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Past and Future Influences on Social Events
GA 190

28 March 1919, Dornach

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Past and Future Influences on Social Events, tr. SOL
  1. Vergangenheits- und Zukunftsimpulse im sozialen Geschehen

Vierter Vortrag

Fourth Lecture

[ 1 ] Zunächst werde ich einiges vorzubringen haben, das scheinbar weniger mit den Auseinandersetzungen, die wir jetzt hier pflegen, zusammenhängt: mit den Auseinandersetzungen nämlich über die soziale Frage. Aber es wird sich morgen schon herausstellen, wie dieser Zusammenhang doch vorhanden ist. Ich habe das letzte Mal damit geschlossen, daß ich Ihnen gezeigt habe, aus welchen Gründen Kinder, die in den letzten Jahren, so seit 1912/1913 geboren werden, mitbringen aus ihrem geistigen Leben vor der Geburt, man könnte sagen, eine gewisse ‚Abneigung, in dasjenige sich hineinzuleben, was sie durch die unmittelbaren oder mittelbaren Vorfahren der letzten Jahrhunderte hier auf der Erde vorfinden wie ein Kulturerbgut. Ich habe Ihnen gesagt, daß unter den konkreten Erfahrungen, die man über die geistige Welt machen kann, die ist, daß eine Art Begegnung stattfindet in der geistigen Welt zwischen den Seelen derer, welche jüngst verstorben sind, die also durch die Pforte des Todes hinauf in die geistige Welt zurückkehren, und jenen Seelen, die sich eben anschicken, den irdischen Schauplatz wiederum zubetreten. Welche Zusammenhänge die Menschen gehabt haben mit der geistigen Welt, bevor sie gestorben sind, das wirkt sehr stark nach, wenn die Menschen durch die Todespforte gegangen sind. Das hat insbesondere eine große Bedeutung für unsere Zeit. In unserer Zeit sind nur wenige atavistische Gefühle im Menschen noch vorhanden, die ihn zusammenhängen lassen mit der geistigen Welt. Daher bekommt er Impulse, die er dann hinauftragen kann, nachdem er durch die Todespforte eingetreten ist in diese geistige Welt, nur dann, wenn er sich bewußt in Vorstellungen mit der geistigen Welt befaßt. Es ist schon einmal heute ein größerer Unterschied zwischen solchen Verstorbenen, die von irgendwoher Ideen bekommen haben über die geistige Welt, Ideen, die in wirklicher Gedankenform sind, und solchen Persönlichkeiten, die lediglich in den Vorstellungen unserer materialistischen Kultur gelebt haben. Es ist ein großer Unterschied zwischen diesen Seelen im nachtodlichen Leben, und namentlich empfinden stark diesen Unterschied die Seelen, welche sich eben anschicken, wiederum auf die Erde herunter zur Verkörperung zu kommen.

[ 1 ] First, I have a few points to make that may seem less directly related to the discussions we are currently having here—namely, the discussions regarding the social question. But it will become clear as early as tomorrow just how this connection does indeed exist. Last time, I concluded by showing you the reasons why children born in recent years—since around 1912–1913—bring with them from their spiritual life before birth, one might say, a certain ‘reluctance to immerse themselves in what they find here on Earth as a cultural heritage from their direct or indirect ancestors of the past centuries. I told you that among the concrete experiences one can have of the spiritual world is that a kind of encounter takes place in the spiritual world between the souls of those who have recently passed away—who thus return through the gate of death into the spiritual world—and those souls who are just preparing to re-enter the earthly realm. The connections people had with the spiritual world before they died continue to have a very strong effect after they have passed through the gate of death. This is of particular significance for our time. In our time, only a few atavistic feelings remain in human beings that connect them to the spiritual world. Therefore, they receive impulses—which they can then carry upward into this spiritual world after passing through the gate of death—only if they consciously engage with the spiritual world through their imagination. There is already a significant difference today between those who have passed away who have received ideas about the spiritual world from somewhere—ideas that exist in the form of genuine thoughts—and those who have lived solely within the concepts of our materialistic culture. There is a great difference between these souls in the afterlife, and this difference is felt particularly strongly by those souls who are just preparing to descend to Earth once more for incarnation.

[ 2 ] Nun wissen Sie ja, daß im Lauf der letzten Zeit, bis in das 20. Jahrhundert herein, die materialistischen Neigungen, das materialistische Denken und Empfinden auf der Erde immer intensiver und intensiver geworden sind. Die Menschen, die also durch die Todespforte in die geistige Welt hinaufkommen, haben wenig Impulse, die gewissermaßen, wenn ich mich so ausdrücken darf, sympathische Erwartungen erwekken für ihren Erdenaufenthalt bei denen, die nun heruntersteigen wollen auf die Erde.

[ 2 ] Now, as you know, in recent times—right up into the 20th century—materialistic tendencies, materialistic thinking, and materialistic feelings have become increasingly intense on Earth. Thus, the people who pass through the gate of death into the spiritual world have few impulses that, so to speak—if I may put it that way—awaken favorable expectations regarding their earthly sojourn in those who now wish to descend to Earth.

[ 3 ] Das hatte seine Kulmination im zweiten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts erreicht. Und so kamen diejenigen Kinder, die im zweiten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts geboren waren, mit einer starken geistigen Antipathie gegen dasjenige, was hergebrachte Kultur, hergebrachte Bildung war, auf der Erde an. Dieser Strom von Impulsen, der da mit diesen jüngstgeborenen Kindern auf die Erde hereinkam, der hat mächtig dazu beigetragen, auf der Erde die Neigung hervorzurufen, diese alte Kultur, diese Kultur der kapitalistischen und technischen Zeit wegzuwischen, wegzufegen. Und wer in der rechten Weise in der Lage ist, einzugehen auf den Zusammenhang zwischen der physischen und der überphysischen Welt, der wird nicht mißverstehen, wenn gesagt wird, daß, was in den Herzen und Seelen unserer jüngsten irdischen Mitbürger lebt an Begierde nach einer spirituellen Kultur, wesentlich mitgewirkt hat an demjenigen, was in den letzten Jahren auf der Erde sich ereignet hat. Sehen Sie, meine lieben Freunde, das ist gewissermaßen, wenn ich sagen darf, die Lichtseite der traurigen, der fürchterlichen Ereignisse der letzten Jahre. Es ist deshalb eineLichtseite, weil es zeigt, daß das Furchtbare, das angerichtet worden ist, wenn man sich so ausdrücken darf, wegen der Versumpftheit des materialistischen Zeitalters, vom Himmel gewollt worden ist und als Botschaft heruntergeschickt worden ist durch das Unterbewußte der jüngstgeborenen Kinder. Das ist der Seelenausdruck, der ein ganz anderer ist bei den allerjüngsten Kindern, als bei denjenigen, die etwa im 19. oder im Anfange des 20. Jahrhunderts geboren worden sind. Und es wird schon notwendig sein, daß sich die Menschheit auf solche feineren Beobachtungen einrichtet. Heute ist die Menschheit stolz auf ihren praktischen Sinn. Aber wo sich dieser praktische Sinn betätigen sollte im wirklichen Lebensbeobachten, da wird über alles hinweggesehen, da wird über alleshinweggeredet und hinweggedacht. Den melancholischen Ausdruck, der sich auf zahlreichen jüngsten Kindern, Kinderantlitzen zeigt seit fünf bis sechs Jahren, den bemerken heute die Menschen wenig. Würden sie ihn bemerken, so würden sie daraus den Impuls schöpfen — schon daraus —, daß eine mächtige soziale Bewegung Platz greifen muß.

[ 3 ] This had reached its peak in the second decade of the 20th century. And so those children who were born in the second decade of the 20th century came into the world with a strong spiritual aversion to what was considered traditional culture and traditional education. This stream of impulses that entered the world with these newly born children contributed powerfully to arousing on Earth the inclination to wipe away, to sweep away, this old culture—the culture of the capitalist and technological age. And anyone who is truly able to grasp the connection between the physical and the supersensible worlds will not misunderstand when it is said that the longing for a spiritual culture that lives in the hearts and souls of our youngest fellow human beings has played a significant role in what has been happening on Earth in recent years. You see, my dear friends, this is, so to speak—if I may say so—the bright side of the sad, the terrible events of recent years. It is a bright side because it shows that the terrible things that have been wrought—if I may put it that way—due to the stagnation of the materialistic age, were willed by Heaven and sent down as a message through the subconscious of the most recently born children. This is the expression of the soul, which is quite different in the very youngest children than in those born, say, in the 19th or early 20th century. And it will certainly be necessary for humanity to attune itself to such more subtle observations. Today, humanity takes pride in its practical sense. But where this practical sense ought to be applied to the observation of real life, everything is overlooked; people talk and think their way past it all. People today pay little attention to the melancholic expression that has been appearing on the faces of many very young children over the past five to six years. If they were to notice it, they would draw from it—from that alone—the impulse that a powerful social movement must take hold.

