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Rhythmen im Kosmos und im Menschenwesen
GA 350

9 Juni 1923, Dornach

4. Licht- und Farbenwirkungen in Erdenstoffen wird in den Weltenkörpern

[ 1 ] Nun, meine Herren, auf was haben Sie sich besonnen?

[ 2 ] Frage: Die verschiedenen chemischen Stoffe haben die Eigenschaft, gewisse Farben zum Beispiel der Flamme zu geben. Andererseits haben aber auch viele Sterne einen Farbenschimmer, wie der Mars. Ich hätte gern einiges gewußt über diese Sache. Zum Beispiel der Mars hat einen rötlichen Schimmer. Das Eisen, wenn es oxydiert, der Rost, hat auch eine rötliche Farbe. Ob da Zusammenhänge sind?

[ 3 ] Dr. Steiner: Das ist natürlich eine sehr schwierige Frage. Zunächst müßte man sich erinnern an das, was wir schon über die Farben besprochen haben. Wir haben ja schon verschiedenes über die Farben besprochen. Sie müssen bedenken, daß die Farbe eines Körpers doch zusammenhängt mit der ganzen Art und Weise, wie er in der Welt drinnensteht. Denken wir uns also, wir haben irgendeinen Stoff. Der Stoff, der hat eine ganz bestimmte Farbe. Nun meinen Sie, daß diese Farbe unter Umständen ganz anders sich äußern kann, wenn man diesen Stoff an die Flamme bringt, so daß man also dann eine gewisse Färbung der Flamme bekommt? — Da muß man sich klar sein darüber, daß ja, wenn die Flamme für sich entsteht, die Flamme auch schon eine bestimmte Farbe hat und daß dann, wenn wir einen Stoff in die Flamme bringen, zwei Farben zusammenwirken, die des Stoffes und die der Flamme. Nun ist es aber überhaupt erwas höchst Eigentümliches, wie sich die Farben in der Welt verhalten. Darüber will ich Ihnen jetzt einiges erzählen.

[ 4 ] Sie kennen ja den gewöhnlichen Regenbogen. Der Regenbogen hat ein rotes Band, dann geht das über in orange und gelb, dann wird das Band grün, dann blau, dann wird das Band etwas dunkler blau, indigoblau und dann wird das Band violett. So bekommen wir eine Anzahl von sieben Farben ungefähr, die der Regenbogen an sich hat (siehe Zeichnung). Diese sieben Farben haben natürlich die Menschen immer beobachtet und in der verschiedensten Weise erklärt, denn eigentlich sind diese sieben Farben, die man da vom Regenbogen bekommt, die allerschönsten Farben, die man überhaupt in der Natur sehen kann. Und außerdem müssen Sie ja wissen, daß diese Farben so sind, als ob sie ganz frei schweben würden. Sie entstehen ja, wie Sie wissen, wenn irgendwo die Sonne scheint und vor der Sonne Regenwetter ist. Dann erscheint der Regenbogen auf der anderen Seite am Himmel. Wenn Sie also irgendwo einen Regenbogen sehen, so müssen Sie sagen: Wo ist nun das Wetter? Ja, auf der entgegengesetzten, auf der abgewendeten Seite vom Regen muß die Sonne sein. — So muß die Ordnung sein. So entstehen diese sieben Farben des Regenbogens.

Wandtafel 1
Wandtafel 1

[ 5 ] Nun kommen aber diese sieben Farben auch noch anders vor. Denken Sie sich, wir verbrennen einen metallartigen Körper, bringen ihn immer mehr und mehr zur Erhitzung, so daß dieser metallartige Körper sehr heiß wird. Dann wird dieser metallartige Körper zunächst, wie Sie ja wissen, rotglühend, zuletzt weißglühend, wie man sagt. Also denken Sie sich, wir haben eine Art von Flamme dadurch hervorgerufen, daß wir, ich möchte sagen, eigentlich eine Metallflamme da haben. Aber es ist nicht eine eigentliche Flamme, es ist ein glühendes Metall, ein Metall, das ganz glüht. Wenn man nun ein solches Metall, das ganz glüht, durch ein sogenanntes Prisma anschaut, dann sieht man nicht eine weißglühende Masse, sondern man sieht dieselben sieben Farben wie beim Regenbogen.

