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The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

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Recognizing the Supernatural in our Time
and its Significance for Modern Life
GA 55

14 March 1907, Berlin

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11. Wer Sind die Rosenkreuzer?

11. Who Are the Rosicrucians?

[ 1 ] Mit den Rosenkreuzern, die uns heute beschäftigen sollen, können in unserer Zeit die wenigsten Menschen einen Begriff verbinden, welcher der Sache auch nur einigermaßen entspricht. Es ist allerdings nicht so leicht, mit dem Namen Rosenkreuzer irgendeinen besonderen Begriff zu verbinden. Etwas Unbestimmtes scheint für viele Menschen hinter diesem Namen zu liegen. Wenn dann der eine oder der andere in kulturhistorischen oder sonstigen Büchern nachsieht, in denen man gewohnt ist, sich über solche Sachen Rat zu holen, so findet er allerdings einige Dinge darüber gesagt, zum Beispiel, daß die Rosenkreuzer eine Sekte oder dergleichen in den früheren Jahrhunderten deutscher Geistesentwicklung waren. Er findet auf der einen Seite von einigen hervorgehoben, daß man nicht richtig dahinterkommen könne, ob hinter dem vielen Schwindel und der Charlatanerie, welche sich einmal unter dem Namen des Rosenkreuzertums breitgemacht haben, auch irgend einmal etwas Vernünftiges und Klares gesteckt haben mag. Und auf der anderen Seite findet er dann auch allerlei Mitteilungen in gelehrten Büchern.

[ 1 ] Very few people today can associate the Rosicrucians—the subject of our discussion—with a concept that even remotely corresponds to the reality of the matter. It is, however, not so easy to associate any specific concept with the name “Rosicrucians.” For many people, there seems to be something vague behind this name. When one or the other looks it up in books on cultural history or other subjects—the kinds of books people usually turn to for information on such matters—they do find some things said about it, for example, that the Rosicrucians were a sect or something similar during the earlier centuries of German intellectual development. On the one hand, some emphasize that it is impossible to determine for certain whether, behind all the fraud and charlatanism that once spread under the name of Rosicrucianism, there may ever have been anything sensible and clear. And on the other hand, one also finds all sorts of accounts in scholarly books.

[ 2 ] Man muß in der Tat sagen, wenn das stimmen würde, was in der einschlägigen Literatur über die Rosenkreuzer geschrieben ist, dann könnte man so ziemlich damit einverstanden sein, daß das, was sich hinter diesem Namen verbirgt, für eitle Windbeutelei, reinen Schwindel und vielleicht noch viel Schlimmeres zu halten ist. Und auch jene, die noch versuchen, das Rosenkreuzertum zu verteidigen, entweder von oben herab oder vielleicht auch, indem sie bemerklich machen, daß sie über ein besonderes Wissen verfügen oder Aufschlüsse zu geben in der Lage sind, erwecken bei unseren Zeitgenossen und unseren Anschauungen kein besonderes Vertrauen. Allzuviel kommt auch bei der Verteidigung der Rosenkreuzer nicht heraus;insbesondere dann nicht, wenn gesagt wird: Gewiß, das Rosenkreuzertum wird in Zusammenhang gebracht mit Alchemie, mit der Bereitung des Steines der Weisen und allerlei sonstigen alchemistischen Kunststücken. Aber diese Kunststücke bedeuten dem echten, wahren Rosenkreuzer nichts als ein Sinnbild für die innere, moralische Läuterung der Seele, die Heranbildung der besonderen menschlichen Tugenden. Und wenn man sagt, es werde in der Rosenkreuzerei davon gesprochen, daß man unedle Metalle in Gold verwandeln könne, so sei damit nichts anderes gemeint, als daß man die unedlen Metalle der verschiedenen Menschenuntugenden in das Gold der menschlichen Tugenden verwandeln könne, und daß dieser Verwandlungsprozeß nur eine symbolische Darstellung dessen sei, wie man sich innerlich moralisch entwickeln solle.

[ 2 ] It must indeed be said that if what is written in the relevant literature about the Rosicrucians were true, then one could pretty much agree that what lies behind this name should be regarded as empty hot air, pure fraud, and perhaps even something much worse. And even those who still try to defend Rosicrucianism—whether condescendingly or perhaps by claiming to possess special knowledge or to be in a position to provide insights—do not inspire much confidence among our contemporaries or in light of our current views. Not much comes of the defense of the Rosicrucians either, especially when it is said: Certainly, Rosicrucianism is associated with alchemy, with the preparation of the Philosopher’s Stone, and all manner of other alchemical feats. But to the genuine, true Rosicrucian, these feats signify nothing more than a symbol of the inner, moral purification of the soul and the cultivation of specific human virtues. And when it is said that Rosicrucianism speaks of the ability to transform base metals into gold, this means nothing other than that one can transform the base metals of various human vices into the gold of human virtues, and that this process of transformation is merely a symbolic representation of how one should develop morally from within.

[ 3 ] Wenn es so wäre, so würde die ganze Geschichte nichts weiter als eine Trivialität oder noch etwas viel Nichtigeres sein, denn es ist schlechterdings kaum einzusehen, warum man allerlei alchemistische Dinge wie Metallverwandlung und so weiter erfinden sollte,um ein so auf derHand liegendes Ding zu demonstrieren, daß der Mensch sich läutern und seine Untugenden verwandeln solle. Dieser Einwand kann immer gegen diejenigen gemacht werden, die das große Werk des Rosenkreuzertums wie etwas bloß Symbolisches auffassen. Aber in der Tat steckt etwas viel Tieferes dahinter.

[ 3 ] If that were the case, the whole story would be nothing more than a triviality—or something even more insignificant—for it is simply hard to understand why one would invent all sorts of alchemical concepts, such as the transmutation of metals and so on, to demonstrate something so obvious: that human beings should purify themselves and transform their vices. This objection can always be raised against those who view the great work of Rosicrucianism as something merely symbolic. But in fact, there is something much deeper behind it.

[ 4 ] Nicht länger möchte ich mich bei dem Geschichtlichen aufhalten. Das Geschichtliche soll uns heute, wo ich eine sachliche Auseinandersetzung über das Rosenkreuzertum zu geben beabsichtige, wenig angehen. Das Geschichtliche braucht uns nicht weiter zu berühren, als nur insofern wir dadurch erfahren, daß das Rosenkreuzertum eine Gründung, eine Stiftung ist, die seit dem vierzehnten Jahrhundert tatsächlich im Abendlande besteht, daß sie zurückgeht auf eine Persönlichkeit, welche fast sagenumwoben ist, wie man bemerken könnte, von der aber die Geschichte nicht viel zu melden weiß: Christian Rosenkreutz.

[ 4 ] I do not wish to dwell any longer on the historical aspects. Today, as I intend to present an objective discussion of Rosicrucianism, the historical background is of little concern to us. We need not concern ourselves with the historical background any further than to learn that Rosicrucianism is an organization that has indeed existed in the Western world since the fourteenth century, and that it traces its origins to a figure who is, as one might say, almost shrouded in legend, yet about whom history has little to report: Christian Rosenkreutz.

[ 5 ] Was nun aus den verschiedenen Mitteilungen als ein gewisser Grundklang hervorgeht, ist dahin zusammenzufassen, daß Christian Rosenkreutz — so ist zwar nicht sein wahrer, wohl aber derjenige Name, unter dem er bekannt geworden ist — am Ende des fünfzehnten und im Beginne des sechzehnten Jahrhunderts auch Reisen gemacht habe, und daß er auf seinen Reisen durch das Morgenland das sogenannte Buch M. . . kennengelernt habe, jenes Buch, von dem uns sehr geheimnisvoll gesagt wird, daß Paracelsus, der große mittelalterliche Arzt und Mystiker, sein Wissen daraus geschöpft habe. Dies ist wirklich eine wahre Tatsache, doch nur die Eingeweihten wissen: erstens, was das Buch M... ist, und zweitens, was das Studium im Buche M. . . bedeutet.

[ 5 ] What emerges as a certain underlying theme from the various accounts can be summarized as follows: Christian Rosenkreutz—which is not his true name, but rather the name by which he has become known—is said to have traveled at the end of the fifteenth and the beginning of the sixteenth centuries, and that during his travels through the Orient he encountered the so-called Book M. . . — that very book about which we are told, in a most mysterious way, that Paracelsus, the great medieval physician and mystic, drew his knowledge from it. This is indeed a true fact, but only the initiated know: first, what the Book M... is, and second, what the study of the Book M. . . entails.

[ 6 ] Die äußere Welt ist immer wieder hingewiesen worden auf das Rosenkreuzertum durch die beiden Schriften, die vom Anfange des siebzehnten Jahrhunderts stammen. Im Jahre 1614 erschien die sogenannte «Fama Fraternitatis» und ein Jahr später die sogenannte «Confessio» — zwei Bücher, über die von gelehrter Seite viel gestritten worden ist. Und zwar nicht nur darüber, worüber bei so vielen Büchern sonst gestritten wird, ob jener Valentin Andreae, der in seinen späteren Lebensjahren ein ganz normaler Superintendent war, auch wirklich das Buch verfaßt hat —, sondern bei diesen Büchern ist auch darüber gestritten worden, ob sie von den Verfassern ernst genommen worden sind, oder ob sie nur ein Spott darüber sein sollten, daß es eine gewisse geheimnisvolle Brüderschaft desRosenkreuzes gäbe, welche diese und jene Tendenzen und Ziele habe. Dann gibt es im Gefolge dieser Schriften eine ganze Reihe anderer, die allerlei aus dem Bereiche des Rosenkreuzertums mitteilen. Wenn Sie die Schriften von Valentin Andreae und auch andere rosenkreuzerische Schriften in die Hand nehmen, dann werden Sie, wenn Sie die eigentliche Grundlage des Rosenkreuzertums nicht kennen, in diesen Schriften nichts besonderes finden. Denn es ist überhaupt bis in unsere Zeit hinein nicht möglich gewesen, auch nur das Elementarste aus dem Bereiche dieser Geistesströmung, die seit dem vierzehnten Jahrhundert wirklich existiert hat und auch heute noch existiert, kennenzulernen. Alles, was in die Literatur übergegangen ist, was geschrieben und gedruckt worden ist, sind einzelne Bruchstücke, einzelne verlorene, durch Verrat an die Offentlichkeit gekommene Dinge, die ungenau und in vielfacher Weise durch Charlatanerie, Schwindel, Unverstand und Dummheit verkehrt worden sind. Die wahre, echte Rosenkreuzerei ist, seitdem sie besteht, stets nur Gegenstand mündlicher Mitteilung an solche gewesen, welche sich eidlich zur Geheimhaltung verpflichten mußten. Daher ist auch nichts Erhebliches in die öffentliche Literatur übergegangen. Erst dann, wenn man dasjenige kennt, was heute — aus gewissen Gründen, die zu erläutern jetzt zu weit führen würde — in der elementaren Rosenkreuzerei öffentlich mitgeteilt werden kann und wovon wir heute werden sprechen können, kann man in den oftmals grotesken, oft bloß komischen, oft aber auch schwindelhaften und selten stimmenden Mitteilungen der Literatur einigen Sinn finden. Die Rosenkreuzerei ist eine der Methoden, wie man die sogenannte Einweihung erreichen kann. Was Einweihung heißt, davon ist des öfteren an dieser Stelle schon die Rede gewesen. Einweihen heißt, die in jeder Menschenseele schlummernden Fähigkeiten erwecken, durch die man hineinsehen kann in die geistigen Welten, die hinter unserer sinnlichen Welt liegen, und von denen unsere sinnliche Welt nur ein äußerer Ausdruck, eine Wirkung ist. Ein Eingeweihter ist derjenige, welcher die genau bestimmten, wissenschaftlich durchgearbeiteten Methoden der Einweihung angewendet hat, Methoden, die ebenso wissenschaftlich durchgearbeitet sind wie diejenigen der Chemie, der Physik oder anderer wissenschaftlicher Gebiete. Dasjenige, was in solchen Methoden durchgemacht wird, ist allerdings nicht etwas, was der Mensch auf etwas Außeres anzuwenden hat, sondern was sich zunächst nur auf ihn selbst bezieht, auf das Instrument, das Werkzeug, durch das man in die geistige Welt hineinsieht. Der wirkliche Geisteskenner weiß, wie tief und wahr Goethes Ausspruch ist:

[ 6 ] The outside world has repeatedly been made aware of Rosicrucianism through the two writings dating from the early seventeenth century. In 1614, the so-called “Fama Fraternitatis” was published, and a year later, the so-called “Confessio”—two books that have been the subject of much scholarly debate. And not only regarding the issue typically debated in connection with so many books—namely, whether Valentin Andreae, who in his later years was an ordinary superintendent, actually authored the book —but there has also been debate regarding these books as to whether their authors took them seriously, or whether they were intended merely as a mockery of the notion that there was a certain mysterious Rosicrucian brotherhood with such-and-such tendencies and goals. Then, in the wake of these writings, there is a whole series of others that convey all manner of information from the realm of Rosicrucianism. If you pick up the writings of Valentin Andreae and other Rosicrucian texts, you will find nothing of particular note in them unless you are familiar with the actual foundations of Rosicrucianism. For even up to the present day, it has not been possible to learn even the most basic elements of this spiritual movement, which has truly existed since the fourteenth century and still exists today. Everything that has found its way into literature—that which has been written and printed—consists of isolated fragments, individual lost items that were revealed to the public through betrayal, and which have been distorted in many ways by charlatanism, fraud, ignorance, and stupidity. True, authentic Rosicrucianism has, ever since its inception, been the subject of oral transmission only to those who were required to swear an oath of secrecy. For this reason, nothing of substance has found its way into public literature. Only when one is familiar with what can today—for certain reasons that would take too long to explain here—be publicly communicated in elementary Rosicrucianism, and which we can discuss today, can one find any meaning in the often grotesque, often merely comical, but often also fraudulent and rarely accurate accounts found in the literature. Rosicrucianism is one of the methods by which one can attain what is called initiation. What initiation means has already been discussed here on several occasions. Initiation means awakening the abilities that lie dormant in every human soul, through which one can glimpse the spiritual worlds that lie beyond our sensory world, and of which our sensory world is merely an outward expression, an effect. An initiate is one who has applied the precisely defined, scientifically developed methods of initiation—methods that are just as scientifically developed as those of chemistry, physics, or other scientific fields. What one undergoes in such methods, however, is not something to be applied to an external object, but rather something that initially pertains only to oneself—to the instrument, the tool through which one looks into the spiritual world. The true connoisseur of the spirit knows how profound and true Goethe’s saying is:

Geheimnisvoll am lichten Tag
Läßt sich Natur des Schleiers nicht berauben,
Und was sie deinem Geist nicht offenbaren mag,
Das zwingst du ihr nicht ab mit Hebeln und mit Schrauben.

