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The Rudolf Steiner Archive

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Anthroposophical Foundations
for a Renewed Christian-religious Work
GA 342

13 June 1921, Stuttgart

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Besprechung

Discussion

[ 1 ] Rudolf Steiner: Ich denke, es ist zunächst am besten, die verehrten Anwesenden sprechen sich ihrerseits aus über die Dinge, die wir heute begonnen haben zu verhandeln, und wir können dann auf diese Weise noch gegenseitig die Wünsche und Absichten kennenlernen. Sie haben gewiß das eine oder andere zu fragen aufgrund dessen, was ich vorgebracht habe.

[ 1 ] Rudolf Steiner: I think it would be best, to begin with, for the distinguished guests here to express their own views on the matters we have begun to discuss today; in this way, we can get to know each other’s wishes and intentions. You certainly have one or two questions based on what I have presented.

[ 2 ] Emil Bock: Die Teilnehmer haben mich heute nachmittag beauftragt, das Ergebnis zu berichten. Wir haben uns zunächst noch Gedanken gemacht über die verschiedenen Wege und haben uns schließlich darin gefunden, daß die Wege alle in Betracht kommen und dann uns klargemacht: Es handelt sich auf jeden Fall um die Sammlung der Personen und die Sammlung des Geldes und in welcher Richtung wir uns organisieren wollen und ob wir nur einen losen Zusammenschluß anstreben wollen. Wir haben verabredet, jeder solle die Initiative ergreifen, da wo es ihm ratsam erschiene und haben dann eine Stelle gewählt, an die Briefe regelmäßig, sobald Bedürfnis vorhanden ist, geschickt werden sollen, so daß wir uns in eine Rundbrieforganisation hineinbegeben wollen. Das, was wir religiös öffentlich tun können, kann nur in der Kirche geschehen. Was wir dann hinterher machen, müssen wir abwarten, bis wir die Leute haben. In der Frage des Beitrittes haben wir uns klarmachen können, daß ein Beitritt nur möglich sein kann, wenn einer derjenigen, die jetzt am Kurs teilnehmen, Bürge ist. Die Zentralstelle für diese Briefe wäre an Berliner zu übertragen, so daß von Berlin aus die Initiative zu allem möglichen gesammelt und gegeben werden muß. Die Sammlung der Menschen könnte sofort in Angriff genommen werden. Dann Vorbereitung einer administrativen Stelle: Da handelt es sich nur darum, wer da in Frage kommen soll. Wir wollen aber nun eben das Geld in der Form nicht sammeln, daß es etwa unter dem Namen unseres Zusammenschlusses geht, weil uns das auch wiederum in die Öffentlichkeit hineinbrächte. Es wurde der Gedanke erwogen, ob wir unsere zu schaffende Administrativstelle dem «Kommenden Tag» angliedern könnten, oder welche andere Möglichkeit sich bieten könnte.1Anmerkung des Herausgebers: Dem Stenographen waren nur wenige der Teilnehmer bekannt. Es fehlen deshalb in seinen Unterlagen zum Teil die Namen der einzelnen Gesprächsteilnchmer. Wo es also im folgenden heißt «Ein Teilnehmer», bedeutet dies, daß der Name der betreffenden Persönlichkeit vom Stenographen nicht festgehalten wurde.

[ 2 ] Emil Bock: This afternoon, the participants asked me to report on the outcome. We first considered the various approaches and ultimately agreed that all options are worth considering; we then clarified that the focus is definitely on gathering people and raising funds, as well as determining how we want to organize ourselves and whether we should aim for only a loose association. We agreed that everyone should take the initiative wherever they deemed it advisable, and then selected an address to which letters should be sent regularly, as soon as the need arises, so that we can establish a newsletter-based organization. Whatever we can do publicly in a religious context can only take place in the church. As for what we do afterward, we’ll have to wait until we have the people. Regarding the question of membership, we have made it clear that membership can only be possible if one of those currently participating in the course acts as a guarantor. The central office for these letters should be entrusted to someone in Berlin, so that the initiative for all possible activities must be gathered and directed from Berlin. The process of bringing people together could begin immediately. Next, the preparation of an administrative office: The only issue here is who should be considered for the role. However, we do not want to collect funds in a way that would be conducted under the name of our association, because that would, in turn, bring us into the public eye. The idea was considered as to whether we could affiliate the administrative office we are to establish with “Kommender Tag,” or what other possibilities might be available. 1Editor’s note: The stenographer was familiar with only a few of the participants. Consequently, the names of some of the individual participants are missing from his records. Where the text below refers to “a participant,” this means that the stenographer did not record the name of the person in question.

[ 3 ] Rudolf Steiner: Ja, also Sie meinten, es würde sich am besten ergeben ein Zusammenschluß loserer Art von denjenigen, die sich eventuell diesem Komitee angliedern wollen, eine Zentralstelle in Berlin für die Sammlung von Briefen, und die Geldsammlung in einer Form, daß das zunächst der «Kommende Tag» bewirkt. Die letztere Sache ist natürlich etwas, was wir auch noch greifbarer machen müßten. Nun, nicht wahr, der losere Zusammenschluß, der ist natürlich auch zu erörtern unter dem Gesichtspunkt, wie schnell sich die Anwesenden vorstellen, daß die Sache vor sich gehen soll. Sie sind ja doch wohl zumeist ältere Semester, die sehr bald in das Leben hinauskommen?

[ 3 ] Rudolf Steiner: Yes, so you meant that the best approach would be a loose association of those who might wish to join this committee, a central office in Berlin for collecting letters, and fundraising in a way that would initially be carried out by Kommende Tag. The latter matter is, of course, something we would also need to make more concrete. Well, isn’t it true that this looser association must also be discussed in terms of how quickly those present envision the matter proceeding? After all, most of you are probably of a certain age and will be leaving this life very soon, aren’t you?

[ 4 ] Ein Teilnehmer: Verschieden.

[ 4 ] A participant: Various.

[ 5 ] Rudolf Steiner: Natürlich verschieden. Aber außerdem liegen ja die Dinge heute so, daß es allerdings nötig ist, nicht Zeit zu verlieren, wenn so etwas gemacht wird. Es ist zweifellos, daß zum Beispiel auch von der Dreigliederungsbewegung viel mehr erreicht worden wäre, wenn nicht immerfort Zeit verloren worden wäre. Und so würde ich auch meinen, daß hier zu raten ist, möglichst zu versuchen, keine Zeit zu verlieren, aber natürlich kann es auch nicht übereilt werden. Haben Sie sich eine Vorstellung darüber gebildet, wie man unter Umständen vielleicht doch in dem Zeitpunkt, in dem Sie mit der Geldsammlung im großen beginnen wollen, an die Öffentlichkeit kommen kann mit der Sache? Sie wollen die Öffentlichkeit in einem gewissen Sinn vermeiden. Haben Sie dazu besondere Gründe? Wollen wir versuchen, einmal diese Frage zu erörtern.

[ 5 ] Rudolf Steiner: Of course, it’s different. But besides that, the situation today is such that it is indeed necessary not to waste time when undertaking something like this. There is no doubt that, for example, the Threefold Social Order movement would have achieved much more if time hadn’t been constantly wasted. And so I would also say that the advice here is to try as much as possible not to waste time, but of course it must not be rushed either. Have you formed any idea of how, under certain circumstances, you might still be able to go public with this matter at the very moment you intend to begin the large-scale fundraising campaign? You want to avoid the public eye to a certain extent. Do you have specific reasons for this? Let’s try to discuss this question.

[ 6 ] Ein Teilnehmer: Ich möchte dazu nur sagen, ich habe die Empfindung, nach dem, was ich bisher in den verschiedenen Städten erlebt habe, daß eigentlich wohl kein Grund vorliegt, die Öffentlichkeit zu vermeiden. Die Vorträge haben immer nur geisteswissenschaftlichen Charakter. Ich bin der Überzeugung, daß sich sofort mehr Menschen angliedern würden, wenn das nicht nur geisteswissenschaftliche Vorträge wären, sondern wenn es kultusgestaltend wäre.

