—such as schools, gasworks, and the judiciary?
[ 15 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, nicht darum handelt es sich, daß heute, in der Übergangszeit - in der wir ja noch nicht einmal drinnen sind, sondern die wir erst anstreben -, schon über die Größe der einzelnen Geistes-, Rechts- und Wirtschaftsgebiete gesprochen wird, von der ich im letzten Vortrage hier gesprochen habe. In bezug auf die äußere Struktur des sozialen Lebens braucht sich bei einer wirklichen Sozialisierung des gesamten menschlichen Lebens gar nicht besonders viel zu ändern. Dasjenige aber, was ich gerade ausgeführt habe für ein einzelnes Gewerbe, das wird ebensogut von irgendeinem Staate, einem Reiche wie von einer einzelnen Gemeindeverwaltung durchgeführt werden können. Schulen, Gaswerke, Gerichtsbarkeit, sie werden ihre verschiedenen Seiten haben zum Teil nach der Rechtsseite, zum Teil nach der Wirtschaftsseite hin — bei den Schulen auch nach der geistigen Seite hin —, und es wird hereinspielen in den einzelnen Betrieb, sei er geistig oder mehr oder weniger bloß materiell, wirtschaftlich, dasjenige, was von den drei Organisationen und ihren Verwaltungen ausgeht. Die dritte Frage:
[ 15 ] Well, distinguished guests, the point is not that today, during this transitional period—which we have not even entered yet, but are only striving toward—we are already discussing the scope of the individual spiritual, legal, and economic spheres that I spoke about in my last lecture here. With regard to the external structure of social life, a genuine socialization of all human life need not entail particularly significant changes. However, what I have just outlined for a single trade can just as easily be implemented by any state, an empire, or a single municipal administration. Schools, gasworks, and the judiciary will each have their own distinct aspects—partly related to the legal sphere, partly to the economic sphere, and in the case of schools, also to the spiritual sphere—and what emanates from these three organizations and their administrations will influence the operations of individual institutions, whether they are spiritual or more or less purely material and economic in nature. The third question:
Wer entscheidet über die jeweilige Zugehörigkeit zu einem der drei Organismen?
Who decides which of the three organisms a person belongs to?
[ 16 ] Diese Frage, sehr verehrte Anwesende, geht eigentlich - verzeihen Sie das harte Wort — aus einem gewissen Vorurteile hervor, daß alles von einer Obrigkeit ausgehen muß. In demjenigen, was als gesunder sozialer Organismus für die Zukunft angestrebt wird, ergibt sich nämlich die Zugehörigkeit aus der Sache heraus. Wir haben gerade bei der Besprechung des Zeitungsgewerbes gesehen, wie sich aus der Sache heraus diese Zugehörigkeit ergibt. Aus dieser Zugehörigkeit heraus wird sich eine viel umfassendere Antwort geben, als man heute denkt. Und eine solche Frage wie diese - man wird sie erkennen als eine solche, die eigentlich aus der obrigkeitsgehorsamlichen Stimmung der Gegenwart heraus fließt, und nicht aus einem wirklich sachlichen Untergrunde. Die vierte Frage:
[ 16 ] This question, ladies and gentlemen, actually stems—if you’ll forgive the harsh word—from a certain prejudice that everything must originate from an authority. In what we are striving for as a healthy social organism for the future, membership arises naturally from the nature of the matter itself. We have just seen, in our discussion of the newspaper industry, how this sense of belonging arises from the nature of the matter itself. From this sense of belonging will emerge a much more comprehensive answer than is currently imagined. And a question such as this—one will recognize it as one that actually flows from the present-day atmosphere of obedience to authority, and not from a truly objective foundation. The fourth question:
Ist neben oder über den Sondervertretungen der drei Glieder noch ein etwa aus deren obersten Leitung bestehendes oder ein zu wählendes Parlament (für die Einzelstaaten? für das Reich?) gedacht?
Is there a plan to establish, alongside or above the special representative bodies of the three constituent parts, a parliament—perhaps composed of their top leadership or to be elected—(for the individual states? for the Reich?)
[ 17 ] Nun, verehrte Anwesende, da muß zunächst festgehalten werden, daß selbstverständlich - das habe ich ja auch in meinem Buche über die Soziale Frage ausgeführt — dasjenige, was Verwaltung oder Vertretung in den einzelnen der drei Glieder des sozialen Organismus ist, daß das mit den anderen in irgendeiner Weise zusammengehören muß und daß ein gegenseitiger Austausch stattfinden muß durch die Menschen. Aber man denkt auch in dieser Beziehung vielfach heute schon viel zu schablonenmäßig. So zum Beispiel ist — das steht nicht in dieser Frage - in einem langen Schriftstück, das mir in diesen Tagen übersandt worden ist, ausgeführt worden, daß die Dreigliederung eigentlich notwendig mache drei verschiedene Parlamente: ein Kulturparlament, ein Staatsparlament und ein Wirtschaftsparlament. Nun, ich habe allerdings die Meinung, daß, wenn in solch schablonenhafter Weise drei Parlamente mit drei Ministerien nebeneinander säßen, dann nur die eine Folge entstehen könnte, daß sich alle drei gegenseitig sabotieren. Das ist gerade dasjenige, was sich ergibt aus einer wirklichen Erkenntnis der tatsächlichen Verhältnisse, daß der Parlamentarismus - und nur ein demokratischer Parlamentarismus ist ein wirklicher Parlamentarismus —, daß dieser Parlamentarismus nur beruhen kann auf demjenigen, was zwischen Mensch und Mensch dadurch festgesetzt werden kann, daß der Mensch einfach ein erwachsener, mündiger Mensch ist. Jeder muß teilnehmen können an dem demokratischen parlamentarischen Leben, der ein erwachsener, mündiger Mensch ist. Denn auf dem, was ein normaler, gesunder, erwachsener, mündiger Mensch ist, auf dem, was er wissen, was er denken, was er fühlen und was er wollen kann, auf dem kann alles dasjenige beruhen, was im Rechtsleben zum Austrag kommt. Aber in dieses Rechtsleben hat sich hineingemischt das Wirtschaftsleben, was also nicht bloß beruht auf den Empfindungen und Gedanken des erwachsenen, mündigen Menschen, sondern was beruht erstens auf wirtschaftlicher Erfahrung, die man sich nur im einzelnen konkreten Gebiete erwerben kann, zweitens auf den tatsächlichen Grundlagen, ich möchte sagen auf dem Kredit im umfassendsten Sinne ich meine nicht Geldkredit, sondern Kredit im umfassendsten Sinne, der dadurch in einer Menschengruppe erzeugt wird, daß diese Menschengruppe in einem bestimmten Produktionszweige drinnensteht. Weil sich da im Wirtschaftsleben alles entwickeln muß aus tatsächlicher Erfahrung und tatsächlicher Verwaltungsgrundlage des konkreten einzelnen Zweiges, kann dasjenige, was im Wirtschaftsleben an Organisation vorhanden ist, auch nur auf einer solchen Grundlage erwachsen, das heißt, es kann im Wirtschaftsleben nur eine sachgemäfße Verwaltung aus der wirtschaftlichen Erfahrung und aus den wirtschaftlichen Tatsachen, Grundlagen heraus sich entwickeln. Da wird es keine parlamentarische Vertretung an der Spitze geben, sondern es wird eine Struktur geben von Assoziationen, Koalitionen, Genossenschaften aus den Berufsständen, aus der Zusammengliederung von Produktion und Konsumtion und so weiter, die sich organisieren, die sich verwalten können. Und diese Struktur wird auch zu einer gewissen Spitze treiben —- ich möchte sagen zu einem Zentralrat treiben. Das kann aber nicht dieselbe Struktur sein, welche zum Ausdruck kommt in dem, was als Rechtsboden selbständig abgegliedert werden muß. Dafür wird natürlich gerade dasjenige, was wieder hereinwirken soll in das Wirtschaftsleben als Recht, das wird gerade dadurch richtig als Recht hereinwirken, daß es nun reinlich, ohne verunreinigt zu sein durch die wirtschaftlichen Interessen, auf dem Rechtsboden aus der Gemeinschaft aller mündig gewordenen Menschen entstehen kann. Und ebensowenig wie in der schablonenhaften, parlamentarischen Weise das Wirtschaftsleben verwaltet werden kann, ebensowenig kann auf diese Weise verwaltet werden das Geistesleben, das wiederum aus seinen besonderen Verhältnissen heraus eine auf seine eigenen Gesetze sich gründende Organisation entwickeln muß, die ganz anders sein wird als diejenige des Wirtschaftslebens. Dasjenige, was da im Geistesleben als die oberste Spitze sich ergibt, das wird gemeinsam mit alle dem, was in der Mitte steht, auf dem Rechtsboden, was parlamentarisch und ministeriell verwaltet, und mit dem, was als eine Art Zentralrat im Wirtschaftsleben sich ergibt, die gemeinsamen Angelegenheiten ordnen können. Ich weiß, es sind sehr viele Menschen, die sich so etwas nicht vorstellen können; aber in der Praxis wird es einfacher sein, vor allen Dingen fruchtbarer sein als all dasjenige, was heute an dessen Stelle steht.
[ 17 ] Well, ladies and gentlemen, it must first be noted that, of course—as I have also explained in my book on the Social Question—whatever constitutes administration or representation in each of the three members of the social organism must in some way be connected to the others, and that a mutual exchange must take place among people. But even in this regard, people today often think in far too formulaic terms. For example—and this is not mentioned in this question—a lengthy document sent to me recently states that the threefold social order actually necessitates three different parliaments: a cultural parliament, a state parliament, and an economic parliament. Well, I am of the opinion, however, that if three parliaments with three ministries were to sit side by side in such a formulaic manner, the only possible consequence would be that all three would sabotage one another. This is precisely what follows from a genuine understanding of the actual circumstances: that parliamentarism—and only democratic parliamentarism is true parliamentarism—can rest only on what can be established between human beings by virtue of the fact that a human being is simply a mature, responsible individual. Anyone who is a mature, responsible adult must be able to participate in democratic parliamentary life. For everything that takes place in legal life can be based on what a normal, healthy, mature, responsible adult is—on what they can know, think, feel, and will. But economic life has become intertwined with this legal life; it is therefore not based solely on the feelings and thoughts of the adult, responsible individual, but rather, first, on economic experience that can only be acquired in specific, concrete fields, and second, on the actual foundations— I would say on credit in the broadest sense—I do not mean monetary credit, but credit in the broadest sense, which is generated within a group of people by the fact that this group is engaged in a specific branch of production. Because everything in economic life must develop from actual experience and the actual administrative foundations of the specific individual sector, the organizational structure that exists in economic life can also arise only on such a basis; that is to say, in economic life, proper administration can develop only from economic experience and from economic facts and foundations. There will be no parliamentary representation at the top, but rather a structure of associations, coalitions, and cooperatives drawn from the various professions, from the interconnection of production and consumption, and so on—entities that organize themselves and are capable of self-administration. And this structure will also evolve into a certain leadership—I would say, into a central council. However, this cannot be the same structure that is expressed in what must be separated out as an independent legal framework. For this, of course, precisely that which is to influence economic life as law will do so correctly as law precisely because it can now arise, untainted by economic interests, on the legal foundation of the community of all people who have attained maturity. And just as economic life cannot be administered in a formulaic, parliamentary manner, neither can spiritual life be administered in this way; spiritual life, in turn, must develop—out of its own specific circumstances—an organization based on its own laws, which will be entirely different from that of economic life. That which emerges as the highest point in spiritual life will, together with everything in the middle—on the legal foundation administered through parliamentary and ministerial channels—and with that which emerges as a kind of central council in economic life, be able to regulate common affairs. I know there are many people who do not have a mental image of such a thing; but in practice it will be simpler—and above all, more fruitful—than everything that currently takes its place.
[ 18 ] Das zweite Fragebündel trägt die Überschrift «Zum Wirtschaftsleben». Erstens:
[ 18 ] The second set of questions is titled “On Economic Life.” First:
Was geschieht mit dem vorhandenen Vermögensbesitz der Begüterten, insbesondere dem landwirtschaftlichen und dem städtischen Grundbesitz?
What will happen to the existing assets of the wealthy, particularly their agricultural and urban real estate?
[ 19 ] Die Frage ist klar ausgeführt in meinem Buche über die Soziale Frage. Dasjenige, was uns in die einzelnen Krisen des Wirtschaftslebens und nun in die große Krise hineingeführt hat - denn eine solche ist die gegenwärtige Weltkatastrophe -, das ist jene Gestalt des modernen Wirtschaftslebens, die ich herauszustellen versuchte in meinem Buche «Die Kernpunkte der Sozialen Frage». In diesem Buche wird beantwortet, wie in der Zukunft auf der einen Seite das Produktionsmittel, das in Boden besteht, und auf der anderen Seite das industrielle Produktionsmittel [anders angesehen werden müssen]. Die industriellen Produktionsmittel dürfen nur solange Kapital saugen aus dem Wirtschaftskörper, bis sie fertig sind; wenn sie fertig sind, dann ist auch ihr Saugen des Kapitals aus dem Wirtschaftskörper fertig. Mit anderen Worten: Kosten können industrielle Produktionsmittel nur solange etwas, als an ihnen gearbeitet wird bis zu ihrer Fertigstellung; dann müssen sie übergehen in den Zirkulationsprozeß für Produktionsmittel; dann müssen sie durchaus dasjenige sein, was Allgemeinbesitz ist. Der Boden aber, der nicht fabriziert wird, sondern schon da ist, der kann überhaupt niemals etwas kosten.