[ 6 ] Ich werde das jetzt schematisch zeichnen (Zeichnung Seite 72). Denken Sie sich, da hier wäre dieses glühende Metall, und nun habe ich hier ein solches Prisma. Sie wissen ja, was ein Prisma ist. Da ist es von der Seite gezeichnet, so ein dreieckiges Glas. Da ist mein Auge. Jetzt schaue ich da durch. Da sehe ich jetzt nicht einen weißen Körper, sondern ich sehe die sieben Farben des Regenbogens, die sieben aufeinanderfolgenden Farben Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Indigoblau, Violett. Also durch das Prisma sehe ich dasjenige, was eigentlich weiß ist, was weißglühend ist, in sieben Farben. Daraus geht Ihnen hervor, daß man dasjenige, was weißglühend ist, in den Regenbogenfarben schimmern sehen kann.

[ 7 ] Nun kann man noch etwas anderes machen, was ganz außerordentlich interessant ist. Sehen Sie, eine solche weißglühende Masse kann man nur hervorrufen, wenn man ein Metall, überhaupt einen festen Körper, glühend macht, Wenn ich aber ein Gas habe und verbrenne das Gas, dann bekomme ich, wenn ich durchs Prisma schaue, nicht die sieben Farben, nicht ein solches Siebenfarbenband, sondern etwas ganz anderes.

[ 8 ] Sie können nun sagen: Wie bekommt man denn ein glühendes Gas? Ja, ein glühendes Gas kann man sehr einfach bekommen. Denken Sie sich zum Beispiel, ich habe das gewöhnliche Kochsalz. In dem gewöhnlichen Kochsalz sind zwei Stoffe drinnen, erstens ein metallartiger Stoff, den man Natrium nennt, und dann ist noch Chlor drinnen. Das ist ein Gas, das, wenn man es irgendwo ausbreitet, wenn es irgendwo ist, einem gleich scharf in die Nase faucht. Das ist dasselbe Gas, das man zum Beispiel zum Bleichen von Wäsche verwendet. Die Wäschestücke werden gebleicht davon, wenn man Chlor darüberstreichen läßt.

[ 9 ] Wenn man also Natrium und Chlor zusammen hat, als einen Körper, ist es unser gewöhnliches Kochsalz, mit dem wir unsere Speisen salzen. Wenn man das Chlor wegnimmt und das Natrium, das dann weißlich ist, in eine Flamme gibt, so wird die Flamme ganz gelb. Woher kommt das? Ja, meine Herren, das kommt davon her, weil das Natrium, wenn die Flamme heiß genug ist, zum Gas wird, und dann verbrennt das Natriumgas gelb, gibt eine gelbe Flamme. Wir haben also jetzt nicht nur einen richtig glühenden Metallkörper, sondern wir haben eine gasige Flamme. Wenn ich jetzt dieses durch mein Prisma anschaue, dann wird das nicht in derselben Weise siebenfarbig, sondern es bleibt im wesentlichen gelb. Nur auf der einen Seite hat es — da muß man aber schon sehr, sehr scharf zuschauen — etwas Bläuliches und etwas Rötliches. Aber im ganzen bemerkt man das eigentlich nicht; man sieht da auch nur das Gelbe.

[ 10 ] Aber das ist nun alles noch nicht das Interessante. Das Allerinteressanteste ist das: Wenn ich die ganze Geschichte hier aufstelle, die gelbe Flamme hier hereingebe (Zeichnung Seite 72) und nun wieder durch Tafel s mein Prisma gucke, was werden Sie sagen? Sie werden sagen: Wenn ich Bee da durchgucke, habe ich da Rot, Orange, Gelb, Grün und so weiter. Da ist auch Gelb, werden Sie sagen. Also wenn ich da durchgucke, wird das Gelbe hier besonders stark sein, werden Sie sagen, es wird ein besonders helles Gelb sein, ein recht leuchtendes Gelb. — Ja, sehen Sie, das ist nicht der Fall. Was da ist, das ist, daß gar kein Gelb erscheint, daß das Gelbe ganz ausgeschieden wird, weggelöscht wird, und eine schwarze Stelle da ist. Geradeso wie es eine gelbe Gasflamme geben kann, so gibt es ja auch zum Beispiel eine blaue. Man kann auch Stoffe finden, wie zum Beispiel Lithium, das eine rote Flamme hat. Kalium und ähnliche haben eine blaue Flamme. Wenn Sie nun zum Beispiel eine blaue Flamme hier hereinstellen, so ist es nicht etwa so, daß das Blau hier stärker erscheint, sondern wiederum ist hier eine schwarze Stelle. Das Eigentümliche ist also: Wenn man etwas glühend macht, wenn etwas als fester Körper ganz glüht und nicht Gas ist, sondern glüht, dann bekommt man dieses Farbenband von sieben Farben. Wenn man aber nur ein brennendes Gas hat, dann bekommt man mehr oder weniger eine einzelne Farbe, und diese einzelne Farbe löscht dann dasjenige aus in dem ganzen Farbenband, was sie selber als Farbe hat.

