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Scientific Disciplines and Anthroposophy
GA 73a

27 March 1920, Dornach

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Scientific Disciplines and Anthroposophy, tr. SOL
  1. Fachwissenschaften und Anthroposophie

4. Das Weltbild der neueren Naturwissenschaft

4. The Worldview of Modern Science

[ 1 ] Meine lieben Freunde! Die Abhaltung einer ganzen Reihe von Vorträgen durch unsere jetzt hier versammelten Freunde ist ja für den Gang der Ereignisse hier am Goetheanum von einer gewissen Wichtigkeit. Es ist der Versuch eines entsprechenden Mitarbeitens durch unsere Freunde; und das muß ja auch ersehnt werden für unsere Bewegung, daß von den verschiedensten Gesichtspunkten des heutigen Lebens her ein Zusammenwirken in unserer Bewegung geschehe. Nur dadurch werden wohl wenigstens die ersten Keime gelegt werden, um dem starken Ansturm zu begegnen, der sich ja immer mehr und mehr zeigt in der gegenwärtigen Gegnerschaft, die sich gegen diese unsere Bewegung geltend macht. Daher, weil ich auch auf die ganze Bedeutung dieses Unternehmens unserer Freunde hinweisen will, soll dieser heutige Vortrag in der Reihe der Betrachtungen eine Art Episode sein. Er geht gewissermaßen aus dem Bedürfnis hervor, in dem Ton prinzipieller wissenschaftlicher Fragen, die in diesen Tagen hier durch unsere Freunde vorgebracht worden sind, heute weiter zu sprechen und andere anthroposophische Betrachtungen erst morgen wiederum aufzunehmen.

[ 1 ] My dear friends! The series of lectures being given by our friends gathered here today is, of course, of some importance for the course of events here at the Goetheanum. It is an attempt at meaningful collaboration on the part of our friends; and this is indeed something our movement must strive for—that cooperation within our movement take place from the most diverse perspectives of contemporary life. Only in this way will the first seeds be sown to meet the fierce onslaught that is becoming increasingly evident in the current opposition directed against our movement. Therefore, since I also wish to highlight the full significance of this undertaking by our friends, today’s lecture in this series of reflections is intended to be a sort of interlude. It arises, so to speak, from the need to continue speaking today in the vein of the fundamental scientific questions that have been raised here in recent days by our friends, and to resume other anthroposophical reflections only tomorrow.

[ 2 ] Wir haben ja vorzugsweise über das Prinzipielle der gegenwärtigen Wissenschaft in diesen Tagen durch unsere Freunde Zutreffendes, Wichtiges und Wesentliches in verschiedenen Auffassungen zu hören bekommen, und

[ 2 ] We have, after all, had the opportunity these past few days to hear from our friends accurate, important, and essential insights—from various perspectives—regarding the fundamental principles of contemporary science, and

[ 3 ] 82 wir werden noch weiteres hören. Ich möchte nun heute, gewissermaßen in diesem prinzipiellen Tone fortredend, einiges vorbringen, das auch auf Methodologisches der gegenwärtigen naturwissenschaftlichen Weltanschauung hinweisen wird, insofern dieses Methodologische zeigt, in welcher Verfassung eigentlich diese gegenwärtige naturwissenschaftliche Weltanschauung sich befindet, wenn sie einmal den Versuch macht, genauer auf ihre experimentellen Beobachtungsresultate einzugehen. Sie haben ja gehört, insbesondere auch aus den wenigen Bemerkungen, die gestern im Anschluß an den eindrücklichen Vortrag von Herrn Dr. Husemann durch Herrn Dr. Kolisko gemacht worden sind, wie es eigentlich um den sozusagen psychologischen Wert dessen steht, was heute gebräuchliche naturwissenschaftliche Anschauung, naturwissenschaftliche Weltanschauung ist.

[ 3 ] 82 We will hear more about this later. Today, continuing in this general vein, I would like to present a few points that will also shed light on the methodological aspects of the current scientific worldview, insofar as these methodological aspects reveal the actual state of this scientific worldview when it attempts to examine its experimental observational results more closely. You have heard, in particular from the few remarks made yesterday by Dr. Kolisko following Dr. Husemann’s impressive lecture, what the situation actually is regarding the—so to speak—psychological value of what is today the prevailing scientific view, the scientific worldview.

[ 4 ] Nun muß man aber eigentlich das folgende sagen: Diese atomistisch-molekularistische Grundlegung der Naturwissenschaft, sie figuriert tatsächlich innerhalb jener Kreise, die heute über Naturwissenschaft sprechen und die in die Beschreibung der Phänomene schon hineinmischen ihre phantastischen Atomtheorien, wie das ja gestern von Herrn Dr. Kolisko geschildert worden ist; diese atomistisch-molekularistische Grundlegung der Naturwissenschaft figuriert aber noch mehr, wenn Laien oder Halblaien heute über Weltanschauungsfragen sprechen in den verschiedensten Monisten- und ähnlichen Vereinigungen, durch die man Weltanschauungen populär machen will, die auf wirklicher Wissenschaft beruhen sollen, die aber eigentlich nur beruhen auf dem, was durch die Tatsachen der Wissenschaft heute eigentlich längst entwertet ist. Entwertet kann man sagen, wenn auch nicht widerlegt, denn zum Widerlegen wäre Geisteswissenschaft notwendig, die erst von weiteren Kreisen angenommen sein müßte. Die Situation innerhalb des gegenwärtigen Geisteslebens, die ja schließlich unsere Welt beherrscht, diese Situation ist allerdings eine ziemlich trostlose.

[ 4 ] But one must actually say the following: This atomistic-molecularist foundation of natural science does indeed feature within those circles that speak of natural science today and that already interweave their fanciful atomic theories into the description of phenomena, as was described yesterday by Dr. Kolisko; but this atomistic-molecularist foundation of natural science features even more prominently when laypeople or semi-laypeople discuss worldview issues today in a wide variety of monist and similar associations, through which one seeks to popularize worldviews that are supposed to be based on real science, but which in fact are based only on what has long since been discredited by the facts of modern science. One can say “discredited,” even if not “refuted,” for refutation would require spiritual science, which would first have to be accepted by broader circles. The situation within contemporary spiritual life—which, after all, dominates our world—is indeed a rather bleak one.

[ 5 ] Auf der einen Seite haben wir eine nach und nach, ich möchte sagen recht unbehilflich gewordene naturwissenschaftliche Grundlegung der Weltanschauung. Und auf der anderen Seite haben wir allerlei Philosophen, die ja — und das ist ganz besonders charakteristisch für unsere Zeit — viel bewundert werden, die es aber erst recht zu keinem wirklichen substantiellen Inhalt für eine Weltanschauung bringen. Denn es wird wohl kaum lange dauern können, bis man darauf kommt, daß das philosophische Geschwätz Euckenscher Art oder dergleichen nicht als etwas Wahrhaftiges, Wertvolles gelten kann. Wenn wir so ein paar Jahrzehnte zurückblicken auf die Weltanschauungsentwicklung, wie sie sich aus der Naturwissenschaft heraus gestaltet hat, so finden wir, daß eben vor diesen paar Jahrzehnten, ich möchte sagen die Glorie da war des atomistisch-molekularistischen Denkens. Da hat man es als etwas Selbstverständliches befunden, sich das Materielle so vorzustellen, daß man den materiellen Substanzen zugrundeliegend annahm Atome und Moleküle in verschiedener Konfiguration, in verschiedener Stellung zueinander. Und man trug alles das zusammen, was leicht und bequem sich bot aus dem Gebiet der Physik, aus dem Gebiet der Chemie, was zu einer Art von Erhärtung dieses atomistisch-molekularistischen Denkens hat dienen können.

[ 5 ] On the one hand, we have a scientific foundation for our worldview that has gradually—I would say quite ineffectively—become obsolete. And on the other hand, we have all sorts of philosophers who—and this is particularly characteristic of our time—are greatly admired, but who are certainly unable to provide any real, substantial content for a worldview. For it can hardly be long before people realize that philosophical drivel of the Eucken variety or the like cannot be regarded as anything true or valuable. If we look back a few decades at the development of worldviews as they have taken shape out of the natural sciences, we find that just a few decades ago, I would say, the heyday of atomistic-molecularist thinking was upon us. At that time, it was taken for granted to conceive of the material world in such a way that one assumed material substances were fundamentally composed of atoms and molecules in various configurations and positions relative to one another. And people brought together everything that was readily and conveniently available from the fields of physics and chemistry, which served to reinforce this atomistic-molecularist way of thinking.