[ 6 ] A participant: I’d just like to say that, based on what I’ve experienced so far in various cities, I have the impression that there’s actually no reason to avoid the public. The lectures are always purely spiritual in nature. I am convinced that more people would join immediately if these were not merely spiritual lectures, but if they were part of a cultural movement.

[ 7 ] Rudolf Steiner: Ich will namentlich gern hören, was Sie gegen die Öffentlichkeit haben. Die Gründe sind vielleicht sehr wichtig.

[ 7 ] Rudolf Steiner: I would particularly like to hear what you have against the public. The reasons may be very important.

[ 8 ] Ein Teilnehmer: Wir haben bedacht, daß es sich auf einen Kulturkampf hinausspitzen muß, und daß wir mit der Gründung von Gemeinden warten müssen, auch mit der Proklamierung der Idee überhaupt warten müssen. Sobald eine Bitte um Geld öffentlich auftritt, ist Anlaß genug, daß uns die größten Schwierigkeiten entgegengebracht werden. Das waren unsere Gründe, die uns veranlassen, auch mit der Gemeindegründung selbst zu warten; denn es handelt sich um dieselbe Sache.

[ 8 ] A participant: We have considered that this must inevitably escalate into a cultural struggle, and that we must wait to establish congregations—and indeed, wait to even proclaim the idea itself. As soon as a public appeal for funds is made, that is reason enough for us to face the greatest difficulties. These were our reasons for deciding to wait even with the establishment of congregations themselves; for it is all part of the same issue.

[ 9 ] Ein anderer Teilnehmer: Wir glauben, daß wir nicht auftreten können als Wirkende mit der Gemeindegründung...

[ 9 ] Another participant: We believe that we cannot act as agents in the process of church planting...

[ 10 ] Rudolf Steiner: Nun ja, warten mit der Gemeindegründung... Ein Teilnehmer: ... mit dem Auftreten in der Öffentlichkeit.

[ 10 ] Rudolf Steiner: Well, then, let’s wait before founding the community... A participant: ... before appearing in public.

[ 11 ] Rudolf Steiner: Aber was tun während des Wartens? Die Aufgabe ist zunächst diese, daß sich gewissermaßen zehnmal soviel Leute finden, als da sind. Das bezwecken Sie ja durch die Briefstelle. Ich glaube, daß es vielleicht, wenn man die Sache geschickt macht, gar nicht so schwierig ist, zehnmal soviel Leute zu bekommen. Insbesondere unter der theologischen Studentenschaft werden sich wahrscheinlich zehnmal soviel Leute finden. Sie selbst haben sich doch verhältnismäBig schnell zusammengefunden. Unter der theologischen Studentenschaft werden sich zweifellos rasch Leute finden. Es kommt alles darauf an, in welcher Gestalt man versucht, die Sache zu finanzieren. Das ist natürlich keine leichte Sache, denn es wird nur gelingen, wenn es verhältnismäßig recht schnell gemacht wird. Und der Gedanke ist natürlich ganz gut, zunächst einen loseren Zusammenschluß zu bilden und durch Korrespondenz alle diejenigen unter den Studierenden aufzusuchen, welche einer solchen Sache geneigt sind. Wieviele sind Sie jetzt?

[ 11 ] Rudolf Steiner: But what should we do while we wait? The task, to begin with, is to find, so to speak, ten times as many people as there are now. That is, after all, the purpose of the letter campaign. I believe that, if the matter is handled skillfully, it might not be all that difficult to get ten times as many people. Among theology students in particular, ten times as many people will likely come forward. You yourselves came together relatively quickly, after all. Among theology students, people will undoubtedly come forward quickly. It all depends on how you try to finance the project. Of course, this is no easy task, because it will only succeed if it is done relatively quickly. And the idea is, of course, quite good: to first form a loose association and, through correspondence, reach out to all those students who are inclined toward such a cause. How many of you are there now?

[ 12 ] Ein Teilnehmer: Achtzehn.

[ 12 ] A participant: Eighteen.

[ 13 ] Rudolf Steiner: Achtzehn Studenten, zehnmal soviel sind dann 180. Sobald man 180 bis 200 hat, dann allerdings würde es sich darum handeln, ans Werk zu gehen; und da fragt es sich, was geschehen könnte, um möglichst rasch handeln zu können. Da ist ja natürlich das Wirken durch einen vorbildlichen Kultus — so gut es an sich ist — nicht dazu angetan, rasch zu wirken. Da fragt es sich doch, ob man nicht vorbereiten muß in der Zeit, in der die Sammlung durch Korrespondenz stattfindet, eine sachgemäße ruhige aber sehr klare Darstellung der Hauptsachen, die man drucken ließe, die ja nicht veröffentlicht zu werden braucht, die aber benützt werden müßte, um Geld zu sammeln, die von denjenigen Persönlichkeiten, die sich um die Geldsammlung bemühen, den Leuten vorgelegt würde, von denen man glaubt, daß sie für so etwas Geld haben. Wie das getan werden könnte vom «Kommenden Tag», das ist natürlich etwas schwer vorzustellen. Der «Kommende Tag» könnte ja natürlich administrativ dabei tätig sein, aber wie der «Kommende Tag» für eine solche Sache mit seinem Namen eintreten könnte, das ist ein wenig fraglich. Haben Sie gemeint, daß der «Kommende Tag» als «Kommender Tag» die Sache in die Hand nimmt?

[ 13 ] Rudolf Steiner: Eighteen students; ten times that number is 180. Once you have 180 to 200, however, it would be time to get to work; and the question then arises as to what could be done to act as quickly as possible. Of course, working through an exemplary cultural program—as good as that is in itself—is not suited to producing rapid results. So the question arises as to whether one should not prepare, during the time when the collection of funds is taking place through correspondence, a proper, calm but very clear presentation of the main points, which could be printed—it need not be published, but it would have to be used to raise funds—and which would be presented by those individuals responsible for fundraising to people believed to have the means to contribute. How this could be done by Kommender Tag is, of course, somewhat difficult to imagine. “Kommender Tag” could, of course, play an administrative role in this, but how “Kommender Tag” could lend its name to such a cause is somewhat questionable. Did you mean that “Kommender Tag” would take the matter into its own hands as “Kommender Tag”?

[ 14 ] Ein Teilnehmer: Wir haben darunter nur den Vorteil gesehen, daß man dort schon viele Adressen und administrative Erfahrung hat. Es muß nicht der «Kommende Tag» sein. Wir müssen jemanden dafür einsetzen, der dann praktischerweise beim «Kommenden Tag» arbeitet.

[ 14 ] A participant: We saw the only advantage in this as being that they already have a lot of contacts and administrative experience there. It doesn't have to be “Kommender Tag.” We need to assign someone to this who, for practical reasons, works at “Kommender Tag.”

[ 15 ] Rudolf Steiner: Ich verstehe die Sache schon. Es ist ja vielleicht gar nicht einmal eine unpraktische Idee, dabei an jemanden zu denken, der viel übrig haben könnte für diese Sache. Man könnte dabei an Heisler denken gerade für diese Aufgabe. Man könnte schon an so etwas denken, daß gerade er oder jemand, der in der gleichen Lage wäre, am besten für diese Stelle in Betracht kommen könnte. Aber wie denken Sie denn über eine Art ruhiger, objektiver, zielbewußter Darstellung, die man doch würde verbreiten müssen, so daß die Leute sich unterrichten könnten, für was sie Geld geben würden.

[ 15 ] Rudolf Steiner: I see what you mean. It might not even be such an impractical idea to think of someone who might be very interested in this matter. One might think of Heisler specifically for this task. One could certainly consider that he, or someone in a similar situation, might be the best candidate for this position. But what do you think about a kind of calm, objective, and purposeful presentation that would need to be distributed so that people could learn what they would be giving their money for?

