Rhythms in the Cosmos and in the Human Being
GA 350
18 July 1923, Dornach
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Rhythms in the Cosmos and in the Human Being, tr. SOL
11. Sich-Einleben in die äußere Welt — Ernährungsfragen: Wirkung von Kartoffeln, Roter Rübe und Rettich
11. Adapting to the Outside World — Nutrition Issues: The Effects of Potatoes, Beets, and Radishes
[ 1 ] Es blieben ja noch manche von den Fragen, die neulich gestellt worden sind, zurück. So wie ich neulich einmal angeknüpft habe an eine Bemerkung eines Gelehrten über den Traum, so will ich auch heute anknüpfen an etwas, was einem gegenwärtigen Gelehrten doch viel Kopfzerbrechen gemacht zu haben scheint — wir werden dadurch schon auch auf unsere Besprechung kommen —: das ist der Eidechsenschwanz. Sie wissen, wenn man insbesondere eine größere Eidechse hat und sie am Schwanz packen will, dann bricht der Schwanz ab. Man sagt: die Eidechse ist spröde. Und man kann wirklich sehr schwer Eidechsen, die größer sind, bekommen, wenn man sie am Schwanz faßt, denn der Schwanz ist spröde, er bricht ab, und sie läuft ganz flott weiter ohne Schwanz. Die Versuche der Gelehrten gehen dahin, zu ergründen, ob der Tierschwanz tatsächlich ausgerissen wird oder ob er von dem Tier zurückgelassen wird. Nun geht die gegenwärtige Wissenschaft von dem Materialismus aus, und dadurch denkt man nach, wie das Tier sehr schwache Muskeln hat, die diese Teile des Schwanzes zusammenhalten, und wie es diese Muskeln nicht mehr zusammenhalten kann, wenn es abgefangen wird.
[ 1 ] After all, there were still quite a few of the questions asked recently that remained unanswered. Just as I recently picked up on a remark made by a scholar about dreams, today I’d like to pick up on something that seems to have caused a contemporary scholar quite a bit of headaches—which will naturally lead us to our discussion—namely, the lizard’s tail. You know that if you have a larger lizard, in particular, and try to grab it by the tail, the tail breaks off. People say: the lizard is brittle. And it’s actually very difficult to catch larger lizards when you grab them by the tail, because the tail is brittle—it breaks off—and the lizard runs off quite quickly without its tail. Scholars’ research aims to determine whether the animal’s tail is actually torn off or whether it is voluntarily shed by the animal. Current science is based on materialism, and thus one considers how the animal has very weak muscles that hold these parts of the tail together, and how it can no longer hold them together when it is caught.
[ 2 ] Nun besteht aber eine merkwürdige Tatsache, und die berücksichtigen die Leute dabei sehr wenig. Das ist die Tatsache, daß doch die Eidechsen, wenn sie gefangen sind, längere Zeit in Gefangenschaft gelebt haben, diese eigentümliche Art, den Schwanz leicht ausgerissen zu bekommen, verlieren. Dann stärkt sich der Schwanz, und dann kann man ihn nicht so leicht ausreißen; dann hält er besser. Das ist eine eigentümliche Erscheinung, daß die Eidechsen, wenn sie draußen sind, den Schwanz leicht verlieren; wenn sie in der Gefangenschaft sind, hält er besser. Woher kommt das?
[ 2 ] Now, however, there is a curious fact that people tend to overlook. It is the fact that lizards, once they have been captured and have lived in captivity for a long time, lose this peculiar ability to easily have their tails torn off. Then the tail becomes stronger, and it can’t be torn off so easily; it holds on better. It’s a peculiar phenomenon that lizards easily lose their tails when they’re in the wild, but when they’re in captivity, their tails hold on better. Where does this come from?
[ 3 ] Sehen Sie, da denken nun die Leute lange nach, wie das durch die kleinen Muskeln da am Schwanz bewirkt werden könnte, währenddem doch gerade die Tatsache sehr leicht darauf führt, woher das rührt, daß das Tier in der Gefangenschaft weniger leicht den Schwanz ausgerissen erhält. Das rührt davon her, daß das Tier doch etwas Angst haben wird, wenn man es draußen abfangen will. Das ist doch nichts Gewöhnliches, wenn es draußen abgefangen wird. Das kommt zum ersten Mal vor. Da kommt zum ersten Mal ein Mensch in seine Nähe, da hat es Angst, und dadurch, daß es Angst hat, wird es so spröde, daß es den Schwanz verliert. Wenn es sich in der Gefangenschaft an die Menschen gewöhnt, wenn die Menschen alle Augenblicke in seine Nähe kommen, da hat es keine Angst mehr und verliert den Schwanz nicht.
[ 3 ] You see, people spend a long time wondering how that could be caused by the small muscles on the tail, whereas the very fact itself makes it very easy to see why the animal’s tail is less likely to be torn off in captivity. This is because the animal will naturally be somewhat afraid when someone tries to catch it in the wild. It’s not an everyday occurrence for it to be caught in the wild. This is the first time it’s happened. A human is approaching it for the first time; it is afraid, and because it is afraid, it becomes so skittish that it loses its tail. Once it gets used to humans in captivity, when people are constantly near it, it is no longer afraid and does not lose its tail.
[ 4 ] Wir sehen also, wie schon eine ganz oberflächliche Betrachtung darauf führt, daß da die heillose Angst bei der Eidechse eine wesentliche Rolle spielt. Nun müssen wir aber weitergehen und sagen: Ja, diese Angst, die die Eidechse hat, wenn der Mensch in ihre Nähe kommt und sie abfangen will, die ist ja nur etwas, was beim Tier herauskommt, wenn der Mensch es abfängt, was aber immer im Tier drinnen steckt, und diese Angst ist es, die die Materie des Tieres, den Stoff des Tieres zusammenhält und stark macht.
[ 4 ] So we see how even a very superficial examination leads us to conclude that the lizard’s overwhelming fear plays a significant role here. But now we must go further and say: Yes, this fear that the lizard feels when a person approaches it and tries to catch it is merely something that manifests in the animal when a person catches it—but it is something that is always present within the animal, and it is this fear that holds the animal’s matter together and makes it strong.
[ 5 ] Dafür werde ich Ihnen eine ganz merkwürdige Erscheinung im Menschenleben anführen. Sie werden schon gehört haben, daß Menschen, die sehr stark abhängig sind von ihrem Seelenleben, wenn sie Angst verspüren, dann Durchfall bekommen. Die Ängstlichkeit macht Durchfall. Und was bedeutet das? Das bedeutet, daß dasjenige, was in den Gedärmen ist, nicht mehr zusammengehalten wird. Ja, was hat denn diese Sache in den Gedärmen zusammengehalten? Sehen Sie, wenn die Angst in die Seele heraufzieht, dann hält sie die Dinge in den Gedärmen nicht mehr zusammen; wenn die Angst aber unten in den Gedärmen ist, hält sie den Stoff zusammen.
[ 5 ] To illustrate this, I will cite a very peculiar phenomenon in human life. You may have heard that people who are very dependent on their emotional life tend to get diarrhea when they feel fear. Anxiety causes diarrhea. And what does that mean? It means that whatever is in the intestines is no longer held together. Yes, what was holding that substance together in the intestines? You see, when fear rises into the soul, it no longer holds the contents of the intestines together; but when fear is down in the intestines, it holds the substance together.
[ 6 ] Und so ist es auch bei der Eidechse. Wenn man eine Eidechse ansieht (es wird gezeichnet), so ist diese Eidechse geradeso wie unser eigener Unterleib fortwährend im ganzen mit Angst ausgefüllt, also mit etwas Seelischem. Und insbesondere ist der Schwanz durch Angst ausgefüllt. Wenn das Tier seine Angst herauspreßt, dann zerbricht der Schwanz, aber die Angst bleibt doch im Tiere stecken. Das Tier fühlt die Angst nicht, wenn das Tier in der Gefangenschaft ist, weil es sich an die Menschen gewöhnt hat, und die Folge davon ist, daß die Angst dann den Schwanz zusammenhalten kann. Da sehen wir eine ganz bestimmte seelische Eigenschaft, welche eine gewisse Bedeutung hat für die körperliche Beschaffenheit.
[ 6 ] And so it is with the lizard. When one looks at a lizard (it is drawn), this lizard—just like our own lower abdomen—is constantly filled throughout with fear, that is, with something psychological. And the tail, in particular, is filled with fear. When the animal expels its fear, the tail breaks off, but the fear remains trapped within the animal. The animal does not feel the fear when it is in captivity because it has become accustomed to humans, and the result is that the fear is then able to hold the tail together. Here we see a very specific psychological characteristic that has a certain significance for the animal’s physical constitution.
