Rhythmen im Kosmos und im Menschenwesen
GA 350
18 Juli 1923, Dornach
11. Sich-Einleben in die äußere Welt — Ernährungsfragen: Wirkung von Kartoffeln, Roter Rübe und Rettich
[ 1 ] Es blieben ja noch manche von den Fragen, die neulich gestellt worden sind, zurück. So wie ich neulich einmal angeknüpft habe an eine Bemerkung eines Gelehrten über den Traum, so will ich auch heute anknüpfen an etwas, was einem gegenwärtigen Gelehrten doch viel Kopfzerbrechen gemacht zu haben scheint — wir werden dadurch schon auch auf unsere Besprechung kommen —: das ist der Eidechsenschwanz. Sie wissen, wenn man insbesondere eine größere Eidechse hat und sie am Schwanz packen will, dann bricht der Schwanz ab. Man sagt: die Eidechse ist spröde. Und man kann wirklich sehr schwer Eidechsen, die größer sind, bekommen, wenn man sie am Schwanz faßt, denn der Schwanz ist spröde, er bricht ab, und sie läuft ganz flott weiter ohne Schwanz. Die Versuche der Gelehrten gehen dahin, zu ergründen, ob der Tierschwanz tatsächlich ausgerissen wird oder ob er von dem Tier zurückgelassen wird. Nun geht die gegenwärtige Wissenschaft von dem Materialismus aus, und dadurch denkt man nach, wie das Tier sehr schwache Muskeln hat, die diese Teile des Schwanzes zusammenhalten, und wie es diese Muskeln nicht mehr zusammenhalten kann, wenn es abgefangen wird.
[ 2 ] Nun besteht aber eine merkwürdige Tatsache, und die berücksichtigen die Leute dabei sehr wenig. Das ist die Tatsache, daß doch die Eidechsen, wenn sie gefangen sind, längere Zeit in Gefangenschaft gelebt haben, diese eigentümliche Art, den Schwanz leicht ausgerissen zu bekommen, verlieren. Dann stärkt sich der Schwanz, und dann kann man ihn nicht so leicht ausreißen; dann hält er besser. Das ist eine eigentümliche Erscheinung, daß die Eidechsen, wenn sie draußen sind, den Schwanz leicht verlieren; wenn sie in der Gefangenschaft sind, hält er besser. Woher kommt das?
[ 3 ] Sehen Sie, da denken nun die Leute lange nach, wie das durch die kleinen Muskeln da am Schwanz bewirkt werden könnte, währenddem doch gerade die Tatsache sehr leicht darauf führt, woher das rührt, daß das Tier in der Gefangenschaft weniger leicht den Schwanz ausgerissen erhält. Das rührt davon her, daß das Tier doch etwas Angst haben wird, wenn man es draußen abfangen will. Das ist doch nichts Gewöhnliches, wenn es draußen abgefangen wird. Das kommt zum ersten Mal vor. Da kommt zum ersten Mal ein Mensch in seine Nähe, da hat es Angst, und dadurch, daß es Angst hat, wird es so spröde, daß es den Schwanz verliert. Wenn es sich in der Gefangenschaft an die Menschen gewöhnt, wenn die Menschen alle Augenblicke in seine Nähe kommen, da hat es keine Angst mehr und verliert den Schwanz nicht.
[ 4 ] Wir sehen also, wie schon eine ganz oberflächliche Betrachtung darauf führt, daß da die heillose Angst bei der Eidechse eine wesentliche Rolle spielt. Nun müssen wir aber weitergehen und sagen: Ja, diese Angst, die die Eidechse hat, wenn der Mensch in ihre Nähe kommt und sie abfangen will, die ist ja nur etwas, was beim Tier herauskommt, wenn der Mensch es abfängt, was aber immer im Tier drinnen steckt, und diese Angst ist es, die die Materie des Tieres, den Stoff des Tieres zusammenhält und stark macht.
[ 5 ] Dafür werde ich Ihnen eine ganz merkwürdige Erscheinung im Menschenleben anführen. Sie werden schon gehört haben, daß Menschen, die sehr stark abhängig sind von ihrem Seelenleben, wenn sie Angst verspüren, dann Durchfall bekommen. Die Ängstlichkeit macht Durchfall. Und was bedeutet das? Das bedeutet, daß dasjenige, was in den Gedärmen ist, nicht mehr zusammengehalten wird. Ja, was hat denn diese Sache in den Gedärmen zusammengehalten? Sehen Sie, wenn die Angst in die Seele heraufzieht, dann hält sie die Dinge in den Gedärmen nicht mehr zusammen; wenn die Angst aber unten in den Gedärmen ist, hält sie den Stoff zusammen.
[ 6 ] Und so ist es auch bei der Eidechse. Wenn man eine Eidechse ansieht (es wird gezeichnet), so ist diese Eidechse geradeso wie unser eigener Unterleib fortwährend im ganzen mit Angst ausgefüllt, also mit etwas Seelischem. Und insbesondere ist der Schwanz durch Angst ausgefüllt. Wenn das Tier seine Angst herauspreßt, dann zerbricht der Schwanz, aber die Angst bleibt doch im Tiere stecken. Das Tier fühlt die Angst nicht, wenn das Tier in der Gefangenschaft ist, weil es sich an die Menschen gewöhnt hat, und die Folge davon ist, daß die Angst dann den Schwanz zusammenhalten kann. Da sehen wir eine ganz bestimmte seelische Eigenschaft, welche eine gewisse Bedeutung hat für die körperliche Beschaffenheit.
