Rhythms in the Cosmos and in the Human Being
GA 350
7 July 1923, Dornach
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Rhythms in the Cosmos and in the Human Being, tr. SOL
10. Entwickeln innerlicher Ehrlichkeit
10. Developing Inner Honesty
[ 1 ] Meine Herren, ich habe Ihnen im letzten Vortrag ausgeführt, daß heute der Mensch nichts erkennen kann, denn das Denken, das man heute hat, taugt eigentlich auch nicht dazu. Früher, selbst noch vor, sagen wir tausend, tausendfünfhundert Jahren, hat derjenige, der etwas lernen wollte, erst sein Denken ausbilden müssen. Man hat nicht geglaubt, daß man mit dem gewöhnlichen Denken, das man hat, schon irgendwie die geistige Welt begreifen kann, und es war eine Art von Schulung des Denkens da. Heute wird durch all unsere Bildung, die wir haben, der Mensch gar nicht dazu veranlaßt, irgendwie sein Denken auszubilden. Daher kann er eigentlich in Wirklichkeit auch gar nicht denken.
[ 1 ] Gentlemen, in my last lecture I explained to you that people today cannot gain any insight, because the kind of thinking we have today is actually not suited for that purpose. In the past, even as far back as, say, a thousand or fifteen hundred years ago, anyone who wanted to learn something first had to train their thinking. People did not believe that they could somehow comprehend the spiritual world using their ordinary way of thinking, and there was a kind of training of the mind. Today, with all the education we have, people are not at all encouraged to train their thinking in any way. Therefore, in reality, they are actually incapable of thinking.
[ 2 ] Das will ich Ihnen zunächst an einem Beispiel erklären, das Sie in diesen Tagen in der Zeitung haben lesen können.
[ 2 ] I'd like to explain this to you first using an example that you may have read about in the newspaper recently.
Ein oft wiederkehrender Traum ist der sogenannte «Flugtraum». Wir träumen zu fliegen, zu schweben oder zu fallen, und zwar sehr häufig gleich nach dem Zubettgehen.
A common recurring dream is the so-called “flying dream.” We dream of flying, floating, or falling—and very often right after going to bed.
[ 3 ] Also, Sie kennen ja alle diese Tatsache, daß Sie schon im Traum geflogen sind. Das will nun einer, der nur an das naturwissenschaftliche Denken gewohnt ist, erklären. Sie werden gleich sehen, daß man mit diesem Denken überhaupt zu gar nichts kommt, wenn es sich um solche Dinge handelt.
[ 3 ] Well, you’re all familiar with the fact that you’ve flown in your dreams. Now someone who is accustomed only to scientific thinking wants to explain this. You’ll soon see that this kind of thinking gets you absolutely nowhere when it comes to matters like this.
Dieser Traum, führt Dr. Richard Traugott in der «Natur» aus, wird durch ein wirklich stattfindendes ruckartiges Zusammenzucken des Körpers hervorgerufen.
As Dr. Richard Traugott explains in Natur, this dream is caused by a sudden, jerky contraction of the body that actually occurs.
[ 4 ] Also, was glaubt der Mann? Der glaubt, wenn man am Einschlafen ist, so zuckt der Körper zusammen. Nun frage ich Sie, meine Herren: Sie sind doch öfter, auch wenn Sie wach gewesen sind, zusammengezuckt? Wann zucken Sie zusammen? — Ich denke, Sie zucken zusammen, wenn Sie einen Schreck erleben, wenn Sie irgend etwas erleben, was Sie in Schrecken und vielleicht in Ängste versetzt, was Sie furchtbar überrascht im Augenblick. Dann zucken Sie zusammen. Sie können zum Beispiel auch zusammenzucken, wenn Sie, sagen wir, da draußen herumgehen und plötzlich einen Menschen sehen, von dem Sie glauben, er ist in Amerika; wenn Sie den wahrnehmen, dann zucken Sie zusammen, weil Sie überrascht sind. Aber Sie werden sich niemals einbilden, wenn Sie anfangen zusammenzuzucken, daß Sie meinen, Sie fliegen! Es fällt Ihnen doch wirklich, man kann schon sagen, im Traum nicht ein, daß, wenn Sie zusammenzucken, Sie dann meinen, Sie fliegen. Also Sie sehen, von was für verwirrten Gedanken man da überhaupt ausgeht, wenn man meint, daß man die Vorstellung vom Fliegen bekommen könnte, wenn man mit dem Körper zusammenzuckt. Sie sehen daraus: Der Mensch macht sich Gedanken, aber in dem Momente, wo man damit irgend etwas am Menschen erklären will, passen sie gar nicht. — Diese Gedanken passen so lange, als man im Laboratorium mit leblosen Stoffen experimentiert, aber in dem Momente, wo man etwas erklären soll, paßt es nicht mehr.
[ 4 ] So, what does this man believe? He believes that when you’re falling asleep, your body twitches. Now I ask you, gentlemen: haven’t you often flinched, even when you were awake? When do you flinch? — I think you flinch when you’re startled, when you experience something that terrifies you or perhaps fills you with fear, something that takes you by complete surprise in that moment. That’s when you flinch. For example, you might also flinch if, say, you’re walking around outside and suddenly see someone you think is from America; when you notice that person, you flinch because you’re surprised. But you would never imagine, when you start to flinch, that you’re flying! It really wouldn’t even occur to you—not even in a dream—that when you flinch, you’d think you’re flying. So you see what kind of confused thoughts one is actually starting from when one thinks that one could get the idea of flying simply by flinching with one’s body. You can see from this: People come up with ideas, but the moment you try to use them to explain anything about human beings, they don’t fit at all. — These ideas work as long as you’re experimenting with inanimate substances in the laboratory, but the moment you’re supposed to explain something, they no longer apply.
[ 5 ] Nun geht es weiter:
[ 5 ] Now let's continue:
Die Ursache dieses Zusammenzuckens liegt in dem unterschiedlichen Verhalten der Muskelspannungen im Wachen und im Schlafen: Beim Wachen gehen den Muskeln des Körpers von seiten des Zentralnervensystems ständig Energieströme zu,
The cause of this twitching lies in the different behavior of muscle tension during wakefulness and sleep: When awake, the body’s muscles constantly receive energy from the central nervous system,
[ 6 ] — also er nimmt an, daß beim Wachen von den Nerven in die Muskeln immer elektrische Ströme, Energieströme hereingehen —
[ 6 ] — so he assumes that, when we are awake, electrical currents—flows of energy—are constantly flowing from the nerves into the muscles —
die die Muskeln in diejenige Spannung versetzen, die zur Erhaltung des Körpergleichgewichtes zu dem notwendigen gleichmäßigen Zusammenspiel der Muskulatur überhaupt erforderlich sind; im Schlaf fällt diese Muskelspannung zum größten Teil fort, und da in der ersten Periode des Schlafes...
which put the muscles under the tension necessary for maintaining the body's balance and for the smooth coordination of the musculature as a whole; during sleep, this muscle tension largely subsides, and since in the first stage of sleep...
[ 7 ] — also gleich, wenn man eingeschlafen ist —
[ 7 ] — that is, right after you fall asleep —
... die Reflexerregbarkeit des Rückenmarks gesteigert ist, so bewirkt der Vorgang der Muskelentspannung bezichungsweise der durch ihn auf das Rückenmark ausgeübte Reiz, leicht jenen Ruckreflex,
... if the reflex excitability of the spinal cord is increased, the process of muscle relaxation—or rather, the stimulus it exerts on the spinal cord—easily triggers that jerk reflex,
[ 8 ] — also es soll nun auf das Nervensystem im Rückenmark ein Reiz aus geübt werden; der soll nun weiterwirken, und der spannt die Muskeln stärker —
[ 8 ] — so a stimulus is now to be applied to the nervous system in the spinal cord; this stimulus is then supposed to continue to have an effect, causing the muscles to tense more strongly —
das heißt eben das Zusammenzucken des Körpers. Andere faktisch vorhandene Organempfindungen mögen noch direkter auf das Zustandekommen des Gefühls vom Fliegen,
that is, the body’s reflexive contraction. Other actual sensations in the organs may have an even more direct effect on the emergence of the sensation of flying,
[ 9 ] Schweben in der Luft, Schwimmen hinwirken: insbesondere die rhythmischen, sich hebenden und senkenden Bewegungen der Atmungsmuskulatur und des Brustkastens, — nun bedenken Sie, wenn Sie ins Keuchen kommen und der Brustkorb angespannt wird, ob Sie da schon einmal das Gefühl gehabt haben, daß Sie fliegen! Da fühlen Sie sich ja erst recht schwer —
[ 9 ] Floating in the air, swimming: in particular, the rhythmic, rising and falling movements of the respiratory muscles and the chest—now think about it: when you start gasping for breath and your chest tightens, have you ever had the feeling that you were flying? That’s when you really feel heavy—
sowie namentlich auch der Wegfall der Empfindungen des Druckes und des Unterlagen widerstandes, die wir im Wachen an allen den Körperstellen haben, die auf einer Unterlage aufruhen.
as well as, specifically, the absence of the sensations of pressure and resistance from the surface on which we rest, which we experience while awake in all parts of the body that rest on a surface.
