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The Rudolf Steiner Archive

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On Health and Illness
GA 348

16 December 1922, Dornach

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Sechster Vortrag

Sixth Lecture

[ 1 ] Meine Herren, haben Sie noch etwas zum letzten Vortrag zu fragen? Oder haben Sie sonst noch etwas, was Sie wissen möchten?

[ 1 ] Gentlemen, do you have any questions about the last lecture? Or is there anything else you would like to know?

[ 2 ] Nicht wahr, wir haben das letzte Mal über das Auge gesprochen, und was uns besonders aufgefallen ist, das ist, ich möchte schon wirklich sagen, die ganze Wunderbarkeit des Auges. Denn im Auge ist ja wirklich schon der äußeren Gestalt nach eine ganze Welt nachgebildet. Und wenn man so, wie wir es das letzte Mal getan haben, das Innere des Auges kennenlernt, so kommt man eben darauf, daß wirklich da eine kleine Welt im Auge enthalten ist. Nun, das habe ich Ihnen ja auseinandergesetzt.

[ 2 ] Isn't that right? Last time we talked about the eye, and what particularly struck us—I really want to say—was the sheer wonder of the eye. For even in its external form, the eye truly reflects an entire world. And when you explore the inner workings of the eye, as we did last time, you come to realize that there truly is a small world contained within the eye. Well, I’ve already explained that to you.

[ 3 ] So haben wir also jetzt zwei Sinne des Menschen kennengelernt: das Ohr und das Auge.

[ 3 ] So now we have learned about two of the human senses: the ear and the eye.

[ 4 ] Nun, ein besonders interessanter Sinn beim Menschen, der Sie auch interessieren kann im Zusammenhang mit Fragen, die Sie in der letzten Zeit gestellt haben, ist, wie ich Ihnen noch zeigen werde, der Geruchssinn. Der Geruchssinn hat scheinbar beim Menschen eine geringe Bedeutung, aber er hat eine große Bedeutung, wie Sie wissen, beim Hund zum Beispiel; beim Hund ist wirklich, man möchte sagen, die ganze Intelligenz des Tieres in den Geruchssinn verlegt. Denn Sie brauchen sich nur einmal zu überlegen, was der Hund alles durch den Geruch erreicht. Der Hund erkennt durch den Geruch die Leute, mit denen er einmal zusammengewesen ist, noch lange. Wer Hunde beobachtet, der weiß, daß es nicht etwa der Gesichtssinn des Hundes ist, durch den er jemanden, den er kennengelernt hat, wiedererkennt, sondern es ist der Geruchssinn des Hundes. Und wenn Sie in der letzten Zeit viel davon gehört haben, welche ausgezeichneten Detektive die Hunde werden, indem sie die Spuren von Verbrechern und so weiter, überhaupt von Menschen suchen, so werden Sie sich sagen: Der Geruchssinn vollbringt da seltene Leistungen, die natürlich eigentlich sehr einfach aussehen, aber die so einfach nicht sind. Sie brauchen sich nur zu überlegen, wie die Geschichte ist, dann werden Sie schon sehen, daß das nicht so einfach ist.

[ 4 ] Well, a particularly interesting sense in humans—one that may also interest you in connection with questions you’ve been asking recently—is, as I’ll show you, the sense of smell. The sense of smell seems to be of little importance to humans, but as you know, it is of great importance to dogs, for example; in dogs, one might say that the animal’s entire intelligence is concentrated in the sense of smell. For you need only consider for a moment all that a dog is able to accomplish through smell. A dog can recognize people it has once been with for a long time afterward through smell. Anyone who observes dogs knows that it is not the dog’s sense of sight that allows it to recognize someone it has met before, but rather its sense of smell. And if you’ve heard a lot lately about what excellent detectives dogs become by tracking down criminals and so on—in fact, by tracking down people in general—then you’ll say to yourself: The sense of smell accomplishes remarkable feats here that, of course, actually look very simple, but aren’t that simple at all. You just need to think about how it works, and then you’ll see that it’s not so simple.

[ 5 ] Wenn man so in der Sprache redet: Nun ja, der Hund, der verfolgt eben die Spur — ja, meine Herren, das ist schon richtig, daß der Hund die Spur verfolgt. Er verfolgt sie auch. Aber denken Sie sich nur einmal, der Hund soll hintereinander verfolgen - die Polizeihunde werden ja dazu verwendet — die Spur von dem Dieb, dem Einbrecher Lehmann und gleich darauf die Spur vom Einbrecher Schmidt. Die zwei Spuren sind ja ganz verschieden voneinander. Wenn sie gleich wären, könnte der Hund ja natürlich überhaupt nicht dazu kommen, die Spuren zu verfolgen. Nur dadurch, daß sie verschieden sind, kommt er dazu, den Einzelnen wirklich verfolgen zu können. Aber nun denken Sie sich doch, wenn Sie angeben sollten die Unterschiede, die in den Spuren von Menschen sind, die man durch den Geruch unterscheiden kann, dann werden Sie keine großen Unterschiede finden. Der Hund findet die Unterschiede. Es kommt ja nicht darauf an, daß der Hund so hin und her die Spuren verfolgt, sondern daß er unterscheiden kann die verschiedenen Geruchsspuren. Da kommen Sie eben schon auf die Intelligenz.

[ 5 ] When people talk like this: “Well, the dog is just following the trail”—yes, gentlemen, it’s true that the dog follows the trail. It does follow it. But just imagine for a moment that the dog is supposed to track—police dogs are used for this, after all—the trail of the thief, the burglar Lehmann, and immediately afterward the trail of the burglar Schmidt. The two trails are, of course, completely different from one another. If they were the same, the dog would naturally be unable to track them at all. It is only because they are different that the dog is able to actually track each one. But now just imagine: if you were to point out the differences in the scents left by people—differences that can be distinguished by smell—you wouldn’t find any major differences. The dog finds the differences. It’s not a matter of the dog tracking the trails back and forth, but rather that it can distinguish between the different scent trails. That’s where intelligence comes into play.

[ 6 ] Dazu kommt ein anderes, das außerordentlich wichtig ist. Sehen Sie, die Europäer können sich ja des Geruches noch in bezug auf die Speisen und auch in bezug auf einige äußere Dinge bedienen. Aber dieser Geruch zeigt ihnen nicht viel. Dagegen wittern zum Beispiel gerade in Afrika wilde Volksstämme, geradeso wie der Hund wittert, den Feind, der noch sehr weit entfernt ist. Die wittern diesen Feind und machen sich aus dem Staub. Also die Intelligenz, die man in so hohem Maße beim Hunde antrifft, die findet man noch in gewissem Sinne bei wilden Völkern, so daß ein wilder Mensch in Afrika bei gewissen Stämmen lange, bevor er den Feind sieht, weiß: da ist der Feind — denn er unterscheidet ihn mit der Nase von anderen Menschen. Nun denken Sie sich, wie fein man unterscheiden muß mit der Nase, wenn man wissen soll: das ist der Feind! Dann kommt noch ein Schnalzton dazu, ein Schnalzton, den man in Europa gar nicht machen kann, ein Schnalzen, wie Peitschenschnalzen.

[ 6 ] There is another point that is extremely important. You see, Europeans can still make use of their sense of smell when it comes to food and also in relation to certain external things. But this sense of smell does not reveal much to them. In contrast, in Africa, for example, wild tribes can sense—just as a dog does—an enemy that is still very far away. They sense this enemy and make a quick getaway. So the intelligence found to such a high degree in dogs can still be found, in a certain sense, among primitive peoples, so that a primitive person in Africa, among certain tribes, knows long before he sees the enemy: “There is the enemy”—because he distinguishes him from other people with his nose. Now imagine how finely one must distinguish with one’s nose to know: “That is the enemy!” Then there is also a clicking sound—a clicking sound that cannot be produced at all in Europe, a click like the crack of a whip.

[ 7 ] Also kann man sagen: Je kultivierter, zivilisierter ein Mensch wird, desto mehr tritt die Bedeutung seines Geruchssinnes zurück. Und wir können an dem Geruchssinn so ein bißchen studieren, ob wir ein unzivilisiertes Geschlecht unter uns haben, wie zum Beispiel die Hunde — es ist ein unzivilisiertes Geschlecht — oder ein mehr zivilisiertes. Wahrscheinlich würden wir, wenn wir uns nach dieser Richtung etwas mehr abgeben würden mit dem Schwein, ganz kostbare Entdeckungen machen, denn die Schweine haben natürlich einen ausgesprochen starken Geruchssinn.