[ 7 ] Wir Menschen haben auch die Angst in uns. In unserer großen Zehe, in den Beinen, in dem Bauche, überall steckt die Angst. Nur über das Zwerchfell traut sie sich nicht herauf, kommt nur herauf, wenn wir Angstträume haben. Aber in uns steckt die Angst. — Doch die Angst hat ihren guten Zweck; die hält unseren Organismus zusammen. Und in den Knochen, da steckt die allermeiste Angst. Die Knochen sind so fest, weil da eine furchtbar starke Angst drinnen steckt. Die Angst ist es, die die Knochen fest hält. In dem Augenblick, wo man zu stark seine Knochen spürt, kriegt man Knochenerweichung. Daher werden Sie bei ängstlichen Menschen, solchen, die schon in der Jugend ängstlich waren, wo die Knochen noch nicht hart sind, sehr leicht die Knochen weich sind, aber die Leute ängstlich sind, dies bestätigt finden, und man kann daher rachitische Kinder dadurch, daß man ihnen die Angst durch irgend etwas austreibt, namentlich auch auf seelische Weise heilen. Aber es wäre doch ganz falsch, wenn man sagen würde: Also steckt in uns die Angst, etwas Seelisches. Wir brauchen nur die Angst etwas höher herauf zu ziehen, dann könnten wir höhere Erkenntnisse kriegen. — Das wäre nicht gut, weil wir uns da zugleich seelisch und körperlich krank machen würden. Wir müssen vielmehr etwas anderes tun.
[ 8 ] Sehen Sie, wir müssen, wenn wir Erkenntnisse der geistigen Welt gewinnen wollen — ich habe Ihnen ja schon die anderen Mittel gesagt —, wir müssen uns richtig in die äußere Welt hineinleben, richtig hineinleben. Nun, wie leben sich denn die Leute in die äußere Welt hinein? Sie haben ja das in den letzten Wochen wieder wunderbar sehen können. Nicht wahr, wir haben fürchterlich gefroren, und nachher haben wir wieder fürchterlich geschwitzt. Nun also, so leben sich die meisten Menschen in die Welt hinein, daß sie nichts weiter spüren, als daß sie das eine Mal fürchterlich schwitzen, das andere Mal fürchterlich frieren. Aber das ist nicht das einzige, wie man sich in die äußere Welt hineinleben kann, sondern es ist so, daß man in sich ausbildet eine bestimmte Fähigkeit, daß man nicht nur friert, wenn es kalt wird, sondern wenn es kalt wird, hindeutet auf das Kalte und eine Art von Angst kriegt, und daß man weiß, wenn es warm wird, da vergeht einem diese Angst. Wenn man das in sich ausbildet, daß man eine gewisse Angst vor dem Schnee hat und ein gewisses Wohlgefühl vor den warmen Sonnenstrahlen, dann ist das einfach etwas, was zu der höheren Erkenntnis führt, was dazugehört zu dem anderen, was ich Ihnen geschildert habe. Und es ist schon einmal so: Derjenige, der höhere Erkenntnis gewinnen will, der muß, wenn er zu einem glühenden Stück Eisen herangeht, etwas fühlen, und er muß, wenn er zu einem Kieselstein herangeht, etwas fühlen. Wenn er zu einem glühenden Eisen herangeht, muß er innerlich das Gefühl haben: Das ist etwas mit deiner eigenen Wärme Verwandtes, das tut dir wohl. — Aber wenn er einen Kieselstein in die Hand nimmt, dann muß ihm das unheimlich sein, es muß ihm ängstlich zumute sein.
[ 9 ] Nun, meine Herren, daraus sehen Sie aber zugleich, daß derjenige, der höhere Erkenntnisse erwerben will, nicht nervös sein darf, wie man heute sagt, sonst würde er ja, wenn er einen Kieselstein in die Hand nimmt, den gleich fallen lassen, weil er ihm Angst macht. Man muß mutig sein und die Angst ertragen. Und ebenso darf er es nicht machen wie die Mücke, die so große Wollust am Licht hat, daß sie sogar hineinsaust und ihren Tod findet. Gerade an dem Insekt, das in die Flamme hineinsaust, sehen Sie, wie die Flamme verwandt ist mit dem Geistig-Seelischen.
[ 10 ] Und so können wir sagen: Wir müssen uns erwerben ein inneres Gefühl, eine innere Empfindung für dasjenige, was da draußen in der Natur vorhanden ist. — Was kommt dadurch heraus? Ja, sehen Sie, meine Herren, die Erde hat zunächst das feste Gestein (Zeichnung S. 201, hell unten). An das feste Gestein der Erde glauben die Materialisten, denn da können sie darauf gehen; das ist, wenn man es angreift, hart. An das feste Gestein glauben die Materialisten. Aber gerade vor dem festen Gestein bekommt derjenige, welcher höhere Erkenntnisse erwerben will, eine gewisse Ängstlichkeit.
[ 11 ] Diese Ängstlichkeit, die ist gar nicht vorhanden, wenn der Mensch in der erwärmten Luft ist. Ich will da die erwärmte Luft nun darüber zeichnen, über das feste Gestein. Wenn der Mensch die erwärmte Luft betrachtet, dann ist diese Ängstlichkeit gar nicht vorhanden, denn die erwärmte Luft — ich will sie dadurch erwärmt zeichnen, daß ich sie etwas rötlich mache —, die macht nicht ängstlich. Aber man kann es doch dahin bringen, daß einen die erwärmte Luft auch ängstlich macht. Das ist gerade dann der Fall, wenn man versucht, mit demjenigen, was man da fühlt gegenüber der erwärmten Luft, immer mehr und mehr fertig zu werden dadurch, daß es einem gefällt. Denken Sie: Da ist einer, der fühlt sich immer wohler und wohler in der erwärmten Luft. Jetzt fängt die erwärmte Luft aber an, ihn auch ängstlich zu machen! — Je wohler man sich fühlt, desto ängstlicher macht die erwärmte Luft.