[ 7 ] Wir Menschen haben auch die Angst in uns. In unserer großen Zehe, in den Beinen, in dem Bauche, überall steckt die Angst. Nur über das Zwerchfell traut sie sich nicht herauf, kommt nur herauf, wenn wir Angstträume haben. Aber in uns steckt die Angst. — Doch die Angst hat ihren guten Zweck; die hält unseren Organismus zusammen. Und in den Knochen, da steckt die allermeiste Angst. Die Knochen sind so fest, weil da eine furchtbar starke Angst drinnen steckt. Die Angst ist es, die die Knochen fest hält. In dem Augenblick, wo man zu stark seine Knochen spürt, kriegt man Knochenerweichung. Daher werden Sie bei ängstlichen Menschen, solchen, die schon in der Jugend ängstlich waren, wo die Knochen noch nicht hart sind, sehr leicht die Knochen weich sind, aber die Leute ängstlich sind, dies bestätigt finden, und man kann daher rachitische Kinder dadurch, daß man ihnen die Angst durch irgend etwas austreibt, namentlich auch auf seelische Weise heilen. Aber es wäre doch ganz falsch, wenn man sagen würde: Also steckt in uns die Angst, etwas Seelisches. Wir brauchen nur die Angst etwas höher herauf zu ziehen, dann könnten wir höhere Erkenntnisse kriegen. — Das wäre nicht gut, weil wir uns da zugleich seelisch und körperlich krank machen würden. Wir müssen vielmehr etwas anderes tun.
[ 7 ] We humans also have fear within us. It’s in our big toe, in our legs, in our stomach—fear is everywhere. It just doesn’t dare to rise above the diaphragm; it only comes up when we have nightmares. But fear is within us. — Yet fear serves a good purpose; it holds our organism together. And the bones—that’s where the vast majority of fear resides. The bones are so strong because there is a terribly powerful fear inside them. It is fear that holds the bones together. The moment you feel your bones too strongly, you develop osteomalacia. That is why you will find, in the case of anxious people—those who were already anxious in their youth, when their bones were not yet hard—that their bones are very easily softened, yet they remain anxious; this confirms the point, and one can therefore heal rickety children by driving out their fear through some means, particularly through spiritual means. But it would be entirely wrong to say: “So fear is something psychological within us. We just need to raise our fear to a higher level, and then we could attain higher insights.” — That would not be good, because we would be making ourselves sick both mentally and physically. Rather, we must do something else.
[ 8 ] Sehen Sie, wir müssen, wenn wir Erkenntnisse der geistigen Welt gewinnen wollen — ich habe Ihnen ja schon die anderen Mittel gesagt —, wir müssen uns richtig in die äußere Welt hineinleben, richtig hineinleben. Nun, wie leben sich denn die Leute in die äußere Welt hinein? Sie haben ja das in den letzten Wochen wieder wunderbar sehen können. Nicht wahr, wir haben fürchterlich gefroren, und nachher haben wir wieder fürchterlich geschwitzt. Nun also, so leben sich die meisten Menschen in die Welt hinein, daß sie nichts weiter spüren, als daß sie das eine Mal fürchterlich schwitzen, das andere Mal fürchterlich frieren. Aber das ist nicht das einzige, wie man sich in die äußere Welt hineinleben kann, sondern es ist so, daß man in sich ausbildet eine bestimmte Fähigkeit, daß man nicht nur friert, wenn es kalt wird, sondern wenn es kalt wird, hindeutet auf das Kalte und eine Art von Angst kriegt, und daß man weiß, wenn es warm wird, da vergeht einem diese Angst. Wenn man das in sich ausbildet, daß man eine gewisse Angst vor dem Schnee hat und ein gewisses Wohlgefühl vor den warmen Sonnenstrahlen, dann ist das einfach etwas, was zu der höheren Erkenntnis führt, was dazugehört zu dem anderen, was ich Ihnen geschildert habe. Und es ist schon einmal so: Derjenige, der höhere Erkenntnis gewinnen will, der muß, wenn er zu einem glühenden Stück Eisen herangeht, etwas fühlen, und er muß, wenn er zu einem Kieselstein herangeht, etwas fühlen. Wenn er zu einem glühenden Eisen herangeht, muß er innerlich das Gefühl haben: Das ist etwas mit deiner eigenen Wärme Verwandtes, das tut dir wohl. — Aber wenn er einen Kieselstein in die Hand nimmt, dann muß ihm das unheimlich sein, es muß ihm ängstlich zumute sein.
[ 8 ] You see, if we want to gain insights into the spiritual world—I’ve already told you about the other means—we must truly immerse ourselves in the outer world, truly immerse ourselves. Well, how do people immerse themselves in the outer world? You’ve been able to see this wonderfully again over the past few weeks. Haven’t we? We were freezing terribly, and afterward we were sweating terribly. Well, that’s how most people immerse themselves in the world—they feel nothing more than that one moment they’re sweating terribly, and the next they’re freezing terribly. But that is not the only way to immerse oneself in the outer world; rather, it is a matter of developing within oneself a certain ability—so that when it gets cold, one does not merely feel the cold, but rather becomes aware of the cold and experiences a kind of fear, and knows that when it gets warm, this fear subsides. If one cultivates within oneself a certain fear of the snow and a certain sense of well-being in the warm rays of the sun, then this is simply something that leads to higher insight—something that belongs to the other aspect I have described to you. And this is certainly true: Anyone who wishes to gain higher insight must feel something when approaching a red-hot piece of iron, and must feel something when approaching a pebble. When approaching a red-hot piece of iron, they must have the inner feeling: This is something related to your own warmth; it does you good. — But when they take a pebble in their hand, it must feel eerie to them; they must feel a sense of dread.
[ 9 ] Nun, meine Herren, daraus sehen Sie aber zugleich, daß derjenige, der höhere Erkenntnisse erwerben will, nicht nervös sein darf, wie man heute sagt, sonst würde er ja, wenn er einen Kieselstein in die Hand nimmt, den gleich fallen lassen, weil er ihm Angst macht. Man muß mutig sein und die Angst ertragen. Und ebenso darf er es nicht machen wie die Mücke, die so große Wollust am Licht hat, daß sie sogar hineinsaust und ihren Tod findet. Gerade an dem Insekt, das in die Flamme hineinsaust, sehen Sie, wie die Flamme verwandt ist mit dem Geistig-Seelischen.
[ 9 ] Well, gentlemen, this also shows you that anyone who wishes to gain higher insights must not be “nervous,” as they say today; otherwise, if he were to pick up a pebble, he would immediately drop it because it frightens him. One must be courageous and endure the fear. Nor must one act like the mosquito, which takes such delight in the light that it even flies straight into it and meets its death. It is precisely in the insect that flies into the flame that you can see how the flame is related to the spiritual-soul aspect.
[ 10 ] Und so können wir sagen: Wir müssen uns erwerben ein inneres Gefühl, eine innere Empfindung für dasjenige, was da draußen in der Natur vorhanden ist. — Was kommt dadurch heraus? Ja, sehen Sie, meine Herren, die Erde hat zunächst das feste Gestein (Zeichnung S. 201, hell unten). An das feste Gestein der Erde glauben die Materialisten, denn da können sie darauf gehen; das ist, wenn man es angreift, hart. An das feste Gestein glauben die Materialisten. Aber gerade vor dem festen Gestein bekommt derjenige, welcher höhere Erkenntnisse erwerben will, eine gewisse Ängstlichkeit.
[ 10 ] And so we can say: We must cultivate an inner feeling, an inner sense for what exists out there in nature. — What does this lead to? Yes, you see, gentlemen, the Earth first of all has solid rock (drawing on p. 201, light-colored at the bottom). Materialists believe in the Earth’s solid rock, because they can walk on it; it is hard to the touch. Materialists believe in the solid rock. But it is precisely in the face of this solid rock that those who wish to acquire higher knowledge feel a certain apprehension.
[ 11 ] Diese Ängstlichkeit, die ist gar nicht vorhanden, wenn der Mensch in der erwärmten Luft ist. Ich will da die erwärmte Luft nun darüber zeichnen, über das feste Gestein. Wenn der Mensch die erwärmte Luft betrachtet, dann ist diese Ängstlichkeit gar nicht vorhanden, denn die erwärmte Luft — ich will sie dadurch erwärmt zeichnen, daß ich sie etwas rötlich mache —, die macht nicht ängstlich. Aber man kann es doch dahin bringen, daß einen die erwärmte Luft auch ängstlich macht. Das ist gerade dann der Fall, wenn man versucht, mit demjenigen, was man da fühlt gegenüber der erwärmten Luft, immer mehr und mehr fertig zu werden dadurch, daß es einem gefällt. Denken Sie: Da ist einer, der fühlt sich immer wohler und wohler in der erwärmten Luft. Jetzt fängt die erwärmte Luft aber an, ihn auch ängstlich zu machen! — Je wohler man sich fühlt, desto ängstlicher macht die erwärmte Luft.
[ 11 ] This anxiety is completely absent when a person is in the warmed air. I’ll now draw the warmed air over the solid rock. When a person looks at the warmed air, this anxiety is completely absent, because the warmed air—I’ll depict it as warmed by making it slightly reddish—does not cause anxiety. But it is possible to reach a point where the warm air does make one anxious. This is precisely the case when one tries to cope more and more with what one feels in the presence of the warm air by taking pleasure in it. Just imagine: There’s someone who feels more and more at ease in the warm air. But now the warm air is starting to make him anxious, too! — The more at ease you feel, the more anxious the warm air makes you.
