The Riddle of Man
The Spiritual Background of Human History
GA 170
28 August 1916, Dornach
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The Riddle of Man, tr. SOL
Dreizehnter Vortrag
Thirteenth Lecture
[ 1 ] Ich mußte in den Vorträgen, die ich gehalten habe, mancherlei sagen, was paradox genannt werden könnte, was mit Recht auch gegenüber dem Materialismus der Gegenwart paradox klingen mag. Aber so ist es ja: Erkenntnisse aus dem Gebiete von jenseits der Schwelle beziehen sich auf ein anderes Gebiet der Welt, vielleicht sagen wir besser auf eine andere Form der Welt, als dasjenige ist, in welchem die sinnenfälligen Tatsachen liegen, die heute von dem, was sich Wissenschaft nennt, allein betrachtet werden wollen. Erinnern wir uns an einzelne Dinge, von denen gesprochen werden mußte. Erinnern wir uns daran, daß wir ausführen konnten, in welcher Art auf den Weltzusammenhang des Menschen das Äußere der menschlichen Gestalt hinweist: Wie das Haupt des Menschen in seiner Formung, in seiner ganzen Gestaltung — also der Kopf, so wie er ist — erstens ein Gebilde ist, das innerhalb desErdenlebens gar nicht veranlagt werden und entstehen konnte, das ein Ergebnis der Mondenkräfte ist, das aber auch so, wie es im Speziellen, im Individuellen geformt ist, bei jedem einzelnen Menschen ein Ergebnis seiner vorhergehenden Inkarnation ist, und daß hinwiederum das, was außer dem Kopf menschlicher Leib ist, gewissermaßen in der Vorbereitung ist, Kopf zu werden in der nächsten Inkarnation. So daß wir in der Form des menschlichen Hauptes einen Hinweis haben auf eine vorhergehende Inkarnation; in demjenigen, was wird aus dem menschlichen Leib, einen Hinweis haben auf die nächste Inkarnation des Menschen. Es schließt sich wirklich so die menschliche Gestalt unmittelbar an die vorhergehende und die nächstfolgende Inkarnation an. Wenn man so den Menschen betrachtet, so weist er also auf einen großen Weltenzusammenhang hin.
[ 1 ] In the lectures I have given, I have had to say many things that could be called paradoxical—things that may rightly sound paradoxical in the face of contemporary materialism. But that is indeed the case: insights from the realm beyond the threshold pertain to a different realm of the world—or perhaps we should say, to a different form of the world—than the one in which the sensory facts lie, which today are regarded in isolation by what calls itself science. Let us recall certain points that had to be addressed. Let us recall that we were able to explain the way in which the outward form of the human figure points to humanity’s connection to the world: How the human head, in its form and in its entire structure—that is, the head as it is—is, first of all, a formation that could not have been predisposed or come into being within earthly life, that is a result of the lunar forces, but which, in the way it is specifically and individually formed, is also, in every single human being, a result of their previous incarnation, and that, in turn, what constitutes the human body apart from the head is, so to speak, in the process of preparing to become a head in the next incarnation. Thus, in the form of the human head we have an indication of a previous incarnation; in what becomes of the human body, we have an indication of the human being’s next incarnation. The human form is indeed directly linked to the preceding and the subsequent incarnation. When one views the human being in this way, he thus points to a great cosmic context.
[ 2 ] Sie wissen, daß jene Rudimente, die geblieben sind aus älteren, weisheitsvolleren Zeiten, den Menschen in bezug auf seine äußere Gestalt in Beziehung setzen zu den zwölf Tierkreisbildern. Ohne daß selbstverständlich hier das Wort geredet werden soll dem dilettantischen Charakter, den gerade heute vielfach das astrologische Forschen hat, darf doch aufmerksam darauf gemacht werden, daß hinter dieser Zuteilung der menschlichen Gesamtgestalt zum Weltenall tiefe, bedeutsame Geheimnisse stecken.
[ 2 ] You know that those rudiments that have survived from older, wiser times relate human beings, in terms of their physical form, to the twelve signs of the zodiac. Without, of course, wishing to comment here on the amateurish nature that astrological research often exhibits today, it is nevertheless worth pointing out that deep, significant mysteries lie behind this correspondence between the human form as a whole and the universe.
[ 3 ] Sie wissen, daß die Astrologie zuteilt das Haupt des Menschen dem Widder, den Halsteil mit dem Kehlkopf dem Stier, den Teil mit den Armansätzen und mit dem, was sich in den Armen und Händen zum Ausdruck bringt, den Zwillingen, den Umkreis des Brustkorbes dem Krebs, alles das, was mit dem Herzen zusammenhängt, dem Löwen, das, was sich abspielt im Unterleib, der Jungfrau, Lendengegend der Waage, Sexualgegend dem Skorpion, Oberschenkel dem Schützen, Knie dem Steinbock, Unterschenkel dem Wassermann, Füße den Fischen.
[ 3 ] You know that astrology assigns the head to Aries, the neck and larynx to Taurus, the area around the shoulder joints and everything expressed through the arms and hands to Gemini, the chest area to Cancer, everything related to the heart to Leo, what takes place in the lower abdomen to Virgo, the lumbar region to Libra, the genital region to Scorpio, the thighs to Sagittarius, the knees to Capricorn, the lower legs to Aquarius, and the feet to Pisces.
[ 4 ] Da haben wir die Zuteilung des Gesamtleibes des Menschen, einschließlich des Kopfes, an die Kräfte, die im Weltenall walten, und die in einer gewissen Weise zum Ausdruck gebracht werden können, indem man sie symbolisiert durch die Fixsterne des Tierkreises.
[ 4 ] Here we have the allocation of the entire human body, including the head, to the forces that govern the universe, which can be expressed in a certain way by symbolizing them through the fixed stars of the zodiac.
[ 5 ] Nun haben wir aber davon gesprochen, daß der Kopf selber eigentlich eine Umformung des ganzen Leibes ist, nämlich des Leibes, wie er in der vorhergehenden Inkarnation war, und daß wir in den Sinnesorganen, die doch ihre repräsentative Vertretung zueinander im Kopfe haben, wiederum eine Zwölfheit zu sehen haben, eine richtige Zwölfheit. So daß wir etwa ein Schema zeichnen können in der folgenden Art:
[ 5 ] Now, however, we have spoken of the fact that the head itself is actually a transformation of the entire body—namely, the body as it was in the previous incarnation—and that in the sense organs, which are, after all, represented in relation to one another within the head, we must again recognize a twelvefold structure, a true twelvefold structure. So we can draw a diagram something like this:


[ 6 ] Lassen wir das einmal schematisch den Gesamtleib des Menschen sein (siehe Zeichnung), und würden jetzt zuteilen den Kopf dem Widder, den Hals dem Stier und so weiter, so daß wir den zwölf Sternbildern den Gesamtmenschen zuteilen. Nach dem, was wir nun über den Zusammenhang des gesamten Sinnesorganismus gesagt haben, müssen wir nun das, was hier nur dem einen Sternbild zugeteilt ist, wiederum selber allen zwölf Sternbildern zuteilen. Wir müssen also hier dasselbe wiederholen. Und ich mache Sie aufmerksam auf diese Eigentümlichkeit, die sich geradezu bei allen großen Gesetzen des Universums wiederholt. Wenn man so etwas hat wie eine Zwölfzahl, so gehört immer ein Glied der Zwölfzahl mit zum Ganzen und ist doch wiederum ein selbständiges Glied. Das eine Glied, der Kopf, ist zugeteilt einem Sternbilde und doch wiederum — als Besonderes, Spezielles herausgehoben — allen zwölf Sternbildern. Man müßte, wenn das richtig ist, was so gesagt worden ist, voraussetzen, daß wenn dies der Leib in einer Inkarnation ist, der zum Haupt in der nächsten Inkarnation wird, so müßte also gewissermaßen, was heute der ganze Kopf ist, in der nächsten Inkarnation einem Sinnesorgan dienen. Das, was heute der Kehlkopf ist, das Sprachorgan, mit allem, was sich in seiner Nachbarschaft befindet, das müßte in der nächsten Inkarnation, umgewandelt, metamorphosiert, einem zweiten Sinnesleben dienen; dasjenige, was in den Armen sich ausdrückt, einem dritten Sinnesleben und so weiter. Wie wir stehen in der Welt, würden wir sagen: Umgewandelt, metamorphosiert ist unser ganzer Leib zu einem Haupte in der nächsten Inkarnation, und zwar so regelmäßig, daß die Zwölfheit, die heute in unserem Leibe ist, in der nächsten Inkarnation wiederum in der Zwölfheit des Hauptes erscheinen könnte.