[ 12 ] Wenn man also jetzt sich gewöhnt, sich recht wohl zu fühlen bei der erwärmten Luft, wenn man sozusagen sich an die Wärme immer mehr und mehr gewöhnt — solche Dinge sind notwendig, man muß sich in die ganze Natur hineinstellen, wenn man geistige Erkenntnis gewinnen will —, dann fängt die Sache an, ganz merkwürdig zu werden. Ich will es Ihnen noch deutlicher machen. Die meisten Menschen suchen sich wieder abzukühlen, wenn ihnen warm wird. Da kennen sie natürlich nichts anderes, als daß ihnen gern kühler wird. Aber wenn man aushält die Wärme, wenn man darinnenbleibt in der Wärme, wenn man die Wärme gerade als Wohlgefühl empfindet, dann fängt dasjenige, was ich Ihnen hier in der Luft schematisch gezeichnet habe (gelb), an, ganz merkwürdig sich mit allerlei Bildern (hell oben) anzufüllen, und es beginnt richtig aufzutreten die geistige Welt — die geistige Welt, die sonst in der Luft enthalten ist, die aber der Mensch nicht fühlt in der Luft, nicht wahrnimmt in der Luft, weil er die Wärme der Luft nicht aushalten will.
[ 13 ] Wenn man sich angewöhnt hat, alle diese geistigen Wesenheiten, die in der Luft enthalten sind, die aber der Mensch nicht wahrnimmt, weil er die Wärme der Luft nicht aushalten will — wenn man sich angewöhnt hat, diese Wesenheiten zu sehen, dann kommt man auch nach und nach darauf, in bezug auf das feste Gestein etwas Merkwürdiges wahrzunehmen. Da kommt man nämlich darauf, daß man sich sagt: Ja, wenn ich mit meiner tapsigen Hand auf einen Stein greife, da ist er hart. Aber wenn ich nun immer mehr und mehr anfange, Geistiges wahrzunchmen, wenn ich immer mehr und mehr ins Geistige hineinkomme, wenn immer mehr und mehr um mich nicht nur das Sinnliche, sondern auch das Geistige ist, ja, da kann ich zwar nicht mit meinem physischen Körper aus Fleisch und Blut in den Erdboden hineinschlüpfen, aber mit meinem astralischen Leib, von dem ich Ihnen gesprochen habe, kann ich anfangen in den Erdboden hineinzuschlüpfen. — Das ist sehr interessant: In dem Momente, wo man anfängt, im Luftraum Geistiges wahrzunehmen durch all die Mittel, von denen ich Ihnen gesprochen habe, in dem Momente schlüpft man selber so weit aus seinem Leibe heraus, daß man die Steine gar nicht mehr als Hindernis empfindet, sondern untertaucht, wie der Schwimmer ins Wasser, in den festen Erdboden. Da geht man selber hinein (Zeichnung, rot unten). Das ist außerordentlich interessant. In die Luft kann man nicht hineingehen als Geist, weil einem da andere Geister erscheinen. In den Erdboden — der ist eigentlich für den Geist leer —, da kann man leicht hineinkriechen, da kann man untertauchen wie ein Schwimmer.
[ 14 ] Und, sehen Sie, der Mittelzustand ist der mit dem Wasser (blau). Das Wasser verdunstet nach oben und kommt als Regen wieder herunter. Da oben — das haben Sie schon gesehen —, da bilden sich oftmals Blitze (rot oben). Das Wasser ist zwischen dem festen Erdboden und der Luft. Es ist dünner als der feste Erdboden, es ist dichter als die Luft. Ja, was heißt denn das? Das heißt etwas, was man am besten sieht, wenn man zum Blitz hinaufschaut. Beim Blitz, da sagen die Gelehrten: das ist ein elektrischer Funke. Warum ist das nach den Gelehrten ein elektrischer Funke? Nun, Sie wissen ja vielleicht schon — sonst sage ich es Ihnen jetzt —, wenn man eine Siegellackstange nimmt, diese mit einem Lederlappen, einem Stück Leder reibt, dann wird sie elektrisch, und wenn man dann kleine Papierschnitzel hat, dann werden sie von der Siegellackstange angezogen. Und so kann man die verschiedensten Körper durch Reiben oder auf andere Weise elektrisch machen. Das wird den Kindern in der Schule schon gezeigt.
[ 15 ] Aber da ist etwas ganz Bestimmtes notwendig. Wenn man nämlich in einem dunstigen Schulzimmer ist, da wird keine Siegellackstange elektrisch — die anderen Dinge werden dann bei Experimenten auch nicht elektrisch —, und man muß zunächst mit einem ganz trockenen Tuch alles sauber abwischen, weil das Wäßrige keine Elektrizität erzeugt. Dann kann man Elektrizität erzeugen. Nun sagen die Gelehrten: Da oben sind die Wolken, die reiben sich aneinander und machen den elektrischen Funken, den Blitz. — Ja aber, meine Herren, jedes Kind könnte einwenden: Aber du mußt doch gerade das Wäßrige abhalten können, denn wenn du nur etwas Wäßriges an deinem Apparat hast, dann entsteht ja die Elektrizität nicht! — Das kann jedes Kind einwenden. Solcher Unsinn wird also gesagt. Es ist natürlich überhaupt gar keine Rede davon, daß da oben sich die Wolken reiben.
