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Human Destinies and the Destinies of Nations
GA 157

20 April 1915, Berlin

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Elfter Vortrag

Eleventh Lecture

[ 1 ] Wir gedenken wiederum zuerst derjenigen, die draußen auf den großen Feldern der Ereignisse der Gegenwart stehen:

[ 1 ] Once again, we first remember those who stand out in the vast fields of current events:

Geister eurer Seelen, wirkende Wächter,
Eure Schwingen mögen bringen
Unserer Seelen bittende Liebe
Eurer Hut vertrauten Erdenmenschen,
Daß, mit eurer Macht geeint,
Unsre Bitte helfend strahle
Den Seelen, die sie liebend sucht.

Spirits of your souls, watchful guardians,
May your wings bring
The pleading love of our souls
To the earthly people entrusted to your care,
So that, united with your power,
Our plea may shine with help
Upon the souls it lovingly seeks.

[ 2 ] Und für diejenigen, die infolge dieser Ereignisse schon durch die Pforte des Todes gegangen sind:

[ 2 ] And for those who have already passed through the gates of death as a result of these events:

Geister eurer Seelen, wirkende Wächter,
Eure Schwingen mögen bringen
Unserer Seelen bittende Liebe
Eurer Hut vertrauten Sphärenmenschen,
Daß, mit eurer Macht geeint,
Unsre Bitte helfend strahle
Den Seelen, die sie liebend sucht.

Spirits of your souls, active guardians,
May your wings bring
The pleading love of our souls
To the beings of the spheres entrusted to your care,
So that, united with your power,
Our plea may shine forth in aid
To the souls it lovingly seeks.

[ 3 ] Der Geist, den wir durch unsere erstrebte Geist-Erkenntnis suchen, der Geist, der zu der Erde Heil, zu der Menschheit Freiheit und Fortschritt durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist, der sei mit euch und euren schweren Pflichten!

[ 3 ] May the Spirit we seek through our striving for spiritual knowledge—the Spirit who, through the Mystery of Golgotha, brought healing to the Earth and freedom and progress to humanity—be with you and your heavy burdens!

[ 4 ] Meine lieben Freunde, zunächst möchte ich Sie heute erinnern an etwas, was ich wohl zu der größten Zahl von Ihnen in gelegentlichen früheren Betrachtungen schon ausgesprochen habe. Wir kommen, wenn die Seele des Menschen sich in dem Sinne entwikkelt, der ja auch durch die öffentlichen Vorträge hinlänglich angedeutet wurde, zu einer anderen Art von Weltbild. Das Wesentliche ist, daß wir mit unserer Seele gleichsam den Weg aus der Sinnenwelt hinein in die geistige gehen.

[ 4 ] My dear friends, I would like to begin today by reminding you of something I have probably already mentioned to most of you in occasional earlier reflections. As the human soul develops in the sense that has been sufficiently indicated in the public lectures, we arrive at a different kind of worldview. The essential point is that, with our soul, we are, as it were, walking the path from the sensory world into the spiritual world.

[ 5 ] Indem wir mit unserer Seele uns vorwärts entwickeln, verwandelt sich für unseren Anblick die physische Welt allmählich in die geistige Welt. Man könnte sagen, nach und nach verschwinden die Eigentümlichkeiten der sinnlich-physischen Welt, und es treten auf innerhalb unseres Bewußseinshorizontes die Gebilde und Wesenheiten und Tatsachen der geistigen Welt. Nun könnte man ein Wichtiges, das in dem, was so aufsteigt, an unser Bewußtsein herantritt, in der folgenden Weise bezeichnen: Wir selbst werden andere — selbstverständlich für unser Anschauen —, wir werden selber andere, und die Welt, die für das sinnliche Anschauen um uns herum ist, wird nun auch eine andere. Bleiben wir zunächst einmal bei dem, was uns am nächsten liegt, bei der Welt unserer Erde. Im Grunde genommen weiß der Mensch von der Welt außerhalb der Erde innerhalb des irdischen Lebenslaufes wahrhaft recht wenig, wenn wir stehenbleiben innerhalb der Art und Weise, wie wir mit unserem Erdenleben zusammengewachsen sind. Da stellt sich beim Vordringen in die geistige Welt — wir sind ja dann außerhalb unseres Leibes —, da stellt sich heraus, wenn wir auf unsern Leib oder unser ganzes physisches Leben oder überhaupt unseren ganzen Menschen zurückblicken, daß er im Grunde genommen immer reicher und reicher wird; er wird immer inhaltsvoller, dieser Mensch, er erweitert sich zu einer Welt. Es wächst geradezu der Mensch selber zu einer Welt aus, indem wir so auf ihn zurückblicken. Das ist die Wahrheit dessen, was oftmals betont wird: daß der Mensch, indem er geistig sich entwickelt, identisch wird mit der Welt. Er sieht eine neue Welt, eine Welt, innerhalb welcher er sonst steht, wie aus ihm selber hervorkommend. Er erweitert sich zu einer Welt. Von der Erde dagegen verschwindet das Feste oder dasjenige, was uns im gewöhnlichen physischen Anschauen als die Berge, Flüsse und so weiter erscheint. Das verschwindet, und wir lernen uns allmählich fühlen innerhalb der Erde, ich sage ausdrücklich innerhalb der Erde, wie in einem großen Organismus drinnen. Aus unserer eigenen Welt sind wir heraus, und diese Innenwelt, diese innere Wirklichkeit wird zu einer weiten Welt, und das, was uns als irdische Welt umgeben hat, wird wesenhaft, wird zu einem Wesen, in dem wir uns darinnen befindlich denken müssen, uns vorstellen können. Während wir aus uns herauswachsen, erweitert sich zugleich unsere Menschenwelt zu einer weiten Welt; sogleich wachsen wir dann hinein in den Erdorganismus und fühlen uns darinnen so, wie, sagen wir, wenn unser Finger Bewußtsein bekäme, er an unserem Organismus sich fühlen würde.

[ 5 ] As we evolve spiritually, the physical world gradually transforms into the spiritual world as we perceive it. One could say that, little by little, the characteristics of the sensory-physical world disappear, and the forms, beings, and realities of the spiritual world emerge within the horizon of our consciousness. Now, one could describe an important aspect of what thus rises to our consciousness in the following way: We ourselves become different—from our own perspective, of course— we ourselves become different, and the world that surrounds us in sensory perception also becomes different. Let us first stick to what is closest to us, to the world of our Earth. Basically, within the course of earthly life, human beings know very little indeed about the world outside Earth, if we remain within the way we have grown together with our earthly life. But when we venture into the spiritual world—for we are then outside our body—it becomes clear, when we look back upon our body or our entire physical life or indeed our whole being, that it actually becomes ever richer and richer; this human being becomes ever more substantial, expanding into a world. The human being himself literally grows into a world as we look back upon him in this way. This is the truth of what is often emphasized: that as the human being develops spiritually, he becomes one with the world. He sees a new world, a world within which he otherwise stands, as emerging from himself. He expands into a world. From the Earth, on the other hand, the solid—or that which appears to us in ordinary physical perception as mountains, rivers, and so on—disappears. That disappears, and we gradually learn to feel ourselves within the Earth; I say explicitly within the Earth, as if inside a great organism. We are out of our own world, and this inner world, this inner reality, becomes a vast world, and what has surrounded us as the earthly world becomes substantial, becomes a being within which we must think of ourselves as being, can create a mental image of ourselves. As we grow out of ourselves, our human world simultaneously expands into a vast world; immediately we then grow into the Earth organism and feel ourselves within it just as, let us say, if our finger were to become conscious, it would feel itself within our organism.