[ 19 ] This issue is clearly explained in my book on the social question. What has led us into the various crises of economic life—and now into the great crisis—for such is the current global catastrophe—is that very structure of modern economic life which I sought to highlight in my book *The Key Points of the Social Question*. This book addresses how, in the future, the means of production consisting of land, on the one hand, and the industrial means of production, on the other, must be viewed differently. The industrial means of production may draw capital from the economic body only until they are completed; once they are completed, their drawing of capital from the economic body also ceases. In other words: industrial means of production can only incur costs as long as labor is expended on them until their completion; thereafter, they must enter the circulation process for means of production; they must then be, without exception, what is commonly owned. Land, however, which is not manufactured but already exists, can never incur any costs at all.
[ 20 ] Sehen Sie, sehr verehrte Anwesende, wenn man gesund denkt, ergibt sich das in einer gewissen Weise heute schon, aber eben nur in den einzelnen Fällen, wo man gesund wirtschaftlich denkt. Wir haben als Hochschule für Geisteswissenschaft in Dornach einen Bau aufgeführt, der noch nicht fertig ist, der durch die Weltkriegskatastrophe in seiner Fertigstellung beeinträchtigt worden ist. Wir haben ihn selbstverständlich aus den gegenwärtigen Wirtschaftsverhältnissen heraus gebaut, aber bei diesem Bau kann die Frage aufgeworfen werden: Wenn wir nun alle einmal tot sein werden, wenn wir alle nicht mehr dabei sein werden, wenn der Bau fertig sein wird, wem wird dann dieser Bau gehören, wer wird ihn einem andern verkaufen können? — Diese Frage beantwortet sich für unseren Bau ganz von selber. Er wird niemandem gehören; er gehört selbstverständlich der Allgemeinheit. Denn er ist aus der gesunden Grundlage heraus gebaut, daß er einmal [in der Zukunft] als Gemeingut der ganzen Menschheit wird übergehen können auf den, der ihn wiederum verwalten kann. Man muß nur einmal praktisch auf eine solche Sache gekommen sein. Man kann in der gegenwärtigen Wirtschaftsform nur annähernd dazu kommen, aber man wird sehen, daß dasjenige, was in meinem Buche «Die Kernpunkte der Sozialen Frage» darüber steht, daß jedes Kaufverhältnis aufhört bei einem Produktionsmittel, wenn es fertiggestellt ist, und daß eben in anderen Formen dieses dann nicht mehr käufliche Produktionsmittel in die Verwaltung der Gesellschaft übergeht. Und man wird sehen, daß darinnen etwas im eminentesten Sinne Praktisches liegt.
[ 20 ] You see, distinguished guests, when one thinks clearly, this is already evident to a certain extent today—but only in those individual cases where one thinks clearly in economic terms. As the School of Spiritual Science in Dornach, we have undertaken a construction project that is not yet complete—its completion having been hindered by the catastrophe of the World War. We have, of course, built it in accordance with current economic conditions, but this project raises the question: When we are all gone, when none of us will be here anymore, and the building is finished, to whom will it belong, and who will be able to sell it to someone else? — This question answers itself quite naturally when it comes to our building. It will belong to no one; it naturally belongs to the general public. For it is built on the sound foundation that one day [in the future] it will be able to pass, as the common property of all humanity, to whoever can in turn manage it. One need only have arrived at such a concept in a practical way. Under the current economic system, one can only come close to it, but one will see that what is written in my book *The Key Points of the Social Question*—namely, that every purchase transaction ceases with a means of production once it is completed, and that this means of production, which is no longer for sale, then passes into the administration of society in other forms. And one will see that there lies something eminently practical in this.
[ 21 ] Die zweite Frage:
[ 21 ] The second question:
Wie ist der Kleinhandwerker und das Kleingewerbe zu organisieren?
How should small-scale craftsmen and small businesses be organized?
[ 22 ] Es ist nicht anders zu organisieren als das Großgewerbe und das Großhandwerk, aus dem einfachen Grunde, weil sich aus den Gesetzen des Wirtschaftslebens selbst heraus ergeben wird - aus den Gesetzen, die ich neulich im Vortrag ausgeführt habe -, daß ein zu großes Gewerbe oder zu ein großer Betrieb diejenigen schädigt, verhungern läßt, die außer ihm stehen, und daß ein zu kleines Gewerbe, ein zu kleiner Betrieb diejenigen schädigt, die in ihm stehen. Es wird sich die Größe aus den zukünftigen wirtschaftlichen Verhältnissen von selbst anstreben lassen.
[ 22 ] It cannot be organized any differently than large-scale industry and large-scale craftsmanship, for the simple reason that it will follow from the laws of economic life themselves—the laws I recently explained in my lecture—that an industry or business that is too large harms and starves those who are outside it, and that a business or enterprise that is too small harms those within it. The appropriate scale will naturally emerge from future economic conditions.
[ 23 ] Die dritte Frage:
[ 23 ] The third question:
Soll der Handel, insbesondere der Großhandel für Import und Export, aufhören?
Should trade—especially the import and export wholesale business—come to an end?
[ 24 ] Das wäre natürlich ein völliges Unding, wenn er aufhören würde. Wer wirklich mit einem praktischen Sinn sich durchdenkt dasjenige, was in meinem Buche «Die Kernpunkte der Sozialen Frage» ausgeführt ist, der wird sehen, daß die tatsächlichen Verhältnisse an den Grenzen des Wirtschafts-, des Rechts-, des Geistesgebietes keineswegs andere werden. Nicht einmal die Initiative der einzelnen wird dadurch eine andere, die ja notwendig ist selbstverständlich nach außen hin. Dasjenige, was geändert wird, sind nur die sozialen Verhältnisse im Innern. Geändert werden überhaupt nur Dinge, die gar nichts zu tun haben mit demjenigen, was an den Grenzen vorgeht, außer daß an diesen Grenzen dasjenige, was bisher in so störender Weise wirkte und in den furchtbaren Kriegsexplosionen sich auslebte, sich gegenseitig harmonisieren wird. Dadurch, daß die wirtschaftlichen Verhältnisse an den Grenzen ausgleichend wirken auf die internationalen Rechtsverhältnisse und auf die internationalen Geistesverhältnisse - zum Beispiel auch an den Sprachgrenzen -, dadurch wird gerade der dreigegliederte soziale Organismus in internationaler Beziehung, wie ich in meinem Buche ausgeführt habe, seine große Bedeutung haben. Da wird nur nicht mehr bei Import und Export in bunter Weise sich durcheinandermischen können dasjenige, was auf der einen Seite aus dem Wirtschaftlichen und auf der anderen Seite aus dem Rechtlichen oder aus dem Geistigen, zu dem auch das Nationale gehört, sich entwickelt. Das Unding «nationale Wirtschaft», das wird allerdings aufhören, aus dem einfachen Grunde, weil über die Grenzen hin für Export und Import lediglich wirtschaftliche Verhältnisse maßgebend sein werden und weil nicht mehr die Möglichkeit bestehen wird, daß solche Weltkonflikte hervorgerufen werden durch das Ineinanderknäueln von wirtschaftlichen und politischen Interessen. In einer solchen Durcheinanderknäuelung von politischen, kulturellen, wirtschaftlichen Fragen, wie sie zum Beispiel bei der Sandschak-Frage oder der Dardanellen-Frage im Südosten des europäischen Kontinents oder beim Bagdadbahn-Problem aufgetaucht ist, liegt ein großer Teil von dem, was dann zu der gegenwärtigen Weltkriegskatastrophe geführt hat.
[ 24 ] Of course, it would be completely absurd if he were to stop. Anyone who really thinks through, with a practical mind, what is set forth in my book *The Key Points of the Social Question* will see that the actual conditions at the boundaries of the economic, legal, and intellectual spheres do not change in the least. Not even the initiative of the individual is altered by this—which is, of course, necessary in relation to the outside world. The only things that change are the social conditions within. The only things that are changed at all are those that have absolutely nothing to do with what takes place at the boundaries—except that at these boundaries, what has hitherto had such a disruptive effect and found its outlet in the terrible explosions of war will come to harmonize with one another. Because economic conditions at the borders have a balancing effect on international legal relations and on international spiritual conditions—for example, also at linguistic borders—it is precisely the threefold social organism in an international context, as I have explained in my book, that will have its great significance. There will no longer be a situation where, in the context of imports and exports, elements arising from the economic sphere on the one hand and from the legal or spiritual spheres—which also include the national—on the other hand, can become haphazardly intermingled. The absurdity of the “national economy” will, however, come to an end, for the simple reason that economic conditions alone will determine exports and imports across borders, and because there will no longer be the possibility of such global conflicts being caused by the entanglement of economic and political interests. A large part of what ultimately led to the current catastrophe of World War lies in such a tangled entanglement of political, cultural, and economic issues, as seen, for example, in the Sanjak Question or the Dardanelles Question in the southeastern part of the European continent, or in the Baghdad Railway problem.
[ 25 ] Die vierte Frage:
[ 25 ] The fourth question:
Tritt für den «Lohn» Naturalwirtschaft an die Stelle des Geldverkehrs?
Is a barter economy replacing monetary transactions as a form of “wages”?
[ 26 ] Daß der Begriff des Lohnes in der Zukunft keine rechte Bedeutung mehr hat, indem eine Art Vergesellschaftung eintreten wird zwischen dem Handarbeiter und dem geistigen Arbeiter — das habe ich in meinem Buche ausgeführt, auch in Vorträgen vielfach schon angedeutet. Also von einer Rückkehr zur bloßen Naturalwirtschaft kann natürlich nicht die Rede sein. Aber das Geld wird — auch wenn der führende Handelsstaat England an der Goldwährung festhält —- zunächst wenigstens im Inlandsverkehr eine andere Bedeutung erhalten. Es wird dasjenige, was heute dem Gelde anhaftet — daß es Ware ist -, das wird wegfallen. Dasjenige, was im Geldwesen vorliegen wird, wird nur eine Art wandelnde Buchhaltung sein über den Warenaustausch der dem Wirtschaftsgebiet angehörenden Menschen. Eine Art aufgeschriebener Guthaben wird man haben in dem, was man als Geldunterlage hat. Und ein Abstreichen dieser Guthaben wird stattfinden, wenn man irgend etwas erlangt, was man zu seinem Bedarf braucht. Eine Art Buchführung, wandelnder Buchführung wird das Geldwesen sein. Das Geld, das heute Ware ist und dessen Gegenwert, das Gold, ja nur eine Scheinware ist, das wird in Zukunft nicht mehr Ware sein.
[ 26 ] I have explained in my book—and have also hinted at this many times in lectures—that the concept of wages will no longer have any real meaning in the future, as a kind of socialization will take place between manual laborers and intellectual workers. So, of course, there can be no question of a return to a purely subsistence economy. But money will—even if England, the leading trading nation, adheres to the gold standard—take on a different meaning, at least in domestic transactions for the time being. What is currently inherent in money—that it is a commodity—will cease to exist. What will exist in the monetary system will be merely a kind of evolving accounting system for the exchange of goods among the people belonging to the economic sphere. One will have a kind of recorded credit balance in what serves as the monetary base. And these credit balances will be deducted whenever one acquires something needed to meet one’s needs. The monetary system will be a kind of bookkeeping—a dynamic bookkeeping system. Money, which today is a commodity and whose equivalent, gold, is in fact merely a fictitious commodity, will no longer be a commodity in the future.
[ 27 ] Die fünfte Frage:
[ 27 ] The fifth question:
Ist Arbeitszwang in Aussicht genommen?
Is compulsory labor on the horizon?
[ 28 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, wer in den Geist meines Buches «Die Kernpunkte der Sozialen Frage» eindringt, der wird sehen, daß dasjenige, was nun wirklich jedem einigermaßen menschlich denkenden Menschen - das sage ich hier ganz unverblümt - als das Scheußlichste erscheinen muß, ein bürokratisch angeordneter Arbeitszwang, daß der in der Zukunft [in einem dreigegliederten sozialen Organismus] wegfallen kann. Natürlich ist ja jeder aus den sozialen Verhältnissen heraus gezwungen zu arbeiten, und man hat nur die Wahl, entweder zu verhungern oder zu arbeiten. Einen anderen Arbeitszwang als den, der sich auf diese Weise aus den Verhältnissen ergibt, kann es nicht geben [in einer sozialen Ordnung], in der doch die Freiheit des menschlichen Wesens eine Grundbedingung ist.
[ 28 ] Well, ladies and gentlemen, anyone who delves into the spirit of my book *The Key Points of the Social Question*, will see that what must truly appear to every reasonably humane person—and I say this quite bluntly—as the most abhorrent thing of all—a bureaucratically imposed compulsion to work—can be eliminated in the future [in a threefold social organism]. Of course, everyone is compelled to work by social circumstances, and one has only the choice of either starving or working. There can be no compulsion to work other than that which arises in this way from circumstances [in a social order] in which the freedom of the human being is, after all, a fundamental condition.
[ 29 ] Die sechste Frage:
[ 29 ] The sixth question:
Ist Abschaffung jedes Erbrechtes geplant?
Is there a plan to abolish all inheritance laws?
[ 30 ] Das Erbrecht, insofern Teile desselben bleiben, wird ja höchstens darauf beruhen können, daß in einer Übergangszeit irgendwie gerechnet werden muß mit Pietätsverhältnissen und dergleichen. Aber von einem Erbrecht [im Sinne des bisherigen Erbrechts] wird in der Zukunft nicht mehr gesprochen werden können aus dem einfachen Grunde, weil auf der einen Seite es das nicht mehr geben kann, daß irgend etwas, was eigentlich nicht verkauft werden kann, was nicht käuflich ist, für einen noch einen Wert hat. Auf der anderen Seite wird man das Erbrecht nicht mehr brauchen, weil unter den Einrichtungen des gesunden sozialen Organismus die Menschen diejenigen, die zu ihnen gehören, in einer ganz andern Weise werden für ihre Zukunft abfinden können, als es heute unter dem rein materiellen Erbrecht geschieht - ich habe das in meinem Buche ausgesprochen.
