Rhythms in the Cosmos and in the Human Being
GA 350
20 July 1923, Dornach
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Rhythms in the Cosmos and in the Human Being, tr. SOL
12. Menschliche und kosmische Atmung — Das Lichtatmen der Erde — Die Befruchtung bei der Pflanze und beim Menschen; die Befruchtung des Wassers durch den Blitz
12. Human and Cosmic Breathing — The Earth’s Light Breathing — Fertilization in Plants and Humans; the Fertilization of Water by Lightning
[ 1 ] Wenn man die Gedanken noch etwas fortsetzt, die wir das letzte Mal ausgeführt haben, dann kommt man zu folgendem. Es war in der Zeit, als ich jung war, sehr jung noch, da machte es ein großes Aufsehen, als ein herumziehender Hypnotiseur seine Vorstellungen mit Menschen gab. Nun braucht man ja solchen Leuten nicht ein besonderes Lob zu spenden, die außerordentlich ernste Sachen in einer theatralischen Weise in das Publikum bringen, und ich will durchaus nicht etwa einen besonderen Hymnus anstimmen auf Hansen, der in den siebziger, achtziger Jahren, namentlich in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, in theatralischer Weise Vorstellungen gegeben hat über ein Gebiet, das dazumal die Wissenschaft überhaupt noch gar nicht behandelt hatte, über das dazumal die Wissenschaft nichts wußte. Aber immerhin, seither hat sich die Wissenschaft gerade unter dem Einflusse dieser theatralischen Vorstellungen von Hansen dieses Gegenstandes bemächtigt.
[ 1 ] If we take the thoughts we explored last time a step further, we arrive at the following. It was back when I was young—very young, in fact—that a traveling hypnotist caused quite a stir when he performed his shows with people. Now, one need not lavish special praise on such people who present extraordinarily serious matters to the audience in a theatrical manner, and I certainly do not intend to sing a special hymn in praise of Hansen, who, in the 1870s and 1880s—particularly in the 1880s of the last century—gave theatrical performances on a subject that science had not yet addressed at all at that time, about which science knew nothing back then. But at any rate, since then, science has taken up this subject precisely under the influence of Hansen’s theatrical presentations.
[ 2 ] Nun möchte ich Ihnen namentlich ein Experiment zunächst erzählen, das Hansen, nachdem man es lange vergessen hatte, wiederum vor dem staunenden Publikum vorgeführt hat. Er hat zwei Stühle genommen, diese in einer bestimmten Entfernung aufgestellt (es wird gezeichnet), hat dann einen Menschen einfach durch den Einfluß seiner eigenen Persönlichkeit, wie man sagt, hypnotisiert, ihn also dazu gebracht, daß er zunächst in einem schlafähnlichen Zustand war — aber in einem schlafähnlichen Zustand, der viel tiefer ist als der gewöhnliche Schlaf —; dann konnte er diesen Menschen nehmen und konnte ihn so herlegen, daß der Kopf auf dem einen Stuhl war und die Füße auf dem anderen Stuhl. Nun wissen Sie ja, wenn das dem Menschen bei vollem Bewußtsein passiert, so fällt er eben zwischen den zwei Stühlen herunter. Dieser Mensch ist zunächst nicht zwischen den zwei Stühlen heruntergefallen, sondern blieb steif wie ein Besenstiel liegen, wo er war. Aber dem nicht genug. Der Hansen, der ein ziemlich korpulenter, schwerer Mensch war, ging nun hin und stellte sich dann ganz kühn senkrecht auf den Bauch des Menschen darauf. Da stand nun also der schwere Herr Hansen darauf. Der Mensch rührte sich nicht, sondern blieb liegen wie ein Brett, trotzdem auf ihm der Hansen daraufstand.
[ 2 ] Now I would like to tell you, in particular, about an experiment that Hansen—after it had long been forgotten—performed once again before an astonished audience. He took two chairs, placed them at a certain distance apart (this is illustrated), and then—simply through the influence of his own personality, as they say—hypnotized a person, bringing him into a sleep-like state—but a sleep-like state that is much deeper than ordinary sleep—; then he was able to take this person and position him so that his head was on one chair and his feet on the other. Now, as you know, if this were to happen to a person who was fully conscious, he would simply fall down between the two chairs. This person did not fall down between the two chairs at first, but remained lying there, stiff as a broomstick, exactly where he was. But that was not all. Hansen, who was a rather corpulent, heavy man, then went over and boldly stood upright on the man’s stomach. So there stood the heavy Mr. Hansen. The man didn’t move, but remained lying there like a plank, even though Hansen was standing on top of him.
[ 3 ] Das ist also etwas, was durchaus gemacht werden kann, was seitdem oft gemacht wurde und an dem die Wissenschaft nicht mehr zweifelt, während sie früher davon nichts gewußt hat und von dem eigentlich nicht sehr sympathischen Hansen darüber belehrt werden mußte. Sehen Sie, ein Mensch, der in diesem Zustand ist, von dem sagt man, er sei in Katalepsie.
[ 3 ] So this is something that can certainly be done, something that has been done often since then, and something that science no longer doubts—even though it used to know nothing about it and had to be taught about it by Hansen, who was not exactly a likable person. You see, a person who is in this state is said to be in catalepsy.
[ 4 ] Wenn etwas so auftritt, daß einer daliegen kann wie ein hölzernes Brett und einer sich sogar daraufstellen kann und es so vorübergehend geschieht, daß es durch den Einfluß einer anderen Persönlichkeit vollführt wird, nun, dann ist es eben ein Experiment, dann ist es nicht so besonders schlimm. Aber wir können sagen, im kleinen findet sich dieser Zustand durchaus im Leben vor. Er findet sich manchmal vor. Natürlich tritt er dann eigentlich nur demjenigen Menschen entgegen, der ärztliche Beobachtungen machen kann. Und er tritt einem dann entgegen, wenn Menschen in eine ganz bestimmte Krankheit verfallen, die man eine Geisteskrankheit nennt.
[ 4 ] If something happens in such a way that a person can lie there like a wooden plank and someone else can even stand on top of them, and if this occurs temporarily as a result of the influence of another personality, well, then it’s simply an experiment; it’s not all that bad. But we can say that, on a small scale, this state does indeed occur in life. It occurs sometimes. Of course, it then actually only presents itself to those who are able to make medical observations. And it presents itself when people fall prey to a very specific illness known as mental illness.
[ 5 ] So zum Beispiel gibt es Menschen, die kommen dazu, daß sie, während sie vorher sehr entschlossene Menschen waren, brauchbar in ihrem Beruf, plötzlich so denken, als wenn ihnen alle Gedanken eingefroren wären. Es kann vorkommen, daß ein Mensch regelmäßig jeden Morgen, sagen wir, um acht Uhr an seine Arbeit gegangen ist. Er ist zur rechten Zeit aufgestanden und so weiter. Plötzlich gefällt es ihm da sehr schön im Bett. Er will immer aufstehen, aber er kann den Willen nicht finden, aufzustehen. Und wenn nun dennoch die Furcht wirkt — er hat die Uhr neben sich liegen, es ist eine bestimmte Zeit — und er ist nun endlich aufgestanden, so kann er den Willen nicht finden, zu frühstükken, dann wieder nicht, fortzugehen. Er kommt schließlich dazu, sich immer selber zu sagen: Das kann ich nicht, das kann ich nicht —, benimmt sich schließlich wie ein Stock, kann sich zu nichts entschließen. Und das kommt dann so weit, daß er in eine Art Zustand verfällt, den man ihm auch körperlich ansieht: er ist starr. Während er früher schnell seine Arme bewegt hat, bewegt er sie jetzt langsam, während er früher wie ein Springingerl gelaufen ist, wird es ihm jetzt schwer, einen Schritt nach dem anderen zu machen. Der ganze Mensch wird starr und schwer. Das ist etwas, was als Krankheit manchmal schon in früher Jugend beim Menschen auftritt.
[ 5 ] For example, there are people who—even though they used to be very determined and capable in their jobs—suddenly find themselves thinking as if all their thoughts had frozen. It can happen that a person used to go to work regularly every morning, say, at eight o’clock. He got up on time and so on. Suddenly, he finds it very comfortable to stay in bed. He always wants to get up, but he can’t muster the will to do so. And even when fear sets in—he has the clock next to him, it’s a certain time—and he has finally gotten up, he still can’t bring himself to eat breakfast, and then again, he can’t bring himself to leave. He eventually finds himself constantly saying to himself: “I can’t do this, I can’t do that”—and ultimately behaves like a stick, unable to make up his mind about anything. And this goes so far that he falls into a kind of state that is also visible in his physical appearance: he is stiff. Whereas he used to move his arms quickly, he now moves them slowly; whereas he used to run like a little spring, he now finds it difficult to take one step after another. His whole being becomes rigid and heavy. This is something that sometimes manifests as an illness in people as early as their youth.