[ 16 ] Aber denken Sie, wenn das Wasser verdunstet und hinaufgeht, dann kommt es immer mehr und mehr in eine Region der Geistigkeit, entfernt sich von dem geistleeren Stoff da unten und dringt in die Geistigkeit oben ein, und der Geist ist es wirklich, der den elektrischen Funken erzeugt, den Blitz. Wir kommen nämlich, indem wir immer weiter und weiter hinaufgehen, in die Region des Geistigen hinein. Die Erde hat nur in der Nähe das Materielle. Weiter oben ist sie von dem Geistigen umgeben. Wir kommen also da wirklich in das Geistige hinein. Und so ist es, daß in dem Momente, wo der Wasserdunst hinaufgeht und in die Region des Geistes kommt, da kann aus dem Geiste heraus der Blitz entstehen. Das Wasser vergeistigt sich oben und kommt wieder verdichtet herunter. Man muß also, wenn man Naturbetrachtungen übt, auch schon zum Geiste hin kommen. Und nur dann, wenn man überhaupt nicht auf das Geistige Rücksicht nehmen will, kommt man zu allerlei solch absurden Sachen, wie die sind, die ich Ihnen vom Flugtraum gesagt habe oder von dem Eidechsenschwanz oder vom Blitz. Man sieht eben überall, daß man die Natur nicht erklären kann, wenn man nicht zuerst in das Geistige eindringt.
[ 17 ] Jetzt können Sie sich auch das klarmachen: Wenn der Mensch auf der Erde steht, so ist er eigentlich von unten herauf immer so, daß er mit dem Geistigen von unten verwandt ist; da kann er untertauchen wie ein Schwimmer. Wenn wir also in der Nacht mit unserem astralischen Leib und mit unserem Ich aus dem physischen Leib und aus dem Ätherleib herausgehen, so gehen wir eigentlich überall in die feste Umgebung hinein. Wir verbinden uns mit dem, was fest ist, denn in das Luftförmige können wir nicht hinein, und wandern tatsächlich im Festen herum.
[ 18 ] Dieses Herumwandern im Festen, das hat aber eine große Bedeutung. Wenn wir, wie ich Ihnen vorhin gesagt habe, uns zu der Wärme in der rechten Weise verhalten, dann kommen wir dazu, die geistigen Wesenheiten der Luft zu sehen. Wenn wir aber in der Nacht aus unserem Leibe herausgehen und uns mit dem Irdischen als Geist verbinden, dann kann es so sein, daß wir, wenn wir aufwachen, noch immer etwas von dem haben, was wir erlebt haben in dem festen Stoff der Erde drinnen. Da haben wir noch etwas drinnen in uns; in unserem Seelischen haben wir etwas drinnen.
[ 19 ] Nun, das ist etwas, was außerordentlich interessant ist. Denn Sie werden schon bemerkt haben: Wenn man aufwacht, so hört man sehr leicht Töne. Und wenn Sie recht achtgeben beim Aufwachen, dann werden Sie das Merkwürdige erleben, daß Sie sich sagen: Jetzt hat da jemand an meine Türe geklopft! — Das ist eben ganz merkwürdig: Wenn man in die Luft sich hineinlebt mit seiner Seele, dann schaut man etwas, dann entstehen Bilder. Wenn man sich aber in das Feste, in das Stoffliche hineinlebt mit seiner Seele, wie der Schwimmer im Wasser untertaucht, dann erlebt man Töne. Und gerade das ist das außerordentlich Wichtige, daß alle festen Stoffe fortwährend Töne von sich geben, die man nur nicht hört, weil man nicht drinnensteckt. Jeder feste Stoff hat fortwährend Töne in sich, und die hört man eben noch beim Aufwachen, weil man da noch halb drinnensteckt.
[ 20 ] Aber diese Töne können durchaus etwas bedeuten, und es ist durchaus richtig, daß, wenn zum Beispiel irgendwo in der Ferne jemand gestorben ist und der Mensch beim Aufwachen etwas hört wie An-die-Tür-Klopfen, so steht das im Zusammenhang mit dem Gestorbenen. Nun ist der Mensch natürlich nicht fähig, diese Dinge in der richtigen Weise zu deuten. Denn denken Sie nur einmal: Sie würden ja alle nicht lesen können, also die Buchstaben auf dem Papier nicht deuten können, wenn Sie es nicht gelernt hätten. Ebensowenig können Sie dieses Wunderbare, was da wirkt, wenn man im Aufwachen Töne hört, deuten. Sie brauchen ja nicht zu glauben, daß da just der Verstorbene an der Tür ist und wie mit den Fingern klopft. Aber der Verstorbene, der in den ersten Tagen nach dem Tode noch anwesend ist auf Erden, der lebt in den festen Körpern drinnen. Und das ist etwas, was Ihnen gar nicht wunderbar zu scheinen braucht, daß da gerade durch die Verbindung mit dem Festen Töne entstehen, wie also immerzu erzählt worden ist in den Zeiten, wo man noch mehr achtgegeben hat auf solche Sachen. Daß die Menschen Ahnungen haben, wenn jemand in der Ferne stirbt, das hat seine gute Bedeutung. Ein Mensch ist gestorben. Er ist mit seiner Seele zunächst noch ans feste Erdreich gebunden. Da entstehen die Töne, die von ihm ausgehen. Der Mensch verläßt tönend das irdische Dasein. Das können Sie natürlich geradesogut in der Weite hören, wie Sie in der Weite lesen können, was einer in Amerika aufgibt. Ein Telegramm kann man in Amerika lesen. Solche Fernwirkungen durch den Erdenstoff sind da, sind auf Erden da, sie sind immer da. Und in den Zeiten, in denen man eben achtgegeben hat auf solche Sachen, hat man den Zusammenhang des Geistigen mit dem Irdischen durchaus gewußt. Das ist nicht bloß ein Märchen, das ist tatsächlich etwas, was in früheren Zeiten eben wahrgenommen worden ist. Also Sie sehen, man kommt da in ganz bestimmte Dinge hinein, die heute als Aberglaube gelten, die man ebenso wissenschaftlich, wie andere wissenschaftliche Dinge nachweisen kann.