[ 10 ] Nun, meine Herren, sehen Sie, wenn man geht, im Wachen, dann ist man auf einer ganz kleinen Unterlage; man hat das Gefühl, daß man auf seinen Fußsohlen geht. Und wenn man beim Wachen sitzt, so hat man eine etwas größere Unterlage als bloß die Fußsohlen. Denn auch wenn Sie diese Unterlage hinzuaddieren, zusammenzählen mit der Größe der Unterlage der Fußsohlen, so ist sie ja immer noch klein im Verhältnis zu dem Raum, den man als Unterlage einnimmt, wenn man schläft. Nun sagt der Herr: Es fällt der Unterlagendruck weg. Es ist doch ein größerer Unterlagendruck da, wenn Sie sich niederlegen und eingeschlafen sind, als wenn Sie im Wachen gehen oder sitzen! Also Sie sehen, wie man mit diesem Denken dazu kommt, einfach Unsinn zu behaupten. Und das ist heutige Wissenschaft über den Menschen!
[ 10 ] Well, gentlemen, you see, when you walk while awake, you’re standing on a very small surface; you feel as though you’re walking on the soles of your feet. And when you’re sitting while awake, you have a slightly larger surface area than just the soles of your feet. Because even if you add this surface area to the size of the surface area of the soles of your feet, it’s still small compared to the space you occupy when you’re asleep. Now the gentleman says: The surface pressure disappears. Surely there is greater surface pressure when you lie down and have fallen asleep than when you are walking or sitting while awake! So you see how this line of thinking leads one to simply assert nonsense. And that is today’s science of the human being!
[ 11 ] Er meint also: Da gehen elektrische Ströme in die Nerven hinein. Die sind stärker, wenn man schläft, da zucken die Muskeln, und nun kommt man zur Vorstellung des Fliegens, also man glaubt, man fliegt; oder es fallen die Unterlagen weg im Schlafe! Es ist eigentlich nicht zu glauben, was da gesagt wird.
[ 11 ] So he means: Electrical currents flow into the nerves. These currents are stronger when you sleep; that’s when the muscles twitch, and then you start to imagine flying—in other words, you believe you’re flying—or the bedding slips away while you sleep! It’s actually hard to believe what’s being said here.
Auch der Wegfall der Empfindungen des Druckes und des Unterlagenwiderstandes, die wir im Wachen an allen den Körperstellen haben, die auf einer Unterlage aufruhen.
Also, the absence of the sensations of pressure and resistance from the surface, which we experience while awake in all parts of the body that rest on a surface.
[ 12 ] Es ist gar nicht zu glauben, daß ein Mensch sich einen solchen Einwand nicht macht, daß man doch im Schlaf auf einer viel größeren Unterlage aufruht. Aber er tut es nicht, weil eben das heutige Denken dann, wenn es nicht solchen Unsinn behauptet, überhaupt nicht zu Erklärungen kommt.
[ 12 ] It is hard to believe that a person would not raise the objection that, after all, we rest on a much larger surface while sleeping. But he does not, because modern thinking, when it is not asserting such nonsense, is simply unable to offer any explanations at all.
[ 13 ] Nun wollen wir uns einmal einiges davon klarmachen — denn daraus werden Sie sehen, wie man zu der Erkenntnis von einer höheren, geistigen Welt kommt —, was da wirklich geschieht, wenn der Mensch einschläft.
[ 13 ] Now let us take a moment to clarify a few things—for from this you will see how one comes to an understanding of a higher, spiritual world—and what really happens when a person falls asleep.
[ 14 ] Ich will Ihnen das zunächst ganz bildlich aufzeichnen. Sie wissen ja, daß das nur eine Verbildlichung ist. Aber nehmen Sie an, Sie hätten hier den physischen Körper eines Menschen (Zeichnung links). In diesem physischen Körper des Menschen steckt nun extra der Ätherkörper, der übersinnliche Körper drinnen; den will ich gelb einzeichnen. Der ist also da drinnen, der füllt ihn aus. Also der ist unsichtbar.
[ 14 ] First, I’d like to illustrate this for you in a very figurative way. As you know, this is only an illustration. But suppose you had the physical body of a human being here (drawing on the left). Inside this physical body of the human being is the etheric body, the supersensible body; I’ll draw that in yellow. So it’s in there, filling it out. It is, therefore, invisible.
[ 15 ] Diese zwei Körper nun, der physische Körper und der Ätherleib, die bleiben während des Schlafens im Bette liegen. Jetzt, wenn wir wachen, da ist in diesen zwei Körpern noch der astralische Körper drinnen — das will ich so zeichnen, daß ich da noch das Rote darüber mache —, und da drinnen steckt außerdem noch das Ich, das vierte Glied. Das will ich undeutlicher zeichnen (violett). So ist der wache Mensch: physischer Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich; die stecken ineinander.
[ 15 ] These two bodies—the physical body and the etheric body—remain in bed while we sleep. Now, when we are awake, the astral body is still inside these two bodies—I’ll draw that by adding the red line above them—and inside that is also the “I,” the fourth member. I’ll draw that less distinctly (purple). This is what the waking human being is like: physical body, etheric body, astral body, and the “I”; they are nested within one another.
[ 16 ] Schauen wir uns jetzt den schlafenden Menschen an. Der schlafende Mensch, der hat im Bette liegen nur den physischen Leib und den Ätherleib (Mitte). Das da hier ist im Bette. Außer dem Bette sind der astralische Leib — der ist herausgegangen — und das Ich, der Ich-Leib (Rechts). Dasjenige, was im Bette liegen geblieben ist, das ist wie eine Pflanze, denn die Pflanze hat auch einen physischen Leib und einen Ätherleib. Wenn die Pflanze keinen Ätherleib hätte, wäre sie ein Stein. Da würde sie nicht leben, würde nicht wachsen. Also dasjenige, was im Bette liegen bleibt, ist wie eine Pflanze. Die Pflanze denkt nicht. Das, was da im Bette drinnen ist — Sie wissen es ganz genau —, das denkt auch nicht in dem Sinne, daß das Denken bewußt ist. Die Gedanken sind da drinnen, das habe ich Ihnen neulich erklärt, sogar heller als die Gedanken, die wir verwenden, wenn wir bewußt sind, aber bewußte Gedanken sind nicht da. Das ist wie bei der Pflanze.
[ 16 ] Let’s now look at the sleeping person. The sleeping person has only the physical body and the etheric body (center) lying in bed. That is what is here in bed. Outside the bed are the astral body—which has left—and the I, the I-body (on the right). What remains lying in bed is like a plant, for a plant also has a physical body and an etheric body. If the plant had no etheric body, it would be a stone. It would not live, nor would it grow. So what remains lying in bed is like a plant. The plant does not think. What is inside the bed—you know this very well—does not think in the sense that thinking is conscious. The thoughts are there inside, as I explained to you recently, even clearer than the thoughts we use when we are conscious, but conscious thoughts are not there. It is just like with the plant.
[ 17 ] Aber nun heraußen, da ist der Mensch so, daß er keine Begrenzung mehr spüren kann. Sie können sich sogar erklären, woher das kommt, daß, wenn wir da herausgehen aus dem Körper, sogleich das Bewußtsein schwindet. Wenn Sie nämlich in Ihrem Körper drinnen sind, so müssen Sie Ihren astralischen Körper so groß machen, als der physische Körper ist. Wenn Sie herausgehen, dann fängt plötzlich der astralische Leib an, riesig groß zu werden, herauszugehen nach allen Seiten, weil der physische Leib ihn nicht mehr anzieht, nicht mehr klein macht. So daß Sie in dem Momente, wo Sie einschlafen, herausrücken aus Ihrem physischen Leib; da werden Sie immer größer und größer.
[ 17 ] But out here, human beings are such that they can no longer sense any boundaries. You can even explain why, when we step out of the body, our consciousness immediately fades. For when you are inside your body, you must make your astral body as large as your physical body. When you step out, the astral body suddenly begins to grow enormous, expanding in all directions, because the physical body no longer restrains it or keeps it small. So that the moment you fall asleep, you step out of your physical body; there you become bigger and bigger.