[ 6 ] Das, was als eine gesunde Opposition gegen dieses Denken da war, wie zum Beispiel die Goethesche Weltanschauung, das hat man in dieser Zeit eben nicht beachtet, man hat es als eine Art Dilettantismus angesehen. Man dachte sich ein Weltsystem aus, von dem man forderte, daß es aus möglichst einfachen Elementen zusammengesetzt sei: Raum, Zeit, Bewegung, Masse — das waren so die Grundbegriffe, die man annahm und aus denen man dann im Grunde genommen ein ganzes Weltsystem aufbauen wollte. Wie die Pilze sind solche Weltsysteme emporgeschossen, variierend in ihren Einzelheiten, zusammenstimmend in dem Großen, daß sie eigentlich alle auf die elementarsten, primitivsten Begriffe allein aufbauen wollten, auf solche Begriffe wie Raum, Zeit, Bewegung, Masse. Ein Ideal war es, die komplizierte Bewegungsform der Zelle, aus der man sich dann wiederum den ganzen Organismus aufgebaut dachte, zurückzuführen auf Raum, Zeit, Bewegung und Masse, um dadurch auch alles Organische sich vorzustellen als hervorgehend aus bloßem Raum, Zeit, Bewegung und Masse, die die Materie repräsentieren. Diese Anschauungsweise ist ja im Grunde genommen durchaus nicht aus den Tatsachen der Welt selbst abgenommen, sondern sie ist durch und durch ausgedacht. Wer mitgemacht hat, was auf diese Weise zustandegekommen ist, der weiß, wie diese Dinge eigentlich alle ausgedachte Weltanschauungen waren; man hat gewisse Grundannahmen gemacht und hat auf diesen Grundannahmen dann aufgebaut.

[ 6 ] What existed as a healthy opposition to this way of thinking—such as Goethe’s worldview—was simply ignored during that time; it was regarded as a kind of dilettantism. People devised a world system that they demanded be composed of the simplest possible elements: space, time, motion, mass—these were the basic concepts they assumed, and from which they essentially sought to construct an entire world system. Such world systems sprang up like mushrooms, varying in their details but converging in the broader sense that they all sought to be based solely on the most elementary, most primitive concepts—concepts such as space, time, motion, and mass. The ideal was to reduce the complex form of movement of the cell—from which, in turn, one imagined the entire organism to be constructed—to space, time, motion, and mass, in order thereby to conceive of all organic phenomena as arising from mere space, time, motion, and mass, which represent matter. This way of looking at things is, after all, by no means derived from the facts of the world itself, but is thoroughly contrived. Anyone who has been involved in what came about in this way knows how these things were, in fact, all contrived worldviews; certain basic assumptions were made, and these basic assumptions were then used as a foundation.

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[ 7 ] Ich habe ja in meinen Vorträgen öfter erzählt, wie mir bereits als ganz jungem Buben ein solches Weltsystem aufgetaucht ist, das allerdings nicht bis zum Organischen, aber wenigstens bis zum Chemischen herauf gegangen ist, das aufgestellt war von seiten meines damaligen Schuldirektors, der ganz im Sinne der Zeitrichtung gedacht hat und der als Grundlage das folgende angenommen hat. Er sagte: Nehmen wir das Allereinfachste, den Raum zunächst, und im Raume verteilt die Materie, atomistisch angeordnet. — Er dachte sich den Raum unendlich, und er teilte sich den Raum ab in lauter Raumwürfel. Der Raum ist angefüllt mit Materie. Nun sagte er: Man kann denken, daß die Materie in einer gewissen Weise verteilt ist in diesen verschiedenen Raumwürfeln. Wenn man sucht, eine Vorstellung zu gewinnen, wie die Materie in diesen verschiedenen Raumwürfeln verteilt ist, so kann man folgendes sagen: Sie könnte unter Umständen ja so verteilt sein, daß in den unendlich vielen Raumwürfeln überall gleich viel Atome drinnen wären. Aber da wir unendlich viele Raumwürfel haben und uns keine Annahme nötigt, für eine bestimmte Zahl von Atomen in einem Raumwürfel uns zu entscheiden, so ist es eben nur eine Wahrscheinlichkeit, daß in einem Raumteil so viel Atome sind wie in einem anderen Raumteil. Weil unendliche Möglichkeiten da sind, ist es wahrscheinlich, daß in einem Raumteil so viele sind wie in den anderen Raumteilen: Eins, gebrochen durch Unendlich, ist Null, also ist in jedem Raumteil eine andere Anzahl von Atomen. Aber wenn man nun die Zeit einfügt, so hat man keinen Grund anzunehmen, daß im nächsten Zeitteil nicht die Sache wieder so wäre: daß nämlich die Wahrscheinlichkeit gleich null wäre, daß in einem bestimmten Raumteil dieselbe Anzahl von Atomen sei wie in dem vorigen Raumteil. Daher wird die Zahl der Atome in den aufeinanderfolgenden Zeitabschnitten verschieden sein in den Raumteilen. Das heißt: die Materie ist in Bewegung.

[ 7 ] I have often recounted in my lectures how, even as a very young boy, a world system of this kind occurred to me—one that, while not extending all the way to the organic realm, did at least reach the chemical realm—a system that had been devised by my school principal at the time, who thought entirely in keeping with the spirit of the age and who took the following as his basis. He said: Let’s take the simplest thing—space, to begin with—and within that space, matter distributed in an atomistic arrangement. — He conceived of space as infinite, and he divided it into countless spatial cubes. Space is filled with matter. Now he said: One can imagine that matter is distributed in a certain way within these various cubes. If one tries to form a mental picture of how matter is distributed within these various cubes, one can say the following: Under certain circumstances, it could indeed be distributed such that there would be the same number of atoms in each of the infinitely many cubes. But since we have an infinite number of spatial cubes and no assumption compels us to choose a specific number of atoms in a single spatial cube, it is merely a probability that one part of space contains as many atoms as another part of space. Because there are infinite possibilities, it is likely that one part of space contains as many atoms as the other parts: one divided by infinity is zero, so each part of space contains a different number of atoms. But if we now introduce time, there is no reason to assume that the situation would not be the same in the next time interval—namely, that the probability would be zero that a particular spatial region would contain the same number of atoms as the previous one. Therefore, the number of atoms in the successive time intervals will differ across the spatial regions. This means: matter is in motion.

[ 8 ] Nun haben wir aus der Wahrscheinlichkeitsrechnung und aus der Raumwürfelteilung die Bewegung der Materie abgeleitet. Aber da es nicht wahrscheinlich ist, daß die atomistisch-materiellen Teilchen durcheinander gehen — das widerspricht dem, was sich uns in den Naturerscheinungen zeigt —, so muß man annehmen, daß die materiellen Teilchen mit Widerstand gegeneinander behaftet sind, also massig sind. Die einfachste Annahme ist die, daß sie starre Massen sind. Und damit haben wir Zeit, Raum, Bewegung, Masse, und nun kann man zu rechnen beginnen, was sich dann ergibt aus den gegenseitigen Stößen. Und da zeigt sich uns bald etwas für so geartete Geister höchst Verfängliches, nämlich man kann nun rechnen und man kann das, was die Rechnungsansätze ergeben, als Korrelat sich vorstellen, als Repräsentanten für dasjenige, was in der Materie geschieht. Und tatsächlich, man kriegt dann durch diese rechnerischen Zauberstücke die Vorgänge heraus, wie der [Schuldirektor] es gemacht hat bis zu den chemischen Vorgängen. Alle chemischen Vorgänge kann man noch errechnend ableiten. Und wenn einer ein noch größerer Zauberkünstler auf diesem Gebiete ist, so wird es ihm schon auch gelingen, die organischen Vorgänge in der Zelle abzuleiten, zu errechnen. Man bekommt ein ganzes Weltbild aus den primitivsten Vorstellungen von Raum, Zeit, Bewegung, Masse aufgebaut.

