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Nachträge zur Abteilung öffentliche Vorträge
GA 85

19 August 1908, Karlsruhe

8. Germanische Mythen und Göttersagen

[ 1 ] Es ist vonseiten der Karlsruher Loge der Wunsch ausgesprochen worden, heute zu sprechen über die germanischen Mythen, über die germanischen Götter vom theosophischen Gesichtspunkte aus. Wir müssen uns dabei auf ein richtig tief in die Untergründe theosophischer Weltanschauung eindringendes Thema gefasst machen, auf ein Thema, zu dem allerdings in einer gewissen Beziehung schon theosophische Vorbereitung gehört, weniger theosophische Vorbereitung in dem Sinne, dass man ebenso viel wissen müsste, aber es gehört dazu theosophische Gesinnung, ein Gewohnt-Sein, gewisse schwierige geistige Tatsachen nicht als etwas Phantastisches, als etwas Bildliches, haptisch Hingestelltes, sondern als etwas aufzunehmen, das eben Wahrheit innerhalb der uns verborgenen und der äußeren Sinneswelt zugrunde liegenden Welt ist.

[ 2 ] Es war nötig, diese paar Worte zur Einleitung zu nehmen, weil eben das Thema, wenn es überhaupt besprochen werden soll, nur ganz unbefangen und aus gewissen tieferen Gesichtspunkten heraus zu besprechen ist. Wir betreten dabei ein Feld, das Feld der Sagen, der Götterlehren, ein Feld, das heute innerhalb unserer so aufgeklärten Zeit, wie man sie nennt, recht vielen Missverständnissen ausgesetzt ist.

[ 3 ] Der gegenwärtige Mensch, der stolz ist auf seine wissenschaftlichen Errungenschaften, der stolz ist auf seine scheinbar so aufgeklärten Begriffe, der blickt wohl mit einer gewissen Geringschätzung auf Sagen, auf Märchen, auf Mythen längst verflossener Zeiten und er betrachtet sie wohl als etwas, was in der Kindheitsgeschichte der Völker, wo man noch nicht in der Lage war, klar und deutlich über die Dinge der Welt zu denken, eine gewisse Rolle spielen konnte, was ja auch interessant sein mag, wenn man sie sich, [diese] Geschichten, betrachtet, [wenn man] sich so hineinvertieft, wie die kindlichen Völker über Götter, über Erd[regionen], über [das] Menschenwesen gedacht haben, was aber im Grunde genommen dem heutigen Aufgeklärten doch gar nichts Besonderes sagen kann.

[ 4 ] Und noch in einer anderen Beziehung herrscht nach dieser Richtung hin [ein] recht großes Missverständnis. Man spricht auch davon, dass in jenen Zeiten, in denen das reife männliche Denken, [wie man] gewohnt sich ausdrückt, [noch nicht ausgebildet war], [in denen] der Mensch noch nicht hinangereift war, dass da die Phantasie, die Volksphantasie eine Rolle gespielt hat, wenn man sich hat erinnern wollen, wie die Dinge entstanden seien, wie die Dinge verlaufen [sind], und so weiter. Und da spielt eine gewiss große Rolle, [dass] eine gewisse sinnbild[liche], symbolische Ausdeutung der Märchen und Sagen und [Mythen] wirklich in umfassendster Weise geschehen [ist], dass man solche sinnbilder[hafte] Ausdeutung der Göttersagen und «niederen» Sagen auf die Weise bewerkstelligt hat, dass, wenn von einem geistigen Zug die Rede war, von einem Zug sich verwandelnder Gestalten, dass man da gedacht hat: Da müssen die Wolken gemeint sein, die immer ihre Gestalt ändern. Oder wo man immer gehört hat, dass ein böser Geist einen Gott überwindet: Da muss personifiziert sein da[rin so etwas], wie wenn [der] Herbst herankommt [und] die Kraft des Winters überwältigt die Kraft des Sommers.

[ 5 ] Naturmythen – heute sagt man: Das Volk hat die Kraft personifiziert, den Kampf des Winters [und dessen Besiegung] durch den Sommer [als Baldur], [oder die Kräfte, die das] Durchschlagen des Blattes [aus den Knospen im Frühling] ermöglichen, als Venus. Das soll alles in Bildern vorgestellt worden sein von dem, was man Völkerphantasie nennt, und solche Verbild[lich]ung von Naturfolgen, Naturkräften, Naturkämpfen soll in den Göttersagen und in den Weltentstehungssagen ausdrücklich auf uns gekommen sein.

[ 6 ] Bei all diesen Dingen gibt es etwas von Phantasie, aber diese Phantasie ist lediglich darauf [gegründet], [wird erst postuliert] seit den über die mythologischen Probleme nachdenkenden Gelehrten. Das, was sie als Theorien aufgestellt haben über solche Volksphantasie, das ist so richtig ein Kämpfen von grünen Tischen der Gelehrsamkeit aus. Man muss unmittelbar den Eindruck bekommen, dass [die, die] so sprechen, dass [es] Volksphantasie scheint, als [sei] der Kampf zwischen Sommer und Winter in Mythen personifiziert, dass die, welche das glauben, niemals ein Erlebnis gehabt haben können von der sogenannten dichtenden Volksphantasie. In dem Sinne, wie unsere gelehrten Mythologen von der dichtenden Volksphantasie sprechen, in dem Sinne gibt es die Volksphantasie [nicht]. Man möchte die Gelehrten [anhalten], einem [von ihnen] raten, sie sollen hinausgehen in das Volk [und sehen], ob ihnen das vor Augen tritt, dass man Wolken personifiziert, den Kampf des Winters mit [dem] Sommer personifiziert – das ist phantastische Gelehrsamkeit. Das ist reiner, nach dem grünen Tisch schmeckender Gelehrtenaberglaube.

[ 7 ] Aber wir können diesen Gelehrtenaberglauben begreifen, wenn wir uns klarmachen, dass unsere Gelehrten heute gar keine Möglichkeit haben, einen Zugang zu finden zu dem, was in den Götterlehren und Göttersagen eigentlich steht. Sie müssten ja da erst wissen, dass so, wie alles in der Welt der Entwicklung unterliegt, dass so aber auch das menschliche Bewusstsein der Entwicklung unterliegt. An die Entwicklung der äußeren Natur glaubt heute der Mensch, wenn er auch in mancherlei Theorien naturalistisch versucht, sich recht phantastische Vorstellungen [zu] machen – [die er sich zur] Umbildung von Tiergruppen und so weiter macht, wenn auch innerhalb des Strebens recht viel Phantasie steht – und [durch ihre Aneignung von Bebilderung eine Art Anhaltspunkt zur Evolution, Entwicklung zu nehmen]. Also innerhalb der äußeren Form des Geschehens und der Wesen machten sich heutige Menschen einen gewissen Begriff von Entwicklung, aber so wird das eine großartige [Herausforderung] für [die] Menschen, wenn sie sich denken sollen, [dass auch] das Bewusstsein des Menschen, das Seelenleben selbst im umfassendsten Sinne einer Entwicklung unterliegt, das, was Menschen heute ein Bewusstsein nennen würden.

[ 8 ] Betrachten wir zunächst das Bewusstsein, das man hat vom Morgen bis [zum] Abend. Das besteht darin, dass [der] Mensch Gegenstände um sich herum wahrnimmt, dass ihm diese Gegenstände in Sinnesempfindung[en] erscheinen: in Farben, Tönen, [dass sie] hart oder weich sind. Al[le]s, was [der] Mensch wahrnehmen kann, besteht im Grunde genommen aus Farbe, Tönen, [Eindrücken] warmen, [kalten] Grades, harten, [weichen] Grades, und so weiter, Geschmackseindrücken und so weiter. Daraus setzt sich dasjenige, was [der] Mensch in der sogenannten gegenständlichen Welt um sich herum wahrnimmt, zusammen. Dann denkt er nach über Gegenstände [unleserlich], bildet Vorstellungen, Begriffe und so weiter.