[ 12 ] Wenn man also jetzt sich gewöhnt, sich recht wohl zu fühlen bei der erwärmten Luft, wenn man sozusagen sich an die Wärme immer mehr und mehr gewöhnt — solche Dinge sind notwendig, man muß sich in die ganze Natur hineinstellen, wenn man geistige Erkenntnis gewinnen will —, dann fängt die Sache an, ganz merkwürdig zu werden. Ich will es Ihnen noch deutlicher machen. Die meisten Menschen suchen sich wieder abzukühlen, wenn ihnen warm wird. Da kennen sie natürlich nichts anderes, als daß ihnen gern kühler wird. Aber wenn man aushält die Wärme, wenn man darinnenbleibt in der Wärme, wenn man die Wärme gerade als Wohlgefühl empfindet, dann fängt dasjenige, was ich Ihnen hier in der Luft schematisch gezeichnet habe (gelb), an, ganz merkwürdig sich mit allerlei Bildern (hell oben) anzufüllen, und es beginnt richtig aufzutreten die geistige Welt — die geistige Welt, die sonst in der Luft enthalten ist, die aber der Mensch nicht fühlt in der Luft, nicht wahrnimmt in der Luft, weil er die Wärme der Luft nicht aushalten will.
[ 12 ] So if one now gets used to feeling quite comfortable in the warm air—if, so to speak, one becomes more and more accustomed to the warmth—such things are necessary; one must attune oneself to the whole of nature if one wishes to gain spiritual insight—then the whole thing begins to take on a very strange character. Let me make it even clearer to you. Most people try to cool off again when they get warm. Naturally, they know nothing else but that they’d like to feel cooler. But if you endure the warmth, if you remain within it, if you actually perceive the warmth as a feeling of well-being, then what I have schematically drawn here in the air (in yellow) begins to fill itself quite strangely with all sorts of images (bright at the top), and the spiritual world truly begins to emerge—the spiritual world that is otherwise contained in the air, but which people do not feel in the air, do not perceive in the air, because they do not want to endure the warmth of the air.
[ 13 ] Wenn man sich angewöhnt hat, alle diese geistigen Wesenheiten, die in der Luft enthalten sind, die aber der Mensch nicht wahrnimmt, weil er die Wärme der Luft nicht aushalten will — wenn man sich angewöhnt hat, diese Wesenheiten zu sehen, dann kommt man auch nach und nach darauf, in bezug auf das feste Gestein etwas Merkwürdiges wahrzunehmen. Da kommt man nämlich darauf, daß man sich sagt: Ja, wenn ich mit meiner tapsigen Hand auf einen Stein greife, da ist er hart. Aber wenn ich nun immer mehr und mehr anfange, Geistiges wahrzunchmen, wenn ich immer mehr und mehr ins Geistige hineinkomme, wenn immer mehr und mehr um mich nicht nur das Sinnliche, sondern auch das Geistige ist, ja, da kann ich zwar nicht mit meinem physischen Körper aus Fleisch und Blut in den Erdboden hineinschlüpfen, aber mit meinem astralischen Leib, von dem ich Ihnen gesprochen habe, kann ich anfangen in den Erdboden hineinzuschlüpfen. — Das ist sehr interessant: In dem Momente, wo man anfängt, im Luftraum Geistiges wahrzunehmen durch all die Mittel, von denen ich Ihnen gesprochen habe, in dem Momente schlüpft man selber so weit aus seinem Leibe heraus, daß man die Steine gar nicht mehr als Hindernis empfindet, sondern untertaucht, wie der Schwimmer ins Wasser, in den festen Erdboden. Da geht man selber hinein (Zeichnung, rot unten). Das ist außerordentlich interessant. In die Luft kann man nicht hineingehen als Geist, weil einem da andere Geister erscheinen. In den Erdboden — der ist eigentlich für den Geist leer —, da kann man leicht hineinkriechen, da kann man untertauchen wie ein Schwimmer.
[ 13 ] Once you have become accustomed to seeing all these spiritual beings that are present in the air—but which humans do not perceive because they cannot bear the warmth of the air—once you have become accustomed to seeing these beings, you will gradually begin to notice something remarkable about solid rock. One begins to realize, in fact, that one says to oneself: Yes, when I grasp a stone with my clumsy hand, it is hard. But when I begin to perceive the spiritual more and more, when I enter more and more into the spiritual, when more and more around me is not only the physical but also the spiritual—yes, then, although I cannot slip into the earth with my physical body of flesh and blood, I can begin to slip into the earth with my astral body, of which I have spoken to you. — That is very interesting: the moment one begins to perceive the spiritual in the air through all the means I have spoken to you about, at that very moment one slips out of one’s body to such an extent that one no longer perceives the stones as an obstacle, but sinks—like a swimmer into water—into the solid earth. You enter it yourself (drawing, red at the bottom). This is extraordinarily interesting. You cannot enter the air as a spirit, because other spirits appear there. Into the earth—which is actually empty for the spirit—you can easily slip in; there you can submerge like a swimmer.
[ 14 ] Und, sehen Sie, der Mittelzustand ist der mit dem Wasser (blau). Das Wasser verdunstet nach oben und kommt als Regen wieder herunter. Da oben — das haben Sie schon gesehen —, da bilden sich oftmals Blitze (rot oben). Das Wasser ist zwischen dem festen Erdboden und der Luft. Es ist dünner als der feste Erdboden, es ist dichter als die Luft. Ja, was heißt denn das? Das heißt etwas, was man am besten sieht, wenn man zum Blitz hinaufschaut. Beim Blitz, da sagen die Gelehrten: das ist ein elektrischer Funke. Warum ist das nach den Gelehrten ein elektrischer Funke? Nun, Sie wissen ja vielleicht schon — sonst sage ich es Ihnen jetzt —, wenn man eine Siegellackstange nimmt, diese mit einem Lederlappen, einem Stück Leder reibt, dann wird sie elektrisch, und wenn man dann kleine Papierschnitzel hat, dann werden sie von der Siegellackstange angezogen. Und so kann man die verschiedensten Körper durch Reiben oder auf andere Weise elektrisch machen. Das wird den Kindern in der Schule schon gezeigt.
[ 14 ] And, you see, the middle state is the one with the water (blue). The water evaporates upward and comes back down as rain. Up there—as you’ve already seen—lightning often forms (red at the top). The water is between the solid ground and the air. It is less dense than the solid ground, but denser than the air. So, what does that mean? It means something that’s best seen when you look up at a flash of lightning. When it comes to lightning, scholars say: that’s an electric spark. Why do the scholars say it’s an electric spark? Well, you may already know—otherwise I’ll tell you now—that if you take a sealing wax stick and rub it with a leather cloth, a piece of leather, it becomes electrified, and if you then have small scraps of paper, they’ll be attracted to the sealing wax stick. And in this way, you can make all sorts of objects electrically charged by rubbing or by other means. Children are already taught this in school.
[ 15 ] Aber da ist etwas ganz Bestimmtes notwendig. Wenn man nämlich in einem dunstigen Schulzimmer ist, da wird keine Siegellackstange elektrisch — die anderen Dinge werden dann bei Experimenten auch nicht elektrisch —, und man muß zunächst mit einem ganz trockenen Tuch alles sauber abwischen, weil das Wäßrige keine Elektrizität erzeugt. Dann kann man Elektrizität erzeugen. Nun sagen die Gelehrten: Da oben sind die Wolken, die reiben sich aneinander und machen den elektrischen Funken, den Blitz. — Ja aber, meine Herren, jedes Kind könnte einwenden: Aber du mußt doch gerade das Wäßrige abhalten können, denn wenn du nur etwas Wäßriges an deinem Apparat hast, dann entsteht ja die Elektrizität nicht! — Das kann jedes Kind einwenden. Solcher Unsinn wird also gesagt. Es ist natürlich überhaupt gar keine Rede davon, daß da oben sich die Wolken reiben.
[ 15 ] But there is one very specific requirement. Namely, if you’re in a damp classroom, the sealing wax rod won’t become electrically charged—nor will the other objects used in experiments—and you must first wipe everything down thoroughly with a completely dry cloth, because moisture does not generate electricity. Then you can generate electricity. Now the scholars say: Up there are the clouds, which rub against each other and produce the electric spark—the lightning. — Yes, but, gentlemen, any child could object: “But you have to be able to keep moisture out, because if there’s even a little moisture on your apparatus, then electricity won’t be generated!” — Any child could object to that. So such nonsense is being spouted. Of course, there’s absolutely no question of the clouds rubbing against each other up there.