[ 11 ] Das, was ich Ihnen jetzt erzähle, das wissen die Menschen verhältnismäßig noch nicht seit sehr langer Zeit, sondern das ist erst 1859 gefunden worden. 1859 hat man erst gefunden: In einem siebenfarbigen Farbenband, das von einem glühenden festen Körper ausgeht, löschen einzelne Farben, die von glühenden Gasen, brennenden Gasen herkommen, die entsprechenden Farben aus.

[ 12 ] Daraus sehen Sie schon, wie außerordentlich kompliziert eine Farbe auf die andere wirkt. Und damit hängt es jetzt zusammen, daß, wenn man gewöhnlich die Sonne anschaut, sie ja so beschaffen ist, als wenn sie ein weißglühender Körper wäre. Es ist richtig so: Wenn man oberflächlich durch ein Prisma schaut, so sieht man auch an der Sonne diese sieben aufeinanderfolgenden Farben Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Indigo, Violett. Aber wenn man genauer zuschaut, dann sind in der Sonne, in der Sonnenscheibe nicht diese sieben Farben, sondern nur annähernd sind die sieben Farben, und dazwischen sind lauter schwarze Linien, eine ganze Menge schwarze Linien. Also wenn man genau hinschaut auf die Sonne, so hat man nicht ein siebenfarbiges Band, sondern man hat die sieben Farben, aber die sind überall unterbrochen von lauter schwarzen Linien.

[ 13 ] Was muß man sich denn da sagen? Wenn einem nicht das richtige, ununterbrochene Farbenband von der Sonne entgegenscheint, sondern das von lauter schwarzen Linien unterbrochene Farbenband, ja, da muß man sagen: Zwischen uns und der Sonne sind lauter brennende Gase, die immer unterwegs die entsprechenden Farben auslöschen. — Also wenn ich statt auf ein glühendes Metall auf die Sonne schaue und die schwarzen Linien sehe, so muß ich überall, wo ich die schwarzen Linien sehe, mir sagen: Da, also immer an der betreffenden Stelle, wird ausgelöscht zum Beispiel hier vom Natrium das Gelb. Wenn ich in die Sonne schaue und im Gelb drinnen eine schwarze Linie ist, so muß ich sagen: Zwischen mir und der Sonne ist Natrium. — Und so bekomme ich für alle Metalle schwarze Linien im Sonnenlicht. Also ist zwischen mir und der Sonne alles mögliche an Metallen im Weltenraum gasförmig ausgebreitet.

[ 14 ] Was geht daraus hervor? Meine Herren, daraus geht hervor, daß der Weltenraum, wenigstens die Umgebung der Erde zunächst, angefüllt ist mit lauter nicht nur glühenden, sondern brennenden Metallen. Wenn man das bedenkt, dann muß man sich ja überhaupt klar sein, daß im Grunde genommen nirgends von dem geredet werden kann, daß wir da auf der Erde stehen und da oben die glühende Sonne ist, sondern das, was wir sehen, das hängt eigentlich von dem ab, was zwischen uns und der Sonne ist, Und die Physiker, die würden sehr überrascht sein, wenn sie einmal wirklich in die Sonne kommen könnten, denn da würde es nicht so ausschauen, wie sie es vermuten, sondern dasjenige, was man sieht, rührt eigentlich her von dem, was zwischen dem Menschen und der Sonne ist. Da sehen Sie schon an einem Beispiel, wie kompliziert eigentlich der Zusammenhang zwischen Substanzen und Farben ist.

[ 15 ] Wenn Sie also irgendwo eine Flamme haben, und die Flamme, etwa eine Kerzenflamme, hat eine bestimmte Färbung, so müssen Sie zunächst fragen: Ja, was ist denn in der Kerze drinnen? — In der Flamme haben Sie diejenigen Stoffe gasförmig — sie werden zumeist durch die Hitze der Flamme gasförmig —, die in festem Zustande in der Kerze drinnen sind. Blicken wir dann, wie ich es hier mit der Flamme getan habe, durch ein Prisma: ein Stoff, der gasförmig ist, färbt die ganze Flamme. Durch das Natrium zum Beispiel wird die Flamme gelb. Wenn Sie irgendwo, zum Beispiel in diesem Raume, eine Flamme hätten und dann durch ein Prisma schauten — die Natriumschwärze haben Sie fast überall. Man braucht gar nicht das Natrium erst irgendwie hinzutun. Wenn die Apparate ganz genau angeordnet sind, so daß man richtig schauen kann, findet man überall diese schwarzen Linien, die eigentlich gelb sein sollten und die im Grunde genommen davon herrühren, daß überall ganz kleine Spuren von Natrium sind. Es gibt eigentlich kaum irgend etwas auf der Erde, wo nicht kleine Spuren von Natrium sind. Das beweist Ihnen aber, daß das Natrium überhaupt notwendig ist in der Natur. Wo es nicht ist, könnten wir nicht leben. Wir müssen auch ein bestimmtes Quantum, eine bestimmte Menge Natrium immer in uns selber haben, müssen das Natrium verarbeiten. Und es verrät sich eigentlich nur dadurch, daß es überall die gelben Linien auslöscht und sie zu schwarzen macht.