[ 9 ] Diese Form von Bewusstsein, die von äußeren Gegenständen einer sinnlichen Welt ausgeht, hat sich erst nach und nach entwickelt; diese Form des Bewusstseins war nicht immer vorhanden. Der Mensch ist, wie viele [von Ihnen] aus anderen Vorträgen wissen, der Mensch ist älter als diese seine heutige Bewusstseinsform, und diese Bewusstseinsform hat sich aus einer anderen entwickelt, aus einer ganz anderen Bewusstseinsform, aus anderen Bewusstseinserlebnissen.

[ 10 ] Wir können dieses heutige Gegenstandbewusstsein besser dadurch erkennen, [in]soweit wir es in Zusammenhang bringen mit etwas, womit es abwechselt. Dieses heutige Bewusstsein der Menschheit von morgens, wo er – [der Mensch] – aufwacht, bis abends, wo er einschläft, das wechselt ab mit einem anderen, das derjenige, der mit höheren Tatsachen der geistigen Welt unbekannte Mensch die Bewusstlosigkeit nennt, was aber [die Theosophen] keineswegs Bewusstlosigkeit nennen, sondern einen niedrigen Grad von Bewusstsein. Wenn [der] Mensch abends einschläft und anstelle von Farben der [Sinnesgegenstände], [anstelle] von Tongeräuschen und Geschmackseindrücken um ihn herum Stummheit [und] Finsternis herrschen, dann ist mit dem Menschen etwas geschehen. Der Mensch hat zwei Glieder seiner [Organisation herausgezogen], er besteht im Bette [nur aus dem] physischen Leib und [dem] Ätherleib. Aber herausgestiegen sind das, was wir das astralische und das Ich nennen, also der Träger von Lust und Leid, Begierde und Leidenschaft und der Träume, [und] das Ich sind herausgezogen aus dem Leib, und weil dieser Leib der Menschenart keine Organe hat, so kann er um sich herum die Welt, die um ihn ist, eine geistig-seelische Welt, heute nicht wahrnehmen. So kann der Mensch erst wieder wahrnehmen, wenn er des Morgens untertaucht in [den] physischen Leib, der Augen und Ohren [sich] bedient und so Eindrücke von der Umgebung bekommt.

[ 11 ] So müssen wir sagen, dass das Gegenstandsbewusstsein und das, was [wir] Bewusstlosigkeit nennen, abwechseln, was aber ein niederer Grad des Bewusstseins ist: das, was wir nennen das traumlose Schlafbewusstsein. Es ist ein so niederer Grad des Bewusstseins, dass [der] Mensch keine Auffassung haben kann während dieses niederen Grades von Bewusstsein. Sie wissen alle, dass es einen Zwischenzustand [gibt] zwischen diesen zwei Bewusstseinen – zwischen dem traumlosen Schlaf- und dem hellen Tagbewusstsein. Dieses Zwischen-Bewusstsein ist der traumerfüllte Schlaf, da, wo die Traumbilder auf- und abwogen, da, wo [der] Mensch wahrnimmt etwas, aber sich klar geworden ist: Das entspricht nicht in demselben Sinn einer äußeren Wirklichkeit wie [die] Tagwahrnehmung. Wenn wir heute diese Traumwelt des Menschen betrachten, so erscheint sie bei den meisten Menschen als regellos, chaotisch; in wirrer Art [sich] wandelnd wogen Traumbilder auf und ab, gestalten sich und gestalten sich um. Sie erinnern entweder an unmittelbare äußere Erlebnisse oder sie sind Reminiszenzen aus einer mehr oder weniger zurückliegenden Vergangenheit, Erinnerungsbilder und dergleichen mehr.

[ 12 ] Nun kann sich doch derjenige, welcher noch nicht tiefer in die Geisteswissenschaft hat eindringen können, doch gerade [an den] aus diesem Grund regellosen, wahren Traumbildern einen gewissen Begriff bilden von einem ehemaligen mensch[lich]en Bewusstseinszustand, aus dem sich das heutige [Bewusstsein] herausentwickelt hat. Es gab eine Zeit der Menschheitsentwicklung, und sogar eine Zeit der Erdenentwicklung des Menschen, da konnte der Mensch noch nicht dieses heutige Bewusstsein haben, wo er Gegenstände äußerlich wahrnimmt, da hatte er auch nicht diese, in dem Sinne wie heute, eine sozusagen völlige Auslöschung des Bewusstseins von abends, wo er eingeschlafen ist, bis morgens, wo er aufwachte, sondern es war anders: Es gab einen Zustand menschlicher Entwicklung auf unserer Erde, wo der Mensch äußerlich, wenn er die Gegenstände angesehen hat, keineswegs so scharfe Konturen in den Gegenständen gesehen hat wie jetzt. Keine solche scharfe Grenze [gab es]; er würde die Blume zum Beispiel so gesehen haben, dass sie ganz undeutlich verschwommen war, deutlich von [etwas] umgeben war, von mächtigen Farbgebilden, die angepasst waren dem Charakter der Blume. Er würde nicht das Weiß innerhalb der Blumengrenzen gesehen haben, sondern die [Farbe] äußerlich [darum herum] gesehen haben, [nicht] innerhalb der Blumenfarben-Bildung.

[ 13 ] Sie können sich eine Vorstellung davon machen, wenn Sie in dichtem Nebel herumgehen und sehen [eine] brennende Laterne. Sie können das Lichtbild nicht unterscheiden, dagegen sehen Sie um die Laterne herum alle möglichen Regenbogenfarben. Denken Sie sich die Farben des Nebels undeutlich umgeben von Farbspielen, Regenbogenbildung und so weiter. [An]statt dessen, was Sie heute erleben vom Morgen, wo Sie aufwachen, bis zum Abend, wo Sie einschlafen, erlebte die Seele in jenem frühen Menschheitszustand eine solche Außenwelt. Dafür war aber auch die Nacht noch etwas anderes, als sie heute ist. Heute, wenn [der] Mensch aus seinem physischen Leib und Ätherleib abends heraussteigt – dunkel und finster wird es um ihn herum. Damals verließ er eine verschwommene Welt, aber er starrt hinein nun nicht in Dunkles und Finsteres, sondern in eine andere Welt. Es waren um ihn herum [Anregungen], wenn auch für spätere Zeit in einer gewissen Verschwommenheit. Es waren um ihn herum geistig-seelische Wesenheiten. Der Mensch lebte damals [dort] bewusst. [So] sehen wir, wie er innerhalb [dessen lebte in einem] recht lebendigen Traumzustand; von einem Traumzustand, der Wirklichkeit bedeutet, [unleserlich] [erfuhr er von] einer geistigen Welt, [unleserlich] [aus der] daraus [strömenden] Farbenbildung, dass da Pflanzen und Tiere sind. So wusste er, wenn er auftauchte in der physischen Welt, dass er in einer Welt geistig-göttlicher Wesenheiten war. Da traf er gerade auch auf Farb- und Tonbildung. Aber er wusste: Sie gehen aus von seelisch-geistigen Wesenheiten. So lebte der Mensch sozusagen in einem noch stumpferen, dumpfen Bewusstsein während des Tages, dafür aber war in der Nacht sein Bewusstsein, wenn auch dämmerhaft, doch ein Bewusstsein, das verglichen [mit] dem heutigen Nachtbewusstsein ein viel Helleres war. Ein dumpfes, dämmerhaftes Hellsehen.