[ 16 ] Aber denken Sie, wenn das Wasser verdunstet und hinaufgeht, dann kommt es immer mehr und mehr in eine Region der Geistigkeit, entfernt sich von dem geistleeren Stoff da unten und dringt in die Geistigkeit oben ein, und der Geist ist es wirklich, der den elektrischen Funken erzeugt, den Blitz. Wir kommen nämlich, indem wir immer weiter und weiter hinaufgehen, in die Region des Geistigen hinein. Die Erde hat nur in der Nähe das Materielle. Weiter oben ist sie von dem Geistigen umgeben. Wir kommen also da wirklich in das Geistige hinein. Und so ist es, daß in dem Momente, wo der Wasserdunst hinaufgeht und in die Region des Geistes kommt, da kann aus dem Geiste heraus der Blitz entstehen. Das Wasser vergeistigt sich oben und kommt wieder verdichtet herunter. Man muß also, wenn man Naturbetrachtungen übt, auch schon zum Geiste hin kommen. Und nur dann, wenn man überhaupt nicht auf das Geistige Rücksicht nehmen will, kommt man zu allerlei solch absurden Sachen, wie die sind, die ich Ihnen vom Flugtraum gesagt habe oder von dem Eidechsenschwanz oder vom Blitz. Man sieht eben überall, daß man die Natur nicht erklären kann, wenn man nicht zuerst in das Geistige eindringt.
[ 16 ] But consider this: when the water evaporates and rises, it enters more and more into a realm of spirituality, moving away from the spiritless matter down below and penetrating the spirituality above—and it is truly the spirit that generates the electric spark, the lightning. For as we ascend farther and farther, we enter the realm of the spiritual. The Earth has material matter only in its immediate vicinity. Higher up, it is surrounded by the spiritual. So we truly enter into the spiritual there. And so it is that at the very moment when the water vapor rises and enters the realm of the spirit, lightning can arise from the spirit. The water becomes spiritualized up there and comes back down in condensed form. So when observing nature, one must also turn toward the spiritual. And only when one refuses to take the spiritual into account at all does one arrive at all sorts of absurd notions, such as those I mentioned to you regarding the dream of flying, the lizard’s tail, or lightning. One sees everywhere that nature cannot be explained unless one first penetrates into the spiritual realm.
[ 17 ] Jetzt können Sie sich auch das klarmachen: Wenn der Mensch auf der Erde steht, so ist er eigentlich von unten herauf immer so, daß er mit dem Geistigen von unten verwandt ist; da kann er untertauchen wie ein Schwimmer. Wenn wir also in der Nacht mit unserem astralischen Leib und mit unserem Ich aus dem physischen Leib und aus dem Ätherleib herausgehen, so gehen wir eigentlich überall in die feste Umgebung hinein. Wir verbinden uns mit dem, was fest ist, denn in das Luftförmige können wir nicht hinein, und wandern tatsächlich im Festen herum.
[ 17 ] Now you can also understand this: When a human being stands on Earth, he is actually, from the bottom up, always connected to the spiritual realm below; he can dive into it like a swimmer. So when we step out of our physical body and our etheric body at night with our astral body and our “I,” we are actually entering the solid environment everywhere. We connect with what is solid, for we cannot enter the airy realm, and we do indeed wander about within the solid.
[ 18 ] Dieses Herumwandern im Festen, das hat aber eine große Bedeutung. Wenn wir, wie ich Ihnen vorhin gesagt habe, uns zu der Wärme in der rechten Weise verhalten, dann kommen wir dazu, die geistigen Wesenheiten der Luft zu sehen. Wenn wir aber in der Nacht aus unserem Leibe herausgehen und uns mit dem Irdischen als Geist verbinden, dann kann es so sein, daß wir, wenn wir aufwachen, noch immer etwas von dem haben, was wir erlebt haben in dem festen Stoff der Erde drinnen. Da haben wir noch etwas drinnen in uns; in unserem Seelischen haben wir etwas drinnen.
[ 18 ] This wandering through the solid world, however, is of great significance. If, as I told you earlier, we relate to warmth in the right way, then we will come to see the spiritual beings of the air. But when we leave our physical body at night and connect with the earthly realm as a spirit, it may be that when we wake up, we still retain something of what we experienced within the solid substance of the earth. We still have something within us; we have something within our soul.
[ 19 ] Nun, das ist etwas, was außerordentlich interessant ist. Denn Sie werden schon bemerkt haben: Wenn man aufwacht, so hört man sehr leicht Töne. Und wenn Sie recht achtgeben beim Aufwachen, dann werden Sie das Merkwürdige erleben, daß Sie sich sagen: Jetzt hat da jemand an meine Türe geklopft! — Das ist eben ganz merkwürdig: Wenn man in die Luft sich hineinlebt mit seiner Seele, dann schaut man etwas, dann entstehen Bilder. Wenn man sich aber in das Feste, in das Stoffliche hineinlebt mit seiner Seele, wie der Schwimmer im Wasser untertaucht, dann erlebt man Töne. Und gerade das ist das außerordentlich Wichtige, daß alle festen Stoffe fortwährend Töne von sich geben, die man nur nicht hört, weil man nicht drinnensteckt. Jeder feste Stoff hat fortwährend Töne in sich, und die hört man eben noch beim Aufwachen, weil man da noch halb drinnensteckt.
[ 19 ] Well, that’s something that’s extraordinarily interesting. Because you’ve probably already noticed: When you wake up, it’s very easy to hear sounds. And if you pay close attention as you wake up, you’ll experience something strange—you’ll find yourself saying, “Someone just knocked on my door!” — That’s exactly what’s so strange: When you immerse your soul in the air, you see things; images arise. But when you immerse your soul in the solid, in the material world—just as a swimmer dives underwater—then you experience sounds. And that is precisely what is so extraordinarily important: that all solid matter constantly emits sounds that you simply do not hear because you are not immersed in it. Every solid substance constantly contains sounds within it, and you can still hear them as you wake up, because you are still half immersed in it.
[ 20 ] Aber diese Töne können durchaus etwas bedeuten, und es ist durchaus richtig, daß, wenn zum Beispiel irgendwo in der Ferne jemand gestorben ist und der Mensch beim Aufwachen etwas hört wie An-die-Tür-Klopfen, so steht das im Zusammenhang mit dem Gestorbenen. Nun ist der Mensch natürlich nicht fähig, diese Dinge in der richtigen Weise zu deuten. Denn denken Sie nur einmal: Sie würden ja alle nicht lesen können, also die Buchstaben auf dem Papier nicht deuten können, wenn Sie es nicht gelernt hätten. Ebensowenig können Sie dieses Wunderbare, was da wirkt, wenn man im Aufwachen Töne hört, deuten. Sie brauchen ja nicht zu glauben, daß da just der Verstorbene an der Tür ist und wie mit den Fingern klopft. Aber der Verstorbene, der in den ersten Tagen nach dem Tode noch anwesend ist auf Erden, der lebt in den festen Körpern drinnen. Und das ist etwas, was Ihnen gar nicht wunderbar zu scheinen braucht, daß da gerade durch die Verbindung mit dem Festen Töne entstehen, wie also immerzu erzählt worden ist in den Zeiten, wo man noch mehr achtgegeben hat auf solche Sachen. Daß die Menschen Ahnungen haben, wenn jemand in der Ferne stirbt, das hat seine gute Bedeutung. Ein Mensch ist gestorben. Er ist mit seiner Seele zunächst noch ans feste Erdreich gebunden. Da entstehen die Töne, die von ihm ausgehen. Der Mensch verläßt tönend das irdische Dasein. Das können Sie natürlich geradesogut in der Weite hören, wie Sie in der Weite lesen können, was einer in Amerika aufgibt. Ein Telegramm kann man in Amerika lesen. Solche Fernwirkungen durch den Erdenstoff sind da, sind auf Erden da, sie sind immer da. Und in den Zeiten, in denen man eben achtgegeben hat auf solche Sachen, hat man den Zusammenhang des Geistigen mit dem Irdischen durchaus gewußt. Das ist nicht bloß ein Märchen, das ist tatsächlich etwas, was in früheren Zeiten eben wahrgenommen worden ist. Also Sie sehen, man kommt da in ganz bestimmte Dinge hinein, die heute als Aberglaube gelten, die man ebenso wissenschaftlich, wie andere wissenschaftliche Dinge nachweisen kann.
[ 20 ] But these sounds can certainly mean something, and it is certainly true that if, for example, someone has died somewhere in the distance and a person hears something like a knock on the door upon waking, this is connected to the deceased. Now, of course, people are not capable of interpreting these things correctly. Just think about it: None of you would be able to read—that is, interpret the letters on the paper—if you hadn’t learned how. Nor can you interpret this wondrous phenomenon that occurs when you hear sounds upon waking. You don’t have to believe that it is specifically the deceased person at the door, knocking with their fingers. But the deceased, who is still present on earth in the first few days after death, lives within the solid bodies. And this is something that need not seem miraculous to you at all—that sounds arise precisely through the connection with the physical world, as has always been recounted in times when people paid more attention to such matters. The fact that people have premonitions when someone dies in the distance has a positive significance. A person has died. At first, their soul is still bound to the solid earth. This is where the sounds emanating from them arise. The person leaves earthly existence with a sound. Of course, you can hear this just as clearly from afar as you can read from afar what someone in America is reporting. A telegram can be read in America. Such distant effects through the earth’s substance exist; they are present on Earth; they are always there. And in times when people paid attention to such matters, they were fully aware of the connection between the spiritual and the earthly. This is not merely a fairy tale; it is in fact something that was perceived in earlier times. So you see, one enters into very specific realms that are considered superstition today, but which can be proven just as scientifically as other scientific matters.