[ 4 ] Aber man muß eben sich aneignen den Sinn für den Blick, für die Physiognomie, die der Mensch trägt in den allerjüngsten Jahren seines Erdendaseins; dazu ist allerdings notwendig, daß die Menschen diesen Sinn ausbilden. Nun kann viel von diesem Sinne ausgebildet werden, so grotesk es heute für manchen sich noch ausnehmen mag, wenn das gesagt wird, wenn man sich ein wenig — aber nun nicht bloß, indem man auf Sensation ausgeht, sondern indem man mit der Seele dabei ist — einläßt auf dasjenige, was eigentlich die Eurythmie will. Sie werden gleich sehen aus welchem Grunde.

[ 4 ] But one must simply cultivate a sense for the gaze, for the physiognomy that a person bears in the very earliest years of their earthly existence; for this, however, it is necessary that people develop this sense. Now, much of this sense can be developed—as grotesque as that may still seem to some today—if one engages a little—but not merely by seeking sensation, but by being fully present with one’s soul—with what eurythmy actually aims to achieve. You will soon see why.

[ 5 ] Wer heute in der Lage ist, durch seine okkulte Erfahrung mit den Toten zu verkehren, der bemerkt sehr bald — man verkehrt mit den Toten ja durch Gedanken —, daß sehr viele Gedanken, durch die man sich selber mit den Toten verständigen will, von diesen Toten nicht verstanden werden. Viele von den Gedanken der Menschen hier auf Erden, von den Gedanken, an die sich die Menschen gewöhnt haben, klingen für die Toten — Sie müssen das natürlich entsprechend nehmen, ich rede von Gedankenverkehr mit den Toten —, wie eine unverständliche, eine fremde Sprache. Und wenn man näher auf dieses ganze Verhältnis eingeht, so findet man namentlich, daß Verben, Zeitwörter, auch Präpositionen und vor allen Dingen Interjektionen von den Toten verhältnismäßig leicht verstanden werden, Substantiva, Hauptwörter hingegen fast gar nicht. Die bilden sozusagen im Sprachverstehen der Toten eine gewisse Lücke. Da versteht der Tote nimmer, wenn man viel in Hauptwörtern mit ihm sprechen will. Und man merkt, wenn man versucht, das Hauptwort in ein Verbum umzusetzen, daß er dann anfängt zu verstehen. Wenn Sie zum Beispiel zu einem Toten sagen: Der Keim für irgend etwas —, so bleibt ihm das Wort «der Keim» in den meisten Fällen unverständlich, ja, es ist, als ob er überhaupt nichts hörte. Wenn Sie sagen, etwas keimt, wenn Sie also «der Keim» verwandeln in das Verbum: etwas keimt —, dann fängt er an zu verstehen.

[ 5 ] Anyone who is able today to communicate with the dead through occult experience—since one communicates with the dead through thoughts—will very soon notice that many of the thoughts through which one seeks to communicate with the dead are not understood by them. Many of the thoughts of people here on Earth—the thoughts to which people have become accustomed—sound to the dead—you must, of course, take this in the appropriate context; I am speaking of thought communication with the dead—like an incomprehensible, foreign language. And when one examines this entire relationship more closely, one finds in particular that verbs, as well as prepositions and, above all, interjections, are understood relatively easily by the dead, whereas nouns are hardly understood at all. They constitute, so to speak, a certain gap in the dead’s understanding of language. The dead person never understands when you try to speak to them using many nouns. And you notice that when you try to convert a noun into a verb, they then begin to understand. For example, if you say to a deceased person, “The seed of something—,” the word “seed” remains incomprehensible to them in most cases; indeed, it is as if they heard nothing at all. If you say that something is sprouting—that is, if you transform “the seed” into the verb “something is sprouting”—then they begin to understand.

[ 6 ] Woran liegt das? Sie kommen darauf, daß das durchaus nicht an dem Toten liegt, sondern das liegt an einem selbst. Das liegt an dem Menschen, der mit dem Toten spricht, und zwar aus dem Grunde, weil die heutigen Menschen seit der Mitte des 15. Jahrhunderts, wenigstens für alle mittel- und westeuropäischen Sprachen — es ist um so mehr der Fall, je weiter man nach Westen kommt —, verloren haben für die Substantiva das lebendige Bildgefühl, was das Substantive ausdrückt: es ist so irgend etwas Nebuloses, was nur eigentlich im Verständnis anklingt, wenn der Mensch heute ein Substantivum sagt; die wenigsten Menschen denken überhaupt noch etwas Wirkliches, wenn sie in einem Substantivum sprechen. Wenn sie dann das Substantivum in ein Verbum verwandeln müssen, dann sind sie innerlich gezwungen, ein bißchen konkreter zu denken. Wenn einer sagt «der Keim», so werden Sie in den meisten Fällen, insbesondere wenn er in abstrakten Reden redet, nicht finden, daß er sich konkret irgendeinen Pflanzenkeim, etwa eine keimende Bohne, irgendwie noch im Bilde vorstellt; er stellt sich etwas ganz Nebuloses im Bilde vor, so irgend etwas im Prinzip. Wenn Sie sagen «was keimt», oder «dasjenige, welches keimt», so sind Sie wenigstens gezwungen, dadurch daß Sie die Verbalform haben, an das Herauskommen zu denken, also doch an irgend etwas, das sich bewegt. Das heißt: Sie gehen aus dem Abstrakten ins Konkrete hinein. Dadurch, daß Sie selbst aus dem Abstrakten ins Konkrete hineingehen, beginnt der Tote Sie zu verstehen. Aber die Menschen werden genötigt werden, weil aus Gründen, die ich hier oftmals angeführt habe, die lebendigen Zusammenhänge zwischen den hier auf der Erde lebenden und den durch die Pforte des Todes gegangenen, unverkörperten Seelen immer enger und enger werden müssen, weil die Impulse der Toten immer mehr und mehr hereinwirken müssen auf die Erde, allmählich in ihre Sprache, in ihr Sprechen und damit in ihr Denken etwas aufzunehmen, welches vom Abstrakten ins Konkrete herüberführt. Das muß geradezu ein Bestreben der Menschen werden, wiederum bildhaft, imaginativ zu denken, wenn gesprochen wird.

[ 6 ] Why is that? You come to realize that it is by no means the fault of the deceased, but rather your own. It is due to the person speaking to the dead, and this is because, since the mid-15th century—at least in all Central and Western European languages (and this is all the more true the further west one goes)—people have lost the vivid visual sense of what a noun expresses: it has become something nebulous that really only resonates in the mind when a person uses a noun today; very few people even think of anything concrete at all when they speak in nouns. When they then have to transform the noun into a verb, they are inwardly compelled to think a little more concretely. When someone says “the seed,” in most cases—especially when speaking in abstract terms—you will not find that they are still concretely picturing any particular plant seed, such as a sprouting bean; they imagine something quite nebulous, just something in principle. If you say “what germinates” or “that which germinates,” then you are at least compelled—by the fact that you’re using the verb form—to think of the process of emerging, that is, of something that is moving. This means: you move from the abstract into the concrete. By moving from the abstract into the concrete yourself, the dead begin to understand you. But people will be compelled—because, for reasons I have often cited here, the living connections between those living here on Earth and the disembodied souls who have passed through the gate of death must become ever closer and closer, and because the impulses of the dead must increasingly influence the Earth— they must gradually incorporate into their language, their speech, and thus their thinking, something that bridges the gap from the abstract to the concrete. It must become a genuine endeavor for people to think in a pictorial, imaginative way once again when they speak.

[ 7 ] Nun frage ich Sie: Wie viele Menschen denken zum Beispiel konkret, wenn sie, sagen wir, lesen von einer Gerichtsverhandlung, wo Richter waren, die gerichtet haben, Urteile gesprochen haben, also die richterliche Tätigkeit ausübten? Wo in aller Welt wird konkret gedacht, wenn irgend jemand das Hauptwort ausspricht, das Substantivum «das Recht»? Stellen Sie sich nur einmal diese schattenhafteste Abstraktheit vor, die in den Köpfen vorhanden ist, wenn vom Recht gesprochen wird, wenn «rechten», «das Richtige» in der Sprache zum Ausdruck kommt? Was ist denn eigentlich, rein sprachlich genommen, das Recht? Wir haben jetzt viel gesprochen davon, daß der Staat vor allem ein Rechtsstaat sein soll. Was ist denn rein so für sich genommen das Recht? Es bleibt für die meisten eine ganz schattenhafte Vorstellung, eine Vorstellung, die in Abstraktionen wüstester Art spielt. Wie können Sie denn zu einer konkreten Vorstellung vom Recht kommen? Wollen wir da einmal im einzelnen Fall die Sache durchgehen.

