The Connection Between Man
and the Elemental World
GA 158
15 November 1914, Dornach
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The Connection Between Man and the Elemental World, tr. SOL
Dritter Vortrag
Third Lecture
[ 1 ] Inwiefern die Erde selbst ein Inspirator ist für die Menschen, die auf der Erde leben, davon haben wir gestern wenigstens in einigen Andeutungen gesprochen, denn nur Andeutungen können selbstverständlich in einem Gebiete gegeben werden, das so umfassend wie nur irgend möglich ist.
[ 1 ] We touched on the extent to which the Earth itself serves as a source of inspiration for the people who live on it, at least in a few hints, because, of course, only hints can be offered in a field that is as vast as can be.
[ 2 ] Wichtig, bedeutungsvoll ist es gerade in unserer Zeit, sich bewußt zu werden, daß solche Zusammenhänge existieren, wie die sind, von denen wir gesprochen haben, denn der Mensch innerhalb der Erdenentwickelung ist gerade in unserer Gegenwart auf dem Punkte, sich gewissermaßen wieder zu emanzipieren von diesem Erdeinfluß, gewissermaßen wiederum sich durchdringen zu lassen von denjenigen Einflüssen, die nicht aus der Erdenwelt, sondern aus der die Erde umgebenden geistigen Welt kommen.
[ 2 ] It is particularly important and significant in our time to become aware that such connections exist as those we have spoken of, for humanity, within the course of Earth’s evolution, is currently at the point of, so to speak, emancipating itself once more from this earthly influence, and, in a sense, allowing itself to be permeated once again by those influences that come not from the earthly world, but from the spiritual world surrounding the Earth.
[ 3 ] Dieses Bestreben, gleichsam in die menschlichen Fähigkeiten, in das menschliche Denken und Empfinden hereinzubekommen dasjenige, was nicht bloß irdisch ist, liegt zugrunde unserem geisteswissenschaftlichen Streben. Nach diesem geisteswissenschaftlichen Bestreben geht wirklich alle Tendenz der modernen Bildung hin, und man darf wohl sagen, zwei Dinge sind es, die immer mehr und mehr dem Menschen der Gegenwart zum Bewußtsein kommen müssen.
[ 3 ] This endeavor to penetrate, as it were, into human faculties, into human thought and feeling, that which is not merely earthly, lies at the foundation of our Spiritual Science endeavor. All trends in modern education are indeed moving toward this endeavor in Spiritual Science, and it is fair to say that there are two things that must increasingly come to the consciousness of people today.
[ 4 ] Das eine ist, daß der Mensch in bezug auf seine eigene seelische Wesenheit einer Welt angehört, die sich nicht für die äußeren Sinne enthüllt, sondern die erst hinter der äußeren Sinneswelt liegt, daß der Mensch einer solchen Welt angehört mit seinem innersten Seelenwesen, zu der man weder durch Sinnesbeobachtung kommen kann noch auch durch Schlüsse und die Logik, die sich auf die Sinnesbeobachtung gründen. Es wird die Aufgabe unserer Zeit sein, über diesen Punkt sich Klarheit zu verschaffen, daß alles Wissen, welches die äußeren Sinne vermitteln und ihre Philosophie, die sich nur gründet auf das äußere Sinneswissen, nicht herankommen können an dasjenige, was die menschliche Seele eigentlich ist.
[ 4 ] The first is that, in terms of his own spiritual nature, a human being belongs to a world that is not revealed to the external senses, but lies beyond the external sensory world; that human beings belong to such a world with their innermost soul being, a world that can be reached neither through sensory observation nor through conclusions and logic based on sensory observation. It will be the task of our time to gain clarity on this point: that all knowledge conveyed by the external senses, and the philosophy based solely on external sensory knowledge, cannot approach what the human soul actually is.
[ 5 ] Das zweite ist eine Wahrheit, die Ihnen aus Ihrem geisteswissenschaftlichen Leben heraus geläufig ist, von der Sie aber wissen, daß sie dem allgemeinen Bewußtsein der Gegenwart noch ganz fern steht. Es ist die wichtige Wahrheit von den wiederholten Erdenleben, davon, daß des Menschen Seele sich nicht erschöpft in dem Leibe, in dem sie lebt zwischen Geburt und Tod, in alledem, was mit diesem Leibe zusammenhängt, sondern daß sie von Leben zu Leben geht.
[ 5 ] The second is a truth that is familiar to you from your life in Spiritual Science, but which you know is still far removed from the general consciousness of the present day. It is the important truth of repeated earthly lives, that the human soul is not confined to the body in which it lives between birth and death, to all that is connected with this body, but that it passes from life to life.
[ 6 ] Weil diese beiden Wahrheiten, daß die Seele einer Welt angehört, die hinter der Sinneswelt liegt, und daß sie von Leben zu Leben geht, zu den allerwichtigsten für unsere Zeit gehören, die zunächst begriffen werden müssen, deshalb habe ich im zweiten Bande meiner «Rätsel der Philosophie» ein Kapitel angefügt, in dem aus dem Entwickelungsgang der Menschheit selber gerade auf diese beiden Wahrheiten in intensiver Weise hingedeutet wird, denn das ist ein dringendes Erfordernis unserer Zeit, daß immer mehr und mehr Menschen gerade diese beiden Wahrheiten begreifen lernen.
[ 6 ] Because these two truths—that the soul belongs to a world that lies beyond the sensory world, and that it passes from life to life—are among the most important for our time and must be understood first and foremost, I have therefore included a chapter in the second volume of my Riddles of Philosophy in which the very course of human development points intensely toward these two truths, for it is an urgent necessity of our time that more and more people learn to grasp precisely these two truths.
[ 7 ] Da dieses Buch «Die Rätsel der Philosophie» ein solches ist, das sich nicht speziell an Anthroposophen wendet, sondern an alle Menschen, die lesen und Gelesenes verstehen können, so mußte versucht werden, in Kürze, aber so scharf als möglich, auf diese beiden Wahrheiten hinzudeuten. Man darf sagen, es liegt im tieferen Bewußtsein der Menschen der neueren Zeit, nach diesen Wahrheiten hin ihre Gedanken zu richten. Ich will zunächst nur sagen, ihre Gedanken zu richten. Wir können überall solche Tendenzen, die Gedanken nach diesen Wahrheiten zu richten, bemerken. Ich habe manchmal versucht, aus der neuen Geistesgeschichte Menschen anzuführen, welche nach solchen Wahrheiten hin tendieren. Ich möchte heute noch ein Beispiel anführen.
[ 7 ] Since this book, The Riddles of Philosophy, is not intended specifically for anthroposophists but for all people who can read and understand what they read, an attempt had to be made to point out these two truths briefly but as clearly as possible. One might say that it lies in the deeper consciousness of people in modern times to direct their thoughts toward these truths. For now, I will simply say: to direct their thoughts. We can observe such tendencies—to direct thoughts toward these truths—everywhere. I have sometimes attempted to cite figures from recent intellectual history who tend toward such truths. Today I would like to cite one more example.
[ 8 ] Einer der größten Geister des 19. Jahrhunderts ist ohne Zweifel Emerson,der so bedeutsam eindringlich, wenn auch nicht in pedantisch-philosophischer Sprache, so doch in einer eindringlichen Sprache geschrieben hat. Emerson weist überall, ob er über die Natur spricht oder über das Menschengeschlecht, darauf hin, daß das äußere Gefüge der Welt, welches der Mensch mit seinen Sinnen überschaut und mit dem Verstande begreift, nur die Hülle, die Phantasmagorie ist, und daß man zu der Wahrheit nur kommt, wenn man hinter die Phantasmagorie versucht einzudringen.
[ 8 ] One of the greatest minds of the 19th century is undoubtedly Emerson, who wrote with such profound forcefulness—not in pedantic philosophical language, but in a language that is nonetheless compelling. Emerson points out everywhere—whether he is speaking of nature or of the human race—that the external structure of the world, which man surveys with his senses and comprehends with his intellect, is merely the shell, the phantasmagoria, and that one arrives at the truth only by attempting to penetrate beyond the phantasmagoria.
[ 9 ] Aber solche Geister wie Emerson gehen noch weiter. Und davon möchte ich ein Beispiel geben. Emerson hat unter seinen sehr bedeutsamen Büchern auch eines geschrieben, welches heißt «Die Repräsentanten des Menschengeschlechtes». In diesem Buche hat er behandelt Plato als Repräsentanten alles philosophischen Menschheitsstrebens; Swedenborg als Repräsentanten des mystischen Menschheitsstrebens; Montaigne, einen bedeutsamen Geist des 16. Jahrhunderts, als Repräsentanten des Skeptizismus; Shakespeare als Repräsentanten des dichterischen Vermögens; Goethe als Repräsentanten des schriftstellerischen Vermögens und Napoleon als den Tatenmenschen, als den Repräsentanten des Menschen der Tat.
[ 9 ] But thinkers like Emerson go even further. And I would like to give an example of this. Among his many significant works, Emerson also wrote a book titled The Representatives of the Human Race. In this book, he discusses Plato as the representative of all philosophical human endeavors; Swedenborg as the representative of humanity’s mystical aspirations; Montaigne, a significant thinker of the 16th century, as the representative of skepticism; Shakespeare as the representative of poetic talent; Goethe as the representative of literary talent; and Napoleon as the man of action, as the representative of the man of deeds.
[ 10 ] Mit diesem Buche ist allerdings etwas Bedeutsames getan. Es sind herausgehoben die Typen des Menschentums in bezug auf das Seelenleben. Es würde eine interessante Betrachtung abgeben, wenn man beleuchten würde, wie in der Tat das Repräsentative des philosophischen Strebens in Plato, das Repräsentative des skeptischen Strebens in Montaigne getroffen ist. Dieses Buch bedeutet eine der größten Taten des geistigen Menschheitsstrebens. Nun widmet Emerson merkwürdigerweise Montaigne, ich möchte sagen, eine ganz besonders liebevolle Darstellung, obwohl gerade diese liebevolle Darstellung einem erst entgegentritt, wenn man sich gründlich genug auf dieses Kapitel über Montaigne einläßt. Das ist auch wieder sehr bedeutungsvoll für das Hintendieren Emersons zur geisteswissenschaftlichen Weltauffassung. Derjenige, der sich auf diese Weltauffassung im Ernste einläßt, wird gewahr, wie wirklich jedes Ding zwei Seiten hat, wie, wenn man versucht, eine Wahrheit auszusprechen, man nur etwas Einseitiges sagen kann und die zweite Seite gleichsam im Hintergrunde lauern muß.