[ 21 ] Nur muß man diese Dinge auch ganz genau kennen. Denn sehen Sie, wenn man dazu kommen würde, in der Luft die geistige Welt wahrzunehmen, wenn also die Menschen nicht gar so wehleidig sein würden, wie sie heute sind — Sie wissen doch, je zivilisierter die Menschen werden, desto wehleidiger werden sie in einer gewissen Beziehung, und diejenigen, die, sagen wir, durch ihre Arbeit in einer furchtbaren Hetze leben müssen, die haben nicht Zeit während ihres Arbeitens, die geistige Welt wahrzunehmen —, so würde ihnen die geistige Welt, die in der Luft lebt, nicht entgehen. Aber dieses, daß man in der Luft geistige Wesen sehen würde, das wäre eigentlich etwas ziemlich Ungefährliches. Das könnte jeder Mensch ohne weiteres wahrnehmen, ohne daß es für ihn gefährlich wird.
[ 21 ] But one must also understand these things very precisely. For you see, if people were able to perceive the spiritual world in the air—if, that is, people weren’t quite as whiny as they are today —you know, the more civilized people become, the more whiny they become in a certain sense, and those who, let’s say, have to live in a terrible rush because of their work, who don’t have time to perceive the spiritual world while they’re working—, then the spiritual world that lives in the air would not escape them. But the fact that one would see spiritual beings in the air—that would actually be something quite harmless. Any person could perceive this without further ado, without it posing any danger to them.
[ 22 ] Aber dieses Hören, wenn das zu stark den Menschen ergreift, und wenn er zu stark in einen Zustand kommt, wo er allerlei für den Menschen gefährlich. Die Sache ist ja diese: Es gibt Menschen, die kommen allmählich in einen Zustand, wo sie alle möglichen Worte hören. Es wird ihnen allerlei gesagt. — Diese Menschen sind auf dem Wege zum Wahnsinn. Man wird niemals eigentlich, indem man so die geistigen Wesen sieht, daß man sie in der Luft sucht, von einer Gefahr bedroht. Warum? Ja, ich muß Ihnen das durch einen Vergleich sagen: Wenn Sie in einem Boot fahren und ins Wasser fallen, können Sie ertrinken. Wenn Sie jemand nach oben zieht, so können Sie zwar auch allerlei erleben, aber ertrinken können Sie nicht. — Ebenso ist es, wenn die menschliche Seele nach oben herausgeht und allerlei sieht. Da kann ihr nichts passieren. Wenn sie nach unten in die feste Materie hineingeht, da kann sie, ich möchte sagen, geistig ertrinken. Und dieses Geistig-Ertrinken tritt ein, wenn die Menschen eben ihr Bewußtsein so verlieren, daß ihnen innerlich allerlei Dinge gesagt werden. Und das ist das Schlimme. Sehen Sie, wenn der Mensch äußerlich das Geistige sieht, ja, dann ist es ja gerade so, wie wenn er in der Welt herumgeht, und wie er sich vor dem Stuhl, den er sieht, nicht fürchtet, so fürchtet er sich nach und nach auch nicht vor dem äußerlich Geistigen, sondern er hat es sogar gern. Aber dasjenige, was innerlich gehört wird — wir sinken ja in die feste Erde hinein mit unserem ganzen Geistigen und mit unserem ganzen Seelischen —, was da innerlich gehört wird, das nimmt einen ganz hin. Da ersäuft man drinnen, da hört man auf, Mensch zu sein. Daher muß man immer mit einer gewissen Wachsamkeit auf diejenigen Menschen hinschen, die sagen, allerlei wird ihnen innerlich gesagt. Das ist immer etwas Gefährliches. Nur derjenige, der wirklich schon ganz fest in der geistigen Welt drinnensteht und sich auskennt, der weiß ja, was da eigentlich gesagt wird: daß es niemals besonders hohe geistige Wesen sind, die da zu einem sprechen, sondern daß es eigentlich immer diejenigen Wesen sind, die also eher niedriger Art sind. Sehen Sie, meine Herren, ich habe Ihnen diese Dinge jetzt ganz unbefangen gesagt aus dem Grunde, damit Sie sehen: Man muß wirklich als Mensch zu ganz anderer Auffassung der Außenwelt kommen, wenn man in die geistige Welt hineinkommen will.
[ 22 ] But this hearing—when it takes hold of a person too strongly, and when they become too deeply immersed in a state where all sorts of things become dangerous to them. The fact is this: There are people who gradually enter a state where they hear all kinds of words. All sorts of things are said to them. — These people are on the path to madness. You are never actually in danger by seeing spiritual beings in this way—that is, by looking for them in the air. Why? Well, I must explain this to you using a comparison: If you’re in a boat and fall into the water, you can drown. If someone pulls you back up, you may experience all sorts of things, but you cannot drown. — It is the same when the human soul rises upward and sees all sorts of things. Nothing can happen to it there. If it descends into solid matter, however, it can—I would say—spiritually drown. And this spiritual drowning occurs when people lose their consciousness to such an extent that all sorts of things are told to them inwardly. And that is the worst part. You see, when a person perceives the spiritual externally, well, it is just as if they were walking around in the world; and just as they are not afraid of the chair they see, so too do they gradually cease to be afraid of the externally perceived spiritual—in fact, they even come to enjoy it. But what is heard inwardly—for we do sink into the solid earth with our entire spiritual and soul life—what is heard inwardly, that completely engulfs one. There one drowns inside; there one ceases to be human. That is why one must always regard with a certain vigilance those people who say that all sorts of things are being told to them inwardly. That is always something dangerous. Only those who are already firmly established in the spiritual world and know their way around it truly understand what is actually being said: that it is never particularly high spiritual beings who speak to one, but rather that it is actually always those beings who are of a rather lower order. You see, gentlemen, I have now told you these things quite candidly so that you may see: as human beings, we must truly arrive at a completely different understanding of the external world if we wish to enter the spiritual world.
[ 23 ] Es gibt natürlich Menschen, die sagen: Ja, warum haben uns die Geister das so unbequem gemacht, sie kennenzulernen? — Ja, aber denken Sie einmal, was der Mensch für ein Wesen wäre, wenn er sich gar nicht anstrengen müßte, um hineinzukommen in die geistige Welt, wenn er immer drinnen wäre! Er wäre ja der reine geistige Automat. Erst dadurch kommt er zu den geistigen Wesen in ein rechtes Verhältnis, daß er sich eben anstrengen muß. Und es kostet die allergrößte innere Anstrengung, um in der geistigen Welt forschen zu können.
[ 23 ] Of course, there are people who say: “Yes, why have the spirits made it so difficult for us to get to know them?” — Yes, but just think for a moment what kind of being a human would be if he didn’t have to make any effort at all to enter the spiritual world, if he were always already there! They would be nothing more than a spiritual automaton. It is precisely because they must make an effort that they come into the right relationship with spiritual beings. And it takes the greatest possible inner effort to be able to explore the spiritual world.
[ 24 ] Es ist natürlich leicht, sich am Laboratoriumstisch breit zu machen und allerlei Versuche zu machen, es ist leicht, Leichen zu zerschneiden und allerlei kennenzulernen, aber es erfordert wirklich eine starke innere Arbeit, um wirklich in die geistige Welt hineinzukommen. Zu dieser Arbeit ist die heutige gebildete Welt zu faul. Und wegen dieser Faulheit ist es eigentlich auch immer, daß die Leute sagen: Ich habe Übungen gemacht aus «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten ?», aber ich habe nichts gesehen. — Die Leute glauben, daß ihnen das äußerlich gegeben werden soll, daß sie nicht die Sache innerlich erarbeiten müssen. Meine Herren, das ist es eben, daß die Leute heute sich alles vormachen lassen wollen! Ich habe Ihnen schon gesagt: Der Mensch will alles verfilmen heute, er will überall einen Film machen lassen daraus, damit es äußerlich an ihn herantritt.
[ 24 ] Of course, it is easy to settle in at a laboratory bench and conduct all sorts of experiments; it is easy to dissect corpses and learn all sorts of things, but it truly requires intense inner work to truly enter the spiritual world. Today’s educated world is too lazy for this work. And it is actually always because of this laziness that people say: “I’ve done the exercises from How to Attain Knowledge of the Higher Worlds, but I haven’t seen anything.” — People believe that this should be given to them externally, that they don’t have to work it out for themselves internally. Gentlemen, that is precisely the point: people today want everything served to them on a platter! I have already told you: People today want to film everything; they want to turn everything into a movie so that it comes to them from the outside.
