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The Rudolf Steiner Archive

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On Health and Illness
GA 348

20 January 1923, Dornach

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Fünfzehnter Vortrag

Fifteenth Lecture

Es sind Fragen darüber gestellt, wie es kommen könne, daß in einer Familie vier stumme Kinder neben sprechenden, normalen Kindern geboren werden konnten. Der Vater der Kinder habe in seiner Jugend Vögeln die Zunge ausgerissen; ob das die Strafe dafür sein könne, daß er nun die vier stummen Kinder habe.

Questions have been raised about how it could be that four mute children were born into a family alongside normal, speaking children. The children’s father is said to have torn out birds’ tongues in his youth; could this be the punishment for that, resulting in him now having four mute children?

Ferner: daß so viel jetzt die Gehirngrippe auftrete, wobei die Leute doppelt sehen; woher das komme.

Furthermore: that “brain flu” is occurring so frequently right now, causing people to see double; where does this come from?

[ 1 ] Dr. Steiner: Sind die Kinder, die nicht reden können, in dieser Familie hintereinander geboren, oder die andern dazwischen?

[ 1 ] Dr. Steiner: Were the children who cannot speak born one after another in this family, or were the others born in between?

[ 2 ] Fragesteller: Ja, die Kinder, die nicht reden können, sind hintereinander geboren.

[ 2 ] Questioner: Yes, the children who can't speak were born one after the other.

[ 3 ] Dr. Steiner: Es ist eben schwer, über einen solchen Fall zu reden, wenn man ihn nicht ganz genau kennt. Über den Fall mit der Gehirngrippe werden wir gleich nachher reden. Aber dieser andere Fall ist sehr schwer zu beurteilen, wenn man ihn nicht ganz genau kennt. Es hängt sehr viel davon ab, ob zum Beispiel ein redendes Kind zwischen stummen Kindern geboren worden ist, oder ob von einem bestimmten Zeitpunkt ab zuerst die redenden da waren und nachher die stummen oder zuerst die stummen und nachher die redenden, oder ob sie durcheinander gemischt sind. Denn die Stummheit der Kinder kann natürlich von allem möglichen kommen. Und wenn das stimmt, daß die Kinder wirklich hören, also nur stumm sind, nicht taubstumm — worüber man sich manchmal auch täuscht natürlich -, wenn sie wirklich hören, wenn es also im Sprachapparat liegt, dann handelt es sich darum, darauf zu kommen, in welcher Weise Vater oder Mutter darauf einen Einfluß haben könnten.

[ 3 ] Dr. Steiner: It’s difficult to talk about a case like this when you don’t know the details exactly. We’ll talk about the case involving encephalitis in a moment. But this other case is very difficult to assess if one doesn’t know the details exactly. A great deal depends on whether, for example, a speaking child was born among mute children, or whether, from a certain point onward, the speaking children were there first and the mute ones came later, or whether the mute ones came first and the speaking ones later, or whether they are mixed together. For the children’s muteness can, of course, stem from all sorts of causes. And if it is true that the children can actually hear—that is, they are merely mute, not deaf-mute (a distinction one sometimes mistakes, of course)—if they can actually hear, and the problem therefore lies in the speech apparatus, then the question is how the father or mother might influence this.

[ 4 ] Aber ohne genau einen solchen Fall zu kennen, ist es eigentlich leichtsinnig, darüber zu reden. Was man dabei wissen müßte, ist: Wie alt ist die Mutter und wie alt ist der Vater? Denn es kommt sehr viel darauf an, ob die beiden Eltern schon älter sind, wenn sie Kinder kriegen, oder ob sie noch junge Leute sind. Dann kommt es etwas darauf an, ob die Mutter älter ist oder der Vater. Davon hängt sehr viel ab.

[ 4 ] But without knowing of a specific case like that, it’s actually reckless to talk about it. What you’d need to know is: How old is the mother, and how old is the father? Because a lot depends on whether the parents are already older when they have children, or whether they’re still young. It also matters somewhat whether the mother is older or the father is. A lot depends on that.

[ 5 ] Dann, nicht wahr, kommt es darauf an, was die beiden für einen Charakter haben. Und vor allen Dingen, ob in einem solchen Fall, wo, wie Sie sagen, der Betreffende in seiner Jugend Vögeln die Zunge ausgerissen hat, ob das irgendwie in Betracht kommt, das kann man erst beurteilen, wenn alle anderen Fragen entschieden sind, denn das kann nur soweit in Betracht kommen, als der Betreffende vielleicht in seiner Jugend grausam war. Die Grausamkeit als solche, die Eigenschaft als solche, die kommt in Betracht. Von einer Strafe zu reden, ist in dem Falle nicht nur ausgeschlossen, weil es solche Strafen erstens nicht gibt, und zweitens, es wäre ja keine Strafe für den Vater! Wenn man sagen würde, daß der Vater dadurch für seine Grausamkeit bestraft würde, käme mir das so vor, wie es wäre, wenn ein Junge sich seine Hände erfriert und sagt: Es geschieht meinem Vater schon recht, warum hat er mir keine Handschuhe gekauft! — Also, wenn jemand so furchtbar schwer betroffen wird wie die vier Kinder, so ist das ja nicht eine Strafe für den Vater; der ist ja viel weniger betroffen als die vier Kinder, obwohl bei ihm mehr die Grausamkeit in Betracht kommt.

[ 5 ] Then, doesn't it all come down to what kind of character these two have? And above all, whether in a case like this—where, as you say, the person in question tore out birds’ tongues in his youth—that fact is relevant at all can only be assessed once all other questions have been settled, because it can only be taken into account to the extent that the person in question may have been cruel in his youth. Cruelty as such, that trait as such, is what matters. Talking about punishment is out of the question in this case—not only because such punishments do not exist in the first place, but also because it would not be a punishment for the father! If one were to say that the father is thereby being punished for his cruelty, it would strike me as akin to a boy who freezes his hands and says, “It serves my father right—why didn’t he buy me gloves!” — So, when someone is affected as terribly as those four children, that is certainly not a punishment for the father; he is, after all, much less affected than the four children, even though his cruelty is the greater factor here.

[ 6 ] Da muß man wiederum ganz bestimmte Dinge berücksichtigen. Mit dem Alter der Kinder, sehen Sie, da ist es so: Wenn man irgendwie als Junge eine Eigenschaft entwickelt, sagen wir zum Beispiel einfach, man entwickelt als Junge eine Eigenschaft mit elf Jahren, Grausamkeit oder so etwas ähnliches, so kommt immer ein Anfang davon wiederum ungefähr nach dreieinhalb Jahren; so daß also der Betreffende diese Grausamkeit, die Neigung zur Grausamkeit mit vierzehneinhalb, fünfzehn Jahren wieder bekommt, dann mit achtzehn Jahren wiederum, mit einundzwanzigeinhalb Jahren und so weiter.

[ 6 ] Here, again, one must take very specific things into account. With regard to the children’s age, you see, it’s like this: If, as a boy, one develops a certain trait—let’s just say, for example, that one develops a trait at age eleven, such as cruelty or something similar—then a recurrence of that trait always begins again after about three and a half years; so that the person in question experiences this cruelty—this tendency toward cruelty—again at fourteen and a half or fifteen years of age, then again at eighteen, at twenty-one and a half, and so on.

[ 7 ] Und denken Sie sich, wenn in einem solchen Zeitraum, der da einen neuen Anfang zeigt, die Befruchtung eintritt, so kann die Befruchtung geradezu selber so eine Art Grausamkeit sein, und dann kann sie natürlich schädlich wirken. Alle solche Sachen können natürlich auf diesem Umwege durchaus in Betracht kommen. Aber das kann man erst dann behaupten, wenn alle anderen Dinge ausgeschlossen sind. Nicht wahr, ich habe Ihnen ja gesagt, was für ein Unterschied ist zwischen Wintergeburten und Sommergeburten. Nun müßte man also im Alter der Kinder richtig herausbekommen, ob die früheren Geburten vielleicht Sommergeburten gewesen sind oder Wintergeburten und so weiter.

[ 7 ] And just imagine: if conception occurs during such a period, which signifies a new beginning, then conception itself can be a kind of cruelty, and of course it can have a harmful effect. All such factors can, of course, certainly come into play in this indirect way. But one can only assert this once all other possibilities have been ruled out. Don’t you see—I’ve already told you what the difference is between winter births and summer births. So now, as the children grow older, we would have to determine whether the earlier births were perhaps summer births or winter births, and so on.