[ 10 ] This book, however, has achieved something significant. It highlights the archetypes of humanity in relation to the life of the soul. It would be an interesting exercise to examine how the representative aspects of philosophical striving in Plato and the representative aspects of skeptical striving in Montaigne are indeed captured. This book represents one of the greatest achievements of humanity’s intellectual striving. Now, curiously enough, Emerson devotes to Montaigne—I would say—a particularly affectionate portrayal, although it is precisely this affectionate portrayal that only becomes apparent once one engages deeply enough with this chapter on Montaigne. This, too, is highly significant for Emerson’s underlying orientation toward Spiritual Science. Anyone who seriously engages with this worldview will realize how truly every thing has two sides, how, when one attempts to express a truth, one can only say something one-sided, and the second side must, as it were, lurk in the background.
[ 11 ] Der Skeptiker, der ein lebendiges Gefühl dafür hat, daß man gewissermaßen schon ein Unrecht tut, wenn man eine Wahrheit strikt formuliert, ist im tiefsten Sinne berührt von dem geistig-seelischen Fluidum, das in der Menschenseele immer da ist und das einen verhindert, sobald man nur von der geistigen Welt berührt ist, mit allzuviel Aplomb eine scharf konturierte Wahrheit hinzustellen, ohne darauf hinzuweisen, daß in gewissem Sinne auch das Gegenteil davon eine Berechtigung hat.
[ 11 ] The skeptic, who has a keen sense that one is, in a sense, already doing wrong by strictly formulating a truth, is deeply moved by the spiritual and spiritual aura that is always present in the human soul and that prevents one, as soon as one is even slightly touched by the spiritual world, from presenting a sharply defined truth with too much aplomb without pointing out that, in a certain sense, the opposite of it also has its justification.
[ 12 ] Dieses in gewissem Sinne Berührtsein von einem Gefühle, das aus der Geistigkeit herauskommt, macht Montaigne zu einer bedeutenden Persönlichkeit. Aber das ist es nicht, worauf ich hinweisen wollte. Hinweisen wollte ich auf das, wie Emerson erzählt, wie er auf Montaigne gekommen ist. Er sagt da: Schon als Knabe fand ich einen Band von Montaigne in der Bibliothek meines Vaters, den ich aber nicht verstand. — Als er dann die Hochschule absolviert hatte, sah er sich das Buch noch einmal an, und da bekam er den merkwürdigen Drang, Satz für Satz kennenzulernen von dem, was Montaigne geschrieben hat. Und das tat er, diesem Drange folgend. Nun sehen wir in dem Kapitel über Montaigne, welches Emerson schrieb, daß er nach einem Ausdruck dafür suchte, warum er plötzlich damals wie besessen war von Montaigne und plötzlich anfing, ihn ganz in sich aufzunehmen. Da findet er keinen besseren Ausdruck dafür, als daß er sagt: Es war mir so, als wenn ich diese Bücher von Montaigne in einem früheren Leben selber geschrieben hätte. — Daraus ersehen Sie, wie ein im eminentesten Sinne moderner Geist, der an das herandringt, was Forderung der Gegenwart ist, da, wo er sich über das Intimste in seiner Seele ausdrücken will, gezwungen ist, sich einen Ausdruck zu bilden, der ganz nach der geisteswissenschaftlichen Wahrheit der Reinkarnation hin tendiert. Er findet keinen besseren Ausdruck und muß daher die Idee der wiederholten Erdenleben zu Hilfe nehmen.
[ 12 ] This sense of being moved by a feeling that springs from the spirit is what makes Montaigne a significant figure. But that is not what I wanted to point out. I wanted to point out how Emerson recounts how he came to discover Montaigne. He says there: Even as a boy, I found a volume of Montaigne in my father’s library, but I did not understand it. — After he had graduated from college, he looked at the book again, and then he felt a strange urge to get to know, sentence by sentence, what Montaigne had written. And he did so, following this urge. Now, in the chapter on Montaigne that Emerson wrote, we see that he was searching for a way to express why he was suddenly, back then, as if possessed by Montaigne and suddenly began to absorb him completely. He finds no better way to express this than by saying: “It was as if I had written these books by Montaigne myself in a previous life.” — From this you can see how a spirit who is modern in the most eminent sense, one who addresses the demands of the present, is compelled, when he wishes to express the most intimate depths of his soul, to formulate an expression that tends entirely toward the truth of Spiritual Science regarding reincarnation. He finds no better expression and must therefore resort to the idea of repeated earthly lives.
[ 13 ] So etwas ist außerordentlich charakteristisch, ist ungeheuer bedeutungsvoll, und dies führt uns nun dahin, anzuknüpfen an den Gedanken, der gestern ausgeführt worden ist. Sehen wir uns gerade die vornehmsten Geister unserer Zeit an — und einer der vornehmsten ist Emerson —, so haben Sie auf der einen Seite, wenn sie so bedeutende Geister sind wie Emerson, das Erdenwissen, das sie übernommen haben, insofern sie hineingestellt sind in den Evolutionsprozeß der Erde. Das wissen sie, was man heute aufnimmt als Mensch. Sie wissen, daß man, wenn man an einen gewissen Punkt der Erde gesetzt ist, eine bestimmte Sprache spricht und so weiter, daß es üblich ist, an dem Orte, wo man hinverserzt ist, dem Kinde, dem jungen Menschen diese Dinge zu überliefern und so dasjenige, was man Bildung nennt, an den Menschen heranzubringen. Dieses Wissen, das einem Volke auf diese Weise überliefert wird, ist ein Wissen eines großen Umkreises. Man darf schon sagen, daß das ein Wissen eines großen Umkreises ist, das kann man sagen, wenn man sieht, wie Emerson eigentlich vorgeht.
[ 13 ] Something like this is extraordinarily characteristic, is immensely significant, and this now leads us to pick up on the idea that was discussed yesterday. If we look specifically at the most distinguished minds of our time—and one of the most distinguished is Emerson—then, on the one hand, if they are minds as significant as Emerson’s, they possess the earthly knowledge they have acquired, insofar as they are situated within the Earth’s evolutionary process. They know what one takes in as a human being today. They know that when one is placed at a certain point on Earth, speaks a certain language, and so on, it is customary, in the place where one is situated, to pass these things on to the child, to the young person, and thus to impart to the human being what is called education. This knowledge, which is passed on to a people in this way, is knowledge of a broad scope. One can certainly say that this is knowledge of a broad scope; one can say that when one sees how Emerson actually proceeds.
[ 14 ] Wir wissen, daß bei ihm, wenn er einen Vortrag zu halten hatte, es so erschien, als ob das, was er sagte, unmittelbar, während er es sagte, aus seinem Geiste hervorsprühte. Wie improvisiert erschien alles. Wenn er besucht wurde an einem Tage, wo er einen Vortrag halten sollte, konnten die Besucher sehen, daß im ganzen Zimmer alle möglichen Notizen herumlagen, aus denen er zusammengeholt hatte dasjenige, was er sozusagen über das Äußere seines Stoffes zu sagen hatte. Aber hinter dem, was er so der Menschheit überlieferte, lagen Intimitäten, und dieses ist eben eine Intimität, was ich ausgesprochen habe, daß durchschimmert die Idee der wiederholten Erdenleben ganz keusch an einer Stelle.
[ 14 ] We know that when he was to give a lecture, it seemed as though what he said sprang directly from his mind as he spoke. Everything seemed so improvised. If he received visitors on a day when he was scheduled to give a lecture, the visitors could see that all sorts of notes were scattered throughout the room, from which he had gathered what he had to say, so to speak, about the external aspects of his subject matter. But behind what he thus handed down to humanity lay intimacies, and this is precisely an intimacy—what I have expressed—that the idea of repeated earthly lives shimmers quite chastely in one place.
[ 15 ] Man kann sehen, wie sogar die Besten unserer Zeit, indem sie solche Wahrheiten in der Seele durchempfinden, durchfühlen und auch aussprechen, keusch in sich selbst bleiben, diese Wahrheiten noch nicht hereintragen wollen in das Gebiet, dem das äußere Wissen entspringt.
[ 15 ] One can see how even the greatest minds of our time, while deeply feeling, experiencing, and expressing such truths within their souls, remain chaste within themselves and do not yet wish to bring these truths into the realm from which external knowledge springs.
[ 16 ] Wenn wir nun geisteswissenschaftlich an die Sache herangehen, so müssen wir sie noch anders beleuchten, denn unsere Zeit ist einmal diejenige, deren Mission es ist, das, was bisher in der Seele zurückgehalten und nur zuweilen angedeutet worden ist, zur Klarheit, zur wirklichen Erkenntnis zu bringen, in Wissensformen zu prägen, so daß unsere Zeit wirklich die Aufgabe hat, manches, was bis zu dieser unserer Zeit sich wie herausdrängt aus den Seelen der Besten, zur vollen Klarheit, zu einer für die Menschen selbstverständlichen Wahrheit zu machen. Und da können wir ganz genau beschreiben, wie es war, wenn Emerson in seinen gehaltreichen Vorträgen bald einen Satz sagte, der eine Erkenntnis ausdrückte über das industrielle Leben seiner Umgebung und dann wenige Zeilen später etwas bringt, was von dem alten Indien handelt, und dann wieder etwas, was von Shakespeare handelt. So trägt er sozusagen das Erdenwissen zusammen und dann entschlüpft ihm oft eine Bemerkung so mittenhinein, die aus dem Intimen seiner Seele kommt.
[ 16 ] If we now approach the matter from a perspective of Spiritual Science, we must examine it from a different angle, for our age is the one whose mission is to bring to light—to bring to true understanding—that which has hitherto been held back in the soul and only occasionally hinted at, to shape it into forms of knowledge, so that our age truly has the task of transforming much of what, up to this time, has been pushing its way out of the souls of the best among us into full clarity, into a truth that is self-evident to human beings. And here we can describe quite precisely how it was when Emerson, in his rich lectures, would soon utter a sentence expressing an insight into the industrial life of his surroundings, and then a few lines later bring up something concerning ancient India, and then again something concerning Shakespeare. In this way, he gathers together, so to speak, the knowledge of the world, and then a remark often slips out right in the middle of it all, one that comes from the depths of his soul.