[ 7 ] Now I ask you: How many people, for example, think in concrete terms when they—let’s say—read about a court hearing where judges were present, who adjudicated, handed down judgments, and thus exercised their judicial functions? Where on earth does anyone think in concrete terms when someone utters the noun “the law”? Just imagine for a moment this most elusive abstraction that exists in people’s minds when the law is discussed, when “right” or “what is right” is expressed in language? What, strictly speaking, is the law? We have spoken at length about how the state should, above all, be a state governed by the rule of law. But what, in and of itself, is the law? For most people, it remains a very shadowy concept—one that plays out in abstractions of the wildest kind. How, then, can you arrive at a concrete conception of the law? Let’s go through this in detail using a specific case.

[ 8 ] Sie haben schon gehört, daß man gewisse Menschen linkisch nennt. Was sind linkische Menschen? Sehen Sie, was wir mit der linken Hand auszuführen versuchen, wenn wir nicht gerade Linkshänder sind, das tun wir gewöhnlich ungeschickt, da sind wir nicht anstellig dazu. Wenn jemand sich in seinem ganzen Leben so verhält, wie man sich selber verhält, wenn man etwas mit der linken Hand tut, so ist er linkisch. Es liegt der Bezeichnung «linkisch» die ganz konkrete Vorstellung zugrunde: Der macht alles so, wie ich es mache, wenn ich etwas mit der linken Hand tue; nicht irgendeine wüste Abstraktheit, sondern das ganz Konkrete: Der verhält sich so, wie ich mich in den Fällen verhalte, wo ich etwas mit der linken Hand mache. Daraus entsteht, konkret aufgefaßt, ein Gefühlsgegensatz zwischen dem Linkischen und dem Rechtsischen, demjenigen, was man mit der rechten Hand macht und dem, was man mit der linken Hand macht. Und das, was rechtsisch ist, das wird im Substantivum «das Recht». Das Recht ist einfach ursprünglich dasjenige, was so geschickt für die Wirklichkeit gemacht wird, wie das, was man mit der rechten und nicht mit der linken Hand macht.

[ 8 ] You’ve probably heard that certain people are called “clumsy.” What are clumsy people? You see, when we try to do something with our left hand—unless we’re left-handed—we usually do it awkwardly; we’re not very good at it. If someone behaves throughout their entire life the way you yourself behave when you do something with your left hand, then they are “left-handed.” The term “left-handed” is based on a very concrete idea: They do everything the way I do it when I do something with my left hand; not some vague abstraction, but something very concrete: That person behaves the way I behave in those situations where I do something with my left hand. Taken concretely, this gives rise to an emotional contrast between what is “left-handed” and what is “right-handed”—between what one does with the right hand and what one does with the left hand. And what is “right-handed” becomes, as a noun, “the right.” The Law is simply, in its original sense, that which is so skillfully adapted to reality as what one does with the right hand and not with the left.

[ 9 ] Da haben Sie schon etwas Konkretheit in die Sache hineingebracht. Jetzt aber stellen Sie sich einmal vor — Sie brauchen sich es ja nur an der Uhr vorzustellen, aber es gibt zahlreiche andere Fälle, wo man Ähnliches tun könnte —, Sie werden in der Regel nicht, wenn Sie eine Uhr zu richten haben, mit der linken Hand drehen, sondern mit der rechten Hand: da richten Sie die Uhr. Dieses Drehen von links nach rechts, das man mit der rechten Hand macht, das ist das konkrete Richten, Rechten. Man sagt sogar «zurechtrichten». Da haben Sie die konkrete Vorstellung des von links nach rechts im Kreisegehens, des Zurechtsetzens. Das ist richten. Einer der nach links abgeirrt ist, wohin er nicht sollte, den setzt der Richter zurecht.

[ 9 ] You’ve already brought some concreteness to the matter. But now imagine—you only need to picture it with a watch, but there are numerous other cases where one could do something similar—when you have to set a watch, you generally don’t turn it with your left hand, but with your right: that’s how you set the watch. This turning from left to right, which you do with your right hand, is the concrete act of setting, of adjusting. People even say “to set things right.” There you have the concrete image of moving in a circle from left to right, of setting things in order. That is “richting.” Someone who has strayed to the left, where they should not have gone, is set straight by the judge.

[ 10 ] Durch solche Dinge kommen Sie darauf, konkrete bildhafte Vorstellungen mit dem Worte noch zu verbinden. Sehen Sie, solche bildhafte Vorstellungen waren mit den Worten bis ins 15. Jahrhundert bei allen Menschen noch verknüpft. Dieses bildhafte Vorstellen ist erst abgeworfen worden. Dazu muß man sich wiederum zurückbändigen, zu diesem bildhaften Vorstellen. Denn der Tote versteht nur dasjenige, was noch bildhaft in der Sprache drinnen klingt. Alles das, was — wie es beim heutigen Sprechen zumeist der Fall ist nicht mehr bildhaft klingt, was nicht mehr bildhaft formuliert ist, so daß bei dem Betreffenden eine bildhafte Vorstellung sitzt, das ist für die Toten unverständlich.

[ 10 ] It is through such things that you come to associate concrete, pictorial images with words. You see, until the 15th century, such pictorial images were still linked to words for everyone. This pictorial imagination has only recently been cast aside. To achieve this, one must once again train oneself to return to this kind of visual imagination. For the dead understand only that which still resonates visually within language. Everything that—as is usually the case in today’s speech—no longer sounds visual, that which is no longer formulated in a visual way so as to evoke a visual image in the listener’s mind, is incomprehensible to the dead.

[ 11 ] Wenn Sie die Sache weiter überlegen, dann werden Sie sehen, daß bei allem Umsetzen ins Bildhafte eigentlich das Substantivische zuerst verlorengeht. Das geht alles ins Verbale, ins Zeitwortgemäße über, oder wenigstens geht es in etwas so über, daß man genötigt ist, bildhafte Vorstellungen zu entwickeln. Wenn man heute einen solchen Stil entwickelt, daß überall bildhafte Vorstellungen zugrunde liegen, dann bekommt man in der Regel zur Antwort: Die Leute verstehen das nicht, das ist schwer verständlich. Aber wer es ehrlich meint mit unserer Zeit, der strebt bewußt einen solchen Stil an, der vorgestellt werden kann durch und durch in Bildern. Ich habe jetzt in der Broschüre, die über soziale Fragen erscheint — selbst da, wo man so sehr gedrängt ist zu Abstraktionen, weil die Gegenwart, da wo über die soziale Frage diskutiert wird, fast nur noch Abstraktionen zutage fördert —, selbst da habe ich angestrebt, möglichst so zu stilisieren, daß die Dinge in Bilder umgesetzt werden können. Gerade bei den heutigen Redereien über die soziale Frage ist das Abstraktionsvermögen zum Alleräußersten getrieben. Und die Menschen haben sich allmählich angewöhnt, die Worte gewissermaßen wie Redemünzen hinzunehmen, bei denen sie ganz und gar nicht mehr an irgend etwas konkret Bildliches denken. Lesen Sie heute eine soziale Broschüre oder ein soziales Buch: da können Sie nur zurechtkommen, wenn Sie sich jahrelang hineingewöhnt haben in dasjenige, was gemeint ist, denn nur auf dem konventionellen Gebrauch der Worte beruht eigentlich der ganze Sinn solcher Reden. Wer fühlt heute, wenn er von «Besitzenden» spricht, daß dieses Wort einen gewissen Zusammenhang hat mit besessen sein! Und dennoch, der Sprachgenius, der, wie ich oftmals bemerkt habe, viel, viel bedeutender ist als dasjenige, was das einzelne menschliche Individuum denken und sprechen kann, der hat unzählige Beziehungen geschaffen, welche von dem Individuum nur entdeckt zu werden brauchen, um wiederum hineinzukommen in ein gewisses geistiges Leben. Und gerade wenn wir uns bestreben, hinter jedem Substantivum sein Verbum zu suchen, und geradezu übungsgemäß nicht immer vom Licht und vom Schall sprechen, sondern von dem sprechen, was leuchtet, und von dem, was schallt, und dann uns genötigt finden, immer mehr und mehr auf Wesenhaftiges einzugehen gegenüber dem Nichtwesenhaften, dann kommen wir auf eine Bahn, die in dieser Beziehung heilsam sein kann.

