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The Karma of a Person's Profession
in Relation to Goethe's Life
GA 172

6 November 1916, Dornach

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Dritter Vortrag

Third Lecture

[ 1 ] Ich möchte jetzt von einem anderen Ausgangspunkt noch die Annäherung vollziehen an das Problem, an dem wir in diesen Betrachtungen arbeiten. Denn in der Geisteswissenschaft muß es so sein, daß man gewissermaßen das Problem von verschiedenen Punkten her einschließt und ihm sich von verschiedenen Punkten her auch nähert. Wenn wir einen solchen Lebenslauf betrachten wie denjenigen Goethes, so muß uns ja, ich möchte sagen, im groben eines auffallen, das einem überhaupt zum großen Rätsel in der Menschheitsentwickelung werden kann, auch dann noch, wenn man die wiederholten Erdenleben zunächst betrachtet und bei der Gestaltung des Lebens eines Menschen zu Rate zieht. Ich meine das Problem: Worin liegt es eigentlich, daß einzelne Menschen wie zum Beispiel Goethe in der Lage sind, aus ihrem Inneren heraus solch Bedeutsames zu schaffen, wie eben Goethe geschaffen hat, insbesondere durch seinen «Faust», durch solch Geschaffenes einen so bedeutenden Einfluß auf die übrige Menschheit zu haben? Wie kommt es, daß gewissermaßen einzelne Menschen herausgelöst werden aus der übrigen Menschheit und zu so Bedeutendem gewissermaßen von dem Weltengeschick berufen werden? — Wir vergleichen dann mit so bedeutendem Schaffen und Leben dasjenige jedes einzelnen Menschen und fragen uns: Was ergibt sich uns an dem Unterschiede jedes einzelnen Menschenlebens und dieser sogenannten hervorragenden Menschenleben?

[ 1 ] I would now like to approach the problem we are working on in these reflections from a different starting point. For in the spiritual sciences, it must be the case that one, so to speak, encompasses the problem from various angles and also approaches it from various angles. When we consider a life such as Goethe’s, we must—I would say—notice, at least in broad terms, something that can become a great mystery in the development of humanity, even when we initially consider repeated earthly lives and consult them in shaping a person’s life. I am referring to the problem: What is it, actually, that enables individual human beings—such as Goethe, for example—to create, from within themselves, something as significant as what Goethe created, particularly through his Faust, and to exert such a significant influence on the rest of humanity through such creations? How is it that, in a sense, certain individuals are set apart from the rest of humanity and, as it were, called by the course of world history to achieve something so significant? — We then compare the life and work of each individual with such significant creations and ask ourselves: What do we find in the difference between the life of each individual and the lives of these so-called outstanding individuals?

[ 2 ] Diese Frage kann man sich nur beantworten, wenn man sich das Leben mit den Mitteln, die uns die Geisteswissenschaft an die Hand gibt, etwas genauer betrachtet. Zunächst ist nämlich all das, was der Mensch erkennen kann, namentlich für unsere Zeit, dazu angelegt, gewisse Dinge zu kaschieren, zu maskieren und die unbefangene menschliche Betrachtung davon fernzuhalten. Das macht auch nötig, daß man vielfach zunächst sich anpassend an das, was zuerst verstanden werden kann, in der Geisteswissenschaft sprechen muß. Nun schildern wir ja in der Geisteswissenschaft gewöhnlich so, daß wir sagen: Der Mensch besteht, so wie er sich uns darstellt im Leben, aus seinem physischen Leibe, dem ätherischen Leibe, dem astralischen Leibe und dem Ich. — Und wir schildern dann, indem wir charakterisieren die Wechselzustände zwischen Wachen und Schlafen so, daß wir sagen: Während des Wachens sind Ich und astralischer Leib im physischen Leibe und im Ätherleib drinnen; während des Schlafens sind Ich und astralischer Leib draußen. — Das ist für ein Verständnis der Sache zunächst vollständig ausreichend und entspricht durchaus den geisteswissenschaftlichen Tatsachen. Aber es handelt sich darum, daß man dadurch, daß man so schildert, nur einen Teil der vollen Wirklichkeit gibt. Wir können niemals in einer Schilderung die volle Wirklichkeit umfassen; einen Teil der vollen Wirklichkeit geben wir eigentlich immer, wenn wir irgend etwas schildern, und wir müssen immer erst von einigen anderen Seiten wiederum Licht suchen, um die geschilderte Teilwirklichkeit in der richtigen Weise zu beleuchten. Und da muß gesagt werden: Es ist im allgemeinen so, daß Schlafen und Wachen wirklich eine Art zyklischer Bewegung für den Menschen darstellen. Strenge genommen sind nämlich Ich und astralischer Leib außer dem physischen und ätherischen Menschenleib im Schlafzustande nur außerhalb des Hauptes, während gerade dadurch, daß im Schlafe das Ich und der astralische Leib außerhalb des physischen und ätherischen Hauptes des Menschen sind, sie eine um so regere Tätigkeit und Wirksamkeit ausüben auf die andere menschliche Organisation. Alles das, was im Menschen nicht Haupt ist, sondern andere menschliche Organisation, steht gerade während des Schlafzustandes, in dem gewissermaßen Ich und astralischer Leib von außen auf den Menschen wirken, unter einem viel stärkeren Einflusse dieses Ich und dieses astralischen Leibes als während des wachen Zustandes. Und man kann schon sagen: Während des Schlafzustandes wird die Wirkung, die das Ich und der astralische Leib des Menschen im Wachzustande auf das Haupt ausüben, auf den übrigen Organismus ausgeübt. — Wir können daher mit Recht in einem gewissen Sinne vergleichen namentlich das Ich des Menschen mit der Sonne, die, wenn es bei uns Tag ist, unsere Gegend überleuchtet; wenn es bei uns Nacht ist, ist diese Sonne nicht bloß draußen, sondern sie beleuchtet auf der anderen Seite die Erde und macht dort Tag. So ist es in einem gewissen Sinne Tag in unserem übrigen Organismus, wenn es für unsere Sinneswahrnehmung, die ja vorzugsweise an das Haupt gebunden ist, Nacht ist, und Nacht ist es dafür auch für unseren übrigen Organismus, wenn es für unser Haupt Tag ist, das „heißt, unser übriger Organismus ist dem Ich mehr oder weniger ent5 zogen und auch dem astralischen Leib, wenn wir wachen. Das ist noch etwas, was zu der Beleuchtung der vollen Wirklichkeit dazukommen muß, wenn man den ganzen Menschen verstehen will.

[ 2 ] This question can only be answered by examining life a little more closely using the tools provided by spiritual science. For one thing, everything that human beings can perceive—especially in our time—is designed to conceal and mask certain things, and to keep them beyond the reach of unbiased human observation. This also makes it necessary that, in many cases, one must first speak in spiritual science in a way that adapts to what can be understood initially. Now, in spiritual science, we usually describe things by saying: The human being, as he appears to us in life, consists of his physical body, the etheric body, the astral body, and the I. — And we then describe—by characterizing the transitional states between waking and sleeping—that during waking, the “I” and the astral body are inside the physical body and the etheric body; during sleep, the “I” and the astral body are outside. — This is, for the time being, entirely sufficient for understanding the matter and is entirely consistent with the facts of spiritual science. But the point is that by describing it in this way, we present only a part of the full reality. We can never encompass the full reality in a single description; in fact, whenever we describe anything, we are always presenting only a part of the full reality, and we must always first seek light from other perspectives in order to illuminate the described partial reality in the proper way. And here it must be said: It is generally the case that sleeping and waking truly represent a kind of cyclical movement for the human being. Strictly speaking, during the state of sleep, the ego and the astral body—apart from the physical and etheric human bodies—are located only outside the head; yet precisely because the ego and the astral body are outside the physical and etheric head of the human being during sleep, they exert all the more vigorous activity and influence on the rest of the human organism. Everything in the human being that is not the head—that is, the rest of the human organism—is, precisely during the state of sleep, in which the “I” and the astral body, so to speak, act upon the human being from the outside, under a much stronger influence of this “I” and this astral body than during the waking state. And one can indeed say: During sleep, the effect that the human ego and astral body exert on the head during the waking state is exerted on the rest of the organism. — We can therefore rightly compare, in a certain sense, the human “I” to the sun, which, when it is day for us, illuminates our region; when it is night for us, this sun is not merely outside, but it illuminates the other side of the Earth and makes it day there. Thus, in a certain sense, it is day in the rest of our organism when it is night for our sensory perception—which is, after all, primarily bound to the head—and conversely, it is night for the rest of our organism when it is day for our head; that is to say, the rest of our organism is more or less withdrawn from the “I” and also from the astral body when we are awake. This is yet another factor that must be taken into account to shed light on the full reality if one wishes to understand the whole human being.

[ 3 ] Nun handelt es sich darum, daß man auch in diesem Sinne den Zusammenhang des Seelischen mit dem Physischen des Menschen richtig erfaßt, wenn man das, was ich eben angeführt habe, ordentlich verstehen will. Ich habe öfter betont, das Nervensystem des physischen Organismus ist eine einheitliche Organisation, und eigentlich ist es nichts weiter als ein bloßer Unsinn, der nicht einmal durch eine Anatomie gerechtfertigt wird, die Nerven zu teilen in sensitive und motorische Nerven. Die Nerven sind alle einheitlich organisiert, und sie haben alle eine Funktion. Die sogenannten motorischen Nerven unterscheiden sich nur dadurch von den sogenannten sensitiven Nerven, daß die sensitiven darauf eingerichtet sind, der Wahrnehmung der Außenwelt zu dienen, während die sogenannten motorischen Nerven der Wahrnehmung des eigenen Organismus dienen. Ein motorischer Nerv ist nicht dazu bestimmt, meine Hand zu bewegen — das ist ein bloßer Unsinn —, sondern der motorische Nerv, der sogenannte motorische Nerv, ist dazu bestimmt, die Bewegung der Hand wahrzunehmen, also innerlich wahrzunehmen, während der sensitive Nerv dazu bestimmt ist, bei der Wahrnehmung der Außenwelt zu dienen. Das ist der ganze Unterschied. Nun teilt sich unser Nervensystem, wie Sie ja wissen, in drei Glieder: in diejenigen Nerven, deren Hauptzentrum das Gehirn ist, also die im Haupte zentriert sind, dann in diejenigen Nerven, die im Rückenmark zentriert sind, und diejenigen Nerven, die wir zum sogenannten Gangliensystem rechnen. Das sind im wesentlichen die drei Arten von Nerven, die der Mensch hat. Nun handelt es sich darum, zu erkennen: Welche Beziehungen herrschen zwischen diesen drei Arten von Nervensystemen und den geistigen Gliedern unseres Organismus? Welches ist gewissermaßen das vorgerückteste, feinste Glied des Nervensystems und welches ist das am wenigsten vorgerückte Glied des Nervensystems?

[ 3 ] The point is that, in this sense as well, one must correctly grasp the connection between the human soul and the human body if one wishes to properly understand what I have just stated. I have often emphasized that the nervous system of the physical organism is a unified system, and in fact, it is nothing but sheer nonsense—not even justified by anatomy—to divide nerves into sensory and motor nerves. The nerves are all organized as a unified whole, and they all have a function. The so-called motor nerves differ from the so-called sensory nerves only in that the sensory nerves are designed to serve the perception of the external world, while the so-called motor nerves serve the perception of one’s own organism. A motor nerve is not intended to move my hand—that is sheer nonsense—but rather the motor nerve, the so-called motor nerve, is intended to perceive the movement of the hand, that is, to perceive it internally, while the sensory nerve is intended to serve the perception of the external world. That is the entire difference. Now, as you know, our nervous system is divided into three parts: those nerves whose main center is the brain—that is, those centered in the brain—then those nerves centered in the spinal cord, and those nerves that we classify as part of the so-called ganglionic system. These are essentially the three types of nerves that humans have. The question now is to recognize: What relationships exist between these three types of nervous systems and the spiritual members of our organism? Which is, so to speak, the most advanced, most refined member of the nervous system, and which is the least advanced member of the nervous system?