[ 17 ] Woher kommt denn das, was in einer solchen Bemerkung liegt? Das kann man sich nur beantworten, wenn man alle Seiten der menschlichen Natur in Betracht zieht. Der Mensch erkennt in der Erdenzeit nur das wenigste, nur ein Stück seines Lebens, das sich abspielt vom Aufwachen bis zum Einschlafen, Der andere Teil des Lebens wird verbracht im Schlafe, und dieser Teil des Menschenlebens ist recht, recht mannigfaltig.
[ 17 ] Where does the meaning behind such a remark come from? One can only answer this by considering all aspects of human nature. During their time on earth, human beings perceive only the very least, only a fragment of their life that unfolds from waking until falling asleep. The other part of life is spent in sleep, and this part of human life is truly, truly manifold.
[ 18 ] Es ist einmal wahr, daß für viele, viele Menschen dieses Leben im Schlafe so verläuft, daß sie da in Berührung kommen mit elementarischen Weltenwesenheiten, die mit niedrigeren Äußerungen der menschlichen Natur zusammenhängen, als die Tagesäußerungen sind. Man möchte sagen, die Menschen treiben vom Einschlafen bis zum Aufwachen, also im Bereiche elementarischen Lebens, des Nachtlebens, allerlei Allotria, Dinge, über die sie hinaus sind, wenn sie im äußeren Leben stehen. Wer wüßte nicht, daß er sich oft seiner Träume schämen muß. Das ist eine allgemeine Erfahrung, die jeder machen kann. Der Mensch treibt also während des Schlafes allerlei Allotria, in einer Gesellschaft, die nicht etwa eine gute ist, die sich vielmehr wendet an seine Leidenschaften, seine Triebe, die viel schlechter ist als die, in welcher er während seines Wachlebens erzogen ist.
[ 18 ] It is certainly true that for many, many people, life during sleep unfolds in such a way that they come into contact with elemental beings associated with lower expressions of human nature than those experienced during the day. One might say that from the moment they fall asleep until they wake up—that is, in the realm of elemental life, of nocturnal life—people get up to all sorts of mischief, things they are above when they are in their waking life. Who does not know that they often have to be ashamed of their dreams? This is a common experience that everyone can have. So during sleep, people engage in all sorts of mischief, in a society that is by no means a good one, but rather one that appeals to their passions and instincts—a society far worse than the one in which they are raised during their waking life.
[ 19 ] Nur wenn man das versteht, versteht man manches besser, was sich geschichtlich ereignet hat. Der heutige Mensch muß, damit er nicht allzu stark Allotria auch im physischen Leben treibt, schon einmal mit der Gabe ausgestattet sein, daß er nicht allzu großen Wert auf die Träume legt. Er vergißt seine Träume daher sehr leicht, vergißt die Allotria aus den Träumen, und das ist gut für ihn, denn er soll vorbereitet werden dazu, im Wachbewußtsein einzutreten in die geistige Welt, während die Vorzeit dazu da war, den Menschen während des Schlafens bis zum Aufwachen in diese geistige Welt eintreten zu lassen.
[ 19 ] Only by understanding this can one better comprehend certain events that have occurred throughout history. In order to avoid indulging in too much frivolity even in physical life, people today must be endowed with the ability not to place too much importance on dreams. They therefore forget their dreams very easily, forget the flights of fancy from their dreams, and that is good for them, for they are to be prepared to enter the spiritual world in waking consciousness, whereas in earlier times, people were allowed to enter this spiritual world while asleep until they awoke.
[ 20 ] Im Grunde genommen liegt ein stärkeres Bewußtsein von dieser Welt noch gar nicht so weit hinter uns, wie man gewöhnlich glaubt. Auch dafür will ich Ihnen ein Beispiel geben. Es gibt ein Bild von Albrecht Dürer, das vielen Leuten, namentlich aber den Gelehrten, viele Rätsel aufgegeben hat. Die Radierung hat ungefähr das zum Inhalt, daß eine satyrhafte, faunenhafte Gestalt da ist, die gleichsam umschlungen hält ein weibliches Wesen. Aus dem Hintergrunde erscheint ein anderes weibliches Wesen, welches sich wie strafend diesem Paare nähert. Und eine herkulesartige männliche Gestalt steht in der Nähe, die eine Keule in der Hand hält, welche das strafende weibliche Wesen von der Gruppe des Weibes mit dem Satyr zurückhält, so daß sie nicht heran kann. Es ist, man möchte sagen ganz merkwürdig, äußerst merkwürdig, wie sich die Gelehrten abgemüht haben, dieses Bild zu verstehen. Man nennt es gewöhnlich «Herkules». Aber das, was damit ausgedrückt ist, gibt es nicht in der gewöhnlichen Herkules-Sage. Man frägt sich daher: Wie ist Albrecht Dürer zu dieser Szene gekommen? Und da sind die kuriosesten Ideen aufgestellt worden. Man kann sehen zum Beispiel bei Herman Grimm, wie hilflos er diesem Bilde gegenüber ist. Er weiß nichts damit anzufangen. Er stellt die kuriosesten Ideen auf. Und warum geschieht das? Warum wissen die Menschen nichts damit anzufangen? Weil er und die Gelehrten nicht wissen — was Albrecht Dürer noch wußte —, daß die Menschen im Schlafe noch eindringen können in eine geistige Welt. Heute ist dieses Bewußtsein verlorengegangen. Dürer wußte aber noch, daß es zum Beispiel Männer gibt, welche während der Schlafenszeit in Gemeinschaft mit der elementaren Welt allerlei Allotria treiben, Männer, die während der gewöhnlichen Zeit ganz gesittete Männer sind, aber während der Schlafenszeit in die Triebwelt zurückfallen und allerlei unnütze Dinge, allerlei Allotria treiben.
[ 20 ] In fact, a deeper awareness of this world is not as far behind us as is commonly believed. I would like to give you an example of this as well. There is a picture by Albrecht Dürer that has posed many puzzles for many people, but especially for scholars. The etching depicts, roughly speaking, a satyr-like, faun-like figure who is, as it were, embracing a female figure. From the background appears another female figure who approaches this pair as if to punish them. And a Hercules-like male figure stands nearby, holding a club in his hand, which holds back the punishing female figure from the group of the woman and the satyr, so that she cannot approach. It is, one might say, quite strange, extremely strange, how the scholars have struggled to understand this image. It is usually called “Hercules.” But what is expressed here does not exist in the ordinary Hercules legend. One therefore wonders: How did Albrecht Dürer arrive at this scene? And the most curious ideas have been put forward. One can see, for example, in Herman Grimm, how helpless he is in the face of this image. He doesn’t know what to make of it. He puts forward the most curious ideas. And why does this happen? Why don’t people know what to make of it? Because he and the scholars do not know—what Albrecht Dürer still knew—that people can still enter a spiritual world while asleep. Today this awareness has been lost. Dürer, however, still knew that there are, for example, men who, during sleep, engage in all sorts of nonsense in communion with the elemental world—men who are quite well-behaved during waking hours but who, during sleep, revert to the world of instincts and engage in all sorts of useless things, all sorts of nonsense.
[ 21 ] In dem Bilde des Albrecht Dürer sehen wir den Satyr und den Herkules mit der Keule. Der gute Herkules, der dasteht, möchte gern selber dieser Satyr sein. Aber er lebt in der physischen Welt, in einer sittlichen Welt auf dem physischen Plan, und das gestattet ihm die Gattin nicht. Die kommt daher und will ihn wegtreiben. Ihm aber gefällt das doch, und er hält sie zurück.
[ 21 ] In Albrecht Dürer’s painting, we see the satyr and Hercules with his club. Good old Hercules, standing there, would love to be that satyr himself. But he lives in the physical world—in a moral world on the physical plane—and his wife won’t let him. She comes over and wants to drive him away. But he actually likes it, and he holds her back.
[ 22 ] Wir sehen hier einen inneren Seelenprozeß und wissen, daß Albrecht Dürer noch etwas von diesen Dingen wußte. So ist vieles in der Kunst gar nicht so weit zurückliegender Jahrhunderte zu erklären, weil damals noch ein Bewußtsein des Zusammenhanges des Menschen mit der unmittelbar an das Physische anstoßenden geistig-elementaren Welt vorhanden war.
[ 22 ] We see here an inner psychological process and know that Albrecht Dürer was still aware of some of these things. Thus, much in the art of centuries not so long ago can be explained, because at that time there was still an awareness of the connection between human beings and the spiritual-elemental world that lies immediately adjacent to the physical world.
[ 23 ] Aber wenn wir den Blick wenden auf solche vornehme Geister, wie Emerson einer war, so müssen wir sagen, sie treiben während ihres Schlaflebens keine Allotria, sondern eben Vornehmes. Wenn sie so mit ihrem Ich und mit dem astralischen Leibe in der geistigen Welt sind, kommen sie mit den Wahrheiten in Beziehung, was in der Menschheit wahrhafte Anthroposophie sein soll. Da drängt sich in ihr Bewußtsein, was künftiges physisches Wissen werden soll. Man könnte sagen, Emerson empfängt so etwas im Schlafe. Daher stellt es sich so keusch, intim in dasjenige hinein, was er mit den physischen Sinnen und dem Verstande, überblickend das weite Erdenleben, über das physische Leben zu sagen hat.
[ 23 ] But when we turn our gaze to such noble spirits as Emerson was, we must say that during their sleep-life they do not engage in frivolous pursuits, but rather in noble ones. When they are in the spiritual world with their ego and astral body, they come into contact with the truths that are meant to be true anthroposophy for humanity. Then what is to become future physical knowledge pushes its way into their consciousness. One might say that Emerson receives such things in his sleep. Hence, it enters so chaste and intimately into what he has to say about physical life through his physical senses and intellect, surveying the vast earthly existence.