[ 8 ] Deshalb sagte ich: Derjenige, der gewissenhaft an die Dinge herangeht, der muß den Fall ganz genau kennen. Also wenn Sie einmal den Fall ganz genau kennen, können wir darüber reden. Ich würde es sehr gern tun. Zum Beispiel wissen Sie ja nicht, ob die vier Kinder die älteren oder die jüngeren sind. Das muß man ganz genau wissen, ob also gewissermaßen diese Neigung, stumme Kinder hervorzubringen, später geheilt worden ist, oder erst eingetreten ist, nachdem die vier redenden Kinder geboren waren. Dann müßte der Grund nach dem vierten Kind liegen. Also man müßte das alles erst ganz genau kennen.

[ 8 ] That’s why I said: Anyone who approaches these matters conscientiously must know the case inside and out. So once you know the case inside and out, we can talk about it. I’d very much like to do that. For example, you don’t know whether the four children are the older ones or the younger ones. You have to know that very precisely—whether, so to speak, this tendency to have mute children was cured later on, or whether it only arose after the four speaking children were born. Then the cause would have to lie with the fourth child. So you’d have to know all of that very precisely first.

[ 9 ] Was nun die andere Frage betrifft, so hängt das mit allen Erkrankungen zusammen, die den menschlichen Kopf oder die oberen Brustorgane befallen, zum Beispiel die Bronchitis, aber auch namentlich solche Krankheiten meine ich, wie Diphtherie, und dann die Grippe, die jetzt so furchtbar ist. Diese Krankheiten betreffen den oberen Teil des Menschen. Und die haben eine ganz bestimmte Eigentümlichkeit, diese Krankheiten. Sie sind am besten zu studieren, wenn man auf die Diphtherie eingeht, denn an der kann man eigentlich am meisten lernen.

[ 9 ] As for the other question, this relates to all diseases that affect the human head or the upper chest organs—for example, bronchitis—but I am also referring specifically to diseases such as diphtheria, and then the flu, which is so terrible right now. These diseases affect the upper part of the human body. And these illnesses have a very specific characteristic. They are best studied by examining diphtheria, because that is actually where one can learn the most.

[ 10 ] Sie wissen ja selber, über die Grippe wissen die Menschen, die heute im gewöhnlichen Sinne Medizin studieren, nicht viel, und daher sind die Beschreibungen der Ärzte über die Symptome, die bei der Grippe auftreten, sehr ungenau. Wenn ich solche Grippekranke selber sah, mußte ich immer auf anderes achten als auf diejenigen Symptome, auf die die Ärzte geachtet haben, weil die Grippe eigentlich eine ganz bestimmte Gehirnerkrankung ist. Die Grippe ist eigentlich eine Gehirnerkrankung! Ich werde gleich nachher darüber reden.

[ 10 ] As you know yourself, people who study medicine in the conventional sense today don’t know much about the flu, and therefore doctors’ descriptions of the symptoms that occur with the flu are very imprecise. Whenever I saw such flu patients myself, I always had to look for things other than the symptoms the doctors focused on, because the flu is actually a very specific brain disorder. The flu is actually a brain disorder! I’ll talk about that in a moment.

[ 11 ] Bei der Diphtherie nun muß man auf die folgenden Dinge besonders Rücksicht nehmen. Erstens, wenn Sie hinschauen bei einem diphtheriekranken Kind — aber Sie wissen ja, daß auch die Erwachsenen die Diphtherie kriegen —, sehen Sie solche Häute im Schlund drinnen. Diese Häute, Hautbildungen, die sind es, an denen man gewöhnlich in der Diphtherie erstickt. So ist also das erste Wichtige diese Hautbildung. Das zweite Wichtige aber bei der Diphtherie ist, daß man bemerkt, daß das Herz bei einem Diphtheriekranken immer etwas angegriffen ist. Das Herz will nicht recht funktionieren. Das dritte aber bei einem Diphtheriekranken ist das, daß wenn er auch noch nicht von den Häuten zu stark geplagt ist, er schlecht schlingen kann. Er hat eine Art Schlundlähmung. Er ist gelähmt, der Schlund. Das ist außer den Häuten, extra, daß der Schlund gelähmt ist. Und dann tritt bei den Diphtheriekranken das ganz Ähnliche auf, was Sie jetzt auch bei den Grippekranken haben: er fängt an zu schielen und doppelt zu sehen. Das tritt bei der Diphtherie auf. Das sind die wichtigsten Erscheinungen bei der Diphtherie, die man bemerkt im oberen Teil des Körpers.

[ 11 ] In the case of diphtheria, one must pay particular attention to the following things. First, when you examine a child with diphtheria—though, as you know, adults can also contract diphtheria—you will see these membranes inside the throat. These membranes—these skin-like growths—are what usually cause suffocation in diphtheria. So the first important thing is this membrane formation. The second important thing about diphtheria, however, is that you’ll notice the heart is always somewhat affected in a diphtheria patient. The heart doesn’t function properly. The third key point in a diphtheria patient, however, is that even if they aren’t yet severely troubled by the membranes, they have difficulty swallowing. They have a kind of pharyngeal paralysis. The throat is paralyzed. This is in addition to the membranes—the throat itself is paralyzed. And then something very similar occurs in diphtheria patients to what you now also see in flu patients: they begin to squint and see double. This occurs with diphtheria. These are the most important symptoms of diphtheria that can be observed in the upper part of the body.

[ 12 ] Dann tritt gerade bei solchen Diphtheriekranken, die gesund werden — denn wenn er gleich erstickt, kann man die Sache nicht beobachten —, eine Art Nierenerkrankung auf. Das ist dasjenige, was noch nachkommt.

[ 12 ] Then, particularly in those diphtheria patients who recover—because if they suffocate immediately, it’s impossible to observe the condition—a type of kidney disease occurs. That is what follows.

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[ 13 ] Worinnen besteht die eigentliche Diphtherie-Erkrankung? Man versteht Diphtherie-Erkrankungen nur, wenn man weiß, daß der Mensch eigentlich von zwei Seiten her lebt. Der Mensch lebt erstens von seiten seiner Haut. Die Haut ist ein ungeheuer wichtiges Organ. Und von der Haut, von seiner Umgebung, lebt er eigentlich nach innen. Das ist so (siehe Zeichnung): Sie haben hier die Haut, ich habe ja schon darüber geredet. Die Haut ist fortwährend mit der äußeren Luft, mit der Außenwelt in Berührung. Dadurch wird die Haut immerfort hornartig. Bei den Menschen wird sie nur wenig hornartig und schuppt sich dann ab. Der Mensch schuppt ja am ganzen Leibe fortwährend ab. Er wechselt fortwährend seinen physischen Körper aus. Das ist Einmischung von außen. Sie können sich denken, was das, was in der Luft ist, für einen Rieseneinfluß auf den lebendigen Körper hat, wenn Sie folgendes betrachten. Denken Sie sich einmal, da sei Wasser, und ein Wesen lebe nun ganz im Wasser drinnen. Wenn ein Wesen ganz im Wasser drinnen lebt, dann bildet sich die Haut sehr weich aus. Das Wasser selber bewirkt, daß sich die Haut ganz weich ausbildet. Und namentlich durch den Einfluß des Sonnenlichtes zieht sich alles dasjenige, was weiche Haut ist, nach vorne, und das Wesen im Wasser wird ein Fisch. Sie können beim Fisch die Kiefer kaum sehen, denn die sind von Haut fest bedeckt (siehe Zeichnung, links).

[ 13 ] What is the true nature of diphtheria? One can only understand diphtheria if one knows that human beings actually live through two channels. First, human beings live through their skin. The skin is an immensely important organ. And from the skin—from their surroundings—they actually live inward. It works like this (see diagram): Here you have the skin—I’ve already spoken about it. The skin is constantly in contact with the outside air, with the external world. As a result, the skin continuously becomes horn-like. In humans, it becomes only slightly horn-like and then flakes off. Humans are constantly shedding skin all over their bodies. They are constantly renewing their physical bodies. This is external influence. You can imagine what a tremendous influence what is in the air has on the living body if you consider the following. Imagine there is water, and a being lives entirely within it. When a being lives entirely within water, its skin develops to be very soft. The water itself causes the skin to develop very soft. And particularly under the influence of sunlight, everything that constitutes soft skin is drawn forward, and the creature in the water becomes a fish. You can barely see the fish’s jaws, because they are firmly covered by skin (see drawing, left).