[ 16 ] Nun, jetzt müssen Sie sich an das erinnern, was ich Ihnen schon einmal gesagt habe: Wodurch entstehen blaue und violette Farben? Wodurch entstehen rote und gelbe? — Nun, blau, das habe ich Ihnen gesagt, erscheint der weite Weltenraum, denn da draußen, wo wir das Firmament sehen, da ist nichts. Es ist der weite, schwarze Weltenraum. Wir sehen also den weiten schwarzen Weltenraum. Aber wir sehen ihn ja nicht, indem er einfach vor uns ist. Zwischen uns und diesem weiten schwarzen Weltenraum sind die Wasserdünste, die fortwährend aufsteigen. Auch wenn die Luft rein ist, sind fortwährend Wasserdünste in der Luft. Wenn hier (es wird gezeichnet) die Erde ist, hier die Wasserdünste sind und ringsherum der schwarze Weltenraum ist, so scheint dann die Sonne durch diese Dünste durch. Wenn Sie da unten stehen und hinaufschauen, sehen Sie nicht Schwarz, sondern Blau. Durch das Beleuchtete sehen Sie den dunklen Raum nun in einem Blau. Das heißt, wenn ich ein Dunkles, ein Finsteres durch ein Beleuchtetes sehe, sehe ich es blau.

Wandtafel 2
Wandtafel 2

[ 17 ] Die Morgen- und Abendröte ist ja, wie Sie wissen, gelblich oder gelblich-rötlich. Wenn das hier (es wird gezeichnet) die Erde ist, da die Dünste ringsherum sind und nun die Sonne hier heraufkommt, sehe ich das hier beleuchtet. Ich sehe da hier ein Helles, aber ich sehe es zunächst durch die dunklen Dünste. Dadurch wird es für mich gelb. Wenn ich ein Helles durch ein Dunkles sehe, wird es gelb. Wenn ich ein Dunkles durch ein Helles sehe, wird es blau. Blau ist die Dunkelheit, die durch Helles gesehen wird, Gelb ist die Helligkeit, die durch Dunkles gesehen wird. Das ist doch zu verstehen!

[ 18 ] Wenn ich nun das Gelb durch die gelbe Natriumflamme habe, so bedeutet diese gelbe Natriumflamme, daß das Natrium ein Stoff ist, der, wenn er verdunstet, schr hell wird, aber zugleich um sich etwas Dunkles erzeugt. Also das Natrium brennt eigentlich so: Wenn hier das Natrium verbrennt, so schießt in der Mitte das weiße Licht in die Höhe (Zeichnung Seite 77, links) und ringsherum schießt die Dunkelheit in die Höhe, und dadurch sehe ich das Ganze gelb. Also das Natrium strahlt Licht aus, aber ringsherum, weil es gar so stark Licht ausstrahlt, erzeugt es die Dunkelheit.

[ 19 ] Das braucht Sie nicht zu verwundern, daß das stark Licht ausstrahlende Natrium Dunkelheit um sich erzeugt, denn wenn Sie ein Schnellläufer sind und recht schnell rennen und ein anderer mitkommen will mit Ihnen, so bleibt er eben dann zurück. Das, was da herausspritzt, das ist eben ein Schnelläufer; es erscheint also leuchtend durch die Dunkelheit, es erscheint mir gelb.

[ 20 ] Bei der gewöhnlichen Kerzenflamme ist es so, daß die Teilchen so zersplittern. Dadurch wird es hier ringsherum hell und in der Mitte bleibt es dunkel. Wenn Sie daher eine gewöhnliche Kerzenflamme haben, so sehen Sie das Dunkel durch das Helle. Hier spritzen die hellen Pünktchen (siehe Zeichnung, rechts). Hier in der Mitte bleibt es dun Tafel 7 . . a „rechts ol kel, es erscheint daher blau. Wenn man also eine gelbe Flamme hat, wie eat beim Natrium, so bedeutet das, daß das außerordentlich stark spritzt. Wenn man eine blaue Flamme hat, bedeutet das, daß es eigentlich nicht stark spritzt, sondern sich zersplittert.