[ 24 ] Nun würde es nicht gehen im Sinne der Evolution der Menschheit, daß es einfach dabei bliebe, daß die Menschen nur so, ich möchte sagen in ihrem Schlafleben erfassen, was da hinter dem Sinnenschein, hinter der Sinnesphantasmagorie liegt. Denn das ist wieder der Sinn der Evolution, daß das Schlafleben immer mehr und mehr bei der Erkenntnis an Bedeutung verliert. Man muß schon ein bedeutender Geist sein wie Emerson, wenn man sich aus dem Schlafleben heraus so etwas erobern will wie die Idee der wiederholten Erdenleben. Das aber, was geistig ist, muß in die Menschheit kommen, muß in der Menschheit Einzug halten. So, wie im Zusammenhange mit dem innersten menschlichen Seelenleben diese Wahrheiten sind, wie sie sich da gleichsam wie in einer Art von Morgenröte verkündigen gerade bei solchen Geistern wie Emerson, muß auf der andern Seite wieder eine irdische Veranlagung da sein, solche Wahrheiten im hellen Wachbewußtsein zu verstehen. Es muß die irdische Veranlagung vorhanden sein, sich selber so zu empfinden, daß man es natürlich findet, diese Wahrheiten anzuerkennen. Daß das noch nicht natürlich ist in der Gegenwart, begreifen Sie, denn wir sind als Geisteswissenschafter noch ein so kleines Häuflein, und alle, die außerhalb des geisteswissenschaftlichen Strebens stehen, sehen uns als Narren oder etwas Ähnliches an.
[ 24 ] Now, it would not be in keeping with the evolution of humanity for things to simply remain as they are, with people only grasping—I might say, in their dream life—what lies beyond the illusion of the senses, beyond the phantasmagoria of the senses. For this, again, is the point of evolution: that the dream life should lose more and more of its significance in the process of gaining knowledge. One must indeed be a great mind like Emerson to wish to grasp, out of the realm of sleep, something like the idea of repeated earthly lives. But what is spiritual must enter into humanity, must take hold in humanity. Just as these truths are connected to the innermost life of the human soul, just as they reveal themselves there, as it were, in a kind of dawn, particularly in spirits like Emerson, so on the other hand there must be an earthly predisposition to understand such truths in clear waking consciousness. There must be an earthly predisposition to perceive oneself in such a way that one finds it natural to acknowledge these truths. You understand that this is not yet natural in the present, for we are still such a small group as people engaged in Spiritual Science, and all those who stand outside of Spiritual Science regard us as fools or something similar.
[ 25 ] Es liegt nicht in der modernen Bildung, diese Wahrheiten unmittelbar anzuerkennen. Das natürliche Temperament des Menschen spricht dagegen. Was die Leute Logisches vorbringen gegen die Geisteswissenschaft, ist in der Regel außerordentlich minderwertig, denn aus logischen Gründen sträuben sich die Menschen nicht; sie sträuben sich, weil sie ihrer Natur nach durch alles, was sie durch die Kräfte der Erde sind, nicht veranlagt sind im allgemeinen, solche Wahrheiten heute schon aufzunehmen.
[ 25 ] Modern education does not readily acknowledge these truths. Human nature resists this. The logical arguments people advance against Spiritual Science are generally of extremely low quality, for people do not resist for logical reasons; they resist because, by their very nature—as beings shaped by the forces of the earth—they are generally not predisposed to accept such truths today.
[ 26 ] Aber es muß eine Zeit kommen, in der des Menschen Natur so konstituiert sein wird, daß er unmittelbar diese Wahrheiten einsehen kann, so wie er heute die mathematischen Wahrheiten einsehen kann. Der: Mensch muß naturhaft so organisiert werden, daß er diese Wahrheiten einsehen kann. Dazu ist notwendig, daß er für die Zeit, die verläuft zwischen der Geburt und dem Tode, auch physisch so konstituiert ist, daß sein Gehirn so durchgebildet ist, daß er diese Wahrheiten einsehen kann.
[ 26 ] But a time must come when human nature will be constituted in such a way that people can grasp these truths directly, just as they can grasp mathematical truths today. Human beings must be naturally organized in such a way that they can grasp these truths. For this to happen, it is necessary that, during the time between birth and death, they be physically constituted in such a way that their brains are sufficiently developed to enable them to grasp these truths.
[ 27 ] Im Sinne der gestrigen Auseinandersetzung gesprochen, muß ein solches Verhältnis hergestellt werden zwischen den Geistern, die in der Erde wirken, und den Menschen, daß die Menschen so konstituiert werden, daß sie diese Wahrheiten aufnehmen können, und das geschieht auf die Weise, daß eine Landfläche, wie ich das gestern gezeigt und aufgezeichnet habe, sich herüberneigt von Osten nach Westen gegen die drei Meerbusen, von denen ich gestern gesprochen habe. Diese Landesfläche ist äußerlich nur eine Phantasmagorie. Diese Landesfläche ist in Wirklichkeit zusammengesetzt aus den Geistern der Erde. In Wirklichkeit ist es so, daß die Geister dieser Landesfläche wirken auf die Menschen und sie physisch bilden so, daß sie die Wahrheiten von der geistigseelischen Konstitution des Menschen und den wiederholten Erdenleben einsehen. Was, ich möchte sagen mehr westliche Geister wie aus dem Schlafe heraus sich erobern müssen, das wird im Wachen eine mehr selbstverständliche Wahrheit werden müssen bei denjenigen, die sich vom Osten herüber zuneigen der Evolution der Menschheit. Die Erde bereitet zu ihre Leiber, möchte man sagen, zu dem, was sie für die Evolution brauchen. Diese Erde ist durchaus dasjenige, was ich gestern auseinandergesetzt habe: ein weit umgreifender Organismus, der beseelt ist und der aus seinem Seelenleben heraus von Zeit zu Zeit die Erdengeister ausschickt, welche die Leiber so durchorganisieren, daß sie in entsprechender Weise in die Evolution eingreifen können.
[ 27 ] In the context of yesterday’s discussion, a relationship must be established between the spirits active in the earth and human beings such that human beings are constituted in a way that allows them to receive these truths; and this occurs in such a way that a landmass, as I demonstrated and described yesterday, slopes from east to west toward the three bays of which I spoke yesterday. Outwardly, this landmass is merely a phantasmagoria. In reality, this landmass is composed of the spirits of the Earth. In reality, the spirits of this landmass act upon human beings and physically shape them in such a way that they come to understand the truths regarding the spiritual-soul constitution of the human being and repeated earthly lives. What, I might say, more Western spirits must first conquer as if emerging from sleep will, upon awakening, become a more self-evident truth for those who, from the East, incline toward the evolution of humanity. One might say that the Earth is preparing their bodies for what they need for evolution. This Earth is precisely what I explained yesterday: a vast, all-encompassing organism that is animated and that, from its soul life, sends out the Earth spirits from time to time, who organize the bodies in such a way that they can intervene in evolution accordingly.
[ 28 ] Sehen Sie, diese Dinge sind außerordentlich tief und bedeutsam, und man muß sich schon auf solche Dinge einlassen, wenn man verstehen will, um was es sich da handelt. Wenn man allerdings die Erde als einen beseelten und durchgeistigten Organismus vergleicht mit dem, was der Mensch ist als durchseelter und durchgeistigter Organismus, so gibt es einen großen Unterschied. Der Mensch steht durch das Äußere seines physischen Leibes, in dem er eigentlich für gewöhnlich gar nicht darin lebt, aber in dem er darinnensteckt, in Beziehung zu den eigentlichen Geistern der Erde. Durch den Ätherleib steht er in Beziehung zu den Geistern desWassers; durch den Astralleib in Beziehung zu den Geistern der Luft, und durch seine Verbindung mit dem Ich steht er in Beziehung zu den Geistern des Feuers.
[ 28 ] You see, these things are extraordinarily profound and significant, and one really has to engage with them if one wants to understand what is at stake here. However, if one compares the Earth as an animated and spiritualized organism with what the human being is as an animated and spiritualized organism, there is a great difference. Through the outer shell of his physical body—in which he does not actually live, but in which he is simply contained—the human being stands in relation to the actual spirits of the Earth. Through the etheric body, he is related to the spirits of water; through the astral body, to the spirits of air; and through his connection with the ego, he is related to the spirits of fire.
[ 29 ] Wenn der Mensch im Schlafe den physischen Leib und ätherischen Leib verläßt, dann lebt er mit seinem Ich und dem Astralleibe nur in Beziehung zu der die Erde durchwogenden Wärme und der die Erde durchflutenden und durchhauchenden Luft. Er ist herausgerissen aus alledem, was Erde und Wasser im physischen Leib konfigurieren. Da ist der Mensch wirklich herausgerissen, wenn er schläft, aus alledem, was, ich möchte sagen, der physische und Ätherleib als Erdenwesen machen. Natürlich gehören dieLuft und dieWärme auch zur Erde, aber nur zur Erde, nicht zu den Teilen der Erde. Nun ist für den Menschen als beseeltes, durchgeistigtes Wesen die Wärme gewissermaßen dasjenige, in dem er sich aufhält wie in seinem eigenen Elemente. Bei den höheren Tieren ist schon eine Vorbereitung dazu vorhanden. Sie haben Eigenwärme, nicht bloß die Wärme ihrer Umgebung. Sie leben in ihrem Seelischen, in ihrer Eigenwärme. Der Mensch hat das insbesondere ausgebildet, daß er in seiner Eigenwärme lebt, daß er seine eigene Temperatur hat. Das ist etwas, was ihn abschließt von dem, was in der Außenwelt so verschiedenartig ist. Die Wärme ist gleichsam etwas, wovon jeder Mensch sein Quantum in sich trägt und es mit sich trägt. Da ist er in seinem eigentlichen Ich darinnen, da ist er zu Hause in der Wärme.
[ 29 ] When a person leaves the physical and etheric bodies during sleep, they exist—along with their I and astral body—only in relation to the warmth that permeates the Earth and the air that flows through and breathes life into it. They are torn away from everything that Earth and water constitute within the physical body. When sleeping, the human being is truly torn away from all that, I might say, makes the physical and etheric bodies earthly beings. Of course, the air and the warmth also belong to the Earth, but only to the Earth, not to the parts of the Earth. Now, for the human being as an animated, spiritualized being, warmth is, so to speak, that in which he dwells as in his own element. In higher animals, a preparation for this is already present. They have their own warmth, not merely the warmth of their surroundings. They live in their soul life, in their own warmth. Human beings have developed this to such an extent that they live in their own warmth, that they have their own temperature. This is something that separates them from the manifold diversity of the external world. Warmth is, as it were, something of which every human being carries a certain measure within themselves and carries it with them. There, in their true self, they are at home in the warmth.