[ 4 ] Es ist ganz selbstverständlich, daß auf diese Frage diejenigen, die heute von der gewöhnlichen naturwissenschaftlichen Weltanschauung herkommen, antworten werden: Nun ja, das Nervensystem des Gehirnes ist natürlich das edelste, denn das ist dasjenige, das den Menschen von den Tieren unterscheidet. — Aber es ist nicht so. Dieses Nervensystem des Gehirnes hängt im wesentlichen zusammen mit der ganzen Organisation unseres Ätherleibes. Selbstverständlich sind überall weitere Beziehungen vorhanden, so daß natürlich unser ganzes Gehirnsystem auch Beziehungen zum astralischen Leib oder zum Ich hat, aber dies sind sekundäre Beziehungen. Die primären, die ursprünglichen Beziehungen sind zwischen unserem Gehirnnervensystem und zwischen unserem Ätherleib. Das hat nichts zu tun mit der Anschauungsweise, die ich einmal auseinandergesetzt habe, daß das ganze Nervensystem mit Hilfe des astralischen Leibes zustande gebracht worden ist; das ist etwas ganz anderes, das muß man durchaus unterscheiden. Das ist zustande gebracht worden in seiner ursprünglichen Veranlagung während der Mondenzeit, aber das hat sich weiterentwickelt und andere Beziehungen sind eingeleitet worden seit der ersten Bildung, so daß in der Tat unser Gehirnnervensystem innigste und bedeutsamste Beziehungen hat zu unserem Ätherleib. Das Rückenmarkssystem hat die innigsten und primärsten Beziehungen zu unserem Astralleib, so wie wir ihn jetzt als Menschen an uns tragen, und das Gangliensystem zu dem Ich, zu dem eigentlichen Ich. Das sind die primären Beziehungen, wie wir sie jetzt haben.

[ 4 ] It goes without saying that those who today come from the conventional scientific worldview will answer this question as follows: “Well, the nervous system of the brain is, of course, the noblest, for it is what distinguishes humans from animals.” — But that is not the case. This nervous system of the brain is essentially connected to the entire organization of our etheric body. Of course, there are other connections everywhere, so that our entire brain system naturally also has connections to the astral body or to the “I,” but these are secondary connections. The primary, original connections are between our brain’s nervous system and our etheric body. This has nothing to do with the view I once expounded—that the entire nervous system was brought into being with the help of the astral body; that is something entirely different, and one must make a clear distinction between the two. It was established in its original form during the Lunar period, but it has continued to develop, and other relationships have been established since its initial formation, so that in fact our brain-nervous system has the most intimate and significant relationships with our etheric body. The spinal cord system has the most intimate and primary connections to our astral body, as we now possess it as human beings, and the ganglion system to the “I,” to the true “I.” These are the primary connections as we now have them.

[ 5 ] Wenn wir dies in Erwägung ziehen, so werden wir uns leicht vorstellen können, daß eine besonders rege Beziehung herrscht während unseres Schlafzustandes zwischen unserem Ich und unserem Gangliensystem, das vorzugsweise ausgebreitet ist in dem Rumpforganismus, das in Strängen das Rückenmark außen umkleidet und so weiter. Aber diese Beziehungen sind gelockert während des Tagwachens; sie sind vorhanden, aber sie sind gelockert während des Tagwachens. Sie sind inniger während des Schlafens. Und inniger als während des Tagwachens sind die Beziehungen zwischen dem astralischen Leib und den Rückenmarksnerven im Schlafzustande. So daß wir also sagen können: Während desSchlafzustandes treten ganz besonders innige Beziehungen auf zwischen unserem Astralleib und unseren Rückenmarksnerven und zwischen unserem Ich und unserem Gangliensystem. Wir leben mehr oder weniger während des Schlafes in unserem Ich stark zusammen mit unserem Gangliensystem. Wird man einmal die rätselvolle Traumwelt genauer studieren, so wird man dies schon erkennen, was ich so aus der geisteswissenschaftlichen Untersuchung heraus erwähne.

[ 5 ] If we consider this, we can easily imagine that a particularly active relationship exists during sleep between our “I” and our ganglion system, which is primarily distributed throughout the trunk, encases the spinal cord in bundles, and so on. But these connections are loosened during waking hours; they are present, but they are loosened during waking hours. They are more intimate during sleep. And more intimate than during waking hours are the connections between the astral body and the spinal nerves during sleep. So we can say: During sleep, particularly close connections arise between our astral body and our spinal nerves, and between our “I” and our ganglion system. During sleep, we live more or less in close union within our “I” with our ganglion system. Once one studies the mysterious world of dreams more closely, one will recognize this, which I mention here based on spiritual scientific research.

[ 6 ] Dann aber, wenn Sie dies in Erwägung ziehen, werden Sie auch eine Brücke finden zu dem anderen wesentlichen, bedeutungsvollen Gedanken: daß für das Leben etwas sehr Wichtiges dadurch gegeben sein muß, daß ein rhythmischer Wechsel eintritt im Zusammenleben des Ichs zum Beispiel mit dem Gangliensystem und des astralischen Leibes mit dem Rückenmarkssystem, ein rhythmischer Wechsel, der identisch ist mit dem Wechsel des Schlafens und Wachens. Denn es wird Ihnen nicht allzu verwunderlich erscheinen, wenn man sagt: Dadurch, daß das Ich eigentlich so recht im Gangliensystem und der astralische Leib so recht im Rückenmarkssystem ist im Schlafe, dadurch wacht der Mensch mit Bezug auf Gangliensysteem und Rückenmarkssystem während des Schlafens und schläft er während des Wachens. — Man kann da nur die Frage aufwerfen: Wie kommt es denn, daß man von dem so regen Wachen, das ja eigentlich entwickelt werden muß während des Schlafens, so wenig weiß? Nun, wenn Sie in Erwägung ziehen, wie der Mensch geworden ist, daß ja das Ich des Menschen erst während des Erdendaseins in ihm Platz genommen hat, also eigentlich das Baby ist unter unseren menschheitlichen Gliedern, so wird es Ihnen nicht staunenswert sein, daß dieses Ich eben sich noch nicht zum Bewußtsein bringen kann dasjenige, was es erlebt im Gangliensystem während des Schlafens, während es sich wohl zum Bewußtsein bringen kann das, was es erlebt, wenn es in dem voll ausgebildeten Haupte ist, das ja hauptsächlich das Ergebnis ist aller derjenigen Impulse, die durch Mond, Sonne und so weiter gewirkt haben. Was das Ich sich zum Bewußtsein bringen kann, hängt von dem Instrument ab, dessen es sich bedienen kann. Das Instrument, dessen es sich in der Nacht bedient, ist verhältnismäßig noch zart. Denn ich habe Ihnen in früheren Vorträgen ausgeführt, daß der übrige Organismus eigentlich erst später entwickelt worden ist, daß der erst hinzugekommen ist zu dem mehr vollendeten Kopforganismus des Menschen, daß der ein Anhängsel ist des Kopforganismus. Wenn wir davon sprechen, daß der Mensch seinem physischen Leib nach mehr oder weniger lange Stadien vom Saturn aus durchgemacht hat, so können wir das nur mit Bezug auf das Haupt, auf den Kopf aussprechen. Dasjenige, was sich an den Kopf anhängt, ist vielfach spätere Bildung, Mondenbildung und sogar erst Erdenbildung. Daher kommt das rege Leben, das entwickelt wird während des Schlafens und das vielfach seinen organischen Sitz hat im Rückenmark und im Gangliensystem, zunächst wenig zum Bewußtsein, aber es ist deshalb ein nicht minder reges, bedeutsam reges Leben. Und man kann ebensogut sagen, im Schlafe soll dem Menschen die Möglichkeit geboten werden, hinunterzusteigen in sein Gangliensystem, wie ihm im Wachen die Möglichkeit gegeben ist, hinaufzusteigen zu seinen Sinnen und zu seinem Gehirnsystem. Gewiß, Sie werden sagen: Wie kompliziert sich — und vielleicht sogar: Wie verwirrt sich dadurch alles das, was wir uns angeeignet haben! — Aber der Mensch ist ein kompliziertes Wesen und man lernt ihn nicht verstehen, wenn man nicht diese Komplikation, diese Kompliziertheit wirklich einmal auf sich wirken läßt.

[ 6 ] But then, when you consider this, you will also find a bridge to the other essential, significant thought: that something very important for life must be provided by the fact that a rhythmic alternation occurs in the interaction of the “I,” for example, with the ganglion system, and of the astral body with the spinal cord system—a rhythmic alternation that is identical to the alternation of sleep and wakefulness. For it will not seem all too surprising to you when one says: Because the “I” is actually quite at home in the ganglionic system and the astral body is quite at home in the spinal cord system during sleep, the human being is, in relation to the ganglionic system and the spinal cord system, awake during sleep and asleep during wakefulness. — One can only ask: How is it, then, that we know so little about this active state of wakefulness, which must actually be developed during sleep? Well, if you consider how the human being came to be—that the human “I” only took its place within the person during earthly existence, and is thus, in a sense, the baby among our human members—then it will come as no surprise to you that this “I” is not yet able to bring to consciousness what it experiences in the ganglion system during sleep, whereas it can indeed bring to consciousness what it experiences when it is in the fully developed head, which is, after all, primarily the result of all those impulses that have been brought about by the Moon, the Sun, and so on. What the “I” can bring to consciousness depends on the instrument it has at its disposal. The instrument it uses at night is still relatively delicate. For I have explained to you in earlier lectures that the rest of the organism was actually developed only later, that it was added only later to the more perfected head organism of the human being, and that it is an appendage of the head organism. When we speak of the human being having passed through more or less lengthy stages of physical development originating from Saturn, we can only say this with reference to the head. That which is attached to the head is in many cases a later formation—a lunar formation, and in some cases even an earthly formation. Hence, the active life that unfolds during sleep—and which often has its organic seat in the spinal cord and the ganglion system—is initially scarcely perceived by consciousness; yet it is no less active, indeed a significantly active life. And one might just as well say that during sleep, a person should be given the opportunity to descend into their ganglion system, just as, while awake, they are given the opportunity to ascend to their senses and their brain system. Certainly, you will say: How complicated—and perhaps even: How confused—this makes everything we have come to understand! — But human beings are complex beings, and one cannot learn to understand them unless one truly allows this complexity to sink in.

[ 7 ] Nun denken Sie sich einmal, daß bei einem Menschen das eintritt, was ich Ihnen mit Bezug auf Goethe beschrieben habe: daß der ätherische Leib gelockert wird. Dann, wenn der ätherische Leib gelockert wird, dann tritt eine ganz andere Beziehung ein im Wachen zwischen dem Seelisch-Geistigen und dem Organischen, dem Physischen des Menschen. Der Mensch wird, so wie ich es gestern beschrieben habe, auf eine Art Isolierschemel gestellt. Aber es kann niemals eine solche Wirkung eintreten, ohne eine andere nach sich zu ziehen. Das ist sehr wichtig ins Auge zu fassen. Eine solche Beziehung tritt nicht einseitig ein, sondern sie zieht eine andere nach sich. Wenn man diese Beziehung, die ich gestern charakterisiert habe, etwas gröber ausspricht, so könnten wir auch sagen: Dadurch, daß der ätherische Leib gelockert ist, wird das ganze Wachleben des Menschen in einer gewissen Weise beeinträchtigt, beeinflußt. Aber das kann nicht sein, ohne daß zu gleicher Zeit das Schlafleben des Menschen beeinflußt wird. Die Folge davon ist einfach, daß der Mensch in losere Beziehungen tritt zu seinen Gehirneindrücken, wenn so etwas bei ihm auftritt wie bei Goethe. Dadurch tritt er auch in intimere, in stärkere Beziehungen während des Wachens zu seinen Rückenmarksnerven und zu dem Gangliensystem. Das ist damals, als Goethe krank wurde, zu gleicher Zeit eingetreten, daß er gewissermaßen eine losere Beziehung zu seinem Gehirn entwickelt hat, aber zugleich eine intimere Beziehung zu seinem Gangliensystem und zu seinem Rückenmarkssystem.