[ 8 ] We have now derived the motion of matter from probability theory and the division of space into cubes. But since it is unlikely that the atomistic material particles would intermingle—this contradicts what we observe in natural phenomena—we must assume that the material particles exert resistance against one another, that is, that they possess mass. The simplest assumption is that they are rigid masses. And with that, we have time, space, motion, and mass, and now we can begin to calculate what results from their mutual collisions. And here we soon encounter something highly treacherous for minds of this sort: namely, we can now calculate, and we can imagine the results of these calculations as correlates—as representatives of what is happening within matter. And indeed, through these mathematical sleights of hand, one can then uncover the processes—just as the [school director] did—all the way down to the chemical processes. All chemical processes can still be derived through calculation. And if someone is an even greater magician in this field, they will certainly succeed in deriving and calculating the organic processes within the cell as well. An entire worldview is constructed from the most primitive concepts of space, time, motion, and mass.

[ 9 ] Das ist etwas, was nun tatsächlich immer mehr in den Geistern spukend wurde, je weiter das Denken des 19. Jahrhunderts vorschritt. Und erst um die Wende des 19. zum 20. Jahrhunderts ist eine Bresche geschlagen worden in diese ganze Denkweise. Ich habe ja schon angedeutet von den verschiedensten Seiten her, wie diese Bresche geschlagen worden ist. Sehen Sie, der Mann, von dem ich hier gesprochen habe, der ist nur der Repräsentant für diese Denkweise; ich führe ihn deshalb als Repräsentanten an, weil er mir als zwölfjährigem Buben dazumal entgegengetreten ist und ich dazumal überrascht war über die Art und Weise, wie man ein ganzes Weltbild aus Raum, Zeit, Bewegung und Masse herauszaubern kann auf rechnerische Weise. Diejenigen, die ebenso dachten, die fanden eigentlich alle, daß man es zu tun habe mit der Materie, die die Erscheinungen der festen, flüssigen und gasförmigen Körper hervorruft, und dann noch mit all dem, was man nun zuzuschreiben habe — wie dieser Mann sagte — einem überallhin sich ausbreitenden, viel feineren Weltengas, andere sagten dem Äther. So hatte man also für sein Weltbild den allgemeinen Weltenäther, durch dessen Bewegung sich etwa das Licht ausbreitet oder in dessen Bewegung das Licht sogar bestehen sollte, und in diesem Äther schwimmend die ponderable Materie, die Materie, die Gewicht hat und die dann die Einwirkungen dieser Äthervorgänge empfängt, sich auch wohl mit ihnen durchdringt und so weiter. Natürlich, zur Vorstellung von irgend etwas Geistigem ist in einem solchen Weltbild eigentlich nirgends Platz. Man kann ja ganz gewiß in dieser Beziehung sich Illusionen hingeben; man kann sagen, man hält für die Physik und für die Chemie, eventuell auch für die Organik dieses Weltbild fest und nimmt daneben noch ein Geistiges an. Nur möchte man dann fragen, wie eigentlich die Vermittlung geschehen soll zwischen diesem Geistigen und dem, was man da ohne dieses Geistige als eine bloße Wirkung von Raum, Zeit, Bewegung und Masse sich vorstellt.

[ 9 ] This is something that actually began to haunt people’s minds more and more as 19th-century thought progressed. And it was not until the turn of the 19th to the 20th century that a breach was made in this entire way of thinking. I have already hinted at how this breach was opened from a wide variety of angles. You see, the man I have been speaking of here is merely a representative of this way of thinking; I cite him as a representative because he crossed my path back then when I was a twelve-year-old boy, and at the time I was surprised by the way in which an entire worldview could be conjured up from space, time, motion, and mass through mathematical calculation. Those who thought similarly all believed that one was dealing with the matter that gives rise to the phenomena of solid, liquid, and gaseous bodies, and then also with everything that one must now attribute—as this man put it—to a much finer cosmic gas spreading everywhere; others called it the ether. Thus, their worldview included the universal cosmic ether, through whose motion light propagates—or in whose motion light was even said to consist—and, floating within this ether, ponderable matter—the matter that has weight and which then receives the effects of these etheric processes, intermingles with them, and so on. Of course, in such a worldview there is actually no room anywhere for the concept of anything spiritual. One can certainly indulge in illusions in this regard; one can say that one adheres to this worldview for physics and chemistry—and possibly also for organic chemistry—while simultaneously assuming the existence of something spiritual. But then one might ask how, exactly, the mediation is supposed to take place between this spiritual element and what one conceives of—without this spiritual element—as a mere effect of space, time, motion, and mass.

[ 10 ] Nun allerdings war man genötigt, neben diesen Phantasievorstellungen, die wie gesagt in der mannigfaltigsten Weise ausgebaut worden waren, auch das zu berücksichtigen, was nun die Tatsachen der Erscheinungswelt selber boten. In einem solchen Weltbilde ist wirklich nichts drinnen, was der Mensch sieht durch seine Sinne. Denn da drinnen sind bewegte kleine Körnchen, die gar nichts von den Eigenschaften haben, welche die Sinnenwelt hat; bewegliche kleine Körnchen sind drinnen, ein Sich-Stoßen, ein Drücken, aber nichts von dem, was die Sinnenwelt darbietet. Es ist allerdings einzelnen dann aufgefallen, zum Beispiel dem Mach, daß man da ja etwas ausgedacht hat. Der ging daher wiederum zurück auf die Welt der reinen Sinneswahrnehmungen, und er wollte auch das ganze physikalische Weltbild nur zusammenstellen aus der zeitlichen Folge und dem räumlichen Nebeneinandersein der Sinneswahrnehmungen. Allerdings, auch auf diese Machsche Weise kann man ja nicht zurechtkommen, denn wenn man nur Sinneswahrnehmungen hinstellt, so bleiben diese Sinneswahrnehmungen sozusagen neutral nebeneinander. Wenn man nicht die Fähigkeit hat, irgend etwas Wesenhaftes zu sehen in den Sinneswahrnehmungen, so kann man sie ja auch höchstens nur in ein räumliches und zeitliches Verhältnis zueinander bringen, nicht in ein intensives und qualitatives Verhältnis. Kurz, man kommt auch auf die Machsche Weise mit seinem Denken nicht an die reiche Welt unserer Sinneserfahrungen heran. Aber das kann man schon sagen: außerordentlich berückend ist ein solches Denken.

[ 10 ] Now, however, one was compelled to take into account not only these imaginative conceptions—which, as mentioned, had been developed in the most diverse ways—but also what the facts of the phenomenal world itself had to offer. In such a worldview, there is truly nothing that a person sees through their senses. For within it are small, moving particles that possess none of the properties of the sensory world; there are small, moving particles, a colliding, a pressing, but nothing of what the sensory world presents. It did, however, occur to some individuals—Mach, for example—that something had been imagined here. He therefore returned to the world of pure sensory perceptions, and he sought to construct the entire physical worldview solely from the temporal sequence and spatial juxtaposition of sensory perceptions. However, even this Machian approach is not sufficient, for if one merely presents sensory perceptions, these perceptions remain, so to speak, neutral and juxtaposed. If one lacks the ability to perceive anything essential in the sensory perceptions, then one can, at most, only relate them to one another in terms of space and time, not in terms of intensity or quality. In short, even using Mach’s method, one’s thinking cannot approach the rich world of our sensory experiences. But one thing can certainly be said: such thinking is extraordinarily captivating.

[ 11 ] Ich weiß ja, meine lieben Freunde, daß viele unter Ihnen sind, die ein solches Denken nicht berückend finden. Das kommt aber nur davon her, weil diejenigen, die es nicht berückend finden, keine sehr starke mathematische Kultur durchgemacht haben und deshalb nicht das Berückende dieses Ausrechnens aller Erscheinungen in der Welt fühlen können. Es hat dies eine Art von Zauber, die ganze Welt zu verwandeln in seinem Geiste, in seiner Phantasie, in eine so fein wirkende Maschine, wie es durch ein solches Weltbild geschieht — es hat schon etwas Berückendes. Und es ist ja auch nicht geschehen aus einer, ich möchte sagen kleinen Teufelei heraus oder weil man die Welt nasführen wollte — obwohl die Welt als genasführt erscheinen könnte durch dieses Weltbild —, es ist wirklich nicht entstanden bloß aus einem Zynismus heraus, sondern es ist entstanden, weil beim Menschen ein innerer Drang besteht, über die Erscheinungen, die verlaufen, sich so zu täuschen, wie man sich nur täuschen kann, wenn man nur den Phantasievorstellungen mathematischer Art seines inneren Seelenlebens folgt. Dieser Drang war schon vorhanden; es lag ein ganz aufrichtiger, ehrlicher Drang diesem schrecklich leeren Weltbilde, dem Formen dieses schrecklich leeren Weltbildes zugrunde. Und heute, wo wir so sehr die Notwendigkeit einsehen, daß dieses Weltbild verlassen werde, gründlich verlassen werde und ein anderes, ein geisteswissenschaftliches, an seine Stelle trete, heute muß diese Frage schon gestellt werden: Woher rührt denn das Berückende dieser mechanistischen Weltauffassung?