Mysterious in Broad Daylight
Nature cannot be stripped of its veil,
And what it chooses not to reveal to your mind,
You cannot force from it with levers and screws.

[ 7 ] Tief, tief sind die Geheimnisse der Natur, aber nicht unergründlich tief, wie manche sagen möchten, die im höheren Sinne nur zu bequem sind, in die Geheimnisse der Natur einzudringen. Nicht unergründlich tief sind sie, sondern zu ergründen durch den Menschengeist, zwar nicht durch den Alltagsgeist, aber denMenschengeist, der verborgene Kräfte der Seele durch gewisse, streng umschriebene Methoden aus sich herausholt. Wenn der Mensch sich nach und nach vorbereitet, dann gelangt er allmählich dazu, dasjenige geoffenbart zu erhalten, was als ein Wissen nur denen zukommt, die wirklich eingeweiht sind: jenes große Geheimnis, von dem, was, um mit Goethes Ausspruch zu sprechen, «die Welt im Innersten zusammenhält». Die Enthüllung dieses Geheimnisses ist eigentlich die Frucht der wirklichen Einweihung.

[ 7 ] Deep, deep are the mysteries of nature, but not unfathomably deep, as some would have us believe—those who, in a higher sense, are simply too complacent to delve into the mysteries of nature. They are not unfathomably deep, but can be fathomed by the human spirit—not by the spirit of everyday life, but by the human spirit that draws forth the hidden powers of the soul through certain, strictly defined methods. If a person prepares himself step by step, he will gradually come to receive the revelation of that which, as knowledge, belongs only to those who are truly initiated: that great mystery of what, to quote Goethe, “holds the world together at its very core.” The unveiling of this mystery is, in fact, the fruit of true initiation.

[ 8 ] Es ist hier des öfteren auseinandergesetzt worden, daß die ersten Stufen der Einweihung durchaus gefahrlos für jeden zu durchwandern sind, daß aber die höheren Stufen die größtmöglichste menschliche Hingabe an die unbedingteste Wahrheitserforschung verlangen. Wenn der Mensch sich jenen Pforten nähert, durch die er einen Einblick gewinnen kann in ganz andere Welten, dann weiß er allerdings, daß etwas von Wirklichkeit steckt hinter der oftmals gebrauchten Redensart, daß es gefährlich ist, großen Menschenmengen die heiligen Geheimnisse des Daseins mitzuteilen. Soweit es heute möglich ist und soweit es geschehen kann, die Menschen dazu vorzubereiten, allmählich den Weg finden zu können, zu den höchsten Geheimnissen der Natur und der geistigen Welt, soweit ist es auch möglich, die höheren Geheimnisse zu enthüllen. Was man die geisteswissenschaftliche Bewegung nennt, ist ein Pfad, der erschlossen ist, die Menschen dahin zu führen, daß sie den Weg zu den höheren Geheimnissen finden können. Solcher Wege zu den höheren Geheimnissen gibt es eine ganze Anzahl. Nicht als ob die letzte Weisheit, die der Mensch erringen kann, viele Gestalten annehmen könnte; das ist nicht der Fall. Die höchste Weisheit ist eine einheitliche. Wo und wann auch immer Menschen leben oder gelebt haben, wenn sie einmal zur höchsten Weisheit gekommen sind, dann ist diese höchste Weisheit für alle Menschen eine einheitliche, wie der Ausblick vom Gipfel eines Berges, wenn man ganz oben sich befindet, ein einheitlicher ist. Aber es gibt verschiedene Wege, um zum Gipfel des Berges hinaufzugelangen, und man wird denjenigen Weg wählen, welcher von dem Ausgangspunkte aus, an dem man sich befindet, der geeignetste ist. Wenn man an einem gewissen Punkte des Berges steht und einen Weg vom eigenenStandpunkte haben kann, so wird man nicht erst um den Berg herumgehen. So ist es auch mit dem Weg, der zu der höchsten Erkenntnis hinaufführt. Hier handelt es sich darum, daß die Ausgangspunkte, die man zu wählen hat, von der Menschennatur aus zu nehmen sind. Das, was hier in Betracht kommt, beachten die Menschen heutzutage viel zu wenig: Es ist die große Verschiedenheit der menschlichen Natur zu berücksichtigen. Anders organisiert als heute waren, wenn auch vielleicht nicht für die grobe Anatomie und Physiologie, aber für die feinere Geistesforschung, jene höheren Glieder des alten indischen Volkes, so daß es möglich war, bis heute eine wunderbare Geheim- oder Geisteswissenschaft zu bewahren und auch die dazugehörige Methode der Einweihung: die sogenannte Yoga-Schulung. Diese orientalische Yoga-SchuJlung ist der Weg, welcher zu dem Gipfel der Erkenntnis hinaufführt bei einer so organisierten Natur, wie die Angehörigen des alten indischen Volkes sie hatten. Für den heutigen Europäer würde derselbe Weg so unsinnig sein, wie wenn jemand, der an einem bestimmten Fußpunkte eines Berges steht, erst um den Berg herumgehen wollte, um einen Weg zu suchen und zu benützen. Die Natur des heutigen Europäers ist ganz anders als die orientalische Natur. Anders als heute war auch die menschliche Natur organisiert um die Zeit der Entstehung des Christentums herum, einige Jahrhunderte vorher und einige nachher.

[ 8 ] It has often been discussed here that the first stages of initiation can be traversed quite safely by anyone, but that the higher stages demand the greatest possible human devotion to the most uncompromising pursuit of truth. When a person approaches those gates through which he can gain insight into entirely different worlds, he knows, however, that there is a grain of truth behind the oft-repeated saying that it is dangerous to reveal the sacred mysteries of existence to large crowds. To the extent that it is possible today—and to the extent that it is feasible to prepare people to gradually find their way to the highest mysteries of nature and the spiritual world—to that extent it is also possible to unveil the higher mysteries. What is called the spiritual science movement is a path that has been opened up to lead people so that they may find the way to the higher mysteries. There are a great many such paths to the higher mysteries. Not that the ultimate wisdom that human beings can attain could take on many forms; that is not the case. The highest wisdom is one and the same. Wherever and whenever people live or have lived, once they have attained the highest wisdom, this highest wisdom is one and the same for all people, just as the view from the summit of a mountain is one and the same when one is at the very top. But there are different paths to reach the summit of the mountain, and one will choose the path that is most suitable from the starting point where one stands. If one stands at a certain point on the mountain and can see a path from one’s own vantage point, one will not first go all the way around the mountain. The same is true of the path that leads upward to the highest knowledge. The point here is that the starting points one must choose must be taken from human nature itself. People today pay far too little attention to what is at stake here: the great diversity of human nature must be taken into account. The higher members of the ancient Indian people were organized differently than people are today—perhaps not in terms of gross anatomy and physiology, but certainly in terms of finer spiritual research—so that it was possible to preserve, to this day, a wondrous esoteric or spiritual science, along with the corresponding method of initiation: the so-called yoga training. This Eastern yoga training is the path that leads to the summit of knowledge for a nature organized as that of the ancient Indian people. For today’s European, the same path would be as nonsensical as if someone standing at a specific base of a mountain were first to walk around the mountain to seek and use a path. The nature of today’s European is entirely different from the Eastern nature. Human nature was also organized differently around the time of the emergence of Christianity—several centuries before and several centuries after.

[ 9 ] Wenn wir daran festhalten, was eben gesagt worden ist, daß Einweihung soviel bedeutet wie innere Kräfte herauszuholen, innere Kräfte zu erwecken durch bestimmte Methoden, so daß der Mensch das Instrument wird, durch das er in die geistige Welt hineinschauen und sie erforschen kann, dann müssen wir zugeben, daß auf diese Menschennatur Rücksicht genommen werden muß. So wie die alten heiligen Rishis, jene großen Lehrer des alten indischen Volkes, die wunderbare Methode ausgearbeitet haben, die heute noch immer für die Angehörigen des indischen Volkstums ihre Gültigkeit hat, so wie im Anfange des Christentums die christlich-gnostische Methode hinaufführen mußte in die geistigen Gebiete, so muß für den modernen Menschen, für den Menschen, der in unserer heutigen Umwelt lebt, wenn er ganz und gar dieser heutigen Welt angehört und aus dieser die Bedingungen seines Daseins schöpft, eine andere Methode die taugliche sei. Deshalb erneuern die großen Meister der Weisheit, welche die Menschengeschicke leiten, im Laufe der Jahrhunderte und Jahrtausende immer wieder und wieder die Methoden, durch die der Gipfel der Weisheit erreicht werden kann. Für die heutige Menschheit, für den Menschen, der aus den modernen Bedingungen des Daseins herausgewachsen ist, sind gerade von der rosenkreuzerischen Strömung die rosenkreuzerischen Methoden begründet worden. Sie sind also Einweihungsmethoden, die geradeso zum Gipfel der Weisheit hinaufführen wie andere Methoden, nur daß sie auf besondere, augenblicklich vorhandene Bedingungen des modernen Menschen eingehen.

[ 9 ] If we hold fast to what has just been said—that initiation means drawing out inner forces, awakening inner forces through specific methods, so that the human being becomes the instrument through which he can look into and explore the spiritual world—then we must admit that this aspect of human nature must be taken into account. Just as the ancient holy Rishis—those great teachers of the ancient Indian people—developed the wonderful method that is still valid today for members of the Indian people, and just as in the early days of Christianity the Christian-Gnostic method had to lead people up into the spiritual realms, so too must a different method be suitable for modern humanity—for the person living in our present-day environment, who belongs entirely to this modern world and derives the conditions of his existence from it. That is why the great Masters of Wisdom, who guide the destinies of humanity, have, over the course of centuries and millennia, repeatedly renewed the methods through which the summit of wisdom can be attained. For humanity today—for people who have grown out of the modern conditions of existence—the Rosicrucian methods have been established precisely by the Rosicrucian movement. They are thus methods of initiation that lead just as surely to the summit of wisdom as other methods, except that they address the specific, currently prevailing conditions of modern humanity.

[ 10 ] Nicht sind etwa die rosenkreuzerischen Methoden unchristlich oder antichristlich. Davon kann keine Rede sein. Dasjenige, was dasChristentum demMenschen an Schulung bieten kann, das wird auch in der rosenkreuzerischen Methode geboten. Aber zu gleicher Zeit erwirbt sich derjenige, der eine Rosenkreuzerschulung durchmacht, die Fähigkeit, die geheim- und geisteswissenschaftlichen Errungenschaften in vollem Einklang zu sehen mit der ganzen modernen Bildung, mit alledem, was modernes Fühlen und moderne Anschauung von der Natur des Geistes notwendig macht. Für lange Jahrhunderte in die Zukunft hinein werden die rosenkreuzerischen Methoden die richtigen Methoden der Einweihung in das geistige Leben sein. Als sie begründet worden sind, galten für ihre Anhänger gewisse Regeln. Diese Regeln gelten im Grunde genommen auch heute noch. Weil diese Regeln streng eingehalten werden von allen denen, die wirklich Rosenkreuzer sind, deshalb ist es für Außenstehende unmöglich, den Rosenkreuzer zu erkennen. Nie erkenne einer den anderen, das ist die erste Regel, die nur in Jletzter Zeit eine kleine Änderung erfahren hat. Ihr sollt die Weisheit im engsten Kreise pflegen, Ihr sollt aber die Resultate, die Früchte der Weisheit allen Menschen zugängJich machen. Deshalb trug der Rosenkreuzer bis vor kurzem dasjenige, wodurch er in die Tiefe der Natur hineinschaut, niemals vor das Publikum. Keine Theorie, kein Begriff, keine Idee, nichts von irgendwelchen Vorstellungen und Erkenntnissen wurde da gegeben, sondern Arbeiten wurden geleistet, welche die Kultur vorwärtsbringen und wodurch die Weisheit dem Volke in einer Weise eingeimpft wurde, daß die Außenstehenden nicht viel davon merken konnten.