[ 11 ] If you think about it further, you will see that, in all this translation into imagery, it is actually the substantive aspect that is lost first. It all shifts into the verbal, into the realm of verbs—or at least it shifts into something such that one is compelled to develop visual images. If one develops a style today in which visual imagery underlies everything, the usual response is: “People don’t understand this; it’s hard to grasp.” But anyone who is sincere about our times consciously strives for a style that can be conveyed entirely through images. In the pamphlet I’ve just published on social issues—even there, where one is so strongly pressured toward abstractions, because the present, whenever the social question is discussed, brings forth almost nothing but abstractions—even there I have strived to stylize my writing as much as possible so that things can be translated into images. Especially in today’s discourse on social issues, the capacity for abstraction has been pushed to the absolute extreme. And people have gradually become accustomed to accepting words, as it were, as mere verbal coins, with which they no longer associate any concrete imagery whatsoever. Read a social pamphlet or a book on social issues today: you can only make sense of it if you’ve spent years getting used to what is meant, for the entire meaning of such discourse actually rests solely on the conventional use of words. Who today, when speaking of “the propertied,” feels that this word has any connection whatsoever to “being possessed”! And yet, the genius of language—which, as I have often observed, is far, far more significant than what any single human individual can think or say—has created countless connections that merely need to be discovered by the individual in order to re-enter a certain spiritual life. And precisely when we strive to seek the verb behind every noun, and—as a matter of practice—do not always speak of “light” and “sound,” but rather of “that which shines” and “that which resounds,” and then find ourselves compelled to focus more and more on the essential as opposed to the non-essential, we embark on a path that can be beneficial in this regard.

[ 12 ] Viel besser als das Substantivum ist schon das Adjektivum. Viel konkreter ist es, wenn ich sage: Wer fleißig ist —, als wenn ich einfach sage: Der Fleißige. — Aber «der Fleißige» ist schon wiederum viel konkreter, als wenn ich gar das furchtbare Gespenst — der Tote empfindet es nämlich als ein furchtbares Gespenst — «der Fleiß» zitiere. Wenn Sie sagen: das Wie, das Was — Goethe prägt einmal den schönen Satz: Das Was bedenke, mehr bedenke Wie —, dann ist das für den Toten deshalb eine lebendige Sprache, weil Sie selbst genötigt sind, indem Sie substantivisch solche Worte gebrauchen wie Was und Wie, konkret zu fühlen. Wenn Sie heute sagen: Ich stehe aus Prinzip auf einem gewissen Standpunkte —, dann haben Sie für den Toten zwei Gespenster zitiert, erst das «Prinzip», denn kaum ein Mensch denkt sich heute bei Prinzip etwas Konkretes, zweitens: «Standpunkt.» Dieses Gespenst «StandPunkt» ist ja in unserer Sprache und in allen westeuropäischen Sprachen schon so korrumpiert, daß man, wenn einer spricht, meistens schon das Allerwichtigste wegläßt. Sogar die Setzer korrigieren einen manchmal! Wenn ich in einem Manuskript schreibe: Wenn man von einem Standpunkte aus etwas sieht —, dann korrigiert der Setzer das «aus» zumeist heraus, und man muß es in der Korrektur wieder einsetzen; denn die Leute haben sich gewöhnt, den Unsinn zu sagen: Wenn man von einem Standpunkte etwas sieht. — Man kann, wenn man konkret spricht, nur sagen: Wenn man von einem Standpunkte aus etwas sieht dadurch wird eine Konkretheit hineingelegt. Aber wenn man von einem Standpunkte etwas sieht — da ist höchstens für den, der konkret spricht, die Vorstellung möglich, sich vorzustellen, daß man von dem Punkt etwas sieht, worauf der steht: ein Stückchen von dem Punkt. Na, ein Stückchen von dem Punkt ist schon an sich schwer vorzustellen, nicht wahr?

[ 12 ] The adjective is already much better than the noun. It is much more concrete when I say, “Whoever is diligent—” than when I simply say, “The diligent one.”—But “the diligent one” is, in turn, much more concrete than if I were to invoke that dreadful specter—“the dead” perceive it as a dreadful specter, after all—“diligence.” When you say: “the how,” “the what”—Goethe once coined the beautiful phrase: “Consider the what, but consider the how even more”—then that is living language for the dead precisely because you yourself are compelled, by using such words as “what” and “how” as nouns, to feel them concretely. If you say today: “As a matter of principle, I take a certain standpoint”—then you have cited two spectres for the dead: first, “principle,” because hardly anyone today associates anything concrete with the word “principle”; second, “standpoint.” This specter of “StandPunkt” is, after all, already so corrupted in our language and in all Western European languages that when someone speaks, they usually omit the very most important part. Even typesetters sometimes correct you! When I write in a manuscript: “When one sees something from a standpoint—,” the typesetter usually removes the “from,” and one has to put it back in the proof; for people have grown accustomed to saying the nonsense: “When one sees something from a standpoint.”—When speaking concretely, one can only say: “When one sees something from a standpoint”—this introduces a sense of concreteness. But “if one sees something from a standpoint”—at most, for someone speaking concretely, it’s possible to imagine seeing something from the point on which one is standing: a little bit of that point. Well, a little bit of that point is already hard to imagine in and of itself, isn’t it?

[ 13 ] Sehen Sie, diese Dinge sind außerordentlich wichtig und bedeutsam, denn sie weisen auf die Intimitäten der Beziehungen zwischen der sinnlichen und der geistigen Welt hin. Diese Dinge geben viel mehr eine Vorstellung über die Beziehungen des Sinnlichen und des Übersinnlichen, als das meiste, was in abstrakten Worten heute darüber geprägt wird. Gehen Sie einmal diejenige geisteswissenschaftliche Literatur durch, die ich versucht habe zu schreiben, und prüfen Sie sie auf ihre Methode hin. Das ist eine Prüfung, die wahrscheinlich bis heute die wenigsten Menschen vollzogen haben, denn immer ist die Methode eingeschlagen, daß eigentlich das eine durch das andere erklärt wird, daß immer die Dinge aufeinander hinweisen. Und ein wirkliches Geistesverständnis kann man auf gar keine andere Weise hervorrufen, als daß ein Ding immer auf anderes hinweist. Nehmen Sie nur einmal das Wort «Geist»! Geist, Geist, Geist — glaubt heute jeder immer sprechen zu müssen, der über den Materialismus hinweg sein will. Nehmen wir «Geist» in der deutschen Sprache. In der lateinischen trägt es ja einen noch mehr konkreten Charakter: Spiritus — aber, nicht wahr, das ist etwas, was die meisten Menschen nicht sehr stark zum Geiste hinführen wird, nach dem, was man unter «Geist» versteht, und wenn Sie dann nachdenken darüber, so wird die Sache sehr abstrakt, weil Sie sich doch nicht vorstellen können einen «Spiritus», nicht wahr? Das ist aber die konkrete Vorstellung, die zugrunde liegt. Aber, was ist «Geist»? Die meisten Menschen stellen sich ja, wenn sie sich den Geist vorstellen — ich habe das oft getadelt — eine sehr, sehr dünne Materie nur vor, so einen recht dünnen Nebel, und wenn sie irgendwo vom Geiste sprechen wollen, reden sie von «Vibrationen». Ich habe früher oft gehört, nicht gerade in theosophischen Versammlungen, aber bei theosophischen Tees, daß die Leute gesagt haben: Da sind so gute Vibrationen! — Ich weiß nicht, wie sie das meinten, aber jedenfalls ist ja auch das ein sehr materieller Vorgang, den man hineinphantasiert in den Raum. Das Wort «Geist», «Gischt», «Geischt», «Geschti» ist ja so etwas wie Dampf, der heraus-gischt aus irgendeiner Öffnung; das würde die konkrete Vorstellung sein. Aber in unserer heutigen Zeit, in dem fünften nachatlantischen Kulturzeitalter, kann man auf diese Weise gar nicht zu irgendeiner konkreten Vorstellung über den Geist kommen; das ist ja rein unmöglich. Denn, nicht wahr, entweder bleiben Sie bei irgendeiner schattenhaften Abstraktion stehen, die Sie mit dem Worte «Geist» verbinden, oder Sie sind genötigt, an Spiritus, an Weingeist zu denken; bei einem «begeisterten Menschen» werden Sie dann zu einer kuriosen Vorstellung kommen. Oder aber Sie denken an Gischt, Geischt, an etwas, was aus irgendeinem Spalt, in dem sich ein Ventil öffnet, heraus-gischt. Da würden Sie zu dem Konkreten kommen.