[ 30 ] Inheritance law—to the extent that parts of it remain—will, at most, be based on the fact that, during a transitional period, one must somehow take into account filial piety and the like. But in the future, it will no longer be possible to speak of inheritance law [in the sense of the current inheritance law] for the simple reason that, on the one hand, it can no longer be the case that something which cannot actually be sold—which is not for sale—still has any value. On the other hand, inheritance law will no longer be needed because, within the structures of a healthy social organism, people will be able to provide for the future of those who belong to them in a completely different way than is the case today under the purely material inheritance law—I have expressed this in my book.
[ 31 ] Das dritte Fragebündel ist überschrieben: «Zur praktischen Durchführbarkeit». — Die erste Frage:
[ 31 ] The third set of questions is titled: “On Practical Feasibility.” — The first question:
Wird nicht durch die Zufälligkeit persönlicher Begabung (oft nicht sachlichen Gehalts, sondern individueller Fähigkeit wie Gewandtheit, Rednergabe und dergleichen) eine Oberschicht geschaffen, bei welcher die Gefahr des Mißbrauches der anvertrauten Macht sowie der Korruption besteht und welcher gegenüber Neid und Mißgunst der Unterschicht bestehen bleibt?
Doesn't the random nature of personal talent (often not based on objective merit, but on individual abilities such as poise, eloquence, and the like) create an upper class that is prone to abuse the power entrusted to it and to corruption, and that continues to face envy and resentment from the lower class?
[ 32 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, derjenige wird niemals zu irgendeiner fruchtbaren Gestaltung des sozialen Organismus irgend etwas beitragen können, der diese Gestaltung nicht haben will, wenn sie nicht dem absolut idealen Zustand entspricht. Der größte Feind aller sozialen Impulse ist der, wenn man durch diese sozialen Impulse gewissermaßen das Glück der Menschheit begründen will. Ich möchte da einen Vergleich gebrauchen. Sehen Sie, sehr verehrte Anwesende, nehmen wir den menschlichen Organismus, nehmen wir an, er sei ein sogenannter gesunder Organismus. Den spürt man ja gar nicht, und gerade dadurch, daß man in seinem Organismus nichts spürt, ist er ein gesunder Organismus. Freude, Harmonie, innere Kultur der Seele muß sich auf der Grundlage eines solchen gesunden Organismus erst ergeben. Sie können dem Arzte nicht zumuten, daß er Ihnen außer Gesundheit auch Seelenfreude oder innere Seelenkultur gibt, sondern sie können ihm nur zumuten, daß er Ihren Organismus gesund macht. Auf der Grundlage eines gesunden Organismus muß sich dann dasjenige, was innere Seelenkultur ist, erst ergeben. Ist aber der Organismus krank, dann nimmt die Seele teil an der Krankheit, dann ist ihr inneres Leben von dieser Krankheit abhängig. So ist es auch im sozialen Organismus. Der kranke soziale Organismus macht die Menschen unglücklich; der gesunde soziale Organismus kann aber die Menschen noch nicht glücklich machen, sondern es ist erst der Boden geschaffen für das Glück der Menschen, das dann entstehen kann, wenn der soziale Organismus gesund ist. Daher ist der Impuls für den dreigliedrigen sozialen Organismus der, die Lebensbedingungen eines gesunden sozialen Organismus zu suchen. Selbstverständlich können auch da Korruptionen oder dergleichen entstehen — das kann nicht in Abrede gestellt werden -, allein solche Korruptionen werden durch Gegenschläge wiederum verbessert werden können, und die größte Aussicht, sie zu verbessern, wenn sie auftreten, liegt eben in der Gesundheit des sozialen Organismus selber. Ich bin ganz fest davon überzeugt: Wenn der soziale Organismus gesund ist, dann werden die Professionsschwätzer mit ihrer Rednergabe einfach die Menschen vertreiben, sie werden nicht viel Zuspruch haben. Gegenwärtig ist aus unseren sozialen Verhältnissen heraus das ja noch nicht der Fall. Insbesondere da, wo das geistige Leben gedeihen soll, da tritt manchmal das ein, daß bei irgendeinem auf einem Lehrstuhl sitzenden Professionsschwätzer die Zuhörer zwar Reißaus nehmen, aber ihre Kollegiengelder müssen sie bezahlen und unter Umständen können sie auch ihre Examina ablegen. Und die Professionsschwätzerei mit ihrer Korruption hat auf das äußere wirkliche Leben, auf die Lebensbedingungen des sozialen Organismus eigentlich keine besondere Wirkung. Derlei Dinge werden natürlich wegfallen in der Zukunft, wenn der Mensch angewiesen ist, im geistigen Leben darauf zu bauen, daß er sich das Vertrauen seiner Mitmenschen erwerben muß und daß zum Beispiel nur auf diesem Vertrauen seiner Mitmenschen dasjenige beruht, was er leisten kann.
[ 32 ] Well, ladies and gentlemen, anyone who refuses to accept the structure of the social organism unless it corresponds to an absolutely ideal state will never be able to contribute anything to its fruitful development. The greatest enemy of all social impulses is the notion that these impulses are, so to speak, meant to establish the happiness of humanity. I would like to use a comparison here. You see, distinguished guests, let us take the human organism; let us assume it is a so-called healthy organism. One does not feel it at all, and it is precisely because one feels nothing within one’s organism that it is a healthy organism. Joy, harmony, and the inner culture of the soul must first arise on the basis of such a healthy organism. You cannot expect a doctor to give you spiritual joy or inner spiritual cultivation in addition to health; rather, you can only expect him to restore your organism to health. It is only on the foundation of a healthy organism that inner spiritual cultivation can then arise. But if the organism is sick, then the soul shares in the illness, and its inner life becomes dependent on that illness. The same is true of the social organism. A sick social organism makes people unhappy; a healthy social organism, however, cannot yet make people happy—rather, it merely creates the foundation for human happiness, which can then arise when the social organism is healthy. Therefore, the impulse behind the threefold social organism is to seek the conditions necessary for a healthy social organism. Of course, corruption or similar ills can arise there as well—that cannot be denied—but such corruption can in turn be remedied through countermeasures, and the greatest hope for remedying it, when it occurs, lies precisely in the health of the social organism itself. I am firmly convinced that if the social organism is healthy, then the professional windbags, with all their eloquence, will simply drive people away; they will not find much favor. At present, given our social conditions, that is not yet the case. Especially where intellectual life is supposed to flourish, it sometimes happens that, while the audience may flee from some professional windbag sitting in a chair, they still have to pay their tuition fees and, under certain circumstances, may even be able to take their exams. And professional drivel, with all its corruption, actually has no particular effect on external, real life or on the living conditions of the social organism. Such things will naturally disappear in the future when people are compelled to rely, in their intellectual lives, on the fact that they must earn the trust of their fellow human beings—and that, for example, what they are able to accomplish rests solely on that trust.
[ 33 ] Die zweite Frage, und das ist die letzte Frage, die mir in diesem Fragebündel gestellt worden ist:
[ 33 ] The second question—and this is the last question I was asked in this set of questions—is:
Welche Anhaltspunkte bestehen dafür, daß der Kommunismus, welcher nicht die Gleichberechtigung des Proletariats mit der Bourgeoisie, sondern die Herrschaft des Proletariats anstrebt und der Ansicht ist, daß die Bourgeoisie auf ihre derzeitige Stellung nicht freiwillig verzichtet, auf sein Machtprogramm zugunsten der Dreigliederung verzichtet und in einem Entgegenkommen der Besitzenden nicht nur eine Abschlagszahlung erblickt?
What evidence is there that communism—which does not seek equality between the proletariat and the bourgeoisie, but rather the rule of the proletariat, and which holds that the bourgeoisie will not voluntarily relinquish its current position, will not abandon its program of power in favor of the threefold social order, and views any concession by the propertied classes as nothing more than a down payment?
[ 34 ] Diese Frage ist nicht so ohne weiteres aus der Gestaltung des dreigliedrigen Organismus heraus zu beantworten, sondern da muß gesagt werden, daß die Kluft, welche aufgerichtet worden ist zwischen dem Proletariat einerseits und dem Nichtproletariat andererseits, im wesentlichen aus der Schuld der führenden Kreise, also des Nichtproletariats, heraus entstanden ist und daß die nächste Aufgabe dieser führenden Kreise darin bestehen würde, die Forderungen des Proletariats wirklich zu verstehen, wirklich auf sie eingehen zu können; denn das Proletariat wird brauchen vor allen Dingen dasjenige, was die Kraft der geistigen Arbeiter ist. Nicht in irgend welchen unmöglichen Ansprüchen von der einen oder andern Seite her sollte man eine Gefahr erblicken, sondern allein in dem mangelnden guten Willen, über den Abgrund hinüber irgendwelche Brücke zu schlagen.
[ 34 ] This question cannot be answered simply by looking at the structure of the threefold social order; rather, it must be said that the divide that has been created between the proletariat on the one hand and the non-proletariat on the other is essentially the fault of the leading circles, that is, the non-proletariat, and that the next task of these leading circles would be to truly understand the demands of the proletariat and to be able to genuinely respond to them; for the proletariat will need, above all else, the strength of the intellectual workers. One should not see a danger in any impossible demands from one side or the other, but solely in the lack of goodwill to build any kind of bridge across the chasm.
[ 35 ] Es liegen nun noch ein paar andere schriftliche Fragen vor, zum Beispiel die Frage:
[ 35 ] There are now a few other written questions, such as the following:
Im dreigliedrigen sozialen Organismus wird die menschliche Arbeitskraft den Charakter der Ware verlieren. Einen Lohn in seitherigem Sinne wird es nicht mehr geben. Den Arbeitern eines Betriebes wird ein vertraglich zu vereinbarender Teil des Gesamtertrages des betreffenden Betriebes zukommen, ein anderer Teil wird den Angestellten und dem Berriebsleiter gehören. Auf welche Weise wird nun dafür gesorgt sein, daß dem Arbeiter eine Art Existenzminimum gesichert bleibt, zum Beispiel bei geringer Ertragfähigkeit eines einzelnen Betriebes?
In the threefold social organism, human labor will cease to be a commodity. Wages in the traditional sense will no longer exist. The workers in a given enterprise will receive a contractually agreed-upon share of that enterprise’s total profits; another share will belong to the white-collar employees and the enterprise manager. How, then, will it be ensured that workers are guaranteed a kind of minimum subsistence level, for example, in the event of low profitability at an individual enterprise?
[ 36 ] Diese Frage ist in meinem Buch behandelt, und ich habe hier nur zu bemerken, daß die Frage im eminentesten Sinne dann, wenn wirklich die drei Glieder des gesunden sozialen Organismus bestehen, eine Wirtschaftsfrage ist und daß durch die Sozialisierung des Wirtschaftslebens eine große praktische Frage für diejenigen Verwaltungen entstehen wird, welche innerhalb des Wirtschaftskörpers tätig sein werden. Im wesentlichen, möchte ich sagen, reduziert sich diese Frage auf das folgende: Dasjenige, was man heute ein Existenzminimum nennt, das ist noch immer auf das Lohnverhältnis hin gedacht. Diese Art des Denkens, die wird beim selbständigen Wirtschaftsleben nicht in derselben Weise stattfinden können. Da wird die Frage reinlich aus dem Wirtschaftsleben heraus gestellt werden müssen. Diese Frage wird sich dann so stellen, daß der Mensch, indem er irgendeine Leistung vollbringt, indem er irgend etwas hervorbringt, für diese Leistung so viel an anderen Menschheitsleistungen durch Austausch wird zu bekommen haben, als er nötig hat, um seine Bedürfnisse und die Bedürfnisse derjenigen, die zu ihm gehören, zu befriedigen, bis er ein neues, gleichartiges Produkt hervorgebracht hat. Dabei muß nur in Anrechnung kommen all das, was der Mensch für seine Familie an Arbeit und dergleichen zu leisten hat. Dann wird man eine gewisse, ich möchte sagen Urzelle des Wirtschaftslebens finden. Und dasjenige, was diese Urzelle des Wirtschaftslebens zu dem machen wird, was eben den Menschen seine Bedürfnisse wird befriedigen lassen, bis er ein gleichartiges, neues Produkt hervorbringt, das gilt für alle Zweige des geistigen und materiellen Lebens. Das wird so zu ordnen sein, daß die Assoziationen, die Koalitionen, die Genossenschaften von der Art, wie ich sie vorhin dargestellt habe, zu sorgen haben werden, daß diese Urzelle des Wirtschaftslebens bestehen kann. Das heißt, daß ein jegliches Produkt im Vergleich mit anderen Produkten denjenigen Wert hat, der gleichkommt den anderen Produkten, die man braucht zu Befriedigung der Bedürfnisse bis zur Herstellung eines neuen, gleichartigen Produkts. Daß diese Urzelle des Wirtschaftslebens heute noch nicht besteht, das beruht eben darauf, daß im Angebot und Nachfrage des heutigen Marktes zusammenfließen Arbeit, Ware und Recht und daß diese drei Gebiete in der Zukunft getrennt werden müssen im dreigeteilten, gesunden sozialen Organismus.
[ 36 ] This question is addressed in my book, and I will merely note here that, in the truest sense of the word, if the three components of a healthy social organism truly exist, it is an economic question; and that the socialization of economic life will give rise to a major practical issue for those administrative bodies that will operate within the economic structure. Essentially, I would say, this question boils down to the following: What is today called the “minimum subsistence level” is still conceived in terms of wage relations. This way of thinking will not be able to function in the same way in an independent economic life. The question will have to be posed purely from within economic life itself. It will then be framed in such a way that, when a person performs a certain task or produces something, they will receive, through exchange, as much of others’ contributions as they need to satisfy their own needs and those of their dependents—until they have produced a new, similar product. In this context, only that which a person must perform for his family—in the form of work and the like—must be taken into account. Then one will find a certain—I would say—primordial cell of economic life. And whatever it is that makes this primordial cell of economic life capable of satisfying a person’s needs until he produces a new product of the same kind applies to all branches of intellectual and material life. This will need to be organized in such a way that the associations, coalitions, and cooperatives of the kind I described earlier will be responsible for ensuring that this “primordial cell” of economic life can survive. This means that every product, when compared to other products, has a value equal to the sum of the other products needed to satisfy needs until a new, similar product is produced. The fact that this basic unit of economic life does not yet exist today is precisely because labor, commodities, and law converge in the supply and demand of today’s market, and because these three spheres must be separated in the future within a tripartite, healthy social organism.