[ 7 ] So one could say: The more cultured and civilized a person becomes, the more the importance of their sense of smell recedes. And we can use the sense of smell to study, to some extent, whether we have an uncivilized species among us—such as dogs, for example, which are an uncivilized species—or a more civilized one. If we were to devote a little more attention to pigs in this regard, we would likely make some truly fascinating discoveries, since pigs, of course, have an exceptionally keen sense of smell.

[ 8 ] Aber jetzt will ich Ihnen noch etwas anderes sagen, was Sie sehr interessieren wird nach dieser Richtung. Als eines der intelligentesten Tiere gilt nämlich der Elefant. Er ist es auch. Denn der Elefant ist ein außerordentlich intelligentes Tier. Ja, was ist denn beim Elefanten ganz besonders ausgebildet? Wenn Sie sich alles, was zum Beispiel beim Hund oder beim Schwein über den Zähnen liegt, was also bei uns zur Nase wird, wenn Sie sich das alles besonders hervorragend ausgebildet denken, so kriegen Sie den Elefantenrüssel. Also ein Elefant hat schon das, was bei uns die Nase ist, ganz besonders ausgebildet, und daher ist er eigentlich das intelligenteste Tier, denn er ist sehr intelligent. Das hängt nicht ab von der Größe seines Gehirns; das hängt davon ab, daß sein Gehirn gerade in die Nase geht.

[ 8 ] But now I want to tell you something else that will be of great interest to you in this regard. The elephant is considered one of the most intelligent animals. And it is. Because the elephant is an extraordinarily intelligent animal. Yes, what is particularly well-developed in the elephant? If you imagine everything that lies above the teeth in, say, a dog or a pig—what in humans becomes the nose—and picture all of that as being exceptionally well-developed, you get the elephant’s trunk. So an elephant has what we call a “nose” highly developed, and that’s why it’s actually the most intelligent animal—because it’s very intelligent. This doesn’t depend on the size of its brain; it depends on the fact that its brain is located right in its nose.

[ 9 ] Das alles fordert uns auf, einmal nachzudenken, wie denn das eigentlich beim Menschen ist mit der Nase, von der der heutige zivilisierte Mensch eigentlich nicht viel weiß — er weiß zwar, wie die Nase gebaut ist und so weiter, aber er weiß eigentlich denn doch nicht viel mehr von der Nase, als daß sie mitten im Gesicht ist. Aber die Nase mit ihrer Fortsetzung ins Gehirn hinein ist tatsächlich ein furchtbar interessantes Organ. Und wenn Sie zurückdenken, wie ich Ihnen das Ohr, das Auge beschrieben habe, werden Sie sich sagen: das ist außerordentlich kompliziert. Bei der Nase kann ich nicht einmal sagen, daß sie außerordentlich kompliziert ist, aber außerordentlich geistreich ist sie.

[ 9 ] All of this prompts us to stop and think about what the nose actually means to human beings—something that today’s civilized person doesn’t really know much about. Sure, they know how the nose is structured and so on, but they don’t really know much more about it than that it’s in the middle of the face. But the nose, with its extension into the brain, is in fact a tremendously interesting organ. And if you think back to how I described the ear and the eye to you, you’ll say to yourself: that’s extraordinarily complicated. As for the nose, I can’t even say that it’s extraordinarily complicated, but it is extraordinarily ingenious.

[ 10 ] Wenn Sie die Nase nehmen, von vorne angesehen, dann ist in der Mitte eine Wand - die werden Sie ja schon angegriffen haben. Die teilt nach rechts und links die Nase, und rechts und links sind dann die Nasenflügel (siehe Zeichnung). Da oben, wo die Nase zwischen den Augen ist, da sitzt in dem Schädelknochen drinnen das sogenannte Siebbein. Das ist ein kleines Sieb. Also da oben müßte ich in die Schädelknochen hinein — es ist sehr kompliziert, ich will es aber einfach zeichnen — ein Sieb, ein Knochensieb zeichnen, also einen Knochen, der lauter Löcher hat. Und diese Nase — außen haben Sie ja auch Haut, wie die übrige Körperhaut ist —, diese Nase ist innerlich ausgekleidet, ausgefüllt mit einer Schleimhaut. Da überall ist die Schleimhaut (Zeichnung). Die können Sie ja konstatieren: Es ist eine Haut, die Schleim absondert. Wenn Sie die Schleimhaut nicht hätten, brauchten Sie sich nicht zu schneuzen. Also wenn Sie sich schneuzen müssen, sehen Sie, daß man da eine Haut drinnen hat in der Nase, die Schleim absondert.

[ 10 ] If you look at the nose from the front, there is a wall in the middle—you’ve probably already examined that. It divides the nose into right and left sides, and on the right and left are the nostrils (see drawing). Up there, where the nose is between the eyes, inside the skull bone is the so-called ethmoid bone. It’s a small sieve. So up there, I’d have to draw inside the skull bone—it’s very complicated, but I’ll just draw it simply—a sieve, a bony sieve, that is, a bone full of holes. And this nose—on the outside you also have skin, just like the rest of the skin on your body—is lined on the inside with a mucous membrane. The mucous membrane is everywhere (drawing). You can see for yourself: it’s a membrane that secretes mucus. If you didn’t have the mucous membrane, you wouldn’t need to blow your nose. So when you have to blow your nose, you can see that there’s a layer of skin inside your nose that secretes mucus.

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[ 11 ] Aber die Geschichte ist noch komplizierter. Sie werden schon bei Kindern, die weinen, gesehen haben, daß sie auch viel Nasenschleim absondern. Wenigstens auf dem Lande draußen, wo man weniger auf die Nase achtgibt, da findet man: wenn ein Kind weint, so muß es oft geschneuzt werden; oder aber es rinnt eben herunter durch die Nase, weil nämlich da oben ein Kanal zu den sogenannten 'Tränendrüsen geht. Da oben (Zeichnung) sind ja die beiden Augen, und da kommt von den Tränendrüsen, die am äußeren oberen Rand der Augenhöhle sitzen, fortwährend auch der Tränensaft hinein. Der vermischt sich mit dem Nasenschleim, so daß also die Nase in Verbindung steht, ich möchte sagen, in flüssiger Verbindung steht mit den Augen, weil die Tränen eben in die Nasenschleimhaut hineinfließen, weil eigentlich der Augenschleim sich vermischt mit dem Nasenschleim. So daß wir also auch da sehen, daß gar kein Organ im Körper allein für sich ist. Die Nase ist verbunden mit den Augen. Und die Augen können ja nicht nur sehen, sondern sie können auch weinen. Und das, was sie dann absondern, wenn sie weinen, das vermischt sich mit dem, was eben einfach in der Nase, in der Schleimhaut der Nase abgesondert wird.

[ 11 ] But the story is even more complicated. You’ve probably noticed that when children cry, they also produce a lot of nasal mucus. At least out in the countryside, where people pay less attention to their noses, you’ll find that when a child cries, they often need to blow their nose; or else it just runs down through the nose, because there’s a canal up there leading to the so-called “lacrimal glands.” Up there (drawing) are the two eyes, and tear fluid continuously flows in from the lacrimal glands, which are located at the outer upper edge of the eye socket. This mixes with the nasal mucus, so that the nose is connected—I would say, in a fluid connection—with the eyes, because the tears flow into the nasal mucosa, since the mucus from the eyes actually mixes with the nasal mucus. So here, too, we see that no organ in the body exists in isolation. The nose is connected to the eyes. And the eyes can not only see, but they can also cry. And what they secrete when they cry mixes with what is simply secreted in the nose, in the nasal mucosa.