[ 6 ] Let us consider this schematically as the human body as a whole (see drawing), and if we were now to assign the head to Aries, the neck to Taurus, and so on, so that we assign the entire human being to the twelve constellations. Based on what we have now said about the interrelationship of the entire sensory organism, we must now take what is here assigned to just one constellation and in turn assign it to all twelve constellations. So we must repeat the same process here. And I would like to draw your attention to this peculiarity, which is repeated in virtually all the great laws of the universe. When one has something like a series of twelve, one element of the series always belongs to the whole and yet is, in turn, an independent element. That one element—the head—is assigned to one constellation and yet, at the same time—as something distinct and specific—is assigned to all twelve constellations. If what has been said is correct, one would have to assume that if this is the body in one incarnation that becomes the head in the next, then, in a sense, what is today the entire head would have to serve as a sense organ in the next incarnation. What is today the larynx—the organ of speech—along with everything in its vicinity, would have to serve, transformed and metamorphosed, a second sensory life in the next incarnation; that which expresses itself in the arms would serve a third sensory life, and so on. As we stand in the world, we might say: Transformed and metamorphosed, our entire body becomes a head in the next incarnation—and so regularly that the twelvefold structure present in our body today could reappear in the twelvefold structure of the head in the next incarnation.
[ 7 ] Man könnte sogar fragen: Gibt es eine Andeutung, daß diese Zwölfheit im Haupte wirklich enthalten ist? — Nun, die meisten von Ihnen werden wissen, daß zwölf Hauptnervenansätze vom menschlichen Haupte ausgehen. Wenn man diese einmal richtig deuten wird — nicht so jämmerlich verworren wie die heutigen Gehirnphysiologen —, so wird man in diesen zwölf Nervenausgängen des Hauptes wiederum erkennen das, was zugeteilt ist dem ganzen Leib in der vorigen Inkarnation. Und man braucht sich nicht aufzuhalten über das Paradoxe, daß zum Beispiel dasjenige, was heute in den Händen ist, einmal erscheinen wird als etwas am Haupte. Man kann sogar im groben solche Sachen vielleicht ganz leicht begreifen. Denn ist nicht dasjenige, was wir in den Händen und Armen haben, wenn wir sie physiognomisch ordentlich betrachten, wahrhaft etwas, das uns jetzt schon gleichsam die Anlage zu den Sprachorganen zeigt? Führen wir mit den Händen und Armen nicht eine beredte Sprache? Warum sollte man denn nicht glauben können, daß das einmal etwas ganz anderes wird, etwas, das sinngemäß auf einer ganz anderen Stufe des Daseins als ein Sinnesorgan des Hauptes sich kundgibt? Und darüber lachen, daß etwa das, was heute in bezug auf unseren Leib sich in den Knien ausdrückt, sich vorbereitet, in seiner Ausbreitung über den ganzen Leib etwa zum Tastsinn zu werden, zum Tastorgan, darüber lachen könnte nur derjenige, der eben keine Ahnung hat von dem, was eigentlich Metamorphose des Daseins ist. Diese Eigentümlichkeit namentlich unserer menschlichen Knie mit diesem wunderbaren Bau der aufgesetzten Kniescheibe, die in einer gewissen Beziehung so empfindlich ist, aber in einer anderen Art als das Tastorgan des ganzen Leibes, dies bereitet sich eben vor, Tastsinn in einer nächsten Inkarnation zu werden. So metamorphosiert sich dasjenige, was an uns ist, und wir sehen durch so etwas in tiefe Geheimnisse des Daseins hinein. Es ist aber schon nötig, um in solche tiefen Geheimnisse des Daseins richtig hineinzusehen, mit Ehrfurcht hineinzusehen, daß wir nicht die Stimmung entwickeln, die heute in der gewöhnlichen Wissenschaft entwickelt wird, die gegenüber dem, was sie sein sollte, eigentlich eine zynische Stimmung ist. Ehrfurcht brauchen wir gegenüber dem Dasein, wenn wir seine Geheimnisse erlauschen wollen. Der heutige Mensch hat seit längerer Zeit schon hereingetragen in alle seine Weltanschauungen seinen furchtbaren Hochmut und Größenwahn. Wenn dieser Größenwahn in einzelnen Charakteren besonders zum Ausdruck kommt, so wundert das denjenigen nicht, der sieht, wie gerade im intellektualistischen und wissenschaftlichen Leben der Menschheit ein heute in der Breite gar nicht bemerkter Größenwahn und Hochmut herrscht.
[ 7 ] One might even ask: Is there any indication that this “twelveness” is actually contained within the head? — Well, most of you will know that twelve major nerve tracts originate from the human head. Once these are properly interpreted—not in such a pitifully confused manner as today’s brain physiologists do—one will recognize in these twelve nerve branches of the head what was assigned to the entire body in the previous incarnation. And there is no need to dwell on the paradox that, for example, what is now in the hands will one day appear as something on the head. One can perhaps even grasp such things quite easily, in broad terms. For isn’t what we have in our hands and arms—when we observe them properly from a physiognomic perspective—truly something that already shows us, as it were, the predisposition toward the speech organs? Do we not speak an eloquent language with our hands and arms? Why, then, should one not be able to believe that this will one day become something entirely different—something that, in essence, manifests itself on an entirely different level of existence as a sensory organ of the head? And to laugh at the idea that what is expressed today in our bodies through the knees might, as it spreads throughout the entire body, develop into the sense of touch—into a tactile organ—only someone who has absolutely no understanding of what the metamorphosis of existence actually is could laugh at that. This peculiarity of our human knees in particular—with the marvelous structure of the patella, which is so sensitive in a certain respect, yet in a different way than the tactile organ of the entire body—is precisely what is preparing to become the sense of touch in a future incarnation. Thus does that which is within us undergo metamorphosis, and through such things we glimpse into the deep mysteries of existence. However, in order to truly look into such deep mysteries of existence—and to look into them with reverence—it is essential that we not develop the attitude that prevails today in conventional science, an attitude that is, in fact, cynical in relation to what it ought to be. We need reverence toward existence if we wish to discern its mysteries. For quite some time now, modern humanity has carried its terrible arrogance and megalomania into all its worldviews. When this megalomania is particularly evident in individual characters, it comes as no surprise to those who see how, especially in the intellectual and scientific life of humanity, a megalomania and arrogance prevail that goes largely unnoticed today.