[ 6 ] Das ist derselbe Zustand, nur nicht so stark und nur, daß er nicht auf einmal auftritt, sondern ganz langsam. Man kann natürlich nicht in derselben Weise, wenn ein Mensch anfängt, kataleptisch zu werden, ihn gleich auf zwei Stühle legen und sich darauf stellen oder auf den Betreffenden setzen, aber er wird so, daß er seinen Körper nicht mehr richtig handhaben kann.
[ 6 ] This is the same condition, only not as severe, and it does not occur all at once but very slowly. Of course, when a person begins to become cataleptic, one cannot simply lay him on two chairs and stand on them or sit on the person in question, but he becomes unable to control his body properly.
[ 7 ] Das ist der eine Zustand. Jetzt aber hat der Hansen den Leuten noch andere Experimente vorgeführt, die früher immer nachgemacht worden sind, auf die aber auch die Wissenschaft seit jener Zeit aufmerksam geworden ist. Bevor sie durch den Dilettanten und Schauspieler Hansen darauf aufmerksam gemacht worden war, hat sich die Wissenschaft nicht damit beschäftigt. Diese Zustände bestanden darin: Der Hansen ließ sich irgend jemand aus dem Publikum heraus kommen. Es ist von dummen Leuten gesagt worden, er hätte das vorher besprochen, aber das ist natürlich ein Unsinn. Er erkannte eben die richtigen Persönlichkeiten, die dazu brauchbar waren, aus dem Publikum. Es ist nicht mit jedem gleich gut zu machen; da hat er sich einen Blick dafür angeeignet, wer dafür geeignet ist. Nun ließ er sich einen Menschen vom Publikum heraus kommen und wiederum wirkte sein persönlicher Einfluß. Er stellte sich hin, indem er stark sich mit seinen eigenen Beinen, die sehr dick waren, fest auf den Boden stellte. Er hatte so einen Blick, von dem man meinte, wenn er vorne herein geht, geht er hinten wieder heraus, also einen durchbohrenden Blick, wie man sagt. Und immer hatte er das Auge so, sehen Sie (es wird gezeichnet): Wenn er einen Menschen anschaute, wurde das Auge so, daß das Weiße oben und unten sichtbar blieb, so auf war. Während sonst gewöhnlich das Lid bis über das Weiße geht, so daß das Weiße ober- und unterhalb der Pupille nicht zu sehen ist, war es bei ihm so, daß dadurch der Blick noch ganz besonders, wie man sagt, fixierend geworden war.
[ 7 ] That is one situation. But now Hansen has demonstrated other experiments to the public—experiments that had always been imitated in the past, but which have also come to the attention of the scientific community since that time. Before the amateur and actor Hansen brought them to the scientific community’s attention, the scientific community had not concerned itself with them. These feats consisted of the following: Hansen would have someone from the audience come up. Some foolish people have claimed that he had arranged this in advance, but that is, of course, nonsense. He simply recognized the right individuals from the audience who were suitable for the task. It doesn’t work equally well with everyone; he had developed an eye for who was suitable. So he would have someone come up from the audience, and once again his personal influence would take effect. He would stand there, planting his own legs—which were very thick—firmly on the ground. He had a certain look about him that made one think that when he walked in the front, he’d walk right back out the back—in other words, a piercing gaze, as they say. And he always kept his eyes like this, you see (it is drawn): When he looked at someone, his eyes would open in such a way that the whites remained visible above and below the pupil—they were open like that. Whereas normally the eyelid covers the whites so that the whites above and below the pupil are not visible, with him it was such that his gaze became, as they say, particularly piercing.
[ 8 ] Nun, das machte dann auf den Menschen, den er sich da als sein Opfer ausgewählt hatte, einen riesigen Eindruck; der fing schon an, wie man sagt, etwas unbewußt zu werden. Das Bewußtsein kam ihm abhanden, aber es stellte sich etwas ganz Merkwürdiges ein. Hansen sagte dann: Sie können sich jetzt nicht vom Boden wegbewegen. Ihre Füße sind an den Erdboden gebannt! — Der probierte — er konnte nicht weg, konnte keinen einzigen Schritt machen. Er konnte einfach nicht, blieb stehen. Dann sagte Hansen bei den geeigneten Opfern: Sie müssen jetzt niederknien! — Der kniete nieder. Sehen Sie, da oben erscheint ein Engel. — Der faltete die Hände, machte ein furchtbar verzücktes Gesicht und schaute zu dem Engel hinauf. Das alles machte der Hansen mit diesen Leuten, die er sich als Opfer ausersah. Er wählte sich natürlich etwas schwachbewußte Menschen, aber an denen konnte er die Sachen machen und machte sie dann vor dem ganzen Publikum. Seine Sachen waren nicht etwa Schwindeleien — viele Leute haben auch behauptet, er sei ein Schwindler —, aber es sind Dinge gewesen, die seither an den wissenschaftlichen Instituten durchaus nachgemacht worden sind und daher gelten.
[ 8 ] Well, that made a huge impression on the man he had chosen as his victim; the man was already beginning, as they say, to lose consciousness. He lost consciousness, but something very strange happened. Hansen then said, “You can’t move from the ground now. Your feet are bound to the earth!” — The man tried—he couldn’t move, couldn’t take a single step. He simply couldn’t; he remained standing. Then Hansen said to suitable victims, “You must kneel down now!” — The man knelt down. “Look, an angel is appearing up there.” — The man clasped his hands, made a look of utter rapture, and gazed up at the angel. Hansen did all of this with the people he selected as subjects. Of course, he chose people who were somewhat in a daze, but he was able to perform these acts on them and then demonstrated them in front of the entire audience. His acts were not mere tricks—though many people claimed he was a charlatan—but they were things that have since been thoroughly replicated at scientific institutes and are therefore considered valid.
[ 9 ] Daneben tat er zum Beispiel das Folgende. Er nahm einen Stuhl und setzte ihn dem hin, der so war, daß er keine eigenen Gedanken ‘mehr hatte, sondern nur die Gedanken, die ihm der Hansen eingab. Jetzt stellte sich der Hansen hin und sagte: Hier ist ein Apfel! — Nicht wahr, Äpfel sind sehr gut, Äpfel sind schmackhaft. Nun nahm er eine Kartoffel, gab sie dem, und der biß ab mit einem riesigen Wohlgefallen und aß die Kartoffel als einen Apfel. Also der Hansen konnte den Leuten nicht bloß einreden, daß sie einen Engel sehen, sondern auch einreden, daß eine Kartoffel ein Apfel ist und als ein Apfel gegessen wird. Dann nahm er zum Beispiel Wasser und sagte: Jetzt gebe ich dir einen besonders süßen Wein! — Oh, man sah, wie der die Süßigkeit genoß! — Solche Versuche machte der Hansen. Das war die andere Art von Versuchen.
[ 9 ] In addition, he did the following, for example. He took a chair and placed it next to the man who was in such a state that he no longer had any thoughts of his own, but only the thoughts that Hansen put into his head. Then Hansen stood there and said, “Here’s an apple!” — “Aren’t apples wonderful? Apples are delicious.” Then he took a potato, gave it to him, and the man bit into it with great delight and ate the potato as if it were an apple. So Hansen could not only convince people that they were seeing an angel, but also convince them that a potato was an apple and should be eaten as an apple. Then, for example, he took some water and said, “Now I’m giving you a particularly sweet wine!” — Oh, you could see how he was savoring the sweetness! — Hansen conducted experiments like these. That was the other kind of experiment.
[ 10 ] Was hat er denn getan bei dem Menschen, bei dem er sich daraufstellte? Da hat er den Willen tot gemacht. Der hatte gar keinen Willen mehr. Bei den Menschen, die er so behandelte, wie ich zuletzt gesagt habe, da hat er nur die Gedanken beeinflußt. Die mußten nur so denken, wie der Hansen dachte; wenn er sagte: Das ist ein Apfel — und so weiter, nach dem Geschmack von Hansen, und wenn er sagte: Das ist ein Engel — da folgten sie dem Gedanken von Hansen und sahen den Engel.
[ 10 ] What did he actually do to the person he was standing over? He destroyed that person’s will. That person no longer had any will of their own. With the people he treated as I just described, he merely influenced their thoughts. They had to think exactly as Hansen did; if he said, “That is an apple”—and so on, according to Hansen’s taste—and if he said, “That is an angel”—then they followed Hansen’s thought and saw the angel.
[ 11 ] Ja, sehen Sie, der Hansen konnte noch ganz andere Sachen machen. Er machte zum Beispiel das Folgende: Er ließ sich so einen herauskommen aus dem Publikum, den er für ein besonders geeignetes Opfer hielt, und er hypnotisierte ihn zuerst, das heißt, er machte ihn so, daß er kein eigenes Bewußtsein hatte, daß er alle Gedanken aufnahm, die der Hansen ihm eingab. Nun sagte er: Jetzt werden zehn Minuten vergehen. Ich werde dich nach zehn Minuten aufwecken. Dann wirst du zu dem Manne, der dort hinten in der Ecke sitzt, hingehen und ihm die Uhr aus der Tasche ziehen wie ein Dieb. — Nun weckte er den zuerst auf — der Hansen machte inzwischen mit allen möglichen anderen alles mögliche —, der wurde unruhig, stand auf, ging hin zu dem hinten in der Ecke Sitzenden und zog ihm die Uhr aus der Tasche.