[ 12 ] Durch dieses Siebbein, das da oben ist an der Nasenwurzel, wie man sagt, da geht nun der eigentliche Riechnerv. Der Riechnerv geht nun zum Gehirn hin, hat zwei Stränge, geht da (Zeichnung) durch das Siebbein und breitet sich da drinnen in der Nase aus. So daß wir also, wenn wir in die Nase — was unartig ist - mit unserem kleinen Finger hineingreifen, wir auf dieNasenschleimhaut greifen; aber diese Nasenschleimhaut ist durchzogen mit dem Riechnerv, der ins Gehirn hineinführt. Das ist dasjenige, was man an der Nase selber sehen kann, denn sie ist eigentlich furchtbar einfach gestalter.

[ 12 ] The actual olfactory nerve passes through this ethmoid bone, which is located at the root of the nose, as they say. The olfactory nerve then travels toward the brain; it has two strands, passes through the ethmoid bone (see drawing), and branches out inside the nose. So when we stick our little finger into our nose—which is bad manners—we’re touching the nasal mucosa; but this nasal mucosa is permeated by the olfactory nerve, which leads into the brain. That’s what you can actually see in the nose itself, because it’s actually incredibly simple in structure.

[ 13 ] Aber da kommt schon etwas, was einem viel verraten kann, wenn man vernünftig denkt. Wer zum Beispiel die Augen des Menschen ordentlich untersucht, der findet bei keinem Menschen, daß die beiden Augen vollständig gleich stark sehen. Wer die beiden Hände untersucht, der wird schon finden, daß sie nicht gleich stark sind. Der Mensch ist niemals an der linken und rechten Seite in seinen Organen vollständig gleich stark. Und so ist es auch bei der Nase. Man riecht einfach mit dem linken Nasenloch, wenn ich mich so ausdrücken darf, weniger stark als mit dem rechten Nasenloch. Geradeso aber wie es mit den Händen ist, so ist es mit den Nasenlöchern: es gibt einzelne Menschen, die riechen stärker mit dem linken Nasenloch als mit dem rechten, geradeso wie es auch Linkshänder gibt. Es gibt ja überhaupt solche verkehrten Menschen in der Welt. Ich meine jetzt nicht nur die Querköpfe, sondern es gibt schon auch Querherzen!

[ 13 ] But here is something that can reveal a great deal if one thinks logically. For example, anyone who carefully examines a person’s eyes will find that no two eyes have exactly the same visual acuity. Anyone who examines both hands will find that they are not equally strong. A person’s organs are never completely equally strong on the left and right sides. And the same is true of the nose. One simply smells less strongly with the left nostril, if I may put it that way, than with the right nostril. But just as it is with the hands, so it is with the nostrils: there are some people who smell more strongly with their left nostril than with their right, just as there are left-handed people. After all, there are such “reversed” people in the world. I don’t just mean the “reverse-minded,” but there are also “reverse-hearted” people!

[ 14 ] Beim gewöhnlichen Menschen, da liegt das Herz - nicht viel, aber ein klein bißchen — nach der linken Seite verschoben, und danach sind die ganzen Eingeweide gebildet. Nun gibt es solche Quermenschen, die haben das Herz ein bißchen nach der rechten Seite geschoben, den Magen auch ein bißchen nach rechts, sind ganz verdreht. Das bemerkt man nämlich viel weniger, als wenn die Menschen im Kopf verdreht sind. Wenn die Menschen im Herz oder im Magen verdreht sind, da tritt die Geschichte erst auf, wenn der Mensch irgendwie krank geworden ist oder wenn er seziert wird. Und man ist da erst durch die Sektion darauf gekommen, daß es solche sonderbaren Quermenschen gibt, welche Herz und Magen nach rechts dirigiert haben. Und da nicht jeder Querkopf im Leben seziert wird nicht wahr, es geschieht ja nicht immer —, so weiß man manchmal gar nicht, daß es viel mehr solche Quermenschen gibt, als man glaubt, die das Herz zu stark nach der rechten Seite getrieben haben.

[ 14 ] In an ordinary person, the heart is shifted—not by much, but just a little—toward the left side, and the entire set of internal organs is formed accordingly. Now there are these “twisted” people whose hearts are shifted a little to the right, their stomachs also a little to the right—they’re completely twisted. You actually notice this much less than when people are “twisted” in the head. When people are “twisted” in the heart or stomach, the issue only comes to light when the person has somehow become ill or when they’re dissected. And it was only through autopsies that people realized there are such peculiar “sideways” people who have shifted their hearts and stomachs to the right. And since not every “sideways” person is autopsied during their lifetime—it doesn’t always happen—one sometimes has no idea that there are far more of these “sideways” people than one might think, who have shifted their hearts too far to the right.

[ 15 ] Aber sehen Sie einmal, bei einer ordentlichen Pädagogik muß man darauf Rücksicht nehmen, denn wenn man ein Kind hat, das das Herz nicht auf dem rechten Fleck hat — jetzt nur im anatomischen Sinne gemeint —, so muß man wirklich darauf Rücksicht nehmen, sonst kann eine ganz dumme Geschichte für das Kind daraus werden. Aber der Mensch muß nicht, weil er eben nicht bloß ein physikalischer Apparat ist, so aufgezogen werden, daß ihm solche Dinge ein Hindernis werden. Das ist eben gerade die große Kunst der Erziehung, daß man auf solche Dinge Rücksicht nimmt. Sehen Sie, der Professor Benedikt, der hat eine ganze Menge von Verbrechergehirnen untersucht. In Österreich hat man ihm das nicht gerne zugelassen, weil ja in Österreich die Leute Katholiken sind, und da halten sie darauf, daß man solche Sachen nicht macht. Er war in Wien Professor. Da hat er sich mit den Ungarn in Verbindung gesetzt, die sind in einer gewissen Zeit mehr Calvinisten gewesen, und da hat man ihm gestattet, die Verbrecherschädel nach Wien zu transportieren. Da ist ihm verschiedenes passiert. Da war ein hartgesottener Mörder - ich habe vergessen, wie viele Morde er auf dem Gewissen hatte - und der war nämlich fromm. Der war ein frommer Katholik. Und es ist einmal das Gerücht ausgebrochen, daß der Professor Benedikt in Wien die Verbrecherschädel geschickt kriege und dort untersuche. Da hat sich dieser eine Verbrecher, der ein hartgesottener Mörder war, dagegen aufgelehnt: das wolle er nicht, er wolle nicht seinen Schädel an den Professor Benedikt geschickt haben, denn wo solle er am Jüngsten Tag, wenn alle Leute auferstehen, dann seinen Kopf zusammensuchen mit seinem andern Leib!—Also an den Jüngsten Tag hat er schon geglaubt, trotzdem er ein hartgesottener Verbrecher war.

[ 15 ] But look, in proper pedagogy, one must take this into account, because if you have a child whose heart isn’t in the right place—and I mean this only in the anatomical sense—then you really must take that into account; otherwise, it can turn into a very unpleasant situation for the child. But since human beings are not merely physical machines, they should not be raised in such a way that such things become obstacles for them. That is precisely the great art of education: taking such things into account. You see, Professor Benedikt has studied a great many criminal minds. In Austria, they were reluctant to allow him to do this, because in Austria people are Catholic, and they insist that such things not be done. He was a professor in Vienna. There he got in touch with the Hungarians—who, at a certain time, were more Calvinist—and they allowed him to transport the criminals’ skulls to Vienna. Various things happened to him there. There was a hardened murderer—I’ve forgotten how many murders he had to his name—and he happened to be devout. He was a devout Catholic. And once a rumor broke out that Professor Benedikt was having the criminals’ skulls sent to Vienna and examining them there. So this one criminal, who was a hardened murderer, protested: he didn’t want that; he didn’t want his skull sent to Professor Benedikt, because on Judgment Day, when all people rise from the dead, where would he find his head to reunite with the rest of his body!—So he did believe in Judgment Day, even though he was a hardened criminal.

[ 16 ] Ja, was hat denn der Professor Benedikt an den Verbrecherschädeln gefunden? Wir haben da hinten im Gehirn das kleine Gehirn — ich werde davon noch sprechen -, und über dieses kleine Gehirn ist ein Lappen vom großen Gehirn gelegt. Das schaut so aus (siehe Zeichnung). Das kleine Gehirn, das schaut so aus wie ein kleiner Baum, und da drüber ist dann das große Gehirn gelegt, solch ein Lappen. Nun hat der Professor Benedikt gefunden, daß bei Menschen, die niemals gemordet haben, die niemals gestohlen haben—es gibt ja auch solche —, der Gehirnlappen sehr weit heruntergeht, und bei denen, die Mörder oder andere Verbrecher waren, da geht er nicht so weit herunter, da bedeckt er das Untere nicht.