[ 10 ] It is not as though the Rosicrucian methods are unchristian or antichristian. That is out of the question. Whatever Christianity can offer humanity in terms of training is also offered by the Rosicrucian method. But at the same time, those who undergo Rosicrucian training acquire the ability to see the achievements of esoteric and spiritual science in full harmony with all of modern education, with everything that modern sensibilities and modern views of the nature of the spirit necessitate. For many centuries to come, the Rosicrucian methods will be the true methods of initiation into spiritual life. When they were first established, certain rules applied to their followers. These rules essentially still apply today. Because these rules are strictly observed by all who are truly Rosicrucians, it is impossible for outsiders to recognize a Rosicrucian. “Never let one recognize the other”—that is the first rule, which has undergone only a slight change in recent times. You are to cultivate wisdom within the innermost circle, but you are to make the results—the fruits of wisdom—accessible to all people. That is why, until recently, the Rosicrucian never revealed to the public that which enables him to peer into the depths of nature. No theory, no concept, no idea—nothing of any kind of notion or insight—was ever presented there; rather, work was carried out that advanced civilization and through which wisdom was instilled in the people in such a way that outsiders could not perceive much of it.

[ 11 ] Das ist der erste Grundsatz, den weiter auszuführen zu weit führen würde, und in bezug auf dessen Kern ich nur bemerken wollte, daß er heutzutage zum Teil durchbrochen wird, daß aber die höhere rosenkreuzerische Weisheit nicht verkündet werden darf. Der zweite Grundsatz bezieht sich auf die Art des Auftretens und heißt: Gehe auf in derjenigen Volksmasse und derjenigen Kulturströmung, in die du hineingestellt worden bist. Sei ein Mitglied des Volkes und Standes der Bildungs- und der Kulturstufe, in die du hineingestellt worden bist. Trage kein besonderes Kleid, wie es gewöhnlich ausgedrückt wird, trage das allgemeineKleid, welches die anderen tragen. — Daher werden Sie als eine Art und Weise finden, daß der Rosenkreuzer da, wo er wirkt, möglichst wenig aus der Ehrsucht und aus der Selbstsucht heraus zu wirken sucht. Er wird versuchen, da und dort an Kulturströmungen anzuknüpfen, bestrebt sein, sie zu vertiefen und das Vorhandene zu gebrauchen, aber er wird immer im Auge haben etwas, was noch viel tiefer ist, was ihn verbindet mit der Zentralweisheit des Rosenkreuzertums selbst. Die anderen Grundsätze brauchen uns jetzt nicht zu beschäftigen, denn wir wollen uns jetzt mit der Rosenkreuzerschulung befassen, wie sie seit Jahrhunderten bestanden hat und noch besteht. Die Dinge, die mitgeteilt werden können, sind in gewisser Beziehung elementar, sind nur der Anfang des ganzen Systems der Rosenkreuzerschulung. Es muß aber gesagt werden, daß von dieser Schulung dasselbe gilt, was von jeder geisteswissenschaftlichen Schulung gesagt werden kann: daß die Menschen nicht literarisch suchen sollen, sondern nur dann sich praktisch mit der Sache beschäftigen möchten, wenn sie die persönliche Anleitung eines Wissenden haben. Alles, was man in dieser Beziehung sagen kann, finden Sie in der Zeitschrift «Luzifer-Gnosis» von Nr. 13 an unter dem Titel: «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?»

[ 11 ] This is the first principle, which would take too long to elaborate on here; regarding its essence, I would only like to note that it is sometimes violated today, but that the higher Rosicrucian wisdom must not be revealed. The second principle concerns the manner of conduct and states: Blend in with the masses and the cultural currents into which you have been placed. Be a member of the people and the social class corresponding to the level of education and culture into which you have been placed. Do not wear distinctive clothing, as is commonly put; wear the ordinary clothing that others wear. — Therefore, you will find that the Rosicrucian, wherever he is active, seeks to act as little as possible out of ambition or self-interest. He will try to connect with cultural currents here and there, strive to deepen them, and make use of what already exists, but he will always keep in mind something that is much deeper—something that connects him to the central wisdom of Rosicrucianism itself. We need not concern ourselves with the other principles at this time, for we now wish to address Rosicrucian training as it has existed for centuries and continues to exist. The things that can be communicated are, in a certain sense, elementary; they are only the beginning of the entire system of Rosicrucian training. It must be said, however, that the same applies to this training as can be said of any training in spiritual science: that people should not seek knowledge through books alone, but should only engage with the subject in a practical way when they have the personal guidance of a knowledgeable teacher. Everything that can be said in this regard can be found in the journal Luzifer-Gnosis, starting with issue No. 13, under the title: “How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?”

[ 12 ] Was bei der Rosenkreuzerschulung zwecks Eintretens in die geistige Welt der Schüler zu absolvieren hat, sind folgende sieben Stufen. Diese brauchen nicht etwa in der Reihenfolge, wie ich sie aufzählen werde, von dem Schüler durchgemacht zu werden. Der Lehrer wird, je nach der Individualität des Schülers, aus dem einen oder dem anderen Punkte dasjenige herausheben, was gerade für den Schüler notwendig ist, und wird so eine Art von Lehrgang, eine Art von innerem Entwicklungsgang dem betreffenden Schüler persönlich zu geben haben. Hier muß man aber die Stufen der Rosenkreuzerschulung aufzählen. Es sind sieben:

[ 12 ] The Rosicrucian training program requires students to complete the following seven stages in order to enter the spiritual world. These stages do not necessarily have to be completed by the student in the order in which I will list them. Depending on the student’s individuality, the teacher will highlight from one point or another what is specifically necessary for that student, and will thus have to provide a kind of course, a kind of inner path of development, tailored personally to the student in question. Here, however, it is necessary to list the stages of Rosicrucian training. There are seven:

[ 13 ] 1. Was man im rosenkreuzerischen Sinne «Studium» nennt.

[ 13 ] 1. What is called “Studium” in the Rosicrucian sense.

[ 14 ] 2. Was man als Aneignung der sogenannten imaginativen Erkenntnis bezeichnet.

[ 14 ] 2. What is referred to as the appropriation of so-called imaginative knowledge.

[ 15 ] 3. Was man die Aneignung der okkulten Schrift nennt.

[ 15 ] 3. What is known as the study of occult writings.

[ 16 ] 4. Was man entweder mit dem anspruchslosen Wort bezeichnet: Rhythmisierung des Lebens, oder auch, und zwar im wahrhaftigen Sinne: die Bereitung des Steins der Weisen. Das ist etwas, was es gibt, was nur nicht jenes törichte Ding ist, von dem Sie in Büchern lesen können.

[ 16 ] 4. What is referred to either by the unpretentious term “rhythmization of life,” or—in the truest sense—as “the preparation of the philosopher’s stone.” This is something that exists, though it is certainly not that foolish thing you might read about in books.

[ 17 ] 5. Was man die Erkenntnis des Mikrokosmos, das heißt der eigenen menschlichen Natur nennt.

[ 17 ] 5. What is called the knowledge of the microcosm, that is, one’s own human nature.

[ 18 ] 6. Was man nennt: das Aufgehen in den Makrokosmos oder in die große Welt draußen.

[ 18 ] 6. What is known as: merging with the macrocosm or the great world outside.

[ 19 ] 7. Was man nennt: die Erreichung der Gottseligkeit.

[ 19 ] 7. What is known as: the attainment of godliness.

[ 20 ] In welcher Aufeinanderfolge der Schüler diese Stufen durchmacht, das hängt ganz von seiner Individualität ab. Durchmachen aber muß er sie in der elementaren Rosenkreuzerschulung. Betrachten Sie das, was ich Ihnen bezüglich der Rosenkreuzerschulung gesagt habe und was ich jetzt noch charakterisieren werde, als eine Art Ideal. Glauben Sie nicht, daß man es von heute auf morgen ausführen kann, aber man muß das, was einem heute noch fernsteht, seinem tieferen Inhalte nach, wenigstens dem Wortlaute nach kennenlernen. Beginnen kann der Mensch zu jeder Zeit, wenn er sich bewußt ist, daß er Geduld, Energie und Ausdauer haben muß.

[ 20 ] The order in which the student goes through these stages depends entirely on his or her individuality. However, he or she must go through them as part of the elementary Rosicrucian training. Consider what I have told you regarding Rosicrucian training—and what I am about to describe—as a kind of ideal. Do not think that this can be accomplished overnight, but one must become acquainted with what is still distant from one today—at least in terms of its deeper meaning, if not in every detail. A person can begin at any time, provided they are aware that they must have patience, energy, and perseverance.

[ 21 ] Der erste Punkt, das Studium, schließt ein Wort ein, das für viele pendantisch klingt. Es wird aber keine Gelehrsamkeit darunter verstanden. Um Eingeweihter zu sein, braucht man nicht gelehrt zu sein. Gelehrsamkeit hat mit geistiger Erkenntnis nicht allzuviel zu tun. Unter dem Studium, um das es sich hier handelt, ist etwas anderes zu verstehen. Dieses Studium ist aber unerläßlich, und niemand darf durch einen wirklich kundigen Lehrer der Rosenkreuzerei in höhere Stufen eingeführt werden, wenn er nicht Neigung hat, die Stufe des Studiums wirklich durchzumachen. Durch das Studium soll sich der Schüler ein völlig vernünftiges, ganz und gar logisches Denken aneignen, ein Denken, welches ihn davor bewahrt, beim Durchgang durch die folgenden Stufen — wie das leicht sein könnte — den Boden unter den Füßen zu verlieren. Es muß durchaus festgehalten werden, daß derjenige, der eintreten soll in die geistige Welt, sie vorher kennenlernen soll, da sie in manche Irrpfade hineinführen kann, welcher Gefahr er nur dann entgeht, wenn er alles Phantastische, alles Unlogische, alles, was irgendwie unvernünftig sein könnte, vor allen Dingen abgelegt hat. Ein Phantast, der sich Vorstellungen über allerlei Unwirkliches macht, ist nicht zu gebrauchen für die geistige Welt.

[ 21 ] The first point—study—includes a word that sounds pedantic to many. However, it does not refer to scholarly learning. To be an initiate, one need not be learned. Scholarly knowledge has little to do with spiritual insight. The “study” referred to here means something else entirely. This study, however, is indispensable, and no one may be initiated into higher degrees by a truly knowledgeable teacher of Rosicrucianism unless they have a genuine inclination to truly complete the stage of study. Through this study, the student is to acquire a completely rational, thoroughly logical way of thinking—a way of thinking that will prevent him from losing his footing as he passes through the subsequent stages, as might easily happen. It must be firmly emphasized that anyone who is to enter the spiritual world must first become acquainted with it, since it can lead one down many wrong paths—a danger from which one can escape only if one has, above all, cast off everything fantastical, everything illogical, and everything that could in any way be unreasonable. A fantasist who conjures up all sorts of unreal ideas is of no use to the spiritual world.

[ 22 ] Das ist der eine Grund. Der andere Grund ist der, daß man, wenn man in die höheren Welten kommt, das Mannigfaltigste an Wahrnehmungen erfährt, was durch und durch verschieden ist von dem, was uns hier in der Sinnenwelt umgibt. Derjenige, welcher hineinschauen kann — wenn ihm die inneren Sinne der Seele geöffnet werden — in die uns am nächsten befindlichen geistigen Welten, die wir gewohnt sind, die astrale und geistige Welt zu nennen, in die Welten, aus denen der Mensch ebenso herausgeboren ist wie aus der physischen Welt, lernt Dinge kennen, die grundverschieden sind von den Wahrnehmungen in unserer Sinnenwelt. Wer die astrale oder geistige Welt betritt, weiß, wie grundverschieden diese Welten sind von dem, was er hier mit Augen zu sehen, mit Ohren zu hören gewohnt ist. Aber eines ist gleich durch alle drei Welten, durch die physische, astrale, geistige oder devachanische Welt, und das ist das logische Denken. Weil das logische Denken in allen drei Welten dasselbe ist, deshalb kann es hier in dieser physischen Welt schon gelernt werden, so daß wir durch dasselbe eine feste Stütze in den anderen Welten haben werden. Lernt man aber so denken, daß der Gedanke irrlichteliert, so daß man nicht unterscheiden kann Phantasiegebilde von Wirklichkeit, so daß man zum Beispiel, wie unsere Physiker heute es tun, Atome, die niemand in unserer physischen Welt gesehen hat, wie etwas Wirkliches behandelt, gibt man sich solchen Phantasien schon in der physischen Welt hin, dann ist man nicht fähig, sich hinaufzuheben in die höheren Welten. Denken Sie sich einmal, was ein Mensch, der nicht an strenge und unerbittliche Logik gewohnt ist, von den höheren Welten für Zeug erzählen könnte.

[ 22 ] That is one reason. The other reason is that when one enters the higher worlds, one experiences a vast variety of perceptions that are entirely different from what surrounds us here in the sensory world. Those who are able to look into—when the inner senses of the soul are opened to them—the spiritual worlds closest to us, which we are accustomed to calling the astral and spiritual worlds, the worlds from which human beings are born just as they are born from the physical world, come to know things that are fundamentally different from the perceptions in our sensory world. Anyone who enters the astral or spiritual world knows how fundamentally different these worlds are from what they are accustomed to seeing with their eyes and hearing with their ears here. But one thing is the same throughout all three worlds—the physical, astral, spiritual, or devachanic worlds—and that is logical thinking. Because logical thinking is the same in all three worlds, it can already be learned here in this physical world, so that through it we will have a firm foundation in the other worlds. But if one learns to think in such a way that one’s thoughts wander aimlessly—so that one cannot distinguish between figments of the imagination and reality—so that, for example, as our physicists do today, treat atoms—which no one has ever seen in our physical world—as something real, and if one indulges in such fantasies even in the physical world, then one is incapable of raising oneself up into the higher worlds. Just imagine what a person who is not accustomed to strict and relentless logic might say about the higher worlds.