[ 37 ] Dann ist noch folgende Frage gestellt worden:
[ 37 ] Then the following question was asked:
Wie denkt sich Herr Dr. Steiner die verbesserte Zukunft des Standes der Privatlehrer und -lehrerinnen sowie ähnlicher Berufsarten, deren zum Leben notwendige Einnahmen jetzt von der Anzahl der von ihnen persönlich geleisteten Arbeitsstunden abhängig ist? Wie wird es möglich werden, in Zukunft auch deren Arbeitskraft des Charakters der Ware zu entkleiden?
How does Dr. Steiner envision a better future for private tutors and similar professions, whose livelihoods currently depend on the number of hours they personally work? How will it be possible in the future to strip their labor of its commodity character?
[ 38 ] Nun, das macht sich ganz von selbst, denn jeder, der als Lehrer im geistigen Leben tätig ist, der wird, wenn er nicht mehr eingespannt ist in die Staatsmaschine, eigentlich mehr oder weniger gestellt sein in Freiheit, aber dann in gesunder Weise, wie jede geistige Kulturtätigkeit im dreigegliederten Organismus. Das ist dasjenige, was etwa über eine solche Frage zu sagen ist. Einfach werden solche Personen, wie sie hier gemeint sind, gleichgestellt sein denjenigen, die heute Monopole haben, dadurch, daß sie auf dem Gebiete des Geistigen verquickt sind in ihrer Stellung mit den rein staatlichen Verhältnissen.
[ 38 ] Well, that goes without saying, for anyone who is active as a teacher in spiritual life—once they are no longer bound up in the machinery of the state—will in fact be more or less free, but in a healthy way, just as every spiritual cultural activity is within the threefold social order. That is what can be said about such a question. Simply put, people such as those referred to here will be on an equal footing with those who currently hold monopolies, in that their position in the spiritual realm is intertwined with purely state-related circumstances.
[ 39 ] Ich glaube, ich werde nun eine Unterbrechung in der Beantwortung der schriftlich gestellten Fragen eintreten lassen, damit nicht etwa noch Fragen, die aus dem verehrten Zuhörerkreise herauskommen sollten, beeinträchtigt werden. Die Fragen, die ich zuerst beantwortet habe, die Jagen mir schon seit längerer Zeit vor, und ich wollte sie heute zunächst beantworten, weil ich glaube, daß sie wirklich für einen größeren Kreis bedeutsam sein könnten. Sollte heute die Beantwortung der Fragen nicht zu Ende geführt werden können, so kann das ja bei anderer Gelegenheit geschehen. Ich glaube also, es wird gut sein, wenn wir die Fragen, die sich aus dem Zuhörerkreise ergeben könnten, jetzt vielleicht an uns herankommen lassen.
[ 39 ] I believe I will now take a break from answering the written questions so as not to interfere with any questions that might come from the distinguished audience. The questions I answered first have been on my mind for quite some time, and I wanted to address them first today because I believe they could be of significance to a wider audience. If we are unable to finish answering the questions today, we can certainly do so on another occasion. So I think it would be best if we now perhaps allow questions that might arise from the audience to come to us.
Wilhelm von Blume: Ich bitte also die verehrten Anwesenden, wenn etwa Ihnen noch Fragen auf dem Herzen liegen, sich jetzt zu äußern und sie soweit irgend möglich schriftlich hier heraufzugeben. Es soll aber auch unbenommen sein, mündlich Fragen zu stellen, nur würden wir dann bitten, hierherzukommen und die Frage von hier zu stellen, damit wir Sie alle vernehmen können.
Wilhelm von Blume: I would therefore ask the distinguished audience here today: if you have any questions on your mind, please speak up now and, as far as possible, submit them in writing here. You are also welcome to ask questions verbally; however, we would ask that you come up here and ask your question from this podium so that we can hear you all clearly.
[ 40 ] Vielleicht darf ich inzwischen die eine Frage, die vorhin angeregt worden ist, noch mit einem Worte beantworten, die ich dem von Herrn Dr. Steiner Gesagten hinzufügen möchte, weil mir selbst nämlich diese Frage gelegentlich aufgestiegen ist und ich deswegen wohl begriff, daß sie gestellt wurde. Es ist das die Frage nach der Stellung der Gemeinden in dem zukünftigen dreigegliederten Organismus. Vielleicht möchte der Fragesteller noch Genaueres darüber wissen, wie denn eigentlich bei der Dreigliederung des sozialen Organismus in Zukunft die Lage der Gemeinden sein wird. Es ist da gefragt worden: Was wird denn eigentlich mit den Schulen der Gemeinden, was wird mit den Gaswerken und so weiter? Dahinter steckt die Frage: Ja, was wird denn aus der Gemeinde in Zukunft, wenn nämlich, wie es ja wohl zweifellos ist, das Gaswerk als eine Veranstaltung des Wirtschaftslebens hineingefügt werden muß in die Gesamtorganisation des Wirtschaftslebens, also nicht mehr als eine besondere Gemeindeanstalt gelten kann? Etwas anderes ist von dem Herrn Fragesteller nicht erwähnt worden, was aber zum mindesten ebenso wichtig ist, das ist die Frage der Beschaffung von Wohnungen. Wer wird denn in Zukunft zu sorgen haben für die Herstellung von Wohnungen? Die Herstellung von Wohnungen ist, um es einmal so auszudrücken, ein wirtschaftlicher Vorgang, da es sich um «Produktion» handelt. Und daß die Überlassung von Wohnungen zum Gebrauch ebenfalls als ein wirtschaftlicher Vorgang anzusehen ist, darüber kann wohl kein Zweifel sein. Diese Angelegenheit wird dann in Zukunft erledigt werden müssen durch die Sonderorganisation des Wirtschaftslebens. Man könnte also meinen, die Gemeinde, die verliert ja dann die Aufgaben alle oder wenigstens ziemlich alle, die sie bis heute gehabt hat - und was wird denn eigentlich aus der Gemeinde? Und dennoch: die Gemeinde bleibt, und die Gemeinde wird auch in Zukunft noch eine außerordentlich wichtige Rolle spielen, genauso wie der Staat ja bleibt und auch in Zukunft noch Aufgaben zu erledigen hat. Daß die Überführung des Gaswerks aus der reinen Gemeindeverwaltung in eine besondere Wirtschaftsverwaltung doch auch ihre sehr, sehr guten Seiten hat, ich glaube, das wird jeder sofort empfinden, wenn er sich sagt, daß der Preis des Gases, der heute von der Gemeinde gefordert wird, nicht etwa festgesetzt wird mit Rücksicht darauf, daß möglichst viele Menschen dieses Gas zu dem Preise haben können, der den Kosten der Produktion entspricht, sondern daß das Gaswerk eine erwerbende Gemeindeanstalt ist und daß [durch den Überschuß] die Gemeindefinanzen bestritten werden. Genauso ist es mit den Elektrizitätswerken, der Straßenbahn und so weiter. Das heißt also, daß diese Anstalten, die eigentlich ganz bestimmte wirtschaftliche Zwecke verfolgen sollen, auch finanziellen Zwecken der Gemeinde dienen müssen, und zwar häufig genug so, daß der eigentliche Zweck der Versorgung der Gemeindeangehörigen mit diesen überaus wichtigen Gütern aufs allerstärkste beeinträchtigt wird. Also ein Vorteil ist es schon, wenn die Gemeinde in Zukunft nicht mehr solche Anstalten für ihre finanziellen Zwecke benutzen kann, sondern wenn diese nur noch zu rein wirtschaftlichen Zwecken verwendet werden. Aber die Gemeinde bleibt die dem Staat untergeordnete Organisation des gesamten Rechts- und Verwaltungswesens, das heißt insbesondere des Polizeiwesens und der sogenannten Wohlfahrtspflege - der Wohlfahrtspflege, soweit sie sich bezieht auf die Erhaltung der Kraft der einzelnen Menschen. Das wird die Aufgabe der Gemeinde sein, und da hat sie ihre allerwichtigste Aufgabe, wie heute schon. Es ist die Gemeinde eigentlich nur dazu gekommen zu wirtschaften, weil kein anderer sich dieser Aufgabe in richtiger Weise annahm, und es ist ein Glück, glaube ich, für ein richtiges Gemeindeleben, wenn in der Zukunft das rein Wirtschaftliche nicht mehr von der Gemeinde besorgt wird. Es ist ein Glück, wenn in Zukunft die Gemeindeverwaltung nicht mehr so organisiert ist, daß die egoistischen Interessen die Herrschaft haben, sondern wenn sie so organisiert wird, daß in der Tat dort jeder einzelne zu seinem Rechte kommen kann.
[ 40 ] Perhaps I may now briefly address the question that was raised earlier, adding a few words to what Dr. Steiner said, because this question has occasionally occurred to me as well, and I therefore fully understood why it was asked. It is the question of the position of the municipalities within the future threefold social order. Perhaps the person who asked the question would like to know more specifically what the situation of the municipalities will actually be in the future, given the threefold structure of the social organism. The question posed was: What will actually happen to the municipalities’ schools, the gasworks, and so on? Behind this lies the question: What will become of the municipality in the future, especially since—as is undoubtedly the case—the gasworks, as an institution of economic life, must be integrated into the overall organization of economic life and can therefore no longer be regarded as a special municipal institution? The questioner did not mention another issue, one that is at least as important: the question of housing provision. Who, then, will be responsible for the construction of housing in the future? The construction of housing is, to put it this way, an economic process, since it involves “production.” And there can be no doubt that the provision of housing for use must also be regarded as an economic process. This matter will then have to be handled in the future by the specialized organization of economic life. One might therefore think that the municipality—which will then lose all, or at least nearly all, of the responsibilities it has had up to now—will cease to exist. But the municipality will remain, and it will continue to play an extraordinarily important role in the future, just as the state will remain and will still have responsibilities to fulfill. The fact that transferring the gasworks from purely municipal administration to a specialized economic administration does indeed have its very, very positive aspects— I believe everyone will immediately realize this when they consider that the price of gas charged by the municipality today is not set with a view to ensuring that as many people as possible can obtain this gas at a price that corresponds to the costs of production, but rather that the gasworks is a profit-generating municipal enterprise and that [the surplus] is used to support municipal finances. The same is true of the electric utilities, the streetcars, and so on. This means, then, that these utilities—which are actually intended to serve very specific economic purposes—must also serve the municipality’s financial interests, and often to such an extent that the actual purpose of supplying residents with these extremely important goods is severely compromised. So it is certainly an advantage if, in the future, the municipality can no longer use such institutions for its financial purposes, but instead they are used solely for purely economic purposes. However, the municipality remains the organization subordinate to the state within the entire legal and administrative system—that is, in particular, the police system and so-called social welfare—social welfare insofar as it relates to preserving the vitality of individual people. That will be the municipality’s task, and therein lies its most important role, just as it does today. The municipality actually only came to manage economic affairs because no one else properly took on this task, and I believe it will be a blessing for a healthy municipal life if, in the future, purely economic matters are no longer handled by the municipality. It will be a blessing if, in the future, municipal administration is no longer organized in such a way that selfish interests hold sway, but rather if it is organized so that every individual can indeed have their rights upheld.
[ 41 ] Was auf der anderen Seite das geistige Leben betrifft, so wird auch das gegenüber der Gemeinde gelten müssen, was allgemein für die Loslösung dieses geistigen Lebens vom Einflusse des Staates gilt. Es ist klar, daß heute die Gemeinden auf diesem Gebiete sehr vieles Gute geschaffen haben, aber die Nachteile des Hineinregierens von wirtschaftlichen Interessen — insbesondere in das Kulturgebiet, die sich immer wieder zeigen -, diese Nachteile sind auf dem Gebiete des Gemeindelebens deutlich genug zu spüren. Aber trotzdem bleibt für die Gemeinde noch das ganz große Gebiet, das sie auch schon früher gehabt hat, ehe sie solche Gemeindeanstalten in eigene Regie nahm. Also die Befürchtung, daß die Gemeinde vollständig überflüssig würde, ist geradeso ungerechtfertigt, wie die andere Befürchtung, daß der Staat eigentlich erledigt wäre durch diese Dreigliederung. So ist es nicht.
[ 41 ] As for spiritual life, on the other hand, the same principles that generally apply to the separation of this spiritual life from the influence of the state must also apply to the congregation. It is clear that today the congregations have accomplished a great deal of good in this area, but the disadvantages of the intrusion of economic interests—particularly into the cultural sphere, which manifest themselves time and again—are clearly felt in the realm of congregational life. Nevertheless, the municipality still retains the vast sphere of activity that it had even before it took such municipal institutions under its own management. Thus, the fear that the municipality would become completely superfluous is just as unjustified as the other fear that the state would effectively be rendered obsolete by this threefold social order. That is not the case.
[ 42 ] Weitere Fragen sind aus der Versammlung bis jetzt nicht gestellt worden. Herr Dr. Steiner wird in der Beantwortung der schriftlich gestellten Fragen fortfahren.
[ 42 ] No further questions have been asked by the assembly so far. Dr. Steiner will continue by answering the questions submitted in writing.