[ 7 ] Now imagine that what I described to you in reference to Goethe actually happens to a human being: that the etheric body is loosened. Then, when the etheric body is loosened, a completely different relationship arises in the waking state between the soul-spiritual and the organic, physical aspects of the human being. As I described yesterday, the human being is placed on a kind of isolation stool. But such an effect can never occur without entailing another. It is very important to bear this in mind. Such a relationship does not occur unilaterally; rather, it entails another. If we were to describe this relationship—which I characterized yesterday—in somewhat cruder terms, we could also say: Because the etheric body is loosened, the human being’s entire waking life is, in a certain way, affected and influenced. But this cannot happen without the human being’s sleep life being influenced at the same time. The consequence of this is simply that the human being enters into looser relationships with his brain impressions when something like what happened to Goethe occurs in him. As a result, they also enter into more intimate, stronger relationships with their spinal nerves and the ganglion system while awake. This is what happened at the time Goethe fell ill: he developed, so to speak, a looser relationship with his brain, but at the same time a more intimate relationship with his ganglion system and his spinal cord system.

[ 8 ] Was tritt denn dadurch aber überhaupt auf? Was soll das heißen, eine intimere Beziehung tritt zum Gangliensystem, zum Rückenmarkssystem ein? Dadurch tritt der Mensch nämlich in eine ganz andere Beziehung zur Außenwelt. Wir sind ja immer in inniger Beziehung zur ganzen Außenwelt; wir achten nur nicht darauf, in welch inniger Beziehung wir eigentlich zur Außenwelt stehen. Aber ich habe Sie öfter aufmerksam darauf gemacht: Die Luft, die Sie in einem Augenblick in Ihrem Innern tragen, ist im nächsten Augenblicke draußen und eine andere Luft ist drinnen; dasjenige, was jetzt draußen ist, hat im nächsten Augenblicke die Form des Leibes und vereinigt sich mit Ihrem Leib. Es ist ja nur scheinbar der Menschenorganismus geschieden von der Außenwelt; er ist ein Glied dieser Außenwelt, er gehört zu dieser ganzen Außenwelt dazu. Wenn also eine solche Änderung in der Beziehung zur Außenwelt eintritt wie die charakterisierte, so macht sich das schon mit Bezug auf das Leben des Menschen stark geltend. Nun kann man ja sagen: Dadurch müßte eigentlich die niedere Natur des Menschen bei einer solchen Persönlichkeit wie Goethe — denn man bezeichnet gewöhnlich dasjenige, was an Rückenmark und Gangliensystem gebunden ist, als die niedere Natur — nun besonders stark hervortreten. Vom Haupte ziehen sich die Kräfte zurück; das Gangliensystem und das Rückenmarkssystem nehmen sie mehr in Anspruch.

[ 8 ] But what actually happens as a result? What does it mean to say that a more intimate relationship develops with the ganglion system, with the spinal cord system? For this brings a person into a completely different relationship with the outside world. We are, after all, always in an intimate relationship with the entire external world; we simply do not pay attention to just how intimate our relationship with the external world actually is. But I have often drawn your attention to this: The air that you hold within you at one moment is outside the next, and different air is inside; what is now outside takes on the form of the body in the next moment and unites with your body. It is only seemingly that the human organism is separate from the outside world; it is a part of this outside world; it belongs to this entire outside world. So when a change in the relationship to the outside world occurs, such as the one described, it has a powerful effect on human life. Now one might say: As a result, the lower nature of a person like Goethe—for what is connected to the spinal cord and the ganglionic system is usually referred to as the lower nature—should actually come to the fore particularly strongly. The forces withdraw from the head; the ganglionic system and the spinal cord system draw more upon them.

[ 9 ] Verständnis für das, was da eigentlich geschieht, gewinnt man erst, wenn man sich durchdringt mit der Erkenntnis, daß, was wir Verstand, Vernunft nennen, nicht eigentlich so eng gebunden ist an unsere Individualität, wie man das gewöhnlich annimmt. Gerade über diese Dinge hat unsere Gegenwart nach allen ihren Grundvorstellungen selbstverständlich, könnte man sagen, die allerverkehrtesten Begriffe. Über diese Dinge kommt unsere Gegenwart am allerwenigsten zurecht. Das hat sich insbesondere gezeigt an der, man möchte sagen, «dalketen» Art — ich weiß nicht, ob der Ausdruck allgemein verstanden wird, er bezeichnet eine gewisse Art, sich zu den Dingen zu stellen, die Stumpfsinnigkeit mit Blödigkeit verbindet —, wie sich unsere Zeit bis in die gelehrtesten Kreise hinein verhalten hat zu dem, was da zum Vorscheir kommen sollte durch gewisse Erfahrungen, die man machte mit «gelehrten Tieren»: Hunden, Affen, Pferden und so weiter, Sie wissen ja, daß plötzlich durch die Welt gegangen ist die Kunde von den gelehrten Pferden, die rechnen können, die alle möglichen anderen Dinge noch können, von einem sehr gelehrten Hunde, der Aufsehen gemacht hat in Mannheim, von einem gelehrten Affen in einem Frankfurter Tiergarten, dem man das Rechnen neben anderen Dingen beigebracht hat, die man in Einzelheiten nicht gern in guter Gesellschaft schildert, die man nur andeuten kann. Der Frankfurter Schimpanse nämlich hat, im Gegensatz zu den anderen Mitgliedern des Affengeschlechts, sich mit Bezug auf gewisse Bedürfnisse dazu abrichten lassen, sich in der Weise zu benehmen, wie sich sonst nicht Affen, sondern wie sich Menschen benehmen; weiter will ich dieses Thema nicht ausführen. Aber das alles hat nicht nur Laienkreise, sondern auch Gelehrtenkreise in großes Erstaunen versetzt. Nicht nur Laien, sondern auch Gelehrte fielen in eine Art von Verzückung, als insbesondere der Mannheimer Hund einen Brief schrieb, nachdem ihm ein teurer Angehöriger gestorben war: wie dieser teure Angehörige, der Sprößling des Hundes, nun bei der Urseele sein werde, wie er es dort haben werde und so weiter. Es war ein sehr intelligenter Brief, den jener Hund schrieb. Nun, nicht wahr, auf die besonders komplizierten Intelligenzäußerungen braucht man dabei nicht einzugehen, aber immerhin: Rechnungsleistungen haben alle diese verschiedenen Tiere zustande gebracht. Man hat sich dann viel abgegeben mit der Untersuchung desjenigen, was solche Tiere leisten können. Beim Frankfurter Affen ist etwas ganz Besonderes herausgekommen. Man hat sich nämlich überzeugen können, daß er, wenn man ihm eine Rechnung vorlegte, die er zu einer bestimmten Zahl als Resultat führen sollte, diese Zahl in einer Reihe von Zahlen nebeneinander zeigte; auf die richtige Zahl zeigte er hin, und die Summe ergab sich zum Beispiel aus einzelnen Additionen. Da kam man darauf, daß dieser gelehrte Affe sich einfach angewöhnt hatte, genau sich zu richten nach der Blickrichtung seines Dresseurs. Einige, die früher erstaunt waren, sagten schon: Keine Spur von einem Geist, alles ist Dressur. — Es ist eigentlich nichts anderes als ein etwas kompliziertes Verfahren, wie wenn der Hund apportiert, wenn man ihm einen Stein hinwirft und er holt ihn; so holte der Affe aus einer Reihe von Zahlen diejenige heraus, auf die jetzt nicht die Wurfrichtung fiel, sondern einfach der Blick seines Erziehers.

[ 9 ] One only gains an understanding of what is actually happening there when one comes to realize that what we call intellect and reason is not, in fact, as closely bound to our individuality as is commonly assumed. It is precisely regarding these matters that our present age, in accordance with all its fundamental assumptions—one might say as a matter of course—holds the most completely inverted notions. It is these matters that our present age struggles with the most. This has been particularly evident in what one might call the “dalketed” —I don’t know if the term is widely understood; it refers to a certain way of approaching things that combines dullness with stupidity—in the way our era, even in the most learned circles, has behaved toward what was to come to light through certain experiments conducted with “trained animals”: dogs, monkeys, horses, and so on, As you know, news suddenly spread around the world about trained horses that can do arithmetic and all sorts of other things, about a highly trained dog that caused a sensation in Mannheim, and about a trained monkey at a Frankfurt zoo that was taught arithmetic along with other things—details of which one does not like to describe in polite company, but can only hint at. The Frankfurt chimpanzee, in contrast to other members of the ape family, has—in response to certain needs—allowed itself to be trained to behave not as apes normally do, but as humans do; I do not wish to elaborate further on this topic. But all of this has astonished not only the general public but also scholarly circles. Not only laypeople but also scholars were overcome with a kind of rapture, especially when the Mannheim dog wrote a letter after the death of a beloved family member: how this beloved family member, the dog’s offspring, would now be with the primordial soul, how he would fare there, and so on. It was a very intelligent letter that the dog wrote. Well, of course, there’s no need to go into the particularly complex displays of intelligence here, but still: all these different animals were capable of performing arithmetic. A great deal of effort was then devoted to investigating what such animals are capable of. Something quite special came to light regarding the Frankfurt monkey. It was found, in fact, that when presented with a calculation that was supposed to yield a specific number as the result, he would point to that number in a row of numbers placed side by side; he would point to the correct number, and the sum would result, for example, from individual additions. It was then realized that this learned monkey had simply gotten into the habit of orienting himself precisely according to the direction of his trainer’s gaze. Some who had previously been amazed were already saying: “Not a trace of a mind—it’s all training.” — It is actually nothing more than a somewhat complicated procedure, like when a dog retrieves an object: if you throw a stone at it, it fetches it; in the same way, the monkey picked out from a row of numbers the one that was not where the throw was directed, but simply where his trainer’s gaze fell.

[ 10 ] Es werden gewiß bei genauerer Untersuchung ähnliche Resultate auch bei den übrigen Tieren erzielt werden. Erstaunt muß man eigentlich nur immer über das eine sein: daß die Menschen gar so frappiert sind, wenn solche Tiere einmal etwas scheinbar Menschenähnliches leisten. Denn wie viel mehr Geist, wie viel mehr Verstand — wenn man den Verstand objektiv nimmt — gehört selbstverständlich zu all dem dazu, was einem gut bekannt ist in dem Tierreiche, was aus dem sogenannten Instinkte heraus geleistet wird! Denn da wird in der Tat ungeheuer Bedeutungsvolles geleistet, und da liegen tief bedeutsame Zusammenhänge darinnen, die einen bewundern lassen die Weisheit, die da waltet überall, wo Erscheinungen zutage treten. Wir haben Weisheit nicht nur in unserem Kopf; Weisheit ist es, die uns wie das Licht überall umgibt, die überall wirkt und die auch durch die Tiere hindurch wirkt. Über solche extraordinäre Erscheinungen sind diejenigen bloß erstaunt, die überhaupt sich nicht ernsthaft mit wissenschaftlichen Entwickelungen befaßt haben. Ich möchte all denen, die heute so gelehrte Abhandlungen schreiben über den Mannheimer Hund und ähnliche Hunde, über die Pferde, über den Frankfurter Affen und so weiter, ich möchte denen — neben anderem kann man das, das ist nicht vereinzelt — nur eine Stelle aus dem schon 1866 erschienenen Buche «Vergleichende Psychologie» von Carus vorlesen; da die anderen mir nicht zuhören, so werde ich diese Stelle zunächst Ihnen vorlesen. Da heißt es bei Carus Seite 231: «Wenn also zum Beispiel der Hund lange von seinem Herrn mit Schonung und Neigung behandelt wird, so prägen sich die menschlichen Züge dem Tiere, obwohl es keinen Sinn hat für den Begriff der Güte an sich, doch gegenständlich ein, amalgamieren sich mit dem Sinnenbilde dieses Menschen, den der Hund oft erblickt, und lassen ihn diese Persönlichkeit, sogar ohne den Sinn des Gesichts, zum Beispiel bloß durch den Geruch oder durch das Gehör, als der kennen, von dem ihm Gutes einst zukam. Wird daher jetzt etwa diesem Menschen ein Leid zugefügt, ja ihm dadurch vielleicht sogar die Möglichkeit genommen, fernere Wohltaten den Hunde zuzuteilen, so empfindet das Tier dies wie ein ihm selbst zugefügtes Übel, und wird dadurch zu Zorn und Rache bewegt; alles dies somit ohne irgend ein abstraktes Denken, sondern immer nur, indem Sinnenbild an Sinnenbild sich anreiht.»