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[ 14 ] Denken Sie sich jetzt, das Wesen lebe nicht im Wasser, sondern in der Luft. Wenn das Wesen in der Luft lebt, wenn das da hier die Luft wäre (Zeichnung rechts), so kann das Wesen, das in der Luft lebt, die weiche Haut nicht so ausbilden. Nun denken Sie sich, wenn bei dem Wesen, das im Wasser lebt, die weiche Haut sich nicht ausbilden könnte, so würde innen kein Kiefer da sein; der ganze innere Kiefer würde nach außen liegen, und es wäre ein Vogel. Der Fisch ist einfach im Wasser so, daß er mit der weichen Haut seinen Kiefer bedeckt. Der Vogel ist dadurch, daß er in der Luft lebt, mit verhorntem Kiefer, mit ganz nach außen gelegenem Kiefer gebildet. Daran sehen Sie, was für ein Einfluß von außen auf das Lebewesen ausgeübt wird. Und beim Menschen ist es ja so, daß er durch wiederum andere Organe weiche Haut ausbilden kann, daß aber diese weiche Haut immer abgeschuppt wird, abgearbeitet wird.

[ 14 ] Now imagine that the creature does not live in water, but in the air. If the creature lives in the air—if this here were the air (drawing on the right)—then the creature that lives in the air cannot develop such soft skin. Now imagine: if the creature that lives in water were unable to develop soft skin, it would have no jaw on the inside; the entire inner jaw would be on the outside, and it would be a bird. The fish is simply adapted to life in water in such a way that it covers its jaw with soft skin. Because the bird lives in the air, it has a keratinized jaw that is positioned entirely on the outside. From this you can see what kind of external influence is exerted on living beings. And in the case of humans, it is true that they can develop soft skin through yet other organs, but this soft skin is constantly shed and renewed.

[ 15 ] Nun denken Sie sich, außer dem, außer diesem Leben von außen nach innen, geht ein Leben von innen nach außen; das geht namentlich von den Nieren aus, von innen nach außen. Beides muß tätig sein im Menschen. Fortwährend muß von der Haut von außen nach innen gearbeitet werden, und von den Nieren muß von innen nach außen gearbeitet werden. Und das Herz, das steht zwischendrinnen. Das spürt ganz genau, ob zu viel Tätigkeit von außen oder innen ist. Wenn die Nieren anfangen, zu stark tätig zu sein, spürt das das Herz. Wenn die Haut anfängt, zu stark oder zu schwach tätig zu sein, spürt das das Herz auch.

[ 15 ] Now consider this: in addition to this life—from the outside in—there is also a life that flows from the inside out; specifically, it emanates from the kidneys, from the inside out. Both must be active within a person. The skin must constantly work from the outside in, and the kidneys must work from the inside out. And the heart stands right in the middle. It senses very precisely whether there is too much activity from the outside or the inside. When the kidneys begin to work too hard, the heart senses it. When the skin begins to work too hard or too weakly, the heart senses that as well.

[ 16 ] Und was geschieht bei der Diphtherie? Bei der Diphtherie fängt plötzlich die Haut an, zu schwach tätig zu sein. Es ist einfach zu schwache Tätigkeit, der Mensch entwickelt zu wenig Auswechslung der Luft durch die Haut. Das ist sogar die Hauptsache dabei. Er entwickelt zu wenig Auswechslung der Luft durch die Haut, durch die Haut der Nase auch, was auch an der Außenwelt ist. Also die Hauttätigkeit wird eine zu geringe. Dadurch gehen diese Strahlungen, die ich da aufgezeichnet habe, nicht ordentlich. Das Herz spürt das. Das Herz spürt, daß die Nieren herauf arbeiten. Aber was tun diese Nieren? Das Herz kann nun diese Nierentätigkeit nicht mehr aufhalten; die Nierentätigkeit schießt nach oben. Lange bevor die Nierenentzündung entsteht, die Nieren sich entzünden, schießt schon die Nierentätigkeit nach oben. Und weil die Hauttätigkeit nicht richtig von außen wirkt, bildet sich im Innern eine überflüssige Haut. Das ist die Haut (siehe Zeichnung S. 269), die sich im Innern bilder. Also weil dieHauttätigkeit von außen nicht in Ordnung ist, bildet sich von innen eine überflüssige Haut. Und die füllt alles aus, weil die Nierentätigkeit zu stark ist.

[ 16 ] And what happens in the case of diphtheria? In diphtheria, the skin suddenly begins to function too weakly. It is simply too weak; the person does not exchange enough air through the skin. That is, in fact, the main issue here. The person does not exchange enough air through the skin—or through the skin of the nose, which is also exposed to the outside world. So the skin’s activity becomes insufficient. As a result, the radiations I have recorded here do not function properly. The heart senses this. The heart senses that the kidneys are working their way upward. But what are these kidneys doing? The heart can no longer hold back this kidney activity; it surges upward. Long before kidney inflammation sets in—before the kidneys become inflamed—the kidney activity is already surging upward. And because skin activity is not functioning properly from the outside, an excess layer of skin forms on the inside. This is the skin (see drawing on p. 269) that forms on the inside. So, because skin activity is not functioning properly from the outside, an excess layer of skin forms from the inside. And it fills everything out because kidney activity is too strong.

[ 17 ] Nun, sehen Sie, wenn ein Mensch eine Nierenschrumpfung bekommt — das gibt es ja, daß der Mensch zu wenig Nierentätigkeit entwickelt und dann die Nieren zusammenschrumpfen -, dann können Sie ihn immer da (am Kopfe) angreifen, und Sie werden sehen, daß hier der Kopf einsinkt. Zwischen den Nieren und dieser Partie des Kopfes ist nämlich ein Zusammenhang. Sobald die Nierentätigkeit nicht ordentlich ist, sinkt da der Kopf ein. Sie können bei jedem Menschen, der nierenkrank wird, sehen, daß der Kopf einsinkt. Da drunter aber liegt der Sehnerv. Wenn der Kopf einsinkt, wird der Sehnerv untätig. Bei der gewöhnlichen Nierenschrumpfung fängt der Mensch an, undeutlich zu sehen. Wenn aber nicht Nierenschrumpfung eintritt, sondern Nierenentzündung im Anzug ist, dann schießt die Nierentätigkeit in den Kopf herauf und übt einen Einfluß aus auf die Sehnerven.

[ 17 ] Well, you see, when a person develops kidney atrophy—it does happen that a person’s kidney function becomes insufficient and the kidneys then shrink—then you can always apply pressure there (on the head), and you’ll see that the head sinks in here. There is, in fact, a connection between the kidneys and this part of the head. As soon as kidney function is impaired, the head sinks in there. You can see that the head sinks in with anyone who develops kidney disease. But the optic nerve lies right underneath that. When the head sinks in, the optic nerve becomes inactive. In cases of ordinary kidney atrophy, a person begins to see blurrily. But if kidney atrophy does not occur and kidney inflammation is instead setting in, then kidney activity surges upward into the head and exerts an influence on the optic nerves.

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[ 18 ] Nun, sehen Sie, die Sehnerven sind so: Denken Sie sich, ich schaue die ganze Geschichte von oben an, gucke also auf den Kopf drauf (siehe Zeichnung), so habe ich hier den Kopf, da ist dann das Gesicht, da sind die Augen. Der Sehnerv, der geht nach rückwärts. Aber sie kreuzen sich da, die zwei Sehnerven. Dann gehen sie in das Hinterhirn. Und hier ist die Sehnervenkreuzung; also die zwei Sehnerven, die kreuzen sich da drinnen. Und es muß der Sehnerv ganz in Ordnung sein, wenn wir, weil wir mit zwei Augen sehen, einfach sehen sollen. In dem Augenblicke, wo die Sehnerven, die sich kreuzen, nicht ganz in Ordnung sind, sehen wir doppelt. Also die Sehnerven brauchen nur ein bißchen gelähmt zu sein und nicht ordentlich eine Kreuzung auszuüben, so sehen wir doppelt. — Sie wissen ja, wie einer, der gerne etwas trinkt, unterscheiden kann, wenn er nach Hause kommt, ob er noch imstande ist oder nicht: er legt sich ins Bett, legt seinen Hut auf die Bettdecke; wenn er den Hut einfach sieht, ist er noch in Ordnung, wenn er ihn doppelt sieht, ist er nicht mehr in Ordnung! Das ist ja sehr leicht zu machen. — Also schon der gewöhnliche Alkoholrausch lähmt die Sehnerven ab, weil das Blut zu rege durchgeht, und die Folge davon ist, daß der Betreffende dann doppelt sieht, wenn er genügend Alkohol in sich hat.

