The Riddle of Man
The Spiritual Background of Human History
GA 170
6 August 1916, Dornach
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The Riddle of Man, tr. SOL
Fünfter Vortrag
Fifth Lecture
[ 1 ] Ich werde im wesentlichen heute die Zeit dazu benützen, einige Grundlagen zu entwickeln, aus denen sich dann gewisse Dinge ergeben werden, zu denen wir morgen kommen wollen — Grundlagen, die Erweiterungen des gestern Ausgeführten darstellen werden.
[ 1 ] Today, I will essentially use this time to lay out some foundational concepts, from which certain points will then emerge that we plan to address tomorrow—concepts that will serve as extensions of what was discussed yesterday.
[ 2 ] Denken wir daran, daß der Mensch durch die Geburt, oder sagen wir durch die Empfängnis hereintritt in das physische Leben, in das Leben, das er zubringt zwischen der Geburt und dem Tode auf dem physischen Plane. Denken wir daran, wie der Mensch in dieses physische Leben eintritt, so wie wir es die Jahre her dargestellt haben. Wir wissen ja, daß der Mensch in gewissem Sinne ein Zusammenfluß ist der niederen Naturreiche — des mineralischen, des pflanzlichen, des tierischen Reiches — und sich über diese drei Reiche, die in ihm gleichsam zur Symbiose verbunden sind, dann erhebt. Aber er wächst als geistig-seelisches Wesen in diese drei Reiche hinein. So daß wir sagen können: Der Mensch wächst, indem er heruntersteigt zum physischen Plan, in das mineralische, pflanzliche, tierische Reich hinein und wird Mensch. Nun steigt er ja nach dem Tode wieder hinauf. Für die geistige Anschauungsweise ist etwas Ähnliches der Fall: So wie dieses Hineinwachsen in die Reiche des physischen Daseins geschieht, vollzieht sich etwas sehr Ähnliches im Geistgebiete. Sie müssen bei all solchen Darstellungen, die ich da gebe, sich natürlich immer klar sein, daß alles das, was wir schon gesagt haben über das Hineinwachsen des Menschen in die geistige Welt nach dem Durchgang durch die Todespforte, bestehen bleibt, und daß dieses, was wir als weitere Ausführungen an uns herantreten lassen, eben nur noch dazu gilt. So daß wir sagen können: Der Mensch wächst hinein in die geistige Welt so, daß ihn aufnimmt das moralische Reich, das ästhetische Reich, das Weisheitsreich oder Wahrheitsreich. Nur natürlich, wenn wir im Leben hier sprechen vom moralischen Reich, von dem Reich des Guten, vom ästhetischen Reich, dem Reich des Schönen und dem Reich der Wahrheit, der Weisheit, dann meinen wir die Dinge mehr oder weniger abstrakt. In der geistigen Welt aber sind die Kräfte, in die der Mensch da hineinwächst, und die er wieder verläßt, wenn er ins physische Dasein kommt, ganz konkret, sind wirkliche geistige Daseinsformen. Wir fassen sie nur mit solchen Namen zusammen. Dasjenige nun, was den Menschen aufnimmt, wenn er in die geistige Welt hinaufkommt, das ist gewissermaßen wie in Resten in seiner Aura hier auf der Erde vorhanden. Der Mensch wächst als physisches Wesen auf dem physischen Plan hinein ins mineralische, ins pflanzliche, ins tierische Reich, nachdem er das Reich der Weisheit, der Schönheit, der Moralität verlassen hat. Aber die Herunterstrahlungen dieser drei geistigen Reiche, die gehen noch hinein in seine Aura; so daß der ganze Mensch, wenn wir den Geistesteil des Menschen eben zum Menschen hinzunehmen, erstens in dem lebt, was er mineralisch, pflanzlich, tierisch, physisch-menschlich ist, und ferner auch in dem, was ihn gewissermaßen umschwebt, durchstrahlt, durchwebt aus den drei geistigen Reichen herunter, die ihn überstrahlen, überleuchten. Nun können wir uns durch eine Art schematischer Zeichnung, die aber, wie gesagt, eben nur eine schematische Zeichnung sein soll, versinnlichen, wie das nun eigentlich ist, was da mit der Natur des Menschen zusammenhängt. Was ich jetzt aufzeichnen werde, ist durchaus schematisch, aber es kann Ihnen viel erklären, wenn Sie es gründlich betrachten. Damit wir möglichst klar die Dinge haben, will ich einmal alles das, was zum Ich gehört, in dieser Weise darstellen (grün). Alles, was zum astralischen Leib gehört, gelb, alles, was zum ätherischen Menschen gehört, lila, was zum physischen Menschen gehört, rot. (Siehe Zeichnungen Seiten)
[ 2 ] Let us remember that human beings enter physical life—the life they spend between birth and death on the physical plane—through birth, or, shall we say, through conception. Let us remember how human beings enter this physical life, just as we have described it over the years. We know, of course, that the human being is, in a certain sense, a convergence of the lower kingdoms of nature—the mineral, plant, and animal kingdoms—and then rises above these three kingdoms, which are, as it were, united within him in a symbiosis. But as a spiritual-soul being, he grows into these three kingdoms. So we can say: As the human being descends to the physical plane, he grows into the mineral, plant, and animal kingdoms and becomes human. Now, after death, he ascends again. Something similar applies from a spiritual perspective: Just as this growing into the kingdoms of physical existence takes place, something very similar occurs in the spiritual realm. Of course, in all such descriptions that I am giving here, you must always be clear that everything we have already said about humanity’s growth into the spiritual world after passing through the gate of death remains true, and that what we are now considering as further elaborations applies only to this. So we can say: Human beings grow into the spiritual world in such a way that they are received by the moral realm, the aesthetic realm, the realm of wisdom, or the realm of truth. Of course, when we speak here in life of the moral realm—the realm of the good—the aesthetic realm—the realm of the beautiful—and the realm of truth and wisdom, we mean these things in a more or less abstract sense. In the spiritual world, however, the forces into which a human being grows—and which he leaves behind again when he enters physical existence—are quite concrete; they are actual spiritual forms of existence. We simply summarize them with such names. Now, that which receives the human being when he ascends into the spiritual world is, in a sense, present here on Earth in his aura as remnants. As a physical being on the physical plane, a human being grows into the mineral, plant, and animal kingdoms after having left the kingdom of wisdom, beauty, and morality. But the radiations from these three spiritual kingdoms still penetrate into his aura; so that the whole human being—if we include the spiritual aspect of the human being in our conception of the human—lives, first of all, in what is mineral, plant, animal, and physical-human, and furthermore also in what, in a sense, surrounds them, radiates through them, and interweaves with them from the three spiritual realms, which outshine and out-illuminate them. Now, through a kind of schematic diagram—which, as I said, is meant to be just that, a schematic diagram—we can visualize what is actually involved in the nature of the human being. What I am about to sketch is entirely schematic, but it can explain a great deal to you if you examine it thoroughly. To make things as clear as possible, I would like to represent everything that belongs to the “I” in this way (green). Everything that belongs to the astral body is yellow; everything that belongs to the etheric human is purple; and everything that belongs to the physical human is red. (See drawings)


[ 3 ] Und nun wollen wir den Menschen einmal schematisch betrachten. Wir wollen ihn betrachten, so wie er im Weltenall drinnensteht als moralischer Mensch, das heißt als Mensch, der an den Moralkräften des Weltenalls Anteil hat. Dann wollen wir ihn betrachten als Mensch, der an den ästhetischen Impulsen des Weltenalls Anteil hat in dem Sinne, wie wir gestern das betrachtet haben. Und dann wollen wir den Menschen betrachten, wie er an den Weisheitsimpulsen Anteil hat. Also wir wollen gewissermaßen eine psychische Physiologie — verzeihen Sie das etwas unsinnig gebildete Wort, aber Sie werden verstehen, was ich damit meine — entwerfen, die ja natürlich imaginativ gemeint ist. Wenn wir den Menschen, insofern er in der Moralitätssphäre drinnensteht, betrachten, da werden wir besonders an dasjenige erinnert, was ich gestern darlegte: daß die Griechen noch mehr das Verhältnis des Geistig-Seelischen und des Physischen gefühlt und empfunden haben, als es heute der Fall ist. Daher hat Plato zum Beispiel noch ganz deutlich dieses eigentümliche Verhältnis dargestellt, wie der Mensch erfaßt, ergriffen wird von den Moralitätsimpulsen aus dem geistigen Universum heraus. Plato sagt: Eigentlich gibt es vier Tugenden. Von der Gesamtmoralität wird der Gesamtmensch erfaßt. — Aber alles das ist natürlich mit dem bekannten grano salis zu nehmen. Natürlich würde, wenn der ganze Mensch erfaßt wird, er auch wiederum nach den einzelnen Tugenden abgeteilt. Die erste Tugend, von der Plato spricht, ist die Weisheit — Weisheit als Tugend jetzt genommen, nicht als Wissenschaft. Weil diese Weisheit als Tugend verwandt ist mit dem, was in der Wahrheit erlebt wird, so wenden sich die Kräfte, die gerade die Weisheit aus der Moralitätssphäre heraus ergreift, auch noch an das Haupt des Menschen, so daß wir die Sache so darstellen können: (Zeichnung 1). Plato sagte also: Es wird erfaßt beim moralischen Menschen der Kopfteil von der Weisheit, der Brustteil von dem, was man nennen könnte die Tugend der Herzhaftigkeit — ich kann kein besseres Wort finden —, Starkmut, Tüchtigkeit, aber solche Tüchtigkeit, daß die herzhaften Kräfte drinnen sind: seelische Tüchtigkeit.