[ 13 ] You see, these things are extraordinarily important and significant, for they point to the intimate connections between the sensory and the spiritual worlds. These things give a much better sense of the relationship between the sensory and the supersensory than most of what is expressed about it today in abstract terms. Go through the spiritual science literature that I have attempted to write, and examine it in terms of its method. This is an examination that very few people have likely undertaken to this day, for the method has always been such that one thing is explained through another, and that things always point to one another. And a true understanding of the spirit cannot be brought about in any other way than by one thing always pointing to another. Just take the word “spirit”! Spirit, spirit, spirit—everyone today seems to feel they must speak of it if they want to rise above materialism. Let’s take “spirit” in the German language. In Latin, it has an even more concrete character: Spiritus—but, isn’t that something that won’t lead most people very far toward the Spirit, in the sense of what is meant by “Spirit”? And when you then reflect on it, the matter becomes very abstract, because you can’t really imagine a “Spiritus,” can you? Yet that is the concrete concept that underlies it. But what is “Spirit”? Most people, when they imagine the spirit—and I’ve often criticized this—picture only a very, very thin substance, a sort of quite thin mist, and when they want to talk about the spirit in any context, they speak of “vibrations.” I used to hear people say often—not exactly in theosophical gatherings, but at theosophical tea parties—that: “There are such good vibrations here!”—I don’t know what they meant by that, but in any case, that, too, is a very material process that one imagines into the room. The word “Geist,” “Gischt,” “Geischt,” “Geschti” is, after all, something like steam spurting out of some opening; that would be the concrete image. But in our present age, the fifth post-Atlantean cultural epoch, it’s impossible to arrive at any concrete conception of the spirit in this way; it’s simply impossible. For, isn’t it true that either you get stuck with some shadowy abstraction that you associate with the word “spirit,” or you’re compelled to think of alcohol, of wine spirit; in the case of an “enthusiastic person,” you would then arrive at a curious notion. Or else you might think of spray, of “Geischt”—something that sprays out of some crevice where a valve opens. That is how you would arrive at the concrete.

[ 14 ] Nun wird in der Methode, die hier in dem anthroposophischen Betrieb der Geisteswissenschaft eingeführt ist, versucht, durch die gegenseitigen Bedingungen der Vorstellungen, auf die angespielt ist, diese ins Konkrete allmählich überzuführen. Denken Sie doch, daß nur auf der einen Seite davon gesprochen wird, der Mensch zerfalle in physischen Leib, Ätherleib, Astralleib, Empfindungsseele, Verstandesseele, Bewußtseinsseele; und dann tritt «Geist» auf: Geistselbst, Lebensgeist, Geistesmensch. Es wird mit vollem Bewußtsein nur angeschlagen, da davon überhaupt die meisten, welche die Sache anhören, noch keine konkreten Vorstellungen bekommen können. Dann aber folgt sehr bald darauf, daß den Leuten gesagt wird: Betrachtet den Lebenslauf eines Menschen: von der Geburt bis zum siebenten Jahre, bis zum Zahnwechsel, ist vorzugsweise der physische Leib in Tätigkeit, dann bis zum vierzehnten Jahre der ätherische Leib, dann der Empfindungsleib, dann vom einundzwanzigsten bis zum achtundzwanzigsten Jahre die Empfindungsseele, dann in den Dreißigerjahren die Verstandes- oder Gemütsseele und so weiter. Damit wird der Mensch darauf hingewiesen: Beobachte äußerlich an dem konkreten Menschen, der sich durch seinen Lebenslauf hin entwickelt, welche Verschiedenheiten auftreten. Siehst du einen Menschen mit seinen besonderen Eigentümlichkeiten an, der im Anfang der Zwanzigerjahre ist, so seien dir diese Eigentümlichkeiten Symptome für dasjenige, was du vorzustellen hast, wenn der Ausdruck «Empfindungsseele» gebraucht wird. Siehst du ein Kind mit seiner Eigentümlichkeit, alles das zu tun, was der Große tut, durch die Hülle des Leibes zu leben, dann bekommst du in der Art, wie das Kind sich gebärdet, eine Vorstellung davon, was man eigentlich unter «physischem Leib» versteht. Und siehst du einen alten Menschen mit grauen Haaren und runzeligem Gesicht, wo die Materie bemerklich welkt, und du beobachtest ihn in seinen Bewegungen, in der Art und Weise, wie er sich darlebt, dann siehst du nicht mehr wie beim Kinde, wie sich da etwas, das ja in ihm ist, vorzüglich durch die Hülle darlebt, sondern du siehst in dem Greise wirksam dasjenige, was sich schon beginnt loszulösen vom physischen Leib. Beobachte den Greis: du wirst an seinen Gebärden, an der Art seines Verhaltens allmählich aufsteigen zu einer Vorstellung vom Geiste. Wenn du den Greis vergleichst mit dem Kinde und die Gebärde des Greises vergleichst mit den kindlichen Imitationsgebärden, dann erweckt sich in deiner Seele ein Gefühl des Unterschieds zwischen Geist und Materie. — Denken Sie, wie da der Bildlichkeit, dem imaginativen Vorstellen geholfen wird. Da wird der Mensch darauf hingewiesen: Stelle dir konkret den Lebenslauf eines Menschen vor und empfinde an diesem Lebenslauf etwas, dann füllen sich deine sonstigen abstrakten Worte mit konkreten Inhalten an.

[ 14 ] Now, in the method introduced here in the anthroposophical practice of spiritual science, an attempt is made to gradually translate these concepts into concrete terms through the interdependent conditions to which reference is made. Just consider that, on the one hand, it is said that the human being is composed of the physical body, the etheric body, the astral body, the soul of sensation, the soul of understanding, and the soul of consciousness; and then “spirit” appears: the spiritual self, the life spirit, the spiritual human being. These terms are only touched upon with full awareness, since most of those listening to this subject cannot yet form concrete concepts of them. But very soon afterward, people are told: Consider the course of a human life: from birth to the age of seven, until the teeth change, the physical body is primarily active; then, until the age of fourteen, the etheric body; then the sensory soul; then, from the age of twenty-one to twenty-eight, the soul of feeling; then, in one’s thirties, the soul of understanding or the emotional soul; and so on. This is meant to point people toward the following: Observe externally, in the specific individual who is developing throughout the course of their life, the differences that arise. When you observe a person with their particular characteristics who is in their early twenties, let these characteristics serve as symptoms of what you are to imagine when the term “feeling soul” is used. If you observe a child with the characteristic of wanting to do everything that adults do—to live through the physical body—then the way the child behaves gives you an idea of what is actually meant by the “physical body.” And if you observe an elderly person with gray hair and a wrinkled face, where the physical form is noticeably withering, and you observe him in his movements, in the way he lives through them, then you no longer see—as with the child—how something that is within him lives out its life primarily through the physical body; rather, you see at work in the old man that which is already beginning to detach itself from the physical body. Observe the elderly person: through his gestures and the nature of his behavior, you will gradually rise to a conception of the spirit. When you compare the elderly person with the child and the elderly person’s gestures with the child’s imitative gestures, a sense of the difference between spirit and matter awakens in your soul. — Consider how this aids imagery and imaginative visualization. Here, the person is prompted: Imagine the course of a person’s life in concrete terms and feel something through that life story; then your otherwise abstract words will be filled with concrete meaning.

[ 15 ] Und wiederum wird versucht, auf alle mögliche Weise zu zeigen, wie die Menschheit als solche immer jünger und jünger geworden ist, wie wir jetzt siebenundzwanzig Jahre alt sind, das heißt, wie unsere Kultur darin besteht, daß wir siebenundzwanzig Jahre alt sind als Menschheit. Wenn Sie das vergleichen mit dem, was Sie wissen können von früheren Kulturperioden, was Sie erhoffen können von späteren Kulturperioden, so unterstützt Ihnen das wiederum das bildliche Vorstellen. Vergleichsweise, beziehungsweise Vorstellungen bilden, das ist etwas, wodurch Sie vorschreiten vom Abstrakten zum Konkreten und dahin gelangen, die Abstraktionen allmählich überhaupt nicht mehr als Abstraktionen gelten zu lassen, sondern ins Konkrete überzuführen, den Sprachgenius zu belauschen.

[ 15 ] And once again, attempts are being made in every possible way to show how humanity as such has become younger and younger, how we are now twenty-seven years old—that is, how our culture consists in the fact that we, as humanity, are twenty-seven years old. If you compare this with what you know of earlier cultural periods, and what you can hope for from later cultural periods, this in turn supports your ability to visualize. Making comparisons—or forming mental images—is something through which you progress from the abstract to the concrete and come to the point where you gradually no longer regard abstractions as abstractions at all, but rather transform them into the concrete, listening in on the genius of language.