[ 18 ] Well, you see, the optic nerves work like this: Imagine I’m looking at the whole thing from above—so I’m looking down at the head (see drawing)—here’s the head, there’s the face, and there are the eyes. The optic nerve runs backward. But the two optic nerves cross over there. Then they go into the hindbrain. And here is the optic chiasm; that is, the two optic nerves cross over there inside. And the optic nerves have to be working perfectly if we’re to see normally, since we see with two eyes. The moment the optic nerves that cross aren’t quite right, we see double. So if the optic nerves are even slightly paralyzed and don’t cross properly, we see double. — You know how someone who likes to drink can tell, when he comes home, whether he’s still capable of functioning or not: he lies down in bed, puts his hat on the bedspread; if he sees the hat as a single object, he’s still okay; if he sees it double, he’s no longer okay! That’s very easy to do. — Even ordinary alcohol intoxication numbs the optic nerves because the blood flows too rapidly, and the result is that the person in question then sees double when he has had enough alcohol.

[ 19 ] So wirkt auch diese Nierentätigkeit belebend auf die beiden Sehnerven, und wirken sie bei der Sehnervkreuzung nicht ordentlich ineinander, so sieht der Mensch doppelt. Das ist zum Beispiel bei der Diphtherie der Fall. Sie sehen also daraus, daß die Diphtherie davon herrührt, daß die Hauttätigkeit nicht in Ordnung ist. Daher wird die zukünftige bessere Heilung der Diphtherie darinnen bestehen, daß man vor allen Dingen den Diphtheriekranken in der richtigen Weise wird mit Bädern behandeln müssen, ihn sogleich in solche Bäder wird bringen müssen, die stark die Hauttätigkeit anregen. Und dann wird die Membranbildung, diese Hautbildung, aufhören und der Mensch wird wiederum in eine geregelte Hauttätigkeit hineinkommen.

[ 19 ] This kidney activity also has a stimulating effect on the two optic nerves, and if they do not interconnect properly at the optic chiasm, the person sees double. This is the case, for example, with diphtheria. You can see, then, that diphtheria results from abnormal skin function. Therefore, the improved treatment of diphtheria in the future will consist, above all, in properly treating patients with diphtheria using baths—specifically, by immediately placing them in baths that strongly stimulate skin function. Then the formation of the membrane—this skin formation—will cease, and the person will once again return to normal skin function.

[ 20 ] Die Serumbehandlung ist zwar wirksam bei der Diphtherie, weil man dem Körper einen starken Anstoß gibt, daß er tätig ist, aber sie hat ungünstige Folgeerscheinungen. Namentlich, wenn man ein Kind mit Serum behandelt, so wird es später hart in seiner Organisation werden. So daß man eigentlich nach und nach wird anstreben müssen, die Serumbehandlung durch Bäderbehandlung, namentlich bei der Diphtherie, zu ersetzen. Diphtherie beruht eben durchaus auf einer nicht richtigen Hauttätigkeit. Und man kann dann sehen, wie die Hauttätigkeit eigentlich besonders berücksichtigt werden muß.

[ 20 ] Although serum therapy is effective against diphtheria—because it gives the body a strong stimulus to become active—it has adverse side effects. In particular, when a child is treated with serum, the child’s constitution will later become rigid. Therefore, we must gradually strive to replace serum therapy with bath therapy, especially in cases of diphtheria. Diphtheria is, after all, entirely due to improper skin function. And one can then see how skin function must actually be given special consideration.

[ 21 ] Daß heute die Diphtherie häufiger ist, als sie früher war, das kann man schon sagen. Man muß natürlich nicht auf Jahrzehnte sehen, sondern auf Jahrhunderte. Aber nach allem, was man wissen kann von früheren Zeiten — es hat ja natürlich viel schlimmere Krankheiten gegeben, die Menschen sind von der Pest und Cholera heimgesucht worden -, war die Diphtherie seltener. Das hängt damit zusammen, daß überhaupt die europäische Lebensweise nach und nach darauf hingeht, die Hauttätigkeit gar nicht mehr zu unterstützen. Gewiß, die Leute, die das Geld dazu haben, die baden viel und so weiter, aber es kommt darauf an, in was man badet. Und daß die Zivilisation nach dieser Richtung nicht gut wirkt, das können Sie daraus sehen, daß heute wirklich viel mehr Glatzköpfe herumgehen als früher. Der Haarwuchs ist auch eine Tätigkeit von außen. So wie Pflanzen auf dem Boden wachsen, so ist der Haarwuchs von außen. Und es ist schon so, daß heute auf die Hauttätigkeit viel zu wenig geachtet wird. Glauben Sie nicht, daß das Kaltbaden, das die Engländer heute üben, gar zu gut wirkt. Es kommt darauf an, in was man badet. Und wenn der Mensch gar zu sehr eine starke Hauttätigkeit herbeiführt durch überflüssiges Baden, so ist das auch nicht richtig. Also man muß vor allen Dingen bei der Diphtherie danach trachten, eine richtige Hauttätigkeit hervorzurufen.

[ 21 ] It’s certainly true that diphtheria is more common today than it used to be. Of course, one must not look at it in terms of decades, but rather in terms of centuries. But based on everything we know about earlier times—there have, of course, been much worse diseases; people were afflicted by the plague and cholera—diphtheria was less common. This is related to the fact that, in general, the European way of life is gradually moving toward no longer supporting skin function at all. Certainly, people who can afford it bathe frequently and so on, but it depends on what you bathe in. And you can see that civilization is not having a positive effect in this regard from the fact that there are really far more bald people around today than in the past. Hair growth is also an external process. Just as plants grow from the ground, hair growth originates from the outside. And it is certainly true that far too little attention is paid to skin activity today. Do not believe that the cold bathing practiced by the English today is all that effective. It depends on what you bathe in. And if a person induces excessive skin activity through unnecessary bathing, that is not right either. So, especially in the case of diphtheria, one must strive above all to promote proper skin activity.

[ 22 ] Das hängt auch wiederum mit dem zusammen, was auf die Nachkommenschaft wirkt. Denken Sie sich einmal, gerade Vater oder Mutter haben eine Haut, die zu träge ist, daher nicht stark genug abschuppt. Also sagen wir zum Beispiel, der Vater hat eine Haut, die nicht stark genug abschuppt. Das ist sehr schwer zu konstatieren, denn da muß man schon einen sehr feinen Blick haben für die menschlichen Eigentümlichkeiten. Der gewöhnliche Laie kann das gar nicht so gut beurteilen, ob einer ein Hornhäuter ist oder nicht. Es gibt eben Menschen, die haben eine viel härtere Haut als andere. Daß man das schwer beurteilen kann, das sehen Sie schon daraus, daß eigentlich die Haut durchsichtig ist. Die sich abschuppende Haut ist in verschiedenen Farben zu sehen. Das rührt davon her, daß wir das Darunterliegende sehen. Unsere Haut ist eigentlich durchsichtig. Nehmen wir an, der Vater wäre ein Hornhäuter, so eine Art Nilpferd, nicht wahr, aber das ist natürlich nur ganz radikal gesprochen, und dadurch, daß die Haut härter ist, als sie sein soll, dadurch wird nach der anderen Seite stark die Knochentätigkeit beeinflußt. Aber Sie wissen aus dem, was ich neulich gesagt habe, daß von der Knochentätigkeit die Erzeugung des Blutes abhängt, daß also die weißen Blutkörperchen dadurch, daß der Mensch ein Hornhäuter ist, zu schwach erzeugt werden. Das beeinflußt den männlichen Samen, und die Kinder werden von vornherein schwach. So daß man sagen kann: ist der Vater ein «Nilpferd», dann wird unter Umständen das Kind mit einer Rachitis, mit einer Englischen Krankheit geboren, dann wird das Kind schwach und ist namentlich auch der Tuberkulose ausgesetzt. So hängen die Dinge zusammen.

[ 22 ] This, in turn, is related to what affects the offspring. Just imagine: the father or mother has skin that is too sluggish, and therefore does not shed sufficiently. So let’s say, for example, that the father has skin that does not shed sufficiently. This is very difficult to determine, because you really need a very keen eye for human characteristics. The average layperson can’t really judge very well whether someone has thick skin or not. There are simply people who have much thicker skin than others. You can see how difficult it is to judge this from the fact that the skin is actually translucent. The shedding skin can be seen in various colors. This is because we can see what lies beneath. Our skin is actually transparent. Let’s suppose the father were a “horn-skinned” person—a sort of hippopotamus, right? But that is, of course, only speaking in very radical terms—and because the skin is harder than it should be, this strongly influences bone activity on the other side. But you know from what I said recently that blood production depends on bone activity; thus, because the person is a “keratin-skinned” individual, white blood cells are produced in insufficient quantities. This affects the male seed, and the children are weak from the very beginning. So one can say: if the father is a “hippopotamus,” then under certain circumstances the child will be born with rickets, with the “English disease”; the child will be weak and will be particularly susceptible to tuberculosis. This is how these things are connected.