[ 6 ] Diese Erfahrung macht der Mensch, und sie kommt bei etwas tiefer fühlenden Menschen, bei poetisch veranlagten Naturen sehr häufig einmal zum Ausdruck. So vergleicht der Mensch sehr häufig sein Aufwachen am Morgen mit dem Aufwachen der Natur draußen, selbst sein Leben am Tage mit dem Hinaufgehen der Sonne, die Abenddämmerung mit dem Bedürfnis zum Schlafen, das mit Müdigkeit eintritt. Solche Vergleiche kommen aus dem Gefühl heraus, daß der Mensch darinnensteht in der irdischen Natur. Aber solche Vergleiche sind nicht viel wert, denn sie treffen das Eigentliche nicht. Ich habe deshalb schon öfters ausgesprochen, daß, wenn wir einen Vergleich wählen wollen, der wirklich den Tatbestand ausdrückt, wir einen anderen wählen müssen als den, bei welchem wir mit dem Verlauf der Natur draußen den Verlauf beim Einschlafen und Aufwachen vergleichen. Wir müssen vielmehr unser Leben binnen vierundzwanzig Stunden vergleichen mit dem Jahreslauf der Erde. Nur dann, wenn wir den ganzen Jahreslauf nehmen, ist das ein berechtigter Vergleich mit dem, was in uns vorgeht durch einmaliges Wachen und Schlafen im Verlaufe von vierundzwanzig Stunden. Und es ist falsch, den Wachzustand des Menschen vom Aufwachen bis zum Einschlafen etwa mit dem Sommer zu vergleichen; sondern man muß gerade diesen Wachzustand in der Erdennatur draußen vergleichen mit dem Winter und muß den Sommer vergleichen mit dem Schlafzustand des Menschen. So daß wir sagen könnten, wenn wir den Vergleich anstellen: der Mensch schläft ein, das heißt er geht in den Sommer seines persönlichen Daseins, und indem er aufwacht, entwickelt er sich in den Winter seines persönlichen Daseins; und der Wachzustand würde ungefähr entsprechen dem letzten Herbst, dem Winter und dem ersten Frühling. Warum würde das den Tatsachen entsprechen? Weil, wenn wir uns auf die angedeutete Weise wirklich hinentwickeln zu einem Gliede des ganzen Erdenorganismus, wir in der Tat zu beachten haben, wie im Sommer das, was der Geist der Erde ist, schläft; das ist der wirkliche Schlafzustand der Erde, da tritt das große Bewußtsein des Geistes der Erde zurück. Mit dem Frühling beginnt der Erdgeist einzuschlafen, und er wacht auf im Herbst, wenn die ersten Fröste sind; er denkt dann, er hat seinen wachen Denkzustand. Das ist der Gang des Tages des Erdgeistes durch das Jahr hindurch.

[ 6 ] This is an experience that people have, and it is very often expressed by those who are more deeply sensitive or have a poetic disposition. Thus, people very often compare their waking in the morning with the awakening of nature outside, their daily life with the rising of the sun, and twilight with the need for sleep that comes with tiredness. Such comparisons arise from the feeling that human beings are immersed in earthly nature. But such comparisons are not worth much, for they do not capture the essence of the matter. I have therefore often stated that if we wish to choose a comparison that truly captures the reality of the situation, we must choose one other than the one in which we compare the process of falling asleep and waking up with the course of nature outside. Rather, we must compare our life within twenty-four hours to the Earth’s annual cycle. Only when we take the entire annual cycle is this a valid comparison with what takes place within us through a single cycle of waking and sleeping over the course of twenty-four hours. And it is wrong to compare the human waking state from waking up to falling asleep with summer, for example; rather, one must compare precisely this waking state in the natural world outside with winter, and one must compare summer with the human state of sleep. So that we could say, if we make the comparison: the human being falls asleep, that is, he enters the summer of his personal existence, and as he wakes up, he develops into the winter of his personal existence; and the waking state would roughly correspond to the last autumn, the winter, and the first spring. Why would this correspond to the facts? Because, if we truly develop in the manner indicated into a member of the entire Earth organism, we must indeed observe how, in summer, that which is the Earth spirit sleeps; this is the Earth’s true state of sleep, in which the great consciousness of the Earth spirit recedes. With the arrival of spring, the Earth Spirit begins to fall asleep, and it awakens in the fall when the first frosts come; it then believes it is in its waking state of consciousness. This is the course of the Earth Spirit’s day throughout the year.

[ 7 ] Wenn wir auf den schlafenden Menschen zurückschauen, dann sehen wir in der Tat, wie dieses Einschlafen des Menschen bedeutet, indem er mit dem Ich und dem astralischen Leib herausgeht, ein wirkliches Entstehen einer Art pflanzlicher Tätigkeit im Organismus, aus dem der astralische Leib und das Ich herausgegangen sind. Das fängt an, im Innern des Menschen eine Tätigkeit hervorzurufen. Wir empfinden wirklich die ersten Zustände des Schlafes wie den Beginn eines vegetativen Prozesses, und der Schlaf verläuft so, daß sich der Körper gleichsam für den hellseherischen Anblick durchsetzt mit einem Pflanzenwachstum, das wir wirklich dann durch imaginative Erkenntnis sehen. Nur wächst diese Vegetation anders als die Vegetation der Erde. Solche Dinge können erzählt werden, und man kann viel darüber meditieren und man kommt dann immer weiter.

[ 7 ] When we look back at the sleeping person, we see that this falling asleep—in which the person steps out with the ego and the astral body—actually triggers a kind of vegetative activity within the organism from which the astral body and the ego have departed. This begins to evoke an activity within the human being. We truly perceive the first stages of sleep as the beginning of a vegetative process, and sleep proceeds in such a way that the body, as it were, becomes permeated—as seen by the clairvoyant gaze—with a plant-like growth that we then truly perceive through imaginative insight. Only this vegetation grows differently from the vegetation of the earth. Such things can be described, and one can meditate on them at length, and one then goes ever further.

[ 8 ] Bei der Erde wachsen die Pflanzen vom Boden herauf. Anders ist es, wenn wir dieses «Pflanzenwachstum» beim Menschen beobachten. Da wachsen die Pflanzen so, daß sie die Wurzeln draußen haben, und sie wachsen in den Menschen hinein; die Blüten also müssen wir suchen innerhalb des Menschen. Dieser Mensch ist wirklich sehr schön, ich meine so, wie ihn der hellsehend Gewordene im Schlafe sieht. Er ist gleichsam eine ganze Erde, die sprießt und sproßt, in die hinein eine Vegetation wächst. Dasjenige, was den Anblick beeinträchtigt, das ist, daß wir zu gleicher Zeit den Eindruck haben, daß der Astralleib die Wurzeln benagt. Und das stellt sich als der Verlauf des Schlafes dar. Während die Tierwelt dasjenige, was während des Sommers wächst, verbraucht, aufzehrt von oben herunter, finden wir, daß unser Astralleib in der Tat wie die Tierwelt wirkt, nur benagt er die Wurzeln. Würde das nicht sein, so würden wir jenen Kern nicht entwickeln können, den wir durch die Pforte des Todes hinüberführen. Das, was sich der Astralleib auf diese Weise aneignet, stellt dasjenige vor, was wir als Erträgnis des Lebens in Wahrheit durch die Pforte des Todes tragen. Ich beschreibe die Dinge, wie sie vor dem hellsichtigen Bewußtsein auftauchen. Und geradeso wie der Winter über die Erdenfrüchte kommt und diese Erdenfrüchte hinwegfrostet, möchte ich sagen, so ist das, wenn der Astralleib und das Ich untertauchen in den ätherischen und physischen Leib, ein Wegfrosten desjenigen, was während der Nacht an Vegetation, an geistigem Pilanzenwachstum in unserem Organismus aufgetreten ist.