[ 16 ] Yes, what did Professor Benedikt find in the criminals’ skulls? We have the cerebellum back there in the brain—I’ll talk more about that later—and a lobe of the cerebrum is draped over the cerebellum. It looks like this (see drawing). The cerebellum looks like a small tree, and the cerebrum is draped over it like a lobe. Now, Professor Benedikt found that in people who have never committed murder, who have never stolen—there are such people, after all—the cerebral lobe extends very far down, whereas in those who were murderers or other criminals, it does not extend as far down; it does not cover the lower part.

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[ 17 ] Nun ist natürlich ein Mensch mit einem solchen Fehler geboren. Aber, meine Herren, Menschen, die mit einem zu kleinen Gehirnlappen geboren sind, der nicht richtig das kleine Gehirn zudeckt, die gibt es viele! Und da kann man durch die Erziehung schon nachhelfen. Es muß einer nicht ein Mörder werden, wenn er einen zu kleinen Hinterhauptslappen hat; er wird es nur, wenn er nicht richtig erzogen wird. Daraus sehen Sie wiederum, daß man dem Körper, wenn er nicht richtig ausgebildet ist, durch das Seelische nachhelfen kann. Also es ist ein Unsinn, zu sagen, wie der sonst geistreiche Professor Benedikt gesagt hat: Es kann einer nichts dafür, wenn er ein Verbrecher ist; ja, es kann einer nichts dafür. - Weil er als Keim, als Embryo im Mutterleibe nicht ordentlich gelegen hat, deshalb hat er einen zu kleinen Hinterhauptslappen gekriegt. Er mag ja nach dem, wie man erzieht, recht gut erzogen sein, aber er ist nicht richtig erzogen worden für so etwas. Da kann er natürlich nichts dafür. Aber die Gesellschaft kann dafür, die dafür zu sorgen hat, daß die Sache richtig gemacht wird in der Erziehung.

[ 17 ] Of course, a person is born with such a defect. But, gentlemen, there are many people who are born with an occipital lobe that is too small to properly cover the cerebellum! And in such cases, education can help. A person does not have to become a murderer just because he has an occipital lobe that is too small; he only becomes one if he is not properly raised. From this you can see, once again, that if the body is not properly developed, the soul can help make up for it. So it is nonsense to say, as the otherwise witty Professor Benedikt has said: “It’s not a person’s fault if he is a criminal”; yes, it’s not a person’s fault. - Because he was not properly positioned as a germ, as an embryo in the womb, he ended up with an occipital lobe that is too small. He may well be quite well-mannered depending on how he is raised, but he has not been properly raised for such a thing. Of course, he can’t help it. But society can—society is responsible for ensuring that things are done correctly in education.

[ 18 ] Alles das sage ich Ihnen, damit Sie sehen, welch große Bedeutung die Gesamtorganisation des Menschen eigentlich hat.

[ 18 ] I am telling you all this so that you can see just how important the overall organization of the human being actually is.

[ 19 ] Und nun müssen wir sagen, es ist beim Hund — gehen wir noch einmal zurück auf den Hund -, es ist ja beim Hund eben dieses ganz Einfache der Nase besonders gut und stark ausgebildet. Meine Herren, was riechen wir denn eigentlich? Was riecht denn eigentlich der Hund?

[ 19 ] And now we must say that in dogs—let’s go back to dogs for a moment—it is precisely this very simple sense of smell that is particularly well and strongly developed. Gentlemen, what do we actually smell? What does a dog actually smell?

[ 20 ] Wenn irgendwo einfach ein Stück Stoff liegt, zum Beispiel die Kreide, dann riechen Sie sie nicht. Bloß wenn Sie den Stoff anzünden, und die Stoffe verdunsten, in Dunst übergehen, so daß sie in der Nase als Luft aufgenommen werden, dann riechen Sie sie. Sie riechen nicht einmal flüssige Stoffe, wenn sie nicht zuerst verdunsten. Also riechen wir nur dasjenige, was zuerst verdunstet. Wir können also sagen: Die Luft muß um uns herum sein, und mit dieser Luft müssen sich die Dünste der Stoffe verbinden. Dann riechen wir die Stoffe dadurch, daß sie dunstförmig geworden sind. Etwas anderes riechen wir nicht. Natürlich, wir riechen den Apfel oder die Lilie. Aber es ist Unsinn, zu glauben, daß wir die feste Lilie riechen. Wir riechen die Dünste, die aus der Lilie aufsteigen und die in unsere Nase kommen. Dann, wenn dieser Lilienduft, der also dunstförmig ist, heranweht, dann ist der Nerv der Nase dazu angetan, geeignet, den Geruch zu erleben.

[ 20 ] If a piece of material is simply lying somewhere—for example, chalk—then you cannot smell it. Only when you set the material on fire, and the substances evaporate and turn into vapor, so that they are drawn into your nose as air, do you smell them. You don’t even smell liquid substances unless they evaporate first. So we only smell what evaporates first. We can therefore say: There must be air around us, and the vapors of the substances must mix with this air. Then we smell the substances because they have become vapors. We don’t smell anything else. Of course, we smell the apple or the lily. But it is nonsense to believe that we smell the solid lily. We smell the vapors that rise from the lily and enter our nose. Then, when this lily scent—which is thus in vapor form—wafts toward us, the nerve in the nose is capable of perceiving the odor.

[ 21 ] Also es sind natürlich auch, wenn der Wilde seinen Feind riecht, die Ausdünstungen dabei. Sie können daraus entnehmen, daß der Mensch viel weiter sich geltend macht, als seine Hände reichen. Denn wenn wir Wilde wären, und einer von uns käme da unten in Arlesheim, dann würde er wissen, ob da hier unter uns ein Feind ist von ihm. Also müßte doch dieser Feind von ihm da sein ganzes Wesen bis nach Arlesheim hin geltend machen! Sie sind also auch noch in Arlesheim drunten durch dasjenige, was Sie ausdünsten. Überall ist weit um sich herum der Mensch durch seinen Dunst noch da. Er ist viel mehr durch seinen Dunst noch da, als durch das, was man äußerlich sieht.

[ 21 ] So, of course, when the savage smells his enemy, the odors are part of it. You can infer from this that humans assert themselves far beyond the reach of their hands. For if we were savages, and one of us were to go down to Arlesheim, he would know whether there was an enemy of his here among us. So this enemy of his would have to make his presence felt all the way to Arlesheim! You are therefore still present down in Arlesheim through what you exude. Everywhere, far around him, man is still present through his aura. He is present far more through his aura than through what one sees outwardly.

[ 22 ] Nun gibt es beim Hund etwas, was der Mensch nicht kann, und was außerordentlich interessant ist; Sie kennen es alle recht gut. Wenn Sie einen Hund haben oder nur einen Hund sehen, den Sie gut kennen und der Sie gut kennt und Sie treffen ihn wiederum, so wedelt er mit dem Schwanz. Ja, meine Herren, warum wedelt er mit dem Schwanz? Weil er Freude hat! Der Mensch kann nicht mit dem Schwanz wedeln, wenn er Freude hat, weil er ihn überhaupt nicht mehr hat. Soweit ist der Mensch verkümmert in bezug darauf, daß er seine Freude überhaupt zunächst gar nicht ausdrücken kann. Also der Hund, der riecht den Menschen und wedelt mit dem Schwanz. Durch den Geruch kommt nämlich sein ganzer Körper in Aufregung, und das drückt sich dadurch aus, daß er in seine Schwanzmuskeln dasjenige bekommt, was das Erlebnis der Freude ist, und er wedelt mit dem Schwanz. Beim Menschen ist es soweit gekommen, daß er überhaupt ein solches Organ gar nicht mehr hat, mit dem er seine Freude auf diese Weise ausdrücken könnte.