[ 23 ] Hat der Vater eine zu weiche Haut, was man namentlich dadurch bemerken kann, daß sie bei Angst und so weiter sehr leicht sich rötet, hat also der Vater eine weiche Haut, dann werden wiederum seine Knochen zu hart. Das schadet aber wenig.

[ 23 ] If the father has skin that is too soft—which can be noticed, in particular, by the fact that it reddens very easily when he is anxious or under similar circumstances—then his bones, in turn, become too hard. However, this causes little harm.

[ 24 ] Hat aber die Mutter eine zu weiche Haut, hat die Mutter eine Haut, die zwischen Erröten und Erblassen sehr hin- und herschwankt, dann werden bei der Mutter die Knochen zu hart, und dann werden die roten Blutkörperchen nicht richtig erzeugt, und das Kind wird dadurch die Neigung bekommen zu allen möglichen Erkrankungen wie Rheumatismus schon in früher Zeit, und namentlich auch zu solchen Stoffwechselkrankheiten wie Masern und Scharlach und so weiter. Also so hängen schon einmal die Sachen zusammen.

[ 24 ] But if the mother has skin that is too soft—skin that fluctuates greatly between blushing and turning pale—then the mother’s bones become too hard, and then red blood cells are not produced properly, and as a result, the child will develop a predisposition to all sorts of illnesses, such as rheumatism at an early age, and especially to metabolic diseases like measles, scarlet fever, and so on. So that’s how these things are connected.

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[ 25 ] Nun die Grippe. Sehen Sie, die Grippe, die geht eigentlich aus von einer richtigen Gehirnkrankheit. Und zwar wird schwach bei der Grippe gerade dasjenige Organ — wenn ich hier jetzt das von der Seite zeichne, die Sehnerven so andeute (siehe Zeichnung) —, das unter dem Sehnerv liegt; das wird so krank, daß es eine Art von Lähmung hat. Davon geht eigentlich die Grippe aus. Die Grippe besteht in einer Lähmung desjenigen Gehirnteiles, der ganz in der Nähe des Sehnervs liegt. Das erste, was dadurch bewirkt wird, ist, daß, weil diese Stelle im Gehirn eine sehr wichtige ist, eigentlich ein Einfluß ausgeübt wird auf den ganzen Körper. Sehen Sie, die gewöhnliche Grippe, die verläuft so, daß ausgehend von diesen Gelähmtheiten im Gehirn irgend etwas im Menschen krank wird. Vor allen Dingen - es geht ja gleich hier ins Rückenmark — fängt das Rückenmark an, angesteckt zu werden. Die Nerven gehen von da aus nach allen Gliedern. Der Mensch bekommt Gliederschmerzen und so weiter.

[ 25 ] Now, the flu. You see, the flu actually stems from a genuine brain disease. Specifically, in the case of the flu, the very organ that becomes weakened—if I were to sketch it here from the side, indicating the optic nerves (see drawing)—is the one located beneath the optic nerve; it becomes so diseased that it suffers a kind of paralysis. That is actually the origin of the flu. The flu consists of a paralysis of the part of the brain that lies very close to the optic nerve. The first effect of this is that, because this area of the brain is so important, it actually exerts an influence on the entire body. You see, the common flu proceeds in such a way that, starting from these paralyses in the brain, something in the person becomes diseased. First and foremost—since it goes right into the spinal cord here—the spinal cord begins to be infected. The nerves extend from there to all the limbs. The person experiences limb pain and so on.

[ 26 ] Neulich ist einmal ein interessanter Fall von Grippe vorgekommen, der sehr lehrreich war. Ich habe Ihnen ja gesagt, daß das Gehirn nicht nur aus festen Bestandteilen besteht, sondern überall Gehirnwasser ist. Besonders nun in der Nähe von diesem Organ hier, das bei der Grippe gelähmt ist, gerade da ist viel Gehirnwasser. Der Grippefall von neulich, der war deshalb außerordentlich interessant, weil die betreffende Person nacheinander bekommen hat Lungenentzündung, Rippenfellentzündung, Bauchfellentzündung; alle möglichen Krankheiten sind aufgetreten, und immer, sagen wir, Lungenentzündung mit hohem Fieber, Fieberheruntergang, Rippenfellentzündung mit hohem Fieber, Fieberheruntergang, Bauchfellentzündung mit hohem Fieber, Fieberheruntergang nachher, also eine Art von allgemeiner Ablähmung und so weiter. Es war ein Grippefall, der ganz anders verlaufen ist, als sonst die gewöhnlichen Grippefälle verlaufen. Was war da der Fall? Sehen Sie, da konnte man überhaupt außerordentlich schwer studieren, wie der Fall eigentlich lag, wenn man die gewöhnlichen medizinischen Mittel anwendet. Nun hat man sich von der Person - sie ist vielleicht siebzehn Jahre alt, sie ist gesund geworden - erzählen lassen, wie ihre seelischen Funktionen während der Zeit gewirkt haben. Und als sie besser dran war, konnte man ganz merkwürdig folgendes konstatieren.

[ 26 ] Recently, there was an interesting case of the flu that was very instructive. As I’ve told you, the brain isn’t just made up of solid components—it’s filled with cerebrospinal fluid. Especially near this organ here, which is paralyzed during the flu—there’s a lot of cerebrospinal fluid right there. The recent case of the flu was exceptionally interesting because the person in question developed, one after another, pneumonia, pleurisy, and peritonitis; all sorts of illnesses occurred, and each time—let’s say—pneumonia with a high fever, followed by a drop in fever; pleurisy with a high fever, followed by a drop in fever; peritonitis with a high fever, followed by a drop in fever afterward—in other words, a kind of general paralysis and so on. It was a case of the flu that unfolded quite differently from how ordinary cases of the flu usually do. What was the situation there? You see, it was extremely difficult to determine the actual nature of the case at all when using standard medical treatments. So we asked the person—who is perhaps seventeen years old and has since recovered—to describe how her mental functions had been working during that time. And once she was feeling better, we were able to observe the following rather remarkable phenomenon.

[ 27 ] In dem Zimmer, in dem sie gelegen hat, haben die Leute, die Eltern und der Arzt, allerlei gesprochen, und sie dachten, sie können das sprechen, weil diese siebzehnjährige Person fortwährend in Fieberphantasien war. Sie hat auch während der Fieberphantasien gar nichts aufgefaßt. Aber als sie gesünder geworden war, konnte sie alles das erzählen, was im Zimmer gesprochen worden war. Sie hat es gewußt, sie konnte das erzählen. Man konnte das konstatieren. Die Auffassung war also nicht da, während sie diese starke Grippe hatte, die zu allen möglichen Krankheiten führte; aber im Gedächtnis ist es geblieben. Es bleibt eben vieles im Gedächtnis, was man im Momente gar nicht auffaßt. Das aber zeigt, daß bei ihr nicht dieser feste Bestandteil des Gehirnes gelähmt war, sondern die umschwimmende Flüssigkeit. Dadurch ist noch mehr der ganze Körper beeinflußt worden. Denn wenn das Feste gelähmt ist, dann müssen durch die Wirkungen des Festen auf das Rückenmark die weiteren Erscheinungen hervorgerufen werden. Aber das Wasser hier, das fließt fortwährend auf und ab durch den Kanal hier (siehe Zeichnung S. 275), so daß, wenn das Wasser hier krank ist, hier auch krankes Wasser entsteht. Aber das geht von dem Rückenmarkskanal in alle Glieder herein. Dadurch bringt es allmählich überall Entzündungen hervor. Aber wiederum dadurch, daß das Wasser, das Gehirnwasser entzündet war und nicht die festen Bestandteile, war auch mehr Kraft zur Gegenwirkung, zu der Heilung vorhanden, und — was eigentlich in diesem Falle fast wie ein Wunder war — die Person konnte gesund werden, trotzdem sie hintereinander alle möglichen Krankheiten gehabt hat.