[ 21 ] Das ist überhaupt in der Welt der Unterschied zwischen den Wirkungen der Substanzen. Denken Sie sich, ich hätte hier eine Glasröhre; die schmelze ich an beiden Enden zu. Jetzt pumpe ich aber außerdem die Luft aus, so daß ich eine ganz luftleere Glasröhre bekomme. Jetzt mache ich folgendes: Ich leite hier einen elektrischen Strom herein, der da endet, und hier [auf der anderen Seite] auch einen; das ist ein Strom, der dann hier geschlossen ist. Also da stehen sich jetzt die zwei Pole der Elektrizität gegenüber. Zwischen ihnen ist der luftleere Raum. Da entsteht jetzt etwas schr Sonderbares: auf der einen Seite spritzt die Elektrizität und auf der anderen Seite, indem es bläulich erscheint, bilden sich solche Wellen (Zeichnung Seite 78), und das geht dann zusammen.

[ 22 ] Da spritzt fortwährend sozusagen das Helle in das Dunkle hinein, die helle Elektrizität in das Dunkle hinein. Da haben Sie also die beiden Flammen, die ich Ihnen gezeigt habe, getrennt. Die haben Sie auf dem einen Pol der Elektrizität und die da auf dem anderen Pol. Was die Natriumflamme macht, wird hier auf der einen Seite gemacht, was die gewöhnliche Kerzenflamme macht, wird auf der anderen Seite gemacht.

[ 23 ] Wenn man in der richtigen Weise verfährt, bekommt man hier verschiedene Strahlenarten, unter anderem auch die Röntgenstrahlen, durch die man ja, wie Sie wissen, die festen Bestandteile, Knochen und so weiter, oder fremde Bestandteile, die der Körper in sich hat, sehen kann.

[ 24 ] Also die Sache ist so, daß es in der Welt Substanzen gibt, die ausstrahlen. Andere Substanzen gibt es, die strahlen nicht aus, sondern, man kann sagen, die glimmen und überziehen sich an der Oberfläche mit solchen Wellen. Die Substanzen, die sich an der Oberfläche mit solchen Wellen überziehen, sind bläulich; die Substanzen, die ausstrahlen, sind gelblich. Wenn dann vor das Gelbliche ein dunkler Körper tritt, wird das Gelbliche rötlich. Also wenn man das Gelbliche wiederum dunkler macht, kann es rötlich werden.

[ 25 ] Sie sehen also, meine Herren, wir haben in der Welt die Körper so, daß sie zum Teil strahlen und dadurch die hellen Farben zeigen, die auf der einen Seite vom Regenbogen sind, und daß sie auf der anderen Seite nicht strahlen, sondern solche Wellen aussenden. Dadurch bekommt man die bläulichen Farben, die auf der anderen Seite des Regenbogens sind.

[ 26 ] Wenn Sie das wissen, dann werden Sie sich sagen: Es gibt solche Sterne wie zum Beispiel den Mars, der strahlt gelblich-rötlich, oder wie zum Beispiel den Saturn, der strahlt bläulich. Jetzt kann man aus dem, wie der Stern beschaffen ist, sehen, wie er sich verhält. Der Mars ist einfach ein Stern, der viel ausstrahlt, dadurch muß er gelblich-rötlich erscheinen. Er ist ein Stern, der viel ausstrahlt. Der Saturn ist ein Körper, der sich ruhiger verhält und sich mit Wellen überzieht. Man sieht fast die Wellen um ihn herum. Wenn man den Saturn hat, so kann man noch die Wellen um ihn herum als Ringe sehen. Er erscheint blau, weil er sich mit Wellen umgibt.

[ 27 ] Nun, das, was man da an den Erdenkörpern beobachtet, das zeigt uns ja, wenn man diese nur nicht stumpfsinnig, sondern richtig beobachtet, wie die Körper draußen im Weltenraume sind. Nur muß man sich klar sein darüber, daß eben der ganze Weltenraum ausgefüllt ist, wie ich Ihnen gesagt habe, mit allen möglichen Substanzen, die immer eigentlich in einem verbrennlichen Zustande sind.

[ 28 ] Nehmen Sie nun einen Körper, zum Beispiel das Eisen: es rostet, Das haben Sie ja wohl mit der Frage gemeint? Das Eisen rostet, und dadurch wird es rötlicher als es sonst ist. Wir haben also einen Körper, der verhältnismäßig dunkel ist, der rostet und der dadurch rötlich wird. Nachdem wir jetzt die Farben studiert haben, werden wir uns Aufschluß darüber geben können, was denn das eigentlich heißt: Das Eisen wird durch das Rosten, also wenn es fortwährend der Luft ausgesetzt ist, rötlich. — Machen wir uns das ganz klar, was das heißt. Ich habe hier natürlich nicht alle Farben, aber Sie werden sich schon vorstellen können, was ich meine. Nehmen wir also an, wir haben das blaue Eisen. Jetzt ist es der Luft ausgesetzt. Jetzt wird es dadurch, daß es der Luft ausgesetzt wird, rötlich durch das Rosten.

