Man's Life on Earth and
the Essence of Christianity
GA 349
17 March 1923, Dornach
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Man's Life on Earth and the Essence of Christianity, tr. SOL
5. Die Gliederung der menschlichen Wesenheit
5. The Structure of the Human Being
[ 1 ] Guten Morgen, meine Herren! Ich möchte zu dem zweiten Teil der neulich gestellten Frage noch einiges sagen. Es ist ja so, daß, wenn große Lebensfragen gestellt werden, man über diese großen Lebensfragen immer außerordentlich viel reden muß; denn eigentlich müßte man bei diesen Lebensfragen immer die ganze Wissenschaft herbeiziehen, weil die ganze Wissenschaft dazu da ist, die großen Lebensfragen zu beantworten.
[ 1 ] Good morning, gentlemen! I’d like to say a few more things about the second part of the question asked recently. The fact is that when major questions of life are raised, one always has to talk about these major questions at great length; for, strictly speaking, one should always draw upon the entirety of science when dealing with these questions, since the whole of science exists to answer the major questions of life.
[ 2 ] Nun, ich habe Ihnen gesagt: Derjenige, der das eigentlich menschliche geistig-seelische Leben begreifen will, der muß wirklich den Menschen studieren. Wir haben das das letzte Mal mit dem Gedächtnis getan. Und ich habe Ihnen gezeigt, wie das Gedächtnis, die Erinnerung, schon durchaus etwas rein Geistiges im Menschen ist. Heute will ich nun einmal von einer ganz anderen Seite her den Menschen betrachten und Ihnen einiges vorführen, was wir schon besprochen haben. Aber wir müssen eben diese Dinge zusammenhalten.
[ 2 ] Well, I have told you: Anyone who wants to understand the true spiritual and soul life of the human being must truly study human beings. We did that last time with regard to memory. And I showed you how memory is, in fact, something purely spiritual in human beings. Today I would like to look at human beings from a completely different angle and demonstrate to you some of what we have already discussed. But we must keep these things in context.
[ 3 ] Vergleichen wir heute einmal die Entwickelung des Tieres mit der Entwickelung des Menschen. Wenn das Tier auch manches lernt im Leben, das Allerwichtigste kann das Tier eigentlich schon durch sich selber. Das Tier würde sehr wenig lernen können, wenn es nicht schon so viel könnte. Denken Sie sich einmal, ein Huhn, das aus dem Ei ausschlüpft, das pickt gleich die richtigen Körner auf. Das ist schon in ihm gelegen. Der Mensch muß das alles erst lernen. Nun sind es drei Dinge, die der Mensch im Lauf seines allerersten Erdenlebens lernen muß. Das ist erstens dasjenige, was man das Gehen nennt. Das Tier hat es leichter, weil es leichter gehen kann. Es steht auf vier Beinen, und auf vier Beinen ist es leichter zu gehen als auf zwei Beinen. Wenn man auf zwei Beinen geht, muß man erst ins Gleichgewicht kommen. Das Tier ist schon in seinem Gleichgewicht drinnen, weil es vier Beine hat.
[ 3 ] Let’s compare the development of animals with that of humans today. Even though animals learn many things in life, they can actually do the most important things on their own. Animals would be able to learn very little if they didn’t already know so much. Just imagine a chick hatching from an egg—it immediately picks out the right grains. That ability is already inherent in it. Humans, on the other hand, must first learn all of this. Now, there are three things that humans must learn in the course of their very first earthly life. The first is what we call walking. Animals have it easier because they can walk more easily. They stand on four legs, and it’s easier to walk on four legs than on two. When you walk on two legs, you first have to find your balance. Animals are already balanced because they have four legs.
[ 4 ] Nun können Sie sagen: Aber es gibt doch Tiere, welche die vorderen Gliedmaßen auch so ähnlich verwenden wie der Mensch, zum Beispiel die Affen oder auch andere Tiere. Ja, da müssen Sie immer bedenken, daß ein Affe eigentlich mit seinen vorderen Gliedmaßen ungeschickt ist in bezug auf seine ganze Organisation. Wenn er auch mit seinen vorderen Gliedmaßen nicht immer auf der Erde tappt, so hat er doch nötig, sich mit den vorderen Gliedmaßen an etwas zu halten. Und wenn er sich nicht hält, wenn er nicht klettert, dann ist er eben durchaus ungeschickt. Er kann nicht in der richtigen Weise seine vorderen Gliedmaßen gebrauchen. Aber die meisten Tiere gehen eben doch auf allen vieren, und der Mensch geht im Anfange auch auf allen vieren. Er muß erst durch das Gleichgewicht das Gehen lernen. Das ist dasjenige, was der Mensch im Leben zu lernen hat: erstens, er muß das Gehen lernen.
[ 4 ] Now you might say: But there are animals that use their forelimbs in a similar way to humans, for example, monkeys or other animals. Yes, but you must always keep in mind that a monkey is actually clumsy with its forelimbs in relation to its overall body structure. Even if it doesn’t always shuffle along the ground on its front limbs, it still needs to hold onto something with them. And if it isn’t holding on, if it isn’t climbing, then it is indeed quite clumsy. It cannot use its front limbs properly. But most animals do walk on all fours, and humans also walk on all fours at first. They must first learn to walk by maintaining their balance. That is what humans must learn in life: first, they must learn to walk.
[ 5 ] Zweitens aber wissen Sie alle, daß der Mensch etwas lernt, wozu das Tier nicht kommt, wenigstens nicht in derselben Weise; nur Phantasten können sagen, daß das Tier in derselben Weise dazu kommt: das ist die menschliche Sprache. Ich will nicht sagen, daß die Tiere sich nicht verständigen können. Ich habe Ihnen genug Sachen vorgetragen, welche Ihnen zeigen, daß die Tiere sich verständigen können. Aber sie verständigen sich ja nicht durch die Sprache. Sie beriechen sich oder so etwas Ähnliches, aber durch die Sprache verständigen sie sich nicht. Das zweite also, was der Mensch lernen muß, das ist die Sprache.
[ 5 ] Second, however, you all know that humans learn something that animals cannot, at least not in the same way; only dreamers can claim that animals acquire it in the same way: that is human language. I am not saying that animals cannot communicate. I have presented enough evidence to show you that animals can communicate. But they do not communicate through language. They communicate through scent or something similar, but they do not communicate through language. So the second thing that humans must learn is language.
[ 6 ] Das dritte, was der Mensch lernen muß, und was das Tier auch nicht in demselben Maß bekommt, das ist das Denken. Also drei Dinge muß der Mensch lernen: Gehen, Sprechen, Denken.
[ 6 ] The third thing a person must learn—and which animals do not possess to the same degree—is thinking. So there are three things a person must learn: walking, speaking, and thinking.
[ 7 ] Sie können sagen: Ja, das Denken, das der Mensch verrichtet, das kann man nicht so leicht unterscheiden vom Tiere. Man kann nicht wissen, ob nicht die Tiere auch denken. Aber derjenige, der sagt: Man kann nicht wissen, ob nicht die Tiere auch denken, wenn man die Tiere sich anschaut, der redet ungefähr so, wie einer, der sagt: Wenn meine Großmutter vier Räder hätte und vorne eine Deichsel, so wäre sie ein Omnibus! — Natürlich kann man alles sagen, wenn man nicht auf die Tatsachen sieht. Man kann natürlich, wenn man nicht auf Tatsachen sieht, sagen: Warum soll der Stein nicht auch reden oder denken? — Aber wenn man auf die Tatsachen sieht, so ist es so, daß die Tiere alles so tun, daß nicht eine persönliche Vernunft in ihnen lebt, sondern eine Weltenvernunft. Sie tun es ja nicht persönlich; deshalb ist es vielleicht viel gescheiter, was sie tun, aber es ist eben nicht persönlich. Sie denken viel, wie wir es ja gehört haben, aber es ist ihr Denken nicht persönlich.
[ 7 ] You might say: Yes, the thinking that humans do—it’s not so easy to distinguish that from that of animals. We can’t know for sure whether animals don’t think as well. But the person who says: ‘You can’t know whether animals also think,’ when looking at animals—speaks much like someone who says: ‘If my grandmother had four wheels and a drawbar in front, she’d be a bus!’—Of course, you can say anything if you don’t look at the facts. Of course, if you don’t look at the facts, you can say: ‘Why shouldn’t a stone also speak or think?’ — But if you look at the facts, the reality is that animals do everything in such a way that it is not a personal reason that dwells within them, but a universal reason. They do not act personally; that is why what they do is perhaps much wiser, but it is simply not personal. They think a great deal, as we have heard, but their thinking is not personal.
[ 8 ] Sehen Sie, diese drei Dinge, die muß der Mensch erst lernen: Gehen, Sprechen, Denken.
[ 8 ] You see, there are three things a person must first learn: walking, speaking, and thinking.
[ 9 ] Ein richtig normal sich entwickelndes Kind lernt zuerst das Gehen, nachher das Sprechen, und nachher erst das Denken. Es ist ganz falsch, wenn man glaubt, daß der Mensch erst denkt und dann redet, sondern er lernt zuerst die Sprache durch Nachahmung. Er ahmt die Wörter, die er hört, nach, und erst in den Wörtern drinnen lernt er das Denken. Der Mensch lernt erst an der Sprache das Denken. Deshalb hat die ganze Menschheit so spät das Denken gelernt. Gesprochen haben auch schon die Urvölker, aber denken gelernt haben die Menschen erst später. An der Sprache haben sie denken gelernt.
[ 9 ] A child who develops normally first learns to walk, then to speak, and only after that to think. It is completely wrong to believe that humans think first and then speak; rather, they first learn language through imitation. They imitate the words they hear, and it is only through these words that they learn to think. Humans first learn to think through language. That is why all of humanity learned to think so late. Even primitive peoples spoke, but humans did not learn to think until later. It was through language that they learned to think.