[ 14 ] Wo finden wir solche Menschen in alter Zeit, die diesen Bewusstseinszustand gehabt haben? Auf diese Frage gibt heute noch keine äußere Naturwissenschaft eine einigermaßen genügende Antwort. Aber die geistige Wissenschaft mit ihrer Forschung geht zurück in alte, uralte Zeiten der Vormenschheit, in jene Zeiten der Vormenschheit, wo vielfach an denjenigen Stellen, die heute ausgefüllt [sind] von Europa, Asien und Afrika, noch Meer, weites Meer war, wo wenig Landbildung war an der Stelle, wo heute Europa, Asien und Afrika war, dafür war ein großer Kontinent im Westen von uns zwischen Europa und Amerika. Der [Kontinent], der Boden des Atlantischen Ozeans, den denken Sie sich [so], dass [er] hinaufgehoben und nicht von Meer bedeckt [ist]; so haben Sie eine mächtige Landmasse. Diese Landmasse war bewohnt von den Vorfahren der Menschen. Allerdings waren diese Menschen, die da in der alten Atlantis wohnten, eben in diesem ganz anderen Bewusstseinszustand als die Erde, die wir heute beschrieben haben.

[ 15 ] Nun müssen Sie sich einmal recht weit zurückversetzen, Tausende und Abertausende von Jahren in die alte Atlantis. Da würden wir in andere Zustände kommen, die radikal verschieden sind von unserem jetzigen Menschheitszustand. Wir würden zum Beispiel, wenn wir nur einige Millionen von Jahren zurückgehen – das ist für die ganze Entwicklung der Menschheit im Grunde genommen eine Kleinigkeit –, wenn wir nur einige Millionen von Jahren zurückgehen, würden wir den Menschen [auf der Erde] finden, [der] noch nicht seine Füße auf ihren festen Erdboden setzen [kann], wir würden ihn finden wie eine Art schwimmende, schwebende Wesenheit; freilich konnte er nicht schwimmend schweben wie heute, [wenn man schwimmt]. Weil die Luft, die ganz erfüllt war von Wasserdampf – in einem Nebel lebte der Mensch, der so dicht war, dass der Mensch selber mit Leichtigkeit wie schwimmend, schwebend, fliegend, in dieser Masse [sich] aufhielt in der Nähe des Erdbodens. Der Mensch musste damals ganz anders organisiert sein. Solche Beine, [wie wir sie heute haben], waren damals noch nicht ausgebildet. Es war [das Bein] nur [ein] Organ, um sich das Gleichgewicht in dieser dichten Luft zu erhalten.

[ 16 ] So könnten wir zurückgehen in Zeiten, wo ganz andere Zustände des Menschen waren, und dann können Sie begreifen, wie sich aus dem Bewusstsein des Menschen nach und nach entwickelt hat allmählich ein Mensch, [bei dem] sich fortwischt das nächtliche Bewusstsein, wo [der] Mensch lebt[e] in [einer] geistigen Blitz[es]-Welt, [das sich] mehr und mehr verdunkelt, da heute unsere traumlose Nacht eingetreten ist; und das andere Bewusstsein, das Menschen bei Tag haben, hellte sich auf, die [aurische] Farbe der Tiere und Pflanzen verschwand und die Gegenstände mit den scharfen Grenzen und Konturen erschienen.

[ 17 ] Nun dürfen Sie nicht glauben, dass da in [der] Nacht, wenn [der] Mensch aus [dem] physischen Leib heraus war und eine wunderbare Bilderwelt um sich erlebte, dass das Traum war, dass das etwas war, das nicht der Wirklichkeit entsprach. Nun, das entsprach ebenso der Wirklichkeit, was der Mensch früher mit verschwommenen Grenzen sah und was er heute mit festen Grenzen um sich herum sieht. Denn der Mensch steigt in der Nachtwirklichkeit in eine andere Welt, die Welt, die immer um uns herum ist, [aber er nimmt nichts wahr], weil er kein [Wahrnehmungs-]Organ [dafür] hat. Die alten Organe hat er verloren und neue noch nicht gebildet. Wir sind in der Tat umgeben wie von physischen Wesen von geistig-seelischen Wesen, die zum Teil über, zum Teil unter dem Menschen in [ihrer] Entwicklung zunächst stehen. So stieg der Mensch der Vorzeit von der physischen Welt in [die] Welt der Geister, in [die] Welt der Götter hinauf. Unter Götter-[unleserlich] stieg er in der Nacht [unleserlich] der Seele und [dem] Geist gleich, [die] nicht im physischen Leib [in der] Nacht [sind].

[ 18 ] Und der Mensch durchzog, als durch [die] große Wasserkatastrophe die alte atlantische Erde immer mehr [unleserlich], und zog von West nach Ost [und bildete die] Ur-Bevölkerung Europas, Asiens und [unleserlich] Afrikas, und die heutigen Bewohner von diesen Weltteilen sind Nachkommen der alten [Atlantier] und mit diesen herüber[ge]zogen.

[ 19 ] Da verloren sich nach und nach das alte hellseherische Bewusstsein und das alte Wohnen unter den Göttern, und es kam das heutige nüchterne Taggegenstandsbewusstsein. Nicht bei allen Menschen verloren sie sich zu gleicher Zeit. [Allein] erhielten sie sich bei Astral[unleserlich]. Immer wieder finden sich solche [Menschen], die sozusagen durch besondere Lebensumstände in ihrer Art gerade [über die] neue Grenze zwischen Schlaf[en] und Wachen immer bewusst hineinschauen konnten in die geistige Welt, die sich sozusagen als Erbstück von früheren Zeiten diese Möglichkeit, hineinzuschauen in die geistige Welt, erhalten hatten.

[ 20 ] Was liegt dem zugrunde? All dem liegt zugrunde, dass die Menschen, die in Europa ihren Wohnplatz genommen hatten und eingewandert [waren] von Westen, dass sie in dem, was erzählte Erinnerung [auf]genommen hat, [dasjenige] bewahrten, [was] in ihrer uralten [atlantischen] Heimat war, [und es als] Erinnerung bewahrt[en] an das Reich der Götter. [Es] war [die] Erinnerung daran, dass Menschen lebten unter geistigen Wesenheiten, [unleserliche Stelle] dem Geist gleich, den [Göttern]. Viele mussten sich sagen: Jetzt können wir sie nicht mehr sehen, diese geistigen Wesenheiten, die Wahrheit und Wirklichkeit um uns herum sind, aber ehemals haben die Menschen sie gesehen, wir erinnern uns, dass da[s] beobachtet wurde aus uralter Zeit, dass gesehen worden ist ein Wesen, das wir Wotan, Thor, Tyr, Baldur, Loki und so weiter nennen – diese Namen waren nicht Namen von irgendwelchen Personifikationen von Naturgewalt. Das ist gelehrte Phantasterei. Diese Wesen waren solche, die man als Urwesen erlebt hatte, wenn man sich des Nachts in die geistige Welt hinein[be]wegte. So war [es], wie sie als hell und [leuchtend] in ihrem Gegenstandsbewusstsein sein [konnten]. Deshalb konnten [es] geistig-seelische Wesenheiten, die [es] nicht zum physischen Körper brachten, geistig-seelische Wesenheiten sein – allerdings, was die Menschen Tyr und Thor nannten, große, auserlesene Wesenheiten, führende Individuen, die der Mensch auch damals selten sah, [so] wie er heute einen Kaiser oder König selten sieht. Aber auch so, wie wenn er heute den Kaiser und König selten sieht, wussten sie doch, dass er da ist, so wussten sie aber auch, dass die Thore da sind und wahrzunehmen [sind] für diejenigen, die sozusagen in ihre Nähe kommen während des dämmerhaften [Hell]sehens, das [der] Mensch erlebt, wenn er aus seinem physischen Leib tritt [unleserlich] während des Schlafzustandes. Also nicht aus einer nächtlichen phantastischen Personifizierung sind sie entsprungen, die Götter Wotan, Thor und so weiter, sondern sie sind erlebt worden. Und das ist nicht [nur] der Ursprung der Mythologie und insbesondere auch der Ursprung der europäischen Mythologie, [sondern auch] die Erinnerung an die Mythologie eines geistigseelischen Erlebens der Vorzeit. Das ist die Realität der Urzeit. Verschwunden waren die Götter nur aus einem Grund: weil der Mensch unfähig geworden ist, sich zu den Göttern zu erheben; weil wir kein Organ mehr hatten, die Götter zu sehen und zu erleben.