[ 10 ] Upon closer examination, similar results will certainly be obtained with other animals as well. One really need only ever be amazed by one thing: that people are so astonished when such animals occasionally accomplish something that appears human-like. For how much more spirit, how much more intellect—if one considers intellect objectively—is naturally inherent in all that is well known in the animal kingdom, in what is accomplished through so-called instinct! For there, in fact, something immensely significant is accomplished, and there lie deeply meaningful connections within it that lead one to admire the wisdom that reigns wherever phenomena come to light. We do not possess wisdom solely within our heads; wisdom is what surrounds us everywhere like light, what is at work everywhere, and what also works through the animals. Only those who have not seriously engaged with scientific developments at all are merely astonished by such extraordinary phenomena. To all those who today write such scholarly treatises on the Mannheim dog and similar dogs, on horses, on the Frankfurt monkey, and so on—to them I would like—among other things, for this is not an isolated case—to read just one passage from Carus’s book Comparative Psychology, published as early as 1866; since the others aren’t listening to me, I will first read this passage to you. Carus writes on page 231: “If, for example, a dog is treated by its master with kindness and affection for a long time, human traits become imprinted on the animal, even though it has no sense of the concept of kindness in itself, they become concretely imprinted, amalgamate with the mental image of this person whom the dog often sees, and enable the dog to recognize this personality—even without the sense of sight, for example, merely through smell or hearing—as the one from whom it once received kindness. If, therefore, harm is now inflicted upon this person—perhaps even depriving him of the opportunity to bestow further kindness upon the dog—the animal perceives this as an evil inflicted upon itself and is thereby moved to anger and revenge; all of this, then, without any abstract thought, but always and only through one sensory image following another.”

[ 11 ] Das ist gewiß wahr, daß Sinnenbild an Sinnenbild sich beim Hunde anreiht; aber in der ganzen Begebenheit waltet Verstand und Weisheit.

[ 11 ] It is certainly true that one sensory image follows another in the dog; but reason and wisdom prevail throughout the entire event.

[ 12 ] «Merkwürdig bleibt es indes, wie sehr ein solches eigentümliches Verweben, Trennen und Wiederverbinden von Vorstellungen des innern Sinnes, doch dem wirklichen Denken nahe kommen und ihm in seinen Folgen gleichen kann! — So sah ich einst einen wohlabgerichteten weißen Pudel» — das war nicht der Mannheimer Hund, denn das ist 1866 geschrieben — «welcher zum Beispiel die Buchstaben ihm vorgesagter Worte richtig auswählte und zusammenlegte, welcher einfache Rechenexempel durch Zusammentragen einzelner, gleich den Buchstaben, auf besondre Blätter geschriebenen Zahlen zu lösen schien, welcher auszuzählen schien, wie viel Damen sich unter der anwesenden Gesellschaft befanden, und dergleichen mehr. — Natürlich wäre alles dies, sobald es sich um ein wirkliches Verstehen der Zahl — als mathematischen Begriff — gehandelt hätte, ohne ein eigentliches Nachdenken nicht möglich gewesen; es fand sich aber endlich, daß der Hund nur abgerichtet war, auf ein sehr leises Zeichen seines Herrn, das Blatt mit dem bestimmten Buchstaben, oder mit der passenden Zahl, aus der aufgelegten Reihe, an welcher er auf- und niederging, aufzunehmen, und auf den Wink eines andern eben so leisen Tons (etwa ein Knipsen mit dem Daumennagel und dem Nagel des vierten Fingers) das Blatt in einer andern Reihe wieder niederzulegen und dadurch solch scheinbares Wunder zu vollbringen.»

[ 12 ] “It remains strange, however, just how much such a peculiar interweaving, separation, and reconnection of inner mental images can nevertheless come close to real thinking and resemble it in its consequences! — “I once saw a well-trained white poodle”—that was not the Mannheim dog, for this was written in 1866— “which, for example, correctly selected and arranged the letters of words dictated to it, which seemed to solve simple arithmetic problems by gathering individual numbers—written on separate sheets, just like the letters—which seemed to count how many ladies were present in the company, and the like. — Of course, if this had involved a genuine understanding of numbers—as a mathematical concept—none of this would have been possible without actual thought; but it ultimately turned out that the dog had merely been trained to pick up, at a very faint signal from his master, the sheet bearing the specified letter or the corresponding number from the row laid out before him, along which he paced back and forth, and, at the signal of another equally faint sound (such as a snap of the thumbnail and the nail of the ring finger), to place the card back down in a different row, thereby performing such an apparent miracle.”

[ 13 ] Sie sehen, nicht bloß die Erscheinung ist längst bekannt, sondern auch die Lösung, die heute erst wiederum mit vieler Mühe die Gelehrten feststellen, weil die Leute sich nicht kümmern um dasjenige, was geleistet worden ist in der wissenschaftlichen Entwickelung. Nur deshalb kommen solche Dinge zustande, die nicht von unserer vorgerückten Wissenschaft, sondern von unserer vorgerückten Ignoranz zeugen! Aber auf der anderen Seite hat man mit Recht etwas eingewendet. Wenn es sich nun wiederum bloß um solche Erklärungen handeln würde, wie sie heute vorgebracht werden, so kann man nicht minder solche Erklärungen naiv finden; denn Hermann Bahr hat mit Recht gesagt: Nun, da ist also der Herr Pfungst gekommen und hat gezeigt, wie die Pferde auf ganz leise Deutungen reagieren, die die Menschen, die da dressieren, nicht wahrnehmen, sondern unbewußt machen, die er selber erst wahrzunehmen in der Lage war, nachdem er sich lange in seinem physiologischen Laboratorium Apparate konstruiert hat, um diese winzigen Mienen wahrzunehmen. — Hermann Bahr hat mit Recht eingewendet, daß es doch eine eigentümliche Auslegung ist, daß nun die Pferde so gescheit sein sollen, solche Mienen zu beobachten, während ein Privatdozent erst lange Jahre — ich glaube, zehn oder noch mehr Jahre hat er dazu gebraucht — sich Apparate konstruieren muß, um sie wahrzunehmen! Es ist in allen solchen Dingen selbstverständlich ein Stückchen Richtigkeit; aber man muß die Dinge nur recht anschauen. Und recht angeschaut zeigt sich eben, daß die Dinge nur erklärlich sind, wenn man geradeso wie zu den Instinkthandlungen objektive Weisheit, objektive Vernunft in die Dinge hinein versetzt sich denkt, wenn man das Tier eingeschaltet denkt in ein ganzes System durch die Welt gehender objektiver Weisheitszusammenhänge; wenn man sich mit anderen Worten nicht darauf beschränkt, zu denken, daß Weisheit durch den Menschen bloß in die Welt gekommen ist, sondern erkennt, daß Weisheit durch die ganze Welt waltet und der Mensch nur dazu berufen ist, durch seine besondere Organisation mehr als die anderen Wesen von dieser Weisheit wahrzunehmen. Dadurch unterscheidet sich der Mensch von den übrigen Wesen, daß er durch seine Organisation mehr von der Weisheit wahrnehmen kann als die anderen Wesen. Verrichten aber können die anderen Wesen durch die ihnen eingepflanzte Weisheit ebenso Weisheitsvolles wie der Mensch, nur von anderer Art Weisheitsvolles. Und die außerordentlichen Erscheinungen des Weisheitswirkens sind eigentlich für denjenigen, der Ernst macht mit der Weltbetrachtung, die viel weniger wichtigen als diejenigen, die immer vor unseren Augen ausgebreitet sind. Die sind die viel wichtigeren. Wenn Sie dies in Erwägung ziehen, so werden Sie das Folgende nicht mehr unverständlich finden.

[ 13 ] As you can see, not only has the phenomenon been known for a long time, but so has the solution—which scholars are only now rediscovering with great effort, because people pay no attention to what has been achieved in scientific development. That is the sole reason why such things come about—things that bear witness not to our advanced science, but to our advanced ignorance! But on the other hand, a valid objection has been raised. If, once again, we were dealing solely with explanations such as those put forward today, one might just as easily find such explanations naive; for Hermann Bahr rightly said: Well, so Mr. Pfungst has come along and shown how horses react to very subtle cues that the trainers do not perceive but rather act upon unconsciously—cues that he himself was only able to perceive after spending a long time in his physiological laboratory constructing apparatus to detect these minute expressions. — Hermann Bahr rightly objected that it is, after all, a peculiar interpretation to suggest that horses are supposedly so clever as to observe such expressions, while a private lecturer first had to spend many years—I believe it took him ten or even more years—constructing devices to perceive them! There is, of course, a grain of truth in all such matters; but one must simply look at things properly. And when viewed properly, it becomes clear that these things can only be explained if, just as with instinctive actions, one imagines objective wisdom and objective reason embedded within them—if one conceives of the animal as part of a whole system of objective connections of wisdom that pervade the world; in other words, if one does not limit oneself to thinking that wisdom came into the world solely through human beings, but recognizes that wisdom reigns throughout the entire world and that human beings are merely called upon, through their special organization, to perceive more of this wisdom than other beings. This is what distinguishes human beings from other beings: that, through their organization, they can perceive more of this wisdom than other beings. Yet the other beings, through the wisdom implanted within them, can accomplish deeds just as wise as those of human beings—only of a different kind. And the extraordinary manifestations of wisdom’s workings are, in fact, far less important to those who take their contemplation of the world seriously than those that are constantly spread out before our eyes. Those are the far more important ones. If you take this into consideration, you will no longer find what follows incomprehensible.