[ 23 ] Nun handelt es sich allerdings nicht um das, was man im gewöhnlichen Sinne Denken nennt. Das gewöhnliche Denken ist nur ein Kombinieren sinnlicher Wirklichkeiten. Hier handelt es sich aber um ein Denken, das sinnlichkeitsfrei geworden ist. Gelehrte und Philosophen leugnen heutzutage ein solches Denken überhaupt. Sie können bei vielen Philosophen, die heute einen großen Namen haben, nachlesen, daß der Mensch nicht in bloßen Gedanken denken könne, sondern immer nur in solchen Gedanken denken müsse, die einen Rest von sinnlichen Bildern enthalten. Wenn ein Philosoph das sagt, dann beweist das nichts weiter, als daß er nicht in reinen Gedanken denken kann, und es ist eine unbeschreibliche Unbescheidenheit, wenn man das, was man selber nicht kann, als eine allgemeine Unfähigkeit hinstellt. Der Mensch muß imstande sein, sich Gedanken zu bilden, die nicht mehr von Wahrnehmungen der Augen und Ohren abhängig sind, so daß er in einer reinen Gedankenwelt leben kann, in der Welt, die er in sich selber findet, wenn er die Aufmerksamkeit von den äußeren, sinnlichen Wirklichkeiten ablenkt. Dieses Denken nennt man in der Geisteswissenschaft und auch im Rosenkreuzertum das sich selbst erzeugende Denken. Derjenige, der nichts anderes tun will, um ein solches Studium zu absolvieren, mag die Lehrbücher der heutigen Geisteswissenschaft vornehmen. Das, was Sie da finden, sind nicht bloß sinnnliche Kombinationen, sondern Gedanken, die aus höheren Welten stammen, Gedanken, die ein geschlossenes Denken darstellen, das jeder verstehen kann, so daß er nicht bei der gewöhnlichen, trivialen Art des Denkens stehenzubleiben braucht.

[ 23 ] However, this is not what is commonly referred to as “thinking.” Ordinary thinking is merely a combination of sensory realities. Here, however, we are dealing with a form of thinking that has become free of the senses. Scholars and philosophers today deny the very existence of such thinking. You can read in the works of many philosophers who are well-known today that human beings cannot think in mere thoughts, but must always think only in thoughts that contain a remnant of sensory images. When a philosopher says this, it proves nothing more than that he cannot think in pure thoughts, and it is an indescribable lack of modesty to present what one cannot do oneself as a general inability. Human beings must be capable of forming thoughts that are no longer dependent on perceptions from the eyes and ears, so that they can live in a world of pure thought—the world they find within themselves when they turn their attention away from external, sensory realities. In spiritual science and also in Rosicrucianism, this kind of thinking is called self-generating thought. Anyone who wishes to undertake such a course of study may consult the textbooks of modern spiritual science. What you will find there are not merely sensory combinations, but thoughts that originate from higher worlds—thoughts that constitute a coherent system of thought that anyone can understand, so that they need not remain stuck in the ordinary, trivial mode of thinking.

[ 24 ] Um die erste Stufe der Rosenkreuzerschulung möglich zu machen, ist es nötig, daß das, was seit Jahrhunderten im engsten Kreise behütet worden ist, durch Literatur und Vorträge der Menschheit zugänglich gemacht wird. Was zugänglich gemacht wird, ist aber nichts anderes als das Einmaleins, der Anfang des großen und unermeßlichen Weltenwissens. Mit der Zeit wird immer mehr davon in die Menschheit einfließen. Seit einigen Dezennien ist der elementare Teil desselben der Menschheit enthüllt worden. Daran können Sie Ihr Denken schulen. Für diejenigen, die das gründlicher machen wollen, die also in eine solche strenge SchuJlung desDenkens eintreten wollen, sind meine beiden Bücher «Wahrheit und Wissenschaft» und «Die Philosophie der Freiheit» bestimmt. Diese Bücher sind nicht so geschrieben wie andere Bücher, daß sie einen Satz einer bestimmten Stelle auch an eine andere Stelle des betreffenden Buches setzen könnten. Diese Bücher sind keine Gedanken-Aggregate, sondern Gedanken-Organismen. Ein Gedanke wächst wie ein Organismus, er wächst organisch aus dem anderen heraus. Diese Bücher sind also nicht so geschrieben, daß einfach ein Gedanke zum anderen hinzugefügt wird, sondern so, daß die späteren Gedanken aus den vorhergehenden herausgewachsen sind wie bei einem Organismus. So müssen in dem Leser auch die Gedanken herauswachsen, er muß spüren, wie er hingetrieben wird zu dem Denken; und dann macht er sich jene eigentümliche Art des Denkens, das sich selbst erzeugende Denken, zu eigen, ohne welches man die höheren Stufen der rosenkreuzerischen Schulung nicht erlangen kann, obgleich diese gründlichere Art nicht absolut notwendig ist und man sehr gut bei der geisteswissenschaftlichen, elementaren Literatur bleiben kann, da diese den Stoff für das Studium auch abzugeben vermag.

[ 24 ] To make the first stage of Rosicrucian training possible, it is necessary that what has been safeguarded within the innermost circle for centuries be made accessible to humanity through literature and lectures. What is made accessible, however, is nothing other than the basics—the beginning of the vast and immeasurable knowledge of the world. Over time, more and more of this will flow into humanity. For several decades now, the elementary part of this knowledge has been revealed to humanity. You can use this to train your thinking. For those who wish to delve deeper into this—that is, who wish to embark on such rigorous training of the mind—my two books, Truth and Science and The Philosophy of Freedom, are intended. These books are not written like other books, in such a way that a sentence from one passage could simply be moved to another part of the book in question. These books are not aggregates of thoughts, but organisms of thought. A thought grows like an organism; it grows organically out of the one before it. These books are therefore not written in such a way that one thought is simply added to another, but rather so that the later thoughts have grown out of the preceding ones, just as in an organism. In the same way, the thoughts must grow out of the reader; he must feel himself being drawn toward this way of thinking; and then he makes his own that peculiar kind of thinking—self-generating thinking—without which one cannot attain the higher stages of Rosicrucian training, although this more thorough approach is not absolutely necessary, and one can very well remain with the elementary literature of spiritual science, since this, too, provides sufficient material for study.

[ 25 ] Das zweite ist die Aneignung des imaginativen Denkens. Dasjenige, was ich imaginatives Denken nenne, sollte man sich erst aneignen, wenn man auf diese Weise strenge innere Gedankennotwendigkeit in sich aufgenommen hat, so daß man einen strengen Wissenskern besitzt. Man kann sonst leicht den Boden unter den Füßen verlieren. Was ist nun imaginatives Denken? Goethe, der in seinem rosenkreuzerischen Gedicht «Die Geheimnisse» gezeigt hat, wie tief er in die rosenkreuzerischen Geheimnisse eingeweiht war, gibt einen Hinweis in einem schönen Spruch des Chorus Mysticus im zweiten Teil des Faust, wo er das Geleitwort gegeben hat: «Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis.» Dies wurde überall, wo eine innere rosenkreuzerische Schulung vorhanden war, in systematischer Weise entwickelt. Der Rosenkreuzer mußte fähig werden, durch die ganze Welt zu gehen und neben der logischen Erkenntnis sich die imaginative Erkenntnis derselben anzueignen, diejenige Erkenntnis, die in allem, was um uns herum ist, ein Geistiges, ein Unvergängliches sieht. Wenn Sie einem Menschen gegenübertreten und Sie sehen auf seinem Antlitz ein heiteres Lächeln, dann werden Sie nicht dabei stehenbleiben, nur jene eigentümlichen Windungen im Gesicht, die Physiognomie, die sich Ihrem Auge darbietet, zu beschreiben. Es wird vielmehr Ihre Seele sich klar sein darüber, daß in jenem eigentümlichen Ausdruck der Heiterkeit sich das innere Leben der Seele verrät, ebensowenig wie Sie bei perlenden Tränen dabei stehenbleiben werden, sie zu untersuchen. Sie werden sich klar darüber sein, daß die Tränen der Ausdruck inneren Schmerzes, inneren Leides sind. Das Außere ist Ausdruck des Inneren. Sie sehen in der Physiognomie bis auf den Grund der Seele. Der ganzen übrigen Natur gegenüber muß das der Rosenkreuzerschüler lernen. So wie das menschliche Antlitz und die Bewegung der Hände Ausdrucksmittel sind für das menschliche Seelenleben, so ist alles, was in der Natur vorgeht, Ausdruck eines seelisch-geistigen Lebens. Wie die Geste Ausdruck für unsere Seele ist, so wird für den Rosenkreuzer alles — nicht bloß als poetisches Bild, sondern als tiefe Wirklichkeit —, die ganze Erde um uns herum der Ausdruck seelisch-geistigen Lebens: die Steine, Pflanzen und Tiere, die Sterne, jeder Luftzug. Alles, was um uns herum ist, wird so der Ausdruck von Seelisch-Geistigem, nicht etwa in poetischer Beziehung, sondern in Wirklichkeit, wie das leuchtende Auge, die sich runzelnde Stirne, die perlende Träne physiognomische Ausdrücke innerer Seelenzustände sind. Dann erst wissen Sie, was imaginative Erkenntnis heißt, wenn Ihnen das, was Goethe in seinem Faust vom Erdgeiste sagt, nicht mehr ein poetisches Bild, sondern Wirklichkeit ist, wenn Sie bei dem heutigen materialistischen Sinn unserer Bevölkerung nicht stehenbleiben, sondern bei dem Worte des Erdgeistes Wirklichkeit zu erkennen vermögen, während man heute froh ist, wenn man ein poetisches Bild darin genießen kann:

[ 25 ] The second is the mastery of imaginative thinking. What I call imaginative thinking should only be mastered once one has internalized a rigorous inner necessity of thought in this way, so that one possesses a solid core of knowledge. Otherwise, one can easily lose one’s footing. What, then, is imaginative thinking? Goethe, who in his Rosicrucian poem “The Mysteries” demonstrated how deeply he was initiated into the Rosicrucian mysteries, offers a clue in a beautiful line from the Chorus Mysticus in the second part of Faust, for which he wrote the preface: “All that is transitory is but a parable.” This was systematically developed wherever inner Rosicrucian training existed. The Rosicrucian had to become capable of traversing the entire world and, alongside logical knowledge, acquiring an imaginative understanding of it—that understanding which sees a spiritual, imperishable aspect in everything around us. When you encounter a person and see a cheerful smile on their face, you will not stop at merely describing those distinctive facial features—the physiognomy—that present themselves to your eye. Rather, your soul will be fully aware that in that distinctive expression of cheerfulness, the inner life of the soul reveals itself—just as you would not stop merely to examine tears streaming down a face. You will be fully aware that the tears are the expression of inner pain, of inner suffering. The outer is an expression of the inner. In physiognomy, you see right down to the depths of the soul. The Rosicrucian student must learn this in relation to the rest of nature as well. Just as the human face and the movement of the hands are means of expression for human soul life, so everything that takes place in nature is an expression of a soul-spiritual life. Just as a gesture is an expression of our soul, so for the Rosicrucian everything—not merely as a poetic image, but as a profound reality—the entire earth around us becomes an expression of soul-spiritual life: the stones, plants, and animals; the stars; every breath of air. Everything around us thus becomes an expression of the soul-spiritual, not merely in a poetic sense, but in reality, just as the shining eye, the furrowed brow, and the glistening tear are physiognomic expressions of inner states of the soul. Only then will you know what imaginative insight means—when what Goethe says about the Earth Spirit in his Faust is no longer a poetic image for you but reality; when you do not stop at the materialistic mindset of our people today, but are able to recognize reality in the words of the Earth Spirit, whereas today people are content merely to enjoy a poetic image in them:

In Lebensfluten, im Tatensturm
Wall’ ich auf und ab,
Webe hin und her!
Geburt und Grab,
Ein ewiges Meer,
Ein wechselnd Weben,
Ein glühend Leben,
So schaff’ ich am sausenden Webstuhl der Zeit
Und wirke der Gottheit lebendiges Kleid.

In the torrents of life, in the storm of deeds
I surge back and forth,
Weaving to and fro!
Birth and grave,
An eternal sea,
A shifting weave,
A blazing life,
Thus I create at the whirring loom of time
And weave a living garment for the Deity.

[ 26 ] Wenn Ihnen diese Worte des Erdgeistes Wirklichkeit geworden sind und Sie es ruhig aushalten können, daß Sie von Materialisten für einen Narren gehalten werden, da Sie wissen, daß Sie eine tiefere Logik haben, da Sie wissen, daß jene phantastischer sind und nur zu wissen glauben, daß Sie aber wissen, daß Sie einer freien Wirklichkeit des Geistes gegenüberstehen, und ebenso wahr und wirklich, wie eine menschliche Seele in den Physiognomien lebt, auch in der Erdphysiognomie ein Erdgeist lebt. Wenn Sie in einer Pflanze die Heiterkeit des Erdgeistes erblicken, wenn die Erde Ihnen der Ausdruck des leiderfüllten Erdgeistes wird, wenn Ihnen die Natur so erscheint, als wenn sie zu Ihnen spräche, wie wenn sie Ihnen ihr Geheimnis wirklich mitteilte, wenn Sie das erleben, dann fangen Sie an, ihre Geheimnisse zu buchstabieren und zu verstehen, was es heißt: imaginative Erkenntnis zu erwerben. Dann kommen Sie dahin, zu verstehen, wie dies im Rosenkreuzertum und auch bei den Vorfahren des Rosenkreuzertums in dem großen okkulten Ideal des heiligen Grals hingestellt worden ist als dem reinsten und schönsten Ausdruck für das Streben nach imaginativer Erkenntnis.