[ 11 ] I know, my dear friends, that there are many among you who do not find such thinking captivating. But that is only because those who do not find it captivating have not undergone a very rigorous mathematical education and therefore cannot appreciate the fascination of calculating all phenomena in the world. There is a kind of magic in transforming the entire world, in one’s mind and imagination, into a machine that functions with such precision—as happens through such a worldview—and there is indeed something captivating about it. And it did not arise, I might say, out of some petty mischief or because one wanted to deceive the world—although the world might appear to be deceived by this worldview— it really did not arise merely out of cynicism, but rather because there is an inner urge in human beings to delude themselves about the phenomena that unfold in such a way as one can only do so by following the mathematical imaginings of one’s inner spiritual life. This urge was already present; a completely sincere, honest urge lay at the foundation of this terribly empty worldview, of the very formation of this terribly empty worldview. And today, when we so keenly recognize the necessity of abandoning this worldview—abandoning it thoroughly—and replacing it with another, one based on spiritual science, today this question must already be asked: Where, then, does the allure of this mechanistic worldview come from?

[ 12 ] Man kann vielleicht zu einer sachgemäßen Beantwortung dieser Frage, woher das Berückende dieser mechanistischen Weltauffassung rührt, am besten kommen, wenn man einen Blick wirft auf die Revolution dieses Weltbildes, die sich eigentlich erst vollzogen hat in den zwei letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts und seit der Wende des 19. zum 20. Jahrhundert. Sehen sie, wenn früher gedacht wurde: der leere Raum, in dem leeren Raum Bewegungen, Bewegungen der Materie, sowohl der schweren Materie wie des Äthers —, so war gewissen Vorstellungen keine Grenze gesetzt. Das, was da in den Raumwürfeln aus einem Würfel in den anderen hineintanzte, das konnte man sich ja mit einer beliebigen Geschwindigkeit vorstellen. Und das stellte man sich auch als starr, selbst als unveränderlich vor. So ein Körnchen wurde selbst als unveränderlich gedacht und wurde der Berechnung als unveränderlich zugrundegelegt. Man war an gar nichts anderes gebunden als an das, was einem die ausgedachten Vorstellungen von Raum, Zeit, Bewegung und Masse aufbürdeten.

[ 12 ] Perhaps the best way to properly answer the question of where the appeal of this mechanistic worldview stems from is to take a look at the revolution in this worldview, which actually took place only in the last two decades of the 19th century and since the turn of the 19th to the 20th century. You see, whereas it was once thought that there was empty space, and within that empty space there were movements—movements of matter, both heavy matter and the ether—there were no limits to certain conceptions. Whatever was dancing from one cube to another within those spatial cubes could be imagined moving at any speed whatsoever. And it was also conceived of as rigid, even as unchanging. Such a particle was even thought of as unchanging and was treated as unchanging in calculations. People were bound by nothing other than what their imagined concepts of space, time, motion, and mass imposed upon them.

[ 13 ] Namentlich viele Äthertheorien hat man konstruiert unter dem Einfluß dieser Vorstellungen. Der Äther war bald ein starrer Körper, der nur nicht schwer ist, bald war er eine Flüssigkeit, bald war er eine Summe von Wirbeln der Materie und so weiter. Alle möglichen Gestaltungen und Konfigurationen sah man hinein in diesen Äther. Man machte auch Modelle, wie sich da der Äther in gewissen Raumesteilen eigentlich benimmt. Insbesondere in England wurden, weil man dort darauf bedacht war, alles räumlich vorzustellen, viele solche Äthermodelle konstruiert. Wir in Mitteleuropa konnten noch die Nachklänge dieser Äthermodellkonstruktionen vernehmen, wenn wir die alten Theosophen kennengelernt haben. Die Theosophen haben nämlich diese Äthermodellkonstruktionen nachgemacht, und ich kannte einen solchen alten deutschen Theosophen, der aber seine ganze Theorie von England gelernt hatte. Der hat mich einmal auf seinen Dachboden geführt, und da stand alles voll von Äthermodellen, riesigen Äthermodellen. Da konnte man sehen, wie merkwürdig die Windungen, die Bewegungen stattfanden, so herum und dann wieder so herum, sich ineinanderschlingend — alles mögliche war da ineinander verschlungen. Es waren furchtbar komplizierte, aber fein ausgedachte Verschlingungen desjenigen, was da im Äther vor sich gehen sollte. Die Menschen, welche solche Modelle ausdachten, waren zum Teil weit entfernt von dem, was eigentlich in der Wirklichkeit lebt.

[ 13 ] In particular, many theories of the ether were devised under the influence of these ideas. The ether was sometimes conceived as a rigid body that was simply weightless, sometimes as a liquid, sometimes as a collection of vortices of matter, and so on. People imagined all manner of forms and configurations within this ether. Models were also created to illustrate how the ether actually behaves in certain parts of space. In England in particular—because people there were keen on visualizing everything spatially—many such ether models were constructed. We in Central Europe could still hear the echoes of these ether model constructions when we got to know the old Theosophists. The Theosophists had, in fact, imitated these ether model constructions, and I knew one such old German Theosophist who had, however, learned his entire theory from England. He once took me up to his attic, and it was filled with ether models—huge ether models. There you could see how strangely the twists and movements took place—this way and then that way again, intertwining—all sorts of things were intertwined there. They were terribly complicated, yet finely conceived interweavings of what was supposed to be happening in the ether. The people who devised such models were, in part, far removed from what actually exists in reality.

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[ 14 ] Aber man war nach und nach doch genötigt, auf diese Wirklichkeit etwas Rücksicht zu nehmen, und aus diesem Bestreben ging dann so etwas hervor wie die Theorie Einsteins, die sogenannte Relativitätstheorie, die Theorien von Mie, Nordström, Hilbert und so weiter; es ist ja eine ganze reiche Literatur heute über diese Relativitätstheorie da. Ich möchte Ihnen nur zwei Vorstellungen dieser Relativitätstheorie vor die Seelenaugen führen, und dann werden wir sehen, wohin man gekommen ist, als man wenigstens den Versuch machte, aus der reinen Phantasie im Weltbild wieder herauszukommen. Das erste, wozu man sich gedrängt fühlte unter dem Einfluß Lorentzscher Experimente und des Einsteinschen schrecklich grauen, abstrakten Denkens, aber immerhin unter gewissem Rücksichtnehmen auf die Wirklichkeit, war, auf dieses Weltbild und auch diese schönen Modelle gar keine Rücksicht zu nehmen. Um zu charakterisieren, worauf man kam, als man da herauskommen wollte, will ich Ihnen sagen, wie man dazu kam, die Geschwindigkeit des Lichtes gewissermaßen als die Urgeschwindigkeit anzusehen, als die Urgeschwindigkeit im Weltraum.

[ 14 ] But little by little, people were compelled to take this reality into account, and this endeavor gave rise to such things as Einstein’s theory—the so-called theory of relativity—as well as the theories of Mie, Nordström, Hilbert, and so on; after all, there is now a rich body of literature on this theory of relativity. I would like to present just two concepts from this theory of relativity to your inner eye, and then we will see where we have arrived now that we have at least attempted to move beyond a worldview based purely on imagination. The first thing people felt compelled to do—under the influence of Lorentz’s experiments and Einstein’s dreadfully dreary, abstract thinking, though still with some regard for reality—was to disregard this worldview and these beautiful models entirely. To characterize what one arrived at when trying to break free from it, I will tell you how one came to regard the speed of light, so to speak, as the primordial speed—the primordial speed in space.