[ 21 ] Nur in der Eigenart der germanischen Mythologie, derjenigen Mythologie, die sich ausbreitet durch Nordruss[land], Skandinavien, Nordwesteuropa, Mitteleuropa, [ist es so], dass sie sozusagen uns die alte Erinnerung bewahrt, weit, weit zurückliegende Erinnerung bewahrt hat. Sehen Sie, der Ausgangspunkt der Menschen, die da von der alten Atlantis nach dem Westen herübergezogen sind, war im Atlantischen Ozean, beziehungsweise in Nähe des heutigen Irland; da sind Menschen herübergezogen nach dem Osten in verschiedenen Zügen. Die[jenigen], welche nach Asien herübergezogen sind und dort gegründet haben die indische, [die persisch]-asiatische Kultur [und die ägyptische] in Afrika, das sind diejenigen [unleserlich], die die vorgeschrittenen Menschen [waren] … [Lücke] diejenigen, welche das alte, dämmerhafte Hellsehen verloren hatten [und] am besten die physischen Gegenstände sehen konnten; dagegen waren in Europa alleine Leute von einem natürlichen Hellsehen geblieben, die nicht an Erinnerung angewiesen waren an die [atlantische] Heimat, welche noch jetzt in [einem] gewissem Grenzzustand die Götter sehen konnten, die man früher als Genossen hatte, wenn man sich [zu] ihnen geistig hineinbegab.

[ 22 ] So kam es, dass innerhalb der angedeuteten Länder Europas sich [eine] wunder[bare] alte Erinnerung an die ehemalige erlebte geistige Welt erhalten hat. Und es gehört vielleicht, wenn man sie richtig versteht und das in [unleserlich] entwickelt, es gehört vielleicht die germanische Mythologie zu dem allertiefsten Weisheitsausdrucke, die man für ältere Zeiten auf der Erde erleben kann. Die anderen Völker, sie haben sich in viel späterem Zustande in der Erdentwicklung neue Erinnerung bewirkt als gerade die europäischen Völker, allerdings [ist] [unleserlich] ein tiefes Eindringen in die Mythen und Sagen, in die Götterlehre entwickelt.

[ 23 ] Sie tritt ja für den heutigen materialistischen Menschen, diese alte europäische germanische Götterwelt, in einer recht rätselhaften Weise auf. Da hört er, dass [man] heute lernt aus den verschiedenen schriftlichen Dokumenten, die sich erhalten haben – und an andere Dokumente als schriftliche Dokumente glaubt ja der Mensch nicht –, da hört er, dass [es] in altgermanischen Ländern den Glauben gegeben habe an allerlei geistige Wesenheit[en], die zum Beispiel für gewisse Menschen in der Nacht sichtbar geworden sein sollen, die aller[hand] getrieben haben, aber mit normalen Sinnen nicht gesehen werden konnten. Meist werden diese Wesenheiten, die eine Art niedrige Geister darstellen, schon als irgendwelche Personifikationen aufgefasst.

[ 24 ] Was wird zum Beispiel angezweifelt? Wie in einer sehr jungen Zeit ein Mann, der viele Leute in seinem Leben verfolgt hat und ihnen Unrecht getan hat, während der Gefangenschaft von allerlei wilden Geistern verfolgt wird, die Tiergestalt annehmen, und so weiter [unleserlich]. [Da] denkt derjenige, der vom grünen Tisch der Gelehrsamkeit auftritt: Ja, da kam der alte germanische Glaube, der personifiziert die Gewissensbisse als Mäuse, die den betroffenen Menschen verfolgen. Kein Mensch, der die Volksseele kennt, wird annehmen, dass es diese Volksseele [unleserlich] [unternimmt], wenn sie durch [nichts von uns] angeregt wird, dass [sie] Gewissensbisse zu [etwas] personifiziert, eben als Mäuse. Das tut nur derjenige, der die Mythen ausgestalten muss zu dem Verhalten eines Krankhaften. Diejenigen aber, die auf wirklich [unleserlich] Weise [wissen], dass in der Tat in alten Zeiten, bei anderen Bewusstseinszuständen, aus denen sich Götter erst entwickelt haben, ein Mensch, der Schlechtes getan hat, es nicht so leicht gehabt hat wie ein heutiger Mensch, weil ein Mensch, wenn er herausging aus seinem physischen Leib, in der Tat seine eigene Leidenschaft, seine eigenen Verfolgungsleidenschaften, die aus ihm ausgeströmt sind, in der Form von Tiergestalten, in ihrer seelisch-geistigen Eigenheit gesehen hat. Nicht irgendeine Verbildlichung, nicht irgendeine Personifikation tritt da ein für etwas Abstraktes. Was die Volkssagen gegeben haben, ist die Beschreibung eines wirklichen, realen geistigen Tatbestandes.

[ 25 ] Und so [ist] es als[o] nicht nur für so untergeordnete Geisteswesen, es ist auch [so] für jene große Göttergestalt, die unter dem Namen Wotan und so weiter sich auf die Nachwelt erhalten hat in der Erinnerung. Wenn uns Wotan beschrieben wird als eine Individualität, eine Persönlichkeit geistiger Art, mit einem himmelsblauen Mantel, der mit goldenen Sternen besetzt ist; wenn er uns beschrieben wird mit einem Auge, beschrieben mit einem grauen Hut mit zwei Raben, die auf seinen Schultern sitzen, [unleserlich]. Mancherlei wird schon über seine äußere Gestalt gesagt, was weiß da die heutige Mythenund Sagenforschung viel anderes [auszusagen] als: Nun ja, das ist eine Personifikation, eine Verbildlichung. Der blaue Himmel, die Sterne darauf, die Sonne, das eine Auge, Wolkenschatten, der sich über das [andere] Auge [unleserlich], und der graue Hut, dann noch ein Gedanke der Erinnerung: Hugin und Munin, die beiden Raben, so hätte der Völker Phantasie sich an Wotan verbildlicht. Dabei weiß nun derjenige nicht, der so spricht von einer dichtenden Volksphantasie, was für ein eigenartiges Ereignis zugrunde liegt, wenn der Mensch beim Herausgehen aus dem physischen Leib imstande ist, wahrzunehmen in den geistigen Vorgängen, wenn er nicht damit seine Umgebung [verliert] und [ins] unbestimmte, finstere Dunkel [versinkt], wenn er nicht aufhört wahrzunehmen, sondern fortfährt wahrzunehmen.

[ 26 ] Die erste Wahrnehmung ist die, dass er wächst, größer wird, dass alles sich ausdehnt, dass er sich [nachts zuallererst] so groß fühlt, wie die Weiten des Raumes sind. Das ist etwas, was da zunächst auftritt und [so] in einer bestimmten Zeit war. Das, was [der] Mensch da sah, wenn er im Einschlafen sozusagen sich selbst bleibt, das war einfach in der Beschreibung des Wotan wiedergegeben. Das ist nichts anderes als eine Beschreibung, als [ein] nächtlicher Tatbestand.