[ 10 ] Nun bedenken Sie, was wäre das ganze menschliche Leben, wenn der Mensch nicht als Kind diese drei Dinge lernen würde: Gehen, Sprechen, Denken! Aber Sie werden auch einsehen: Zu diesen dreien, zum Gehen, zum Sprechen, zum Denken braucht der Mensch seinen Körper. Beim Gehen ist Ihnen ja das ohne weiteres klar. Die ganze Einrichtung des Körpers zeigt Ihnen, daß der Mensch eben zum Gehen seinen Körper braucht. Sie können sich gar nicht vorstellen, daß man geht ohne Körper. Also zum Gehen braucht der Mensch den Körper. Zum Sprechen - nun, ich habe Ihnen beschrieben, wie die Sprache zustande kommt — braucht der Mensch seinen Kehlkopf, seine Zunge und alles mögliche. Also auch zum Sprechen braucht er seinen Körper. Und zum Denken braucht der Mensch auch seinen Körper. Zum Denken braucht er nämlich sein Gehirn und sein Nervensystem. Sie können sich leicht davon überzeugen: Wenn einer nicht gut denken kann, und man untersucht das Gehirn, so wird man finden, daß das zu Brei geworden ist. Er kann nicht denken, weil das zu Brei geworden ist. Also der Mensch braucht seinen Körper gerade zu demjenigen, was er auf der Erde lernt.
[ 10 ] Now consider: what would human life be like if a person did not learn these three things as a child—walking, speaking, and thinking! But you will also realize that for these three—walking, speaking, and thinking—a person needs his or her body. When it comes to walking, this is obvious to you. The very structure of the body shows you that a person needs their body to walk. You cannot even create a mental image of walking without a body. So, to walk, a person needs their body. To speak—well, I have described to you how speech comes about—a person needs their larynx, their tongue, and all sorts of other things. So people also need their bodies to speak. And people need their bodies to think as well. For thinking, they need their brain and their nervous system. You can easily see this for yourself: If someone cannot think properly, and you examine their brain, you will find that it has turned to mush. They cannot think because it has turned to mush. So people need their bodies precisely for what they learn on Earth.
[ 11 ] Aber nun müssen wir uns klar werden, was da eigentlich geschieht, wenn wir zum Beispiel gehen, wenn wir uns überhaupt bewegen. Wenn wir uns überhaupt bewegen, dann geht immer von uns etwas zugrunde. Wenn ich hier stehe und nur bis dorthin gehe und nachher meinen Körper untersuchen würde, so würde ich, nachdem ich gegangen bin, mehr Asche in meinem Körper finden, als vorher drinnen war, weil mittlerweile Stoffe drinnen verbrannt sind. Ich kann mich gar nicht bewegen, kann gar nicht das Gleichgewicht, die Schwerkraft mit mir in Zusammenhang bringen, wenn ich nicht irgend etwas in mir verbrenne. Also ich muß eine Verbrennung in mir bewirken, wenn ich dasjenige im Leben benütze, was ich durch das Gehen und durch das richtige Bewegen überhaupt mir erwerbe. Wenn ich aber nur fortwährend tätig wäre und fortwährend also in mir verbrennen würde, ja, da würde ich bald zugrunde gehen daran. Ich muß fortwährend auch wiederum dasjenige herstellen, was ich verbrannt habe.
[ 11 ] But now we need to understand what is actually happening when, for example, we walk—when we move at all. Whenever we move, something within us is always being destroyed. If I were standing here and walked only to that spot, and then examined my body afterward, I would find more ash in my body after walking than was there before, because substances inside have been burned in the meantime. I cannot move at all; I cannot relate balance or gravity to myself unless I burn something inside me. So I must cause a burning process within myself if I am to make use of what I acquire in life through walking and proper movement. But if I were only constantly active—and thus constantly burning things within myself—well, I would soon perish from it. I must also constantly replenish what I have burned.
[ 12 ] Aber sehen Sie, das tut mir die äußere Welt nicht. Die äußere Welt, die stellt mir das nicht her, was ich in mir verbrannt habe. Denn Sie brauchen nur zu sehen, wie der menschliche Leichnam sich ausnimmt. Der ist der äußeren Welt ganz übergeben. Die verbrennt ihn. Die äußere Welt verbrennt nämlich den Körper. Sie werden sagen: Nun ja, es werden nicht alle Menschen verbrannt, sondern manche auch begraben. Aber das Verwesen im Grabe, das ist nur ein langsamer Verbrennungsprozeß. Es ist nämlich ganz derselbe Vorgang. Wenn man rasch verbrennt, nun, da verbrennt der Körper in kurzer Zeit. Wer ins Grab gelegt wird, verbrennt langsam. Es ist immer ein richtiges Verbrennen, wie ich es Ihnen das letzte Mal bei der Flamme erklärt habe; nur wird er das eine Mal schnell verbrannt, total, das andere Mal verbrennt er langsam im Grabe.
[ 12 ] But you see, the external world does not do that for me. The external world does not restore to me what I have burned within myself. For you need only look at what a human corpse looks like. It is completely at the mercy of the external world. It burns it. For the outer world burns the body. You will say: Well, not all people are cremated; some are also buried. But decomposition in the grave is merely a slow process of burning. It is, in fact, exactly the same process. When one is cremated quickly, well, then the body burns up in a short time. Those who are laid to rest in a grave burn slowly. It is always true burning, as I explained to you last time using the example of a flame; only in one case is it burned quickly and completely, while in the other, it burns slowly in the grave.
[ 13 ] Nun, wenn wir uns als Leichnam der Erde übergeben, so verbrennen wir. Wenn wir gehen, wenn wir uns bewegen, verbrennen wir auch. Nur können wir den Leichnam nicht mehr lebendig machen, weil wir nicht den anderen Vorgang, der die Verbrennung wieder gut macht, mit ihm ausführen können. Wir können jederzeit den Leichnam wiederum lebendig machen, wenn wir die Verbrennung rückgängig machen. Ja, sehen Sie, die Verbrennung rückgängig machen, das können wir, solange wir leben. Da können wir richtig die Verbrennung rückgängig machen. Warum? Hätten wir nur den Leib, den wir ins Grab legen, da könnten wir die Verbrennung nicht rückgängig machen. Wir haben außer dem Leib, den wir ins Grab legen, auch noch den Ätherleib. Das ist ein feiner Leib. So daß wir, wenn wir den Menschen richtig zeichnen wollen, wir zunächst seinen physischen Leib haben und nachher seinen Ätherleib. Dadurch, daß wir diesen Ätherleib haben, können wir ganz richtig den Verbrennungsvorgang, den wir durch unsere Bewegung immer ausführen, wieder gutmachen. Also wir haben nicht nur einen physischen Leib, wir haben auch einen Ätherleib. Wenn wir schlafen, dann bessert fortwährend unser Ätherleib dasjenige wieder aus, was bei Tag die Verbrennungsprozesse gemacht haben. Das heißt: wir haben im Schlaf auch unseren Ätherleib. Im Bett liegt also der physische Leib und der Ätherleib des Menschen.
[ 13 ] Well, when we surrender ourselves to the earth as a corpse, we burn. When we walk, when we move, we also burn. But we can no longer bring the corpse back to life, because we cannot perform the other process—the one that reverses the burning—along with it. We can bring the physical body back to life at any time if we reverse the process of burning. Yes, you see, we can reverse the burning as long as we are alive. Then we can truly reverse the burning. Why? If we had only the body that we lay in the grave, we could not reverse the burning. In addition to the physical body we lay in the grave, we also have the etheric body. This is a subtle body. So that when we want to depict a human being accurately, we first have their physical body and then their etheric body. Because we have this etheric body, we can fully compensate for the process of combustion that we constantly carry out through our movement. So we do not have only a physical body; we also have an etheric body. When we sleep, our etheric body continually restores what the metabolic processes have consumed during the day. This means that we also have our etheric body while we sleep. Thus, both the physical body and the etheric body of a person lie in bed.
[ 14 ] Nun, wodurch unterscheidet sich der Ätherleib vom physischen Leib? Sie können es fühlen: Dasjenige, was Ihnen die Verbrennung bewirkt, wenn Sie sich der äußeren Welt überlassen, das ist die Schwere. Und der Ätherleib hat keine Schwere. - Und wenn man jetzt richtig die Gedanken, die man erinnert, ins Auge faßt, so muß man sagen, die gehören nicht zum physischen Leib, die gehören zum Ätherleib. Und daher ist es so, daß der Mensch in seinem Erinnern auch nicht der Schwere unterworfen ist. Sie können zu gleicher Zeit arbeiten und denken, obwohl es schwer geht, allein, das rührt von etwas anderem her. Das können wir später noch besprechen. Aber man kann zugleich arbeiten und denken. Das weiß jeder, weil durch das Arbeiten zunächst nur der physische Leib abgenützt wird. Der Ätherleib wird durch das Arbeiten nicht abgenützt. Das ist das Wichtige. Der Ätherleib, der ist nun im Menschen so tätig, daß der Mensch an diesem Ätherleib etwas hat, was ihn zunächst befähigt, seine Erinnerung, sein Gedächtnis zu haben.
[ 14 ] Well, how does the etheric body differ from the physical body? You can feel it: that which causes you to feel a burning sensation when you surrender to the external world—that is heaviness. And the etheric body has no heaviness. - And if you now truly take a close look at the thoughts you recall, you must admit that they do not belong to the physical body; they belong to the etheric body. And that is why, in his recollection, a person is not subject to heaviness either. You can work and think at the same time, even though it is difficult—but that stems from something else. We can discuss that later. But one can work and think at the same time. Everyone knows this, because work initially wears down only the physical body. The etheric body is not worn down by work. That is the important point. The etheric body is so active within the human being that, through it, the human being possesses something that first and foremost enables them to have their memory.
