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The Rudolf Steiner Archive

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On Health and Illness
GA 348

20 December 1922, Dornach

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Siebenter Vortrag

Seventh Lecture

[ 1 ] Meine Herren, wir wollen heute die Frage von neulich fertig beantworten.

[ 1 ] Gentlemen, today we would like to finish answering the question from the other day.

[ 2 ] Sehen Sie, durch seine Haut ist eigentlich der Mensch im ganzen ein Sinnesorgan. Schon die Haut des Menschen ist etwas außerordentlich Kompliziertes, etwas ganz Wunderbares. Wenn man die Haut von außen nach innen verfolgt, so hat man ganz außen zunächst eine durchsichtige Schichte, die sogenannte Hornschicht der Oberhaut. Durchsichtig ist sie nur bei uns weißen Europäern, während die Oberhaut bei Negern und Indonesiern, Malaien, eben mit Farbkörnchen durchsetzt und dadurch gefärbt ist. Bei uns Europäern ist es aber eine durchsichtige Haut, die Hornschicht der Oberhaut. Hornschicht heißt sie, weil sie tatsächlich aus demselben Stoff besteht, nur ist er etwas anders angeordnet, aus dem die Hörner der Tiere und aus dem auch unsere Nägel und Haare bestehen, denn unsere Nägel wachsen eigentlich aus dieser äußeren Hornschichte der Haut heraus. Unter dieser Hornschicht liegt die sogenannte Lederhaut, die eigentlich wiederum aus zwei Schichten besteht, einer oberen Schichte (siehe Zeichnung, rot) und einer unteren Schichte, die ich hier vielleicht grünlich machen will. So sind wir also als Menschen eigentlich zugedeckt und umkleidet mit einer dreifachen Haut, mit einer äußeren Hornschicht, mit der mittleren Lederhaut und mit der inwendigen unteren Lederhaut.

[ 2 ] You see, through its skin, the human being is, in fact, a sensory organ in its entirety. Human skin alone is something extraordinarily complex, something truly marvelous. If you examine the skin from the outside in, you first find a transparent layer on the very outside, the so-called stratum corneum of the epidermis. It is transparent only in us white Europeans, whereas the epidermis of Black people, Indonesians, and Malays is interspersed with pigment granules and is thus colored. For us Europeans, however, the stratum corneum of the epidermis is transparent. It is called the stratum corneum because it is actually composed of the same substance—albeit arranged somewhat differently—as the horns of animals and as our nails and hair, since our nails actually grow out of this outer stratum corneum of the skin. Beneath this horny layer lies the so-called dermis, which in turn actually consists of two layers: an upper layer (see diagram, red) and a lower layer, which I’ll perhaps color greenish here. So, as humans, we are actually covered and clothed with a three-layered skin: an outer horny layer, a middle dermis, and an inner lower dermis.

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[ 3 ] Nun, sehen Sie, diese unterste, hier grün gezeichnete Lederhaut, die ist eigentlich zur Ernährung der ganzen Haut da. Da drinnen werden die Nahrungsstoffe der Haut abgelagert. Aber die mittlere, die ich hier rot gezeichnet habe, die ist mit allerlei Zeug ausgefüllt; vor allen Dingen aber ist sie mit Muskelfasern ausgefüllt. Aber was für uns ganz besonders wichtig ist: es sind da drinnen in dieser Haut lauter kleine Zwiebelchen, eines neben dem andern; so daß man da überall kleine Zwiebelchen (gelb), eines neben dem andern; so daß man da überall kleine Zwiebelchen hat. Solche haben wir Tausende und Tausende in unserer Haut drinnen, solche kleinen, ich kann sie Zwiebelchen nennen; denn eine Zwiebel, die ist ja besonders ausgezeichnet dadurch, daß sie Schalen hat, die äußere Schale, die zweite Schale, dritte Schale und so weiter, viele Schalen. Und diese kleinen Körperchen hier, die ein Italiener, Pacini, entdeckt hat, und die daher Pacinische Körperchen heißen, diese kleinen Körperchen, die haben solche Zwiebelschalen, bestehen aus solchen richtig so, daß die Zwiebelhaut nach außen ist, und der andere, der dünnere Teil,geht nach innen zu, wie ich es auch außen gezeichnet habe.

[ 3 ] Well, you see, this lowest layer—the dermis, shown here in green—is actually there to nourish the entire skin. That’s where the skin’s nutrients are stored. But the middle layer, which I’ve marked in red here, is filled with all sorts of things; above all, it’s filled with muscle fibers. But what’s particularly important for us is that there are all these little bulbs inside this skin, one next to the other; so that everywhere you look, there are little bulbs (yellow), one next to the other; so that everywhere you look, there are little bulbs. We have thousands and thousands of these inside our skin—these little ones; I can call them “little bulbs,” because an onion is, after all, particularly distinguished by the fact that it has layers: the outer layer, the second layer, the third layer, and so on—many layers. And these little bodies here, which an Italian, Pacini, discovered—and which are therefore called Pacinian bodies—these little bodies have such onion-like layers; they’re structured exactly like that, with the outer layer facing outward, and the other, thinner part, facing inward, just as I’ve drawn on the outside.

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[ 4 ] Nun, sehen Sie, um solche winzigkleinen Körperchen - sie sind ja winzig, man sieht sie ja nur durch die Mikroskope - sind zwanzig bis sechzig solche Schalen! Sie können sich denken, wie kleinwinzig das ist. Also der Mensch ist eigentlich so, daß er an seiner ganzen Körperoberfläche lauter solche kleinwinzigen Zwiebeln ausstreut. Am meisten, nicht nur bei den Schlangen, sondern auch beim Menschen, sind an der Zungenspitze. Das ist nämlich geradezu komisch: am meisten sind an der Zungenspitze! Viele sind auch an den Fingerspitzen, an der Hohlhand im Innern, an anderen Körperteilen; aber eben, wie gesagt, am meisten sind an der Zungenspitze. Wenn man zum Beispiel die vielen kleinen Zwiebelchen an der Zungenspitze und diejenigen, die man in den Fingerspitzen hat, vergleicht, so sind in den Fingerspitzen ungefähr siebenmal weniger als an der Zungenspitze.

[ 4 ] Well, you see, these tiny little organisms—they’re so tiny, you can only see them under a microscope—have twenty to sixty of these shells! You can imagine just how tiny that is. So, humans actually have all these tiny little bulbs scattered all over their entire body surface. Most of them—not just in snakes, but in humans as well—are at the tip of the tongue. That’s actually quite funny: most of them are at the tip of the tongue! There are also many on the fingertips, on the inside of the palm, and on other parts of the body; but, as I said, the tip of the tongue has the most. If, for example, you compare the many tiny bulbs at the tip of the tongue with those at the fingertips, there are about seven times fewer at the fingertips than at the tip of the tongue.

[ 5 ] Sehen Sie, von jedem solchen Zwiebelchen geht ein Nervenfaden aus. Der Nervenfaden, der geht zunächst auf irgendeinem Weg — er sucht sich schon seinen Weg - ins Rückenmark hinein, und vom Rückenmark ins Gehirn. Und Sie können sich vorstellen: Vom Gehirn gehen lauter solche Nervenfäden aus, überall in den Körper hin, und bilden da an der Körperoberfläche solche Zwiebeln, also auch zu der Zunge her solche Zwiebeln - überallhin. So daß ich den Menschen auch so zeichnen kann, daß im Gehirn alle diese Nervenfäden anfangen und überall hingehen, und am Ende in der Haut drinnen, in der Lederhaut, solche Zwiebeln bilden.

[ 5 ] You see, a nerve fiber extends from each of these little bulbs. The nerve fiber first travels along some path—it finds its own way—into the spinal cord, and from the spinal cord into the brain. And you can create a mental image of that: From the brain, all these nerve fibers extend in every direction throughout the body, forming such bulbs at the body’s surface—including on the tongue—everywhere. So I can also draw a human being in such a way that all these nerve fibers originate in the brain and go everywhere, eventually forming such bulbs within the skin, in the dermis.