[ 11 ] Yes, you see, Hansen could do all sorts of other things, too. For example, he did the following: He had someone he considered a particularly suitable victim come up from the audience, and he first hypnotized him—that is, he put him in a state where he had no consciousness of his own, so that he absorbed all the thoughts Hansen implanted in him. Then he said: “Ten minutes will now pass. I’ll wake you up in ten minutes.” Then you’ll go over to the man sitting back there in the corner and pull his watch out of his pocket like a thief.” — Then he woke the man up first—meanwhile, Hansen was doing all sorts of other things with everyone else—and the man became restless, stood up, walked over to the man sitting in the corner, and pulled his watch out of his pocket.
[ 12 ] Nun sehen Sie, man nimmt natürlich lateinische Namen. Die lateinische Sprache, das habe ich Ihnen ja schon gesagt, ist immer zu der Logik zu verwenden; und diejenigen Experimente, die ich Ihnen zuerst beschrieben habe, nennt man hypnotische Experimente, und diese, wo er schon aufgeweckt ist und nachher noch dieselbe Sache macht — post heißt nach —, die nennt man eben posthypnotische Experimente. Seither spricht man von Hypnose und Posthypnose und weiß, daß der Mensch in solche Zustände kommen kann.
[ 12 ] Now, you see, of course, Latin names are used. The Latin language, as I’ve already told you, is always to be used in accordance with logic; and the experiments I described to you first are called hypnotic experiments, while those in which the subject is already awake and then does the same thing afterward—post means “after”—are called posthypnotic experiments. Since then, people have been talking about hypnosis and posthypnosis and know that humans can enter such states.
[ 13 ] Diese Dinge weisen aber tief hinein in die menschliche Natur, denn es ist ja tatsächlich später dazu gekommen, daß man gerade diese posthypnotischen Sachen viel weiter ausgedehnt hat. Wenn man einen tief genug in Hypnose versetzt und ihm sagt: Nach drei Tagen mußt du das und das ausführen —, so tut er es auch, wenn er die geeignete Persönlichkeit dazu ist. Diese Experimente sind ja gemacht worden.
[ 13 ] These things, however, point deep into human nature, for it is indeed true that, later on, these very posthypnotic phenomena were expanded much further. If you put someone into a deep enough state of hypnosis and tell them, “In three days, you must do such-and-such,” they will do it—provided they have the right personality for it. These experiments have, in fact, been conducted.
[ 14 ] Nun, nicht wahr, im Leben kommen diese Dinge nicht in dieser Schärfe vor. Aber, wie ich Ihnen an dem Menschen gezeigt habe, der sich nicht mehr bewegen kann, sie kommen doch abgeschwächt vor. Der andere Zustand, der kommt auch im Leben vor. Sie werden schon kennengelernt haben nicht nur solche Menschen, die ganz gelähmt sind und nichts mehr mit sich anzufangen wissen, also in gewissem Sinne kataleptisch sind, sondern Sie werden auch schon solche kennengelernt haben, die plötzlich anfangen — während sie früher im Grunde genommen ganz besonnene Menschen gewesen sind —, ganz geschwätzige Menschen zu werden. Man kommt gar nicht mehr nach; es sprudeln die Gedanken, sie schwätzen, schwätzen, schwätzen wie ein Rad. Bei denen ist es geradeso wie bei den Menschen, die eine Kartoffel essen für einen Apfel, nur daß das eine Mal der Hansen derjenige ist, der einen Einfluß hat, während diejenigen, die in dieser Weise ihre raschen Gedanken haben, die so ihre Gedanken lossprudeln, abhängig sind von ihrem eigenen Bauch. Denn das ist das Interessante, daß der eigene Bauch — ich habe Ihnen ja vieles erzählt davon, wie im Bauch die Leber und so weiter denkt — viel schneller denkt als der Kopf. Und wenn nun der Mensch im Kopf so schwach wird, daß er diesen Gedanken, die aus dem Bauch kommen, nicht mehr den nötigen Widerstand entgegensetzt, sie nicht mehr langsam genug macht, dann sprudeln diese Gedanken heraus. Die sind also von ihrem eigenen Bauch hypnotisiert.
[ 14 ] Well, don’t you think that in real life these things don’t occur with such intensity? But, as I’ve shown you with the example of the person who can no longer move, they do occur in a milder form. The other condition also occurs in life. You will have already encountered not only people who are completely paralyzed and don’t know what to do with themselves—that is, who are, in a certain sense, cataleptic—but you will also have met people who suddenly begin—even though they used to be, at heart, quite level-headed individuals—to become very talkative. You simply can’t keep up; thoughts bubble up, and they chatter, chatter, chatter like a spinning wheel. With them, it’s just like with people who mistake a potato for an apple, except that in one case it’s Hansen who exerts the influence, while those who have such rapid thoughts—whose thoughts bubble forth in this way—are dependent on their own gut. For that is the interesting thing: that one’s own gut—I’ve told you a great deal about how the liver and so on think in the gut—thinks much faster than the head. And when a person becomes so weak-minded that they no longer offer the necessary resistance to these thoughts coming from the gut, no longer slow them down enough, then these thoughts bubble out. So they are hypnotized by their own gut.
[ 15 ] Das ist überhaupt das Merkwürdige im Leben: Der Mensch hat diese zwei entgegengesetzten Organe, den Kopf und den Bauch. Beide denken. Aber es ist schon einmal wahr: Der Kopf denkt langsam und der Bauch denkt schnell. Der Kopf denkt viel zu langsam und der Bauch viel zu schnell, aber Sie wissen ja: Wenn man ganz Dickes und ganz Dünnes zusammengießt, so kommt ein Mittelzustand heraus. So ist es auch beim Menschen: Die Zustände vom Kopf machen die Bauchzustände langsam und die Bauchzustände machen die Kopfzustände schnell, und auf diese Weise gleicht sich das aus.
[ 15 ] That’s the strange thing about life: People have these two opposing organs, the head and the gut. Both think. But one thing is certain: The head thinks slowly, and the gut thinks quickly. The head thinks far too slowly and the gut far too quickly, but as you know: when you mix something very thick with something very thin, you end up with a middle ground. It’s the same with people: the states of the head slow down the states of the gut, and the states of the gut speed up the states of the head, and in this way, they balance each other out.
[ 16 ] Sehen Sie, darauf beruhen aber überhaupt die Weltvorgänge, daß entgegengesetzte Zustände ineinander wirken. In dieser Beziehung wird das, was man heute Wissenschaft nennt, noch furchtbar viel lernen müssen. Ich will Ihnen da gleich etwas sagen. Nehmen Sie an, man hat einen halbwegs normalen Menschen. Wenn dieser Mensch ungefähr 72 Jahre alt wird — das können Sie sich ausrechnen, ich habe Sie ja schon einmal darauf aufmerksam gemacht —, dann hat er 25 920 Tage gelebt. Das sind 72 Jahre. So viele Tage lebt normalerweise der Mensch. Und wenn Sie die Atemzüge des Menschen messen, zählen, so finden Sie, daß er im Tage geradesoviele Atemzüge macht. Also der Mensch macht, wenn er normal lebt und sein Organismus nicht vorher zerstört ist — denn sonst kann er nicht 72 Jahre alt werden; wenn man nicht 72 Jahre lebt, ist man durch irgend etwas zerstört —, im Leben soviele Tage durch wie Atemzüge im Tag. So lebt der Mensch. Er lebt so, daß er jeden Tag, vom Sonnenaufgang bis wieder zum Sonnenaufgang, 25 920 Atemzüge macht, und daß er während des gewöhnlichen Lebens, das das Patriarchenalter erreicht, 25 920 Tage lebt.
[ 16 ] You see, the very basis of world events is that opposing states interact with one another. In this regard, what is called “science” today still has an awful lot to learn. I’d like to tell you something right away. Suppose you have a reasonably normal person. If this person lives to be about 72 years old—you can calculate this yourself; I’ve already pointed it out to you once—then he has lived 25,920 days. That’s 72 years. That’s how many days a person normally lives. And if you measure and count a person’s breaths, you’ll find that they take exactly that many breaths per day. So, if a person lives a normal life and their organism hasn’t been destroyed beforehand—because otherwise they couldn’t reach the age of 72; if one doesn’t live to be 72, it means they’ve been destroyed by something—they go through as many days in their lifetime as there are breaths in a day. That is how a person lives. They live in such a way that every day, from sunrise to sunrise, they take 25,920 breaths, and that during a normal life—one that reaches the age of a patriarch—they live 25,920 days.