[ 22 ] Now there is something about dogs that humans cannot do, and which is extraordinarily interesting; you all know it quite well. If you have a dog—or even just see a dog that you know well and that knows you well—and you meet him again, he wags his tail. Yes, gentlemen, why does it wag its tail? Because it is happy! Humans cannot wag their tails when they are happy, because they no longer have tails at all. Humans have atrophied to such an extent in this regard that they cannot even begin to express their joy. So the dog smells the human and wags its tail. The scent, in fact, stirs his entire body into excitement, and this is expressed by the fact that the experience of joy flows into his tail muscles, causing him to wag his tail. In humans, things have come to the point where they no longer possess such an organ with which they could express their joy in this way.

[ 23 ] Wir sehen, der Mensch ist zwar kultivierter als das Hundegeschlecht, aber es fehlt ihm die Möglichkeit, durch sein Rückenmark seinen Geruch herunterzutreiben; denn so ist es ja beim Hund. Er bekommt durch die Nase den Geruch herein, treibt ihn dann durch sein Rückenmark hinunter, und nachher wedelt er mit dem Schwanz.

[ 23 ] We see that, although humans are more highly evolved than dogs, they lack the ability to transmit a scent down through their spinal cord; for that is how it works in dogs. A dog takes in a scent through its nose, transmits it down through its spinal cord, and then wags its tail.

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[ 24 ] Also das, was er da als Geruch in die Nase hineinbekommt, das geht da in sein Rückenmark hinein. Und das Ende vom Rückenmark ist eben der Schwanz, und da wedelt er. Das kann der Mensch nicht. Warum? Ich will Ihnen sagen, warum das der Mensch nicht kann. Der Mensch hat auch dieses Rückenmark, aber er ist nicht imstande, den Geruch durch dieses Rückenmark hindurchzuleiten.

[ 24 ] So what he takes in as a smell through his nose goes into his spinal cord. And the end of the spinal cord is the tail, and that’s where he wags it. Humans can’t do that. Why? I’ll tell you why humans can’t do that. Humans also have this spinal cord, but they are unable to transmit the scent through it.

[ 25 ] Jetzt will ich Ihnen von der Seite gesehen den ganzen Kopf des Menschen aufzeichnen. Da würde dann das Rückenmark weitergehen; das geht dann da hinunter. Beim Hund geht das also in den Schwanz hinein, und dadurch kann der Hund wedeln. Beim Menschen aber ist es so, daß er die Kraft dieses Rückenmarkes umkehrt. Der Mensch hat ja die Kraft, überhaupt manches umzukehren, was die Tiere nicht können. Die Tiere gehen daher auf allen vieren, oder wenn sie, wie manche Affen, nicht auf allen vieren gehen, dann ist das um so schlimmer für sie, weil sie eigentlich dazu organisiert sind, auf allen vieren zu gehen.

[ 25 ] Now I want to draw the entire human head as seen from the side. The spinal cord would continue there; it runs down that way. In dogs, it extends into the tail, which is why dogs can wag their tails. In humans, however, the power of the spinal cord is reversed. Humans, after all, have the ability to reverse many things that animals cannot. Animals therefore walk on all fours, or if, like some monkeys, they do not walk on all fours, then that is all the worse for them, because they are actually built to walk on all fours.

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[ 26 ] Der Mensch richtet sich aber auf während seines Lebens. Er geht auch zuerst auf allen vieren; dann richtet er sich auf. Das ist diese Kraft, die da durch das Rückenmark geht, und diese Kraft schoppt, möchte ich sagen, das ganze Gehirn hier nach vorne. Man kann wirklich sagen, wenn man einen Hund anschaut: das ist furchtbar interessant, besonders wenn man ihn wedeln sieht. Wenn man sich mit ihm vergleicht als Mensch, so muß man eigentlich sagen: Donnerwetter, der kann wedeln; ich kann das nicht! — Aber die ganze Kraft, die da in diesem Wedelschwanz liegt, die hat der Mensch zurückgeschoppt und hat das ins Gehirn hier heraufgeschoppt. Die da hier (beim Hund) wächst nach unten, nicht nach oben. Also diese Kraft, die der Hund da in seinem Schwanz rückwärts hat, die kehren wir um und führen sie nun zum Gehirn hinein. Und so können Sie sich vorstellen, daß die Geschichte so ist: Wenn Sie sich denken würden, da wäre das Ende Ihres eigenen Rückgrates, wo wir das sogenannte Steißbein haben, das aus verkümmerten Knochen besteht, während es beim Hund aus sehr gut ausgebildeten Knochen besteht; das ist bei uns schon zusammengewachsen und so ein ganz verkümmertes Bein, das nicht mehr wedeln kann, geht da herunter, wird von der Haut bedeckt. Nun, diese ganze Wedelkraft, die kehren wir um, und eigentlich, wenn da nicht die Schädeldecke wäre, dann könnten wir mit diesem Gehirn, wenn wir einen angenehmen Geruch wahrnehmen würden, da oben wedeln. Wir würden also eigentlich — was sehr interessant ist -, wenn wir uns freuen, wenn wir jemanden sehen, wenn unsere Gehirnknochen da nicht unser Gehirn zusammenhielten, mit dem Gehirn nach vorne wedeln.

[ 26 ] But humans stand upright during their lives. They also start out on all fours; then they stand up. It is this force that runs through the spinal cord, and this force, I would say, propels the entire brain forward. You can really say, when you look at a dog: that’s incredibly interesting, especially when you see it wagging its tail. If you compare yourself to it as a human, you really have to say: Wow, it can wag its tail; I can’t do that! — But all the force that lies in that wagging tail—humans have redirected it and channeled it up into the brain here. The one here (in the dog) grows downward, not upward. So this force that the dog has directed backward in its tail—we reverse it and now channel it into the brain. And so you can form a mental image of it like this: If you were to picture the end of your own spine—where we have the so-called coccyx, which consists of atrophied bones, whereas in a dog it consists of very well-developed bones—in us, it has already fused together, and this completely atrophied “leg,” which can no longer wag, extends downward and is covered by skin. Well, we reverse all that wagging power, and actually, if it weren’t for the skull, then when we perceive a pleasant smell, we could wag our brains up there. So we would actually—and this is very interesting—when we’re happy, when we see someone, if our skull bones weren’t holding our brain together, we would wag our brains forward.

[ 27 ] Sehen Sie, das ist eigentümlich in der menschlichen Organisation: Sie kehren die Geschichten um, die bei den Tieren sind. Also diese Wedelkraft, die wird zwar entwickelt, aber sie wird umgekehrt. Wir wedeln nämlich in Wirklichkeit auch, und manche Menschen haben dafür sogar ein feines Gefühl. Nicht wahr, Hofräte, die um die Herzöge herum sind, die wedeln, wenn die Herzöge in der Nähe sind — nun, so wie der Hund wedeln sie nicht, aber manche Menschen haben das Gefühl: die wedeln wirklich. Die wedeln nämlich seelisch. Das ist so etwas, das wie Wedeln ausschaut. Aber sehen Sie, wenn man sich die Empfindung angeeignet hat, die man manchmal, was leicht mißverstanden wird, Hellsehen nennt — das besteht ja darinnen, daß man eben manche Dinge besser sieht als andere Menschen -, ja, meine Herren, dann hat man nicht nur das Gefühl, daß der Hofrat vor dem Herzog wedelt, sondern dann sieht man es sozusagen; nur wedelt er nicht da hinten (wie der Hund), sondern er wedelt da vorne. Er wedelt wirklich! Nicht wahr, das, was da in Ihrem Gehirn drinnen an festen Stoffen ist, das wird ja durch Ihre Knochen zusammengehalten. Aber was da sich entwickelt als feine Stofflichkeit, als Wärme, das wedelt, wenn der Hofrat vor dem Herzog steht. Es ist so, daß es abwechselt, ein bißchen warm, kälter, wärmer, kälter. Und es ist tatsächlich so: Wenn die Hofräte den Herzog umgeben, und wenn Sie eine feine Empfindung für die wackelnde Wärme haben, dann können Sie schon so etwas sehen, wie man es macht, wenn man jemandem ein Eselsohr umhängt: da wedelt vorne, wir sagen dann, da wedelt vorne der Ätherkörper, der feinere Körper, weil das auch richtig ist. Das ist wahr: der Ätherkörper wedelt.