[ 3 ] And now let us take a schematic look at human beings. Let us consider them as they exist within the universe as moral beings—that is, as human beings who share in the moral forces of the universe. Then let us consider them as human beings who share in the aesthetic impulses of the universe, in the sense we discussed yesterday. And then let us consider human beings in terms of how they share in the impulses of wisdom. So, in a sense, we want to outline a “psychic physiology”—please forgive this somewhat contrived term, but you will understand what I mean by it—which is, of course, meant in an imaginative sense. When we consider the human being insofar as he is situated within the sphere of morality, we are particularly reminded of what I explained yesterday: that the Greeks felt and sensed the relationship between the spiritual-soul and the physical even more keenly than is the case today. That is why Plato, for example, still very clearly depicted this unique relationship: how human beings are grasped and seized by moral impulses emanating from the spiritual universe. Plato says: There are actually four virtues. The whole human being is encompassed by the totality of morality. — But all of this must, of course, be taken with a grain of salt. Of course, if the whole human being is encompassed, he would in turn be divided according to the individual virtues. The first virtue Plato speaks of is wisdom—wisdom taken here as a virtue, not as a science. Because this wisdom as a virtue is related to what is experienced in truth, the forces that wisdom draws specifically from the sphere of morality also turn toward the head of the human being, so that we can represent the matter as follows: (Figure 1). Plato thus said: In the moral person, the head is governed by wisdom, and the chest by what one might call the virtue of heartiness—I can find no better word—courage, competence, but a competence that encompasses these heartfelt powers: spiritual competence.
[ 4 ] Weise — das Wort im Sinne der Tugendhaftigkeit gemeint — ist derjenige Mensch, der sich nicht bloß seinen tierischen Trieben überläßt, sondern der aus der Moral heraus gewisse Ideen hat, die er erfaßt, und nach denen er sich richtet. Aber es strahlt schon der moralische Impuls in das Körperliche, in das Leibliche hinein, auch wenn dieser moralische Impuls in moralischen Weisheitsideen erfaßt wird. Daher können wir sagen: Da strahlt herein in den Menschen die Moralität so, daß wir uns das Hereinstrahlen ins «Ich» vorstellen dürfen (grün). Das wäre also die platonische Weisheitssphäre der Moralität.
[ 4 ] A wise person—the word used here in the sense of virtue—is one who does not merely give in to his animal instincts, but who, based on morality, has certain ideas that he grasps and by which he guides himself. But the moral impulse already radiates into the physical, into the bodily realm, even when this moral impulse is grasped in the ideas of moral wisdom. Therefore, we can say: Morality radiates into the human being in such a way that we may imagine this radiation entering the “I” (green). This, then, would be the Platonic sphere of wisdom of morality.
[ 5 ] Der Brustteil, der das Herz umschließt, wäre das Gebiet, wo die Herzhaftigkeit, der Starkmut, die seelische Tüchtigkeit aus der Moralitätssphäre einstrahlt. Wir können sagen: Da ergreift die Moralität, indem sie weiterstrahlt, insbesondere das Astralische und belebt den Brustteil mit dem Herzen. Wir können also dieses weitere Erstrahlen so zeichnen (gelb). So daß wir haben: Weisheit als Tugend im Kopfteil (grün), Herzhaftigkeit als Tugend im Brustteil (gelb).
[ 5 ] The chest region, which encloses the heart, is the area where heartiness, courage, and spiritual strength radiate from the sphere of morality. We can say: There, morality takes hold by radiating outward, particularly into the astral realm, and animates the chest region containing the heart. We can therefore depict this outward radiation as shown (yellow). Thus, we have: wisdom as a virtue in the head region (green), and heartiness as a virtue in the chest region (yellow).
[ 6 ] Eine dritte Tugend ist, was Plato die Besonnenheit, Sophrosyne, nennt, und die schreibt er dem Unterleib zu, was ganz richtig ist. Der Unterleib ist der Erreger der Triebe des Menschen, aber der Mensch, der mit seinem Nachdenken und Nachfühlen und Nachempfinden die Triebe beherrscht, ist ein besonnener Mensch. Das bloße Ausleben der Triebe, das auch das Tier kennt, ist keine Tugend, sondern erst das Durchsetzen der Triebe mit dem Grade von Bewußtsein, der eben möglich ist, ist Besonnenheit. Das wird dann im Ätherleib erfaßt, weil Gedanken, Besonnenheit, Mut, insofern sie menschlich sind, im Ätherleibe erfaßt werden. Wir müssen also die Zeichnung so gestalten (violett). Also es erfaßt schon die Moralitätssphäre den physischen Menschen als Ganzes, wie ich gestern ausgeführt habe. Der Kopf ist dabei, das habe ich gestern ausdrücklich gesagt.
[ 6 ] A third virtue is what Plato calls prudence, or sophrosyne, and he attributes it to the lower abdomen, which is quite correct. The lower abdomen is the source of human instincts, but the person who masters these instincts through reflection, empathy, and compassion is a prudent person. Merely acting on one’s instincts—something even animals do—is not a virtue; rather, it is the exercise of these instincts with the highest possible degree of consciousness that constitutes prudence. This is then captured in the etheric body, because thoughts, prudence, and courage—insofar as they are human—are captured in the etheric body. We must therefore depict this in the diagram (purple). As I explained yesterday, the sphere of morality already encompasses the physical human being as a whole. The head is included in this, as I explicitly stated yesterday.