[ 6 ] Das ist deshalb sehr interessant, weil man sich das wirklich vorstellen kann — und man stellt sich etwas Richtiges vor, wenn man sich das wirklich vorstellen kann -: Nehmen Sie an, da ist der Erdboden (siehe Zeichnung links); da drinnen haben wir eine wirkliche richtige Zwiebel; die wächst heraus aus dem Erdboden und bildet da oben die Zwiebelblüte. Ja, meine Herren, so ähnlich ist es nämlich im menschlichen Körper.

[ 6 ] This is very interesting because you can really form a mental image of it—and if you can really form a mental image of it, you’re imagining something real—: Suppose there is the ground (see the drawing on the left); in there we have a real, actual onion; it grows out of the ground and forms the onion flower up there. Yes, gentlemen, that’s pretty much how it is in the human body.

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[ 7 ] Da (siehe Zeichnung rechts) sind die Zwiebeln drinnen, und der Stengel, der ist nur innen — in den Nerven (der Zunge) ist er ja auch kurz, aber bei den anderen Nerven ist er manchmal furchtbar lang; die Zwiebelfädennerven, die von den Füßen gehen durch das Rückenmark ins Gehirn, sind furchtbar lang. Und von alldem, wovon wir in der Haut die Zwiebeln haben, haben wir eigentlich die Blüte in unserem Gehirnschädel drinnen. So daß Sie sich vorstellen können: Der ganze Mensch ist in seiner Haut eigentlich eine Art Erdboden, nur kurios gestaltet, aber er ist eine Art Erdboden. Außen hat er die Hornschichte, in der sogar allerlei Kristalle und so weiter eingelagert sind. Das sind unten die festen Körpermassen, darüber die «Humus»-Schichte. Beim Menschen liegt nur von außen nach innen unter der harten Hornhaut die Lederhaut. Das ist der Erdboden. Und aus dem Erdboden wachsen alle diese Zwiebeln heraus und haben im Gehirn ihre Blüte. Sie haben ihren Stiel bis ins Gehirn hinein und haben im Gehirn ihre Blüte.

[ 7 ] That’s where (see the drawing on the right) the bulbs are located, and the stem is only inside—in the nerves (of the tongue) it’s short, but in the other nerves it’s sometimes incredibly long; the bulbous nerves that run from the feet through the spinal cord to the brain are incredibly long. And of all the “bulbs” we have in our skin, we actually have the “flower” inside our skull. So you can form a mental image: The whole human being, within his skin, is actually a kind of soil—just curiously shaped, but it is a kind of soil. On the outside, it has the horny layer, in which all sorts of crystals and so on are embedded. These are the solid bodily masses at the bottom, with the “humus” layer above them. In humans, the dermis lies just beneath the hard stratum corneum, from the outside in. That is the soil. And all these bulbs grow out of the soil and have their blossoms in the brain. Their stems extend all the way into the brain, and their blossoms are in the brain.

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[ 8 ] Ja, meine Herren, bei uns mehr alten Kerlen, bei denen ist das so, daß man eigentlich die ganze Geschichte nicht mehr richtig verfolgen kann, nur beim Schlaf; aber beim Kind ist das noch sehr viel mehr der Fall. Da ist es so, daß tatsächlich das Kind, solange sein Verstand nicht aufgeweckt ist, also im ganzen ersten Jahre, eine sehr lebhafte Zwiebeltätigkeit in sich, in den Nerven hat. Und geradeso wie die Sonne hinscheint über die Blüten bei den Zwiebeln, so scheint beim Kind, das noch nicht das Außenlicht, das es aufnimmt, in den Verstand umsetzt, das Licht hinein, und das ist allerdings so, wie wenn die Sonne im Kopfe sich verbreiten würde und alle diese Zwiebelblüten entfalten würde. Es wächst in der Tat in den Nerven ein ganzes Pflanzenleben in uns. Wir tragen da tatsächlich in den Hautnerven ein ganzes Pflanzenreich in uns. Nur hört später, wenn wir in die Volksschule kommen, eigentlich dieses lebhafte Wachsen auf. Da verwenden wir die Kräfte, die vorher aus den Nerven geworden sind, zum Denken - die ziehen wir heraus, verwenden sie zum Denken. Das ist sehr interessant. Denn man glaubt gewöhnlich, die Nerven denken. Die Nerven denken nicht. Die Nerven kann man nur so zum Denken verwenden, daß man ihnen gewissermaßen ihr Licht abstiehlt. Die menschliche Seele stiehlt den Nerven das Licht ab, und was sie abstiehlt, das verwendet sie zum Denken. Es ist schon so. Derjenige, der wirklich über diese Sache nachdenkt, der kommt in jedem Punkt dazu, einfach die selbständig wirkende Seele anzuerkennen.

[ 8 ] Yes, gentlemen, for us older folks, it’s the case that we can no longer really follow the whole story—except when we’re asleep; but this is even more true for a child. It’s the case that, as long as a child’s intellect hasn’t awakened—that is, throughout the first year—there is a very lively, bulb-like activity within them, in their nerves. And just as the sun shines down on the blossoms of the bulbs, so too does the light shine into the child—who has not yet transformed the external light it takes in into understanding—and this is indeed as if the sun were spreading throughout the head and unfolding all these bulb blossoms. In fact, an entire plant life grows within us in the nerves. We actually carry within us, in our cutaneous nerves, an entire plant kingdom. But later, when we enter elementary school, this lively growth actually comes to a halt. Then we use the forces that were previously derived from the nerves for thinking—we draw them out and use them for thinking. This is very interesting. For people usually believe that the nerves think. The nerves do not think. One can only use the nerves for thinking by, so to speak, stealing their light. The human soul steals the light from the nerves, and what it steals, it uses for thinking. That is indeed the case. Anyone who truly reflects on this matter will, in every respect, come to simply acknowledge the independently acting soul.

[ 9 ] Nun, sehen Sie, solche im Innern wachsende Zwiebelpflanzen, die haben wir eigentlich so ziemlich mit allen Tieren gemeinschaftlich. Alle Tiere, selbst die niedersten, die eigentlich nur, sagen wir, aus Schleimmasse bestehen, die etwas gestaltet sind, sehen und so weiter, alle diese Tiere haben eigentlich solche Gefühlsnerven, die in einer Art von Zwiebeln an der Oberfläche auslaufen. Je weiter wir nun zum Menschen heraufkommen, desto mehr werden einzelne von diesen Nervenzwiebeln dann besonders umgestaltet. Und solche umgestaltete Hautnerven sind zum Beispiel unsere Geschmacksnerven.

[ 9 ] Well, you see, we actually share these types of bulbous plants that grow from the inside with just about all animals. All animals, even the simplest ones—which are really just, let’s say, masses of mucus that are somewhat shaped, can see, and so on—all these animals actually have sensory nerves that terminate in a kind of bulb on the surface. The closer we get to humans, the more these individual nerve bulbs are specially modified. And such modified skin nerves are, for example, our taste buds.

[ 10 ] Also vorne an der Zunge — das habe ich schon das letzte Mal erwähnt —, da haben wir diese Gefühlsdrüsen. Daher ist die Zunge vorne so stark empfindlich. Aber hinten an der Zunge, da schmecken wir, und am weichen Gaumen schmecken wir und so weiter; also an Gaumen und Zunge hinten, da sind auch solche Zwiebelchen eingestreut. Aber die sitzen nämlich in einem Grübchen darinnen. Und in diesen Grübchen darinnen, da ist es diese Zwiebel, die in die Nerven hineingeht; die schiebt sich einfach als eine Zwiebel in die Lederhaut herein. Im hinteren Teil der Zunge bildet sich erst so ein kleines Grübchen; da schiebt sich dann in dieses Grübchen hinein, bis an die Oberfläche heraus, diese Zwiebel, so daß man die Wurzeln da durchschauen sieht. Da sind also an der Zungenwurzel furchtbar viele solche kleine Gruben, und in jeder Grube wächst auch von unten herauf solch eine Zwiebel, und dadurch können wir schmecken.

