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The Rudolf Steiner Archive

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Artistic and Existential Questions
in the Light of Spiritual Science
GA 162

1 August 1915, Dornach

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Elfter Vortrag

Eleventh Lecture

[ 1 ] Hinweisen konnten wir gestern darauf, wie der Intellekt, also alles dasjenige, was zusammenhängt mit unserer Begriffs- und Vorstellungsbildung, gewissermaßen losgelöst ist, namentlich für das abendländische Denken losgelöst ist von dem inneren Erquellenden, von dem inneren Schaffenden und Wirkenden, und wie dadurch der Mensch dazu kommt, in dem, was er als Vorstellungen, als Begriffe aufnimmt, bloß die Bilder von etwas Äußerem zu sehen und nicht darauf zu achten, wie mit den Vorstellungen, mit dem Denken zu gleicher Zeit in uns selber etwas geschieht, ein inneres Werden sich vollzieht, ein inneres Geschehen sich abspielt.

[ 1 ] Yesterday we were able to point out how the intellect—that is, everything connected with our formation of concepts and mental images—is, in a sense, detached, particularly in Western thought, from the inner source of inspiration, from the inner creative and active force, and how this leads human beings to, in what they take in as ideas and mental images, to see merely the images of something external and to fail to notice how, at the same time as these mental images and this thinking take place, something is happening within us—an inner becoming is unfolding, an inner process is taking place.

[ 2 ] Und gewissermaßen als den polarischen Gegensatz habe ich gestern schon erwähnt das Gebanntsein von Gefühls- und Willensimpulsen wiederum in das Innere des Menschen, so daß der Mensch, indem er fühlt, indem er in sich Willensimpulse rege macht, dann das Bewußtsein hat, er sei in diesem Erfühlen, in diesem Willensimpulse-Regemachen ganz nur in sich selber, habe es da nur mit sich zu tun, und das, was sich im Gefühls- und Willensimpuls auslebt, beziehe sich nicht auf irgend etwas draußen in der Welt, im Kosmos. Mit unserem Gefühle glauben wir gewissermaßen nur unser Innenleben zum Ausdruck zu bringen, glauben etwas zu erleben, was nur mit diesem Inneren zusammenhängt.

[ 2 ] And, in a sense, as the polar opposite, I already mentioned yesterday the confinement of emotional and volitional impulses back into the inner self of the human being, so that when a person feels, when they stir up volitional impulses within themselves, they are then conscious that in this feeling, in this stirring up of volitional impulses, they are entirely within themselves, dealing only with themselves, and that what plays out in the emotional and volitional impulses does not relate to anything outside in the world, in the cosmos. With our feelings, we believe, in a sense, that we are merely expressing our inner life; we believe we are experiencing something that is connected only to this inner world.

[ 3 ] Ich habe darauf aufmerksam gemacht: dies rührt davon her, daß gewisse geistige Wesenheiten aus der Hierarchie der Archangeloi dazumal, als die Trennung des alten Mondes von dem Sonnensein stattfand, diesen Schritt der Trennung nicht mitgemacht haben und gewissermaßen bei dem fortschreitenden Sonnensein geblieben sind. Das, was dadurch ihnen geworden ist, daß sie zurückgeblieben sind hinter dem Schritte des Mitmachens des Mondendaseins, das leben sie nunmehr dadurch aus, daß sie jetzt mit Anteil nehmen an unserem Erdendasein. Sie durchdringen uns, durchweben uns, diese geistigen Wesenheiten, und schließen gewissermaßen unser Fühlen und unseren Willen ab von der äußeren kosmischen Welt. Sie beschränken dieses unser Fühlen, dieses unser Wollen auf das Innere.

[ 3 ] I have pointed this out: it stems from the fact that certain spiritual beings from the hierarchy of the Archangels, at the time when the separation of the old Moon from the solar existence took place, did not participate in this step of separation and, in a sense, remained with the evolving solar existence. What has become of them as a result of their having remained behind the step of participating in lunar existence—they now live this out by taking part in our earthly existence. These spiritual beings permeate us, interweave with us, and, in a sense, seal off our feeling and our will from the outer cosmic world. They limit our feeling and our willing to the inner realm.

[ 4 ] Nun entsteht dadurch aber, wie Sie leicht einsehen können, in einem hohen Maße eine Art Spaltung zwischen etwas in uns, was gewissermaßen auf uns selber beschränkt sein will, was in uns nur leben will als unsere Gefühls- und Willensimpulse, und einem anderen in uns, was wenig achtgibt auf das, was es in uns ist, und was sich viel, viel mehr wendet nach außen, ganz gerichtet sein will nach außen.

[ 4 ] Now, as you can easily see, this gives rise to a significant kind of division between one part of us—which, in a sense, wants to remain confined to ourselves, which wants to live within us only as our emotional and volitional impulses—and another part of us, which pays little attention to what it is within us and which turns much, much more toward the outside, wanting to be entirely directed outward.

[ 5 ] Wollten wir uns schematisch aufzeichnen, was da vorliegt, so könnten wir uns vielleicht sagen: Wenn das schematisch der Mensch ist, so würden wir es zu tun haben zunächst mit unserem intellektuellen Leben (Zeichnung I, gelb), welches sich nach außen richtet, die Außenwelt aufnehmen will und nicht darauf achtet, daß es hier im Inneren ausstrahlt und unsere Gestalt fortwährend hervorruft. Dagegen haben wir ein Element des Willens und der Gefühle hier im Inneren (Zeichnung, violett), die strahlen nur in uns selber aus, und wir werden nicht gewahr, daß sie nun auch in den Kosmos hinausgehen, daß sie wirklich in sich auch etwas tragen, was ebenso vom Kosmos herrührt, wie der Inhalt unserer Gedanken vom Kosmos herrührt.

[ 5 ] If we were to sketch out schematically what we have here, we might say: If this is a schematic representation of the human being, then we would first be dealing with our intellectual life (Figure I, yellow), which is directed outward, seeks to take in the external world, and does not pay attention to the fact that it radiates outward from within and continually shapes our form. In contrast, we have an element of will and feelings here within (diagram, violet), which radiate only within ourselves, and we are not aware that they now also extend out into the cosmos, that they truly carry within themselves something that originates from the cosmos just as the content of our thoughts originates from the cosmos.

Diagram 1Diagram 1

[ 6 ] Nun ist ja allerdings in uns Menschen eine Verbindung zwischen diesen zwei, man könnte sagen, Zentren in uns. Es ist eine Verbindung (Zeichnung I, hellrot), aber diese Verbindung bleibt im gewöhnlichen Dasein, im gewöhnlichen Leben eigentlich unterbewußt, kommt nicht zum Bewußtsein. Der Mensch erlebt eben als seine Innenwelt sein Fühlen und Wollen und als seine Außenwelt sein Denken, das hinüberleitet zu den Wahrnehmungen, zu den Sinnesempfindungen. Also im gewöhnlichen Leben kommt die Verbindung zwischen diesen beiden Zentren in uns nicht eigentlich zum Bewußtsein. Das hat zur Folge, daß der Mensch leicht das Bewußtsein bekommen kann, es werde ihm von zwei Seiten her die Wahrheit zuteil, es werde ihm die Wahrheit oder etwas wie die Wahrheit dadurch, daß er durch seine Sinne die Außenwelt beobachtet und die Beobachtungen mit seinem Intellekte kombiniert und so weiter.

[ 6 ] Now, however, there is indeed a connection within us humans between these two—one might say—centers within us. It is a connection (Drawing I, light red), but in ordinary existence, in ordinary life, this connection actually remains subconscious; it does not come to consciousness. Human beings experience their feelings and will as their inner world, and their thinking—which leads to perceptions and sensory impressions—as their outer world. Thus, in ordinary life, the connection between these two centers within us does not actually come to consciousness. As a result, a person can easily come to believe that truth is being conveyed to them from two sides—that truth, or something like truth, is being conveyed to them through observing the external world with their senses and combining those observations with their intellect, and so on.

[ 7 ] Auf diesen Prozeß des Beobachtens der Außenwelt und des Erhaltens von gewissen Begriffswelten auf Grundlage gewisser Beobachtungen hat Kant hingesehen und hat in seinem Suchen nicht gefunden irgend etwas, worauf man da kommen könnte, wenn man dasjenige hinauserstreckte, was von dem einen Zentrum hinaus will in den Kosmos. Er kam dazu, zu sagen: Ja, nach einem «Ding an sich» muß das (Zeichnung I, gelb) wohl hinausgehen, aber man kann es nicht finden. Und auf der anderen Seite fühlte er, wie aus dem Inneren des Menschen etwas aufstößt, was im Willen und im Gefühle lebt. Aber da ihm unbewußt blieb der Zusammenhang, waren dies für ihn zwei Welten: Die Welt des Seins und die Welt des Sollens, Nur das Eine fühlte er klar: Hier kommt man nicht zu irgend etwas. Das «Ding an sich» ist unbekannt, ist im Nebulosen; aber das, was da im Menschen gewissermaßen aufstößt, das gibt eine gewisse innerliche Verbindlichkeit. Die nennt Kant den «kategorischen Imperativ», von dem er dann alle Wahrheiten, die sich auf das Innere beziehen, ableitet ... alle höheren Glaubenswahrheiten, wie er sie nennt im Gegensatz zu den äußeren Wahrheiten, die aber von der eigentlichen Welt nichts überliefern können.

[ 7 ] Kant examined this process of observing the external world and deriving certain conceptual frameworks based on specific observations, and in his search he found nothing that one could arrive at by extending that which seeks to move outward from a single center into the cosmos. He came to say: Yes, this (Figure I, yellow) must indeed extend outward toward a “thing-in-itself,” but it cannot be found. And on the other hand, he sensed something welling up from within the human being, something that lives in the will and in feeling. But since the connection remained unconscious to him, these were two worlds for him: the world of being and the world of ought. He felt only one thing clearly: Here one arrives at nothing. The “thing-in-itself” is unknown, shrouded in obscurity; but that which, in a sense, wells up within the human being imparts a certain inner obligation. Kant calls this the “categorical imperative,” from which he then derives all truths relating to the inner world… all higher truths of faith, as he calls them, in contrast to external truths, which, however, can convey nothing about the actual world.

[ 8 ] Worauf wir aber unser Hauptaugenmerk lenken müssen, ist dies, daß so der Mensch in der Tat nicht etwas bloß durch seine eigene Gesinnung, sondern daß er durch seine ganze Entwickelung, die er durchgemacht hat durch den Saturn-, Sonnen- und Mondenzustand hindurch, teilgenommen hat an der Spaltung, die im Mondenzustand stattfand, und dadurch zu dieser Zweigeteiltheit gekommen ist und diese auf naturgemäße Weise erleben muß.

[ 8 ] What we must focus on, however, is this: that human beings do not, in fact, become what they are merely through their own disposition, but rather through their entire development—which they have undergone through the Saturn, Sun, and Moon phases, has participated in the division that took place during the Moon phase, and has thereby arrived at this duality, which he must experience in a natural way.

[ 9 ] Nun kommen wir, wenn wir noch näher diese Sache betrachten, auf eine wichtige, auf eine bedeutungsvolleWahrheit, die uns die Geisteswissenschaft auf dem Boden dessen, was hier charakterisiert worden ist, gibt. Wir können sagen: Daß dies so ist mit unserem Denken, unserem Intellekte, mit unserem Vorstellen, das hängt zusammen mit der einstigen Trennung des Mondes von der fortschreitenden Sonne. Wie wir als Menschen dieses unser Denken und dieses unser Vorstellen auffassen, das hängt zusammen damit, daß gewisse luziferische Wesenheiten aus der Hierarchie der Angeloi, die nicht mitgemacht haben das Sich-wieder-Verbinden des Mondes mit der Sonne, durch das, was sie geworden sind, eben in unserem Intellekt leben, so daß etwas Luziferisches in unserem Intellekte lebt und uns abschließt von dem Hinschauen auf das innerlich Bewegliche und Formende. Also, es haust gewissermaßen Luzifer in unserem Denken.

[ 9 ] Now, if we examine this matter even more closely, we arrive at an important, a significant truth that Spiritual Science reveals to us on the basis of what has been described here. We can say: The fact that this is so with our thinking, our intellect, and our mental images is connected to the ancient separation of the Moon from the advancing Sun. The way we as human beings perceive our thinking and our mental images is connected to the fact that certain Luciferic beings from the hierarchy of the Angeloi—who did not participate in the Moon’s reconnection with the Sun—live within our intellect precisely because of what they have become, so that something Luciferic dwells in our intellect and prevents us from looking toward that which is inwardly dynamic and formative. So, in a sense, Lucifer dwells within our thinking.

[ 10 ] Was ist denn nun das Wesentliche dieses Luziferischen? Das Wesentliche dieses Luziferischen ist, daß wir dasjenige, was von den regulär fortschreitenden göttlich-geistigen Wesenheiten in uns veranlagt ist und entwickelt wird, nicht wahrnehmen, sondern wahrnehmen das, was Luzifer gewissermaßen aus dieser normalen Entwickelung macht. Und was ist das für Luzifer selber, daß er das, was er während der Mondentwickelung hätte durchmachen sollen, aber nicht durchgemacht hat, nun in die Erdenentwickelung hineinträgt und in der Erdenentwickelung seinerseits das durchmacht, was er damals nicht durchgemacht hat? Worin wird das bestehen, was er da durchmachen soll während der Erdenentwickelung? — Ich bitte, gerade auf diesen Zusammenhang recht sehr zu achten, denn er ist bedeutungsvoll, aber schwierig. Also, was will Luzifer? Was wollen diese luziferischen Engelwesen, die in unserem Intellekt sind?

[ 10 ] What, then, is the essence of this Luciferic aspect? The essence of this Luciferic aspect is that we do not perceive what is instilled in us and developed by the divinely-spiritual beings who progress in a regular manner, but rather perceive what Lucifer, so to speak, makes of this normal development. And what is it for Lucifer himself that he now carries into Earth evolution what he should have gone through during the Lunar evolution but did not, and that he, in turn, goes through in Earth evolution what he did not go through back then? What will this consist of—what he is to go through during Earth evolution? — I ask you to pay very close attention to this connection, for it is significant but difficult. So, what does Lucifer want? What do these Luciferic angelic beings within our intellect want?