[ 25 ] Wenn man richtig geistig vorwärtskommen will, muß man überall darauf sehen, daß, indem man etwas aufnimmt von der Welt, man es durcharbeiten muß. Daher werden diejenigen mehr zum Geistigen kommen, die in der Zukunft möglichst vermeiden, sich alles vorfilmen zu lassen, sondern recht viel mitdenken wollen, wenn ihnen von der Welt gesprochen wird. Und, sehen Sie, ich habe Ihnen keinen Film vorgeführt. Natürlich ist nicht die Zeit dazu da, aber wenn auch die Zeit da wäre, würde ich nicht versuchen, mit einem Film die Sache vorzuführen, sondern ich habe Ihnen Zeichnungen gemacht, die im Moment entstanden, wo Sie sehen konnten, was ich mit jedem Strich will, wo Sie mitdenken können. Das ist auch dasjenige, was schon in unseren Kinderunterricht heute einziehen muß: möglichst wenig fertige Zeichnungen, möglichst viel von dem, was da im Augenblick entsteht, wo das Kind jeden Strich sieht, der entsteht. Dadurch arbeitet das Kind innerlich mit, und dadurch werden die Menschen zur innerlichen Tätigkeit angeregt, die dann dazu führt, daß sie mehr ins Geistige sich hineinleben und wiederum Verständnis bekommen für das Geistige. Man soll auch nicht den Kindern wiederum ganze fertige Theorien vorbringen, denn dann werden sie ja dogmatisch. Sondern das, worauf es ankommt, ist, sie wiederum zur Selbsttätigkeit zu bringen. Dadurch wird auch ihr ganzer Körper freier.
[ 25 ] If one truly wants to make spiritual progress, one must be mindful at all times that, when taking in something from the world, one must work through it. Therefore, those who, in the future, avoid as much as possible having everything “pre-filmed” for them—but instead choose to think things through for themselves when they hear about the world—will make greater spiritual progress. And, you see, I haven’t shown you a film. Of course, there isn’t time for that, but even if there were, I wouldn’t try to demonstrate the matter with a film; instead, I’ve made drawings for you that were created on the spot, so that you could see what I intend with each stroke and think along with me. This is also what must be incorporated into our children’s lessons today: as few finished drawings as possible, and as much as possible of what is emerging in the moment, where the child sees every stroke as it is being made. In this way, the child participates inwardly, and in this way, people are stimulated to inner activity, which then leads them to immerse themselves more deeply in the spiritual realm and, in turn, to gain an understanding of the spiritual. Nor should we present children with complete, ready-made theories, for then they become dogmatic. Rather, what matters is to encourage them to become active on their own. This also frees their entire body.
[ 26 ] Nun möchte ich Ihnen, weil das auch in einer der Fragen enthalten ist, noch etwas anderes anführen. Sie werden ja vielleicht schon gehört haben, daß die Kartoffel erst zu einer bestimmten Zeit in Europa eingeführt worden ist. Kartoffelesser waren ja die Menschen in Europa nicht immer.
[ 26 ] Now, since this is also mentioned in one of the questions, I’d like to point out something else. You may have already heard that potatoes were not introduced to Europe until a certain time. After all, people in Europe did not always eat potatoes.
[ 27 ] Es ist da zwar einmal eine eigentümliche Geschichte passiert. Sehen Sie, es gibt ein Lexikon, an dem ich sogar mitgearbeitet habe, aber nicht an dem Artikel, von dem ich jetzt rede. Da steht etwas sehr Komisches drinnen, nämlich, es werde überall gesagt, daß ein gewisser Drake die Kartoffel in Europa eingeführt habe, sich dieses große Verdienst erworben habe. — In Offenburg, das jetzt die Franzosen besetzt haben, steht auch ein Drake-Denkmal. Nun war es mir einmal furchtbar komisch, als wir nachschauten im Konversationslexikon und da wirklich drinnen steht: Drake wurde in Offenburg ein Denkmal errichtet, weil er irrtümlich im Rufe gestanden habe, die Kartoffel nach Europa gebracht zu haben! — Also wenn von irgendeinem Menschen etwas angeblich gesagt wird, so wird ihm ein Denkmal errichtet in Europa! Nun, ich will aber davon nicht reden, sondern ich will davon reden, daß zu einer bestimmten Zeit die Kartoffel nach Europa gebracht worden ist.
[ 27 ] There was, in fact, a rather peculiar story that happened there once. You see, there’s an encyclopedia that I actually helped compile—though not the entry I’m talking about now. There’s something very funny in there, namely, that it’s widely claimed that a certain Drake introduced the potato to Europe and earned this great distinction. — In Offenburg, which is now occupied by the French, there’s also a Drake monument. Well, I once found it terribly funny when we looked it up in the encyclopedia and it really does say there: A monument was erected to Drake in Offenburg because he was mistakenly reputed to have brought the potato to Europe! — So if someone is supposedly said to have said something, a monument is erected to them in Europe! Well, I don’t want to talk about that, though; rather, I want to talk about the fact that at a certain point in time, the potato was brought to Europe.
[ 28 ] Schauen wir uns einmal die Kartoffel an. Von der Kartoffel essen wir ja nicht eigentlich die Wurzeln. Die Wurzeln sind nämlich diese kleinen Dinger (es wird gezeichnet). Wenn da die Kartoffel wäre, so sind da diese Würzelchen erst daran. Die Kartoffel selber ist ein etwas dickerer Stengel. Also wenn eine gewöhnliche Pflanze wächst, so hat sie da die Wurzel, und nun wächst der Stengel. Wenn aber der Stengel sich da verdickt, wie es bei der Kartoffel ist, so entsteht eine sogenannte Knolle, Sproßknolle. Aber das ist eigentlich ein verdickter Stengel, so daß man es bei der Kartoffel nicht mit einer Wurzel zu tun hat, sondern mit einem verdickten Stengel. Also, merken Sie sich das sehr gut: Wenn man eine Kartoffel ißt, so ißt man einen verdickten Stengel. Man nimmt seine Nahrung vorzugsweise aus einem verdickten Stengel. — Wir müssen uns nun fragen: Was hat das für eine Bedeutung für den Menschen, daß er mit der Kartoffel, die nach Europa gebracht worden ist, lernt, vorzugsweise einen verdickten Stengel zu essen?
[ 28 ] Let’s take a look at the potato. We don’t actually eat the roots of the potato. The roots are actually these little things (a drawing is made). If the potato were here, these little roots would be attached to it. The potato itself is a somewhat thicker stem. So when an ordinary plant grows, it has a root, and then the stem grows. But when the stem thickens, as it does with the potato, a so-called tuber—a tuberous stem—forms. But this is actually a thickened stem, so with the potato we’re not dealing with a root, but with a thickened stem. So, remember this very well: When you eat a potato, you are eating a thickened stem. You derive your nourishment primarily from a thickened stem. — We must now ask ourselves: What significance does it have for human beings that, through the potato—which was brought to Europe—they learn to eat primarily a thickened stem?
[ 29 ] Wenn Sie die ganze Pflanze anschauen, so besteht sie aus der Wurzel, aus dem Stengel, aus den Blättern und aus der Blüte (siehe Zeichnung). Es ist sehr merkwürdig bei der Pflanze: Die Wurzel da unten, die wird dem Erdboden sehr ähnlich und enthält namentlich viel Salze, und die Blüte da oben, die wird sehr ähnlich der warmen Luft. Da ist es so, wie wenn an der Blüte durch die Sonnenwärme fortwährend gekocht wird. Die Blüte enthält daher Öle und Fette, namentlich Öle. So daß wir also, wenn wir eine Pflanze anschauen, unten die Salze haben, die sich absetzen. Die Wurzel ist salzreich, die Blüte ist ölreich.
[ 29 ] If you look at the entire plant, it consists of the root, the stem, the leaves, and the flower (see illustration). There is something very remarkable about the plant: the root down below becomes very similar to the soil and contains, in particular, a lot of salts, while the flower up above becomes very similar to warm air. It is as if the flower were constantly being cooked by the sun’s heat. The flower therefore contains oils and fats—especially oils. So when we look at a plant, we see the salts settling at the bottom. The root is rich in salts, and the flower is rich in oils.