[ 16 ] Ein Teilnehmer: Ich glaube — für meine Person —, in dem Augenblick, wo man sich entscheidet zur großen Finanzierung, wird man jedenfalls die Verborgenheit aufgeben müssen.

[ 16 ] A participant: I believe—speaking for myself—that the moment one decides to secure major funding, one will inevitably have to give up secrecy.

[ 17 ] Rudolf Steiner: Es ist aber möglich, daß so jemand wie Heisler gewissermaßen mit der Finanzierungsarbeit betraut würde, und daß man nicht davor zurückscheuen würde, die Sache als solche durchaus an die Öffentlichkeit kommen zu lassen. Dagegen würde ich meinen, daß man vermeiden könnte, Ihre Namen und die Namen der anderen, die noch dazukommen, bekannt werden zu lassen, so daß kein Mensch zu wissen braucht, wenn es irgendwie da oder dort innerhalb der Kirche sich um eine Pastoren- oder Predigerstelle handelt, daß Sie zu dieser Bewegung gehören. Es braucht gar keine Veranlassung zu sein, daß Sie darum befragt werden. Die Teilnehmer dieses losen Zusammenschlusses braucht man nicht an die Öffentlichkeit zu bringen, sondern nur die Idee und die Sache als solche.

[ 17 ] Rudolf Steiner: It is, however, possible that someone like Heisler might, so to speak, be entrusted with the task of securing funding, and that there would be no hesitation in making the matter itself public. On the other hand, I would suggest that we could avoid making your names—and the names of the others who will join—public, so that no one needs to know, whenever a position for a pastor or preacher is being filled somewhere within the church, that you belong to this movement. There is no need for you to be asked about this at all. The participants in this loose association do not need to be made public; only the idea and the cause itself need to be known.

[ 18 ] Bei Heisler liegt die Sache so, daß es bei ihm nichts schadet, denn er bekommt ja ohnedies keine Pfarrerstelle mehr.

[ 18 ] As for Heisler, it doesn't matter—he won't be getting another pastoral position anyway.

[ 19 ] Ein Teilnehmer: Ich reflektiere nicht auf eine Stelle.

[ 19 ] A participant: I don't reflect on a specific passage.

[ 20 ] Rudolf Steiner: Sie reflektieren nicht auf eine Stelle innerhalb der Kirche?

[ 20 ] Rudolf Steiner: You’re not considering a position within the church?

[ 21 ] Ein Teilnehmer: Nein, das würde ich nicht tun.

[ 21 ] A participant: No, I wouldn't do that.

[ 22 ] Rudolf Steiner: Es gibt durchaus solche Predigerkandidaten, die schon so stark kompromittiert sind, daß sie ruhig ihre Namen bekannt werden lassen können. Sonst brauchen die Namen dieses losen Zusammenschlusses nicht bekannt zu werden. Selbstverständlich verleugnet niemand die Zugehörigkeit; man braucht es aber erst zu sagen, wenn man gefragt wird. Das scheint mir doch immerhin dasjenige zu sein, was möglich ist. Und die Meinung haben Sie nicht, daß unter den jüngeren schon auf Pastorenstellen befindlichen Leuten eine Anzahl von solchen sein wird, die sich Ihrem Kreis anschließen würden, die also schon [in ein Kirchenamt] hineingegangen sind?

[ 22 ] Rudolf Steiner: There are certainly some candidates for the pulpit who are already so compromised that they can calmly allow their names to be made public. Otherwise, the names of this loose association need not be made public. Of course, no one denies their membership; but one need only mention it when asked. That seems to me, at any rate, to be what is possible. And don’t you think that among the younger people already holding pastoral positions, there will be a number who would join your circle—that is, who have already entered [a church office]?

[ 23 ] Ein Teilnehmer: Es ist die Frage, wieweit die Leute schon ein Verhältnis haben zur Anthroposophie.

[ 23 ] A participant: The question is to what extent people already have a relationship with anthroposophy.

[ 24 ] Rudolf Steiner: Ja, notwendig wäre allerdings, daß ein gewisser Kern von Persönlichkeiten da ist, die Anthroposophen sind. Aber das will mir eigentlich nicht notwendig erscheinen, daß alle Anthroposophen sind. Nicht wahr, wenn ein gewisser Kern da ist von energischen Persönlichkeiten, dann kann die ganze Sache einen anthroposophischen Charakter erhalten einfach durch die Bedeutung dieser Persönlichkeiten, ohne daß man diejenigen ausschließt, die nicht Anthroposophen sind. Sehen Sie, die besten Anthroposophen sind in der Regel diejenigen geworden, die zuerst Gegner waren; oder wenigstens gehören zu den besten diejenigen, die Gegner gewesen sind und sich langsam durchgerungen haben zur Anthroposophie. Daß man viele von denen, die sich ihren Weg gesucht haben zu einer religiösen Weltauffassung im modernen Sinn, nun gleich im Handumdrehen durch eine kurze Lektüre zur Anthroposophie bringen kann, das, glaube ich, dürfen wir uns nicht einbilden. Es wird bei vielen ein gewisses Widerstreben sein. Vor allen Dingen wird man nicht leicht hinwegkommen über den Glauben, daß gewisse Forschungsergebnisse der Anthroposophie durch die Dogmatik ausgeschlossen seien. Daß die wiederholten Erdenleben irreligiös, unchristlich seien, das werden doch noch viele glauben. Und es ist ja nicht eigentlich heute zu wünschen, daß man alle, die das noch nicht einsehen können, ausschließt, denn es ist doch das eigentliche religiöse Verhältnis dabei festzuhalten. Ebenso wie man, ich möchte sagen, zur Zeit der Begründung des Christentums ein guter Christ sein konnte, ohne zu wissen, daß die Erde rund ist oder daß es Amerika gibt, und andererseits das Christentum bei der Entdeckung Amerikas nicht erschüttert wurde, so kann jemand ein guter Christ sein, ohne einen Zugang zu haben zur Wahrheit der wiederholten Erdenleben. Denn im Grunde genommen ist ein Wesentliches — davon möchte ich morgen noch sprechen — beim Christen sein Verhältnis zu dem Christus Jesus selber, zu diesem ganz konkreten Wesen; das ist das Wesentliche. Es ist das Wesentliche des Christentums ein persönliches Verhältnis zu dem Christus Jesus. Und eine Lehre als solche, die als Lehre gewiß gesichert ist, die eben eine Lehre über den Weltzusammenhang ist, die kann eigentlich nicht das Kennzeichen für das Christliche in einem Menschen sein. Christ ist man natürlich durch sein Verhältnis zu Christus, wie man Buddhist ist durch sein Verhältnis zu Buddha, nicht eigentlich durch einen Lehrinhalt. Man braucht einen Lehrinhalt, wie wir schen werden, in der Predigt, aber man ist nicht durch den Lehrinhalt eigentlich Christ. Es kann niemand in dem Sinn heute Christ sein, wie man das doch eben auffassen muß, der nicht ein positives Verhältnis zur übersinnlichen Christus-Wesenheit hat.