[ 11 ] Dazumal wollten sie nicht den Schritt mitmachen der Vereinigung des Mondes mit der Sonne. Hätten sie dazumal den Schritt mitgemacht, dann hätten sie gewissermaßen in richtiger Weise das Vorstellen und Denken mit der menschlichen Natur verbunden. Sie haben das nicht getan, und so tragen sie jetzt nichts dazu bei. Jetzt aber, während des Erdendaseins, wollen sie das machen, was sie dazumal nicht gemacht haben: sie wollen jetzt den Intellekt mit dem Menschen verbinden, sie wollen während der Erdenentwickelung das machen, was sie eigentlich auf dem Monde, während der Mondenentwickelung, hätten machen sollen. Wenn Sie das richtig überlegen, werden Sie verstehen, daß etwas ungeheuer Bedeutungsvolles daraus folgt.

[ 11 ] At that time, they did not want to take the step of uniting the Moon with the Sun. Had they taken that step back then, they would, in a sense, have correctly linked mental images and thinking with human nature. They did not do so, and thus they now contribute nothing to this process. But now, during their earthly existence, they want to do what they did not do back then: they now want to unite the intellect with the human being; they want to do during Earth’s evolution what they actually should have done on the Moon, during the Moon’s evolution. If you think this through carefully, you will understand that something immensely significant follows from this.

[ 12 ] Würden wir nämlich nicht in der angedeuteten Weise von luziferischen Wesenheiten verführt werden, so würden wir das Denken nicht so auf uns beziehen, wie wir es jetzt tun, sondern wir würden zurückschauen auf die Mondenentwickelung und würden sagen: Vor urfernen Zeiten wollte sich unser Denken mit unserem Inneren verbinden, wollte uns gehören. — So sagen wir aber dies nicht, sondern wir sagen: Wir eignen uns die Gedanken der Welt an und nehmen sie jetzt in uns auf. — Das aber ist richtige luziferische Verführung. Im Sinne der fortschreitenden göttlich-geistigen Wesenheiten würden wir denken: Da draußen breitet sich die Sinnenwelt aus, so wie wir sie sehen. In dem Augenblicke, wo wir nun zum Denken übergehen, blicken wir zurück zum alten Mondendasein und führen die ganze irdische Sinnenwelt zurück auf das alte Mondendasein.

[ 12 ] For if we were not being led astray by Luciferic beings in the manner described, we would not relate thinking to ourselves as we do now, but rather we would look back on the development of the Moon and say: In time immemorial, our thinking sought to unite with our inner being; it sought to belong to us. — But we do not say this; instead, we say: We appropriate the thoughts of the world and now take them into ourselves. — And that is true Luciferic seduction. In the spirit of the evolving divine-spiritual beings, we would think: Out there, the sensory world spreads out just as we see it. At the very moment we now transition to thinking, we look back to the old lunar existence and trace the entire earthly sensory world back to that old lunar existence.

[ 13 ] Wir würden also folgendes durchmachen: Denken Sie, wenn wir das (Zeichnung, grün) als die irdisch-wahrgenommene Sinneswelt bezeichnen, so würden wir da die Erde in uns haben, das heißt den Erdeninhalt, und wir würden nicht so, wie wir es jetzt machen, uns Begriffe von dem Erdeninhalt bilden, sondern wir würden sagen: Alles dasjenige, was wir so als Erdeninhalt haben, beziehen wir zurück auf den alten Mondinhalt, und während wir sinnlich wahrnehmen, und uns der Erdeninhalt sinnlich erscheint, leuchtet in uns auf, wie alles, was auf der Erde lebt und webt, west und wirkt und wird, auf der Grundlage des alten Mondendaseins erscheint. — Es würde uns aufleuchten etwas wie ein Zusammenhang mit einem scheinbar vergangenen Stern, der aber noch da wäre und in unserer Gedankenwelt lebte. Wir würden uns in Zusammenhang fühlen mit der gegenwärtigen Vergangenheit und würden durchschauen das luziferische Trugbild, das darinnen besteht, daß Luzifer uns vor das leuchtende Mondendasein einen Teppich, einen Schleier vorhält, weil er dazumal es unterlassen hat, sich mit dem Sonnendasein zu vereinigen. Und er gaukelt uns vor, daß wir alles dasjenige, was wir erblicken sollten als in uns hereinleuchtend vom alten Mondendasein — das heißt, vom ewig neuen Mondendasein — so aufnehmen, wie unseren Gedankeninhalt, der sich jetzt durch unser Gehirn in uns festsetzt und in uns ruht als Erdenmenschen.

[ 13 ] So we would go through the following: If we were to designate this (drawing, green) as the sensory world as perceived on Earth, we would have the Earth within us—that is, the content of the Earth—and we would not, as we do now, form concepts of the content of the Earth, but rather we would say: Everything that we have as the content of the Earth, we trace back to the old lunar content; and while we perceive it through our senses, and the content of the Earth appears to us through our senses, it dawns on us how everything that lives and weaves, exists and acts and becomes on Earth appears on the basis of the old lunar existence. — It would dawn on us that there is a connection of sorts with a star that seems to have passed away, but which is still there and lives on in our world of thought. We would feel connected to the present past and would see through the Luciferic illusion, which consists in Lucifer holding up a curtain, a veil, before the radiant lunar existence, because he failed at that time to unite himself with the solar existence. And he deludes us into believing that we should take in everything we perceive—as if it were shining into us from the ancient lunar existence—that is, from the eternally new lunar existence—just as we take in the content of our thoughts, which is now established within us through our brain and rests within us as earthly human beings.

Diagram 1Diagram 1

[ 14 ] Also wir sind abgeschlossen worden von jener wunderbaren, gewaltigen Erinnerung an das alte Mondendasein durch das, was geschehen ist. Wir erblicken nicht stets im Hintergrunde, ich möchte sagen, wie in unseren Nacken hineinscheinend, die Erklärung für alles dasjenige, was uns die Sinne vorzaubern. Wir würden durch die Welt gehen, unsere Sinne hinausgerichtet auf das sinnliche Dasein, und würden erfühlen, wie unseren Nacken und unser Hinterhaupt bescheinend, das alte, immer neue Mondendasein, das die Erklärung böte der realen lebendigen Begriffe, die kosmisch sind und nicht von den äußeren Erdendingen in uns hineinwirken.

[ 14 ] So we have been cut off from that wondrous, powerful memory of our ancient lunar existence by what has happened. We do not always perceive in the background—I would say, as if shining into the back of our necks—the explanation for everything that our senses conjure up before us. We would walk through the world, our senses attuned to sensory existence, and would feel, as if shining upon the back of our necks and the tops of our heads, that ancient, ever-new lunar existence, which would offer the explanation for the real, living concepts that are cosmic and do not act upon us from external earthly things.

[ 15 ] Durcheinandergeworfen sind also zwei Weltbilder: das Erdenbild und das Mondenbild. Wir müßten sie auseinanderhalten können: das eine, indem wir unsere Sinne nach vorn richten, das andere, indem wir das Scheinen von hinten empfangen, und wir müßten verhindern, daß sich dies ineinanderwebt in unserer Erkenntnis. Wir können das nicht; Luzifer wirft sie durcheinander. Begriffe, Vorstellungen, Sinnesempfindungen wirft er uns durcheinander, und die Philosophen knacken seit langem an einem entsprechenden Problem, das sie «Antinomie» nennen.

[ 15 ] Two worldviews are thus thrown into confusion: the earthly view and the lunar view. We would have to be able to distinguish between them—the one by directing our senses forward, the other by receiving the light from behind—and we would have to prevent these from becoming intertwined in our understanding. We cannot do this; Lucifer confuses them. He confuses our concepts, mental images, and sensory perceptions, and philosophers have long been grappling with a corresponding problem, which they call an “antinomy.”

[ 16 ] Bei Kant können Sie nachlesen: da haben Sie immer auf der einen Seite Beweise angeführt zum Beispiel dafür, daß die Welt dem Raume nach unendlich ist; auf der anderen Seite haben Sie ebenso strikte Beweise angeführt, daß die Welt dem Raume nach nicht unendlich, sondern begrenzt ist. Für beides gibt es gleich bindende Beweise. Sie müssen da sein, weil die eine Anschauung ebenso wahr ist wie die andere. Nur ist die eine die Erdenanschauung, und die andere die Mondenanschauung. Dem, der sie nicht auseinanderhalten kann, werden sie zu unauflöslichen Widersprüchen, zu Widersprüchen, die überhaupt mit dem Erdenverstande nicht aufzulösen sind.

[ 16 ] You can read about this in Kant: on the one hand, he always presents evidence—for example, that the world is infinite in space; on the other hand, he presents equally rigorous evidence that the world is not infinite in space, but rather finite. There are equally compelling proofs for both. They must exist because one view is just as true as the other. It is just that one is the earthly view, and the other is the lunar view. To those who cannot distinguish between them, they become irresolvable contradictions—contradictions that cannot be resolved at all by earthly reason.

[ 17 ] Aber wir haben gesehen: nochälterer Art sind diejenigen Abirrungen vom fortschreitenden Gange der Weltentwickelung, die durch die Geister aus der Hierarchie der Archangeloi zustande gekommen sind, die in unseren Gefühlen und in unseren Willensimpulsen leben. Da können wir sagen, es schließt uns Luzifer ab durch sein Dasein von dem Kosmos. Er läßt uns nur dasjenige erfühlen, was in unserem Inneren lebt von Gefühlen und Willensimpulsen. Wenn er uns nicht so abschließen würde, dann würde der Mensch, statt daß er das Gefühl und den Willen wie aus seinem Unterbewußtsein, wie aus seinem Inneren da heraufkommen fühlte, alles dasjenige wahrnehmen, was durch die Sonnenzeit vom Kosmos in ihn hereinscheint, hereinleuchtet. Wie der Mensch in seinem Intellekt eigentlich wahrnehmen müßte den alten Mond hinter dem gewöhnlichen Sinnendasein, so müßte er hinter seinen Gefühlen und hinter seinen Willensimpulsen die strahlende Weltensonne aufgehen sehen. In den Gefühlen und im Willen müßte er — wie den Kern in der Frucht — das Wesen des Sonnenlebens durch das Gefühl und den Willen hindurchleuchten sehen.

[ 17 ] But we have seen that even older in nature are those deviations from the progressive course of world development that have been brought about by the spirits of the hierarchy of the Archangeloi, who live within our feelings and our impulses of will. We can say, then, that Lucifer, through his very existence, cuts us off from the cosmos. He allows us to feel only those feelings and impulses of will that live within us. If he did not isolate us in this way, then instead of feeling as though emotion and will were rising up from his subconscious, from within himself, human beings would perceive everything that shines into them from the cosmos during the solar era. Just as human beings should actually perceive the ancient Moon behind their ordinary sensory existence through their intellect, so too should they see the radiant World Sun rising behind their feelings and behind their impulses of will. In their feelings and in their will, they should see—like the core within a fruit—the essence of solar life shining through their feelings and their will.

[ 18 ] Davon sind wir nun wiederum luziferisch abgeschlossen. Wir glauben, daß das Gefühl und der Wille nur etwas in uns ist; wir fühlen gewissermaßen nicht in uns, daß alle Gefühle und aller Wille in ihnen lebende Sonnenkräfte enthalten, Sonnenkräfte, die wirklich darinnen sind. Würden wir diese Sonnenkräfte fühlen, würden wir wirklich das Geisteslicht inmitten von Gefühl und Wille aufleuchten fühlen, dann würden wir ein Schauen des Kosmos eben durch dieses Aufleuchten des Geisteslichtes der Welt in dem Gefühle und dem Willen haben. Wir würden ein Äußeres durch unser Inneres unmittelbar wahrnehmen. Das ist uns durch jene luziferischen Geister, die Erzengelnatur haben und nicht mitgemacht haben den Schritt der Abtrennung des Mondes von der Sonne, eben verdorben. Es mußte uns wiedergebracht werden dadurch, daß nun dieses Kosmisch-Sonnliche hereinkam in die Menschheits-Entwickelung. Dieses Kosmisch-Sonnliche kam herein in die Erdenentwickelung durch das Mysterium von Golgatha, durch jenes Mysterium von Golgatha, dessen ganze Realität der Mensch zunächst in sich aufnehmen muß, innerlich erleben muß: «Nicht ich, der Christus in mir.»

[ 18 ] We are now, in turn, cut off from this in a Luciferic way. We believe that feeling and will are merely something within us; we do not, so to speak, feel within ourselves that all feelings and all will contain solar forces living within them—solar forces that are truly there. If we were to feel these solar forces, if we were truly to feel the light of the spirit shining forth in the midst of feeling and will, then we would have a vision of the cosmos precisely through this shining forth of the spirit’s light in the world within feeling and will. We would perceive the external world directly through our inner being. This has been corrupted for us by those Luciferic spirits who possess the nature of archangels and did not participate in the separation of the Moon from the Sun. It had to be restored to us through the entry of this cosmic-solar force into human evolution. This cosmic-solar force entered Earth’s evolution through the Mystery of Golgotha—that very Mystery of Golgotha whose full reality human beings must first take into themselves and experience inwardly: “Not I, but Christ in me.”

[ 19 ] Und von da ausgehend, bildet sich in ihm immer mehr und mehr jenes innerlich Leuchtende, Gestaltende. Das kosmische Licht durchzieht wie das Sonnenlicht Gefühl und Wille und vereinigt sich mit dem Intellektuellen, so daß wir ein einheitliches Weltenbild dadurch erlangen, daß wir lernen, nicht bloß in Gefühl und Wille leben zu haben den Christus-Impuls, sondern ihn einfließen zu lassen in die Verstandes-, in die Vorstellungswelt. So daß uns an Stelle des bloßen Hinblickens auf den Christus Jesus wirklich eine ganze Kosmologie wird, ein durchchristeter Kosmos wird, indem wir verstehen lernen, was der Kosmos war vor dem Mysterium von Golgatha, als der Christus mit dem Sonnlichen außerhalb des Irdischen verknüpft war, und was der Kosmos ist nach dem Mysterium von Golgatha, da der Christus nun nicht mehr von der Erdenaura getrennt ist, sondern in der Erdenaura weiterlebt. Nur dadurch, daß wir uns selber zunächst identisch fühlen mit dem Christus-Impulse, daß wir gewissermaßen diesen Christus-Impuls als das Zentrum betrachten, von dem uns in der gestern angedeuteten Weise die fortwirkende, die ewige, die immerwährende Offenbarung werden kann, nur dadurch dringen wir immer mehr und mehr zu der Möglichkeit vor, ein konkretes, ein inhaltvolles Christentum zu erlangen, das dann durchaus eins sein wird mit dem, was der Inhalt der Geisteswissenschaft ist, auch in kosmologischer Beziehung.