[ 30 ] In der Luft lebt er schon weniger allgemein darinnen. Ich möchte sagen, da übt schon die Differenzierung der Erde einen gewissen Einfluß auf ihn aus. Ob er in Höhenluft, Wasserluft oder Landluft lebt, das macht schon einen gewissen Unterschied. Da kommt der Mensch in Beziehung zu dem, was von außen auf ihn wirkt. So ist es bei dem Menschen als einem durchseelten und durchgeistigten Organismus.
[ 30 ] In the air, he is less generally present. I would say that the very nature of the earth exerts a certain influence on him. Whether he lives in the air of the heights, the air of the water, or the air of the land, that makes a certain difference. There, the human being comes into relationship with what acts upon him from the outside. Such is the case with the human being as a soul- and spirit-filled organism.
[ 31 ] Das Umgekehrte ist bei der Erde als durchseeltem, durchgeistigtem Organismus der Fall. Was für den Menschen die Wärme ist, das ist für die Erde eben die Erde, das feste Irdische, und die Wärme ist für sie das ÄAußerlichste, was zu der beseelten Erde ein Verhältnis hat wie zu uns die Erde. Die Erde ist Erde durch und durch, wie wir durch und durch Wärme sind. Die Erde ist nach außen differenziert in bezug auf die Wärme. Je nachdem sie in die Eisregionen ihre Glieder erstreckt oder in die schwüle Region der Tropen, öffnet sie nach außen hin ihr Seelisches so nach der Wärme, wie wir in bezug auf unseren physischen Leib hinneigen nach der Gegend, in der wir gerade wohnen. Es ist bei der Erde gerade das Entgegengesetzte wie beim Menschen, und darauf beruht das Zusammenwirken der Erde als beseelter und geistiger Organismus mit dem Menschen als beseeltem und geistigem Organismus. Durch dieses Zusammenwirken entsteht dann dasjenige, was im physischen Menschenleibe zustande kommt, damit dieser physische Menschenleib in der Nacheinanderfolge der Nationen und Völker in richtiger Weise in die Evolution des ganzen Erdendaseins eintritt. Wir haben gerade in den Völkern, welche als Völkermassen von Osten nach Westen herüberrückten, ein intensives Verhältnis des Irdischen zu dem Menschlichen. Und man könnte dieses intensive Verhältnis so aussprechen, wie wenn man in der Erde selber sehen würde ein mächtiges Wesen, und dieses mächtige Wesen würde sich entschließen, in die Evolution in entsprechender Weise einzugreifen, sagen wir vom 20. Jahrhundert ab. Da muß es sich sagen: Ich muß gewisse geistige Wesenheiten hinauflenken nach meiner Oberfläche, ich muß sie tätig sein lassen so, daß sie physische Leiber zubereiten, damit die physischen Leiber durch das Gehirn die Wahrheiten aufnehmen können, die in dieser Zeit der Evolution der Menschheit frommen.
[ 31 ] The opposite is true of the Earth as an organism imbued with soul and spirit. What warmth is to human beings, the Earth is to the Earth itself—the solid, earthly substance—and warmth is for it the outermost element, which relates to the animated Earth just as the Earth relates to us. The Earth is Earth through and through, just as we are warmth through and through. The Earth is differentiated outwardly in relation to warmth. Depending on whether it extends its limbs into the icy regions or into the sweltering regions of the tropics, it opens its soul to the outside world in accordance with the warmth, just as we, in relation to our physical bodies, tend toward the region where we currently live. With the Earth, it is precisely the opposite of what it is with human beings, and upon this is based the interaction of the Earth as an animated and spiritual organism with the human being as an animated and spiritual organism. Through this interaction, what comes into being in the physical human body is brought about, so that this physical human body may enter correctly into the evolution of the entire earthly existence in the succession of nations and peoples. It is precisely in the peoples who moved as masses from East to West that we find an intense relationship between the earthly and the human. And one could describe this intense relationship as if one were to see within the Earth itself a mighty being, and this mighty being were to resolve to intervene in the evolution in a corresponding way, let us say from the 20th century onward. Then it must say to itself: I must guide certain spiritual beings up to my surface; I must allow them to be active in such a way that they prepare physical bodies, so that the physical bodies can, through the brain, take in the truths that are appropriate in this time of human evolution.


[ 32 ] Wie ein Gedanke, den die Erde hat, ist dasjenige, was ich eben ausgesprochen habe. Man erfaßt diesen Gedanken nur, wenn man ihn in der richtigen Frömmigkeit und Ehrerbietung erfaßt, wenn man ihn nicht nimmt wie die Gedanken der äußeren Wissenschaft, sondern wenn man ihn betrachtet wie etwas Heiliges, wie etwas, das man nicht ohne Ehrerbietung aussprechen kann, weil man erinnert wird an den Zusammenhang des Menschen mit der geistigen Welt, weil man unmittelbar darinnensteht in dem Verkehr des Menschlichen mit dem Göttlichen, wo solche Dinge ausgesprochen werden. Daher sollte auch überall darauf geachtet werden, daß die nötige Atmosphäre des Fühlens und Empfindens da sein sollte, wo solche Dinge ausgesprochen werden. Das ist ungeheuer wichtig bei solchen Dingen. Man möchte sagen: In einem gewissen Sinne dürfen solche Dinge nicht anders ausgesprochen werden, als daß ihnen das Gefühl, die Stimmung des Gebetartigen zugrunde liegt. Ein Aufschauen zu den geistigen Welten muß durchpulsen dasjenige, was wir so durchdenken, indem wir uns solchen Gedanken nähern. — Und daß dies auf eine naturgemäße Weise geschehen kann, schon durch das äußere Milieu, dazu wird unser Bau aufgeführt, und dazu wird alles das gemacht, was darin zum Vorschein kommen soll.
[ 32 ] What I have just said is like a thought that the Earth has. One grasps this thought only if one grasps it with the proper piety and reverence, if one does not treat it like the thoughts of external science, but rather regards it as something sacred, as something that cannot be spoken of without reverence, because one is reminded of the connection between humanity and the spiritual world, because one stands directly within the communion of the human with the divine where such things are spoken. Therefore, care should be taken everywhere to ensure that the necessary atmosphere of feeling and sensibility is present where such things are spoken. This is immensely important in such matters. One might say: In a certain sense, such things must not be spoken of in any other way than with the feeling, the mood of prayer, as their foundation. A gaze toward the spiritual worlds must pulse through what we are thinking through as we approach such thoughts. — And so that this can happen in a natural way, already through the external environment, our building is being constructed, and everything that is to come to light within it is being created.
[ 33 ] So sehen wir in dem, was ich eben dargestellt habe, eine Art Beispiel, wie die Erde als Erde durch das, was in ihrem festen Elemente enthalten ist, geistig wirkt, wie sie dasjenige schafft und schöpft, was auf ihr in der Evolution lebt.
[ 33 ] Thus, in what I have just described, we see a kind of example of how the Earth, as Earth, exerts a spiritual influence through what is contained in its solid elements, and how it creates and brings into being that which lives on it in the course of evolution.
[ 34 ] Gehen wir dagegen mehr nach Westen herüber, so haben wir andere Verhältnisse. Ich habe Ihnen gestern ein Verhältnis auseinandergesetzt, wo der Westen mit dem Osten zusammenwirkt, wo sich das flüssige Element wie ein mächtiges Wesen herüberneigt nach dem Osten und die dreigeteilte Seelennatur ausdrückend sich herüberneigt in den drei großen Meerbusen, die noch die spirituell veranlagten Völker des alten Finnland als Wäinämöinen, Ilmarinen und Lemminkäinen empfanden, und die man heute so prosaisch als Finnischen, Bottnischen und Rigaischen Meerbusen bezeichnet. Da wirkte zusammen in dem alten finnischen Volk dasjenige, was aus dem flüssigen und dasjenige, was aus dem festen Elemente kommt. In dem finnischen Volke vereinigte sich das Element, das mehr den ätherischen Menschen konstituiert und den physischen Menschen verfeinert, das Flüssige, und das Element der Erde, das, was aus der Erde herauskommt, was den physischen Menschen konstituiert.
[ 34 ] If, on the other hand, we move further westward, we find different conditions. Yesterday I explained to you a relationship in which the West interacts with the East, where the fluid element leans toward the East like a mighty being, and the threefold nature of the soul expresses itself by leaning toward the three great bays, which the spiritually inclined peoples of ancient Finland—such as Wäinämöinen, Ilmarinen, and Lemminkäinen, and which are today so prosaically referred to as the Gulf of Finland, the Gulf of Bothnia, and the Gulf of Riga. There, within the ancient Finnish people, that which comes from the liquid element and that which comes from the solid element worked together. In the Finnish people, the element that constitutes the more ethereal human being and refines the physical human being—the liquid—was united with the element of the earth, that which emerges from the earth and constitutes the physical human being.
[ 35 ] Es kann die Frage aufgeworfen werden, welche Bedeutung ein solches Volk hat, das eine solche eminente Mission im Verlaufe der Erdenmission vollzogen hat wie das große finnische Volk und das doch noch bleibt für die spätere Zeit. Das hat alles seine Bedeutung in dem ganzen Fortschritt der Evolution, daß ein solches Volk dableibt, daß es nicht verschwindet von der Erde, wenn es seine Mission vollzogen hat. So wie der Mensch selber die Gedanken, welche er in einem bestimmten Lebensalter gefaßt hat, für ein späteres Lebensalter im lebendigen Gedächtnisse behält, so müssen auch frühere Völker bleiben wie ein Gewissen, wie ein lebendig fortwirkendes Gedächtnis gegenüber dem, was in späterer Zeit geschieht: wie ein Gewissen.
[ 35 ] One might ask what significance a people such as the great Finnish people has, a people that has fulfilled such an eminent mission in the course of Earth’s evolution and yet remains for the future. It is all significant in the overall progress of evolution that such a people remains, that it does not disappear from the Earth once it has fulfilled its mission. Just as human beings themselves retain in living memory the thoughts they formed at a certain stage of life for a later stage of life, so too must earlier peoples remain as a conscience, as a living, ongoing memory in relation to what happens in later times: like a conscience.