[ 15 ] Nun aber gehen wir zu dem zweiten über, was der Mensch lernen kann, zu der Sprache. Wenn wir sprechen lernen, dann ist das nicht so wie beim Gehen. Beim Gehen bewegen wir uns in der äußeren Welt. Wenn wir arbeiten, bewegen wir uns auch in der äußeren Welt. Wir kommen mit irgend etwas der äußeren Welt, was uns einen wahrnehmbaren Widerstand leistet, in Beziehung. Die Sprache, die sprechen wir heraus, und selbst wenn wir in einer dicken Luft sind, so merken wir gar nicht, daß die Sprache uns schwer wird. Wir merken an anderem, was die Luft an uns tut, wenn sie zu dick ist, wie sie störend ist. An der Sprache merken wir das nicht. Und dennoch, ohne die Luft könnten wir nicht sprechen, denn wir bewegen die Luft mit unserer Sprache.
[ 15 ] But now let’s move on to the second thing a person can learn: language. When we learn to speak, it’s not like learning to walk. When we walk, we move within the external world. When we work, we also move within the external world. We come into contact with something in the external world that offers us perceptible resistance. We speak language out loud, and even when we’re in thick air, we don’t even notice that speaking becomes difficult for us. We notice from other things what the air does to us when it is too thick—how disruptive it is. We do not notice this with regard to language. And yet, without the air, we could not speak, for we move the air with our speech.
[ 16 ] Nun gehen ja in uns auch nicht fortwährend bloß äußere Verbrennungsprozesse vor sich, sondern wenn Sie etwas essen, so muß das zunächst durch den Mund in den Magen gehen. Da muß es verarbeitet werden. Dann muß es in den ganzen Körper übergehen. Das ist eine innere Arbeit; die verbrennt auch den physischen Leib. Wenn der Ätherleib einen Augenblick nicht tätig wäre, ja, dann wär es aus mit dem Menschen. Dann würde er fortwährend durch seine eigenen Verbrennungsprozesse sich töten. Was der Mensch eigentlich tut in der irdischen Welt, ist alles auf das Töten abgestimmt.
[ 16 ] Well, it’s not as if only external combustion processes are constantly taking place within us; rather, when you eat something, it must first pass through the mouth into the stomach. There it must be processed. Then it must be distributed throughout the entire body. This is an internal process; it also consumes the physical body. If the etheric body were to cease functioning for even a moment, well, then it would be the end of the human being. Then the person would constantly be killing themselves through their own combustion processes. Everything a human being actually does in the earthly world is geared toward killing.
[ 17 ] Beim Sprechen ist es nun nicht so. Wenn einer seine Herztätigkeit unterbricht, das heißt wenn die Verbrennung, die durch die Herztätigkeit hervorgerufen wird, nicht gleich wiederum durch den Ätherleib gutgemacht wird, würde das Herz stillstehen. Aber beim Sprechen können wir das nicht so sagen; denn gerade einer, der fortwährend spricht, der würde uns bald zuwider werden. Und sich selber würde er auch nicht gerade etwas besonders Gutes tun. Beim Sprechen ist es nicht so, daß der Mensch fortwährend sprechen muß. Er kann sprechen, wenn er will, und kann es auch unterlassen. Nun, die Ausgleichung der Herztätigkeit durch den Ätherleib kann er nicht unterlassen. Die muß er vom Anfang seines Erdenlebens bis zum Ende seines Erdenlebens durchführen.
[ 17 ] This is not the case with speech. If a person were to interrupt the activity of the heart—that is, if the combustion caused by the heart’s activity were not immediately compensated for by the etheric body—the heart would stop beating. But we cannot say the same about speaking; for someone who speaks continuously would soon become a nuisance to us. And he would not exactly be doing himself any favors either. When it comes to speaking, it is not the case that a person must speak continuously. He can speak when he wants to, and he can also refrain from doing so. However, he cannot refrain from the etheric body’s compensation of the heart’s activity. He must carry this out from the beginning of his earthly life until its end.
[ 18 ] Es ist also ein großer Unterschied zwischen dem, was der Mensch innerlich tut, wenn er spricht, und wenn er einfach lebt. Leben tut man, indem man die Verbrennungsprozesse durchmacht. Sprechen tut man, wenn man will. Aber beim Sprechen ist es auch so, daß wir etwas in uns zerstören. Wir zerstören richtig in uns etwas. Sehen Sie, beim Atmen, da ist es so, daß wir fortwährend Sauerstoff aufnehmen, den Sauerstoff mit dem Blut verbinden, Kohlensäure abgeben. Den Stickstoff, den können wir dabei nicht in derselben Weise gebrauchen. Aber, wenn wir sprechen, dann nehmen wir immer zu viel Stickstoff auf. Das ist das Merkwürdige beim Sprechen, daß wir zu viel Stickstoff aufnehmen. Wir vergiften uns in einer gewissen Beziehung. Zu viel Stickstoff aufnehmen, heißt nämlich, dem Zyan ähnlicher werden. Denn das Zyan, das ist geradeso eine Verbindung von Kohlenstoff mit Stickstoff, wie die Kohlensäure eine Verbindung von Kohlenstoff mit Sauerstoff ist. Der Mensch zyanisiert sich fortwährend, wenn er redet. Und das muß er auch wiederum ausgleichen. Wenn der Mensch seine Sprachorgane in Bewegung setzt, so tötet er sich auch in gewisser Beziehung, wie er sich durch die Verbrennung bei der Bewegung tötet. Er muß das wiederum ausgleichen. Und das tut der astralische Leib. — Sie brauchen sich nicht an dem Wort «astralisch» zu stoßen. Ich könnte es auch anders nennen. Darauf kommt es nicht an. Das tut also der astralische Leib. Dieser astralische Leib, der ist ebenso im Menschen vorhanden, und der lebt im Atmen und im Sprechen.
[ 18 ] So there is a big difference between what a person does internally when they speak and when they simply live. We live by going through the processes of combustion. We speak when we want to. But when we speak, we also destroy something within ourselves. We truly destroy something within ourselves. You see, when we breathe, we constantly take in oxygen, bind it to the blood, and release carbon dioxide. We cannot use the nitrogen in the same way during this process. But when we speak, we always take in too much nitrogen. That is the strange thing about speaking—that we take in too much nitrogen. In a certain sense, we are poisoning ourselves. Taking in too much nitrogen means, in fact, becoming more like cyanide. For cyanide is just as much a compound of carbon and nitrogen as carbon dioxide is a compound of carbon and oxygen. A person is constantly cyaniding themselves when they speak. And they must, in turn, compensate for this. When a person sets their speech organs in motion, they are also, in a certain sense, killing themselves, just as they kill themselves through the combustion that occurs during movement. They must compensate for this. And that is what the astral body does. — You need not take offense at the word “astral.” I could call it something else. That is not the point. So that is what the astral body does. This astral body is also present in the human being, and it lives in breathing and speaking.
[ 19 ] Und jetzt können Sie den großen Unterschied merken, der da besteht zwischen dem astralischen Leib und dem Ätherleib. Wenn wir in der Nacht, während wir schlafen, unsere Verbrennung, die während des Tages bewirkt wird, nicht fortwährend gutmachen würden, so würden wir nicht schlafen, sondern sterben. Also den Ätherleib müssen wir während des Erdenlebens immer beim physischen Leib lassen. Reden können wir nicht in der Nacht, während wir schlafen; da müssen wir erst aufwachen. Das Reden hängt mit dem astralischen Leib zusammen. Also ziehen wir unsern Astralleib in der Nacht einfach aus unserem physischen und Ätherleib heraus. Daher atmen wir auch in der Nacht etwas anders. Wir atmen weniger Kohlensäure aus in der Nacht als bei Tag. Kurz, wir haben einen dritten Leib in uns, einen astralischen Leib (Zeichnung Seite 89). Und der astralische Leib, der lebt in unserem Sprechen.
[ 19 ] And now you can see the great difference that exists between the astral body and the etheric body. If, at night while we sleep, we did not continuously replenish the energy expended during the day, we would not sleep but die. So we must always keep the etheric body with the physical body during our earthly life. We cannot speak at night while we are asleep; we must first wake up to do so. Speech is connected to the astral body. So at night we simply withdraw our astral body from our physical and etheric bodies. That is why we also breathe somewhat differently at night. We exhale less carbon dioxide at night than during the day. In short, we have a third body within us, an astral body (illustration on page 89). And the astral body is what gives life to our speech.
[ 20 ] Wenn wir das Tier ansehen, so kann das ja auch gehen, sich bewegen; es braucht es nur nicht zu lernen, es hat es instinktiv. Aber wenn Sie sich die Tiere anschauen, ja, sprechen können sie nicht. Aber sie haben ja auch Sprachorgane. Man muß eigentlich verwundert sein, warum der Hund nicht spricht, warum der Hund nur bellt. Er kann seinen astralischen Leib nicht zum Sprechen gebrauchen. Er lernt das Sprechen nicht. Wir müssen also als Menschen das Bewegen lernen, das Gehen lernen, wir müssen das Sprechen lernen. Das Tier lernt nichts für seinen Ätherleib, lernt nichts für seinen astralischen Leib. Wir Menschen aber lernen etwas.
[ 20 ] When we look at an animal, it can, of course, walk and move; it just doesn’t need to learn how to do it—it does so instinctively. But if you look at animals, yes, they can’t speak. Yet they do have vocal organs. One really has to wonder why the dog doesn’t speak, why the dog only barks. It cannot use its astral body to speak. It doesn’t learn to speak. So we, as human beings, have to learn to move, to walk; we have to learn to speak. The animal learns nothing for its etheric body, learns nothing for its astral body. We humans, however, do learn something.