[ 27 ] In the room where she was lying, the people—her parents and the doctor—talked about all sorts of things, and they thought they could say those things because this seventeen-year-old was constantly in the grip of feverish delusions. She didn’t understand a thing during those delusions either. But once she had recovered, she was able to recount everything that had been said in the room. She knew it; she could recount it. This could be verified. So her consciousness was not present while she had this severe flu, which led to all sorts of illnesses; but it remained in her memory. Much remains in the memory that one does not grasp at the moment. But this shows that in her case it was not this solid component of the brain that was paralyzed, but rather the fluid surrounding it. As a result, the entire body was affected even more. For if the solid component is paralyzed, then the further symptoms must be caused by the effects of the solid component on the spinal cord. But the fluid here flows continuously up and down through this canal (see drawing on p. 275), so that when the fluid here is diseased, diseased fluid also develops here. But this spreads from the spinal canal into all the limbs. As a result, it gradually causes inflammation everywhere. But again, because it was the fluid—the cerebrospinal fluid—that was inflamed and not the solid components, there was also more strength available for a counteraction, for healing, and—which was actually almost a miracle in this case—the person was able to recover, even though she had suffered from all kinds of illnesses one after another.

[ 28 ] Sehen Sie, bei einer solchen Erkrankung ist es das Wesentliche - man muß ja auch durch diese oder jene Mittel nachhelfen —, aber es ist das Wesentliche dabei, daß man vor allen Dingen den Körper in richtiger Ruhe läßt, also den Körper ins Bett legt und dafür sorgt, daß das Zimmer in der richtigen Weise immer eine gleichmäßige Wärme hat, gleichmäßiges Licht hat und so weiter, denn die Ruhe ist nicht nur dadurch herbeigeführt, daß ich mich ausstrecke, sondern ich bin auch unruhig, wenn ich jetzt Hitze habe und nachher gleich friere. Aber wenn man den Körper ganz sich selber überläßt, mit gleichmäßiger Wärme, gleichmäßigem Licht, dann kann er selbst die schlimmsten Anfälle, wie Lungenentzündung, Rippenfell-, Bauchfellentzündung, hintereinander aushalten. Der Mensch kann das. So daß es gerade bei den schlimmsten Krankheiten, die so etwas haben, wie ich es eben beschrieben habe, eigentlich mehr auf das richtige Pflegen ankommt als auf das Heilen. Das richtige Pflegen hat überhaupt einen ganz großen Wert.

[ 28 ] You see, with a condition like this, the most important thing—though one must also provide some assistance through this or that means— but the most important thing is, above all, to let the body rest properly—that is, to put the body to bed and ensure that the room is always maintained at a consistent temperature, has consistent lighting, and so on—because rest isn’t achieved merely by lying down; I’m also restless if I’m hot one moment and freezing the next. But if you leave the body entirely to its own devices, with consistent warmth and consistent light, then it can endure even the worst episodes—such as pneumonia, pleurisy, and peritonitis—one after another. The human body is capable of this. So, especially with the most severe illnesses—those characterized by the symptoms I just described—proper care is actually more important than the treatment itself. Proper care is of immense value in general.

[ 29 ] Was das richtige Pflegen für einen Wert hat, das können Sie aus folgendem erkennen: Wenn irgendwo eine Entzündung oder Verletzung sitzt, so ist es das allerbeste, wenn man einfach über dem Glied irgendwo abbindet; aber man muß es richtig machen. Man muß irgendwo abbinden. Dadurch, daß man abbindet, wird sogleich die feinere Körpertätigkeit, die Äthertätigkeit in Bewegung gesetzt, und die Heilung tritt ein. Wenn also einer vorne an der Hand oder am Finger ein Geschwür hat, dann binde ich es ihm hinten meinetwillen ab, dann heilt das sehr schnell. Man muß überall im Körper selber die Heilkräfte aufrufen. Wenn man zum Beispiel, sagen wir, einen Diphtheriekranken hat — es ist natürlich verschieden, man muß immer den Menschen berücksichtigen, man muß den Menschen genau kennen, wenn man ihn heilen will, muß also einen Blick haben für die Art, wie der Mensch ist —, aber wenn man einen Diphtheriekranken hat, ist es am besten unter Umständen, man steckt ihn, sagen wir, in ein Rosmarinbad, so daß er den Rosmarin riechen kann. Wenn er nun richtig lang drinnen war in dem Rosmarinbad, immer wiederum, dann wird seine Hauttätigkeit gestärkt. Aber es muß so viel Rosmarin im Wasser sein, daß er während des Badens den Rosmarin immerfort riecht; dann wird die Hauttätigkeit angeregt, und der Betreffende kann ohne alle Serumbehandlung gebessert werden. Es handelt sich also darum, daß man die eigenen Körperkräfte durch die Heilmittel in der richtigen Weise aufrufen kann. Natürlich kommt da immer das, daß wenn irgend etwas nicht wirken kann, die Leute das dann gleich für ein schlechtes Heilmittel halten. Aber Sie müssen nur bedenken, bei manchen Menschen ist eben nichts zu machen, denn oftmals kommt das Heilmittel in einem Stadium zur Anwendung, wo eben nichts mehr zu machen ist, oder man müßte das Heilmittel so stark anwenden, daß eine Roßkur daraus wird; dann verträgt es der Mensch wieder nicht! Dann stirbt er infolge des Heilmittels.

[ 29 ] You can see the value of proper care from the following: If there is inflammation or an injury somewhere, the very best thing to do is simply to tie off the limb somewhere; but you have to do it correctly. You have to tie it off somewhere. By tying it off, the finer bodily activity—the etheric activity—is immediately set in motion, and healing begins. So if someone has an ulcer on the front of their hand or finger, I tie it off on the back for my own sake, and then it heals very quickly. You have to唤醒 the body’s own healing powers everywhere. If, for example, you have a patient with diphtheria—it varies, of course, one must always take the individual into account; one must know the person well if one wants to heal them—one must have an eye for the person’s nature—but if one has a patient with diphtheria, it may be best, under certain circumstances, to place them, say, in a rosemary bath so that they can smell the rosemary. If they’ve been in that rosemary bath for a good long time—again, this depends on the situation—then their skin function will be strengthened. But there must be enough rosemary in the water that they can smell it constantly while bathing; then skin function is stimulated, and the patient can recover without any serum treatment. The point, then, is that one can properly mobilize the body’s own healing powers through the remedies. Of course, it’s always the case that if something doesn’t work, people immediately consider it a bad remedy. But you must bear in mind that with some people, there is simply nothing that can be done, because often the remedy is applied at a stage where nothing can be done anymore, or the remedy would have to be used so strongly that it becomes a drastic cure; then the person cannot tolerate it! Then they die as a result of the remedy.

[ 30 ] Man muß eben bei der Grippe durchaus an der Tatsache festhalten, daß die Grippe eigentlich in ihrem Ursprunge eine Gehirnkrankheit ist. Es wird Ihnen auch wahrnehmbar gewesen sein bei der Grippe, daß beim Grippekranken immer eine Art Dusel vorhanden ist. Er kommt zum Dösen, weil eben das Gehirn gerade in seinen wichtigsten Teilen, in der Gegend unter dem Sehnerv, abgelähmt ist; da kommt er zum Duseln. Und nun können Sie auch begreifen, daß wenn gerade in den oberen Partien die Lähmung sitzt, dann wiederum die Sehnervkreuzung gelähmt wird, und der Mensch kann doppelt sehen. Also das ist dasjenige, was Ihnen zeigt, daß bei der Grippekrankheit es ganz natürlich ist, daß der Mensch auch zum Doppeltsehen kommt.

[ 30 ] When it comes to the flu, one must definitely bear in mind the fact that, at its root, the flu is actually a disease of the brain. You will also have noticed with the flu that a person with the flu always experiences a kind of drowsiness. They begin to doze off because the brain—specifically its most important parts, the area below the optic nerve—is paralyzed; that is why they become drowsy. And now you can also understand that when the paralysis is located precisely in the upper regions, the optic chiasm becomes paralyzed as well, and the person experiences double vision. So this is what shows you that it is quite natural for a person with the flu to experience double vision.

[ 31 ] Man darf diese Sache überhaupt nicht unterschätzen. Ich hatte einmal einen Freund, der war dazumal dreißig Jahre alt, er war zehn Jahre jünger als ich. Der Betreffende schielte. Also da haben Sie den umgekehrten Fall. Bei der Grippe oder bei der Diphtherie fängt der Mensch deshalb, weil im Innern etwas nicht in Ordnung ist, vorübergehend zu schielen an. Dieser Mensch schielte also; er hat nicht gern gehabt, daß er schielte. Nicht wahr, es ist ja nicht jeder Mensch ganz ohne Eitelkeit. Er hatte also nicht gern, daß er schielte. Er hatte überhaupt so etwas in seinem Körper, daß die linke und die rechte Seite nicht recht zusammenwirkten. Darauf beruhte auch sein Schielen; deshalb schielte er und stotterte er. Das war ein und dieselbe Tatsache eigentlich, daß er schielte und stotterte. Manchmal ist er über das Schielen und Stottern ganz gut hinweggekommen. Aber es gibt ja auch Menschen, die nicht viel Mitgefühl haben mit solchen Menschen, die schielen und stottern, und die es ihnen immer vorhalten. Zum Beispiel sagte einmal jemand, der nicht viel Takt hatte, wie man sagt: «Herr Doktor, wie ist es mit Ihrem Stottern, stottern Sie immer oder nur manchmal?» Da,da konnte er kaum herausbringen: «N-n-nicht immer, n-n-n-ur w-wenn ich v-vor einem M-Menschen stehe, der m-mir t-t-total unsympathisch ist!»