[ 27 ] You see, this is a peculiar aspect of human organization: we reverse the patterns found in animals. So this wagging ability—it is developed, but it is reversed. In reality, we do wag our tails, too, and some people even have a keen sense of it. Isn’t that right, court officials who surround the dukes—they wag their tails when the dukes are nearby? Well, they don’t wag them like a dog does, but some people have the feeling that they really do wag their tails. They wag them in a spiritual sense. It’s something that looks like wagging. But you see, once you’ve acquired that perception—which is sometimes, though easily misunderstood, called clairvoyance—which consists precisely in seeing certain things better than other people do—well, gentlemen, then you don’t just have the feeling that the court councilor is wagging his tail in front of the duke; you actually see it, so to speak; only he isn’t wagging it back there (like a dog), but he’s wagging it up front. He’s really wagging it! Isn’t it true that the solid matter inside your brain is held together by your bones? But what develops there as a subtle substance, as warmth—that’s what’s wagging when the court councilor stands before the duke. It alternates—a little warm, colder, warmer, colder. And it’s actually like this: When the court councilors surround the duke, and if you have a subtle sense of that wavering warmth, then you can already see something like what happens when you drape a donkey’s ear around someone’s neck: it wags up front—we then say that the etheric body, the more subtle body, is wagging up front, because that is also correct. It’s true: the etheric body wags.

[ 28 ] Nun aber, durch das Ganze wird ja beim Hund, oder beim Elefanten, eben das Rückenmark ausgebildet. Beim Menschen wird das, was beim Hund oder beim Elefanten verkümmert bleibt, nach vorne geschoben. Wie ist das? Jetzt will ich den Nerv, den ich da (siehe Zeichnung S. 115) rot hineingezeichnet habe, hier gelb hineinzeichnen, und der geht jetzt ins Gehirn hinein. Im Gehirn drinnen begegnen sich jetzt zwei Sachen: dasjenige, was da als Wedelorgan nach vorne geschoppt ist, was nur beim Menschen da ist, und dasjenige, was der Riechnerv ist, der auch beim Menschen vorhanden ist. Aber dieser Riechnerv, der schiebt sich beim Hund zu einer riesigen Größe ins Gehirn hinein, weil ihm nichts entgegenwirkt, denn das, was ihm entgegenwirken könnte, wedelt ja hinten heraus. Der Mensch aber kehrt das um. Diese ganze Wedelkraft kommt der Nase entgegen. Daher wird beim Menschen das, was da als Riechnerv hineingeht, so klein als möglich gemacht, weil es zusammengeschoppt wird von dem, was ihm entgegenkommt. Und so hat der Mensch da drinnen ein Organ, das erstens seinen Geruch zurückdrängt, aber das ihn eigentlich in gewisser Beziehung zum Menschen macht. Das sind die heraufgeschoppten Kräfte.

[ 28 ] But now, through this entire process, the spinal cord is formed in the dog or the elephant. In humans, what remains atrophied in the dog or the elephant is pushed forward. How does that work? Now I want to draw the nerve—which I’ve marked in red there (see drawing on p. 115)—in yellow here, and it now enters the brain. Inside the brain, two things now meet: that which has been pushed forward as the wagging organ—which is unique to humans—and the olfactory nerve, which is also present in humans. But in dogs, this olfactory nerve pushes its way into the brain to an enormous size because nothing counteracts it—since whatever could counteract it is wagging out the back. Humans, however, reverse this process. All this wagging force comes toward the nose. That is why, in humans, what enters as the olfactory nerve is made as small as possible, because it is pushed back by what comes toward it. And so humans have an organ inside that, first of all, suppresses their sense of smell, but which actually connects them to other humans in a certain way. These are the forces that have been pushed upward.

[ 29 ] Daher kann man sagen, daß da im Vordergehirn drinnen beim Hund und beim Elefanten viel vom Riechnerv liegt, ein riesig großer Riechnerv liegt da drinnen. Beim Menschen ist der Riechnery etwas verkümmert; dagegen lagern sich vor die Nerven, die von unten heraufgeschoppt werden. So daß an der Stelle hier, wo beim Hund noch lange das liegt, was von der Nase hineinwedelt, beim Menschen da gerade das Edelste vom Gehirn liegt. Und die Folge davon ist, daß da im Vorderhirn eigentlich beim Menschen der Sinn vorhanden ist für Mitgefühl, für Verständnis der Menschen überhaupt. Etwas sehr Edles ist da. Das, was der Hund auswedelt, das ist beim Menschen in etwas sehr Edles umgestaltet. Und der Mensch hat da im Vorderhirn, gerade an der Stelle, wo die sehr verachtete Nase sonst ihren Riechnerv hineinschickt, eigentlich ein außerordentlich edles Organ.

[ 29 ] Therefore, one can say that a large portion of the olfactory nerve is located inside the forebrain of both dogs and elephants; a huge olfactory nerve is located there. In humans, the olfactory nerve is somewhat atrophied; instead, the nerves that are pushed up from below are situated there. So that in this very spot—where in dogs the nerve that carries signals from the nose still extends far—in humans, the very noblest part of the brain is located. And the result of this is that in the forebrain of humans, the capacity for compassion and for understanding other people in general is actually present. There is something very noble there. What the dog detects with its nose is transformed in humans into something very noble. And humans actually have an extraordinarily noble organ in the forebrain, precisely at the spot where the much-despised nose would otherwise send its olfactory nerve.

[ 30 ] Ich habe Ihnen gesagt, daß wir nicht mit dem linken und rechten Nasenloch gleich stark riechen. Nun denken Sie einmal daran, wenn einer, der gewohnt ist, recht starke Gebärden zu machen, nachdenkt — was tut er denn da? Das haben Sie sicher schon gesehen: Er fährt mit dem Finger oder mit der Hand da herauf, gerade so, daß der Zeigefinger über seiner Nasenscheidewand liegt — weil nämlich da hinter der Nase im Gehirn drinnen das Unterscheidungsvermögen seinen körperlichen Ausdruck hat.

[ 30 ] I told you that we don’t smell with our left and right nostrils with equal intensity. Now think about this: when someone who is accustomed to making rather exaggerated gestures is deep in thought—what does he do? You’ve surely seen this before: he moves his finger or hand up there, just so that his index finger rests on his nasal septum—because that’s where, behind the nose inside the brain, the power of discrimination finds its physical expression.

[ 31 ] Die Nasenscheidewand, die macht es beim Hund so, daß er sehr fein nicht nur die Spur verfolgen kann, sondern er kann mit seinem linken und rechten Nasenloch sehr fein unterscheiden, wie bei dem einen und bei dem andern die Gerüche sind, und er hat nämlich - das ist jetzt sehr interessant — in seinem rechten Nasenloch immer die Spur von demjenigen, den er gerade verfolgt, während er im linken Nasenloch drinnen die Spuren von all denen hat, die er schon verfolgt hat. Dadurch wird er immer gescheiter im Verfolgen, wie wir Menschen auch immer gescheiter werden, wenn wir mehr lernen und mehr in unserem Gedächtnis drinnen haben. Der Hund hat nämlich ein gutes Gedächtnis für Gerüche. Dadurch wird er ein so guter Spurverfolger.

[ 31 ] The nasal septum allows a dog not only to follow a scent with great precision, but also to distinguish very precisely, using its left and right nostrils, between the scents of one person and another, and—this is very interesting—in its right nostril, it always has the scent of the one it is currently tracking, while in its left nostril, it has the scents of all those it has already tracked. This makes it increasingly skilled at tracking, just as we humans become more skilled the more we learn and the more we store in our memory. Dogs, in fact, have a good memory for scents. That’s what makes them such good trackers.

[ 32 ] Und da geht aber noch eine Spur ins Menschenleben herein. Man kann nämlich folgendes beobachten. Sehen Sie, der Mensch ist schon abgestumpft fürs Riechen; aber zum Beispiel dem Mozart sind manchmal seine schönsten Melodien eingefallen, wenn er in irgendeinem Garten eine Blume gerochen hat. Wenn er nachgedacht hat, warum das ist, so ist das deshalb gewesen, weil er diese Blume schon irgendwoanders gerochen hatte, wo es ihm gerade recht gut gefallen hatte. Er hätte sich niemals aufgeschwungen etwa, dieser Mozart, zu der Aussage: Nun ja, da war ich einmal in dem wunderschönen Garten von dort und dort, da war so eine Blume, die hat einen Duft gehabt, der mir besonders gefallen hat; jetzt ist wiederum so ein Duft da, das bringt mich ja - ja, fast zum Wedeln. Das hätte der Mozart nicht gesagt; aber eine schöne Melodie ist ihm eingefallen, wenn er die Blume wieder gerochen hat. Daraus sehen Sie, wie das Riechen mit unserem Gedächtnis zusammenhängt.