[ 7 ] Und als vierte umfassende Tugend, die nun in den ganzen physischen Leib strömt, von dem ich Ihnen gestern gezeigt habe, daß er eigentlich unsichtbar ist, nennt Plato Dikaiosyne. Das müssen wir übersetzen mit Gerechtigkeit, obwohl das Wort Gerechtigkeit in den modernen Sprachen nicht vollständig damit übereinstimmt; denn Gerechtigkeit müssen wir so nehmen: daß der Mensch sich zu richten weiß, gerecht, richtungsgemäß, daß er einer menschlichen Richtung folgt im Leben. Also es ist nicht das abstrakte Wort Gerechtigkeit bloß gemeint, sondern das Sich-Richtung-Gebende, Sich-Auskennende, Sich-Orientierende im Leben. So daß wir sagen können: Da hat die Einströmung der Moralitätssphäre in den ganzen physischen Leib Anteil als Gerechtigkeit (rot). Auf diese Weise hätten wir schematisch angedeutet, wie in der menschlichen Aura die Moralitätsimpulse hereinstrahlen in den Menschen.
[ 7 ] And Plato calls dikaiosyne the fourth comprehensive virtue, which now flows throughout the entire physical body—which, as I showed you yesterday, is actually invisible. We must translate this as “justice,” although the word “justice” in modern languages does not fully correspond to it; for we must understand justice in this way: that a person knows how to direct themselves—justly, in accordance with a direction—that they follow a human direction in life. So it is not merely the abstract word “justice” that is meant, but rather the act of giving oneself direction, knowing one’s way, and orienting oneself in life. Thus we can say: The inflow of the sphere of morality into the entire physical body manifests as justice (red). In this way, we have schematically indicated how the impulses of morality radiate into the human being through the human aura.
[ 8 ] Jetzt wollen wir andeuten, wie die ästhetischen Impulse in den Menschen hereinstrahlen (Zeichnung II). Da sind die Dinge etwas verschoben, und zwar einfach um eins hinauf verschoben. Da muß man dasjenige, was man vorher noch in das Haupt hereingezeichnet hat, höher zeichnen, so daß es das Haupt gleichsam umschwebt. Im Ästhetischen wird das Ich umflossen und das Ästhetische strömt gleich in den astralischen Leib herein, so daß man den Eindruck hat, wie wenn das Haupt von dem Ich im Ästhetischen umschwebt würde. Wer ein wenig Gefühl und Empfinden des Schönen hat, der kann schon, ohne besonders stark hellfühlend zu sein, empfinden, wie er beim Anblick irgendeines Kunstwerkes eigentlich in einer äußeren Umgebung des Kopfes lebt. Dagegen die unmittelbare Ergreifung des Menschen, die ist im Kopf drinnen; da wird der astralische Leib ergriffen, so daß wir hier die Strahlungen so zu zeichnen hätten.
[ 8 ] Now let us suggest how aesthetic impulses radiate into human beings (Drawing II). Here, the elements are shifted slightly—specifically, shifted up by one. One must then draw what was previously depicted inside the head higher up, so that it seems to hover around the head. In the aesthetic realm, the “I” is enveloped, and the aesthetic flows directly into the astral body, giving the impression that the head is being enveloped by the “I” in the aesthetic realm. Anyone who has even a little feeling and sensitivity to beauty can already sense—without being particularly highly clairvoyant—how, when looking at any work of art, they actually live in an environment surrounding the head. In contrast, a person’s immediate experience takes place inside the head; there, the astral body is engaged, so that we would have to draw the rays like this:
[ 9 ] Dagegen der Brustteil wird so ergriffen beim Schönen, damit dieses Auf- und Abwogen, das ich gestern beschrieben habe, stattfinden kann, daß jetzt das Ätherische den Brustteil durchglüht, könnte man sagen. Und das wirklich Schöne wirkt so, daß außer der Kopfaura, dem Kopf und dem Brustteil eigentlich nichts in Betracht kommen soll. Also dasjenige, worin die Sophrosyne lebt, das soll für die Betrachtung des Schönen in Wirklichkeit gar nicht in Betracht kommen. Unser materialistisches Zeitalter aber zeichnet sich gerade dadurch aus, daß es die Sexualsphäre für die künstlerische Betrachtung so sehr heranzog — ein Unfug unseres materialistischen Zeitalters —, denn die kommt gerade bei der Betrachtung des Schönen absolut nicht in Betracht, sondern ist absolut ausgeschlossen. So daß wir also nur das Allerniederste der ästhetischen Betrachtung, was nicht mehr in das Reich der Kunst gehört, in das Physische zu verlegen hätten (rot).
[ 9 ] In contrast, the chest region is engaged with beauty in such a way that this ebb and flow—which I described yesterday—can take place; one might say that the ethereal now radiates through the chest region. And what is truly beautiful has such an effect that, apart from the head aura, the head, and the chest region, nothing else should really be taken into account. Thus, that in which sophrosyne dwells should, in reality, not be taken into account at all in the contemplation of beauty. Our materialistic age, however, is characterized precisely by the fact that it has drawn the sexual sphere so heavily into artistic contemplation—a folly of our materialistic age—for the sexual sphere is absolutely irrelevant to the contemplation of beauty; rather, it is absolutely excluded. Thus, we would have to relegate to the physical realm (red) only the very lowest level of aesthetic contemplation, which no longer belongs to the realm of art.


[ 10 ] Jetzt wollen wir dasselbe Schema anwenden für den Menschen, insofern er nach Wahrheit strebt (Zeichnung III). Da ist es wiederum verschoben, gewissermaßen hinaus verschoben. Ich habe gestern gesagt: Beim Wahrheitsstreben wird durchflossen das Ich und der astralische Leib, und die Wahrheit strömt gleich in den Ätherteil des Kopfes herein, wo die Gedanken erzeugt werden. Dann muß ich das so zeichnen, daß ich hier direkt für den Kopf das Hereinströmen des Äthers in den Ätherleib des Kopfes zeichne, wo die Gedanken erzeugt werden. Dagegen, wenn wir die Wahrheit erfassen — das merkt man erst nach der Initiation —, so wirkt sie zuerst außer uns in der Aura durch das Ich und den astralischen Leib, strömt dann in den Ätherteil des Kopfes, und der Brustteil wird hier schon durchlebt als physischer Leib (rot). Wollen wir die Wahrheit fühlen — und wir müssen sie fühlen —, dann muß sie herunterwirken, dann muß sie herunterstrahlen in den Brustteil; es muß das Spirituelle so erlebt werden wie die Moralität.
[ 10 ] Now let us apply the same pattern to human beings insofar as they strive for truth (Figure III). Here, too, it is shifted—shifted outward, so to speak. I said yesterday: In the pursuit of truth, the “I” and the astral body are permeated, and the truth flows directly into the etheric part of the head, where thoughts are generated. So I must draw it in such a way that I depict here, directly for the head, the inflow of the ether into the etheric body of the head, where thoughts are generated. In contrast, when we grasp the truth—something one only realizes after initiation—it first acts outside of us in the aura through the “I” and the astral body, then flows into the etheric part of the head, and the chest region is already experienced here as the physical body (red). If we want to feel the truth—and we must feel it—then it must work its way down; it must radiate down into the chest region; the spiritual must be experienced in the same way as morality.


[ 11 ] Also das ist alles für den physischen Plan, das lebt alles in der Aura des physischen Planes. Da hat dasjenige, in das wir eintreten nach dem Tode, Anteil an der Aura des physischen Planes. Geradeso, wie wir mit den Kräften der mineralischen, pflanzlichen, tierischen Welt durch unseren physischen Organismus zusammenhängen, hängen wir mit den Kräften der geistigen Welt in dieser Weise durch die Moralitätssphäre, durch die ästhetische Sphäre, durch die Weisheitssphäre zusammen.