[ 14 ] Das Tier ist so in die Weltenweisheit eingespannt, daß es recht innig mit dieser Weltenweisheit verknüpft ist, viel stärker als der Mensch. Es ist dem Tier gewissermaßen eine viel gebundenere Marschroute mitgegeben als dem Menschen. Der Mensch ist viel freier gelassen als das Tier; dadurch ist es ihm auch möglich, Kräfte zu ersparen für das Erkennen der Zusammenhänge. Die Hauptsache ist diese, daß beim Tiere, namentlich also bei den höheren Tieren, der physische Leib in dieselben Weltenzusammenhänge eingespannt ist, in die beim Menschen erst der ätherische Leib eingespannt ist. Daher weiß der Mensch mehr von den Weltenzusammenhängen, aber das Tier steckt viel inniger, viel näher darinnen, ist viel mehr eingeschaltet in diese Weltenzusammenhänge. Wenn Sie also objektiv waltende Vernunft in Erwägung ziehen und sich sagen: Um uns herum ist nicht nur Luft und Licht, um uns herum ist auch waltende Vernunft überall; wenn wir gehen, gehen wir nicht nur durch den Lichtraum, sondern auch durch den Weisheitsraum, durch den waltenden Vernunftraum, — dann werden Sie ermessen, was es bedeutet, wenn der Mensch in bezug auf die feineren Verhältnisse seiner Organe in die Welt in anderer Weise eingespannt wird, als er gewöhnlich eingespannt ist. Nun ist der Mensch im normalen Leben in einer Weise in die geistigen Weltenverhältnisse eingespannt, daß stark beeinträchtigt ist der Zusammenhang zwischen dem Ich und dem Gangliensystem und dem astralischen Leib und dem Rückenmarkssystem für das tagwache Leben; dadurch, daß das stark beeinträchtigt ist, herabgedämpft ist, dadurch ist der Mensch im gewöhnlichen, normalen Leben wenig aufmerksam auf das, was sich um ihn herum abspielt und was er nur wahrnehmen könnte, wenn er wirklich mit seinem Gangliensystem ebenso wahrnehmen würde, wie er sonst durch seinen Kopf wahrnimmt.

[ 14 ] Animals are so deeply embedded in the wisdom of the world that they are intimately connected to it, much more so than humans. In a sense, animals are given a much more fixed course to follow than humans. Human beings are left much freer than animals; this also enables them to conserve energy for recognizing these interconnections. The main point is this: in animals—and particularly in higher animals—the physical body is integrated into the same cosmic interconnections into which, in human beings, only the etheric body is integrated. Therefore, humans know more about these cosmic interrelationships, but animals are much more intimately and closely embedded within them, much more deeply integrated into these cosmic interrelationships. So when you consider objectively governing reason and say to yourself: “All around us there is not only air and light; all around us there is also governing reason everywhere. When we walk, we walk not only through the space of light, but also through the space of wisdom, through the space of governing reason”—then you will grasp what it means when, in regard to the finer relationships of his organs, a human being is integrated into the world in a different way than he usually is. Now, in normal life, a human being is integrated into the spiritual world in such a way that the connection between the “I,” the ganglion system, the astral body, and the spinal cord system is severely impaired for waking life; because this connection is severely impaired and dampened, a person in ordinary, normal life pays little attention to what is happening around them—things they could only perceive if they were truly perceiving with their ganglion system in the same way they otherwise perceive through their head.

[ 15 ] Wenn aber nun in einem solch ausgezeichneten Falle, wie das bei Goethe der Fall ist, der astralische Leib, weil der Ätherleib aus dem Kopf herausgezogen ist, in ein regeres Verhältnis gebracht worden ist zum Rückenmarkssystem und das Ich zum Gangliensystem, so tritt auch ein viel regerer Verkehr ein mit dem, was uns immer umgibt und umspielt und was uns allein dadurch verhüllt ist, daß wir nur zu nachtschlafender Zeit im normalen Menschenleben mit unserer geistigen Umwelt in Beziehung treten. Dadurch aber kommen Sie darauf, zu verstehen, wie so etwas, wie Goethe es beschrieben hat, für ihn einfach wahrzunehmen war, wirkliche Wahrnehmung war, eine Wahrnehmung, die natürlich nicht so brutal hell sein konnte, wie die Wahrnehmungen sind, die wir durch unsere Sinne von der Außenwelt beziehen, aber die doch heller war als die Wahrnehmungen, die sonst ein Mensch von seiner Umgebung hat, insofern diese Umgebung geistig ist.

[ 15 ] But when, in such an exceptional case as that of Goethe, the astral body—because the etheric body has been drawn out of the head—has been brought into a more active relationship with the spinal cord system, and the “I” with the ganglion system, then a much more active interaction also arises with that which always surrounds and envelops us—and which is veiled from us solely because, in normal human life, we only enter into a relationship with our spiritual environment during the hours of night sleep. This, however, leads you to understand how something like what Goethe described was simply a matter of perception for him—a real perception, one that naturally could not be as brutally bright as the perceptions we derive from the external world through our senses, but which was nevertheless brighter than the perceptions a person otherwise has of their surroundings, insofar as these surroundings are spiritual.

[ 16 ] Nun, was nahm denn Goethe auf diese Art besonders rege wahr? Machen wir uns einmal klar, was Goethe besonders rege wahrnahm, an einem besonderen Falle. Goethe war durch sein besonderes Karma dazu verurteilt, ins Gelehrtenleben, ins Erkenntnisleben hineinzuwachsen — durch Komplikationen des Karmas, wie ich Ihnen angedeutet habe — wiederum nicht so wie ein Dutzendgelehrter. Was erlebt er auf diese Weise? Nun, sehen Sie, seit langen Jahrhunderten erlebt ein Mensch, der ins Gelehrtenleben hineinwächst, einen bedeutsamen Zwiespalt. Dieser Zwiespalt ist heute sogar mehr verborgen als zu Goethes Zeiten. Aber es erlebt jeder einen gewissen Zwiespalt dadurch, daß man in dem, was niedergelegte Wissenschaft ist, ein ungeheuer breites Feld hat, in dem das zu finden ist, was mehr oder weniger vom vierten nachatlantischen Zeitraum aufbewahrt worden ist. Es wird aufbewahrt in den Terminologien, in den Wortsystemen, die man genötigt ist aufzunehmen. Man kramt viel mehr, als man meint, in Worten. Gemildert wurde es dadurch, daß im 19. Jahrhundert allmählich viel experimentiert worden ist und daß man dadurch so hineinwächst in das Wissen, daß man mehr gesehen hat, als früher gesehen worden ist, und daß wenigstens schon bis zu einem gewissen Grade solche Wissenschaften, wie die Jurisprudenz, von ihrem ganz besonders hohen Sitz heruntergesunken sind, auf dem sie vorher saßen. Aber als noch Jurisprudenz und Theologie die ganz besonders hohen Sitze einnahmen, da war wirklich ein umspannendes Wortsystem dasjenige, in das man sich zunächst einlebte, und so war vieles von dem, was man aufnehmen mußte als eine Erbschaft des vierten nachatlantischen Zeitraums. Daneben machte sich geltend immer mehr und mehr, was aus den Bedürfnissen des fünften nachatlantischen Zeitraums herkommt, das unmittelbare Leben, das aus den großen Errungenschaften der neueren Zeit stammt.

[ 16 ] Well, what did Goethe perceive with particular intensity in this way? Let’s examine what Goethe perceived with particular intensity, using a specific example. Goethe was, by virtue of his particular karma, destined to grow into the life of a scholar, into the life of knowledge—through complications of karma, as I have hinted to you—yet not in the same way as a run-of-the-mill scholar. What does he experience in this way? Well, you see, for many centuries, a person who grows into the life of a scholar has experienced a significant inner conflict. This conflict is even more hidden today than it was in Goethe’s time. But everyone experiences a certain conflict because, within established science, there is an immensely broad field in which one can find what has been preserved, more or less, from the fourth post-Atlantean epoch. It is preserved in the terminology, in the systems of words that one is compelled to adopt. We delve much deeper into words than we realize. This was mitigated by the fact that, in the 19th century, a great deal of experimentation gradually took place, and that through this we grew so deeply into knowledge that we saw more than had been seen before, and that, at least to a certain extent, sciences such as jurisprudence have come down from the particularly lofty pedestal on which they previously sat. But when jurisprudence and theology still occupied those particularly lofty positions, the system of words into which one first became immersed was truly all-encompassing, and so much of what one had to assimilate was a legacy of the fourth post-Atlantean epoch. Alongside this, what stems from the needs of the fifth post-Atlantean epoch—the immediate life arising from the great achievements of modern times—has become increasingly prominent.

[ 17 ] Das empfindet derjenige nicht, der so einfach geschoben wird von Klasse zu Klasse, aber ein Mensch wie Goethe, der empfand das im allerhöchsten Maße. Ich sage: Es empfindet der Mensch es nicht, der so geschoben wird von Klasse zu Klasse, aber er macht es nicht minder durch. Er macht es wirklich durch. Und da streifen wir schon ein gewisses Geheimnis des modernen Lebens. Studenten, die durch das Studium gehen, wir können sie überblicken nach dem, was sie durchmachen und was sie selbst davon wissen; aber was sie so durchmachen, ist nicht alles. Ihr Inneres ist etwas ganz anderes. Und würden diese Menschen, die diese ineinandergewobenen Schichten — vierter und fünfter nachatlantischer Zeitraum — durchmachen, wissen, was ein gewisses Glied ihres Wesens, ohne daß sie es wissen, mit ihnen durchmacht, dann würden sie noch ein ganz anderes Verständnis für dasjenige haben, was Goethe jugendlich schon in seinen «Faust» hineingeheimnißt hat, denn unbewußt machen das Unzählige mit, die sich hineinleben in den heutigen Bildungsweg. So daß man sagen muß: Durch alles das, was Goethe sich heranerzogen hat vermöge seines besonderen Karmas, waren ihm die Menschen, denen er nahetrat während seines noch jugendlichen Lebens, etwas ganz anderes, als sie ihm geworden wären, wenn er nicht dieses besondere Karma gehabt hätte. Denn er fühlte und empfand, wie eigentlich die Menschen, mit denen zusammen er da aufwuchs, betäubt werden mußten, um das Faustische Leben in sich eben betäubt zu haben, nicht in Wirklichkeit zu haben. Das konnte er dadurch empfinden, weil dasjenige, was auf geheimnisvolle Weise in seinen Mitmenschen lebte, auf ihn einen solchen Eindruck machte, wie sonst nur der Eindruck gemacht wird von einem Menschen auf den anderen Menschen, wenn besonders intime Verhältnisse auftreten, ich will sagen, wenn sich Liebe entwickelt zwischen dem einen und dem anderen Menschen. Wenn sich Liebe entwickelt zwischen dem einen und dem anderen Menschen, ist ja im gewöhnlichen Leben tätig im hohen Grade unbewußt auch der Zusammenhang des Ich mit dem Gangliensystem und des Astralleibs mit dem Rückenmarkssystem. Da kommt etwas ganz Besonderes in Wirksamkeit. Aber dasjenige, was sonst nur in diesem Liebeverhältnis tätig ist, das trat für Goethe auf in einem weiteren Kreise, indem er das ungeheure, mehr oder weniger unterbewußte Mitgefühl hatte mit den armen Kerlen — verzeihen Sie den Ausdruck —, die nicht wußten, was ihr Inneres durchmacht, während sie äußerlich gedrängt wurden von Klasse zu Klasse, von Prüfung zu Prüfung. Das fühlte er, das gab ihm eine reiche Erfahrung,

[ 17 ] Someone who is simply shuffled from class to class doesn’t feel this, but a person like Goethe felt it to the very highest degree. I say: A person who is simply shuffled from class to class does not feel it, but that does not mean they do not go through it. They truly go through it. And here we are already touching upon a certain mystery of modern life. Students going through their studies—we can assess them based on what they go through and what they themselves know about it; but what they go through is not the whole story. Their inner world is something entirely different. And if these people, who are passing through these interwoven layers—the fourth and fifth post-Atlantean epochs—were to know what a certain aspect of their being, without their realizing it, is going through with them, then they would have an entirely different understanding of what Goethe, even in his youth, had already enshrined in his Faust, for unconsciously, countless people are experiencing this as they immerse themselves in today’s educational path. So one must say: Through everything Goethe cultivated within himself by virtue of his special karma, the people he came into close contact with during his youth were something entirely different to him than they would have been had he not possessed this special karma. For he sensed and felt how the people with whom he grew up must actually have been numbed in order to have numbed the Faustian life within themselves—rather than truly possessing it. He was able to sense this because what lived in a mysterious way within his fellow human beings made such an impression on him as is otherwise only made by one person on another when particularly intimate relationships arise—that is to say, when love develops between one person and another. When love develops between one person and another, the connection between the ego and the ganglion system, and between the astral body and the spinal cord system, is also at work to a high degree unconsciously in ordinary life. Something quite special comes into play there. But what is otherwise active only within this loving relationship manifested for Goethe in a broader context, in that he felt an immense, more or less subconscious compassion for the poor fellows—forgive the expression—who did not know what their inner selves were going through, while outwardly they were driven from class to class, from exam to exam. He felt this; it gave him a rich experience,