[ 43 ] Rudolf Steiner: Es liegt weiter die Frage vor:
[ 43 ] Rudolf Steiner: There is also the question:
Die Steinersche Wirtschaftsordnung wird sich in großen Zügen einer bestimmten Regierungspolitik zu unterwerfen haben, etwa der des Nationalitätenprinzips, der militaristischen oder pazifistischen Weltordnung. Wird nach diesen führenden Prinzipien die Belastung der Wirtschaft (abgesehen von der gegenwärtigen durch Kriegsschulden und Kriegsentschädigungen) eine andere sein? Wird nicht zum Beispiel eine im alten Denkvorgang nationalistische Politik die Wirtschaft wieder vor allem anderen belasten und die allgemeine Wohlfahrt untergraben?
The Steiner economic system will, in broad terms, have to submit to certain government policies—such as the principle of nationality, or a militaristic or pacifist world order. Will the burden on the economy (aside from the current one caused by war debts and war reparations) be any different under these guiding principles? For example, won’t a nationalist policy—rooted in the old way of thinking—once again place a burden on the economy above all else and undermine general welfare?
[ 44 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, die Frage, sie ist entstanden aus einer noch nicht völligen Durchdringung desjenigen, was eigentlich das Wesen des dreigliedrigen sozialen Organismus ist. Sehen Sie, die Schäden des Einheitsstaates, sie entstehen ja dadurch, daß sich, sagen wir in das Rechtsleben, also im weitesten Umfange in die Politik hineinmischen wirtschaftliche Interessen, daß zum Beispiel die Landwirte einen Bund bilden und als «Bund der Landwirte» sich im Staatsparlament geltend machen und dort aus ihren Interessen heraus Einfluß auf das Rechtsleben nehmen. Oder auf der anderen Seite [können Schäden entstehen, wenn] sich eine Korporation, die rein geistige Interessen verfolgt — sagen wir zum Beispiel das katholisch organisierte «Zentrum» — wiederum in das Staatsparlament hineinsetzt und dort die Rechtsinteressen, ich möchte sagen zu umgestalteten geistigen Interessen macht. Nun werden Sie sagen: Gut, in Zukunft bestehen getrennt voneinander die drei Glieder: geistiger Organismus, der sich vollständig selbstverwaltet aus den geistigen Grundsätzen heraus; rechtlicher Organismus, der die Fortsetzung des gegenwärtigen staatlichen Organismus bilden wird, aber eben nicht in sich das geistige Leben und das wirtschaftliche Leben haben wird, sondern nur das Rechts- und politische Leben; wirtschaftlicher Organismus, der Kreislauf des Wirtschafts m. lebens. Aber, werden Sie sagen, die drei Gebiete haben doch gewisse Dinge, gewisse Interessen miteinander gemein, und sie hängen ja durch den Menschen selbst zusammen; der einzelne Mensch steht in irgendwelchen Betrieben drinnen, in die die drei selbständigen Verwaltungsgebiete hineinspielen. Sie werden fragen: Ja, könnte denn nicht auch in der Zukunft für das Parlament des Rechtsbodens irgendein Klub oder dergleichen sich geltend machen, der die Wirtschaftsinteressen hereinträgt auf den Rechtsboden und im Staatsparlament geradeso seine Interessen geltend macht, wie zum Beispiel beim Einheitsstaat der Bund der Landwirte aus Wirtschaftsinteressen Rechte machen will oder wie das Zentrum aus religiösen, aus konfessionellen Interessen, also vom Geistesleben aus, Rechte machen will durch Koalitionen mit anderen Parteien?
[ 44 ] Well, ladies and gentlemen, this question has arisen because there is not yet a complete understanding of what actually constitutes the essence of the threefold social organism. You see, the harms of the unitary state arise precisely because economic interests interfere—let us say, in the legal sphere, and thus to the greatest extent in politics—so that, for example, farmers form an association and, as the “Farmers’ Association,” assert themselves in the state parliament and exert influence on the legal sphere based on their own interests. Or, on the other hand, [damage can arise when] a corporation that pursues purely spiritual interests—let’s say, for example, the Catholic-organized “Center”—in turn establishes itself in the state parliament and there transforms legal interests, I would say, into spiritual interests. Now you will say: Well, in the future, the three components will exist separately from one another: the spiritual organism, which is completely self-governing on the basis of spiritual principles; the legal organism, which will constitute the continuation of the present state organism, but will not encompass spiritual life or economic life within itself, only legal and political life; and the economic organism, which is the cycle of economic life. But, you will say, these three spheres do have certain things, certain interests, in common, and they are, after all, interconnected through human beings themselves; the individual is involved in various enterprises in which the three independent administrative spheres play a role. You will ask: Yes, but couldn’t some kind of club or similar organization also assert itself in the future within the parliament of the legal sphere, bringing economic interests into the legal sphere and asserting its interests in the national parliament just as, for example, in the unitary state, the Farmers’ Union seeks to turn economic interests into rights, or as the Center Party does so based on religious and denominational interests—that is, from the realm of spiritual life— through coalitions with other parties?
[ 45 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, das Wesen des dreigliedrigen sozialen Organismus, das heute noch so wenig eingesehen wird, das besteht darin, daß man auf dem Gebiete des Wirtschaftsbodens nur wirtschaftliche Maßnahmen wird treffen können, keine Rechtsmaßnahmen und keine Maßnahmen, die mit der Entwicklung der menschlichen Fähigkeiten etwas zu tun haben, die im Geistesleben zu verwalten sind; auf dem Boden des Rechtslebens wird man überhaupt nur Rechtsfragen zu entwickeln haben. Nehmen wir also an, es würde sich ein Klub mit wirtschaftlichen Interessen finden in dem Parlament des Rechtsbodens, in dem Staatsparlament, so würde er niemals Maßnahmen treffen können, die irgendwie auf das Wirtschaftsleben einen Einfluß haben, da in diesem Parlament überhaupt nur Rechtsfragen zur Verhandlung kommen, die sich auf die Gleichheit aller Menschen beziehen. Sie können also auch nicht aus dem Wirtschaftsleben heraus gedacht sein. Wirtschaftsleben kommt überhaupt nicht in Frage im Rechtsparlament. Es ist jedem unmöglich, auch wenn er mit noch so viel wirtschaftlichen Interessen hineinkommt ins Rechtsparlament, dort drinnen die wirtschaftlichen Interessen zur Geltung zu bringen, weil auf dem Boden des Rechtslebens nichts geschehen kann, was wirtschaftlichen Charakter hat - das kann nur auf dem Boden des Wirtschaftslebens geschehen. Das ist gerade der Sinn, daß nicht irgendwie die Menschen in Stände gegliedert werden, sondern daß - von den Menschen abgesondert - der soziale Organismus selbst gegliedert wird. Also dasjenige, was jetzt Einheitsstaat ist, zerfällt in drei Gebiete, und man wird auf jedem der drei Gebiete die Interessen des andern Gebietes gar nicht geltend machen können, weil die Geltendmachung keine Wirkung haben kann auf diesem Gebiete. Diese Konsequenz ist es gerade, in der das in der Zukunft Heilsame für den sozialen Organismus liegen wird; sie ist auch der Grund, warum dieser dreigeteilte soziale Organismus eine soziale Notwendigkeit ist.
[ 45 ] Well, ladies and gentlemen, the essence of the threefold social organism—which is still so poorly understood today—is that in the realm of the economic sphere, one can take only economic measures; no legal measures, and no measures that have anything to do with the development of human abilities, which are to be managed in the spiritual life; in the realm of the legal life, one will have to deal exclusively with legal matters. Let us suppose, then, that a club with economic interests were to form in the parliament of the legal realm—the national parliament—it would never be able to enact measures that in any way influence economic life, since in this parliament only legal matters relating to the equality of all human beings are brought up for debate. Therefore, they cannot be conceived from within economic life either. Economic life is out of the question altogether in the legal parliament. It is impossible for anyone—no matter how many economic interests they bring with them into the legal parliament—to assert those economic interests there, because nothing of an economic nature can happen on the ground of legal life—that can only happen on the ground of economic life. This is precisely the point: that people are not somehow divided into estates, but rather that—separate from the people—the social organism itself is structured. Thus, what is now a unitary state breaks down into three spheres, and in each of these three spheres, it will be impossible to assert the interests of the other sphere, because such an assertion cannot have any effect in that sphere. It is precisely this consequence that will hold the key to the future well-being of the social organism; it is also the reason why this threefold social organism is a social necessity.
[ 46 ] Ich glaube, die Mehrzahl derjenigen, die sich heute schon bekannt gemacht haben mit dem Impuls des dreigeteilten Organismus, betrachten das, was mit ihm gemeint ist, noch viel zu sehr als etwas Ausgeklügeltes, als etwas außerhalb der Praxis Stehendes, als etwas, wo wieder einmal einer nachgedacht hat und dabei ihm eingefallen ist: Mit dem Einheitsorganismus ist es schlecht gegangen, na, machen wir ihn zu dreien. - Darum handelt es sich nicht, sondern das Erkennen des wirklichen Lebens, der wirklichen Lebensnotwendigkeiten, das ist es, was als Konsequenz den dreigeteilten sozialen Organismus ergibt. Man hört heute so sehr häufig die Leute sagen: Ja, was der eigentlich will, verstehen wir nicht. - Man versteht nicht, was eigentlich gewollt ist. Heute sagen so viele Leute einem solchen Impuls gegenüber: Das verstehen wir nicht. — Woher rührt das? Sehen Sie, das rührt wieder von etwas her, was durch den dreigegliederten Organismus anders und eben besser werden soll. Heute fehlt bei den Menschen, wenn sie etwas beurteilen sollen, vor allen Dingen der Zusammenhang mit dem Leben. Wenn man heute aus einer Theorie heraus spricht, aus irgend etwas heraus spricht, was sich mit ein paar allgemeinen Grundsätzen [erklären läßt], die schließlich für jeden normalen Menschen begreiflich sind, wenn er mündig geworden ist, [dann verstehen das die Leute]. Wenn man aber heute von so etwas spricht, was sich nicht auf diese Art begreifen läßt, sondern wozu der wahre Zusammenhang mit dem Leben notwendig ist, wo man appellieren muß an die Lebenserfahrung — da kommen die Leute und sagen, das verstehen sie nicht. Woher rührt das eigentlich? Das rührt her vom Einheitsstaat, den wir seit vier Jahrhunderten haben; durch diesen Einheitsstaat sind die Menschen in ein Leben hineingeworfen worden, wo sie in einem besonderen Lebensgebiete drinnenstehen und in diesem sich eine gewisse Routine erworben haben. Diese Routine, die nennen sie ihre Praxis. Das wissen sie, was sie durch diese Routine haben. Im übrigen werden sie vom Staate erzogen von der untersten Schulstufe auf. Da spielt nicht das in die Erziehung hinein, was in der Zukunft in die Erziehung hineinspielen wird, das wirkliche Leben, sondern da spielen in die Erziehung hinein Verordnungen, Gesetze und so weiter. In das menschliche Denken fließt schon [von der untersten Schulstufe] ein das Abstrakte der Verordnung, des Gesetzes, so daß die Menschen heute nur die Routine irgendeines einzelnen Zweiges haben, die sie ganz mechanisch handhaben. Wer mit ihnen darüber nicht einverstanden ist aus einer breiteren Lebenserfahrung, den nennen sie einen Trottel oder einen unpraktischen Menschen. Und daneben haben sie einen Kopf voll Abstraktionen, weil sie nur erzogen worden sind aus Verordnungen, Gesetzen, Lehrzielen und so weiter heraus, die nicht aus dem Leben, sondern bloß aus irgendwelcher abstrakten Denkweise heraus entnommen sind, die einzig und allein Berechtigung hat auf dem Rechtsboden, aber auf keinem anderen Lebensboden. Auf dem Rechtsboden hat sie Berechtigung aus dem Grunde, weil auf dem Rechtsboden Berechtigung hat, was jeder normale, mündig gewordene Mensch einfach dadurch, daß er mündig ist, aus sich herausspinnen und als Menschenrecht gegenüber allen anderen Menschen in Anspruch nehmen kann. Aus dem aber kann nicht herausgesponnen werden, was in die Verwaltung des Wirtschaftslebens, was in die Entwicklung des Geisteslebens einfließen muß. Daher, weil wir entbehrt haben die Freiheit des Geisteslebens, das Auf-sich-selbst-Gestelltsein des Geisteslebens, haben wir heute jene sonderbare Erscheinung, daß die Menschen nur dasjenige begreifen können, was sie sich schon seit langem gedacht haben.
[ 46 ] I believe that the majority of those who have already become familiar with the idea of the threefold organism still view what is meant by it far too much as something overly sophisticated, as something detached from practical life, as something where, once again, someone has been thinking and it occurred to him: “The unified organism didn’t work out, so let’s split it into three.” — That is not what this is about; rather, it is the recognition of real life, of real life’s necessities—that is what, as a consequence, gives rise to the threefold social organism. Today one so often hears people say: “Well, we don’t really understand what he actually wants.” — People don’t understand what is actually intended. Today, so many people respond to such an impulse by saying: “We don’t understand that.” — Where does that come from? You see, it stems once again from something that the threefold social organism is meant to change—and indeed improve. What people lack today, when they are asked to judge something, is above all the connection to life. When one speaks today from a theory, from something that can be explained by a few general principles—which are ultimately comprehensible to any normal person once they have reached maturity—then people understand it. But when one speaks today of something that cannot be grasped in this way—something that requires a true connection to life, where one must appeal to life experience—then people come and say they don’t understand it. Where does this actually come from? It stems from the unitary state we’ve had for four centuries; through this unitary state, people have been thrust into a life where they find themselves within a specific sphere of existence and have acquired a certain routine within it. They call this routine their “practice.” They know what they’ve gained through this routine. Moreover, they are educated by the state from the very first grade onward. What plays a role in their education is not what will play a role in future education—real life—but rather regulations, laws, and so on. The abstract nature of regulations and laws flows into human thinking [from the very first grade], so that people today possess only the routine of some particular field, which they handle entirely mechanically. Anyone who disagrees with them on this basis—drawing on a broader life experience—is labeled a fool or an impractical person. And on top of that, they have a head full of abstractions, because they have been educated solely on the basis of regulations, laws, educational objectives, and so on—which are not drawn from life but merely from some abstract way of thinking that is justified solely on legal grounds, but on no other basis in life. It is justified in the realm of law for the reason that, in that realm, what every normal, mature person can simply derive from within themselves—by virtue of their maturity—and claim as a human right vis-à-vis all other people is legitimate. However, what must flow into the administration of economic life and the development of spiritual life cannot be derived from this. Therefore, because we have lacked the freedom of spiritual life—the self-sufficiency of spiritual life—we have today that strange phenomenon whereby people can comprehend only what they have long since conceived in their minds.