[ 11 ] So that is all that pertains to the physical plane; it all exists within the aura of the physical plane. The entity we enter after death shares in the aura of the physical plane. Just as we are connected to the forces of the mineral, plant, and animal worlds through our physical organism, we are connected to the forces of the spiritual world in this way through the sphere of morality, the sphere of aesthetics, and the sphere of wisdom.
[ 12 ] Ich möchte, obwohl einzelnes, was ich jetzt sage, noch sehr schlecht geraten ist — es wird vielleicht später besser geraten —, es Ihnen doch heute vorbringen, weil es in den ganzen Zusammenhang hineingehört. Man kann sagen: Während wir hier mit dem physischen Werden zusammenhängen durch den physischen Leib, hängen wir durch das Gehirn mit Elementarwesen, namentlich der Weisheitssphäre angehörigen Elementarwesen zusammen. Dasjenige, was bei Zeichnung II schon drinnen ist und als gelb bezeichnet wird, das ist bei Zeichnung III noch draußen. Weiter draußen ist das Grüne, das hier (Zeichnung II) das Haupt umschwebt. In diesem Grün, in dem das Ich lebt und worin mit uns die elementarischen Wesen leben, in diesem Grün, das bei der ästhetischen Betrachtungsweise unmittelbar unser Haupt umschwebt, da würden wir die elementarischen Wesenheiten finden, von denen die Mythen und Sagen sprechen und ihnen Namen geben: Elfen, Alben und so weiter; das umschwebt unser Haupt, wenn wir ästhetisch genießen.
[ 12 ] Although some of what I am about to say is still very poorly formulated—it may be better articulated later—I would still like to present it to you today because it belongs within the overall context. One could say: While we are connected here to physical becoming through the physical body, we are connected through the brain to elemental beings, specifically those belonging to the sphere of wisdom. What is already inside in Drawing II and is marked in yellow is still outside in Drawing III. Further outside is the green that surrounds the head here (Drawing II). In this green, in which the “I” lives and in which the elemental beings live with us—in this green that, from an aesthetic perspective, directly surrounds our head—there we would find the elemental beings of whom myths and legends speak and to whom they give names: elves, albs, and so on; this is what surrounds our head when we experience aesthetic enjoyment.
[ 13 ] Hier (Zeichnung III) umschweben uns aber noch geistigere Wesenheiten, die der Astralsphäre angehören. Wollte man darstellen etwa den Menschen, wie er, wenn er aus dem Schlafe aufwacht, sich hineinlebt in die Wahrheitssphäre, so könnte man das durch gewisse Worte ausdrücken, wie er da — was man im Physischen nicht sieht- umschwebt und umspielt und ergriffen wird, indem die Wahrnehmung, die Wahrheit ihn ergreift; wie er da erfaßt wird, wie er empfangen wird, das könnte man darstellen durch gewisse Worte. Die Worte sind heute noch schlecht, sie werden vielleicht später besser werden; aber ich will doch in gewisse Worte bringen, wie der Mensch, nachdem er aufwacht, sich einlebt in diese Sphäre, in die Weisheits-Wahrheitssphäre. Zu den Geistern, die ihn da umgeben und ergreifen, könnte man dann sprechen:
[ 13 ] Here (Drawing III), however, we are surrounded by even more ethereal beings that belong to the astral sphere. If one were to depict, for example, how a person, upon waking from sleep, immerses themselves in the sphere of truth, one could express this through certain words—how they are there—though this is not visible in the physical realm—surrounded, enveloped, and seized as perception, as truth, takes hold of them; how he is grasped there, how he is received—this could be described with certain words. The words are still inadequate today; perhaps they will improve later; but I still want to put into words how a person, after waking up, immerses himself in this sphere, the sphere of wisdom and truth. Regarding the spirits that surround and take hold of him there, one could then say:
Die ihr im Haupt erstrahlt aus lichtem Kreise,
You who shine in the sky from a circle of light,
[ 14 ] — zu den Geistern gesprochen! —
[ 14 ] — speaking to the spirits! —
Erfaßt es — das Haupt —
Erfaßt es jetzt nach reiner Geister Weise,
Erdämpfet seines Hirnes wirren Wahn;
Let it—the mind—
Let it now comprehend in a purely spiritual way,
Let it quell the confused delusions of its brain;
[ 15 ] — die geordnete Gedankenfolge, die den Wahn zerstreut —
[ 15 ] — the orderly train of thought that dispels delusion —
Erdämpfet seines — des Menschen — Hirnes wirren Wahn
Entwirrt den Zweifel brennend bangen Strebens,
It soothes the confused delusions of his—the human’s—mind
It untangles the doubt of burning, anxious striving,
[ 16 ] — fühlen Sie nur die Worte! Der Zweifel wird dadurch zerstreut, gebannt, daß die Weisheit hereinstrahlt
[ 16 ] — just feel the words! Doubt is dispelled and banished as wisdom shines through
Sein Innres lenket von verkehrter Bahn.
His inner self is led astray.
[ 17 ] — er würde verkehrter Bahn folgen, wenn er nur der Traumwelt folgen würde; indem er sich in Weisheit einlebt, reinigt diese Geisterwelt, die ihn umfließt, sein Inneres von verkehrter Bahn
[ 17 ] — he would be following the wrong path if he were to follow only the world of dreams; by immersing himself in wisdom, this spiritual world that surrounds him purifies his inner self of the wrong path
Vier sind der Ziele täglichen Erlebens;
There are four goals of daily experience;
[ 18 ] — wir werden davon noch zu sprechen haben; alles läßt sich hier viergliedrig darstellen —
[ 18 ] — we will come back to this later; everything here can be broken down into four parts —
Vier sind der Ziele täglichen Erlebens;
Nun ohne Kleinmut führet ihn heran.
There are four goals of daily life;
Now, without timidity, he leads him forward.
[ 19 ] — den Menschen zu den Zielen —
[ 19 ] — guiding people toward their goals —
Erst strebt zum Antlitz lichterfüllet hin,
Dann haltet fest des Geistes Kräfteringen.
Erstarkt ist bald der flügellahme Sinn,
Kann er befreit den Tag vollbringen.
First, strive toward the radiant countenance,
Then hold fast to the spirit’s struggle.
Soon the wingless mind will be strengthened,
And, set free, it can fulfill the day.
[ 20 ] — befreit von allem Traumhaften, Unwillkürlichen, notwendig Bestimmenden —
[ 20 ] — freed from everything dreamlike, involuntary, and necessarily determinative —
Erfüllt der Geister wahrste Pflicht,
Tragt ihn hin durchs heilge Licht.
Fulfill the spirit’s truest duty,
Carry him through the holy light.
[ 21 ] So könnte man zu den Geistern sprechen, die da den Menschen ergreifen, indem er erwacht zum Weisheitsleben.
[ 21 ] This is how one might speak to the spirits that take hold of a person as he awakens to the life of wisdom.
[ 22 ] Indem der Mensch erwacht zum Schönheitsleben, umschweben ihn die Geister — nun, das kann ich Ihnen schon besser vortragen. — Das ist also zu den in der Ich-Sphäre lebenden Geistern:
[ 22 ] As a person awakens to a life of beauty, spirits hover around them—well, I can explain that to you better. — So this applies to the spirits living in the “I” sphere:
Die ihr dies Haupt umschwebt im luftgen Kreise,
Erzeigt euch hier nach edler Elfen Weise,
Besänftiget des Herzens grimmen Strauß,
You who circle this head in the air,
Show yourselves here in the noble manner of the elves,
Soothe the heart’s fierce turmoil,
[ 23 ] — es geht bis ins Herz hinein —
[ 23 ] — it goes straight to the heart —
Entfernt des Vorwurfs glühend bittre Pfeile,
Removes the fiery, bitter arrows of accusation,
[ 24 ] — Vorwurf für Gewissensvorwurf, aber für Gefallen oder Mißfallen, also innerlich ästhetisch angeschaut, das Wogende
[ 24 ] — A reproach for a matter of conscience, but one that evokes pleasure or displeasure; thus, viewed from an inner aesthetic perspective, the undulating
Sein Innres reinigt von erlebtem Graus.