[ 24 ] Rudolf Steiner: Yes, it would certainly be necessary, however, for there to be a certain core of individuals who are anthroposophists. But it doesn’t really seem necessary to me that everyone be an anthroposophist. After all, if there is a certain core of energetic individuals, then the whole endeavor can take on an anthroposophical character simply through the significance of these individuals, without excluding those who are not anthroposophists. You see, the best anthroposophists have generally been those who were initially opponents; or at least among the best are those who were opponents and gradually came to embrace anthroposophy. I don’t think we should delude ourselves into believing that many of those who have sought their own path to a religious worldview in the modern sense can now be brought to anthroposophy in the blink of an eye simply by reading a short text. Many will feel a certain resistance. Above all, it will not be easy to overcome the belief that certain findings of anthroposophy are ruled out by dogma. Many will still believe that the doctrine of repeated earthly lives is irreligious and unchristian. And it is not really desirable today to exclude all those who cannot yet accept this, for what really matters here is to uphold the true religious relationship. Just as, I would say, at the time of Christianity’s founding, one could be a good Christian without knowing that the Earth is round or that America exists—and, conversely, Christianity was not shaken by the discovery of America—so too can someone be a good Christian without having access to the truth of repeated earthly lives. For, fundamentally speaking, an essential aspect—which I would like to discuss further tomorrow—of being a Christian is one’s relationship to Christ Jesus himself, to this very concrete being; that is the essential point. The essence of Christianity is a personal relationship with Jesus Christ. And a doctrine as such—one that is certainly established as doctrine, one that is simply a doctrine about the structure of the world—cannot actually be the hallmark of what is Christian in a person. One is, of course, a Christian through one’s relationship to Christ, just as one is a Buddhist through one’s relationship to Buddha, not actually through the content of a doctrine. We need doctrinal content, as we shall see in the sermon, but one is not actually a Christian through that doctrinal content. No one today can be a Christian in the sense that we must understand it—that is, without having a positive relationship to the supersensible Christ-being.

[ 25 ] Darum ist für mich Adolf Harnack kein Christ. Ein Mann, der imstande ist zu sagen, der Christus kann aus den Evangelien herausgenommen werden, es hat nur der Vater darin Platz —, der ist nicht Christ. Bei ihm unterscheidet sich der Christus nicht von Jahve, dem Gott des Alten Testamentes. Wenn Sie in Harnacks Buch «Das Wesen des Christentums» den Christus-Namen ausstreichen und überall den Jahve-Namen hinsetzen, so werden Sie sehen, daß der Sinn nicht verändert wird. Er setzt einfach den Glauben des Jesus an den Vater an die Stelle der Erkenntnis des Wesens Jesus selber. Er erkennt eigentlich in dem Christus nur einen großen Lehrer über die Religion des Vaters. Das ist aber eigentlich die Negierung des Christentums, nicht das Wesen des Christentums. Und deshalb meine ich, es ist nicht nötig, daß wir gewissermaßen die Leute einschwören auf die Wiederverkörperungslehre oder auf das Karma, denn das ist etwas, wozu sich die Leute schwer durchringen; sie werden sich mit der Zeit dazu durchringen; nur meine ich, da Sie doch selber Anthroposophen sind und eine größere Anzahl Anthroposophen werden gewinnen können, daß dadurch die Sache schon den nötigen anthroposophischen Charakter hat. Dafür sorgt schon der Gehalt der Anthroposophie, daß die Sache einen anthroposophischen Charakter hat, wenn sie überhaupt gelingt. Und gelingen muß sie, weil sie sehr viele Bedingungen des Gelingens in sich hat.

[ 25 ] That is why, for me, Adolf Harnack is not a Christian. A man who is capable of saying that Christ can be removed from the Gospels—that only the Father has a place in them—is not a Christian. For him, Christ is no different from Yahweh, the God of the Old Testament. If you were to cross out the name “Christ” in Harnack’s book The Essence of Christianity and replace it everywhere with the name “Yahweh,” you would see that the meaning remains unchanged. He simply substitutes Jesus’ faith in the Father for an understanding of the essence of Jesus himself. In fact, he recognizes in Christ only a great teacher of the Father’s religion. But that is actually the negation of Christianity, not the essence of Christianity. And that is why I believe it is not necessary for us, so to speak, to make people swear allegiance to the doctrine of reincarnation or to karma, for that is something people find difficult to bring themselves to accept; they will come to accept it in time; but I believe that, since you yourselves are anthroposophists and will be able to win over a large number of anthroposophists, the endeavor will thereby already possess the necessary anthroposophical character. The very content of anthroposophy ensures that the endeavor will have an anthroposophical character, if it succeeds at all. And it must succeed, because it contains within itself many conditions for success.

[ 26 ] Ein Teilnehmer: An der Universität Münster wollten sich die Theologen frei machen. Da würde man schon Theologen, wie es unserem Bedürfnis entspricht, finden. Ob viele Anthroposophen da sein werden, das ist die Frage.

[ 26 ] A participant: At the University of Münster, the theologians wanted to break free. There, one would certainly find theologians who meet our needs. Whether there will be many anthroposophists there—that is the question.

[ 27 ] Rudolf Steiner: Ich glaube, daß in Münster der Boden bereitet wurde durch Gideon Spicker; er war ja Philosophieprofessor in Münster. Sie wissen nichts von ihm?

[ 27 ] Rudolf Steiner: I believe that Gideon Spicker laid the groundwork in Münster; after all, he was a professor of philosophy there. You don’t know anything about him?

[ 28 ] Ein Teilnehmer: Nur, daß die Examen dann anders gestaltet wurden. Ein anderer Teilnehmer: In Leipzig ist genau dasselbe.

[ 28 ] One participant: It’s just that the exams were structured differently back then. Another participant: It’s exactly the same in Leipzig.

[ 29 ] ‚Rudolf Steiner: Also einen zubereiteten Boden finden Sie sicher unter den jüngeren Theologen.

[ 29 ] “Rudolf Steiner: You will certainly find fertile ground among the younger theologians.

[ 30 ] Ein Teilnehmer: Die Theologen, die sich frei machen wollen von der Kirche, sind meist Persönlichkeiten, die sich nicht mehr auf den Boden der Trinitätslehre stellen können und den Christus nicht als übersinnliche Wesenheit anerkennen wollen, oder es sind Menschen der Gemeinschaftsbewegung.

[ 30 ] A participant: The theologians who wish to break away from the Church are mostly individuals who can no longer accept the doctrine of the Trinity and refuse to recognize Christ as a supernatural being, or they are members of the Community Movement.

[ 31 ] Rudolf Steiner: Wenn ein Kern von Anthroposophen da ist, ist es nicht hinderlich, wenn wir auch diese Persönlichkeiten in der losen Zusammenschließung haben. Dafür scheint ein Beweis doch zu sein, daß zum Beispiel Herr Rittelmeyer zur Anthroposophie kam, unmittelbar nachdem er dieses kleine Werkchen über die Persönlichkeit des Jesus geschrieben hat. Das ist von diesem Gesichtspunkt aus, den Sie eben charakterisiert haben, eigentlich geschrieben. Es ist geschrieben ganz in der Absicht, Jesus Christus zwar als eine kräftige religiöse Persönlichkeit hinzustellen, aber durchaus außerhalb der Diskussion zu lassen die ganze Frage des Übersinnlichen, des Symbols und so weiter. Also es war durchaus dasjenige, was man aufgeklärten Protestantismus nennen könnte. Und dann ist er zu uns eingetreten und hat verhältnismäßig sehr rasch die Notwendigkeit erkannt, das Mysterium von Golgatha zu verstehen und sich durchzuringen zu einer übersinnlichen Auffassung dieses Mysteriums von Golgatha. Also ich glaube, wenn es nur ernst studierende Menschen sind — es müssen nicht Streber sein, aber es müssen ernst studierende Menschen sein —, dann schadet es nichts, wenn sie vom aufgeklärten Protestantismus herkommen. Sehen Sie, die besten Kandidaten, die Sie sich wünschen könnten, wären eigentlich diejenigen jüngeren Leute — es gibt nur nicht viele solche, es gibt sie höchstens ganz vereinzelt —, die eben ihr katholisches Theologiestudium fertig gekriegt haben und ganz gründlich mit der katholischen Kirche gebrochen haben; das wären die besten Kandidaten, die Sie sich wünschen können. Es ist nicht zu leugnen, daß die katholische Theologie als Theologie, als Inhalt außerordentlich viel Gediegenes hat. Die Leute werden gut geschult, und das bleibt. Und dann haben die Leute die Möglichkeit, wenn sie heraußen sind — als katholischer Theologe ist man natürlich mit eisernen Fesseln gehalten —, wenn sie aber heraußen sind, dann ist mit ihnen alles zu machen. Ich führe das nur an — es gibt nicht viele solcher Leute, sondern sie sind nur ganz vereinzelt da-, um die Möglichkeit zu betonen. Und dann, nicht zu unterschätzen sind die aufgeklärten Protestanten.