[ 8 ] In der Geisteswissenschaft habe ich ja schon öfter die Notwendigkeit gehabt, auf diesen Hochmut, der besonders in der neueren Entwickelung der Menschheit sein Unwesen treibt, aufmerksam zu machen. Ofter habe ich davon gesprochen, wie die Menschen schreiben, wenn sie über Menschentaten schreiben. Man lese das, was in den Schulbüchern oder sonst in Werken, die von dem Erfindergeist der Menschheit sprechen, über die Erfindung, sagen wir, des Papieres steht, dieses Papieres, über das man so traurig sein möchte, wenn man sieht, wie vieles darauf gedruckt wird in der neueren Zeit. Aber was reden alles die Menschen über die menschliche Kapazität, die es zu solchen Dingen gebracht hat! Ich habe aufmerksam darauf gemacht, daß das Wespennest aus demselben Stoff besteht, aus richtigem Papier; daß da vor Jahrmillionen elementarische Wesenheiten, die der Wespennestbereitung zugrunde liegen, wahrhaftig vor dem Menschen diese Erfindung schon hatten. Und solches könnte man in tausendfältiger Beziehung sagen. Sehen Sie sich einmal ein Fernrohr an, das in zweifacher Weise drehbar ist, so daß es auf und ab geht, und dann auch gedreht werden kann. Schmick, der sich in mancherlei Weise bemüht hat, auf solche Dinge aufmerksam zu machen, hat schon gerade auf dieses Fernrohr-Beispiel hingewiesen. Sehen Sie sich an, was da der Mensch zustandegebracht hat! Diese Bewegung beim Fernrohr, die zweifach ist: hin und her und auf und ab, die wird hervorgebracht dadurch, daß eine Doppelvorrichtung für die Drehung da ist, eine obere Vorrichtung, die man in der Mechanik als ein Scharniergelenk bezeichnet, und eine untere, die man in der Mechanik als ein Zapfengelenk bezeichnet. Dadurch kann in der richtigen Weise diese doppelte Drehung hervorgerufen werden. Nun würde die Sache töricht sein — was man ja beim Fernrohr leicht ausprobieren kann —, wenn man das umgekehrt machen würde: wenn man das Zapfengelenk an die Stelle des Scharniergelenks und unter das Zapfengelenk das Scharniergelenk setzen würde. Das wäre unvorteilhaft. Man kann das nun preisen als eine tiefbedeutsame Erfindung des Menschen, daß er solch eine Bewegungsvorrichtung erfunden hat. Aber in viel genialerer Weise — wenn ich jetzt das Wort «genial» objektiv gebrauche, nicht subjektiv zunächst tragen Sie alle diese Vorrichtung da hinten, wo der Kopf aufsitzt auf Ihrem Halswirbel: oben ein Scharniergelenk, unten ein Zapfengelenk. Und dadurch sind Sie imstande, den Kopf auf und ab zu bewegen und nach den Seiten hin zu wenden. Sehen Sie, da haben wir genau dasselbe, was Gegenstand des menschlichen Denkens heute ist, im menschlichen Organismus.
[ 8 ] In the humanities, I have often found it necessary to draw attention to this arrogance, which has been particularly rampant in the recent development of humanity. I have often spoken of how people write when they write about human achievements. One need only read what is written in schoolbooks or other works that speak of humanity’s inventive spirit regarding the invention of, say, paper—this very paper that makes one want to be so sad when one sees how much is printed on it in recent times. But what do people say about the human capacity that has brought about such things! I have pointed out that a wasp nest consists of the same material—real paper—and that millions of years ago, elemental beings underlying the construction of wasp nests had truly already made this invention before humans did. And one could say the same thing in a thousand different contexts. Take a look at a telescope that can rotate in two ways, so that it moves up and down and can also be swiveled. Schmick, who has made various efforts to draw attention to such things, has already pointed specifically to this telescope example. Look at what human beings have accomplished there! This dual movement of the telescope—back and forth and up and down—is achieved by a double mechanism for rotation: an upper mechanism, known in mechanics as a hinge joint, and a lower one, known in mechanics as a pivot joint. This allows the dual rotation to be produced correctly. Now, it would be foolish—as one can easily test with a telescope—to do the opposite: to place the pivot joint in the place of the hinge joint and the hinge joint beneath the pivot joint. That would be disadvantageous. One might now praise this as a profoundly significant human invention—that we have devised such a mechanism of movement. But in a far more ingenious way—if I use the word “ingenious” objectively, not subjectively—you all carry this mechanism right there at the back, where the head sits on your cervical vertebrae: a hinge joint at the top, a pivot joint at the bottom. And thanks to this, you are able to move your head up and down and turn it from side to side. You see, there we have exactly the same thing that is the subject of human thought today, right within the human organism.
[ 9 ] Es gibt überhaupt nichts, was der Mensch erfindet, jemals erfinden wird, was nicht am menschlichen Organismus irgendwie zu finden wäre. Alles ist am menschlichen Organismus zu finden, was der Mensch an mechanischen Einrichtungen ausfindig gemacht hat und noch ausfindig machen wird, alles das, was wirklich beitragen kann zur menschlichen Evolution. Nur das, was zur menschlichen Evolution nichts beitragen kann, findet sich nicht am Menschen, oder es findet sich am Menschen in einer solchen Art, daß es ganz anders eingegliedert ist, als es vom Menschen in seine Evolution eingegliedert wird. Wir können also sagen: Blicken wir zurück in frühe, frühe Zeiten, da mußte einmal die Zeit da sein — es liegt das im Charakter und im ganzen Geist der Evolution —, daß dieser eigentümliche Gelenkmechanismus und eben vieles andere entstand. Und jetzt ist es vorhanden. Und wir werden in der Menschheitsentwickelung — was man so Menschheitsentwickelung nennt, nämlich Menschheitsentwickelung, in welcher der Mensch schon die Gestalt hat, die er jetzt besitzt — zurückgehen und weiter zurückgehen können: wir werden niemals finden, daß diese Anordnung nicht da war. Und wenn sie auf bloß mechanischem Wege hätte entstehen sollen, wie hätte denn das geschehen sollen? Denken Sie einmal, daß dies eine besonders zweckmäßige Einrichtung ist, so zweckmäßig, daß man sie am Fernrohr gut gebrauchen kann. Jede andere Einrichtung wäre unzweckmäßig. Nun soll sich nach einem bekannten Grundsatze des oberflächlichen Darwinismus — des oberflächlichen, sage ich — aus dem weniger Zweckmäßigen das Zweckmäßige herausgebildet haben. Aber worin soll denn das weniger Zweckmäßige zum Beispiel in diesem Fall bestehen? Das weniger Zweckmäßige würde unmöglich machen, daß überhaupt der Mensch, so wie er jetzt ist, lebt. Er würde also nicht in der Weise leben können wie jetzt, und es ist undenkbar, daß man hier von einem Übergang des weniger Zweckmäßigen zum Zweckmäßigen sprechen kann. Auf solche Dinge haben ja immer diejenigen aufmerksam gemacht, welche die notwendigen Gegenwahrheiten entwickelt haben zu den landläufigen, oberflächlich aufgefaßten darwinistischen Wahrheiten.
[ 9 ] There is absolutely nothing that humans have invented or will ever invent that cannot be found in some form within the human organism. Everything that human beings have discovered and will yet discover in the realm of mechanical devices can be found in the human organism—everything that can truly contribute to human evolution. Only that which cannot contribute to human evolution is not found in human beings, or it is found in such a way that it is integrated quite differently than it is integrated by human beings into their own evolution. So we can say: If we look back to very, very early times, there must have been a time—this is inherent in the character and the entire spirit of evolution—when this peculiar joint mechanism and indeed many other things came into being. And now it exists. And in the course of human development—what is commonly called human development, namely the development in which human beings already possess the form they have today—we will be able to go back and go further back: we will never find that this structure was not there. And if it were to have arisen by purely mechanical means, how could that have happened? Just consider that this is a particularly functional mechanism—so functional that it can be put to good use in a telescope. Any other mechanism would be impractical. Now, according to a well-known principle of superficial Darwinism—superficial, I say—the functional is said to have evolved from the less functional. But what, for example, would the less functional consist of in this case? The less fit would make it impossible for humans, as they are now, to live at all. They would therefore not be able to live as they do now, and it is unthinkable that one could speak here of a transition from the less fit to the fit. Those who have developed the necessary counter-truths to the commonly accepted, superficially understood Darwinian truths have always drawn attention to such matters.
[ 10 ] Wie wird man sich nun in einer zukünftigen Zeit aufklären über den Zusammenhang des Menschen mit dem Universum? Auch darüber mußte ich schon etwas Paradoxes sagen. Sie erinnern sich, wie ich ausgeführt habe, daß der heutige Glaube, daß der Himmel über sich selber aufklären würde, eine Phrase ist, und daß in Wahrheit die Geheimnisse des Himmels, die man erforschen wird und die der Kopernikanismus so nimmt, als ob der Himmel über sich selber aufklären könnte, daß diese Geheimnisse des Himmels über das Aufklärung geben können, was auf der Erde lebt, und umgekehrt die Geheimnisse der Erde über die Geheimnisse des Himmels.