[ 19 ] And starting from there, that inner radiance and formative power takes shape within him more and more. The cosmic light, like sunlight, permeates feeling and will and unites with the intellectual, so that we attain a unified worldview by learning not merely to live with the Christ impulse in feeling and will, but to allow it to flow into the world of the intellect and the world of the imagination. So that, instead of merely looking to Christ Jesus, we truly come to have a whole cosmology—a Christ-imbued cosmos—as we learn to understand what the cosmos was before the Mystery of Golgotha, when Christ was linked to the solar forces outside the earthly realm, and what the cosmos is after the Mystery of Golgotha, since Christ is no longer separated from the Earth’s aura but continues to live within it. Only by first feeling ourselves to be one with the Christ impulse—by, so to speak, regarding this Christ impulse as the center from which, in the manner hinted at yesterday, the ever-active, eternal, and everlasting revelation can become a reality for us— only in this way do we advance more and more toward the possibility of attaining a concrete, meaningful Christianity that will then be entirely one with the content of Spiritual Science, even in a cosmological sense.

[ 20 ] Nehmen Sie den ganzen Nerv, möchte ich sagen, der Christologie, nehmen Sie das, was der Mensch eigentlich verstehen müßte, um die Christologie zu verstehen. Warum verstehen denn so viele Leute die Christologie nicht? Warum verbinden sie keine richtigen Begriffe mit dem Mysterium von Golgatha? Weil den Menschen zugemutet wird, irgend etwas als Realität zu bezeichnen, was sie nicht gewohnt sind, sonst als Realität zu bezeichnen.

[ 20 ] Take the very essence, I would say, of Christology; take what a person actually needs to understand in order to grasp Christology. Why is it that so many people do not understand Christology? Why don’t they associate the right concepts with the mystery of Golgotha? Because people are expected to call something “reality” that they are not accustomed to calling “reality” in other contexts.

[ 21 ] In Haeckels Büchern befindet sich ein Satz, der etwa so heißt: Die Conceptio immaculata ist eine freche Verhöhnung der menschlichen Vernunft. — Aber warum der menschlichen Vernunft? Ja, der Nachsatz heißt: Weil in allen anderen Fällen, im Tier- und Menschenreiche, sich zeigt, daß eine solche Geburt nicht beobachtet werden kann. — Das ist selbstverständlich ein logischer Widerspruch in sich. Denn man müßte einen Vernunftgrund und nicht einen Beobachtungsgrund anführen. Aber gerade hier begegnen wir wieder einer Tatsache, die so ist, daß sie mit den Begriffen, die der Mensch von der äußeren Realität empfängt, nicht vereinbar ist. Alles das, was der Mensch sonst «real» nennt, kann ja nicht vereinbar sein mit der Realität dieser Tatsache, überhaupt mit der ganzen Tatsache des Mysteriums von Golgatha.

[ 21 ] In Haeckel’s books there is a sentence that goes something like this: “The Immaculate Conception is a brazen mockery of human reason.” — But why human reason? Indeed, the following sentence states: “Because in all other cases, in the animal and human kingdoms, it is evident that such a birth cannot be observed.” — This is, of course, a logical contradiction in itself. For one would have to cite a rational reason rather than an observational one. But it is precisely here that we encounter once again a fact that is such that it is incompatible with the concepts that humans derive from external reality. Everything that humans otherwise call “real” cannot, after all, be compatible with the reality of this fact—or indeed with the entire reality of the Mystery of Golgotha.

[ 22 ] Er muß also etwas begreifen, der Mensch, was seinen Begriffen von Realität widerspricht. Nun sollte denjenigen, die der Geisteswissenschaft immer näher- und nähertreten, sich ein Weg eröffnen zu Begriffen, die die Möglichkeit bieten, das Mysterium von Golgatha zu verstehen. Man nennt im gewöhnlichen Leben und auch in der heutigen Wissenschaft das, was man äußerlich mit den Sinnen beobachtet: ein Reales oder wenigstens etwas, was auf einem Realen begründet ist. Man stützt die reale Wissenschaft auf das, was man mit den Sinnen beobachtet. Man bemüht sich aber noch, sie zu etwas anderem zu benützen, man bemüht sich auch, alles so zu begreifen, wie das verläuft, was draußen durch die Sinne beobachtet werden kann. Es bemühen sich die Biologen, das Lebewesen, den lebendigen Organismus so zu begreifen, als ob er nur ein kompliziertes Zusammenwirken von lauter mechanischen Kräften, also eine komplizierte Maschine sei, weil sie nur eine Maschine als etwas Reales ansehen können.

[ 22 ] Human beings must therefore grasp something that contradicts their concepts of reality. Now, for those who are drawing ever closer to Spiritual Science, a path should open up to concepts that offer the possibility of understanding the mystery of Golgotha. In everyday life, and also in modern science, what is observed externally through the senses is called “real” or at least something based on the real. Real science is grounded in what is observed through the senses. However, people still strive to use it for other purposes; they also strive to understand everything in terms of what can be observed externally through the senses. Biologists strive to understand living beings, living organisms, as if they were merely a complex interplay of purely mechanical forces—that is, a complex machine—because they can regard only a machine as something real.

[ 23 ] Was liegt eigentlich dahinter? Das liegt dahinter, daß der Mensch etwas als Reales bezeichnet, und zwar durch das ganze Leben hindurch heute als real bezeichnet, was gar nichts Reales ist, was gar nicht dasjenige ist, als was es angesprochen wird. Treten Sie vor einen Leichnam. Werden Sie sagen: Dieser Leichnam ist der Mensch? Nein, diese sich zersetzende Leiche ist nicht der Mensch, sie ist die zerbrechende Form des Menschen. Und so ist es mit der ganzen äußeren Natur. Man sucht das Tote und ahnt nicht, daß alles Tote ein Gestorbenes ist. Würde man nur wirklich den Übergang finden von dem Begriffe der «toten Natur» zu dem Begriffe der «gestorbenen Natur», würde man nur wirklich begreifen, daß alles Tote einmal lebendig war und gestorben ist, daß das, was wir heute als Gestein finden können, während der Mondenzeit lebendig war und gestorben ist, zum toten Gestein erst durch einen ähnlichen Prozeß geworden ist wie der Leichnam des Menschen; würden wir das im lebendigen Sein erfassen, würden wir die tote Natur als einen Leichnam verstehen, so würden wir wissen, daß das, was wir das Sein nennen, nichts ist, was Sein enthält, sondern etwas ist, aus dem eigentlich das Sein schon entflohen ist. Das ist unendlich wichtig. Die Menschen begreifen nicht, daß sie sich heften an das Tote, ohne zu verstehen, daß es ein Gestorbenes ist; und sie verstehen nicht, daß sie das Lebendige nicht begreifen sollen durch das Gestorbene.

[ 23 ] What is actually behind this? What lies behind it is that human beings designate something as real—and indeed, throughout their entire lives, designate it as real—even though it is not real at all, even though it is not at all what it is referred to as. Stand before a corpse. Would you say: This corpse is the human being? No, this decaying corpse is not the human being; it is the disintegrating form of the human being. And so it is with all of external nature. People seek out what is dead and do not realize that everything dead is something that has died. If only we could truly find the transition from the concept of “dead nature” to the concept of “nature that has died,” if only we could truly grasp that everything dead was once alive and has died, that what we find today as rock was alive and died during the Moon era, and only became dead rock through a process similar to that of a human corpse; if we were to grasp this within living being, if we were to understand dead nature as a corpse, then we would know that what we call “being” is not something that contains being, but rather something from which being has actually already fled. This is infinitely important. People do not realize that they cling to the dead without understanding that it is something that has died; and they do not understand that they should not comprehend the living through the dead.

[ 24 ] Wenn die Menschen den lebendigen Organismus ansehen, der noch nicht gestorben ist, sondern vor ihnen lebt, und ihn zurückführen auf einen Mechanismus, der nur ein Abbild ist des Gestorbenen, so wollen sie das Lebendige aus dem Gestorbenen begreifen und erklären. Das ist das Ideal, das Ziel der ganzen heutigen Weltanschauung: das Lebendige aus dem Gestorbenen zu begreifen. Die Geisteswissenschaft muß sich Mühe geben, innig Mühe geben, an die Stelle eines Begreifens durch das Gestorbene ein Begreifen durch das Lebendige zu setzen. Die ganze Richtung der heutigen Wissenschaft muß verschwinden, weil sie allein darauf hinzielt, das Lebendige durch das Gestorbene, nicht bloß durch Totes, Unorganisches, sondern durch das Gestorbene zu begreifen. Diese ganze Wissenschaft muß verschwinden. An ihre Stelle muß treten das Begreifen der Welt aus dem Lebendigen heraus. Und von allem in der Gegenwart Unlebendigen, Unorganischen muß begriffen werden, daß es in der Vergangenheit ein Lebendiges war.

[ 24 ] When people look at a living organism that has not yet died but lives before their eyes, and reduce it to a mechanism that is merely a reflection of what is dead, they seek to understand and explain the living from the dead. This is the ideal, the goal of the entire modern worldview: to understand the living through the dead. Spiritual Science must strive—strive earnestly—to replace an understanding based on the dead with an understanding based on the living. The entire direction of modern science must disappear, because it aims solely at understanding the living through the dead—not merely through the dead and inorganic, but through the dead. This entire branch of science must disappear. In its place must come an understanding of the world from within the living. And it must be understood that everything in the present that is non-living and inorganic was once living in the past.

[ 25 ] Würden wir nicht luziferisch verführt sein, würden wir hinter den Sinneswahrnehmungen erblicken dasjenige, was vorhin charakterisiert wurde als das dahinterstehende Mondendasein, dann würden wir verstehen: da liegt der Leichnam desjenigen, was uns noch von dem alten Monde erscheint. Wir würden ebenso, wie wir beim Anblicke des Leichnams des Menschen uns zurückerinnern, wie er war im Leben, wie er war einmal, als er mit uns lebte, vor uns wandelte und mit uns sprach. So würden wir zurückschauen beim Anblicke der Erde auf das, was sie war, als sie noch lebte während des alten Mondendaseins.

[ 25 ] If we were not seduced by Lucifer, if we could see beyond our sensory perceptions to that which was previously described as the lunar existence lying behind them, then we would understand: there lies the corpse of that which still appears to us from the old Moon. Just as, when we look upon the corpse of a human being, we recall what he was like in life, what he was once like when he lived among us, walked before us, and spoke to us—so, when we look upon the Earth, we would look back upon what she was like when she was still alive during the old lunar existence.

[ 26 ] Daß wir also herausgeführt werden aus dem Toten in das Lebendige, das muß das Bestreben der Geisteswissenschaft sein, das muß ein lebendiges, ehrliches, wenn auch schwer zu erringendes Ziel sein; denn alles, was in unserer heutigen Wissenschaft lebt als Weltanschauung, als Weltanschauungsstimmung, ist diesem Ziele durchaus fremd und feindlich. Darüber sollen wir uns wirklich keinen Nebel vormachen, daß alles, was in der heutigen Wissenschaft als Weltanschauungsstimmung lebt, diesem Ziel durchaus widerstrebt.

[ 26 ] That we may thus be led out of death into life—this must be the aim of Spiritual Science; this must be a living, honest goal, even if it is difficult to attain; for everything that exists in our modern science as a worldview, as a worldview atmosphere, is entirely alien to and hostile toward this goal. We really must not delude ourselves into thinking otherwise: everything that exists in modern science as a worldview or a worldview-like atmosphere is entirely opposed to this goal.

[ 27 ] Ungeheuer schwierig wird es sein, an Stelle der toten Weltauffassung die lebendige Weltauffassung zu setzen. Wenn wir aber dann lebendige Begriffe haben, dann werden wir nicht mehr, mit diesen lebendigen Begriffen, ermangeln des Verständnisses des Mysteriums von Golgatha. Da werden wir wissen, daß dasjenige, was überhaupt dem Tode unterworfen ist, vom Mondendasein herrührt, daß der Christus aber vom Sonnendasein ist. Er hat sich bewahrt, um uns das Sonnenhafte wiederzubringen. Er hat nichts zu tun mit all den Begriffen, die die toten Begriffe sind, sondern wird an die Stelle der toten Begriffe die lebendigen Begriffe setzen. Daher ist es notwendig, sich lebendig mit ihm zu verbinden, nicht durch eine tote Wissenschaft. Daher ist es notwendig, einzusehen, daß nur unter ganz besonders abnormen Verhältnissen eingehen konnte dasjenige, was nicht sterben kann, was nicht tot werden kann, in eine irdische Laufbahn.

[ 27 ] It will be incredibly difficult to replace the dead worldview with a living one. But once we have living concepts, we will no longer, with these living concepts, lack an understanding of the Mystery of Golgotha. Then we will know that whatever is subject to death at all originates from the lunar existence, whereas Christ belongs to the solar existence. He has preserved Himself in order to bring back to us that which is solar. He has nothing to do with all those concepts that are dead concepts; rather, He will replace the dead concepts with living ones. Therefore, it is necessary to connect with him in a living way, not through a dead science. Therefore, it is necessary to realize that only under very special, abnormal circumstances could that which cannot die, that which cannot become dead, enter into an earthly course.

[ 28 ] Wenn Sie die besondere Verbindung studieren, in welcher durch drei Jahre hindurch die Christus-Wesenheit mit dem Leibe des Jesus von Nazareth war, so werden Sie darauf kommen, daß in der Tat in diesen verschiedenen Gliedern, die da vereinigt waren durch das Zusammengefügtsein der beiden Jesusknaben, dadurch daß Zarathustra in dem nathanischen Jesus lebte, etwas ganz Besonderes geschaffen war — ich habe in anderen Vorträgen darauf schon hingedeutet — etwas, was während dieser drei Jahre diesen ganzen Leib anders machte als einen gewöhnlichen Menschenleib. Ein gewöhnlicher Menschenleib ist wahrhaftig nicht dasselbe wie dieser Leib. Dieser Leib war schon durch die besondere Art der Verbindung mit der Zarathustra-Wesenheit die drei Jahre hindurch etwas anderes, als es die Erdenleiber sind. Als die Erde das Mondendasein zu wiederholen begonnen hat, da blieb ja zurück, wie ich auseinandergesetzt habe, diejenige Wesenssubstanz, die dann durch den Lukas-Jesusknaben, durch den nathanischen Jesusknaben erschien: etwas, was nicht in den Tod eingegangen war und durch das Scheinbild des irdischen Todes hindurch, der im Laufe der irdischen Erscheinungen über den Christus Jesus verhängt wurde, sich bewahrte. Das war in diesem Christus Jesus und führte ihn schon in anderer Weise durch diese drei Jahre und in anderer Weise als andere Menschen durch den Tod, durch das Scheinbild des Todes hindurch.