[ 8 ] On Earth, plants grow upward from the ground. It is different when we observe this “plant growth” in human beings. Here, the plants grow with their roots on the outside, and they grow inward into the human being; so we must look for the blossoms within the human being. This human being is truly very beautiful—I mean, as the clairvoyant sees him in sleep. He is, as it were, an entire earth that sprouts and shoots forth, into which vegetation grows. What mars the view is that we simultaneously have the impression that the astral body is gnawing at the roots. And this presents itself as the course of sleep. While the animal world consumes and devours from above what grows during the summer, we find that our astral body does indeed act like the animal world, only it gnaws at the roots. Were this not the case, we would not be able to develop that core which we carry through the gate of death. What the astral body appropriates in this way represents what we truly carry through the gate of death as the fruit of life. I am describing things as they appear to the clairvoyant consciousness. And just as winter comes over the fruits of the earth and freezes them away, so, I would say, when the astral body and the ego submerge into the etheric and physical bodies, there is a freezing away of that which has arisen during the night as vegetation, as spiritual plant growth within our organism.

[ 9 ] In dem, was ich als den Erdgeist bezeichnet habe, der wirklich eine solche persönliche Wesenheit ist wie wir selber, nur daß er ein anderes Dasein führt — denn für ihn ist ein Jahr ein Tag —, innerhalb dieses Erdgeistes wird uns alles das anschaulich, was ich auseinandergesetzt habe von dem Impuls von Golgatha, denn da drinnen findet man die belebende Kraft, die vor dem Mysterium von Golgatha nicht in der Erde war; in ihr findet man sich geborgen, aufgenommen durch den Geist, der durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist. Und man bekommt dadurch die Gewißheit, daß dieser Geist wirklich ausgeflossen ist in die Erde durch das Mysterium von Golgatha. Das wird uns bewußt, wenn wir uns wirklich versenken können in den Zustand, in dem für uns die Erde ein Wesen ist, dem wir selber angehören, wie ein Fingerglied unserem Organismus angehört. So kann es gar nicht anders sein, als daß für den Menschen unserer Zeit die okkulte Vertiefung in die Welt einen Zug annimmt religiöser Versenkung in das, was als das Göttliche die Welt durchströmt und durchgeistigt. Daher ist es so, daß wirkliche Erkenntnis der geistigen Welt niemals das religiöse Fühlen nehmen, sondern im Gegenteil nur vertiefen kann.

[ 9 ] In what I have called the Earth Spirit—which is truly a personal being just like ourselves, except that it leads a different existence (for to it, a year is a day)—within this Earth Spirit, everything I have expounded regarding the Impulse of Golgotha becomes vivid to us, for within it one finds the life-giving force that was not in the Earth before the Mystery of Golgotha; in it one finds oneself sheltered, embraced by the Spirit who passed through the Mystery of Golgotha. And through this one gains the certainty that this Spirit has truly flowed into the Earth through the Mystery of Golgotha. We become aware of this when we can truly immerse ourselves in the state in which, for us, the Earth is a being to which we ourselves belong, just as a finger belongs to our organism. Thus, it cannot be otherwise than that for the people of our time, occult immersion in the world takes on the character of religious contemplation of that which, as the Divine, flows through and spiritualizes the world. Therefore, true knowledge of the spiritual world can never take away religious feeling, but on the contrary can only deepen it.

[ 10 ] Ich wollte eine Andeutung geben von dem, wie es wirklich aussieht, wenn man in die Bilderwelt des Geistig-Realen hineinkommt; denn das, als was wir uns im alltäglichen, physischen Bewußtsein erscheinen, ist nur ein Scheinbild, ist nur ein innerer Kern. Aber ich werde gleich schon sagen müssen, daß dies falsch ist, weil Worte ja nicht leicht zu prägen sind für diese bedeutsamen Tatsachen, und das, als was wir uns erscheinen, ist immer an uns, wenn wir mit unserem Seelischen außerhalb unseres Leibes sind. Deswegen ist es nicht richtig, zu sprechen: es ist ein Kern, weil eine Frucht die Schale außen, und das, was wertvoll ist, darinnen hat. Aber wie es so vielfach beim Geistigen umgekehrt ist, so ist beim Menschen das Wertvolle draußen, und was Schale ist, das ist innen: das Innere ist das Schalenhafte, und das Geistige ist das, was man räumlich als das Schalenhafte bezeichnen kann. Man erfährt, wenn man den Weg in die geistige Welt hinein geht, daß der Mensch nicht ein einfaches Wesen, sondern ein kompliziertes Wesen ist. Das haben wir uns schon hinlänglich angeeignet, daß der Mensch mit dem, was er in sich trägt, teilnimmt an allen Welten, die dem Menschen zugänglich sind. Mit unserem physischen Leib gehören wir der physischen Welt an; mit dem Seelischen gehören wir der seelischen Welt an; mit unserem Geiste der geistigen Welt. Wir reichen in die drei Welten hinein. Wir wissen, daß, wenn der Mensch den Weg in die geistige Welt hinein macht, er sich in der Tat wie in einer Art Vervielfachung erlebt. Das ist das Beängstigende, daß die bequeme Einheit sich verteilt, daß man tatsächlich eine Empfindung dafür empfängt, man gehöre mehreren Welten an. Nun kann man die verschiedensten Gesichtspunkte geltend machen. Ich will heute einen besonderen Gesichtspunkt geltend machen, indem ich Sie noch hinweise auf das, was meinen letzten Vorträgen wiederholt zugrunde gelegt worden ist.

[ 10 ] I wanted to give a hint of what it really looks like when one enters the world of images of the spiritual-real; for what we appear to be in our everyday, physical consciousness is only an illusion, is only an inner core. But I will have to say right away that this is incorrect, because words are not easily coined for these significant facts, and what we appear to be is always with us when we are outside our bodies with our soul. That is why it is not correct to say: it is a core, because a fruit has the shell on the outside and what is valuable inside. But just as it is so often the reverse in the spiritual realm, so in human beings the valuable part is on the outside, and what is the shell is on the inside: the inner part is the shell-like aspect, and the spiritual is what can be described spatially as the shell-like aspect. One learns, when one walks the path into the spiritual world, that the human being is not a simple being, but a complex being. We have already sufficiently grasped that, through what they carry within themselves, human beings participate in all the worlds accessible to them. With our physical body, we belong to the physical world; with our soul, we belong to the soul world; with our spirit, to the spiritual world. We reach into the three worlds. We know that when a human being sets out on the path into the spiritual world, they indeed experience themselves as if in a kind of multiplication. This is what is frightening: that the comfortable unity dissolves, that one actually receives a sense of belonging to multiple worlds. Now, one can bring up the most diverse points of view. Today I wish to present a particular perspective by drawing your attention once more to what has repeatedly formed the basis of my recent lectures.