Cleanses one's inner self of the horror one has experienced.
[ 25 ] — früher hat man es mit dem Gehirn zu tun, jetzt mit dem Innern
[ 25 ] — in the past, we dealt with the brain; now, we deal with the inner self
Sein Innres reinigt von erlebtem Graus.
Vier sind die Pausen nächtiger Weile,
Nun ohne Säumen füllt sie freundlich aus.
Erst senkt sein Haupt aufs kühle Polster nieder,
His inner self is cleansed of the horrors he has endured.
Four are the pauses of the night’s repose,
Now, without delay, he fills them with joy.
First, he lays his head upon the cool pillow,
[ 26 ] — das entspricht den früheren Worten: Erst strebt zum Antlitz lichterfüllt dahin —
[ 26 ] — this corresponds to the earlier words: “First, strive toward the light-filled face” —
Dann badet ihn im Tau aus Lethes Flut;
Then bathe him in the dew from the waters of Lethe;
[ 27 ] — das ist bei der Weisheit: Dann haltet fest des Geistes Kräfteringen
[ 27 ] — this is what wisdom is: Then hold fast to the Spirit’s struggle
Gelenk sind bald die krampferstarrten Glieder,
The limbs, stiffened by cramps, are soon jointed,
[ 28 ] — das entspricht im Weisheitlichen: Erstarkt ist bald der flügellahme Sinn
[ 28 ] — which, in terms of wisdom, means: The wingless mind will soon be strengthened
Wenn er gestärkt dem Tag entgegen ruht.
As he rests, ready to face the day.
[ 29 ] — das entspricht: Kann er befreit den Tag vollbringen
[ 29 ] — which means: Can he get through the day free
Vollbringt der Elfen schönste Pflicht,
Fulfilling the elves' noblest duty,
[ 30 ] — es sind die Elementarwesen. Hier (Zeichnung III) sind es die Geister, die im Ätherischen leben; daher muß es heißen: Erfüllt der Geister wahrste Pflicht. Tragt ihn hin durchs heilge Licht
[ 30 ] — these are the elemental beings. Here (Drawing III) they are the spirits who dwell in the etheric realm; therefore, it must be said: Fulfill the spirits’ truest duty. Carry him through the sacred light
Gebt ihn zurück dem heiligen Licht.
Return him to the holy light.
[ 31 ] Hier (Zeichnung I) haben wir es zu tun mit dem Hereinwirken der ganzen Weltensphäre: die Moralität. Ich sagte: Es wirkt das ganze Universum auf den ganzen Menschen. Wir müssen es so darstellen:
[ 31 ] Here (Figure I) we are dealing with the influence exerted by the entire sphere of the world: morality. I said: The entire universe exerts an influence on the whole human being. We must present it this way:
Die ihr dies Haupt durchstrahlt mit Tatenstärke,
You who illuminate this head with the strength of your deeds,
[ 32 ] — das Wollen, die Moralität geht über in die Taten —
[ 32 ] — Will, morality, gives way to action —
Die ihr dies Haupt durchstrahlt mit Tatenstärke,
Erweist euch bald in rechtem Weltenwerke.
You whose mind shines with the strength of action,
May you soon prove yourselves in righteous works for the world.
[ 33 ] — weil die Ausführung des Willens auf ihn folgt in rechtem Weltenwerke — und Besonnenheit:
[ 33 ] — because the fulfillment of the will follows from him in true worldly work — and prudence:
Ertötet kühn des Widersinns Bedrängnis,
Boldly slay the torment of madness,
[ 34 ] — was aus dem Körper als Trieb heraufstrahlt; ich habe es gestern dargestellt, wie in Zusammenhang kommen die Moralimpulse mit dem, was aus den leiblichen Trieben waltet. —
[ 34 ] — what radiates from the body as an instinct; I explained yesterday how moral impulses are related to what arises from the bodily instincts. —
Ertöter kühn des Widersinns Bedrängnis,
Veredelt der Begierdegluten finstre Wucht,
Entführt sein Wesen geist’gem Verhängnis
Boldly vanquish the torment of madness,
Sublimate the dark force of burning desire,
Carry his being away to a spiritual destiny
[ 35 ] — dem Folgen nur der tierischen Triebe. —
[ 35 ] — the mere pursuit of animal instincts. —
Vier sind die Wege menschlicher Sucht,
There are four paths of human addiction,
[ 36 ] — als Sucht hat man früher bezeichnet, was nur aus den Trieben, aus dem Fleisch kommt —
[ 36 ] — what used to be called an addiction was something that arose solely from the instincts, from the flesh —
Entreißet die der kränklichen Umfängnis.
Besiegt des Sinnenfeuers Stöhnen,
Erleuchtet, was in Lust erstirbt.
Beseelt wird euch entgegentönen,
Was Kraft für Ewigkeiten wirbt.
Break free from the bonds of sickness.
Overcome the groans of the fire of the senses,
Illuminate what dies in pleasure.
Enlivened, you will hear in response,
What strength seeks for all eternity.
[ 37 ] — weil das Karma der Tat in die Ewigkeiten wirkt
[ 37 ] — because the karma of an action has an effect throughout eternity
Versucht des Weltenwirkens Streben,
Erweckt ihn zu gnadevollem Leben.
May the world’s workings strive,
Awaken him to a life of grace.
[ 38 ] Da haben Sie die dreifache Art und Weise, wie der Mensch ergriffen wird in seiner Aura von der umgebenden Welt.
[ 38 ] Here you have the three ways in which a person is affected in their aura by the surrounding world.
[ 39 ] Wie wird der Weisheitsmensch ergriffen von den Geistern, die ihn erfassen?
[ 39 ] How is the wise man seized by the spirits that take hold of him?
Die ihr im Haupt erstrahlt aus lichtem Kreise,
Erfaßt es jetzt nach reiner Geister Weise,
Erdämpfet seines Hirnes wirren Wahn;
Entwirrt den Zweifel brennend bangen Strebens,
Sein Innres lenket von verkehrter Bahn.
Vier sind der Ziele täglichen Erlebens;
Nun ohne Kleinmut führet ihn heran.
Erst strebt zum Antlitz lichterfüllet hin,
Dann haltet fest des Geistes Kräfteringen.
Erstarkt ist bald der flügellahme Sinn,
Kann er befreit den Tag vollbringen.
Erfüllt der Geister wahrste Pflicht,
Tragt ihn hin durchs heilge Licht.
You who shine in his mind from a circle of light,
Now grasp it in the manner of a pure spirit,
Quell the confused delusions of his mind;
Unravel the doubt of his burning, anxious striving,
Guide his inner self from its wrong path.
There are four goals of daily experience;
Now, without timidity, lead him forward.
First, strive toward the light-filled countenance,
Then hold fast to the spirit’s struggle for strength.
Soon the wingless mind will be strengthened,
And, set free, it can fulfill the day.
Fulfill the spirit’s truest duty,
Carry him forth through the holy light.
[ 40 ] Die ästhetische Sphäre, in die Faust sich hineinlebt, kommt ja besonders im dritten Akt des zweiten Teils zum Ausdruck in der Vereinigung mit Helena, mit der Schönheit:
[ 40 ] The aesthetic realm into which Faust immerses himself is particularly evident in the third act of the second part, in his union with Helena, with beauty:
Die ihr dies Haupt umschwebt im luftgen Kreise,
Erzeigt euch hier nach edler Elfen Weise,
Besänftiget des Herzens grimmen Strauß,
Entfernt des Vorwurfs glühend bittre Pfeile,
Sein Innres reinigt von erlebtem Graus.