[ 28 ] If you study the special connection that existed for three years between the Christ-Essence and the body of Jesus of Nazareth, you will come to realize that, in fact, within these various members—which were united through the union of the two Jesus boys— —as I have already hinted at in other lectures—something very special was created: something that, during these three years, made this entire body different from an ordinary human body. An ordinary human body is truly not the same as this body. Already through the special nature of its connection with the Zarathustra being, this body was, throughout those three years, something other than what earthly bodies are. When the Earth began to repeat the lunar existence, what remained behind—as I have explained—was that essential substance which then manifested through the Luke Jesus-child and the Nathan Jesus-child: something that had not passed into death and that preserved itself through the illusion of earthly death, which was cast over Christ Jesus in the course of his earthly manifestations. This was present in Christ Jesus and guided him through these three years in a different way, and through death—through the illusion of death—in a different way than other human beings.

[ 29 ] Diese außerordentliche Zentralerscheinung der irdischen Entwikkelung muß aber verstanden werden, muß wirklich begriffen werden, so daß sie außerhalb alles desjenigen steht, was nur von dem Mondendasein herrührt; es muß verstanden werden, daß sie innig zusammenhängt mit dem regelmäßig fortwirkenden Sonnendasein. Daher kann, nachdem das Mysterium von Golgatha sich vollzogen hat, diese Christus-Wesenheit auch mit nichts zusammenhängen von dem, was nur vom Mondendasein herrührt, und zwar vom Mondendasein so herrührt, daß eben dazumal die Trennung eingetreten ist des Mondes von der Sonne, und während dieser Trennung eine Anzahl luziferischer Wesenheiten die Trennung, aber nicht nachher die Wieder-Verbindung mitgemacht hat.

[ 29 ] This extraordinary central phenomenon of earthly evolution, however, must be understood—truly grasped—in such a way that it stands apart from everything that derives solely from the lunar existence; it must be understood that it is intimately connected with the solar existence, which continues to exert its influence in a regular manner. Therefore, after the Mystery of Golgotha has been accomplished, this Christ-being can also have no connection whatsoever with anything that derives solely from the lunar existence—specifically, from the lunar existence in such a way that, at that very time, the separation of the Moon from the Sun occurred, and during this separation a number of Luciferic beings brought about the separation, but not the subsequent reunification.

[ 30 ] Von alledem, was durch diese Verirrung der luziferischen Geister in der Erde ist, bleibt die Christus-Wesenheit richtig unberührt. Sie würde sogleich berührt werden davon, wenn sie in einem gewöhnlichen Menschenleibe sich verkörpern würde. Sie konnte sich daher nur unter diesen besonderen, abnormen, nicht durch die gewöhnlichen Erdengesetze gedeckten Vorgänge physisch auf der Erde befinden. Und als sie vom Erdenleib Besitz ergriffen hatte durch das Mysterium von Golgatha, ist sie nun geistig auf der Erde und nicht unterworfen jenen Gesetzen, die in das Erdendasein hineinkamen durch die Mondenentwickelung. Das sind namentlich die Raum- und Zeitgesetze.

[ 30 ] Of all that exists within the Earth as a result of this aberration of the Luciferic spirits, the Christ-being remains completely untouched. It would be immediately affected by it if it were to incarnate in an ordinary human body. It could therefore only be physically present on Earth under these special, abnormal conditions, which are not governed by the ordinary laws of the Earth. And once it had taken possession of the earthly body through the Mystery of Golgotha, it now exists spiritually on Earth and is not subject to those laws that entered earthly existence through the lunar evolution. These are, in particular, the laws of space and time.

[ 31 ] Also Raum und Zeit: Ich habe das schon in der «Geheimwissenschaft» angedeutet — und Sie werden an der betreffenden Stelle der «Geheimwissenschaft» die Andeutung finden —, daß es schwierig ist, das alte Saturn- und Sonnendasein sich vorzustellen, weil man die Raum- und Zeitbegriffe noch draußen lassen muß, weil das, was man als Raum- und Zeitbegriffe von diesem alten Dasein sich vorstellt, nur ähnlich, nur wie ein Bild ist, noch nicht stimmt mit der Wirklichkeit. Beim Mondendasein fängt das Bild erst einigermaßen an zu stimmen, wenn man es räumlich und zeitlich vorstellt. Für die vorherige Entwickelung ist diese Vorstellung noch nicht zu gebrauchen. Aber das, was durch den Christus in das Räumlich-Zeitliche hineinkommt, ist auch nicht an Raum- und Zeitgesetze gebunden. Daher würde es vor einer wirklichen Geisteswissenschaft der größtdenkbare Unsinn sein, sich vorzustellen, daß der Christus, so wie er jetzt mit dem Erdendasein vereinigt ist, in einem einzelnen Menschen räumlich begrenzt vor die Menschheit hintreten könnte. Es wäre das größte Mißverstehen des Christus, wenn man behaupten wollte, es könnte eine Wiederverkörperung des Christus in der jetzigen Zeit eintreten, und der Christus müßte sich etwa, wenn er zu einem Menschen in Europa in der Zukunft sprechen wollte und dann zu einem Menschen in Amerika, auf die Eisenbahn und dann auf das Dampfschiff setzen, um von Europa nach Amerika zu reisen. Das wird nimmermehr der Fall sein. Er wird immer über die Raum- und Zeitgesetze erhaben sein. Und seine Erscheinung im 20. Jahrhundert müssen wir uns auch so vorstellen, daß er über Raum- und Zeitgesetze erhaben ist. Niemals wird der richtig verstandene Christus in einem einzelnen Menschen verkörpert sein können.

[ 31 ] So, space and time: I have already hinted at this in *The Secret Science*—and you will find the hint in the relevant passage of *The Secret Science*—that it is difficult to create a mental image of the ancient Saturn and Sun stages of existence, because one must still leave the concepts of space and time out of the picture; for what one imagines as the concepts of space and time in relation to this ancient existence is only similar, only like an image, and does not yet correspond to reality. In the case of the lunar existence, the image only begins to correspond to reality to some extent when one creates a mental image of it in terms of space and time. For the earlier stages of development, this mental image is not yet applicable. But what enters into space and time through the Christ is not bound by the laws of space and time either. Therefore, from the perspective of a true Spiritual Science, it would be the greatest conceivable nonsense to have a mental image of the Christ, as he is now united with earthly existence, appearing before humanity in a single human being who is spatially limited. It would be the greatest misunderstanding of Christ to claim that a reincarnation of Christ could occur in the present age, and that Christ, for example, if he wished to speak to a person in Europe in the future and then to a person in America, would have to board a train and then a steamship to travel from Europe to America. That will never be the case. He will always be transcendent of the laws of space and time. And we must also have in our mental image his appearance in the 20th century in such a way that he is transcendent of the laws of space and time. The Christ, properly understood, will never be able to be embodied in a single human being.

[ 32 ] Es war also, oder besser gesagt, es ist überall da ein Faustschlag in das Gesicht der wirklichen Geisteswissenschaft, wo behauptet wird, daß es eine menschliche Wiederverkörperung des Christus Jesus jemals geben könnte. Damit ist aber auch gezeigt, daß die Christologie, dasjenige, was der Christus wirklich ist, mit allen Trennungen der Menschen und der Menschheit nichts zu tun hat.

[ 32 ] Thus, wherever it is claimed that there could ever be a human reincarnation of Jesus Christ, this is—or rather, it is—a slap in the face of true Spiritual Science. This also demonstrates that Christology—that is, what Christ truly is—has nothing to do with any divisions among individuals or humanity.

[ 33 ] Wir sehen da sich einen Weg eröffnen, wie das Kosmische, das Sonnenhafte, doch wiederum in unsere gesamte Menschheit hereinkommt, wie wieder aufgeht das durch Luzifer verlorene Sonnliche im Gefühl und im Willen, wie es wiederum aufgeht durch den Christus in diesem Gefühl und Willen, und wie es von da aus unseren Intellekt ergreifen kann. Das ist der Weg, den in der Zukunft alles geistige Verständnis der Welt nehmen muß. Aber es wird noch lange Verirrungen geben, denn — ich habe es ja oft betont — nur langsam und allmählich kann das Mysterium von Golgatha in seinen Tiefen sich in den ganzen Gang der Menschheitsentwickelung hineinleben. Nur ganz langsam und allmählich kann das geschehen. Und indem es sich vollzieht nach und nach, wird es immer mehr einen Einklang schaffen zwischen der Intellektualität des Menschen und seinem Gefühle und Willen. Das wird immer mehr und mehr den Menschen ausfüllen mit einem inneren Menschen, mit einem zweiten Menschen.

[ 33 ] We see a path opening up here through which the cosmic, the solar, can once again enter into all of humanity; how the solar element lost through Lucifer rises again in feeling and will; how it rises once more through Christ in this feeling and will; and how, from there, it can take hold of our intellect. This is the path that all spiritual understanding of the world must take in the future. But there will still be many deviations for a long time to come, for—as I have often emphasized—only slowly and gradually can the mystery of Golgotha, in all its depths, become woven into the entire course of human development. This can happen only very slowly and gradually. And as it unfolds little by little, it will increasingly create harmony between a person’s intellect and their feelings and will. This will increasingly fill the human being with an inner self, with a second self.

[ 34 ] So wie der Mensch ist ohne diese Ausfüllung durch den ChristusImpuls, so ist mit Bezug auf den Kopf des Menschen, ich möchte sagen, das Innere verhüllt. Wenn man den Kopf spürt, hat man ja schon Kopfschmerzen. Das Innere ist, ich möchte sagen, physisch ganz verhüllt in bezug auf den Kopf. Den Kopf trägt man mit sich, ohne daß man ihn im normalen Leben eigentlich fühlt, man verwendet ihn dazu, um hineinzupressen die Eindrücke von außen. Das andere vom Menschen, das der Sitz der niederen Begierdenwelt zugleich ist, das ist in uns; das nimmt zunächst nichts von außen auf, lebt in sich. Und die Jahve-Gottheit hat eingehüllt in eine dem Menschen unbewußt bleibende Gesetzlichkeit alles dasjenige, was da unten im Menschen als die Summe der Begierdenwelt lebt, damit das luziferische Rumoren des Egoismus nicht allzu groß werde. Durch Luzifer wären wir wirklich nur dazu veranlagt, als Erdenmenschen unsere vom Intellekt absehende niedere Natur einzig und allein für uns zu gebrauchen. Wir würden keinen einzigen altruistischen Trieb entwickeln, aber lauter egoistische Triebe. Es würde keine natürliche Anlage zu einer Liebe in der Welt geben. Der Mensch würde die Triebe, die in seiner niederen Natur leben, lediglich gebrauchen, um sich in der Welt zu verwirklichen, um sich in Szene zu setzen. Daher ist diese niedere Natur abgedämpft und abgedämmert worden durch die Jahve-Gottheit.

[ 34 ] Just as a human being is without this fulfillment through the Christ impulse, so too—with regard to the human head—I would say that the inner being is veiled. When one feels the head, one already has a headache. The inner being is, I would say, physically completely veiled with regard to the head. We carry our head with us without actually feeling it in everyday life; we use it to cram in impressions from the outside. The other aspect of the human being—which is at the same time the seat of the lower world of desires—is within us; it initially takes in nothing from the outside and lives within itself. And the Yahweh deity has enveloped, within a system of laws that remains unconscious to human beings, everything that lives down there within the human being as the sum of the world of desires, so that the Luciferic rumblings of egoism do not become too great. Through Lucifer, we would truly be predisposed, as earthly human beings, to use our lower nature—which is independent of the intellect—solely for our own sake. We would not develop a single altruistic impulse, but only selfish ones. There would be no natural inclination toward love in the world. Human beings would use the impulses that dwell in their lower nature solely to assert themselves in the world, to put themselves on display. Therefore, this lower nature has been tempered and subdued by the Yahweh deity.

[ 35 ] Die Jahve-Gottheit lebt selber in dieser niederen Natur und pflanzt hinein die Instinkte der Liebe und des Altruismus, aber auf eine mehr oder weniger für das gewöhnliche Menschenleben unbewußte Art. Bewußt sollen diese Triebe werden wiederum durch den Impuls des Mysteriums von Golgatha. Aber es liegt in diesem ganzen Unbewußten der Triebwelt, ich möchte sagen, verborgen ein Zweifaches. Zunächst bleibt da die Verbindung des Intellektuellen, des Vorstellungsmäßigen mit dieser Triebwelt, im Unterbewußten. Aber sie wirkt doch herauf, wirkt richtig herauf, und zwar wirkt sie herauf dadurch, daß das eintritt, was ich öfter schon auseinandergesetzt habe.

[ 35 ] The Yahweh deity himself dwells within this lower nature and implants within it the instincts of love and altruism, but in a way that is more or less unconscious to ordinary human life. These instincts are to become conscious again through the impulse of the Mystery of Golgotha. But within this entire unconscious realm of instincts, I would say, there is a duality hidden. First, there remains the connection between the intellectual, the conceptual, and this realm of instincts in the subconscious. Yet it does have an effect, a genuine effect, and it exerts this effect through what I have already explained on several occasions.