[ 10 ] So at the front of the tongue—as I mentioned last time—we have these sensory glands. That’s why the front of the tongue is so sensitive. But at the back of the tongue—that’s where we taste—and on the soft palate, and so on; so on the palate and the back of the tongue, there are also these little bulbs scattered about. But they’re actually situated in little pits there. And in these little pits, it’s this bulb that extends into the nerves; it simply pushes its way into the dermis like a bulb. First, a small pit forms in the back of the tongue; this bulb then pushes its way into this pit, all the way up to the surface, so that you can see its roots through it. So there are an incredible number of these small pits at the root of the tongue, and in each pit, a bulb like this grows up from below, and that is how we are able to taste.

[ 11 ] Und mit dem Gefühl, also mit diesen Zwiebeln, die an unserer Körperoberfläche sind, können wir überall alles wahrnehmen. Aber Sie werden ja selber wissen, daß man sich an das nicht viel erinnert. Wenn ich einen rauhen Stuhl habe, so weiß ich mit meinem Gefühl, daß er rauh ist, weil ich mit so und so viel Zwiebeln, die immer sich verändern, fühle, daß er rauh ist. Ich kann das, aber unser Gedächtnis strengt sich nicht viel an durch dieses Gefühl, strengt sich auch nicht sehr beim Geschmack an - wohl ein bißchen besser, aber unbewußt. Die Menschen, die Feinschmecker sind, wissen ja schon immer vorher, was gut ist, nicht erst, wenn sie es kosten; deshalb verschaffen sie sich es auch.

[ 11 ] And with our sense—that is, with these “onions” on the surface of our bodies—we can perceive everything everywhere. But you know yourself that we don’t remember much of that. If I have a rough chair, I know through my sense of touch that it’s rough, because I feel that it’s rough through so many sensory receptors that are constantly changing. I can do that, but our memory doesn’t exert much effort through this sensation, nor does it exert much effort with taste—perhaps a little better, but unconsciously. People who are gourmets always know in advance what is good, not only after they taste it; that is why they seek it out.

[ 12 ] Nun, diese Zwiebeln gehen durch das Rückenmark, gehen direkt zum Gehirn und bilden dort ihre Blüte. Alles, was wir schmecken wollen, muß aber zuerst durch den Mundschleim aufgelöst werden. Nichts können wir schmecken, was nicht erst in Wasser verwandelt worden ist. Dann können wir aber fragen: Was schmeckt denn da eigentlich? Wir würden überhaupt nicht schmecken können, wenn wir nicht selber Wasser in uns hätten. Unser fester Mensch, das, was fest an uns ist, das schmeckt nämlich nicht. Es ist so, daß wenn da hier die Zungenzwiebel ist, da geht erst das Wasser um die Zungenzwiebel; das innere Wasser, aus dem der Mensch besteht, vermischt sich mit demjenigen, was in der Speise aufgelöst wird, und wir können sagen: unser eigenes Wasser vermischt sich mit dem Wasser von außen. Es ist also gar nicht der feste Mensch, der schmeckt, sondern wir bestehen doch, wie ich Ihnen schon gesagt habe, etwa zu neunzig Prozent aus Wasser. Das Wasser machen wir besonders flüssig hier um die Zungenwärzchen. Wie aus einem Geysir, wie aus einer solchen Erdgrube das Wasser aufspritzt, so haben wir wirklich solches Wasseraufspritzen an unserer Zungenwurzel.

[ 12 ] Well, these onions travel through the spinal cord, go directly to the brain, and bloom there. But everything we want to taste must first be dissolved by the mucus in our mouths. We cannot taste anything that has not first been transformed into water. But then we might ask: What is it that actually tastes good? We would not be able to taste anything at all if we did not have water within us. Our solid human body—that which is solid within us—does not actually taste anything. It is the case that when the taste buds are here on the tongue, water first surrounds them; the inner water of which the human being is composed mixes with what is dissolved in the food, and we can say: our own water mixes with the water from outside. So it is not the solid human being who tastes at all, but rather—as I have already told you—we consist of about ninety percent water. We make this water particularly fluid here around the taste buds. Just as water gushes forth from a geyser or from such a pit in the earth, so do we truly have such a gushing of water at the root of our tongue.

[ 13 ] Wenn ich Wasser, das Schleim des Mundes ist, ausspucke, dann ist es nicht mehr zum Menschen gehörig, es hat sich abgetrennt; aber solange das Wasser in meinen Zungengrübchen drinnen ist, da gehört es zu mir als Mensch, geradeso wie meine Muskeln zu mir gehören. Ich bestehe nicht bloß aus festen Muskeln, sondern ich bestehe aus Wasser. Und dieses Wasser ist es, was eigentlich schmeckt, weil es sich vermischt mit dem, was als Wasser von außen kommt.

[ 13 ] When I spit out water—which is the mucus of the mouth—it no longer belongs to me as a human being; it has separated from me. But as long as the water remains in the pits of my tongue, it belongs to me as a human being, just as my muscles belong to me. I am not made up solely of solid muscles; I am also made up of water. And it is this water that actually has a taste, because it mixes with the water that comes from outside.

[ 14 ] Schleckt man Zucker — wie ist denn das? Wenn man Zucker schleckt, so treibt man Wasser von innen in die Zungengrübchen (Geschmackswärzchen), und in dieses Wasser fällt der aufgelöste Zucker herein, und der flüssige Mensch durchzieht sich mit dem Zucker, und da ist es ihm halt wohl, während der Zucker sich in seiner eigenen Flüssigkeit ausbreitet, weil der Zucker sich erst fein in diesen Zungengrübchen absondert.

[ 14 ] What is it like to lick sugar? When you lick sugar, you draw water from inside into the taste buds on your tongue, and the dissolved sugar falls into this water; the liquid within you becomes infused with the sugar, and that’s when you feel good, as the sugar spreads throughout your own fluids, because the sugar first settles finely into these taste buds.

[ 15 ] Nun, sehen Sie, wir Menschen, wir können nur schmecken. Aber warum können wir nur schmecken? Hätten wir Flossen und wären wir Fische — es wäre auch ein interessantes Dasein —, dann würde jedesmal, wenn wir schmecken, der Geschmack auch durch die Flossen wirken. Aber wir müßten im Wasser schwimmen, damit wir recht gut immer alles aufgelöst hätten, auch die feinen Stoffe, denn der Fisch schmeckt alle die feinen Stoffe, die im Wasser sind, und nach seinem Geschmack richtet er sich; das geht immer gleich in die Flossen herein, und er schwimmt weiter mit den Flossen. Wenn ihm also von irgendeiner Seite etwas Angenehmes zuschwimmt, so schmeckt er das, und seine Flossen bewegen sich gleich dahin.

[ 15 ] Well, you see, we humans can only taste. But why can we only taste? If we had fins and were fish—which would also be an interesting way of life—then every time we tasted something, the taste would also be transmitted through our fins. But we would have to swim in the water so that everything would always be properly dissolved, even the fine particles, because fish taste all the fine particles that are in the water, and they act according to what they taste; the sensation goes straight into their fins, and they swim on with their fins. So if something pleasant swims toward it from any direction, it tastes it, and its fins move toward it immediately.