Vier sind die Pausen nächtiger Weile,
Nun ohne Säumen füllt sie freundlich aus.
Erst senkt sein Haupt aufs kühle Polster nieder,
Dann badet ihn im Tau aus Lethes Flut;
Gelenk sind bald die krampferstarrten Glieder,
Wenn er gestärkt dem Tag entgegen ruht.
Vollbringt der Elfen schönste Pflicht,
Gebt ihn zurück dem heiligen Licht.
You who hover around this head in ethereal circles,
Show yourselves here in the noble manner of the elves,
Soothe the heart’s fierce turmoil,
Remove the searing, bitter arrows of reproach,
Purify his inner self of the horror he has endured.
Four are the pauses of the night’s repose,
Now, without delay, fill them kindly.
First, lower his head upon the cool pillow,
Then bathe him in the dew from Lethe’s stream;
Soon his limbs, stiff with cramps, will be supple again,
As he rests, strengthened, awaiting the day.
Fulfill the fairest duty of the elves,
Return him to the sacred light.
[ 41 ] Moralsphäre:
[ 41 ] Moral Sphere:
Die ihr dies Haupt durchstrahlt mit Tatenstärke,
Erweist euch bald in rechtem Weltenwerke.
Ertötet kühn des Widersinns Bedrängnis,
Veredelt der Begierdegluten finstre Wucht,
Entführt sein Wesen geist’gem Verhängnis.
Vier sind die Wege menschlicher Sucht,
Entreißet die der kränklichen Umfängnis.
Besiegt des Sinnenfeuers Stöhnen,
Erleuchtet, was in Lust erstirbt.
Beseelt wird euch entgegentönen,
Was Kraft für Ewigkeiten wirbt.
ersucht des Weltenwirkens Streben,
Erweckt ihn zu gnadevollem Leben.
You whose minds are illuminated by the strength of your deeds,
Prove yourselves soon in righteous works for the world.
Boldly slay the torment of folly,
Sublimate the dark force of burning desire,
Deliver its essence from spiritual doom.
Four are the paths of human addiction,
Break free from their sickly embrace.
Conquer the groans of the fire of the senses,
Enlighten what dies in pleasure.
Enlivened, you will respond,
That which strives for power throughout the ages.
Seek the striving of the world’s workings,
Awaken it to a life of grace.
[ 42 ] Sie sehen, wenn man geistig an die Dinge geht und wirklich das Geistige erfaßt, dann erscheint manches erst in seiner vollen Tiefe. Denn jetzt steht auf einmal der Faust des zweiten Teiles vor uns — den Goethe umschweben läßt vom Elfenkreis —, so wie der ästhetische Mensch in der ästhetisch-geistigen Sphäre drinnensteht. Und parallel damit geht das Darinnenstehen in der Wahrheits-Weisheitssphäre und in der Moralitätssphäre.
[ 42 ] You see, when one approaches things spiritually and truly grasps the spiritual, only then do many things reveal their full depth. For now, all of a sudden, the Faust of the second part stands before us—which Goethe allows to be enveloped by the circle of elves—just as the aesthetic person stands within the aesthetic-spiritual sphere. And parallel to this is the standing within the sphere of truth and wisdom and within the sphere of morality.
[ 43 ] Man muß, wenn man diese Dinge erfaßt, wirklich auch etwas das Gefühl zu Hilfe nehmen. Man wird dabei fast an Nietzsches Wort erinnert: «Die Welt ist tief, und tiefer als der Tag gedacht!» Der Tag bedeutet da das physische Erleben, das physische Wahrnehmen, die physische Erfahrung. «Die Welt ist tief, und tiefer als der Tag gedacht!» Das ist sie wirklich, und insbesondere, wenn man den Menschen in seiner vollen Ganzheit zu dieser Welt mitzählt; diesen Menschen, der auf der Weltenbahn seiner Evolution lebt und von dem wir eigentlich in unserem gegenwärtigen Dasein noch wenig erfassen können. Das heißt: Von uns selber erfassen wir in dem gegenwärtigen Dasein noch wenig. Es steckt so viel, so unendlich viel in dem, woraus wir geworden sind, und was wir alles einstmals werden wissen müssen bei unserem Durchgang durch Jupiter-, Venus-, Vulkansphäre, und es steckt so viel in uns von dem, was noch werden soll innerhalb unserer Erdenevolution! Erst nach und nach lebt man sich herauf aus dem, was noch anklingt an die Vorstellungen der heutigen Zeit, zu dem, was, weil es schon mehr geistig ist, dem Menschen schwer wird zu erfassen, was mit den gewohnten Vorstellungen die heutige Menschheit noch sehr wenig erfaßt. Wenn wir den Menschen so betrachten, wie er heute auf der Erde lebt, so steckt ja, man könnte sagen, samenhaft in ihm schon das, was während der Jupiter-, während der Venus-, während der Vulkanperiode sich entwickeln wird. Aber ebenso ist der Mensch ein Ergebnis der Saturn-, Sonnen-, Monden-, Erdensphäre. Ich sagte gestern: Das Weisheitliche, das Wahrheitsmäßige ist schon auf der Sonne veranlagt und wird auf dem Jupiter abgeschlossen sein. Wollen wir uns das auch einmal graphisch darstellen.
[ 43 ] When one grasps these things, one really must also draw on one’s feelings. One is almost reminded of Nietzsche’s words: “The world is deep, and deeper than the day imagines!” Here, “the day” refers to physical experience, physical perception, and physical sensation. “The world is deep, and deeper than the day is thought!” It truly is, especially when one includes the human being in his full wholeness as part of this world—this human being who lives on the cosmic path of his evolution and of whom we can actually grasp very little in our present existence. That is to say: we still grasp very little of ourselves in our present existence. There is so much—so infinitely much—in what we have become, and in all that we will one day need to know as we pass through the spheres of Jupiter, Venus, and Vulcan; and there is so much within us of what is yet to come within our earthly evolution! Only gradually do we rise from what still echoes the concepts of the present age to that which—because it is already more spiritual—becomes difficult for human beings to grasp, and which present-day humanity still comprehends very little through its familiar concepts. If we consider human beings as they live on Earth today, then one could say that one might say, already lies within them in seed form what will develop during the Jupiter, Venus, and Vulcan periods. But human beings are equally the result of the Saturn, Sun, Moon, and Earth spheres. I said yesterday: Wisdom and truth are already laid down on the Sun and will be completed on Jupiter. Let us also illustrate this graphically.


[ 44 ] Für dieKeimanlage auf der Sonne wird auf dem Jupiter ein gewisser Abschluß erreicht sein; so daß wir also sagen können: Von der Sonne zum Jupiter ist die eigentliche Entwickelung der Wahrheit; sie wird auf dem Jupiter ganz innerlich geworden sein; dann wird sie eben ganz Weisheit sein: Wahrheit wird Weisheit!
[ 44 ] The embryonic stage of truth on the Sun will have reached a certain completion on Jupiter; so we can say: The true development of truth takes place from the Sun to Jupiter; on Jupiter, it will have become entirely inner; then it will simply be wisdom: Truth becomes wisdom!
[ 45 ] Auf dem Mond beginnt dann dasjenige, was die ästhetische Sphäre enthält. Das wird abgeschlossen sein auf derVenus. Wir können das etwa so zeichnen: Mond, abgeschlossen Venus; wir haben also hier die Entwickelung der Schönheit. Sie sehen, das greift über.