[ 29 ] Nun können Sie sich sagen, daß das Rötliche dadurch entsteht, daß man ein Helles hat, das man durch Dunkelheit sieht. Also ein Helles, durch Dunkelheit gesehen, wird rötlich. Wenn ich das Eisen, wie es in seinem gewöhnlichen Zustand ist, anschaue, so ist es zunächst dunkel, das heißt, es wirft Wellenlinien aus. Wenn ich aber das Eisen der Luft lange Zeit aussetze, wenn das Eisen lange in der Luft ist, dann kommt die Luft an das Eisen heran; und das Eisen wird allmählich so an der Luft, daß es anfängt, sich innerlich gegen die Luft zu wehren. Es wehrt sich gegen die Luft, fängt an zu strahlen. Und dasjenige, was strahlt, wie hier die Natriumflamme, wo dann ringsherum das Dunkle ist, das wird gelblich oder rötlich. So daß Sie also sagen können: Das Verhältnis zwischen dem Eisen und der Luft ist ein solches, daß das Eisen innerlich anfängt kribbelig zu werden und strahlt. Das Eisen wird kribbelig und strahlt.

[ 30 ] Nun wissen Sie ja, daß das Eisen auch im menschlichen Körper vorhanden ist, und zwar als ein sehr wichtiger Stoff. Das Eisen ist im Blut des Menschen enthalten, und das Eisen ist ein sehr wichtiger Bestandteil des Blutes. Wenn wir zuwenig Eisen im Blut haben, dann sind wir Menschen, die nicht ordentlich gehen können, die rasch müde werden, die also schlapp werden. Wenn wir zuviel Eisen im Blute haben, dann werden wir aufgeregte Menschen und schlagen alles zusammen. Wir müssen also gerade die richtige Menge von Eisen im Blut haben, sonst geht es uns eben schlecht. Nun, meine Herren, heutzutage beschäftigt man sich ja weniger mit diesen Dingen, aber ich habe Sie schon einmal darauf aufmerksam gemacht: wenn man nachforscht, wie der Mensch zusammenhängt mit der ganzen Welt, so findet man heraus: Das Blut hängt beim Menschen zusammen mit dem Einwirken vom Mars. Der Mars, der sich ja bewegt, regt eigentlich in uns immer die Tätigkeit des Blutes an. Das ist durch seine Verwandtschaft mit dem Eisen. Daher haben schon alte Gelehrte, die das gewußt haben, dem Mars dieselbe Natur zugeschrieben, die das Eisen hat. Man kann also den Mars in gewissem Sinne anschauen als etwas, was gleich ist unserem Eisen. Aber zugleich schimmert er rötlichgelb, das heißt, er wird fortwährend strahlend in seinem Inneren. Im Mars sehen wir also einen Körper, der fortwährend im Inneren strahlend wird.

[ 31 ] Diese ganze Sache begreift man nur, wenn man eben aus diesen Studien heraus sich sagt: Der Mars hat eisenähnliche Art, ist eine eisenähnliche Substanz; aber es kribbelt fortwährend, er will fortwährend strahlig werden. Wie das Eisen durch den Einfluß der Luft, so will der Mars durch den Einfluß seiner Umgebung fortwährend strahlen. Er hat also eigentlich eine Natur, die fortwährend innerlich kribbelig, das heißt, lebendig werden will. Der Mars will fortwährend ins Leben übergehen. — Das kann man an seiner ganzen Färbung und an seiner ganzen Art und Weise, wie er sich verhält, sehen. Hat man es mit dem Mars zu tun, so muß man wissen, daß das ein Weltenkörper ist, der eigentlich fortwährend ins Leben übergehen will.

[ 32 ] Mit dem Saturn ist es anders. Der Saturn ist von bläulichem Schimmer, das heißt, er strahlt nicht, sondern er umgibt sich mit einem Welligen. Er ist gerade das Gegenteil vom Mars. Der Saturn will fortwährend in das Tote übergehen, fortwährend Leichnam werden. Man sieht am Saturn, daß er sich gewissermaßen mit Helligkeit umgibt, so daß wir dann seine Dunkelheit durch die Helligkeit bläulich sehen.