[ 16 ] Wir Menschen können das nicht, was die Fische können. Wir haben keine Flossen. Die sind ganz verkümmert bei uns. Jetzt können wir den Geschmack nicht dazu verwenden, um uns zu bewegen; und deshalb verinnerlichen wir ihn. Die Fische haben einen feinen Geschmackssinn, aber keinen innerlichen Geschmack. Wir Menschen verinnerlichen den Geschmack; den erleben wir, währenddem die Fische eigentlich in dem ganzen Wasser drinnen leben, mit dem Wasser zusammen den Geschmack erleben. Daher ist es bei den Fischen auch so — die Leute haben sich darüber gewundert —, daß sie weit ins Meer hinausschwimmen, wenn sie ihre Eier absetzen wollen. Sie schwimmen sogar in den Atlantischen Ozean, an ganz andere Erdflächen. Und die Jungen kommen dann langsam wieder zurück in die europäischen Flüsse. Warum ist das so? Nun, die europäischen Flüsse, in denen die alle herumschwimmen, die sind Süßwasser. In dem süßen Wasser können die Eier nicht ausreifen. Die Fische schmecken, wie ein bißchen Salz herankommt gegen die Mündung zu; das schmecken diese Fische und schwimmen ins Meer hinaus. Und wenn auf der anderen Seite die Sonne anders auf die Erde scheint, schmecken sie das, und nach dem Geschmack schwimmen sie über die halbe Erde hinüber. Und die Jungen erst wiederum schmecken sich zurück, dahin, wo die Alten gelebt haben. Die richten sich also überhaupt nach dem Geschmack.

[ 16 ] We humans cannot do what fish can do. We do not have fins; ours have completely atrophied. So we cannot use our sense of taste to move ourselves; and that is why we internalize it. Fish have a keen sense of taste, but no internal taste. We humans internalize taste; we experience it, whereas fish actually live within the water itself, experiencing taste together with the water. That is why it is also the case with fish—and people have wondered about this—that they swim far out into the sea when they want to lay their eggs. They even swim into the Atlantic Ocean, to completely different parts of the world. And the young fish then slowly make their way back to the European rivers. Why is that? Well, the European rivers where they all swim are freshwater. The eggs cannot mature in freshwater. The fish sense when a bit of salt begins to approach the river mouth; they taste this and swim out into the sea. And when, on the other side, the sun shines differently on the earth, they taste that, and guided by that taste, they swim halfway around the world. And the young ones, in turn, taste their way back to where the adults once lived. So they are guided entirely by taste.

[ 17 ] Das ist eine außerordentlich interessante Sache: das Wasser, das auf der Erde in Flüssen fließt und im Meer ist, das ist eigentlich voller Geschmack. Und wie die Fische da drinnen herumschwimmen, das ist eigentlich fortwährend dasjenige, was der Geschmack des Wassers tut. Der Geschmack des Wassers ist es eigentlich, der die Fische zum Schwimmen bringt, der ihnen auch die Richtungen gibt. Natürlich, wenn auf irgendein Stückchen Wasser die Sonne drauf scheint, so wird durch diese Sonnenwärme dort gleich alles das, was im Wasser drinnen ist, fein aufgelöst. Das wird in einen andern Geschmack verwandelt. Und deshalb sieht man die Fische da drinnen zappeln. Das ist alles der Geschmack.

[ 17 ] This is an extraordinarily interesting thing: the water that flows in rivers on Earth and is found in the ocean is actually full of flavor. And the way the fish swim around in it is, in fact, the very thing that the water’s flavor does all the time. It is actually the taste of the water that makes the fish swim and gives them their direction. Of course, when the sun shines on a patch of water, the sun’s heat immediately causes everything in the water to be finely dissolved. This transforms into a different taste. And that is why you see the fish wriggling around in there. It’s all about the taste.

[ 18 ] Ja, meine Herren, diese Geschichte ist eigentlich sehr merkwürdig. Wir Menschen sollten eigentlich auch schwimmen, wenn wir uns bloß nach dem Geschmack richten würden. Wenn ich den Zucker schmecke, so will eigentlich etwas in mir, nämlich der wässerige Mensch, dorthin schwimmen. Der Drang zum Schwimmen ist schon da. Der Mensch will eigentlich fortwährend nach dem Geschmack schwimmen. Nur der feste Körper, der hält ihn wieder zurück. Und von dem, was da schwimmen will und nicht kann — wir haben eigentlich fortwährend einen Fisch in uns, der schwimmen will und nicht kann -, von dem, was nicht schwimmen kann, behalten wir das zurück, was unser innerlich Seelisches von dem Geschmack ausmacht. Denn mit dem Geschmack leben wir eigentlich ganz im Ätherleib drinnen, nur daß der Ätherleib festgehalten wird durch das Wasser, das wir haben, und das Wasser wird wieder festgehalten. Und es ist das Natürlichste, sich zu sagen: Der Mensch hat einen Ätherleib, der eigentlich gar nicht zum Gehen auf der Erde veranlagt ist, der nur zum Schwimmen veranlagt ist, der eigentlich ein Fisch ist, nur daß ihn der Mensch aufstellt, und dadurch wird er etwas anderes. Aber der Mensch hat diesen Ätherleib in sich, der eigentlich nur in seinem flüssigen Menschen drinnen ist. Und es ist schon so, daß eigentlich der Mensch fortwährend gern schwimmen möchte, schwimmen in dem feinen Wasser, das ja auch immer in der Luft ist. Da möchten wir eigentlich fortwährend schwimmen. Aber wir verwandeln dieses Schwimmen in das innere Geschmackserlebnis.

[ 18 ] Yes, gentlemen, this story is actually very strange. We humans would actually swim, too, if we were to simply follow our taste buds. When I taste sugar, something inside me—namely, the watery part of me—actually wants to swim toward it. The urge to swim is already there. The human being actually wants to swim continuously in response to taste. Only the solid body holds him back. And from that which wants to swim but cannot—we actually have a fish within us at all times that wants to swim but cannot—from that which cannot swim, we retain what constitutes our inner soul life based on taste. For with taste we actually live entirely within the etheric body, except that the etheric body is held back by the water we possess, and the water, in turn, is held back. And it is only natural to say to oneself: The human being has an etheric body that is actually not at all suited to walking on the earth, that is suited only to swimming, that is actually a fish, except that the human being stands upright, and thereby becomes something else. But human beings have this etheric body within them, which actually exists only within their liquid nature. And it is indeed true that human beings would actually like to swim constantly—to swim in the fine water that is, after all, always present in the air. That is where we would actually like to swim constantly. But we transform this swimming into an inner sensory experience.

[ 19 ] Sehen Sie, solche Sachen, die führen einen erst dahin, den Menschen zu begreifen. Das können Sie in keinem heutigen wissenschaftlichen Buch finden, weil die Menschen eigentlich nur den Leichnam des Menschen beobachten, nicht den lebenden Menschen. Wenn wir natürlich den Leichnam vor uns haben, so will der nicht mehr schwimmen. Aber der beteiligt sich auch nicht am Leben. Wir beteiligen uns deshalb am Leben, weil wir eigentlich alles zusammen, was in der Welt ist, sind. Wir sind Fische, und der Dunst, der Wasserdunst, der da eigentlich ist, der ist uns ja ähnlich. Aber in dem wollen wir fortwährend schwimmen, und daß wir es nicht können, das bewirkt, daß wir das alles nach innen gießen und schmecken. Die Fische sind ja eigentlich sehr kalte Wesen. Sie könnten wunderbar schmecken, was alles im Wasser aufgelöst ist. Sie tun es nicht, weil sie gleich ihre Flossen bewegen. Würden die Flossen der Fische weggenommen, dann würden die Fische höhere Tiere werden; sie würden anfangen zu schmecken.

[ 19 ] You see, it is things like this that lead one to understand human beings in the first place. You won’t find this in any modern scientific book, because people really only observe the human corpse, not the living human being. Of course, when we have a corpse in front of us, it no longer wants to swim. But it also does not participate in life. We participate in life because we are, in fact, everything that exists in the world. We are fish, and the vapor—the water vapor—that is actually there is similar to us. But we want to swim in it constantly, and the fact that we cannot do so causes us to pour it all into ourselves and taste it. Fish are actually very cold creatures. They could taste wonderfully everything that is dissolved in the water. They do not do so because they immediately move their fins. If the fish’s fins were taken away, then the fish would become higher animals; they would begin to taste.