[ 11 ] Wenn wir das menschliche Leben nach innen hin anschauen, so müssen wir es uns gegliedert denken, und wenn wir heraustreten aus dem Leibe, so zeigt sich der Mensch wirklich in die vier Glieder auseinandergelegt. Da ist zunächst die Kraft, die unserer Erinnerung zugrunde liegt. In der Erinnerung lassen wir dasjenige auferstehen vor unserem Bewußtsein, was wir in früheren Zeiten schon erlebt haben. Diese Erinnerung bringt in unser Leben einen Zusammenhang hinein, so daß dieses Leben zwischen Geburt und Tod eine Einheit ist. Ein Zweites ist dann dasjenige, was wir unser Denken, was wir Vorstellen nennen. Ich kann hier diese Begriffe nicht weiter auseinandersetzen, darauf kommt es jetzt nicht an; aber was Vorstellungstätigkeit ist, ist das, was in der Gegenwart verläuft. Und wenn wir noch weiter vorrücken, so bekommen wir das Fühlen, und noch weiter das Wollen. Indem wir in uns hineinschauen, erscheint uns unser eigenes Innere als Erinnern, als Denken, als Fühlen, als Wollen. Nun können wir die Frage aufwerfen: was ist der wesentliche Unterschied zwischen diesen vier Verrichtungen der Seele? Die gewöhnliche Psychologie zählt diese Verrichtungen der Seele auf, und sie unterscheidet nicht weiter. Aber auf die Wahrheit kommt man erst dann, wenn man auf das Wesen dieser vier Seelenverrichtungen eingehen kann, und da kommt man darauf, daß das Wollen gewissermaßen das Baby unter unseren Seelentätigkeiten ist; das Fühlen ist schon älter, das Denken ist noch älter, und die Tätigkeit, die in der Erinnerung ausgeübt wird, ist der Greis, ist das Älteste unter unseren Seelentätigkeiten. Sie werden noch klarer das einsehen, wenn ich Ihnen den folgenden Gesichtspunkt geltend mache.

[ 11 ] When we look inward at human life, we must conceive of it as structured; and when we step outside the body, the human being truly reveals itself as divided into four parts. First, there is the power that underlies our memory. In memory, we bring to life before our consciousness what we have already experienced in earlier times. This memory brings coherence into our life, so that this life between birth and death is a unity. A second element is what we call our thinking, what we call a mental image. I cannot elaborate further on these concepts here; that is not what matters now; but what constitutes the activity of imagination is that which takes place in the present. And if we proceed further, we encounter feeling, and further still, willing. As we look within ourselves, our own inner life appears to us as memory, as thinking, as feeling, as willing. Now we can raise the question: what is the essential difference between these four activities of the soul? Ordinary psychology lists these activities of the soul and makes no further distinction. But one arrives at the truth only when one can delve into the nature of these four soul activities, and there one comes to the realization that willing is, so to speak, the baby among our soul activities; feeling is already older, thinking is even older, and the activity exercised in memory is the old man, the oldest among our soul activities. You will see this even more clearly when I present the following point of view to you.

[ 12 ] Wir haben wiederholt davon gesprochen, wie der Mensch sich nicht nur entwickelt hat auf der Erde, sondern wie dieser Entwickelung vorangegangen sind die alte Mondentwickelung, die alte Sonnenentwickelung und die alte Saturnentwickelung. Der Mensch ist nicht erst auf der Erde entstanden, er hat gebraucht, um das zu werden, was er jetzt ist, diese Entwickelung durch Saturn, Sonne und Mond hindurch. Nun sehen Sie, dasjenige, was wir in unserem Wollen entwickeln, so wie wir diesen Willen jetzt kennen, das ist Erdenprodukt für den Menschen, das ist eigentlich noch nicht einmal abgeschlossen in seiner Entwickelung, das ist vollständiges Erdenprodukt. Während der Mondentwickelung war der Mensch noch nicht ein selbständig wollendes Wesen; Engel haben für ihn gewollt. Das Wollen hat gleichsam erst eingestrahlt seit der Erdenentwickelung. Dagegen ist das Fühlen schon angeeignet worden während der Mondentwickelung, das Denken während der Sonnenentwickelung und die Erinnerung während der alten Saturnentwickelung. Und wenn Sie das, was ich jetzt sage, mit anderem zusammenbringen, was in der «Akasha-Chronik» und in der «Geheimwissenschaft» ausgedrückt ist, so wird sich Ihnen ein wichtiger Zusammenhang ergeben. Während der Saturnentwickelung ist die erste Anlage entstanden zum physischen Leib des Menschen, während der Sonnenentwickelung zum menschlichen Ätherleib, während der Mondentwickelung zum menschlichen Astralleib, und während der Erdenentwickelung bildet sich das menschliche Ich aus.

[ 12 ] We have spoken repeatedly about how human beings did not simply evolve on Earth, but how this evolution was preceded by the ancient lunar evolution, the ancient solar evolution, and the ancient Saturn evolution. Humanity did not first arise on Earth; to become what it is today, it required this evolution through Saturn, the Sun, and the Moon. Now you see, what we develop in our will, as we now understand this will, is an Earth product for humanity; it is not even yet complete in its development—it is a fully Earth-based product. During the Lunar stage, humanity was not yet an independently willing being; angels willed on its behalf. Willing, so to speak, only began to be instilled with the Earth stage. In contrast, feeling was already acquired during the Lunar evolution, thinking during the Solar evolution, and memory during the ancient Saturn evolution. And if you connect what I am saying now with other things expressed in the *Akasha Chronicle* and *The Secret Science*, an important connection will become clear to you. During the Saturn evolution, the first rudiments of the human physical body arose; during the Sun evolution, those of the human etheric body; during the Moon evolution, those of the human astral body; and during the Earth evolution, the human ego takes shape.

[ 13 ] Nun betrachten wir einmal für sich das, was wir die Erinnerungstätigkeit nennen. Was ist das Erinnern? In der Seele bleibt ebenso irgend etwas von dem Bilde eines Ereignisses, das wir durchlebt haben, wie in dem Buch, das wir lesen, etwas bleibt von dem, was der gedacht hat, der das Buch geschrieben hat. Wenn Sie ein Buch vor sich haben, so können Sie alles lesen, alles das denken — manchmal auch nicht, aber das rechne ich jetzt nicht —, was der gedacht hat, der das Buch geschrieben hat. Das Erinnern ist eine unterbewußte Lesetätigkeit; was bleibt, sind Zeichen, die der Ätherleib in den physischen Leib eingegraben hat. Wenn Sie vor Jahren ein Erlebnis gehabt haben, so haben Sie das, was in dem Erlebnis zu erfahren war, durchgemacht. Was bleibt, sind Eindrücke, die der Ätherleib in den physischen Leib hinein macht; und wenn Sie sich jetzt erinnern, so ist das Erinnern ein unterbewußtes Lesen.

[ 13 ] Now let us consider, in and of itself, what we call the act of remembering. What is remembering? Just as something of the image of an event we have experienced remains in the soul, so too does something remain in the book we are reading of what the author intended. When you have a book in front of you, you can read everything, think everything—sometimes not, but I won’t count that now—that the author of the book thought. Remembering is a subconscious act of reading; what remains are signs that the etheric body has imprinted on the physical body. If you had an experience years ago, you went through what was to be experienced in that event. What remains are impressions that the etheric body imprints into the physical body; and when you now remember, that act of remembering is a subconscious reading.