[ 18 ] Nun denken Sie sich, Sie trinken ein Glas — damit nicht die Sage herauskommt, ich rede jetzt für den Alkohol, Sie wissen, das ist ja jetzt ein unangenehmes Thema in der Schweiz geworden —, so will ich sagen: Sie trinken ein Glas Wasser mit ein bißchen Himbeersaft. Wenn Sie in ein Glas Wasser ein bißchen Himbeersaft hineintun, dann haben Sie den Geschmack von Himbeersaft. Denken Sie aber, Sie nehmen statt dieses Glases ein so großes Gefäß, in das fünf Flaschen Wasser hineingehen, und Sie geben nur so viel Himbeersaft hinein, als Sie früher in das Glas hineingetan haben, und rühren es gut um, da muß sich der Himbeersaft über viel mehr Wasser ausdehnen, da haben Sie schon weniger Himbeergeschmack. Nun, sehen Sie, ich bin aufgewachsen, als ich ein kleiner Bub war, in der Nähe einer Weinhandlung; da gab es einen Keller mit einem Faß von vierhundert Eimern Wein. Wenn man das mit Wasser angefüllt hätte, also ein Faß mit vierhundert Eimern voll Wasser, nicht voll Wein, und hätte da die paar Tropfen Himbeersaft hineingegeben und hätte das Ganze durcheinandergerührt, da hätten Sie trinken können von dem Wasser und hätten nichts mehr geschmeckt von dem Himbeersaft. Das ist ja klar. Nun, meine Herren, solange Ihr astralischer Leib so klein ist wie Ihr physischer Leib, ist es wie der Himbeersaft in einem Glas Wasser: Ihr astralischer Leib ist nur so weit ausgedehnt, als Ihr physischer Leib reicht. Wenn Sie im Schlafe herausgehen, da zieht der physische Leib das nicht mehr zusammen, da wird der astralische Leib ausgedehnt, so wie der Himbeersaft in den vierhundert Eimern Wasser auch ausgedehnt wird. Und daher haben Sie in diesem astralischen Leib kein Bewußtsein mehr drinnen, denn das Bewußtsein entsteht dadurch, daß sich der astralische Leib zusammenzieht.
[ 18 ] Now imagine you’re drinking a glass—so there’s no misunderstanding, I’m talking about alcohol here; as you know, this has become a sensitive topic in Switzerland—so let me put it this way: you’re drinking a glass of water with a little raspberry juice. If you put a little raspberry juice into a glass of water, then you’ll have the taste of raspberry juice. But imagine, instead of that glass, you take a container big enough to hold five bottles of water, and you add only as much raspberry juice as you did to the glass earlier, and stir it well—since the raspberry juice has to be diluted in much more water, you’ll notice the raspberry flavor is much weaker. Well, you see, when I was a little boy, I grew up near a wine shop; there was a cellar with a barrel holding four hundred buckets of wine. If you had filled that with water—that is, a barrel containing four hundred buckets of water, not wine—and added just a few drops of raspberry juice and stirred the whole thing together, you could have drunk that water and wouldn’t have tasted a thing of the raspberry juice. That’s obvious. Now, gentlemen, as long as your astral body is as small as your physical body, it is like the raspberry juice in a glass of water: your astral body extends only as far as your physical body does. When you leave your body in sleep, the physical body no longer contracts it; the astral body expands, just as the raspberry juice expands in the four hundred buckets of water. And that is why you no longer have any consciousness within this astral body, for consciousness arises when the astral body contracts.
[ 19 ] Jetzt werden Sie aber auch eine richtige Erklärung kriegen von dem, was vorgehen soll, wenn wir einschlafen. Solange wir wachen, da steckt der astralische Leib in unseren Fingern drinnen, in unseren Zehen drinnen; überall in unseren Muskeln steckt der Astralleib drinnen. Wenn wir nun in unseren Muskeln den astralischen Leib fühlen, dann haben wir eben das Gefühl, wir sind abhängig vom physischen Leib. Der physische Leib ist schwer. Wir fühlen die Schwere des physischen Leibes. In dem Moment, wo wir herausgehen, lassen wir den physischen Leib mit seiner Schwere zurück. Wir fühlen uns in diesem Momente, bevor das Bewußtsein im Schlaf geschwunden ist, nicht mehr schwer. Wir fühlen nicht, daß wir herunterfallen, denn wir heben uns herauf; wir fühlen eher, daß wir heraufschweben. Dieses Größerwerden, dieses Nichtmehr-Gebundensein an den physischen Leib, das fühlen wir als Fliegen oder Schwimmen. Wir können uns frei bewegen, bis uns das Bewußtsein schwindet und wir ganz einschlafen.
[ 19 ] Now, however, you will also receive a proper explanation of what is supposed to happen when we fall asleep. As long as we are awake, the astral body is present in our fingers, in our toes; the astral body is present throughout our muscles. When we feel the astral body within our muscles, we have the sensation that we are dependent on the physical body. The physical body is heavy. We feel the heaviness of the physical body. The moment we step out, we leave the physical body and its heaviness behind. In that moment, before consciousness has faded into sleep, we no longer feel heavy. We do not feel as though we are falling, for we are rising; rather, we feel as though we are floating upward. This sense of expansion, this freedom from being bound to the physical body—we experience it as flying or swimming. We can move freely until our consciousness fades and we fall completely asleep.
[ 20 ] Also was sagt nun der Naturwissenschafter der Gegenwart? Er sagt: Wir zucken mit den Muskeln zusammen. — Nun, wenn wir mit den Muskeln zusammenzucken, fühlen wir ja unsere Muskeln mehr, als wir sie gewöhnlich fühlen! Da bilden wir uns nicht ein, daß wir fliegen, sondern da fühlen wir uns beim Zusammenzucken erst recht an den physischen Körper gebunden. Denken Sie nur einmal, wenn einer steht und erstaunt ist, so reißt er den Mund auf. Warum reißt er den Mund auf? Weil er eben in seinen Muskeln so stark drinnen ist, daß er sich gar nicht mehr beherrschen kann. Also gerade dieses Zusammenzucken und dieses In-den-Muskeln-Leben, das ist das Gegenteil von dem, was wir beim Einschlafen haben. Beim Einschlafen gehen wir gerade aus unseren Muskeln heraus. Also es handelt sich nicht um das MuskelnZusammenziehen, sondern um das Schlaffwerden der Muskeln. Wenn wir uns niederlegen und auf einer größeren Unterlage sind, da haben wir nicht nötig, die Muskeln mit unserem astralischen Leib zusammenzuhalten; sie erschlaffen. Und nicht weil sie stärker gespannt werden, sondern weil sie schlaffer werden, weil wir gar nicht mehr auf die Muskeln eine Einwirkung ausüben müssen, deshalb glauben wir frei zu sein von den Muskeln, und wir entschweben mit unserem leichteren astralischen Leib.
[ 20 ] So what does the modern natural scientist say? He says: We twitch our muscles. — Well, when we twitch our muscles, we feel them more than we usually do! We’re not imagining that we’re flying; rather, when we twitch, we feel even more bound to our physical body. Just think about it: when someone is standing there in amazement, they open their mouth wide. Why do they open their mouth wide? Because they’re so deeply immersed in their muscles that they can no longer control themselves. So it is precisely this flinching and this “living in the muscles” that is the opposite of what we experience when falling asleep. When falling asleep, we actually step out of our muscles. So it is not a matter of muscle contraction, but rather of the muscles becoming limp. When we lie down on a larger surface, we no longer need to use our muscles to hold our astral body together; they relax. And not because they become more tense, but because they become more limp—since we no longer have to exert any influence on the muscles—we believe ourselves to be free from the muscles, and we float away with our lighter astral body.
[ 21 ] Nun denken Sie sich, daß ich Ihnen ja das letzte Mal gesagt habe: Man muß lernen, umgekehrt zu denken. — Hier sehen Sie es: Derjenige, der so denkt, wie man es gegenwärtig gewohnt ist zu denken, der kriegt, wenn er beim Menschen etwas erklären will, das Gegenteil von dem heraus, was wahr ist. — Man muß sich also zuerst ein richtiges Denken angewöhnen, das auch das Gegenteil von dem denken kann, was im Physischen ist. Die Leute haben sich abgewöhnt, richtig zu denken, so zu denken, daß man mit dem Denken ins Geistige hineinkommt.
[ 21 ] Now, just think about it: I told you last time that you have to learn to think in the opposite way. — Here you can see it: Anyone who thinks the way people are currently accustomed to thinking will, when trying to explain something to another person, end up saying the opposite of what is true. — So one must first accustom oneself to thinking correctly—a way of thinking that can also conceive of the opposite of what exists in the physical realm. People have lost the habit of thinking correctly—of thinking in a way that allows one to enter the spiritual realm through thought.