[ 31 ] Rudolf Steiner: If there is a core group of anthroposophists, it is not a hindrance to have these individuals as well in the loose association. There does seem to be evidence of this, for example, in the fact that Mr. Rittelmeyer came to anthroposophy immediately after writing this little work on the personality of Jesus. From the perspective you have just described, it was actually written with that in mind. It was written entirely with the intention of presenting Jesus Christ as a powerful religious figure, while leaving the entire question of the supersensible, of symbolism, and so on, entirely outside the discussion. So it was very much what one might call enlightened Protestantism. And then he joined us and recognized, relatively quickly, the necessity of understanding the Mystery of Golgotha and of striving to arrive at a supersensible understanding of this Mystery of Golgotha. So I believe that as long as they are serious students—they don’t have to be overachievers, but they must be serious students—it does no harm if they come from a background of enlightened Protestantism. You see, the best candidates you could hope for would actually be those younger people—there just aren’t many of them, they’re few and far between at best—who have just completed their studies in Catholic theology and have thoroughly broken with the Catholic Church; those would be the best candidates you could hope for. It cannot be denied that Catholic theology, as a discipline and in terms of content, possesses an extraordinary amount of substance. People are well trained, and that stays with them. And then, once they’re out in the world—as a Catholic theologian, one is naturally bound by iron shackles—but once they’re out there, anything is possible with them. I mention this only—there aren’t many such people; they are few and far between—to emphasize the possibility. And then, the enlightened Protestants should not be underestimated.

[ 32 ] Ein Teilnehmer: ... Menschen, die darnach streben, etwas Sicheres zu haben, in der Wissenschaft so weit kommen, daß sie die übersinnliche Wesenheit Christi nicht mehr anerkennen können und doch irgendwie das Verlangen darnach haben ...

[ 32 ] A participant: ... People who strive to have something certain in science reach a point where they can no longer acknowledge the supernatural essence of Christ, and yet somehow still have a longing for it ...

[ 33 ] Rudolf Steiner: So war es bei Rittelmeyer. Er konnte unmöglich zu etwas anderem kommen als zu einer, allerdings etwas kräftigeren und auch sehr geistvollen Weinelschen Auffassung des schlichten Mannes aus Nazareth. Das war die Persönlichkeit des Christus von Rittelmeyer. Und sehr rasch hat er sich durchgerungen zu der übersinnlichen Christus-Auffassung. Also ich glaube, daß Sie das nicht zu scheuen brauchen, die Leute heranzuziehen.

[ 33 ] Rudolf Steiner: That was the case with Rittelmeyer. He could not possibly have arrived at anything other than a Weinel-style conception—albeit a somewhat more vigorous and also very spirited one—of the simple man from Nazareth. That was Rittelmeyer’s conception of the personality of Christ. And very quickly he brought himself to embrace the supersensible conception of Christ. So I believe that you need not shy away from drawing people in.

[ 34 ] Ein Teilnehmer: Die schwierigste Frage bleibt die Finanzierung.

[ 34 ] A participant: The most difficult issue remains funding.

[ 35 ] Rudolf Steiner: Ja, die Finanzierungsfrage bleibt schwierig, aber sie bleibt so lange schwierig, bis wir das Geld haben; das ist tatsächlich so, daß jede neuen zehntausend Mark neue Schwierigkeiten bieten müssen. Das sind Schwierigkeiten, die einfach überwunden werden müssen. Ich glaube ja allerdings, daß da manche bittere Erfahrung überwunden werden muß; manche bittere Erfahrung wird gemacht werden. Ich glaube aber, daß vielleicht so jemand wie Heisler gar keine unrichtige Persönlichkeit wäre, weil er ja natürlich durch seine eigenen Schicksale verbittert ist, auf der anderen Seite aber von der Notwendigkeit überzeugt ist, daß so etwas geschehen muß. Und er hat doch schon ein respektierliches Alter — verzeihen Sie, Sie sind alle jünger als er —, das man haben muß, wenn man alles das mitzunehmen hat, was eben kommt, wenn man Geld sammelt. Das ist keine angenehme Sache.

[ 35 ] Rudolf Steiner: Yes, the question of financing remains difficult, but it will remain difficult until we have the money; the fact is that every new ten thousand marks is bound to present new difficulties. These are difficulties that simply must be overcome. I do believe, however, that some bitter experiences will have to be overcome; some bitter experiences will be had. But I believe that perhaps someone like Heisler might not be such a bad person after all, because while he is naturally embittered by his own fate, he is also convinced of the necessity that something like this must happen. And he is, after all, of a respectable age—forgive me, you are all younger than he is—which one must have if one is to endure everything that comes with raising money. That is no pleasant matter.

[ 36 ] Emil Bock: Nun ist noch die Frage, ob nicht Anthroposophen, die nicht Theologen sind, für unsere Zwecke herangeholt werden könnten.

[ 36 ] Emil Bock: The question now is whether anthroposophists who are not theologians could be enlisted for our purposes.

[ 37 ] Rudolf Steiner: [Meinen Sie mit] dieser Frage, ob in diesem loseren Zusammenschluß Anthroposophen drinnen sein sollten, die nicht eigentlich in Ihrer Lage sind, in den Priesterberuf hineinzukommen?

[ 37 ] Rudolf Steiner: [Do you mean by] this question whether this looser association should include anthroposophists who are not actually in a position to enter the priesthood?

[ 38 ] Emil Bock: ... die hineinkommen in die Lage, die vorläufig noch in einem anderen Beruf sind.

[ 38 ] Emil Bock: ... those who are in a position where they are currently still working in a different profession.

[ 39 ] Rudolf Steiner: Ja, es ist natürlich dann die Frage, was sollen solche Menschen da tun? Sie würden höchstens in Betracht kommen für die Geldbeschaffung. Aber den nötigen Enthusiasmus dafür aufzubringen, wenn man nicht in der Sache drinnensteht, das ist nicht leicht. Es mag natürlich immerhin einzelne geben, aber ich glaube, diese einzelnen sind schon so überhäuft mit allerlei Arbeiten, daß sie schwerlich anders als höchstens im Nebenamt einer solchen Sache sich widmen könnten. Aber mir ist nicht eigentlich jemand bekannt, der — ohne selbst ein Predigeramt anzustreben, wenn auch in einer noch so freien Form — als Anthroposoph dafür brauchbar wäre. Denn die Anthroposophen sind im allgemeinen gerade dadurch, daß sie in der Anthroposophie selber etwas haben wie eine Art Religion — ja, wie soll ich sagen? —, eine Art religiöser Befriedigung, nicht so sehr darauf aus, die religiöse Gemeinschaft selbst zu regenerieren. Es müßten eben theologische Anthroposophen sein, und unter denen müßte man zunächst suchen. Die sind ja ganz gewiß, seit die Betätigung von Rittelmeyer besteht, nicht so selten. Ich glaube, Sie werden viele finden unter den Theologen; und namentlich seit dem Buch, das Rittelmeyer als Sammelwerk herausgegeben hat, werden Sie viele finden unter den Theologen. Ob sie alle brauchbar sind, das ist eine andere Frage. Aber sonst würde es, glaube ich, die Bewegung sehr verbessern.