[ 21 ] Nun, sehen Sie, daß wir etwas lernen können, das rührt davon her, daß wir Gedanken bekommen. Alles Lernen besteht darinnen, daß der Mensch Gedanken bekommt. Wenn er spricht, braucht er bloß nachzuahmen. Wenn er denkt, muß er selbst tätig sein. Der Mensch also lernt durch Gedanken. Er lernt auch das Gehen, er lernt auch das Sprechen durch Gedanken; nur weiß er es noch nicht. Er hat noch nicht die Gedanken beim Gehen und beim Sprechen. Und daß wir lernen können, was das Tier nicht kann, das kommt daher, daß wir außer dem physischen Leib und dem Ätherleib und dem astralischen Leib noch ein Ich haben, das uns ganz durchdringt. Also ein Ich haben wir noch (Zeichnung Seite 89). Dann haben wir die richtigen vier Glieder des ganzen Menschen: physischen Leib, ätherischen Leib, astralischen Leib und Ich.
[ 21 ] Well, you see, the fact that we can learn something stems from the fact that we form thoughts. All learning consists in a person forming thoughts. When he speaks, he merely needs to imitate. When he thinks, he must be active himself. So a person learns through thoughts. He also learns to walk and to speak through thoughts; he just doesn’t realize it yet. He does not yet have thoughts while walking and speaking. And the reason we can learn what animals cannot is that, in addition to the physical body, the etheric body, and the astral body, we also have an “I” that permeates us entirely. So we also have an “I” (illustration on page 89). Then we have the four true members of the whole human being: the physical body, the etheric body, the astral body, and the “I.”
[ 22 ] Das, was ich Ihnen jetzt gesagt habe, das beruht auf einer richtigen Betrachtung des ganzen Menschen, auf einer wirklichen Wissenschaft. Die gewöhnliche Wissenschaft ist eben keine wirkliche Wissenschaft. Sie kümmtert sich nicht um dasjenige, was Tatsachen sind. Es ist keine Frage, daß jeder Mensch, der irgend etwas lernt, sagen müßte: Der Mensch hat den physischen Leib, den Ätherleib, den astralischen Leib und das Ich. Aber er sagt es nicht, weil die Menschen sich eben nicht um die Tatsachen kümmern.
[ 22 ] What I have just told you is based on a correct view of the whole human being, on true science. Ordinary science, however, is not true science. It pays no attention to what the facts actually are. There is no question that anyone who learns anything at all should say: Human beings have a physical body, an etheric body, an astral body, and an “I.” But they do not say this, precisely because people do not concern themselves with the facts.
[ 23 ] Und jetzt wollen wir uns einmal vor Augen führen, wie das beim Tode eigentlich ist. Sehen Sie, man kann sich dieses eigentlich nicht vor Augen führen, wenn man nicht das Lernen noch etwas weiter fortsetzt, als das heute gewöhnlich geschieht. Es ist schon so, daß die heutigen Kulturmenschen, wie sie sich nennen, furchtbar bequem sind. Was tun denn die heutigen Kulturmenschen? Daß der Mensch gehen lernt, darum kümmern sie sich ja überhaupt nicht sehr viel, denn das ergibt sich halt beim Kinde durch Nachahmung der Großen. Da wendet man nicht besondere Sorgfalt an.
[ 23 ] And now let’s consider what actually happens at the moment of death. You see, one cannot truly grasp this unless one continues one’s education a little further than is customary today. It is certainly true that today’s “cultured people,” as they call themselves, are terribly complacent. What do today’s “cultured people” actually do? They don’t really concern themselves much with how a person learns to walk, because that just happens naturally in children through imitation of adults. No special care is taken in this regard.
[ 24 ] Daß der Mensch sprechen lernt, verwundert die Menschen auch nicht besonders. Es hat einmal eine Zeit auf der Erde gegeben, da konnten alle Menschen noch nicht sprechen. Da gab es eine Art von Gebärdensprache. Dann haben die Menschen das Sprechen gelernt. Aber das ist ja längst vergessen von der Menschheit. Geschichte betrachtet man heute eben einfach so, daß man auf die Menschen der Vorzeit hinschaut, die schon haben sprechen können. Und daß die Sprache etwas ist, was man auch tätig lernen muß, darum kümmern sich die Menschen heute gar nicht. Darum ist der Streit zwischen den Völkern. Würden die Völker nur einmal darauf kommen, daß sie die Sprache gelernt haben, und die Sprache etwas ist, was die Menschen gelernt haben, dann würden sie nicht so hochmütig in bezug auf die Sprache sein und sich nach Völkergruppen unterscheiden wollen. Die Menschen haben eben ganz vergessen, daß die Sprache aus dem Innern heraus gelernt werden muß.
[ 24 ] The fact that humans learn to speak does not particularly surprise people. There was once a time on Earth when not all humans could speak yet. Back then, there was a kind of sign language. Then people learned to speak. But that has long since been forgotten by humanity. Today, people view history simply by looking at the people of ancient times, who were already able to speak. And the fact that language is something one must actively learn—people today don’t give that a second thought. That is the reason for the conflict among peoples. If only the peoples would realize that they have learned language, and that language is something people have learned, then they would not be so arrogant about language and would not want to distinguish themselves according to ethnic groups. People have simply forgotten entirely that language must be learned from within.
[ 25 ] Wenn man nun zu der Anthroposophie kommen will, dann muß man, ich möchte sagen, die Sprache wiederum ganz neu lernen. Denn Sie werden sehen, wenn Ihnen irgendeiner der heutigen Gelehrten etwas vorträgt, ja, Donnerwetter, das geht ja wie aus einer Maschine heraus. Beobachten Sie es nur einmal: es geht wie aus der Maschine heraus. Es ist anders, als wenn man Ihnen aus der Geisteswissenschaft, aus der Anthroposophie, etwas vorträgt. Da muß man immerfort nach den Worten suchen, da muß man die Worte innerlich immer neu aufgreifen. Und nachher, wenn man die Worte gebildet hat, dann kriegt man erst recht Angst, daß sie eigentlich nicht das Richtige bezeichnet haben. Es ist bei der Anthroposophie ein ganz anderes Verhältnis zu denjenigen, die einem zuhören, als es sonst bei den heutigen Gelehrten ist. Die heutigen Gelehrten, die kümmern sich nicht mehr um die Sprache. In der Anthroposophie muß man sich immer um die Sprache kümmern.
[ 25 ] If one wants to approach anthroposophy, then one must, I would say, learn the language all over again. For you will see that when any of today’s scholars gives a lecture, well, my goodness, it comes out just like it’s coming from a machine. Just observe it for a moment: it comes out like it’s from a machine. It’s different from when someone presents something to you from Spiritual Science, from anthroposophy. There, one must constantly search for the words; one must continually take up the words anew within oneself. And afterward, once you’ve formed the words, you become even more afraid that they might not actually have expressed the right thing. In anthroposophy, the relationship with those who are listening is entirely different from what it is with today’s scholars. Today’s scholars no longer care about language. In anthroposophy, one must always be mindful of language.
[ 26 ] Sehen Sie, das ist dasjenige, was in einer besonderen Weise zutage tritt, wenn ich meine Bücher schreibe; dann bin ich in einer fortwährenden, ich möchte sagen, inneren Unruhe, die Sprache richtig zu gestalten, daß die Menschen auch das verstehen können, was geschrieben wird. Es ist erwas Neues, was man da mit der Sprache schaffen muß. Die heutigen gelehrten Menschen sagen einfach, ich schreibe einen schlechten Stil, ich schreibe kein ordentliches Deutsch, weil die gewohnt sind, die Worte nur so hintereinander zu setzen, wie es der Gehmechanismus macht. Sie reden nicht aus der Seele heraus. Daher sind sie nicht gewohnt, daß man seine Sätze etwas anders formt, als sie es tun. Und so sehen Sie, daß sich die heutigen Menschen nicht mehr viel um die Sprache kümmern.
[ 26 ] You see, that is precisely what comes to light in a special way when I write my books; then I am in a constant—I would say—inner turmoil to shape the language correctly, so that people can understand what is written. It is something new that one must create with language. Today’s scholars simply say that my style is poor, that I don’t write proper German, because they’re accustomed to stringing words together just as the mechanism of speech does. They don’t speak from the heart. That’s why they’re not used to people forming their sentences somewhat differently than they do. And so you see that people today no longer care much about language.
[ 27 ] Aber nun das dritte, das Denken. Ja, auf das Denken sind die heutigen Menschen ganz besonders stolz. Aber ich sage: Die Menschen denken heute überhaupt nicht. Meistens denken die Menschen heute überhaupt nicht. Ich will Ihnen an einem Beispiel zeigen, daß die Menschen heute überhaupt nicht denken. Das kann man an dem Beispiel der Religion lernen. Die Religionen sind da. Ja, sie waren nicht immer da. Die Menschen haben sich erst zu den Religionen gebildet. Und wenn man wirklich Geschichte studiert, dann wird man sehen, wie die Menschen gerungen haben, um sich ihre religiösen Überzeugungen herauszubilden. Deshalb hat es früher auch das gegeben, was ein Ringen zu den religiösen Überzeugungen war. Was tun die Menschen heute? Ja, sie nehmen durch Erbschaft das auf, was man einmal als Religiöses gehabt hat. Aber neue Gedanken über das Übersinnliche oder so etwas wollen sie nicht aufnehmen. Wenn die Menschen immer so gewesen wären, wären sie heute noch Viecher — das ist nämlich wahr —, weil sie niemals Gedanken über das Übersinnliche aufgenommen hätten. Heute sind die Menschen nicht fähig, Gedanken aufzunehmen über das Übersinnliche. Sie nehmen nur das auf, was ihnen konservativ in den Kirchen erhalten ist, dasjenige, was in früheren Zeiten über das und jenes gedacht worden ist. Die Wissenschafter freilich werden Ihnen sagen: Wir sind von der Kirche ganz unabhängig. Wir haben Gedanken, die wir uns selber machen. - Das ist nicht wahr. Wer nämlich wirklich die Kirche kennt, der wird sehen, daß die Gedanken, die sich die heutigen Gelehrten machen, nur die Gedanken der früheren Kirche sind.
