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The Rudolf Steiner Archive

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Der Kreislauf des Menschen
innerhalb der Sinnes Seelen und Geisteswelt
GA 68b

17 Januar 1906, München

39. Theosophie und Bildende Kunst

Bericht in den «Münchener Neuesten Nachrichten», Januar 1906

[ 1 ] Ch. Th. Theosophie und Kunst. Der bekannte theosophische Redner Dr. Rudolf Steiner aus Berlin sprach am 17. und 18. Januar vor einem zahlreichen Auditorium im Prinzensaale des Café Luitpold über Theosophie und Kunst. Im ersten Vortrage suchte er das Wesen der bildenden Künste, Malerei, Plastik und Architektur vom theosophischen Standpunkte aus zu beleuchten. Nach der theosophischen Weltanschauung ist, wie er einleitend ausführte, die äußere materielle Natur nur der Ausdruck der tieferen Weltwesenheit. In der werdenden Natur vollzieht sich die Gestaltung zunächst innerlich in drei Stadien, okkultistisch sogenannten «Elementarreichen», vom Gestaltlosen zu einer Welt der Gestalten und der flutenden Bilder, Vorbilder der Außenwelt. Mit diesen Reichen steht nun nach den Darlegungen des Redners das Bilden des Künstlers in Verbindung. Im imaginativen Zustande erhebt er sich wieder in die werdende Natur, in diese höheren Reiche, erschaut die Bilder der Welt, die hinter der Welt liegen, und nimmt sie ins Wachbewusstsein herüber. Er erlebt die Gestaltung der Welt wieder. Redner glaubt von seinem theosophischen Gesichtspunkte darauf hindeuten zu sollen, dass die Verinnerlichung die geistige Vertiefung zum Wiederfinden der inneren geistigen Welt, das aus sich Heraustreten zur Selbsterweiterung und Hingabe an die Allwelt auch das Charakteristische der Einweihung in die Mysterien gewesen sei, mit der er in etwas befremdender Weise künstlerische Anlagen in Zusammenhang brachte.

[ 2 ] Einen Unterschied in den bildenden Künsten glaubt Redner darin finden zu können, dass in der Malerei und Plastik nur das höhere Reich der Bilder und Gestalten Nachbildung finde, während in der Architektur das Gestaltlose neu gestaltet werde und sie derart eine Wiederholung des Weltenbaues aus den gestaltlosen Naturkräften darstelle. In der Architektur zeige sich deshalb so schr die Eigenart, der Charakter. Nichts sei mit dem Charakter eines Volkes so nahe verwandt als der architektonische Stil.