[ 18 ] Erfahrungen, sie werden zu Vorstellungen. Gewöhnliche Erfahrungen werden zu den Vorstellungen des alltäglichen Lebens; diese Erfahrungen wurden zu den Vorstellungen, die Goethe in seinem «Faust» herausbrauste. Es sind nichts anderes als Erfahrungen, Erfahrungen, die er im weitesten Umkreise machte dadurch, daß gewissermaßen sein Ganglien- und Rückenmarksleben aufgerufen wurde zu einer größeren Wachheit als sonst. Und das war der andere Pol zu dem Herabgedämmertwerden des Kopflebens. Das war aber bei ihm schon veranlagt von der Knabenzeit an. Man kann es sehen aus der Beschreibung, die er gibt da, wo er schildert, wie nicht nur, was sonst die Menschen in Anspruch nimmt, in Tätigkeit kam — sagen wir beim Klavierunterricht —, sondern der ganze Mensch. Goethe schaltete sich eben viel mehr als ganzer Mensch in das Treiben der Wirklichkeit ein als ein anderer. So daß man sagen muß: Goethe wachte mehr am Tage als andere Menschen. Er wachte mehr am Tage in der Zeit, in der er jugendlich am «Faust» arbeitete. Daher brauchte er auch das, was ich Ihnen gestern als die Schlafenszeit der zehn Jahre Weimar charakterisiert habe. Das war notwendig: wiederum ein Abdämpfen.

[ 18 ] Experiences become ideas. Ordinary experiences become the ideas of everyday life; these experiences became the ideas that Goethe poured out in his Faust. They are nothing other than experiences—experiences he had in the broadest sense, brought about by the fact that, so to speak, his ganglionic and spinal cord life was called upon to a greater state of alertness than usual. And that was the opposite pole to the dimming of his mental life. But this predisposition had been present in him since boyhood. One can see this from the description he gives when he recounts how not only what usually occupies people came into play—say, during piano lessons—but the whole person. Goethe simply engaged with the goings-on of reality as a whole person to a much greater extent than anyone else. So that one must say: Goethe was more awake during the day than other people. He was more awake during the day in the period when he was working on Faust as a young man. That is why he also needed what I described to you yesterday as the “sleep period” of his ten years in Weimar. That was necessary: yet another period of winding down.

[ 19 ] Nun ist das ja nur in einer etwas regeren Art dasselbe, möchte ich sagen, was aber bei allen Menschen mehr oder weniger, in höherem oder niedererem Grade während des Lebens vorkommt. Goethe wurde einfach in einer etwas bewußteren Art als andere Menschen hineingezogen in das umliegende weisheitsvolle Wirken, in das rein geistige Wirken. Er nahm wahr, was da geheimnisvoll in den Menschen lebte und webte. Aber man steht immer drinnen in dem, was da lebt und webt. Was ist denn das aber eigentlich? Wenn wir im gewöhnlichen brutalen Wachleben in die Welt versetzt sind, dann sind wir mit unserem Ich in diese Welt versetzt, hängen mit ihr durch die Sinne und durch unsere gewöhnlichen Vorstellungen zusammen. Aber wir hängen ja, wie Sie sehen, jetzt viel mehr mit dieser Welt zusammen. Unser Ich ist Ja in einer besonders intimen Beziehung zu unserem Gangliensystem, der Astralleib zum Rückenmarkssystem. Durch diese Beziehung haben wir wirklich ein viel umfassenderes Verhältnis zu unserer Umwelt als durch unser Sinnensystem, als durch unseren Kopf. Nun bedenken Sie, daß der Mensch den rhythmischen Wechsel braucht, der darinnen besteht, daß sein Ich und sein astralischer Leib im Haupte sind während des Tagwachens, außer dem Haupte sind während des Schlafens, und daß sie dadurch, daß sie außer dem Haupte sind während des Schlafens, gerade ein inneres reges Leben mit dem anderen System zusammen entwickeln, wie ich es Ihnen angedeutet habe. Ich und Astralleib brauchen also diese Abwechselung, unterzutauchen in das Haupt, herauszugehen aus dem Haupt. Wenn der Mensch mit seinem Ich und seinem Astralleib außerhalb des Hauptes ist, entwickelt er nicht nur die innigen Beziehungen zu dem übrigen Organismus durch das Gangliensystem und durch das Rückenmarkssystem, sondern er entwickelt auch nach der anderen Seite geistige Beziehungen zu der geistigen Welt. Die entwickelt er auch. So daß wir sagen können: Es entspricht dem besonders regen Zusammenleben mit Rückenmarkssystem und Gangliensystem zugleich ein reges seelisch-geistiges Zusammenleben mit der geistigen Welt. — Wenn wir also für die Nacht annehmen müssen, daß das Seelisch-Geistige außerhalb des Kopfes ist und sich dadurch besonders dieses rege Leben entwickelt für den übrigen Organismus, dann muß ich sagen: Für das Tagleben, wo also Ich und Astralleib mehr im Haupte sind, haben wir dafür wiederum ein geistiges Zusammenleben mit unserer geistigen Umwelt. Wir versenken uns gewissermaßen in eine geistige Innenwelt im Schlafe, aber in eine geistige Umwelt mit dem Aufwachen.

[ 19 ] Now, I would say that this is really just the same thing, albeit in a somewhat more active form—something that occurs in all people to a greater or lesser extent throughout their lives. Goethe was simply drawn, in a somewhat more conscious way than other people, into the surrounding, wisdom-filled activity—into the purely spiritual activity. He perceived what lived and wove mysteriously within human beings. But we are always immersed in what lives and weaves there. What, though, is that actually? When we are cast into the world in our ordinary, brutal waking life, we are cast into this world with our “I”; we are connected to it through the senses and through our ordinary conceptions. But as you can see, we are now connected to this world in a much deeper way. Our “I” is, in fact, in a particularly intimate relationship with our ganglion system, and the astral body with the spinal cord system. Through this relationship, we truly have a much more comprehensive connection to our environment than through our sensory system, than through our head. Now consider that human beings need the rhythmic alternation that consists in their ego and astral body being within the head during waking hours and outside the head during sleep; and that, precisely because they are outside the head during sleep, they develop an active inner life in conjunction with the other system, as I have indicated to you. The “I” and the astral body therefore need this alternation: to withdraw into the head and to emerge from the head. When a human being is outside the head with their “I” and astral body, they not only develop intimate relationships with the rest of the organism through the ganglion system and the spinal cord system, but they also develop spiritual relationships with the spiritual world on the other side. They develop these as well. So that we can say: The particularly active interaction with both the spinal cord system and the ganglion system corresponds to an active soul-spiritual interaction with the spiritual world. — So if we must assume for the night that the soul-spiritual is outside the head and that this particularly active life thereby develops for the rest of the organism, then I must say: For daytime life, when the “I” and the astral body are more centered in the head, we in turn have a spiritual interaction with our spiritual environment. We immerse ourselves, as it were, in a spiritual inner world during sleep, but in a spiritual environment upon waking.

[ 20 ] Dieses Zusammensein mit der geistigen Umwelt ist nur bei einem solchen Menschen wie Goethe. reger; er träumt gleichsam, wie der Mensch ja auch im Schlafe träumt und nicht nur immer dumpf schläft. So träumt der Mensch sehr selten während des Wachlebens bewußt; aber solche Leute wie Goethe kommen während des Wachlebens ins Träumen hinein. Dadurch wird bei ihnen gewissermaßen Lebenstraumgebilde, was bei den übrigen Menschen nur unbewußt bleibt.

[ 20 ] This connection with the spiritual world is more vivid only in a person like Goethe; he dreams, as it were, just as a person dreams while asleep and does not merely sleep in a dull state. Thus, people very rarely dream consciously while awake; but people like Goethe slip into dreaming even while awake. As a result, what remains unconscious in other people becomes, so to speak, a dream-like structure of life for them.

[ 21 ] Jetzt haben Sie noch eine genauere Darstellung. Sie können sich freilich nach dieser Darstellung eine sehr hochmütige Vorstellung bilden, Sie können sich sagen: Also könnten wir eigentlich alle einen «Faust» schreiben, denn wir erleben den «Faust», indem wir während des Taglebens in die Umwelt hineinragen, mit der geistigen Umwelt zusammenleben. Das ist auch wahr. Wir erleben den «Faust»; nur erleben wir ihn so, wie man sonst eben den entgegengesetzten Pol in der Nacht erlebt mit dem Ich und mit dem Astralleib, wenn man nicht träumt. Und Goethe erlebte also nicht nur unbewußt, sondern er träumte dieses Erlebnis, und dadurch konnte er es ausdrücken im «Faust». Er träumte dieses Erlebnis. Bei solchen Menschen wie Goethe verhält sich das, was sie schaffen, zu dem, was die übrigen Menschen unbewußt erleben, wirklich nur so wie Traum und tiefer Schlaf auf der anderen Seite des Lebens. Das ist eine volle Realität: Wie Traum und tiefer Schlaf, so verhalten sich die Schöpfungen der großen Geister zu den unbewußten Erlebnissen der anderen Menschen.

[ 21 ] Now you have an even more precise picture. Of course, based on this description, you might form a very arrogant notion; you might say to yourself: “So, actually, we could all write a Faust, because we experience Faust by reaching out into our surroundings during our daily lives and living in harmony with the spiritual world.” That is also true. We experience Faust; only we experience it in the same way that one otherwise experiences the opposite pole at night with the “I” and the astral body, when one is not dreaming. And so Goethe did not merely experience this unconsciously; rather, he dreamed this experience, and through that he was able to express it in Faust. He dreamed this experience. For people like Goethe, what they create stands in relation to what other people experience unconsciously just as a dream and deep sleep do on the other side of life. This is a full reality: just as with dreams and deep sleep, so do the creations of great spirits stand in relation to the unconscious experiences of other people.