[ 16 ] Da müßte nun wirklich heute die Schule zu Hilfe kommen demjenigen, was eine große Kulturaufgabe ist. Übungen müßten in der Schule angestellt werden in diesem Konkretmachen der Vorstellungen, damit der Mensch anfange, wenn er etwas spricht, sich in dem Sprechen drinnen zu fühlen, im Sprechen in der Welt sich zu fühlen. Nehmen Sie zum Beispiel an, ich habe etwas auf die Tafel geschrieben. Irgend jemand sagt einem: Das begreife ich nicht. — Denken Sie an die schattenhaften Abstraktionen, die Sie manchmal in Ihrem Gemüte haben, wenn Sie sagen: Das begreife ich nicht. — Konkret würden die nämlich werden, wenn Sie sich vorstellen wollten, Sie wollten das begreifen, hin-greifen, doch Sie begreifen es nicht, Sie bleiben zurück, Sie kommen nicht an die Sache. — Aber da müßten Sie mit Ihren Händen das vorstellen. Versuchen Sie das gerade bei den wichtigsten Worten, was werden Sie dann tun? Sie werden eigentlich im Geiste Eurythmie treiben! Wenn Sie nämlich konkret sprechen, so treiben Sie im Geiste Eurythmie. Sie können gar nicht anders, als im Geiste Eurythmie treiben. Und derjenige, der in solchen Dingen lebendig drinnensteht, der empfindet die meisten heutigen Menschen — verzeihen Sie — als schreckliche Faulpelze, als Menschen, die eigentlich immer herumgehen mit den Händen in den Hosentaschen und sich nicht bewegen wollen und dann reden. Denn abstrakt vorstellen, das ist, geistig empfunden, die Hacken und auch die Fußspitzen zusammenmachen, die Hände in die Hosentaschen tun und alles so einzwängen in sich, wie man nur kann! So redet der heutige Mensch. Die Konkretheit fortlassen aus den Vorstellungen: das heißt nämlich «latsch» sein! Aber so sind die meisten heutigen Menschen. Die Menschen müssen innerlich wieder beweglich werden, das heißt, sie müssen sich mitfühlen mit der Welt. Selbst diejenigen, die das tun, die tun es manchmal nur unbewußt. Man kennt Menschen, wenn sie über etwas nachdenken, so machen sie es mit dem Finger an der Nase. Daß dies aber eine ganz konkrete eurythmische Vorstellung ist für das Sich-stark-fühlen-Wollen, um etwas zu entscheiden, dessen werden sich die Menschen gar nicht bewußt. Die Menschen denken ja heute nicht einmal darüber nach, warum sie eine rechte und eine linke Hand haben, oder warum sie zwei Augen haben. Und in den gelehrten Büchern stehen namentlich über das Sehen mit den zwei Augen die allertollsten Dinge, die eigentlich gar nichts erklären. Hätten wir nämlich nicht zwei Hände, so daß wir die linke mit unserer rechten angreifen könnten, so könnten wir nie eine ordentliche Ich-Vorstellung haben. Nur daß wir Gleiches mit Gleichem von rechts nach links angreifen, dadurch wird die Ich-Vorstellung allmählich in der rechten Weise möglich. Und geradeso wie wir mit der rechten Hand die linke zur Kreuzung bringen können, wie wir uns selber empfinden und erstaunt sind über unser Empfinden, über das, daß wir uns empfinden, so kreuzen wir auch die Augenachsen. Die sind nur nicht so sichtbar gekreuzt wie die beiden Hände. Und damit wir kreuzen können, haben wir zwei Augen, aus demselben Grund, warum wir zwei Hände respektive Arme haben.

[ 16 ] Today, schools really ought to step in to help with this—which is a major cultural task. Exercises should be conducted in school to make these ideas concrete, so that when a person speaks, they begin to feel at home in their speech, to feel at home in the world through their speech. Take, for example, suppose I’ve written something on the blackboard. Someone says to you, “I don’t understand that.” — Think of the shadowy abstractions you sometimes have in your mind when you say, “I don’t understand that.” — They would become concrete, in fact, if you tried to imagine that you wanted to grasp it, to reach out for it, yet you don’t grasp it; you fall short; you can’t get to the heart of the matter. — But then you would have to visualize it with your hands. Try doing this with the most important words—what will you do then? You will actually be practicing eurythmy in your mind! For when you speak concretely, you’re actually doing eurythmy in your mind. You simply can’t help but do eurythmy in your mind. And anyone who is truly alive to such things perceives most people today—forgive me—as terrible slackers, as people who are actually always walking around with their hands in their pockets, unwilling to move, and yet still talking. For to imagine abstractly—as perceived spiritually—is to bring the heels and the tips of the feet together, put the hands in one’s pockets, and constrict everything within oneself as much as possible! That is how people today speak. To leave concreteness out of one’s ideas: that is, in fact, to be “sluggish”! But that is how most people are today. People must become flexible again inwardly; that is, they must empathize with the world. Even those who do so sometimes do it only unconsciously. You know, when people think about something, they do it with their finger on their nose. But people aren’t even aware that this is a very concrete eurythmic gesture for the desire to feel strong in order to make a decision. People today don’t even think about why they have a right and a left hand, or why they have two eyes. And scholarly books contain the most outlandish claims—particularly regarding vision with two eyes—that actually explain nothing at all. For if we did not have two hands, so that we could grasp the left with our right, we could never have a proper sense of the “I.” It is only by grasping like with like from right to left that the sense of the “I” gradually becomes possible in the right way. And just as we can bring our right hand to cross over our left—just as we perceive ourselves and are amazed by our perception, by the fact that we perceive ourselves—so too do we cross the axes of our eyes. They are simply not as visibly crossed as our two hands. And so that we can cross them, we have two eyes, for the same reason that we have two hands or arms.

[ 17 ] Das ist, was man sich vor Augen führen muß, wenn man die intimeren Notwendigkeiten der menschlichen Entwickelung von der Gegenwart in die Zukunft ins Auge fassen will: diese Notwendigkeit, in die Sprache dasjenige aufzunehmen, was der Sprache heute fehlt. Und weil es fehlt, schließt sich der Mensch ab von der ganzen Welt, in der er ist zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Deshalb wird immer ermahnt, wenn man eine Verbindung herstellen will mit einem Toten, nicht einfach mit ihm in Wortvorstellungen zu sprechen, denn das führt nicht zu viel, sondern irgendeine konkrete Situation zu denken: So hast du neben ihm gestanden, seine Stimme hast du gehört, das hat dich in der Empfindung mit ihm zusammengeführt —, ganz konkret sich die Situation und alles, was dabei vorgekommen ist, zu denken, das verbindet mit dem Toten. Denn die Menschen brauchen heute die Sprache in einem Sinn, durch den sie geradezu von der Welt der Toten abgeschlossen werden; der Sprachgenius ist zum größten Teil eben gestorben und muß wiederum verlebendigt werden. Da muß wahrscheinlich vieles fallen, was die Leute heute gewöhnt sind, als Sprachfügungen und dergleichen zu haben! Das ist es, worauf vieles, vieles ankommt, meine lieben Freunde. Denn nur dadurch werden wir — was ich schon einmal hier erwähnte als notwendig für die zukünftige Entwickelung — in das imaginative Vorstellen wieder hineinkommen, indem wir wirklich versuchen, dem Sprachgenius abzulauschen, was den Worten Konkretes zugrunde liegt. Da werden wir überhaupt die vertrackte Abstraktion allmählich losbekommen.

[ 17 ] This is what one must keep in mind when considering the more intimate necessities of human development from the present into the future: this necessity to incorporate into language what is currently lacking in it. And because it is missing, human beings shut themselves off from the entire world in which they find themselves, caught between death and a new birth. That is why we are always advised that, if we wish to establish a connection with a deceased person, we should not simply speak to them in abstract terms, for that does not lead to much; rather, we should imagine a specific situation: You stood beside them, you heard their voice, and that brought you together with them in feeling—to imagine the situation and everything that happened there in very concrete terms; that is what connects us to the deceased. For people today need language in a way that effectively cuts them off from the world of the dead; the genius of language has, for the most part, died and must be brought back to life. This will likely require letting go of many things that people today are accustomed to regarding as figures of speech and the like! This is what so much, so very much depends on, my dear friends. For only in this way will we—as I have already mentioned here as necessary for future development—return to imaginative thinking, by truly trying to listen in on the genius of language to discover what concrete reality underlies the words. Then we will gradually free ourselves from this convoluted abstraction.