[ 22 ] Nun gibt es wirklich heute sehr viele Menschen, die zwar unsere Sprache reden, und unsere Sprache hat auch das Wort «Geist», aber die Menschen können sich nichts mehr vorstellen unter Geist. Sie können sich nur etwas Physisches vorstellen. Und nun muß man ja — das haben Sie gesehen —, wenn man sich das Geistige vorstellen will, zu etwas kommen, was gar keine physischen Eigenschaften hat, was man also im Physischen nicht sieht. Nun ist das Denken der Menschen heute schon so verdorben, daß sie auch das Geistige physisch sehen wollen. Sie werden daher nachher Spiritisten. Sehen Sie, der physische Leib, der kann einen Tisch bewegen. Die Leute sagen: Wenn ich einen Tisch bewegen kann, so bin ich existierend. Wenn ein Geist existierend sein soll, so muß er auch einen Tisch bewegen können. — Nun ja, da fangen sie dann an, Tischrücken zu machen, und dann lassen sie sich durch das Tischrücken die geistige Welt beweisen! Das ist deshalb, weil das Denken krumm, verbogen ist. Das Denken ist materialistisch; das will auch den Geist auf physische Weise da haben. Der Spiritismus ist das Allermaterialistischste, was es gibt. Das muß man nur erst begreifen.
[ 22 ] Today there are indeed a great many people who speak our language—and our language does include the word “spirit”—but these people can no longer imagine what a spirit is. They can only imagine something physical. And yet—as you have seen—if one wants to imagine the spiritual, one must arrive at something that has no physical properties whatsoever, something that is therefore not visible in the physical world. But people’s thinking today is already so corrupted that they want to see even the spiritual in physical terms. That is why they eventually become spiritualists. You see, the physical body can move a table. People say: If I can move a table, then I exist. If a spirit is to exist, it must also be able to move a table. — Well, then they start doing table-turning, and through table-turning they let the spiritual world be “proven” to them! This is because their thinking is warped and distorted. Thinking is materialistic; it wants to have the spirit present in a physical way as well. Spiritualism is the most materialistic thing there is. One just has to understand that first.
[ 23 ] Nun wird vielleicht der eine oder andere von Ihnen sagen: Aber ich war ja schon dabei, wenn sich Menschen um den Tisch herum setzten, angefangen haben, ihre Hände zu einer Kette zu machen, und dann haben sich Tische bewegt, sind gesprungen, und alles mögliche. — Das Äußere, das ist schon richtig: Sie können sich um einen Tisch herumsetzen, können eine Kette herum machen, und die Geschichte kann unter Umständen den Tisch in Bewegung versetzen. Aber sehen Sie, das ist ja gerade so, wie wenn ich durch irgendeine andere kleine Bewegung eine große Bewegung hervorrufe. Denken Sie sich doch nur, Sie hätten einen Eisenbahnzug. Der Eisenbahnzug hat vorn eine Lokomotive und den Lokomotivführer darauf. Nun, der Lokomotivführer, der steigt nicht ab von der Maschine und stellt sich hinten hin und schiebt auch. Da würde es ihm wohl nicht recht gelingen, einen Schnellzug in rasche Bewegung zu versetzen. Sie wissen, der Lokomotivführer macht nur eine ganz kleine Bewegung, und der Schnellzug fährt sehr schnell, und die Maschine zieht viele Wagen. Warum? Ja, weil die Umschaltung da in der richtigen Weise vorhanden ist. Da wird durch eine kleine Bewegung auf physischem Wege eine große Bewegung bewirkt.
[ 23 ] Now, perhaps some of you might say: “But I was already there when people sat down around the table, started linking their hands together to form a chain, and then tables moved, jumped around, and all sorts of things happened.” — The outward appearance—that’s true: You can sit around a table, form a chain, and under certain circumstances, that can set the table in motion. But you see, that’s just like when I cause a large movement through some other small movement. Just imagine you have a train. The train has a locomotive at the front and the engineer sitting in it. Well, the engineer doesn’t get off the locomotive, go stand at the back, and start pushing, too. He probably wouldn’t be able to get an express train moving quickly that way. You know, the engineer makes only a very small movement, and the express train travels very fast, pulling many cars. Why? Well, because the mechanism is set up correctly. A small physical movement causes a large movement.
[ 24 ] Geradeso ist es ein rein physischer Vorgang, wenn die Leute um den Tisch herum eine Kette schließen und dann anfangen, kleinwinzige Zuckungen und dergleichen zu machen. Und siehe da, diese kleinen, winzigen Zuckungen setzen sich um durch die Materie — die ist nämlich so kunstvoll gestaltet — in große Bewegungen. Das ist ein ganz gewöhnlicher physischer Vorgang zunächst.
[ 24 ] It is just as much a purely physical process when the people around the table form a chain and then begin to make tiny twitches and the like. And lo and behold, these small, tiny twitches are transmitted through matter—which is, in fact, so artfully designed—into large movements. At first, this is a completely ordinary physical process.
[ 25 ] Wenn nun da einer darunter ist, der mit seinem Unterbewußtsein irgendwelche Gedanken hat, dann setzen sich diese Gedanken in die zuckenden Finger fort. Und dann kriegt man auf diese Weise auch Antworten und kann das ablesen im Alphabet. Aber dasjenige, was man da als Antworten kriegt, das ist immer im Unterbewußtsein vorhanden von irgend jemandem, der da ist, selbst wenn die Antworten noch so geistreich sind. Ich habe Ihnen ja erklärt, daß der Mensch, wenn er ein wenig nur ins Unterbewußte hereinkommt, viel geistreicher ist, als er in seinem Bewußtsein ist. Das kommt auch durch das Tischrücken zum Vorschein, Also, daß die Leute Spiritisten geworden sind, das ist eben geradezu ein Beweis, daß der Materialismus in unserer Zeit groß ist.
[ 25 ] If there happens to be someone among them who has certain thoughts in their subconscious, then those thoughts are transmitted through their twitching fingers. And that’s how you receive answers and can interpret them using the alphabet. But what one receives as answers is always present in the subconscious of someone who is there, even if the answers are incredibly witty. I have already explained to you that when a person delves even a little into the subconscious, they are much more ingenious than they are in their conscious state. This also becomes apparent through table-turning. So the fact that people have become spiritualists is actually proof that materialism is rampant in our time.
[ 26 ] Mit dem gewöhnlichen Denken kann man überhaupt nicht zu irgendwelchen Erklärungen kommen, die auf den Menschen irgendeinen Bezug haben. Sehen Sie, da versuchte also einer in diesem Zeitungsartikel, den ich heute anführte, einen Traum zu erklären, den Flugtraum. Er erklärt ihn gerade auf die entgegengesetzte Art, wie er erklärt werden soll! Aber die Leute können überhaupt so etwas, was im höchsten Grade interessant ist, nicht mehr studieren. Ich habe Ihnen ja schon öfter etwas erzählt über die Träume; ich will Ihnen heute einige gewichtige Tatsachen noch einmal hervorheben.
[ 26 ] With ordinary thinking, it is impossible to arrive at any explanations that have any relevance to human beings. You see, in that newspaper article I cited today, someone tried to explain a dream—the dream of flying. He explains it in exactly the opposite way it should be explained! But people are no longer able to study such things—which are of the utmost interest. I’ve told you about dreams on several occasions; today I’d like to highlight a few important facts once again.
[ 27 ] Denken Sie sich einmal, meine Herren, jemand träumt. Er träumt, daß er in Basel über irgendeinen Platz geht. Aber plötzlich findet er im Traum ist das ja möglich —, daß vor ihm ein Zaun steht. Der Zaun hat da hier eine Latte, da wieder eine Latte, da fehlt eine Latte; da hat er eine Latte, da hat er eine, da fehlt wieder eine Latte. Jetzt träumt er weiter, er will über diesen Zaun hinüberspringen und spießt sich auf auf der Latte. Das tut ihm weh. Jetzt wacht er auf. Ja, jetzt merkt er: Donnerwetter, du hast dich ja gar nicht aufgespießt auf der Latte, aber einen furchtbaren Zahnschmerz hast du! — Zahnschmerzen hat er und wacht mit diesen Zahnschmerzen auf. Sein Gebiß hat da oben eine Lücke, dann hat es hier oben’ wieder eine Lücke. Das ist das, was er gesehen hat als Zaun mit fehlenden Latten. Das entspricht ganz seinem oberen Gebiß mit den fehlenden Zähnen. Dann greift er sich auf seinen einen Zahn, und das ist gerade der, der ihm weh tut. Der ist hohl geworden und schmerzt. Solch einen Traum kann man wirklich haben.