[ 33 ] Nun mache ich Sie aufmerksam auf etwas: Sie können eine ganz nette Erscheinung haben, wenn Sie einmal in einer nicht ganz dunklen, aber in einer stark dämmerigen Nacht durch einen Weidenforst gehen, durch einen Wald gehen, wo Weiden sind. Da können Sie ab und zu etwas sehen, was Sie veranlaßt, sich zu fragen: Donnerwetter, was leuchtet denn dort so? Was ist das, was so leuchtet? — Dann gehen Sie nahe hin und das Leuchtende stellt sich heraus als verfaulendes Holz. Also das Verfaulende wird leuchtend. Wenn Sie dann sehr weit weggehen und das anschauen würden und Sie würden dahinter, hinter diesem Leuchtenden ein Dunkles haben, dann würde Ihnen das Leuchtende nicht mehr leuchtend, sondern blau erscheinen. Und so ist es beim Saturn. Der Saturn, der verwest eigentlich fortwährend. Der Saturn verwest. Dadurch hat er ringsherum ein Helles, aber er selber ist dunkel, und dadurch erscheint er blau, weil wir seine eigene Dunkelheit, ich möchte sagen, durch seine Verwesungsstoffe, die er um sich herum hat, anschauen. Beim Mars sieht man also, wie er fortwährend leben will, beim Saturn sieht man, wie er fortwährend sterben will.

[ 34 ] Das ist das Interessante, daß man Weltkörper so betrachten kann, daß man von ihnen sagen kann: Die Weltkörper, die einem in bläulichem Schimmer erscheinen, gehen zugrunde, und diejenigen, die einem in rötlichem, gelblichem Schimmer erscheinen, das sind erst entstehende. Und so ist es ja in der Welt: An einem Orte ist etwas, was entsteht, am anderen Ort ist etwas, was vergeht. Wie auf der Erde an einem Orte ein Kind ist, an dem anderen Orte ein Greis, so ist es im Weltenall. Der Mars, der ist noch ein Jüngling, der will fortwährend leben. Der Saturn ist schon ein alter Greis.

[ 35 ] Sehen Sie, das haben die Alten studiert. Wir müssen es wieder studieren. Wir können es aber erst verstehen, was die Alten gemeint haben, wenn wir es wieder finden. Daher ist es, wie ich schon das letzte Mal gesagt habe, so dumm, wenn die Leute sagen, man schreibe in der Anthroposophie nurdasjenige zusammen, was man in alten Schriften finde. Denn das kann man gar nicht verstehen, was man in alten Schriften findet! Sehen Sie, man versteht das, was in alten Schriften steht und aus einer richtigen alten Weisheit heraus ist, erst, wenn man es wieder gefunden hat. So gab es noch im Mittelalter, bevor Amerika entdeckt worden ist, einen Spruch. Der war sehr interessant; den sagte fast jeder einzelne Mensch. Wenn Sie damals gelebt hätten, hätten Sie auch den Spruch gewußt. Im Mittelalter sagten den Spruch alle möglichen Menschen, denn man lernte den Spruch noch so, wie man heute, ja, was weiß ich, einen Agitationsspruch etwa, lernt.

[ 36 ] Dieser Spruch heißt:

[ 37 ] O Sonn', ein König dieser Welt!
Luna dein Geschlecht erhält.

[ 38 ] Luna ist der Mond.

[ 39 ] Merkur kopuliert euch fix.
Ohn’ Venus wäret ihr alle nix,
Die Marten sich zum Mann erwählt.

[ 40 ] Also den Mars.

[ 41 ] Da wird also in dem Spruch angedeutet: die Venus, die auch eine junge Gestalt ist, hat sich Marten zum Mann erwählt, den Mars. Es wird also angedeutet, wie der Mars ein Jüngling ist da draußen im Weltenall.

[ 42 ] Ohn’ Jupiters Macht euch alles fehlt.

[ 43 ] Also auch von Jupiter wird angedeutet, wie er überall eingreift. Und dann wird zuletzt gesagt:

[ 44 ] Damit Saturn, alt und greis,
In vielen Farben sich erweis’.

[ 45 ] Denken Sie, wie schön in diesem mittelalterlichen Spruch die Jugend vom Mars entgegengestellt ist dem Alter von Saturn!

O Sonn', ein König dieser Welt!
Luna dein Geschlecht erhält.
Merkur kopuliert euch fix.
Ohn’ Venus’ Gunst erreicht ihr alle nix,
Die Marten sich zum Mann erwählt.
Ohn’Jupiters Macht euch alles fehlt.
Daß Saturn, alt und greis,
In vielen Farben sich erweis’.