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[ 20 ] Nun, wieder anders umgewandelte Zwiebeln, Nervenzwiebeln, sind die, von denen ich Ihnen das letzte Mal, am Samstag, geredet habe. Die gehen in die Nasenschleimhaut hinein. Aber diese Zwiebeln, die sind nun nicht in einem Grübchen, wo immer das Wasser sprudelt, sondern die gehen ganz an die Oberfläche heraus. Daher können diese Zwiebeln nur dasjenige wahrnehmen, was an sie herangeht, das heißt, wir müssen den Rosenduft herankommen lassen an die Nervenzwiebeln unserer Nase; nachher riechen wir ihn. So ist ein Stückchen vom menschlichen Leib dazu verwendet, daß es diese Zwiebeln, die aber über unsere ganze Haut ausgebreitet sind, besonders dazu ausbildet, dasjenige, was in der Luft liegt, aufzunehmen.

[ 20 ] Well, another type of transformed bulb—the nerve bulb—is what I told you about last time, on Saturday. These penetrate the nasal mucosa. But these bulbs aren’t located in a small cavity where water is constantly bubbling; instead, they extend all the way to the surface. Therefore, these bulbs can perceive only what comes near them; that is to say, we must allow the scent of roses to reach the sensory bulbs in our nose; only then can we smell it. Thus, a part of the human body is dedicated to developing these bulbs—which are spread across our entire skin—specifically to take in what is in the air.

[ 21 ] Aber, meine Herren, trotzdem, wenn Sie in der Nase des Menschen solch eine Zwiebel nehmen, die da in die Nase hereingeht, ja, da ist sie von der äußeren Luft umweht, die weht heran; aber außerdem weht von innen heraus die Atemluft. Es geht ja fortwährend der Atem durch die Nase. In diesem Atem drinnen lebt der Luftmensch. Wie ich Ihnen früher gesagt habe, wir sind Wasser, so sind wir auch Luft. Wir haben wirklich nicht bloß die Luft zum Spaß in uns. Geradeso wie ich Wasser in mir habe, so habe ich Atem in mir; der ist nicht fest. Und wie wenn ich meine Hand ausstrecke und fühle, ich habe etwas Festes ausgestreckt, so strecke ich, was ich in meinem Luftorganismus habe, in die Nase hinein. Das ist eine luftförmige Hand. Und da erfasse ich den Rosenduft oder den Nelkenduft. Ich bin nämlich nicht bloß ein fester Mensch, sogar nur zu zehn Prozent fester Mensch; ich bin eine Wassersäule, und fortwährend ein Luftmensch. Solange die Luft in uns ist, sind wir sie nämlich selber. Da lebt sie, die Luft. Und wir strecken diese Lufthände durch unsere Nase, strecken sie entgegen dem Rosenduft und Nelkenduft, natürlich auch dem Mistduft. Das greifen wir an; aber nicht mit der Hand greifen wir das an, sondern durch die Zwiebeln, die von innen den Atem anziehen, so daß der Atem den Rosenduft angreifen kann.

[ 21 ] But, gentlemen, even so, if you take such an onion and place it inside a person’s nose—yes, it is blown upon by the outside air that flows in—but in addition, the breath flows from within. Breath passes through the nose continuously. The air-being lives within this breath. As I have told you before, just as we are water, so too are we air. We truly do not have air within us merely for the sake of it. Just as I have water within me, so do I have breath within me; it is not solid. And just as when I extend my hand and feel that I have extended something solid, so I extend what I have within my air organism into my nose. This is an air-like hand. And there I perceive the scent of roses or the scent of carnations. For I am not merely a solid human being—not even ten percent solid; I am a column of water, and constantly an air-being. For as long as the air is within us, we are the air itself. That is where it lives—the air. And we extend these air-hands through our nose, reaching out toward the scent of roses and carnations—and, of course, the scent of manure as well. We grasp at that; but we do not grasp it with our hands, rather through the bulbs that draw in the breath from within, so that the breath can take hold of the scent of roses.

[ 22 ] Das ist also so, daß es sich sogar beim Hund zeigt: Da riecht die Nase, und gleich wedelt der Schwanz, habe ich Ihnen gesagt. Geradeso wie beim Fisch die Flosse in Bewegung kommt, so kommt beim Hund der Schwanz in Bewegung. Aber was will denn der Schwanz tun, der nur wedeln kann? Es ist nämlich interessant: der Hundeschwanz kann nur wedeln. Aber was will er denn eigentlich tun? Sehen Sie, meine Herren, der Hund würde nämlich etwas ganz anderes tun; wenn er nicht ein Hund, sondern ein Vogel wäre, würde er nämlich fliegen unter dem Einfluß des Geruches! Geradeso wie der Fisch schwimmt, so würde der Hund fliegen, wenn er ein Vogel wäre. Nun, der Hund, der hat keine Flügel, und so benutzt er das Ersatzorgan und kann bloß wedeln. Es reicht ihm nicht; aber es ist dieselbe Kraftentfaltung. Und bei uns Menschen ist es auch so. Weil wir fortwährend fein riechen — wir bemerken es gar nicht —, wollen wir eigentlich immer fliegen. Geradeso wie wir fortwährend schwimmen wollen, wollen wir fortwährend fliegen.

[ 22 ] So it’s like this—it’s even evident in dogs: The nose sniffs, and right away the tail wags, as I’ve told you. Just as a fish’s fin starts moving, so does a dog’s tail. But what is the tail supposed to do, since it can only wag? It’s actually interesting: a dog’s tail can only wag. But what does it actually want to do? You see, gentlemen, the dog would actually do something completely different; if it weren’t a dog but a bird, it would fly under the influence of the scent! Just as a fish swims, so would the dog fly if it were a bird. Well, the dog has no wings, so it uses this substitute organ and can only wag its tail. It’s not enough for him; but it’s the same exertion of force. And it’s the same with us humans. Because we’re constantly smelling—we don’t even notice it—we actually always want to fly. Just as we constantly want to swim, we constantly want to fly.

[ 23 ] Denken Sie sich nur einmal die Schwalben. Die Schwalben leben bei uns im Sommer. Da gefällt ihnen dasjenige, was aufsteigt als Düfte aus den Blumen und so weiter. Das gefällt ihnen eben im Geruchsorgan, und da bleiben sie da. Wenn aber bei uns der Herbst kommt, oder der Herbst nur herannaht, näher herankommt, ja, wenn da die Schwalben untereinander sich verständigen könnten, dann würden sie sagen: Da fängt es an, übel zu riechen! Der Geruchssinn der Schwalbe, der ist furchtbar fein. Und wie ich Ihnen gesagt habe, daß die Menschen bis Arlesheim wahrnehmbar sind, so ist der Geruch, der dem Süden entströmt, für die Schwalben wahrnehmbar, wenn der Herbst herankommt; der breitet sich aus bis nach dem Norden. Da unten riecht es gut; da oben fängt es an, mistig zu riechen! — Da fangen die Schwalben an, dahin zu fliegen, wo der gute Geruch sie anzieht, denn der kommt herauf vom Süden nach dem Norden.

[ 23 ] Just think about the swallows for a moment. The swallows live here during the summer. They enjoy the scents rising from the flowers and so on. Their sense of smell finds this pleasant, and so they stay here. But when fall comes here—or even when it’s just approaching, drawing nearer—well, if the swallows could communicate with one another, they would say: “It’s starting to smell bad!” The swallow’s sense of smell is incredibly keen. And just as I told you that people can be detected all the way to Arlesheim, so too is the scent emanating from the south detectable to the swallows as autumn approaches; it spreads all the way north. Down there it smells good; up here it’s starting to smell like manure! — That’s when the swallows start flying toward where the pleasant scent draws them, for it rises from the south toward the north.

[ 24 ] Meine Herren, es sind ganze Bibliotheken geschrieben worden über den Vogelflug. Aber die Wahrheit ist, daß die Vögel selbst bei diesen großen Wanderungen im Herbst und Frühling sich nach der furchtbar feinen Verteilung der Gerüche in der ganzen Luftschichte unserer Erde richten. Durch ihre Geruchsorgane werden die Schwalben nach dem Süden geführt, und dann wiederum nach dem Norden. Wenn bei uns der Frühling kommt, da fängt es wiederum da unten an, mistig zu riechen für die Schwalben. Die feinen Frühlingsdüfte kommen zu ihnen nach dem Süden, und da fliegen sie herauf nach dem Norden. Es ist wirklich so, daß die Erde eigentlich ein ganzes lebendiges Wesen ist, und die anderen Wesen gehören dazu.