[ 47 ] Ich habe neulich in einer Nachbarstadt über dieselben Fragen gesprochen, über die ich jetzt auch hier spreche. Nachher hat sich zur Diskussion jemand gemeldet, welcher etwas vorgebracht hat, aus dem man ersehen konnte, daß er einfach von meinen Ausführungen nur dasjenige aufgenommen und sogar gehört hat, woran er schon seit Jahrzehnten gewohnt war, sogar bis auf die Satzbildung. Was aber nicht in seinem Hirnkästchen schon drinnen war seit Jahrzehnten, das hat der Mensch nicht einmal gehört, das ging so fremd an ihm vorbei, daß er es nicht einmal gehört hat, daß er es in der Diskussion überhaupt abgeleugnet hat. Das kommt daher, weil so etwas wie der Impuls zum dreigegliederten sozialen Organismus appellieren muß nicht an das, was uns anerzogen ist durch abstrakte Verordnungen, Gesetze, Lehrziele, Lehrgänge und so weiter, sondern appellieren muß an das, was der Mensch aus dem Leben selber heraus versteht. Deshalb hat sich heute eine solche Kluft aufgerichtet, wenn man nicht aus utopistischem und ideologischem Denken heraus redet, sondern eben gerade aus dem Leben heraus redet. Je praktischer man heute redet, desto unpraktischer nennen einen die Menschen, weil die Menschen eine wirkliche Lebenspraxis nicht haben, sondern lediglich Lebensroutine und Abstraktionen im Kopfe haben. Das ist es auch, was zu der Furcht führt, daß es in der Zukunft im dreigegliederten sozialen Organismus irgendwie zu einer Tyrannei von der einen oder andern Seite kommen könne. Die kann ja gar nicht kommen, weil eine solche Tyrannei, wie ich ausgeführt habe, sich gar nicht einmal geltend machen kann. Man würde, wenn man noch so viel Gesetze gäbe in dem Rechtsparlament, damit gar nichts treffen im Wirtschaftsleben, weil selbst das, was für die Interessen des Wirtschaftslebens gefährlich wäre, auf das Wirtschaftsleben nicht wirken könnte, da es sich selbständig verwaltet.
[ 47 ] I recently spoke in a neighboring town about the same issues I am discussing here today. Later, someone joined the discussion and made a point from which it was clear that he had simply taken in—and even heard—only those parts of my remarks that he had been accustomed to for decades, right down to the sentence structure. But whatever hadn’t been in his little box of a mind for decades—he didn’t even hear it; it passed him by so completely that he didn’t even register it, and he flat-out denied it in the discussion. This is because something like the impulse toward a threefold social organism must not appeal to what we have been taught through abstract regulations, laws, educational goals, courses, and so on, but must appeal to what a person understands from life itself. That is why such a gulf has opened up today—when one speaks not from utopian and ideological thinking, but precisely from life itself. The more practically one speaks today, the more impractical people call you, because people lack a genuine practice of life; instead, they have only life routines and abstractions in their heads. This is also what leads to the fear that, in the future, the threefold social organism might somehow give rise to tyranny from one side or the other. But that cannot happen at all, because, as I have explained, such a tyranny cannot even assert itself. No matter how many laws were passed in the legislative assembly, they would have no effect whatsoever on economic life, because even measures that would be dangerous to the interests of economic life could not affect it, since it governs itself independently.
[ 48 ] Eine weitere Frage:
[ 48 ] Another question:
Wie werden andererseits die Anforderungen der Sozialpolitik, zum Beispiel Unterstützung der Kriegsinvaliden, Waisen, Schwachen und so weiter geregelt? Insbesondere in welchem Maßstabe? Wie werden die Ergebnisse der Wirtschaft verwendet? Kann nicht durch eine entsprechende Konstellation der Regierung die Sozialpolitik von Dr. Steiner illusorisch gemacht werden? Wenn auch die Hauptauswüchse des Kapitalismus, die Rentenwirtschaft, beseitigt wären, kann nicht die Verteilung der Lasten nach wie vor eine einseitige sein?
On the other hand, how are the requirements of social policy—such as support for war invalids, orphans, the vulnerable, and so on—addressed? Specifically, on what scale? How are the fruits of the economy utilized? Couldn’t Dr. Steiner’s social policy be rendered illusory by a certain configuration of the government? Even if the main excesses of capitalism—the rent-seeking economy—were eliminated, couldn’t the distribution of burdens still be one-sided?
[ 49 ] Der letzte Teil der Frage ist ja schon mit dem beantwortet, was ich eben gesagt habe. Daß aber ein wirklich auf sich selbst gestelltes Wirtschaftsleben erst recht sorgen kann für Witwen und Waisen und so weiter, das habe ich in meinem Buche «Die Kernpunkte der Sozialen Frage» des breiteren ausgeführt. Ich habe es sogar vorhin schon angedeutet, daß eingerechnet werden muß in die wirtschaftliche Urzelle dasjenige, was ein jeder als Quote beizusteuern hat zu dem, was Witwen und Waisen, überhaupt sonstige nicht arbeitsfähige Menschen - wie in meinem Buche ausgeführt ist, auch für die Kinder, für die ich das Erziehungsrecht in Anspruch nehme -, zu bekommen haben. Der Maßstab dafür wird sich ergeben einfach aus der Lebenshaltung der übrigen Personen. Da man mit der wirtschaftlichen Urzelle einen Maßstab hat für die Lebenshaltung einer Person nach dem bestehenden wirtschaftlichen Gesamtwohlstande, so ist damit zu gleicher Zeit auch die Möglichkeit gegeben, einen Maßstab zu schaffen für das Leben derjenigen, die wirklich nicht arbeiten können.
[ 49 ] The last part of the question has already been answered by what I just said. However, I have explained in greater detail in my book *The Key Points of the Social Question* that an economic system that is truly self-reliant is all the more capable of providing for widows, orphans, and so on. I even hinted at this earlier: the economic unit must include the contribution that each person is required to make toward what widows, orphans, and all other people unable to work—as explained in my book, including children for whom I claim the right to education—are entitled to receive. The standard for this will simply result from the standard of living of the rest of the population. Since the economic unit provides a standard for a person’s standard of living based on the existing overall economic prosperity, it simultaneously offers the possibility of establishing a standard for the lives of those who are truly unable to work.
[ 50 ] Die nächste Frage:
[ 50 ] The next question:
Könnten also die Gefahren der sogenannten Bourgeois-Regierung nicht nach wie vor bestehen bleiben? Werden diese nicht noch bestärkt, daß je nach Zusammensetzung der führenden politischen Richtung die Verteilung der Ämter so vor sich gehen kann, daß trotz aller guten Worte die Führung und die Besetzung der Fabriken, Genossenschaften und so weiter auf dem sogenannten «Vetterles»-Weg geschieht? Wer verbürgt bei einer rückständigen regierenden Gesellschaft, das heißt im Parlament, die Entfernung des Unfähigen, Faulen aus einer leitenden oder selbständigen Stellung? Kann nicht eine Cliquenwirtschaft die Vorzüge des Steinerschen Systems in kurzem vernichten?
Could it not be, then, that the dangers of the so-called bourgeois government still persist? Are these dangers not further reinforced by the fact that, depending on the composition of the ruling political faction, the distribution of offices can proceed in such a way that—despite all the fine words—the leadership and staffing of factories, cooperatives, and so on are carried out through so-called “nepotism”? In a backward governing body—that is, in Parliament—who can guarantee that the incompetent and the lazy will be removed from leadership or independent positions? Couldn’t a clique-based system quickly destroy the advantages of Steiner’s system?
[ 51 ] Im Grunde genommen geht auch die Beantwortung dieser Frage aus demjenigen hervor, was ich schon gesagt habe. Denn, sehr verehrte Anwesende, es handelt sich wirklich nicht darum, irgendeinen Idealzustand auszudenken, in dem es nun gar nicht mehr vorkommen kann, daß der eine oder andere etwas ausfrißt, sondern es handelt sich darum, den irgendeiner konkreten menschlichen Gesellschaft angepaßten bestmöglichen Zustand herauszufinden. Dasjenige, was etwa hier der «Vetterles»-Weg und dergleichen genannt wird, das würde, wenn Sie nur die Dinge ganz wirklich überdenken - aber praktisch, der Wirklichkeit gemäß überdenken -, ganz unmöglich. Denn, denken Sie nur daran, daß in diesem dreigliedrigen sozialen Organismus die Zirkulation der Produktionsmittel in weitestem Umfange stattfindet, daß ferner die Zusammenarbeit der Handarbeiter mit den Geistesarbeitern auf einem völlig freien Vertrag über die Leistungen beruht, daß also bei irgendeiner Vetternwirtschaft die ganze Arbeiterschaft, die geistige und physische Arbeiterschaft eines Betriebes einverstanden sein müßte mit dieser Vetternwirtschaft. Da sind also viel größere Garantien geschaffen als irgendwo anders. Wenn man überdenkt, was zum Beispiel bei einem tyrannisch zum Staatswesen gewordenen großen wirtschaftlichen Genossenschaftswesen alles an Korruption, an Spitzeltum entstehen kann, dann möchte ich wissen, wie sich das vergleichen läßt mit demjenigen, was im dreigegliederten Organismus durch einen Fehler der Menschennatur im einzelnen gewiß da und dort entstehen kann, sich selbstverständlich aber bald wieder korrigieren wird. Die größte Gewähr, daß Schäden, die nun einmal in der menschlichen Natur liegen, nicht zu stark um sich greifen, die wird gerade durch jene Lebendigkeit geboten, welche im dreigegliederten sozialen Organismus stattfindet, weil ja die drei Glieder des sozialen Organismus selber sich wiederum kontrollieren. Ein Einheitsorganismus, wenn er noch dazu auf das bloß materielle Wirtschaftsleben gebaut ist, der trägt gerade die Gefahren in sich, die mit dieser Frage charakterisiert sind; und weil man diese Gefahren voraussehen kann, ist - wiederum aus einer praktischen Notwendigkeit heraus — die Frage entstanden: Wie entfernt man aus einem Einheitswirtschaftskörper die Möglichkeit, daß diese Schäden entstehen? Dadurch, daß man das Rechtsleben herausnimmt, also die Korrektur schafft für dasjenige, was als Unrecht entstehen kann. Wodurch entfernt man die Schäden des wirtschaftlichen Produktionswesens auf geistigem Gebiete? Dadurch, daß das geistige Gebiet sich selbst verwaltet; es muß auf dem Vertrauen zu den Mitmenschen beruhen, und der Untüchtige muß sich vom geistigen Leben verabschieden und Handarbeiter oder dergleichen werden. Das alles ergibt sich gerade aus der Dreigliederung des sozialen Organismus, weil diese Dreigliederung zu gleicher Zeit die Möglichkeit der Korrektur für Schäden gibt, die auf dem einen oder anderen Gebiete entstehen.
[ 51 ] Essentially, the answer to this question follows from what I have already said. For, ladies and gentlemen, it is really not a matter of imagining some ideal state in which it would be completely impossible for one person or another to mess things up, but rather a matter of determining the best possible state suited to a specific human society. What is referred to here as the “Vetterles” approach and the like would, if you were to really think things through—but think them through practically, in accordance with reality—be completely impossible. For, just consider that in this threefold social organism, the circulation of the means of production takes place to the greatest possible extent; furthermore, the cooperation between manual workers and intellectual workers is based on a completely free contract regarding their contributions; thus, in the case of any form of nepotism, the entire workforce—both the intellectual and manual workers of a given enterprise—would have to consent to this nepotism. Thus, far greater safeguards are in place here than anywhere else. When one considers, for example, all the corruption and informant activity that can arise in a large economic cooperative system that has become a tyrannical state apparatus, then I would like to know how that compares to what may certainly arise here and there in the threefold social organism due to a flaw in human nature, but which will, of course, soon correct itself. The greatest assurance that the flaws inherent in human nature will not spread too widely is provided precisely by the vitality that exists within the threefold social organism, because the three parts of the social organism keep each other in check. A unified organism—especially one based solely on material economic life—carries within it precisely the dangers characterized by this issue; and because these dangers can be foreseen, the question has arisen—again out of practical necessity—as to how one can eliminate from a unified economic body the possibility that such harms will arise. By removing the legal sphere—that is, by creating a mechanism to correct whatever may arise as injustice. How does one eliminate the harms of the economic production system in the spiritual sphere? By allowing the spiritual sphere to govern itself; this must be based on trust in one’s fellow human beings, and those who are unfit must withdraw from spiritual life and become manual laborers or the like. All of this arises precisely from the threefold structure of the social organism, because this threefold structure simultaneously provides the possibility of correcting harms that arise in one sphere or another.
[ 52 ] Hier ist noch eine Frage gestellt:
[ 52 ] Here's another question:
Wie denken Sie sich die Selbstverwaltung des geistigen Gebiets und von welchen Organisationen wird sie getragen werden?
How do you envision the self-governance of the intellectual sphere, and which organizations will support it?