[ 27 ] But now for the third: thinking. Yes, people today are particularly proud of their thinking. But I say: People today do not think at all. Most of the time, people today do not think at all. I want to show you with an example that people today do not think at all. This can be seen in the example of religion. Religions exist. Yes, they weren’t always there. People first developed their own religions. And if you really study history, you will see how people struggled to form their religious convictions. That is why, in the past, there was also what amounted to a struggle to arrive at religious convictions. What do people do today? Well, they simply inherit what was once considered religious. But they are unwilling to embrace new ideas about the supersensible or anything of that nature. If people had always been like this, they would still be animals today—and that is indeed true—because they would never have embraced ideas about the supersensible. Today, people are incapable of embracing ideas about the supernatural. They accept only what has been conservatively preserved for them in the churches—that is, what was thought about this or that in earlier times. Scientists, of course, will tell you: “We are completely independent of the church.” We have thoughts that we form ourselves.”—That is not true. For anyone who truly knows the Church will see that the thoughts formed by today’s scholars are merely the thoughts of the Church of old.
[ 28 ] Da gab es einen großen Gelehrten vor einiger Zeit in Berlin. Du BoisReymond hat er geheißen. Er war wirklich ein großer Gelehrter. Vor allen Dingen hat er sehr elegant geredet, weil es mechanisch abgelaufen ist, weil es aus der Erbschaft hervorgegangen ist - wie es der Großtante auch gefällt, weil der Pfarrer auf der Kanzel nur das sagt, was sie schon weiß; wenn er irgend etwas Neues sagen würde, würde es ihr wohl weniger gefallen, und sie würde dabei einschlafen. Also Du BoisReymond, ein großer Gelehrter, hat in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts in Leipzig eine große Rede gehalten auf der Naturforscherversammlung. Diese Rede ist sehr berühmt geworden. Er sagte etwa: Dasjenige, was wir mit den Sinnen wahrnehmen, können wir verstehen als Menschen. Ein Übersinnliches können wir nicht verstehen. Das kennen wir nicht. - Die Rede ist berühmt geworden als Ignorabimus-Rede - ignorabimus, das heißt: wir werden niemals etwas wissen. Das war der Schluß: Ignorabimus!
[ 28 ] There was a great scholar in Berlin some time ago. His name was Du Bois-Reymond. He was truly a great scholar. Above all, he spoke very elegantly, because it came naturally to him, because it was part of his heritage—just as it pleases the great-aunt, because the pastor in the pulpit says only what she already knows; if he were to say anything new, she would probably like it less, and she would fall asleep in the process. So Du Bois-Reymond, a great scholar, gave a major speech at the Natural Scientists’ Congress in Leipzig in the 1870s. This speech became very famous. He said something like this: What we perceive with our senses, we can understand as human beings. We cannot understand anything supernatural. We are unfamiliar with that.”—The speech became famous as the “Ignorabimus” speech—“ignorabimus,” meaning: we will never know anything. That was the conclusion: Ignorabimus!
[ 29 ] Ja, warum hat denn der Du Bois-Reymond die Rede gehalten? Wäre einer von Ihnen hingegangen und hätte dem Du Bois-Reymond gesagt: Du bist ein Schüler - oder meinetwillen, einer von Ihnen hätte sagen können: Exzellenz, Sie sind ein Schüler von dem Kirchenlehrer Thomas von Aquino! Du Bois-Reymond würde puterrot geworden sein und hätte sich furchtbar aufgeregt, daß er ein Schüler des Thomas vor: Aquino, des katholischen Kirchenlehrers, sein soll. Das hätte er nicht gewollt. Er hat zwar bei einer anderen Rede einmal gesagt: Die deutschen Gelehrten sind eine wissenschaftliche Schutztruppe der Hohenzollern. — Das ist ein Ausspruch, der von denselben Gelehrten spricht, zu denen er gehört. Aber wenn er sich auch zu den Hohenzollern ganz freudig bekannt hat, zu dem katholischen Kirchenlehrer Thomas von Aquino würde er sich nicht bekannt haben.
[ 29 ] Yes, why did Du Bois-Reymond give that speech? If one of you had gone up to Du Bois-Reymond and said, “You are a disciple”—or, for all I care, one of you could have said, “Your Excellency, you are a disciple of the Doctor of the Church, Thomas Aquinas!” Du Bois-Reymond would have turned bright red and become terribly upset at the suggestion that he was a disciple of Thomas Aquinas, the Catholic Doctor of the Church. He would not have wanted that. He did, however, once say in another speech: “German scholars are a scientific auxiliary force of the Hohenzollerns.” — That is a statement referring to the very same scholars to whom he belongs. But even though he gladly identified himself with the Hohenzollerns, he would not have identified himself with the Catholic Doctor of the Church, Thomas Aquinas.
[ 30 ] Ja, aber sehen Sie, was hat denn Thomas von Aquino gelehrt? Der hat auch gelehrt: Die sinnliche Welt, die kann der Mensch durch sich selber erkennen; um die übersinnliche Welt zu erkennen, braucht er die kirchliche Offenbarung; da kann er nicht selber darauf kommen! Nun, streichen Sie «die kirchliche Offenbarung» aus diesem Satze aus und sagen Sie, der Mensch kann nur die Sinneswelt erkennen, die übersinnliche Welt kann er durch sich selbst nicht erkennen; die Kirchenlehre nehme ich aber nicht an -, so haben Sie dasselbe, was Du BoisReymond gelehrt hat. Er hat nur eines, weil es ihm ein bißchen unbequem war, ausgestrichen. Er ist richtig ein Schüler von Thomas von Aquino. Es ist nämlich nicht wahr, daß die heutige Wissenschaft eigene Gedanken hat. Sie nimmt auch die Gedanken von der Kirche. Die Menschen merken es nur nicht. Eigene Gedanken werden nur erst wiederum entwickelt durch die Anthroposophie. Die Menschen merken es nicht, daß sie keine eigenen Gedanken haben.
[ 30 ] Yes, but look—what did Thomas Aquinas teach? He also taught: Human beings can perceive the sensory world through their own faculties; to perceive the supersensory world, however, they need divine revelation; they cannot arrive at that on their own! Now, if you strike “ecclesiastical revelation” from that sentence and say that human beings can only know the sensory world—they cannot know the supersensory world on their own; though I do not accept Church doctrine—then you have the same thing that Du Bois-Reymond taught. He simply crossed out one thing because it was a bit inconvenient for him. He is truly a disciple of Thomas Aquinas. For it is not true that modern science has its own ideas. It, too, takes its ideas from the Church. People just don’t realize it. Independent thought is only being developed anew through anthroposophy. People don’t realize that they have no thoughts of their own.
[ 31 ] Und so wird heute nicht darauf geachtet, daß der Mensch gehen, sich bewegen lernt, wie der Mensch sprechen lernt, und wie der Mensch denken lernt. Das ist es eben: Achtet man darauf, wie die Sprache sich aus dem Innern gestaltet, achtet man darauf, wie man das Verbrennen wiederum ausgleichen muß aus dem Innern und achtet man darauf, wie das Denken namentlich aus dem Innern sich gestaltet, dann kommt man auf das Ewige, Unsterbliche im Menschen. Wenn man aber diese Dinge überhaupt nicht beachtet, so ist es ganz verständlich, daß man nicht auf das Ewige, Unsterbliche kommen kann. Es ist eben die Gedankenlosigkeit und die Unaufmerksamkeit gegenüber der Sprache und dem Gehen des Menschen, die es dahin bringt, daß der Mensch gar nicht darauf achtet, daß er etwas in sich hat, durch das er mehr ist als der Leichnam, den man, wenn er tot ist, ins Grab legt. Er muß ja diesen Leichnam jeden Moment bekämpfen, sonst würde er in jeder Minute sterben. Und er muß ihn bekämpfen durch seinen Ätherleib, seinen Astralleib und sein Ich. So daß also der Mensch den Tod fortwährend in sich selber bekämpfen muß. Der Tod ist ja fortwährend da. Wir könnten in jedem Moment sterben. Aber wir sterben nicht, solange wir in der richtigen Weise unseren Ätherleib, astralischen Leib und unser Ich schlafend und wachend verbinden können.
[ 31 ] And so today, no attention is paid to how a person learns to walk and move, how a person learns to speak, and how a person learns to think. That is precisely the point: if one pays attention to how language takes shape from within, if one pays attention to how one must in turn balance the burning from within, and if one pays attention to how thinking, in particular, takes shape from within, then one arrives at the eternal, immortal aspect within the human being. But if one pays no attention to these things at all, it is quite understandable that one cannot arrive at the eternal, immortal aspect. It is precisely thoughtlessness and inattention toward language and the way a person walks that lead to a person not paying any attention to the fact that they have something within them that makes them more than the corpse that is laid in the grave when they are dead. After all, they must fight this corpse at every moment; otherwise, they would die every minute. And they must fight it through their etheric body, their astral body, and their “I.” Thus, human beings must continually fight death within themselves. Death is, after all, ever-present. We could die at any moment. But we do not die as long as we can properly connect our etheric body, astral body, and “I” in both sleep and wakefulness.