[ 36 ] Diese ganze Triebwelt, die eigentlich eine egoistische, nur dem Menschen angehörige Triebwelt ist, die kann sich gewissermaßen emanzipieren von der in ihr lebenden Jahve-Gottheit. Dann wirkt sie herauf; aber unbewußt, ohne daß es der Mensch merkt, drängt sie sich durch und durchsetzt die Vorstellungswelt mit ihren Imaginationen. Der Mensch wird, wie man oftmals sagt, hellseherisch, das heißt, er hat Visionen. Er erlebt alles dasjenige, was in seiner Triebwelt ist, als Imaginationen. In Wahrheit erlebt er eigentlich nur seine Triebwelt; die stellt sich ihm als imaginative Welt dar. Aber da in dieser ganzen Triebwelt, wie wir sie haben, eigentlich verschleiert für den Menschen nur der Kosmos lebt, so täuschen ihm die Imaginationen, die aufsteigen aus seiner Triebwelt wie ein Dunst, einen ganzen Kosmos vor. Er kann nun einen ganzen Kosmos erleben, der aber aus nichts anderem besteht, als daß da unten das Feuer der niederen Triebe brennt und das Feuer dieser niederen Triebe dann heraufsteigt, und daß hier nun ein Kosmos entsteht, hier oben, in dem intellektuellen System. Das ist im wesentlichen der Vorgang der Selbstmedialität, der Mediumschaft. Das Medium, das durch seine eigenen Begierden zum Medium wird, unterliegt diesen Vorgängen. Solche Medien sind gewöhnlich sehr stolz auf ihre Imaginationen. Sie sehen hochmütig auf die herab, die keine Imaginationen haben; während die, welche keine Imaginationen haben, oft sehr gut durchschauen können, daß solche Imaginationen, die ihnen zuweilen als wunderbare Gebilde beschrieben werden, nichts anderes sind als dasjenige, was in den Instinkten, in den Verdauungsprozessen kocht und brodelt und sich als kosmische Gebilde herauf verirrt, indem es heraufdünstet in die Vorstellungswelt und zu kosmischen Scheingebilden sich ausgestaltet, in solchen sich auslebt.

[ 36 ] This entire world of instincts—which is, in fact, a selfish world of instincts unique to human beings—can, in a sense, emancipate itself from the Yahweh deity that dwells within it. Then it works its way upward; but unconsciously, without the human being realizing it, it forces its way through and permeates the world of the imagination with its imaginative images. The human being becomes, as is often said, clairvoyant—that is, he has visions. He experiences everything that is in his world of instincts as imaginative images. In truth, he is actually experiencing only his world of instincts; this presents itself to him as an imaginative world. But since, in this entire world of instincts as we know it, the cosmos itself lives—though veiled from human perception—the imaginations that rise from his world of instincts like a mist deceive him into perceiving an entire cosmos. He can now experience an entire cosmos, which, however, consists of nothing other than the fire of the lower instincts burning down below, this fire then rising up, and a cosmos thus arising here above, in the intellectual system. This is essentially the process of self-mediumship. The medium, who becomes a medium through his or her own desires, is subject to these processes. Such mediums are usually very proud of their imaginations. They look down haughtily upon those who have no imaginations; whereas those who have no imaginations can often see very clearly that such imaginings—which are sometimes described to them as wondrous formations—are nothing other than what simmers and bubbles in the instincts and digestive processes, straying upward as cosmic formations as they rise up into the world of the imagination and take shape as cosmic illusions, playing themselves out in them.

Diagram 1Diagram 1

[ 37 ] Aber es kann noch in einer anderen Weise das zutage treten, was von dieser Zwiespältigkeit der menschlichen Natur herrührt. Denn nehmen wir an, ein zweiter Mensch träte dem ersten entgegen, ein zweiter Mensch, der nun selbstverständlich als Mensch wiederum so aufgebaut wäre, daß er in sich die den Kosmos verbergende innere Natur des Willens und der Gefühle hat und die Intellektualität, welche das eigene Innere verbirgt (Zeichnung II, Mensch). Nehmen wir nun an, ein solcher zweiter Mensch käme durch irgendwelche Vorgänge, über die wir auch noch im weiteren sprechen werden, dazu, mehr oder weniger Bewußtsein zu erlangen. — Also hier wäre der Mensch I (Zeichnung S. 215) und der Mensch II (Zeichnung $5. 229) käme dazu, ein Bewußtsein zu erlangen von diesen Zusammenhängen. Nehmen wir nun an, es wäre dieser Mensch II nicht geneigt, alles, was ihm durch ein solches Bewußtsein wird, im reinen Sinne der universellen Geisteswissenschaft zu verwenden, im reinen Sinne auch der verchristeten Geisteswissenschaft zu verwenden, sondern er hätte seine Sonderzwecke in der Welt; nehmen wir an, dieser Mensch gehörte einem Erdgebiete an, das eine besondere Weltanschauung ausgestaltet hätte im Laufe einer geschichtlichen Entwickelung, und dieser Mensch wäre innerhalb dieses Erdengebietes verwachsen mit dieser Weltanschauung; nehmen wir auch an, er hätte nun noch besondere, egoistische Gründe, diese Weltanschauung ganz intensiv in der Welt zur Geltung zu bringen. Der wirkliche Okkultist hat ja keine andere Sehnsucht, als dasjenige zur Geltung zu bringen, was allen Menschen gegenüber zum Heile gereichen kann, er hat keine Herrschaftsgelüste. Aber nehmen wir an, ein solcher Mensch II hätte solche Herrschaftsgelüste und hätte das Bedürfnis, dasjenige, was Weltanschauung eines beschränkten Territoriums ist, zur Herrschaft über andere Territorien zu bringen. Wenn er nun einfach hingeht und also in seiner Art die Weltanschauung vertritt, die er zur Herrschaft bringen will, so wird das Folgende eintreten: Die einen werden ihm glauben, die anderen werden ihm nicht glauben. Die, welche anderer Ansicht sind, werden ihm nicht glauben, werden ihn zurückprallen lassen. Wir wissen ja aus Erfahrung, wie bei anderen Völkerschaften oftmals die europäischen Missionare zurückgewiesen werden, wenn sie den Leuten Dinge sagen, die diese nicht verstehen oder nicht zu verstehen die Absicht haben. So könnte es diesem Menschen II auch gehen. Aber er kann einen anderen Weg einschlagen. Dadurch, daß ihm dieser ganze Prozeß bewußt ist, dadurch hat er die Macht, auf einen anderen, zum Beispiel auf den Menschen I zu wirken (Zeichnung $. 215), und wenn er jetzt nicht bloß durch seinen Intellekt wirkt, sondern durch seine ganze Persönlichkeit, so kann er auf den Intellekt des anderen wirken.

[ 37 ] But what stems from this ambivalence of human nature can also manifest itself in another way. For let us suppose that a second human being were to encounter the first—a second human being who, as a human being, would naturally be constituted in such a way that he possesses within himself the inner nature of will and feelings that conceals the cosmos, as well as the intellectuality that conceals his own inner self (Figure II, Human Being). Now let us suppose that such a second human being, through certain processes—which we will discuss further on—were to attain a greater or lesser degree of consciousness. — So here we would have Human Being I (Figure p. 215), and Human Being II (Figure $5. 229) would come to gain an awareness of these connections. Now let us assume that this Human Being II were not inclined to use everything that becomes accessible to him through such consciousness in the pure sense of universal Spiritual Science, nor in the pure sense of Christianized Spiritual Science, but rather that he had his own specific purposes in the world; let us assume that this human being belonged to a region of the Earth that had developed a particular worldview in the course of historical evolution, and that this human being had become deeply rooted in this worldview within that region; let us also assume that he now had specific, selfish reasons for promoting this worldview very intensively in the world. The true occultist, after all, has no other desire than to promote that which can be for the benefit of all people; he has no desire for domination. But let us assume that such a person II had such a desire for domination and felt the need to extend what is the worldview of a limited territory to rule over other territories. If he were simply to go there and, in his own way, advocate the worldview he wishes to impose, the following would occur: Some will believe him; others will not. Those who hold a different view will not believe him and will reject him. We know from experience how European missionaries are often rejected by other peoples when they tell people things they do not understand or have no intention of understanding. This could also happen to Person II. But he can take a different path. Because he is aware of this entire process, he has the power to influence another—for example, Person I (Figure $. 215)—and if he now acts not merely through his intellect but through his entire personality, he can influence the other’s intellect.

[ 38 ] Wenn der andere nun so veranlagt ist, daß er etwas Mediales in sich hat, das heißt, etwas aufnehmen kann, ohne in normaler Weise sich zu dem Aufgenommenen zu stellen, so daß er es einfach so aufnimmt als Wahrheit, weil es ihm von dem zweiten dargeboten wird, dann strömt von dem zweiten in den ersten dasjenige hinein, was der zweite als Weltanschauung hat, und der erste läßt es durch seinen unverdorbenen Intellekt hindurchgehen. Tritt dann der erste vor die Menschheit hin, dann tritt das, was zum Vorschein kommen soll, auf ganz andere Weise heraus. Bei dem Menschen II würden die Menschen merken: Er vertritt nur sich selbst in der Welt, und er hat die Macht, dasjenige, was ihm aus seinem Inneren aufsteigt, in ein intellektuelles System zu kleiden, denn er hat zugleich das, was er von sich gibt, als sein eigenes Besitztum in sich. Das Ich des Menschen I hat es nicht als sein eigenes Besitztum in sich, sondern nimmt es von dem anderen als etwas Objektives auf und vertritt es mit seinem Intellekte so — weil er es eben nicht als sein Persönliches hat —, daß es mehr den Charakter eines Universellen hat. Es sieht aus dem unverdorbenen Intellekt des MenschenI so aus, als wenn es ein Universelles wäre.

[ 38 ] If the other person is so disposed that he possesses a mediumistic quality, that is, if they are capable of absorbing something without relating to it in the usual way—so that they simply accept it as truth because it is presented to them by the second person—then what the second person holds as a worldview flows from the second into the first, and the first person allows it to pass through their uncorrupted intellect. If the first person then steps before humanity, what is meant to come to light emerges in an entirely different way. In the case of Person II, people would notice: He represents only himself in the world, and he has the power to clothe what rises up from within him in an intellectual system, for he simultaneously possesses within himself what he gives of himself as his own property. The “I” of Human Being I does not possess it as his own property, but rather takes it in from the other as something objective and, using his intellect—precisely because he does not possess it as something personal—presents it in such a way that it takes on more of a universal character. From the uncorrupted intellect of Human Being I, it appears as if it were something universal.

[ 39 ] Hier haben Sie das Faktum, wie von einer gewissen grauen oder schwarzen Richtung her einseitige Mitteilungen in die Welt getragen werden. Die werden nicht so in die Welt getragen, daß sich die betreffenden, einseitig grauen oder schwarzen Geisteswissenschafter hinstellen und ihre Anschauung vertreten; sondern sie flößen sie einer medialen Persönlichkeit ein. Eine solche übernimmt sie, gibt sie weiter und läßt sie durch ihren Intellekt auf die anderen Menschen wirken. Daher bleiben solche grau oder schwarz wirkenden Geheimwissenschafter oftmals als Mahatmas im Hintergrund, und diejenigen, die auftreten in der Welt, reden davon, daß hinter ihnen der Mahatma steht und verkünden dasjenige, was sie verkündigen, als eine Botschaft des Mahatma.

[ 39 ] Here you have the fact that one-sided messages are being spread throughout the world by a certain gray or black faction. These messages are not disseminated in such a way that the spiritual scientists in question—who are one-sidedly gray or black—step forward and present their views; rather, they instill them into a mediumistic personality. Such a person takes them on, passes them on, and allows them to influence other people through their intellect. Therefore, such esoteric scholars, who appear gray or black, often remain in the background as Mahatmas, and those who appear in the world speak of the Mahatma standing behind them and proclaim what they proclaim as a message from the Mahatma.

[ 40 ] Dieses Phänomen führt uns zu vielem hin, was, man könnte sagen, in einer furchtbaren, psychologisch-tragischen Weise mit der armen Helena Petrowna Blavatsky geschehen ist, die im eminentesten Sinne eine mediale Persönlichkeit war, deren Intellekt niemals geeignet gewesen ist, hinunterzuschauen in dasjenige, was ihr überliefert worden ist von Personen, die nicht immer ehrliche Personen waren, die aber gerade durch die Blavatsky wirken konnten und die zusammengezimmert haben das, was nicht immer einwandfrei war, die das in egoistischem Sinne durch den medialen Intellekt der Blavatsky zusammengezimmert haben zu etwas, was dann in einer suggestiven Weise auf die Menschen wirkte. Für diejenigen aber, die in ehrlicher Weise auf dem Boden der Geisteswissenschaft stehen wollen, fließen daraus ganz bestimmte Regeln, ganz bestimmte Verhaltungsmaßregeln.

[ 40 ] This phenomenon leads us to many things that, one might say, happened in a terrible, psychologically tragic way to poor Helena Petrovna Blavatsky, who was, in the most eminent sense, a mediumistic personality whose intellect was never suited to to scrutinize what had been passed down to her by individuals who were not always honest, but who were able to work through Blavatsky and who cobbled together material that was not always flawless—material they cobbled together in a self-serving manner through Blavatsky’s mediumistic intellect into something that then had a suggestive effect on people. For those, however, who wish to stand honestly on the ground of Spiritual Science, very specific rules and very specific guidelines for conduct flow from this.

[ 41 ] Sie sehen aus alledem, was jetzt auseinandergesetzt worden ist, daß unter allen Umständen ein Satz gelten muß, wenn es sich um die Verbreitung der Geisteswissenschaft handelt. Selbstverständlich ist alles dasjenige, was durch irgendwelche Art Medialität in die Welt hereintritt, interessant, bedeutsam, denn es kommt selbstverständlich aus einer anderen Welt herein. Aber es darf niemals so hingenommen werden, wie es unmittelbar ist. Sonst ergeht es der Menschheit so, wie es ihr ergangen ist mit der ganzen Entwickelung des Spiritismus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

[ 41 ] From everything that has now been discussed, you can see that one principle must apply under all circumstances when it comes to the dissemination of Spiritual Science. Of course, everything that enters the world through any form of mediumship is interesting and significant, for it naturally comes from another world. But it must never be accepted at face value. Otherwise, humanity will suffer the same fate it did with the entire development of spiritualism in the second half of the 19th century.

[ 42 ] Dieser ganze Spiritismus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war ja, im Grunde genommen, von einer gewissen Seite her unternommen, um die Menschen zu prüfen, wie weit sie reif sind einzusehen, daß um sie herum eine geistige Welt lebt, nicht nur die materielle sinnliche Welt, die die Menschen mit ihren Sinnen wahrnehmen, und deren einziges Dasein die moderne materialistische Weltanschauung des 19. Jahrhunderts unter ahrimanischer Suggestion in so hohem Maße verbreitet.