[ 10 ] How, then, will people in the future come to understand the relationship between humanity and the universe? I have already had to say something paradoxical about this as well. You will recall how I explained that the current belief that the heavens would reveal themselves is nothing more than a cliché, and that, in truth, the mysteries of the heavens—which will be explored and which Copernicanism treats as if the heavens could explain themselves—can shed light on what lives on Earth, and conversely, the mysteries of the Earth can shed light on the mysteries of the heavens.
[ 11 ] So paradox das heute klingt: Man wird in der Zukunft studieren die Entwickelung des Embryo, wie er sich aus der Zelle und seiner Umgebung entwickelt und so weiter, bis zum vollen Menschen. Das, was man da beobachten wird, wird man hinnehmen als eine Enthüllung der großen kosmischen, der universellen Geheimnisse. Und das, was man am Himmel beobachten wird, wird man als Erklärungsprinzip zu betrachten haben für das, was sich hier auf der Erde in Tieren, Pflanzen und Menschen, insbesondere im Embryonalen, abspielt. Der Himmel erklärt die Erde, die Erde den Himmel. Das habe ich auch schon ausgeführt. Es ist ein Paradoxon der heutigen Zeit noch — ein wirkliches, ernstes Erkenntnisprinzip der Zukunft, das erweitert werden muß.
[ 11 ] As paradoxical as it may sound today: In the future, people will study the development of the embryo—how it develops from a single cell and its environment, and so on, until it becomes a fully formed human being. What is observed there will be accepted as a revelation of the great cosmic, universal mysteries. And what we will observe in the heavens will have to be regarded as a principle of explanation for what takes place here on Earth in animals, plants, and human beings—especially in the embryonic stage. The heavens explain the Earth, and the Earth explains the heavens. I have already elaborated on this. It is still a paradox of our time—a genuine, serious principle of knowledge for the future that must be expanded.
[ 12 ] Heute möchte ich noch sprechen über etwas Ähnliches, ich möchte sagen, ein drittes Paradoxon, das zusammenhängt mit den Betrachtungen, die wir gerade im Anschluß an Goethes «Faust» über Ahriman und Luzifer gepflogen haben. Wir suchen mit einem gewissen Rechte die Manifestationen, die Offenbarungen Luzifers in alledem, was ausgedrückt ist in den menschlichen Emotionen, was in den menschlichen Leidenschaften, Empfindungen und so weiter sich darlebt. Als mehr aus dem Innern heraus wirksam betrachten wir das Luziferische, Als Eva daranzugehen hatte, sich selber schön zu machen, um selber schön zu scheinen, um das Wesen zu sein, das als solches sich selber schön finder und durch seine Schönheit die Versuchung bewirken kann, da mußte eben Luzifer mitwirken. Als das andere eintreten sollte im Laufe der Erdenentwickelung, daß die Söhne der Götter die Töchter der Menschen schön finden sollten, also das Objekt schön finden sollten, da mußte Ahriman wirken. — Um Eva so zu durchdringen, daß sie sich schön fühlte und durch ihre Verführung schön wirken konnte: Luzifer. Damit das Objekt schön befunden werden und wirken konnte von außen als Schönes, dazu war Ahriman notwendig. Das erstere fällt in die lemurische Zeit, das zweite in die atlantische Zeit.
[ 12 ] Today I would like to speak about something similar—I would say, a third paradox—that is connected to the reflections we have just been having on Ahriman and Lucifer in the wake of Goethe’s Faust. We are justified in seeking the manifestations, the revelations of Lucifer, in all that is expressed in human emotions, in human passions, feelings, and so on. We regard the Luciferic as acting more from within. When Eve set out to make herself beautiful in order to appear beautiful, to be the being who, as such, finds herself beautiful and can bring about temptation through her beauty—that is precisely when Lucifer had to intervene. When the other phase was to occur in the course of Earth’s evolution—namely, that the sons of the gods should find the daughters of men beautiful, that is, should find the object beautiful—Ahriman had to be at work. — To permeate Eve in such a way that she felt beautiful and could appear beautiful through her seduction: Lucifer. For the object to be found beautiful and to appear beautiful from the outside, Ahriman was necessary. The former falls within the Lemurian epoch, the latter within the Atlantean epoch.
[ 13 ] Nun muß man aber das Ahrimanische und das Luziferische immer genauer und genauer kennenlernen. Ich kann natürlich immer nur einzelnes aus dem Ahrimanischen und Luziferischen charakterisieren. Es muß dann zusammengesucht werden der ahrimanische und luziferische Charakter in ihrer Totalität aus den einzelnen Charakteristiken, die ich Ihnen dazu gegeben habe.
[ 13 ] But we must come to know the Ahrimanic and the Luciferic in ever greater detail. Of course, I can only ever describe individual aspects of the Ahrimanic and the Luciferic. You must then piece together the Ahrimanic and Luciferic characters in their entirety from the individual characteristics I have given you.
[ 14 ] Vielleicht werden einige von Ihnen ein, man könnte schon sagen, paradoxes Ereignis kennen, das typisch auftritt für diejenigen, die sich so ein wenig bewegen in den Kreisen, wo Okkultismus, Quasi-Okkultismus, okkultistischer Schwindel — nun, und alles das, was eben mit diesen Dingen zusammenhängt, betrieben wird. Da kann eine Erfahrung immer wieder und wiederum gemacht werden. Nehmen wir also an, es gäbe eine okkultistisch sich nennende Gesellschaft mit einigen hervorragenden Zelebritäten. Es sind ja immer in solchen okkultistischen Gesellschaften Zelebritäten, denen geglaubt wird, auf die geschworen wird. Es taucht nun da irgend etwas auf, was verbreitet wird als ein Dogma. Nun, nehmen wir an, es taucht auf als Dogma, diese oder jene Persönlichkeit wäre da, wäre die Verkörperung einer mächtigen überragenden Individualität, hätte etwas geleistet, was sonst Menschen nicht leisten, auf irgendeinem besonderen Wege, sagen wir, große Wahrheiten geschrieben, die in Tausenden und Tausenden von Exemplaren in die Welt hinauswandern und als etwas Großes angesehen werden, obwohl sie vielleicht manchmal nur allgemeine Phraseologie enthalten; aber das macht nichts. Das geschieht ja immer wieder, daß gerade das Oberflächlichste, wenn es mit der nötigen sentimentalen Gemütssauce vorgetragen wird, als das «Allertiefste» von Tausenden und aber Tausenden von Menschen hingenommen wird.
[ 14 ] Perhaps some of you are familiar with what one might call a paradoxical occurrence that typically arises among those who move in circles where occultism, quasi-occultism, occultist fraud—well, and everything else related to these matters—is practiced. There, a certain experience can be had time and time again. So let’s assume there is a society calling itself occult, with a few prominent celebrities. After all, in such occult societies there are always celebrities who are believed in and sworn by. Now something emerges there that is propagated as a dogma. Well, let’s assume it emerges as a dogma that this or that personality is present, is the embodiment of a powerful, towering individuality, has accomplished something that ordinary people cannot, in some special way—let’s say, by writing great truths that are distributed in thousands upon thousands of copies throughout the world and regarded as something great, even though they may sometimes contain nothing but general platitudes; but that doesn’t matter. It happens time and again that precisely the most superficial things, when presented with the necessary sentimental embellishment, are accepted by thousands upon thousands of people as the “deepest of the deep.”