[ 32 ] Was bleibt uns also im Tode übrig? Zunächst bleibt uns der Ätherleib übrig. Aber dieser Ätherleib, der hat eine ganz große Anziehung zu der Welt. Gewicht hat er nicht, Schwerkraft hat er nicht. Aber ausdehnen will er sich sogleich, wenn er frei ist, wenn wir aufhören zu leben. Was heißt das? Das heißt: Wir ziehen den Ätherleib heraus. Da müssen wir aber gleich sterben, wenn wir den Ätherleib herausziehen, denn der ist es ja, der uns leben läßt. Sterben heißt also zunächst, unseren Ätherleib herausziehen aus dem physischen Leib. Der physische Leib fängt jetzt an, richtig zu verbrennen, weil der Ätherleib nicht mehr drinnen ist. Aber dieser Ätherleib hat gleich das Bestreben, sich in die ganze Welt auszudehnen. Daher kommt es, daß der Mensch nach seinem Tode das Gedächtnis noch hat, denn das ist an den Ätherleib gebunden, wie ich Ihnen gesagt habe. Der Ätherleib dehnt sich aber rasch in die ganze Welt aus. Daher ist nach wenigen Tagen dieses Gedächtnis geschwunden. Also der Mensch hat zuerst ein paar Tage hindurch eine Erinnerung an sein letztes Erdenleben, wie es der Ertrinkende auch hat. Ich habe Ihnen das ja neulich schon erklärt.
[ 32 ] So what remains to us in death? First of all, we are left with the etheric body. But this etheric body is strongly drawn to the world. It has no weight, no gravity. But it immediately seeks to expand once it is free, once we cease to live. What does that mean? It means: We draw the etheric body out. But we must die immediately when we draw the etheric body out, for it is this body that keeps us alive. To die, then, means first of all to draw our etheric body out of the physical body. The physical body now begins to burn properly because the etheric body is no longer inside it. But this etheric body immediately strives to expand into the entire world. This is why a person still retains their memory after death, for it is bound to the etheric body, as I have told you. However, the etheric body rapidly expands throughout the entire world. That is why this memory fades after a few days. So at first, a person retains a memory of their last earthly life for a few days, just as a drowning person does. I already explained this to you recently.
[ 33 ] Sehen Sie, das behauptet ein Mensch, der Anthroposoph ist; er saugt sich das nicht bloß aus den Fingern heraus, sondern was tut er? Ja, er lernt zu dem, was man gewöhnlich lernt, noch etwas hinzu. Im gewöhnlichen heutigen Leben geht der Mensch. Er geht, das heißt, er schaut zu, wie er fortwährend verbrennt. Aber er schaut ja niemals zu, wie die Verbrennung wieder ausgeglichen wird. Wenn er zuschauen würde, wie die Verbrennung wieder ausgeglichen wird, was also geschieht, wenn ich nur meinen Fuß bewege und da wiederum hineingießen muß durch den Ätherleib die Ausgleichung der Verbrennung, so finge er ja an, den Ätherleib wahrzunehmen. Aber den vergißt der Mensch heute. Er schaut nicht hin auf seinen Ätherleib. Und darin besteht das anthroposophische Lernen: man lernt hinschauen auf den, Ätherleib. Man lernt hinschauen, wie sich im Menschen fortwährend ein Prozeß, der gegen den Tod gerichtet ist, ausbildet. Und nun macht man ja ebenso Experimente, wie man Experimente macht im physikalischen und chemischen Laboratorium. Ich will Ihnen ein solches Experiment beschreiben. Ich habe die ganze Methode, solche Experimente zu machen, in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» beschrieben. Aber ich will Ihnen noch einmal zeigen, wie man diese Dinge macht.
[ 33 ] You see, this is what a person who is an anthroposophist claims; he doesn’t just make this up out of thin air—but what does he do? Well, he learns something in addition to what one usually learns. In ordinary life today, a person walks. He walks—that is, he watches as he is constantly being consumed. But they never observe how the combustion is balanced out again. If they were to observe how the combustion is balanced out again—that is, what happens when I simply move my foot and must then, through the etheric body, infuse the balancing force for the combustion—then they would indeed begin to perceive the etheric body. But people today forget this. They do not look at their etheric body. And this is what anthroposophical learning consists of: one learns to look at the etheric body. One learns to observe how a process directed against death is constantly taking shape within the human being. And now one conducts experiments just as one does in a physics or chemistry laboratory. I would like to describe one such experiment to you. I have described the entire method for conducting such experiments in my book *How Does One Gain Knowledge of the Higher Worlds?*. But I would like to show you once again how these things are done.
[ 34 ] Nehmen Sie also an, ich habe irgend etwas bei Tag getan, irgendeine Arbeit getan, sie kann eine mehr körperliche, sie kann eine mehr geistige sein. Abends, bevor man einschläft, stellt man sich ganz genau vor: Da, da bist du, dieser Kerl. Aber den stellt man sich außerhalb vor. Und jetzt stellt man sich vor, wie man die Beine bewegt hat, die Hände bewegt hat, wie man gedacht hat, all das stellt man sich vor. Und dadurch, daß man es wieder vorstellt, kommt einem nach und nach eine ganz andere Vorstellung ganz von selber, nämlich die Vorstellung, wie das alles wieder gutgemacht werden muß. Man kriegt eine Vorstellung von seinem Ätherleib, ein Stückchen von seinem Ätherleib. Man kann das schon hervorrufen.
[ 34 ] So suppose I’ve done something during the day, some kind of work—it could be more physical, or it could be more mental. In the evening, before falling asleep, you create a mental image of it very clearly: There, there you are, this guy. But you create a mental image of him from the outside. And now you picture how you moved your legs, how you moved your hands, how you thought—you create a mental image of all of that. And by visualizing it again, a completely different mental image gradually arises of its own accord—namely, the idea of how all of this must be made right. You get a sense of your etheric body, a small part of your etheric body. You can actually bring this about.
[ 35 ] Nur sagen die heutigen Menschen: Ach, wenn der Mensch nur gelernt hat, das äußere Leben zu betrachten, dann ist es schon genug! Bei den Kindern in der Schule sieht man einfach nicht darauf, daß sie etwas anderes kennenlernen. Das ist ja am allerbequemsten. Denn die Menschen, die mehr kennenlernen, die werden aufrührerisch. - Man brauchte nur in der zartesten Jugend diese Anlage heranzubilden, dann würden alle Menschen ja den Ätherleib wahrnehmen können.
[ 35 ] But people today say: Oh, if only people have learned to observe external life, then that’s enough! With children in school, people simply don’t pay attention to the fact that they are learning about something else. That’s the easiest thing to do, after all. Because people who learn more become rebellious. — One would only need to cultivate this capacity in the earliest years of childhood, and then everyone would be able to perceive the etheric body.
[ 36 ] Sehen Sie, man kann die größten Übungen gemacht haben, um alles das wahrzunehmen, was man selber tut an Beweglichkeit, an Arbeit, es kann auch geistige Arbeit sein; man kann sich ganz klare Vorstellungen machen, aber die Geschichte ist wieder umgekehrt, denn nach drei Tagen haben Sie die Vorstellungen vergessen. Wenn Sie irgend etwas lernen, etwas einochsen von der physischen Welt, das bleibt in Ihnen, wenn Sie es richtig eingeochst haben. Die Vorstellungen, die Sie sich von der übersinnlichen Welt machen, also schon beim Ätherleib, die sind in drei Tagen verflogen; wenn man sie nicht zuerst in physische Vorstellungen umwandelt, sind sie verflogen. Warum? Weil das geradeso ist, wenn man es künstlich erzeugt als Experiment, wie es nach dem Tod ist. Nach dem Tod gehen einem auch die ätherischen Vorstellungen davon. So gehen sie einem auch davon, wenn man sie künstlich hervorruft. Geradeso wie man, sagen wir, kennenlernt die Verbindungen des Sauerstoffes in einem Laboratorium durch die physische Wissenschaft, so lernt man dies durch die Geisteswissenschaft kennen, wenn man die entsprechenden Experimente dann an sich selber macht. Aber das heißt eben, nicht stehen bleiben bei dem, was die gewöhnliche Wissenschaft ist. Deshalb ist mein Buch «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» die Fortsetzung desjenigen, was die Menschen lernen, aber eine Art von Fortsetzung wie diese Tatsache, daß der Mensch nur zwei bis drei Tage die Erlebnisse seines Ätherleibes hat, die kann man ja nachmachen, und dann wird sie Wissenschaft.
[ 36 ] You see, you may have done the most extensive exercises to become aware of everything you do—in terms of physical movement, work, or even mental work; you may have formed very clear mental images, but the situation is actually the opposite, because after three days, you’ve forgotten those images. When you learn something—something you’ve internalized from the physical world—it remains within you if you’ve internalized it correctly. The mental images you form of the supersensible world—that is, even those concerning the etheric body—vanish within three days; if you don’t first transform them into physical mental images, they vanish. Why? Because it’s exactly the same when you artificially produce them as an experiment as it is after death. After death, these etheric mental images also fade away. They fade away just as quickly when one artificially evokes them. Just as one, let’s say, learns about the compounds of oxygen in a laboratory through physical science, so one learns about this through Spiritual Science when one then performs the corresponding experiments on oneself. But that means not stopping at what ordinary science is. That is why my book *How Does One Gain Knowledge of the Higher Worlds?* is a continuation of what people learn—but a kind of continuation like this fact: that a person only has the experiences of their etheric body for two to three days; these can be replicated, and then they become science.