[ 27 ] Aber wie? Wollen wir genau ins Auge fassen, was Mensch erlebt. Er schlief ein, er erlebte, wie er sich heraushob aus seinem physischen Leib, wie er immer größer und größer wurde. Da kam ein Augenblick, in diesem trat etwas Sonderbares ein. Was da eintrat, das lässt sich nur mit Folgendem vergleichen. Denken Sie sich einmal einen Menschen, der kurzsichtig ist. Der steht dort in der Höhe und nähert sich der Blume; in der Höhe sieht er die Blume noch nicht. An einem bestimmten Punkt sieht er die Blume, da tritt sie in sein Gesichtsfeld ein. Er verbindet sich mit der Blume. In einer ähnlichen Art war die Wahrnehmung in jenem nächtlichen Zustand, den ich eben beschrieben [habe]. Der Mensch fühlt sich groß und größer werden. Aber im Moment [jenes Zustandes] fühlt er sich nicht so, wie wenn er nur wahrnehmen würde, sondern wie wenn er sich in etwas hineinbegeben würde, wie wenn er etwas empfangen würde, ein Wesen, von dem er empfindet, dass er von ihm abhängt, dass es zu ihm gehört, dass es seine Kräfte in Bewegung versetzt; er fühlt sich geborgen sozusagen wie in einer Art «Schöpfung » von ihm. Ja, die eine [Empfindung] ging viel weiter. Der Mensch fühlte: Ich verlasse meinen physischen Leib und meinen Astralleib. Das, was [mein] astralischer Leib bei Tag dann tut, das kann ich selber nicht tun, aber dieses Wesen, in das ich hineinsteige, das füllt jetzt meinen physischen Leib wie [auch meinen] Ätherleib aus, das ist eine Art Gott, eine Art Schöpfer, der erinnert [unleserlich], der erinnert auch bei Tag, aber bei Tag waren die äußeren Gegenstände verschwommen nur zu sehen. Deshalb gelobte der Mensch in alter Zeit [dem] Gott, den er später nannte Wotan. Eine reale Wesenheit des astralischen Raumes um ihn herum war dieser Wotan, und so waren es auch die anderen der Götter.

[ 28 ] Und nun wird uns sozusagen jeder einzelne der Züge [deutlich]. Wir können uns nicht auf alle einlassen, aber aus der bezeichneten Natur von diesen oder anderen Einzelheiten, wenn Sie sehen, wie man hinaus- [oder] durch [unleserlich] hineinsehen kann in die Geheimnisse dieser Götterweisheit, so tritt uns in diesen germanischen Mythologien in eigener Art ein Gegensatz von Göttern entgegen. Ein Götter[unleserlich] war von Göttern. Die einen werden genannt die Asen. Asen heißt so viel wie Wesen, die aber geistiger Natur sind. Das ist das eine Göttergeschlecht. Nun erscheinen aber in den verschiedenen Mythen [unleserlich] wie eine zweite Art von Göttern: die Wanen. Wanen dürfte ein Wort sein, das mit Wasser zusammenhängt. Diese Wanen stehen in einem ganz eigenartigen Gegensatz zu den Asen.

[ 29 ] So eine äußerliche Auslegung hat natürlich [gemeint]: Da gibt es bestimmte Völkerschaften, die verehrten seit alten Zeiten, die Asen, Wotan, Thor, Tyr, Baldur und so weiter, also sozusagen geistige Wesenheiten, die sich so, wie wir den Wotan beschrieben haben, betätigen, aber es gibt andere Stämme und andere Völker, die verehrten andere Götter, die Wanen, und dann hat es einen Krieg gegeben zwischen den Bekennern der Asen und den Bekennern der Wanen, und da haben die Bekenner der Asen gesiegt, und, wie man sich das so vorstellt von materialistischem Bewusstsein [aus], die Sieger nahmen, damit sie mit den besiegten Leuten ausgekommen sind, einige der Götter der besiegten Bevölkerung auf. So wurden den Asen einige Wanen zugefügt, und man sagt allen: [Es] mussten sich einige Wanen als Geiseln verpflanzen lassen. So [schließt man]: Zu einem Krieg, der unter den Stämmen stattfand, [gehört, dass damit] auch ein Krieg der Götter zusammenhängt. Sonderbare Götter, bei denen Krieg ausbricht und den sie führen, wenn bei den Menschen Krieg ausbrach!

[ 30 ] Das sind alles gelehrte Phantasien, obwohl sie sich in aller Polemik üben, die zur längst volksbekannten Gewohnheit fanden. Was sind denn die Wanen wirklich und was ist ihr Gegner [unleserlich], [die] Asen? In Wahrheit liegt das vor, dass die Wanen ältere geistige Götterwesenheiten sind und die Asen göttlich-geistige Wesenheiten, die nur später, über ihre Periode hinausgehen. Wenn der Mensch sich weiter zurückerinnert in der Richtung, wie ich sie charakterisiert habe, dann erinnert er sich, wenn er in andere Bewusstseinszustände eintritt, [wie] er ein Genosse der Wanen wurde. Damals waren die Asen noch nicht bis zu ihrer Entwicklung vorgeschritten, die sich dann in Erinnerung gehalten haben.

[ 31 ] Erst in späteren Zeiten, als die Wanen ihre Bedeutung für die Menschheitsentwicklung verloren hatten, da traten die Asen ein, und nur wenn wir begreifen, wie dieser Übergang [vonstattenging], nur wenn wir das Entwicklungsprinzip des Bewusstseins in voller Seele uns durchdenken, [können wir das verstehen], auch das Bewusstsein, das wir als Wachzustand beschrieben haben, zwischen einem dumpf-dämmerhaften Tagbewusstsein und einem geistigen, allerdings auch dämmerhaften, nächtlichen hellseherischen Bewusstsein.

[ 32 ] Aber auch dieser Bewusstseinszustand ist damit noch nicht vollständig beschrieben. Wir müssen uns klar sein, dass er auch wieder die verschiedensten Unterformen und Untergrade durchgemacht hat. So müssen wir uns jetzt auch versetzen in eine gewisse Zeit der Erdentwicklung, wo das menschliche Bewusstsein noch ganz anders war als später. Sehen Sie, es gab eine Zeit, in der das menschliche Bewusstsein auf der Erde so war, dass Menschen längere Zeiten mehr in der Welt des Geistigen lebten und längere Zeiten mehr in der Welt des [unleserlich] Physischen. Verstehen wir uns richtig: Es gibt alte Zeiten, da war es so, dass, wenn [der] Mensch des Abend hinausging aus seinem physischen Leib und er untertauchte in [die] geistige Welt, da war [das] Bewusstsein ganz besonders lebhaft und stark, [unleserlich] dagegen wenn er untertauchte in [die] Tiefe, [in den] Leib bei Tag, war [die Wirkung], sie schwäche das Bewusstsein. Das war in gewissen Zeiten, sagen wir uns, [zu] Zeiten, zu gewissen Jahreszeiten war das nächtliche Bewusstsein stark und das Tagbewusstsein schwach, wie wenn der Mensch schläft.