[ 45 ] On the Moon, then, begins what constitutes the aesthetic sphere. This will be completed on Venus. We can illustrate it something like this: Moon, completed on Venus; so here we have the development of beauty. As you can see, this extends beyond.
[ 46 ] Eigentlich ruht das alles in unseren Untergründen, im Unterbewußten, wasin diesen zwei Strömungen, und auch noch in der dritten enthalten ist; denn während der Erdenentwickelung beginnt nun das, was wir nennen können die Moralitätssphäre. Sie erreicht ihren Abschluß auf dem Vulkan. Wir haben also eine dritte Strömung, wiederum übergreifend: die Strömung der Moralität. Dazu haben wir noch eine vierte Strömung, die abgeschlossen sein wird, wenn einmal die Erde am Ziel ihrer Entwickelung angelangt sein wird. Mit der Erde beginnt die Moralität. Aber sie schließt eine höhere Ordnung wiederum ab, eine Ordnung, die schon begonnen hat am Saturn; so daß wir nun eine Ordnung, eineStrömung haben vom Saturn zur Erde, und diese wird nun genannt: Gerechtigkeit, in dem Sinne, wie ich früher das Wort erklärt habe. Sie wissen, daß auf dem Saturn die Sinne zuerst veranlagt wurden. Diese Sinne würden den Menschen nach allen Richtungen zerstreuen. Sie wissen, zwölf Sinne unterscheiden wir — der Sinn würde, indem er sich entwickelt durch Sonne, Mond und Erde, den Menschen zur Orientierung, zur Gerechtigkeit tragen, wo auch die moralische Gerechtigkeit dann, wenn sie von der Moralnatur der Erde erfaßt wird, erst eingeschlossen wird; moralische Gerechtigkeit ist erst auf der Erde vorhanden. Was da innerlich wirkt dem Peripherischen der Sinne gegenüber als Zentralisches, das ist die Sphäre oder Strömung der Gerechtigkeit.
[ 46 ] In fact, all of this lies deep within us, in the subconscious—what is contained in these two currents, and also in the third; for during the Earth’s evolution, what we might call the sphere of morality now begins. It reaches its conclusion on the volcano. So we have a third current, which again transcends the others: the current of morality. In addition, we have a fourth current, which will be completed once the Earth has reached the goal of its evolution. Morality begins with the Earth. But it, in turn, concludes a higher order—an order that has already begun on Saturn—so that we now have an order, a current, from Saturn to Earth, and this is now called “justice,” in the sense in which I explained the word earlier. You know that on Saturn the senses were first instilled. These senses would scatter human beings in all directions. As you know, we distinguish twelve senses—as the senses develop through the Sun, Moon, and Earth, they would guide human beings toward orientation and justice, where moral justice is then first encompassed when it is grasped by the moral nature of the Earth; moral justice exists only on Earth. What acts inwardly, as a central force in contrast to the peripheral nature of the senses, is the sphere or current of justice.
[ 47 ] Das alles, was man so darstellt, ist im Menschen enthalten, und Sie wissen alle, nur ein Geringes ist dem Menschen jeweilig bewußt von dem, was in ihm wirkt und lebt und webt. Aber es wirkt und webt und lebt in seinem Grunde. Da kann man sich doch fragen: Wird denn so wenig, wie es oftmals scheinen will, von dem Menschen erfaßt, wie da der Mensch in einer breiten Strömung des Seins drinnen ist und auftaucht aus dieser breiten Strömung des Seins, und wie er wenig weiß von dem, was er alles ist?
[ 47 ] Everything that is depicted in this way is contained within the human being, and you all know that people are generally aware of only a small fraction of what is at work, alive, and active within them. But it is at work, active, and alive at the very core of their being. One might well ask: Is it really the case that human beings grasp so little—as it often seems—of how they are immersed in a vast current of being and emerge from this vast current of being, and how little they know of all that they are?
[ 48 ] So ganz bloß beschränkt auf Initiiertenkreise ist das Bewußtsein doch nicht, sondern es kommt schon an den Menschen heran. Es gibt ja doch wirklich Menschen, die, man möchte sagen, durch eine natürliche Begabung zuweilen heraufstrahlen fühlen in besonders begnadeten Momenten, was da unten wirkt und lebt in den Strömungen, in die der Mensch hineinversetzt ist. In der mannigfaltigsten Weise kommt das zum Vorschein. Einzelne Menschen gibt es, welche in einem höheren Sinne, als das bei der äußeren philiströsen Religionsauffassung oftmals der Fall ist, dieses Tiefere im Menschen erfühlen. Man redet oftmals von Schuld, und gewisse Pastoren suchen gerade den Menschen dadurch zu vertiefen, daß sie ihm so recht ein Schuldbewußtsein beibringen. Aber das ist nur ein oberflächliches Erfassen. Es ist ja das Oberflächliche auch berechtigt, aber man kann tiefer gehen. Und tiefere Menschen fühlen auch mit dem, was sonst bloß das Schuldbewußtsein ist, verknüpft dieses Herauftönen und Heraufleuchten eines Waltens aus den Untergründen des menschlichen Seins. Hätten die Menschen nicht solche Scheu und solche Furcht, sich selbst kennenzulernen, so würden sie viel häufiger sich selber kennenlernen. Aber schon die unterbewußte Seele drängt zurück, was da in den Untergründen waltet, weil der Mensch unbewußt Furcht und Scheu und Angst vor sich selbst, vor seinen Weiten und vor seinen Tiefen hat. Wenn es aber einmal heraufleuchtet und heraufstrahlt, dann ist es wirklich so, als ob alles sphinzartig wäre an dem, was da heraufleuchtet und heraufstrahlt. Und man empfindet tief mit Menschen, welche aus wirklicher innerer Seelenerfahrung solches haben.
[ 48 ] This awareness is not entirely confined to circles of initiates; rather, it does reach out to people. There really are people who—one might say—through a natural gift, sometimes feel themselves being drawn upward in particularly inspired moments, sensing what is at work and alive down below in the currents into which human beings are immersed. This manifests itself in the most diverse ways. There are individuals who, in a higher sense than is often the case with the outward, philistine conception of religion, sense this deeper aspect within the human being. People often speak of guilt, and certain pastors seek to deepen people precisely by instilling in them a strong sense of guilt. But that is only a superficial understanding. The superficial is certainly justified, but one can go deeper. And deeper-thinking people also sense—linked to what is otherwise merely a sense of guilt—this rising resonance and radiance of a force emanating from the depths of human existence. If people did not have such shyness and such fear of getting to know themselves, they would come to know themselves much more often. But even the subconscious soul pushes back what reigns in those depths, because human beings unconsciously harbor fear, shyness, and anxiety toward themselves, toward their vastness and their depths. Yet once it begins to shine and radiate upward, it truly feels as if everything about what is shining and radiating upward were enigmatic. And one feels a deep connection with people who have experienced such things through genuine inner spiritual experience.