[ 14 ] Die geheimen Vorgänge, die im Organismus vor sich gehen, damit der Ätherleib die Zeichen eingraben kann, die der Erinnerung zugrunde liegen, die sind hineingebildet worden während der alten Saturnentwickelung. Es ist in der Tat so, daß wir in unserem Organismus eben diesen geheimen Saturnorganismus tragen; der lebt sich so aus, daß wir in ihm eine Wesenhaftigkeit sehen können, in welche der Ätherleib das einzutragen vermag in Zeichen, was er äußerlich an Erlebnissen hat, um es dann wieder herauszuholen in der Erinnerung. Daß der Mensch diese unterbewußte Schreibetätigkeit ausübt, das hat er im wesentlichen davon her, daß in seinen ersten sieben Lebensjahren der Körper, gerade dasjenige im physischen Leib, was die Einprägungen empfangen soll, noch geschmeidig ist. Deshalb soll man nicht, wie ich zum Beispiel in meiner Schrift über «Die Erziehung des Kindes» aufmerksam gemacht habe, das Kind dadurch malträtieren, daß man sein Gedächtnis ausbildet. In den ersten sieben Jahren handelt es sich darum, daß der geschmeidige Organismus seinen eigenen, elementaren Kräften überlassen bleibt, daß wir ihn da nicht malträtieren. Wir sollen daher dem Kinde möglichst viel erzählen, aber nicht einen allzu großen Wert darauf legen, daß das Kind jetzt schon künstlich das Gedächtnis ausbilden soll, sondern sich selbst überlassen bleibt in bezug auf die Gedächtnisausbildung. In dieser Weise wird Geisteswissenschaft für das pädagogische Leben von ungeheurer Wichtigkeit sein.

[ 14 ] The secret processes that take place within the organism, enabling the etheric body to imprint the signs that underlie memory, were formed during the ancient Saturn evolution. It is indeed the case that we carry within our organism precisely this secret Saturn organism; it manifests itself in such a way that we can perceive within it an essential quality into which the etheric body is able to inscribe, in the form of signs, the experiences it has externally, in order to then retrieve them again in memory. The fact that human beings engage in this subconscious recording activity is essentially due to the fact that during the first seven years of life, the body—specifically that part of the physical body intended to receive these imprints—is still malleable. That is why, as I pointed out, for example, in my essay on “The Education of the Child,” one should not mistreat the child by training its memory. During the first seven years, the aim is to allow the malleable organism to be left to its own elementary forces, so that we do not mistreat it in this regard. We should therefore tell the child as much as possible, but not place too much emphasis on the child having to artificially train their memory at this early stage; rather, they should be left to their own devices with regard to memory development. In this way, Spiritual Science will be of immense importance for educational life.

[ 15 ] Ebenso wie die Erinnerungsfähigkeit zu den ältesten Bestandteilen der Menschennatur gehört, so gehört die Tätigkeit, die dem Denken zugrunde liegt, zu dem, was man das auf der Sonne Gebildete nennen kann. Das ist verhältnismäßig auch alt. Die Sonnenkräfte enthalten das, was im Menschen den ätherischen Leib so organisiert, daß er diese eigentümliche Tätigkeit des Denkens, des Vorstellens ausüben kann. Sie sehen daraus, daß man weit, weit in den Kosmos zurückgreifen muß, wenn man die Frage beantworten will: warum kann der Mensch sich erinnern, und warum kann er denken? Man muß zurückgreifen bis in die Saturn- und Sonnenentwickelung.

[ 15 ] Just as the capacity for memory is one of the oldest components of human nature, so the activity that underlies thinking belongs to what might be called that which is formed in the Sun. This, too, is relatively ancient. The solar forces contain that which organizes the etheric body in human beings in such a way that it can perform this unique activity of thinking and creating mental images. You can see from this that one must reach far, far back into the cosmos if one wants to answer the question: why can human beings remember, and why can they think? One must go back as far as the Saturn and Sun stages of development.

[ 16 ] Wenn man die Gefühlstätigkeit des Menschen ins Auge faßt, braucht man nur zurückzugreifen bis zur Mondentwickelung und bei der Willenstätigkeit bis zur Erdenentwickelung. Sie werden dadurch manches verstehen. Menschen, welche ganz besonders geprägt sind von ihren früheren Inkarnationen her, nicht geschmeidig sind, sondern scharf geprägt sind, bei denen wird sich viel hineinpressen in den Organismus. Es werden Menschen sein, die ein fast automatisches Gedächtnis haben, aber produktiv werden sie nicht viel aus ihrem Denken heraus entwickeln. Während Sie also vorzugsweise mit dem physischen Leib zusammenbringen müssen die Erinnerungstätigkeit des Menschen, mit dem ätherischen Leib die Denktätigkeit, mit dem astralischen Leib die Gefühlstätigkeit des Menschen, werden Sie daher mit dem Ich zusammenbringen müssen vorzugsweise die Willenstätigkeit des Menschen. Der Mensch sagt nur dadurch zu sich Ich, daß er ein Willenswesen ist. Wenn er nur denken würde, so würde das Leben doch nur wie ein Traum ablaufen. Nun sind wir auf diese Weise, ich möchte sagen, ein organischer Zusammenhang von inneren Seelenbetätigungen, die sich im Laufe der Entwickelung in unser Seelenwesen hineingeprägt haben. Ich sagte mit Bezug auf unser Wollen, es habe sich erst während der Erdenentwickelung herausgebildet, auf dem Monde haben noch die geistigen höheren Hierarchien für den Menschen gewollt, die Angeloi. Dadurch war das ganze Wollen des Menschen während der Mondentwickelung ein solches, daß man, wenn man es wiederum in das hellseherische Bewußtsein zurückruft, zwar eine höhere Stufe erblickt, aber doch ein unwillkürliches Wollen beim Menschen, wie wir auf der Erde es bei der Tierentwickelung haben. Das Tier folgt notwendig dem, was in ihm kocht und brodelt, es ist in dem gemeinsamen Willen seiner Gattungswesenheit darinnen.

[ 16 ] When considering human emotional activity, one need only go back to the lunar stage of development; for volitional activity, one need only go back to the terrestrial stage of development. This will help you understand many things. People who are particularly shaped by their past incarnations—who are not flexible but sharply defined—will have a great deal pressed into their organism. These will be people who have an almost automatic memory, but they will not develop much of their thinking productively. So while you must primarily associate human memory with the physical body, thinking with the etheric body, and feeling with the astral body, you will therefore have to associate human volition primarily with the I. It is only because the human being is a being of will that he can say “I” to himself. If he were to think only, life would still unfold like a dream. Now we are, in this way, I would say, an organic interconnection of inner soul activities that have imprinted themselves upon our soul being in the course of evolution. I said, with regard to our volition, that it only emerged during Earth’s evolution; on the Moon, the higher spiritual hierarchies—the Angeloi—still willed on behalf of humanity. Consequently, the entire will of humanity during the lunar evolution was such that, when one recalls it into clairvoyant consciousness, one does indeed perceive a higher level, yet it remains an involuntary will in humanity, much like what we observe in animal evolution on Earth. The animal necessarily follows what boils and bubbles within it; it is within the collective will of its species.