[ 27 ] Just imagine, gentlemen, that someone is dreaming. He dreams that he is walking across some square in Basel. But suddenly—is that even possible in a dream?—he finds that there is a fence in front of him. The fence has a slat here, another slat there, a slat missing here; then there’s a slat, another one, and another slat missing. Now he continues dreaming; he wants to jump over this fence and impales himself on a slat. That hurts him. Now he wakes up. Yes, now he realizes: “Good grief, you didn’t impale yourself on the slat at all, but you do have a terrible toothache!”—He has a toothache and wakes up with this toothache. His upper teeth have a gap up there, then there’s another gap up here. That’s what he saw as a fence with missing slats. It corresponds exactly to his upper set of teeth with the missing teeth. Then he touches one of his teeth, and that’s the very one that hurts. It’s become hollow and is causing pain. You can really have a dream like that.
[ 28 ] Was ist denn da aber eigentlich geschehen? Nicht wahr, der ganze Vorgang hat sich ja im Wachleben abgespielt. Sie können sich sagen: Solange ich geschlafen habe, war ich glücklich, da habe ich meinen unsinnigen Zahnschmerz nicht gespürt. Ja, warum spürten Sie den Zahnschmerz nicht beim Schlafen? Weil Sie mit Ihrem astralischen Leib draußen waren. Der physische Leib und der Ätherleib spürt ja den Zahnschmerz nicht. Einen Stein können Sie beklopfen wie Sie wollen, ein Stückchen herunterschlagen — der Stein als einzelner spürt es nicht. Die Pflanze können Sie auch zerreißen — sie spürt es nicht, weil sie noch keinen Astralleib, weil sie nur einen Ätherleib hat. Sehen Sie, manche würden sicher das Rosenabreißen und Blumenabreißen auf der Wiese schon unterlassen, wenn die Pflanzen immer so zischen würden wie die Schlangen, weil es ihnen weh tut! Aber es tut der Pflanze eben nicht weh. Und der Mensch ist wie eine Pflanze, wenn er schläft. Solange er schläft, tut ihm also der Zahn nicht weh. Wenn man nun hereinschlüpft mit seinem astralischen Leib, kommt man beim Hereinschlüpfen an dem Gebiß an. Sehen Sie, erst wenn man ganz im Körper drinnen ist, spürt man dasjenige, was einem im Körper weh tut. Wenn man noch nicht ganz drinnen ist, so kommt einem das, was einem weh tut, so vor wie ein äußerer Gegenstand.
[ 28 ] But what actually happened there? After all, the whole event took place while you were awake. You might say to yourself: As long as I was asleep, I was happy—I didn’t feel that ridiculous toothache. Yes, why didn’t you feel the toothache while you were asleep? Because you were out there with your astral body. The physical body and the etheric body don’t feel the toothache. You can tap on a stone as much as you want, chip off a piece—the stone itself doesn’t feel it. You can tear a plant apart, too—it doesn’t feel it because it doesn’t yet have an astral body; it only has an etheric body. You see, some people would surely stop picking roses and other flowers in a meadow if the plants always hissed like snakes because it hurts them! But it doesn’t hurt the plant at all. And a person is like a plant when they’re asleep. So as long as they’re asleep, their tooth doesn’t hurt. Now, when one slips into the body with one’s astral body, one comes into contact with the teeth as one slips in. You see, only when one is fully inside the body does one feel what is causing pain within the body. If one is not yet fully inside, what is causing pain seems like an external object.
[ 29 ] Denken Sie sich, meine Herren, ich brenne hier ein Zündhölzchen an; da sehe ich, wie es verbrennt. Wenn ich darin gesteckt hätte, würde ich es durch meinen Astralleib nicht bloß sehen, sondern da würde ich es spüren als einen Schmerz. Solange ich noch nicht ganz drinnen bin in meinem Körper, sondern eben erst hineinschlüpfe, ist meine Zahnreihe wie ein äußerer Körper, da spüre ich es wie einen äußeren Körper und mache mir ein Bild, das ähnlich ist. Geradeso wie ich mir von den äußeren Gegenständen Bilder mache, so mache ich mir, wenn ich noch halb draußen bin, von meiner Zahnreihe ein Bild, und weil ich mir das richtige Bild noch nicht machen kann — das kann ich mir erst durch Geisteswissenschaft machen —, so mache ich mir das Bild einer Zaunreihe statt einer Zahnreihe. Und weil ich drinnen in meiner Zahnreihe Lücken habe, sind in der Zaunreihe die Latten ausgelassen. Sie sehen, es entsteht beim Hineinschlüpfen durch die Verwirrung, daß man noch nicht ganz drinnen ist in seinem Körper, ein Irrtum. Man hält das Innere für ein Äußeres, weil man im Schlafe eben draußen ist. Da ist das Innere ein Äußeres.
[ 29 ] Just imagine, gentlemen, that I light a match here; I can see it burning. If I were inside it, I wouldn’t just see it through my astral body—I would actually feel it as pain. As long as I am not yet fully inside my body, but am just slipping into it, my set of teeth is like an external body; I perceive it as an external body and form a mental image that is similar. Just as I form images of external objects, so too—when I am still half outside—do I form an image of my row of teeth; and because I cannot yet form the correct image—I can only do so through spiritual science—I form the image of a row of fence slats instead of a row of teeth. And because I have gaps inside my row of teeth, the slats are missing in the row of fence posts. You see, as one slips inside, the confusion that arises from not yet being fully inside one’s body leads to a mistake. One mistakes the inner for the outer, because in sleep one is, after all, still outside. There, the inner is the outer.
[ 30 ] Sehen Sie, was einem da passiert, das habe ich tatsächlich schon gesehen bei kleinen Kindern. Wenn man die unterrichtet, so haben sie noch kein Gefühl für das ganz richtige Sprechen. Und ich habe es wirklich schon erlebt, daß einer, der eben angefangen hat zu schreiben, statt «Zahn» Zaun, Zäune geschrieben hat, und jetzt hat man ihm gesagt: Das ist falsch! — So hat der Angst gekriegt beim Hereinschlüpfen, nicht beim Herausschlüpfen, sondern beim Hereinschlüpfen. Da hat man aber nicht einen Flugtraum, sondern einen Angsttraum. Wie beim Alpdruck kriegt das Kind Angst und macht noch das daraus — und nun ist aus dem Zahn ein Zaun geworden. Das Kind machte den Fehler. Und Sie werden immer sehen: durch solche Wortverbindungen kommen die Bilder des Traumes nämlich zustande! Irgendwelche Wortverbindungen sind immer da. Und da kann man nun einsehen, was da eigentlich geschieht.
[ 30 ] Look at what happens there—I’ve actually seen this happen with young children. When you teach them, they don’t yet have a feel for speaking quite correctly. And I’ve really seen it happen before: someone who’s just started writing wrote “fence” or “fences” instead of “tooth,” and then someone told them, “That’s wrong!”—So they got scared while slipping in, not while slipping out, but while slipping in. But this isn’t a flight dream—it’s a fear dream. Just like in a nightmare, the child becomes frightened and turns it into something else—and now the “tooth” has become a “fence.” The child made the mistake. And you’ll always see: it’s precisely through such word associations that the images of the dream come about! Word associations of some kind are always present. And that’s how you can understand what’s actually happening.
[ 31 ] Sehen Sie, wenn einer so redet — dieser Richard Traugott hat übrigens schon viel über den Traum geschrieben, was ebenso unsinnig ist wie dasjenige, was er jetzt über den Flugtraum schreibt — und mit dem ganz gewöhnlichen Wissen der Gegenwart nur ausgerüstet ist, so sagt er das Gegenteil von dem, was wirklich ist. Denn er versteht nicht, daß, weil der astralische Leib groß ist beim Hinausgehen, er sich wie ein Flieger vorkommt, und weil der astralische Leib wieder eingezwängt wird, wenn er wieder hereingeht, kommt er sich vor wie einer, der sich durchdrücken muß. Seine Muskeln anspannen, ist gleich Angsttraum. Der Angsttraum tritt gerade dann ein, wenn der Mann, der den Artikel geschrieben hat, glaubt, daß der Flugtraum eintreten solle. Auch beim Einschlafen kriegen Sie nur Angstträume, wenn das Einschlafen nicht ganz richtig vonstatten geht. Denken Sie sich, Sie liegen irgendwo und Sie kriegen das Gefühl, es würgt Sie jemand. Das geschieht dadurch, daß Sie eben im Einschlafen sind, aber irgendwo ist eine Unruhe, und jetzt können Sie nicht richtig einschlafen. Nun probieren Sie es — bald heraus, bald herein. Beim Hereinkommenwollen, was Sie aber doch wieder nicht können, weil Sie noch müde sind, da würgt es Sie, weil der astralische Körper hereinkommen will, sich hereinzwängt, aber doch nicht richtig hereinkommen kann. Weiß man diese Sache einmal, dann kann man alle diese Dinge besser erklären.