[ 37 ] Nun, sehen Sie, so kann man den Ätherleib erleben. Aber man kann auch den astralischen Leib erleben. Wenn der Mensch Wasser anschaut, so weiß er ja gewöhnlich nicht, daß da Wasserstoff und Sauerstoff drinnen ist. Er muß erst durch einen galvanischen Apparat die zwei Stoffe voneinander trennen. Dann hat er den Wasserstoff und Sauerstoff nebeneinander in zwei Gefäßen. So muß man erst den astralischen Leib abtrennen können vom physischen Leib, um ihn wahrnehmen zu können. Man muß also in bezug auf diese Dinge wirkliche Wissenschaft betreiben. Da muß man zum Beispiel darauf achten: Du hast zu einer bestimmten Zeit des Tageslebens Wasser zu dir genommen, Wasser getrunken. Dann hast du lange Zeit nicht getrunken. Du bist durstig geworden. Wenn man durstig geworden ist, so will man wieder trinken. Geradeso wie, wenn die Sprache erscheinen soll, man erst wollen muß, daß die Sprache kommt. Es ist genau dasselbe. In der Sprache muß man wollen, daß man spricht; wenn man durstig ist, da will man trinken. Der Durst bedeutet gar nichts anderes, als daß man trinken will. Der Durst ist das Wollen des Trinkens. Und so kann man sagen, man merkt an sich selber, daß man Begierden bekommt, richtige Begierden bekommt. Beachten Sie, zuerst haben wir die Erinnerung. Die Erinnerungen, die kommen zuweilen, wenn man sie will, aber zumeist ganz von selber. Sie steigen auf, die Erinnerungen. Die haben mit dem Ätherleib zu tun. Die Begierden, wie Durst, Hunger oder die geistig-seelischen Begierden, die steigen so auf im Menschen, daß sie sind wie das Wollen. Da drinnen äußert sich der Wille des Menschen. Die Begierde ist solange da, bis sie befriedigt ist, bis der Wille zu seinem Recht gekommen ist.
[ 37 ] Well, you see, that is how one can experience the etheric body. But one can also experience the astral body. When a person looks at water, he usually does not know that it contains hydrogen and oxygen. He must first separate the two substances from one another using a galvanic apparatus. Then they have the hydrogen and oxygen side by side in two vessels. In the same way, one must first be able to separate the astral body from the physical body in order to perceive it. So one must engage in genuine scientific inquiry regarding these matters. For example, one must pay attention to the following: You consumed water—you drank water—at a certain time during the day. Then you did not drink for a long time. You became thirsty. When you become thirsty, you want to drink again. Just as, for speech to emerge, you must first will for speech to come. It is exactly the same. In speech, you must will to speak; when you are thirsty, you want to drink. Thirst means nothing other than that you want to drink. Thirst is the will to drink. And so one can say that one notices within oneself that one develops desires—true desires. Note that first we have memory. Memories come to us sometimes when we want them, but mostly all on their own. They rise up, these memories. They have to do with the etheric body. Desires—such as thirst, hunger, or spiritual and emotional desires—arise within a person in such a way that they are like the act of willing. It is there that a person’s will expresses itself. The desire remains until it is satisfied, until the will has been fulfilled.
[ 38 ] Nun beachten Sie, was man aber eigentlich will, wenn man, sagen wir, durstig ist. Was will man denn da? Ja, da hat man im Leibe einen Zustand, dem man Abhilfe verschaffen möchte. Was begehrt man denn eigentlich im Durst? Im Durst begehrt man, daß da drinnen Wasser zirkuliert, nach der Art, wie im Leibe Wasser zirkuliert. Weil es nicht zirkuliert, ist man eben durstig. Was will man denn eben eigentlich? Man will seinen Leib in einer richtigen Weise funktionierend haben. Beim Hunger will man auch seinen Leib in einer gewissen Weise funktionierend haben. Man will eigentlich immer etwas an sich selber. Nun, sehen Sie, dieses, was man da an sich selber will, das kann ja doch der Leib nicht bewirken. Das Wollen, die Begierde, das kann doch der Leib nicht entwickeln. Nicht wahr, wenn der Leib immerfort nur hergehen müßte, um die Begierde zu befriedigen, dann müßte er sich ja aufzehren. Der Leib kann die Begierde nicht entwickeln.
[ 38 ] Now consider what one actually wants when one is, say, thirsty. What does one want in that situation? Well, one experiences a condition within the body that one wishes to remedy. What does one actually desire when one is thirsty? When one is thirsty, one desires for water to circulate inside, in the same way that water circulates in the body. Because it isn’t circulating, one is thirsty. What does one actually want? One wants one’s body to function properly. When one is hungry, one also wants one’s body to function in a certain way. One actually always wants something for oneself. Now, you see, what one wants for oneself—the body cannot bring that about. The will, the desire—the body cannot develop that. Isn’t it true that if the body had to go on constantly just to satisfy desire, it would wear itself out? The body cannot develop desire.
[ 39 ] Woher kommen also die Begierden? Die kommen eben aus der Seele. Und zwar nicht aus dem Ätherleib. Aus dem Ätherleib kommt so etwas wie die Erinnerung. Die Begierden kommen aus dem astralischen Leib. Die Begierde ist auch nicht immer da, während das Leben, das aus dem Ätherleib kommt, immer da ist. Die Begierde wechselt ab mit Befriedigtsein, weil sie beim astralischen Leib ist. So erkennen wir den Zusammenhang zwischen der Begierde und dem astralischen Leib.
[ 39 ] So where do desires come from? They come from the soul. And not from the etheric body. The etheric body is the source of something like memory. Desires come from the astral body. Nor is desire always present, whereas the life that comes from the etheric body is always there. Desire alternates with satisfaction because it is associated with the astral body. This is how we recognize the connection between desire and the astral body.
[ 40 ] Aber was will eigentlich die Begierde? Einen gewissen Zustand des astralischen Leibes will sie haben. Nun kann eben der Mensch, wenn er in derselben Weise weiterlernt, wie ich Ihnen das gesagt habe für das Lernen am Ätherleib, auch weiterlernen in bezug auf die Begierden. Da kommt der Mensch nämlich merkwürdigerweise, wenn er da weiterlernt, immer weiter zurück in seinem Leben, und er kommt zurück bis zu dem Punkt, wo er in der Kindheit war. Da hat er lauter Begierden gehabt. Da hat er nämlich in der Zeit, an die man sich nicht zurückerinnert, lauter Begierden gehabt. Da tobt man und zappelt, hat lauter Begierden. Das Kind ist bloß Begierde, wenn es in die Welt hereinkommt. Und bis zu dieser Begierde kommt man zurück. Und da lernt man seinen astralischen Leib kennen.
[ 40 ] But what does desire actually want? It wants a certain state of the astral body. Now, if a person continues to learn in the same way that I have described to you regarding learning about the etheric body, they can also continue to learn with regard to desires. Strangely enough, as a person continues to learn in this way, they go further and further back in their life, returning to the point where they were in childhood. Back then, they were full of desires. In fact, during that time—which one cannot remember—they were full of desires. Back then, one thrashes and wriggles, full of desires. A child is nothing but desire when it enters the world. And one returns to that state of desire. And there one becomes acquainted with one’s astral body.
[ 41 ] Man lernt seinen astralischen Leib nicht kennen, wenn man nicht das anwendet, was ich in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» beschrieben habe, denn man erinnert sich nur bis an den Punkt in der Kindheit zurück, wo der astralische Leib sich schon so mit dem physischen Leib vereinigt hat, daß man es nicht mehr unterscheiden kann. Aber hat man dieses ausgebildet, dann kommt man zurück, dann erinnert man sich, wie man als ganz kleines Kind den ganzen physischen Leib gewollt hat. Und dann fängt man an zu begreifen, was man nach dem Tode tut, wenn die Erinnerung einem genommen ist nach ein paar Tagen schon. Man begehrt nämlich fortwährend seinen physischen Leib vom letzten Leben. Und das dauert länger. Das kann man auch ausprobieren.
[ 41 ] One cannot come to know one’s astral body unless one applies what I have described in *How to Gain Knowledge of the Higher Worlds*, for one can only recall back to that point in childhood when the astral body had already become so united with the physical body that one can no longer distinguish between them. But once you have developed this ability, you will be able to go back and remember how, as a very small child, you willed your entire physical body. And then you will begin to understand what you do after death, when your memory is taken from you after just a few days. For you will continually long for your physical body from your last life. And that lasts longer. You can try this out for yourself.
[ 42 ] Wenn einer nämlich, sagen wir, sechzig Jahre alt geworden ist, und er führt dieses innerliche Experiment aus, daß er sich zurückerinnert bis in seine Kindheit, und da auf den astralischen Leib kommt, dann lernt er diesen astralischen Leib schon ganz gut kennen. Aber er merkt, daß es ihm jetzt, wenn er sechzig Jahre alt geworden ist, damit ganz anders ist, als wenn er es vor zehn Jahren getan hätte. Das ändert sich mit dem Lebensalter. Nämlich mit sechzig Jahren, da kommt man leichter zurück als mit fünfzig Jahren. Und mit fünfundzwanzig Jahren kommt man fast gar nicht zurück. Mit zwanzig Jahren kann man nicht zurückkommen zum astralischen Leib. Also das ändert sich mit dem Leben.
[ 42 ] For if someone, say, has reached the age of sixty and carries out this inner experiment—recalling back to his childhood and thereby accessing his astral body—then he comes to know this astral body quite well. But they notice that now, having reached the age of sixty, the experience is quite different from what it would have been if they had done it ten years ago. This changes with age. Namely, at sixty, it is easier to return than at fifty. And at twenty-five, it is almost impossible to return. At twenty, you cannot return to the astral body. So this changes over the course of one’s life.
[ 43 ] Man kann also den astralischen Leib kennenlernen, und dann kann man sagen: Der astralische Leib, der wird anders, je älter man wird. Je älter man wird, desto mehr Begierden entwickelt er nämlich, und er hat daher auch mehr Begierden, wenn man durch den Tod gegangen ist, wenn man älter geworden ist, als wenn man noch ganz klein ist. Da hat er weniger Begierden. Und solange der Mensch noch nicht dazu gekommen ist, nicht mehr seinen physischen Leib zu begehren, solange lebt er in seinem astralischen Leib nach dem Tode. Nun werde ich Ihnen das nächste Mal zeigen, warum man sagen muß: Der Mensch lebt nach dem Tode ein Drittel von seiner Lebenszeit im astralischen Leib, ein paar Tage nur in seinem Ätherleib. Es reicht heute nicht die Zeit dazu, um das näher auszuführen.