[ 17 ] Ja, was bedeutet denn das: Wir leben in einem normalen Leben, das das Patriarchenalter erreicht, 25 920 Tage? Was bedeutet das? — Das bedeutet, daß wir bei der Erde 25 920 mal Tag und Nacht mitmachen. Wir machen das mit, wir können das 25 920 mal miterleben. Was tut denn die Erde beim Tag- und Nachtwerden? Ja, sehen Sie, meine Herren, gerade das ist das Wichtige, was schon Goethe geahnt hat und was man heute ganz mit Bestimmtheit sagen kann: Wenn es anfängt Tag zu werden, so zieht die Erde die Lichtkräfte, die Weltkräfte an der Stelle an sich heran, wo wir gerade sind. Auf der anderen Halbkugel ist es anders, da ist es umgekehrt, aber es ist derselbe Vorgang. Also die Erde und alles, was in der Erde ist, atmet Licht ein; wenn es Nacht ist, atmet sie wieder aus. Was wir in der kurzen Zeit zwischen der Einatmung und Ausatmung mit der Luft machen, das macht die Erde in einem Tag.
[ 17 ] Yes, what does that mean: We live a normal life that reaches the age of the patriarchs, 25,920 days? What does that mean? — It means that we experience 25,920 cycles of day and night on Earth. We experience this; we can witness it 25,920 times. What does the Earth do as day turns to night? Yes, you see, gentlemen, this is precisely the important point—what Goethe had already sensed and what we can say with absolute certainty today: When day begins to break, the Earth draws the forces of light, the forces of the world, toward itself at the very spot where we are. In the other hemisphere, it’s different—there, it’s the other way around—but it’s the same process. So the Earth and everything within it inhales light; when it is night, it exhales it again. What we do with the air in the brief time between inhaling and exhaling, the Earth does in a single day.
[ 18 ] Sie sehen also, die Erde ist furchtbar viel langsamer als wir, fürchterlich viel langsamer. Wir machen in einem Tag so viel Atemzüge, wie die Erde in unserem ganzen Leben. Das sehen Sie daraus. Wenn man nun genauer zusieht, dann kommt beim Menschen aber etwas Besonderes heraus. Atmen tut der Mensch so, daß das Blut den Atem braucht. Das Blut wird in den Gedärmen, das heißt im Bauch erzeugt; der Unterleib also will so schnell atmen. Wir können deshalb sagen: Die menschliche Atmung, die hängt zusammen mit dem Unterleib, mit dem Bauch.
[ 18 ] So you see, the Earth is incredibly much slower than we are—terribly much slower. We take as many breaths in a single day as the Earth does in our entire lifetime. You can see that from this. But if you look more closely, something special becomes apparent in human beings. Humans breathe in such a way that the blood requires breath. The blood is produced in the intestines—that is, in the abdomen; therefore, the lower abdomen needs to breathe quickly. We can therefore say: Human respiration is connected to the lower abdomen, to the belly.
[ 19 ] Sehen Sie, wenn man wirklich ganz so wissenschaftlich, wie es eigentlich unsere Wissenschaft jetzt nur über den Bauch macht, den Kopf betrachtet, dann ist es beim Kopf so, daß er eigentlich immer sich bemüht, die Atmung etwas zurückzuweisen. Die Atmung geht ja auch in den Kopf. Der Kopf will nämlich so atmen, daß er nur einen Atemzug im Tag bekommt, und er verlangsamt unser Atmen fortwährend. Der Kopf will nur so atmen, daß er einmal im Tag einatmet und ausatmet, während wir in ungefähr vier Sekunden ein- und ausatmen. Der Kopf will eigentlich den Atem verlangsamen, viel langsamer machen. So daß wir sagen können: Kosmische Atmung, die wird eigentlich durch den Kopf ausgeführt; nur saust immerfort die Atmung von dem Körper herauf zu dem Kopf, schnell, und wieder langsam bewegt sich die Atmung vom Kopf nach dem Körper hin. Haben Sie daher einen Menschen, der seinen Willen gehemmt kriegt, der also starr wird, was tritt bei dem ein? Die Atmung im Bauch ist nicht in Ordnung, und die ganz langsame Kopfatmung will sich ausbreiten über den ganzen Körper. Nun liegt der Kerl da und der Hansen steht darauf. Die Kopfatmung will den ganzen Körper beherrschen: er wird starr. Wenn aber einer schwatzt und schwatzt und schwatzt, dann will die Kopfatmung nicht mehr recht tun, und die schnelle Körperatmung kommt herauf, und er schwatzt. Da kriegt man, wie man sagt, nicht Hypnose, sondern Gedankenflucht.
[ 19 ] You see, if one were to examine the head in a truly scientific manner—as our science currently does, albeit only in a superficial way—one would find that the head is actually always striving to suppress breathing somewhat. After all, breathing does extend into the head as well. The head, in fact, wants to breathe in such a way that it takes only one breath a day, and it constantly slows down our breathing. The head wants to breathe only once a day—inhaling and exhaling—while we inhale and exhale in about four seconds. The head actually wants to slow down the breath, to make it much slower. So that we can say: Cosmic breathing is actually carried out by the head; but the breath just keeps rushing up from the body to the head, quickly, and then slowly it moves back down from the head to the body. So if you have a person whose will is being suppressed—who thus becomes rigid—what happens to them? The breathing in the abdomen is off, and the very slow head breathing wants to spread throughout the entire body. Now the guy is lying there and Hansen is standing over him. The head breathing wants to dominate the whole body: he becomes rigid. But when someone chatters and chatters and chatters, then the head breathing no longer works properly, and the rapid body breathing comes up, and he chatters. Then, as they say, you don’t get hypnosis, but a flight of thoughts.
[ 20 ] Jetzt können Sie sagen — wirklich, Sie können das sagen: Aber eigentlich ist die Welt doch dumm eingerichtet, denn wir sind ja dadurch, daß unsere Kopfatmung nicht stimmt zu der Körperatmung, fortwährend in Gefahr, entweder dadurch, daß die Körperatmung zu kurz kommt oder die Kopfatmung zu kurz kommt, Trottel zu werden. — Das ist also eine schlimme Geschichte. Durch diese Dinge sind wir fortwährend der Gefahr ausgesetzt, trottelig zu werden. Sie können sagen: Donnerwetter, wie ist doch die Welt dumm eingerichtet! — Aber ich will Ihnen etwas anderes sagen, meine Herren.
[ 20 ] Now you might say—and really, you can say this: But actually, the world is set up in a foolish way, because since our head breathing isn’t in sync with our body breathing, we’re constantly in danger of becoming fools—either because our body breathing is neglected or because our head breathing is neglected. — So that’s a bad situation. Because of these things, we’re constantly at risk of becoming fools. You might say: “Good grief, what a foolish way the world is set up!” — But I want to tell you something else, gentlemen.
[ 21 ] Betrachten Sie zum Beispiel die Frau, das Weib. Insofern das Weib Mensch ist, ist es natürlich so, daß in ihm die schnellere Körperatmung, die langsamere Kopfatmung vor sich geht. Die langsamere Atmung ist die kosmische Atmung. Aber die führt die Frau nur mit dem Kopf aus. Mit dem übrigen Körper führt sie die schnelle Körperatmung aus. Die gehen nur durcheinander. Nehmen Sie aber an, die Frau wird befruchtet. Was geschieht denn da? Sehen Sie, da wird für eine gewisse kleine Stelle des Körpers im Uterus, in der Gebärmutter, in der übrigen Atmung des Körpers durch die befruchtende Substanz, die vom Manne kommt, die Kopfatmung eingeführt. So daß jetzt die Frau, während sie schwanger ist, eine langsame Kopfatmung hat, aber auch eine langsame Atmung im Unterleib hat. Mitten in die Körperatmung mischt sich eine langsame Kopfatmung hinein, so daß jetzt der Mensch dadurch zweimal Kopfatmung hat. Und was bildet sich? Der Kopf zunächst. Was ist denn also da durch die Befruchtung in den Körper hineingekommen? Sehen Sie, da ist die kosmische Atmung, die wir sonst nur im Kopfe haben, hineingekommen. Der Mensch nimmt die ganze Welt auf in seinem Atmungsprozeß. Also die Befruchtung, die besteht eigentlich darinnen, daß der Mensch die ganze Welt aufnimmt in seinen Atmungsprozeß. Dasjenige, was bei der Befruchtung des Menschen geschieht, ist eigentlich dieses, daß wirklich, während sonst der Leib des Menschen immer nur die menschliche Leibesatmung hat, da für neun Monate eingepflanzt wird die kosmische Atmung, die sonst der Mensch nur im Kopfe hat.