[ 33 ] Da gab es andere Zeiten, wo das Bewusstsein im physischen Leib heller und das Bewusstsein im geistigen Leib dumpfer war. Wenn wir genügend weiter zurückgehen, so grauslich es auch für [das] materialistische Bewusstsein erscheinen mag, [in] eine Zeit, wo auch gewisse Verrichtungen, [die] der Mensch [heute] verteilen [kann] auf die Zeit, es können, während [es in den] anderen Bewusstseinszuständen so war, zu [unleserlich], fiel dasjenige, was heute dem gewöhnlichen Gegenstandsbewusstsein angehört: die Fortpflanzungsfunktion, die Befruchtungsfunktion; alles, was mit Geschlecht zusammenhängt, fiel in die Zeit, wo das dumpfste Bewusstsein vorhanden war, wo der Mensch ganz untertauchte in fast völlige – in den alten Zeiten ja völlige – Bewusstlosigkeit. Und indem er oben war in dem hellseherischen Zustand, wo er bei geistigen Götterwesen lebte, da nahm er nichts wahr von dem, was Geschlechtsfunktion war, das empfand man, indem man sich das vorstellt so, dass der Mensch zum Zweck der Fortpflanzung untertaucht in das Meer der [Astralität], der solchen Gefühle, und man sieht: Die sinnliche Natur und die leitenden geistigen Wesenheiten tauchten zu bestimmten Zeiten des Jahres aus den helllichten geistigen Regungen in das Meer der sinnlichen Leidenschaft, aber in die Bewusstlosigkeit. Es war natürlich in der Zeit, als der Mensch ganz anders organisiert war. Das war die Zeit, in der jene geistigen Wesenheiten herrschten auf der Erde, die sich unter dem Namen der Wanen erhalten haben. Jene Zeit, in der die Oberfläche der Erde von Wasser bedeckt war. «Wanen» erinnert mit Recht an «Gewässer», in der Zeit, als [der] Mensch ein Wasserwesen war unter den anderen göttlichen Wasserwesen.

[ 34 ] In der Zeit war es, als er die Wanen erlebte, wenn er sich im Frühling heraushob aus [der] Dumpfheit des leidenschaftlichen Lebens, wenn er zu göttlich-geistigen Wesen [aufstieg, die er] in verhältnismäßiger Klarheit wahrnahm, wenn er [erlebte] Wärme, die in Winters-Zeit [fehlte]; in [dem] besonders bewusstlosen Zustand [war] etwas geschehen, so, in [dem] Meer von unbewusstem Zustand, [da] war etwas aufgetaucht: die Menschen, die mittlerweile entstanden waren und heraufgekommen waren. Diese ganze Evolution, wo aus dem Meer der Leidenschaften auftauchte im Frühling der Seele das, was da unten entstanden war, diese ganze Entwicklung lenkten und leiteten die alten Wanen.

[ 35 ] Und dann kam die Zeit, in der die Luft immer wasserfrei [war], und indem die Menschen anfingen, Luftatmung zu benutzen, anfingen, ihrer heutigen Gestalt schon ein wenig ähnlicher zu werden. Da wurde mehr und mehr der Befruchtungsakt, die Geschlechtlichkeit mehr bewusst. Dagegen wurde diejenige Handlung, die an [die] höhere Menschennatur geknüpft war, von göttlichgeistigen Wesenheiten gelernt und gelenkt, wie [sie] ihr Element nicht mehr im Wasser, sondern am Boden [und im] Element der Luft hatten. Wodan hängt zusammen mit «Wa-» und mit «Wehen», ebenso [mit] «Wind», wie die Luft draußen und beim menschlichen Einatmen. Er ist der Gott, der in der Luft lebt. Der Mensch behält das alte Bewusstsein, [die Seele] erlebt nicht mehr die Wanengötter, sie erlebt die Asen.

[ 36 ] Die Wanen waren also ein altes Göttergeschlecht, von denen wir uns klar werden, dass sie zusammenhängen mit dem Fortpflanzen. Aber unbewusst, da taucht die Gottheit jedes Jahr einmal unter. Da, wo sie untertauchen und das Bewusstsein hinschwindet, da entsteht die neue Menschheitsgeneration. Diese Götter der Fruchtbarkeit haben sich unter dem Namen «Nerthus» erhalten. Es ist wieder eine wahre, geistig wahre Gestalt. Eine ganz unsinnige Phantasie hat allerlei wiederum […] [unleserliche Stelle] ausfindig gemacht, wenn einem Götterbild, das in einem ausgedehnten [unleserlich, Lücke?] können. Die ursprüngliche Gestalt [der Nerthus] ist eine reale astralische Wesenheit, die untertauchte im Sinnes-Winter, und die war eine wirkliche reale Erinnerung [an die Vorgänge] von Geburt und Empfängnis, die im Meer des Vergessens alljährlich von ihr regiert wurde und insbesondere in uns einem «kleinen Nebenzweck» [dienten], sonst, möchte man sagen, [ist es] für weniger in solche Dinge eingebettete Menschen zu entlegen, um was es sich eigentlich handelt.

[ 37 ] Sie können sich ja denken, dass die Entwicklung nicht gleichmäßig vor sich geht, sodass in der Zeit, als in normaler Menschheit noch durchaus der Zustand vorhanden war in Bezug auf Fortpflanzung, schon durchaus [für] andere in[s] Bewusstsein eingetreten war dasselbe, was für die anderen im Meer der Vergessenheit untertaucht, [dass es ihnen] schon bewusst geworden war. Dies wurde in uralten europäischen Zeiten [unleserlich] sogar einer Strafe unterworfen, man ging nicht straflos aus, wenn man in uralten europäischen Zeiten die Geschlechtlichkeit schon sah; nur die Reinen waren die richtigen Menschen, [die] für das [Geschlechtliche im] Meer der Vergessenheit untergetaucht [waren]. Die, welche das schon sahen, wurden in ältester Zeit schon getötet. Der[jenige] war eine Schande, ein Böser, der dies gesehen hatte; sie wurden getötet. Das alles hat sich, insoweit es eine Tatsache war, erhalten in der Nerthus-Sage, auf die noch Tacitus aufmerksam machte.

[ 38 ] Das Götterbild – Bilder sind, was der Mensch sieht in Astralität – taucht unter nun [in] das Meer der Leidenschaften, aber in Vergessenheit; und die – [es sind] Sklaven gewesen, [die] den Wagen führen, mit dem die Götter untertauchten –, sie werden erschlagen, sie dürfen nicht den Nerthus[anblick] überleben; das waren diejenigen, welche gesehen hatten. Sie betrachtete man als minderwertige Menschen, sie bezeichnete man als minderwertige Menschen, sie wurden getötet, diejenigen, welche schuldvoll geworden waren. Das war ein Brauch, der sich bis spät noch hinein erhalten hat, dass man streng in dieser Weise war.

[ 39 ] Es war eine ganz besondere Art von Verirrung, als ein Gelehrter des neunzehnten Jahrhunderts den Gedanken bekam, bei einer [solchen Überlieferung] zu sagen, dass es da so gewesen war, dass man das Götzenbild eingetaucht hat. Gerade an diesem Beispiel können sie sehen, in welche Tiefe der Menschheitserinnerung, in welche Erinnerung eines uralten Bewusstseinszustands wir versetzt werden durch eine wirkliche Erkenntnis dessen, was uns die germanischen, die [alemannischen] Mythen bedeuten; deshalb hängen die Wanen-Götter zusammen mit denjenigen Funktionen und Verrichtungen der Menschen, die recht [viel] später aufgegeben worden sind [unleserlich] [und hinaufgehoben ins] Bewusstsein. Als dann Menschen immer mehr und mehr in [die] physische Welt sahen und die Asen hinschwanden, und [die], die er nur in nächtlichem Zustand sehen konnte, da mussten die Regeln in Gesetze gefügt werden. Diese Gesetze schrieb man den Asen, den Wesen einer späteren geistigen Zeit zu, man schrieb also den Asen die Bezwingung jener Leidenschaft zu, die von den Wesen [unleserlich] worden ist. Das ist enthalten darin, wenn gesagt wird: Von den Wanen statt [unleserlich] als Geister kommen [sie] zu den Asen. Das, was zusammenhängt mit [der] Geisteskraft des Menschen, das wird [so] ausgedeutet, dass Wanen und Asen in später[er] Götter-Eigenschaft sich miteinander vermischten.