[ 31 ] You see, when someone speaks like this—this Richard Traugott, by the way, has already written a great deal about dreams, which is just as nonsensical as what he is now writing about lucid dreaming—and is equipped only with the very ordinary knowledge of the present day, he says the opposite of what is actually true. For he does not understand that, because the astral body is large when it leaves the physical body, he feels like a pilot, and because the astral body is constricted again when it returns, he feels like someone who has to squeeze through. Tensing his muscles is equivalent to a nightmare. The nightmare occurs precisely when the man who wrote the article believes that the dream of flying is about to happen. Even when falling asleep, you’ll only have nightmares if the process of falling asleep doesn’t go quite right. Imagine you’re lying somewhere and you get the feeling that someone is choking you. This happens because you’re in the process of falling asleep, but there’s some restlessness, and now you can’t fall asleep properly. Now try it—sometimes moving out, sometimes moving in. When you try to come back in—which you can’t do yet because you’re still tired—you feel choked because the astral body wants to come back in, is forcing its way in, but can’t quite make it. Once you understand this, you can explain all these things better.
[ 32 ] Und dieses wird Sie auch darauf bringen, daß etwas anderes noch notwendig ist, wenn man die geistige Welt erkennen will. Man muß sich durchaus ganz klar darüber sein, daß da der physische Körper nicht mitwirken kann. Gerade in dem muß man leben können, was der astralische Leib ist. Will man die geistige Welt erkennen, dann muß man also etwas zustande bringen, wobei man sonst einschläft. Wenn man im gewöhnlichen Leben ist und man schlüpft mit seinem astralischen Leib heraus aus dem physischen Leib, schläft man ein. Ja, sehen Sie, da ist eben die Geschichte mit dem Weinfaß, die ich Ihnen vorhin angeführt habe. Da wird der astralische Leib riesig groß. Wenn Sie nun den astralischen Leib erkennen wollen, so müssen Sie durch innere Kraft den astralischen Leib zusammenhalten können. Denken Sie sich einmal, was geschieht, wenn ich jetzt einen Augenblick statt des astralischen Leibes und des Ichs des Menschen wiederum den Himbeersafttropfen setze. Schauen wir uns das einmal ganz bildhaft an. Da haben wir das Wasserglas und da drinnen einen Himbeersafttropfen. Der Himbeersafttropfen, der dehnt sich jetzt aus. Ist er im Wasserglas drinnen, da spürt man ihn noch. Nehmen Sie aber etwas an — das kann ich natürlich nicht zeichnen —, was jetzt hunderttausendmal so groß ist: da würden Sie nichts mehr sehen davon, wenn ich das in entsprechender Verteilung hell machen würde. Ebensowenig kann man aber etwas spüren. Denken Sie aber, der Tropfen, das wäre ein Teufelskerl, und ich gebe ihn in dieses Weinfaß mit vierhundert Eimer Wein hinein — verzeihen Sie, nicht Wein, Wasser — und der Himbeersafttropfen, das ist ein richtiger Teufelskerl, der sagt sich: Da lasse ich mich nicht beimischen, ich bleibe der Himbeersafttropfen! — Nun ist da das Weinfaß oder Wasserfaß, und der Himbeersafttropfen bleibt ganz klein. Wenn Sie nun just mit Ihrer Zunge hinunterkämen, durch das Wasser durchleckten und kämen hin an die Stelle, wo der Himbeersafttropfen klein geblieben ist, da würden Sie die Süße vom Himbeersafttropfen spüren. Der muß sich also wehren.
[ 32 ] And this will also lead you to realize that something else is necessary if one wishes to perceive the spiritual world. One must be absolutely clear that the physical body cannot play a part in this. One must be able to live precisely within what the astral body is. If one wishes to perceive the spiritual world, one must therefore achieve something that would otherwise cause one to fall asleep. When one is in ordinary life and slips out of the physical body with one’s astral body, one falls asleep. Yes, you see, that is precisely the story of the wine barrel that I mentioned to you earlier. There, the astral body becomes enormous. Now, if you want to perceive the astral body, you must be able to hold the astral body together through inner strength. Just imagine what happens if, for a moment, I replace the astral body and the human “I” with the drop of raspberry juice again. Let’s look at this quite visually. Here we have the glass of water, and inside it, a drop of raspberry juice. The drop of raspberry juice is now expanding. As long as it’s inside the glass of water, you can still sense it. But suppose—and of course I can’t draw this—it were now a hundred thousand times larger: you wouldn’t see anything of it if I were to illuminate it in proportion to its size. Nor, however, could you sense anything. But imagine if that drop were a real tough guy, and I put it into this wine barrel containing four hundred buckets of wine—excuse me, not wine, water—and that drop of raspberry juice, now that’s a real tough guy, who says to himself: “I won’t let myself be mixed in; I’ll stay the drop of raspberry juice!” — Now there’s the wine barrel or water barrel, and the drop of raspberry juice remains very small. If you were to dip your tongue down, lick through the water, and reach the spot where the drop of raspberry juice has remained small, you would taste the sweetness of that drop. So it has to resist.
[ 33 ] Ich sage, er ist ein Teufelskerl, nur um einen Ausdruck zu haben. Die Gegner der Anthroposophie sind ja manchmal sehr spaßig. In einem Hamburger Blatt stand einmal, nachdem die Anthroposophie nach allen Seiten beschimpft worden war, was ich sei, und da stand, daß ich eigentlich der Teufel wäre! Also das war ganz ernsthaftig gemeint, daß da der Teufel in die Welt gekommen wäre. Ich sage nur, er wäre insofern ein Teufelskerl, der Himbeersafttropfen, als er sich klein erhalten kann auch wenn man ihn in das Wasser hineingibt. Das ist mit dem astralischen Leib etwas anderes, wenn er sich so klein erhalten kann, wie er im physischen Leibe drinnen ist, wenn er herauskommt. Jetzt muß man eben die Kraft entwickeln, den astralischen Leib so klein zu behalten. Das kann man eben dadurch, daß man ein scharfes Denken entwickelt. Ich habe Ihnen gesagt, man müsse ein selbständiges Denken entwickeln. Ein selbständiges Denken ist aber ein stärkeres Denken als dieses schwache Denken, das diese Leute haben. Die erste Bedingung ist ein starkes Denken. Die zweite Bedingung ist ein Rückwärtsdenken-Können. Die äußeren physischen Dinge laufen vorwärts. Lernt man rückwärts denken, dann lernt man noch stärker denken. Und lernt man noch dasjenige, was ich Ihnen das letzte Mal gesagt habe: Jeder Teil ist größer als das Ganze — was also widerspricht dem Physischen —, dann lernt man sich hineinversetzen in die Welt, die eben nicht wie das Physische ist, sondern das Gegenteil von dem Physischen ist, Dann lernt man sich hineinversetzen in die geistige Welt.
[ 33 ] I say he’s a devil of a guy, just to use an expression. The opponents of anthroposophy can be quite amusing at times. A Hamburg newspaper once wrote—after anthroposophy had been vilified from every angle—about who I was, and it claimed that I was actually the devil! So that was meant quite seriously—that the devil had come into the world. I’m just saying that the raspberry juice drop would be a real character in that sense, in that it can remain small even when you put it in water. It’s a different matter with the astral body: if it can remain as small as it is inside the physical body when it comes out. Now one simply has to develop the power to keep the astral body that small. You can do this by developing sharp thinking. I’ve told you that you must develop independent thinking. But independent thinking is stronger than the weak thinking these people have. The first condition is strong thinking. The second condition is the ability to think backward. External physical phenomena proceed forward. If you learn to think backward, you learn to think even more powerfully. And if you also learn what I told you last time—that every part is greater than the whole (which contradicts the physical realm)—then you learn to immerse yourself in a world that is not like the physical realm, but is the opposite of it. Then you learn to immerse yourself in the spiritual world.
[ 34 ] Durch all diese Dinge wird eben bewirkt, daß der astralische Leib, trotzdem er aus dem physischen Leib herausgeht, sich kleiner erhalten kann, daß er nicht ausfließt im allgemeinen astralischen Meere.
[ 34 ] All these factors ensure that the astral body, even though it leaves the physical body, can remain compact and does not dissipate into the general astral sea.
[ 35 ] Das ist also durchaus zusammenstimmend. Aber Sie müssen sich auch ganz klar darüber sein, daß diese Dinge alle mit eben derselben Nüchternheit und Wissenschaftlichkeit betrachtet werden müssen, wie die Dinge des äußeren physischen Lebens betrachtet werden. Sobald man ins Phantasieren hineinkommt, dann geht es nicht mehr mit der Geisteswissenschaft. Phantastisch darf man eben nicht werden.