[ 36 ] Und nun könnte man sagen: Des europäischen Ostens Gewissen wird dasjenige sein, was das finnische Volk bewahrt hat. — Es muß eine Zeit kommen, wenn ein Verständnis die Herzen ergreifen soll für die Aufgaben der Evolution, wo gerade aus der Mitte des finnischen Volkes heraus ein Aufblühen der Ideen von Kalewala stattfinden wird, wo durchgeistigt und durchsetzt werden wird mit den modernen geisteswissenschaftlichen Ideen dieses wunderbare Epos von Kalewala, wo es in seiner Tiefe dem ganzen Europäertum wiederum zum Bewußtsein gebracht werden wird.
[ 36 ] And now one might say: The conscience of Eastern Europe will be that which the Finnish people have preserved. — A time must come when an understanding of the tasks of evolution takes hold of people’s hearts, when, right from the heart of the Finnish people, the ideas of the Kalevala will blossom anew, when this wonderful epic of the Kalevala will be imbued with and interwoven with modern ideas of Spiritual Science, and when, in its depth, it will once again be brought to the consciousness of all of Europe.
[ 37 ] Die europäischen Völker verehrten die homerischen Epen. Allein aus noch tieferen Gründen des Seelenlebens heraus floß das Epos Kalewala. Nur kann man das noch nicht einsehen heute. Das wird man aber, wenn man die Lehren der Geisteswissenschaft in entsprechender Weise verwenden wird für die Erklärung geistiger Erscheinungen der Erdenevolution. Ein solches Epos wie Kalewala kann nicht erhalten werden, ohne daß es im lebendigen Dasein erhalten wird, ohne die Seelen, welche im Leibe wohnen, welche verwandt sind mit den Schöpferkräften von Kalewala. Als lebendiges Gewissen bleibt es. Dadurch kann es fortwirken, dadurch daß nicht die Worte, sondern daß das, was in ihm selber gelebt hat, weiterlebt, daß ein Zentrum da ist, von dem es ausstrahlen kann. Darauf kommt es an, daß dieses da ist, wie die Gedanken, die wir früher gehabt haben, da sind im späteren Lebensalter.
[ 37 ] The European peoples revered the Homeric epics. The Kalevala, however, sprang from even deeper sources of the soul’s life. It is simply not yet possible to grasp this today. But it will become clear when the teachings of Spiritual Science are applied appropriately to explain the spiritual phenomena of Earth’s evolution. An epic such as the Kalevala cannot be preserved unless it is preserved in living existence, without the souls that dwell within the body, which are kindred to the creative forces of the Kalevala. It remains as a living consciousness. Through this it can continue to work, not through the words, but through what has lived within it, so that a center exists from which it can radiate. What matters is that this center exists, just as the thoughts we once had remain with us in later life.
[ 38 ] Im Westen ist mehr dasjenige, was den ätherischen Leib formiert und gestaltet. Es sind dies schwierige Wahrheiten, und Sie müssen sich schon daran gewöhnen, weil ich nicht die Möglichkeit habe, die man hoffentlich aber einmal haben wird in der Erdenevolution, die Möglichkeit, die Dinge, die ich in einer Stunde auseinandersetzen muß, in einem ganzen Jahre auseinanderzusetzen, Sie müssen sich darauf einlassen, vieles durch Ihre Gedanken zu ergänzen, das Gesagte meditativ zu durchdenken. Dann wird es Ihnen voll geläufig werden. Namentlich versuchen Sie nicht, mit diesen oder jenen voreiligen Empfindungsnuancen an die Dinge heranzukommen.
[ 38 ] In the West, it is more that which forms and shapes the etheric body. These are difficult truths, and you must get used to them, because I do not have the opportunity—which, hopefully, will one day be available in the evolution of the Earth—to spend an entire year explaining the things I must cover in an hour. You must be willing to supplement much of this with your own thoughts and to meditate deeply on what has been said. Then it will become fully familiar to you. In particular, do not try to approach these matters with this or that hasty emotional nuance.
[ 39 ] Im Westen ist mehr eine Wirkung auf den ätherischen Leib vorhanden, der da in derselben Weise, aber in früherer Zeit, als es für den Osten mit dem physischen Leib geschehen muß, geformt, gebildet werden mußte.
[ 39 ] In the West, there is a greater influence on the etheric body, which must be shaped and formed there in the same way, but at an earlier stage, than must happen with the physical body in the East.
[ 40 ] Sehen Sie, man kann in solchen Dingen sich sehr leicht Mißverständnissen hingeben, denn die Unterschiede sind fein, sehr subtil. Wenn man zum Beispiel im Westen sieht, daß es bei den Völkern darauf ankommt, daß der ätherische Leib mehr von den Geistern des Wassers gebildet worden ist, so ist es selbstverständlich — weil der physische Leib ein Abdruck davon ist —, daß auch der physische Leib als Abdruck des Ätherleibes damit gebildet worden ist, aus den Kräften des Wassers heraus. Aber es kommt darauf an, daß im Osten die Kräfte direkt mehr in den physischen Leib hineinwirken. Man muß also sein Augenmerk auf dasjenige richten, auf das es ankommt. Die äußere physische Wissenschaft kann diesen feinen Unterschied nicht machen. Sie sieht, daß der östliche physische Leib so konfiguriert ist und der westliche physische Leib anders. Mehr sieht sie nicht. Erst die Geisteswissenschaft kann auf solche Unterschiede näher eingehen. Außerdem ist die Sprache so ungeschickt und sehr wenig geeignet, solche Unterschiede auszudrücken. Wenn man ganz etwas Verschiedenes sagt, hat man oft den Eindruck, man sage eigentlich das Gleiche. Gestern habe ich zum Beispiel sagen müssen, daß bei den asiatischen Völkern es darauf ankomme, daß die Kräfte, die den physischen Leib aufbauen, im eigenen Ätherleib liegen. Heute muß ich sagen, daß es von den Völkern des Westens darauf ankommt, daß der Ätherleib geformt wird aus den Kräften des Wassers. Wenn Sie das Ganze zusammennehmen, werden Sie verstehen, daß in den alten Zeiten es der Fall gewesen ist, daß bei den östlichen Völkern Europas der Ätherleib geformt werden mußte, aber es ist heute, jetzt, die Zeit, wo der physische Leib geformt werden muß, während bei den westlichen Völkern der Fall so ist, daß ihr Ätherleib geformt wird, nachdem ihr physischer Leib schon das Gepräge mehr von außen erhalten hat, daß ihr Ätherleib unmittelbar den Genien des Meeres, den Genien des Wassers ausgesetzt wird.
[ 40 ] You see, it is very easy to fall into misunderstandings in such matters, for the differences are subtle, very subtle. For example, when one observes in the West that it is significant for the peoples there that the etheric body has been formed more by the spirits of water, it follows naturally—since the physical body is an imprint of the etheric body—that the physical body, as an imprint of the etheric body, has likewise been formed from the forces of water. But the point is that in the East, the forces act more directly into the physical body. One must therefore focus one’s attention on what really matters. External physical science cannot make this subtle distinction. It sees that the Eastern physical body is configured in one way and the Western physical body in another. It sees nothing more. Only Spiritual Science can go into such differences in greater detail. Moreover, language is so clumsy and ill-suited to expressing such differences. When one says something quite different, one often has the impression that one is actually saying the same thing. Yesterday, for example, I had to say that for Asian peoples, what matters is that the forces that build up the physical body lie within their own etheric body. Today I must say that for the peoples of the West, it is essential that the etheric body be formed from the forces of water. If you take the whole picture into account, you will understand that in ancient times it was the case that among the eastern peoples of Europe the etheric body had to be formed, but it is now, now, the time has come when the physical body must be formed, whereas for the Western peoples, their etheric body is formed after their physical body has already received its imprint more from the outside, so that their etheric body is directly exposed to the genii of the sea, the genii of water.
[ 41 ] Bei den Völkern des Westens kommt das, was sie sind, dadurch zustande, daß die Impulse in den Ätherleib hineingehen. Da, wo die Impulse mehr in den Ätherleib hineingehen, kommt es weniger auf das Räumliche, sondern mehr auf das Zeitliche an. Wie in der Aufeinanderfolge der Zeit die Impulse wirken, darauf kommt es mehr an.
[ 41 ] For the peoples of the West, what they are is brought about by the fact that the impulses enter the etheric body. Where the impulses enter the etheric body to a greater extent, what matters is not so much the spatial aspect as the temporal aspect. What matters more is how the impulses work in the succession of time.
[ 42 ] Wenn wir nach dem Osten hinüberschauen, sehen wir, wie gleichsam die Gedanken aus der Erde herausquillen, um den Menschen vorzubereiten zur zukünftigen Evolution. Wenn wir nach dem Westen schauen, so sehen wir aus dem Flüssigen herausquellen die Gedanken, die Kräfte, welche die Ätherleiber formen in der Aufeinanderfolge der Zeit.
[ 42 ] When we look toward the East, we see, as it were, thoughts welling up from the earth to prepare humanity for future evolution. When we look toward the West, we see thoughts and forces welling up from the fluid, forces that shape the etheric bodies in the flow of time.
[ 43 ] Und da sehen wir, wie geformt wurde schon in den alten Zeiten im Westen bis weit nach Mitteleuropa herein an dem Ätherleibe des Menschen, so geformt wurde, daß dieser Ätherleib sein unmittelbares Leben leibhaft, lebendig, äußerlich auslebt.
[ 43 ] And there we see how, even in ancient times in the West and far into Central Europe, the human etheric body was formed in such a way that this etheric body lives out its immediate life in a tangible, living, and outward manner.
[ 44 ] Was heißt das? Das heißt, meine lieben Freunde, es lebten in alten Zeiten in Europas Westen Menschen, welche ihre Lebensart so aus dem Ätherleibe heraus zutage brachten wie jetzt — wo der Ätherleib schon gewirkt hat mit diesen alten Impulsen — der Mensch aus dem physischen Leibe heraus wirkt. Menschen lebten, die noch einen lebendigen Umgang hatten mit der geistigen Welt, namentlich mit der elementarischen Welt. Das gehört den alten Zeiten an. Diese Zeiten sind gewissermaßen schon vorüber, in denen in der allerlebendigsten Weise die Genien des flüssigen Elementes zum Ätherleibe des Menschen im Westen sprachen. Wenn aber zu diesem Ätherleibe gesprochen wird, ist es anders als in unserer Zeit, in der vorzugsweise zum physischen Leibe des Menschen gesprochen wird. Zum physischen Leibe des Menschen wird so gesprochen, daß auf seine Sinne Eindruck gemacht wird, daß er sich ein Wissen aneignet und gewisse Lebensgewohnheiten annimmt, die mit den Eindrücken der Sinne zusammenhängen.