[ 40 ] So haben wir also zu sehen in diesen germanischen Göttern wirkliche Wesenheiten; der Mensch verlor seine anderen Bewusstseinszustände, erlebte aber auch den anderen Zug dieser germanischen Mythologie, sodass [wir], selbst wenn [wir] die späteste Ausgestaltung nehmen, überall Hinweise [finden] auf [die] geistige Welt, wie sie in ihrer Wahrheit ist.

[ 41 ] So zum Beispiel begegnen wir einer ganz merkwürdigen Darstellung, die von unseren Gelehrten sogar für eine spätere gelehrte Erdichtung gehalten wird, eine merkwürdige Darstellung der Weltentstehung und so weiter. Es wird uns gesagt: Bevor alles dasjenige war, was heute um uns herum ist, war ein endlos gähnender Abgrund, eine Art Chaos; an einem Punkt des Chaos macht sich geltend eine kalte, neblige Welt und am anderen Punkt eine heiße, feurige Welt, und Funken sprühten herüber von der Feuerwelt in das kalte Nebelland und aus der Vermischung der Funken mit [dem] Wasserstrom, der aus dem kalten Nebelland kam, bildete sich eine Ausgestaltung, der Riese Ymir. Neben dem Riesen Ymir [entstand] die Kuh Audhumbla, deren Milch der Riese Ymir trank. Durch die Wärme kam der Riese sozusagen in Schweiß, und die Früchte gingen aus ihm hervor, andere Riesen. Kurz, wir kamen [dazu], dass da an den Anfang der Erdbildung etwas ganz merkwürdig gestaltet wird.

[ 42 ] Versuchen wir auch da die entsprechende Wirklichkeit dahinter zu sehen. Was könnte sich der alte Bewohner Europas sagen, wenn er sich erinnerte daran: Im Atlantischen Ozean gab es unsere Vorfahren, da gab es auch ein Land, weithin mit dichten Wassern bedeckt, und in diesen Nebelmassen lebten unsere Vorfahren. Er wusste noch mehr, er wusste, dass an [der] Stelle, wo sich ein auserlesenes Volk wähnt, dass es da am kältesten war. Aus der Kälte heraus ist der spätere Intellekt des Menschen, die Urteilskraft geboren. Dagegen waren mehr die Leidenschaften ausgebildet in den äquatorialen Gestaden, die auch in älteren Zeiten gewiss heißes Klima hatten. So baute sich von einem Ende der Erde ein warmes, ein heißes, von dem anderen Ende ein kaltes, ein wässriges [Klima auf], und wenn die alten Mythen sprechen von Nebelheim oder «Newilheim» im Gegensatz zu dem anderen Ende, wo das Feuer herkam, im Gegensatz zu Muspellsheim, so war das Nebelheim ein wirklich altes Gebilde, das alte Nebelland, wo sozusagen die kühle und gescheite Fähigkeit des Menschen herkam, denn da waren sie länger seelisch-geistige Wesenheiten, die [im Menschen] vorzugsweise seine Intelligenz, seine Geistigkeit, die kühle leidenschaftslose Geistigkeit [unleserlich] [ausbildeten]. Dagegen im Südosten, da wussten die alten europäischen Bewohner, dass noch andere Völkerschaften in anderen Klimaten wohnten. Da waren die Wesenheiten, [die] noch viel ähnlicher den Wanen [waren], wenn die Leidenschaftlichkeit, die Gefühle und Empfindung, vorzugsweise ausgebildet wurde.

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[ 43 ] Und wenn der Mensch dann in dem Zustand, in dem er damals war – jetzt werde ich etwas sagen, was ich Sie bitte, ganz besonders zu beachten, denn Sie werden da sehen, was für Tiefen sich bergen in dem, was uns in [den alten] Mythen entgegentritt. Wenn [der] Mensch in seinem sinnlichen Zustand, sagen wir, [war], ging sein Ätherleib heraus. Der Mensch konnte die äußern Gegenstände nur in verschwomme[ne]r Natur wahrnehmen, dagegen wurde es ihm möglich, während der Nacht vom Einschlafen an geistig-seelisch wahrzunehmen allerlei [siehe Zeichnung] Strömungen. Diese Strömungen, die so anders hinausgehen in den Raum, diese Strömungen nahm er wahr als kalte Strömung, als richtige kalte Strömungen, die in ihm aus- und eingingen. Das war eine wirkliche astrale Wahrnehmung, die heute der Hellseher noch wahrnehmen kann, wenn er sich bis zur Einweihung aufschwingt. Es ist gegangen [um] solche Ströme, die aus und eingehen.

[ 44 ] Diese zwölf Ströme, die da aus- und eingehen, sind die Schöpfer der Kopf-Nerven, die haben von außen an jene [Nerven], die Kopfnerven geschaffen. Was der Mensch heute in sich hat, ist aus dem Astralischen heraus geschaffen. Sein nüchternes, kaltes Berechnen, das entstand um [das], was man damals wirklich wahrgenommen hat. Daher beschreibt [die Mythe], dass [ein] Strom aus dem kalten Nebelheim einfließt. Und das wieder [unleserlich] [Lücke?] es würde [das Herz] als das Organ der Leidenschaft wahrnehmen, als das, was das Blut in die heutige Gestalt brachte. Was die alten germanischen Mythen umschreiben, ist nichts anderes, als was man in der astralischen Welt hat wahrnehmen können.

[ 45 ] So können Sie sehen, dass [ein] alter Tatbestand vorlag in dieser germanischen Mythologie, welche sich in sehr frühem Zustand des menschlichen Bewusstseins in der Erinnerung noch zum Teil wirklich innerhalb dieser Bevölkerung erhalten hatte. Das wird Ihnen, meine lieben theosophischen Freunde, eine Art von Begriff geben wie [eine] Mythe, wie [eine] Sage eigentlich entsteht und was sie ist. Sie ist nicht etwas, was das Volk ausgedacht hat, um irgendwelche Naturkräfte oder Natur-Gaben zu personifizieren. Sage und Mythe ist wirkliche Beschreibung wirklicher ehemaliger Wahrnehmungen in der geistigen Welt. Das, was man erlebt hat, ist aufge[blitzt] sozusagen in der Erinnerung, und das, was da in Erinnerung aufge[hoben] worden ist, [ist] erhalten von [den] Mythen und Sagen.

[ 46 ] Wie es heute eine Einweihung gibt, eine Einweihung zu höheren Sphären der menschlichen Erkenntnis hinauf, wo der Mensch dadurch, dass er gewisse Zustände durchmacht, [eine] gewisse Arbeit an sich selbst, an seiner Seele vornimmt, wie er da sich zu höheren Bewusstseinszuständen hinaufhob, so konnte man es aber auch in der Zeit, wo [der] Mensch ein Bürger der geistigen Welt [war] und wo der Mensch noch in ganz anderen Formen auf der Welt lebte, und [in solchen], wie sie heute der Mensch sucht, wenn er zu höheren Einweihungs-Zuständen aufsteigen soll, so mussten es auch die göttlich-geistigen Wesenheiten, wenn sie auf höhere Gebiete steigen wollten: [Sie mussten] eine Initiation durchmachen, besonders wenn sie [führen sollten ein altes Volk].