[ 31 ] You really shouldn't underestimate this at all. I once had a friend who was thirty years old at the time; he was ten years younger than I was. This person had a squint. So here you have the reverse case. With the flu or diphtheria, a person begins to squint temporarily because something is wrong internally. So this person had a squint; he didn’t like the fact that he squinted. Isn’t that right? After all, not everyone is completely free of vanity. So he didn’t like that he had a squint. There was something in his body that caused his left and right sides not to work together properly. That was also the cause of his squint; that’s why he squinted and stuttered. It was actually one and the same thing—that he squinted and stuttered. Sometimes he managed to get past the squinting and stuttering quite well. But there are also people who don’t have much sympathy for people who squint and stutter, and who always hold it against them. For example, someone who wasn’t very tactful—as they say—once asked, “Doctor, what about your stuttering? Do you stutter all the time, or just sometimes?” At that moment, he could barely manage to say: “N-n-not always, o-o-only w-when I’m s-standing in f-front of s-someone I f-f-find t-t-totally unlikable!”

[ 32 ] Nun, sehen Sie, derselbe Mann konnte lange Gedichte vorlesen, ohne zu stottern. Wenn er also in innerlicher seelischer Begeisterung war, brauchte er nicht zu stottern. Aber ich will jetzt weniger von seinem Stottern reden, ich habe es nur erwähnt, weil es mit dem Schielen zusammenhängt. Er schielte, war also ein klein bißchen eitel und wollte das Schielen wegbringen. Nun wissen Sie ja, daß da Operationen ausgeführt werden, und daß also einfach, wenn die Augen so stehen (schielend), da ein Muskel durchschnitten wird. Dann ist das Schielen durch die Operation ja beseitigt.

[ 32 ] Well, you see, the same man could recite long poems without stuttering. So when he was in a state of inner, emotional enthusiasm, he didn’t have to stutter. But I don’t want to talk so much about his stuttering now; I only mentioned it because it’s related to his squint. He had a squint, so he was a little vain and wanted to get rid of it. Now, as you know, there are surgeries performed for this, and basically, when the eyes are positioned that way (crossed), a muscle is cut. Then the squint is eliminated by the surgery.

[ 33 ] Nun muß ich sagen: Da bei ihm dieses Schielen so tief im Körper saß, daß er auch zugleich stotterte, so hatte ich eine heillose Angst, als der Mann sich vornahm, er wolle sich das Schielen aboperieren lassen. Denn ich sagte mir: Wenn irgendeine Gehirnkrankheit auftritt, so schielt der Mensch vorübergehend; wenn einer, wie er, dauernd schielt, dann ist sein Gehirn zu diesem Schielen passend. Durchschneidet man ihm aber einmal äußerlich einen Muskel, und sitzt die Geschichte so tief, daß er außerdem stottert, dann wird ja der umgekehrte Weg eintreten: dann wird dadurch, daß man ihm das Schielen durch eine Operation wegbringen will, die Gehirnkrankheit erzeugt. Wenn die Gehirnkrankheit auf der einen Seite das Schielen vorübergehend erzeugt, so muß, wenn ich das Schielen von außen behebe und das so tief sitzt, daß er stottert, dann muß nur dadurch, daß ich das Schielen aufhebe, die Gehirnkrankheit erzeugt werden, das heißt, es wird einfach diese Partie, wo die Sehnerven sich kreuzen, ruiniert.

[ 33 ] Now I must say: Since his squint was so deeply ingrained in his body that he also stuttered at the same time, I was absolutely terrified when the man decided he wanted to have surgery to correct his squint. For I told myself: If some kind of brain disease occurs, a person squints temporarily; if someone, like him, squints constantly, then his brain is adapted to that squint. But if you cut a muscle externally, and the condition is so deeply rooted that he also stutters, then the opposite will occur: by attempting to correct the squint through surgery, you will actually induce a brain disorder. If the brain disorder on one side causes the squint temporarily, then—if I correct the squint externally and the problem is so deep-seated that the person stutters—simply by correcting the squint, I will cause the brain disorder; that is, the part where the optic nerves cross will simply be damaged.

[ 34 ] Nun, der Betreffende hat sich nicht abhalten lassen. Er hat sich das Schielen operieren lassen. Hätte man das damals ausgesprochen, daß man eine Angst hat vor einer Schieloperation, so wären sofort alle, die sich einbildeten, richtige Mediziner zu sein, bereit gewesen, zu sagen: man ist ein Idiot. Denn wenn man irgendwie da mitredet über etwas, was nicht in ihren Büchern steht, dann sagen die Leute, man sei ein Idiot. Ich habe natürlich auch, wie Sie sich denken können, so ein bißchen versucht, ihn davon abzubringen; aber ich konnte ihm nicht direkt sagen: Wenn du dich operieren läßt, dann könntest du eine Gehirnkrankheit kriegen. Das hätte er nicht geglaubt; denn alle Ärzte haben gesagt, das ist eine ganz leichte Operation. Und weil er wußte, daß ich eigentlich ein bißchen wenig erfreut war über seine Absicht, die Schieloperation vorzunehmen, sagte er mir nichts davon. Da kam er eines Tages mit der schwarzen Binde zu mir und sagte: «Sieh einmal; sehe ich jetzt nicht ganz gerade?» Ich hatte aber eine heillose Angst. Und siehe da, es vergingen nicht einmal zwei Wochen, da bekam der Mensch seine Gehirnkrankheit. Die Gehirnkrankheit wurde natürlich von dem Arzt nicht als Gehirnkrankheit erkannt, denn was weiß der gewöhnliche Arzt von diesen Zusammenhängen! Denn wie trat die Gehirnkrankheit auf? In den Fäkalien, in den Ausscheidungen war etwas Blut, das heißt, die Gehirnkrankheit trat in der Maske einer Darmkrankheit auf. Der Betreffende bekam eine Darmkrankheit. Das aber war nichts anderes als die Gehirnkrankheit, weil der Darm und das Gehirn, wie ich ausgeführt habe, zusammenhängen.

[ 34 ] Well, the person in question didn’t let that stop him. He had surgery to correct his squint. If someone had admitted back then that they were afraid of squint surgery, everyone who fancied themselves a real doctor would have been quick to call them an idiot. Because if you somehow weigh in on something that isn’t in their books, people say you’re an idiot. Of course, as you can imagine, I also tried a little to talk him out of it; but I couldn’t tell him directly: “If you have the surgery, you could develop a brain disease.” He wouldn’t have believed it; after all, all the doctors had said it was a very simple operation. And because he knew that I was actually a little less than pleased about his intention to undergo the strabismus surgery, he didn’t say anything to me about it. Then one day he came to me wearing the black eye patch and said, “Look; don’t I see straight now?” But I was absolutely terrified. And lo and behold, not even two weeks had passed before the man developed his brain disease. Of course, the doctor did not recognize the brain disease as such, for what does the average doctor know about these connections! How did the brain disease manifest itself? There was some blood in his feces—that is, the brain disease appeared under the guise of an intestinal disease. The person in question developed an intestinal disease. But this was nothing other than the brain disease, because the intestines and the brain, as I have explained, are interconnected.

[ 35 ] Als diese Geschichte auftrat und ich wußte, daß das von der Operation des Schielens herkam, hatte ich gar keine Hoffnung mehr. Der berühmteste Arzt dieser Stadt wurde geholt; der konstatierte Typhus. Was sollte er, wenn der Darminhalt Blut zeigt und diese eigentümliche, erbsensuppenartige Konsistenz, anderes sagen als: dann ist Typhus da, dann hat er einen Typhus. Wenn er also in den Fäkalien Blut hat, erbsensuppenartige Konsistenz und Blut — das ist gleich Typhus. Aber es war kein Typhus, sondern es war die Folgekrankheit, die Gehirnkrankheit, die eingetreten ist infolge des unrichtigen Operierens seines Schielens.