[ 35 ] So this is certainly consistent. But you must also be very clear that all these things must be viewed with the same objectivity and scientific rigor as the phenomena of external physical life. As soon as one starts fantasizing, spiritual science is no longer possible. One simply must not give in to fantasy.
[ 36 ] Nehmen Sie zum Beispiel an, Sie haben, nun, ich will es deutlich sagen, einen Schmerz in der großen Zehe. Diesen Schmerz in der großen Zehe spüren Sie nur durch Ihren Astralleib. Wenn Sie nur den physischen Leib hätten, würden Sie keinen Schmerz spüren. Wenn Sie bloß den Ätherleib haben, würden Sie keinen Schmerz spüren, sonst würde eben die Pflanze quieksen, wenn man sie anfaßt, die Blume quieksen, wenn man sie anfaßt. Nun, Sie quieksen, wenn Sie einen Schmerz in der großen Zehe haben, das heißt, Sie quieksen vielleicht nicht, aber Sie wissen schon, was ich damit meine. Wir quieksen also, wenn wir einen Schmerz in der großen Zehe haben. Nun, warum quieksen wir? Sehen Sie, wir haben ja unseren astralischen Leib über den ganzen physischen Leib ausgebreitet. Wenn wir jetzt mit dem astralischen Leib an die Stelle ankommen, wo irgend etwas in unserer großen Zehe unordentlich ist, dann bringen wir das durch den astralischen Leib bis ins Gehirn herauf. Jetzt machen wir uns eine Vorstellung von unserem Schmerz.
[ 36 ] Suppose, for example, that you have—well, let me put it plainly—pain in your big toe. You feel this pain in your big toe only through your astral body. If you had only your physical body, you would feel no pain. If you had only the etheric body, you wouldn’t feel any pain; otherwise, plants would whimper when you touch them, and flowers would whimper when you touch them. Well, you whimper when you have pain in your big toe—I mean, you might not actually whimper, but you know what I mean. So we wince when we have pain in our big toe. Well, why do we wince? You see, our astral body is spread out over our entire physical body. When we reach the spot with our astral body where something is amiss in our big toe, we transmit that sensation through the astral body all the way up to the brain. Now we form a mental image of our pain.
[ 37 ] Nehmen Sie aber an, jemand habe ein krankes Gehirn. Wenn jemand ein ganz gesundes Gehirn hat, so hat er in diesem Gehirn auch eine Stelle, durch die er den Schmerz in seiner großen Zehe wahrnehmen kann. Dazu braucht man eine gesunde Stelle im Gehirn, damit man den Schmerz in der großen Zehe wahrnehmen kann. Nehmen wir aber an, diese Stelle im Gehirn wäre krank. Ich habe Ihnen gesagt: Die Seele kann nicht krank werden, der Astralleib kann nicht krank werden, aber das physische Gehirn kann krank werden. — Wenn nun diese Stelle im Gehirn krank ist, kann der Schmerz in der großen Zehe nicht wahrgenommen werden. Was tut der Mensch? Ja, meine Herren, ein Stückchen des physischen Gehirns ist krank; aber, sehen Sie, an der Stelle ist noch immer der Ätherleib des Gehirns. Der Ätherteil des Gehirns, der da sitzt, der wird jetzt nicht unterstützt durch den physischen Teil. Was tut der Ätherteil? Der Ätherteil, der macht aus Ihrer großen Zehe einen Berg. Er nimmt nicht mehr die große Zehe bloß wahr, sondern er macht einen Berg daraus, und den Schmerz, den gestaltet er um zu lauter kleinen Geistern, Berggeistern, die da drinnen sitzen. So sehen Sie (Zeichnung $. 192): Jetzt haben Sie hier Ihre große Zehe; die haben Sie herausgesetzt in den Raum, weil Sie ein krankes Gehirn u gehabt haben. Und jetzt schwören Sie darauf, vor Ihnen steht ein hoher Berg! Aber der ist eben bloß Ihre große Zehe. Das ist eine Wahnidee.
[ 37 ] But suppose someone has a diseased brain. If someone has a completely healthy brain, there is also a part of that brain that allows them to perceive pain in their big toe. To perceive pain in the big toe, one needs a healthy part of the brain. But let’s suppose this part of the brain were diseased. I have told you: The soul cannot become diseased, the astral body cannot become diseased, but the physical brain can become diseased. — If this part of the brain is diseased, the pain in the big toe cannot be perceived. What does the person do? Yes, gentlemen, a small part of the physical brain is diseased; but, you see, the etheric body of the brain is still present in that area. The etheric part of the brain located there is now not being supported by the physical part. What does the etheric part do? The etheric part turns your big toe into a mountain. It no longer merely perceives the big toe, but turns it into a mountain, and it transforms the pain into a multitude of little spirits—mountain spirits—that dwell inside it. So you see (drawing $. 192): Here you have your big toe; you’ve projected it out into space because you had a diseased brain. And now you swear that there’s a tall mountain standing before you! But it’s really just your big toe. That’s a delusion.
[ 38 ] Meine Herren, man muß sich davor hüten, solche Wahnideen zu haben, wenn man in die geistige Welt eindringen will, sonst kommt man eben in die Phantasterei hinein. Wodurch kann man denn das erreichen? Das muß man wiederum zunächst durch eine Schulung erreichen. Man muß wissen, was alles vom physischen Körper kommen kann, wenn er irgendwo krank ist. Dann wird man nicht mehr das, was einem als richtiger Geist erscheint, mit dem verwechseln, was nur aus dem physischen Körper aufsteigt.
[ 38 ] Gentlemen, one must guard against harboring such delusions if one wishes to penetrate the spiritual world; otherwise, one simply falls into fantasy. How, then, can this be achieved? This, in turn, must first be achieved through training. One must know what can emanate from the physical body when it is ill in some way. Then one will no longer confuse what appears to be the true spirit with what merely arises from the physical body.
[ 39 ] Also zu dem tätigen Denken, zu dem Rückwärtsdenken, zu dem Denken, das ich Ihnen das letzte Mal beschrieben habe, wo man ganz anders denkt als in der physischen Welt, muß auch das kommen, daß man genau weiß: Das und das rührt nur von deinem physischen Körper her. — Diese Vorbereitungen, die muß man haben.
[ 39 ] So, when it comes to active thinking, to thinking in reverse, to the kind of thinking I described to you last time—where one thinks in a completely different way than in the physical world—one must also come to know with certainty: This and that originate solely from your physical body. — These are the preparations one must have.
[ 40 ] Sehen Sie, in der Vorbereitung, die man früher gehabt hat, damit die Menschen ein wenig in die geistige Welt auf die alte Art eindringen konnten, gab es auch eine gewisse Kunst. Man nannte sie die Dialektik. Das heißt: Man hat denken lernen müssen. Heute, wenn man jemandem zumuten wollte, er solle erst denken lernen — ja, der würde einem alle Haare ausreißen, denn jeder Mensch glaubt, er kann schon denken. Aber es ist schon so, wenn man in die früheren Zeiten zurückgeht, daß eben die Leute erst ein gewisses Denken lernen mußten. Dieses Denkenlernen nannte man die Dialektik. Da mußte man vorwärts, rückwärts denken, da mußte man auch die Begriffe in der richtigen Weise setzen lernen.
[ 40 ] You see, in the preparation that used to be provided so that people could gain some access to the spiritual world in the old way, there was also a certain art. It was called dialectics. That means: One had to learn to think. Today, if you were to suggest to someone that they should first learn to think—well, they’d pull all your hair out, because everyone believes they already know how to think. But it’s true that, if you go back to earlier times, people actually had to learn a certain way of thinking first. This process of learning to think was called dialectics. One had to think forward and backward; one also had to learn to define concepts correctly.
[ 41 ] Und wodurch war das? Das war dadurch, daß man das Denken am Sprechen lernte. Ich habe Ihnen einmal gesagt, daß das Kind auch zuerst sprechen und dann denken lernt, aber natürlich ist das zunächst kindlich. Heute behält der Mensch das ganze Leben hindurch diese Kindlichkeit, aber sie taugt nichts mehr für das spätere Leben. Wenn man am Sprechen fortwährend denken lernt, dann kriegt man bei jedem Ausatmen und Einatmen die Luft richtig herein und hinaus. Denn das Sprechen hängt eben mit dem richtigen Atmen zusammen. Man kriegt die Luft richtig hinein und richtig heraus. Es hängt sehr viel davon ab, daß man sich einrichtet auf richtiges Sprechen, weil dieses richtige Sprechen einen auch auf richtiges Atmen einrichtet. Derjenige, der richtig atmen kann, kann lange sprechen; derjenige, der nicht richtig atmen kann, der ermüdet sehr bald, wenn er zusammenhängend lang spricht.