[ 21 ] Consider, for example, the woman. Insofar as the woman is human, it is naturally the case that within her, the faster physical breathing and the slower mental breathing take place. The slower breathing is the cosmic breathing. But the woman performs this only with her mind. With the rest of her body, she performs the rapid physical breathing. These two types of breathing simply occur simultaneously. But suppose the woman becomes pregnant. What happens then? You see, for a certain small area of the body in the uterus, the head breathing is introduced into the body’s other breathing processes by the fertilizing substance that comes from the man. So now, while she is pregnant, the woman has slow head breathing, but also slow breathing in her lower abdomen. Slow head breathing intermingles with the body’s breathing, so that the person now has head breathing twice over. And what develops? The head, first of all. So what, then, has entered the body through fertilization? You see, the cosmic breathing—which we otherwise have only in the head—has entered. The human being takes in the whole world through their breathing process. So conception actually consists in the human being taking in the whole world through their breathing process. What actually happens during human conception is this: whereas the human body normally has only human physical breathing, for nine months the cosmic breathing—which the human being otherwise has only in the head—is implanted there.
[ 22 ] Da sehen Sie eine Beziehung des Menschen zu dem ganzen Weltenall. An der Stelle, wo der Mensch entsteht, im Mutterleibe, will die Mutter nur so atmen, daß ein Atemzug den ganzen Tag braucht. Dadurch verlangsamt die Mutter dort die Prozesse so, daß sie nicht nur leben kann, sondern einen neuen Menschen bilden kann. Denn durch das, was sonst mit dem Kopfe diese langsamen Prozesse ausführt, leben wir durch unseren Kopf eben unsere Lebenszeit hindurch 72 Jahre. Wenn wir sagen, der Mensch lebt normalerweise 72 Jahre und wenn wir sehen, daß es neun Monate sind, bis ein neuer Mensch entsteht, so ist es gar kein Wunder, daß ein neuer Mensch in neun Monaten entsteht, denn der Mensch lebt 72 Jahre, wir drücken gewissermaßen nur die 72 Jahre zusammen in der Atmung, und es entsteht der neue Mensch. Das ist aber etwas, was Sie so tief hineinsehen läßt in die ganze Natur, daß Sie dadurch auch die Grundlage bekommen können für das andere Denken.
[ 22 ] There you see a relationship between human beings and the entire universe. At the very place where a human being comes into being—in the womb—the mother breathes in such a way that a single breath takes the entire day. In this way, the mother slows down the processes there so that she can not only sustain life but also form a new human being. For through what otherwise carries out these slow processes with the head, we live out our entire lifespan of 72 years through our head. If we say that a human being normally lives 72 years, and if we see that it takes nine months for a new human being to come into being, then it is no wonder at all that a new human being is formed in nine months; for the human being lives 72 years—we are, so to speak, merely compressing those 72 years into the act of breathing, and the new human being is formed. But this is something that allows you to look so deeply into the whole of nature that, through it, you can also gain the foundation for a different way of thinking.
[ 23 ] Betrachten Sie jetzt die Erde und in der Erde drinnen die Pflanzen. Also sagen wir, wir haben jetzt die Wurzel der Pflanze, wir haben hier den Stamm der Pflanze mit den Blättern, und wir haben da oben die Blüte. Wenn Sie sich die Wurzel anschauen, so ist sie im Erdboden drinnen ganz umgeben von Salzen. Da sind überall Salze (Zeichnung S. 226). Diese Salze sind schwer. Die Wurzel steckt also ganz in der Tafel 20 Schwere drinnen. Aber mit der Schwere ist es ganz eigentümlich. Die Schwere wird nämlich überwunden. Wenn Sie abgeschnittene Köpfe der Menschen nehmen würden, so würden die doch ein ziemliches Gewicht haben. Der menschliche Kopf ist schwer. Oder wenn Sie schließlich einen Schweinskopf in die Hand nehmen, ist er schwer. Wenn Sie den Kopf an sich tragen, so spüren Sie das nicht, wie der Kopf da aufsitzt und schwer ist, weil die Schwere überwunden ist beim Kopf. So aber wird auch bei der Pflanze die Schwere überwunden. Denn würde die Pflanze die Schwere spüren in den Blättern, so würde sie ja nicht aufwärts wachsen, sondern immer mehr herunter. Nun wächst die Pflanze aber aufwärts, sie überwindet die Schwere. Dadurch aber, daß sie die Schwere überwindet, wird sie zugänglich dem Licht. Das Licht wirkt in sie hinein, und das Licht kommt von oben nach unten, entgegengeserzt der Schwere. Also die Pflanze kommt immer mehr und mehr hinauf zum Licht, wird immer mehr und mehr, während sie als Wurzel in die Salze der Erde eingepflanzt war, nun ausgesetzt der Sonne mit ihrem Lichte. Indem sie der Sonne mit ihrem Lichte ausgesetzt wird, da entsteht hier (siehe Zeichnung) in ihr die Befruchtung; der Fruchtknoten mit dem Keime bildet sich, so daß also durch die Lichtwirkung die neue Pflanze entsteht. Bei der Pflanze sieht man es ganz genau. Das, was ich beim Menschen kosmische Atmung genannt habe, was beim Menschen durch die Befruchtung eingepflanzt wird, das wird bei der Pflanze jedes Jahr herangetragen durch das Licht, so daß also die Pflanze von der Schwere zum Lichte und dadurch zur Befruchtung wächst.
[ 23 ] Now look at the earth and the plants growing inside it. So let’s say we have the plant’s root, we have the plant’s stem with the leaves here, and we have the flower up there. If you look at the root, it is completely surrounded by salts deep within the soil. There are salts everywhere (drawing on p. 226). These salts are heavy. So the root is completely immersed in the “Heaviness” depicted in Plate 20. But the nature of this heaviness is quite peculiar. For the heaviness is actually overcome. If you were to take severed human heads, they would, after all, have quite a bit of weight. The human head is heavy. Or if you were to pick up a pig’s head, it is heavy. When you carry the head on your own body, you don’t feel how the head sits there and is heavy, because the heaviness is overcome in the head. In the same way, gravity is overcome in the plant as well. For if the plant were to feel the weight in its leaves, it would not grow upward but would instead bend downward more and more. Yet the plant does grow upward; it overcomes gravity. And by overcoming gravity, it becomes open to the light. The light acts within it, and the light comes from above downward, in opposition to gravity. Thus, the plant rises higher and higher toward the light, growing more and more—whereas it was once rooted in the salts of the earth—now exposed to the sun and its light. As it is exposed to the sun and its light, fertilization takes place within it (see drawing); the ovary with the embryo forms, so that the new plant arises through the action of the light. In the plant, this can be seen very clearly. What I have called “cosmic breathing” in human beings—that which is implanted in humans through fertilization—is brought about in the plant every year by the light, so that the plant grows from heaviness toward the light and thereby toward fertilization.
[ 24 ] Wir werden also sagen: Dasjenige, was beim Menschen erst verfolgt werden muß durch die Gedanken, so daß man weiß, da dringt die kosmische Atmung ein, da entsteht ein Stückchen Kopf an einer bestimmten Stelle im Inneren des menschlichen Körpers —, das sehen wir da auch jedes Jahr, wenn wir die Pflanzen anschauen. Da kommt die äußere Welt von dem unendlichen Weltenraum her in Form des Lichtes und bringt das Kosmische hinein in die Pflanze, und die Erde wird in ihrer Pflanzenwelt vom Kosmos befruchtet. Das ist außerordentlich interessant. Wenn einer hinschaut auf eine Pflanzenblüte, so kann er sich sagen: Da befruchtet das Weltenall — es ist nämlich Kosmos gleich Weltenall — die Blüte. Das andere ist nur eine Beigabe, daß das Staubkorn herüberkommt und so weiter; das ist eben eine Beigabe, weil im Physischen alles physisch verlaufen muß. Aber in Wirklichkeit ist es das Licht, das aus dem Weltenall kommt und die Pflanzenblüte befruchtet, das den Keim zu der neuen Pflanze legt.
[ 24 ] So we will say: That which in human beings must first be pursued through thought—so that one knows that the cosmic breath is penetrating there, that a small part of the head is forming at a specific point within the human body—we see this happening every year as well when we observe plants. There, the outer world comes from the infinite expanse of the cosmos in the form of light and brings the cosmic into the plant, and the Earth is fertilized by the cosmos through its plant world. This is extraordinarily interesting. When one looks at a plant flower, one can say to oneself: There, the universe—for “cosmos” is synonymous with “universe”—is fertilizing the flower. The other aspect—the pollen grain drifting over and so on—is merely an addition; it is just an addition because, in the physical realm, everything must proceed physically. But in reality, it is the light that comes from the universe and fertilizes the plant flower, laying the seed for the new plant.