[ 46 ] Also Sie sehen, verstehen wird man das nicht, und das zeigen ja auch die Leute. Denn wenn ein heutiger Gelehrter einen solchen Spruch liest, dann sagt er: Nun ja, das ist ein dummer Aberglaube! — Er lacht darüber. Wenn man wieder findet, was in einem solchen Spruch Wahrheit ist, dann sagt er, man habe das abgeschrieben. Also, nicht wahr, es ist gar nicht auszudenken, wie töricht eigentlich sich die Leute verhalten, denn sie können das ja nicht verstehen. Kein heutiger Gelehrter versteht das, was in einem solchen Spruch liegt. Aber wenn man geistig forschen kann, dann kommt man wieder darauf, dann versteht man das erst. Man muß ja diese Sachen erst wieder selber finden, sonst bleiben diese alten Sprüche, die Volksweisheit sind, wirklich ganz wertlos. Aber es ist auch wunderschön, wenn man diese Sachen durch geistige Forschung findet, und dann entdeckt man in einfachen Volkssprüchen diese ungeheure Weisheit! Das bezeugt eben, daß die alten Volkssprüche genommen sind von dem, was in alten Weisheitsschulen gelehrt worden ist. Von da stammen diese Sprüche her. Heute kann das Volk nicht in der Weise zu seinen Gelehrten gehen, denn aus der Wissenschaft von heute werden keine Sprüche! Man kann nicht viel nehmen, was man anwenden kann im Leben. Aber es gab eben einmal eine Zeit, wo die Menschen solche Dinge, wie ich sie Ihnen auch heute wieder gesagt habe, gewußt haben. Die haben sie dann in solche schönen Sprüche hineingewebt. Und dann natürlich ist allerlei daraus entstanden, manchmal natürlich auch Mißverständnisse. Nun, dieser Spruch, den ich Ihnen gerade angeführt habe von all den Planeten, ja, der ist vergessen worden, aber andere Sprüche, die sind dann entstellt worden.

[ 47 ] Natürlich ist es ja so, daß es auch etwas bedeutet, wenn, sagen wir, die Tiere das oder jenes vornehmen. Sie stehen im Zusammenhang mit dem Weltenall. Vom Laubfrosch können wir schon wissen, daß irgend etwas mit dem Wetter los ist, wenn er hinaufsteigt. Nicht wahr, man verwendet ja den Laubfrosch als Wetterpropheten, wenn er hinaufoder herunterkraxelt an seiner Leiter. Das ist, weil alles das, was lebt, mit dem ganzen Weltenall in Beziehung steht. Nur ist das dann später entstellt worden, und es ist natürlich nicht ganz unberechtgt, wenn man auch wiederum solche Sprüche hat, über die man sich lustig machen kann, wenn man die anhört, weil sich die Dummheit ihrer bemächtigt hat. Denn wenn einer zum Beispiel sagt: Kräht der Hahn auf dem Mist, so ändert sich das Wetter oder bleibt, wie es ist — nun ja, das zeigt eben wiederum, daß man nicht alles durcheinandermischen und auch das Dumme nicht mit dem Gescheiten mischen soll.

[ 48 ] Der Spruch, den ich Ihnen angeführt habe, der ist natürlich schon ein solcher, der hinweist auf Geheimnisse im Weltenall, die mit Licht und Farbe zusammenhängen. Dagegen was die Leute oftmals sagen von demjenigen, was der Hahn tut und dergleichen, über das kann man natürlich spotten, wie das in dem Ausspruch selber geschieht, den ich Ihnen angeführt habe. Aber auf der anderen Seite liegt manchmal gerade in Bauernaussprüchen heute noch — sie werden ja nach und nach vergessen — etwas außerordentlich Tiefes, etwas sehr Weises. Und der Bauer ist nicht umsonst traurig, wenn es im März noch schneit, denn gewisse Zusammenhänge zwischen dem Getreidesamen und dem Märzenschnee gibt es halt einmal.

[ 49 ] So können wir gerade an solchen Dingen sehen, wie man an dem, was man beobachtet auf der Erde, eben die ganze Welt verstehen kann. Es wäre schon besser, wenn man sich mehr an das hielte, was der Laubfrosch kann, der hinaufkraxelt und herunterkraxelt, je nach dem Wetter, als daß man sich heute mehr, ich möchte sagen, an das Murmeltier hält, das schläft, und man alle Geheimnisse des Weltenalls verschläft.

[ 50 ] Hoffentlich ist Ihnen verständlich geworden, was ich entwickelte in bezug auf Ihre Frage. Das ist natürlich kompliziert und man kann das nicht in ein paar Worten sagen. Ich mußte also alles das sagen, aber Sie werden sich das schon zusammenfassen können. Es ist doch ganz interessant, nicht wahr, in dieser Weise den Zusammenhang zu sehen.

[ 51 ] Am nächsten Mittwoch weiter.