[ 41 ] And how did that come about? It came about because people learned to think through speaking. I once told you that a child also learns to speak first and then to think, but of course this is childlike at first. Today, people retain this childlike quality throughout their entire lives, but it is no longer of any use for later life. If one continually learns to think through speaking, then with every exhalation and inhalation, one gets the air in and out correctly. For speaking is precisely connected to proper breathing. You breathe the air in and out correctly. A great deal depends on focusing on speaking correctly, because this correct speech also trains you to breathe correctly. Those who can breathe correctly can speak for a long time; those who cannot breathe correctly tire very quickly when speaking at length without pause.
[ 42 ] Durch diese Dialektik, durch diese Kunst hat man richtig sprechen und dadurch auch richtig denken gelernt. Heute können ja die Leute nicht richtig denken, denn sie stoßen alle Augenblicke mit ihrem Atem an ihrem Atmungsorgan an. Hören Sie manchmal irgendeinem heutigen Gelehrten zu, wenn er spricht. Nun, erstens sprechen die wenigsten, sie lesen meistens ab; da nehmen sie ganz andere Dinge noch zu Hilfe, die Augen und so weiter, durch dieses unterstützen sie sich. Aber hören Sie ihnen zu, wenn sie sprechen: Es kommt einem meistens vor, als ob die Leute kurzatmig wären und immer anstoßen würden an ihren eigenen physischen Körper.
[ 42 ] Through this dialectic, through this art, people have learned to speak correctly and, as a result, to think correctly as well. Today, people are unable to think correctly, because they are constantly bumping into their respiratory organs with their breath. Listen sometimes to any modern scholar when he speaks. Well, first of all, very few actually speak; they mostly read from a text; in doing so, they rely on entirely different things—their eyes and so on—to support themselves. But listen to them when they speak: it usually seems as if they were short of breath and were constantly bumping against their own physical bodies.
[ 43 ] Dadurch wird Ihnen alles zu einem Bild vom physischen Körper. Ob Sie nun hier im Gehirn eine kranke Stelle haben und dadurch Ihnen Ihre große Zehe zu einem Berg mit allerlei Berggeistern wird, oder ob Sie mit dem Atem immerfort anstoßen beim Denken, ihn nicht herauskriegen, das ist einerlei: Die ganze Welt kommt Ihnen als ein Physisches vor, weil Sie fortwährend mit Ihrem Atem am physischen Körper anstoßen. Wovon rührt denn das eigentlich her, dieser Materialismus? Der Materialismus rührt davon her, daß die Leute nicht richtig denken können, nicht richtig ausatmen, daß Sie anstoßen. Daher glauben sie, die ganze Welt besteht nur aus Stoß und Druck. Stoß und Druck — das haben sie nämlich in sich, weil sie sich vorher nicht durch ein richtiges Denken vorbereiteten. Und so könnte man sagen: Wenn heute einer Materialist ist, so ist er es deshalb, weil er nicht aus sich heraus kann, weil er überall innerlich an sich anstößt.
[ 43 ] As a result, everything becomes an image of the physical body to you. Whether you have a diseased area here in the brain—causing your big toe to become a mountain inhabited by all sorts of mountain spirits—or whether you constantly bump into your breath while thinking and cannot get it out, it makes no difference: The whole world appears to you as something physical because you are constantly bumping against your physical body with your breath. Where does this materialism actually come from? Materialism stems from the fact that people cannot think properly, cannot exhale properly—that they are bumping against things. That is why they believe the whole world consists only of jolts and pressure. Impact and pressure—that is what they have within themselves, precisely because they did not prepare themselves beforehand through proper thinking. And so one could say: If someone is a materialist today, it is because they cannot step outside of themselves, because they are constantly bumping into themselves internally.
[ 44 ] Sehen wir uns noch einmal diesen Herrn Traugott an. Der sollte eigentlich sagen: Der Traum vom Fliegen, der kommt daher, weil wir aus uns herausgehen und der Astralleib anfängt, größer zu werden. — Aber auf das kommt er nicht, denn er denkt nach, furchtbar denkt er nach! Nun, meine Herren, denken Sie sich nur einmal: Wenn einer anfängt nachzudenken, der eigentlich nicht denken kann, was tut er? — Erst runzelt er die Stirn, nachher, wenn das noch nicht zum Denken führt, schlägt er sich an die Stirn. Was will er denn da eigentlich? Er will die Muskeln anspannen, er spannt die Muskeln; und wenn sie nicht genug gespannt sind, so will er sie noch schlagen, daß sie sich erst recht spannen. Was tut denn der Herr Traugott, wenn er über den Traum nachdenkt? Statt die Dinge anzuschauen, wie sie sind, spannt er seine eigenen Muskeln, und da findet er nun, was er selber tut: Muskelspannung, sagt er, aha! Der Traum ist gleich Muskelspannung. — Er verwechselt aber nur seine eigenen Gedanken vom Traum mit der Wirklichkeit. Sie können nur etwas lernen von dem Herrn Traugott — was dem passiert, wenn er über die Dinge nachdenkt —, wenn Sie diese Geschichte lesen. Es ist ja auch sonst heute so: Wenn man das liest, was die Leute drukken lassen, dann erfährt man, was die sich selber darüber einbilden. — Wenn man heute eine Zeitung liest, so muß man sich sagen: Was in der Welt vorkommt, darüber wirst du aus der Zeitung wenig erfahren, aber was die Herren, die in der Redaktionsstube sitzen, gern hätten, daß es in der Welt vorkomme, das wirst du erfahren.
[ 44 ] Let’s take another look at this Mr. Traugott. He should really be saying: “The dream of flying arises because we step outside ourselves and the astral body begins to expand.” — But he doesn’t get to that, because he’s thinking—he’s thinking terribly hard! Well, gentlemen, just imagine: When someone who can’t really think starts to think, what does he do? — First he furrows his brow; then, if that still doesn’t lead to thinking, he slaps his forehead. What is he actually trying to do there? He wants to tense his muscles; he tenses his muscles; and if they aren’t tense enough, he wants to hit them so that they’ll tense up even more. What does Mr. Traugott do when he thinks about the dream? Instead of looking at things as they are, he tenses his own muscles, and then he discovers what he himself is doing: “Muscle tension,” he says, “aha!” The dream is just like muscle tension.—But he’s merely confusing his own thoughts about the dream with reality. You can only learn something from Mr. Traugott—what happens to him when he thinks about things—if you read this story. That’s how it is these days, after all: When you read what people have printed, you find out what they themselves imagine about it. — When you read a newspaper today, you have to tell yourself: You’ll learn very little from the newspaper about what’s actually happening in the world, but you will learn what the gentlemen sitting in the newsroom would like to see happening in the world.
[ 45 ] So ist es auch mit der materialistischen Wissenschaft. Sie erfahren durch sie nicht, was die Welt ist, sondern was die materialistischen Professoren heute über die Welt denken. Wenn Sie einmal dahinter kommen, dann werden Sie sehen, daß die Anthroposophie eben nicht die Welt hintergehen will, sondern gerade Ehrlichkeit an die Stelle der Listigkeit und Illusion und desjenigen, was manchmal ganz bewußt unwahr ist, setzen will.
[ 45 ] The same is true of materialistic science. Through it, you do not learn what the world is, but rather what materialistic professors today think about the world. Once you realize this, you will see that anthroposophy does not seek to deceive the world, but rather aims to replace cunning, illusion, and what is sometimes quite deliberately untrue with honesty.
[ 46 ] Sie sehen also: Ehrlichkeit, innerliche Ehrlichkeit, das ist die vierte Eigenschaft, die vorhanden sein muß, um in die geistige Welt hineinzukommen. Wenn Sie die Welt so betrachten, werden Sie schon sehen: Ehrlichkeit ist nicht viel in der Welt vorhanden. Kein Wunder, daß sie auch nicht in der Wissenschaft vorhanden ist.
[ 46 ] So you see: honesty—inner honesty—is the fourth quality that must be present in order to enter the spiritual world. If you look at the world this way, you will see that honesty is not very common in the world. No wonder it is not present in science either.
[ 47 ] Damit haben wir vier Eigenschaften für das Denken betrachtet: Klar, selbständig denken, unabhängig von der Außenwelt denken, ganz anders denken als die physische Welt ist, und nun ehrlich denken. Andere Eigenschaften werden wir dann das nächste Mal betrachten.
[ 47 ] We have thus examined four characteristics of thinking: thinking clearly, thinking independently, thinking independently of the external world, thinking in a way that is completely different from the physical world, and now thinking honestly. We will examine other characteristics next time.