[ 24 ] Gentlemen, entire libraries have been written about bird flight. But the truth is that even during these great migrations in the fall and spring, birds navigate by the incredibly subtle distribution of odors throughout the Earth’s atmosphere. Their sense of smell guides the swallows southward, and then back northward again. When spring arrives here, the air down south begins to smell musty to the swallows once more. The delicate scents of spring reach them in the south, and so they fly back up north. It is truly the case that the Earth is, in fact, a single living being, and other beings are part of it.

[ 25 ] Sehen Sie, in unserem Leibe ist es so eingerichtet, daß das Blut zum Kopfe fließt und wiederum wegfließt. Auf der Erde ist es so eingerichtet, daß gewisse Vögel, die Zugvögel, nach dem Aquator hinfliegen und wieder zurückfliegen. Die Luft, die wir atmen, die treibt das Blut zum Kopfe. Wir sind ganz durchsetzt von Geruch, insofern wir ein Luftmensch sind. Und derjenige, der zum Beispiel, sagen wir, über den Acker geht, der gerade gemistet worden ist, der geht eigentlich mit seinem Luftmenschen dahin; denn der feste Mensch und der flüssige Mensch, die merken nichts von dem Miste. Aber der luftförmige Mensch, der merkt das, und da entsteht in ihm — aus dem, was ich gesagt habe, werden Sie es schon begreifen —, da entsteht in ihm begreiflicherweise eigentlich der Drang, er möchte fortfliegen. Eigentlich möchte der Mensch fortwährend wegfliegen in die Luft hinauf, wenn über dem Acker der Mist stinkt. Das kann er nicht, weil er keine Flügel hat. Und deshalb verinnerlicht der Mensch dasjenige, wovon er nicht fortfliegen kann. Er verinnerlicht es. Es wird seelisch. Und die Folge davon ist, daß der Mensch, insofern er Luftmensch ist, ganz innerlich erfüllt wird von dem Mistgeruch, von den gasförmig, dunstförmig gewordenen Ausdünstungen des Mistes. Er wird selber ganz mistig. Und da sagt er: das ekelt ihn. Seelisch ist das der Ekel.

[ 25 ] You see, our bodies are designed so that blood flows to the head and then flows away again. On Earth, certain birds—migratory birds—are designed to fly toward the equator and then fly back again. The air we breathe drives the blood to the head. We are completely permeated by scent, insofar as we are air-beings. And the person who, for example, walks across a field that has just been manured—that person is actually walking there with their air-being; for the solid human and the liquid human are unaware of the manure. But the air-like human being does notice it, and this gives rise within him—as you will surely understand from what I have said—this naturally gives rise within him to the urge to fly away. In fact, a person would like to fly away continuously up into the air whenever the manure stinks over the field. He cannot do so because he has no wings. And that is why a person internalizes that from which he cannot fly away. He internalizes it. It becomes a matter of the soul. And the consequence of this is that, insofar as a person is a “person of the air,” they become completely filled inwardly with the smell of manure, with the vapors and mists that the manure has turned into. They themselves become completely manure-like. And then they say: it disgusts them. In the soul, that is disgust.

[ 26 ] Geradeso wie in dem flüssigen Menschen dieser feinere Mensch lebt, den man eigentlich dem flüssigen Menschen abstiehlt, durch den man schmeckt, so lebt er in diesem luftförmigen Menschen, den wir in uns fortwährend erneuern, weil wir einatmen, ausatmen, den wir wieder abstoßen, der eigentlich in jedem Augenblick geboren wird, achtzehnmal geboren wird in einer Minute, wiederum stirbt, achtzehnmal in einer Minute, Sonst, nicht wahr, werden wir geboren, werden unter Umständen alte Kerle; es dauert jahrelang für den festen Menschen, bis er stirbt. Beim luftförmigen Menschen ist es so: der wird achtzehnmal in der Minute geboren beim Einatmen, und stirbt wieder beim Ausatmen. Es ist ein fortwährendes Geborenwerden und Sterben. Es ist geradeso. Und das, was da drinnen nun herausgenommen wird, das nennen wir den Astralleib, damit wir ein Wort haben. Aber es ist eben da. Und wie ich Ihnen das letzte Mal gesagt habe, daß dasjenige, was eigentlich da unten sein müßte, hinaufgeschoben, hinaufgeschoppt wird und dem Geruchssinn entgegenwächst, was uns da zum Denken bewegt, ist eben unser Astralleib, der das da hinaufschoppt. Kein Mensch kann das Gehirn richtig verstehen, das der Nase entgegenwächst durch den Astralleib, der eben nicht die ganze Sache so betrachtet, wie ich sie jetzt betrachtet habe. Das ist das, was aus einer richtigen Betrachtung unserer Sinne gerade hervorgeht.

[ 26 ] Just as this more subtle human being lives within the fluid human—one that is, in a sense, stolen from the fluid human, through which we taste— so it lives within this air-like human, which we constantly renew within ourselves because we inhale and exhale, which we expel again, which is actually born at every moment—born eighteen times a minute—and dies again, eighteen times a minute. Otherwise, wouldn’t we be born and, under certain circumstances, become old men? it takes years for the solid human to die. With the ethereal human, it’s like this: it is born eighteen times a minute when we inhale, and dies again when we exhale. It is a continuous process of being born and dying. That’s exactly how it is. And what is now being extracted from within—we call that the astral body, just so we have a word for it. But it is simply there. And as I told you last time, what ought to be down there is pushed upward, shoveled upward, and grows toward the sense of smell—what moves us to think is precisely our astral body, which shovels it upward. No one can truly understand the brain—which grows upward toward the nose through the astral body—unless they view the whole matter as I have just described it. This is precisely what emerges from a proper examination of our senses.

[ 27 ] Wir Menschen möchten eigentlich fortwährend fliegen durch unsern Geruch. Aber wir können nicht fliegen, weil wir höchstens diese festen Schulterblätter haben. Aber der Vogel kann fliegen. Warum kann der Vogel fliegen? Meine Herren, der Vogel hat etwas ganz Eigentümliches, wodurch er fliegen kann; der Vogel hat nämlich hohle Knochen. Da ist Luft drinnen. Und die Luft, die er durch sein Geruchsorgan aufnimmt, die kommt als Luft in Verbindung mit der Luft, die er in seinen Knochen drinnen hat. Der Vogel ist also wirklich hauptsächlich ein Luftwesen. Das Hauptsächlichste am Vogel ist eigentlich das, was aus Luft besteht. Das andere, das wächst nur an. Und wenn Sie einen Vogel anschauen, der viel Federn hat, werden Sie sehen, daß eigentlich alles abgedorrt ist. Aber das Wichtigste in ihm ist, selbst beim Strauß, daß in jeder solcher Flaumfeder noch etwas Luft drinnen ist, und mit dieser ganzen Luft, aus der er selber besteht, steht die äußere Luft selber in Verbindung. Der Strauß geht ja noch, weil er sonst zu schwer ist, um zu fliegen; aber die anderen Vögel fliegen eben.

[ 27 ] We humans would actually like to fly all the time, thanks to our sense of smell. But we cannot fly because, at most, we have these solid shoulder blades. But the bird can fly. Why can the bird fly? Gentlemen, the bird has something quite unique that enables it to fly; namely, the bird has hollow bones. There is air inside them. And the air that it takes in through its olfactory organ combines with the air it has inside its bones. So the bird is really, primarily, an air creature. The most essential part of a bird is actually what consists of air. The rest is merely an appendage. And if you look at a bird with a lot of feathers, you’ll see that everything else is actually withered away. But the most important thing about it—even in the case of the ostrich—is that there is still some air inside each of those downy feathers, and the external air itself is in contact with all this air of which the bird itself is composed. The ostrich can still walk, because otherwise it would be too heavy to fly; but the other birds do fly.