[ 18 ] Und etwas anderes wird eintreten. Heute fühlt der Mensch eine ungeheure Befriedigung, wenn er in Abstraktionen denken kann, wenn er loskommt von der Wirklichkeit, die für ihn die sinnliche Wirklichkeit ist. Aber er kommt eigentlich dadurch nur in lauter Vorstellungslöcher hinein, wenigstens für den Toten sind sie Vorstellungslöcher. Und wenn heute die Leute von Geist, Geist, Geist sprechen, so sind das ebenso viele Vorstellungslöcher, denn die Menschen stellen sich nichts Konkretes vor. Die meisten Gedanken sind heute Abstraktionen. Je weiter man nach dem Osten geht — sagen die Europäer —, um so bildhafter wird die Sprache. Das ist es gerade, warum die Sprache geistverwandter ist, je weiter man nach Osten kommt: Weil sie bildhafter ist. In Abstraktionen sprechen sollte nämlich gar nicht wegführen vom sinnlich-konkreten Vorstellen, sondern es sollte das sinnlich-konkrete Vorstellen nur durchleuchten. Aber denken Sie nur einmal: Haben viele oder werden viele von Ihnen an das Konkrete desjenigen Satzes gedacht haben, den ich jetzt ausgesprochen habe: Die sinnlich-wirklichen Vorstellungen sollen durch die Abstraktionen durchleuchtet werden? — Sie müssen sich also die sinnlich-konkreten Vorstellungen dunkel vorstellen, eine Finsternis; in die wird durch die Abstraktion hineingeleuchter. Also indem wir den Satz aussprechen: In unsere konkreten Vorstellungen wird durch die Abstraktion hineingeleuchtet —, denken wir uns Lichtstrahlen in einen dunklen Raum hineinfallend, der womöglich blauschwarz ist, während das Hineinfallende gelblich hineinstrahlt. Indem ich den Satz ausspreche: In unsere konkreten sinnlichen Vorstellungen leuchten die Abstraktionen hinein —, habe ich einen dunklen Raum im Geiste, in den helle Lichtstrahlen hineinfallen (siehe Zeichnung). Bei wie vielen Menschen ist das heute der Fall, daß wirklich in ihrem Gemüte solch ein Bild lebt? Sie sprechen das Wort «durchleuchten» aus, ohne daß sie die konkrete Vorstellung in dem, was sie geistigen Sinn nennen, irgendwie noch haben. Aber darauf kommt es an, daß wir nicht nur das Konkrete, das Sinnliche anders vorstellen, wenn wir zur Abstraktion übergehen, sondern daß wir eine Empfindung haben von diesem Andersvorstellen! Diese Empfindung können wir uns aneignen, wenn wir gerade das Boryilimische anschauen; denn da komm durch ein:anderes Mittel, das weniger abgebraucht ist, durch das Mittel der Gebärde dasjenige, was in den Worten liegt, zum Ausdruck. Und die Menschen können sich wieder zurückfinden zu dem bildlichen Vorstellen.

[ 18 ] And something else will happen. Today, people feel immense satisfaction when they can think in abstractions, when they can break free from reality—which for them is sensory reality. But in doing so, they actually only fall into nothing but holes in their imagination—at least for the dead, these are holes in their imagination. And when people today speak of spirit, spirit, spirit, these are just as many holes in their imagination, for people do not imagine anything concrete. Most thoughts today are abstractions. The farther one goes east—so say the Europeans—the more figurative the language becomes. That is precisely why language becomes more in tune with the spirit the farther one goes east: because it is more figurative. Speaking in abstractions should not, in fact, lead one away from sensory-concrete imagination, but should merely shed light on it. But just think for a moment: Have many of you—or will many of you—have thought of the concrete nature of the very sentence I have just uttered: “Sensory-real conceptions are to be illuminated by abstractions”?—You must therefore imagine the sensory-concrete conceptions as dark, as a darkness; into which light is shed by abstraction. So when we utter the sentence: “Abstraction sheds light into our concrete representations”—we imagine rays of light falling into a dark room, which may be blue-black, while the light falling into it shines with a yellowish glow. When I say the sentence: “Abstractions shine into our concrete sensory images”—I have a dark room in my mind into which bright rays of light fall (see drawing). How many people today actually have such an image alive in their minds? They utter the word “illuminate” without in any way still possessing the concrete image in what they call their mental consciousness. But what matters is that we not only conceive of the concrete, the sensory, differently when we move toward abstraction, but that we have a sensation of this different way of conceiving! We can acquire this sense by observing Boryilism; for there, what lies in the words is expressed through a different, less worn-out means—namely, the gesture. And people can find their way back to pictorial imagination.

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[ 19 ] Es ist wenigen Menschen bewußt, daß eine Handstreckung ein wirkliches I ist, weil sie nicht wissen, wenn sie I aussprechen und dieses I mit einer konkreten Vorstellung verknüpft ist, daß sie etwas strecken in ihrem Ätherleib. Aber Sie kommen allmählich darauf, daß Sie etwas strecken in Ihrem ätherischen Leib, wenn Sie I aussprechen, wenn Sie eben dieselbe Bewegung in der Eurythmie beobachten. Das ist also keine willkürliche Sache, die jetzt hereingetragen wird, sondern es ist tatsächlich eine Sache, die mit unserer Kulturentwickelung außerordentlich stark zusammenhängt.

[ 19 ] Few people are aware that stretching out a hand is a true “I,” because they do not realize that when they pronounce the “I” and associate this “I” with a concrete image, they are stretching something in their etheric body. But you gradually come to realize that you are stretching something in your etheric body when you pronounce “I,” when you observe precisely this same movement in eurythmy. So this is not some arbitrary concept that is now being introduced, but rather something that is in fact extremely closely connected to our cultural development.

[ 20 ] Sehen Sie, es ist wichtig, dies zu begreifen. Wir haben jetzt den fünften nachatlantischen Zeitraum; dann haben wir noch vor uns den sechsten und siebenten bis zu einem großen Einschnitt in der Menschheitsentwickelung. Während dieses fünften nachatlantischen Zeitraums müssen die Sprachen wiederum zurückkehren zur Konkretisierung, zum bildhaften Vorstellen. Nur auf diese Weise können wir die Aufgabe dieses fünften nachatlantischen Zeitraums wirklich erfüllen. Nun werden die Sprachen um so weniger zurückkehren zum bildhaften Vorstellen, je mehr der Staat das geistige Leben unterjochen wird. Je mehr Schulen und Geistesbetriebe verstaatlicht worden sind in den letzten Jahrhunderten, desto abstrakter ist das ganze Leben geworden. Erst das auf sich selbst gebaute Geistesleben wird diese notwendige Verbildlichung des geistigen Wesens des Menschen herbeiführen können, die herbeigefürt werden muß. Innerhalb dieser Bestrebung werden Dinge auftreten im Laufe des fünften nachatlantischen Zeitraums, die sehr störend eingreifen werden in die spirituellen Bestrebungen. Während dieses fünften nachatlantischen Zeitraums wird jeder Mensch sich nur richtig empfinden, der sich denken kann in der Situation: Du bist stehend in der Welt, du mußt dir bewußt sein, daß du auf der einen Seite immerfort nahekommst luziferischer Wesenheit, auf der anderen Seite nahekommst ahrimanischer Wesenheit (es wird gezeichnet). Dieses lebendige Gefühl, in diese Trinität hineingestellt zu sein als Mensch, das muß die Menschen während des fünften nachatlantischen Zeitraums immer mehr und mehr durchdringen; dadurch kommen sie über die großen Gefahren dieses fünften nachatlantischen Zeitraums hinaus. Die mannigfaltigsten Menschencharaktere werden auftreten während dieses fünften nachatlantischen Zeitraums: Da werden Idealisten sein, da werden Materialisten sein. Aber die Idealisten, die werden immerfort vor der Gefahr stehen, daß sie mit ihren Vorstellungen in luziferische Regionen hineinkommen, daß sie Schwärmer, Phantasten, Schwarmgeister, Lenine, Trotzkijs werden, ohne wirklichen Boden unter den Füßen; mit ihrem Willen können sie leicht ahrimanisch werden, despotisch, tyrannisch. Was ist eigentlich für ein Unterschied zwischen einem Zaren und einem Lenin? — Die Materialisten werden in ihren Vorstellungen leicht ahrimanisch werden, nüchtern, philiströs, trocken, bürgerlich; in ihrem Willen können die Materialisten luziferisch werden; animalisch, begierlich, nervös, sensitiv, hysterisch. Ich will das auf die Tafel schreiben:

[ 20 ] You see, it is important to understand this. We are now in the fifth post-Atlantean epoch; ahead of us lie the sixth and seventh, leading up to a major turning point in human development. During this fifth post-Atlantean epoch, languages must once again return to concreteness, to pictorial imagination. Only in this way can we truly fulfill the task of this fifth post-Atlantean epoch. Now, the more the state subjugates spiritual life, the less languages will return to pictorial imagination. The more schools and institutions of the spirit have been nationalized in recent centuries, the more abstract life as a whole has become. Only a spiritual life built upon itself will be able to bring about this necessary visualization of the spiritual essence of the human being—a visualization that must be brought about. Within this endeavor, events will arise in the course of the fifth post-Atlantean epoch that will interfere very disruptively with spiritual endeavors. During this fifth post-Atlantean epoch, every human being will feel truly at home only if they can imagine themselves in the following situation: You are standing in the world; you must be aware that, on the one hand, you are constantly drawing closer to the Luciferic entity, and on the other hand, to the Ahrimanic entity (this is illustrated). This vivid sense of being placed within this trinity as a human being must increasingly permeate people during the fifth post-Atlantean epoch; through this, they will transcend the great dangers of this fifth post-Atlantean epoch. The most diverse human characters will emerge during this fifth post-Atlantean epoch: there will be idealists, and there will be materialists. But the idealists will constantly face the danger that their ideas will lead them into Luciferic realms, that they will become dreamers, fantasists, fanatics, Lenins, Trotskyists—without any real grounding; their will can easily turn Ahrimanic, despotic, tyrannical. What, in fact, is the difference between a tsar and a Lenin? — The materialists will easily become Ahrimanic in their ideas—sober, philistine, dry, bourgeois; in their will, the materialists can become Luciferic—animalistic, lustful, nervous, sensitive, hysterical. I will write this on the board:

Idealisten:
Vorstellungen können leicht luziferisch werden;
Schwärmer, Phantasten, Schwarmgeister.
Wille kann leicht ahrimanisch werden; despotisch, tyrannisch.