[ 15 ] Wenn so etwas geschieht, kann man oftmals — ich will jetzt nicht einen einzelnen Fall treffen, sondern etwas Typisches meine ich — die Erfahrung machen, daß da verschiedene Leute sind, die sich zunächst dagegen schrecklich aufbäumen, die sagen: Dogmatik wollen wir nicht haben, so etwas ist Unsinn, so etwas wollen wir nicht; niemals glauben wir daran. — Eine Art Feldzug dagegen beginnen sie. Dann kommt irgendeine Zelebrität, welche die Sache vertritt, und trifft mit einem solchen Rebellen zusammen. Man kann nun die Erfahrung machen: in wenigen Stunden ist der Rebell bekehrt, unmittelbar in wenigen Stunden bekehrt, und wird der wütigste Anhänger. Manchmal dauert es überhaupt nicht einmal Stunden, sondern vielleicht nicht einmal eine ganze Stunde. Diese Dinge können immer wieder erlebt werden. Und erlebt werden kann es, daß dann die Menschen kommen und fragen: Ja, wie kommt es denn? Die oder der — es sind wirklich nicht bloß «die’s», sondern es sind tatsächlich auch oftmals «der’s», wahrhaftig — waren doch eben noch ganz klar denkend über diesen Fall, und kaum sind sie in kurzem Gespräch gewesen mit dieser okkultistischen Zelebrität, so sind sie wie umgewandelt, sie glauben jetzt an alles.
[ 15 ] When something like this happens, one often finds—and I don’t mean to single out any one specific case, but rather something typical—that there are various people who initially react with fierce opposition, saying: “We don’t want dogmatism; that’s nonsense; we don’t want anything like that; we’ll never believe in it.” — They launch a sort of campaign against it. Then some celebrity who advocates the cause comes along and meets one of these rebels. And you can observe that within a few hours—literally within a few hours—the rebel is converted and becomes the most ardent supporter. Sometimes it doesn’t even take hours—perhaps not even a full hour. These things can be witnessed time and again. And one can observe that people then come and ask: “Well, how is that possible?” That person—it really isn’t just “they,” but it’s actually often “he,” truly—was just a moment ago thinking quite clearly about this matter, and no sooner have they had a brief conversation with this occult celebrity than they are as if transformed; they now believe in everything.
[ 16 ] Es sitzen hier schon Menschen, die wissen, daß diese Dinge vorgekommen sind. Ist es in einem solchen Falle geschehen, daß wirklich Überzeugung bewirkt worden ist? Nein, von dem, was man im gewöhnlichen Leben hier für das Wachbewußtsein Überzeugung nennt, kann in einem solchen Fall gar nicht die Rede sein. Die Sache muß vielmehr ganz anders verstanden werden. Und um sie zu verstehen, betrachten wir für einen Augenblick den Charakter Ahrimans.
[ 16 ] There are people sitting here who know that these things have happened. Has conviction truly been brought about in such a case? No, what we here in ordinary life call “conviction” in waking consciousness cannot even be considered in such a case. Rather, the matter must be understood quite differently. And to understand it, let us consider for a moment the character of Ahriman.
[ 17 ] Sehen Sie, eine der Haupteigentümlichkeiten des Ahriman ist diese, daß er eigentlich jenes unbefangene Verhältnis, das der Mensch, wie er hier auf der Erde lebt, zur Wahrheit hat, gar nicht kennt. Ahriman kennt dieses unbefangene Verhältnis zur Wahrheit nicht, wo man anstrebt, Wahrheit einfach als Übereinstimmung einer Vorstellung mit einer Objektivität zu haben. Das kennt Ahriman nicht. Darum ist es ihm gar nicht zu tun. Durch die ganze Stellung, die ich ja schon öfter charakterisiert habe, die Ahriman hat im Weltenall, ist es ihm wirklich höchst gleichgültig beim Bilden einer Vorstellung, ob diese übereinstimmt mit der Wirklichkeit. Ihm, Ahriman, handelt es sich bei alledem, was er für sich als Wahrheit — wir würden es im menschlichen Zusammenhang nicht Wahrheit nennen —, aber was er für sich als Wahrheit ausbildet, immer um Wirkungen. Es wird nicht etwas gesagt, um mit etwas anderem übereinzustimmen, sondern um zu wirken. Dies oder jenes wird gesagt, damit es diese oder jene Wirkungen hervorbringt.
[ 17 ] You see, one of Ahriman’s main characteristics is that he is actually completely unfamiliar with that unbiased relationship to truth that human beings, as they live here on Earth, possess. Ahriman does not know this unprejudiced relationship to truth, in which one strives simply to have truth as the correspondence of a concept with an objective reality. Ahriman does not know this. That is why he is not at all concerned with it. Given the entire position that I have already described on several occasions—the position Ahriman holds in the cosmos—he is truly utterly indifferent, when forming a concept, as to whether it corresponds to reality. For him, Ahriman, in everything he forms for himself as truth—we would not call it truth in a human context—but what he develops for himself as truth, it is always about effects. Something is not said to correspond with something else, but to have an effect. This or that is said so that it produces this or that effect.
[ 18 ] Also, ahrimanisch wäre es, wenn ich jemandem dies oder jenes sagen wir in bezug auf den Bau — sagen würde, wobei es mir ganz gleichgültig wäre, ob es wahr ist oder nicht, wenn ich dadurch nur bewirken wollte, daß der Betreffende dies oder jenes unternimmt, wenn ich weiß: wenn ich ihm dies sage, so unternimmt er dieses oder jenes.
[ 18 ] So, it would be Ahrimanic if I were to say this or that to someone—let’s say in connection with the building—while being completely indifferent to whether it is true or not, if my sole intention were to cause the person in question to do this or that, knowing that if I say this to him, he will do this or that.
[ 19 ] Ich glaube, Sie werden sich vorstellen können, daß es dieses geben kann, daß man ausdenkt irgend etwas, wobei es gleichgültig ist, ob es mit der Objektivität übereinstimmt oder nicht, aber was man so behandelt, daß es eine bestimmte Wirkung hat beim Menschen, der es hört. — Im Kleinen gibt es ja allerlei dergleichen unter Menschen. Man könnte da an mancherlei erinnern, aber denken Sie doch nur einmal, was alles die Tanten sagen, die sich den Kuppelpelz einmal bei irgendeinem verdienen wollen, wo sie zwei Leute zusammenkuppeln wollen und nun über die beiden Leute sagen, daß es die Braut, daß es der Bräutigam tue! Es kommt ihnen wirklich nicht darauf an, daß die Dinge stimmen, sondern, daß unter dem Einflusse dessen, was sie sagen, eben der Kuppelpelz verdient wird. Das ist nur ein ganz kleines exemplarisches Beispiel! Selbstverständlich gibt sich Ahriman nicht mit solchen kleinen Beispielen ab. Aber ich meine, wir haben natürlich für alles ein Analogon im menschlichen Leben.
[ 19 ] I think you can imagine that this is possible—that one might come up with something, regardless of whether it corresponds to reality or not, but which is presented in such a way that it has a certain effect on the person hearing it. — On a smaller scale, there are all sorts of things like this among people. One could cite many examples, but just think for a moment about all the things those matchmakers say when they’re trying to earn a commission by setting two people up, claiming that the bride or the groom should do this or that! They really don’t care whether the facts are accurate, but rather that, under the influence of what they say, they earn their matchmaking fee. That is just a very small, illustrative example! Of course, Ahriman does not concern himself with such minor examples. But I mean, we naturally have an analogue for everything in human life.