[ 26 ] If these words of the Earth Spirit have become a reality for you, and if you can calmly accept being regarded as a fool by materialists—since you know that you possess a deeper logic, since you know that they are the ones who are more fanciful and merely believe they know, whereas you know that you are facing a free reality of the spirit, and just as true and real as a human soul lives in human physiognomies, so too does an Earth Spirit live in the Earth’s physiognomy. When you perceive the serenity of the Earth Spirit in a plant, when the Earth becomes to you the expression of the sorrow-filled Earth Spirit, when nature appears to you as if it were speaking to you, as if it were truly revealing its secret to you—when you experience this, then you begin to decipher its secrets and understand what it means to acquire imaginative knowledge. Then you will come to understand how this was presented in Rosicrucianism—and also by the forerunners of Rosicrucianism—in the great occult ideal of the Holy Grail as the purest and most beautiful expression of the striving for imaginative knowledge.

[ 27 ] Lassen Sie uns einmal einen Blick werfen auf die wahre Natur dieses Ideals vom heiligen Gral. Es tritt Ihnen in jeder Rosenkreuzerschule in der Weise vor Augen, wie ich es jetzt charakterisieren will. Ich benutze hierzu die Form eines Dialogs, der aber niemals in wirklichen Rosenkreuzerschulen gehalten worden ist. Da wurde durch lange Entwicklungsmethoden im Leben das erreicht, was ich jetzt im Dialog zusammenfassen will. Er gibt das, was das Ideal des heiligen Grals wirklich enthält.

[ 27 ] Let us take a look at the true nature of this ideal of the Holy Grail. It is presented to you in every Rosicrucian school in the way I am about to describe. I will use the form of a dialogue for this purpose, though such a dialogue has never actually taken place in real Rosicrucian schools. What I am about to summarize in this dialogue was achieved there through long processes of development in life. It conveys what the ideal of the Holy Grail truly encompasses.

[ 28 ] Sieh Dir an die Pflanze, wie sie herauswächst aus der Erde, Ihre Wurzel ist in den Boden hineingesenkt, sie ist nach dem Mittelpunkt der Erde hin gerichtet, der Stengel strebt nach oben, die Blüte nach oben öffnend, darinnen die befruchtenden Organe, die den Samen zeugen werden, wodurch die Pflanze über sich selbst hinauslebt. Nicht erst Darwin, der große Naturforscher, hat davon gesprochen, daß, wenn man die Pflanze mit dem Menschen vergleicht, nicht die Blüte, sondern die Wurzel mit dem Kopfe verglichen werden müsse. Die Wurzel der Pflanze entspricht dem Kopfe des Menschen — so sagte schon der Rosenkreuzer-Okkultismus —, und dasjenige, was von der Pflanze als Blütenkelch der Sonne keusch entgegenstrebt, das ist das, was der Mensch als Befruchtungsorgane nach unten wendet. Der Mensch ist eine umgekehrte Pflanze. Er wendet die Organe, welche die Pflanze keusch nach oben dem Lichte zuwendet, schamvoll nach unten und verhüllt sie. Der Mensch ist die umgekehrte Pflanze: das ist ein Grundsatz des Rosenkreuzer-Okkultismus und des Okkultismus aller Zeiten. Die Pflanze ist mit den Befruchtungsorganen keusch der Sonne zugewendet. Der Mensch hat die Befruchtungsorgane nach dem Mittelpunkte der Erde gerichtet, den Kopf frei nach dem Sonnenraum hinaus. Zwischen beiden, mitten drinnen, steht das Tier, Die drei Richtungen, die sich durch die Pflanze, das Tier und den Menschen ergeben, bezeichnet man als das Kreuz. Die Pflanze ist der Balken, der nach unten geht, das Tier ist der Querbalken, der Mensch ist der Balken nach oben. Wenn Plato, der große eingeweihte Philosoph des Altertums, sagt, daß die Weltseele an dem Kreuze des Weltenleibes gekreuzigt ist, so bedeutet das nichts anderes, als daß der Mensch die höchste Ausgestaltung der Weltenseele darstellt, und daß die Weltenseele hindurchgegangen ist durch die drei Reiche: Pflanzenreich, Tierreich und Menschenreich. Die Weltenseele ist an dem Kreuze: Pflanzenreich, Tierreich und Menschenreich, den drei Naturreichen, gekreuzigt. — Ein wunderbar tiefes Bild von Plato, ganz aus der Geisteswissenschaft herausgesprochen.

[ 28 ] Look at the plant as it grows out of the earth; its root is sunk into the soil, pointing toward the center of the earth; the stem reaches upward; the flower opens upward, containing within it the reproductive organs that will produce the seed, through which the plant lives on beyond itself. It was not only Darwin, the great naturalist, who spoke of the fact that, when comparing the plant to the human being, it is not the flower but the root that must be compared to the head. The root of the plant corresponds to the head of the human being—as Rosicrucian occultism has long taught—and that which in the plant chastely reaches toward the sun as the calyx is precisely what the human being turns downward as reproductive organs. Human beings are inverted plants. They modestly turn the organs that the plant chastely directs upward toward the light downward and cover them. Human beings are inverted plants: this is a fundamental principle of Rosicrucian occultism and of occultism throughout the ages. The plant chastely directs its reproductive organs toward the sun. Man has directed his reproductive organs toward the center of the Earth, with his head freely reaching out into the solar space. Between the two, right in the middle, stands the animal. The three directions resulting from the plant, the animal, and man are referred to as the cross. The plant is the vertical beam pointing downward, the animal is the horizontal beam, and man is the vertical beam pointing upward. When Plato, the great initiated philosopher of antiquity, says that the World Soul is crucified on the cross of the World Body, this means nothing other than that human beings represent the highest manifestation of the World Soul, and that the World Soul has passed through the three kingdoms: the plant kingdom, the animal kingdom, and the human kingdom. The World Soul is crucified on the cross of the plant kingdom, the animal kingdom, and the human kingdom—the three kingdoms of nature. — A wonderfully profound image from Plato, expressed entirely from the perspective of spiritual science.

[ 29 ] Unzählige Male wurde dieses Bild in den Rosenkreuzerschulen wiederholt: Schaut Euch die Pflanze an mit dem Kopf nach unten, mit den Befruchtungsorganen nach oben, die sich dem Sonnenstrahl entgegenstrecken. — Diesen Sonnenstrahl nannte man die heilige Liebeslanze, welche die Pflanze zu durchdringen hat, damit der Same zum Wachsen und Reifen kommen kann. Nun sagte man dem Schüler: Richte den Blick hinauf bis zum Menschen, sieh dir die Pflanze und dann den Menschen an, vergleiche desMenschen Materie und Stoff mit denen der Pflanze. Der Mensch ist die umgekehrte Pflanze, er ist es geworden, weil er seinen Stoff, sein Fleisch durchdrungen hat mit physischer Begierde, mit Leidenschaft und Sinnlichkeit. Keusch und rein darf die Pflanze die Befruchtungsorgane der Befruchtungslanze, der hehren Liebeslanze, entgegenstrecken. Der Mensch kommt auf einen ähnlichen Standpunkt in der Zeit, wo er die Begierde vollkommen geläutert haben wird, so daß er in eine Zukunft hineinblickt, die ihm die Erfüllung des Ideals bringen wird: Du bist so keusch und rein wie der Blütenkelch der Pflanze. Dann wirst du auf der Höhe der irdischen Entwicklung angelangt sein, dann wird nicht mehr unreine Begierde deine niederen Organe durchziehen, dann wirst du die geistige Liebeslanze, deine produktive Kraft, die dann ganz geistig sein wird, entgegenstrecken dem Blütenkelch, wie der Pflanzenkelch sich öffnet der heiligen Liebeslanze im Sonnenstrahl. So geht der Mensch durch die Reiche der Natur hindurch und läutert sich hinauf bis zur Entwicklung derjenigen Organe, die heute erst in der Anlage begriffen sind. Wenn der Mensch in dem, was heilig und edel ist, etwas hervorbringt, so ist er am Anfang einer zukünftigen, produktiven Kraft, die er haben wird, wenn seine niedere Natur ihre vollständige Läuterung durchgemacht hat. Dann wird er ein neues Organ haben. Der Blütenkelch der Pflanze wird auf höherer Stufe neuerdings erstehen und wird der Lanze des Amfortas entgegengestreckt werden, wie der Blütenkelch der geistigen Liebeslanze der Sonne.

[ 29 ] This image was repeated countless times in the Rosicrucian schools: Look at the plant with its head pointing downward, its reproductive organs pointing upward, reaching toward the sun’s rays. — This ray of sunlight was called the sacred lance of love, which must penetrate the plant so that the seed can grow and ripen. Now the student was told: Lift your gaze up to the human being, look at the plant and then at the human being, and compare the human being’s matter and substance with those of the plant. Man is the inverted plant; he has become so because he has permeated his substance, his flesh, with physical desire, passion, and sensuality. The plant may stretch its reproductive organs toward the fertilizing lance—the noble lance of love—chastely and purely. Humanity will reach a similar state at the time when it has completely purified its desire, so that it looks toward a future that will bring it the fulfillment of the ideal: “You are as chaste and pure as the calyx of the plant.” Then you will have reached the pinnacle of earthly development; then impure desire will no longer course through your lower organs; then you will extend the spiritual lance of love—your creative power, which will then be entirely spiritual—toward the calyx, just as the plant’s calyx opens to the sacred lance of love in the sunbeam. Thus does humanity pass through the realms of nature and purify itself upward to the development of those organs that are today only in the process of formation. When a person brings forth something that is holy and noble, they are at the beginning of a future, productive power that they will possess once their lower nature has undergone its complete purification. Then they will have a new organ. The calyx of the plant will arise anew on a higher plane and will be held out to meet Amfortas’s lance, just as the calyx meets the spiritual lance of the Sun’s love.

[ 30 ] So stelle dir auf niederer Stufe dasjenige dar, was, als hohes Ideal gegeben, in Zukunft des Menschen Geschlecht sein wird, wenn alles Niedere geläutert sein wird und alles keusch und rein sich entgegenhalten wird der vergeistigten Sonne der Zukunft, wenn dieser Pflanzenkelch hindurchgegangen sein wird durch die Menschennatur, die in gewisser Beziehung höher, in gewisser Beziehung niederer stehen wird als die Pflanze, wenn er hinaufgeläutert sein wird bis zur höchsten Geistigkeit, und vorgehalten wird der vergeistigten Sonne als der heilige Kelch, der erhöhte Pflanzenkelch, der durch die Menschheit hindurchgegangen ist.

[ 30 ] So imagine, at a lower level, that which—given as a lofty ideal—will be the future of the human race when all that is base has been purified and all that is chaste and pure is held up before the spiritualized sun of the future, when this plant calyx has passed through human nature—which, in a certain sense, will be higher, in some respects lower than the plant, when it will have been purified upward to the highest spirituality and held up to the spiritualized sun as the holy chalice, the exalted plant chalice that has passed through humanity.

[ 31 ] Dies wurde geistig erfaßt von dem Rosenkreuzerschüler, es ist das Geheimnis des heiligen Gral, das höchste Ideal, das vor den Menschen hingestellt werden kann. So erscheint die ganze Natur mit einem geistigen Sinn durchglüht und durchströmt. Wenn man so alles erfaßt, alles als ein Gleichnis des Geistigen sieht, dann ist man auf dem Wege, die imaginative Erkenntnis zu erwerben. Dann dringen aus den Dingen die Farben und werden selbständig, es dringen aus ihnen die Töne und werden selbständig, der Raum erfüllt sich mit einer selbständigen Farben- und Tonwelt, und in diesen kündigen sich geistige Wesenheiten an. Wir steigen von der imaginativen Erkenntnis zu der wirklichen Erkenntnis des geistigen Raumes auf. Das ist der Weg, den der Rosenkreuzer auf der zweiten Stufe seiner Schulung nimmt.

[ 31 ] This was spiritually grasped by the Rosicrucian disciple; it is the mystery of the Holy Grail, the highest ideal that can be set before humanity. Thus, the whole of nature appears to be permeated and infused with a spiritual meaning. When one perceives everything in this way, seeing everything as a parable of the spiritual, then one is on the path to acquiring imaginative knowledge. Then colors emerge from things and take on a life of their own; tones emerge from them and take on a life of their own; space fills with an independent world of colors and tones, and within this world spiritual beings make their presence known. We ascend from imaginative knowledge to the true knowledge of the spiritual realm. This is the path the Rosicrucian takes on the second stage of his training.