[ 42 ] All this spiritualism in the second half of the 19th century was, essentially, an endeavor undertaken by a certain group to test people and see to what extent they were ready to recognize that a spiritual world exists around them—not just the material, sensory world that people perceive with their senses, and whose sole existence was so widely propagated by the modern materialistic worldview of the 19th century under Ahrimanic influence.

[ 43 ] Es war wirklich schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts eine große Frage unter den Okkulktisten, ob sie von ihrer Seite aus dieser ganzen spiritistischen Bewegung etwas entgegenhalten sollten. Man hat sich damals entschlossen, zunächst nichts entgegenzuhalten, weil man erwartet hat — was aber eine Kurzsichtigkeit war —, daß, wenn die Menschen sehen, wie durch das Medium aus der geistigen Welt heraus allerlei zum Vorschein kommt, sie dann vor allen Dingen darauf verfallen werden, daß es eben Dinge und Kräfte gibt in der Welt, die auf geistige Art von einem zum andern wirken. Statt dessen tauchte der ganze Spiritismus in ein sehr egoistisches, materialistisches Fahrwasser unter. Die Medien haben zumeist überall gesagt, daß sie mit diesem oder jenem Toten in Verbindung ständen. Sie brachten dadurch allerlei zum Vorschein, indem sie sagten: diese oder jene Seele, die da oder dort gestorben ist, verkündet durch das Medium das eine oder das andere. Gewiß, sie brachten manches zum Vorschein. Aber in den allerallermeisten Fällen war da ein kolossaler Irrtum zugrunde liegend. Der bestand darinnen, daß wir, wenn wir uns das Medium als den Menschen I hier (siehe Zeichnung) vorstellen, wir uns den Experimentator oder Hypnotiseur, also denjenigen, der alles arrangierte, als den Menschen II vorzustellen haben

[ 43 ] As early as the mid-19th century, it was indeed a major question among occultists whether they, for their part, should offer any counterarguments to this entire spiritualist movement. At that time, it was decided not to oppose it at first, because it was expected—though this was a short-sighted view—that when people saw all sorts of things coming to light from the spiritual world through the medium, they would first and foremost come to realize that there are indeed things and forces in the world that act from one to another in a spiritual way. Instead, the entire spiritualist movement veered into a very selfish, materialistic direction. The mediums generally claimed everywhere that they were in contact with this or that deceased person. Through this, they brought all sorts of things to light by saying: this or that soul, who died here or there, is communicating one thing or another through the medium. Certainly, they did bring some things to light. But in the vast, vast majority of cases, there was a colossal error underlying it all. This error consisted in the fact that, if we have in our minds the mental image of the medium as Person I here (see diagram), we must imagine the experimenter or hypnotist—that is, the one who arranged everything—as Person II

Diagram 1Diagram 1

[ 44 ] Nun ist ja in jedem Menschen, wenn er hier lebt, schon dasjenige in ihm, was all sein Totes ist. Aber das rumort unten; während des wachen Tageslebens rumort es unten in den sinnlichen Empfindungen. Der tote Mensch rumort unten in den sinnlichen Empfindungen. Jetzt stellen Sie sich vor: das Medium ist da, der Experimentator ist auch da. Der Experimentator überträgt eigentlich das, was in seinen sinnlichen Empfindungen und oftmals niederen Trieben pulsiert — und was dann zum Vorschein kommen wird, wenn er selber einmal tot sein wird —, auf das Medium oder auf dasjenige, was sich sonst in den Veranstaltungen manifestiert. Darinnen können Wahrheiten enthalten sein; aber man muß verstehen, wie der ganze Zusammenhang dessen ist, was da zum Vorschein kommt; man darf nicht auf das Medium hinhören, wenn es erklärt: was da kommt, was sich ihm offenbart, seien Mitteilungen der Verstorbenen.

[ 44 ] Now, in every human being, as long as they live here, there is already within them that which constitutes all their deadness. But it rumbles deep within; during waking daily life, it rumbles deep within the sensory perceptions. The dead human being rumbles deep within the sensory perceptions. Now imagine: the medium is there, and the experimenter is there as well. The experimenter actually transmits what pulsates within his own sensory perceptions and, often, his base instincts—and what will then come to light once he himself is dead—to the medium or to whatever else manifests itself during the sessions. There may be truths contained therein; but one must understand the entire context of what is coming to light; one must not listen to the medium when it explains that what is coming—what is revealed to it—are messages from the deceased.

[ 45 ] Die Leute, welche sich nicht gleich gewehrt haben gegen den Spiritismus, die haben sich gesagt: Man wird schon sehen, was das ist. Sie wollten eigentlich die Wirkung des Lebendigen auf das Medium, dessen, was im Lebendigen lebt, was im verkörperten Menschen lebt, das wollten sie gefördert wissen. Die Medien haben das vollständig mißverstanden, haben immer geglaubt, mit den Toten in Verbindung zu stehen. So sehen wir, wie die Medialität zwar eine Verbindung schafft mit der anderen Welt, aber eine trügerische Verbindung. Luzifer wird nicht etwa hinweggeschafft von dem Wege der Normalität zur Medialität, sondern er wird noch mehr hineingezogen, der Trug wird noch größer. Das, was im Innern ist, wird nicht losgelöst und in das Kosmische hinaus verteilt, sondern das, was im Innern ist, das dunstet in die Vorstellungswelt hinauf und wird zu einer imaginativen Welt. Das, was so im Inneren des Menschen ist, kann von dem Menschen selber kommen oder von dem Einfluß eines anderen Menschen im Menschen aufsteigen.

[ 45 ] The people who did not immediately oppose spiritualism told themselves: We’ll see what this is all about. They actually wanted to promote the influence of the living on the medium—that which lives within the living, that which lives within the embodied human being—they wanted to see that fostered. The mediums completely misunderstood this; they always believed they were in contact with the dead. Thus we see how mediumship does indeed create a connection with the other world, but it is a deceptive connection. Lucifer is not, as it were, removed from the path of normality toward mediumship; rather, he is drawn even deeper into it, and the deception becomes even greater. What is within is not detached and dispersed into the cosmic realm; rather, what is within rises as a mist into the world of the imagination and becomes an imaginative world. What is thus within a person may originate from the person themselves or arise within them through the influence of another person.

[ 46 ] Daraus aber wird folgen als ein unendlich bedeutungsvolles und wichtiges Gesetz für die Verbreitung der geisteswissenschaftlichen Wahrheiten und für das Arbeiten in der geisteswissenschaftlichen Strömung: man beachte, daß alles unmittelbare Glauben an die Autorität eines Menschen in dem Maße geringer werden muß, je mehr dieser Mensch Züge der Medialität annimmt, je mehr dieser Mensch die Merkmale eines Mediums zeigt. Je mehr solch ein Mensch damit kommt, zu sagen: ich habe da oder dort dieses oder jenes als Eindruck empfangen —, und er nicht mit seiner vollbewußten Vernunft bei diesem Empfangen ist und die Dinge prüfen kann, um so weniger Autorität muß gerade die Medialität geben.

[ 46 ] From this, however, an infinitely significant and important law will follow for the dissemination of spiritual scientific truths and for working within the spiritual scientific movement: one must bear in mind that any direct belief in a person’s authority must diminish in proportion to the extent to which that person takes on traits of mediumship, the more that person exhibits the characteristics of a medium. The more such a person comes to say, “I have received this or that as an impression here or there”—and is not present with their fully conscious reason during this reception and cannot examine the things—the less authority mediumship itself must confer.

[ 47 ] Man hätte daher, als H.P. Blavatsky gewisse Lehren in die Welt brachte, von Rechts wegen sich sagen müssen: Diese Persönlichkeit zeigt starke Züge von Medialität, daher ist es unmöglich, ihr eine Autorität beizumessen, oder wenigstens nur möglich, ihr eine solche Autorität in sehr geringem Grade beizumessen. Die Autorität müßte schwinden, in dem Maße, als die Persönlichkeit Züge von Medialität an sich zeigt.

[ 47 ] Therefore, when H.P. Blavatsky introduced certain teachings to the world, one should have rightly said: This individual exhibits strong traits of mediumship; therefore, it is impossible to attribute any authority to her, or at least it is only possible to attribute such authority to her to a very limited degree. Authority would have to diminish to the extent that the individual exhibits traits of mediumship.

[ 48 ] Ebenso ist es ein, ich möchte sagen, Axiom in der Verbreitung geisteswissenschaftlicher Wahrheiten, daß bei dieser Verbreitung niemals irgendwie eine Berufung stattfindet, wenn die Wahrheiten veröffentlicht werden, auf ungenannte Meister oder Mahatmas. Hinter einer solchen Bewegung mögen so viele ungenannte Wesen und Persönlichkeiten stehen, als irgendwie stehen können; dasjenige, was Bedeutung hat als ausgehend von solchen Wesenheiten, hat nur Bedeutung im Verein mit demjenigen, der ihnen unmittelbar gegenübersteht. Seine Sache ist es nun, an sie zu glauben oder nicht zu glauben, seine Sache ist es, ihre Vertrauenswürdigkeit zu prüfen. Aber seine Sache kann es niemals sein, sich bei dem, was er öffentlich verbreitet, irgendwie darauf zu berufen, daß er es von ungenannten Meistern oder Mahatmas erhalten hat. In dem Augenblicke, wo es um die Veröffentlichung einer Lehre geht — nicht da, wo es sich etwa im kleinen Kreise darum handelt, daß einer einfach sagt: es ist mir dieses oder jenes mitgeteilt worden und ich glaube daran; das sind Dinge, die von Persönlichkeit zu Persönlichkeit gehen, und das ist etwas anderes —, in dem Augenblicke aber, wo es sich darum handelt, eine Lehre vor der Welt zu vertreten, hat derjenige, der sie vertritt, die Verantwortung dafür zu übernehmen. Und nur derjenige, der durch die Art seines Wesens klarmacht, daß er sich nicht auf unwahre oder unbekannte Mahatmas beruft, wenn er begründen will dasjenige, was er verbreitet, der vielmehr begreiflich macht, anschaulich macht, daß er als Persönlichkeit, wie er dasteht auf dem physischen Plan, durch sich selbst mit voller Verantwortung für seine Lehre eintritt, der lebt in seiner vollen Pflicht. Und wer das nicht vermag, der kann sich dann berufen auf einen solchen, den man auf dem physischen Plane mit Namen finden kann oder, wenn er schon gestorben ist, unter den Verstorbenen finden kann auf historischem Wege.

[ 48 ] Likewise, it is—I would say—an axiom in the dissemination of truths from Spiritual Science that, when these truths are published, there is never any reference whatsoever to unnamed Masters or Mahatmas. Behind such a movement there may be as many unnamed beings and personalities as there can possibly be; what is significant as emanating from such entities has meaning only in connection with the one who stands directly before them. It is now up to him to believe in them or not to believe in them; it is up to him to test their trustworthiness. But it can never be his business, in what he publicly disseminates, to refer in any way to the fact that he received it from unnamed Masters or Mahatmas. The moment it comes to the public dissemination of a teaching—not when, for example, in a small circle, one simply says, “This or that has been communicated to me, and I believe it”; those are matters that pass from one person to another, and that is something else—but the moment it becomes a matter of representing a teaching before the world, the one who represents it must take responsibility for it. And only the one who, through the nature of his being, makes it clear that he does not invoke untrue or unknown Mahatmas when he wishes to justify what he teaches—but rather makes it understandable and vivid that he, as a personality standing as he is on the physical plane, stands up for his teaching through himself with full responsibility—that person lives up to his full duty. And whoever is unable to do so may then invoke the name of one who can be identified by name on the physical plane or, if he has already died, can be found among the deceased through historical records.

[ 49 ] Für die Überlieferung der Lehre ist es daher recht wichtig, daß derjenige, der die Lehre aus den Quellen heraus mitteilt, mit seiner eigenen Persönlichkeit, so wie er dasteht in der physischen Welt, die volle Verantwortlichkeit für die Lehren übernimmt, und er darf sich nicht berufen auf unbekannte Meister. Und wer die Lehre weiter verbreitet, darf sich auch nur berufen auf physische Persönlichkeiten, die wiederum als physische Persönlichkeiten die volle Verantwortung für die Lehre zu übernehmen bereit sind. Damit ist der gewisse Weg geschaffen für die Verbreitung der Lehre in einem weiteren Umkreis, aber Tür und Tor verschlossen allem Ungenannten, allen Andeutungen. Wer sagt, daß er von da oder dort her dies oder jenes habe, von unbekannten Meistern oder Verstorbenen, wodurch man sich selber so an seinem eigenen Hochmut laben kann, dem ist Tür und Tor verschlossen. Denn es handelt sich bei der Verbreitung der Geisteswissenschaft darum, daß man weiß, in welcher Weise die Fäden des Vertrauens gehen, die hinführen zu den Ursprüngen.

[ 49 ] For the transmission of the teachings, it is therefore quite important that the person who conveys the teachings from the sources assume full responsibility for them through his own personality—as it exists in the physical world—and that he not invoke unknown masters. And whoever disseminates the teachings further may also refer only to physical personalities who, in turn, as physical personalities, are willing to assume full responsibility for the teachings. This creates a clear path for the dissemination of the teachings to a wider audience, but closes the door to all that is unnamed and to all insinuations. Anyone who claims to have received this or that from here or there—from unknown masters or the deceased—thereby indulging in their own arrogance, to whom the door is closed. For the dissemination of Spiritual Science hinges on knowing the path of trust that leads back to its origins.

[ 50 ] Daher war es ein Unfug in der sogenannten Theosophischen Gesellschaft, als man anfing, gewisse Gesellschaftsvorgänge auf Aussprüche unbekannter Mahatmas zu begründen. Das hätte niemals sein dürfen. Für dasjenige, was auf dem physischen Plane geschieht und verbreitet wird, hat eine physische Persönlichkeit einzutreten, also auch dafür, wenn Lehren verbreitet werden. Derjenige, der die Lehren anderer weiterverbreitet, hat ebenso zu zeigen, daß er sich nicht beruft auf irgendwelche unbekannten Mächte oder Einwirkungen, die auf medialem Wege zustande gekommen sind, sondern auf geschichtliche oder lebendige Persönlichkeiten, das heißt, auf solche, die den ganzen Hergang des Hereinkommens geistiger Wahrheiten in die physische Welt schauen, die wiederum die volle Verantwortung für ihre Lehren übernehmen und auch zeigen durch ihr Verhalten, daß sie die Verantwortung übernehmen. Das ist es vor allem. Das letztere ist es vor allem.