[ 21 ] Nur muß man diese Dinge auch ganz genau kennen. Denn sehen Sie, wenn man dazu kommen würde, in der Luft die geistige Welt wahrzunehmen, wenn also die Menschen nicht gar so wehleidig sein würden, wie sie heute sind — Sie wissen doch, je zivilisierter die Menschen werden, desto wehleidiger werden sie in einer gewissen Beziehung, und diejenigen, die, sagen wir, durch ihre Arbeit in einer furchtbaren Hetze leben müssen, die haben nicht Zeit während ihres Arbeitens, die geistige Welt wahrzunehmen —, so würde ihnen die geistige Welt, die in der Luft lebt, nicht entgehen. Aber dieses, daß man in der Luft geistige Wesen sehen würde, das wäre eigentlich etwas ziemlich Ungefährliches. Das könnte jeder Mensch ohne weiteres wahrnehmen, ohne daß es für ihn gefährlich wird.
[ 22 ] Aber dieses Hören, wenn das zu stark den Menschen ergreift, und wenn er zu stark in einen Zustand kommt, wo er allerlei für den Menschen gefährlich. Die Sache ist ja diese: Es gibt Menschen, die kommen allmählich in einen Zustand, wo sie alle möglichen Worte hören. Es wird ihnen allerlei gesagt. — Diese Menschen sind auf dem Wege zum Wahnsinn. Man wird niemals eigentlich, indem man so die geistigen Wesen sieht, daß man sie in der Luft sucht, von einer Gefahr bedroht. Warum? Ja, ich muß Ihnen das durch einen Vergleich sagen: Wenn Sie in einem Boot fahren und ins Wasser fallen, können Sie ertrinken. Wenn Sie jemand nach oben zieht, so können Sie zwar auch allerlei erleben, aber ertrinken können Sie nicht. — Ebenso ist es, wenn die menschliche Seele nach oben herausgeht und allerlei sieht. Da kann ihr nichts passieren. Wenn sie nach unten in die feste Materie hineingeht, da kann sie, ich möchte sagen, geistig ertrinken. Und dieses Geistig-Ertrinken tritt ein, wenn die Menschen eben ihr Bewußtsein so verlieren, daß ihnen innerlich allerlei Dinge gesagt werden. Und das ist das Schlimme. Sehen Sie, wenn der Mensch äußerlich das Geistige sieht, ja, dann ist es ja gerade so, wie wenn er in der Welt herumgeht, und wie er sich vor dem Stuhl, den er sieht, nicht fürchtet, so fürchtet er sich nach und nach auch nicht vor dem äußerlich Geistigen, sondern er hat es sogar gern. Aber dasjenige, was innerlich gehört wird — wir sinken ja in die feste Erde hinein mit unserem ganzen Geistigen und mit unserem ganzen Seelischen —, was da innerlich gehört wird, das nimmt einen ganz hin. Da ersäuft man drinnen, da hört man auf, Mensch zu sein. Daher muß man immer mit einer gewissen Wachsamkeit auf diejenigen Menschen hinschen, die sagen, allerlei wird ihnen innerlich gesagt. Das ist immer etwas Gefährliches. Nur derjenige, der wirklich schon ganz fest in der geistigen Welt drinnensteht und sich auskennt, der weiß ja, was da eigentlich gesagt wird: daß es niemals besonders hohe geistige Wesen sind, die da zu einem sprechen, sondern daß es eigentlich immer diejenigen Wesen sind, die also eher niedriger Art sind. Sehen Sie, meine Herren, ich habe Ihnen diese Dinge jetzt ganz unbefangen gesagt aus dem Grunde, damit Sie sehen: Man muß wirklich als Mensch zu ganz anderer Auffassung der Außenwelt kommen, wenn man in die geistige Welt hineinkommen will.
[ 23 ] Es gibt natürlich Menschen, die sagen: Ja, warum haben uns die Geister das so unbequem gemacht, sie kennenzulernen? — Ja, aber denken Sie einmal, was der Mensch für ein Wesen wäre, wenn er sich gar nicht anstrengen müßte, um hineinzukommen in die geistige Welt, wenn er immer drinnen wäre! Er wäre ja der reine geistige Automat. Erst dadurch kommt er zu den geistigen Wesen in ein rechtes Verhältnis, daß er sich eben anstrengen muß. Und es kostet die allergrößte innere Anstrengung, um in der geistigen Welt forschen zu können.
[ 24 ] Es ist natürlich leicht, sich am Laboratoriumstisch breit zu machen und allerlei Versuche zu machen, es ist leicht, Leichen zu zerschneiden und allerlei kennenzulernen, aber es erfordert wirklich eine starke innere Arbeit, um wirklich in die geistige Welt hineinzukommen. Zu dieser Arbeit ist die heutige gebildete Welt zu faul. Und wegen dieser Faulheit ist es eigentlich auch immer, daß die Leute sagen: Ich habe Übungen gemacht aus «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten ?», aber ich habe nichts gesehen. — Die Leute glauben, daß ihnen das äußerlich gegeben werden soll, daß sie nicht die Sache innerlich erarbeiten müssen. Meine Herren, das ist es eben, daß die Leute heute sich alles vormachen lassen wollen! Ich habe Ihnen schon gesagt: Der Mensch will alles verfilmen heute, er will überall einen Film machen lassen daraus, damit es äußerlich an ihn herantritt.