[ 22 ] Ja, dabei bleibt noch immer manches rätselhaft. Aber bedenken Sie, daß Sie dadurch Einblick gewinnen in etwas, was mit dem Menschenleben innig zusammenhängt. Bedenken Sie, daß Sie dadurch Einblick gewinnen in einen Tatbestand, der sich etwa in der folgenden Weise charakterisieren läßt. Wir könnten eigentlich immer vieles, vieles erzählen von dem Zusammenhange unseres Wesens mit der Umgebung, wenn wir bis zum Träumen aufwachen könnten in diesem Zusammenhange mit unserer Umgebung. Man brauchte bloß bis zum Träumen aufzuwachen und man würde Ungeheures erleben und auch schildern können. Aber eine bedeutsame Folge hätte dieses, eine ganz bedeutsame Folge. Denken Sie einmal, wenn alle Menschen, trivial ausgedrückt, so bewußt wären, daß sie alles schildern könnten, was in ihrer Umgebung ist, wenn zum Beispiel alle Menschen wirklich Erlebnisse schildern könnten, die sich so ausdrücken lassen wie die Goetheschen Erlebnisse, die im «Faust» ausgedrückt sind — wohin käme man dann? Wohin käme die Welt? Die Welt bliebe — sonderbarerweise, aber es ist so —, die Welt bliebe stillestehen, die Welt könnte nicht weitergehen. In dem Augenblicke, wo die Menschen alle in der Weise träumen würden was eine ganz und gar andere Art des Träumens ist —, wie solch ein Dichter wie Goethe den «Faust» träumt, wenn jeder seinen Zusammenhang mit der Außenwelt träumen würde, in dem Momente würden die Menschen die Kräfte, die sie aus ihrem Innern entwickeln, auf solches verwenden, in solches hineingießen, und das Menschendasein würde sich in einer gewissen Weise verzehren. Sie können sich eine schwache Vorstellung machen von dem, was eintreten würde, wenn Sie hinsehen auf die vielen verheerenden Wirkungen, die schon heute dadurch eintreten, daß viele zwar nicht in Wirklichkeit träumen, aber sich einbilden zu träumen, indem sie Reminiszenzen nachplappern oder nachschreiben, die sie von anderswoher aufgenommen haben. Das hängt zusammen mit der Tatsache, daß es viel zu viel Dichter gibt; denn wer glaubt heute nicht alles, daß er ein Dichter oder ein Maler oder sonst dergleichen ist! Die Welt könnte nicht bestehen, wenn das so wäre, denn alle guten Dinge haben auch ihre Schattenseiten, richtige Schattenseiten,

[ 22 ] Yes, some things still remain a mystery. But keep in mind that this gives you insight into something that is intimately connected with human life. Keep in mind that this gives you insight into a reality that can be characterized in roughly the following way. We could actually always have much, much to say about the connection between our being and our surroundings, if we could awaken—even in our dreams—to this connection with our surroundings. One would only need to awaken—even in one’s dreams—and one would experience and be able to describe something immense. But this would have a significant consequence—a very significant consequence. Just imagine, to put it simply, if all people were so conscious that they could describe everything in their surroundings—if, for example, all people could truly describe experiences that could be expressed in the same way as Goethe’s experiences as depicted in Faust—where would that lead us? Where would the world end up? The world would—strangely enough, but it is so—the world would come to a standstill; the world could not go on. At the very moment when all people were to dream in a way that is an entirely different kind of dreaming—as a poet like Goethe dreams Faust—if everyone were to dream their connection to the outside world, at that very moment people would direct the forces they develop from within toward such a task, pour them into it, and human existence would, in a certain sense, consume itself. You can form a faint idea of what would happen if you look at the many devastating effects that already occur today because many people—though they do not actually dream—imagine themselves to be dreaming by parroting or rewriting reminiscences they have absorbed from elsewhere. This is connected to the fact that there are far too many poets; for who today does not believe that he is a poet or a painter or the like! The world could not exist if that were the case, for all good things also have their dark sides—real dark sides,

[ 23 ] Schiller war auch ein bedeutender Dichter, der manches in der Weise träumte, wie ich es jetzt beschrieben habe, Aber denken Sie, wenn alle diejenigen, welche in ihren Jugendzeiten gleich Schiller vorbereitet werden, Mediziner zu werden, Ärzte zu werden, nun die Medizin so an den Nagel hängten wie Schiller, und wenn sie dann, weil sie das brauchen, später durch allerlei Protektionen ernannt würden, ohne eigentlich vorbereitet zu sein, ohne Geschichte studiert zu haben, zum «Professor der Geschichte»! Schiller hielt zwar sehr anregende Vorlesungen, aber schließlich, gelernt haben die Studenten dasjenige, was sie gebraucht haben, bei Schillers Universitätsvorlesungen in Jena nicht. Und Schiller hat auch allmählich diese Universitätsvorlesungen wieder versiegen lassen und war froh, als er sie nicht mehr zu halten brauchte. Denken Sie, wenn es bei jedem solchen Geschichtsprofessor oder bei jedem angehenden Arzte so ginge! Also, alle Gutheiten haben selbstverständlich auch wieder ihre Schattenseiten. Die Welt muß gewissermaßen bewahrt bleiben davor, daß sie stillestehen bleibt. Daher können nicht alle Menschen — es sieht jetzt trivial aus, wenn man das sagt, aber es ist eine tiefe, geradezu eine Mysterienwahrheit —, deswegen können nicht alle Menschen so träumen. Denn die Kräfte, mit denen diese Menschen träumen, die müssen zunächst noch in der Außenwelt wirklich verwendet werden zu etwas anderem, damit in diesem anderen die Grundlagen geschaffen werden für weitere Erdenentwickelung, die stillestehen würde, wenn alle Menschen in der angedeuteten Art träumen würden.

[ 23 ] Schiller was also a significant poet who dreamed of many things in the way I have just described, But just imagine if all those who, like Schiller in their youth, were groomed to become medical students and doctors were to give up medicine just as Schiller did—and if they were then, out of necessity, appointed later through all sorts of patronage—without actually being prepared, without having studied history—as “professors of history”! Schiller did give very stimulating lectures, but in the end, the students did not learn what they needed to know from Schiller’s university lectures in Jena. And Schiller also gradually let these university lectures peter out and was glad when he no longer had to give them. Just imagine if it were like that with every such history professor or every aspiring doctor! So, of course, every virtue also has its downside. The world must, in a sense, be protected from coming to a standstill. That is why not all people—it sounds trivial when you say it, but it is a profound, almost mystical truth—that is why not all people can dream in this way. For the energies with which these people dream must first be genuinely applied in the external world to something else, so that in this other endeavor the foundations may be laid for the further development of the Earth, which would come to a standstill if all people were to dream in the manner described.

[ 24 ] Und jetzt sind wir an einem Punkt, wo eine besonders paradoxe Sache herauskommt. Wozu werden denn die angedeuteten Kräfte von den Menschen in der Welt eigentlich verwendet? Wenn man geisteswissenschaftlich nachschaut, wozu diese Kräfte verwendet werden, von denen Sie vielleicht sagen: Wenn sie doch bei allen Menschen zum Träumen verwendet würden! — sie werden aber nicht zum Träumen, sondern zum tiefen Schlafen verwendet —, wozu werden sie denn verwendet? Sie werden verwendet zu alle dem, was ausgegossen ist über die Menschenentwickelung in der mannigfaltigsten Berufsarbeit. Das alles fließt in die mannigfaltigste Berufsarbeit hinein. Und Berufsarbeit verhält sich zu solcher Arbeit, wie sie am «Faust», wie sie an Schillers «Wallenstein» geleistet worden ist, wie tiefer Schlaf zum "Träumen. Aber wir schlafen in unserer Berufsarbeit! Es ist Ihnen sonderbar, Sie werden sagen, in der Berufsarbeit wachen Sie ja. Mit diesem Wachen ist es nämlich eine große Täuschung, denn das, was durch die Berufsarbeit wirklich zustande kommt, ist nichts, bei dem der Mensch mit vollem Wachbewußtsein tätig ist. Einiges von den Wirkungen des Berufes auf seine Seele wird ihm allerdings wach bewußt, aber was in dem ganzen Gewebe von Berufsarbeit, das die Menschen immerdar um die Erde herum spinnen, was da eigentlich vorhanden ist, davon wissen die Menschen nichts. Es ist sogar frappierend, zu wissen, wie diese Dinge zusammenhängen. Hans Sachs war ein «Schuhmacher und Poet dazu», Jakob Böhme war ein Schuhmacher und ein mystischer Philosoph dazu. Da haben wir durch eine besondere Konstellation, über die man auch noch reden kann, ich möchte sagen, Schlafen und Träumen abwechselnd. Man kann von einem ins andere hineingehen.

[ 24 ] And now we have reached a point where something particularly paradoxical emerges. What, after all, are these forces—which have been alluded to—actually used for by people in the world? If we examine from a spiritual-scientific perspective what these forces are used for—forces about which you might say, “If only they were used for dreaming by all people!”—but they are not used for dreaming, rather for deep sleep—then what are they actually used for? They are used for everything that is poured out over human development in the most diverse forms of professional work. All of this flows into the most diverse forms of professional work. And professional work stands in the same relationship to such work as that performed on Faust or on Schiller’s Wallenstein as deep sleep does to dreaming. But we are asleep in our professional work! You may find this strange; you will say that in professional work you are, after all, awake. But this so-called wakefulness is, in fact, a great illusion, for what truly comes about through professional work is not something in which a person is active with full waking consciousness. Some of the effects of one’s profession on one’s soul do, of course, become consciously apparent, but people know nothing of what actually exists within the entire fabric of professional work that they are constantly weaving all around the earth. It is even striking to realize how these things are connected. Hans Sachs was a “shoemaker and poet as well”; Jakob Böhme was a shoemaker and a mystical philosopher as well. Here we have, through a special constellation—which one can also discuss—what I would call alternating between sleeping and dreaming. One can pass from one into the other.

[ 25 ] Aber was bedeutet bei einem solchen Menschen wie Jakob Böhme dieses Zusammenspielen, dieses abwechselnde Leben in der Berufsarbeit — denn er hat ja wirklich Schuhe gemacht dazumal für die braven Görlitzer —, und seinen Niederschreibungen mystisch-philosophischer Art? Manche Leute haben über diese Dinge sonderbare Ansichten. Ich habe Ihnen schon erzählt, was wir erfahren haben, als wir einmal in .Görlitz waren und dort abends vor einem Vortrage ins Gespräch kamen mit einem Manne. Ich sollte gerade über Jakob Böhme in Görlitz vortragen. Da kam ich mit einem Gymnasiallehrer in ein Gespräch über das Jakob-Böhme-Denkmal, das wir gerade dort im Park gesehen hatten. Die Görlitzer — es wurde uns öfters mitgeteilt — nennen dieses Denkmal den «Parkschuster». Wir sprachen davon, daß dieses Denkmal sehr schön sei, und dieser Gymnasiallehrer sagte, er finde das nicht, denn der schaue aus wie Shakespeare, — aber er war doch ein Schuster, und man sehe es ihm ja nicht an, daß er ein Schuster wäre. Wenn man schon Jakob Böhme darstelle, so müsse man ihm schon ansehen, daß er ein Schuster wäre. — Nun, mit solch einer Gesinnung braucht man ja nichts zu tun zu haben. Indem solch ein Mensch wie Jakob Böhme seine großen mystisch-philosophischen Anschauungen niederschrieb, wirkte er heraus aus dem Ergebnis, das nur hat zustande kommen können, indem sich der Mensch aufgebaut hat durch die Saturnzeit heran, durch die Sonnenzeit, durch die Mondenzeit bis zur Erdenzeit, indem da, man möchte sagen, ein breiter Strom geht, der endlich in diesen Wirkungen zum Ausdruck gekommen ist. Nur in einer durch besondere karmische Verhältnisse herbeigeführten Weise kommt dieser Strom in einer solchen Persönlichkeit zum Ausdruck. Aber wie zu einem Menschen auf Erden überhaupt notwendig ist alles das, was durch die Sonnen- und Mondenzeit hindurch vorangegangen ist, so ist das natürlich, nur in einer besonderen Weise, notwendig gewesen, um das zu schaffen, was in Jakob Böhme war.

[ 25 ] But what does this interplay—this alternating life between his professional work—for someone like Jakob Böhme, who, after all, really did make shoes back then for the good people of Görlitz—and his mystical-philosophical writings—actually mean? Some people have strange views on these matters. I’ve already told you what we learned when we were once in Görlitz and struck up a conversation with a man there one evening before a lecture. I was just about to give a lecture on Jakob Böhme in Görlitz. That’s when I got into a conversation with a high school teacher about the Jakob Böhme monument, which we had just seen there in the park. The people of Görlitz—as we were often told—call this monument the “Park Shoemaker.” We remarked that the monument was very beautiful, and this high school teacher said he didn’t think so, because it looked like Shakespeare—but he was, after all, a shoemaker, and you couldn’t tell by looking at him that he was a shoemaker. If one were to depict Jakob Böhme, one would have to be able to tell at a glance that he was a cobbler. — Well, there’s certainly no need to have anything to do with such a mindset. As a person like Jakob Böhme wrote down his great mystical-philosophical views, he brought forth the result that could only have come about because humanity has developed through the Saturn era, through the Sun era, through the Moon era, up to the Earth era—where, one might say, a broad stream flows that has finally found expression in these effects. It is only in a manner brought about by specific karmic circumstances that this stream finds expression in such a personality. But just as everything that preceded a human being on Earth through the Sun and Moon eras is absolutely necessary, so too was it naturally necessary—albeit in a special way—to bring about what was present in Jakob Böhme.