[ 17 ] Wie während der Mondentwickelung geistige Wesen höherer Art, also die Angeloi, für uns gewollt haben, so wirken jetzt die geistigen Wesen höherer Art, indem sie unser Karma von einer Inkarnation zur anderen bestimmen. Nicht in unserem Willen wirken die Angeloi, wohl aber wirken sie im fortgehenden Strom unseres Karma. Geradeso wie der Mensch der Mondentwickelung den Willen nicht als den seinen gefühlt hat, sondern als den des Engels, so leben wir nicht als Menschen der Erde in der Meinung, daß wir unser Karma machen: geregelt wird es von den Geistern der höheren Hierarchien. Nur dann, wenn unser Wille gewissermaßen einmal schweigen kann, dann kann es vorkommen, daß etwas durchscheint auch für das nicht hellseherisch gewordene Bewußtsein von dem, was sonst verborgen bleibt von dem Gang des Karma.

[ 17 ] Just as during the lunar evolution spiritual beings of a higher order—that is, the angels—acted on our behalf, so now these spiritual beings of a higher order are at work, determining our karma from one incarnation to the next. The angels do not act upon our will, but they do act within the ongoing stream of our karma. Just as human beings during the lunar evolution did not feel the will as their own, but as that of the angel, so we, as human beings of the Earth, do not live in the belief that we create our own karma: it is governed by the spirits of the higher hierarchies. Only when our will can, so to speak, fall silent for a moment, can it happen that something shines through—even to a consciousness that has not become clairvoyant—of what otherwise remains hidden from the course of karma.

[ 18 ] Halten Sie das fest, was ich ausgeführt habe, daß sich im Menschen ein Kern bildet, der durch die Pforte des Todes in das geistige ' Reich eingeht: dieser Kern ist der Träger unseres Karma. Was jeder von uns morgen tun wird, das ist karmisch schon heute in ihm bestimmt. Wir könnten, wenn wir nicht auf der Erde die Aufgabe hätten, den Willen zu entwickeln, unser Karma durchschauen. Wir würden es so weit durchschauen können, daß wir unter Umständen für die nächste Zeit unser Leben voraussehen könnten. Aber indem in den karmischen Strom der Wille hineinschlägt, verdunkelt uns der den Ausblick auf das, was mit uns, sagen wir, am nächsten Tage geschieht. Nur dann, wenn der Wille vollständig schweigt, dann kann es sein, daß etwas durchblickt von dem, was nicht durch uns, sondern mit uns geschieht. Ein Beispiel will ich dafür anführen, das von Erasmus Francisci erzählt wird und auf Wahrheit beruht. Erasmus Francisci wohnte als junger Mensch bei seiner Tante; und da träumte ihm einmal, daß ein Mann, dessen Name ihm auch im Traume zugerufen wurde, auf ihn schießen werde, aber er werde nicht erschossen, sondern seine Tante werde ihm das Leben retten. So träumte er. Am nächsten Tage, bevor irgend etwas geschehen war, erzählte er den Traum seiner Tante. Diese beunruhigte sich sehr über diesen Traum, sagte ihm, daß ganz kürzlich erst wirklich jemand in ihrer Nachbarschaft erschossen worden sei, und riet ihrem Neffen dringend, lieber zu Hause zu bleiben, damit ihm nichts zustoße. Sie gab ihm noch den Schlüssel zur Apfelkammer, damit er jederzeit hinaufgehen könne, sich Äpfel zu holen. Er ging nun zu seiner Stube hinauf und setzte sich an seinen Tisch, um etwas zu lesen. Das, was er da gelesen hatte, war jedoch etwas, was ihn in diesem Momente weniger interessierte als der Schlüssel zur Apfelkammer in seiner Tasche, den ihm seine Tante gegeben hatte. Er entschloß sich, hinaufzugehen zur Kammer. Kaum war er aber aufgestanden, als ein Schuß krachte, der gerade so gerichtet war, daf3 die Kugel die Stelle traf, an der sein Kopf sich befunden hatte, während er las. Wäre er nicht aufgestanden, so wäre die Kugel mitten durch ihn durchgegangen. Der Diener des benachbarten Hauses, dessen Name tatsächlich so lautete, wie er dem Frasmus Francisci im Traum zugerufen worden war, und der ihm unbekannt war, dieser Diener wußte nicht, daß die zwei Gewehre, die er zu behandeln hatte, geladen waren, und als er anfing herumzuhantieren, ging das Gewehr los, und wäre Francisci nicht in jenem Augenblick aufgestanden, um zur Apfelkammer zu gehen, deren Schlüssel ihm seine Tante gegeben hatte, wäre er unfehlbar erschossen worden. Der Traum ist also absolut eine Wiedergabe desjenigen, was sich am nächsten Tage abgespielt hat.

[ 18 ] Keep in mind what I have explained: that a core forms within the human being which passes through the gate of death into the spiritual realm; this core is the bearer of our karma. What each of us will do tomorrow is already karmically determined within us today. If we did not have the task on Earth of developing the will, we could see through our karma. We would be able to perceive it to such an extent that, under certain circumstances, we might foresee our lives for the time to come. But as the will strikes into the karmic stream, it obscures our view of what will happen to us, let us say, the next day. Only when the will is completely silent can we perhaps glimpse something of what happens not through us, but with us. I would like to cite an example of this, which is told by Erasmus Francisci and is based on truth. As a young man, Erasmus Francisci lived with his aunt; and once he dreamed that a man, whose name was also called out to him in the dream, would shoot at him, but he would not be shot; rather, his aunt would save his life. That is what he dreamed. The next day, before anything had happened, he told his aunt about the dream. She was very alarmed by this dream, told him that just recently someone in their neighborhood had actually been shot, and strongly advised her nephew to stay home so that nothing would happen to him. She also gave him the key to the apple pantry so that he could go up at any time to get apples. He went up to his room and sat down at his desk to read. What he was reading, however, was something that interested him less at that moment than the key to the apple pantry in his pocket, which his aunt had given him. He decided to go up to the pantry. But no sooner had he stood up than a shot rang out, aimed so precisely that the bullet struck the spot where his head had been while he was reading. Had he not stood up, the bullet would have gone right through him. The servant of the neighboring house, whose name was indeed the same as the one called out to Frasmus Francisci in the dream, and who was unknown to him—this servant did not know that the two rifles he was handling were loaded, and as he began to fiddle with them, the rifle went off, and had Francisci not stood up at that very moment to go to the apple pantry, the key to which his aunt had given him, he would undoubtedly have been shot. The dream is thus an exact reproduction of what took place the very next day.