[ 32 ] And there is another connection to human life here. One can observe the following, in fact. You see, humans have become rather desensitized to smell; but Mozart, for example, sometimes came up with his most beautiful melodies when he smelled a flower in some garden. When he pondered why that was, it was because he had already smelled that flower somewhere else, where he had particularly enjoyed it. Mozart, for example, would never have gone so far as to say: “Well, I was once in that beautiful garden over there, and there was a flower there with a scent that I particularly liked; now there’s that scent again, and it makes me—well, almost want to wiggle.” Mozart would never have said that; but a beautiful melody came to him when he smelled that flower again. From this you can see how the sense of smell is connected to our memory.

[ 33 ] Das rührt aber nicht von dem her, was wir Menschen an Riechen hineinschicken, sondern von dem, was wir da drinnen entgegenschoppen. Da wird unser Unterscheidungsvermögen als Menschen entwickelt. Wenn also einer besonders logisch denken kann, richtig die Gedankenverbindungen hat, dann müssen wir sagen: Der hat gegen seinen Riechnerv sein Gehirn vorgeschoben und eigentlich angepaßt dem, was sonst der Riechnery wäre. - Man könnte schon sagen, ein besonders gescheiter Mensch ist eigentlich ein solcher, der die Hundenatur in sich möglichst groß überwunden hat.

[ 33 ] But this doesn’t stem from what we humans send in through our sense of smell, but rather from what we receive in response. That is where our capacity for discernment as human beings is developed. So if someone is particularly capable of logical thinking and makes the right mental connections, then we must say: This person has placed their brain in front of their olfactory nerve and has, in fact, adapted it to what would otherwise be the role of the olfactory nerve. — One could even say that a particularly intelligent person is actually someone who has overcome their “dog-like nature” to the greatest extent possible.

[ 34 ] Wenn also einer so geboren wird, daß er ein halber Hund ist, daß ei besonders gut riechen könnte, und man würde ihn dann so aufziehen, daß er andere Dinge, die nicht Gerüche sind, unterscheiden kann — denn die unterscheidet er durch das, was er dem Geruchsnerv entgegenschoppt —, dann würde er ein besonders gescheiter Mensch werden.

[ 34 ] So if someone were born half-dog—with a particularly keen sense of smell—and were then raised to distinguish between other things that aren’t smells—since he distinguishes them by what he contrasts with his sense of smell—then he would become a particularly intelligent person.

[ 35 ] Die Gescheitheit, das Unterscheidungsvermögen, das rührt überhaupt davon her, daß der Mensch den Geruchssinn überwindet. Der Elefant und der Hund haben ihre Gescheitheit in der Nase, also ziemlich außerhalb von sich selbst; der Mensch hat seine Gescheitheit in sich. Das ist eben eigentlich der Unterschied. So daß man eben nicht bloß darauf schauen darf, ob der Mensch und die Tiere dieselben Organe haben. Gewiß, der Hund und der Mensch haben eine Nase, aber es kommt darauf an, wie die Nasen angeordnet sind. Und daraus sieht man eben, daß am Menschen etwas arbeitet, was am Hunde nicht arbeitet. Und so arbeitet man sich allmählich, wenn man so etwas erkennt, von dem Körperlichen zum Seelischen herauf. Denn weder die Nase, noch auch jenes besenförmige Ende des Rückenmarks, das der Hund zum Wedeln hat, was ja nur von Häuten überzogen ist, von etwas Knochen durchzogen ist, die haben keinen Drang, einander entgegenzuwachsen. Dieser Drang kommt dann erst vom Seelischen, das der Hund nicht in derselben Weise hat wie der Mensch.

[ 35 ] Intelligence and discernment stem entirely from the fact that humans have transcended the sense of smell. The elephant and the dog derive their intelligence from their noses—that is, largely from outside themselves; humans possess their intelligence within themselves. That is, in fact, the difference. So one must not merely look to see whether humans and animals have the same organs. Certainly, dogs and humans have a nose, but what matters is how the noses are arranged. And from this one can see that something is at work in humans that is not at work in dogs. And so, when one recognizes such things, one gradually works one’s way up from the physical to the spiritual. For neither the nose nor that broom-shaped end of the spinal cord—which the dog uses to wag its tail, and which is covered only by skin and traversed by a few bones—has any urge to grow toward one another. This urge arises only from the soul, which the dog does not possess in the same way as humans do.

[ 36 ] Nun sehen Sie, ich habe Ihnen also die Nase mit allem, was dazu gehört, so beschreiben können, daß wir sie in ihrer Fortsetzung ins Gehirn hinein finden, und daß wir daran eigentlich die Gescheitheit des Menschen geknüpft finden.

[ 36 ] Now you see, I have been able to describe the nose—with all its associated features—in such a way that we find it extending into the brain, and that we actually find human intelligence linked to it.

[ 37 ] Merkwürdig kommt es uns vor, wenn wir nun mit dem Geruchssinn einen Sinn vergleichen, der ganz ähnlich dem Geruchssinn ist, und doch wiederum kolossal verschieden ist: das ist der Geschmackssinn. Er ist so verwandt, daß zum Beispiel in der Gegend, wo ich geboren bin, die Leute überhaupt niemals sagen: riechen — das Wort «riechen» kommt da gar nicht vor. Die sagen: es schmeckt gut oder es schmeckt schlecht, wenn sie riechen; die reden dort, wo ich geboren bin, gar nicht vom Riechen. (Es wird eingeworfen: Hier auch!) Also auch hier in der Schweiz, auch hierzulande redet man nicht vom Riechen, sondern vom Schmecken, weil es den Leuten so verwandt vorkommt, was Riechen und Schmecken ist, daß sie es gar nicht unterscheiden.

[ 37 ] It strikes us as strange when we compare the sense of smell to a sense that is very similar to it, yet at the same time vastly different: the sense of taste. It is so closely related that, for example, in the region where I was born, people never say “smell”—the word “smell” doesn’t even exist there. They say, “It tastes good” or “It tastes bad” when they smell something; where I was born, they don’t talk about “smelling” at all. (An interjection: “Here, too!”) So here in Switzerland as well, people don’t speak of smelling, but of tasting, because the concepts of smelling and tasting seem so closely related to them that they don’t distinguish between them at all.

[ 38 ] Wenn wir nun aber den Geschmackssinn untersuchen, da ist es sehr merkwürdig. Da ist es wiederum so ähnlich wie beim Geruchssinn. Wenn Sie dahier die Rachenhöhle nehmen - ich kann das heute nur andeuten, werde es später weiter ausführen —, dahier hinten ist der sogenannte weiche Gaumen, da vorne ist der harte Gaumen, da sind die Zähne mit dem Zahnfleisch, wenn Sie das nehmen, dann haben Sie etwas sehr Merkwürdiges. Geradeso wie in die Nase hinein ein Nerv geht, den ich da rot gezeichnet habe, so gehen auch vom Gehirn aus überall hier hinein Nerven. Aber diese Nerven, die gehen zum Beispiel nicht ins Zahnfleisch hinein, die gehen auch nicht in den vorderen Gaumen hinein, sondern nur in den hinteren, gehen gar nicht einmal in die vordere Zunge hinein, sondern nur in die hintere Zunge. Also wenn Sie das anschauen, wie die Nerven verteilt sind, die zum Geschmack gehören, so werden Sie vorne wenige finden, fast gar keine. Die Zungenspitze ist eigentlich nicht ein Geschmacksorgan, sondern die Zungenspitze ist mehr zum Fühlen vorhanden. Nur der hintere Teil der Zunge, der kann schmecken, ebenso der weiche Gaumen. Wenn Sie in den Mund hineingreifen, werden Sie es hinten weich, vorne hart finden. Dieses Weiche ist zum Geschmack geeignet. An dem Zahnfleisch schmecken Sie gar nichts.