[ 39 ] Rudolf Steiner: Yes, of course the question then is, what are such people supposed to do there? At most, they might be considered for fundraising. But it’s not easy to muster the necessary enthusiasm for that if you’re not deeply involved in the cause. Of course, there may be a few individuals, but I believe these individuals are already so overwhelmed with all sorts of work that they could hardly devote themselves to such a cause other than, at most, as a side job. But I don’t actually know of anyone who—without aspiring to a preaching role themselves, even in the freest of forms—would be suitable as an anthroposophist. For anthroposophists, in general, precisely because they find in anthroposophy itself something like a kind of religion—yes, how shall I put it?—a kind of religious fulfillment, are not so very interested in regenerating the religious community itself. They would have to be theological anthroposophists, and it is among them that one would have to look first. Since Rittelmeyer’s work began, such individuals are certainly not all that rare. I believe you will find many among theologians; and especially since the book that Rittelmeyer edited as an anthology, you will find many among theologians. Whether they are all suitable is another question. But otherwise, I believe, it would greatly improve the movement.

[ 40 ] Emil Bock: Die müßten natürlich umsatteln, wenn sie die Idee kennenlernen.

[ 40 ] Emil Bock: Of course, they'd have to change their tune once they learn about the idea.

[ 41 ] Rudolf Steiner: Ob viele der Studenten umsatteln möchten? Meinen Sie Studenten vom Bund für anthroposophische Hochschularbeit?

[ 41 ] Rudolf Steiner: Do you think many of the students would like to switch paths? Do you mean students from the Association for Anthroposophical University Work?

[ 42 ] Ein Teilnehmer: Studenten, die deshalb nicht Theologie studieren, weil sie zwar ein starkes religiöses Interesse haben, aber nicht für dasjenige, was heute in der Kirche gegeben wird.

[ 42 ] A participant: Students who do not study theology because, although they have a strong religious interest, they are not interested in what is offered in the Church today.

[ 43 ] Rudolf Steiner: Sie meinen, daß die auch den aktiven Enthusiasmus aufbringen?

[ 43 ] Rudolf Steiner: Do you mean that they also muster active enthusiasm?

[ 44 ] Ein Teilnehmer: Ja, wenn die Möglichkeit gegeben ist, in diesem Sinn zu wirken.

[ 44 ] A participant: Yes, if there is an opportunity to act in that way.

[ 45 ] Rudolf Steiner: Ja, es ist durchaus die Möglichkeit, wenn man sich die Persönlichkeiten angesehen hat, diese Persönlichkeiten mitzunchmen, an sie heranzutreten. Ich habe gesehen, daß der Bund für anthroposophische Hochschularbeit, vor allen Dingen wenn er sich bemüht, Anthroposophie selbst zu verbreiten in den einzelnen Zweigen der anthroposophischen Hochschularbeit, mehr das naturwissenschaftliche Interesse in den Vordergrund stellt als eigentlich Theologie. Dagegen müßte man die Theologen selber interessieren.

[ 45 ] Rudolf Steiner: Yes, it is certainly possible, once you have examined these personalities, to engage with them and approach them. I have observed that the Association for Anthroposophical University Work, especially when it endeavors to spread anthroposophy itself within the various branches of anthroposophical university work, places more emphasis on scientific interest than on theology proper. On the other hand, one would have to arouse the interest of the theologians themselves.

[ 46 ] Ein Teilnehmer: Ob wir werden so lange warten können, bis ein Teil die speziellen theologischen Examen abgeschlossen hat?

[ 46 ] A participant: Will we be able to wait until some of us have completed the special theological exams?

[ 47 ] Rudolf Steiner: Sie meinen, daß es zu lange dauern würde? Ein Teilnehmer: Ich weiß nicht, wie weit es nötig ist.

[ 47 ] Rudolf Steiner: Do you think it would take too long? A participant: I don't know to what extent it is necessary.

[ 48 ] Ein anderer Teilnehmer: Es sind einige unter uns, die bisher nicht damit gerechnet haben, mit den theologischen Examen abzuschließen, sondern die die Vorstudien benützen wollen, um sich dahinter zu machen, diesem Ziele zuzustreben, das hier angegriffen werden soll.

[ 48 ] Another participant: There are some among us who have not yet expected to complete their theological exams, but who wish to use the preparatory studies to set out to pursue the goal that is to be addressed here.

[ 49 ] Rudolf Steiner: Nun fragt es sich, ob diejenigen, die Sie meinen, nicht unter der Erkenntnis, wie notwendig die Sache ist, sich eben doch dem Predigeramt zuwenden, wenn sie bis jetzt auch gedacht haben, sie würden nicht das Examen abschließen, sondern etwas anderes tun. Natürlich, nicht wahr, das ist verbunden mit einer ganz allgemeinen Kulturidee. Sehen Sie, die Ideen, die Spengler in seinem «Untergang des Abendlandes» beschrieben hat, haben wirklich mehr Fundierung als man denkt. Sie sind soweit begründet, daß man sagen kann, wenn nur die Kulturtendenzen wirkten, ohne einen neuen Einschlag, so vollzieht sich dasjenige, was Spengler ausrechnet. Wir stehen im vollen Niedergang, in einer vollen Niedergangsströmung darinnen. Auf der anderen Seite dürfen Sie nicht vergessen die Korruption der Kultur. Die Korruption des allgemeinen Geisteslebens ist nicht nur etwa auf die gebildeteren Stände beschränkt, sondern sie ist sehr verbreitet. Es ist tatsächlich so, daß die Majorität der Bevölkerung davon angefressen ist, und die vielleicht in den 70er, 80 er Jahren noch vorhandenen religiösen Impulse sind auch bei den weniger gebildeten Leuten heute schon verflogen. Also wir stehen in der vollständigen Niedergangsströmung drinnen, und es istkaum möglich, aus ihr herauszukommen, wenn nicht das religiöse Leben als solches neue Impulse schafft. Und so glaube ich allerdings, daß diejenigen, die dadurch, daß sie theologische Studien durchgemacht haben und die Möglichkeit haben, als Priester zu wirken, das auch tun sollten. Es ist schon notwendig, daß gerade derjenige, der Theologie studiert hat, als Priester wirken sollte, weil wir das so notwendig brauchen.

[ 49 ] Rudolf Steiner: The question now is whether those you are referring to, realizing just how necessary this is, might not turn to the ministry after all—even if they had previously thought they would not complete the exam but would do something else instead. Of course, isn’t that connected to a very general concept of culture? You see, the ideas that Spengler described in his The Decline of the West are actually more well-founded than one might think. They are so well-founded that one can say: if cultural trends were to continue unchecked, without any new impetus, then what Spengler predicts would indeed come to pass. We are in the midst of a full-scale decline, caught up in a current of total decline. On the other hand, you must not forget the corruption of culture. The corruption of intellectual life in general is not limited to the more educated classes, but is very widespread. It is indeed the case that the majority of the population is consumed by it, and the religious impulses that may still have existed in the 1970s and 1980s have already vanished even among the less educated people today. So we are in the midst of a complete current of decline, and it is hardly possible to escape it unless religious life as such creates new impulses. And so I do believe that those who, having completed theological studies and having the opportunity to serve as priests, should indeed do so. It is indeed necessary that precisely those who have studied theology should serve as priests, because we need this so very much.

[ 50 ] Ein Teilnehmer: ... dann aber auch innerhalb der Kirche?

[ 50 ] A participant: ... but also within the Church?

[ 51 ] Rudolf Steiner: Innerhalb der Kirche? Ich möchte doch bei diesem bleiben, was ich gesagt habe. Man kann innerhalb der Kirche bleiben, wenn man die Mitglieder von jetzigen kirchlichen Gemeinschaften allmählich herausführen kann; man kann also sich der Begründung von freien Gemeinden zuwenden. Ich glaube ja nicht, daß die Kirche als solche in irgendeiner Form reformiert, regeneriert werden kann, das ist nicht der Fall. Die Kirchengemeinschaft ist so korrumpiert, daß wir nur darauf rechnen können, daß man die... [lückenhafte und unverständliche Wiedergabe des Textes in der Nachschrift] herausführt und mit ihnen etwas Neues gründet ... [weitere Lücke]. Dagegen an eine Reform der Kirche selbst zu denken, da darf ich schon sagen — das ist nicht bloß meine Meinung, sondern das ergibt eine objektive Erkenntnis der Tatsachen —, daß diese Kirchengemeinschaften dem Untergang geweiht sind. Außer der katholischen Kirche natürlich, die eben weiter so begriffen werden muß, daß sie durchaus nicht dem Untergang geweiht ist, weil sie mit ausgebreiteten Mitteln arbeitet und daher als etwas ganz anderes angesehen werden muß.