[ 15 ] Wer in dieser Weise phantasiert (siehe Tafel 1), der hat nicht nötig, an irgendeine Urgeschwindigkeit zu denken, denn diese kleinen Kameraden da drinnen in den Raumwürfeln, die können sich mit jeder beliebigen Geschwindigkeit oder Langsamkeit und selbstverständlich auch schneller als das Licht bewegen. Man braucht das nur anzunehmen.

[ 15 ] Anyone who imagines things this way (see Figure 1) has no need to think about any “primordial speed,” because these little fellows inside the space cubes can move at any speed or slowness—and, of course, even faster than light. You just have to accept that.

[ 16 ] Aber gewisse Erscheinungen, auf die man doch Rücksicht nehmen mußte, die nötigten dazu, das Licht — ich will nicht sagen, daß das richtig ist, aber jedenfalls, es wurde ausgesprochen und es wurde endlich zur Annahme —, das Licht als diejenige Geschwindigkeit anzunehmen, über die hinaus es eine Steigerung des Geschwindseins nicht mehr gibt, so daß also nichts geschwinder sein kann als das Licht. Alles andere also, was an Geschwindigkeiten in der Welt existiert, muß dann am Lichte gemessen werden.

[ 16 ] But certain phenomena that had to be taken into account necessitated assuming—I won’t say that this is correct, but in any case, it was stated and eventually accepted—that light is the speed beyond which there can be no further increase in speed, so that nothing can be faster than light. Everything else, then, that exists in terms of speed in the world must be measured against the speed of light.

[ 17 ] Nun, solch eine Annahme, die vertrug sich aber nicht mehr mit der Annahme des Äthers, wie ihn dieses bisherige Weltbild vorausgesetzt hatte. Denn wenn man das Licht mit Urgeschwindigkeit annahm und alles übrige in Vergleich zog mit der Geschwindigkeit des Lichtes, dann konnte man nicht die ganze Summe von Vorstellungen in diesem Weltbild unterbringen, die man mit dem Äther verbunden hat. Und so kam es, daß zum Beispiel Einstein den Äther vollständig wegließ und jetzt gar kein Äther mehr angenommen wurde. In der Einsteinschen Relativitätstheorie haben Sie ein Weltbild ohne Äther. Da wirkt also das Licht durch den leeren Raum mit dem Maximum aller vorhandenen Geschwindigkeit. Alles übrige muß sich nach dem Lichte richten. Legt man diese Vorstellungsart zugrunde, dann kommt man zu einer bedeutsamen Folgerung. Da handelt es sich nämlich nur darum, daß sich ein fester Körper schnell genug bewegt. Er kann seine Geschwindigkeit ja fortwährend steigern, er kann sie nur nicht über die Lichtgeschwindigkeit hinaus steigern. Also nun haben wir es nicht mehr zu tun mit der Bewegung eines festen Körpers durch den Äther. Man spricht jetzt, weil kein Äther mehr dabei gedacht wird, über die Bewegung als solche, die auch von festen Körpern ausgeführt wird, und man spricht davon, daß die Bewegung nicht ohne Einfluß zum Beispiel auf die Ausdehnung, sagen wir auf die Länge eines festen Körpers ist. Und so kam Einstein zu der Vorstellung, daß ein fester Körper von einer bestimmten Länge einfach dadurch kürzer wird, daß er sich bewegt, also durch gar nichts anderes als dadurch, daß er sich bewegt.

[ 17 ] Well, such an assumption was no longer compatible with the concept of the ether as it had been posited by the prevailing worldview up to that point. For if one assumed that light traveled at the speed of light and compared everything else to the speed of light, then one could not accommodate the entire set of concepts associated with the ether within this worldview. And so it came to pass that, for example, Einstein completely omitted the ether, and now no ether is assumed at all. In Einstein’s theory of relativity, you have a worldview without the ether. Thus, light travels through empty space at the maximum speed possible. Everything else must conform to the light. If one takes this way of thinking as a basis, one arrives at a significant conclusion. For the only issue here is that a solid body moves fast enough. It can, of course, continuously increase its speed; it simply cannot increase it beyond the speed of light. So now we are no longer dealing with the motion of a solid body through the ether. Since the ether is no longer assumed to exist, we now speak of motion as such—which is also performed by solid bodies—and we note that this motion is not without effect, for example, on the dimensions, say, the length of a solid body. And so Einstein arrived at the idea that a solid body of a certain length simply becomes shorter by virtue of its motion—that is, by nothing other than the fact that it is moving.

[ 18 ] Bedenken Sie doch nur einmal: Insofern Sie selber feste Körper sind — wenn Sie sich mit einer gewissen Geschwindigkeit durch den Raum bewegen würden, würden Sie in der Richtung, in der Sie sich bewegen, immer dünner und dünner werden, und zuletzt würden sie so dünn werden wie ein Blatt Papier. Also dadurch, daß man den Äther wegließ, wurden gewisse Veränderungen des Weltbildes nötig. Und diese folgenden zwei Sätze spielen heute in der physikalischen Erkenntnistheorie eine außerordentlich große Rolle: erstens, daß die Lichtgeschwindigkeit die Maximalgeschwindigkeit ist, daß man also nirgends eine größere Geschwindigkeit voraussetzen darf, als sie das Licht hat, daß das Licht also die Urgeschwindigkeit hat, und zweitens die Annahme, daß feste Körper einfach dadurch ihre Ausdehnung ändern, daß sie sich bewegen, daß die Bewegung selber also eine Ursache sein kann für die Veränderung der Größe, der Ausdehnung selbst der festen Körper.

[ 18 ] Just consider this: Insofar as you yourselves are solid bodies—if you were to move through space at a certain speed, you would become thinner and thinner in the direction of your motion, and eventually you would become as thin as a sheet of paper. Thus, by omitting the ether, certain changes in the worldview became necessary. And these following two propositions play an extraordinarily important role in the epistemology of physics today: first, that the speed of light is the maximum speed—that is, one must not assume a speed greater than that of light anywhere, meaning that light possesses the fundamental speed; and second, the assumption that solid bodies change their dimensions simply by moving—that is, that motion itself can be a cause for the change in size, in the very dimensions, of solid bodies.

[ 19 ] Wenn Sie diese zwei Vorstellungen nehmen und sich sagen, wie verschieden diese zwei Vorstellungen sind von all dem, was wir als Menschen uns denken nach den Erfahrungen unserer Umgebung, so werden Sie sich zugleich eine Meinung bilden können über das, wozu Einstein, Mie, Nordström und so weiter genötigt worden sind in dem physikalischen Weltbild. Sehen Sie, es gibt ja jetzt schon ein physikalisches Weltbild, das sogar von einer ganzen Reihe von Leuten angenommen worden ist, das rechnet mit diesen Vorstellungen von der maximalen Lichtgeschwindigkeit und von der Ausdehnung, Veränderung durch die Bewegung selbst bei festen Körpern. Dieses Weltbild hat nichts mehr zu tun mit dem Weltbilde, an das wir noch in der Jugend gewöhnt worden sind und das noch bei Laien spukt, wenn sie Weltanschauungen verzapfen. Dieses Weltbild hat eigentlich im Grunde alle alten physikalischen Vorstellungen revolutioniert. Interessant ist es, daß dieses Weltbild sogar die alte Newtonsche Anschauung von der Gravitation, von der Schwere, von der Anziehungskraft der Masse revolutionieren will, daß also der Newtonsche Satz nicht mehr gelten soll, daß die Massen sich anziehen, abnehmend mit dem Quadrate der Entfernung. Aber dasjenige, was sich als Änderung der Masse geltend macht nach der Einsteinschen Theorie, das ist im Grunde genommen auch nur ein Rechnungsresultat. Man soll also auch die Wirkungen nur berechnen, die man früher zugeschrieben hat der Schwere, der Gravitation und so weiter. Allerdings ist Einstein genötigt, eine andere Geometrie zu denken für sein Weltbild. Was ist diese andere Geometrie? Das kann man sehr einfach sagen. In unserer Geometrie gilt der pythagoräische Lehrsatz und es gilt, daß, wenn zwei Geraden parallel sind, sie sich auch in unendlicher Entfernung nicht schneiden. In unserer Geometrie gilt auch der Satz: Die drei Winkel eines Dreiecks sind 180 Grad. In der Geometrie, die da [von Einstein] angenommen wird, gelten solche Sätze nicht mehr. Da gilt zum Beispiel unter gewissen Voraussetzungen, daß die drei Winkel eines Dreiecks größer sind als 180 Grad, oder auch kleiner als die 180 Grad. Das ist aber nur möglich, wenn man sich den Raum ganz anders vorstellt, als man ihn für gewöhnlich sich vorgestellt hat, nämlich daß man in dieser Weltanschauung den Raum als leeres Vakuum sich vorstellt.