[ 49 ] Wie schön kommt in folgendem Iyrischen Erzeugnis zum Ausdruck, wie vor einer Menschenseele aufersteht in flutenden Träumen des Seelenlebens das, was in menschlichen Untergründen lebt. Man stelle sich einen Menschen vor, der des Tages Arbeit und des Tages Last hinter sich hat, der sich zur Ruhe begeben hat, aber aus der Ruhe, aus dem Dunkel und der Finsternis heraus wie greifbar vor sich fühlt, wie in einem mächtigen Seelentraume, dasjenige, aus dem der Mensch aufsteigt. So schildert das einmal ein polnischer Dichter:
[ 49 ] How beautifully this Irish work expresses how, in the surging dreams of the soul’s life, that which dwells in the depths of the human soul rises before us. Imagine a person who has left behind the day’s work and the day’s burdens, who has retired to rest, but who, out of that rest, out of the darkness and gloom, feels before him—as if it were tangible, as in a powerful dream of the soul—that very thing from which the human being rises. This is how a Polish poet once described it:
Und im geheimen Zauber der Nacht,
Da vor meinem Palast,
Erbaut aus dem Nebelgespinst meiner Träume,
Unerhörte Blumen mit toten Augen
Einer tückisch grinsenden Medusa
In dem Mondlicht-durchsättigten Tau
Ins Ungeheure aufwuchsen —
Als der Mond sich in meine Kemenate hineinstahl
Und sich auf das Bett meiner Erschöpfung legte,
Da weckte mich aus dem Schlaf die lüsterne,
Ungeheuerliche Lust,
Die meine Lippen in irrem Stammeln erbeben
Und meine Augen in heißem Fieberfeuer strahlen ließ
Nach deinem Getier!
Mea culpa, mea maxima culpa!
— Meine Schuld, meine große Schuld! —
And in the secret magic of the night,
There, before my palace,
Built from the misty web of my dreams,
Unheard-of flowers with dead eyes
Of a treacherously grinning Medusa
In the moonlight-saturated dew
Grew into monstrous forms—
As the moon crept into my bedchamber
And lay down upon the bed of my exhaustion,
Then I was roused from sleep by the lustful,
Monstrous desire,
Which made my lips tremble in frenzied stammering
And my eyes blaze with a feverish fire
For your creature!
Mea culpa, mea maxima culpa!
— My fault, my great fault! —
[ 50 ] Diese schönen Iyrischen Worte von Jan Kasprowicz sind in der Tat ein ganz wunderbares Erlebnis, fragend, aber zugleich berührend etwas von der Antwort. Fragend, weil gewissermaßen in diesem Iyrischen Erzeugnis der Übergang lebt: Erinnerung an den Tag durch das Ästhetische hindurch in die moralische Sphäre hinein — mea culpa, mea maxima culpa. Man darf sich nicht scheuen vor dem Fragenden, das da ersteht aus dem flutenden Unterleben. Diese Dinge sind nicht geeignet, Furcht zu erregen, sondern Fragen zu entzünden. Die «unerhörten Blumen mit den toten Augen, einer tückisch grinsenden Medusa gleich», sind aus dem Pflanzenreich herausgeformte Fragewesen, Fragegestalten. Und wie das mit dem Monde zusammenhängt — wir brauchen uns nur zu erinnern an die Mondenströmungen, dann werden wir begreifen, daß der Mondenschein mit seinem leisen Fluten die äußere physische Realität zusammenfügt mit dem Geist-Erlebnis. Es ist wirklich ein wunderbares Geist-Erlebnis, mit dem man es da zu tun hat:
[ 50 ] These beautiful Irish words by Jan Kasprowicz are indeed a truly wonderful experience—questioning, yet at the same time offering a touching glimpse of the answer. Inquisitive, because in a sense, this lyrical work embodies a transition: a memory of the day passing through the aesthetic into the moral sphere—mea culpa, mea maxima culpa. One must not shy away from the questioning that arises from the surging undercurrent of life. These things are not meant to instill fear, but to spark questions. The “unheard-of flowers with dead eyes, like a treacherously grinning Medusa,” are beings of inquiry, figures of inquiry, shaped from the plant kingdom. And as for how this relates to the moon—we need only recall the lunar currents, and then we will understand that moonlight, with its gentle ebb and flow, unites outer physical reality with the spiritual experience. It is truly a wondrous spiritual experience with which we are dealing here:
Und im geheimen Zauber der Nacht,
Da vor meinem Palast,
Erbaut aus dem Nebelgespinst meiner Träume,
Unerhörte Blumen mit toten Augen
Einer tückisch grinsenden Medusa
In dem Mondlicht-durchsättigten Tau
Ins Ungeheure aufwuchsen
Als der Mond sich in meine Kemenate hineinstahl
Und sich auf das Bett meiner Erschöpfung legte, —
Da weckte mich aus dem Schlaf die lüsterne,
Ungeheuerliche Lust
And in the secret magic of the night,
There, before my palace,
Built from the misty web of my dreams,
Unheard-of flowers with dead eyes
Of a treacherously grinning Medusa
In the moonlight-saturated dew
Grew into something monstrous
As the moon crept into my bedchamber
And lay down upon the bed of my exhaustion, —
Then the lustful,
Monstrous desire
[ 51 ] — erinnern Sie sich an die dritte Anrede, an die Geister bei der Moralitätssphäre —
[ 51 ] — do you remember the third address, to the spirits in the sphere of morality —
Da weckte mich aus dem Schlaf die lüsterne,
Ungeheuerliche Lust,
Die meine Lippen in ihrem Stammeln erbeben
Und meine Augen in heißem Fieberfeuer strahlen ließ
Nach deinem Getier!
Mea culpa, mea maxima culpa!
Then I was roused from sleep by the lustful,
monstrous desire,
that made my lips tremble as they stammered
and my eyes blaze with a feverish fire
for your body!
Mea culpa, mea maxima culpa!
[ 52 ] Dann denken Sie sich das Hereinleuchten der Moralsphäre, die da besiegt der Sinnenfeuer Stöhnen, die erleuchtet, was in Lust erstirbt, der beseelt wird entgegentönen, was Kraft für Ewigkeiten wirbt.
[ 52 ] Then imagine the moral sphere shining forth, which overcomes the groans of the fires of the senses, which illuminates what dies in pleasure, and which, as it is enlivened, will resonate with that which draws strength for all eternity.
[ 53 ] Man muß schon das Gefühl zu Hilfe nehmen, wenn man versuchen will, in alle Tiefen dessen einzudringen, mit dem der Mensch zusammenhängt. Denn nur dadurch bekommt man allmählich eine VorstelJung, wie sich der Mensch hineinlebt in die Reiche der Geistigkeit Moralität, Ästhetik, in das Vorstellungsmäßige, das Wahrheitsmäßige geradeso, wie er sich beim Betreten des physischen Planes hineinlebt in das Mineralische, das Pflanzliche und das Tierische. Mensch ist der Mensch durch alle diese Reiche hindurch, und das Menschenwesen steigt herab durch das Mineralische, Pflanzliche, Tierische, Menschliche, steigt hinauf in das Moralische, Ästhetische und in das Wahrheits-Weisheitsvolle. Und eingefügt ist der Mensch in den Strom des Daseins, das in wunderbarer Weise durch die Entwickelungssphären von Saturn, Sonne, Mond und Erde, Jupiter, Venus, Vulkan hindurch, übergreifend und dadurch die einzelnen Kräfte miteinander verbindend, den Menschen ausstattet im Laufe seiner Evolution mit alledem, was ihm eben zugeteilt ist aus den tieferen Impulsen des Weltenalls heraus.
[ 53 ] One must indeed draw on one’s feelings if one wishes to penetrate to the very depths of that with which human beings are connected. For only in this way can one gradually form a conception of how human beings immerse themselves in the realms of spirituality, morality, and aesthetics—in the realm of the imaginative and the realm of truth—just as they immerse themselves in the mineral, plant, and animal realms upon entering the physical plane. Human beings are human throughout all these realms, and the human being descends through the mineral, plant, animal, and human realms, and ascends into the moral, the aesthetic, and the realms of truth and wisdom. And humanity is embedded in the stream of existence, which, in a wondrous way, flows through the spheres of development of Saturn, the Sun, the Moon, and Earth, Jupiter, Venus, and Vulcan—spanning them and thereby connecting the individual forces with one another—and endows humanity, in the course of its evolution, with all that has been allotted to it from the deeper impulses of the universe.