[ 20 ] Also bei Ahriman handelt es sich bei allen seinen Aussagen um Wirkungen. Und er formt seine Aussagen so, daß er mithelfen kann, wenn es sich um die Mitteilung solcher Dinge handelt. Nun denken Sie sich, daß es für Ahriman günstig wäre, auf der Erde eine Anzahl von Menschen zu erzeugen, die an etwas Bestimmtes glauben, an das glauben, wovon ich gerade vorhin gesprochen habe. Wenn nun jemand so weit in die Geheimnisse des schlechten Okkultismus eingeweiht ist und durch seine Art von Einweihung keine Neigung hat, an Stelle dieses Okkultismus den richtigen zu stellen, dann kann er eben erlauben Sie diese paradoxe Wendung —: sich mit Ahriman so verbinden, daß er jemandem eine Wahrheit beibringen kann, die ahrimanisch ist, die also im menschlichen Sinne keine Wahrheit ist — die wirken soll! Und das liegt immer zugrunde dem, was ich eben beschrieben habe, wo in einer ganz kurzen Stunde jemand, der ganz rebellisch war, durch ahrimanische Künste suggeriert wird. Im Bunde mit Ahriman kann man schon auch das einem anderen Menschen beibringen, daß er glaubt, daß in dieser oder jener menschlichen Persönlichkeit diese oder jene überragende Individualität inkarniert sei. Man muß nur die Künste kennen, Wahrheiten so hineinzuwerfen in irgendein Lebensgebiet — in diesem Falle in die Menschheit —, daß man nur ihre Wirkung berechnet, nicht ihre Übereinstimmung mit der Objektivität.
[ 20 ] So, in the case of Ahriman, all his statements are effects. And he shapes his statements in such a way that he can assist when it comes to communicating such things. Now imagine that it would be advantageous for Ahriman to create a number of people on Earth who believe in something specific—namely, what I was just talking about. Now, if someone is so deeply initiated into the mysteries of evil occultism—and, due to the nature of their initiation, has no inclination to replace this occultism with the true one—then they can, if you’ll allow me this paradoxical turn of phrase, connect with Ahriman in such a way that they can impart to someone a truth that is Ahrimanic—that is, a truth that, in the human sense, is not a truth at all—but one that is meant to have an effect! And this always underlies what I have just described, where, in the space of a very short hour, someone who was quite rebellious is influenced through Ahrimanic arts. In alliance with Ahriman, one can indeed lead another person to believe that this or that transcendent individuality is incarnated in this or that human personality. One need only know the arts of introducing truths into any sphere of life—in this case, into humanity—in such a way that one calculates only their effect, not their correspondence with objectivity.
[ 21 ] Solche Dinge werden in vielen Gemeinschaften getrieben, die sich okkultistisch nennen. In vielen solchen Gemeinschaften, die sich okkultistisch nennen, handelt es sich durchaus nicht darum, Vorstellungen nur zu entwickeln, die in Übereinstimmung mit der Objektivität sind, sondern Dinge zu sagen, die ganz bestimmte Wirkungen erzielen — nach der einen oder anderen Richtung hin.
[ 21 ] Such practices are carried out in many communities that call themselves occult. In many such communities that call themselves occult, the aim is by no means merely to develop ideas that are in accordance with objectivity, but rather to say things that produce very specific effects—in one direction or another.
[ 22 ] Gewiß, es kann auch Menschen geben, die so dumm und töricht sind, daß sie — ohne daß die ahrimanischen Künste unmittelbar durch einen Menschen angewendet werden — gleichsam unbewußt ahrimanische Impulse aufnehmen, Aber es gibt schon das in der Menschheit, daß ahrimanische Künste, das heißt direkt Künste, die im Bündnisse mit Ahriman bewirkt werden, wirklich geübt werden. Und für unsere Zeit sind diese Dinge, die aus dem Menschenbündnis mit Ahriman hervorgehen, von ganz besonders großer Bedeutung. Denn vieles von dem, was seit langer Zeit in der Menschheit geschieht, geschieht in einer Art, die man nur verstehen kann, wenn man die Geheimnisse kennt, auf die hier in zarter Weise hingedeutet worden ist.
[ 22 ] Certainly, there may also be people who are so stupid and foolish that—without the Ahrimanic arts being directly practiced by a human being—they unconsciously absorb Ahrimanic impulses, as it were. But it is already a fact within humanity that Ahrimanic arts—that is, arts directly brought about in alliance with Ahriman—are actually practiced. And for our time, these things that arise from humanity’s alliance with Ahriman are of particularly great significance. For much of what has been happening within humanity for a long time occurs in a way that can only be understood if one knows the mysteries to which subtle allusions have been made here.
[ 23 ] Für Ahriman handelt es sich also darum, daß er nie sieht auf die Zusammenstimmung einer Vorstellung mit der Objektivität, sondern auf die Wirkung, auf das, was erreicht werden kann.
[ 23 ] For Ahriman, then, the point is that he never looks at whether an idea corresponds to objective reality, but rather at the effect—at what can be achieved.
[ 24 ] Für Luzifer handelt es sich um etwas anderes. Andere Eigenschaften hat Luzifer. Nun, wir haben schon auf sie hingewiesen. Aber wir wollen jetzt auch in bezug auf Luzifer eine besondere Eigenschaft hervorheben, damit wir diese Dinge immer besser und besser kennenlernen. Sehen Sie, auch bei Luzifer handelt es sich nicht um das Zusammenstimmen irgendeiner Vorstellung mit der Objektivität, radikal niemals, sondern darum, daß diejenigen Vorstellungen entwickelt werden, die möglichst viel Bewußtsein im Menschen hervorbringen. Also verstehen Sie mich wohl darinnen: die möglichst viel, möglichst intensives Bewußtsein, ein möglichst ausgebreitetes Bewußtsein im Menschen hervorbringen. Dieses ausgebreitete Bewußtsein, an dem Luzifer sein Interesse hat, ist ja zugleich verknüpft, wenn es hervorgebracht wird, mit einer gewissen inneren Wollust des Menschen. Und dieses Wollüstige ist wiederum Luzifers Gebiet. Sie erinnern sich vielleicht, daß ich für die atlantischen Zeiten darauf aufmerksam gemacht habe, daß bis zu einem gewissen Zeitpunkte alles Sexuelle unbewußt vor sich gegangen ist. Schöne Mythen der verschiedenen Völker weisen hin auf diesen unbewußten Charakter des sexuellen Vorgangs in der älteren Zeit. Er ist erst im Laufe der Zeit ins Bewußtsein hereingeholt worden. Luzifer hat wesentlich Anteil daran, daß das Unbewußte hier in das Bewußte und immer Bewußtere hereingeholt wird. Dieses: außer der dazu bestimmten Zeit, außer dem rechten Zeitenzyklus Bewußtsein im Menschen hervorzurufen, also über etwas Bewußtsein hervorzurufen, wo dieser Grad des Bewußtseins eigentlich in einem anderen Zeitpunkte richtig entwickelt würde, das ist Luzifers Bestreben. Luzifer will gar nicht den Menschen so ohne weiteres auf etwas Äußeres gerichtet sein lassen. Er will, daß alles, was ins Bewußtsein wirkt, von innen wirkt; daher alles visionäre Leben, das nur gleichsam von innen herausgepreßt wird, luziferischen Charakter hat. Lernt man Luzifer kennen, wie man ihn ja kennenlernen muß, weil er selbstverständlich mit seinen Wirkungen immer an die richtige Stelle gesetzt werden muß, weil man es mit geistigen Wirkungen im Weltenall zu tun hat, so wirkt auf einen ganz besonders scheußlich, daß Luzifer gar nicht das geringste Verständnis hat für harmloses Ergötzen des Menschen an Äußerem. Dieses harmlose Ergötzen an dem, was von außen kommt, dafür hat Luzifer nicht das geringste Verständnis. Verständnis hat er für das, was durch alle möglichen inneren Dinge angefacht wird. Luzifer hat großes Verständnis dafür, daß jemand in sich eine Leidenschaft hervorruft, der er frönt, die ihm Wollust bereitet, so daß möglichst ins Bewußtsein gerufen wird das, was sonst unterbewußt bleibt. Aber trotz seiner Weisheit — denn Luzifer hat Ja natürlich eine hohe Wetsheit — kann er nicht verstehen einen harmlosen Witz, den jemand, durch irgendein äußeres Ereignis hervorgerufen, macht, Das liegt ganz außerhalb des Gebietes des Luzifer. Und man kann geradezu sich gegen luziferische Bestürmungen, die er ja sehr leicht unternimmt, dadurch schützen, daß man versucht, in dem zu leben, was auf harmlose Weise ergötzt, auf harmlose Weise von außen herein den Menschen unterhält. Das kann er gar nicht leiden, Luzifer. Wenn man Freude hat an einer guten Karikatur, das ärgert Luzifer ganz entsetzlich.