[ 25 ] Wenn man richtig geistig vorwärtskommen will, muß man überall darauf sehen, daß, indem man etwas aufnimmt von der Welt, man es durcharbeiten muß. Daher werden diejenigen mehr zum Geistigen kommen, die in der Zukunft möglichst vermeiden, sich alles vorfilmen zu lassen, sondern recht viel mitdenken wollen, wenn ihnen von der Welt gesprochen wird. Und, sehen Sie, ich habe Ihnen keinen Film vorgeführt. Natürlich ist nicht die Zeit dazu da, aber wenn auch die Zeit da wäre, würde ich nicht versuchen, mit einem Film die Sache vorzuführen, sondern ich habe Ihnen Zeichnungen gemacht, die im Moment entstanden, wo Sie sehen konnten, was ich mit jedem Strich will, wo Sie mitdenken können. Das ist auch dasjenige, was schon in unseren Kinderunterricht heute einziehen muß: möglichst wenig fertige Zeichnungen, möglichst viel von dem, was da im Augenblick entsteht, wo das Kind jeden Strich sieht, der entsteht. Dadurch arbeitet das Kind innerlich mit, und dadurch werden die Menschen zur innerlichen Tätigkeit angeregt, die dann dazu führt, daß sie mehr ins Geistige sich hineinleben und wiederum Verständnis bekommen für das Geistige. Man soll auch nicht den Kindern wiederum ganze fertige Theorien vorbringen, denn dann werden sie ja dogmatisch. Sondern das, worauf es ankommt, ist, sie wiederum zur Selbsttätigkeit zu bringen. Dadurch wird auch ihr ganzer Körper freier.
[ 26 ] Nun möchte ich Ihnen, weil das auch in einer der Fragen enthalten ist, noch etwas anderes anführen. Sie werden ja vielleicht schon gehört haben, daß die Kartoffel erst zu einer bestimmten Zeit in Europa eingeführt worden ist. Kartoffelesser waren ja die Menschen in Europa nicht immer.
[ 27 ] Es ist da zwar einmal eine eigentümliche Geschichte passiert. Sehen Sie, es gibt ein Lexikon, an dem ich sogar mitgearbeitet habe, aber nicht an dem Artikel, von dem ich jetzt rede. Da steht etwas sehr Komisches drinnen, nämlich, es werde überall gesagt, daß ein gewisser Drake die Kartoffel in Europa eingeführt habe, sich dieses große Verdienst erworben habe. — In Offenburg, das jetzt die Franzosen besetzt haben, steht auch ein Drake-Denkmal. Nun war es mir einmal furchtbar komisch, als wir nachschauten im Konversationslexikon und da wirklich drinnen steht: Drake wurde in Offenburg ein Denkmal errichtet, weil er irrtümlich im Rufe gestanden habe, die Kartoffel nach Europa gebracht zu haben! — Also wenn von irgendeinem Menschen etwas angeblich gesagt wird, so wird ihm ein Denkmal errichtet in Europa! Nun, ich will aber davon nicht reden, sondern ich will davon reden, daß zu einer bestimmten Zeit die Kartoffel nach Europa gebracht worden ist.
[ 28 ] Schauen wir uns einmal die Kartoffel an. Von der Kartoffel essen wir ja nicht eigentlich die Wurzeln. Die Wurzeln sind nämlich diese kleinen Dinger (es wird gezeichnet). Wenn da die Kartoffel wäre, so sind da diese Würzelchen erst daran. Die Kartoffel selber ist ein etwas dickerer Stengel. Also wenn eine gewöhnliche Pflanze wächst, so hat sie da die Wurzel, und nun wächst der Stengel. Wenn aber der Stengel sich da verdickt, wie es bei der Kartoffel ist, so entsteht eine sogenannte Knolle, Sproßknolle. Aber das ist eigentlich ein verdickter Stengel, so daß man es bei der Kartoffel nicht mit einer Wurzel zu tun hat, sondern mit einem verdickten Stengel. Also, merken Sie sich das sehr gut: Wenn man eine Kartoffel ißt, so ißt man einen verdickten Stengel. Man nimmt seine Nahrung vorzugsweise aus einem verdickten Stengel. — Wir müssen uns nun fragen: Was hat das für eine Bedeutung für den Menschen, daß er mit der Kartoffel, die nach Europa gebracht worden ist, lernt, vorzugsweise einen verdickten Stengel zu essen?
[ 29 ] Wenn Sie die ganze Pflanze anschauen, so besteht sie aus der Wurzel, aus dem Stengel, aus den Blättern und aus der Blüte (siehe Zeichnung). Es ist sehr merkwürdig bei der Pflanze: Die Wurzel da unten, die wird dem Erdboden sehr ähnlich und enthält namentlich viel Salze, und die Blüte da oben, die wird sehr ähnlich der warmen Luft. Da ist es so, wie wenn an der Blüte durch die Sonnenwärme fortwährend gekocht wird. Die Blüte enthält daher Öle und Fette, namentlich Öle. So daß wir also, wenn wir eine Pflanze anschauen, unten die Salze haben, die sich absetzen. Die Wurzel ist salzreich, die Blüte ist ölreich.