[ 50 ] Therefore, it was nonsense within the so-called Theosophical Society when people began to attribute certain Society events to the utterances of unknown Mahatmas. That should never have happened. A physical personality must take responsibility for whatever happens and is disseminated on the physical plane—and this applies equally to the dissemination of teachings. Anyone who disseminates the teachings of others must likewise demonstrate that they do not rely on any unknown powers or influences that have come about through mediumistic channels, but rather on historical or living personalities, that is, on those who oversee the entire process of spiritual truths entering the physical world, who in turn assume full responsibility for their teachings and also demonstrate through their conduct that they are assuming that responsibility. That is what matters most of all. The latter is what matters most of all.

[ 51 ] Das sind zwei sehr wichtige Regeln. Die erste ist diese, daß wir im Gefühle es haben müssen, wie die Autorität schwindet, wenn Medialität auftritt bei der Mitteilung von Veröffentlichungen von Persönlichkeiten, und die zweite ist, daß die Verantwortung niemals hingelenkt wird zu Wesen, die man als unbekannt der Welt gegenüber vorgibt. Man kann selbstverständlich von solchen unbekannten Wesen sprechen, aber man darf sich nicht auf sie als auf Autoritäten berufen. Das ist ein großer Unterschied.

[ 51 ] These are two very important rules. The first is that we must be aware of how authority diminishes when mediumship is involved in the communication of messages from prominent figures, and the second is that responsibility must never be shifted to beings who are presented to the world as unknown. One can, of course, speak of such unknown beings, but one must not invoke them as authorities. That is a major difference.

[ 52 ] Nur diese Andeutungen wollte ich zunächst heute einmal vor Sie hingestellt haben, weil es wichtig ist, daß man den ganzen Geist und das ganze Wesen, wie geisteswissenschaftliches Streben in uns leben soll, in der richtigen Weise erfühle. Man muß doch in der ganzen geisteswissenschaftlichen Bewegung in der richtigen Weise darinnen stehen. Sonst wird dieser geisteswissenschaftlichen Bewegung unendlich geschadet gerade dadurch, daß sie vermengt wird mit der Berufung auf allerlei irgendwo dahinterstehende Mahatma-Wesenheiten und dergleichen. Alles dasjenige, was, ich möchte sagen, wie in einen doch im Grunde genommen aus sinnlichen Trieben hervorgehenden Zauberhauch des Geheimnisvollen so gern eingehüllt wird von denen, die in der geisteswissenschaftlichen Bewegung stehen, all das muß allmählich heraus aus dieser geisteswissenschaftlichen Bewegung, sonst kommen wir nicht wirklich auf dem Gebiete der geisteswissenschaftlichen Bewegung vorwärts.

[ 52 ] I simply wanted to present these points to you today, because it is important to properly grasp the entire spirit and essence of how Spiritual Science endeavor should live within us. After all, one must stand within the entire Spiritual Science movement in the right way. Otherwise, this Spiritual Science movement will be infinitely harmed precisely because it is conflated with references to all sorts of Mahatma beings and the like lurking somewhere in the background. All that which—I would say—is so readily shrouded, as it were, in a magical aura of mystery that essentially springs from sensual impulses by those who are part of the Spiritual Science movement—all of that must gradually be removed from this Spiritual Science movement; otherwise, we will not truly make progress in the field of Spiritual Science.

[ 53 ] Wenn jedes Anprallen eines krankhaften Magensaftes an die Magenwände einen Trieb verursacht, der hinaufdunstet in die Intellektualität und sich dort in der Intellektualität in der Form der Imagination eines Engels manifestiert, und der Betreffende dann von diesem Engel seinen Mitmenschen erzählt, so kann das selbstverständlich eine sehr schöne Erzählung sein. Aber dasjenige, was dadurch angestiftet wird, das ist nur Schaden, unendlicher Schaden für eine geisteswissenschaftliche Bewegung. Denn das ist ja das Bedeutsame bei diesen Dingen, daß sie nicht nur durch das schaden, was man sagt, sondern daß sie auch schaden durch das, was sie sind; denn sie sind ja Realitäten. Indem Augenblicke, wo man ihnen ein falsches Gewand anzieht, läßt man sie eben in einer falschen Gestalt vor der Welt auftreten.

[ 53 ] If every time pathological gastric juice comes into contact with the stomach walls, it triggers an impulse that rises up into the intellect and manifests there in the form of an image of an angel, and the person in question then tells his fellow human beings about this angel, then this can, of course, be a very beautiful story. But what is instigated by this is nothing but harm—infinite harm to a movement of Spiritual Science. For that is the significant aspect of these things: they cause harm not only through what is said about them, but also through what they are; for they are, after all, realities. The moment one dresses them in a false guise, one allows them to appear before the world in a false form.

[ 54 ] Selbstverständlich würde niemand einen besonderen Eindruck machen, wenn er sagen würde: Du, ich habe da etwas Schiefgehendes im Magen gehabt. Das Anprallen meiner kranken Magensäfte an die Magenwände ist mir als Engel erschienen. — Wer so sagte, der würde keinen besonderen Eindruck machen auf seine Mitmenschen. Wenn er aber das erstere wegläßt, dann macht er einen besonderen Eindruck. Das ist außerordentlich wichtig, daß man von der Möglichkeit, daß solches geschehen kann, durchaus weiß. Selbstverständlich kann man nicht so ohne weiteres überall unterscheiden zwischen dem, was wahre Imagination ist, und dem, was nur falsche Imagination ist. Aber es ist ja auch nicht nötig, daß man seine Imaginationen sogleich an die Menschen heranbringt. Das ist dasjenige, was durchaus berücksichtigt werden muß. Es ist überhaupt notwendig, wirklich ernsthaft notwendig, daß wir dazu kommen, nachzudenken, wie die Verbreitung der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung in der Welt geschehen muß. Nicht wahr, wir haben bisher — vielleicht auch weiterhin — das Instrument unserer Anthroposophischen Gesellschaft, der Gesellschaft überhaupt, gehabt. Aber wir müssen wirklich diese Anthroposophische Gesellschaft, oder sagen wir in loserem Sinne unser Darinnenstehen in der geisteswissenschaftlichen Bewegung schon so auffassen, daß wir darüber nachdenken, in welcher Weise diese Gesellschaft, oder dieses Darinnenstehen in der geisteswissenschaftlichen Bewegung, ein Instrument ist für etwas, was geistig in der ganzen Erdenevolution geschehen soll.

[ 54 ] Of course, no one would make a particular impression if they said: “Hey, I’ve had something going on in my stomach. The way my sick gastric juices hit the stomach walls appeared to me as an angel.” — Anyone who said that would not make a particular impression on those around them. But if they omit the first part, then they make a special impression. It is extremely important to be fully aware of the possibility that such things can happen. Of course, one cannot readily distinguish everywhere between what is true imagination and what is merely false imagination. But it is also not necessary to immediately share one’s imaginings with others. This is precisely what must be taken into account. It is absolutely necessary—truly and earnestly necessary—that we come to reflect on how the worldview of Spiritual Science must be disseminated throughout the world. Isn’t it true that up to now—and perhaps continuing into the future—we have had the instrument of our Anthroposophical Society, the Society itself? But we really must view this Anthroposophical Society—or, in a broader sense, our participation in the Spiritual Science movement—in such a way that we reflect on how this Society, or this participation in the Spiritual Science movement, serves as an instrument for something that is to take place spiritually throughout the entire evolution of the Earth.

[ 55 ] Sehen Sie, meine lieben Freunde, esgeschieht allzu oft, daß man Mitglied wird der Anthroposophischen Gesellschaft, aber all die verschiedenen Gewohnheiten, all die Neigungen, die Sympathien und Antipathien, die man auch hätte, wenn man nicht Mitglied wäre, nun in die Gesellschaft hineinträgt und darinnen weiter auslebt. Notwendig ist es schon, daß man darüber nachdenkt. Ich habe deshalb heute etwas recht Naheliegendes, Reales zum Gegenstande der Betrachtungen gemacht, nämlich das Reale: wie es möglich ist, daß Betrüger auftreten, die irgendeine einseitige Weltanschauung propagieren wollen und sich einer medialen Persönlichkeit bedienen, um diese einseitige Weltanschauung in die Welt zu bringen. So wie derjenige, der an die Stelle des Meisters Koot Hoomi getreten ist, als Betrüger dasteht und eine einseitige Weltanschauung verpflanzt hat in die Blavatsky, wie es möglich war, daß man nicht einsah, daß hinter ihr ein grauer Magier stand, der im Solde war einer engbegrenzten menschlichen Gesellschaft und eine bestimmte menschliche Weltanschauung propagieren wollte.

[ 55 ] You see, my dear friends, it happens all too often that people become members of the Anthroposophical Society, but then carry all their various habits, all their inclinations, sympathies, and antipathies—which they would have even if they were not members—into the Society and continue to act on them there. It is certainly necessary to reflect on this. That is why today I have chosen something quite obvious and real as the subject of my reflections, namely the reality of how it is possible for charlatans to emerge who wish to propagate some one-sided worldview and make use of a mediumistic personality to bring this one-sided worldview into the world. Just as the person who took the place of Master Koot Hoomi stands out as a fraud and implanted a one-sided worldview into Blavatsky, so it was possible that people failed to realize that behind her stood a gray magician who was in the pay of a narrowly defined human society and sought to propagate a specific human worldview.

[ 56 ] Das ist etwas sehr, sehr Reales, das uns zeigt, wie man richtig achtgeben muß, wenn es sich darum handelt, dieses hehre, der Menschheit so notwendige Gut der Geisteswissenschaft zu hegen und zu pflegen; wie man da wirklich bis in die innersten Fasern des Gemütes hinein, man kann nur sagen, nach Ehrlichkeit streben muß — selbstverständlich können Fehler vorkommen —, aber auch wirklich nach reinster Ehrlichkeit streben muß, nicht durch Bequemlichkeit sich rasch zufrieden stellen soll damit, daß man an irgend jemanden glauben kann, der einem etwas Wertvolles gibt, sondern wirklich jeden Schritt prüft; prüft, was da alles in Betracht kommt. Das ist schon einmal notwendig. Es ist also etwas Reales, was in die Menschheit hineinströmt in dieser Geisteswissenschaft, wirklich nicht eine bloße Theorie, sondern etwas Reales, was hereinströmt durch die geisteswissenschaftliche Weltanschauungsströmung in die Menschheitsentwickelung.

[ 56 ] This is something very, very real that shows us how we must be truly careful when it comes to nurturing and cultivating this noble asset of Spiritual Science, which is so necessary for humanity; how we must truly, down to the innermost fibers of our being, one can only say, strive for honesty—of course, mistakes can happen—but one must also truly strive for the purest honesty; one must not, out of convenience, be quickly satisfied with simply believing in someone who gives one something valuable, but must truly examine every step; examine everything that comes into consideration. That is necessary, to begin with. So it is something real that is flowing into humanity through the Spiritual Science—truly not a mere theory, but something real that is flowing into the development of humanity through the spiritual-scientific worldview movement.

[ 57 ] Daher müssen wir uns bewußt werden, daß wir uns in einer andern Weise auf die Erde stellen müssen, als wir sonst auf der Erde stehen, wenn wir uns nicht eingliedern in eine solche geisteswissenschaftliche Strömung.

[ 57 ] Therefore, we must realize that we need to relate to the Earth in a different way than we normally do if we do not become part of such a movement of Spiritual Science.



[ 58 ] Daher müssen wir uns bewußt werden, daß wir uns in einer anderen Weise auf die Erde stellen müssen, als wir sonst auf der Erde stehen, wenn wir uns nicht eingliedern in eine solche geisteswissenschaftliche Strömung. Mancherlei ist zutage getreten, was zeigt, daß wohl immer wieder und wieder betont werden muß, daß ein solches Bewußtsein entsteht, und ich bitte Sie ganz herzlich, meine lieben Freunde, betrachten Sie das, was ich sage, absolut unpersönlich; betrachten Sie es nicht so, daß Sie hinterher den Glauben haben, das, was ich ausspreche, das treffe nur den einen oder anderen. Es ist leider auch das schon passiert, daß man gesagt hat: «Er hat diesen oder jenen treffen wollen». Ich will nie einen einzelnen treffen, ich charakterisiere immer unpersönlich. Also es möge das nicht in irgendeiner Weise persönlich verstanden werden. Es möge aber bitte auch nicht in der anderen Weise verstanden werden — wie es auch oftmals geschah —, daß keiner es auf sich bezieht, sondern daß man es immer nur auf die anderen bezieht. Es ist schon viel, viel häufiger vorgekommen, daß das, was gesagt wurde, keiner auf sich bezogen hat, aber immer auf den anderen, so daß immer der andere derjenige ist, den ich charakterisiere.

[ 58 ] Therefore, we must realize that we need to relate to the Earth in a different way than we normally do if we do not become part of such a movement of Spiritual Science. Various things have come to light that show it must indeed be emphasized again and again that such an awareness must arise, and I ask you most earnestly, my dear friends, to regard what I say in an entirely impersonal way; do not interpret it in such a way that you are left believing afterward that what I say applies only to one person or another. Unfortunately, it has already happened that people have said, “He wanted to target this or that person.” I never intend to target any individual; I always speak in impersonal terms. So please do not take this personally in any way. But please also do not take it the other way—as has often happened—in which no one applies it to themselves, but rather always applies it only to others. It has happened much, much more frequently that what was said was not applied to oneself, but always to others, so that it is always the other person whom I am describing.