[ 38 ] But when we examine the sense of taste, it’s very peculiar. It’s similar to the sense of smell. If you look at the back of the throat here—I can only hint at this today, but I’ll go into more detail later—back here is the so-called soft palate, up front is the hard palate, and there are the teeth with the gums; if you look at that, you’ll see something very curious. Just as a nerve enters the nose—which I’ve marked in red here—so too do nerves extend from the brain into all these areas. But these nerves, for example, do not extend into the gums; nor do they extend into the front part of the palate, but only into the back part; they do not even extend into the front part of the tongue, but only into the back part of the tongue. So if you look at how the nerves associated with taste are distributed, you’ll find very few at the front—almost none at all. The tip of the tongue is not actually a taste organ; rather, the tip of the tongue is primarily for sensation. Only the back part of the tongue can taste, as can the soft palate. If you reach into your mouth, you’ll find it soft in the back and hard in the front. This soft part is suited for taste. You can’t taste anything on the gums.

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[ 39 ] Nun ist es eigentümlich, daß diese Nerven, die dem Geschmack dienen, auch beim Menschen noch besonders zusammenhängen mit alledem, was Eingeweide ist. Und es ist schon wahr, es kommt nicht nur darauf an, daß man ein Nahrungsmittel chemisch untersucht, sondern es muß ein Nahrungsmittel zuerst schmecken. Und der Mensch hat schon im Geschmack einen Regulator für seine Nahrung. Wir sollten zum Beispiel beim kleinen Kinde viel mehr studieren, was es mag oder nicht mag, als daß wir die chemische Zusammensetzung studieren. Wenn wir darauf achtgeben, daß vom Kinde etwas immer zurückgewiesen wird, dann finden wir, daß in seinen Unterleibsorganen etwas nicht in Ordnung ist. Da muß man eingreifen. Ja, aber, meine Herren, das ist ja höchst eigentümlich. Sehen Sie, da habe ich Ihnen den Riechnerv da ganz vorne gezeichnet (siehe Zeichnung. 109); jetzt müßte ich die Nerven, die zu derZunge und zum Gaumen gehen, hier so zeichnen (siehe Zeichnung S. 120); und hier habe ich das gezeichnet, was beim Menschen, nun ja, die zurückgegangene Wedelkraft ist, was ganz hinten eigentlich ist beim Hund. Gehen wir jetzt allmählich nach vorne, so kommen wir beim Menschen in den Bauch, in die Eingeweide — beim Hund auch -, und dem entsprechen die Geschmacksnerven. Und es ist in der Tat so: Wenn der Hund sich seinem Riechen hingibt, dann wedelt er, das heißt, er treibt alles durch den ganzen Körper. Es geht da bis ins Ende. Der Schwanz ist ja das letzte Ende; die Nasenspitze ist ganz vorn, das Schwanzende ganz hinten. Was also beim Hund mit dem Riechen zusammenhängt, geht durch den ganzen Körper. Was der Hund frißt, wenn es ihm schmeckt, geht nicht durch den ganzen Körper, sondern bleibt in den Eingeweiden weiter zurück. Das ist sehr interessant.

[ 39 ] Now, it is curious that these nerves, which serve the sense of taste, are still particularly connected in humans to everything related to the internal organs. And it is certainly true that it is not merely a matter of chemically analyzing a food—a food must first taste good. And in taste, humans already have a regulator for their nutrition. For example, with small children, we should pay much more attention to what they like or dislike than to studying their chemical composition. If we notice that a child consistently rejects a certain food, we’ll find that something isn’t right with their abdominal organs. That’s when we need to intervene. Yes, but, gentlemen, that is indeed most peculiar. You see, here I have drawn the olfactory nerve right at the front (see Figure 109); now I would have to draw the nerves that go to the tongue and the palate here like this (see Figure on p. 120); and here I have drawn what in humans is, well, the diminished sense of smell, which is actually located at the very back in dogs. If we now move gradually forward, we come to the abdomen in humans—and in dogs as well—and this corresponds to the taste nerves. And it is indeed the case that when a dog gives itself over to its sense of smell, it wags its tail; that is, it drives everything through its entire body. It goes all the way to the very end. The tail is, after all, the very end; the tip of the nose is at the very front, the tip of the tail at the very back. So whatever is connected to the dog’s sense of smell passes through its entire body. What the dog eats, if it tastes good to him, does not pass through its entire body but remains further back in the intestines. That is very interesting.

[ 40 ] So daß wir also daraus sehen können: Je mehr nach innen gelegen etwas ist, was mit den Nerven zusammenhängt, desto weniger weit wirkt es wiederum im Körper. Und das wird uns das nächstemal dazu führen, daß wir noch besser, als wir es schon begriffen haben, begreifen lernen, daß von den Nerven die ganze Gestalt des Menschen abhängt. Der Mensch ist nach den Nerven gestaltet. Wenn wir nämlich beim Hund fragen: Wonach ist denn sein Schwanz gestaltet? Nach der Nase. —- Wonach ist sein Eingeweide gestaltet? Nach den Nerven des Maules. — Die Nerven sind an einem Ende und machen die Gestalt am andern Ende. Das ist etwas, was Sie, bitte, weiteren Betrachtungen zugrunde legen wollen. Sie werden sehr viel davon haben, wenn Sie darauf kommen, daß der Hund seine ganze Schwanzwedelei von der Nase hat; daß er, wenn er zum Beispiel sich wohl fühlt in seinen Eingeweiden, das von den Nerven seines Mundes hat und so weiter. Das Weitere werden wir noch sehen.

[ 40 ] So we can see from this: The deeper within the body something related to the nerves is located, the less far it extends its effect within the body. And this will lead us next time to understand even better than we already have that the entire structure of the human being depends on the nerves. The human being is shaped by the nerves. For if we ask about the dog: What does its tail resemble? The nose. —- What do its internal organs resemble? The nerves of the mouth. — The nerves are at one end and determine the form at the other end. This is something I would ask you to take as the basis for further reflection. You will benefit greatly if you come to realize that a dog’s entire tail-wagging is derived from its nose; that, for example, when it feels comfortable in its intestines, this is due to the nerves of its mouth, and so on. We will see more of this later.

[ 41 ] Also es ist außerordentlich interessant, wie die Nerven mit der Gestalt zusammenhängen. Deshalb habe ich Ihnen neulich gesagt: Auch ein Blinder hat von seinen Augen etwas, weil die Augennerven, die zwar beim Blinden nicht zum Sehen da sind, noch immer seinen Körper gestalten. Wie er ausschaut, das rührt von seinen Kopfnerven, und zum Teil von seinen Augennerven her, aber auch viel von seinen anderen Nerven. Und wenn wir daher studieren wollen, warum der Mensch in der Gestalt unterschieden vom Hund ist, da müssen wir an die Nase denken! (Finger auf den Nasenrücken.) Beim Hund nimmt die Nase einen großen Anteil an der Gestalt. Beim Menschen ist ja das überwunden; da ist die Nase ein wenig zurückgedrängt in ihren Funktionen. Beim Hund hat eben die Nase einen höheren Grad in der Stufenleiter. Beim Hund ist die Nase sozusagen der allererste Meister; beim Menschen ist sie in ihrer Tätigkeit zurückgedrängt. Da werden wir sehen, was dann anderes eintritt zu seiner Gestaltung. Da ist schon das Auge und das Ohr wichtiger zu seiner Gestaltung als seine Nase.

[ 41 ] So it is extraordinarily interesting how the nerves are connected to form. That is why I told you the other day: Even a blind person has something from his eyes, because the optic nerves—which, although they do not serve for seeing in a blind person—still shape his body. How he looks is determined by his cranial nerves, and partly by his optic nerves, but also largely by his other nerves. And so, if we want to study why humans differ from dogs in their form, we must think of the nose! (Finger on the bridge of the nose.) In dogs, the nose plays a major role in their form. In humans, this has been overcome; the nose’s functions have been somewhat suppressed. In dogs, the nose simply occupies a higher rung on the ladder of evolution. In dogs, the nose is, so to speak, the very first master; in humans, its activity has been suppressed. Then we’ll see what else comes into play in shaping the human form. The eye and the ear are already more important to human form than the nose.