[ 30 ] Nun, die Folge davon ist, daß wir, wenn wir die Wurzel essen, dann viel Salze in unsere Gedärme hinein bekommen. Diese Salze, die finden den Weg bis zum Gehirn hin und regen unser Gehirn an. Also die Salze, die regen unser Gehirn an. Und es ist zum Beispiel, wenn jemand nicht an migräneartigem Kopfschmerz, sondern an den Kopfschmerzen leidet, die den Kopf ausfüllen, ganz gut, wenn er Wurzeln ißt. Sie können ja sehen, wie eine gewisse salzige Schärfe in vielen Wurzeln enthalten ist. Sie können das feststellen durch den Geschmack. Wenn Sie aber Blüten essen, da ist eigentlich die Pflanze schon halb gekocht. Da heraußen sind schon die Öle; das ist etwas, was vorzugsweise den Magen und die Gedärme einfettet, das hat seine Wirkung auf den Unterleib. Das muß auch der Arzt berücksichtigen, wenn er Tee verschreibt. Niemals wird jemand, wenn er einen Tee aus der Blüte kocht, auf den Kopf eine starke Wirkung ausüben; dagegen wenn er die Wurzeln abkochen und das den Kranken trinken läßt, wird er eine starke Wirkung auf den Kopf ausüben. Also sehen Sie, während wir beim Menschen vom Bauch zum Kopf gehen müssen, von unten herauf, müssen wir bei der Pflanze den umgekehrten Weg machen, von der Blüte zu den Wurzeln. Die Wurzel der Pflanze ist mit dem Kopf verwandt. Die Blüte der Pflanze ist mit den Gedärmen und so weiter verwandt. Wenn wir das bedenken, wird uns gewissermaßen ein Licht aufgehen über die Bedeutung der Kartoffel. Denn die Kartoffel, die hat Knollen; das ist etwas, was nicht ganz Wurzel geworden ist. Man ißt also, wenn man viel Kartoffeln ißt, vorzugsweise Pflanzen, die nicht ganz Wurzel geworden sind. Wenn man sich also beschränkt auf das Kartoffelessen und zu viel Kartoffeln ißt, kriegt man nicht genug in den Kopf hinein. Es bleibt unten in dem Verdauungstrakt. So daß es also so ist, daß mit dem Kartoffelessen die Menschen in Europa ihren Kopf, ihr Gehirn vernachlässigt haben. Diesen Zusammenhang sieht man erst, wenn man Geisteswissenschaft treibt. Da sagt man sich: Seit in Europa diese Kartoffelnahrung immer mehr und mehr überhand genommen hat, seit der Zeit ist der Kopf der Menschen unfähiger geworden.
[ 30 ] Well, the result of this is that when we eat the root, we get a lot of salts into our intestines. These salts find their way up to the brain and stimulate it. So the salts stimulate our brain. And, for example, if someone suffers not from migraine-like headaches but from headaches that feel like they’re filling the entire head, it’s quite beneficial for them to eat roots. You can see, after all, that many roots contain a certain salty sharpness. You can tell this by the taste. But when you eat the flowers, the plant is actually already half-cooked. The oils are already present on the outside; these primarily lubricate the stomach and intestines and have an effect on the lower abdomen. The doctor must also take this into account when prescribing tea. When someone brews tea from the flower, it will never have a strong effect on the head; on the other hand, if they boil the roots and have the patient drink it, it will have a strong effect on the head. So you see, while with humans we must proceed from the abdomen to the head—from the bottom up—with plants we must take the opposite path, from the flower to the roots. The root of the plant is related to the head. The flower of the plant is related to the intestines, and so on. When we consider this, the significance of the potato becomes clear to us, so to speak. For the potato has tubers; these are something that has not quite become a root. So when you eat a lot of potatoes, you are essentially eating plants that have not quite become roots. If you limit yourself to eating potatoes and eat too many of them, you don’t get enough into your head. It stays down in the digestive tract. So it is the case that, by eating potatoes, people in Europe have neglected their heads, their brains. You only see this connection when you study spiritual science. Then you say to yourself: Ever since this potato-based diet has become more and more prevalent in Europe, people’s minds have become less capable.
[ 31 ] Und es werden durch die Kartoffel vorzugsweise Zunge und Schlund angeregt. Wenn wir bei der Kartoffelpflanze hinuntergehen, so gehen wir nicht ganz bis zu der Wurzel. Ebenso ist es beim Menschen: Wenn wir nicht ganz bis zum Kopf heraufgehen und bleiben bei Zunge und Schlund, so werden die besonders angeregt durch die Kartoffel, und daher ist die Kartoffel als Mitspeise, als Zuspeise für die Leute sehr schmackhaft, weil sie dasjenige anregt, was unter dem Kopf ist und den Kopf unbelästigt läßt.
[ 31 ] And the potato primarily stimulates the tongue and throat. When we go down through the potato plant, we do not go all the way to the root. It is the same with humans: if we do not go all the way up to the head but stop at the tongue and throat, these are particularly stimulated by the potato; and therefore the potato is very palatable as a side dish for people, because it stimulates what lies below the head and leaves the head undisturbed.
[ 32 ] Wenn man Rote Rüben ißt, dann, meine Herren, bekommt man eine furchtbare Sehnsucht, viel zu denken. Das macht der Mensch ganz unbewußt. Wenn man Kartoffeln ißt, so bekommt man eigentlich die Sehnsucht, recht bald wieder zu essen. Die Kartoffel macht so schnell hungrig, weil sie nicht ganz bis zum Kopf geht. Die Rote Rübe macht sehr schnell satt, weil sie tatsächlich, was das Wichtige ist, bis zum Kopf geht und der Kopf das Wichtigste ist, weil sie ihn ganz durchsetzt mit Tätigkeit, wenn sie richtig in den Kopf hineingeht. Das ist ja den Menschen natürlich furchtbar unangenehm, daß sie denken sollen, und daher lieben sie manchmal eben mehr die Kartoffel als die Rote Rübe, weil die Kartoffel nicht zum Denken anregt. Da wird man faul. Sie regt nicht zum Denken an, man wird faul im Denken. Dagegen die Rote Rübe regt sehr stark das Denken an, weil sie eine richtige Wurzel ist, Sie regt sehr stark an zum Denken, aber sie regt so an, daß man eigentlich denken will, und wenn man nicht denken will, dann liebt man Rote Rüben nicht. Wenn man eine Anregung zum Denken braucht, so muß man insbesondere die salzige Anregung zum Beispiel von Rettichen brauchen. Wenn jemand nicht sehr regsam im Kopfe ist, so tut ihm das gut, weil ein bißchen die Gedanken in Bewegung gebracht werden, wenn er Rettich zu den Speisen hinzunimmt.
[ 32 ] When you eat beets, gentlemen, you get a terrible urge to think a lot. You do this completely unconsciously. When you eat potatoes, you actually get the urge to eat again very soon. Potatoes make you hungry so quickly because they don’t quite reach all the way to the head. Beets fill you up very quickly because—and this is the important part—they actually reach all the way to the head, and the head is the most important thing, since they completely fill it with activity when they truly penetrate the mind. Of course, it’s terribly unpleasant for people to have to think, and that’s why they sometimes prefer potatoes to beets—because potatoes don’t stimulate thinking. It makes you lazy. It doesn’t stimulate thinking; you become lazy in your thinking. Beets, on the other hand, strongly stimulate thinking because they are a true root vegetable; they strongly stimulate thinking, but they do so in a way that actually makes you want to think, and if you don’t want to think, then you don’t like beets. If you need stimulation for thinking, you especially need the salty stimulation provided, for example, by radishes. If someone isn’t very active mentally, this does them good, because it gets their thoughts moving a little when they add radishes to their meals.
[ 33 ] So sehen Sie, daß diese merkwürdige Sache auftritt: Man kann sagen, Rettiche regen das Denken an. — Und man braucht gar nicht selber sehr tätig zu sein im Denken; da kommen die Gedanken, wenn man Rertich ißt, so starke Gedanken, daß sie sogar noch ganz mächtige Träume machen. Wer viel Kartoffeln ißt, dem kommen nicht starke Gedanken, dagegen kommen ihm Träume, die ihm schwer machen. Und derjenige, der also fortwährend Kartoffeln essen muß, der wird eigentlich fortwährend müde sein und fortwährend schlafen und träumen wollen. Daher hat es eine große kulturhistorische Bedeutung, große geschichtliche Bedeutung, was für Nahrungsmittel eigentlich an die Menschen herankommen.
[ 33 ] So you see that this strange thing happens: One could say that radishes stimulate thinking. — And you don’t even have to be very active in your thinking yourself; when you eat radishes, thoughts just come—thoughts so strong that they even lead to very powerful dreams. Those who eat a lot of potatoes do not have strong thoughts; instead, they have dreams that weigh them down. And those who are forced to eat potatoes constantly will actually be constantly tired and will constantly want to sleep and dream. Therefore, the types of food that people actually consume have great cultural-historical significance—great historical significance.
[ 34 ] Da könnten Sie sagen, meine Herren: Ja, aber die Sache ist doch so, daß wir ja eigentlich ganz und gar von dem Stoffe leben! — Und doch ist das nicht wahr. Ich habe Ihnen schon oft gesagt: Wir Menschen haben ungefähr alle sieben Jahre einen neuen Körper. Der erneuert sich fortwährend. Dasjenige, was wir vor acht oder zehn Jahren an Stoff in unserem Körper hatten, das haben wir jetzt nicht mehr drinnen. Es ist heraus. Das haben wir uns mit denNägeln weggeschnitten,mit den Haaren abgeschnitten, es ist durch den Schweiß herausgegangen. Das geht heraus. Manches geht recht schnell, manches langsam, aber es geht heraus.
[ 34 ] You might say, gentlemen: “Yes, but the fact is that we actually live entirely off that substance!” — And yet that is not true. I have told you many times: We humans have a new body about every seven years. It is constantly renewing itself. The matter that was in our bodies eight or ten years ago is no longer inside us. It’s gone. We’ve cut it away with our nails, trimmed it off with our hair, and it’s been excreted through sweat. It leaves the body. Some of it leaves quite quickly, some slowly, but it leaves.