[ 24 ] With Lucifer, it is a different matter. Lucifer has different characteristics. Well, we have already pointed these out. But now we also want to highlight a particular characteristic of Lucifer so that we can come to understand these things better and better. You see, even with Lucifer, it is not a matter of harmonizing any concept with objectivity—absolutely never—but rather of developing those concepts that bring about as much consciousness as possible in human beings. So please understand me clearly on this point: to bring about as much, as intense, and as widespread a consciousness as possible in human beings. This widespread consciousness, in which Lucifer is interested, is, when it is brought about, linked at the same time to a certain inner sensuality in human beings. And this sensuality, in turn, is Lucifer’s domain. You may recall that I pointed out, with regard to the Atlantean era, that up to a certain point in time, everything sexual took place unconsciously. Beautiful myths from various peoples point to this unconscious nature of the sexual process in earlier times. It was only brought into consciousness over the course of time. Lucifer plays a significant role in bringing the unconscious into the conscious and into an ever-increasing state of consciousness. His aim is to evoke consciousness in human beings outside the appointed time, outside the proper cycle of time—that is, to evoke consciousness prematurely, at a time when this level of consciousness would actually be properly developed at a different point in time. Lucifer does not want human beings to be directed toward something external just like that. He wants everything that acts upon consciousness to act from within; therefore, all visionary life that is, as it were, forced out from within has a Luciferic character. If one comes to know Lucifer—as one must, since he must, of course, always be placed in the proper context with regard to his effects, given that one is dealing with spiritual forces in the universe—it strikes one as particularly abhorrent that Lucifer has not the slightest understanding for humanity’s harmless delight in external things. This harmless delight in what comes from the outside—for that, Lucifer has not the slightest understanding. He does, however, have an understanding for what is stirred up by all manner of inner forces. Lucifer has a deep understanding of how someone stirs up a passion within themselves, indulges in it, and derives pleasure from it, so that what would otherwise remain subconscious is brought into consciousness as much as possible. But despite his wisdom—for Lucifer does, of course, possess great wisdom—he cannot understand a harmless joke that someone makes, prompted by some external event. That lies entirely outside Lucifer’s realm. And one can actually protect oneself against Luciferian assaults—which he undertakes very easily—by trying to live in what brings harmless delight, what entertains a person in a harmless way from the outside. Lucifer cannot stand that at all. If one takes pleasure in a good caricature, it annoys Lucifer terribly.
[ 25 ] Ja, so sind schon die Zusammenhänge, die sich enthüllen, wenn man aus dem Dinglichen der sinnlichen Welt in das Gebiet eintritt, das jenseits der Schwelle liegt, wenn man in diejenige Sphäre kommt, wo alles eben nicht den Charakter der Dinge hat wie in der physischen Welt, sondern den Charakter der Wesen hat, des Lebendigen hat. Schon wenn man in die elementare Welt eintritt, hat alles den Charakter des Lebendigen. So sehen Sie, daß man gewissermaßen sagen kann: Sowohl Ahriman wie Luzifer ist die Übereinstimmung der Vorstellung mit der Objektivität gleichgültig. Bei Ahriman handelt es sich um die Wirkung bei dem, was er sagt, bei Luzifer handelt es sich um die Ausbreitung der Bewußtheit in der menschlichen Natur von dem, was eigentlich nicht bewußt werden sollte in einer gewissen Lage, was außerhalb des rechten Zeitenzyklus liegt und verknüpft ist mit einer gewissen inneren Wollust.
[ 25 ] Yes, such are the connections that reveal themselves when one moves from the material realm of the sensory world into the realm that lies beyond the threshold, when one enters that sphere where everything does not have the character of things as in the physical world, but rather the character of beings, of the living. Even when one enters the elemental world, everything has the character of the living. So you see that one can say, in a sense: For both Ahriman and Lucifer, the correspondence between the idea and objectivity is irrelevant. In the case of Ahriman, it is the effect of what he says; in the case of Lucifer, it is the expansion within human nature of that which, in a certain situation, should not actually become conscious—that which lies outside the proper cycle of time and is linked to a certain inner lust.
[ 26 ] Auf diese beiden Arten lassen sich nämlich Dinge erzielen, die sich nicht erzielen lassen, wenn man bloß auf das baut, was Übereinstimmung ist der Vorstellung mit der Objektivität. Und so, wie in schlecht okkultistischen Kreisen das Bündnis mit Ahriman gesucht wird aus Gründen, die ich vorhin charakterisiert habe, so wird in diesen schlecht okkultistischen Kreisen das Bündnis mit Luzifer gesucht, wobei versucht wird, auf den Menschen zu wirken so, daß man in wollüstiger Weise bei ihm ein Schauen hervorruft, also von innen heraus angefacht ein Schauen hervorruft.
[ 26 ] For it is through these two approaches that one can achieve things that cannot be achieved by relying solely on the correspondence between one’s conception and objective reality. And just as in certain unscrupulous occult circles an alliance with Ahriman is sought for the reasons I described earlier, so too in these same unscrupulous occult circles an alliance with Lucifer is sought, in an attempt to influence human beings in such a way as to evoke in them a vision of a voluptuous nature—that is, a vision kindled from within.
[ 27 ] Was so in schlecht okkultistischen Kreisen bewußt hervorgebracht wird, was eingegangen wird als ein Bündnis mit Ahriman und Luzifer, das wird natürlich auch dadurch geübt, daß ins Unbewußte der Menschen Ahriman und Luzifer hineinwirken. Und vieles von dem, was kritisierend gesagt werden muß über den Charakter gerade des fünften nachatlantischen Zeitraums, wie er sich jetzt entfaltet in der großen Welt draußen, muß auch in dieser Art auf ahrimanische und luziferische Impulse zurückgeführt werden. Daß so vieles gesagt wird, was direkt verlogen oder gelogen ist, daß aber auch so vieles gesagt wird, nicht deshalb, weil zuerst geholt wird die Berechtigung, etwas zu sagen aus der Übereinstimmung mit der Objektivität, sondern weil man es sagen will, weil es der Emotion, der Leidenschaft entspricht, das ist darauf zurückzuführen, daß wirklich in chaotischer Weise ahrimanische und luziferische Strömungen gegenwärtig sehr stark die Welt ergriffen haben. Denn wir würden in der heutigen Menschheitsentwikkelung nicht können aus einer Leidenschaft heraus Behauptungen tun, ohne zu untersuchen die Übereinstimmung mit der Objektivität, wenn wir uns nur den guten Mächten überlassen würden. Der atlantische Mensch und der nachatlantische höchstens bis in die Mitte der vierten nachatlantischen Periode hinein konnte noch aus seinem Inneren heraus Wahrheiten in Übereinstimmung mit der bezeichneten Objektivität finden. Aber das, wissen wir ja, ist verlorengegangen. Es ist ja gerade unser Zeitenzyklus da, damit die Menschheit lernen kann, die Außenwelt zu beobachten, die Außenwelt zu untersuchen, und nicht aus den Leidenschaften heraus sich Behauptungen zu formen.
[ 27 ] What is deliberately brought about in so-called occult circles—what is entered into as an alliance with Ahriman and Lucifer—is, of course, also brought about by the fact that Ahriman and Lucifer work into the unconscious of human beings. And much of what must be said critically about the character of the fifth post-Atlantean epoch in particular—as it is now unfolding in the wider world out there—must also be attributed in this way to Ahrimanic and Luciferic impulses. The fact that so much is said that is outright false or a lie, and that so much is said not because one first seeks justification to speak based on conformity with objectivity, but because one wants to say it—because it corresponds to emotion, passion—this is attributable to the fact that Ahrimanic and Luciferic currents have indeed taken hold of the world very strongly in a chaotic manner. For in the current development of humanity, we would not be able to make assertions out of passion without first examining their correspondence with objectivity if we were to entrust ourselves solely to the good powers. The Atlantean human being—and the post-Atlantean human being, at most up to the middle of the fourth post-Atlantean period—was still able to find truths from within, in accordance with the objectivity described. But that, as we know, has been lost. Our current cycle of time exists precisely so that humanity can learn to observe the external world, to examine the external world, and not to form assertions based on passions.