[ 59 ] Es ist manches zutage getreten, meine lieben Freunde, in den Jahren, die unserem Bau vorangegangen sind, manches auch während der Arbeiten an unserem Bau. Mit großer Dankbarkeit muß ja gesagt werden, daß der weitaus größte Teil unserer am Bau arbeitenden Freunde wirklich mit inniger Selbstlosigkeit arbeiten, mit aufrichtiger Hingabe arbeiten, und daß schon in der Seele, in dem Geist der lieben Freunde, die arbeiten, der Grundsatz lebt, der unbedingt bei einer solchen Sache in uns leben muß: daß es uns aufrichtigst und ehrlichst in unserer Seele ebenso lieb sein muß, wenn ein anderer etwas macht, wie wenn wir es selber machen. Solange wir nicht durchdrungen sind von dem Grundsatz, daß es uns ebenso lieb ist, wenn ein anderer etwas macht, wie wenn wir es selber machen, solange stehen wir nicht in der richtigen Weise zu der Sache. Ich meine das aber nicht so, meine lieben Freunde, wie das im gewöhnlichen, äußeren Leben ist, daß man andere arbeiten läßt und selber lieber faulenzt. Sie werden das schon verstehen. Es ist von dem Gesichtspunkt aus gesagt, daß uns im Grunde genommen vorschweben muß, wenn wir unsere Arbeit im Zeichen geisteswissenschaftlicher Weltanschauung verrichten, daß wir die sogenannte geringere Arbeit — es ist das schon ein unmögliches Wort unter uns —, daß wir die geringere Arbeit ebenso wichtig finden wie die scheinbar größte und umfassendste und geistigste, daß wir wirklich jede Arbeit als gleich, als sich in den Organismus der gesamten Arbeit einfügend betrachten und daß wir weit davon entfernt sein müssen, jemals das Gefühl zu haben, daß wir einen anderen in irgendeiner Weise beneiden oder seine Arbeit haben wollen statt der unseren, und was alles damit zusammenhängt. Bei der weitaus größten Zahl der unter uns arbeitenden Freunde ist ja wirklich ein solches anthroposophisches Bewußtsein richtig vorhanden, und es war selbstverständlich immer auch ein solches rechtes Bewußtsein vorhanden, als wir noch nicht genötigt waren, manches mitzunehmen, was nicht mitgenommen zu werden braucht, wenn man bloß als Gesellschaft dasteht und noch nicht eine gemeinsame Arbeit hat, wo jeder neben dem anderen angreifen muß. Es kommen viel ärgere Kollisionen des Lebens heraus, wenn einer neben dem anderen angreifen muß; da kommen dann Dinge heraus, meine lieben Freunde, die schon erwähnt werden müssen. Es sei noch einmal gesagt: Nicht im allerentferntesten ist in dem, was ich sage, irgendeine persönliche Richtung genommen. Aber es darf und sollte nicht vorkommen unter uns, bei unserer Arbeit, daß der eine über die Arbeit des anderen abfällig spricht, daß der eine mit der Arbeit des anderen in irgendeiner Weise unzufrieden ist, unzufrieden ist aus Gefühlen und Emotionen heraus. Höchstens kann man die Anschauung haben, daß man helfen soll, um etwas besser zu machen. Aber etwas Abfälliges zu sagen über irgend etwas, was jemand von uns macht, das sollte nicht unsere Art sein. Etwas Abfälliges zu sagen, nur um etwas zu sagen, Unzufriedenheit mit der Arbeit des anderen — das ist etwas, was wir auf jede Weise überwinden sollten, das ist etwas, was wir ablegen sollten.

[ 59 ] Much has come to light, my dear friends, in the years leading up to our construction project, and much has also come to light during the work on our building. With great gratitude, it must be said that the vast majority of our friends working on the construction are truly working with heartfelt selflessness and sincere dedication, and that already in the souls and spirits of these dear friends who are working, the principle lives that must absolutely live within us in such an endeavor: that it must be just as dear to us in the deepest and most sincere part of our souls when another does something as when we do it ourselves. As long as we are not imbued with the principle that it is just as dear to us when another does something as when we do it ourselves, we do not have the right attitude toward the cause. But I do not mean this, my dear friends, in the way it is understood in ordinary, external life—that one lets others work while one prefers to laze about. You will surely understand this. It is said from the perspective that, when we carry out our work in the spirit of Spiritual Science, we must fundamentally keep in mind that we regard so-called “menial work”—which is already an impossible term among us —that we consider the “lesser” work just as important as the seemingly greatest, most comprehensive, and most spiritual work; that we truly regard every task as equal, as fitting into the organism of the entire work; and that we must be far from ever feeling that we envy another in any way or wish to have their work instead of our own, and everything else connected with that. Among the vast majority of our working friends here, such an anthroposophical consciousness is indeed truly present, and of course such a proper consciousness was always present as well when we were not yet compelled to take on certain things that need not be taken on when one simply exists as a society and does not yet have a common task where everyone must work side by side. Much more serious conflicts arise in life when one person has to work side by side with another; then, my dear friends, things come to light that simply must be mentioned. Let me say it once more: There is not the slightest hint of any personal bias in what I am saying. But it must not and should not happen among us, in our work, that one person speaks disparagingly about another’s work, that one person is dissatisfied with another’s work in any way—dissatisfied out of feelings and emotions. At most, one may hold the view that one should help to improve something. But saying something disparaging about anything any of us does—that should not be our way. Saying something disparaging just for the sake of saying it, expressing dissatisfaction with another’s work—that is something we should overcome in every way; that is something we should put aside.

[ 60 ] Es hängt vieles mit dem zusammen, was ich da berühre. Es ist gewiß nicht allzu verbreitet, aber es ist immerhin Grund vorhanden, über solche Dinge einmal ernstlich nachzudenken, mit uns zu Rate zu gehen, wie manches auf diesem Gebiete noch verbessert werden kann. Denn ich kann Ihnen die Versicherung geben: Unsere Gesellschaft kann nicht gedeihen und nicht vorwärtskommen, wenn ich selbst genötigt bin, immer wieder Klagen anzuhören, die das eine Mitglied über das andere Mitglied vorzubringen hat. Man müßte ja gewiß einen großen Sarg haben, wenn unsere Bewegung zu Grabe getragen werden sollte; aber jedes An-mich-Heranbringen einer Klage über eines unserer Mitglieder ist ein Nagel zum Sarge unserer geisteswissenschaftlichen Bewegung. Und ich bin am wenigsten dazu berufen, Frieden zu stiften oder auf dasjenige, was man das Recht nennt, zu schauen, denn, selbstverständlich, wenn zwei streiten, hat jeder recht, und keiner wird so leicht anerkennen, daß auch der andere. recht haben könnte. Es kann sich ja wirklich nicht darum handeln, Persönliches zwischen den Mitgliedern in irgendeiner Weise an die Geisteswissenschaft heranzubringen. Vieles, vieles würde anders werden, wenn wir nur einmal die Möglichkeit fänden, folgenden Grundsatz als unseren obersten Grundsatz anzuerkennen: Dadurch, daß jemand in unsere Gesellschaft hineintritt oder überhaupt in unsere geisteswissenschaftliche Strömung sich eingliedert, dadurch bekennt er sich zu etwas, was es eben nur in dieser geisteswissenschaftlichen Strömung allein gibt. Daher treten. wir ihm nicht nur so entgegen, wie wir sonst einem uns entgegenkommenden Menschen entgegentreten, indem wir unsere Sympathien und Antipathien spielen lassen, sondern wir treten ihm unter allen Umständen als einem Mitglied unserer Gesellschaft entgegen. Das soll für uns etwas sein und das soll in erster Linie für uns in Betracht kommen, daß er sich zu der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung bekennt. Es ist ein großer Fehler, wenn die Usancen, die sonst in der Welt existieren und die Sympathien und Antipathien bildend sind, hereingetragen werden in unsere Gesellschaft, wenn Rivalitäten entstehen, wie sie draußen entstehen. Begreiflich sind sie ja gewiß, diese Rivalitäten. Aber wenn jemand zu “mir kommt und sagt: Da ist diesem oder jenem wieder das und jenes passiert, und damit kann ich nicht einverstanden sein —, ja, der könnte sich die Antwort selber geben, und die besteht einfach darin: Braucht man denn unbedingt mit allem einverstanden zu sein? Läßt es sich denn nicht auch leben, ohne daß man mit allem einverstanden ist, was Menschen tun, die neben einem arbeiten? Das ist eine ganz selbstverständliche Antwort. Es kann doch niemand in der Welt verlangen, daß man mit allem einverstanden sein muß, was ein anderer tut, oder daß man dasjenige, was er tut, als etwas Minderwertiges betrachtet.

[ 60 ] Much depends on what I am addressing here. It is certainly not all that common, but there is, after all, good reason to give such matters serious thought and to consult with one another on how certain things in this area can still be improved. For I can assure you: Our society cannot flourish or move forward if I myself am compelled to listen time and again to complaints that one member has against another. We would certainly need a very large coffin if our movement were to be laid to rest; but every time a complaint about one of our members is brought to my attention, it is another nail in the coffin of our Spiritual Science movement. And I am the least qualified to make peace or to look to what is called “justice,” for, of course, when two people argue, each is right, and neither will readily acknowledge that the other might also be right. It really cannot be a matter of bringing personal issues between members into Spiritual Science in any way. Much, much would change if we could only find a way to recognize the following principle as our highest principle: By joining our society—or by becoming part of our Spiritual Science movement at all—a person commits to something that exists solely within this Spiritual Science movement. Therefore, we do not simply greet them as we would otherwise greet anyone coming toward us—by giving free rein to our sympathies and antipathies—but we greet them under all circumstances as a member of our society. The fact that they profess the worldview of Spiritual Science should mean something to us and should be our primary consideration. It is a great mistake to allow the customs that otherwise exist in the world—and which give rise to sympathies and antipathies—to be brought into our society, or for rivalries to arise here as they do outside. These rivalries are certainly understandable. But if someone comes to me and says, “This or that has happened to so-and-so again, and I can’t agree with that”—well, that person could answer their own question, and the answer is simply this: Do we really have to agree with everything? Isn’t it possible to live without agreeing with everything that people working alongside us do? That’s a perfectly obvious answer. Surely no one in the world can demand that you agree with everything another person does, or that you regard what they do as inferior.

[ 61 ] Ich deute damit auf vieles, indem ich solche Dinge andeute. Aber es muß durchaus sein, daß wir denjenigen, der unserer Gesellschaft angehört und in derselben Richtung strebt wie wir, wirklich betrachten als uns nahestehend. Das wollen wir niemals vergessen. Denn nur so werden sich niemals Cliquenverhältnisse bilden, die heute entstehen und morgen wieder vergehen, mit der Nebenwirkung, daß die, welche außerhalb dieser Cliquen stehen, immer unrecht haben.

[ 61 ] I am alluding to many things by hinting at such matters. But it is absolutely essential that we truly regard those who belong to our society and strive in the same direction as we do as being close to us. Let us never forget that. For only in this way will cliques—which arise today and vanish tomorrow, with the side effect that those outside these cliques are always in the wrong—never form.

[ 62 ] Glauben Sie .nicht, meine lieben Freunde, daß es mir sehr leicht fällt, daß ich diese Dinge sagen muß. Es ist nicht unmöglich, daß nach dem Kriege etwas ganz anderes an die Stelle der Gesellschaft gesetzt werden muß, wenn manche Dinge nicht aufhören. Und Sie werden begreifen, daß um des Fortbestehens der Gesellschaft willen schon einmal auf solche Dinge gedeutet werden muß. Man muß wirklich das, was man als Vorliebe empfindet, ablegen und suchen, sich ehrlich dazu zu bekennen, die Sache höher zu stellen als das, was man in dem gewöhnlichen Leben Sympathie und Antipathie nennt. |

[ 62 ] Do not think, my dear friends, that it is very easy for me to say these things. It is not impossible that, after the war, something entirely different will have to take the place of society if certain things do not come to an end. And you will understand that, for the sake of society’s continued existence, such matters must be addressed. One must truly set aside what one feels as a personal preference and strive to honestly acknowledge that the cause takes precedence over what, in everyday life, we call sympathy and antipathy. |

[ 63 ] Überzeugen Sie sich nur einmal von dem folgenden: Wenn Sie nur ein paarmal, wenn in Ihnen die Galle über einen Mitmenschen aufsteigen will, diese Galle hinunterfressen und nicht gleich in Wut auszubrechen, so werden Sie bemerken, daß Sie ein Stückchen weitergekommen sind in dem Grundsatze, die Sache über das Persönliche zu stellen; überzeugen Sie sich, indem Sie den entsprechenden Versuch anstellen. Dann kann nicht irgend etwas unwahr sein in unserer Bewegung. Man kann nicht unwahr sein in bezug auf das, was man sagt und in bezug auf das, was man tut. Wenn es allgemein Übung würde, viel Unwahres hineinzutragen in die Bewegung, so müßte sie einfach aufhören, so könnte sie nicht bestehen bleiben. Wenn ein Mensch zu mir kommt und über einen anderen Menschen etwas sagt, was er morgen wieder zurücknimmt, wenn er sich heute in ganz anderer Weise zu dem Menschen stellt, als er sich drei Monate vorher zu ihm gestellt hat, nur weil das aus seinen Sympathien und Antipathien fließt, so ist das etwas, was als Kraft nicht vereinbar ist mit der unbedingt notwendigen Wahrheitsliebe, mit dem Herrschen des Prinzips der Wahrheit, die da sein muß heute unter uns.

[ 63 ] Just see for yourself the following: If, whenever you feel your anger rising toward a fellow human being, you can swallow that anger just a few times—instead of immediately lashing out—you will notice that you have made a little progress in applying the principle of putting the matter above personal feelings; convince yourself by making the appropriate attempt. Then there can be nothing untrue about our movement. One cannot be untrue in regard to what one says and in regard to what one does. If it were to become common practice to introduce a great deal of untruth into the movement, it would simply have to cease; it could not continue to exist. If a person comes to me and says something about another person that he will retract tomorrow, if he treats that person today in a completely different way than he did three months ago, simply because it stems from his likes and dislikes, then that is something that, as a force, is incompatible with the absolutely necessary love of truth, with the reign of the principle of truth that must exist among us today.

[ 64 ] Ich hoffe, meine lieben Freunde, daß Sie wirklich diese Dinge ganz unpersönlich nehmen und auch, gerade im Anschluß an die tief einschneidenden Wahrheiten, die ich heute mitgeteilt habe, diese Dinge sich überlegen, damit nicht vielleicht in der Zukunft dennoch — weil die Unwahrheit aus Launen, aus Sympathien und Antipathien überhandnimmt in unserer Gesellschaft —, es einmal notwendig werden möge, darüber nachzudenken, welche andere Form des Zusammenwirkens man als Instrument für die geisteswissenschaftliche Weltanschauung wählt anstelle unserer Gesellschaft.

[ 64 ] I hope, my dear friends, that you will truly take these matters entirely impersonally and, especially in light of the profound truths I have shared today, give them careful consideration, so that perhaps in the future—because untruth prevails in our society due to whims, sympathies, and antipathies— it might one day become necessary to consider what other form of cooperation to choose as an instrument for the worldview of Spiritual Science in place of our Society.