[ 47 ] Derjenige, der uns geschildert wird als Wotan, musste seine Einweihung durchmachen. Die Einweihung machte er durch dadurch, dass er dasjenige nur lernt, was diese Wesenheiten, da sie nicht bis zur vollständigen menschlichen Natur in [die] Materialität hinuntergestiegen waren, eigentlich nicht können. Die normalen Geister und Götter starben nicht und wurden nicht geboren. Wotan musste aber den Tod kennenlernen. Was wird uns erzählt in den Mythen? Dass Wotan neun Tage hing an dem Weltenbaum, und nur dadurch, dass er unter dem Galgen [die Runen]schriftzeichen erblickt während dieses MarterZustandes am Galgenbaum, nur dadurch wurde er fähig, sich zu befreien, den Tod zu überwinden, zu trinken jenen Trank, den man neutral den Lebens-Met, den Lebenstrank nennt, wodurch er die wirkliche innere Unsterblichkeit in sich über den Tod wirklich erreicht hat. So wird uns richtig auch in den germanischen Mythen die Einweihung des Wotan erzählt, richtig erzählt. Sogar das wird uns erzählt, dass sich Wotan in eine Höhle begeben musste, sich verbinden musste mit Gunnlöd. Gunnlöd ist das höhere Bewusstsein; das mystische Bewusstseinselement wird in Form einer weiblichen Individualität charakterisiert. Bei Wotan ist es die Gunnlöd, von der er sich den Unsterblichkeitstrank erwirbt.

[ 48 ] So könnten wir vieles anführen, wir könnten mancherlei «Einzelzüge» und auch noch eine ganze Unsumme von Grundzügen anführen. Es kam mir aber mehr darauf an, dass wir eindringen in den Geist der Mythen, dass wir lernen den Weg, welchen man einzuschlagen hat, um mit Mythen und Sagen zu verbinden, was ihr innerer Sinn ist. Durch das [hat] die neuste Zeit das Mythen-Bild. [Das] hat sich erhalten, dass man in Mythen immer gesehen hat den Ausdruck der geistigen Wirklichkeit.

[ 49 ] So ist – selbst wenn wir, nur dass Worte sozusagen nicht passen, sondern in ihrer wahren Bedeutung [zu nehmen sind], dass sie Ausdrücke sind für schwer zu beschreibende Tatsachen –, so ist selbst der Siegfriedmythos ein verhältnismäßig sehr später Mythos, er ist selbst der Ausdruck für eine geistige Tatsache. Er ist Ausdruck für die geistige Tatsache, die besagt: Ja, es gibt Menschen, die sich über [die] gewöhnliche normale Menschheit hinaus[be]geben, die die wertvolle Kraft der Menschheit in sich entwickeln. Die werden allmählich eingeweiht, werden Träger eines höheren Bewusstseins. Sie erleben schon während ihres Lebens diejenige Welt, die [der] Mensch selbst bloß erlebt, wenn er durch die Pforte des Todes geht.

[ 50 ] Aber auch wenn er durch die Pforte des Todes geht, erlebt er Verschiedenes. Derjenige, der mehr in [der] physisch-sinnlichen Welt [lebt], kann auch nachher nicht in der Sinnes-Welt freikommen. Der sich aber bemüht, [sich] in der materiellen [Welt] schon zu vergeistigen, der erlebt ein höheres Eindringen in die geistige Wissenschaft immer zuerst. Jedes Volk erlebt diese Dinge nach seiner besonderen, eigensten Art. Der alte europäische Mensch, der im Wesentlichen ein kriegerischer Mensch war, betrachtete jene Ehre als das Recht jenes höheren Lebens, als das Recht, wo [der] Mensch nicht achtet die gewöhnliche physische Persönlichkeit, wo er [in] Verachtung des physischen Lebens und als Held in der Schlacht sterbe, dann vereinigt er sich im Moment des Todes mit der Walküre, die ihm als das Bewusstsein von oben entgegenkommt.

[ 51 ] Nur derjenige, der das physische Leben als das höchste Leben sieht, der stirbt den Strohtod und kam in das Reich der Hel, wo er gebunden war an Erdverhältnisse, aber für einen, an dem gezeigt werden sollte, dass er durch seine ganz besonderen Eigenschaften schon im Leben zu jenem höheren Bewusstsein gelangt, zu einem, der [als] Krieger der Schlachten, [als] Held, [nicht erst] nach dem Tod [dahin] gelangt, für Siegfried wird gezeigt, dass er sich schon im Leben mit der Walküre verband. Was der andere im Tod erlebt, Siegfried erlebte es im Leben, wie [wenn man] das, was der Mensch sonst im Tod verlebt, im Leben erlebt, das Eindringen in geistige Welten. Wunder[bar] ist das, worauf wie prophetisch hingewiesen wird, auf den kommenden Christus. Hingewiesen wird in [den] Siegfriedmythen: Auf der Schulter liegt eine schwache Stelle bei Siegfried, an dieser Stelle kann er verwundet werden, da ist also selbst derjenige, der im Besitz solcher geistiger [Kräfte] vorgestellt wird, verwundbar, und er wird da verwundet. Das ist die Stelle, an der später das Kreuz des Christus [auf]gelegt worden ist. Da soll der Erlöser, der Christus das Kreuz getragen haben, da war für den germanischen Siegfried noch die verwundbare Stelle, da war auch im prophetischen Bewusstsein des [Menschen in] Mitteleuropa auch gegenwärtig, dass durch alte Einweihung in die geistige Welt noch nicht das volle Bewusstsein [hat] erzielt werden können, sondern erst dann, wenn die verwundbare Stelle mit dem Kreuz zerdrückt wird. So ist in Siegfrieds Gestalt ein Hinweis gegeben auf das Christentum in einer ganz wunderbaren Gestalt, wenn [man] das Wort und [den] Begriff nicht passen[d], sondern in der Feinheit nahm, wie man sie nehmen muss.

[ 52 ] Man hat da ein Verbinden der Wesenheiten, die unter Umständen [je]den Augenblick eine andere Gestalt [an]nehmen, und damit hängt zusammen, dass die Göttergestalten Wotan oder Thor so im germanischen Bewusstsein dargestellt werden, dass sie einmal so, einmal so auftreten können. Je nachdem, [wie] ihre innere Wesenheit ist, kehrt ihre äußere Gestalt – diese während jenen [unleserlich], [und so] ist durch und durch in diesen germanischen Mythen wiedergeben [eines] frühen Bewusstseins Ergebnis [am] Menschen. Wenn wir sie so betrachten, können wir in gewisser Beziehung sehen, dass durch das, was wir in theosophischer Lehrschrift gewinnen können über den Hergang der Welt und [der] Menschheitsentwicklung, der Schlüssel gefunden werden kann zu dem, was die anderen in ihrem anderen Bewusstsein schon gewusst haben, aber vergessen mussten, [was] aber wieder erreicht werden [wird], wenn sie sich zu dem heutigen Tagbewusstsein wieder das glasklare Bewusstsein errungen [haben] werden.

[ 53 ] So liefert die Theosophie allein den Schlüssel zum Verständnis eines so wichtigen [Mythos], wie [es die] germanische Götterlehre ist, und zeigt, dass viel mehr Weisheit jener großen Weltengeheimnisse und Mysterien in ihnen ist, [in] d[ies]en sogenannt kindlichen und kindischen Sagen der Völker, als in unserer scheinbar so weit fortgeschrittenen Wissenschaft. Denn was weiß diese Wissenschaft heute von ihren wunderbar tiefen und gewaltigen Tatsachen, die ausgedrückt werden in dem Untertauchen der Nerthus in das Meer, [die] in den wahren [Sinn] der Menschheitsentwicklung in Mythen und Sagen einführen, weiter und tiefer als unsere so scheinbar so weit [gediehene] Wissenschaft.