[ 44 ] What does this mean? It means, my dear friends, that in ancient times there lived people in Western Europe who expressed their way of life through their etheric body just as—now that the etheric body has already acted through these ancient impulses—human beings act through their physical body. There lived people who still had a living connection with the spiritual world, particularly with the elemental world. This belongs to ancient times. Those times are, in a sense, already past, when the genii of the liquid element spoke in the most vivid way to the etheric body of human beings in the West. But when this etheric body is addressed, it is different from our time, in which the human physical body is primarily addressed. The human physical body is addressed in such a way that impressions are made upon its senses, so that the person acquires knowledge and adopts certain habits of life connected with the impressions of the senses.
[ 45 ] Bei diesen alten Menschen des Westens war es so, daß sie in ihren Lebensgewohnheiten, in dem, was innerlich in ihnen lebte, noch mehr mit der elementarischen Welt zusammenhingen. Bei den Kelten hat man solche Menschen, die geradeso wußten von der elementarischen Welt, wie wir heute wissen von der physischen Welt; Menschen, denen die elementarische Welt nicht verschlossen war, die von Naturgenien, von Wassergenien, von Erdengenien reden konnten, wie wir von den Bäumen, Pflanzen, Bergen, Wolken reden, die unmittelbaren Umgang hatten mit diesen Naturgenien. Und die Eigenart des Lebens in Europa beruht darauf, daß das eben in der alten Zeit so gewesen ist, weil damals so, wie man heute durch die Sinne auf den physischen Leib wirkt, gewirkt wurde auf den ätherischen Leib des Menschen.
[ 45 ] These ancient peoples of the West were such that, in their way of life and in what lived within them, they were even more closely connected to the elemental world. Among the Celts there were people who knew about the elemental world just as we know about the physical world today; people to whom the elemental world was not closed off, who could speak of nature spirits, water spirits, and earth spirits just as we speak of trees, plants, mountains, and clouds, and who had direct contact with these nature spirits. And the distinctive character of life in Europe is based on the fact that this was indeed the case in ancient times, because back then, just as we today act upon the physical body through the senses, so too was the etheric body of the human being acted upon.
[ 46 ] Dann wurde weiter gewirkt allerdings gerade auf den ätherischen Leib des Menschen, aber daß dieser ätherische Leib so formiert, gebildet wird, daß das Verhältnis der Genien des Flüssigen zu ihm sich mehr im Unterbewußtsein abspielt, daß mehr zurücktritt der bewußte Verkehr mit den Naturgeistern.
[ 46 ] Then the process continued, but now it focused specifically on the human etheric body; however, this etheric body is formed and shaped in such a way that the relationship between the spirits of the liquid element and it takes place more in the subconscious, so that conscious interaction with the nature spirits recedes into the background.
[ 47 ] Wodurch kam das zustande? Für Frankreich zum Beispiel kam das zustande dadurch, daß über die Welle der keltischen Entwickelung sich die Welle der romanischen Entwickelung zog, daß das keltische Element von dem romanischen durchsetzt wurde. In dem Zusammenfluß des Keltischen mit dem Romanischen haben wir zwei Impulse. Einen alten Impuls, der unmittelbar den Verkehr vermittelt zwischen der elementarischen Welt und dem Ätherleibe, und in dem neuen Impuls, in dem Einfluß des Romanischen haben wir dasjenige, was auch in den Ätherleib einzieht, aber so einzieht, daß es wie eine historische, eine geschichtliche Welle ist, so daß das eintreten konnte, was ich in den früheren Vorträgen schon gesagt habe, daß in dem französischen Elemente ein Aufleben des alten griechischen Elementes stattfinden konnte.
[ 47 ] How did this come about? In the case of France, for example, it came about because the wave of Romanic development swept over the wave of Celtic development, so that the Celtic element was permeated by the Romanic one. In the confluence of the Celtic and the Romanic, we have two impulses. An ancient impulse that directly mediates the connection between the elemental world and the etheric body, and in the new impulse, in the influence of the Romanic, we have that which also enters the etheric body, but enters in such a way that it is like a historical wave, so that what I have already said in earlier lectures could come to pass: that within the French element, a revival of the ancient Greek element could take place.
[ 48 ] Will man diese westliche Menschenart richtig verstehen, so muß man diese verschiedenen Impulse, die auch in den Ätherleib einfließen, in der richtigen Weise taxieren. Und nun haben wir gewissermaßen von charakteristischen Erscheinungen in bezug auf die Einflüsse auf den physischen Leib und in bezug auf die Einflüsse auf den ätherischen Leib gesprochen. Anders stehen die Sachen, wenn wir die mittlere Region ins Auge fassen. Da liegen die Sachen etwas anders. Da haben wir es zu tun mit etwas, ich möchte sagen, viel Unausgesprochenerem, mit etwas, was sich weniger deutlich charakterisieren läßt. Da haben wir es zu tun damit, daß sowohl Geister der Erde wie Geister des flüssigen Elementes unmittelbar auf den physischen Leib einwirken.
[ 48 ] If one wishes to understand this Western type of human being correctly, one must assess these various impulses—which also flow into the etheric body—in the proper way. And so far we have, so to speak, spoken of characteristic phenomena in relation to the influences on the physical body and in relation to the influences on the etheric body. The situation is different when we consider the middle region. There, things are somewhat different. There we are dealing with something, I would say, much more inarticulate, with something that is less clearly definable. There we are dealing with the fact that both spirits of the earth and spirits of the liquid element act directly upon the physical body.
[ 49 ] Sie sehen, es ist ein Übergang. Hier, im Westen, wirken unmittelbar Geister des flüssigen Elementes auf den Ätherleib. Die Geister des flüssigen Elementes lassen nach, in Mitteleuropa, und es gesellen sich zu ihnen gewisse Geister des irdischen Elementes. Sie wirken auf den physischen Leib unmittelbar; weniger stark auf den Ätherleib. Die Geister des irdischen Elementes verfeinern den physischen Leib, wenn Sie weiter nach Osten gehen. Daher haben wir irgendwie mit Mitteleuropa zusammenhängend all dasjenige, was Europa durch lange Zeit mit solchen physischen Leibern versorgt, die zugänglich sind dem flüssigen Elemente und dem festen Elemente, und daher sehen wir, wie sich komplizieren muß dasjenige, was in die Menschheitsevolution einfließt. Wir sehen, wie aus diesem Fonds, diesem Reservoir, das Volk der Franken vorbereitet, wie ich es geschildert habe, durch die Genien des Flüssigen und des Festen — sich wieder hineinschiebt in das keltisch-romanische Volkselement; und dann erst entsteht dasjenige, was uns entgegengetreten ist als das Wirksame in der Menschheitsevolution.
[ 49 ] You see, it is a transition. Here in the West, spirits of the liquid element act directly upon the etheric body. The spirits of the liquid element diminish in Central Europe, and certain spirits of the earth element join them. They act directly upon the physical body; less strongly on the etheric body. The spirits of the earth element refine the physical body as you move further east. Therefore, we have, in a way connected to Central Europe, all that which has long supplied Europe with physical bodies that are receptive to the liquid and solid elements, and thus we see how complex the factors flowing into human evolution must become. We see how, from this fund, this reservoir, the Frankish people—as I have described—are prepared by the genii of the liquid and the solid to reinsert themselves into the Celtic-Romanic folk element; and only then does that which has confronted us as the active force in human evolution come into being.
[ 50 ] Die Franken, die zurückbleiben, behalten damit die Eigentümlichkeit, die Eigenschaft, vorzugsweise in dem physischen Leibe dasjenige aufzunehmen — die Sachsen sind damit verwandt —, was von den flüssigen und irdischen Geistern ausgeht. Die Franken, die nach dem Westen zogen, vereinigten ihr Wesen mit demjenigen Wesen, das aus dem unmittelbaren Einfluß der Genien des Meeres kommt, was dadurch noch bedeutsamer wird, daß es aufnimmt das Historische des romanischen Elementes.
[ 50 ] The Franks who remain behind thus retain the peculiarity, the characteristic, of absorbing—primarily into the physical body—that which emanates from the fluid and earthly spirits; the Saxons are akin to them in this respect. The Franks who migrated westward united their essence with that essence which arises from the direct influence of the genies of the sea, a fact made all the more significant by the fact that it incorporates the historical aspect of the Romanic element.
[ 51 ] So schieben sich die Impulse ineinander und so können wir begreifen, wie, vor allen Dingen wenn wir Westeuropa charakterisieren wollen, wir gar nicht anders zu einem Verständnis kommen, als wenn wir Rücksicht auf alles dasjenige nehmen, was in den ätherischen Leib eingreift.
[ 51 ] Thus the impulses intertwine, and this is how we can understand that, especially when we seek to characterize Western Europe, we cannot arrive at an understanding unless we take into account everything that influences the etheric body.
[ 52 ] Wenn wir Mitteleuropa charakterisieren wollen, so müssen wir sagen, da kommt es mehr auf den physischen Leib an, kommt es mehr darauf an, was im physischen Leibe konfiguriert wird. Nun sehen wir, wie sich solche Impulse, wie die ausgesprochenen, in gewissen Zentren gleichsam konzentrieren, wie sie charakteristisch hervortreten in gewissen Zentren. Zwei solcher Zentren, die sich wirklich charakteristisch zueinander verhalten, sind gegeben in Mitteleuropa auf der einen Seite und in den britischen Inseln auf der andern Seite. In Mitteleuropa, wo es am stärksten zum Ausdrucke kommt, haben wir dasjenige, was ich das feste Element genannt habe und wo einfließt in den physischen Leib das, was von den Genien des Flüssigen und von den Genien des Festen kommt, wo sich das also vermischt, und auf den britischen Inseln, wo — in gewisser Weise stärker, als das zum Beispiel in Frankreich der Fall ist in die ätherischen Leiber vorzugsweise hineinwirkt das, was von den Genien des flüssigen Elementes kommt. Das hat bewirkt, daß auf diesen zwei Gebieten Menschen leben, die im Grunde genommen dieselben Impulse in sich tragen; nur die einen tragen sie im physischen Leibe und sind zu alledem geeignet, was mit dem Wirken dieser Genien im physischen Leibe zusammenhängt; die andern, auf den britischen Inseln, tragen sie im Ätherleibe und sind dadurch berufen, alles dasjenige zu bewirken, was mit den Impulsen des ätherischen Leibes zusammenhängt. Wenn ich das grotesk sagen darf, so könnte ich sagen, wenn man einen Deutschen und einen Engländer zusammenstellt, so merkt man den Unterschied, wenn man sie als physische Leiber betrachtet. Man merkt erst die Ähnlichkeit, wenn man den physischen Leib des Deutschen mit dem ätherischen Leibe des Engländers zusammenstellt. Da tritt erst dasjenige hervor, was uns zeigt, daß dieselben Impulse da leben, richtig dieselben Impulse da leben.