[ 53 ] Nun, sehen Sie, sehr verehrte Anwesende, im einzelnen diese komplizierte Selbstverwaltung des geistigen Gebietes Ihnen jetzt zu charakterisieren, das würde lange, lange Zeit in Anspruch nehmen. Ich kann nur andeuten, daß es sich darum handeln wird, daß innerhalb der Selbstverwaltung des geistigen Gebietes als Verwaltende nur stehen werden diejenigen Menschen, die auch in diesem geistigen Gebiete selbst tätig sind. Zum Beispiel auf dem Gebiete des Schulwesens wird also nichts anderes in die Selbstverwaltung einfließen als dasjenige, was der Pädagoge über den Pädagogen sachgemäß als Einfluß ausüben muß. Auch die Auswahl der Persönlichkeiten für bestimmte Stellen wird nicht auf Examen, Verordnungen und dergleichen, sondern auf die wirklich pädagogische Erkenntnis der Fähigkeiten und so weiter gebaut sein, so daß es von nichts anderem abhängen wird, an welcher Stelle ich im geistigen Organismus stehe, als - sagen wir auf dem speziellen Gebiet der Schule - von pädagogischen Gesichtspunkten allein, also von inneren Gesichtspunkten. Niemals wird irgendeine andere Körperschaft, die Wirtschafts- oder Staatskörperschaft, nach ihren Bedürfnissen die Schulen einrichten können. Die Schulen werden lediglich eingerichtet nach den menschlichen Bedürfnissen bis zum 15. Jahre und vom 15. Jahre ab nach den Bedürfnissen des sozialen Organismus, nach den Bedürfnissen des Lebens dieses sozialen Organismus. Dazu gehört aber, daß in der Tat dasjenige, was Verwaltung ist, genau von denselben Gesichtspunkten abhängt wie in den Unterrichtsanstalten der Unterricht selber. Es darf nicht in der Zukunft der Mensch von einem Staate an eine Stelle gestellt werden und dann auch den Verordnungen des Staates zu folgen haben, sondern alles dasjenige, was im geistigen Leben sich betätigt, ist nur in eine Verwaltung gestellt, die aus dem Gesichtspunkte dieses geistigen Lebens selbst heraus entstanden ist.
[ 53 ] Well, you see, distinguished guests, to describe in detail this complex system of self-governance in the spiritual realm would take a very, very long time. I can only hint that it will involve the fact that, within the self-administration of the spiritual realm, the only people serving in administrative roles will be those who are themselves active in that spiritual realm. For example, in the field of education, nothing other than the appropriate influence that an educator must exert over fellow educators will be incorporated into the self-administration. Likewise, the selection of individuals for specific positions will not be based on exams, regulations, or the like, but on a genuine pedagogical understanding of abilities and so on, so that my position within the spiritual organism will depend on nothing other than—let us say, in the specific field of schooling—pedagogical considerations alone, that is, inner considerations. No other body—whether economic or governmental—will ever be able to organize schools according to its own needs. Schools will be organized solely according to human needs up to the age of 15, and from the age of 15 onward according to the needs of the social organism, according to the needs of the life of this social organism. This, however, implies that administration itself must in fact depend on exactly the same considerations as the instruction itself in educational institutions. In the future, a person must not be assigned a position by the state and then be required to follow the state’s regulations; rather, everything that takes place in spiritual life must be placed under an administration that has arisen from the perspective of that spiritual life itself.
[ 54 ] Dann liegt die Frage vor:
[ 54 ] This raises the question:
Ist vom Bund für Dreigliederung bereits die Gründung eines Kulturrates für das geistige Gebiet in Aussicht genommen? Wenn nicht, dann sollte von der Versammlung die Initiative dazu ergriffen werden.
Has the Federal Association for the Threefold Social Order already considered establishing a cultural council for the spiritual sphere? If not, then the assembly should take the initiative to do so.
[ 55 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, es nützt heute nichts, wenn man nicht auf dem Gebiete der großen Aufgaben, die uns die Gegenwart auferlegt, ganz unbedingt offen und ehrlich redet. Das Wirtschaftsleben hat Formen angenommen, durch die das Proletariat zu einer energischen Vertretung seiner wirtschaftlichen Interessen gebracht worden ist. Es ist ja durch die mannigfachsten Umstände durchaus bekannt, daß heute das Proletariat sehr krankt an dem Umstande, daß es mehr oder weniger ein theoretisches Ziel, aber keine Praxis hat. Dennoch, was da lebt im Proletariat, das ist ein bestimmtes Wollen, das ist auch das Ergebnis einer ganz bestimmten politischen Schulung, die durch Jahrzehnte hindurchgegangen ist. Aus diesem Wollen wird sich heute so etwas formen lassen wie zum Beispiel ein Betriebsrat oder eine Betriebsräteschaft aus geistigen und physischen Arbeitern zusammen. Das wird nicht leicht sein, namentlich da es, wenn es nicht schnell geschieht, zu spät werden könnte.
[ 55 ] Well, ladies and gentlemen, there is no point today in not speaking quite openly and honestly about the major challenges that the present imposes upon us. Economic life has taken on forms that have led the proletariat to vigorously advocate for its economic interests. It is, after all, well known from a wide variety of circumstances that the proletariat today suffers greatly from the fact that it has, more or less, a theoretical goal but no practical action. Nevertheless, what lives within the proletariat is a definite will—the result of a very specific political education that has spanned decades. From this will, something like a works council or a council of works councils, composed of both intellectual and manual workers, can take shape today. This will not be easy, especially since, if it does not happen quickly, it could be too late.
[ 56 ] Aber, ich möchte sagen, es ist heute eine mit immer noch weniger furchtbaren Hindernissen kämpfende Arbeit als die Schaffung eines Kulturrats, denn da tritt einem das mannigfachste [an Hindernissen] entgegen. Zum Beispiel gibt es heute Parteiführer, die glauben, sozialistisch, ganz sozialistisch zu denken, gar nicht mehr im Sinne der alten Geisteskultur der bevorzugten Klassen zu denken, und dennoch haben sie nichts anderes als diese Geisteskultur übernommen. Es lebt in ihren Köpfen nichts anderes als die letzte Konsequenz dieser Geisteskultur. Diese Geisteskultur der leitenden, führenden Kreise, sie kann dadurch charakterisiert werden, daß sie innerhalb der letzten vier Jahrhunderte immer mehr und mehr eingemündet ist in ein solches Verhältnis vom geistigen Leben zum Wirtschaftsleben, daß das geistige Leben eigentlich nurmehr eine Folge des Wirtschaftslebens, eine Art Überbau über das Wirtschaftsleben ist. Aus dieser Erfahrung der letzten drei bis vier Jahrhunderte hat sich nun das Proletariat respektive die proletarische Theorie die Anschauung gebildet, daß das Geistesleben überhaupt nur etwas sein darf, was aus dem Wirtschaftsleben hervorgeht. In dem Augenblick, wo man das praktisch machen würde, daß das Geistesleben nur aus dem Wirtschaftsleben hervorgehen dürfe, in dem Augenblicke legt man den Grundstein zu einer völligen Vernichtung des Geisteslebens, zu einer völligen Vernichtung der Kultur. Das Bürgertum kann heute nicht verlangen, daß das Proletariat auf einem andern Standpunkte steht, als alles Heil vom Wirtschaftsleben zu erwarten - aus dem Grunde, weil das Bürgertum selbst alles zu dem Standpunkte gebracht hat, daß schließlich alles Geistige irgendwie vom Wirtschaftlichen abhängig ist.
[ 56 ] But I would like to say that this task today involves fewer daunting obstacles than the creation of a Cultural Council, because there one faces the most diverse range of [obstacles]. For example, there are party leaders today who believe they are thinking in a socialist, thoroughly socialist way—that they no longer think in terms of the old intellectual culture of the privileged classes—and yet they have adopted nothing other than this very intellectual culture. Nothing lives in their minds but the ultimate consequence of this intellectual culture. This intellectual culture of the ruling, leading circles can be characterized by the fact that, over the last four centuries, it has increasingly converged into such a relationship between intellectual life and economic life that intellectual life is, in fact, now nothing more than a consequence of economic life—a kind of superstructure built upon economic life. From this experience of the last three to four centuries, the proletariat—or rather, proletarian theory—has now formed the view that intellectual life, in general, must be nothing other than something that arises from economic life. The moment one were to put this into practice—that intellectual life may arise only from economic life—at that very moment one lays the foundation for the complete destruction of intellectual life, for the complete destruction of culture. The bourgeoisie cannot today demand that the proletariat adopt a different standpoint than that of expecting all salvation from economic life—for the reason that the bourgeoisie itself has brought everything to the point where, ultimately, everything intellectual is in some way dependent on the economic.
[ 57 ] Der Gang der Entwicklung war ein solcher, daß zunächst diejenigen Schäden durch die geschichtliche Entwicklung überwunden wurden, die sich für den Menschen innerhalb der menschlichen Gesellschaft ergeben haben aus der aristokratischen Ordnung heraus. Aus dieser aristokratischen Ordnung heraus haben sich ergeben Rechtsschäden; das Bürgertum kämpfte um Rechte gegenüber demjenigen, was früher aristokratische Ordnung war. Dann hat sich in der geschichtlichen Entwicklung als weiteres ergeben der Gegensatz zwischen Bürgertum und Proletariat, das heißt zwischen Besitzenden und Besitzlosen. Der große Kampf zwischen Bürgertum und Proletariat geht dahin, die Arbeitskraft nicht mehr eine Ware sein zu lassen. So wie die Dinge heute liegen, handelt es sich darum, daß das Proletariat energisch verlangt — und das ist nicht allein eine proletarische Forderung, sondern eine geschichtliche —, daß in der Zukunft die physische Arbeitskraft nicht mehr Ware sein dürfe. Das Bürgertum hat den Liberalismus verlangt, weil es die alten aristokratischen Vorrechte nicht mehr wollte, weil es das Recht nicht mehr zu einer Eroberungs- und Kaufsache machen wollte. Das Proletariat verlangt die Emanzipation der Arbeitskraft vom Warencharakter. Wollen wir nicht etwas übriglassen, was ganz Mittel- und Osteuropa in den Zustand der Barbarei bringen würde, so müssen wir heute noch ein weiteres einsehen. Würde sich heute nicht die Forderung aus dem Proletariat heraus ergeben, mit den geistigen Arbeitern verständnisvoll zusammenzuarbeiten, dann würde das Proletariat zwar die physische Arbeit des Warencharakters entkleiden, aber die Folge davon wäre, daß in der Zukunft eintreten würde ein Zustand, durch den alle geistige Menschenkraft zur Ware wird. Dieser Zustand darf nicht erreicht werden, darf nicht herbeigeführt werden. Es muß der Ernst der Aufgabe so erfaßt werden, daß mit der physischen Arbeit zu gleicher Zeit auch der geistigen, wirklich geistigen Arbeit ihr Recht werde. Die alte Aristokratie hat herbeigeführt die Rechtlosigkeit des Menschen, das alte Bürgertum hat herbeigeführt die Besitzlosigkeit des Proletariats. Wenn die bloß materialistisch-wirtschaftliche Auffassung der proletarischen Frage bliebe, so würde zurückbleiben die Entmenschtheit des Geisteslebens. Vor dieser Gefahr stehen wir, wenn nicht diejenigen, welche Herz und Sinn haben für das Getstesleben, sich auf den Boden stellen, dieses Geistesleben selbst zu befreien. Und dieses Geistesleben kann nur befreit werden, wenn wir von [der Abhängigkeit des] Geisteslebens, das ich ja in der verschiedensten Weise charakterisiert habe, Abschied nehmen und wirklich durch einen ernsthaften Kulturrat eine Neugliederung des Geisteslebens herbeiführen. Da muß aber heute ehrlich und offen gesprochen werden: Das Interesse, das ist auf diesem Boden leider noch viel zu wenig da. Einzusehen, daß eine brennende Frage hier vorliegt, das ist die allernächste, die brennendste Aufgabe. Ein Kulturrat muß entstehen.
[ 57 ] The course of development was such that, initially, the injustices that had arisen for people within human society as a result of the aristocratic order were overcome through historical development. This aristocratic order gave rise to legal injustices; the bourgeoisie fought for rights against what had formerly been the aristocratic order. Then, as historical development progressed, the conflict between the bourgeoisie and the proletariat—that is, between the property-owning class and the propertyless—emerged. The great struggle between the bourgeoisie and the proletariat is aimed at ensuring that labor power is no longer treated as a commodity. As things stand today, the issue is that the proletariat is vigorously demanding—and this is not merely a proletarian demand, but a historical one—that in the future, physical labor power should no longer be a commodity. The bourgeoisie demanded liberalism because it no longer wanted the old aristocratic privileges, because it no longer wanted to make the law a matter of conquest and purchase. The proletariat demands the emancipation of labor power from its commodity character. If we do not want to leave behind something that would plunge all of Central and Eastern Europe into a state of barbarism, we must recognize one more thing today. If the demand did not arise today from within the proletariat to cooperate sympathetically with intellectual workers, then the proletariat would indeed strip physical labor of its commodity character, but the consequence would be that a state would arise in the future in which all intellectual human labor would become a commodity. This state must not be reached; it must not be brought about. The gravity of the task must be grasped in such a way that, alongside physical labor, intellectual—truly intellectual—labor is also granted its due. The old aristocracy brought about the deprivation of human rights; the old bourgeoisie brought about the proletariat’s lack of property. If the purely materialistic-economic view of the proletarian question were to prevail, the dehumanization of spiritual life would remain. We face this danger unless those who have a heart and mind for spiritual life take a stand to liberate this spiritual life itself. And this spiritual life can only be liberated if we bid farewell to [the dependence of] spiritual life—which I have, after all, characterized in a wide variety of ways—and truly bring about a reorganization of spiritual life through a serious Cultural Council. But we must speak honestly and openly today: Unfortunately, there is still far too little interest in this area. Recognizing that a burning issue lies before us here is the most immediate, the most urgent task. A Cultural Council must be established.