[ 51 ] Rudolf Steiner: Within the Church? I would like to stick to what I have said. One can remain within the Church if one can gradually lead the members of existing church communities out of it; one can thus turn to the establishment of free congregations. I do not believe that the Church as such can be reformed or regenerated in any way; that is not the case. The church community is so corrupt that we can only hope to lead the... [incomplete and unintelligible transcription of the text in the postscript] out and found something new with them... [further gap]. On the other hand, to even consider a reform of the Church itself—and here I must say—this is not merely my opinion, but an objective assessment of the facts—that these church communities are doomed to decline. Except, of course, for the Catholic Church, which must be understood in such a way that it is by no means doomed to extinction, because it operates with extensive resources and must therefore be regarded as something entirely different.

[ 52 ] Ein Teilnehmer: Wir sind zum Teil Philosophen, zum Teil Naturwissenschaftler, nachdem wir ein unbefriedigendes Theologiestudium abgebrochen haben. Sollen wir einen Doktor machen und nach dem Doktorexamen uns dem Theologiestudium wieder zuwenden? Oder sollte man sagen, daß wir kraft unserer Vorbildung dann gleich die religiöse Arbeit beginnen können?

[ 52 ] A participant: We are partly philosophers, partly scientists, having dropped out of an unsatisfactory theology program. Should we pursue a doctorate and then return to studying theology after completing our doctoral exams? Or should we say that, based on our prior education, we can begin religious work right away?

[ 53 ] Rudolf Steiner: Sehen Sie, das ist lediglich eine Frage des Erfolges, den wir haben werden. In dieser Beziehung darf man nicht den Charakter eines Überganges unterschätzen. Ich habe, als die Waldorfschule begründet worden ist, bei der Auswahl der Lehrer gar nichts anderes im Sinn gehabt als die rein persönliche Eignung, und was an Pädagogik und Didaktik da sein sollte, wurde in verhältnismäßig wenigen Wochen gegeben. So etwas muß einfach im Übergangszustand möglich sein. Ich glaube nicht, daß jemand von Ihnen, der, sagen wir, innerhalb des Theologiestudiums gescheitert ist, sich irgendeinem anderen Studium zugewandt hat, Philosoph oder Naturwissenschaftler geworden ist, daß der nötig hat, etwas anderes anzustreben, als das Akademische formell abzuschließen. Das ist etwas, was immerhin wünschenswert ist, aber nicht unbedingt sein muß. Es ist schon wünschenswert, daß in irgendeiner Weise das Akademische abgeschlossen ist, sagen wir mit einer Dissertation. Dagegen brauchen wir nicht im geringsten daran zu denken, daß jemand nötig hätte, zum Theologiestudium zurückzukehren. Das müssen wir sogar für die Übergangszeit als absolut richtig ansehen, daß wir uns nicht an das alte Examenwesen und dergleichen halten; das ist ganz ohne Zweifel. Wenn zum Beispiel Herr Husemann sogar Chemie fertig studiert und in der Chemie sein Rigorosum fertig macht, dann hindert ihn nichts — wenn er sonst etwa Lust hätte, Prediger zu werden —, als Chemiker Prediger zu werden.

[ 53 ] Rudolf Steiner: You see, this is simply a question of the success we will achieve. In this regard, one must not underestimate the transitional nature of this process. When the Waldorf School was founded, I had nothing else in mind when selecting teachers other than their purely personal suitability, and whatever training in pedagogy and didactics was needed was provided in a relatively short period of a few weeks. Something like that simply has to be possible during a transitional phase. I do not believe that any of you who, let’s say, failed in your theological studies and turned to some other field of study—becoming a philosopher or a natural scientist—needs to strive for anything other than formally completing your academic degree. That is something that is certainly desirable, but not absolutely necessary. It is certainly desirable that one’s academic studies be completed in some way—say, with a dissertation. On the other hand, we need not give the slightest thought to the idea that anyone would need to return to theological studies. We must even regard it as absolutely correct, even during this transitional period, that we do not adhere to the old examination system and the like; that is beyond any doubt. If, for example, Mr. Husemann were to complete his studies in chemistry and pass his rigorous examination in that field, then nothing would prevent him—if he otherwise felt inclined to become a pastor—from becoming a pastor while retaining his status as a chemist.

[ 54 ] Wissen Sie, das eingeschachtelte Theologiestudium — Sie müssen das nicht als etwas nehmen, was vielleicht kränkend sein könnte —, das ist sogar dem Wirken des Predigers und des Pfarrers in der Gemeinschaft hinderlich. Es ist ja tatsächlich so, daß der theologische Student zu wenig von der Welt kennenlernt; er ist ja eigentlich zu sehr unbekannt mit dem, was seine Aufgabe ist. Er wird hineingestellt und soll solche Agenden, wie ich sie dargestellt habe, im Wirtschaftsleben verrichten. Dazu ist also ein besonderes Studium wie das heutige 'Theologiestudium, wo man durchaus ein unpraktischer Mensch wird — ich will Sie damit nicht kränken —, nicht geeignet. Es ist tatsächlich so, ich habe es erfahren, daß zum Beispiel ausgezeichnete theologische Absolventen wirklich kaum noch wußten, was der pythagoreische Lehrsatz sagt. Das sind Ausnahmefälle, aber es kommt vor. Aber ganz abgesehen von dem Drinnenstehen im wirklichen praktischen Leben, das man vor allen Dingen braucht, mit dem Diskutieren über die Geltung der Dogmatik, mit dem Diskutieren, was an theologischen Fakultäten getrieben wird, mit dem lösen wir ganz sicher die Weltprobleme nicht. Man könnte sich sogar ganz gut vorstellen, daß Gar-nicht-Studierte mit einem gewissen religiösen Genie auch unter uns sein könnten; das könnte man sich ganz gut vorstellen.

[ 54 ] You know, the compartmentalized study of theology—and please don’t take this as something that might be offensive—actually hinders the work of the preacher and the pastor within the congregation. The fact is that theology students learn too little about the world; they are actually far too unfamiliar with what their task actually is. They are placed in positions where they are expected to carry out the kinds of responsibilities I have described in the business world. A specialized course of study like today’s “theology program”—where one certainly becomes an impractical person—is therefore not suited for this. It is indeed the case—I have experienced it myself—that, for example, outstanding theology graduates barely knew what the Pythagorean theorem states. These are exceptional cases, but they do occur. But quite apart from being immersed in real, practical life—which is what we need above all else—debating the validity of dogmatics or discussing what goes on in theological faculties certainly won’t solve the world’s problems. One could even quite easily imagine that there might be people among us who have never studied at all but possess a certain religious genius; that’s quite conceivable.

[ 55 ] Dasjenige, was wir natürlich brauchen, wäre, daß Sie doch, bevor Sie von hier weggehen, die Persönlichkeit ganz aus sich heraus finden würden, der Sie gewissermaßen das Sekretariat Ihres losen Zusammenhanges übertragen würden. Es wäre doch gut, wenn man mit dieser Persönlichkeit dann in einem Kontakt bleiben könnte gerade vom «Kommenden Tag» aus. Nun haben Sie aber die Zentralstelle für Briefe in Berlin.

[ 55 ] What we naturally need is for you, before you leave here, to find—on your own—the person to whom you would, so to speak, entrust the secretariat of your informal association. It would be good if we could then stay in touch with this person, specifically through The Coming Day. But you do have the Central Office for Letters in Berlin.