[ 52 ] If we wish to characterize Central Europe, we must say that what matters there is the physical body; what matters is what is configured within the physical body. Now we see how such impulses, such as those just described, concentrate, as it were, in certain centers, and how they emerge characteristically in certain centers. Two such centers, which really stand in a characteristic relationship to one another, are found in Central Europe on the one hand and in the British Isles on the other. In Central Europe, where this finds its strongest expression, we have what I have called the solid element, and where what comes from the genii of the liquid and the genii of the solid flows into the physical body, where these thus mix, and in the British Isles, where—in a certain sense more strongly than is the case in France, for example—what comes from the genii of the liquid element acts preferentially into the etheric bodies. This has resulted in people living in these two regions who, fundamentally speaking, carry the same impulses within them; only that some carry them in the physical body and are suited to everything connected with the activity of these genies in the physical body; the others, in the British Isles, carry them in the etheric body and are thereby called upon to bring about everything connected with the impulses of the etheric body. If I may put it in a somewhat grotesque way, I could say that when you place a German and an Englishman side by side, you notice the difference when you consider them as physical bodies. One only notices the similarity when one compares the physical body of the German with the etheric body of the Englishman. Only then does that which shows us that the same impulses are at work—indeed, the very same impulses—come to the fore.
[ 53 ] Sie sehen, was in der äußeren Anschauung, die bei der äußeren Phantasmagorie bleibt, ich möchte sagen, karikiert hervortritt. Mißverstehen Sie das Wort nicht. Das tritt einem in seiner wahren Gestalt erst entgegen, wenn man das, was Lebensgrundlage wird, was die Wahrheit ist, ins Auge faßt. Aber weil in der Welt die Wesenheiten zusammenwirken müssen, weil es gar nicht anders sein kann, als daß die Wesenheiten zusammenwirken, denn dieWelt ist ein Ganzes, so muß das so sein, daß auf der einen Seite gewisse Impulse durch den physischen Leib, auf der andern Seite durch den Ätherleib wirken. Ich möchte sagen, das gehört sich so. Dadurch entsteht das entsprechende wirkliche Zusammenwirken.
[ 53 ] You see what emerges, I might say, in a caricatured form in the external perception that remains confined to the external phantasmagoria. Do not misunderstand the word. This only presents itself in its true form when one takes in what becomes the foundation of life, what is the truth. But because the beings in the world must interact—because it cannot be otherwise than that the beings interact, for the world is a whole—it must be the case that, on the one hand, certain impulses act through the physical body, and on the other hand, through the etheric body. I would say that this is how it ought to be. This gives rise to the corresponding real interaction.
[ 54 ] Dadurch, sehen Sie, ist dasjenige gekommen, was in der geistigen Welt erscheint als ein ganz besonderes Verhältnis zwischen der deutschen Welt und der britischen Welt. Ich habe dieses ganz besondere Verhältnis für den Osten und Westen in einer vorigen Stunde auseinandergelegt, indem ich Ihnen gezeigt habe, wie für den Osten und Westen ein gewisser Kampf stattfindet in der geistigen Welt, durch die Verschiedenheit bewirkt der Seelen, die aus einem östlichen und der Seelen, die aus einem westlichen Leibe kommen.
[ 54 ] This, you see, has given rise to what appears in the spiritual world as a very special relationship between the German world and the British world. I explained this very special relationship between East and West in a previous lecture by showing you how a certain struggle takes place in the spiritual world between East and West, brought about by the difference between souls coming from an Eastern body and those coming from a Western body.
[ 55 ] Dasjenige, was durch die eben geschilderten Verhältnisse bewirkt wird, ist etwas anderes. Ich bitte Sie, auch das, was ich heute zu sagen habe, nicht so zu nehmen, als ob man es verstandesgemäß oder spekulierend nehmen kann. Man muß da schon in der geistigen Welt beobachten, sonst wird man nicht auf das Richtige kommen können. Es bildet sich nach und nach heraus ein Zusammenklang zwischen dem, was von Mitteleuropa und den britischen Inseln zurückwirkt, eine Harmonie, ein richtiges geistiges Bündnis, das allmählich eine solche Stärkung erfahren hat, daß man sagen kann, geistig gefaßt, lieben sich heute keine Erdenseelen mehr als die Erdenseelen Mitteleuropas und die Erdenseelen der britischen Inseln. Es ist da die stärkste Liebe, geistig gefaßt, vorhanden, und das drückt sich äußerlich in dem aus, was wir jetzt vor uns sehen. So verwickelt sind die Dinge.
[ 55 ] What is brought about by the circumstances just described is something else entirely. I ask you not to take what I have to say today as something that can be understood through reason or speculation. One must observe this in the spiritual world; otherwise, one will not be able to arrive at the truth. Little by little, a resonance is developing between the forces emanating from Central Europe and the British Isles—a harmony, a true spiritual alliance—which has gradually grown so strong that one can say, in spiritual terms, that no earthly souls love one another more today than the earthly souls of Central Europe and the earthly souls of the British Isles. There exists the strongest love, spiritually speaking, and this is expressed outwardly in what we now see before us. That is how complex things are.
[ 56 ] Man würde solche Dinge wahrhaft nicht aussprechen, wenn sie nur auf einer leicht fundierten Erkenntnis beruhten, wenn man sie sich nicht durch schmerzlichste Erfahrungen errungen hätte. Glauben Sie nicht, daß Sie schablonisieren dürfen, indem Sie denken, daß jedes Bündnis in der physischen Welt ein Krieg in der geistigen Welt ist, und ein Krieg in der physischen Welt ein Bündnis in der geistigen Welt. Die Dinge sind so, wie ich sie Ihnen geschildert habe. Und daß das als Kampf zum Ausdruck kommt, ist der Ausdruck in der heutigen materialistischen Kultur für die Schwierigkeit, die Sache im Geistigen wirklich auszuleben.
[ 56 ] One would truly not utter such things if they were based merely on a superficial understanding, if they had not been gained through the most painful of experiences. Do not think you can generalize by assuming that every alliance in the physical world is a war in the spiritual world, and every war in the physical world is an alliance in the spiritual world. Things are as I have described them to you. And the fact that this is expressed as a struggle is, in today’s materialistic culture, an expression of the difficulty of truly living out the matter in the spiritual realm.
[ 57 ] Es sträubt sich unsere Zeit nicht nur in Worten, sondern auch in Taten, das anzuerkennen, was in der geistigen Welt vorhanden ist. Sie versucht, das Gegenteil dessen hinzustellen, was in der geistigen Welt vorhanden ist, weil sich das materialistische Zeitalter gegen die Anerkennung des Geistigen auch in Taten sträubt. Und so wird das, wohin die geistige Welt tendiert — nämlich nach der Harmonie des im Physischen Errungenen in Mitteleuropa und des im Ätherischen Errungenen auf den britischen Inseln —, in der Maja übertönt durch das, was man heute als Kampf und gegenseitigen Haß vor sich hat.
[ 57 ] Our age resists acknowledging what exists in the spiritual world, not only in words but also in deeds. It attempts to present the opposite of what exists in the spiritual world, because the materialistic age resists the recognition of the spiritual even in its actions. And so what the spiritual world tends toward—namely, the harmony between what has been achieved in the physical realm in Central Europe and what has been achieved in the etheric realm in the British Isles—is drowned out in maya by what we see today as strife and mutual hatred.
[ 58 ] Sehen Sie, es lohnt sich schon für diejenigen, die keine Geisteswissenschafter sind, uns für Narren zu halten, da die Erkenntnisse, die aus der geistigen Welt dringen, gar sehr widersprechen dem, was man auf der physischen Welt beobachten kann. Aber dessen können wir uns doch versichert halten, daß die Fortentwickelung der Menschheit davon abhängt, daß wirklich die geistigen Wahrheiten durchdringen werden, daß wirklich die Menschen hinter die Sinneswelt sehen lernen. Dazu sind Ereignisse notwendig, von denen ich mehr oder weniger deutlich in diesen Tagen gesprochen habe.
[ 58 ] You see, even for those who are not Spiritual Scientists, it is understandable to regard us as fools, since the insights that emerge from the spiritual world are in stark contrast to what can be observed in the physical world. But we can be assured that the further development of humanity depends on spiritual truths truly taking hold, on people truly learning to see beyond the sensory world. For this, certain events are necessary, which I have spoken of more or less clearly in recent days.
[ 59 ] Man darf froh sein, daß das Karma uns hier zusammengeführt hat in einem neutralen Gebiete, wo es geht, so rückhaltlos über diese Dinge zu sprechen, denn es ist nicht ganz leicht, gerade heute über diese Dinge zu sprechen. Aber für die Geisteswissenschafter ist es gut, sich in diese Dinge hineinzufinden, weil sie betrachten dürfen dasjenige, was in der äußeren Welt geschieht, gerade als Ansporn dafür, hinter den Schleier zu schauen. Es müßte vieles ganz unverständlich bleiben, wenn man nicht hinter diesen Schleier schauen könnte. Die Dinge bekommen erst ihre volle Bedeutung, wenn man hinter diesen Schleier sieht.
[ 59 ] We should be glad that karma has brought us together here in a neutral setting where we can speak so freely about these matters, for it is not entirely easy to discuss them, especially today. But it is good for spiritual scientists to familiarize themselves with these matters, because they may regard what happens in the outer world precisely as an incentive to look behind the veil. Much would remain completely incomprehensible if one could not look behind this veil. Things only acquire their full meaning when one looks behind this veil.