[ 28 ] Wir Menschen haben nur diese Schulterblätter, die noch dazu höchst ungeschickt, ganz festgefügt sind, an unserem Rücken. Mit denen möchten wir zwar fortwährend fliegen, aber wir können nicht, und so schieben wir das ganze Rückenmark ins Gehirn hinein und fangen an zu denken. Die Vögel denken eben nicht. Man braucht nur richtig die Vögel zu betrachten, so wird man sehen, daß alles bei ihnen in den Flug hineingeht. Es schaut sehr gescheit aus; aber das macht es eigentlich, was in der Luft ist. Die Vögel denken nicht. Wir denken, weil wir nicht fliegen können. Unsere Gedanken sind eigentlich die umgewandelten Flugkräfte. Das ist das Interessante am Menschen, daß sein Geschmack sich in die Gefühlskräfte verwandelt. Wenn ich sage: Ich fühle mich wohl -, so möchte ich eigentlich schwimmen. Aber ich kann nicht schwimmen, und da verwandelt sich das in das innere Wohlgefühl. Wenn ich sage: Mich ekelt -, so möchte ich eigentlich fliegen. Ich kann aber nicht fliegen; so verwandelt sich das in den Gedanken: Mich ekelt, der Mistgeruch ist ekelhaft. - Und so sind alle unsere Gedanken eigentlich im Grunde genommen umgewandelte Gerüche. Und der Mensch ist deshalb ein so vollkommener Denker, weil er all das, was der Hund in der Nase erlebt, im Gehirn erlebt mit dem, was ich da vorstelle. Wir verdanken als Menschen eigentlich unserer Nase außerordentlich viel. Sehen Sie, wenn Menschen keinen Geruch haben, wenn ihre Nasenschleimhaut also verkümmert ist — es gibt solche Menschen, die keinen Geruch haben -, fehlt ihnen eigentlich auch ein gewisses Erfindungsvermögen. Die können nur durch dasjenige denken, was sie vererbt haben von ihren Eltern. Es ist ja immer gut, daß wir auch etwas ererben, sonst könnten wir überhaupt nicht leben, wenn wir nicht alle Sinne ausgebildet hätten. Der Blindgeborene hat auch das Innere, was das Auge hat, ererbt, und hat es überhaupt dadurch, daß er nicht bloß ein fester Mensch ist, sondern auch ein flüssiger und ein luftförmiger Mensch ist.

[ 28 ] We humans have only these shoulder blades—which, on top of that, are extremely clumsy—firmly attached to our backs. We’d like to fly constantly with them, but we can’t, so we push our entire spinal cord into our brains and start thinking. Birds, on the other hand, don’t think. You only need to observe birds closely to see that everything about them is focused on flight. It looks very clever; but it is actually the air that makes it so. Birds do not think. We think because we cannot fly. Our thoughts are actually the transformed forces of flight. That is what is interesting about human beings: their sense of taste transforms into emotional forces. When I say, “I feel good,” what I actually want is to swim. But I cannot swim, so that desire transforms into an inner sense of well-being. When I say, “I’m disgusted,” what I actually want is to fly. But I can’t fly; so that transforms into the thought: “I’m disgusted; the smell of manure is revolting.”—And so, fundamentally, all our thoughts are actually transformed smells. And the human being is such a perfect thinker precisely because he experiences in his brain—along with the mental images I’m describing here—everything that a dog experiences through its nose. As human beings, we actually owe an extraordinary amount to our noses. You see, when people have no sense of smell—that is, when their nasal mucosa has atrophied—there are indeed such people who have no sense of smell—they actually lack a certain capacity for invention. They can think only through what they have inherited from their parents. It is, after all, always good that we inherit something; otherwise, we could not live at all if we did not have all our senses developed. The person born blind has also inherited the inner aspect that the eye possesses, and possesses it precisely because he is not merely a solid human being, but also a liquid and an air-like human being.

[ 29 ] Wir haben aber jetzt gesehen, wie merkwürdig das ist: Das Feste, das nehmen wir mit unserem Gefühl wahr durch die Zwiebeln, die überall nach der Haut hingehen; und das Flüssige, das Wässerige, das nehmen wir mit unserem Geschmackssinn wahr. Das Luftförmige, das Gasförmige, das nehmen wir wahr durch unsere Zwiebeln, die in die Nasenschleimhaut gehen. Wir spüren auch noch etwas anderes um uns herum, aber so im ganzen mehr: das ist Wärme und Kälte. So wie wir eigentlich als Mensch ein Stückchen fester Mensch sind, ein Stückchen Wasser als Mensch, ein Stückchen Luft als Mensch, so sind wir auch ein Stückchen Wärme. Wir sind ja auch wärmer als die äußere Welt.

[ 29 ] But we have now seen how strange this is: we perceive solids through our sense of touch via the bulbs that extend everywhere toward the skin; and we perceive liquids—watery substances—through our sense of taste. We perceive airy and gaseous substances through our cilia, which extend into the nasal mucosa. We also sense something else around us, but more so as a whole: that is warmth and cold. Just as we, as human beings, are a little bit of solid matter, a little bit of water, and a little bit of air, so too are we a little bit of warmth. After all, we are warmer than the external world.

[ 30 ] Aber sehen Sie, die Wissenschaft weiß wirklich nicht richtig, daß das Schmeckende eigentlich der wässerige Mensch ist, und das Riechende der luftförmige Mensch ist. Die Wissenschaft denkt immer nach darüber: Da kommen die Geschmacksnerven in die Zungenwärzchen hinein, und eigentlich ist alles so, als wenn der Nerv schmecken oder riechen würde. Das ist aber ein Unsinn. Im Munde schmeckt das Wasser vom Wassermenschen, und in der Nase schmeckt die Luft oder riecht die Luft vom Luftmenschen. Und wenn wir Kälte oder Wärme wahrnehmen, so wird diese durch das Stückchen Wärme wahrgenommen, das wir selber sind. Direkt die Wärme in uns nimmt die äußere Wärme wahr. Und das ist eben beim Wärmesinn der Unterschied von den anderen Sinnen, daß es die Wärme selber ist, die von allen Organen abgesondert wird. Wir haben da als Menschen ein Stückchen Wärmewelt in uns, und diese Wärmewelt nimmt die andere Welt um sich herum wahr. Nur, wenn wir etwas angreifen, das heiß oder kalt ist, nehmen wir es natürlich nur an der Stelle wahr, wo wir es angreifen. Aber wenn es im Winter kalt ist, nehmen wir die ganze Kälte um uns herum wahr als Mensch, sind ein ganzes Sinnesorgan, und ebenso im Sommer die Hitze.

[ 30 ] But you see, science doesn’t really understand that what tastes is actually the watery human, and what smells is the airy human. Science is always pondering this: The taste buds extend into the tongue papillae, and it actually seems as if the nerve itself were tasting or smelling. But that is nonsense. In the mouth, we taste the water from the water-being, and in the nose, we taste or smell the air from the air-being. And when we perceive cold or heat, this is perceived by the little bit of warmth that we ourselves are. The warmth within us directly perceives the external warmth. And that is precisely the difference between the sense of warmth and the other senses: it is the warmth itself that is secreted by all the organs. As human beings, we have a small world of warmth within us, and this world of warmth perceives the world around it. However, when we touch something that is hot or cold, we naturally perceive it only at the point where we touch it. But when it is cold in winter, we perceive all the cold around us as human beings—we are a single sensory organ—and likewise, in summer, we perceive the heat.