[ 56 ] Ein Teilnehmer: Wir hatten an eine andere Stelle in Tübingen gedacht, das doch in der Nähe von Stuttgart liegt.

[ 56 ] A participant: We had thought of another location in Tübingen, which is, after all, near Stuttgart.

[ 57 ] Rudolf Steiner: Und diese Zentralstelle, was würde die für Aufgaben haben?

[ 57 ] Rudolf Steiner: And what tasks would this central office be responsible for?

[ 58 ] Ein Teilnehmer: Damit also diese Dinge, die in Beziehung zu Stuttgart gelöst werden könnten, durch persönlichen Verkehr gelöst werden.

[ 58 ] A participant: So that these matters, which could be resolved in connection with Stuttgart, might be resolved through personal contact.

[ 59 ] Rudolf Steiner: Was würde die Zentralstelle sonst noch für Aufgaben haben? Das Suchen nach solchen Persönlichkeiten und dann, nicht wahr, denken Sie doch abgesondert davon an eine solche Stelle, wie sie Herr Bock als Anschluß an den «Kommenden Tag» sich vorstellt.

[ 59 ] Rudolf Steiner: What other tasks would the central office have? The search for such individuals—and then, wouldn’t you agree, think separately of an office such as the one Mr. Bock envisions as an extension of Der Kommende Tag.

[ 60 ] Emil Bock: Zunächst müßte die Finanzierung in Angriff genommen werden, müßte an verschiedenen Stellen gearbeitet werden. Mancherlei muß sich da an einer Zentralstelle sammeln, so daß die Zentralstelle eine Vollmacht haben müßte. Wir haben Berlin genommen, weil da die meisten von uns zusammen sind.

[ 60 ] Emil Bock: First of all, we would have to tackle the issue of financing and work on various fronts. Various matters would have to be coordinated through a central office, so that office would need to have the authority to act. We chose Berlin because that is where most of us are based.

[ 61 ] Rudolf Steiner: So würden Sie dann denken, in Berlin und Tübingen Zentralstellen zu haben für das Finden von geeigneten Persönlichkeiten und hier in Stuttgart eine Persönlichkeit zu haben, die die Finanzierung vorbereiten würde?

[ 61 ] Rudolf Steiner: So you would think of having central offices in Berlin and Tübingen to identify suitable candidates, and here in Stuttgart, someone who would handle the financing?

[ 62 ] Nun, ich kann in diesem Augenblick keine irgendwie bindende Erklärung für den «Kommenden Tag» abgeben, aber es ist doch meine Meinung, daß eine solche Sache, wenn sie überlegt ist, betrieben werden könnte. Könnte es nicht so sein — selbstverständlich möchte ich in bezug auf die Wahl der Persönlichkeit nicht einmal irgendwie mit einem Rat verbindlich kommen, ich führe daher Heisler nur als Exempel an —: Wenn Heisler beauftragt würde, mit der Finanzierungsfrage zu beginnen und das im Zusammenhang mit dem «Kommenden Tag» gemacht würde, so müßte man gleich daran denken, die Stelle richtig zu schaffen für Heisler, und das müßte ich natürlich im «Kommenden Tag» zur Besprechung bringen, damit Sie schon wissen, wenn Sie von hier weggehen, was man von seiten des «Kommenden Tages» tun kann. Also ich meine doch, viel Übergänge von einem zum anderen führen natürlich ein bißchen ins Ungewisse hinein. Es scheint mir schon, daß es nicht schlecht wäre, wenn wir gleich eine solche Zentralstelle schaffen würden, die sozusagen mit der Arbeit beginnen würde. Das kann natürlich nicht verfrüht sein, denn alle die Gründe gegen ein zu schnelles Vorgehen würdige ich. Aber wirklich, was man nach zwei Jahren oder nach einem Jahr von einer solchen Zentralstelle aus tun kann, das kann man auch heute tun. — Ich kann ja heute von seiten des «Kommenden Tages» keine verbindliche Erklärung abgeben, aber mir scheint, wenn überhaupt daran gedacht ist, nicht unter dem Namen des «Kommenden Tages», aber in Verbindung mit ihm [zu arbeiten], dann würde man das eigentlich sogleich machen müssen.

[ 62 ] Well, I can’t make any kind of binding statement about the “Day to Come” at this moment, but it is my opinion that such a thing, if carefully considered, could be carried out. Couldn’t it be the case—of course, I don’t even want to offer any binding advice regarding the choice of a person; I’m therefore citing Heisler merely as an example—that: If Heisler were tasked with addressing the financing issue and this were done in connection with the “Kommender Tag,” we would have to immediately consider establishing the right position for Heisler, and I would, of course, have to bring this up for discussion in the “Kommender Tag” so that you already know, when you leave here, what the “Kommender Tag” can do. So I do think that too many transitions from one thing to another naturally lead a bit into the unknown. It does seem to me that it wouldn’t be a bad idea if we were to establish such a central office right away, one that would, so to speak, begin the work. Of course, this cannot be done prematurely, for I acknowledge all the reasons against proceeding too quickly. But really, whatever can be done from such a central office after a year or two can also be done today. — I can’t make any binding statement on behalf of “The Coming Day” today, but it seems to me that if there is any thought of [working]—not under the name of “The Coming Day,” but in connection with it—then one would actually have to do so immediately.

[ 63 ] Ein Teilnehmer: Haben wir die materiellen Grundlagen? Wenn man jemand anstellt, muß man das Gehalt für ihn haben.

[ 63 ] A participant: Do we have the financial resources? If you hire someone, you have to be able to pay their salary.

[ 64 ] Rudolf Steiner: Ja nun, es ist natürlich die Frage die, ob sich nach dieser Richtung nicht doch ein Ausweg finden ließe, ob gewissermaRen jetzt unmittelbar schon die Sorge vorliegen würde für das Gehalt gerade dieser Persönlichkeit. Sind Sie übermorgen noch da? Darüber können wir ja noch morgen oder übermorgen sprechen, wie man das lösen könnte, daß eine solche Persönlichkeit gleich gefunden wird. Es ist selbstverständlich nicht möglich, daß Sie so rasch für die Finanzierung der Persönlichkeit sorgen, die ihrerseits die Finanzierung in die Hand nehmen soll. Morgen oder übermorgen können wir noch darüber sprechen. Aber sind Sie prinzipiell nicht abgeneigt, die Sache sofort zu beginnen, wenn es geht?

[ 64 ] Rudolf Steiner: Well, the question is, of course, whether a solution might not be found along these lines after all—whether, so to speak, the issue of funding for this particular individual would already be addressed immediately. Will you still be here the day after tomorrow? We can certainly discuss tomorrow or the day after tomorrow how to resolve this so that such a person can be found right away. Of course, it’s not possible for you to secure funding so quickly for the person who, in turn, is supposed to take charge of the financing. We can talk about it tomorrow or the day after tomorrow. But in principle, are you not averse to getting started on this right away, if possible?

[ 65 ] Ein Teilnehmer: Ich möchte gerne noch fragen, ob wir uns jetzt schlüssig werden könnten über die Persönlichkeit der Stelle.

[ 65 ] A participant: I'd like to ask whether we could now reach a consensus on the nature of the position.

[ 66 ] Rudolf Steiner: Da will ich nur dieses sagen: Ich gehe immer von realen, praktischen Gesichtspunkten aus, und da gibt es Gründe, die wahrscheinlich die Realisierung sehr rasch machen ließen, wenn eben gerade Dr. Heisler in Betracht kommen könnte. Mit ihm würde sich die Sache wahrscheinlich rascher machen lassen, als wenn es sich um die Wahl einer beliebigen anderen Persönlichkeit handeln würde.

[ 66 ] Rudolf Steiner: I’ll just say this: I always proceed from realistic, practical considerations, and there are reasons that would likely make implementation happen very quickly if Dr. Heisler were to be considered. With him, the matter could probably be carried out more quickly than if it were a matter of choosing any other individual.