[ 19 ] Sie sehen, hier liegt ein Ergebnis vor, von dem wir sagen können, daß bei demselben der Wille gar nichts zu tun hat, denn mit dem Willen konnte Francisci nichts tun; er konnte sich nicht selber schützen, es brach etwas herein, das in das Karma des Menschen so hineinfällt, daß der Mensch weiterleben sollte. Da war es so, daß der das Karma bewirkende Geist schon den rettenden Gedanken hatte. Es ist der Traum die Voraussicht des das Karma lenkenden Geistes, der hinschaut auf das, was am nächsten Tage geschieht, und weil bei diesem jungen Menschen eine solche Seelenanlage da war, daß gleichsam durch natürliche Meditation die Seele schon eine bestimmte Vertiefung erfahren hatte, trat dadurch etwas ein, was ich vergleichen könnte mit etwas im äußeren Leben. Nicht wahr, der Mensch ist ja nur im eingeschränkten Maße ein Prophet in bezug auf das äußere irdische Leben. In gewissem Sinne sind wir alle Propheten, denn Sie alle wissen, daß es morgen zu einer bestimmten Zeit hell werden wird und so weiter, oder daß jemand, der heute übers Feld geht, voraussagen kann, wie es morgen über diesem Felde aussehen wird; aber was er nicht voraussehen wird, ist, ob es zum Beispiel morgen regnen wird auf diesem Felde und so weiter. So ist es auch mit Bezug auf das Innere. Der Mensch lebt gemäß seinem Willen, und das Karma steckt in diesem Willen darinnen. Wie man sich aneignen kann eine empfindende Erkenntnis für das Nächste, so kann bei gewissen Menschen, die eine innere Vertiefung der Seele erleben, ein solcher Lichtpunkt für das Innere gerade für diejenigen Ereignisse eintreten, wo der Wille zu schweigen hat. Für das Studium der Geisteswissenschaft ist es wichtig, manchmal den Blick auf solche Dinge hinzuwerfen, weil es uns zeigt, wie im Menscheninnern durchaus etwas lebt, was in die Zukunft hineinweist und was der Mensch nicht überschauen kann mit dem gewöhnlichen Bewußtsein. Durch den schweigenden Willen kommt das Karma durch.

[ 19 ] You see, here we have a result about which we can say that the will had absolutely nothing to do with it, for Francisci could do nothing with his will; he could not protect himself; something came upon him that fell into the person’s karma in such a way that the person was meant to continue living. In this case, the spirit bringing about the karma already had the saving thought. The dream is the foresight of the spirit guiding the karma, which looks ahead to what will happen the next day; and because this young person possessed a certain spiritual disposition—such that, through a kind of natural meditation, the soul had already experienced a certain deepening—something occurred as a result that I could compare to something in external life. Isn’t it true that human beings are only prophets to a limited extent with regard to external earthly life? In a certain sense, we are all prophets, for you all know that it will become light at a certain time tomorrow and so on, or that someone walking across a field today can predict what it will look like over that field tomorrow; but what he will not foresee is, for example, whether it will rain on that field tomorrow and so on. So it is also with regard to the inner life. Human beings live according to their will, and karma is embedded within that will. Just as one can acquire a sensory insight into the immediate future, so too can a certain inner light emerge for those who experience a deepening of the soul—precisely for those events where the will must remain silent. For the study of Spiritual Science, it is important to occasionally cast one’s gaze upon such things, because it shows us how something certainly lives within the human being that points toward the future and that the human being cannot grasp with ordinary consciousness. Through the silent will, karma comes through.

[ 20 ] Alle die Dinge, die uns auf diese Weise durch die geisteswissenschaftliche Forschung vor die Seele treten können, sind geeignet, uns zu zeigen, wie das, was man die große Täuschung nennt, vorzugsweise darin besteht, daß der Mensch mit seinem gewöhnlichen Bewußtsein nicht überschauen kann das, was er ist: daß der Mensch der ganzen Welt angehört, während durch das gewöhnliche Bewußtsein ihm eigentlich nur die Schale wie eingeschlossen gezeigt wird innerhalb der Haut und so weiter. Aber was da innerhalb dieser Eingeschlossenheit ihm gezeigt wird, ist nur ein Ausschnitt dessen, was der Mensch in Wahrheit ist, und das ist so groß wie die Welt. Und eigentlich schauen wir auf unseren Menschen schon im gewöhnlichen Leben von außen zurück. Wir können uns, wenn wir uns solche Dinge klar zum Bewußtsein bringen, ein Gefühl allmählich aneignen, wie das im Menschen vorhanden ist, was man den Ätherleib des Menschen nennt. Und wirklich, schon im gewöhnlichen Leben lassen sich Beobachtungen anstellen, welche uns zeigen, wie wenigstens dieser zweite Mensch, der ätherische Mensch im physischen Menschen darinnensteckt; nur müssen wir das Leben feiner beobachten, als es gewöhnlich beobachtet wird. Denken Sie sich einmal, Sie liegen morgens so recht faul im Bett, sind noch gar nicht geneigt aufzustehen, sondern Sie möchten liegen bleiben, und es kommt Sie schwer an, den Entschluß zu fassen, aufzustehen. Wenn Sie das nur zu Hilfe nehmen, was in Ihnen ist, so kommt es Sie schwer an, aufzustehen. Denken Sie aber, es fiele Ihnen ein, daß in dem anderen Zimmer etwas liegen könnte, was Sie seit ein paar Tagen erwarten. Es tritt ein Gedanke an etwas auf, was draußen ist: da werden Sie sehen, daß dieser Gedanke ein kleines Wunder wirken kann. Sie werden sehen, daß, wenn Sie sich diesem Gedanken etwas hingeben, Sie sogar herausspringen aus dem Bett! Was ist da geschehen? Indem Sie aufwachend untergetaucht sind in den physischen Leib, empfinden Sie das, was der physische Leib Sie empfinden läßt — das ist nicht geeignet, den Aufstehegedanken in Ihnen zu erzeugen; der Ätherleib ist in eine selbständige Verrichtung gekommen, da Sie ihn durch etwas Auswärtiges engagiert haben: da können Sie in der Tat sehen, wie Sie ihrem physischen Leib den ätherischen Leib entgegengestellt haben, und wie der Ätherleib Sie faßt und heraushebt aus dem Bett. Man kommt zu einem ganz besummten Gefühl gegenüber sich selbst, nämlich zu dem Gefühl, zuzuschauen und zu unterscheiden zwischen zwei Arten von menschlichen Verrichtungen, die man durchmacht. Es sind die Verrichtungen, die man im gewöhnlichen Trödel des Lebens tut, und solche Verrichtungen, bei denen man spürt, daß innere Aktivität sich geltend macht. Das sind feinere Beobachtungen, die man natürlich, wenn man will, immer ableugnen kann. Man muß seine Beobachtungen dem Leben anpassen und das Leben wirklich durchschauen in der Art, wie es sich stellt: dann wird das ganze Empfinden des Menschen in die rechte Richtung gedrängt. Man muß sich klar sein, daß der Weg in die geistige Welt hinein nicht auf einmal geschehen kann, sondern allmählich aus der Welt herausführt und wir so aufsteigen zu dem, was ich eben angeführt habe, wo für uns das, was uns früher Welt war, sein Totes verliert und selbst zu einer Wesenheit wird.