[ 30 ] Nun, die Folge davon ist, daß wir, wenn wir die Wurzel essen, dann viel Salze in unsere Gedärme hinein bekommen. Diese Salze, die finden den Weg bis zum Gehirn hin und regen unser Gehirn an. Also die Salze, die regen unser Gehirn an. Und es ist zum Beispiel, wenn jemand nicht an migräneartigem Kopfschmerz, sondern an den Kopfschmerzen leidet, die den Kopf ausfüllen, ganz gut, wenn er Wurzeln ißt. Sie können ja sehen, wie eine gewisse salzige Schärfe in vielen Wurzeln enthalten ist. Sie können das feststellen durch den Geschmack. Wenn Sie aber Blüten essen, da ist eigentlich die Pflanze schon halb gekocht. Da heraußen sind schon die Öle; das ist etwas, was vorzugsweise den Magen und die Gedärme einfettet, das hat seine Wirkung auf den Unterleib. Das muß auch der Arzt berücksichtigen, wenn er Tee verschreibt. Niemals wird jemand, wenn er einen Tee aus der Blüte kocht, auf den Kopf eine starke Wirkung ausüben; dagegen wenn er die Wurzeln abkochen und das den Kranken trinken läßt, wird er eine starke Wirkung auf den Kopf ausüben. Also sehen Sie, während wir beim Menschen vom Bauch zum Kopf gehen müssen, von unten herauf, müssen wir bei der Pflanze den umgekehrten Weg machen, von der Blüte zu den Wurzeln. Die Wurzel der Pflanze ist mit dem Kopf verwandt. Die Blüte der Pflanze ist mit den Gedärmen und so weiter verwandt. Wenn wir das bedenken, wird uns gewissermaßen ein Licht aufgehen über die Bedeutung der Kartoffel. Denn die Kartoffel, die hat Knollen; das ist etwas, was nicht ganz Wurzel geworden ist. Man ißt also, wenn man viel Kartoffeln ißt, vorzugsweise Pflanzen, die nicht ganz Wurzel geworden sind. Wenn man sich also beschränkt auf das Kartoffelessen und zu viel Kartoffeln ißt, kriegt man nicht genug in den Kopf hinein. Es bleibt unten in dem Verdauungstrakt. So daß es also so ist, daß mit dem Kartoffelessen die Menschen in Europa ihren Kopf, ihr Gehirn vernachlässigt haben. Diesen Zusammenhang sieht man erst, wenn man Geisteswissenschaft treibt. Da sagt man sich: Seit in Europa diese Kartoffelnahrung immer mehr und mehr überhand genommen hat, seit der Zeit ist der Kopf der Menschen unfähiger geworden.
[ 31 ] Und es werden durch die Kartoffel vorzugsweise Zunge und Schlund angeregt. Wenn wir bei der Kartoffelpflanze hinuntergehen, so gehen wir nicht ganz bis zu der Wurzel. Ebenso ist es beim Menschen: Wenn wir nicht ganz bis zum Kopf heraufgehen und bleiben bei Zunge und Schlund, so werden die besonders angeregt durch die Kartoffel, und daher ist die Kartoffel als Mitspeise, als Zuspeise für die Leute sehr schmackhaft, weil sie dasjenige anregt, was unter dem Kopf ist und den Kopf unbelästigt läßt.
[ 32 ] Wenn man Rote Rüben ißt, dann, meine Herren, bekommt man eine furchtbare Sehnsucht, viel zu denken. Das macht der Mensch ganz unbewußt. Wenn man Kartoffeln ißt, so bekommt man eigentlich die Sehnsucht, recht bald wieder zu essen. Die Kartoffel macht so schnell hungrig, weil sie nicht ganz bis zum Kopf geht. Die Rote Rübe macht sehr schnell satt, weil sie tatsächlich, was das Wichtige ist, bis zum Kopf geht und der Kopf das Wichtigste ist, weil sie ihn ganz durchsetzt mit Tätigkeit, wenn sie richtig in den Kopf hineingeht. Das ist ja den Menschen natürlich furchtbar unangenehm, daß sie denken sollen, und daher lieben sie manchmal eben mehr die Kartoffel als die Rote Rübe, weil die Kartoffel nicht zum Denken anregt. Da wird man faul. Sie regt nicht zum Denken an, man wird faul im Denken. Dagegen die Rote Rübe regt sehr stark das Denken an, weil sie eine richtige Wurzel ist, Sie regt sehr stark an zum Denken, aber sie regt so an, daß man eigentlich denken will, und wenn man nicht denken will, dann liebt man Rote Rüben nicht. Wenn man eine Anregung zum Denken braucht, so muß man insbesondere die salzige Anregung zum Beispiel von Rettichen brauchen. Wenn jemand nicht sehr regsam im Kopfe ist, so tut ihm das gut, weil ein bißchen die Gedanken in Bewegung gebracht werden, wenn er Rettich zu den Speisen hinzunimmt.
[ 33 ] So sehen Sie, daß diese merkwürdige Sache auftritt: Man kann sagen, Rettiche regen das Denken an. — Und man braucht gar nicht selber sehr tätig zu sein im Denken; da kommen die Gedanken, wenn man Rertich ißt, so starke Gedanken, daß sie sogar noch ganz mächtige Träume machen. Wer viel Kartoffeln ißt, dem kommen nicht starke Gedanken, dagegen kommen ihm Träume, die ihm schwer machen. Und derjenige, der also fortwährend Kartoffeln essen muß, der wird eigentlich fortwährend müde sein und fortwährend schlafen und träumen wollen. Daher hat es eine große kulturhistorische Bedeutung, große geschichtliche Bedeutung, was für Nahrungsmittel eigentlich an die Menschen herankommen.
[ 34 ] Da könnten Sie sagen, meine Herren: Ja, aber die Sache ist doch so, daß wir ja eigentlich ganz und gar von dem Stoffe leben! — Und doch ist das nicht wahr. Ich habe Ihnen schon oft gesagt: Wir Menschen haben ungefähr alle sieben Jahre einen neuen Körper. Der erneuert sich fortwährend. Dasjenige, was wir vor acht oder zehn Jahren an Stoff in unserem Körper hatten, das haben wir jetzt nicht mehr drinnen. Es ist heraus. Das haben wir uns mit denNägeln weggeschnitten,mit den Haaren abgeschnitten, es ist durch den Schweiß herausgegangen. Das geht heraus. Manches geht recht schnell, manches langsam, aber es geht heraus.