[ 19 ] If you take these two concepts and consider how different they are from everything we as humans imagine based on our experiences of the world around us, you will at the same time be able to form an opinion about what Einstein, Mie, Nordström, and others were compelled to accept within the physical worldview. You see, there is already a physical worldview—one that has even been accepted by a whole host of people—which relies on these concepts of the maximum speed of light and of expansion and change caused by motion, even in solid bodies. This worldview has nothing to do with the one we were accustomed to in our youth and that still haunts laypeople when they spout worldviews. This worldview has, in fact, fundamentally revolutionized all the old concepts in physics. It is interesting that this worldview even seeks to revolutionize the old Newtonian view of gravity, of weight, and of the gravitational pull of mass—that is, that Newton’s law, stating that masses attract one another in proportion to the inverse square of the distance, no longer applies. But what, according to Einstein’s theory, manifests as a change in mass is, in essence, merely a mathematical result. One should therefore also calculate only those effects that were previously attributed to gravity and so on. However, Einstein is compelled to conceive of a different geometry for his worldview. What is this different geometry? That can be explained very simply. In our geometry, the Pythagorean theorem holds, and it is true that if two lines are parallel, they do not intersect even at infinite distance. In our geometry, the theorem that the three angles of a triangle add up to 180 degrees also holds. In the geometry assumed [by Einstein], such theorems no longer apply. For example, under certain conditions, the three angles of a triangle may be greater than 180 degrees, or even less than 180 degrees. However, this is only possible if one conceives of space in a completely different way than one usually has—namely, that in this worldview, space is conceived of as an empty vacuum.

[ 20 ] Sehen Sie, da ist dann eine Art Kompromiß zustande gekommen zwischen denjenigen, die die alte euklidische Geometrie überwunden und eine andere Geometrie an ihre Stelle gesetzt haben: Lobatschewskij, Riemann, Gauss und so weiter, die eingeführt haben das Rechnen mit mehr als drei Dimensionen. Und Einstein kommt ja auch nicht anders zurecht, als daß er die mehrdimensionale Mannigfaltigkeit einführt. Man kann also einfach dadurch, daß man mehrdimensionalen Raum einführt, gewissermaßen die Schwerkraft mit hineinnehmen in diesen mehrdimensionalen Raum. Das ist eigentlich furchtbar einfach.

[ 20 ] You see, a sort of compromise was reached between those who had moved beyond the old Euclidean geometry and replaced it with a different kind of geometry—Lobachevsky, Riemann, Gauss, and so on—who introduced calculations involving more than three dimensions. And Einstein, too, has no choice but to introduce multidimensional manifold. So simply by introducing multidimensional space, one can, in a sense, incorporate gravity into this multidimensional space. It’s actually incredibly simple.

[ 21 ] Sehen Sie, nimmt man den dreidimensionalen Raum an und rechnet in diesem dreidimensionalen Raum, dann sind die Wirkungen der Schwerkraft nicht drinnen. Da muß man extra etwas annehmen für die Schwerkraft, eben eine von den Massen ausgehende Kraft, durch die sie sich anziehen oder einen Druck oder so etwas ausüben — Druckkräfte, durch die die Massen zusammengestoßen werden oder dergleichen. Aber wenn man außer diesen drei Dimensionen noch eine vierte annimmt und nichts anderes weiß als das, was die Rechnung ergibt, so hat man ja gut Gelegenheit, auch noch die Schwerkraft unterzubringen. Denn solange man nur mit drei Dimensionen rechnet, da muß man für die Schwerkraft etwas extra annehmen; wenn man aber das, was man sonst für die Schwerkraft ausgerechnet hat, schon in den Raum nimmt, indem man ihm noch eine Dimension aufbürdet, kann das auch für dasjenige herauskommen, was man sonst für die Schwerkraft errechnet hat. Jedenfalls aber sehen Sie, daß da plötzlich etwas auftritt, was ganz neu eingreift in die alten Vorstellungen. Plötzlich tritt da etwas auf wie die paradoxe Vorstellung, daß ein Körper rein dadurch kleiner werden kann, daß er sich bewegt. Ein bloßer fester Körper — ich will gar nicht sagen ein Tier, von dem man vielleicht annehmen kann, daß es durch die Kraftanstrengung schrumpfe oder so etwas —, ein bloßer fester Körper wird nicht dadurch kleiner, daß man ihn abkühlt, sondern dadurch, daß man ihn bewegt. Dazu sieht man sich genötigt. Es schlägt auf einmal das Weltbild, das man so sicher geglaubt hat, um, und man kommt zu ganz entgegengesetzten Vorstellungen. Es ist nämlich sehr merkwürdig, wenn man mit dem Blick des Psychologen so etwas zusammenhält, wie ich es Ihnen dargestellt habe.

[ 21 ] You see, if you assume three-dimensional space and perform calculations within that three-dimensional space, then the effects of gravity are not included. In that case, you have to make a separate assumption for gravity—namely, a force emanating from the masses through which they attract each other or exert pressure or something similar—pressure forces that cause the masses to collide or the like. But if you assume a fourth dimension in addition to these three and know nothing other than what the calculation yields, then you have a good opportunity to incorporate gravity as well. For as long as one calculates only with three dimensions, one must assume something extra for gravity; but if one already incorporates what one would otherwise have calculated for gravity into space by imposing an additional dimension on it, this can also yield the result that one would otherwise have calculated for gravity. In any case, you can see that something suddenly emerges that completely upends the old concepts. Suddenly, something like the paradoxical idea arises that a body can become smaller simply by moving. A mere solid body—I don’t even want to mention an animal, which one might assume shrinks due to exertion or something of the sort—a mere solid body does not become smaller by being cooled, but by being moved. One is compelled to acknowledge this. Suddenly, the worldview one had believed so firmly in is turned upside down, and one arrives at entirely opposite ideas. For it is indeed very strange when, from a psychologist’s perspective, one considers such a thing as I have described to you.

[ 22 ] Diese Vorstellung von dem Raumvakuum, von der Zeit, die gewissermaßen ja von einem Nicht-Anfang bis zu einem Nicht-Ende geht, wenn man dieses starre Weltenbild, das etwas furchtbar in sich Starres hat, wenn man das vergleicht mit dem Einsteinschen, dann wird das Einsteinsche Weltbild — ich möchte sagen, es wird plötzlich so etwas wie schleimig. Das erstere ist außerordentlich trocken, läßt sich überall angreifen und anfühlen als etwas außerordentlich Trockenes, und nun wird’s plötzlich schleimig — die Körper hören auf, ihre Ausdehnung zu behalten, durch die bloße Bewegung werden sie zu Mollusken. Es ist das eigentlich ein furchtbarer Umschlag der physikalischen Grundvorstellung in den letzten zwei Jahrzehnten. Den würdigt die Welt noch gar nicht, obwohl er von sehr vielen Seiten her immer wieder als eine der größten Errungenschaft des modernen Denkens vor die Welt hingestellt wird. Allein, es kommt einem leider schon vor, meine lieben Freunde, als wenn es der modernen Menschheit überhaupt zu dumm geworden wäre, noch zu denken. Daher kümmert sie sich schon gar nicht darum. Da reden heute sogar schon die Zeitungen von der Einsteinschen Theorie, die eigentlich alles umwirft, was die Leute noch denken, wenn sie in der populären Weltanschauung leben. Nun ja, es macht keinen Eindruck auf die Leute; sie lesen diese Einsteinsche Physikrevolution wirklich geradeso, wie sie lesen, daß, nun, sagen wir die Milch wiederum um 10 Centimes teurer geworden ist. Es ist gar nicht mehr irgend etwas in der Menschheit, was zeigen würde, daß diese Menschen das noch mitleben, was einzelne unter ihnen denken.