[ 58 ] Bei den Versuchen, die wir gemacht haben, unter anderem gestern in einer Sitzung, hat sich nicht gerade sehr Verheißungsvolles ergeben, weil den Menschen noch nicht vor Augen steht, was heute auf dem Spiele steht, wenn wir nicht dazu kommen, die geistige Arbeit auf ihre eigenen Füße zu stellen und sie nicht eine Sklavin des Wirtschafts- oder Staatslebens sein lassen. Es ist daher eine dringende Notwendigkeit, daß in der allernächsten Zeit Herz und Sinn erregt werde gerade für einen Kulturrat. Das Unpolitische unserer mitteleuropäischen Menschen, das sich ja leider in so gräßlicher Weise in den letzten vier bis fünf Jahren gezeigt hat, das ist dasjenige, was zu Selbsterkenntnis gerade auf dem geistigen Gebiete führen müßte. Das ist dasjenige, was den Menschen das geistige, das Seelenauge dafür auftun sollte, wie unser Geistesleben bisher nur ein Geistesleben einer kleinen Clique war, darauf berechnet, daß es sich auf dem Boden breiter Massen entwickelte, die nicht teilnehmen konnten an diesem Geistesleben, und daß heute geschaffen werden muß ein Geistesleben, in dem jeder Mensch nicht nur physisch, sondern auch geistig und seelisch ein menschenwürdiges Dasein findet. Sehr verehrte Anwesende, wenn man gerade in den Jahren, die sich als die Jahrzehnte zur Vorbereitung der gegenwärtigen Weltkatastrophe erwiesen haben, in die Schäden dieses Geisteslebens hineinschaute, da konnte man wahrhaftig von Kultursorgen ergriffen werden.
[ 58 ] The attempts we have made—including during a meeting yesterday—have not yielded particularly promising results, because people have not yet fully grasped what is at stake today if we fail to put intellectual work on a self-sustaining footing and allow it to become a slave to economic or political life. It is therefore an urgent necessity that, in the very near future, hearts and minds be stirred precisely for the establishment of a Cultural Council. The apolitical nature of our Central European people—which, unfortunately, has manifested itself in such a dreadful way over the last four to five years—is precisely what should lead to self-awareness, especially in the spiritual realm. This is precisely what should open people’s spiritual eyes—the eyes of the soul—to the fact that our spiritual life has thus far been nothing more than the spiritual life of a small clique, designed to develop on the foundation of broad masses who could not participate in this spiritual life, and that today we must create a spiritual life in which every human being finds a dignified existence—not only physically, but also spiritually and soulfully. Ladies and gentlemen, when one looked at the damage caused by this spiritual life—especially during the years that have proven to be the decades leading up to the current global catastrophe—one could truly be overcome by concerns for our culture.
[ 59 ] Dann wurde gefragt:
[ 59 ] Then the question was asked:
Wie werden unsere Kinder am besten erzogen?
What's the best way to raise our children?
[ 60 ] In der Zeit, in der man sich soviel zugute darauf tat, daß man keiner Autorität huldigen will, wurden die Kinder eben doch so erzogen, daß der blindeste Autoritätsglaube an das Bestehende das Allermaßgebendste war, und den Zusammenhang dieses Bestehenden mit dem Leben, den konnte man überhaupt gar nicht mehr beurteilen. Man hatte nicht Herz und Sinn dafür, daß zum Beispiel dasjenige, was der Mensch in den letzten Jugendjahren seines Lebens in sich als Denkgewohnheiten aufnimmt, daß das seinen ganzen Menschen durchdringt, seinen ganzen Menschen ausmacht. Nehmen wir da, insofern wir gerade den geistig führenden Ständen angehören, wirklich Lebendiges für die Gegenwart auf?
[ 60 ] At a time when people prided themselves so much on their refusal to bow to any authority, children were nevertheless raised in such a way that the blindest faith in the existing order was considered the most decisive factor, and it was no longer possible at all to assess the connection between this existing order and life itself. People lacked the heart and mind to realize, for example, that what a person internalizes as habits of thought during the final years of their youth permeates their entire being and defines who they are. As members of the intellectually leading classes, are we truly absorbing what is truly alive for the present?
[ 61 ] Sehr verehrte Anwesende, es gilt heute offen und ehrlich und eindringlich über diese Frage zu sprechen. Ein großer Teil unserer führenden Leute der Gegenwart nimmt im Gymnasium auf die Gedankenformen der Griechen und Römer, sie nimmt auf, wie die Griechen und Römer über das Leben gedacht haben, wie die Griechen und Römer sich das Leben eingeteilt haben. Da war nur derjenige würdig, ein freier Mensch zu sein, welcher Wissenschaft, Kunst, Politik oder die Leitung der Landwirtschaft trieb. Die übrigen Menschen waren dazu verurteilt, nicht-freie Menschen zu sein, Heloten oder Sklaven. Wie die Menschen leben, das geht hinein bis in das Gefüge der Sprache, die wir uns aneignen in der Jugend, bis in den Satzbau, nicht allein bis in die Form des Wortes. In den Gymnasien nehmen die Angehörigen der leitenden, führenden Kreise dasjenige auf, was für das Leben der Griechen und Römer lebensfähig war, und nichts von dem, was für unser gegenwärtiges Leben lebensfähig ist. Wer heute das sagt - und es muß gesagt werden, weil nur die radikalste Offenheit zum wirklichen Heil führen kann -, der gilt selbstverständlich einer großen Anzahl von Menschen heute noch als ein Narr; aber dasjenige, was heute noch als närrisch gilt, das gehört zu dem, was wir brauchen zu einer Gesundung des sozialen Organismus. Wir brauchen Menschen, die so denken, wie das gegenwärtige Leben ist, nicht wie das griechische und römische war. Hier beginnt die soziale Frage im geistigen Leben sehr stark.
[ 61 ] Ladies and gentlemen, today we must speak openly, honestly, and forcefully about this issue. A large portion of our current leaders draws upon the ways of thinking of the Greeks and Romans in high school; they absorb how the Greeks and Romans thought about life and how the Greeks and Romans organized their lives. Only those who pursued science, art, politics, or the management of agriculture were deemed worthy of being free people. The rest of humanity was condemned to be unfree—helots or slaves. The way people live permeates the very fabric of the language we acquire in our youth, extending even to sentence structure, not merely to the form of the word. In high schools, members of the ruling and leading circles adopt what was viable for the lives of the Greeks and Romans, and nothing of what is viable for our present-day lives. Anyone who says this today—and it must be said, because only the most radical openness can lead to true healing—is, of course, still regarded by a large number of people today as a fool; but what is still considered foolish today is precisely what we need for the healing of the social organism. We need people who think in terms of what life is like today, not what it was like in Greek and Roman times. This is where the social question in intellectual life begins in a very significant way.
Zwischenruf: Sehr richtig!
Interjection: That's right!
[ 62 ] Oh, dieses geistige Leben, das bedarf einer gründlichen Umwandlung, und es ist sehr schwer, auf diesem Gebiete heute schon bei den Menschen ein geneigtes Ohr zu finden. Ehe aber dieses geneigte Ohr nicht gefunden ist, eher gibt es kein Heil. Es gibt keine einseitige Lösung der sozialen Frage, sondern allein eine dreigliedrige. Es gehört dazu, daß man sich auf den Boden eines Geisteslebens stellt, welches wirklich aus dem Leben entsteht. Dazu gehört der gute Wille, nicht der unbewußt böse Wille der Zöpfe. Deshalb ist es dringend notwendig, daß gerade auf diesem Gebiete das entsteht, was man einen Kulturrat nennen kann. Ich kann nur sagen, ein Kulturrat erscheint mir als eine Forderung allerersten Ranges, denn der muß eine Tätigkeit entwickeln, die uns davor rettet, daß geistige Arbeit im äußeren Leben Warencharakter bekommt.
[ 62 ] Oh, this spiritual life—it requires a thorough transformation, and it is very difficult to find a receptive ear among people in this area today. But until such a receptive ear is found, there can be no salvation. There is no one-sided solution to the social question, but only a threefold one. This requires standing on the foundation of a spiritual life that truly arises from life itself. It requires good will, not the unconsciously malicious will of the traditionalists. That is why it is urgently necessary that, precisely in this area, something emerge that can be called a Cultural Council. I can only say that a Cultural Council strikes me as a demand of the very highest order, for it must develop an activity that saves us from intellectual work in external life taking on the character of a commodity.
[ 63 ] Es ist, wie es scheint, diese Frage verwandt mit der anderen, die gestellt worden ist:
[ 63 ] It seems that this question is related to the other one that was asked:
Wenn zu erwarten ist, daß die Umwandlung der Wirtschaftslebens im Sinne der Herauslösung aus dem Einheitsstaate durch die Organisation der Betriebsräteschaft sich rasch vollziehen wird, wie könnte alsdann das Geistesleben rasch auf sich selbst gestellt werden und dessen Neuaufbau in Angriff genommen werden?
If we can expect the transformation of economic life—in the sense of its separation from the unitary state through the organization of the workers’ councils—to take place rapidly, how, then, could intellectual life be quickly made self-reliant, and how could its reconstruction be undertaken?
[ 64 ] Eben durch die Geneigtheit, einen Kulturrat zu bilden und innerhalb dieses Kulturrats die Erfordernisse zu erforschen, die für den Neuaufbau unseres Geisteslebens notwendig sind. Das ist dasjenige, was ich mit Bezug auf diese Fragen zu sagen habe.
[ 64 ] Precisely through the willingness to form a Cultural Council and, within that council, to explore the requirements necessary for the reconstruction of our spiritual life. That is what I have to say regarding these questions.
Lebhafter Beifall und Händeklatschen.
Dr. Carl Unger: Sehr verehrte Anwesende, es ist noch eine ganze Reihe von weiteren Fragen eingelaufen, die wir wohl - und ich hoffe auf ihr Einverständnis — zur Beantwortung auf einen späteren Abend verschieben werden.
Nun muß uns aber außerordentlich viel daran liegen, gerade die letzten Worte des verehrten Redners uns wirklich zu Herzen dringen zu lassen. Gerade jetzt in diesen Tagen geht wieder herum unter uns eine Aufforderung, die so recht den Mumiencharakter des abgewirtschafteten Geisteslebens an sich trägt: die Frage nach der Galvanisierung und Konservierung der humanistischen Gymnasien im alten Sinne. Wir haben gehört, nach welcher Richtung wir zu schauen haben, wenn wir auf die schlimmen Folgen des gegenwärtigen Lebens schauen, und wir haben gehört, wo wir anzugreifen haben bei dem Geistesleben. ‚Und gerade in diesen Tagen auch haben wir bemerkt, wie dem Impulse eines neuen geistigen, eines neuen künstlerischen Lebens die größte Philiserosicäs entgegengebracht worden ist. Sehr verehrte Anwesende, wir müssen aus den eben gehörten Worten starke Impulse in uns aufquellen lassen, die dahin wirken, Kräfte und starken, auch revolutionären Willen für das Geistesleben in uns auszulösen in der Richtung auf die Vorbereitung zur Gründung oder Bildung eines echten Kulturrats. Der kann sich aber nur gründen auf die Freiheit, auf die eigene Initiative der einzelnen Persönlichkeiten, die aus irgendeiner Lage des Geiisteslebens her bereit und imstande sind, zu einem wirklichen Neuaufbau des Geisteslebens beizutragen. Diese eigene Initiative auszulösen und dahin zu wirken, daß unter den Anwesenden geworben wird für diesen Gedanken und für die Dreigliederung des sozialen Organismus, das soll der Zweck meiner jetzigen Worte sein. Wir sind bereit, zunächst einmal Adressen entgegenzunehmen - und zwar am heutigen Abend noch - von Persönlichkeiten, die bereit sind, im Sinne des starken Appells, den unser verehrter Redner des Abends an uns gerichtet hat. Ich bitte, mir zu erlauben, mit dieser Aufforderung an Sie heranzutreten, und ich möchte Sie gerade bitten, in allerstärkster Weise die Impulse für den Neuaufbau des Geisteslebens in sich wirken zu lassen und auch in anderen Persönlichkeiten zur Geltung zu bringen.
Damit gestatten Sie mir, die heutige Versammlung zu schließen.
Lively applause and clapping.
Dr. Carl Unger: Distinguished guests, we have received quite a number of additional questions, which we will likely—and I hope with your consent—postpone until a later evening to answer.
Now, however, it must be of the utmost importance to us that we truly take the esteemed speaker’s final words to heart. Especially now, in these days, a call is once again circulating among us that so clearly bears the mummified character of a spiritual life that has been run into the ground: the question of revitalizing and preserving the humanistic high schools in the traditional sense. We have heard in which direction we must look when we consider the dire consequences of contemporary life, and we have heard where we must take action with regard to intellectual life. “And precisely in these days, too, we have observed how the greatest philistine resistance has been directed against the impulse toward a new intellectual and artistic life.” Ladies and gentlemen, we must allow the words we have just heard to give rise to powerful impulses within us—impulses that will unleash within us the strength and a strong, even revolutionary will for intellectual life, with a view toward preparing for the founding or formation of a genuine cultural council. But this can be founded only on freedom, on the individual initiative of those who, from whatever position within spiritual life, are ready and able to contribute to a genuine rebuilding of spiritual life. To spark this personal initiative and to work toward winning over those present to this idea and to the threefold structure of the social organism—that is to be the purpose of my remarks today. We are ready, for the time being, to receive contact information—as early as this very evening—from individuals who are willing to act in the spirit of the powerful appeal that our esteemed speaker this evening has addressed to us. Please allow me to address you with this request, and I would like to ask you specifically to let the impulses for the renewal of spiritual life take effect within yourselves in the strongest possible way and to bring them to bear in other individuals as well.
With that, please allow me to close today’s gathering.