Idealists:
Ideas can easily become Luciferic;
Enthusiasts, dreamers, visionaries.
Will can easily become Ahrimanic; despotic, tyrannical.

Materialisten:
Vorstellungen können leicht ahrimanisch werden;
nüchtern, philiströs, trocken, bürgerlich.
Wille kann leicht luziferisch werden;
animalisch, begierlich, nervös, sensitiv; hyeterisch.

Materialists:
Concepts can easily become Ahrimanic;
sober, philistine, dry, bourgeois.
Will can easily become Luciferic;
animalistic, lustful, nervous, sensitive; hyeteric.

[ 21 ] Sie sehen: Idealisten und Materialisten, sie sind, nur von verschiedenen Seiten her, im fünften nachatlantischen Zeitraum den gleichen Gefahren ausgesetzt, die Idealisten von seiten der Vorstellungen dem Luziferischen, von seiten des Willens dem Ahrimanischen; die Materialisten von seiten der Vorstellungen dem Ahrimanischen und von seiten des Willens dem Luziferischen. Die verschiedenen Charaktere, die auftreten, werden das in den verschiedensten Abstufungen haben. Da wird die Schwierigkeit liegen, die Menschheit wirklich vorwärtszubringen, denn all das werden zugleich Quellen des Abirrens der Menschheit sein. Denn niemals wird der Mensch einseitig als Idealist oder als Materialist richtig vorwärtskommen können, sondern nur dann, wenn er den guten Willen hat, ebenso in die materielle Wirklichkeit verständnisvoll einzudringen, wie auch auf der anderen Seite sich vom Geiste in der richtigen Weise erleuchten zu lassen. Aber einseitig soll man nicht werden selbst mit Bezug auf die allerkonkretesten Anschauungen des Lebens, da erst recht nicht.

[ 21 ] As you can see, idealists and materialists—albeit from different perspectives—face the same dangers in the fifth post-Atlantean epoch: idealists face the Luciferic forces on the level of thought and the Ahrimanic forces on the level of will; the materialists, on the part of their ideas, to the Ahrimanic, and on the part of their will, to the Luciferic. The various characters that emerge will exhibit this in a wide range of degrees. Therein will lie the difficulty of truly advancing humanity, for all of these will simultaneously be sources of humanity’s straying. For human beings will never be able to make true progress by being one-sidedly idealists or materialists, but only when they have the good will to penetrate material reality with understanding, just as they must, on the other hand, allow themselves to be enlightened by the spirit in the right way. But one must not become one-sided, not even with regard to the most concrete aspects of life—certainly not then.

[ 22 ] Wer nur Kinder gerne hat, der steht vor der Gefahr, daß sehr starke ahrimanische Einflüsse auf ihn wirken; wer nur Alte gerne hat, steht vor der Gefahr, daß sehr starke luziferische Einflüsse auf ihn wirken. Vielseitigkeit der Interessen, das ist dasjenige, was den Menschen notwendig wird, wenn sie Beihilfe leisten wollen zu einem fruchtbaren Entwickeln der Kultur nach der Zukunft hin. Das wird vorzugsweise die Aufgabe des fünften nachatlantischen Zeitraums sein. Aber diese drei Zeiträume, die noch folgen müssen, werden sehr ineinander übergreifen. Das, was für den sechsten zum Ausdruck kommt, muß auch schon mitentwickelt werden in dem fünften, und auch das, was in dem siebenten zum Ausdruck kommt; es kann nicht alles so geschieden werden in der Zukunft, wie es in der Vergangenheit geschieden war. Und für den sechsten Zeitraum, da wird vor allen Dingen notwendig sein, daß die Menschen es dahin bringen, das Ahrimanische zu fesseln, das heißt, mit der Wirklichkeit so recht fertig zu werden. Wie werden sie mit der Wirklichkeit fertig? Dazu ist notwendig vor allen Dingen, daß das Rechtsleben, das ausgesondert hat das geistige Leben und das Wirtschaftsleben, daß dieses Rechtsleben, also dasjenige, was von Mensch zu Mensch demokratisch leben muß, jetzt so bewußt werden muß, wie es während der ägyptisch-chaldäischen Kulturperiode unbewußt war. Es muß der Mensch lernen, bei alledem, was vorgeht in der Welt zwischen Mensch und Mensch, bedeutsame Vorgänge höher zu empfinden. Lebendig werden solche Vorstellungen werden müssen, wie sie angeschlagen waren in meinem letzten Mysteriendrama in jener ägyptischen Szene, wo von Capesius ausgesprochen wird, wie dasjenige, was da im engen Raume vorgeht, eine Bedeutung hat für das ganze Weltgeschehen. Wenn die Menschen wissen werden wiederum, daß man niemanden anlügen kann, ohne daß in der geistigen Welt mächtige Dinge toben, dann wird so etwas erfüllt werden, wie es immer mehr erfüllt werden muß in dem sechsten nachatlantischen Zeitraum. — Und wenn wir wiederum kommen zu der Möglichkeit eines weisheitsvollen Heidentums neben dem Christentum, dann wird etwas von dem verwirklicht, was für den siebenten nachatlantischen Zeitraum, aber auch schon für jetzt ganz besonders notwendig ist. Die Menschen haben verloren das Verhältnis zur Natur. Die Natur spricht nicht mehr in Gebärden zu den Menschen. Wie viele Menschen können sich heute noch etwas davon vorstellen, wenn man sagt: Im Sommer schläft die Erde, im Winter wacht die Erde? — Das ist für sie eine Abstraktion. Es ist keine Abstraktion! Zur ganzen Natur muß wiederum ein solches Verhältnis gewonnen werden, daß der Mensch sich eigentlich als etwas Gleiches fühlt mit der ganzen Natur.

[ 22 ] Those who love only children run the risk of being subjected to very strong Ahrimanic influences; those who love only the elderly run the risk of being subjected to very strong Luciferic influences. A diversity of interests—that is what people will need if they wish to contribute to the fruitful development of culture as we look toward the future. This will be the primary task of the fifth post-Atlantean epoch. But these three epochs, which are yet to come, will overlap considerably. What will come to expression in the sixth period must already be developed in the fifth, as must what will come to expression in the seventh; in the future, things cannot be separated as clearly as they were in the past. And for the sixth epoch, it will be necessary above all for human beings to succeed in binding the Ahrimanic forces—that is, to come to terms with reality in the right way. How will they cope with reality? For this, it is necessary above all that the legal life—which has separated spiritual life from economic life—that this legal life, that is, the life that must be lived democratically from person to person, must now become as conscious as it was unconscious during the Egyptian-Chaldean cultural period. Human beings must learn to perceive, in all that takes place in the world between one person and another, that significant events have a higher significance. Such ideas must come alive, as they were sketched out in my last Mystery Drama in that Egyptian scene where Capesius explains how what is happening there in that confined space has significance for the entire course of world events. When people come to realize once again that one cannot lie to anyone without powerful forces raging in the spiritual world, then something will be fulfilled that must increasingly be fulfilled in the sixth post-Atlantean epoch. — And when we once again come to the possibility of a wisdom-based paganism existing alongside Christianity, then something will be realized that is particularly necessary not only for the seventh post-Atlantean epoch but also for the present time. People have lost their connection to nature. Nature no longer speaks to people through its signs. How many people today can still imagine what is meant when one says: “In summer the earth sleeps; in winter the earth awakens”? — For them, this is an abstraction. It is no abstraction! We must once again establish such a relationship with all of nature that human beings actually feel themselves to be one with all of nature.

[ 23 ] Das sind Dinge, die für das intimere Seelenleben wesentlich sind. Wie sie zusammenhängen mit dem, was wir soziale Impulse nennen können, davon wollen wir dann morgen weiter sprechen.

[ 23 ] These are things that are essential to our innermost spiritual life. We will talk more tomorrow about how they relate to what we might call social impulses.