[ 25 ] Ja, meine Herren, sieht man aber nicht, was da eigentlich geschieht? Was da eigentlich geschieht, sieht man nicht, weil es klein ist. Man kann es aber schen! Betrachten wir jetzt das, was da an der Pflanze geschieht, in einer ganz anderen Weise. Nehmen wir an, hier ist die Erde (siehe Zeichnung $. 228). Sehen Sie sich nicht eine Pflanze an, sondern sehen Sie dahin nach der Erde, wie in der Ferne — von einem Berg aus vielleicht, da ist es am besten zu sehen — der Nebel aufsteigt, wie man sagt. Da steigt der Nebel auf. Der Nebel besteht aus Wasser. Wenn Sie die Pflanze anschauen würden, so wäre die Geschichte nicht ganz unähnlich, wäre etwas Ähnliches. Sie würden, wenn Sie so eine Pflanze ansehen würden — da müßten Sie sich nur lange hinsetzer, den ganzen Frühling, und immer beobachten —, sehen: Zuerst ist es tief, dann steigt es auf, da teilt es sich zu den Blättern. Aber die Nebel gehen ja auch auseinander, wenn sie aufsteigen. Also da, in der Pflanze, sind es nur die festen Salze, die da aufsteigen bis zur Blüte. Jetzt schauen Sie dahin, zur Erde: Da steigt eben nur das Wasser auf, nicht so feste Teile, wie wenn es eine Pflanze wird; aber das Wasser steigt auf. Wenn die Pflanze zu einer bestimmten Stelle kommt da oben, da wird sie befruchtet vom Weltenall. Wenn das Wasser, das hier in Form des Nebels aufsteigt, zu einer bestimmten Stelle kommt, da wird es auch aus dem Weltenall befruchtet. Und was geschieht dann? Ja, meine Herren, da blitzt es! Das geschieht ja nicht immer, aber dann, wenn die Befruchtung eintritt und die Dinge so ausdrücklich sind wie im Sommer — sonst geschieht ja auch der Blitz, aber er ist unsichtbar —, da wird vom Weltenall durch Licht und Wärme das Wasser hier befruchtet. Dasselbe, was in der Pflanze geschieht, geschieht da oben und ist im Blitz sichtbar. Und wenn der Nebel oben befruchtet ist, fällt er als fruchtbarer'Regen wieder herab. Also wenn Sie eine Nebelwolke aufsteigen sehen, so ist das eigentlich eine — aber ganz dünne — riesige Pflanze; die öffnet da oben im Weltenall ihre Blüte, wird befruchtet, zieht sich zusammen, und in dem Regenwasser fallen die befruchteten Wassertröpfchen wieder herunter.
[ 25 ] Yes, gentlemen, but can’t you see what’s actually happening there? You can’t see what’s actually happening there because it’s small. But you can sense it! Let’s now look at what’s happening to the plant in a completely different way. Let’s assume this is the earth (see drawing $228). Don’t look at a plant; instead, look out toward the earth, as if from a distance—perhaps from a mountain, where it’s easiest to see—and watch the fog rise, as they say. There, the fog rises. The mist consists of water. If you were to look at the plant, the process wouldn’t be entirely dissimilar; it would be somewhat similar. If you were to observe a plant like this—you’d just have to sit there for a long time, throughout the entire spring, and keep watching—you would see: First it’s deep down, then it rises, and there it divides toward the leaves. But the fog also disperses as it rises. So there, in the plant, it is only the solid salts that rise up to the flower. Now look down there, toward the earth: There, only the water rises—not solid parts, as when it becomes a plant—but the water rises. When the plant reaches a certain point up there, it is fertilized by the universe. When the water, which rises here in the form of mist, reaches a certain point, it, too, is fertilized by the universe. And what happens then? Yes, gentlemen, there’s a flash of lightning! This doesn’t always happen, but when fertilization occurs and the conditions are as pronounced as in summer—though lightning does occur at other times as well, it’s simply invisible—the water here is fertilized by the universe through light and heat. The same process that occurs in a plant takes place up there and is visible in the lightning. And when the mist is fertilized up above, it falls back down as “fertile” rain. So when you see a cloud of fog rising, it is actually a—albeit very thin—giant plant; it opens its flower up there in the cosmos, is fertilized, contracts, and the fertilized water droplets fall back down in the rainwater.
[ 26 ] Jetzt haben Sie eine Erklärung für den Blitz. Die Leute glauben, da oben seien so etwas wie riesige Leidener Flaschen oder riesige Elektrizitätsapparate; aber das ist ein Irrtum, In Wirklichkeit wird da draußen das Wasser der Erde befruchtet, daß es wiederum seine Vorgänge auf Erden ausführen kann. Und dasjenige, was in der Pflanze geschieht, das geschieht nur viel tiefer, weil die Pflanze fester ist; es geschehen immer hier oben bei der Blüte, wenn die richtige Jahreszeit da ist, diese kleinen Blitze, die man nur nicht sieht. Aber diese kleinen Blitze führen ja zur Befruchtung. Sie haben also in der Erscheinung von Nebel und Regen dieselbe Erscheinung, die auftritt in der Pflanze bei der Befruchtung. Und das geht dann herein bis zum Menschen, wo die kosmische, die Weltatmung, die sonst im Kopfe nur ist, in dem Unterleibe des Menschen auftritt.
[ 26 ] Now you have an explanation for lightning. People believe there are things up there like giant Leyden jars or giant electrical devices; but that is a mistake. In reality, the Earth’s water is being fertilized out there so that it can once again carry out its processes on Earth. And what happens in a plant happens only much deeper, because the plant is more solid; these small flashes—which you simply cannot see—always occur up here during flowering, when the right season arrives. But these tiny flashes do indeed lead to fertilization. Thus, in the phenomena of fog and rain, we see the same process that occurs in the plant during fertilization. And this then extends down to the human being, where the cosmic breath—which is otherwise found only in the head—manifests in the human abdomen.
[ 27 ] Nehmen Sie jetzt den kataleptischen Menschen. Was ist denn bei dem der Fall? Ja, meine Herren, wenn man den kataleptischen Körper untersuchen würde, dann würde man finden, daß der besonders salzreich geworden ist. Der ist nämlich ähnlich geworden einer Pflanzenwurzel, und zwar besonders im Kopf. Wenn unser Kopf so salzreich wird wie eine Pflanzenwurzel, dann werden wir trottelig durch die Kopfstarrheit, die sich dann nur auf das übrige ausdehnt. Wenn Sie also Leute sehen, die sich nicht entschließen können zu gehen, nicht einmal die Hände zu erheben, sich aus dem Bett am Morgen zu erheben: die haben zuviel Salz gekriegt im Kopfe, sind zu ähnlich geworden der Wurzel der Pflanze. Wenn Sie Menschen sehen, die immer schwätzen und schwätzen: die sind zu ähnlich geworden der Blüte der Pflanze. Wenn man nämlich redet, so redet man ja eigentlich nur einen Teil von dem, was man weiß. Aber diejenigen, die immer schwätzen und schwätzen, die möchten eigentlich immer alles dasjenige sagen, was sie haben. Die möchten eigentlich immer einen ganzen Menschen bilden, weil eigentlich ihr Bauch redet. Und dieser, wenn er die Welt anzieht, sie aufnimmt, der wird dann zum Kopfe. Aber es geht zu schnell dann, wie beim Bauch, wie bei der menschlichen Atmung.
[ 27 ] Now consider a person suffering from catalepsy. What is the case with such a person? Yes, gentlemen, if one were to examine the body of a person with catalepsy, one would find that it has become particularly rich in salt. It has, in fact, come to resemble a plant root, especially in the head. When our head becomes as rich in salt as a plant root, we become sluggish due to the rigidity of the head, which then spreads to the rest of the body. So when you see people who can’t bring themselves to walk, can’t even raise their hands, or can’t get out of bed in the morning—they’ve accumulated too much salt in their heads and have become too much like the root of a plant. If you see people who are always chattering and chattering: they’ve become too much like the flower of a plant. For when one speaks, one is actually only expressing a part of what one knows. But those who are always chattering and chattering actually want to say everything they have. They actually always want to form a whole person, because it’s really their belly that’s speaking. And this belly, when it draws in the world and absorbs it, then becomes the head. But then it happens too quickly—just like with the belly, just like with human breathing.
[ 28 ] So können wir sagen: Der Hansen hat die Menschen, die er auf zwei Stühle gelegt hat und auf die er sich dann daraufgestellt hat, im Kopf zu ähnlich gemacht einer Pflanzenwurzel. — Da sehen Sie die Verwandtschaft des menschlichen Kopfes mit der Pflanzenwurzel. Man kann sogar den ganzen Kopf ähnlich machen einer Pflanzenwurzel. Und die Menschen, denen er eingeredet hat, sie sollen eine Kartoffel wie einen Apfel essen, die hat er ähnlich gemacht einer Blüte. Da sehen Sie die Ähnlichkeit des Bauchmenschen, also des Unterleibsmenschen, mit der Blüte. Dasjenige, was der Hansen den Wissenschaftern vorgemacht hat, das macht man noch heute, aber zu der Erklärung, die nachgerade ins ganze Weltenall hineinführt, sind die Leute eben bis heute nicht gekommen.