[ 28 ] Wenn also heute dennoch Wahrheiten geformt werden aus dem Inneren heraus, ohne daß gesucht wird die Übereinstimmung mit der Außenwelt, so ist das eine luziferische Strömung, die sich verschwistert mit ahrimanischen Strömungen, wobei das eine nicht ein richtiges Bewußtsein, das andere Gelogenheit oder Verlogenheit erzeugt. — Und sehr, sehr verbreitet ist das, was hier bezeichnet wird, schon in der Gegenwart. Denn es ist heute vielen Seelen das rechte Bewußtsein abspenstig gemacht worden von dem, was überhaupt Übereinstimmung ist der Vorstellung mit der Objektivität. Es wird gar nicht gesucht in dieser Richtung. Und wenn versucht wird, gerade diese Übereinstimmung der Vorstellung mit der Objektivität zu finden, dann versteht man das gar nicht, dann sieht man das von vielen Seiten als etwas an, was, ja, was eigentlich — man kann schwer ein Wort dafür finden —, was überraschend ist, daß es so getan werden kann. Gerade am wenigsten findet man in den Kreisen dann Zustimmung, wenn man versucht, solche Charakteristiken der Wirklichkeit zu geben, die sich stützen auf das, was da ist, die einfach die Dinge der Welt nehmen und sie in der Vorstellung wiederholen. Das versteht man zuweilen sehr wenig. Man versteht gar nicht, daß das etwas anderes, etwas ganz radikal anderes ist als das, was jemand macht, wenn er gerade diese oder jene Leidenschaft hat, sei es persönliche Leidenschaft, sei es nationale Leidenschaft, und nach dieser Leidenschaft einfach seine Behauptungen formt. Aber da liegt der radikale Unterschied, den man heute noch gar nicht bemerkt. Man formt vielfach Behauptungen nach dem, wie man schon denkt, nach der Richtung seines Denkens, und sieht dabei nicht, ob solche Behauptungen mit den Tatsachen übereinstimmen. Aber darauf kommt es heute an, daß unsere Behauptungen mit den Tatsachen übereinstimmen. Denn sonst können wir niemals hoffen, in eine Epoche überzugehen, wo die geistige Welt in der richtigen Weise angesehen werden kann. Eignen wir uns nicht in der physischen Welt eine Gesinnung für Tatsächlichkeit an, so werden wir sie nicht finden können für die geistige Welt. In der richtigen Weise sich in die geistige Welt hineinleben zu können, muß angeeignet werden hier in der physischen Welt. Deshalb sind wir in die physische Welt hereingestellt, wo wir angewiesen sind, die Übereinstimmung der Vorstellung mit der Objektivität zu suchen, damit wir dieses uns aneignen, damit dieses eine Gewohnheit werde, und wir dieses hineintragen können in die geistige Welt.
[ 28 ] So if, even today, truths are formed from within without seeking harmony with the external world, this is a Luciferic current that aligns itself with Ahrimanic currents, whereby the former does not produce true consciousness, and the latter produces falsehood or insincerity. — And what is described here is already very, very widespread in the present. For today, many souls have been deprived of true consciousness of what it actually means for a concept to correspond to objectivity. People do not seek in this direction at all. And when one attempts to find precisely this correspondence between the concept and objectivity, then people do not understand it at all; from many perspectives, they regard it as something that—well, it is actually—it is hard to find a word for it—something surprising, that it can be done this way. In these circles, one finds the least approval precisely when one attempts to provide such characteristics of reality that are based on what is actually there—that simply take the things of the world and reproduce them in the mind. This is sometimes very poorly understood. People do not understand at all that this is something different, something quite radically different from what someone does when they are driven by this or that passion—be it a personal passion or a national passion—and simply shape their assertions according to that passion. But therein lies the radical difference that people still fail to notice today. People often formulate assertions based on how they already think, on the direction of their thinking, and in doing so fail to see whether such assertions correspond to the facts. But what matters today is that our assertions correspond to the facts. For otherwise, we can never hope to enter an era in which the spiritual world can be viewed in the right way. If we do not cultivate an attitude toward factuality in the physical world, we will not be able to find it in the spiritual world. The ability to immerse oneself properly in the spiritual world must be acquired here in the physical world. That is why we have been placed in the physical world, where we are called upon to seek the correspondence between our ideas and objective reality, so that we may acquire this ability, so that it may become a habit, and so that we may carry it over into the spiritual world.
[ 29 ] Wie viele Menschen machen aber heute Behauptungen, bei denen ihnen gar nichts daran liegt, ob sie mit der Objektivität übereinstimmen, nur aus der Emotion heraus. Das bewegt sich gerade in der gegenteiligen Richtung von der, wohin sich die Welt bewegen muß, wenn die Menschheit vorwärtsschreiten will. Und wirklichkeitsgemäßes Denken ist gerade unserem materialistischen Zeitalter unter dem charakterisierten Einfluß in so furchtbarer Weise abhanden gekommen, wirklichkeitsgemäßes Denken ist heute so selten zu finden. Und wenn wirklichkeitsgemäßes Denken einmal in ehrlicher Weise angestrebt wird, dann stößt es zusammen mit allem, was heute unwirklichkeitsgemäßes Denken ist. Sie sehen es ja in einer furchtbaren Weise daran, daß immer wieder und wiederum von den Zusammenstößen unserer anthroposophischen Bewegung mit unwirklichkeitsgemäßem Denken gesprochen werden muß, weil die Tatsachen einmal da sind, und weil man schließlich nicht schweigen kann, wenn man es ehrlich mit dieser Bewegung meint.
[ 29 ] But how many people today make claims—without caring in the least whether they are objective—based solely on emotion? This is moving in exactly the opposite direction from where the world must go if humanity is to move forward. And thinking in accordance with reality has been lost in such a terrible way in our materialistic age, under the influence described above; thinking in accordance with reality is so rare today. And when thinking in accordance with reality is honestly sought, it clashes with everything that constitutes unrealistic thinking today. You can see this in a terrible way in the fact that we must speak again and again of the clashes between our anthroposophical movement and unrealistic thinking, because the facts are there, and because one cannot remain silent if one is sincere about this movement.
[ 30 ] Sie sehen an diesen Zusammenstößen des wirklichkeitsgemäßen Denkens, das erstrebt wird, mit dem wirklichkeitsfeindlichen Denken — in dem Sinne feindlich, wie es charakterisiert worden ist —, um was es sich heute handelt, wenn man Wahrheit vertreten will. Gewiß mußte in allen Zeiten derKampf aufgenommen werden mit den widerstrebenden Mächten; aber man muß ihn auch für jede Zeit wiederum in seiner besonderen Form, in seiner besonderen Metamorphose kennenlernen. Auch das Pharisäertum ist nicht ausgestorben, es findet sich heute nur in einer anderen Form. Und mit jener Klarheit vorwärtskommen, wie es nötig ist, werden wir nur, wenn wir diesen Unterschied zwischen wirklichkeitsgemäßem Denken und wirklichkeitsfeindlichem Denken eben wirklich verstehen.
[ 30 ] These clashes between the kind of thinking that is grounded in reality—which we strive for—and the kind of thinking that is hostile to reality—hostile in the sense in which it has been characterized—show what is at stake today for anyone who wishes to uphold the truth. Certainly, the struggle against opposing forces has had to be waged in every age; but one must also come to know it anew in each age in its particular form, in its particular metamorphosis. Pharisaism, too, has not died out; it is simply found today in a different form. And we will only be able to move forward with the clarity that is necessary if we truly understand this difference between thinking in accordance with reality and thinking hostile to reality.
