Nachträge zur Abteilung öffentliche Vorträge
GA 85
8 Dezember 1906, Stuttgart
85. Die Erziehung des Kindes vom Standpunkt der Geistesforschung Wie begreift man Krankheit und Tod?
[ 1 ] Am 8. ds. hielt Dr. Rudolf Steiner einen Vortrag über «Die Erziehung des Kindes vom Standpunkt der Geistesforschung». Der Vortragende stellte sich auf folgenden Standpunkt: Bis zum Zahnwechsel kann der Erzieher auf das Kind nur durch dessen physischen Leib, d. h. durch Sinneseindrücke wirken: Der Erzieher lehrt durch das Vorbild, das Kind lernt durch Nachahmung. Was die Spiele des Kindes betrifft, so müssen sie so eingerichtet sein, dass sie die schaffende Phantasie anregen. In der zweiten Periode muss auf den Ätherleib gewirkt werden, den Träger des Gedächtnisses und der Gewohnheiten, des Temperaments. Hier wirkt die natürliche Autorität, das Ideal, das zur Nacheiferung anspornt, erzieherisch; auch ist es die Zeit, wo dem Gedächtnis viel Stoff geboten werden soll, möglichst in bildlicher Form. Die Urteilskraft, die am Astralleib hängt, anzuregen, das ist die Aufgabe des Erziehers erst nach der Geschlechtsreife. Das Urteil soll an dem Wahren herangebildet werden; wichtig ist es, einengende Vorurteile fernzuhalten. – Am 10. ds. sprach dann derselbe Redner über: «Wie begreift man Krankheit und Tod?». Der Redner wies wiederum auf die nach seiner Ansicht mehrgliedrige Wesenheit des Menschen hin. Das, was Paracelsus das Entsprechen von Mikrokosmos und Makrokosmos nannte, bestehe darin, dass zu jedem physischen Teil des Menschen ein Korrelat in der äußeren Natur existiert, was in den Entstehungsbedingungen beider begründet sei. Durch Aufnahme von Nahrung etc. wird so beständig auf die entsprechenden Organe eingewirkt. Ursprünglich enthalte alles, was der Mensch aufnimmt, den Keim zur Krankheit; doch habe der Mensch sich durch Eingliederung der verschiedensten Substanzen immun dagegen gemacht; er werde es auch werden gegenüber dem, was heute noch Gift für ihn ist.