[ 35 ] Nun, wie stellt man sich die Geschichte mit dem Menschen eigentlich vor? Sehen Sie, man stellt es sich ungefähr so vor — ich will jetzt schematisch zeichnen ($. 212, rot) —: Da wäre der Mensch (hell). Nun sondert der Mensch fortwährend Stoff ab und nimmt immerfort neuen Stoff auf (Pfeile blau). So daß man sich also denkt: Durch den Mund kommt der Stoff herein, durch den After und Urin geht der Stoff wieder hinaus, und der Mensch ist so ein Schlauch. Er nimmt den Stoff auf durch Essen, behält ihn eine Zeitlang, und wirft ihn wieder heraus. — So denkt man ungefähr, sei der Mensch aufgebaut.
[ 36 ] Aber in den wirklichen Menschen geht nämlich gar nichts von dem Erdenstoff herein, gar nichts. Das ist bloß eine Täuschung. Die Sache ist nämlich so. Wenn wir, sagen wir, zum Beispiel Kartoffeln essen, dann handelt es sich gar nicht darum, etwas von der Kartoffel aufzunehmen, sondern die Kartoffel ist bloß etwas, was uns anregt, anregt in Kiefer, Schlund und so weiter. Da wirkt überall die Kartoffel. Und nun entsteht in uns die Kraft, diese Kartoffel wieder herauszutreiben, und während wir sie heraustreiben, kommt uns aus dem Äther, nicht aus dem festen Stoff, dasjenige entgegen (Pfeile hell), was unseren Körper im Laufe von sieben Jahren aufbaut. Wir bauen uns eigentlich gar nicht aus dem Stoff der Erde auf. Was wir essen, essen wir bloß, damit wir eine Anregung haben. In Wirklichkeit bauen wir uns aus dem auf, was oben ist. So daß das Ganze, was sich die Menschen vorstellen, daß da die Nahrung hereinkomme und daß dort die Nahrung wieder herausgehe und in der Zwischenzeit etwas drinnen bleibe, gar nicht stimmt; das bildet nur eine Anregung. Da kommt eine Gegenkraft aus dem Äther heran, und wir bauen uns unseren ganzen Körper aus dem Äther heraus auf. Alles, was wir an uns haben, ist nicht aus dem Stoff der Erde heraus aufgebaut. Sie sehen, wenn wir hinstoßen und es stößt wieder her, so dürfen Sie den zweiten Stoß nicht verwechseln mit dem Hinstoßen. Sie dürfen nicht die Tatsache, daß wir Nahrung brauchen, damit wir nicht faul werden im Wiederherstellen unseres Körpers, verwechseln damit, daß wir diese Nahrung in uns hineinnehmen.
[ 37 ] Nun ist es so, daß allerdings Unregelmäßigkeiten eintreten können. Wenn wir nämlich zuviel Nahrung aufnehmen, dann bleibt allerdings die Nahrung zu lange in uns drinnen. Dann sammeln wir unberechtigten Stoff in uns auf, werden korpulent, dick und so weiter. Wenn wir zuwenig aufnehmen, haben wir zuwenig Anregung und nehmen zuwenig das, was wir brauchen, aus der geistigen Welt heraus, aus der ätherischen Welt.
[ 38 ] Aber das ist etwas so Wichtiges, meine Herren, daß wir uns gar nicht aufbauen aus der Erde und ihren Stoffen, sondern daß wir uns aufbauen aus dem, was außer der Erde ist! Wenn das so ist, daß in sieben Jahren der ganze Körper erneuert wird, wird ja auch das Herz erneuert (rot). Das Herz, das Sie also in sich getragen haben vor acht Jahren, das haben Sie jetzt nicht mehr in sich, sondern das ist erneuert worden, erneuert worden nicht aus dem Stoff der Erde, sondern erneuert worden aus dem, was im Lichte die Erde umgibt. Zusammengedrücktes Licht ist Ihr Herz! Sie haben Ihr Herz tatsächlich aus dem Sonnenlicht zusammengedrückt. Und das, was Sie an Nahrung aufgenommen haben, das hat nur angeregt, daß Sie das Sonnenlicht so weit zusammendrücken. Alle Ihre Organe bauen Sie auf aus dem, was die durchlichtete Umgebung ist, und daß wir essen, daß wir Nahrung aufnehmen, das bedeutet nur die Anregung.
[ 39 ] Sehen Sie, das einzige, was uns die Nahrung gibt, das ist, daß wir so etwas in uns haben wie eine Art inneren Sessel. Wir spüren uns, kommen dadurch im gewöhnlichen Leben zum Ich-Gefühl, daß wir physische Materie in uns haben, physischen Stoff. Wir spüren uns geradeso, wie wenn Sie sich auf den Sessel setzen. Da spüren Sie ja auch den Sessel, der auf Sie drückt. Und so spüren Sie Ihren Körper, der auf das, was Sie aus dem Weltenall gemacht haben, fortwährend drückt. Wenn Sie schlafen, spüren Sie ihn nicht, weil Sie da aus sich heraußen sind. Sie spüren Ihren Körper; das ist eine Art Ruhebett, das Ihnen gemacht ist, bei dem einen härter, wenn er knochig ist, bei dem anderen weicher. Das ist eine Art von Ruhebett, in das sich der Mensch legt, und man spürt ja auch den Unterschied zwischen einem weichen Federbett und einer Holzbank! Und so spürt der Mensch den Unterschied von dem, was in ihm hart und weich ist. Aber das ist nicht der eigentliche Mensch, sondern der eigentliche Mensch ist das, was da in ihm drinnen sitzt,
[ 40 ] Nun werde ich Ihnen das nächste Mal klarmachen, wie das mit der höheren Erkenntnis zusammenhängt. Die Menschen nämlich, die heute erkennen wollen, beschäftigen sich gar nicht mit der menschlichen Tätigkeit, sondern sie beschäftigen sich nur mit demjenigen, was der Sessel ihnen darbietet.