[ 20 ] All the things that can come to our attention in this way through Spiritual Science research are capable of showing us how what is called the “great delusion” consists primarily in the fact that human beings, with their ordinary consciousness, cannot grasp what they truly are: that human beings belong to the whole world, whereas ordinary consciousness actually shows them only the shell, as if enclosed within the skin and so on. But what is shown to them within this enclosure is only a fragment of what human beings truly are, and that is as vast as the world. And in fact, even in ordinary life, we look back at our human beings from the outside. If we bring such things clearly to our consciousness, we can gradually acquire a sense of how what is called the human etheric body is present within the human being. And indeed, even in ordinary life, observations can be made that show us how at least this second human being, the etheric human, is contained within the physical human; we just have to observe life more closely than is usually done. Imagine, for instance, that you are lying in bed in the morning, feeling quite lazy, not at all inclined to get up, but wanting to stay in bed, and it is difficult for you to make the decision to get up. If you rely solely on what is within you, it is difficult for you to get up. But suppose it occurs to you that there might be something in the other room that you’ve been expecting for a few days. A thought arises about something outside: then you will see that this thought can work a small miracle. You will see that, if you give yourself over to this thought a little, you will even jump out of bed! What has happened here? As you wake up and become immersed in the physical body, you feel what the physical body makes you feel—this is not conducive to generating the thought of getting up within you; the etheric body has begun an independent activity because you have engaged it through something external: there you can indeed see how you have set your etheric body against your physical body, and how the etheric body grasps you and lifts you out of bed. One arrives at a quite distinct sense of oneself, namely the sense of observing and distinguishing between two kinds of human activities one undergoes. These are the activities one performs in the ordinary drudgery of life, and those activities in which one senses that inner activity is asserting itself. These are finer observations that one can, of course, always deny if one wishes. One must adapt one’s observations to life and truly see through life as it presents itself: then the whole of human feeling is directed in the right direction. One must be clear that the path into the spiritual world cannot happen all at once, but rather leads out of the world gradually, and thus we ascend to what I have just mentioned, where for us that which was formerly the world loses its deadness and becomes a being in itself.

[ 21 ] Auf diese Weise wächst der Mensch erkennend mit der geistigen Welt zusammen. Er wächst zusammen mit demjenigen, von dem wir sagen können, daß es seinTeil ist, wenn er von sich abgelegt hat das, was er durch das Instrument des physischen Leibes hat und was im wesentlichen sein Leben ist zwischen Geburt und Tod. Wir wachsen, indem wir durch die Todespforte schreiten, hinein in die Welt, die sehr ähnlich ist derjenigen, von der jetzt eben gesprochen worden ist als der, die sich der höheren Erkenntnis ergibt. Und dann merken wir das eine unendlich Wichtige: Wir brauchen in dieser Welt, die wir betreten, wenn wir durch die Pforte des Todes schreiten, wenn wir in diese Welt uns in der richtigen Weise einleben wollen — so, wie wir in einem finsteren Zimmer, um es zu erhellen, ein Licht brauchen —, wir brauchen dort dasjenige, was wir im intimsten Innengrunde unserer Seele hier auf der Erde entwikkeln können. Das Erdenleben ist nicht etwas, was wir bloß als ein Gefängnis, als einen Kerker zu betrachten haben. Gewiß, es gehört zum naturgemäßen Fortgang der Entwickelung, daß der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet. Leben kann der Mensch selbstverständlich in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt; aber das Gesamtleben ist dazu da, daß jeder Teil von uns etwas Notwendiges, etwas Neues hinzugibt, und, indem wir durch diesen Zyklus hindurchgehen, der jetzt da ist, soll uns das Leben hier dasjenige geben, was wie eine Fackel sich entzündet, wodurch wir nicht nur leben in diesem Leben des Geistes, sondern wodurch wir erkennen und dieses Leben durchleuchtend leben. Das Licht, das uns erleuchtet, das ist dasjenige, was von uns gleichsam als das Bleibende erobert wird zwischen Geburt und Tod für das Leben zwischen Tod und neuer Geburt.

[ 21 ] In this way, the human being grows together with the spiritual world through insight. He grows together with that which we can say is his own, once he has shed what he possesses through the instrument of the physical body—and which essentially constitutes his life between birth and death. We grow by passing through the gate of death, into the world that is very similar to the one just described as the one that yields to higher knowledge. And then we realize the one infinitely important thing: In this world we enter when we pass through the gate of death, if we wish to settle into this world in the right way—just as we need a light to illuminate a dark room—we need there that which we can develop here on Earth in the innermost depths of our soul. Earthly life is not something we need to regard merely as a prison, as a dungeon. Certainly, it is part of the natural course of development that human beings pass through the gate of death. Of course, human beings can live in the life between death and new birth; but the whole of life exists so that every part of us may contribute something necessary, something new, and as we pass through this cycle that is now here, life here is meant to give us that which ignites like a torch, through which we not only live in this life of the spirit, but through which we recognize and live this life with clarity. The light that illuminates us is that which is, as it were, conquered by us as the enduring element between birth and death for the life between death and new birth.

[ 22 ] Das ist es, wovon immer gesagt werden soll, daß gerade in unserer Zeit möglichst viele Menschen es begreifen sollen: daß für das geistige Leben wie eine erleuchtende Flamme dasjenige sein muß, was man hier von der geistigen Welt begreift in der physischen Welt, im physischen Leib. In gewisser Beziehung sollte gerade alles das Schwierige, was in der Gegenwart der entwickeltste Teil der Menschheit durchzumachen hat, eine Mahnung sein zur Vertiefung des seelischen Lebens, und es muß das sein, daß aus den Tiefen der menschlichen Seele herausgeholt wird eine Sehnsucht nach den Welten, denen der Mensch als Seele angehört. Möge in der Zeit, in der wir jetzt leben, vorbereitet werden jene Sehnsucht, wodurch jede Seele sich sagt: der Mensch ist noch etwas ganz anderes, als was er uns erscheint dadurch, daß er von einem Leibe umkleidet ist. Möge das, was erlebt wird, als eine Mahnung dastehen für die Vertiefung, für die Versenkung der Seele zum geistigen Empfinden, zum geistigen Sehen. Und auch wiederum aus diesem Bewußtsein der Notwendigkeit geisteswissenschaftlicher Vertiefung in unserer Zeit und aus dem Bewußtsein, daß die Schwierigkeit unserer Zeit eine Mahnung sein soll, soll auch heute geschlossen werden mit dem, womit wir immer geschlossen haben, bevor wir auseinandergehen. Hoffentlich werden wir diese Betrachtungen in nicht allzu ferner Zeit wiederum hier fortsetzen können, heute seien sie beschlossen mit den Worten:

[ 22 ] This is what must always be emphasized, especially in our time, so that as many people as possible may come to understand it: that for spiritual life, what one comprehends here in the physical world, in the physical body, from the spiritual world must be like an illuminating flame. In a certain sense, all the difficulties that the most developed segment of humanity must currently endure should serve as a reminder to deepen the life of the soul, and it must be that a longing for the worlds to which the human being belongs as a soul is drawn forth from the depths of the human soul. May that longing be prepared in the time in which we now live, through which every soul says to itself: human beings are something quite different from what they appear to us to be because they are clothed in a body. May what is experienced stand as a reminder for deepening, for the soul’s immersion into spiritual feeling, into spiritual seeing. And again, out of this awareness of the necessity for deepening in Spiritual Science in our time, and out of the awareness that the difficulty of our time is meant to be a warning, let us conclude today with what we have always concluded with before parting. Hopefully we will be able to continue these reflections here again in the not-too-distant future; today let them be concluded with the words:

Aus dem Mut der Kämpfer,
Aus dem Blut der Schlachten,
Aus dem Leid Verlassener,
Aus des Volkes Opfertaten
Wird erwachsen Geistesfrucht —
Lenken Seelen geistbewußt
Ihren Sinn ins Geisterreich.

From the courage of the fighters,
From the blood of the battles,
From the suffering of the forsaken,
From the sacrifices of the people
The fruit of the spirit grows—
Guiding souls with spiritual awareness
Toward the realm of the spirit.