[ 31 ] So sehen wir schon, wie falsch die Wissenschaft eigentlich auf diesem Gebiete ist. Wenn Sie irgendwo ein wissenschaftliches Buch aufschlagen, so ist es so, als wenn der ganze Mensch so irgendein festgestaltetes Gebilde wäre. Es werden eben hineingezeichnet die Knochen, die Muskeln, die Nerven. Aber das ist ja alles Unsinn. Das ist ja nur ein Zehntel von dem Menschen überhaupt. Das andere ist ja zu neunzig Prozent Wasser, und auch Luft ist da drinnen, und sogar ein Stückchen Wärme. Also eigentlich müßte in die Figuren, die da gezeichnet werden durch die materialistische Wissenschaft ein zweiter Mensch hineingezeichnet werden, der Wassermensch, und ein dritter Mensch, der Luftmensch, und ein vierter Mensch, der Wärmemensch. Anders ist der Mensch gar nicht zu begreifen. Und nur dadurch, daß wir auch ein Stückchen Weltenwärme sind, wärmer als unsere Umgebung, fühlen wir uns selbständig in der Welt. Wären wir so kalt wie ein Fisch oder eine Schildkröte, so hätten wir kein Ich, würden wir gar nicht zu uns «Ich» sagen. Geradeso wie wir niemals denken könnten, wenn wir nicht den Geruch in uns umgewandelt hätten, also keinen Astralleib hätten, so hätten wir kein Ich, wenn wir nicht ein Stückchen Wärme in uns hätten.

[ 31 ] So we can already see how wrong science actually is in this area. When you open a scientific book anywhere, it’s as if the whole human being were just some kind of fixed structure. They simply draw in the bones, the muscles, and the nerves. But that’s all nonsense. That’s only one-tenth of the human being. The rest is ninety percent water, and there’s also air inside, and even a bit of heat. So, actually, the diagrams drawn by materialistic science would have to include a second human—the water human—a third human—the air human—and a fourth human—the heat human. Otherwise, the human being cannot be understood at all. And it is only because we are also a bit of the world’s warmth—warmer than our surroundings—that we feel independent in the world. If we were as cold as a fish or a turtle, we would have no “I”; we would not even be able to say “I” to ourselves. Just as we could never think if we had not transformed the sense of smell within us—that is, if we had no astral body—so too would we have no “I” if we did not possess a little warmth within us.

[ 32 ] Sie können jetzt sagen: Aber die höheren Tiere haben ja auch eine eigene Wärme. Ja, meine Herren, diese höheren Tiere, die tragen auch an dieser Wärme! Die höheren Tiere, die wollen nämlich ein Ich werden und können es nicht. So wie wir nicht schwimmen oder fliegen können, so möchten die höheren Tiere ein Ich werden und können es nicht. Und deshalb sind diese höheren Tiere so gebildet, wie sie eben sind. Man sieht ihnen an, sie möchten eigentlich ein Ich werden und können es nicht. Und dadurch haben sie ihre verschiedenen Gestalten.

[ 32 ] You might say: But higher animals also have their own body heat. Yes, gentlemen, these higher animals—they, too, bear the burden of this warmth! The higher animals, you see, want to become an “I” but cannot. Just as we cannot swim or fly, so too do the higher animals want to become an “I” but cannot. And that is why these higher animals are formed as they are. You can tell by looking at them that they actually want to become an “I” but cannot. And that is why they have their various forms.

[ 33 ] Aber wir Menschen, wir haben einmal diese vier Teile in uns: den festen Menschen, der der eigentlich physische Mensch ist, der materielle Mensch; den wässerigen Menschen, der den Lebenskörper, den Ätherkörper, den feineren Körper in sich trägt; den luftförmigen Menschen, der den astralen Körper in sich trägt, der fortwährend stirbt und wieder erneuert wird im Physischen, aber als astralischer Mensch bleibt das ganze Leben hindurch; und das Stückchen Wärme, das wir in uns haben, das ist der Ich-Mensch.

[ 33 ] But we human beings have these four parts within us: the solid human being, who is the actual physical human being, the material human being; the watery human being, who carries within himself the life body, the etheric body, the finer body; the airy human being, who carries within himself the astral body, which continually dies and is renewed in the physical realm, yet remains as the astral human being throughout one’s entire life; and the little bit of warmth we have within us—that is the “I”-human being.

[ 34 ] Der Wärmesinn ist ja eigentlich auch auf den ganzen Menschen verteilt, aber er ist fein. Und die Wissenschaft, die macht da etwas Eigentümliches durch. Wenn man den Menschen rein materiell absucht, so findet man halt eben diese Gefühlszwiebeln, die ich Ihnen geschildert habe. Nun sagen sich die Leute: Wenn ich also die Schachtel hier angreife, da fühle ich durch diese Gefühlszwiebeln die Schachtel, das Feste. Wenn die Schachtel recht kalt ist, da müßte ich die Kälte ja auch durch eine solche Gefühlszwiebel fühlen. Ja, da suchen sie fortwährend diese Wärmezwiebeln und diese Gefühlszwiebeln und finden sie nicht! Alle Augenblicke kommt einer und untersucht ein Stückchen Haut. Da sehen manche von diesen Gefühlszwiebeln ein bißchen anders aus, und da meint man, die gehören nun zu etwas anderem. Aber das ist ein Unsinn. Wärmezwiebeln sind nicht da, weil der ganze Mensch eben diese Wärme wahrnimmt. Wir haben nur diese Zwiebeln, die für das Feste, für das Flüssige, also für den Geschmackssinn, und für das Luftförmige, also für den Geruchssinn da sind. Wo der Wärmesinn beginnt, da sind wir schon außerordentlich leicht-sinnige Wesen, nämlich bloß ein Stückchen Wärme, das eben die äußere Wärme wahrnimmt. Wenn wir von einer solchen Wärme umgeben sind, daß wir gerade recht zu uns «Ich» sagen können, dann fühlen wir uns wohl; wenn wir aber von Kälte umgeben sind, daß wir frieren, so nimmt uns die äußere Kälte dieses Stückchen Wärme, das wir sind, weg. Unser Ich will uns verloren gehen. Die Bangigkeit in unserem Ich, die macht uns dieses Stückchen Kälte wahrnehmbar. Wenn einer friert, so ist er eigentlich immer bange um sein Ich, und er hat einen Grund, bange zu sein, denn dann schiebt er das Ich schneller aus sich heraus, als er eigentlich soll.

[ 34 ] The sense of warmth is actually distributed throughout the entire human body, but it is subtle. And science is going through something peculiar in this regard. If you examine a person purely from a material perspective, you simply find these “sensory bulbs” that I have described to you. Now people say to themselves: So when I touch this box here, I feel the box—the solid object—through these sensory bulbs. If the box is quite cold, then I should also feel the cold through one of these sensory bulbs. Yes, they’re constantly searching for these “heat bulbs” and these “sensory bulbs”—and they can’t find them! Every moment, someone comes along and examines a small patch of skin. Some of these sensory bulbs look a little different, and so one might think they belong to something else. But that’s nonsense. There are no “heat bulbs” because the whole human being perceives heat in this very way. We only have these bulbs that are there for the solid, for the liquid—that is, for the sense of taste—and for the gaseous—that is, for the sense of smell. Where the sense of warmth begins, we are already extraordinarily light-sensed beings—namely, merely a tiny bit of warmth that simply perceives external warmth. When we are surrounded by just enough warmth that we can rightly say “I” to ourselves, then we feel at ease; but when we are surrounded by cold to the point that we shiver, the external cold takes away that little bit of warmth that we are. Our “I” is in danger of being lost. The anxiety within our “I” makes this bit of coldness perceptible to us. When someone is cold, they are actually always anxious about their “I,” and they have a reason to be anxious, for then they push the “I” out of themselves faster than they actually should.

[ 35 ] Das sind eben die Dinge, die uns nach und nach immer mehr hinführen von den Betrachtungen des Physischen zu den Betrachtungen des Nichtphysischen, des Nichtmateriellen. Und auf diese Weise können wir erst den Menschen verstehen.

[ 35 ] These are precisely the things that gradually lead us further and further away from considerations of the physical toward considerations of the non-physical, the non-material. And only in this way can we truly understand human beings.

[ 36 ] Wir werden nun, nachdem wir das vorausgeschickt haben, recht interessante Betrachtungen daran knüpfen können. Damit wollen wir das nächste Mal dann fortsetzen.

[ 36 ] Now that we have established this, we will be able to draw some very interesting conclusions from it. We will continue with this next time.