[ 32 ] Das dritte ist die Kenntnis der okkulten Schrift. Die okkulte Schrift ist keine gewöhnliche Schrift, sondern eine solche, die mit den Naturgeheimnissen zusammenhängt. Ich möchte Ihnen gleich klarmachen, was Sie sich unter der okkulten Schrift vorzustellen haben. Ein verbreitetes Zeichen dieser Schrift ist der sogenannte Wirbel. Sie können sich denselben so vorstellen, daß Sie sich zwei Sechser ineinander verschlungen denken. Dieses Zeichen gebraucht man, um gewisse Erscheinungen, die in der ganzen natürlichen und geistigen Welt vorhanden sind, zu kennzeichnen und ihre innere: Natur zu charakterisieren. Wenn Sie eine Pflanze nehmen und betrachten, so werden Sie finden, daß sie sich bis zum Samenkorn entwickelt. Wenn Sie dieses Samenkorn in die Erde legen, so entwickelt sich eine ähnliche Pflanze, die der alten gleich ist. Daß da etwas Stoffliches von der alten Pflanze in die neue übergeht, ist ein materielles Vorurteil, das durch nichts gerechtfertigt ist und von der Zukunft widerlegt werden wird. In die neue Pflanze geht lediglich die bildsame Kraft über. Die alte Pflanze erstirbt stofflich ganz und gar, und die neue Pflanze ist stofflich etwas ganz Neues. Nicht das allergeringste Stoffliche geht aus der alten Pflanze in die neue über. Diesen neuen Ansatz einer Entstehung und eines Vergehens einer Pflanze bezeichnet man dadurch, daß man zwei sich ineinander schlingende Spiralen, also einen Wirbel zeichnet, und zwar ohne eine Verbindung der beiden Linien zu bewirken.

[ 32 ] The third is knowledge of occult script. Occult script is not ordinary script, but rather one that is connected to the mysteries of nature. I would like to make it clear to you right away what you should understand by the term “occult script.” A common symbol of this writing is the so-called “swirl.” You can picture it as two sixes intertwined. This symbol is used to denote certain phenomena that exist throughout the natural and spiritual worlds and to characterize their inner nature. If you take a plant and observe it, you will find that it develops all the way to the seed. If you plant this seed in the earth, a similar plant develops that is identical to the old one. The idea that something material passes from the old plant into the new one is a materialistic prejudice that is in no way justified and will be refuted by future knowledge. Only the formative power passes into the new plant. The old plant perishes completely in a material sense, and the new plant is, materially speaking, something entirely new. Not even the slightest material substance passes from the old plant into the new one. This new approach to the origin and passing away of a plant is represented by drawing two spirals intertwined with one another—that is, a vortex—without connecting the two lines.

spiralspiral

[ 33 ] Nun finden sich solche Wirbel sowohl in der äußeren als auch in der geistigen Natur. So sagt uns zum Beispiel die Geistesforschung, daß in der Entwicklung der Menschheit einst ein solcher Wirbel vorhanden war, als die alte atlantische Kultur in die neue nachatlantische Kultur überging. Die Geisteswissenschaft zeigt Ihnen hier etwas, was die heutige Naturwissenschaft nur in der ersten elementarsten Stufe kennt. Sie zeigt Ihnen, daß das, was heute Meer ist zwischen Europa und Amerika, ausgefüllt war mit einem Kontinente, daß sich eine uralte Kultur da entwickelt hatte, daß durch die «Sündflut» jener Kontinent überflutet wurde und verschwand. Dies zeigt uns, daß das, was uns Plato von dem Untergang der Insel Poseidonis mitteilt, auf Richtigkeit beruht, und daß sie ein Rest des uralten, atlantischen Kontinentes war. Jene Kultur verschwand in bezug auf ihre geistige Eigenschaft, und eine neue Kultur trat auf, so daß man diesen Vorgang kennzeichnen kann mit den zwei ineinander sich schlingenden Spiralen, dem Wirbel. Das Alte wird bezeichnet durch die sich hineinschlingende Spirale, das Neue durch die sich herausschlingende.

[ 33 ] Such vortices are found in both the external and the spiritual realms. For example, spiritual research tells us that such a vortex once existed in the development of humanity, when the ancient Atlantean culture gave way to the new post-Atlantean culture. Spiritual science reveals to you here something that modern natural science is only beginning to grasp at the most elementary level. It shows you that what is now the ocean between Europe and America was once filled with a continent, that an ancient culture had developed there, and that this continent was flooded and disappeared as a result of the “Great Flood.” This shows us that what Plato tells us about the downfall of the island of Poseidonis is based on truth, and that it was a remnant of the ancient Atlantic continent. That culture disappeared in terms of its spiritual nature, and a new culture emerged, so that this process can be symbolized by the two spirals intertwining within one another—the vortex. The old is represented by the inward-coiling spiral, the new by the outward-coiling one.

[ 34 ] Als der Übergang von der atlantischen Kultur in die nachatlantische vor sich ging, da erschien im Frühlinge die Sonne im Sternbilde des Krebses. Sie wissen, daß die Sonne im Laufe des Jahres vorwärtsrückt. In jener alten Zeit ging sie, wie gesagt, bei Frühlingsanfang im Sternbilde des Krebses auf, dann eine Zeitlang im Sternbilde der Zwillinge, dann im Sternbilde des Stieres und dann des Widders. Die Völker haben immer dasjenige als etwas besonders Wohlträtiges empfunden, was ihnen vom Himmelsgewölbe die ersten Sonnenstrahlen zusendet. Daher sehen Sie, daß man, als die Sonne anfing im Sternbilde des Widders aufzugehen, angefangen hat, den Widder zu verehren. Daher rühren die ganzen Lammsagen, die Sage vom goldenen Vließ und so weiter. Früher, bevor die Sonne im Sternbilde des Widders aufgegangen war, ging sie im Sternbilde des Stieres auf. Daher haben die Kulturen, welche den WidderKulturen vorangegangen sind, den Stier als heiliges Tier verehrt. Sie finden daher in jener Zeit zum Beispiel die Verehrung des ägyptischen Stieres Apis. In der Zeit des Überganges von der atlantischen in die nachatlantische Zeit haben Sie die Herrschaft des Sternbildes des Krebses gehabt. Und daher haben Sie die zwei ineinandergeschlungenen Wirbel als Zeichen des Krebses im Kalender.

[ 34 ] As the transition from the Atlantic culture to the post-Atlantic culture was taking place, the sun appeared in the constellation of Cancer in the spring. You know that the sun moves forward over the course of the year. In those ancient times, as I said, it rose at the beginning of spring in the constellation of Cancer, then for a time in the constellation of Gemini, then in the constellation of Taurus, and then in that of Aries. People have always regarded as particularly auspicious whatever sends them the first rays of sunlight from the heavens. That is why, as you can see, when the sun began to rise in the constellation of Aries, people began to worship Aries. This is the origin of all the legends about the lamb, the legend of the Golden Fleece, and so on. In the past, before the sun rose in the constellation of Aries, it rose in the constellation of Taurus. That is why the cultures that preceded the Aries cultures revered the bull as a sacred animal. You will therefore find, for example, the worship of the Egyptian bull Apis during that time. During the transition from the Atlantean to the post-Atlantean era, the constellation of Cancer held dominion. And that is why you have the two intertwined spirals as the symbol of Cancer in the calendar.

[ 35 ] Es gibt hunderte, tausende dieser Zeichen, die man nach und nach lernt. Das sind nicht willkürliche Zeichen. Wenn man sie kennt, zeigen sie einem die Wege, um hineinzukriechen in die Dinge und in den Dingen zu leben. Wie das Studium den Verstand, die imaginative Erkenntnis das Gemüt ergreift, so ergreift die Erkenntnis der okkulten Schrift den Willen. Sie zeigt uns die Wege beim Schaffen und Produzieren. Wenn daher das Studium uns Erkenntnis, die Imagination Anschauung bringt, so bringt uns die Erkenntnis der okkulten Schrift Magie, die Erkenntnis der in den Dingen schlummernden Naturgesetze, die Erkenntnis, die uns tiefer in das Wesen der Dinge hineinführt. Sie können bei vielen — meinetwegen auch bei Eliphas Levi — viele okkulte Zeichen finden. Derjenige aber, der nichts weiß von diesen Dingen, wird wenig dabei lernen können. Sie können indessen eine Andeutung darin finden, wie sie aussehen. In den Werken, die Sie darüber gedruckt finden, steht gewöhnlich Unzutreffendes. Heilig gehalten wurden von allen Völkern, von den Eingeweihten wenigstens, diese okkulten Schriftzeichen. Und wenn wir weiter zurückgehen, finden wir strenge Bestimmungen über deren Geheimhaltung, damit diejenigen, welche solche Zeichen gebrauchen dürfen, sie nie unwürdig gebrauchen mögen. Die strengsten Strafen sind auf die Übertretung dieser Bestimmungen gesetzt.

[ 35 ] There are hundreds, thousands of these symbols that one learns little by little. These are not arbitrary symbols. Once you know them, they show you the ways to delve into things and live within them. Just as study seizes the intellect and imaginative insight seizes the mind, so does the understanding of occult writing seize the will. It shows us the ways of creation and production. Therefore, just as study brings us knowledge and imagination brings us insight, so does the knowledge of occult script bring us magic—the knowledge of the natural laws slumbering within things, the knowledge that leads us deeper into the essence of things. You can find many occult symbols in the works of many authors—Eliphas Levi, for example. But those who know nothing of these things will learn little from them. You may, however, find a hint as to what they look like. The works you find in print on this subject usually contain inaccuracies. These occult symbols were held sacred by all peoples—at least by the initiates. And if we go further back in history, we find strict regulations regarding their secrecy, so that those permitted to use such symbols might never use them unworthily. The strictest penalties are imposed for violating these regulations.

[ 36 ] Das vierte ist das, was man die Bereitung des Steines der Weisen nennt. Was Sie darüber in der Literatur finden, ist ziemlich unzutreffend, ja sogar meistens törichtes Zeug. Wäre der Stein der Weisen das, was da geschildert wird, so hätte jeder ein Recht, darüber zu spotten. Sie werden ein Stück davon erkennen, wenn Sie meiner Betrachtung folgen: sie wird Ihnen einen großen Einblick geben. Am Ende des achtzehnten Jahrhunderts stand in einer ernstzunehmenden mitteldeutschen Zeitschrift eine Notiz über den Stein der Weisen. Wer diese Notiz liest und etwas von der Sache versteht, der findet, daß der Schreiber irgendwo einmal etwas darüber vernommen hat. Seine Worte sind ganz richtig, aber man sieht auch, daß er seine Worte selbst nicht richtig versteht. Der Verfasser der Notiz schreibt da: Der Stein der Weisen ist etwas, was alle Menschen kennen, etwas, was die meisten Menschen oft und oft in der Hand haben, was man an vielen Orten der Erde findet und von dem nur der Mensch nicht weiß, daß es der Stein der Weisen ist. — Eine sonderbare Beschreibung ist das, wie der Stein der Weisen sein soll, und dennoch wörtlich wahr. Man muß die Sache nur richtig verstehen.

[ 36 ] The fourth is what is called the preparation of the Philosopher’s Stone. What you find about it in the literature is quite inaccurate—indeed, for the most part, utter nonsense. If the Philosopher’s Stone were what is described there, everyone would be justified in mocking it. You will recognize a part of it if you follow my discussion: it will give you great insight. At the end of the eighteenth century, a reputable Central German journal published a note about the Philosopher’s Stone. Anyone who reads this note and understands the subject will realize that the writer had heard something about it somewhere at some point. His words are entirely correct, but one can also see that he himself does not fully understand what he is saying. The author of the note writes: “The Philosopher’s Stone is something that all people know, something that most people hold in their hands time and again, something found in many places on earth, and yet people do not realize that it is the Philosopher’s Stone.” — That is a strange description of what the Philosopher’s Stone is supposed to be, and yet it is literally true. One simply has to understand the matter correctly.

[ 37 ] Betrachten Sie einmal den menschlichen Atmungsprozeß, denn mit einer Regulierung des Atmens hängt das zusammen, was man die Auffindung oder Bereitung des Steines der Weisen nennt. Der Mensch atmet heute Sauerstoff ein und Kohlensäure aus, also die Verbindung des Sauerstoffs mit Kohlenstoff wird ausgeatmet. Der Mensch atmet Sauerstoff, die Lebensluft, ein und Kohlensäure, ein wirkliches Gift, aus. Mit dieser Kohlensäure kann der Mensch und das Tier nicht leben. Würden die Tiere, die geradeso atmen wie der Mensch, allein auf der Erde sein und hätten sie immer so geatmet wie heute, so würden sie die Luft um sich herum verpestet haben, und weder Tier noch Mensch könnte heute noch atmen. Woher kommt es nun, daß sie aber noch atmen können? Daher, daß die Pflanze die Kohlensäure aufnimmt, den Kohlenstoff in sich behält und den Sauerstoff wieder zurückgibt, so daß Menschen und Tiere den Sauerstoff wieder zur Atmung benützen können. Es ist also ein schöner Wechselprozeß zwischen der Atmung der Tier- und Menschenwelt und der Atmung oder dem Assimilationsprozeß der Pflanzenwelt — Assimilationsprozeß, damit kein pedantischer Gelehrter etwas dagegen einwenden kann. Derjenige, der jeden Tag fünf Mark einnimmt und jeden Tag zwei Mark ausgibt, schafft einen Überschuß, bei ihm steht die Sache anders als bei demjenigen, der fünf Mark ausgibt und nur zwei Mark einnimmt. Ähnlich kann es auch bei der Atmung sein. Das Wesentliche aber hierbei ist, daß dieser Tauschprozeß zwischen Mensch und Pflanzenwelt besteht.