[ 26 ] Aber dann hat sich Jakob Böhme wiederum hingesetzt und hat Schuhe gemacht für die biederen Görlitzer. Wie hängt denn das zusammen? Gewiß, daß ein Mensch die Geschicklichkeit sich erwerben konnte, Schuhe zu machen, das hängt auch mit dieser Strömung zusammen. Aber die Schuhe sind dann fertig und dienen anderen Menschen, gehen hinaus in die Welt, sondern sich ab von dem Menschen, haben dann in dem, was sie da wirken, nichts mehr zu tun mit der Geschicklichkeit und so weiter, sondern sie haben etwas zu tun mit dem Umhüllen und Wärmen der Füße und so weiter. Sie nehmen ihren Weg für sich; da üben sie auch gewisse Funktionen aus. Sie lösen sich los von dem Menschen, und was sie da draußen bewirken, das hat seine Wirkungen erst später, das ist nur ein Anfang. Und das ist nun so: Wenn ich die Ausgangswirkung zu der eben geschilderten mystisch-philosophischen Tätigkeit des Jakob Böhme so zeichnen würde, daß ich da die erste Anlage hinzeichnen würde (siehe Zeichnung, Kreuz unter dem ersten Kreis, Saturnzustand), so müßte ich die erste Anlage von seiner Schusterei hierher zeichnen (Kreuz im vierten Kreis, Erdenzustand), und das strömt weiter und wird in der künftigen Vulkanentwickelung zu einer solchen Vollkommenheit gediehen sein wie das, was von der Saturnentwickelung geschehen und eingeflossen ist in die mystisch-philosophische Tätigkeit des Jakob Böhme. Dies (kleiner Kreis unter dem vierten Kreis) ist gewissermaßen ein Ende; sein Schuhflicken ist ein Anfang (kleiner Kreis mit Pluszeichen im vierten Kreis). Wir sagen, die Erde ist heute Erde. Sie ist es natürlich auch. Wenn wir sie zurückverfolgen könnten vom Saturn, noch weiter zurück, würden wir sagen können: Die Erde ist in bezug auf gewisse Dinge Vulkan; da (links außen) würden wir den Saturn dann annehmen. So aber können wir alles relativ nehmen. Wir können sagen: Die Erde ist Saturn, und der Vulkan ist gewissermaßen Erde. Dasjenige, was auf der Erde in einer solchen Berufsarbeit geschieht wie bei Jakob Böhme — nicht in der freien Produktion, die er über seine Berufsarbeit hinaus macht, sondern was er als Berufsarbeit macht —, das ist der Ausgangspunkt zu etwas, was so weit sein wird auf dem Vulkan, wie dasjenige, was auf dem Saturn geschehen ist, jetzt für die Erde ist. Und auf dem Saturn mußte etwas Ähnliches geschehen, damit auf der Erde der Jakob Böhme seine mystische Philosophie hat schreiben können, wie er selber getan hat mit seinem Schuhflicken, damit etwas Ähnliches auf dem Vulkan getan werden kann, wie sein Schreiben der mystischen Philosophie auf der Erde ist.

[ 26 ] But then Jakob Böhme sat down again and made shoes for the good people of Görlitz. How does that fit together? Certainly, the fact that a person could acquire the skill to make shoes is also connected to this movement. But once the shoes are finished, they serve other people; they go out into the world, separating themselves from the person who made them. In what they do out there, they no longer have anything to do with dexterity and so on, but rather with covering and warming feet and so on. They go their own way; there they also perform certain functions. They detach themselves from the person, and what they bring about out there only has its effects later—that is merely a beginning. And this is how it is: If I were to sketch the initial effect of the mystical-philosophical activity of Jakob Böhme just described in such a way that I were to draw the first seed there (see drawing, cross beneath the first circle, Saturn state), then I would have to draw the first seed of his shoemaking here (cross in the fourth circle, Earth state), and that flows on and will have matured in the future volcanic development to a perfection similar to what arose from the Saturn development and flowed into the mystical-philosophical activity of Jakob Böhme. This (small circle beneath the fourth circle) is, in a sense, an end; his shoe-repairing is a beginning (small circle with a plus sign in the fourth circle). We say that the Earth is the Earth today. Of course, it is. If we could trace it back from Saturn, even further back, we could say: In certain respects, the Earth is a volcano; there (on the far left), we would then assume Saturn. But as it is, we can view everything relatively. We can say: The Earth is Saturn, and the volcano is, in a sense, the Earth. What happens on Earth in a professional endeavor such as that of Jakob Böhme—not in the free creative work he does beyond his professional work, but what he does as his professional work—is the starting point for something that will be as significant on the volcano as what happened on Saturn is now for the Earth. And something similar had to happen on Saturn so that Jakob Böhme on Earth could write his mystical philosophy—just as he himself did while mending shoes—so that something similar can be done on the volcano, just as his writing of mystical philosophy is on Earth.

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[ 27 ] Darinnen liegt etwas gar Merkwürdiges. Denn darinnen liegt angedeutet, wie dasjenige, was man auf der Erde oftmals so wenig schätzt, nur deshalb so wenig geschätzt wird, weil es der Ausgangspunkt ist zu etwas, was man erst schätzen wird in der Zukunft. Die Menschen sind selbstverständlich ihrem inneren Wesen nach viel mehr mit der Vergangenheit zusammengewachsen; denn mit dem, was ein Anfang ist, müssen sie erst zusammenwachsen. Daher haben sie oftmals das, was ein Anfang ist, viel weniger lieb, als was ihnen aus der Vergangenheit herüberkommt. Es wird aus dem ganzen Umfange desjenigen, in das wir noch hineingestellt sein müssen während der Erdenzeit, damit auf dem Vulkan etwas Besonderes werden kann, wenn die Erde weiter sich entwickelt hat durch Jupiter-, Venuszeit bis zur Vulkanzeit, es wird aus dem dann erst solches volles Bewußtsein wie für so etwas wie die Philosophie Jakob Böhmes auf der Erde. Daher ist das eigentlich Bedeutsame in der menschlichen Außenarbeit heute in solche Unbewußtheit eingehüllt, wie auf dem Saturn der Mensch in Unbewußtheit gehüllt war, denn erst auf der Sonne entwickelte er das Schlafbewußtsein, auf dem Monde das Traumbewußtsein und auf der Erde das Wachbewußtsein mit Bezug auf seine jetzigen Verhältnisse.

[ 27 ] There is something truly remarkable about this. For it suggests that what is often so little valued on Earth is valued so little precisely because it is the starting point for something that will only be valued in the future. By their very nature, people are, of course, much more closely connected to the past; for they must first grow to be one with that which is a beginning. That is why they often cherish what is a beginning far less than what comes to them from the past. It is only from the full scope of that into which we must still be placed during the Earth period—so that something special can emerge on Vulcan once the Earth has developed further through the Jupiter and Venus periods up to the Vulcan period—that such full consciousness as that found in something like Jakob Böhme’s philosophy on Earth will then arise. Therefore, what is actually significant in human external work today is shrouded in such unconsciousness as the human being was shrouded in unconsciousness on Saturn; for it was only on the Sun that the human being developed sleep consciousness, on the Moon dream consciousness, and on Earth waking consciousness in relation to his present circumstances.

[ 28 ] Und so lebt der Mensch wirklich in tiefem Schlafbewußtsein mit Bezug auf all dasjenige, in das er sich hineinstellt, wenn er sich in irgendeinen Beruf hineinstellt, denn durch diesen Beruf schafft er gerade — nicht durch das, was ihn freut am Berufe, sondern .durch das, was sich entwickelt, ohne daß er darauf eingehen kann — die Zukunftswerte. Wenn einer einen Nagel fabriziert und immer wieder einen Nagel fabriziert, ja, das macht einem heute natürlich keine besondere Freude. Aber der Nagel, der sondert sich ab, hat bestimmte Aufgaben. Was da geschieht durch den Nagel, darum kümmert man sich weiter nicht. Man geht nicht jedem Nagel nach, den man fabriziert. Aber was da alles ins Unbewußte, in den tiefen Schlaf eingehüllt ist, das ist bestimmt, in der Zukunft wieder aufzuleben.

[ 28 ] And so human beings truly live in a state of deep, sleep-like consciousness with regard to everything they immerse themselves in—whether it be a particular profession—for it is precisely through this profession that they create the values of the future—not through what brings them joy in their work, but through what develops without them being able to influence it. If someone manufactures a nail and manufactures a nail again and again, well, of course that doesn’t bring any particular joy today. But the nail, which stands apart, has certain tasks. People don’t concern themselves further with what happens through the nail. One does not track every nail one produces. But everything that is shrouded in the unconscious, in deep sleep, is destined to come to life again in the future.

[ 29 ] So haben wir zunächst nebeneinanderstellen können das, was der gewöhnlichste Mensch macht, die unbedeutendste Arbeit zunächst im Beruf, und das, was als höchste Leistung erscheint. Höchste Leistungen sind ein Ende, die unbedeutendste Arbeit ist immer ein Anfang.

[ 29 ] In this way, we have been able to juxtapose what the most ordinary person does—the most insignificant work, at least in a professional context—with what appears to be the highest achievement. The highest achievements are an end; the most insignificant work is always a beginning.

[ 30 ] Ich wollte zunächst diese beiden Begriffe nebeneinanderstellen, denn wir können nicht die Art und Weise, wie der Mensch nun durch sein Karma verbunden wird im Beruf, in Betracht ziehen, wenn wir nicht überhaupt erst wissen, wie sich die oft mit dem Menschen ganz äußerlich verbundene Berufsarbeit zu der ganzen Entwickelung, in die der Mensch hineingestellt ist, verhält. Und so werden wir denn weiterschreiten demnächst, um nun die eigentliche Karmafrage des Berufes auszuarbeiten. Aber ich mußte diese Dinge vorangehen lassen, damit wir wenigstens einmal einen universellen Begriff bekommen von dem, was aus dem Menschen in den Beruf hineinfließt. Diese Dinge sind aber auch alle sehr dazu angetan, unsere moralischen Empfindungen in der rechten Weise zu gestalten. Denn unsere Schätzungen sind oftmals nicht die richtigen, weil wir die Dinge nicht in der richtigen Weise ins Auge fassen. Das Samenkorn erscheint manchmal recht unscheinbar, wenn es daliegt neben der schön entwickelten Blume. Dennoch, in diesem Samenkorn steckt die schön entwickelte Blume einer Zukunftsentwikkelung. Wie in der Menschheitsentwickelung Samenkorn und Blume zusammenhängen, das wollte ich Ihnen heute an dem menschlichen Schaffen auseinandersetzen.

[ 30 ] I wanted to begin by juxtaposing these two concepts, because we cannot consider the way in which a person is connected through their karma in their profession unless we first understand how professional work—which is often associated with the person in a purely external way—relates to the overall process of development in which the person is immersed. And so we will proceed shortly to explore the actual question of karma in one’s profession. But I had to address these matters first so that we might at least gain a universal understanding of what flows from the human being into one’s profession. These matters are also all very well suited to shaping our moral sensibilities in the right way. For our judgments are often incorrect because we do not view things in the right way. A seed sometimes seems quite inconspicuous when it lies next to a beautifully developed flower. Yet within that seed lies the beautifully developed flower of future evolution. Today I wanted to explain to you, using human creativity as an example, how the seed and the flower are connected in the evolution of humanity.