[ 28 ] So we can say: Hansen made the people he placed on two chairs—and then stood on top of—resemble a plant root in his mind. — There you see the resemblance between the human head and a plant root. One can even make the entire head resemble a plant root. And the people whom he persuaded to eat a potato as if it were an apple—he made them resemble a flower. There you see the resemblance between the “belly person”—that is, the person governed by the lower abdomen—and the flower. What Hansen demonstrated to the scientists is still being done today, but people have still not arrived at the explanation that leads straight into the entire universe.
[ 29 ] So, nun können wir auch die Frage beantworten, ob denn die Natur wirklich so dumm eingerichtet ist, daß wir Trottel werden können, entweder durch falsche Kopf- oder Bauchatmung, einmal durch Kopfatmung kataleptisch, das andere Mal geschwätzig dadurch, daß wir Gedankenflucht haben und unseren Willen nicht gebrauchen können. Nun, demjenigen, der das für so außerordentlich töricht hält und sagt, wenn er die Welt zu machen gehabt hätte, dann hätte er sie etwas anders gemacht, dann brauchten wir nicht eben der Gefahr ausgesetzt zu sein, nach zwei Richtungen hin Trottel sein zu können, dem kann man antworten: Aber wenn das nicht der Fall wäre, wenn wir nicht auch im Bauch des Menschen die Kopfatmung erzeugen könnten, die dann entsteht, wenn wir starr werden, dann könnte ja überhaupt der Mensch nicht entstehen, dann würde die Befruchtung nicht eintreten können, dann gäbe es keine Menschen auf der Erde!
[ 29 ] So, now we can also answer the question of whether nature is really so foolishly designed that we can become fools—either through incorrect head or abdominal breathing—sometimes becoming cataleptic due to head breathing, and at other times becoming chatty because our thoughts wander and we are unable to exercise our will. Well, to those who consider this extraordinarily foolish and say that if they had been in charge of creating the world, they would have made it somewhat differently—so that we wouldn’t be exposed to the danger of becoming fools in two different ways—one can reply: But if that were not the case—if we could not also generate head breathing within the human abdomen, which arises when we become rigid—then human beings could not come into being at all; fertilization could not take place; there would be no human beings on Earth!
[ 30 ] Also Sie sehen, die Gefahr, daß wir Trottel werden, die hängt zusammen mit dem, daß wir überhaupt entstehen können. Hätte also irgendwie in der Natur die Absicht bestanden, keine Menschen entstehen zu lassen, ja, dann, nicht wahr, dann brauchten auch keine Trottel zu entstehen. Aber weil schon einmal Menschen entstehen mußten, muß auch die Gefahr vorhanden sein, daß Trottel entstehen können. So hängt eines mit dem anderen zusammen. Es ist gar kein Grund, daß man über die Natur loswettert, wenn man sieht, wie die Dinge zusammenhängen. Es könnte ja auch einer sagen: Donnerwetter, wie dumm, daß 2 mal 2=4 ist! — Ich möchte, daß es=6 wäre; dann hätte ich mehr. — Aber das geht nicht! Und so geht es auch nicht, daß der Mensch überhaupt auf der Erde ist, ohne daß die Gefahr vorhanden ist, daß der Mensch trottelig wird. Diese Dinge muß man nur richtig durchschauen. Dann aber kommt man auch dazu, überall die Dinge richtig zu sehen.
[ 30 ] So you see, the danger that we might become idiots is tied to the very fact that we can come into existence at all. If nature had somehow intended not to let humans come into existence, well, then—don’t you think—there would be no need for idiots to come into existence either. But since humans had to come into existence in the first place, the danger that fools might come into existence must also exist. So one thing is connected to the other. There’s absolutely no reason to rail against nature once you see how things are connected. Someone might even say: “Good grief, how stupid that 2 times 2 equals 4! — I wish it were 6; then I’d have more.” — But that’s not possible! And likewise, it’s not possible for humans to exist on Earth at all without the risk that they might become fools. You just have to see these things clearly. Then you’ll be able to see things correctly in every situation.
[ 31 ] Da wird man sagen, wenn einer den Blitz anschaut: Ist der Blitz nur da oben? — O nein, der ist den ganzen Sommer hindurch, indem die Pflanzen befruchtet werden, über die Wiesen, über die Wälder hin, überall da ist der niedere Blitz. Und zum Schluß ist es ein Blitz, der in uns immer vorgeht. Innerlich sind wir ganz durchsetzt von denselben Erscheinungen, die wir manchmal sehen, wenn es blitzt, und unsere Gedanken sind ein Aufblitzen in uns. Nur natürlich dasjenige, was einmal als ein mächtiger Blitz erscheint, das verläuft ganz schwach in unserem Denken. Jetzt werden Sie sich aber auch sagen können: Es hat doch einen Sinn, zu sagen, wenn ich den Blitz anschaue, daß mir da die Weltengedanken erscheinen, weil das dasselbe ist, wie das, was in mir ist. — Man muß nur die Dinge nicht abergläubisch, sondern eben wissenschaftlich betrachten.
[ 31 ] People will say, when looking at a flash of lightning: Is the lightning only up there? — Oh no, it is present throughout the entire summer, as the plants are fertilized, across the meadows, across the forests—everywhere there is this lower lightning. And ultimately, it is a lightning that is always at work within us. Inwardly, we are completely permeated by the same phenomena that we sometimes see when lightning flashes, and our thoughts are a flash within us. Of course, what once appears as a powerful flash of lightning passes very faintly through our thinking. But now you will also be able to say to yourself: It does make sense to say that when I look at the lightning, the thoughts of the world appear to me, because that is the same as what is within me. — One must simply view these things not superstitiously, but scientifically.
[ 32 ] Sehen Sie, es ist immerhin interessant, daß am Ende des 19. Jahrhunderts die Wissenschaft so weit war, daß sie überhaupt solche wichtigen Sachen gar nicht beachtet hat, daß ein Scharlatan, ein Beutelschneider wie der Hansen kommen mußte und den Leuten diese Sachen zeigen mußte. Dann hat die Wissenschaft erst angefangen, auf diese Sachen aufmerksam zu sein. Daraus können Sie aber sehen, daß es mit dieser Wissenschaft im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts gar nicht so weit her war, wie die Leute immer sagen. Gewiß, auf den äußerlichen Gebieten haben die Leute damals große Entdeckungen gemacht, haben Röntgenstrahlen und so weiter gefunden, aber auf dem innerlich menschlichen Gebiete hat man überhaupt gar nicht verlangt, etwas Ordentliches zu wissen, und verlangt es bis heute nicht. Daher ist unsere Wissenschaft gar nicht anwendbar auf das Menschliche und hilft dem Menschlichen gar nichts. Sie können heute noch so viel an Hochschulen errichten: wenn Sie dahin gehen — dasjenige, was im Menschen wirkt, wird Ihnen nicht erklärt. Aber zu gleicher Zeit wird Ihnen auch nicht erklärt, wie eigentlich der Vorgang ist bei der Pflanzenbefruchtung. Und beim hinaufsteigenden Nebel und herunterkommenden Regen wird die Sache so erklärt, als ob das eigentlich nicht viel anders wäre, als wenn auf dem Herde gekocht würde: daß aufsteigen die Dünste, dann wieder herunterfallen. Das ist eben nicht so, sondern indem die Dünste aufsteigen, kommen sie oben in ein Gebiet, wo sie befruchtet werden vom Weltenall, und ein Beweis, daß sie befruchtet werden, ist eben der Blitz. Und dann sieht man eben die Befruchtung, die sonst auch geschieht.
[ 32 ] You see, it is interesting, after all, that at the end of the 19th century, science had reached a point where it completely ignored such important matters—to the extent that a charlatan, a con artist like Hansen, had to come along and show people these things. Only then did science begin to pay attention to these matters. From this, however, you can see that science in the last third of the 19th century was not nearly as advanced as people always claim. Certainly, in the external realms, people made great discoveries back then—they discovered X-rays and so on—but in the realm of the inner human being, there was no demand whatsoever for proper knowledge, and there still isn’t today. That is why our science is not at all applicable to the human realm and does not help humanity in the least. You can build as many universities as you like today: if you go there, what actually works within the human being will not be explained to you. But at the same time, they won’t explain to you what actually happens during plant pollination either. And when it comes to rising mist and falling rain, the phenomenon is explained as if it were not much different from cooking on a stove: that the vapors rise and then fall back down. That is simply not the case; rather, as the vapors rise, they enter a region above where they are fertilized by the universe, and proof that they are fertilized is precisely the lightning. And then one sees the fertilization that otherwise also takes place.