[ 37 ] Consider for a moment the human respiratory process, for what is known as the discovery or preparation of the Philosopher’s Stone is connected to the regulation of breathing. Today, humans inhale oxygen and exhale carbon dioxide—that is, the compound of oxygen and carbon is exhaled. Humans inhale oxygen—the breath of life—and exhale carbon dioxide, a true poison. Neither humans nor animals can live on this carbon dioxide. If animals, which breathe just as humans do, were the only living beings on Earth and had always breathed as they do today, they would have polluted the air around them, and neither animals nor humans would be able to breathe today. So how is it that they can still breathe? It is because plants absorb carbon dioxide, retain the carbon, and release the oxygen back into the atmosphere, so that humans and animals can use that oxygen again for breathing. It is, therefore, a beautiful cycle between the respiration of the animal and human worlds and the respiration—or assimilation process—of the plant world—assimilation process, so that no pedantic scholar can object to it. Someone who earns five marks every day and spends two marks every day creates a surplus; their situation is different from that of someone who spends five marks and earns only two. The same can be said of respiration. The essential point here, however, is that this exchange process exists between humans and the plant world.

[ 38 ] Dieser Tauschprozeß ist höchst merkwürdig. Betrachten wir ihn deshalb noch einmal etwas näher. In den MenschenJeib geht Sauerstoff ein, aus dem Menschenleib kommt KohJensäure heraus. Kohlensäure besteht aus Sauerstoff und Kohlenstoff. Die Pflanze behält den Kohlenstoff und gibt den Sauerstoff dem Menschen wieder zurück. Sie können in der Steinkohle, die Sie Jahrmillionen nach Entstehung der betreffenden Pflanze aus der Erde herausgraben, den Kohlenstoff, welchen die Pflanze eingeatmet hat, wieder erblicken. Der gewöhnliche Atmungsprozeß, der so verläuft, wie er eben geschildert wurde, zeigt an, wie notwendig der Mensch zu seinem Leben heute die Pflanze hat, und wie in ihm beim Atmungsprozeß etwas vorgeht, was nur ein halber Prozeß ist. Er braucht die Pflanze als etwas, was nicht in ihm ist, damit sie ihm den Kohlenstoff in Sauerstoff umwandelt.

[ 38 ] This exchange process is highly peculiar. Let’s therefore take a closer look at it. Oxygen enters the human body, and carbon dioxide leaves it. Carbon dioxide consists of oxygen and carbon. The plant retains the carbon and returns the oxygen to the human being. In the coal that you excavate from the earth millions of years after the plant in question was formed, you can once again see the carbon that the plant absorbed. The ordinary respiratory process, which proceeds as just described, shows how essential plants are to human life today, and how what takes place within a person during respiration is, in fact, only a half-process. Humans need plants—as something that is not within them—so that they can convert carbon into oxygen for them.

[ 39 ] Nun gibt es eine Rhythmisierung des Atmungsprozesses in rosenkreuzerischem Sinn, über die indessen Näheres nur von Mensch zu Mensch mitgeteilt werden kann. Es kann zwar hier darauf hingedeutet werden, aber nur so, daß von einem Eingehen in Einzelheiten Abstand genommen wird. Aber der Rosenkreuzerschüler bekam und bekommt seine bestimmte Anweisung, er mußte in einer bestimmten Weise atmen, in einem bestimmten Rhythmus und mit ganz bestimmten Gedankenformen. Dadurch wird sein Atmungsprozeß umgewandelt. Diese Umwandlung können Sie sich nur vorstellen, wenn Sie den Ausspruch berücksichtigen: Steter Tropfen höhlt den Stein. Auch bei den höchststehenden Menschen wird nicht von heute auf morgen der ganze innere Lebensprozeß umgestaltet, wenn in rosenkreuzerischer Form geatmet wird. Aber dasjenige, was bei solcher Atmung im Leibe des Menschen umgestaltet wird, geht nach einer bestimmten Richtung hin, nämlich dahin, daß der Mensch in Zukunft imstande ist, in sich selbst die Kohlensäure wieder in brauchbaren Sauerstoff umzuwandeln, so daß das, was heute draußen in der Pflanze vor sich geht: die Umwandlung der Kohlensäure in den Kohlenstoff, das, was heute die Pflanze dem Menschen abnimmt, von dem Menschen, wenn der Atmungsprozeß immer weiter und weiter wirken wird in dem Einzuweihenden, in einem eigenen Organ bewirkt werden wird, von dem Physiologie und Anatomie noch nichts wissen, das aber gleichwohl in der Entwicklung begriffen ist. Der Mensch wird also dann selbst die Umwandlung bewirken. Statt den Kohlenstoff [mit der Kohlensäure] hinauszuatmen und an die Pflanze abzugeben, wird er ihn in sich selbst verwenden und seinen eigenen Leib mit Hilfe des Kohlenstoffes, den er vorher an die Pflanze abgeben mußte, auferbauen (siehe Hinweise).

[ 39 ] Now, there is a rhythmic structuring of the breathing process in the Rosicrucian sense, the details of which, however, can only be communicated from person to person. While it is possible to allude to this here, it must be done without going into specifics. But the Rosicrucian student received—and continues to receive—specific instructions: he must breathe in a certain way, at a certain rhythm, and with very specific thought forms. Through this, his breathing process is transformed. You can only imagine this transformation if you consider the saying: “Constant dripping wears away the stone.” Even for the most advanced individuals, the entire inner life process is not transformed overnight when breathing is practiced in the Rosicrucian manner. But what is transformed within the human body through such breathing moves in a specific direction—namely, toward the person’s future ability to convert carbon dioxide back into usable oxygen within themselves, so that what takes place today outside in the plant— the conversion of carbon dioxide into carbon—that which the plant currently takes from the human being—will, as the breathing process continues to take effect more and more deeply within the initiate, be carried out by the human being in a specific organ of which physiology and anatomy are as yet unaware, but which is nonetheless in the process of development. Human beings will thus bring about this transformation themselves. Instead of exhaling carbon [with carbon dioxide] and releasing it to the plant, they will utilize it within themselves and build up their own bodies with the help of the carbon that they previously had to release to the plant (see notes).

[ 40 ] Halten Sie das, was ich eben gesagt habe, zusammen mit dem, was ich von dem Ideal des heiligen Grals mitgeteilt habe: nämlich daß die reine keusche Pflanzennatur durchgegangen sein wird durch die Menschennatur, und daß diese Menschennatur in ihrer höchsten Geistigkeit wieder bei der Pflanze von heute angekommen sein wird. Den Pflanzenprozeß in sich selbst durchzumachen, wird der Mensch einst imstande sein. Seine jetzigen Stoffe, die er in sich hat, wird er immer mehr zu jenem Ideal hinbilden, daß der Körper ein Pflanzenleib und der Träger eines viel höheren und geistigeren Bewußtseins sein wird. So lernt der Schüler die Alchemie, durch die er in den Stand gesetzt wird, die Säfte und Stoffe des Menschen in Kohlenstoff umzuwandeln. Was heute die Pflanze tut, indem sie ihren Leib aus Kohlenstoff auferbaut, das wird der Mensch einst selbst tun. Er wird sich aus Kohlenstoff eine Struktur des Leibes bilden, die die Struktur des künftigen Menschenleibes sein wird,.

[ 40 ] Keep in mind what I have just said, together with what I have shared about the ideal of the Holy Grail: namely, that the pure, chaste nature of the plant will have passed through human nature, and that this human nature, in its highest spiritual form, will have returned to the plant of today. Human beings will one day be able to undergo the plant process within themselves. They will increasingly transform the physical substances they currently possess into that ideal, so that the body will become a plant body and the bearer of a much higher and more spiritual consciousness. Thus the student learns alchemy, through which he is enabled to transform the human fluids and substances into carbon. What the plant does today by building its body out of carbon, the human being will one day do himself. He will form a bodily structure out of carbon that will be the structure of the future human body.

[ 41 ] Ein großes Geheimnis verbirgt sich hinter dem, was man die Rhythmisierung des Atmungsprozesses nennt. Jetzt verstehen Sie wohl jene Andeutung über den Stein der Weisen, die in der vorhin zitierten Notiz enthalten ist. Was lernt der Mensch also bezüglich des Aufbaues seiner späteren Leibesform? Er lernt die gewöhnliche Kohle erzeugen, die auch die Substanz des Diamanten ist, um damit seinen Leib aufzubauen. Diesen Kohlenstoff wird der Mensch bei einem erhöhten und erweiterten Bewußtsein aus sich selbst entnehmen und in sich selbst verwenden können. Er wird seine eigene Substanz, die auf der Kohlenstoffstruktur aufgebaute Pflanzensubstanz bilden können. Das ist die Alchemie, welche zur Bildung des Steines der Weisen hinführt. Der Menschenleib selbst ist jene Retorte, die in dem Sinne verwandelt wird, wie es eben hier angedeutet worden ist.

[ 41 ] A great mystery lies behind what is called the “rhythmization” of the breathing process. Now you can probably understand that allusion to the Philosopher’s Stone contained in the note quoted earlier. So what does the human being learn regarding the structure of his future physical form? He learns to produce ordinary carbon—which is also the substance of the diamond—in order to build his body with it. With an elevated and expanded consciousness, the human being will be able to draw this carbon from within himself and utilize it within himself. They will be able to form their own substance—the plant substance built upon the carbon structure. This is the alchemy that leads to the formation of the Philosopher’s Stone. The human body itself is that retort which is transformed in the sense just indicated here.

[ 42 ] So verbirgt sich hinter der Regulierung des Atmungsprozesses, hinter dem, was man oft bezüglich desSteines der Weisen, aber meist in ganz unsinniger Weise, angedeutet findet, das, was man die Auffindung oder Bereitung des Steines der Weisen nennt. Das sind die Andeutungen, wie sie erst seit kurzem aus den Rosenkreuzerschulen in die Offentlichkeit gedrungen sind. Vergeblich werden Sie sie in Büchern suchen. Das ist ein kleiner Teil der vierten Stufe: die Aufsuchung des Steines der Weisen.

[ 42 ] Thus, behind the regulation of the respiratory process—behind what is often alluded to in connection with the Philosopher’s Stone, though usually in a completely nonsensical way—lies what is called the discovery or preparation of the Philosopher’s Stone. These are the hints that have only recently found their way into the public domain from the Rosicrucian schools. You will search for them in vain in books. This is a small part of the fourth stage: the search for the Philosopher’s Stone.

[ 43 ] Das fünfte besteht in dem, was man die Erkenntnis des Mikrokosmos, der kleinen Welt, nennt. Das führt uns auf das zurück, was Paracelsus gesagt hat und worauf ich schon oft hingewiesen habe: Alle Dinge, die um uns herum sind, würden, wenn wir aus ihnen einen Auszug nehmen könnten, als Extrakt den Menschen ergeben. Der Mensch hat in sich diejenigen Stoffe und Kräfte, welche als kurze Rekapitulation der ganzen übrigen Natur erscheinen, so daß, wenn wir die Natur um uns sehen, wir sagen können, was draußen in der Natur ist, ist im großen das Urbild von dem, was in uns allen als Nachbild erscheint. Nehmen wir zum Beispiel das Licht. Was hat nun dieses Licht im Menschen bewirkt? Wenn es kein menschliches Auge gäbe, so könnte es nicht das Licht gewahr werden. Die Welt wäre finster und dunkel für uns. Aber ebenso wie Tiere, wenn sie in finstere Höhlen einwandern, wie zum Beispiel in die Höhlen von Kentucky, das Sehvermögen verlieren, so wird auf der anderen Seite das Auge vom Lichte selbst geschaffen. Wir hätten kein Auge, wenn es kein Licht gäbe. Das Licht hat erst unsere Sehorgane aus der Haut, aus dem Organismus herausgelockt. Das Auge, hat Goethe gesagt, ist vom Licht und für das Licht, das Ohr vom Ton und für den Ton geschaffen. Alle Dinge sind aus der großen Welt, dem Makrokosmos, herausgeboren. Darin beruht das Geheimnis, daß man unter gewissen Anleitungen und Anweisungen, durch eine Vertiefung in den Körper hinein, nicht bloß die leibliche, sondern auch die geistige Welt ergründen und die uns umgebende Natur erkennen lernen kann. Wer unter gewissen Bedingungen lernt, mit gewissen Gedankenformen sich meditativ ganz in das Innere des Auges zu versenken, der lernt die innere, wesentliche Natur des Lichtes erkennen. Zwischen den Augenbrauen, an der Nasenwurzel, ist ein Punkt, der in dieser Beziehung auch von hoher Bedeutung ist. Wenn man sich in ihn vertieft, dann lernt man bedeutsame, wichtige Vorgänge in der geistigen Welt kennen, die sich abgespielt haben, als diese Partie des Kopfes sich aus der umliegenden Welt herausgebildet hat. So lernt man die geistige Zusammenfügung des Menschen kennen. Aus geistigen Wesenheiten und Kräften heraus ist der Mensch ganz und gar gebildet. Wenn er sich daher in seine Form vertieft, lernt er die Wesenheiten und geistigen Kräfte erkennen, die seinen Organismus, die seine Form aufgebaut haben.