[ 22 ] This conception of the vacuum of space, of time, which in a sense extends from a non-beginning to a non-end—if one compares this rigid worldview, which has something terribly rigid about it, with Einstein’s, then Einstein’s worldview—I would say—suddenly becomes something like slimy. The former is extraordinarily dry; it can be grasped and felt everywhere as something extraordinarily dry, and now it suddenly becomes slimy—bodies cease to retain their extension; through mere movement, they become mollusks. This is actually a tremendous shift in the fundamental concept of physics over the last two decades. The world has not yet given it the recognition it deserves, even though it is repeatedly held up from many quarters as one of the greatest achievements of modern thought. Alas, my dear friends, it already seems as if modern humanity has become too stupid to think at all. That is why it pays no attention to it whatsoever. Today, even the newspapers are talking about Einstein’s theory, which actually overturns everything that people still believe when they live within the popular worldview. Well, it makes no impression on people; they read about this Einsteinian revolution in physics just as casually as they read that, well, let’s say, milk has gone up another 10 centimes. There is no longer anything in humanity that would indicate that these people are still experiencing what some among them are thinking.

[ 23 ] Diese Revolution der Physik hat schon stattgefunden, und es ist das Weltbild, das noch vor vier Jahrzehnten ganz fest stand, gewissermaßen umgeschlagen in eine Summe von solchen Vorstellungen, die nun ganz anderer Art sind. Wer heute die Gedanken, die von Einstein, Mie, Nordström herrühren, auf sich wirken läßt, der hat etwas ganz anderes vor sich, als was die physikalischen Theoretiker vor vier Jahrzehnten uns vortrugen in den Hochschulen. Natürlich, in die Verzweigungen der einzelnen Wissenschaften konnte sich die Sache noch nicht hineinbegeben, aber das ist auf dem Wege, denn man findet schon eine Art von Brücke auch zu der Zellenlehre herüber, und das wird schon kommen: Die Einsteinsche Theorie wird auch die Zellenlehre ergreifen, dann wird sie in die Organik hineinkommen und so weiter.

[ 23 ] This revolution in physics has already taken place, and the worldview that was still firmly established just four decades ago has, so to speak, given way to a set of ideas that are now of an entirely different nature. Anyone today who allows the ideas originating from Einstein, Mie, and Nordström to sink in is confronted with something entirely different from what theoretical physicists presented to us in universities four decades ago. Of course, the concept has not yet found its way into the various branches of the individual sciences, but that is on the way; for one can already find a kind of bridge even to cell biology, and this will certainly come to pass: Einstein’s theory will also take hold in cell biology, then it will enter organic chemistry, and so on.

[ 24 ] Sehen Sie, für denjenigen, dem das Schicksal der Menschheit am Herzen liegt, für den ist ein solcher Umschlag in den Vorstellungen der Weltanschauung von außerordentlich tiefer Bedeutung, denn er muß sich fragen: Woher kommt denn so etwas in der ganzen Entwicklung der modernen Menschheit? Wovon hängt denn so etwas eigentlich ab? Sehen Sie, in Zeiten, die vorangegangen sind dem großen Umschlag, diesem Sprung in der Entwicklung der Menschheit — der in der Mitte des 15. Jahrhunderts stattgefunden hat, der aber jetzt ein natürlicher war —, in solchen Zeiten, die diesem Umschlag vorangingen, hätte man weder dieses physikalische Weltbild haben können noch die Einsteinsche Relativitätstheorie. Dazumal, vor der Galilei-Zeit, da haben die Menschen natürlich auch gedacht, aber sie haben noch mehr in Bildern gedacht, in solchen Bildern, die ähnlicher sind den in den Wirklichkeiten gegebenen Kräften. Die abstrakten Vorstellungen, durch die wir heute auch die Naturgesetze erfassen wollen, sind den wirklichen Kräften eben ganz unähnlich. Die Menschen hatten früher ihre Begriffe noch mit gewissen Imaginationen durchdrungen. Sie haben noch die Möglichkeit gehabt, Beziehungen zur Wirklichkeit einzugehen. Diese Möglichkeit haben sie dadurch gehabt, daß für die Menschen sich noch etwas ergeben hat von Nachwirkungen des vorgeburtlichen geistig-seelischen Lebens, des Lebens zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Daß die Vorstellungen nicht abstrakt geworden sind, sondern konkrete, von Bildstruktur durchzogene, das verdankt man eben dem Hereinwirken dessen, was man durchlebt hatte zwischen dem letzten Tod und dieser neuen Geburt. Diese Fähigkeit ging verloren, und es blieb nur das zurück, was abstraktes Denken ist, was aber eigentlich nur einen wirklichen Wert hat, wenn es noch erfüllt ist von dem Nachklang der Kräfte zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Das wurde allmählich gewissermaßen ganz herausdestilliert, und im 19. Jahrhundert blieb übrig dieses Weltbild, weil alles, was in ihm früher geistigen Ursprung hatte, ausgeleert wurde. Die Kräfte, die man zu diesem Weltbild verwendet, haben eigentlich nur einen Sinn, wenn sie ihren Inhalt aus der geistigen Welt nehmen, sonst ist es ein leerer Formalismus. Und dieser Formalismus wurde angewendet auf die äußere Sinneswelt, auf die er gar nicht paßte, für die er gar nicht angepaßt war. Man unterlag, ich möchte sagen einem schrecklichen Schicksal: dasjenige, was hell hätte aufleben können in einem inneren Erleben, das anzuwenden auf die äußere Welt.

[ 24 ] You see, for anyone who cares deeply about the fate of humanity, such a shift in worldview is of extraordinarily profound significance, for they must ask themselves: Where does something like this come from in the entire course of modern human development? What, then, does something like this actually depend on? You see, in the times that preceded the great shift—this leap in the development of humanity, which took place in the middle of the 15th century but was, in fact, a natural one—in such times preceding this shift, one could have had neither this physical worldview nor Einstein’s theory of relativity. Back then, before the time of Galileo, people naturally thought as well, but they thought even more in images—images that were more akin to the forces present in reality. The abstract concepts through which we seek to grasp the laws of nature today are, in fact, quite unlike the actual forces. In the past, people’s concepts were still imbued with certain imaginative elements. They still had the ability to establish connections with reality. They possessed this ability because something of the aftereffects of their pre-birth spiritual and soul life—the life between death and a new birth—had still remained with them. The fact that these concepts did not become abstract, but remained concrete and interwoven with imagery, is precisely due to the influence of what had been experienced between the last death and this new birth. This ability was lost, and all that remained was abstract thinking—which, however, has real value only when it is still imbued with the echoes of the forces active between death and a new birth. This was gradually distilled out entirely, so to speak, and in the 19th century this worldview remained because everything in it that had previously had a spiritual origin was emptied out. The forces applied to this worldview actually have meaning only if they draw their content from the spiritual world; otherwise, it is empty formalism. And this formalism was applied to the external sensory world, to which it did not fit at all, for which it was not at all suited. One succumbed, I would say, to a terrible fate: applying to the external world that which could have come alive brightly in an inner experience.

[ 25 ] Ich glaube, Sie können von dem, was ich jetzt eigentlich meine, etwas nachempfinden, wenn Sie einmal Novalis aufschlagen und in den Aphorismen von Novalis wahrhaftige Hymnen finden, zum Beispiel auf die Mathematik, auf die reine Mathematik, die er ein großes Gedicht nennt, ein wunderbares Gedicht, eine wunderbarste Phantasieschöpfung. Ich weiß nicht, wie viele Menschen dem Novalis in der Gegenwart dies nachfühlen, aber man kann es ihm nachfühlen. Man kann es ihm nachfühlen, wenn man weiß, daß eben Novalis eine Ahnung davon hatte, wie die Mathematik plötzlich zu etwas Wunderbarem wird, wenn man sie nicht bloß anwendet auf die äußere Sinnenwelt, wo sie rein formalistisch wird, sondern sie hinaufträgt in die geistige Welt, sie von Imaginationen der geistigen Welt erfüllen läßt. Denn wendet man sie an auf die äußere Sinnenwelt, so gefällt einem wirklich alles Reden von dieser Sinnenwelt nicht. Man redet gar nicht mehr von dieser wirklichen Welt, man redet eigentlich von etwas ganz Närrischem. Man kann, wie gestern bemerkt worden ist, gar nicht ohne Verlogenheit ein solches Weltbild aufstellen, denn es ist dabei keine Rücksicht genommen auf das, was man sonst im Leben wirklich vorstellt. Man wirft alles heraus, als wäre es nicht da. Man kann gar nicht solch eine Welt, die nicht rot und nicht blau ist, nicht warm und nicht kalt, die nicht dick und nicht dünn ist, die nicht laut und nicht stumm ist, man kann sie gar nicht vorstellen in Wirklichkeit. Man kann sie errechnen, aber man kann sie nicht vorstellen. Man verwandelt die ganze Welt in einen leeren Formalismus.