[ 33 ] Aber die Sache ist eben so, daß das eine große Bedeutung hat. Nehmen Sie das Jahr. In einem Jahre ist Winter und Sommer, wie sonst Tag und Nacht in vierundzwanzig Stunden. Und in einem Menschenleben sind 25 920 Tage. Wenn Sie nun 25 920 Jahre nehmen, dann kriegen Sie die Zeit heraus, wo die Erde noch nicht war, und wo sie wieder nicht sein wird. Wir sind jetzt ungefähr etwas über die Mitte hinaus, also etwa über 13 000 Jahre besteht die Erde; dann wird sie wieder zugrundegehen, nach etwa 11 000 Jahren oder so etwas. Geradesp wie der Mensch 25 920 Tage lebt, lebt die Erde 25 920 Jahre, so wie sie jetzt ist. Sie verändert sich; sie ist einmal jung gewesen, wird alt. Und das ist eben außerordentlich wichtig, daß man weiß: Jedes Jahr müssen die Wasser ausgesetzt sein dem Weltenall, auf irgendeinem Punkt, auf irgendeiner Stelle der Erde müssen jedes Jahr die Wasser dem Weltenall ausgesetzt sein, sonst würde die Erde nicht leben können. Die Erde lebt mit dem Weltenall, wie wir leben mit der Luft. Würde jemand die Luft außer uns wegnehmen auf der Erde, wir könnten nicht im Tag unsere 25 920 Atemzüge machen. Würde jemand die Sonne wegnehmen, also das Licht, die Erde könnte nicht leben. So lebt die Erde durch das ganze Weltenall, wie wir leben durch die Luft um uns herum. — So daß man also richtig sagen kann: Wir gehen auf der Erde spazieren; die Erde geht im Weltenall spazieren. Wir atmen auf der Erde; die Erde atmet im Weltenall.
[ 33 ] But the fact is that this is of great significance. Take the year, for example. In a year, there is winter and summer, just as there is day and night in twenty-four hours. And a human lifetime consists of 25,920 days. If you take 25,920 years, you arrive at the time when the Earth did not yet exist, and when it will no longer exist. We are now a little past the midpoint, so the Earth has existed for about 13,000 years; then it will perish again, in about 11,000 years or so. Just as a human lives 25,920 days, the Earth lives 25,920 years, just as it is now. It changes; it was once young, and it is growing old. And it is extremely important to know this: Every year, water must be exposed to the universe; at some point, in some place on Earth, water must be exposed to the universe every year, otherwise the Earth could not survive. The Earth lives through the universe, just as we live through the air. If someone were to take the air away from us on Earth, we could not take our 25,920 breaths in a day. If someone were to take away the sun—that is, the light—the Earth could not live. Thus, the Earth lives through the entire universe, just as we live through the air around us. — So one can rightly say: We walk on Earth; the Earth walks through the universe. We breathe on Earth; the Earth breathes through the universe.
[ 34 ] Sehen Sie, man könnte ja eine merkwürdige Wissenschaft bilden. Sie wissen, der menschliche Kopf ist ja rund (es wird gezeichnet) und hat, wenn man noch nicht ganz alt ist, hier die Haare. Jetzt leben da — nun, das ist ja nicht wünschenswert, aber es kommt vor — Wesen in diesem Wald. Nehmen wir an, die bilden aus den Schuppen hier eine Stelle, wo die Gescheitesten immer zusammenkommen und die Dummen belehren; das wäre eine Läuse-Universität auf dem menschlichen Kopfe selber. Nun, man kann das ja annehmen. Was würden denn diese gescheiten Läuse den dummen lehren? Sie würden lehren: Der Kopf, der ist etwas Lebloses, denn wir spazieren darauf herum. Es bilden sich die leblosen Schuppen. Wenn man ein bißchen hineingräbt, kommt man an die leblosen Gebeine. — Das alles würden die gescheiten Läuse den dummen Läusen an der Läuse-Universität da oben erklären. Sie würden ungefähr den menschlichen Kopf so erklären, wie wir an unseren Universitäten die Erde erklären. Diese Läuse-Professoren — verzeihen Sie, ich meine natürlich die, die am Kopfe sind —, die würden also nichts wissen davon, daß der menschliche Kopf lebt; sie würden also eine Geologie vom Kopf auseinandersetzen und den Kopf für tot erklären. Ja, aber, meine Herren, an unseren Schulen macht man ja das! Da wird die Erde für tot erklärt. Man weiß nichts von ihrer Atmung. Denn an dieser Läuse-Universität würde man niemals etwas davon erfahren, daß der Mensch atmet, also hier würde nichts erklärt von der menschlichen Atmung; es würde erklärt: Der Mensch ist tot, der Menschenkopf ist eine tote Kugel. — Und wenn nicht gerade die Kopfläuse in irgendeine Beziehung kämen zu den Körperläusen, so würden die Kopfläuse überhaupt nie etwas erfahren vom Körper.
[ 34 ] You see, one could actually create a strange kind of science. You know, the human head is round (he draws a picture) and, if you’re not quite old yet, has hair here. Now there live—well, it’s not exactly desirable, but it does happen—creatures in this forest. Let’s suppose they use the scales here to create a place where the smartest ones always gather and teach the stupid ones; that would be a lice university right on the human head itself. Well, one could certainly imagine that. What would these smart lice teach the stupid ones? They would teach: The head is something lifeless, because we walk all over it. The lifeless scales form. If you dig in a little, you come to the lifeless bones.—The clever lice would explain all of this to the stupid lice at the lice university up there. They would explain the human head in much the same way that we explain the Earth at our universities. These louse professors—forgive me, I mean, of course, the ones on the head—would therefore know nothing about the fact that the human head is alive; they would thus expound a geology of the head and declare the head to be dead. Yes, but, gentlemen, that’s exactly what they do in our schools! There, the Earth is declared to be dead. They know nothing of its breathing. For at this “lice university,” one would never learn that humans breathe; thus, nothing would be taught here about human respiration. Instead, it would be taught: “Humans are dead; the human head is a dead sphere.” — And if head lice did not happen to come into contact with body lice in some way, the head lice would never learn anything about the body at all.
[ 35 ] So ist es: Wenn die Menschen auf der Erde nicht in Beziehung kommen zu anderen Wesen höherer Art, so erfahren sie niemals etwas davon, daß die Erde auch ins Weltenall hinaus ihre Wasser als Körper sendet und befruchtet wird, atmet und befruchtet wird. Ja, wir können uns wirklich von da, vom Kopfe aus — von der Vorstellung, was an dieser Kopf-Universität da als eine Wissenschaft vorgetragen würde —, eine Vorstellung machen, wie die Wissenschaft von der Erde beschaffen ist. So ist sie nämlich wirklich beschaffen! Und Sie sehen daraus, daß es schon notwendig ist, daß man über dasjenige, von dem man ja einsehen kann: Es ist eben vom beschränkten Standpunkte her — daß man über das hinauskommt. Man muß darüber hinauskommen.
[ 35 ] That is how it is: If the people on Earth do not come into contact with other beings of a higher order, they will never learn that the Earth also sends its waters out into the universe as a physical body and is thus fertilized, breathes, and is fertilized. Yes, we can truly form a conception—from there, from the mind—from the idea of what is presented as science at this “university of the mind”—of what the science of the Earth is really like. For that is indeed what it is really like! And you can see from this that it is indeed necessary to move beyond that which one can recognize as being merely from a limited point of view—one must move beyond it.
[ 36 ] Und hinaus kommt eben eine wirkliche Geisteswissenschaft, die ebenso wissenschaftlich vorgeht und die also auch diese Dinge erklären kann, welche der Hansen dazumal der Wissenschaft erst gebracht hat.
[ 36 ] And what emerges is a true spiritual science that proceeds just as scientifically and can therefore also explain these very things that Hansen first brought to science back then.
[ 37 ] Nun, meine Herren, wir sind noch nicht fertig mit dieser Hypnosefrage und mit dem anderen. Diese Dinge werde ich noch das nächste Mal ein wenig besprechen, weil man sie vergleichen muß mit dem, wie sie sich verhalten zum gewöhnlichen Schlafe. Und das, was geschieht, wenn der Mensch schläft, was geschieht, wenn der Mensch kataleptisch wird — denn beim gewöhnlichen Schlaf können Sie nicht auf zwei Stühlen liegen und auf sich herumtreten lassen —, den Unterschied zwischen Schlaf und Hypnose, den Unterschied zwischen Katalepsie und Gedankenflucht, das will ich Ihnen am nächsten Mittwoch um neun Uhr weiter erklären.
[ 37 ] Well, gentlemen, we are not yet finished with this question of hypnosis and the other one. I will discuss these matters a bit more next time, because they must be compared with how they relate to ordinary sleep. And what happens when a person sleeps, what happens when a person becomes cataleptic—because during ordinary sleep you cannot lie across two chairs and let someone stomp on you—the difference between sleep and hypnosis, the difference between catalepsy and flight of thought—I will explain these things to you further next Wednesday at nine o’clock.