[ 35 ] Nun, wie stellt man sich die Geschichte mit dem Menschen eigentlich vor? Sehen Sie, man stellt es sich ungefähr so vor — ich will jetzt schematisch zeichnen ($. 212, rot) —: Da wäre der Mensch (hell). Nun sondert der Mensch fortwährend Stoff ab und nimmt immerfort neuen Stoff auf (Pfeile blau). So daß man sich also denkt: Durch den Mund kommt der Stoff herein, durch den After und Urin geht der Stoff wieder hinaus, und der Mensch ist so ein Schlauch. Er nimmt den Stoff auf durch Essen, behält ihn eine Zeitlang, und wirft ihn wieder heraus. — So denkt man ungefähr, sei der Mensch aufgebaut.
[ 35 ] Well, how does one actually picture this whole business with human beings? You see, one pictures it roughly like this—I’ll draw a schematic diagram ($. 212, red)—: There is the human being (light). Now, the human being constantly excretes matter and continually takes in new matter (blue arrows). So one imagines it like this: Matter enters through the mouth, and exits again through the anus and urine, and the human being is like a tube. He takes in matter by eating, retains it for a while, and expels it again. — That’s roughly how one thinks the human being is constructed.
[ 36 ] Aber in den wirklichen Menschen geht nämlich gar nichts von dem Erdenstoff herein, gar nichts. Das ist bloß eine Täuschung. Die Sache ist nämlich so. Wenn wir, sagen wir, zum Beispiel Kartoffeln essen, dann handelt es sich gar nicht darum, etwas von der Kartoffel aufzunehmen, sondern die Kartoffel ist bloß etwas, was uns anregt, anregt in Kiefer, Schlund und so weiter. Da wirkt überall die Kartoffel. Und nun entsteht in uns die Kraft, diese Kartoffel wieder herauszutreiben, und während wir sie heraustreiben, kommt uns aus dem Äther, nicht aus dem festen Stoff, dasjenige entgegen (Pfeile hell), was unseren Körper im Laufe von sieben Jahren aufbaut. Wir bauen uns eigentlich gar nicht aus dem Stoff der Erde auf. Was wir essen, essen wir bloß, damit wir eine Anregung haben. In Wirklichkeit bauen wir uns aus dem auf, was oben ist. So daß das Ganze, was sich die Menschen vorstellen, daß da die Nahrung hereinkomme und daß dort die Nahrung wieder herausgehe und in der Zwischenzeit etwas drinnen bleibe, gar nicht stimmt; das bildet nur eine Anregung. Da kommt eine Gegenkraft aus dem Äther heran, und wir bauen uns unseren ganzen Körper aus dem Äther heraus auf. Alles, was wir an uns haben, ist nicht aus dem Stoff der Erde heraus aufgebaut. Sie sehen, wenn wir hinstoßen und es stößt wieder her, so dürfen Sie den zweiten Stoß nicht verwechseln mit dem Hinstoßen. Sie dürfen nicht die Tatsache, daß wir Nahrung brauchen, damit wir nicht faul werden im Wiederherstellen unseres Körpers, verwechseln damit, daß wir diese Nahrung in uns hineinnehmen.
[ 36 ] But in real human beings, nothing at all of this earthly matter enters them—absolutely nothing. That is merely an illusion. The fact is this: When we eat, say, potatoes, for example, it is not at all a matter of absorbing anything from the potato; rather, the potato is merely something that stimulates us—stimulates our jaws, throat, and so on. The potato exerts its effect everywhere. And now the force arises within us to expel this potato again, and while we are expelling it, that which builds up our body over the course of seven years comes to meet us from the ether—not from solid matter (light arrows). We do not actually build ourselves up from the substance of the earth. We eat what we eat merely to receive stimulation. In reality, we build ourselves up from what is above. So the whole idea that people have—that food goes in here and comes out there, with something remaining inside in the meantime—is completely wrong; that merely provides a stimulus. A counterforce comes from the ether, and we build our entire body out of the ether. Nothing we possess is built from the substance of the earth. You see, when we push something out and it pushes back, you must not confuse the second push with the initial one. You must not confuse the fact that we need food so that we do not become sluggish in restoring our bodies with the act of taking that food into ourselves.
[ 37 ] Nun ist es so, daß allerdings Unregelmäßigkeiten eintreten können. Wenn wir nämlich zuviel Nahrung aufnehmen, dann bleibt allerdings die Nahrung zu lange in uns drinnen. Dann sammeln wir unberechtigten Stoff in uns auf, werden korpulent, dick und so weiter. Wenn wir zuwenig aufnehmen, haben wir zuwenig Anregung und nehmen zuwenig das, was wir brauchen, aus der geistigen Welt heraus, aus der ätherischen Welt.
[ 37 ] The fact is, however, that irregularities can occur. For when we consume too much food, it remains inside us for too long. Then we accumulate unnecessary matter within ourselves, become corpulent, fat, and so on. If we consume too little, we lack stimulation and fail to draw enough of what we need from the spiritual world, from the etheric world.
[ 38 ] Aber das ist etwas so Wichtiges, meine Herren, daß wir uns gar nicht aufbauen aus der Erde und ihren Stoffen, sondern daß wir uns aufbauen aus dem, was außer der Erde ist! Wenn das so ist, daß in sieben Jahren der ganze Körper erneuert wird, wird ja auch das Herz erneuert (rot). Das Herz, das Sie also in sich getragen haben vor acht Jahren, das haben Sie jetzt nicht mehr in sich, sondern das ist erneuert worden, erneuert worden nicht aus dem Stoff der Erde, sondern erneuert worden aus dem, was im Lichte die Erde umgibt. Zusammengedrücktes Licht ist Ihr Herz! Sie haben Ihr Herz tatsächlich aus dem Sonnenlicht zusammengedrückt. Und das, was Sie an Nahrung aufgenommen haben, das hat nur angeregt, daß Sie das Sonnenlicht so weit zusammendrücken. Alle Ihre Organe bauen Sie auf aus dem, was die durchlichtete Umgebung ist, und daß wir essen, daß wir Nahrung aufnehmen, das bedeutet nur die Anregung.
[ 38 ] But this is something so important, gentlemen, that we are not built up from the earth and its substances at all, but rather from that which is outside the earth! If it is true that the entire body is renewed in seven years, then the heart is also renewed (red). The heart that you carried within you eight years ago is no longer within you; rather, it has been renewed—not from the matter of the earth, but from that which surrounds the earth in the light. Your heart is condensed light! You have, in fact, condensed sunlight into your heart. And the food you have consumed has merely stimulated you to condense the sunlight to that extent. You build up all your organs from the light-permeated environment, and the fact that we eat—that we consume food—merely serves as a stimulus.
[ 39 ] Sehen Sie, das einzige, was uns die Nahrung gibt, das ist, daß wir so etwas in uns haben wie eine Art inneren Sessel. Wir spüren uns, kommen dadurch im gewöhnlichen Leben zum Ich-Gefühl, daß wir physische Materie in uns haben, physischen Stoff. Wir spüren uns geradeso, wie wenn Sie sich auf den Sessel setzen. Da spüren Sie ja auch den Sessel, der auf Sie drückt. Und so spüren Sie Ihren Körper, der auf das, was Sie aus dem Weltenall gemacht haben, fortwährend drückt. Wenn Sie schlafen, spüren Sie ihn nicht, weil Sie da aus sich heraußen sind. Sie spüren Ihren Körper; das ist eine Art Ruhebett, das Ihnen gemacht ist, bei dem einen härter, wenn er knochig ist, bei dem anderen weicher. Das ist eine Art von Ruhebett, in das sich der Mensch legt, und man spürt ja auch den Unterschied zwischen einem weichen Federbett und einer Holzbank! Und so spürt der Mensch den Unterschied von dem, was in ihm hart und weich ist. Aber das ist nicht der eigentliche Mensch, sondern der eigentliche Mensch ist das, was da in ihm drinnen sitzt,
[ 39 ] You see, the only thing food gives us is that we have within us something like a kind of inner chair. We sense ourselves; through this, we develop a sense of self in everyday life—the realization that we have physical matter within us, physical substance. We sense ourselves just as you do when you sit down in a chair. There, too, you feel the chair pressing against you. And in the same way, you feel your body constantly pressing against what you have fashioned from the universe. When you sleep, you don’t feel it because you are outside of yourself at that moment. You feel your body; it is a kind of resting bed made for you—harder for some if they are bony, softer for others. It is a kind of resting place into which a person lies down, and one certainly feels the difference between a soft feather bed and a wooden bench! And so a person feels the difference between what is hard and what is soft within them. But that is not the true self; rather, the true self is what sits inside them,
[ 40 ] Nun werde ich Ihnen das nächste Mal klarmachen, wie das mit der höheren Erkenntnis zusammenhängt. Die Menschen nämlich, die heute erkennen wollen, beschäftigen sich gar nicht mit der menschlichen Tätigkeit, sondern sie beschäftigen sich nur mit demjenigen, was der Sessel ihnen darbietet.
[ 40 ] Next time, I will explain to you how this relates to higher knowledge. For people today who seek knowledge do not concern themselves at all with human activity, but focus solely on what their armchair has to offer them.