[ 43 ] The fifth consists of what is called the knowledge of the microcosm, the small world. This brings us back to what Paracelsus said and to which I have often referred: All things around us, if we could extract an essence from them, would, as an extract, constitute the human being. Human beings possess within themselves those substances and forces that appear as a brief recapitulation of the rest of nature, so that when we look at nature around us, we can say that what exists out there in nature is, on a grand scale, the archetype of what appears within all of us as a reflection. Take light, for example. What effect has this light had on human beings? If there were no human eye, it could not perceive the light. The world would be dark and gloomy to us. But just as animals lose their sight when they migrate into dark caves—such as the caves of Kentucky—so, on the other hand, the eye is created by the light itself. We would have no eye if there were no light. It was light that first drew our organs of sight forth from the skin, from the organism. The eye, as Goethe said, is created by light and for light; the ear, by sound and for sound. All things are born from the great world, the macrocosm. Herein lies the secret that, under certain guidance and instructions, through deep immersion into the body, one can fathom not only the physical but also the spiritual world and learn to recognize the nature that surrounds us. Whoever, under certain conditions, learns to immerse themselves meditatively—using certain thought forms—deep into the innermost part of the eye, learns to recognize the inner, essential nature of light. Between the eyebrows, at the root of the nose, there is a point that is also of great significance in this regard. When one concentrates on it, one comes to know significant, important processes in the spiritual world that took place as this part of the head emerged from the surrounding world. In this way, one comes to know the spiritual composition of the human being. Human beings are formed entirely from spiritual beings and forces. Therefore, when one contemplates one’s own form, one comes to recognize the beings and spiritual forces that have built up one’s organism and one’s form.

[ 44 ] Eine Bemerkung muß hier noch gemacht werden. Dieses Versenken ins Innere des Menschen, ebenso wie die anderen Übungen, die hinunterarbeiten in das Leibliche, durch die vom Ich aus in den physischen Leib hineingearbeitet wird — Atman kommt von Atmen —, sollten nicht ohne Vorbereitung vorgenommen werden. Wenn man damit zu arbeiten anfängt, muß man eigentlich geistig schon vorgearbeitet haben. Deshalb wird in der Rosenkreuzerschulung auch streng auf Gedankenschulung gehalten. Es ist auch bei dieser Schulung für den Schüler die große Moral, ein fester innerer Wesenskern nötig. Wenn er diese nicht hat, so kann er straucheln. In jedes Glied kann er sich meditativ versenken, und Welten gehen ihm in seinem Inneren auf. Niemand kann die wahre Natur des Alten Testamentes kennenlernen ohne eine solche Versenkung in das eigentlich menschliche Innere, allerdings nach bestimmten Vorschriften, die ihm in der geisteswissenschaftlichen Schulung gegeben werden können. Alle diese Dinge sind aus der Geisteswissenschaft, aus Einblicken in die geistige Welt heraus geschrieben. Daher kann man sie auch nur verstehen, wenn man imstande ist, sie wieder in sich aufzusuchen. Der Mensch ist aus dem Makrokosmos herausgeboren, und er muß als Mikrokosmos die darin wirkenden Kräfte und Gesetze wieder in sich finden. Nicht als Anatom kann man den Menschen in sich kennenlernen. Nur dann kann man das, wenn man lernt, in sein eigenes Inneres zu blicken, das dann in einzelnen Gebieten leuchtend und tönend wird. Jedes Organ hat seine bestimmte Farbe und seinen bestimmten Ton, wenn das Ganze bloßgelegt wird vor der nach innen schauenden Seele. Wenn der Mensch durch die Rosenkreuzerschulung in seinem Innern kennengelernt hat, was aus dem Makrokosmos heraus geschaffen worden ist, dann kann er in sich die Dinge kennenlernen, die im Makrokosmos sind. Hat der Mensch, durch Versenkung in sein Auge oder in den Punkt über der Nasenwurzel, sein Inneres erkannt, dann kann er herausgehen und die großen Gesetze im großen Kosmos geistig erkennen. Und er lernt dann aus eigener Anschauung geistig dasjenige erkennen, was ein inspirierter Genius im Alten Testament beschrieben hat, er sieht es in der Akasha-Chronik und kann die Menschheitsentwicklung durch Jahrmillionen hindurch verfolgen.

[ 44 ] One further remark must be made here. This immersion into the inner self, just like the other exercises that work their way down into the physical body—through which the “I” works its way into the physical body—Atman comes from “breathing”—should not be undertaken without preparation. When one begins to work with these exercises, one must in fact have already done the necessary mental groundwork. That is why the Rosicrucian training places such strict emphasis on training the mind. In this training as well, the student must possess a strong inner core of character. If he lacks this, he may stumble. He can immerse himself meditatively in every limb, and worlds will open up within him. No one can come to know the true nature of the Old Testament without such immersion into the very depths of the human soul—though this must be done according to specific guidelines that can be provided through training in spiritual science. All these things are written from the perspective of spiritual science, based on insights into the spiritual world. Therefore, one can only understand them if one is able to seek them out within oneself. Human beings are born from the macrocosm, and as microcosms, they must rediscover within themselves the forces and laws at work there. One cannot come to know the human being within oneself as an anatomist would. One can do so only by learning to look into one’s own inner being, which then begins to shine and resound in specific areas. Each organ has its own specific color and tone when the whole is laid bare before the soul that looks inward. Once a person has come to know within themselves, through Rosicrucian training, what has been created from the macrocosm, they can then come to know within themselves the things that exist in the macrocosm. Once a person has recognized their inner self through contemplation of their eye or the point above the bridge of the nose, they can then go out and spiritually recognize the great laws in the great cosmos. And they then learn, through their own spiritual insight, to recognize what an inspired genius described in the Old Testament; they see it in the Akashic Records and can trace the development of humanity over millions of years.

[ 45 ] Das kann man alles durch eine solche Schulung wirklich erkennen. Das ist aber eine andere Schulung als die gewöhnliche. Man darf nicht glauben, daß Selbsterkenntnis durch planloses Hineinbrüten in sich errungen wird oder daß, wenn man hineinschaut in sich, der Gott im Inneren zu sprechen anfängt, wie das heute häufig gelehrt wird. Nein, man muß in seine Organe sich vertiefen, um dann das große Selbst der Welt erkennen zu können. Wahr ist es: durch alle Zeiten geht der Spruch «Erkenne dich selbst», aber ebenso wahr ist es, daß das höhere Selbst nicht durch das eigene Innere zu erkennen ist, sondern, wie schon Goethe, der große Seher, sagt, indem man seinen Geist zum Universum erweitert. Das geschieht auf der sechsten Stufe der rosenkreuzerischen Schulung, wenn man auf diese Weise geduldig seinen Weg geht. Nicht bequem ist der Weg. Man muß in sein Wesen untertauchen. Man kann nicht zufrieden sein mit Phrasen und Allgemeinheiten. Man muß in jedes Wesen eintauchen, es liebevoll in sich aufnehmen. Jede Bequemlichkeit muß einem fremd werden. Untertauchen muß man in die Wesen, im Konkreten, im Besonderen die Wesen kennenlernen, nicht herumreden über, was man so nennt: Harmonie mit der Welt, Einswerden mit der Weltenseele, Zusammenschmelzen mit der Welt. Solche Phrasen sind nichts wert gegenüber der Rosenkreuzerschulung, die nicht von Harmonie mit dem Unendlichen schwätzt oder sich in ähnlichen Phrasen ergeht, sondern die Kräfte in der Menschenseele lebendig werden läßt.

[ 45 ] One can truly come to understand all of this through such training. But this is a different kind of training than the ordinary kind. One must not believe that self-knowledge is attained by aimlessly brooding over oneself, or that, when one looks within, the God within begins to speak, as is often taught today. No, one must delve deeply into one’s own organs in order to then be able to recognize the great Self of the world. It is true that the saying “Know thyself” has been passed down through the ages, but it is equally true that the higher Self cannot be recognized through one’s own inner being, but rather, as Goethe, the great seer, already said, by expanding one’s spirit to encompass the universe. This occurs at the sixth stage of Rosicrucian training, if one patiently follows this path. The path is not an easy one. One must immerse oneself in one’s own being. One cannot be satisfied with platitudes and generalities. One must immerse oneself in every being, lovingly taking it into oneself. All comfort must become alien to one. One must immerse oneself in beings, getting to know them concretely and specifically, rather than talking around what is so-called: harmony with the world, becoming one with the world soul, merging with the world. Such phrases are worthless compared to the Rosicrucian training, which does not prattle on about harmony with the Infinite or indulge in similar platitudes, but rather brings the forces within the human soul to life.

[ 46 ] Wenn der Mensch sein Selbst so zu erweitern versucht hat, dann wird die siebente Stufe der Seele nicht mehr fern liegen. Dann verwandelt sich Erkenntnis in Gefühl, dann geht das, was in seiner Seele lebendig ist, in Empfindung über, und er hört auf, sich nur in sich selbst zu fühlen. Er fängt an, sich in jedem Wesen zu fühlen. Wenn er untergetaucht ist in jeden Stein, in jede Pflanze, in jedes Tier, dann fühlt er mit Pflanze, Stein und Tier, und es sagt, es offenbart ihm jedes einzelne Ding seine Wesenheit, nicht in Worten, nicht in Begriffen, sondern im innersten Gefühl. Dann beginnt jene Zeit, wo ihn ein allgemeines Netz von Sympathie mit den Wesen verbindet, wo er sich in alle Wesen hineinlebt. Dies Hineinleben in alle Wesen nennt man die siebente Stufe, die Gottseligkeit, das selige Ruhen in allen Wesen. Wenn der Mensch sein Selbst verbunden fühlt mit allen übrigen Wesenheiten, nicht mehr in seiner Haut lebt, sondern eingegangen ist in alle Wesen, mitfühlt mit allen Wesen, wenn er ausgebreitet ist in dem ganzen Weltenraum, so daß er zu allem sagen kann: «Das bist du», wenn er ganz Gefühl, ganz Seligkeit geworden ist, dann darf das gesagt werden, was Goethe aus der Rosenkreuzerschulung heraus in seinem Gedichte «Die Geheimnisse» ausspricht:

[ 46 ] When a person has sought to expand their self in this way, the seventh stage of the soul will no longer be far off. Then knowledge transforms into feeling; then what is alive in their soul becomes sensation, and they cease to feel only within themselves. They begin to feel themselves in every being. When they are immersed in every stone, every plant, every animal, they feel with the plant, the stone, and the animal, and each individual thing reveals its essence to them—not in words, not in concepts, but in the innermost feeling. Then begins that time when a universal web of sympathy connects them to all beings, when they live themselves into all beings. This immersion in all beings is called the seventh stage, divinity, the blissful repose in all beings. When a person feels his self connected to all other beings, no longer lives within his own skin but has entered into all beings, feels in sympathy with all beings, when he is spread out throughout the entire universe, so that he can say to everything: “That is you”—when he has become all feeling, all bliss—then what Goethe expresses in his poem “The Mysteries,” drawn from the Rosicrucian teachings, may be said:

«Wer hat dem Kreuze Rosen zugesellt?»

“Who placed roses beside the cross?”

[ 47 ] Das darf aber nicht nur gesagt werden von dem höchsten Standpunkte, sondern von den ersten Schritten an, wo man dasjenige zu seinem Losungswort macht, was sich ausdrückt in dem von Rosen umschlungenen Kreuz. Das Kreuz ist der Ausdruck dafür, daß der Mensch jenes Selbst, in das man hineinbrütet und das nur das niedere Selbst ist, welches niemals das höhere Selbst gewahren kann, überwindet, daß er herausgeht aus dem niederen Selbst, aufgeht in dem Höheren, das ihn selig hineinführt in das Leben und Weben von allen Wesenheiten, wenn er einsieht, was da steht in einem Gedichte des «West-Ostlichen Divan» von Goethe:

[ 47 ] But this must not only be said from the highest vantage point; rather, it must be said from the very first steps, when one adopts as one’s watchword that which is expressed in the cross entwined with roses. The cross is the expression of the fact that man overcomes that self into which he is immersed—and which is merely the lower self, incapable of ever perceiving the higher self—that he steps out of the lower self, merges into the higher, which blissfully leads him into the life and interweaving of all beings, when he understands what is written in a poem from Goethe’s Goethe’s West-Eastern Divan:

«Und solang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und Werde,
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.»

“And as long as you don’t have that,
This: Die and Be Reborn,
You are but a gloomy guest
On this dark earth.”

[ 48 ] Ja, wer es nicht verstehen kann, dieses Überwinden des eng begrenzten Selbst und dieses Aufgehen im höheren Selbst, wer es nicht begreifen kann, jenes Symbolum des Sterbens und des Werdens, das Verdorren des niederen Selbst und das Aufblühen der Rosen des höheren Selbst, der kann nicht jene Devise begreifen, die Goethe ausgesprochen hat und mit der wir das Sachliche des Rosenkreuzertums beschließen wollen, das Losungswort, das Zeichen der sieben Glieder, das über dem mit Rosen umwundenen Kreuz stehen muß:

[ 48 ] Yes, whoever cannot understand this transcending of the narrowly limited self and this merging into the higher self—whoever cannot grasp that symbol of dying and becoming, the withering of the lower self and the blossoming of the roses of the higher self—cannot comprehend that motto that Goethe articulated and with which we wish to conclude the essential aspects of Rosicrucianism—the watchword, the sign of the seven members, which must stand above the cross entwined with roses:

«Von der Gewalt, die alle Wesen bindet,
Befreit der Mensch sich, der sich überwindet.»

“From the force that binds all beings,
the person who overcomes themselves is set free.”