[ 35 ] When this happened and I realized it was due to the strabismus surgery, I lost all hope. The most famous doctor in this city was called in; he diagnosed typhus. What else could he say when the intestinal contents showed blood and had that peculiar, pea-soup-like consistency, other than: “Then it’s typhus; he has typhus.” So if there’s blood in the stool—a pea-soup-like consistency and blood—that’s typhus. But it wasn’t typhus; rather, it was the secondary condition—the brain disease—that had set in as a result of the botched surgery for his strabismus.

[ 36 ] Da ist also der umgekehrte Fall gewesen. Der Betreffende starb bald darauf. Der Arzt, der ihn auf Typhus behandelt hatte, hatte ihn zu sich ins Spital genommen. Der Betreffende starb. Als ich dann hinkam, traf ich seinen Wärter. Und wie die Wärter so sind im Krankenhaus, begrüßten sie mich gleich damit, daß sie sagten: «Der Herr Professor hat Typhus aufgeschrieben. Der soll einen Typhus gehabt haben! So machen’s unsere Herren!» Ja, das Wärterpersonal glaubt nämlich am allerwenigsten an das, was die Herren da verkündigen!

[ 36 ] So this was the opposite case. The patient died shortly thereafter. The doctor who had been treating him for typhus had admitted him to his own hospital. The patient died. When I arrived, I met his orderly. And as hospital orderlies tend to do, they greeted me right away by saying, “The professor wrote down that it was typhus. He’s supposed to have had typhus! That’s how our bosses do things!” Yes, the orderlies are the very last people to believe what the bosses proclaim!

[ 37 ] Es ist zuweilen wirklich so, daß man sich schon aufregen kann über die Art und Weise, wie einseitig der menschliche Organismus behandelt wird. Denn das, was ich Ihnen jetzt erzähle, daß bei dem Betreffenden eine typhusähnliche Krankheit auftrat als maskierte Gehirnkrankheit infolge der Operation mit dem Schielen, das betrachtet jeder heutige Arzt, wenn ich es ihm erzähle, als eine idiotenhafte Sache. Er glaubt es nicht, weil er nicht den Zusammenhang im Körper wirklich kennt. Er kennt nur einen theoretischen Zusammenhang. Und dann entstehen ja solche Sachen wie die, die in der Anekdote ausgeführt sind - es ist eine Anekdote, aber es ist etwas Wahres daran —, daß also einer ins Spital gebracht wird, der Professor schaut ihn an, legt ihn in eine gewisse Abteilung und gibt dem Assistenten Aufträge, wie er ihn zu behandeln hat, und sagt: Morgen, wenn ich wieder komme, ist ja der Mensch tot. - Um den fragte er gar nicht mehr. Nach einigen Tagen sagte der Professor: Da ist ja noch einer in Nummer 15, der ist ja tot. — Nein, hieß es, dem geht es besser, der ist ja ganz gesund! - Dann haben Sie ihn falsch behandelt! - antwortete der Professor.

[ 37 ] It is indeed sometimes the case that one can become quite upset about the one-sided way in which the human organism is treated. For what I am about to tell you—that the person in question developed a typhus-like illness as a masked brain disease as a result of the strabismus surgery—is something every doctor today, when I tell him about it, regards as utter nonsense. He doesn’t believe it because he doesn’t truly understand the interrelationships within the body. He knows only a theoretical connection. And then things happen like the one described in the anecdote—it’s an anecdote, but there’s some truth to it—where someone is brought to the hospital, the professor examines him, places him in a certain ward, gives the resident instructions on how to treat him, and says: “Tomorrow, when I come back, the man will be dead.” - He didn’t even ask about him anymore. After a few days, the professor said: “There’s still someone in Room 15—he’s dead.” — “No,” they said, “he’s doing better—he’s completely healthy!” - “Then you treated him wrong!” replied the professor.

[ 38 ] Nun, es ist natürlich eine Anekdote. Aber so ist es, wenn man an die Stelle der wirklichen Praxis die Theorie setzt. Praxis heißt: jeden einzelnen Fall beurteilen lernen. Und in dem Augenblick, wo man gefragt wird, was für ein Zusammenhang sei zwischen dem Doppeltsehen, das immer auf einer Art von Schielen beruht, und der Grippe, so muß man aufmerksam machen, wie auf der einen Seite bei der Grippe, die eine Art Gehirnkrankheit ist, eine Art Doppeltsehen bewirkt wird, und wie wiederum, wenn ein Mensch schielt, das seine Gründe hat, und wie, wenn das so tief sitzt, daß überhaupt links und rechts nicht zusammenpaßt, dann umgekehrt die Gehirnkrankheit erzeugt wird.

[ 38 ] Well, it’s an anecdote, of course. But that’s what happens when you substitute theory for actual practice. Practice means learning to assess each individual case. And the moment you’re asked what the connection is between double vision—which is always based on a form of strabismus— and the flu, one must point out how, on the one hand, the flu—which is a kind of brain disease—causes a type of double vision, and how, conversely, when a person squints—which has its own causes—and when this is so deeply rooted that the left and right sides do not align at all, then the brain disease is produced.

[ 39 ] Alle Vorgänge im Menschen gehen nämlich von innen nach außen und von außen nach innen. Das ist so beim Menschen. Wird der Mensch schielend von innen, so kann er umgekehrt, wenn man das Schielen von außen vertreibt, im Innern krank werden, weil man es niemals mit einer einzigen Tätigkeit im Menschen zu tun hat, sondern mit zwei Tätigkeiten, die im Herzen einander begegnen. Das Herz ist dazwischen. Daher wird das Herz beeinträchtigt, wenn man von außen das Schielen vertreiben will; aber auch, wenn von innen etwas nicht in Ordnung ist, wird das Herz beeinträchtigt. Das Herz ist nicht eine Pumpe, sondern ein sehr feiner Apparat, der alles, was unrichtig ist, eigentlich wahrnimmt.

[ 39 ] All processes in human beings, in fact, proceed from the inside out and from the outside in. This is how it is with human beings. If a person begins to squint from within, then conversely, if one tries to correct the squint from the outside, the person may become ill on the inside, because one is never dealing with a single process within a human being, but rather with two processes that meet in the heart. The heart lies between them. Therefore, the heart is affected when one tries to correct the squint from the outside; but the heart is also affected when something is not right on the inside. The heart is not a pump, but a very delicate mechanism that actually perceives everything that is wrong.

[ 40 ] Nehmen Sie an, ich bekomme im Knie durch eine äußere Verletzung Wasser, oder durch irgendwelche Umstände, meinetwillen dadurch, daß ich trinke, bekomme ich Rheumatismus. Ja, dann ist die innere Tätigkeit nicht in Ordnung, dann entstehen an der Stelle Entzündungen. Dann ist das, was von innen kommt, nicht in Ordnung. Und Sie werden daher bemerken, daß in einem solchen Falle immer das Herz beeinflußt wird, daß das Herz nicht in Ordnung ist. So kann sowohl von innen nach außen, wie von außen nach innen die Herztätigkeit beeinflußt werden. Und bei allen Krankheiten, bei denen das der Fall ist, daß von innen nach außen, oder von außen nach innen etwas nicht richtig ist, bei all diesen Krankheiten wird man das immer im Herzen zum Ausdruck kommen sehen.

[ 40 ] Suppose I develop fluid in my knee due to an external injury, or due to some other circumstance—perhaps because I drink too much—and I develop rheumatism. Yes, then my internal functions are out of balance, and inflammation develops in that area. Then what comes from within is not right. And you will therefore notice that in such a case the heart is always affected—that the heart is not functioning properly. Thus, cardiac function can be influenced both from the inside out and from the outside in. And in all diseases where this is the case—where something is not right, whether from the inside out or from the outside in—in all these diseases, one will always see this manifested in the heart.

[ 41 ] Aber man muß wirklich richtig den Zusammenhang wissen zwischen dem, was äußerer Vorgang ist und innerer Vorgang ist, wenn ein Mensch schielt oder stottert, wenn man bedenkt, was das bewirkt, wenn man es einfach vertreibt. Daher sind Schieloperationen immer daraufhin zu beurteilen, ob man sie ausführen darf oder nicht. Das ist das Wichtige. — Am nächsten Mittwoch wollen wir dann weiter sprechen.

[ 41 ] But one really must understand the connection between what is an external process and what is an internal process when a person squints or stutters, considering what happens if one simply tries to suppress it. That is why strabismus surgeries must always be evaluated to determine whether or not they should be performed. That is the important point. — Next Wednesday, we’ll continue our discussion.