[ 25 ] I believe you can get a sense of what I actually mean here if you open a book by Novalis and find in his aphorisms true hymns—for example, to mathematics, to pure mathematics, which he calls a great poem, a wonderful poem, a most marvelous creation of the imagination. I don’t know how many people today can relate to Novalis in this regard, but it is possible to relate to him. One can understand him if one knows that Novalis had a sense of how mathematics suddenly becomes something marvelous when one does not merely apply it to the external sensory world—where it becomes purely formalistic—but rather elevates it into the spiritual world, allowing it to be filled with the imaginings of that spiritual world. For if one applies it to the external sensory world, one really takes no pleasure in all the talk about this sensory world. One is no longer speaking of this real world at all; one is actually speaking of something quite absurd. As was noted yesterday, one cannot construct such a worldview without hypocrisy, for it takes no account of what one otherwise truly conceives of in life. One discards everything as if it were not there. One cannot at all imagine such a world—one that is neither red nor blue, neither warm nor cold, neither thick nor thin, neither loud nor silent—one cannot imagine it in reality. One can calculate it, but one cannot imagine it. One transforms the entire world into an empty formalism.

[ 26 ] Das hört sofort auf, wenn man diese Mathematik hinaufträgt in die geistige Welt. Da wird es offenbar, da wird es zu etwas Großem. Und nun, sehen Sie, ist die Welt heute an dem Scheideweg. Sie soll auf der einen Seite aufhören damit, dieses formalistische Weltbild auszubauen, denn das ist nichts anderes als eine ausgepreßte Zitrone, und sie soll sich bequemen, auf einem anderen Wege wiederum zu einem geistigen Inhalte zu kommen, nicht Atome und ihr Weben auszusinnen, sondern in den Phänomenen, die rings um uns herum sind, den Geist zu suchen. Das sollten wir. Wir sollten beweglich werden, wir sollten eindringen können in das Organische.

[ 26 ] That stops immediately when you take this mathematics up into the spiritual world. There it becomes evident; there it becomes something great. And now, you see, the world today stands at a crossroads. On the one hand, it must stop expanding this formalistic worldview—for that is nothing more than a squeezed-out lemon—and it must bring itself to find a spiritual substance by another path, not by devising atoms and their interactions, but by seeking the spirit in the phenomena that surround us. That is what we should do. We should become flexible; we should be able to penetrate the organic.

[ 27 ] Vorgestern wurde Ihnen von Herrn Dr. Unger so schön dargestellt, wie es notwendig ist, daß das naturwissenschaftliche Denken innerlich beweglich wird, innerlich zum Metamorphosieren aufrückt, so daß dieses Denken nachkommen kann dem Sich-Metamorphosieren der organischen Gestalten. Ja, dies sollte die Menschheit. Aber sie ist unter dem Einfluß dieses neuen Weltbildes neurasthenisch geworden. Sie ist unter dem Einfluß dieses starren, trockenen Weltbildes von der Zeit und der Bewegung und dem Raum und der Masse ganz neurasthenisch geworden, zappelig, furchtbar zappelig geworden. Und statt daß sie sich mit ihrem Denken hineinfühlt in die sich metamorphosierende Organik, statt daß das Denken richtig organisch metamorphosierend wirkt, wird dieses Denken molluskenhaft. Und statt die Goethesche Metamorphose zu denken, denkt man auf neurasthenische Art, wie der feste Körper kürzer wird, wenn er sich bloß bewegt. Da haben Sie das Beweglichwerden des Denkens unter der Ägide unserer Zeitvorstellung. Da haben Sie das, was man zwar mit Recht fordert, was aber unsere Zeit nur auf neurasthenische Art erfüllt. Da haben Sie gewissermaßen zunächst als Ankündigung dasjenige, was kommen sollte, aber es kommt auf neurasthenische Art.

[ 27 ] The day before yesterday, Dr. Unger so beautifully explained to you how necessary it is for scientific thinking to become internally flexible, to move toward internal metamorphosis, so that this thinking can keep pace with the metamorphosis of organic forms. Yes, this is what humanity ought to do. But under the influence of this new worldview, it has become neurasthenic. Under the influence of this rigid, arid worldview of time, motion, space, and mass, it has become completely neurasthenic—fidgety, terribly fidgety. And instead of using its thinking to empathize with the metamorphosing organic world, instead of thinking acting in a truly organic, metamorphosing way, this thinking becomes mollusk-like. And instead of conceiving of Goethean metamorphosis, people think in a neurasthenic way about how a solid body becomes shorter merely by moving. There you have the increasing mobility of thought under the aegis of our conception of time. There you have what is rightly demanded, but which our age fulfills only in a neurasthenic manner. There you have, as it were, a preliminary announcement of what was to come, but it comes in a neurasthenic manner.

[ 28 ] Diese Dinge muß man durchaus ins Auge fassen, meine lieben Freunde, wenn man die Gegenwart verstehen will. Einstein, Mie, Nordström, Hilbert und so weiter, sie stehen, ich möchte sagen unter dem Eindrucke der herankommenden geistigen Welle. Aber das sind ja lauter Neurastheniker, Weltanschauungsneurastheniker, die sich entgegen begeben dem Denken, das von der wirklichen modernen Erkenntnistheorie gefordert werden muß; sie erfüllen es auf neurasthenische Art. Die Goethesche Metamorphose können sie nicht denken; aber das alte, trockene, starre Weltbild, das, ich möchte sagen selbst kühl bis in die Fingerspitzen gemacht hat, wenn man es in seiner Trockenheit berührt hat, das machen sie schleimig, molluskenhaft. Natürlich ist das Denken «beweglich», wenn es vorstellen kann, daß der Mensch, wenn er nur schnell genug durch den Weltenraum fliegt, ganz flach wie ein Blatt Papier wird. Da haben sie das «bewegliche» Denken, aber das bewegliche Denken im Lichte der Neurastheniker, im Lichte der Weltanschauungsneurastheniker; diese Weltanschauungsneurasthenie, auf die Ihnen oftmals hingedeutet worden ist, die steckt ganz tief in unseren Weltanschauungen drinnen. Das ist dasjenige, was heute vor die Seelen zu führen ist. Wir haben heute tatsächlich ein Neurasthenischwerden unserer Weltanschauung. Geisteswissenschaft soll diese Neurasthenie heilen. Das ist auch eine Forderung der Zeit.

[ 28 ] One must certainly take these things into account, my dear friends, if one wishes to understand the present. Einstein, Mie, Nordström, Hilbert, and so on—they stand, I might say, under the influence of the approaching intellectual wave. But they are all neurasthenics—worldview neurasthenics—who set out against the very kind of thinking that must be demanded by true modern epistemology; they fulfill it in a neurasthenic manner. They cannot conceive of the Goethean metamorphosis; but the old, dry, rigid worldview—the one that, I might say, made one feel cold right down to one’s fingertips when one touched its aridity—they turn into something slimy, mollusk-like. Of course, thinking is “flexible” when it can imagine that a human being, if only flying fast enough through space, becomes as flat as a sheet of paper. There they have “flexible” thinking, but flexible thinking as seen through the eyes of the neurasthenics, through the eyes of those suffering from worldview neurasthenia; this worldview neurasthenia, to which you have often been referred, lies very deep within our worldviews. That is what must be brought before people’s souls today. We are indeed witnessing a process of neurasthenic transformation in our worldview today. Spiritual science is meant to heal this neurasthenia. This, too, is a demand of our time.

[ 29 ] Nun, wir wollen dann morgen, nachdem wir diese Episode durchlaufen haben, wieder einiges hineintragen in mehr anthroposophische Betrachtungen.

[ 29 ] Well, tomorrow, after we've gone through this episode, we'll return to some more anthroposophical reflections.