[ 43 ] So one can come to know the astral body, and then one can say: The astral body changes as one grows older. The older one gets, the more desires one develops; and therefore, after passing through death—once one has grown older—one has more desires than when one is still very young. At that stage, one has fewer desires. And as long as a person has not yet reached the point where they no longer desire their physical body, they continue to live in their astral body after death. Next time, I will show you why we must say: After death, a person spends one-third of their lifetime in the astral body and only a few days in their etheric body. There isn’t enough time today to go into that in more detail.
[ 44 ] Und dann kommt der Mensch ganz los von seinen Begierden. Dann begehrt er nicht mehr seinen physischen Leib, und dann tritt etwas sehr Eigentümliches ein. Er bekommt jetzt zwar nicht die Begierde nach seinem physischen Leib, den er gehabt hat, aber er bekommt die Möglichkeit, vorzusorgen für seinen physischen Leib, den er in der Zukunft bekommen wird. Und er macht nun in der geistigen Welt eine Arbeit durch, die ihn dazu befähigt, wieder einen physischen Leib zu bekommen in einem nächsten Erdenleben. Das dauert dann am allerlängsten. Er kommt also wiederum zu einem Erdenleben.
[ 44 ] And then the person becomes completely free from his desires. He no longer craves his physical body, and then something very peculiar happens. Although he no longer feels the desire for the physical body he once had, he gains the ability to make provisions for the physical body he will receive in the future. And in the spiritual world, they now undertake a process that enables them to receive a physical body again in their next earthly life. This is the longest part of the process. Thus, they return to an earthly life.
[ 45 ] Ich werde Ihnen das nächste Mal ausführen, daß das, was man die Ewigkeit nennt, ganz gut begründet werden kann. Ich werde die Frage dann das nächste Mal zu Ende führen. Das ist nämlich ein Teil der Frage, die an mich gestellt worden ist.
[ 45 ] Next time, I will explain to you that what is called “eternity” can be quite well substantiated. I will then conclude this discussion next time. This is, in fact, part of the question that was posed to me.
[ 46 ] Aber, meine Herren, ich habe Ihnen die Sache so erklärt, daß ich Sie eigentlich zuerst zu dem Geistigen hingeführt habe. Ich habe Ihnen gesagt: Wir haben außer dem physischen Leib noch den Ätherleib, den astralischen Leib und das Ich. Das ist auch schon da, bevor der Mensch nicht nur geboren wird, sondern bevor er ein Keimesleben angenommen hat, konzipiert, empfangen wird. Das ist da.
[ 46 ] But, gentlemen, I have explained the matter to you in such a way that I actually led you first to the spiritual realm. I told you: In addition to the physical body, we also have the etheric body, the astral body, and the I. These are already present not only before a person is born, but even before they have taken on an embryonic life—before they are conceived and received. They are already there.
[ 47 ] Ja, aber sehen Sie, es gibt ein gewisses kirchliches Dogma, das einen ganz merkwürdigen Inhalt hat. Das war schon ganz bald, nachdem das Christentum sich ausgebreitet hatte. Da verbietet nämlich die römische Kirche dem Menschen, an ein Leben vor dem Erdenleben zu glauben. Warum? Sehen Sie, um das Leben vor dem Erdenleben kümmern sich die Menschen nicht viel. Sie sagen: Nun, ich bin einmal da; was geht mich das Leben vor dem Erdenleben an. - Dagegen um das Leben nach dem Tode, darum kümmern sich die Menschen sehr stark, weil sie nicht aufhören möchten, zu leben. Das interessiert die Menschen.
[ 47 ] Yes, but you see, there is a certain church dogma that has a very peculiar content. This arose quite soon after Christianity had spread. Namely, the Roman Church forbids people from believing in a life before this earthly life. Why? You see, people don’t care much about life before this earthly existence. They say: Well, I’m here now; what does life before this earthly existence have to do with me? — On the other hand, people care very deeply about life after death, because they don’t want to stop living. That’s what interests people.
[ 48 ] Nun kann man aber nicht das Leben nach dem Tode kennenlernen, wenn man nicht das Leben vor der Geburt, das heißt, vor der Empfängnis kennenlernt. Das eine ist nicht möglich ohne das andere. Was ist denn also dann geschehen, als dieses Dogma aufgestellt worden ist, daß man nicht hinschauen soll auf das Leben vor dem Erdenleben, daß man nicht glauben soll an das Leben vor dem Erdenleben? Da ist überhaupt die ganze Aussicht des Menschen auf ein Übersinnliches ihm abgeschnitten worden. Ja, hat das einen Sinn, daß gerade just die Kirche abschneidet diese Aussicht auf das Übersinnliche? O ja, es hat einen Sinn, denn dann kann die Kirche, weil der Mensch doch begehrt nach einem Leben nach dem Tode, das ganze Sterben in ihre Verwaltung nehmen. Dann erkennt der Mensch nichts von dem, was nach dem Tode ist, und ist angewiesen darauf, daß es ihm die Kirche sagt. Dann kriegt der Mensch die Sehnsucht, vor allen Dingen der Kirche zu glauben. Also es war sehr gut, für die Kirche nämlich, daß dieses Dogma aufgestellt worden ist: der Mensch lebt nach dem Erdenleben. Denn dadurch hat die Kirche das Sterben in ihre Verwaltung genommen.
[ 48 ] But one cannot come to know life after death without first coming to know life before birth—that is, before conception. One is not possible without the other. So what happened, then, when this dogma was established—that one should not look into life before earthly life, that one should not believe in life before earthly life? Thus, humanity’s entire perspective on the supernatural has been cut off. Yes, does it make sense that the Church, of all institutions, would cut off this prospect of the supernatural? Oh yes, it makes sense, because then—since people do long for a life after death—the Church can take the entire process of dying under its control. Then people know nothing of what lies beyond death and are dependent on the Church to tell them. Then people develop a longing to believe, above all else, in the Church. So it was very good—for the Church, that is—that this dogma was established: that human beings live on after their earthly life. For through this, the Church has taken the process of dying under its control.
[ 49 ] Ich habe einmal mit einem berühmten Astronomen ein Gespräch gehabt. Der glaubte nichts von Anthroposophie. Aber bei Astronomen ist es so, daß sie am allerleichtesten einsehen, daß man nicht beim Physischen stehenbleiben kann. Wir sprachen über Kirche und Staat. Er war zu beiden so gestellt, daß der Staat ihm recht gefiel, die Kirche weniger gefiel, weil sie den Menschen eben bis zum bloßen Glauben führt, nicht zur Erkenntnis. Und da sagte dieser Astronom sehr schön: Ach, die Kirche hat es gut, viel besser als der Staat, denn der Staat muß nur das Leben verwalten, die Kirche aber verwaltet das Sterben. Und weil die Kirche das Sterben verwaltet, hat sie viel mehr übrig für sich, hat sie viel mehr Erfolg.
[ 49 ] I once had a conversation with a famous astronomer. He didn’t believe in anthroposophy at all. But the thing about astronomers is that they are the ones who most readily recognize that one cannot stop at the physical realm. We spoke about the church and the state. His attitude toward both was such that he quite liked the state, but liked the church less, because it leads people merely to blind faith, not to knowledge. And then this astronomer said something very beautiful: “Oh, the church has it good, much better than the state, for the state has only to administer life, whereas the church administers death.” And because the church manages dying, it has much more left over for itself; it is much more successful.
[ 50 ] Die Geisteswissenschaft, Anthroposophie, will aber den Menschen zur Erkenntnis bringen, daß er sich sein Sterben selber verwaltet. Das ist die Geschichte. Sehen Sie, meine Herren, das wird ein wirklicher Fortschritt sein. Dann wird der Mensch sich nicht mehr bloß abhängig fühlen wollen, sondern er wird selber sein Leben in die Hand nehmen wollen. Und darauf kommt es an.
[ 50 ] Spiritual Science, anthroposophy, seeks to lead people to the realization that they themselves are in charge of their own dying. That is the story. You see, gentlemen, that will be real progress. Then people will no longer want to feel merely dependent, but will want to take their lives into their own hands. And that is what matters.
[ 51 ] Heute merken die Menschen schon, daß es nicht mehr so geht wie früher. Früher haben sie sich gedacht: Eine Zeitlang im Leben, da werde ich arbeiten, das muß schon so sein, denn wenn man nicht arbeiten würde, da würde das Leben ja nicht gehen; aber nachher lasse ich mich vom Staat pensionieren. — Das war schon so die Idee. Und wenn ich sterbe, sagten sie sich, dann pensioniert die Kirche meine Seele. Nicht wahr, da sind sie ja auch ohne ihre Erkenntnis, ohne ihr Zutun zur ewigen Seligkeit pensioniert.
[ 51 ] Today, people are already realizing that things can’t go on the way they used to. In the past, they used to think: “For a while in life, I’ll work—that’s just the way it has to be, because if I didn’t work, life wouldn’t go on—but later on, I’ll retire with a pension from the government.” — That was basically the idea. And when I die, they told themselves, the Church will retire my soul. After all, there they are retired into eternal bliss without any insight of their own, without any effort on their part.
[ 52 ] Das ist eben dasjenige, was der wirkliche Fortschritt sein soll, daß der Mensch sein Leben in die Hand nimmt, nicht sich von Staat oder Kirche verwalten läßt, sondern daß er aus Erkenntnis, aus dem Willen heraus, aus sich selber heraus zu etwas kommt. Und da muß er schon auch seine eigene Unsterblichkeit wissenschaftlich begreifen.
[ 52 ] That is precisely what true progress should be: that human beings take control of their own lives, do not allow themselves to be governed by the state or the church, but rather achieve something out of their own understanding, out of their own will, and out of themselves. And in doing so, they must also scientifically comprehend their own immortality.
